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Collection Baccara, Band 267

SUSAN MALLERY

In den Armen des Prinzen

Prinz Rafiq schenkt ihr Juwelen, einen teuren Sportwagen und führt sie zärtlich ein in die lustvolle Welt der Leidenschaft. Doch so sehr Kiley die sinnlichen Nächte mit ihm genießt – sie will viel mehr: Wann wird der elegante Wüstenkönig ihr endlich vertrauen und sein Herz sprechen lassen? Denn ohne seine Liebe wird Kiley niemals seine Frau werden ...

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Susan Mallery

In den Armen des Prinzen

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1. KAPITEL

„Suchen Sie vielleicht zufällig gerade eine Geliebte?“, begann Kiley Hendrik vorsichtig, als ihr Chef aus seinem Büro trat.

Prinz Rafiq von Lucia-Serrat sah seine Sekretärin entgeistert an. Was hatte sie überhaupt hier zu suchen? Er vermutete sie eigentlich auf Hawaii, um ihre Flitterwochen zu genießen. „Äh – soll das etwas ein Angebot sein?“

Sie nickte, den Blick auf den Stapel Papiere vor sich gerichtet.

„Die Hochzeit am Sonnabend war wohl kein großer Erfolg?“, mutmaßte Rafiq.

„Es gab keine Hochzeit.“ Kiley hob den Kopf. „Eric und ich haben uns getrennt.“

„Ich verstehe.“

Sein Blick fiel auf ihre ineinander verschlungenen Hände. Der Verlobungsring mit dem großen Diamanten fehlte. Alles klar, dachte Rafiq.

„Ich weiß, dass Sie sich gerade von Ihrer letzten Freundin getrennt haben“, fuhr sie fort. „Na ja, ich hab selbst das Abschiedsgeschenk samt Brief auf den Weg gebracht“, setzte sie lahm hinzu.

„Stimmt, Carmen und ich sind nicht mehr zusammen“, bestätigte er.

„Genau. Und da Sie jetzt also wieder auf dem Markt sind … kurz gesagt, ich dachte, vielleicht wollen Sie es mal mit mir versuchen? Auch wenn ich eigentlich nicht Ihr Typ bin.“

Ach, er war auf einen Typ abonniert? „Und auf welchen Typ steh ich Ihrer Meinung nach?“

Sie rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl hin und her. „Glamourös. Schön. Weltgewandt. Okay, ich sehe nicht übel aus, aber in der Liga kann ich nicht mithalten. Allerdings kennen Sie mich ja nur in meinem Büro-Outfit. Wenn ich will, kann ich mich ganz nett stylen. Ich bin nicht auf den Kopf gefallen und habe Sinn für Humor.“ Nach kurzem Zögern fuhr Kiley tonlos fort: „Es ist das erste Mal, dass ich so ein Gespräch führe. Keine Ahnung, worauf Sie Wert legen, wenn Sie eine Frau für Ihr …“

„… wenn ich eine Frau fürs Bett suche?“

Kiley wurde rot, hielt seinem Blick aber tapfer stand. „Ja, genau. Fürs Bett.“

Selbst Rafiq war bisher noch nie so deutlich zur Sache gekommen. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und überlegte: Welche Kriterien musste eine potenzielle Geliebte erfüllen?

„Hmm, natürlich sollte sie ansprechend aussehen“, sagte er mehr zu sich selbst als zu Kiley. „Aber kein hübsches Lärvchen ohne Intelligenz und Humor, das wäre mir zu langweilig. Und übellaunig sollte sie auch nicht sein.“

„Sie kennen mich jetzt seit Jahren“, erinnerte Kiley ihn mit mildem Tadel. „Sie wissen, dass ich nie schlechte Laune habe.“

„Stimmt.“ Nein, sie war immer liebenswürdig und erledigte ihre Arbeit effizient und mit viel Fingerspitzengefühl. Attraktiv ließe sich dieser Aufzählung noch hinzufügen, aber Letzteres hatte er immer als eine Art Bonus betrachtet. Sie zu seiner Geliebten zu machen war ihm nie in den Sinn gekommen. Hübsche Frauen gab es wie Sand am Meer, eine perfekte Assistentin würde er jedoch so schnell nicht wieder finden.

„Beachten Sie die Vorteile. Ich kenne Ihre Arbeit, wir könnten darüber diskutieren, wenn Sie möchten. Und ich mache keine Szene, wenn Sie mal bis spätabends im Büro bleiben.“

„Nein, denn Sie würden mir dabei ja Gesellschaft leisten“, warf er amüsiert ein. Was war bloß in seine stets so reservierte Assistentin gefahren? So unverblümt hatte ihn noch keine Frau angemacht – und jetzt ausgerechnet Kiley? Sie war nicht der Typ für eine Affäre. „Wieso wollen Sie das tun?“, fragte er geradeheraus.

Ihre blauen Augen funkelten. „Rache.“

„Aha. Es geht wohl um Ihren Verlobten?“

Während sie ganz offensichtlich nach den richtigen Worten suchte, betrachtete er sie – und zwar die Frau, nicht die tüchtige Sekretärin. Sie war hochgewachsen, zartgliedrig und schlank. Ihr schulterlanger goldblonder Bob unterstrich die elegante Erscheinung. Und in ihren großen blauen Augen konnte er lesen wie in einem Buch – stets verriet ein Aufblitzen ihre Gefühle. Ihre Hüften waren sanft geschwungen, und sie hatte feste, hohe Brüste. Alles in allem war sie eine schöne Frau. Aber wollte er sie auch in seinem Bett?

„Eric hat mich betrogen“, brachte sie endlich mit tränenerstickter Stimme hervor. „Das haben Sie sich sicher schon gedacht. Aber das Ausmaß können Sie sich gar nicht vorstellen. Ich glaube, er hat mit allem geschlafen, was einen Rock trägt. Bei zwei von meinen Freundinnen hat er es auch versucht, aber ich habe nicht zugehört, als sie es mir vorsichtig beibringen wollten. Wie dumm kann man nur sein …“

„Sie wollten ihnen nicht glauben?“, meinte er mitfühlend.

„Nein. Ich habe die Wahrheit verdrängt, bis ich ihn letzten Freitag auf frischer Tat mit einer Studentin erwischt habe.“ Kiley blinzelte die Tränen weg. „Aber das Schlimmste war, als er behauptete, die Sache hätte nichts zu bedeuten. Nun ja, er war nie besonders geistreich. Aber dann setzte er noch eins drauf: Er tue das alles nur für mich, respektiere mich so sehr, dass er mir diese Seite an sich ersparen wolle.“

„Also ist die Hochzeit ins Wasser gefallen.“

„Eric konnte es nicht fassen, hat mich bestürmt, meine Meinung zu ändern, doch ich blieb fest. Eine Ehe auf dieser Basis wäre doch die reinste Farce.“ Sie atmete tief durch. „So kurzfristig konnten wir nicht allen Gästen absagen. Ich musste vor versammelter Festgemeinde in der Kirche alles erklären. Es war furchtbar.“ Kiley schauderte.

Sie taten das und nicht er?“ Was für ein erbärmlicher Feigling.

„Eric schnappte sich die Tickets für unsere Flitterwochen auf Hawaii und nahm die Gespielin der Woche mit. Ich hoffe, die Quallen fressen sie auf.“

Rafiq empfand Hochachtung für sie. Kiley hatte sich tapfer geschlagen. „Warum ich?“, fragte er schließlich.

Ein verschmitztes Lächeln zuckte um ihre Lippen. „Sie sind ein Prinz, das ist nicht zu toppen.“

„Ah, ich verstehe. Und da Ihr Ex bei der Anwaltskanzlei arbeitet, die für mich tätig ist, werden sich unsere Wege unweigerlich kreuzen.“

„Genau. Er konnte Sie ohnehin noch nie leiden, wollte mich sogar dazu bringen, zu kündigen. Das alles natürlich nur, weil er neidisch ist. Er gönnt keinem anderen auch nur die Butter auf dem Brot.“

„Möchten Sie ihn vernichten?“ Rafiq musterte sie eindringlich.

