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Erst die Hochzeit und dann das Vergnügen / Stunden der Ekstase / Ein Mann mit zuviel Sex-Appeal

Sara Orwig

Erst die Hochzeit und dann das Vergnügen

PROLOG

Jake Thorne wusste genau, dass er schleunigst heiraten musste, wenn er sein Ziel erreichen wollte. Unruhig rutschte er auf seinem Schreibtischstuhl hin und her und sah aus seinem Bürofenster im fünfundzwanzigsten Stock, vor dem sich mächtige Bürotürme, Bäume und Wohnhäuser bis zum Horizont erstreckten. Wie sollte er es nur anstellen, in den nächsten Wochen eine passende Frau zu finden?

Er kannte jede Menge Frauen, aber mit keiner konnte er sich eine längere Beziehung vorstellen – schon gar nicht eine Ehe. Vor allem nicht unter den gegebenen Umständen. Die meisten seiner Bekanntschaften waren nur scharf auf das luxuriöse Leben und die gesellschaftliche Stellung, die er ihnen bieten konnte. Nach seiner letzten Affäre hatte Jake die Nase endgültig voll. Er musste dringend eine Frau finden, die nicht hinter seinem Geld her war.

Er wurde von einer seiner Sekretärinnen aus seinen Gedanken gerissen, die ihn über die Gegensprechanlage bat, einige Unterlagen zu unterschreiben. Als Emily Carlisle sein Zimmer betrat, musterte er sie flüchtig und stellte fest, dass ihr Haar inzwischen lang genug war, um es hochzustecken. Wie immer sah sie aus wie in Uniform. Ihre funktionale Garderobe schien nur aus Baumwollblusen und schlichten Röcken zu bestehen und passte sich der nüchternen Büroumgebung perfekt an.

Vom Geschäftlichen abgesehen schenkte Jake Emily normalerweise kaum Beachtung. Nur einmal hatte er sie gefragt, warum sie ihre Brille eigentlich so selten aufsetzte, und sie hatte ihm gestanden, eigentlich keine zu brauchen. Sie trug sie nur, um älter auszusehen. Emily war zurückhaltend, hatte ein angenehmes Wesen und war eine der besten Sekretärinnen, die er je gehabt hatte. Daher hätte sie von ihm aus auch in Sackleinen im Büro erscheinen können.

Sie arbeitete schon seit Jahren für ihn, aber Jake hatte nicht die geringste Ahnung, ob es einen Mann in ihrem Leben gab oder nicht. Es interessierte ihn auch nicht.

Emily legte ihm einen Stapel Briefe und Protokolle vor, die er nach flüchtiger Durchsicht unterschrieb, und reichte ihm zwei Telefonnotizen.

„Sie hatten zwei Nachrichten auf dem Anrufbeantworter, Kalas Jaskowski und Miranda Gable.“

„Verbinden Sie mich mit Jaskowski“, sagte Jake.

Miranda wollte ihn wahrscheinlich nur wieder zu einer ihrer Partys einladen, um ihre Beziehung aufzuwärmen. Kein Interesse. „Sagen Sie Miranda, dass ich nach Australien muss und sie anrufe, sobald ich zurück bin. Am ersten Februar bin ich für zwei Wochen außer Landes.“

„Ist schon notiert“, antwortete Emily und erinnerte ihn an die Termine des Nachmittags.

„Wenn alle Gespräche erledigt sind, möchte ich hier nicht mehr gestört werden. Ich muss noch Verträge prüfen und einen Bericht schreiben.“

„In Ordnung“, sagte Emily und nahm die Unterlagen. Jake hatte sie schon vergessen, noch bevor sie aus dem Zimmer verschwunden war.

Um sechs griff er nach seinem Mantel und ging durch das Vorzimmer. Zu seiner Überraschung saß Emily noch immer am Computer. „Wir sind fertig, Emily. Gehen Sie nach Hause.“

Sie lächelte. „Ich bereite nur noch etwas für morgen früh vor.“

Jake ging zu ihrem Schreibtisch, griff nach dem Kabel des Computers und zog es aus der Steckdose. „Machen Sie sich fertig. Ich lade Sie zum Essen ein.“

Emily sah ihn erschrocken aus großen blauen Augen an. „Sie brauchen mich nicht …“

„Ich weiß. Haben Sie denn schon etwas anderes vor?“

„Das nicht“, antwortete sie. „Aber Sie brauchen mich wirklich nicht einzuladen.“

„Ich möchte aber.“ Amüsiert registrierte er, wie sie mit sich rang. So etwas hatte er nicht mehr erlebt, seit er dreizehn gewesen war und ein Nachbarmädchen zum Schulball eingeladen hatte. „Es ist doch nur ein Abendessen, Emily“, fügte er hinzu.

Sie wurde rot, nahm ihre Handtasche und stand auf. Noch immer sah sie ihn perplex an.

„Gibt es da jemanden, den es stören würde, wenn wir zwei essen gehen?“, fragte er.

„Bestimmt nicht“, entgegnete sie entschieden. Nanu? Hatte sie von Männern etwa genauso die Nase voll wie er von Frauen?

Als Jake ihr die Tür aufhielt und sie an ihm vorbeiging, nahm er flüchtig ihr angenehmes Parfum wahr.

Er betrachtete sie von hinten. Unter dem schwarzen Jackett und dem langen dunkelgrünen Rock konnte man auf den ersten Blick nichts erkennen, aber da er unbedingt eine Frau finden musste, sah er sie an diesem Abend eingehender an als sonst.

Allerdings wäre es absurd, ihr einen Antrag zu machen. Sie lebten in komplett verschiedenen Welten. Trotzdem ging ihm der Gedanke nicht aus dem Kopf, als er sie zu seinem Auto begleitete. In seinem schwarzen Maserati legte er Mantel und Krawatte ab und öffnete den Hemdkragen. Die meisten Frauen brachen beim Anblick seiner teuren Luxusautos in Begeisterungsstürme aus, aber in Emilys kühlem Blick las er nur leichte Missbilligung. Faszinierend! Anscheinend ließ sein Geld sie kalt.

Im Steakhaus bestellte Jake eine Flasche Wein und nahm ihr die falsche Brille ab. „Die brauchen sie nicht“, stellte er fest. Emily hatte schöne blaue Augen mit langen, dichten Wimpern. Sie hatte ihr Jackett ausgezogen, und unter ihrer weit geschnittenen beigen Bluse konnte er anziehende Kurven erkennen.

Lächelnd steckte sie die Brille weg. „Ich wusste gar nicht, dass ich die noch aufhabe. Sie haben recht, ich brauche sie wirklich nicht.“

„Erzählen Sie mir ein wenig von sich. Wie verbringen Sie zum Beispiel Ihre Freizeit? Ich nehme an, es gibt gerade keinen Mann in Ihrem Leben?“

„Nein, und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Das letzte Mal war eine ziemliche Katastrophe“, sagte sie bitter. „Anscheinend habe ich einfach zu hohe Ansprüche.“

„Welche zum Beispiel?“

Sie zuckte die Achseln. „Ich möchte einen Mann, der zu mir passt und mit dem ich gern zusammen bin. Jemanden, der sich gut mit meiner Familie versteht.“

„Aha, Ihre Familie bedeutet Ihnen also viel. Sie möchten bestimmt irgendwann heiraten und Kinder haben, stimmt’s?“

„Meine Familie ist mir das Wichtigste überhaupt“, sagte sie und biss sich auf die Lippe. „Sie setzen wahrscheinlich andere Prioritäten. Beruflicher Erfolg scheint Ihnen über alles zu gehen, schließlich arbeiten Sie rund um die Uhr.“

„Ich bin eben sehr ehrgeizig, aber ich möchte auch eine Familie gründen“, antwortete Jake. „Mein Leben besteht keineswegs nur aus Arbeit“, fügte er lächelnd hinzu und dachte an seine Jacht und sein Haus in den Bergen. „Erzählen Sie mir von Ihrer Familie.“

Emilys Vater war Pastor, ihre Eltern lebten in Dallas, und sie hatte drei verheiratete Brüder und eine verheiratete Schwester. Emily rührte den Wein kaum an und erzählte während des Salats weiter, ohne sich Mühe zu geben, Jake zu gefallen. Sie machte keinerlei Anstalten zu einem Annäherungsversuch. Sie unterhielt sich einfach nur freundlich mit ihm – genauso wie im Büro. Sein Vermögen schien sie nicht zu interessieren.

Jake fand heraus, dass sie dreißig war, kaum jünger als er selbst, aber darauf kam es nicht an. Er hatte sie als einen zuverlässigen, vertrauenswürdigen und intelligenten Menschen erlebt. Normalerweise ging er nicht mit Frauen wie ihr aus, aber wahrscheinlich war das genau sein Problem. Er war noch keiner begegnet, die er lange genug ertrug, um sie heiraten zu können.

Er musste lächeln, als Emily sich die Reste einpacken ließ. So etwas hatte er nicht mehr getan, seitdem er seinen ersten sechsstelligen Scheck in Händen gehalten hatte. Sparsamkeit war ein für alle Mal passé.

Auf dem Weg zum Auto fasste Jake Emily am Arm. „Die Nacht ist noch jung. Kommen Sie, ich zeige Ihnen mein Haus. Wir trinken einen Brandy und setzen unsere Unterhaltung fort.“

„Danke, aber ich möchte lieber nach Hause“, antwortete sie und sah zu ihm auf. „Morgen habe ich einen langen Tag vor mir. Ich gebe Mathematikstunden bei uns in der Kirche.“

Noch nie hatte eine Frau eine Führung durch sein Haus abgelehnt. Jakes Herz begann, schneller zu klopfen. Hatte er vielleicht die Lösung für sein Problem gefunden? Liebe war schließlich unwichtig.

Außerdem hatte er bisher noch nie eine Frau geliebt und rechnete auch nicht damit, dass das noch eintreten würde. Und er musste so schnell wie möglich eine Frau und eine Familie habe.

„Ich wohne in der Oak Avenue“, sagte sie.