„O ja“, brachte sie voller Inbrunst hervor. „Und anschließend will ich vergessen, dass es ihn je gegeben hat.“ Sie suchte seinen Blick. „Meine Wahl fiel noch aus einem anderen Grund auf Sie. Ich halte Sie für einen guten Menschen, einen Ehrenmann, wenn Sie so wollen. Okay, Sie haben Affären, aber Sie schaffen immer klare Verhältnisse, ohne jemanden zu hintergehen.“

Interessant, wie sie ihn beurteilte. Es gab eine Menge Leute, die diese Einschätzung sicher nicht teilten. Andererseits hatte sie recht: Lügen und Ausreden waren ihm verhasst.

„Nun, falls wir Ihren Vorschlag ernstlich in Erwägung ziehen, gibt es einige logistische Probleme zu bedenken.“

Plötzlich überkam Kiley ein seltsames Gefühl von Unwirklichkeit. Nie hätte sie sich träumen lassen, dass diese Unterhaltung derart nüchtern ablaufen würde. „Sie sind der Experte“, sagte sie. „Sagen Sie mir, was wir beachten müssen.“

Er lächelte süffisant. „Selbstverständlich. Also, zunächst einmal müssen wir definieren, was genau diese Beziehung beinhaltet.“

Oh, aber das war doch klar, oder? „Na ja, Sex natürlich“, erwiderte sie, und wünschte, sie hätte den Mund gehalten, als er kaum merklich die Brauen hob.

„Sexuelle Verfügbarkeit setze ich voraus“, informierte er sie. „Sie sind jederzeit bereit für mich und umgekehrt.“

Umgekehrt auch? Ein verlockender Gedanke, wenn sie sich auch nicht vorstellen konnte, nach dem Telefon zu greifen und ihn herbeizuzitieren, um …

„Absolute Treue ist ebenfalls Voraussetzung. Für uns beide“, fuhr er fort.

„Oh, kein Problem“, winkte sie ab. „Ich bin nicht der flatterhafte Typ.“

„Vorsicht“, meinte Rafiq warnend. „Das menschliche Herz ist ziemlich unberechenbar. Sie beabsichtigen, Eric zu verletzen und ihn eifersüchtig zu machen. Im Gegenzug könnte er versuchen, Sie zurückzugewinnen. Darauf dürften Sie sich allerdings nicht einlassen, solange unsere Abmachung gilt.“

„Keine Sorge. Dieser erbärmliche Wurm ist für mich erledigt.“ Noch jetzt spürte sie den Schock, den sie empfunden hatte, als sie ihn mit der anderen Frau zusammen im Bett ertappt hatte.

„Stellt sich noch die Frage unserer weiteren Zusammenarbeit“, fuhr Rafiq nachdenklich fort. „Sie sind mir zu wertvoll, um Sie gehen zu lassen.“

„Das trifft sich gut. Ich möchte meinen Job nämlich nicht aufgeben. Meine Eltern haben eine Menge Geld für diese unselige Hochzeit hingeblättert, und ich kann sie unmöglich darauf sitzen lassen. Einen Teil habe ich ihnen schon zurückerstattet, aber alles wollten sie nicht akzeptieren. Sie bestehen darauf, dass ich mir von meinen Ersparnissen eine Eigentumswohnung kaufe, wissen Sie …“ Kiley hielt abrupt inne, als ihr bewusst wurde, dass sie vom Thema abkam. „Kurz gesagt, ich brauche das Geld.“

Rafiq sah sie ungläubig an. „Sie wollen Ihren Eltern tatsächlich das Geld zurückgeben?“

„Schließlich bin ich für den ganzen Schlamassel verantwortlich. Ich habe Eric ausgesucht, nicht sie.“ O nein, um nichts auf der Welt würde sie zulassen, dass ihre Eltern für ihre Dummheit draufzahlten. „Wo wir gerade beim Thema sind: Mir ist es wichtig, Arbeit und Privatleben strikt zu trennen. Keinesfalls möchte ich, dass unser Arbeitsverhältnis in irgendeiner Weise getrübt wird.“

„Ganz in meinem Sinn“, stimmte er zu.

„Und wenn es vorbei ist, dürfen Sie mich nicht einfach feuern.“

„Das werde ich nicht, ich verspreche es. Sollte eine weitere Zusammenarbeit einem von uns unangenehm sein, werde ich dafür sorgen, dass Sie eine andere angemessene Stelle finden. Falls Sie bleiben, erwähnen wir unser kleines … Intermezzo mit keinem Wort.“

Ein faires Angebot. „Oh, mir wird es nicht unangenehm sein, da bin ich zuversichtlich“, gab sie leichthin zurück. Ihr ging es schließlich um Rache und nicht darum, eine neue Beziehung anzufangen. „Ich komme schon klar.“

„Wie liebenswürdig“, murmelte er.

„Bitte?“

„Nichts, nichts. Selbstverständlich erwarte ich auch, dass Sie mich zu Galaveranstaltungen und dergleichen begleiten.“

„Darauf freue ich mich am meisten.“ Ihre Augen blitzten. „Ich brenne darauf, mit Ihnen gesehen zu werden.“ Hatte sie etwas Falsches gesagt? Rafiqs Miene wirkte plötzlich so eingefroren. Nun ja, wahrscheinlich hatten ihre Worte nicht besonders schmeichelhaft geklungen.

„Natürlich bin ich auch ganz heiß darauf, mit Ihnen zu schlafen.“ Uups, auch nicht gerade der Bringer, was? Verflixt, ihr fehlte ganz einfach die nötige Erfahrung als Geliebte eines Prinzen.

„Ich verstehe schon.“

„Habe ich es jetzt vermasselt?“ Sie sah ihn abwägend an.

„Nein, schon okay. Ist doch in Ordnung, klare Verhältnisse zu schaffen. Dann ist nachher keiner enttäuscht. Wir bekommen beide, was wir wollen, ohne falsche Gefühle heucheln zu müssen.“

„Und Sie sind damit einverstanden?“

„Aber ja. Ich schlage vor, dass ein Zeitraum von drei Monaten reichen sollte, uns beide zufriedenzustellen.“

„Klingt akzeptabel.“ Das gab ihr genug Zeit, um Eric so zu treffen, wie er sie getroffen hatte.

„Gut.“ Rafiq stand auf. „Dann bleibt nur noch eins.“

„Soll das heißen, Sie ziehen meinen Vorschlag ernsthaft in Erwägung?“ Jetzt, da sie ihr Ziel erreicht hatte, fühlte sie sich plötzlich fast ein wenig schwindlig.

„Ja.“ Er kam um den Schreibtisch herum und streckte ihr die Hand entgegen.

„Warum ausgerechnet ich?“ Kiley zögerte, seine Hand zu ergreifen, mit einem Mal scheute sie die körperliche Berührung. „Ich bin doch eigentlich gar nicht Ihr Typ.“

„Das ist ja gerade der Reiz an der Sache. Sie sind sehr attraktiv, und ich bin davon überzeugt, Sie werden Ihre Rolle als meine Geliebte mit der gleichen Effizienz ausfüllen wie die meiner Assistentin. Wie gesagt, bleibt nur noch eins zu klären.“

Kiley legte ihre Hand in seine, und er zog sie auf die Füße. Sein frischer männlicher Duft streifte sie, eine Mischung aus einem exquisiten Aftershave und seinem ganz eigenen Geruch.

„Was denn?“, wollte sie atemlos wissen.

„Das.“ Er neigte den Kopf. Seine Lippen berührten ihre, sanft, verführerisch.

Ein heißer Schauer durchfuhr Kiley. Dass er sie küssen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Dabei war es nur logisch. Schließlich hatte sie sich ihm soeben als Geliebte angeboten, da wollte er natürlich wissen, was ihn erwartete. Sie musste mit angemessener Leidenschaft auf diesen Kuss reagieren, das war ihr klar. Aber wie sollte sie das anstellen? Plötzlich fühlte sie sich wie gelähmt, wusste nicht, wohin mit ihren Händen.

Rafiq hob den Kopf. „Sie denken ziemlich laut, wissen Sie das?“

„Wie?“ Kiley zuckte erschrocken zusammen.

„In übertragenem Sinn. Ich kann regelrecht spüren, wie es in Ihnen rumort. Es steht Ihnen frei, Ihre Meinung zu ändern.“

„Nein, das möchte ich nicht.“ Jetzt war sie schon so weit gegangen, da gab es kein Zurück mehr. Sie brauchte nur ein bisschen Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen, das war alles. So hoffte sie jedenfalls …

„Passen Sie auf, ich habe eine Idee. Wir machen es anders herum. Vielleicht möchten Sie mich küssen? Dann fühlen Sie sich nicht gleich so bedrängt und können testen, ob es zwischen uns überhaupt funkt.“ Er setzte sich in seinen Schreibtischsessel.

„Okay, warum nicht?“, versuchte sie in leichtem Ton ihre Unsicherheit zu überspielen. Los jetzt, Kiley, er ist schließlich nicht der Glöckner von Notre-Dame. Tatsächlich konnte sie sich keinen attraktiveren Partner vorstellen als Rafiq: gut gebaut, braun gebrannt, dunkel, geheimnisvoll … Entschlossen machte sie einen Schritt auf ihn zu und schob sich zwischen seine leicht geöffneten Schenkel. Sie legte die Hände auf seine Arme, spürte unter dem weichen, kühlen Stoff seines Hemdes die Wärme und Stärke seines Körpers.

Als er ihr aufmunternd zulächelte, schloss sie aufseufzend die Augen, beugte sich vor und drückte ihren Mund auf seinen. Es war ein sanfter, tastender Kuss. Kiley strich behutsam über seine Lippen und hauchte zarte Küsse auf seine Wange. Sie rieb ihre Wange an seiner, suchte sein Ohrläppchen und knabberte sanft daran.

Allmählich spürte sie, wie ihre innere Anspannung nachließ. Tatsächlich überlief sie sogar ein leichtes Prickeln. Mit neu erwachtem Enthusiasmus widmete sie sich wieder seinem Mund.

Rafiq legte die Hand auf ihren Rücken und zog sie leicht an sich. Ermutigt von seiner Reaktion, schlang sie ihm die Arme um den Hals und fuhr mit der Zungenspitze die Kontur seiner Unterlippe nach. Dann wagte sie sich weiter vor, nahm seine leicht geöffneten Lippen als Aufforderung und vertiefte ihren Kuss.

Er schmeckte leicht nach Kaffee und irgendwie süß. Noch immer ließ er nahezu passiv alles geschehen. Das erstaunte sie. Und erregte sie gleichzeitig. Er überließ ihr die Führung. Sie war es, die das zarte Innere seines Mundes erkundete, die mit seiner Zunge spielte.

Dann war es vorbei. Plötzlich verunsichert durch seine passive Haltung, löste Kiley sich von seinen Lippen und zog die Hände weg.

Rafiqs Gesichtsausdruck verriet nicht die geringste Regung. Kiley hingegen hatte das absurde Gefühl, die Welt sei ein Stückchen aus den Fugen geraten. Irgendetwas war passiert …

Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, fragte Rafiq: „Und, passen wir zusammen?“

„O ja, ich glaube schon …“ Ihre Stimme klang in ihren eigenen Ohren seltsam belegt.

„Fein, dann sind wir uns ja einig. Ich schlage vor, wir treffen uns heute Abend zum Dinner bei mir, um die weiteren Modalitäten zu klären.“ Er warf einen Blick auf seine Uhr, ein nobles Designer-Stück. „In einer Viertelstunde ist eine Konferenz angesetzt. Wenn Sie mir bitte die Unterlagen bringen?“

Kiley nahm ihren Notizblock und verließ sein Büro. Fast wäre sie in hysterisches Lachen ausgebrochen. „Pass auf, was du dir wünschst. Dein Wunsch könnte in Erfüllung gehen“, sagte sie leise zu sich selbst und wusste nicht, ob sie sich freuen oder panisch die Flucht ergreifen sollte.

Was war das perfekte Outfit für die Geliebte eines Scheichs? Kileys Stimmung schwankte bedenklich zwischen Panik, Erregung und dem Bedürfnis, laut zu schreien. Sie, die mondäne Gespielin eines mächtigen Mannes? Ha! Sie kam sich ja schon verwegen vor, wenn sie zur Maniküre ging, anstatt ihre Nägel selbst zu feilen.

Unvorstellbar, in äußerst absehbarer Zeit würde sie mit Rafiq Sex haben! Eine Erfahrung, die ihr bis jetzt nicht vergönnt gewesen war, nicht einmal mit Eric. Damit rechnete Rafiq ganz sicher nicht – eine jungfräuliche Geliebte.

Schluss jetzt, ermahnte sie sich, konzentrier dich auf dein Outfit, du willst vor Rafiq doch nicht als komplettes Dummchen dastehen. Nach langem Hin und Her entschied sie sich schließlich für ein schlichtes hellblaues Leinenkleid mit kurzen Ärmeln und hochhackige Sandaletten. Elegante Ohrringe und ein leichtes Make-up vervollständigten das Bild.

Wenige Minuten später wurde sie von Rafiqs Chauffeur Arnold in einer schwarzen Stretchlimousine abgeholt und in eine völlig andere Welt katapultiert: die Welt der Reichen und Schönen, der Luxusvillen und Privatjets. Definitiv nicht ihre Welt, aber jetzt war es zu spät für einen Rückzieher.

Rafiqs Anwesen war beeindruckend wie erwartet. Eine moderne, einstöckige Villa mit viel Glas und strengen Konturen auf einem parkähnlichen Grundstück, das von einer hohen Mauer umgrenzt wurde. Langsam fuhr die Limousine die breite, von Palmen gesäumte Auffahrt entlang und hielt vor der Treppenflucht, die zum Eingang führte. Diensteifrig öffnete Arnold Kiley die Wagentür und wünschte ihr einen angenehmen Abend.

Wie in Trance stieg Kiley die Mamortreppen hinauf, als die Doppelflügeltür geöffnet wurde und Rafiq heraustrat. Er trug eine maßgeschneiderte Freizeithose und ein Polohemd … und sah einfach umwerfend aus. Viel zu umwerfend für sie, die Durchschnittsfrau.

Kiley widerstand nur schwer dem Drang, sich bei ihm für sein freundliches Entgegenkommen zu bedanken und auf dem Absatz kehrtzumachen.

Als ahnte er ihre Gedanken, fragte er mit einem leisen Lächeln: „Alles in Ordnung?“

„Nicht so ganz, aber das wird schon“, erwiderte sie wahrheitsgemäß.

„Ein Glas Champagner wirkt Wunder. Kommen Sie.“ Er ging voraus durch das großzügige Foyer in das imposante Wohnzimmer, das zwei Stufen tiefer lag. Kileys Blick fiel durch die breite Glasfront auf eine große Holzterrasse und den Strand, der sich daran anschloss. Dahinter breitete sich der Pazifik in seiner ganzen wilden Schönheit vor ihr aus.

„Einfach atemberaubend“, brachte sie staunend hervor.

„Die Aussicht erinnert mich ein wenig an Lucia-Serrat. An meine Strandvilla mit Blick auf den Indischen Ozean.“

„Ist es ähnlich wie hier?“

„Der Geruch ist anders. Wenn ich die Augen schließe und tief einatme, weiß ich genau, dass ich zu Hause bin. Es riecht irgendwie exotischer, salziger. Während hier der Geruch von …“ Er suchte nach den richtigen Worten.

„… von Hollywood dominiert?“, schlug sie vor.