„Ganz schön nah am Büro.“

„So spare ich mir das Auto“, antwortete sie. Als sie vor ihrem Haus vorfuhren, wusste Jake genau, dass sie ihn nicht in ihre Wohnung bitten würde. Daher stellte er den Motor ab und wandte sich zu ihr um. „Emily, ich habe den Eindruck, dass Sie von Beziehungen die Nase genauso voll haben wie ich.“

„Kann schon sein“, antwortete sie.

„Wir wollen beide heiraten und eine Familie gründen, stimmt’s?“

„Ja“, antwortete sie, schnallte sich ab und streckte die Hand nach der Tür aus.

„Ich habe viel über meine Zukunft nachgedacht, Emily. Und nachdem ich Sie heute besser kennengelernt habe, bin ich zu einem Entschluss gekommen. Warum gehen wir keine Vernunftehe ein? So bekommen wir beide, was wir wollen.“

„Sie wollen mich heiraten?“, fragte sie fassungslos und starrte ihn mit offenem Mund an. Jake stellte fest, dass sie volle, einladend geschwungene Lippen hatte.

„Richtig. Eine Ehe, die mit Kalkül geschlossen wird und unsere Wünsche erfüllt, ohne uns einzuengen. Wir arbeiten schon so lange zusammen, dass wir uns relativ vertraut sind. Ideale Voraussetzungen also.“

„Das ist völlig absurd!“, sagte sie.

„Nein, es ist perfekt.“ Jake nahm ihre Hand, deren Haut so zart und weich war wie Seide. Fest entschlossen sah er ihr in die Augen. „Emily, willst du mich heiraten?“

1. KAPITEL

Siebzehn Monate später

Palmen schaukelten vor der weitläufigen weißen Villa in einer sanften Brise. Emily stand auf der Veranda und betrachtete den in der Sonne glitzernden Swimmingpool mit seinen Wasserfällen und Fontänen, der in einem üppig blühenden Garten lag. Nicht weit dahinter befanden sich der Strand und das Meer. Zu Hause in Dallas war noch immer Sommer, aber hier wurden die Septemberabende bereits kühl.

Jakes Privatinsel war ein wahres Paradies. Trotzdem fühlte Emily sich wie eine Gefangene und sehnte sich nach Texas zurück.

Sie hatte daher eine Entscheidung getroffen, mit der sie Jake konfrontieren musste, sobald er zurückkam. Nach siebzehn Monaten Vernunftehe war sie fest entschlossen, sich scheiden zu lassen. Sie war nicht die richtige Frau für Jake, so schwer diese Erkenntnis ihr auch fiel.

Das Motorengeräusch eines Sportwagens kündigte seine Ankunft an. Emily drehte sich um und ging zurück ins Haus, in dem sich Deckenventilatoren träge über Bambusmöbeln drehten. In einem Spiegel überprüfte sie ihr Erscheinungsbild.

Sie hatte ihr langes dunkles Haar mit einem Seidenband zurückgebunden und trug ein blaues Sommerkleid und Sandalen. Sie hatte abgenommen. Jake war das noch nicht aufgefallen, aber das war auch nicht weiter verwunderlich.

Die Haustür öffnete sich, und Jakes Schritte waren auf den Holzdielen zu hören. Emily rief seinen Namen. Er kam herein und legte sein Handy und die Schlüssel auf einen Tisch. Bei seinem Anblick begann ihr Herz wie wild zu klopfen.

Schon seit der stürmischen Zeit vor ihrer Hochzeit reagierte Emily äußerst intensiv auf ihn. Natürlich war ihr schon früher bewusst gewesen, dass ihr Chef ein attraktiver Mann war, aber seit sie zusammen waren, wurde seine Wirkung auf sie von Tag zu Tag stärker. Glücklich war sie darüber nicht. Sie durfte auf keinen Fall den Fehler machen, sich in ihn zu verlieben, wie so viele vor ihr.

Emily musste an die zahlreichen Anrufe in seinem Büro denken und an die Frauen, die einfach unangemeldet aufgetaucht waren, um ihn zu sehen. Sie hoffte nur, dass sie selbst sich nie die Blöße geben würde, einem Mann so hinterherzulaufen.

Jake war dunkelhaarig, groß gewachsen und eine charismatische Erscheinung mit einem markanten Kinn und hohen Wangenknochen. Ein maskuliner Typ, den man nicht leicht übersah. Wenn er einen Raum betrat, drehten sich meist sämtliche Köpfe nach ihm um.

Jetzt gerade trug er einen seiner Maßanzüge, deren Preis ihr zu Beginn ihrer Ehe einen Schock versetzt hatte, und strahlte Erfolg und Selbstsicherheit aus. Sein bloßer Anblick war erregend, aber sie befand sich an einem Wendepunkt in ihrer instabilen Ehe und unterdrückte ihre Gefühle. Sie fürchtete sich vor der bevorstehenden Aussprache.

„Du siehst fantastisch aus. Es tut gut, wieder zu Hause zu sein“, erklärte Jake und umarmte sie. Der schwache Duft seines Aftershaves erinnerte sie an den muskulösen Körper unter dem eleganten Anzug. „Hey! Was machst du für ein Gesicht?“, fragte er und hob ihr Kinn.

„Jake, ich muss mit dir reden“, erklärte sie atemlos, voller Angst, ihre sorgfältig einstudierte Rede zu vergessen. Als Jake sie eng an sich zog, kam ihr Entschluss tatsächlich ins Wanken, aber das war nichts Neues – Jake war einfach ein toller Mann. Trotzdem war sie unglücklich mit ihm. Sie hatte das Gefühl zu versagen, weil sie bisher noch nicht schwanger geworden war.

„Und ich mit dir. Obwohl ich lieber erst mit dir schlafen würde“, flüsterte er mit rauer Stimme. Er streichelte ihren Hals, was ihr einen wohligen Schauer über den Rücken jagte. Dann griff er in seine Tasche. „Ich habe dir etwas mitgebracht.“

Emily holte tief Luft und starrte auf das schmale, mit einem roten Seidenband umwickelte Päckchen. „Du sollst mir doch nicht ständig Geschenke machen“, protestierte sie.

„Warum denn nicht? Mach es auf“, sagte er ungeduldig und sah sie voller Verlangen an.

Sie machte sich von ihm los, löste das Band und packte eine schwarze Samtschatulle aus. Als sie den Deckel hochklappte, entdeckte sie eine funkelnde Halskette aus Diamanten und Saphiren. „Sie ist wunderschön“, sagte sie tonlos. Ein Gefühl der Enttäuschung überwältigte sie.

Jake hob ihr Kinn. „Was ist los? Du klingst, als hätte ich dir einen Strauß Unkraut geschenkt.“

„Es ist nicht wegen der Kette, Jake. Wir müssen reden, und zwar über unsere Ehe.“ Sie holte tief Luft und sah in seine unergründlichen grüngrauen Augen. Ihr war bewusst, dass kaum eine Frau ihre Entscheidung nachvollziehen können würden. Sie hatte deswegen schon stundenlang mit ihrer Schwester Beth diskutiert. „Unsere Ehe, unser … Abkommen – es funktioniert nicht.“

Jake runzelte die Stirn. „Gib uns doch eine Chance. Wir sind erst seit anderthalb Jahren verheiratet. Was genau stört dich eigentlich?“

„Wir wollten ein Kind. Die Ärzte haben gesagt, dass mit uns alles in Ordnung ist, aber ich werde trotzdem nicht schwanger. Ich habe das Gefühl, dich zu enttäuschen.“

„Entspann dich, und gib uns Zeit“, antwortete Jake sanft. „Wenn du willst“, seine Lippen glitten über ihren Hals, „können wir die Sache aber auch gleich jetzt angehen.“

Wie immer verspürte Emily das Verlangen, einfach die Augen zu schließen und sich seinen Berührungen hinzugeben. Jake war ein leidenschaftlicher und verständnisvoller Mann, und er tat alles, um sie glücklich zu machen. Im Grunde war er unwiderstehlich. Aber ausnahmsweise behielt sie einen klaren Kopf und hielt seine Arme fest.

„Jake, hör mir zu!“, sagte sie entschieden. „Wir müssen reden.“

Jake streichelte sanft ihre Wange. „Alles, was du willst, Liebling. Ich mache dir einen Vorschlag. Zieh dich um, und wir fliegen nach Grand Cayman zum Abendessen und Tanzen. Höchste Zeit, dass du mal von dieser Insel runterkommst. Ich sorge dafür, dass wir gleich abheben können. Dann können wir uns den ganzen Abend lang unterhalten.“ Jake nahm sein Handy. „Ich reserviere uns nur schnell einen Tisch“, rief er ihr über die Schulter zu.

„Jake, wir könnten doch genauso gut auch hier …“

„Ich weiß, aber ich will mit dir ausgehen. Wie lange wirst du brauchen?“

„Zehn Minuten“, antwortete sie kopfschüttelnd. Wie konnte ein so brillanter Geschäftsmann in Privatdingen nur so schwer von Begriff sein?

„Lass dir ruhig eine Viertelstunde Zeit, damit ich noch duschen und mich rasieren kann.“ Er drehte sich um, klappte sein Handy auf und begann zu sprechen. Sie blickte ihm hinterher.

„Das gehört auch zu meinen Problemen mit dir“, sagte sie zum leeren Türrahmen. „Du hörst mir einfach nicht zu.“ Sie presste die Lippen zusammen und ging ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen. Jake war schon unter der Dusche.

In dem großen begehbaren Kleiderschrank legte sie die Samtschatulle mit der Kette auf den Frisiertisch und betrachtete seufzend die Diamanten und Saphire. Die meisten Frauen wären bestimmt überglücklich über ein solches Geschenk.

Während sie sich umzog, konnte sie durch die offenen Fenster das Meer hören. Diese Insel war Paradies und Gefängnis zugleich. Genau wie ihre Ehe.

Sie wählte ein dunkelblaues, hochgeschlossenes Kleid mit kleinen Ebenholzknöpfen, einfach, aber raffiniert geschnitten. Sie bürstete ihr Haar und steckte es hoch. Da sie kaum Make-up benutzte, zog sie nur noch hochhackige Sandalen an und griff nach ihrer Handtasche.