„Ja.“ Rafiq lächelte anerkennend. „Das trifft es genau.“ Er trat zum Couchtisch aus geschliffenem Kristallglas, auf dem in einem silbernen Sektkühler eine Flasche Champagner stand. Daneben waren zwei Porzellanteller mit Appetithäppchen angerichtet. „Möchten Sie etwas essen?“, bot er an, während er zwei exquisit ziselierte Champagnerflöten füllte und Kiley eine reichte.

„Nein, danke.“ Sie würde keinen Bissen herunterkriegen, das wusste sie. Verzweifelt durchforstete sie ihr Hirn nach einem Gesprächsthema. Die neuesten Aktienkurse schienen ihr irgendwie nicht passend. Was sagte man als zukünftige Geliebte eines Ölscheichs? Gab es darüber einen internationalen Konsens, der ihr nicht geläufig war? Himmel, sie wünschte, die Erde würde sich auftun und sie verschlingen.

Ein amüsiertes Lächeln spielte um seine Lippen. „Sie tun es schon wieder. Sie denken laut.“

„Oh …“

„Sie sind nervös, nicht wahr?“

„Wären Sie das denn nicht?“, gab sie zurück.

„An Ihrer Stelle? Ja, vermutlich schon. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn wir uns zunächst mit der Logistik befassen. Es gibt da eine Reihe gesellschaftlicher Events, auf die Sie mich bitte begleiten. Ich lasse Ihnen eine Liste mit den entsprechenden Daten zukommen. Falls Sie irgendwohin möchten, stehe ich Ihnen natürlich ebenfalls zur Verfügung.“

Ihre Schwester würde in Kürze ein Kind bekommen, anschließend war eine große Familienfeier geplant. Wohl kaum das richtige Event für den verwöhnten Ölscheich …

„Warum lächeln Sie?“

„Tue ich das? Nun, ich kann Sie mir nicht inmitten meiner zwar herzlichen, aber durch und durch mittelständischen Familie vorstellen, sorry. Kein Tropfen blaues Blut in den Adern, fürchte ich.“

„Ist das so wichtig?“

„Für mich nicht, aber Sie …“

„Keine Bange, ich bin ziemlich anpassungsfähig.“ Rafiq hob amüsiert die Brauen.

„Ich habe zwei Schwestern“, erzählte sie. „Mein Vater ist Feuerwehrmann, meine Mutter arbeitet in einem Geschenkeladen. Sie sind seit 31 Jahren verheiratet und leben seit zwanzig Jahren im selben Haus.“

„Was ist falsch daran?“

„Nichts, aber Sie sehen, dass wir total verschiedenen Welten entstammen.“

„Ihre Welt klingt sehr nett“, sagte er leise, und ein Schatten huschte über sein Gesicht.

„Und in Ihrer gibt es die schöneren Juwelen“, konterte sie spöttisch.

„Das stimmt.“ Er lachte leise und beobachtete, wie Kiley nach ihrem Glas griff und daran nippte. Ihm entging nicht, wie ihre Nervosität zurückkehrte.

„Kiley, wir werden heute Nacht nicht zusammen schlafen“, sagte er sanft.

Erleichterung durchflutete sie, und sie sank entspannt gegen die Sofalehne. „Nicht?“

„Wir müssen uns erst besser kennenlernen, finden Sie nicht auch?“ Der größte Reiz lag ja gerade in der Spannung. Darin, Kileys Stimme zu lauschen und sich vorzustellen, wie es wohl war, wenn sie ihn anflehte, sie zu nehmen …

„Guter Plan“, pflichtete sie ihm etwas zu eilig bei. „Wissen Sie, ich bin mehr der Kumpeltyp und nicht die verführerische Sirene“, fügte sie erklärend hinzu.

„Sie sind Eric auf dem College begegnet?“, fragte Rafiq.

„Ja, in meinem letzten Jahr. Erst waren wir nur Freunde, dann wurde mehr daraus. Davor hatte ich eigentlich keine wirkliche Beziehung.“

Das bedeutete, sie war relativ unschuldig. Mal eine ganz neue Erfahrung. Ein erwartungsvolles Prickeln überlief ihn. „Ich nehme an, Eric war Ihr einziger Liebhaber?“

„Nun … äh …“ Sie leerte ihr Glas in einem Zug und sah ihn wortlos an.

Rafiq begriff. Kiley war Jungfrau. Mehr noch als diese Neuigkeit brachte ihn das plötzliche heiße Verlangen, sie zu besitzen, aus dem Gleichgewicht.

„Ich weiß, ein bisschen altmodisch, aber es hat sich eben so ergeben. Wer dafür verantwortlich ist? Hm, vermutlich meine Mom, die uns Mädchen immer eingeimpft hat, auf die große Liebe zu warten.“ Sie lachte bitter. „Und für wen habe ich mich nun aufgespart? Für Eric, diesen Schuft.“

Am liebsten wäre Rafiq diesem Kerl an die Gurgel gegangen, der das kostbare Geschenk, das Kiley ihm machen wollte, nicht zu schätzen wusste. „Es ist besser, dass Sie ihn nicht geheiratet haben“, sagte er grimmig.

„Sicher, trotzdem komme ich mir irgendwie dumm vor.“

Rafiq fand sie ganz und gar nicht dumm. Im Gegenteil, sie stieg noch höher in seiner Achtung. Allerdings warf die Tatsache, dass sie noch Jungfrau war, ein ganz neues Licht auf ihr Arrangement. Natürlich reizte es ihn über alle Maßen, sie in die Wonnen der körperlichen Liebe einzuführen. Andererseits überkamen ihn auch Skrupel.

„Überlegen Sie sich Ihr Angebot lieber noch mal“, hörte er sich sagen. „Jetzt haben Sie so lange gewartet, da sollten Sie nichts überstürzen.“

„Aber das tue ich nicht, ehrlich“, widersprach sie. „Ich will nicht länger warten, das blockiert mich nur. Glauben Sie mir, sonst hätte ich Ihnen das Angebot nicht gemacht.“

„Okay, einverstanden.“ Rafiq zögerte. „Lassen wir es langsam angehen, ja?“

„Wenn Sie meinen …“

„Ich werde Ihnen die vielen Möglichkeiten zeigen, einander Vergnügen zu bereiten. Das hat nicht unbedingt mit Sex zu tun.“

Seine Worte ließen sie wohlig erschauern. Sie bekam eine Ahnung davon, dass ihr kleines Arrangement mehr Spaß versprach als erwartet.

„Haben Sie Lust auf einen kleinen Rundgang?“ Rafiq stand auf. „Ich habe ein paar exquisite Stücke aus Lucia-Serrat mitgebracht.“

Während er Kiley durch sein Haus führte und ihr die kostbaren Antiquitäten zeigte, ließ er wie zufällig seine Hand auf ihrem Unterarm ruhen und strich ganz zart über ihre Haut. Kiley spürte, wie die Spannung allmählich von ihr abfiel.

In der Küche empfing sie das Aroma von exotischen Gewürzen. Rafiq deutete auf den Backofen. „Sana, meine Haushälterin, hat etwas zum Dinner für uns vorbereitet. Sind Sie hungrig?“

Er legte die Hand leicht auf ihre Hüfte, und Kiley ertappte sich dabei, wie sie seine Nähe genoss. Seltsam … die Vorstellung, dass sie ihm die Erlaubnis erteilt hatte, sie jederzeit zu berühren, erregte sie. „Hungrig? Nein, im Moment noch nicht.“ An Essen konnte sie jetzt wirklich nicht denken. Stattdessen wandte sie sich zu ihm um und legte die Hand an seine Wange. „Sie haben sich rasiert.“

„Aber ja, ich wollte dich nicht kratzen.“ Rafiq fand es plötzlich absurd, das formale Sie noch länger aufrechtzuerhalten.

Aha, er hatte also vorausgedacht. Kiley fragte sich, ob er sie begehrte, ob er es womöglich kaum abwarten konnte, mit ihr zu schlafen. Auf einmal schien es ihr unermesslich wichtig, begehrt zu werden.

Sie ließ die Hand sinken und berührte zögernd seine Brust. Er fühlte sich stark an unter ihren tastenden Fingern, und sein Körper strahlte eine berauschende Hitze aus. Kiley stellte sich vor, wie sie seine nackte Haut liebkoste, und seufzte sehnsüchtig.

Rasch trat sie einen Schritt zurück. „Der Rundgang“, erinnerte sie ihn. „Was steht als Nächstes auf dem Programm?“

„Das Schlafzimmer.“

Ach herrje, hätte sie bloß den Mund gehalten.

Sie passierten ein mit allen technischen Finessen ausgestattetes Büro, einen Fitnessraum, und dann öffnete Rafiq die Tür zum Master-Schlafzimmer.

Ein breites Bett dominierte den luftigen, hellen Raum, der sparsam in dunklem Holz möbliert war. Der Blick durch die Fensterfront ging aufs Meer hinaus. In einer Ecke neben dem Fenster stand ein behaglich wirkender Lehnsessel, und direkt gegenüber der Tür hing ein großer Spiegel in einem reich verzierten Messingrahmen an der Wand.

Kiley betrachte ihr Spiegelbild: ihre hochgewachsene, schlanke Gestalt vor dem großen, gut gebauten dunklen Mann. Sie gaben ein attraktives Paar ab, das ließ sich nicht leugnen.

Ihre Blicke trafen sich im Spiegel.

Rafiq legte ihr die Hände auf die Schultern und küsste sanft ihren Nacken. Ein heißes Prickeln überlief ihren Körper. Die Liebkosung zu spüren und gleichzeitig im Spiegel zu sehen empfand sie als unermesslich erotisch. Seine Lippen streiften ihre Haut nur ganz zart, und sie hielt erwartungsvoll die Luft an.

Zu Kileys Enttäuschung hob Rafiq im nächsten Moment den Kopf und fragte: „Na, wie wär’s jetzt mit Dinner?“

2. KAPITEL

„Du hast zwei College-Abschlüsse, stimmt das?“ Rafiq schenkte Kiley Wein nach.

„Ja, in Betriebswirtschaft und Erziehungswissenschaften.“ Sie schob ein Stück Hühnchen auf ihrem Teller hin und her. „Seltsame Kombination, ich weiß.“

„Nicht, wenn du beispielsweise einen Kinderhort betreiben willst.“

„Stimmt, darauf bin ich noch gar nicht gekommen. Weißt du, ich liebe Kinder. Im Grunde wollte ich nie etwas anderes als Hausfrau und Mutter werden. Jetzt bist du bestimmt enttäuscht, was?“

„Enttäuscht? Wieso?“ Im Gegenteil. Er war angenehm überrascht, dass sie nicht nur intelligent und tüchtig war, sondern auch eine charmante und schlagfertige Gesprächspartnerin. Es machte ihm Spaß, sich mit ihr zu unterhalten.

„Na ja, über meinen mangelnden beruflichen Ehrgeiz. Viele meiner Freundinnen missbilligen meine Einstellung. Eine moderne Frau sollte Familie und einen anspruchsvollen Job anstreben. Und ein luxuriöses Leben. Aber das will ich gar nicht. Ich träume von einem kleinen Häuschen mit Garten, Kindern und einem Mann, der uns genauso liebt wie wir ihn.“

Wieder wurde ihm bewusst, aus welch verschiedenen Welten sie stammten. Auch er wollte zwar eines Tages heiraten und Kinder in die Welt setzen, aber nicht aus romantischen Erwägungen heraus, sondern um seinem Land einen Erben zu schenken.

Sie legte die Gabel ab und sah ihn ernst an. „Ich weiß ja, es sollte mir eigentlich egal sein, was die Leute denken. Nicht jeder muss der gesellschaftlichen Norm entsprechen, aber manchmal ist es nicht leicht, sich dem zu verweigern.“

„Zerbrichst du dir oft den Kopf darüber?“

„Nein, nur manchmal überkommt es mich eben. Du kannst das vermutlich gar nicht nachempfinden. Dein Leben ist klar vorgezeichnet. Empfindest du das als positiv oder negativ?“

Er überlegte kurz. „Weder noch. Ich nehme es einfach als Tatsache hin. Warum auch nicht? Ich habe keinen Grund, mich zu beklagen.“

„Tja, dein vieles Geld ermöglicht dir zumindest eine gewisse Unabhängigkeit. Das muss schön sein. Du kannst doch im Grunde tun und lassen, was du willst.“

„Ja, das ist ganz sicher ein Vorteil.“

Kiley sah ihn forschend an. „Aber verheiratet bist du nicht, oder? Mir fällt gerade auf, dass ich dich nicht gefragt habe, ob eine Mrs. Rafiq sehnsüchtig in deiner Heimat nach dir schmachtet.“

„Nein, ich habe keine Frau. Sonst säße ich heute Abend auch nicht hier mit dir.“

„Wirklich?“ Sie klang überrascht. „Du hast dir vorgenommen, ein treuer Ehemann zu sein?“

„Ich bin auch jetzt treu.“

„In sehr befristeten Beziehungen. Eine Ehe dauert ein Leben lang. Zumindest sollte sie das.“

„Das ist mir bewusst, und ich habe fest vor, meiner zukünftigen Frau die Treue zu halten. Dasselbe erwarte ich natürlich von ihr.“

„Dann musst du achtgeben, dass du sie auch wirklich liebst.“

Liebe? Mit Liebe hat das nichts zu tun … „Nun, meine Wahl wird eher von Vernunftgründen geprägt sein. Schließlich geht es um die Mutter meiner Kinder.“

„Aber wenn du sie nicht liebst …“

Nach allem, was sie durchgemacht hatte, hielt sie weiterhin an ihrem Glauben an die romantische Liebe fest? Wie erstaunlich … „Respekt und gemeinsame Ziele überdauern ein flüchtiges Gefühl wie die Liebe bei Weitem.“

Kiley wirkte nicht überzeugt. „Und wie läuft das ab? Ich meine, wie wählst du deine Frau aus?“

„Das wird sich finden, wenn die Zeit reif ist. Man wird mir passende junge Damen vorstellen, und ich treffe meine Entscheidung.“

„Warte bloß nicht zu lange, schließlich bist du schon über dreißig“, gab sie zu bedenken.

„Nun ja, knapp über dreißig … ich fühle mich noch ziemlich jung“, konterte er amüsiert.

„Trotzdem. Du wirkst schon ein bisschen eingerostet.“

„Oh, danke für das Kompliment.“ In Wirklichkeit gefiel es ihm, dass sie sich wohl genug in seiner Gesellschaft fühlte, um ihn aufzuziehen. „Wie viele Kinder möchtest du?“

„Drei oder vier. Da hat man immer jemanden zum Spielen und Streiten“, lachte sie.

Er sah sie direkt vor sich in ihrem kuscheligen Häuschen. Sie würde Plätzchen backen, Halloween-Kostüme nähen – die perfekte Mutter eben. Verschwenderisch in ihrer Liebe und bescheiden in ihren Ansprüchen.

Rafiq betrachtete den schlichten Schmuck, den sie für den heutigen Anlass gewählt hatte. Juwelen würden ihr gut zu Gesicht stehen, erkannte er. Saphire vorzugsweise. Sie würden das Blau ihrer Augen unterstreichen. Und Diamanten. Diamanten und weiter nichts … Heißes Verlangen durchfuhr ihn. Ein Verlangen, das in absehbarer Zeit nicht gestillt würde. Aber das war okay. Je länger die Vorfreude, desto berauschender die Erfüllung.

„Freitagabend bin ich zu einer Spendengala eingeladen. Ich möchte gern, dass du mich begleitest“, sagte er.