Wieder sah sie die Kette an, die für ein bloßes Abendessen viel zu elegant war. Sie legte sie beiseite und entschied sich stattdessen für eine mit einem kleinen Diamanttropfen, der auf ihrem blauen Kleid funkelte. Sie machte sich nicht viel aus Schmuck, aber Jake gefiel es, wenn sie seine Geschenke trug.

Auf dem Weg nach unten fragte sie sich, ob Jake ihr überhaupt zuhören würde. Vielleicht war es das Beste, einfach zu gehen und ihm einen Brief zu hinterlassen.

Jake stand schon vor der Haustür und telefonierte. Bei seinem Anblick setzte Emilys Herzschlag für einen Moment aus. Ihr Mann sah einfach unglaublich attraktiv aus, ganz wie der erfolgreiche Milliardär, der er war.

Jakes ebenmäßige Gesichtszüge und seine hohen Wangenknochen verschlugen ihr immer wieder den Atem. Aber am faszinierendsten waren seine intensiven grauen Augen, die vor Begierde brennen, belustigt aufblitzen oder sein Gegenüber durchdringend anschauen konnten. Aus der Nähe konnte man kleine grüne Punkte in der Iris erkennen. Doch die selben Augen verbargen Jakes Gedanken so gründlich wie Nebel. Und sie wusste nur zu gut, wie kalt und entschlossen sie blicken konnten, wenn Jake seinen Willen durchsetzen wollte.

Wenn sie ihn verließ, würde sie ein Versprechen brechen, das sie ihr ganzes Leben lang für heilig gehalten hatte. Sie fühlte sich deshalb schuldig, aber ihre Angst vor der Zukunft und die Tatsache, dass sie nicht schwanger wurde, wogen schwerer.

Ihre Schwester hatte sie für verrückt erklärt, Jake und das Leben aufzugeben, das er ihr bieten konnte. Ob sie die Entscheidung für den Rest ihres Lebens bereuen würde? Diese Frage hatte sie sich in den letzten drei Wochen unaufhörlich gestellt.

Sie wusste, dass Jake nichts und niemandem lange hinterhertrauerte. Er würde einfach sein Leben weiterleben – und bestimmt problemlos Ersatz finden. Die meisten Frauen wären nur zu gern bereit, ihren Platz einzunehmen und ihm zu geben, was er wollte.

Wenn sie ihn verließ, gab es kein Zurück mehr. Jake konnte unversöhnlich sein, wie sie schon während der Zusammenarbeit mit ihm festgestellt hatte. Er hatte einen starken Willen und war gewohnt, sich durchzusetzen. Der Gedanke an den bevorstehenden Abend machte Emily daher zunehmend nervös.

Schade, dass sie nicht in Dallas waren, dort würde ihr die Aussprache leichter fallen. Die Insel hingegen war sein Revier. Wenn sie nach Hause zurückwollte, war sie von Jakes gutem Willen abhängig.

Jake steckte sein Handy weg und musterte Emily eingehend. Dann schlenderte er auf sie zu, blieb unmittelbar vor ihr stehen und umfasste ihre Taille. „Du siehst wunderschön aus und duftest gut“, sagte er mit rauer Stimme.

„Danke“, antwortete sie kurz angebunden. Doch als sie zu ihm aufsah, begann ihr Herz erneut zu klopfen. Sie konnte das Kompliment nur erwidern. Sein Gesichtsausdruck machte sie nervös.

„Du bist köstlicher als jedes Abendessen“, fügte er gedehnt hinzu.

Ihr wurde heiß. Als er seinen Blick zu ihren Lippen wandern ließ, beschleunigte sich ihr Atem. Er beugte sich vor. „Du siehst wahnsinnig verführerisch aus“, flüsterte er und strich mit seinen Lippen sanft über die ihren. Sie schloss die Augen, legte die Hände auf seine Arme und spürte die festen Muskeln unter dem eleganten Tuch. Jake zog Emily an sich und küsste sie.

Ihre Lippen öffneten sich wie von selbst. Während sie leise aufstöhnte, spürte sie, wie sie die Kontrolle über sich verlor. Sie schlang die Arme um Jakes Hals, presste sich an ihn und erwiderte seinen leidenschaftlichen Kuss.

Als er sie schließlich losließ, öffnete sie ihre Augen nur widerwillig. Jake betrachtete sie eindringlich und mit einer gewissen Befriedigung.

Er wusste nur zu genau, wie mühelos er ihre Vorwürfe und Argumente einfach fortküssen konnte.

„Jake, Küsse sind keine Lösung.“

„Du hast recht. Sie machen mich nämlich ganz verrückt nach dir“, sagte er mit rauer Stimme. „Du trägst ja den Diamanten, den ich dir geschenkt habe. Schön, dass er dir gefällt.“

„Er ist wunderschön.“

„Bevor wir gehen, würde ich gern noch eine Kleinigkeit ändern“, sagte er. Er öffnete die oberen Knöpfe ihres Kleides und sah sie dabei unverwandt an. „Warum verbirgst du deine verführerischen Kurven eigentlich noch immer vor mir? Wir sind schließlich verheiratet.“

Emily wollte am liebsten sein Hemd aufknöpfen, seine durchtrainierte Brust berühren und ihn küssen. Aber dann konnte sie die Aussprache vergessen. Sex würde sie nur wieder ablenken. Sie griff nach seinem Handgelenk und hielt es fest.

„Das reicht, Jake“, sagte sie.

„Nur noch ein Knopf, damit ich endlich etwas zu sehen kriege. Okay, noch zwei, und dann fliegen wir weg.“

Lächelnd gab sie nach. Jake öffnete drei Knöpfe und erweiterte ihren Ausschnitt. Sanft glitten seine Finger über die entblößten Rundungen.

„Das war’s. Du siehst zum Anbeißen aus“, flüsterte er ihr ins Ohr.

„Und du bist unwiderstehlich“, entgegnete sie ehrlich. Ob ihm eigentlich bewusst war, wie sehr das stimmte?

„Das will ich doch hoffen.“ Er sah sie aus unergründlichen Augen an. „Wollen wir los?“, fragte er. In seiner üblichen dominanten Art fasste er sie am Arm, ohne ihre Antwort abzuwarten, und hielt ihr die Tür zu seinem Sportwagen auf.

Am Anfang ihrer Beziehung hatten Jakes zahllose schicke Autos sie überrascht. Sie setzte sich in den Wagen und sah zu, wie er um das Fahrzeug herumging und auf den Fahrersitz neben ihr glitt. Währenddessen schloss sie die Knöpfe, die er geöffnet hatte.

Wenig später hatten sie Jakes Landebahn erreicht. Sein Chauffeur Toby Uride und sein Leibwächter Brick Prentiss warteten schon auf sie. Emily hatte lange gebraucht, sich an all die Menschen zu gewöhnen, die für Jake arbeiteten, vor allem den Leibwächter.

Schon bald waren sie in der Luft und überflogen die Insel und die tiefblaue Karibik. Emily sah Jakes riesige Jacht, die vor der Insel ankerte.

Sie drehte sich zu Jake um und stellte fest, dass er sie beobachtete. „Du bist wunderschön, Em“, sagte er, nahm ihre Hand und ließ seinen Daumen über ihre Knöchel gleiten. Sie atmete schneller. Jake vermochte ihr Begehren schon mit einem Blick oder einer leichten Berührung zu wecken.

„Danke“, antwortete sie.

„Es freut mich, dass ich eine so starke Wirkung auf dich haben“, sagte er leise. „Mir geht es übrigens nicht anders. Ich begehre dich, mehr als dir vielleicht bewusst ist. Jetzt zum Beispiel machst du mich heiß, ohne etwas zu tun.“

„Wenn du dich zurücklehnen und das Flirten lassen würdest, könnte das nicht passieren“, sagte sie kühl. Es war ihr egal, wenn sie abweisend klang. „Ich möchte heute Abend ausnahmsweise einmal ohne Ablenkungsmanöver mit dir reden. Und ich will, dass du mir zuhörst.“

Er nickte. „Ich bin ganz Ohr. Trotzdem genieße ich die erotische Spannung zwischen uns. Das macht die Aussicht auf den Sex nach unserer Rückkehr gleich viel aufregender.“

Jakes glühender Blick und seine raue Stimme waren nicht weniger stimulierend als seine Berührungen.

Er konnte nicht im Mindesten ahnen, welche Wirkung er in Wahrheit auf sie hatte. Sie entzog ihm ihre Hand und sah wieder aus dem Fenster. „Der Ausblick ist herrlich, Jake. Sieh doch mal!“

„Tu ich doch“, sagte er gedehnt.

Emily zwang sich, weiter nach draußen zu sehen. Ihr Herz raste, aber sie wollte ihm nicht zeigen, wie erregt sie bereits war.

Nachdem das Flugzeug gelandet war, fuhren sie in ein Luxushotel, das einem von Jakes Freunden gehörte, und begaben sich mit dem Fahrstuhl in das elegante Restaurant im obersten Stockwerk. Der Oberkellner begrüßte Jake und führte sie in eine abgeschiedene Ecke, von der aus sie einen Panoramablick auf den Palmenstrand hatten.

Emily trank einen Eistee, während Jake Wein bestellte. Als der Kellner gegangen war, sah Jake sie an und nahm ihre Hand. Schon allein die Berührung seiner warmen Finger war elektrisierend.

Wenn sie doch nur schwanger werden würde! Es verging kein Tag, an dem sie sich nicht nach einem Kind sehnte und sich deshalb Vorwürfe machte. Sie und Jake hatten sich von den besten Ärzten des Landes untersuchen lassen, schliefen pausenlos miteinander und hatten trotzdem keinen Erfolg.

Eigentlich sollte sie sich glücklich schätzen. Jake war ein aufregender Liebhaber und ein fürsorglicher Ehemann. Sie hatte ein angenehmes, luxuriöses Leben, aber sie wollte mehr. Jake war vollständig von seiner Arbeit absorbiert. Sie hatte von Anfang an gewusst, dass er erfolgsorientiert war, aber das Ausmaß seiner Gier nach Geld, Luxus und Macht war ihr nicht bewusst gewesen.