„Gern, doch da gibt es ein kleines Problem. Ich fürchte, ich habe nicht die richtige Garderobe für solche Anlässe. Aber ich werde mir ein entsprechendes Outfit besorgen, wenn du mir einen Tipp gibst, was dir so vorschwebt: das kleine Schwarze oder eine glamouröse Robe.“

„Darüber sprechen wir noch. Einverstanden?“ Er schob seinen Stuhl zurück. „Fertig? Hat es dir geschmeckt?“

„Es war himmlisch, danke.“ Sie wunderte sich selbst, mit welchem Appetit sie gegessen hatte. Während ihrer Unterhaltung war ihre Nervosität vollkommen verflogen.

Rafiq stand auf und führte Kiley hinaus auf die Terrasse. Die Sonne war bereits vor einiger Zeit untergegangen, und das Meer lag im Dunkeln. Vereinzelt blitzten weiße Schaumkronen auf, wenn die Wellen tosend ans Ufer rollten. In der Ferne waren ganz schwach die Lichter eines anderen Hauses sichtbar.

Rafiq trat dicht hinter Kiley, legte die Arme um ihre Taille und zog sie an sich. Die Nacht war kühl, und Kiley genoss die Wärme, die sein Körper ausstrahlte. Und die Art, wie er sie umschlungen hielt. „Es macht Spaß mit dir“, gestand sie. „Man kann sich so gut mit dir unterhalten.“

„Bist du überrascht?“

„Ja, schon. Ich hatte erwartet, dass es schrecklich verkrampft werden würde, zumindest am Anfang.“

„Nun, zum Teil liegt es wohl daran, dass du intelligent bist und andere Gesprächsthemen hast als Schuhe und Kleidung.“

Sie lachte leise. „Erlebst du das oft?“

„Öfter, als du dir vorstellen kannst.“

„Dann verspreche ich dir, dich damit zu verschonen. Ist sowieso ein langweiliges Thema.“

„Nicht, wenn du deine Kleider ausziehst.“ Seine Stimme klang plötzlich dunkel und verführerisch.

Die abrupte Wendung ließ ihr Herz schneller schlagen. Auf einmal war sie sich des Mannes hinter sich mit jeder Faser ihres Körpers bewusst. Einerseits schockierten sie seine Worte, doch sie empfand auch Neugier und Erregung.

„Keine Angst, Kiley. Heute wird nichts passieren. Aber irgendwann bist du bereit für mich.“ Damit neigte er den Kopf und drückte ihr einen sanften Kuss auf den Hals. Sie erschauerte, während er sich behutsam bis zu der empfindsamen Stelle hinter ihrem Ohr vortastete.

„Woran denkst du?“ Sein Atem kitzelte ihre Haut.

„Dass sich deine Küsse gut anfühlen“, brachte sie atemlos hervor.

Rafiq richtete sich auf und drehte sie zu sich herum. Im Licht, das aus dem Wohnzimmer nach draußen fiel, glühten seine dunklen Augen vor Verlangen. Um seine Lippen lag ein zärtliches Lächeln. Es vermittelte ihr, dass sie ihm vertrauen konnte. Er würde Wort halten und sie nicht anrühren. Ganz sachte zeichnete er mit den Fingern die Konturen ihres Gesichts nach, strich über ihren Hals und ihre Arme, bis seine Hände ihre fanden.

„Du bist wunderschön“, brachte er rau hervor. „Besonders deine großen, ausdrucksvollen Augen. Ihre Farbe wechselt je nach Stimmungslage, wusstest du das? Manchmal werden sie ganz dunkel, manchmal klar und hell, dann wieder scheint ein Sturm in ihnen zu tosen. Du hast samtig zarte Haut, und dein Mund lädt zum Küssen ein.“

Rafiq hob ihre Hand an seine Lippen und hauchte einen Kuss darauf. „Alles an dir ist schön.“

Okay, solche Komplimente gehörten wahrscheinlich zum Verführungsprogramm, trotzdem ließen sie sie nicht kalt. Ganz im Gegenteil.

Er wickelte sich eine seidige Haarsträhne um den Finger.

„Findest du mein Haar zu kurz?“, meinte Kiley zweifelnd. „Die meisten Männer fahren auf eine lange Mähne ab, aber mir gefällt es so, wie es ist.“

„Mir auch.“ Er zog sie ein bisschen dichter zu sich heran, und sie ließ es willig geschehen. Kiley legte ihm die Hände auf die Schultern und schmiegte sich an seine breite, harte Brust. Ihre Schenkel streiften seine. Plötzlich wünschte sie sehnlichst, endlich das nächste Level zu erreichen. Das Kuss-Level.

Rafiq lächelte wissend. „Ich spüre eine gewisse Ungeduld.“

„Haben wir nicht genug geredet und sollten endlich Taten folgen lassen?“

„Erst heute Morgen konntest du es kaum ertragen, von mir berührt zu werden“, erinnerte er sie. „Ich möchte dich nicht drängen.“

„Jetzt ist es okay für mich, glaub mir.“

„Beweise es.“

Kiley zögerte nur eine Sekunde. Dann schlang sie ihm die Arme um den Hals, reckte sich auf die Zehenspitzen und drückte ihren Mund auf seinen. Diesmal ließ er es nicht passiv geschehen, sondern erwiderte ihren Kuss. Sanft saugte er an ihrer Unterlippe und schob die Zungenspitze durch ihre leicht geöffneten Lippen. Seine Liebkosungen wurden rasch fordernder, und Kiley kam ihm nur zu gern entgegen, ja, sie schmolz förmlich dahin vor Vergnügen.

In diesem Moment hätte er alles von ihr haben können – Hauptsache, er hörte nicht auf, sie zu küssen. Voller Verlangen presste sie sich an ihn, rieb sich an seinen Hüften, wünschte, er würde seine Hände über ihren Körper gleiten lassen … Natürlich hatte sie schon zuvor Leidenschaft empfunden, aber nicht dieses jähe heiße Begehren, das keinen Aufschub duldete.

Irritiert und verunsichert löste sie sich von Rafiq und trat einen Schritt zurück. „Rafiq, ich …“

„Schsch.“ Er legte ihr sanft den Finger auf den Mund. „Es ist schon spät. Ich sage Arnold Bescheid, dass er dich nach Hause bringen soll.“

„Aber …“

Er schüttelte leicht den Kopf und hauchte ihr einen zärtlichen Kuss auf die Wange. „Wir sehen uns dann morgen im Büro. Abends habe ich leider keine Zeit, aber am Mittwoch würde ich gern mit dir ausgehen.“

„Gern, ich freue mich schon darauf.“ Und das entsprach der Wahrheit. Kiley musste sich eingestehen, dass sie seine Gesellschaft schätzte, und zwar in jeder Hinsicht? Wieso erkannte sie erst jetzt, was für einen faszinierenden Chef sie hatte?

Während der Rückfahrt saß sie entspannt in die weichen Lederpolster gelehnt im Fond der Limousine. Sie dachte voller Vorfreude an die drei Monate, die vor ihr lagen, drei Monate, in denen eine Menge passieren konnte.

Doch mit dem nächsten Morgen kehrte auch Kileys Befangenheit zurück. Wie sollte sie nach dem, was gestern zwischen ihnen passiert war, jetzt noch mit Rafiq zusammenarbeiten?

Aber auch in dieser Hinsicht erwies sich Rafiq als Mann von Welt. Es gelang ihm, Kiley ihre Verlegenheit zu nehmen und eine nüchterne Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Er informierte sie, dass er am kommenden Tag mit ihr shoppen gehen würde, um sie mit einer angemessenen Garderobe auszustatten. Ihren Protest ließ er nicht gelten, also fügte Kiley sich seufzend in ihr Schicksal. In gewisser Weise sah sie dem Ereignis sogar recht amüsiert entgegen. Ein Mann und bummeln? Unmöglich … das würde er bestimmt nicht lange durchhalten, und dann wäre die leidige Kleiderfrage erledigt.