Das flackernde Kerzenlicht auf dem Tisch ließ Jakes Wangenknochen stärker hervortreten und warf Schatten auf sein Gesicht. Sie widerstand dem Drang, ihm eine Haarsträhne aus der Stirn zu streichen. Sie hatte einen begnadeten Charmeur geheiratet, und es war schwierig, mit ihm über Dinge zu reden, die ihn nicht interessierten.

Aber sie wollte ihn freigeben, damit er eine andere Frau finden konnte.

Jake hob ihr Kinn. „Mach dir nicht so viele Gedanken“, sagte er sanft. „Wir werden schon noch ein Baby bekommen. Die Ärzte haben gesagt, dass mit uns alles in Ordnung ist. Gib uns Zeit, Em.“

„Du hast bisher immer bekommen, was du wolltest.“

„Nicht alles“, sagte er kühl. „Nicht, bis ich an Geld und Macht gelangt war. Meine Kindheit war schrecklich. Mein Vater war ein Herumtreiber und wurde bei einer Schlägerei getötet. Mom war völlig mittellos, aber sie wollte das Beste für mich und meine kleine Schwester und hat immer Wert auf gute Noten gelegt. Ohne Hub Braden wäre mein Leben vielleicht ganz anders verlaufen.“

Hubert Braden war nicht nur Jakes Mentor, sondern auch der seiner Freunde Ryan Warner und Nick Colton gewesen.

„Euer Sommerjob damals auf Hubs Landgut war natürlich ein Glücksgriff. Aber ihr drei hättet bestimmt auch ohne seine Hilfe Karriere gemacht.“

„Du hast ja großes Zutrauen in mich“, erwiderte Jake lächelnd. „Nach meinem Abschluss in Buchhaltung hat Hub mir einen Job besorgt und mich unter seine Fittiche genommen.“ Jake starrte gedankenverloren vor sich hin. „Er hat mir finanziell unter die Arme gegriffen, als ich mich selbstständig gemacht habe. Ich war schon vor meinem dreißigsten Lebensjahr Milliardär. Das habe ich Hubs Geld, seinem Einfluss und seiner Unterstützung zu verdanken. Allein hätte ich das nie geschafft, schon gar nicht so schnell.“

Emily musste an den zerbrechlichen alten Mann denken, der in seinem Schweizer Chalet rund um die Uhr betreut wurde. Jake hatte sie nach ihren Flitterwochen miteinander bekannt gemacht. Hubert Braden hatte stark abgemagert ausgesehen und war kaum imstande gewesen zu sprechen, doch seine Augen hatten bei Jakes Anblick aufgeleuchtet. Offensichtlich hatte der Besuch des jungen Ehepaars ihn gefreut.

„Vielleicht hast du recht. Aber mit deiner Entschlossenheit und Intelligenz hättest du es bestimmt auch ohne Hilfe geschafft. Ich verstehe nur nicht, warum du noch mehr Geld machen willst. Du könntest dich doch ohne Weiteres zur Ruhe setzen.“

„Ich liebe meine Arbeit, und es macht mir Spaß, Geld zu verdienen. Außerdem will ich auf keinen Fall jemals wieder arm sein. Eines Tages gehe ich vielleicht in die Politik, und dafür brauche ich viel Geld.“

Entsetzt sah sie ihn an. „Du willst doch wohl nicht etwa für die Präsidentschaft kandidieren?“

Jake lachte und zeigte dabei strahlend weiße Zähne. „Ich möchte eine Dynastie gründen“, erwiderte er mit plötzlicher Entschlossenheit in der Stimme, die fast eisig klang. „Dafür brauche ich Söhne.“

Was Emily erneut daran erinnerte, dass sie ihm keine Kinder schenken konnte. Sie sah zur Seite. „Das bringt uns zum Thema zurück, das ich mit dir diskutieren möchte“, sagte sie steif.

„Wir werden später darüber reden, wenn wir unter uns sind. Du hast ja schon wieder dein Kleid zugeknöpft“, fügte er belustigt hinzu.

„Wir sind in der Öffentlichkeit“, gab sie zurück. „Du wirst den Rest noch früh genug zu sehen kriegen.“

Jake holte tief Luft. „Am liebsten würde ich sofort aufbrechen. Warum nehmen wir uns keine Suite? Das Hotel gehört Ryan.“

„Wer hat, dem wird gegeben“, antwortete Emily naserümpfend. Jake und seine beiden engsten Freunde erwiesen einander ständig Vergünstigungen. Sie standen sich so nahe wie Brüder.

„Lass uns tanzen. Vielleicht siehst du dann nicht mehr so traurig aus.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, stand er auf, griff nach ihrer Hand und warf ihr einen seiner unwiderstehlichen Blicke zu.

Als sie ihm auf die Tanzfläche folgte, nahm sie sich fest vor, diesmal standhaft zu bleiben.

Sie tanzten zu einer alten Ballade. Als sie in seinen Armen lag, vergaß sie einen Moment lang alles andere um sich herum.

„Schon viel besser“, sagte er liebevoll. Für einen Moment erlag sie seinem Charisma und erwiderte sein Lächeln. Ihre Sorgen waren vorübergehend vergessen.

Dann wurde ein schnelleres Stück gespielt. Jake hielt sie bei der Hand und tanzte weiter. Er bewegte seinen muskulösen Körper mit der Anmut eines Athleten. Sie verspürte ein angenehmes Prickeln, und mit jeder Berührung ihrer Hüften oder Schultern begehrte sie ihn mehr.

Sie folgte seiner Führung und ließ ihn keinen Augenblick aus den Augen. In seinem dunklen Anzug sah er schlank und überaus sexy aus. Ob er sie später zu Hause lieben würde? Oder würde der Abend in Schweigen enden?

Der Sex mit Jake war sensationell, doch es gab keine wirkliche Intimität zwischen ihnen, keine echten Gefühle. Auch diese Nacht würde es nicht anders sein.

Nach dem Tanzen war Emily erhitzt und außer Atem. Jake nahm sie beim Arm und führte sie zurück zu ihrem Platz, wo schon der Salat auf sie wartete. Sie trank einen Schluck Wasser und versuchte, die Gedanken an Jakes Küsse und seine Berührungen zu verdrängen.

„Erzähl mir von deiner Arbeitswoche“, sagte sie und setzte das Glas ab.

„Ich habe die ganze Zeit an dich denken müssen. Ich konnte mich nicht so wie sonst auf meine Arbeit konzentrieren“, antwortete Jake.

„Du spinnst.“ Emily schenkte ihm keinen Glauben. Sie kannte niemanden, der sich so in seine Arbeit vertiefen konnte wie Jake. „Ich habe lange genug für dich gearbeitet, als dass ich das glauben könnte.“

Seine Worte hatten sie elektrisiert, aber Jake war nur allzu geschickt darin, einer Frau das Gefühl zu vermitteln, etwas Besonderes zu sein. Emily nahm seine Komplimente daher in der Regel nicht allzu ernst. Bestimmt dachte er auch jetzt gerade insgeheim ans Geschäft.

„Danke für das Kompliment, Jake, aber das ändert nichts an meinen Zweifeln an unserer Ehe. Wir haben uns schon genug Zeit gelassen. Ich werde einfach nicht schwanger.“

„Ich habe dich doch hoffentlich nicht unter Druck gesetzt?“ Jake legte seine Gabel nieder und sah Emily ins Gesicht. Sie erwiderte seinen Blick. Gott sei Dank schenkte er ihr endlich mal Aufmerksamkeit!

„Nein, das ist es nicht. Aber du hättest so gern einen Sohn. Wenn ich aus deinem Leben verschwinde, kannst du dir eine Frau suchen, die dir Kinder schenkt.“ Tränen stiegen ihr in die Augen, und sie presste die Lippen zusammen, um nicht loszuweinen.

Plötzlich hatte sie keinen Appetit mehr auf ihren Salat und legte die Gabel hin.

Jake hob ihr Kinn und sah sie forschend an. „Hör auf zu weinen“, sagte er sanft. „Ich habe mich nie beschwert. Ich bin nicht unglücklich mit dir und möchte dich weder loswerden noch gegen eine andere eintauschen. Vergiss das Ganze doch endlich.“

„Das fällt mir schwer“, antwortete sie steif. Zu blöd, dass sie ihre Tränen nicht zurückhalten konnte. Warum war er nur so lieb zu ihr?

„Versuch es trotzdem“, verlangte er und wischte ihr die Tränen fort. „In einem Jahr sieht vielleicht alles ganz anders aus. Wenn du erst einmal schwanger bist, wirst du ganz vergessen haben, dass du mich verlassen wolltest.“

„Es geht nicht nur um die Schwangerschaft“, sagte sie und biss sich auf die Unterlippe, während ihre Teller abgetragen wurden. Sie stellte fest, dass Jake ebenfalls nichts gegessen hatte. Vielleicht war er ja doch nicht so ruhig und selbstsicher, wie er wirkte.

Hummer und Steaks wurden aufgetragen. Emily sah Jake an. Sein schwarzes Haar glänzte im Kerzenlicht, und seine dichten Wimpern warfen dunkle Schatten auf seine Wangen. Im Hintergrund spielte Klaviermusik. Sie würde diesen Augenblick nie vergessen.

„Du warst ein toller Ehemann“, sagte sie geduldig. „Aber ausnahmsweise läuft diesmal nicht alles nach deinem Willen.“

Jake berührte sanft ihre Wange. „Ich habe in unserer Ehe nichts vermisst. Ich will keine andere Frau und möchte unsere Ehe nicht beenden. Sie funktioniert doch gut!“

„Tut sie nicht!“, protestierte Emily heftiger als sie eigentlich wollte. Sie riss sich zusammen. „Mich interessiert dein materialistisches Leben nicht. Ich möchte lieber anderen Menschen helfen. Du verschwendest viel zu viel Geld, anstatt anderen das Leben zu erleichtern. Ich bin dazu erzogen worden, für andere da zu sein. Wir leben in unterschiedlichen Welten.“

Jakes geduldiges Lächeln ließ zusätzlichen Ärger in ihr aufsteigen. Warum tätschelte er ihr nicht gleich den Kopf?

„Ich habe dir ein eigenes Bankkonto eingerichtet, auf das ich jeden Monat einen großzügigen Betrag überweise“, erklärte er. „Du kannst damit machen, was du willst. Außerdem leistest du schon jede Menge wohltätige Arbeit. Du unterrichtest und engagierst dich in verschiedenen Organisationen. Ich möchte mein Geld nicht verschenken.“

Jake runzelte die Stirn, ehe er weitersprach. „Ich bin bettelarm aufgewachsen und möchte diese Erfahrung nicht wiederholen. Aber davon abgesehen passen wir gut zusammen, Em.“ Er senkte die Stimme. „Denk doch nur an die schönen Dinge, die wir zusammen erlebt haben, die magischen Nächte, das Baden im Mondschein. Wir haben getanzt, uns geküsst und uns stundenlang geliebt …“

Emily holte tief Luft und versuchte, einen klaren Kopf zu behalten.

„Jake, du hörst mir anscheinend nicht zu“, sagte sie. „Du bist doch Lichtjahre von deinem früheren ärmlichen Leben entfernt! Du bist viel zu materialistisch. Ich möchte ein einfacheres Leben. Du besitzt Häuser auf der ganzen Welt, haufenweise Luxuswagen und maßgeschneiderte Anzüge. Trotzdem arbeitest du, als stündest du kurz vor der Pleite. Wenn ich wirklich ein Kind bekomme, will ich einen Mann, der für seine Familie da ist und seinem Nachwuchs abends etwas vorliest. Du wirst keine Zeit dafür finden“, sagte sie hastig, voller Angst, nicht fertig zu werden, wenn sie sich nicht beeilte.

Als hätte sie nichts gesagt, nahm er lächelnd ihre Hand. „Das Dinner kann warten. Lass uns noch einmal tanzen.“

Sie sah ihn an. „Hast du auch nur ein Wort verstanden?“

Er lachte. „Natürlich“, antwortete er und zog an ihrer Hand. „Komm, wir können beim Tanzen weiterreden.“

Aufgebracht folgte sie ihm. Auf der Tanzfläche nahm er sie in die Arme. „Hör auf, dir Sorgen um die Zukunft zu machen!“, sagte er und küsste sanft ihre Schläfe. „Das ist doch alles noch Jahre entfernt. Wenn es so weit ist, werde ich meine Arbeitszeit reduzieren.“ Er richtete sich auf und sah sie an.

Emily strich sich mit der Hand über die Stirn und legte sie wieder auf seine Schulter. Eng umschlungen bewegten sie sich langsam im Takt der Musik. „Ich habe gewusst, dass es nicht einfach sein würde“, sagte sie. „Man sollte nicht aus praktischen Gründen heiraten, sondern aus Liebe. Unsere Ehe ist in mehr als nur einer Hinsicht unfruchtbar.“

Willst du dich etwa über meine Fähigkeiten als Liebhaber beschweren?“, fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Natürlich nicht!“, erwiderte sie und wurde rot. „Du bist der beste Liebhaber der Welt.“

„Na Gott sei Dank“, antwortete Jake leichthin. „Wie wär’s, wenn ich dir monatlich eine höhere Summe überweise, damit du mehr Menschen helfen kannst?“

„Darum geht es doch gar nicht. Hör mir endlich einmal zu“, sagte sie eindringlich und holte tief Luft. „Ich wünsche mir einen Mann, der mich liebt.“

„Davon hast du vor unserer Ehe nichts gesagt“, antwortete er stirnrunzelnd. „Du warst genauso wie ich der Meinung, dass wir beide von einer Hochzeit profitieren würden.“

„Ich weiß, aber ich habe mich geirrt. Zwischen uns fehlt etwas, nicht im Bett, sondern in der Beziehung.“

„War ich nicht aufmerksam genug?“

„Doch, Jake. Du bist aufmerksam, sexy, gut aussehend, charmant …“

„Erwartest du etwa von mir, dich nach diesen Worten gehen zu lassen?“, fragte er. „Hör auf, dir Sorgen zu machen, Liebling. Es wird sich schon alles finden. Die Liebe kommt irgendwann von ganz allein.“

„Woher willst du das wissen?“, erwiderte sie ungeduldig. Er hörte immer nur das, was er hören wollte.

Als die Musik geendet hatte, führte Jake sie zum Tisch zurück. Während des Essens erzählte er ihr von seiner Woche in Dallas. So viel wie er arbeitete, konnte er unmöglich genug Zeit für all die Erlebnisse gehabt haben, von denen er erzählte. Wahrscheinlich dachte er sich das alles nur aus, um sie zum Lachen zu bringen.

Irgendwann stellte er fest, dass sie nur halb aufgegessen hatte. „Hat dir der Hummer nicht geschmeckt?“

„Er war ausgezeichnet, aber ich habe keinen großen Hunger.“

„Dann lass uns nach Hause fahren und ein Bad im Mondschein nehmen“, sagte er und winkte den Kellner herbei.

Während des Rückflugs und der Autofahrt war er charmant wie immer. Als sie das Wohnzimmer betraten, drehte Emily sich zu ihm um. Das Verlangen nach ihm flackerte in ihr auf. Vielleicht sollte sie doch einfach ihre Sorgen begraben und sich mit ihrem Leben arrangieren? Aber das hatte sie schon viel zu lange getan.

„Ich möchte nicht schwimmen gehen, sondern lieber mit dir reden. Was ich übrigens schon den ganzen Abend lang vergeblich versucht habe. Ich kann so nicht weiterleben. Ich habe dich enttäuscht. Das mag dir jetzt noch egal sein, aber später vielleicht nicht mehr. Ich möchte unsere Ehe beenden.“

Jake zog die Augenbrauen zusammen, legte sein Jackett ab und kam auf sie zu. Dann legte er ihr die Hände auf die Schultern und sah sie forschend an.

„Ich will nicht, dass du gehst, Em“, sagte er leise und mit dem gleichen einschmeichelnden Tonfall, den er auch im Bett anschlug. „Ich will keine andere Frau. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen werden. Weißt du noch, wie glücklich wir in den ersten Monaten waren? Das können wir wieder sein.“

Seine Worte versetzten ihr einen Stich. Warum konnte sie nicht einfach ihre Zweifel beiseiteschieben und ihr Leben akzeptieren?

„Du bist mir zu materialistisch. Wir sind viel zu unterschiedlich“, konterte sie und rang um Selbstbeherrschung. „Jake, ich kann einfach nicht so weiterleben wie bisher.“

In den Tiefen seiner Augen flackerte etwas auf, und er presste die Lippen zusammen. Äußerlich wirkte er jedoch genauso ruhig und entspannt wie immer.

„Gib uns noch ein halbes Jahr.“

„Du schiebst das Unvermeidbare nur noch weiter hinaus. In sechs Monaten werden wir genau da stehen, wo wir heute sind“, sagte sie verzweifelt. „Ich habe lange genug darüber nachgedacht. Ich möchte mit dieser Scheinehe nicht weitermachen. Daran werden auch sechs Monate nichts ändern.“

„Und wenn doch?“, fragte Jake und sah sie prüfend an. „Ich will dich nicht verlieren, Em. Du bedeutest mir inzwischen sehr viel. Vielleicht lieben wir uns irgendwann sogar, wenn du uns eine Chance gibst. Mach dir keine Gedanken mehr über die Zukunft. Und vergiss nicht – du hast mir bei der Hochzeit das Versprechen gegeben, für immer bei mir zu bleiben“, erinnerte er sie.

Heiße Tränen stiegen ihr in die Augen.

„Em, ich gebe dir eine halbe Million Dollar für wohltätige Zwecke, wenn du noch sechs Monate bei mir bleibst. Lass uns einfach abwarten, was passiert. Unsere Ehe ist es wert. Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder?

2. KAPITEL

Emily starrte Jake sprachlos an. „Eine halbe Million Dollar für sechs Monate?“, fragte sie ungläubig. War sie Jake wirklich so viel wert? Vielleicht bedeutete ihre Ehe Jake doch mehr, als sie gedacht hatte.

Offensichtlich machte er ihr keine Vorwürfe, dass sie ihm noch keinen Erben geschenkt hatte. Er wollte ihrer Ehe wirklich eine Chance geben. Zum ersten Mal seit seinem Heiratsantrag hatte sie die schwache Hoffnung, dass er in ihr mehr sah als nur eine Bettgespielin.

„Du willst mir eine halbe Million Dollar für wohltätige Zwecke schenken, wenn ich bleibe? Du bist also nicht unglücklich in unserer Ehe?“, wiederholte sie. Sie fühlte sich wacklig auf den Beinen, und ihr schwirrte der Kopf.

„Ich will diese Ehe“, erwiderte Jake ruhig und streichelte ihren Nacken. Dabei verschlang er sie geradezu mit seinen Blicken. Die Berührung seiner Finger jagte Emily Schauer über den Rücken. „Und ich stecke nicht gern eine Niederlage ein“, fügte er leise hinzu und küsste ihr Ohr. Sein warmer Atem verlieh seinem Drängen nur noch mehr Nachdruck.

„Ich finde, dass wir alle Voraussetzungen für eine stabile Ehe haben. Ich will dir einen Anreiz zum Bleiben geben, damit wir noch eine Chance haben“, flüsterte er und bedeckte ihre Schläfe, ihr Ohr und ihren Hals mit zarten Küssen. Dann richtete er sich auf und sah sie an.

„Eine halbe Million – und ich darf damit machen, was ich will?“, fragte sie. Noch immer konnte sie es nicht fassen.

„Ja. Sie gehört dir, ganz ohne Bedingungen“, antwortete er achselzuckend. Er spielte mit ihrem Haar und wickelte sich eine Strähne um seinen Finger. Sie spürte ein leichtes Ziehen auf der Kopfhaut.

Trotz seines entspannten Tonfalls beobachtete er sie eindringlich. „Du kannst bedürftigen Kindern helfen, es in Kinderheime investieren oder sonst etwas damit machen.“

Emily wurde es leichter ums Herz. „Unsere Ehe ist dir also doch wichtig“, sagte sie glücklich und umarmte ihn, Tränen der Erleichterung in den Augen. „Und ich habe schon gedacht, dass du die Hochzeit bereust. Du hättest so viele schöne Frauen haben können! Ich hatte ja keine Ahnung, dass du wirklich nicht unglücklich bist!“ Plötzlich waren die Sorgen und der Druck der letzten Wochen wie weggefegt.