Doch da täuschte sie sich in Rafiq – und das ja nicht zum ersten Mal.

Als sie am Mittwochnachmittag in seine Limousine stiegen, spürte er sofort ihr Unbehagen.

„Was ist los?“, wollte er besorgt wissen.

„Ach, nichts Besonderes. Diese Limousine macht mir nur wieder mal bewusst, dass du ein Prinz bist und ich bloß eine normale Sterbliche.“

Er lachte verhalten. „Das haben wir doch bereits zur Genüge diskutiert.“

„Stimmt, und früher hat es mir auch nichts ausgemacht, doch jetzt … jetzt ist alles anders. Das Privatleben von Prinzen kenne ich nur aus Filmen wie ‚Plötzlich Prinzessin‘, du weißt schon. Aber selbst darin mitzuspielen, wenn auch nur in einer Nebenrolle, hätte ich mir nie träumen lassen.“

„Genieß es einfach, okay?“ Rafiq spürte, dass sie ihn nicht wie die meisten anderen Frauen als Trophäe betrachtete, sondern sich wirklich für ihn als Menschen interessierte. Eine angenehme Abwechslung … solange er aufpasste, dass nicht mehr daraus wurde.

Er nahm ihre Hand und führte sie an die Lippen. Neckend zeichnete er mit der Zungenspitze kleine Kreise auf ihre Handfläche. „Du machst dir zu viele Sorgen, freu dich aufs Einkaufen und vergiss alles andere, ja?“ Rafiq verflocht die Finger mit ihren.

„Na gut, also shoppen.“ Sie atmete tief ein. „Wie läuft das in deinen Kreisen ab?“

„Ähnlich wie in deinen, vermute ich, nur dass wir sehr exquisite Läden aufsuchen werden, wo du sonst wahrscheinlich nicht verkehrst. Die Events, zu denen ich dich mitnehmen möchte, erfordern eine exklusive Garderobe, die du dir von deinem Gehalt nicht leisten kannst, wenn ich dich natürlich auch mehr als großzügig entlohne.“

Sie richtete sich kerzengerade auf und sah ihn aus schmalen Augen an. „Wie bitte? Ich bin jeden einzelnen Cent wert, und das weißt du genau!“

„Ach ja?“ Ein belustigtes Lächeln zuckte um seine Mundwinkel.

„Aaahh, du machst dich über mich lustig, gib’s zu!“ Sie knuffte ihn leicht in den Oberarm.

„Au, schon gut, ich bekenne mich schuldig“, lachte er.

„Okay, du spendierst mir also ein sündhaft teures neues Outfit. Können wir den Kram später zurückgeben?“

„Natürlich wirst du die Sachen behalten. Betrachte sie als Mätressen-Bonus.“

„Außer meinem Vater hat mir noch kein Mann Kleidung geschenkt, Rafiq. Dir ist doch klar, dass ich mich nicht an dir bereichern möchte, oder?“

„Aber ja, dich treiben weitaus noblere Motive“, beruhigte er sie.

Sie überlegte kurz. „Hältst du Rache wirklich für nobel?“

„In meiner Heimat gehört Blutrache zum Kulturgut, also habe ich vollstes Verständnis für dich.“

„Trotzdem möchte ich die Kleider nicht behalten“, beharrte sie.

„Warte es doch ab, vielleicht gefallen sie dir so gut, dass du dich nicht mehr davon trennen willst. Wie gesagt, betrachte die Angelegenheit als Bonus.“

„Worin besteht eigentlich dein Bonus?“ Sie sah ihn neugierig von der Seite an.

„Mein Bonus bist du.“

Ihr Herz machte einen freudigen Satz. „Oh, wirklich schmeichelhaft, aber so hoch schätze ich mich nicht ein. Okay, ich bin verlässlich und ehrlich. Aber nicht sehr geheimnisvoll, leider … und erfahren auch nicht, das weißt du ja. Ich könnte mich im Bett als komplette Niete erweisen.“

„Unwahrscheinlich.“

„Ich beneide dich um deine Zuversicht“, seufzte sie.

„Bist du nervös?“

„Sicher doch.“ Kiley wich seinem forschenden Blick aus. „Wenn ich mir vorstelle, dass wir es tatsächlich tun … du weißt schon, was ich meine.“

Ein belustigtes Lächeln umspielte seine Lippen. „Nun, wir werden es nicht nur einfach tun. Ein bisschen mehr steckt schon dahinter.“

„Oh, natürlich.“ Ernst fügte sie hinzu: „Du verfügst über reichlich Erfahrung auf diesem Gebiet, oder? Wird das nicht irgendwann langweilig? Wünschst du dir nicht mehr als eine endlose Parade schöner, williger Frauen?“

„Die Abwechslung ist sehr reizvoll.“

„Na gut, aber ich meine etwas anderes: Sehnst du dich nicht nach Geborgenheit, dem Gefühl von Zugehörigkeit? Dem Abenteuer, einen anderen Menschen richtig kennenzulernen?“

„Geborgenheit und das Gefühl von Zugehörigkeit findet man nicht nur in einer Beziehung, im Idealfall trägt man beides tief in sich. Und alles andere?“ Er zuckte die Achseln. „Im Moment bin ich zufrieden, wie es ist. Ich bestimme, wie lange es dauert, wann es vorbei ist.“

„Und keiner wird verletzt.“

„Das hoffe ich zumindest, deshalb bemühe ich mich, die Regeln so klar wie möglich zu formulieren. Wenn sich dann doch eine in mich verliebt, tut es mir sehr leid.“

„Was ist mit dir? Hattest du noch nie Liebeskummer?“

„Nein. Ich bin ziemlich immun gegen weiblichen Charme.“

„Wirklich?“

Er lächelte herausfordernd. „Wollen wir wetten?“

„Lieber nicht, da habe ich keine Chance. Aber irgendwann hängst auch du am Haken, da bin ich sicher.“

„Möchtest du diesen Triumph gern miterleben?“

„Nein, ich bin nicht wild darauf, dich besiegt zu sehen. Was hältst du bloß von mir?“

Er blickte forschend in ihre blauen Augen, die dunkel waren vor Empörung. „Entschuldige bitte, das war unfair. Du bist nicht der Typ, der sich am Unglück anderer weidet.“

„Abgesehen von Eric“, erinnerte sie ihn düster.

„Bist du immer noch traurig?“

„Manchmal. Aber ich hätte es mir schlimmer vorgestellt. Das macht mir fast Angst, und ich rede mir ein, dass der richtige Schmerz erst noch kommt.“

„Wer weiß … vielleicht hast du ihn nicht so sehr geliebt, wie du dachtest.“

„Hm, ein schwacher Trost. Immerhin wollte ich den Mann heiraten.“

„Das funktioniert auch ohne Liebe.“

„In meiner Welt nicht. Schlimm genug, dass er eine komplette Närrin aus mir gemacht hat. Wenn ich jetzt noch erkennen muss, dass ich ihn nicht mal geliebt habe, dann brauche ich dringend eine Therapie.“

Rafiq konnte nicht anders, er musste lachen. Kileys selbstironische Art gefiel ihm, ja die ganze Frau gefiel ihm. Er fühlte sich wohl in ihrer Gesellschaft. Er nahm sich vor, etwas Nettes für sie zu tun, wenn ihre Affäre beendet war. Vielleicht würde er ihr das Haus kaufen, das sie sich wünschte, und ihre restlichen Hochzeitsschulden bezahlen.

Aber noch war es nicht so weit, sie standen ja erst ganz am Anfang.

Als die Limousine vor einer eleganten Boutique im Herzen Beverly Hills zum Stehen kam, spürte Kiley wieder diese inzwischen wohlbekannte Anspannung. Sie registrierte die obligatorische Markise, die spärliche, exquisite Auslage im Schaufenster … und das Schild mit der Aufschrift „Geschlossen“ in der gläsernen Eingangstür. Ha, noch einmal Glück gehabt! „Oh, zu dumm, es ist geschlossen“, bemerkte sie leichthin, bemüht, nicht allzu begeistert zu klingen.