„Ich bin davon überzeugt, dass wir das Zeug zu einer verdammt guten Ehe haben“, erklärte er. „Sonst hätte ich dir dieses Angebot nicht gemacht. Mit dem Geld kannst du mehr bewirken, als du dir je erträumt hast“, sagte er lächelnd und strich ihr das Haar aus dem Gesicht.

„Du kannst es behalten, Jake. Ich bin ja so erleichtert. Endlich kann ich der Zukunft zuversichtlich ins Auge sehen“, sagte sie glücklich.

„Ich will dich nicht verlieren, Em. Das Geld kriegst du trotzdem. Ich werde es kaum vermissen.“

Emily holte tief Luft. „Nein, ich will es nicht“, antwortete sie. Anscheinend hatte sie Jake die ganze Zeit falsch eingeschätzt. Vielleicht war er doch nicht nur an Geld und Wohlstand interessiert.

„Es gehört dir“, antwortete er mit einem zufriedenen Lächeln. „Bleib bei mir, Em. Wir sind ein tolles Team.“ Er küsste sie lange und leidenschaftlich. Hingebungsvoll erwiderte sie seinen Kuss.

„Der Arzt hat gesagt, dass du dich wegen der Schwangerschaft zu sehr unter Druck setzt. Ich habe dich auf diese Insel gebracht, damit du dich entspannst und wir unsere zweiten Flitterwochen erleben können“, erinnerte Jake sie und senkte verführerisch die Stimme. „Nimm das Leben einfach, wie es kommt, Liebling.“

Bei dem Gedanken an die erste Woche auf der Insel stieg ihr die Hitze in die Wangen. Jake hatte sich freigenommen, und sie hatten sich ununterbrochen geliebt. Emily hatte fest damit gerechnet, schwanger zu werden. Aber das war drei Wochen her, und wieder war nichts passiert. „Ich bin so froh, dass du mit mir zusammenbleiben willst.“

Jake lächelte liebevoll. „Wir haben alle Zeit der Welt, du brauchst dich wirklich nicht unter Druck zu setzen. Du bist keine Enttäuschung für mich, Em, im Gegenteil. Und du wirst deine Entscheidung nicht bereuen. Jetzt kannst du nach Herzenslust Gutes tun. Und was unsere Gegensätzlichkeit angeht, bin ich eigentlich ganz froh darüber. Ich möchte nämlich nicht mit jemandem verheiratet sein, der so ist wie ich.“ Jake ließ seinen Blick zu ihrem Mund wandern, und Emily vergaß ihre Zukunftssorgen und das Geld.

„Das zwischen uns ist etwas ganz Besonderes“, flüsterte er. „Der Sex ist einfach fantastisch.“ Als seine Lippen die ihren streiften, wurde ihr heiß. Er hatte recht.

Emily schlang die Arme um seinen Hals, presste sich an ihn und erwiderte seinen Kuss.

Sie erforschte seinen Mund mit ihrer Zunge und hörte ihn leise aufstöhnen, während ihr der eigene Herzschlag heftig in den Ohren pochte. Es war herrlich, voller Hoffnung in seinen Armen zu liegen! Sie würde sich ihm mit Haut und Haar hingeben und ihm das gleiche Vergnügen schenken, das er ihr gab.

Emily schob eine Hand unter Jakes Hemd und ließ sie begierig über seinen glatten Rücken gleiten. Sie küsste ihn mit wachsender Leidenschaft. Langsam strich Jake ihr über Rücken und Po, knöpfte ihr Kleid auf und schob den Spitzen-BH zur Seite. Er legte die Hand auf ihre Brust und liebkoste die Spitze mit dem Daumen.

Emily keuchte auf und presste sich enger an ihn. Dann schob sie ihn von sich. Sie wollte ihr Liebesspiel auskosten, es stundenlang ausdehnen. Nach Atem ringend, sah sie zu ihm auf.

„Lass uns erst schwimmen gehen“, flüsterte sie. „Ich will, dass die Nacht niemals endet.“

„Okay“, sagte er heiser.

„Ich gehe nur rasch ins Schlafzimmer und hole meinen Bikini.“

„Soll ich dir beim Umziehen helfen?“, fragte er.

Emily schüttelte den Kopf. „Wir sehen uns am Pool.“

„Ich kann’s kaum erwarten“, sagte er gedehnt und berührte ihre Nasenspitze.

Lachend ging sie aus dem Zimmer und öffnete dabei das Oberteil ihres Kleides. Es fiel über ihre Taille hinab und entblößte ihren Oberkörper bis auf den hauchzarten BH.

„Verdammt, Em“, hörte sie Jake hinter sich murmeln. Sie drehte sich zu ihm um und lächelte verführerisch.

„Ich beeile mich“, versprach sie. Als er Anstalten machte, auf sie zuzukommen, lief sie davon.

Freudig erregt rannte sie die Treppen hoch. Hatte sie sich etwa doch in ihren gut aussehenden Mann verliebt?

Noch sechs Monate! Er wollte wirklich mit ihr zusammenbleiben. Ihre Ehe bestand also doch nicht nur auf dem Papier!

Diese Erkenntnis bedeutete eine Riesenerleichterung. Vielleicht würde sie jetzt ja endlich schwanger werden. Dr. Claywood hatte ihr versichert, dass sie ganz und gar gesund war. Er hatte ihr geraten, sich zu entspannen und ihr eine Reihe Bücher zu dem Thema empfohlen.

Obendrein verfügte sie jetzt noch über eine halbe Million, die sie nach Gutdünken ausgeben konnte! Sie konnte die Hilfsprojekte ihres Vaters unterstützen – Kindern und Erwachsenen das Lesen beizubringen. Alte Kirchen wieder aufbauen. Kostenloses Frühstück für Arme finanzieren.

Es gab zahllose Möglichkeiten. Das Geld war mehr als willkommen, und sie war Jake ausgesprochen dankbar für seine Großzügigkeit, auch wenn sie bedauerte, dass er nicht mehr Zeit und Energie für karitative Zwecke investierte. Sie schob den Gedanken beiseite. Jake hatte schon genug getan.

Im Schlafzimmer beeilte sie sich mit dem Anziehen des neuen Bikinis. Er war äußerst knapp, aber sie wollte ihn ohnehin nur tragen, wenn sie mit Jake allein war.

Emily schlenderte ans Ende des Natursteinpools. Jake schwamm auf sie zu und strich sich das schwarze Haar aus dem Gesicht. Lächelnd öffnete sie ihren Bademantel und ließ ihn langsam zu Boden gleiten. Jake hatte seine Arme auf dem Beckenrand verschränkt. Sie wusste, dass er sie beobachtete und genoss erregt seine glühenden Blicke.

Dann trat sie dicht an ihn heran und nahm eine aufreizende Pose ein, indem sie eine Hand auf die Hüfte stützte. Langsam drehte sie sich im Kreis. „Na? Gefällt dir mein Bikini?“, fragte sie verführerisch. Jake verschlang sie mit gierigen Blicken.

„Er ist traumhaft“, sagte er mit belegter Stimme.

„Ich habe ihn extra für dich gekauft.“

„Komm her, Em“, antwortete er.

Sie lief ein paar Schritte weg, sprang kopfüber ins Wasser und schüttelte sich das Haar aus dem Gesicht. Jake schwamm zu ihr und umfasste ihre Taille.

„Dein Bikini gefällt mir“, sagte er und ließ seine Hände abwärts über ihre Hüften gleiten. Emily holte tief Luft. Sanft berührte er ihre Brüste. Sie kam näher und schob ein Bein zwischen seine Schenkel, wobei sie seine Erregung spüren konnte.

„Ich dachte eigentlich, das Wasser würde dich abkühlen.“

„Nicht bei einem solchen Anblick“, sagte er und betrachtete ihren Mund. Sie ließ ihre Hände über seine breiten Schultern gleiten und spürte die harten Muskeln. Sie wollte ihn überall berühren, ihn Haut an Haut spüren.

Jake küsste sie, ein Kuss, der sie alles andere um sich herum vergessen ließ. Emily nahm nur noch seinen warmen Körper wahr und sein Bein, das sich zwischen ihre Schenkel presste. Er umfasste sie mit einem Arm und ließ eine Hand über ihren nackten Rücken zu ihrem Oberteil gleiten. Dabei küsste er sie so leidenschaftlich, dass Emily nur wie durch einen Nebel wahrnahm, dass er ihr den Bikini auszog. Er streichelte die Innenseite ihrer Oberschenkel, was ihr Begehren noch weiter anfachte.

Sie atmete schwer vor Begierde. Als Jake seine Daumen um die Knospen ihrer Brüste kreisen ließ, stöhnte sie vor Erregung laut auf.

„Lass uns machen, dass wir aus dem Pool kommen“, sagte er mit gepresster Stimme, kletterte hinaus und zog sie aus dem Wasser.

Seine schwarze Badehose klebte an seinem durchtrainierten Körper. Emily streifte ihm den nassen Stoff vom Körper und streichelte voller Verlangen seine muskulösen Oberschenkel und seinen festen Po. Jake küsste sie und drängte sie rückwärts, bis ihre Waden gegen eine Liege stießen.

Eine ganze Woche lang hatte sie ohne ihn auskommen müssen. Sie begehrte ihn wahnsinnig.

Jake umfasste wieder ihre Brüste; dunkel lagen seine Hände auf ihrer hellen Haut.

„Du bist wunderschön.“ Er senkte den Kopf und liebkoste mit der Zunge ihre Brustspitzen. Stöhnend umklammerte sie seine Schultern und schloss die Augen. In dem Verlangen, ihn genauso zum Wahnsinn zu treiben wie er sie, ließ sie ihre Hände über seinen Körper gleiten.

Jake hob sie hoch, legte sie auf die Liege und bedeckte ihre Brüste mit kleinen Küssen, während seine Hände ihren Körper erforschten.

Keuchend und sich windend führte sie ihre Hand über seinen durchtrainierten Bauch. Er atmete schwer, küsste ihren Hals und ließ seine Lippen abwärts wandern. Sanft streichelte er die Innenseite ihrer Oberschenkel.

Diesmal lag mehr Gefühl in ihrem leidenschaftlichen Liebesspiel als sonst. Die neue Zuversicht und das Wissen, dass Jake sie wollte, verlieh Emilys Verlangen nach ihm eine ungeahnte Intensität. Sie ließ ihre Hand über seinen Bauch zu seiner harten Männlichkeit gleiten und umschloss sie fest mit ihrer Hand.

Jake keuchte auf und küsste sie gierig. Dann lag sie wieder auf dem Rücken, und Jakes Mund und Hände erforschten jeden Quadratzentimeter ihres Körpers. Schließlich senkte er den Kopf zum Zentrum ihrer Lust. Seine Zunge entfachte in ihr ein qualvolles Feuer.

Sie vergrub die Hände in seinem Haar, spreizte die Beine und bäumte sich auf. Sie wollte ihn in sich spüren, mehr als je zuvor.

Ihre Begierde wuchs ins Unerträgliche. „Jake“, stöhnte sie und knabberte leidenschaftlich an seiner Schulter. Dann drehte sie sich herum, um Jake die gleiche Lust zu verschaffen. Sie ließ die Zunge über seine Männlichkeit wandern, während er sie erneut mit dem Mund an ihrer empfindlichsten Stelle liebkoste.

Schließlich legt Jake Emily auf den Rücken und küsste sie wild und fordernd, während er ihre Beine spreizte und langsam in sie eindrang. Er hielt einen Augenblick inne, der sie fast in den Wahnsinn trieb, und zog sich wieder zurück. Laut rief sie seinen Namen, schlang die Beine um seine Hüften und bäumte sich auf, um ihn in sich aufzunehmen.

Er bewegte sich nun in einem harten, schnellen Rhythmus. Die Welt um sie herum verschwamm zu einem bloßen Nebel. Die Lust überwältigte sie und steigerte sich zu einem Höhepunkt von fast schmerzhafter Intensität.

In der Ekstase sah sie Sterne hinter geschlossenen Lidern und hörte das Blut in den Ohren rauschen. Laut aufstöhnend erreichte auch er den Gipfel der Lust. Dann schloss er seine Arme um sie.

Vielleicht haben wir ja gerade ein Kind gezeugt, dachte Emily tief befriedigt und rieb ihre Schläfe an seiner Schulter. Heute hatte sie zum ersten Mal wirklich das Gefühl, begehrt zu werden. Vielleicht würden sie und Jake sich doch eines Tages lieben.

Er rollte sich mit ihr auf die Seite, streichelte ihren Rücken und strich ihr das Haar aus dem Gesicht. „Du bist wundervoll, Em.“

„Du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Du bist ein fantastischer Liebhaber, Jake. Und heute Nacht hast du mich besonders glücklich gemacht.“

Er zog sie an sich. „Wie schön. Ich bin froh, dass du meine Frau bist. Du bedeutest mir viel.“

„Jake …“ Zufrieden seufzend küsste sie ihn, ein langer, glühenden Kuss, der ihm wieder ein Stöhnen entlockte.

Dann legte sie den Kopf auf seine Brust. „Das war die schönste Nacht meines Lebens.“

„Ganz meine Meinung. Ich habe dir ja gesagt, dass unsere Gefühle füreinander wachsen werden. Gerade jetzt läuft es doch großartig.“

„Ich werde diese Nacht nie vergessen. Hoffentlich hast du recht, was die Gefühle zwischen uns angeht.“ Sie streichelte seine Brust. „Hast du jemals geliebt?“

„Nein“, sagte er mit verschlossenem Gesichtsausdruck. „Nicht wirklich. Einige Beziehungen haben besser funktioniert als andere, aber mehr war es nicht. Noch nie hatte ich so etwas wie Schmetterlinge im Bauch oder den Wunsch, den Rest meines Lebens mit einer Frau zusammenzubleiben.“

Emily schwieg einen Moment. Hoffentlich würde sie die Lücke eines Tages ausfüllen.

„Dein Angebot ist unglaublich großzügig“, sagte sie schließlich. „Schade, dass du dich selbst nicht etwas aktiver um andere kümmerst. Schließlich bist du in jungen Jahren auch unterstützt worden.“

„Irgendwann werde ich das nachholen“, antwortete er beiläufig. „Außerdem spende ich reichlich.“

„Einfach nur Geld zu geben ist einfach. Wir wäre es, wenn du etwas deiner Zeit opfertest? Ich verstehe nicht, warum du dich nicht stärker engagierst.“

„Ich bin einfach zu beschäftigt.“

„Ich werde dich über jeden Cent informieren, den ich von deinem Geld ausgebe.“

„Das kannst du dir sparen“, antwortete Jake belustigt. „Ich will gar nichts über die Projekte wissen. Ich muss mich nämlich gerade jetzt um ein besonders dringliches Projekt kümmern.“ Er zog sie an sich, küsste ihr Ohr und streichelte ihren Nacken.

Sie richtete sich auf uns sah ihn an. „Du bist einfach unersättlich!“

„Das ist allein deine Schuld“, neckte er sie. Es lief gerade wirklich gut zwischen ihnen. Vielleicht lag es auch nur daran, dass sie sich etwas mehr entspannt hatte.

Sie strich über seine Brust und hauchte zarte Küsse auf seine Lippen und seinen Nacken.

„Bitte hör nicht auf“, sagte er mit rauer Stimme.

Emily streichelte ihn, ließ ihre Hand über seinen Bauch und weiter nach unten gleiten. Er war schon wieder hart und bereit.

„Jake, du bist unglaublich“, flüsterte sie und liebkoste sein Ohr mit ihrer Zunge.

Jake drehte Emily auf den Rücken, küsste sie leidenschaftlich und entfachte ihre Leidenschaft erneut.

Später duschten sie zusammen und liebten sich anschließend bis in die frühen Morgenstunden. Irgendwann schlief Emily glücklich in Jakes Armen ein.

Als sie aufwachte, fand sie sich allein im Bett wieder. Es war Freitagmorgen, und die Sonne schien durch die offenen Türen und Fenster. Emily rekelte sich wohlig und dachte an die vergangene Nacht. Sie und Jake schienen einander endlich nähergekommen zu sein. Er wirkte genauso glücklich wie sie selbst. Vielleicht hatten sie ja wirklich eine Chance.

Ihre Gefühle für Jake hatten sich verändert, waren tiefer geworden. Ob sie sich schon in ihn verliebt hatte? Sie streichelte gedankenverloren ihren Bauch. So entspannt hatte sie sich seit ihrer Hochzeit nicht gefühlt.

Sie stand auf und zog sich einen Morgenmantel über. Plötzlich hatte sie gar keine Eile mehr, nach Dallas zurückzukehren. Warum nicht einfach das Idyll mit Jake noch weiter ausdehnen? Es war so schön, mit ihm zusammen zu sein – wie zweite Flitterwochen.

Emily musste unwillkürlich lächeln und spielte flüchtig mit dem Gedanken, ihn anzurufen, aber sie störte ihn grundsätzlich nicht bei der Arbeit. Alte Sekretärinnen-Angewohnheit.

Auf dem Schreibtisch fand sie eine Notiz, dass er nach Houston zurückgeflogen war. Er würde abends zurückkehren und sie zum Abendessen ausführen. In seiner unleserlichen Schrift hatte er „… Abendessen und Sex …“ geschrieben.

„Sex“ war unterstrichen. Eine weitere Liebesnacht lag also vor ihnen. Sie würde ihm sein Lieblingsessen machen – Steak – und seinen Lieblingswein öffnen. Dann würde sie sich so sorgfältig wie möglich auf die kommende Nacht vorbereiten.

Emily nahm ein Bad in der Marmorbadewanne, hüllte sich in ein Handtuch und ging zum Kleiderschrank. Vor Jakes Schrankwand lag ein weißer Umschlag auf dem Fußboden. Anscheinend war er ihm aus der Tasche gefallen.

Sie hob den Umschlag auf und wollte ihn gerade auf die Kommode legen, als ihr auffiel, dass er an Mr. und Mrs. Jacob Thorne adressiert war.

Warum hatte Jake nichts von dem Brief erwähnt?

Emily sah, dass er von Hubert Braden stammte. Seine Krankenpflegerin musste den Umschlag beschriftet haben, der dem Poststempel nach zu urteilen schon vor über einer Woche angekommen war. Emily war verwirrt. Hatte Jake ihn einfach in die Tasche gesteckt und vergessen?

Sie war neugierig, was der Mann geschrieben hatte, der einen solchen Einfluss auf Jakes Leben gehabt hatte. Er war wie ein Vater für Jake. Schade, dass sie ihn nicht besser kennengelernt hatte, aber vielleicht würde sie ja in dem Brief mehr über ihn erfahren. Warum sollte sie ihn nicht lesen? Schließlich war er auch an sie adressiert. Sie zog ihn aus dem Umschlag, faltete ihn auseinander und sah auf die weibliche Handschrift. Anscheinend hatte Braden den Brief diktiert.

Emily begann zu lesen und erstarrte. Fassungslos betrachtete sie das Papier. Jake war ihr eine Erklärung schuldig!

3. KAPITEL

Mit zitternder Hand las Emily den Brief noch einmal:

Liebe Emily, lieber Jake,

wie lieb von euch, einem alten Mann einen Besuch abzustatten. Jake, deine junge Frau hat mir sehr gut gefallen. Die Tatsache, dass du endlich verheiratet bist, macht mir das Sterben leichter. Ich betrachte dich als meinen größten Erfolg und will dich als meinen Haupterben einsetzen. Aber wie du weißt, knüpfe ich daran bestimmte Bedingungen.

Die Liste meiner Hinterlassenschaften ist lang. Einiges davon geht natürlich an Ryan und Nick, aber für mich bist du der Sohn, den ich nie hatte. Ich war dein Mentor und habe deinen Erfolg begleitet. Ich will das Beste für dich.

Wenn du und Emily ein Baby bekommt oder sie vor meinem Tod schwanger wird, wirst du den Großteil meines Vermögens erben. Wenn nicht, geht es an die unten aufgeführten Wohltätigkeitsvereinigungen. Du wirst dann den gleichen Betrag erhalten wie Ryan und Nick.

Ich wünsche mir eine feste Beziehung für dich. Deine Wahl begrüße ich übrigens sehr. Emily scheint eine liebe junge Frau zu sein. Über die Fotos von eurer Hochzeit und dem Kinderzimmer habe ich mich sehr gefreut.

Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass du eine Familie gründest, solange du noch jung und stark bist und etwas von deinen Kindern hast. Du brauchst diesen Anreiz, denn ich weiß genau, wie wichtig dir Arbeit und Erfolg sind. Die Zeit vergeht nämlich viel schneller, als man denkt.

Ich habe es versäumt, Kinder zu bekommen und war daher in meinen letzten Lebensjahren allein. Tut mir leid, dass ich mich in dein Leben einmische, aber das ist die einzige Möglichkeit, die mir bleibt …

Schockiert ließ Emily den Brief sinken und starrte vor sich hin. Sie musste an Jakes Heiratsantrag und sein Ehegelübde denken. Jetzt wusste sie, warum er so versessen darauf war, dass sie bei ihm blieb – es ging ihm einzig und allein um Hubert Bradens Geld!

Er hatte sie von Anfang an hintergangen! Nie hatte er ein Sterbenswörtchen davon verlauten lassen, dass er Milliarden Dollar von seinem Mentor erben würde, wenn er heiratete und ein Kind bekam.

„Eine feste Beziehung …“, sprangen ihr Hubert Bradens Worte ins Auge. Kein Wunder, dass Jake ihr das ach so großzügige Angebot einer halben Million gemacht hatte. Der Betrag war geradezu ein Witz, wenn man damit ein Milliardenerbe erkaufen konnte. Sie war wie betäubt.

Es war unfassbar. Er hatte sie nur geheiratet und wollte nur deshalb ein Kind, um an das Vermögen Hubert Bradens zu kommen!

Ihr wurde schlecht. Sie lief ins Badezimmer, um sich zu übergeben, und rieb sich die Hände und das Gesicht mit einem feuchten Lappen ab.

Sie war außer sich vor Wut. Ihre Ehe basierte also nur auf einer Lüge! Erneut studierte sie den Brief: „Über die Fotos … von eurem Kinderzimmer habe ich mich sehr gefreut …“

Ihr fiel jene Juninacht zwei Monate nach ihrer Hochzeit ein. Sie hatte in Jakes Armen gelegen, als er den Vorschlag machte, ein Kinderzimmer einzurichten.

„Em, wir sind uns doch darüber einig, eine Familie zu gründen. Warum bereiten wir nicht schon mal das Kinderzimmer vor?“

Sie hatte so lange geschwiegen, dass er sich irgendwann aufgestützt und sie angesehen hatte. „Hat es dir die Sprache verschlagen?“

„Jake, es klingt vielleicht abergläubisch, aber ich habe ein ungutes Gefühl dabei. Schließlich bin ich noch nicht einmal schwanger. Ich will das Schicksal nicht herausfordern. Wenn es so weit ist, haben wir noch ganze neun Monate Zeit.“

Liebevoll hatte er auf sie herabgesehen und ihr das Haar aus dem Gesicht gestrichen. „So ein Unsinn!“ Dann hatte er ihre Wange geküsst. „Komm, es macht bestimmt Riesenspaß!“

„Du klingst, als hättest du schon genaue Vorstellungen, wie das Zimmer aussehen soll.“

„Überhaupt nicht. Ich überlasse die Einrichtung dir. Ich traue deinem Geschmack.“

„Wir wissen doch noch nicht einmal, ob das erste Kind ein Junge oder ein Mädchen wird!“

„Es gibt jede Menge Dekors, die sich für beides eignen. Du kannst das alles mit einem Inneneinrichter besprechen. Außerdem werde ich eine Tür zwischen unserem Schlafzimmer und dem Nebenraum einbauen lassen. Du willst das Kind doch bestimmt in deiner Nähe haben.“

„Natürlich! Am Anfang schläft es vielleicht sogar bei uns.“

„Warum nicht?“ Jake hatte ihren Hals geküsst. „Ich lasse gleich morgen die Möbel ausräumen.“

„Jake, ich habe wirklich kein gutes Gefühl dabei.“

„Angsthase“, hatte er sie geneckt. „Wir richten es ein und schließen dann die Tür. Du brauchst es weder anzusehen noch hineinzugehen.“

„Wo liegt dann der Sinn des Ganzen?“

„Bitte, gib nach, mir zuliebe.“ Jake hatte ihre Brüste geküsst, und unter seinem warmen Atem waren ihre Knospen hart vor Verlangen geworden. Sie hatte ein Bein über ihn gelegt und seine Erregung gespürt.

„Du bist so sexy“, hatte sie geflüstert und ihn leicht in die Schulter gebissen.

Er hatte seine Zunge über ihre Brustknospen gleiten lassen und jede Konversation zunichtegemacht.

Danach hatte Jake sie ständig gedrängt, einen Inneneinrichter zu engagieren, und so lange gedroht, die Einrichtung selbst in die Hand zu nehmen, bis sie widerwillig nachgab. Nachdem das Zimmer fertig war, war er außer sich vor Freude – er fotografierte es sogar. Jetzt wusste sie auch, warum. Um die Fotos Hubert zu mailen.

Ob er ihr je die Wahrheit gesagt hätte? Bestimmt nicht! Jeder Kuss von ihm war geheuchelt.

Emily bebte vor Wut. Sie hätte es wissen müssen, schließlich kannte sie Jakes Erfolgsbesessenheit nur zu gut. Sie hatte ihn bei der Arbeit erlebt, getrieben von einer Energie und Besessenheit, die keinen Raum für Fehlschläge ließen. Wie hatte sie nur so naiv sein können? Jake war jemand, der seine Bedürfnisse über die aller anderen stellte. Geld zu verdienen war sein Lebenselixier.

Hubert Braden wäre bestimmt alles andere als begeistert, wenn Jake sich scheiden ließ. Und nur deshalb hatte Jake um sie gekämpft. Seine Beteuerungen der Zuneigung, seine Bitte, ihrer Liebe eine Chance zu geben – alles Lügen!

Tränen der Wut strömten über Emilys Wangen. Noch nie hatte sie sich so hintergangen und benutzt gefühlt.

Jake the Snake – Jake, die Schlange. Der Spitzname passte. Allmählich wurde ihr auch klar, warum er ausgerechnet sie geheiratet hatte. Wahrscheinlich hatte er in ihr die naive Sekretärin gesehen, die von ihm und seinem Reichtum geblendet genug war, um alles mit sich machen zu lassen.

Jake war berechnend und gerissen. Bestimmt hatte er alles von Anfang an genau durchdacht. Frauen aus seinen Kreisen würden nämlich mit Sicherheit größere Forderungen stellen als sie.

Wütend warf sie sich vor, zu leichtgläubig und vertrauensselig gewesen zu sein. Warum war er eigentlich so versessen auf das Erbe? Er war doch schon Milliardär – konnte er den Hals denn nie voll kriegen?

Und was hatte er vor, wenn er wirklich erbte? Würde er sie fallen lassen und das Kind behalten? Oder sich von ihnen beiden trennen?

Sollte er sich doch seine halbe Million an den Hut stecken! Sie würde ihn verlassen und hoffentlich nie wiedersehen.

Emily lief in den Abstellraum, um einen Koffer zu holen. Je eher sie aus Jakes Leben verschwand, desto besser. Mit ihrer Ehe war es aus und vorbei!

Wütend begann sie zu packen, als ihr Blick wieder auf den Brief fiel. Aus einer Eingebung heraus machte sie sorgfältig das Bett und legte den Brief in die Mitte. Jake konnte ihn dort unmöglich übersehen oder seine Bedeutung missverstehen.

Wahrscheinlich würde er alles daransetzen, sie trotzdem noch sechs Monate länger zu halten, Sex eingeschlossen. Aber sie wollte kein Kind mehr von ihm. Nur ein Glück, dass sie nicht schwanger war!

Oder etwa doch?

Schmerzliche Erinnerungen an die vergangene Liebesnacht stiegen in ihr auf. Sie presste eine Hand auf ihren flachen Bauch und bekam plötzlich Angst. Schwankend schloss sie die Augen und betete, nicht schwanger zu sein. Schließlich hatte es die ganzen Monate zuvor auch nicht …

„Bitte“, flüsterte sie verzweifelt. „Ich will kein Kind von Jake!“ Sie hatten sich stundenlang geliebt, die ganze Nacht lang. Auf keinen Fall wollte sie an Jakes Erbschleicherei beteiligt sein!

Ihrer Meinung nach hatte Jake, indem er sie so hintergangen hatte, sein Ehegelübde gebrochen. Es wurde höchste Zeit, dass sie diese Scheinehe beendete!

Aufgewühlt lief Emily im Zimmer herum, um ihr Handy zu suchen, und bemerkte dabei kaum die Tränen, die ihr übers Gesicht liefen. Sie rief einen von Jakes Piloten an und wies ihn an, ein Flugzeug startbereit zu machen. Als der Pilot herumstammelte und sie abzuwimmeln versuchte, schloss sie ihre Hand fest um das Telefon und holte tief Luft.

„Hören Sie, muss ich erst Jake anrufen, damit Sie meinen Anweisungen folgen?“, fragte sie gereizt. „Ich möchte so schnell wie möglich zu meiner Familie nach Dallas.“

„Schon gut, Ma’am. Um zwölf Uhr können wir starten“, antwortete der Pilot.

„Danke.“ Emily klappte ihr Handy zu und packte weiter ein.

Mit zitternden Händen warf sie Kleidungsstücke in den Koffer. Dann fiel ihr die Samtschatulle mit der Diamantenkette ins Auge. Mit dem Verkaufserlös dieser Kette konnte sie die Kirche ihres Vaters unterstützen. Emily griff nach sämtlichen Schmuckstücken, die Jake ihr je geschenkt hatte, und warf sie in den Koffer, fest entschlossen, jedes einzelne Stück zu Geld zu machen.

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