„Für das gewöhnliche Publikum. Das habe ich mit dem Besitzer so abgesprochen“, erwiderte Rafiq augenzwinkernd. „Gerald ist ein guter Freund von mir.“

Kiley überlegte, wie viele Frauen er hier womöglich bereits ausgestattet hatte, verscheuchte den unangenehmen Gedanken aber sofort wieder.

Im Inneren des Ladens empfing sie ein gut gekleideter, hochgewachsener Mann, der ihr zur Begrüßung beide Hände küsste und wiederholt beteuerte, wie hinreißend er sie fand.

„Jede Menge Potenzial“, wandte er sich an Rafiq, während er sie mit Kennermiene musterte. „Ich habe Ihre Liste erhalten und bereits eine kleine Auswahl zusammengestellt.“

Kiley entzog ihm ihre Hände und blickte Rafiq erstaunt an. „Du hast ihm eine Liste geschickt?“

„Natürlich. Er muss doch wissen, welche Art Garderobe benötigt wird.“

Natürlich.

„Was darf ich Ihnen anbieten?“ Gerald strahlte übers ganze Gesicht. „Champagner? Wein?“

Rafiq lehnte dankend ab und bestellte Tee für sich und ein Wasser für Kiley. Dann vertiefte er sich in eine sachkundige Diskussion mit Gerald. Als Kiley plötzlich das Wort Dessous aufschnappte, erstarrte sie, und ihr wurde wieder einmal bewusst, worauf sie sich hier eigentlich eingelassen hatte. Jetzt bräuchte sie eigentlich einen doppelten Scotch, kein schlaffes Mineralwasser.

Gerald begleitete sie in den Umkleideraum, und Kiley probierte gehorsam Hosen und Blusen, Pullis und Stiefel, eine ganze Kollektion an Freizeitkleidung. Sie führte Rafiq die verschiedenen Outfits vor und stimmte meist mit ihm überein, was sie kaufen würden.

Als Nächstes standen Cocktailkleider auf dem Programm – kokette Schnitte mit asymmetrischem Saumabschluss und schwarze Seide mit Perlenstickerei. Es folgten Abendkleider für formelle Anlässe. Darunter war eine trägerlose Robe mit einem Bustier aus Samt und einem schwingenden Rock. Kiley betrachtete sich im Spiegel und verliebte sich sofort in dieses Kleid. Es war zwar sehr viel offenherziger als alles, was sie je getragen hatte, trotzdem fühlte sie sich nicht entblößt.

„Einfach bezaubernd“, rief sie mit blitzenden Augen aus, während sie sich vor Rafiq im Kreis drehte.

Er trat zu ihr. „Es gefällt dir also? Ich bewundere deinen Geschmack. Das Kleid ist wie für dich gemacht.“ Ohne Vorwarnung zog er sie in die Arme und presste seine Lippen in einem hungrigen Kuss auf ihre. Seine ungezügelte Leidenschaft raubte ihr den Atem. Noch nie war sie auf diese Weise geküsst worden, sie hatte nie erfahren, was es hieß, von einer Sekunde auf die andere vor Verlangen schier zu brennen.

Nach einer kleinen Ewigkeit löste Rafiq sich von ihr, gab ihr einen leichten Klaps auf den Po und sagte, als sei nichts passiert: „Okay, wir nehmen es. Jetzt weiter im Programm.“

Wie auf Wolken schwebte Kiley in die Umkleidekabine. Wow! Der Mann verstand etwas vom Küssen, das musste man ihm lassen!

Doch Sekunden später wurde sie unsanft in die Realität zurückkatapultiert. Ihr Blick fiel auf das durchscheinende Negligé, das sie erwartete. Darin sollte sie vor Rafiq posieren? Hm, warum eigentlich nicht? Früher oder später würde er sie sowieso nackt sehen, also konnte es nicht schaden, sich in kleinen Schritten daran zu gewöhnen.

Entschlossen schälte Kiley sich aus ihrer Abendrobe, legte den halterlosen BH ab und schlüpfte in das Negligé. Die kühle Seide auf der Haut ließ sie frösteln, aber ihr wurde sofort wieder heiß, als sich die Tür öffnete und Rafiq hereinkam.

In der Enge der Kabine wurde sich Kiley seiner männlichen Ausstrahlung überdeutlich bewusst. Instinktiv schnellte ihre Hand hoch, um sich zu bedecken, aber sie zwang sich, sie wieder sinken zu lassen. Stattdessen wartete sie klopfenden Herzens darauf, was als Nächstes passierte.

Rafiq sog ihren Anblick förmlich in sich auf, und sein Blick ließ keinen Zweifel an seinen Gefühlen. „Du bist wunderschön“, brachte er rau hervor. Er machte einen Schritt auf sie zu, berührte sie aber nicht.

„Woran denkst du jetzt?“, fragte Kiley atemlos.

„Daran, dass ich dich will. Ich werde nicht mit dir schlafen, nicht jetzt, aber ich bin heiß auf dich.“

Kiley erschauerte – nicht vor Furcht, sondern vor Erregung. Sie wollte ihn genauso sehr wie er sie. Bei dieser Erkenntnis stockte ihr der Atem.

Rafiq trat hinter sie. Da an jeder Wand der Kabine Spiegel hingen, konnte Kiley sehen, wie er den Kopf senkte und ihren Hals mit federleichten Küssen bedeckte. Sie atmete keuchend aus, und ihre fest aufgerichteten Brustspitzen zeichneten sich unter der hauchdünnen Seide ab.

Als er sie von hinten umschlang, erwartete sie, dass er ihre Brüste liebkosen würde. Er legte die Hand leicht auf ihren Bauch und spreizte die Finger.

Na los, beweg dich, flehte sie ihn stumm an, lass die Hand höher gleiten …

Doch Rafiq rührte sich nicht. Sie war kurz davor, seine Hand dorthin zu führen, wo sie ihn spüren wollte, da löste er sich abrupt von ihr. „Wir gehen jetzt besser.“

3. KAPITEL

Der ausgiebige Einkaufsbummel verlangte wie jede außergewöhnliche Anstrengung nach einer Stärkung. Wieder einmal überraschte Rafiq Kiley – diesmal mit der Auswahl des Lokals.

„Das war ein ganz schön spektakulärer Auftritt – mit unserer Limousine im Drive-in“, amüsierte sich Kiley und schloss die Tür zu ihrem Apartment auf. „Wundert mich, dass wir die Kurve gekriegt haben.“

Sie dirigierte den mit Tüten und Kartons beladenen Arnold in ihr Schlafzimmer, wo sie in weiser Voraussicht bereits Platz im Schrank geschaffen hatte. „Ich bin gleich zurück, mach’s dir doch inzwischen im Wohnzimmer bequem, ja?“, forderte sie Rafiq auf.

Sein Interesse richtete sich sofort auf die gerahmten Fotos an der Wand: drei lachende junge Mädchen, offensichtlich Kiley mit ihren Schwestern, ihre Eltern, Aufnahmen der College-Abschlussfeier. Keines, das Eric zeigte, wie er zufrieden feststellte.

Mit der Burger-Tüte in der Hand kam Kiley aus dem Schlafzimmer zurück. Nachdem Arnold sich höflich verabschiedet hatte, fragte sie: „Wo möchtest du essen? In der Küche, obwohl es dort nicht sehr gemütlich ist? Oder lieber auf dem Sofa? Soll ich den Fernseher einschalten?“

„Schon wieder nervös?“, neckte er sie lächelnd. „Ich dachte, das hätte sich inzwischen gelegt.“ Er betrachtete sie und war erstaunt, dass sie nach diesem Mammuttag immer noch so frisch wirkte. Kiley trug dieselben Sachen wie am Morgen im Büro: einen schmalen, knielangen Rock, dazu eine blassrosa Bluse und hochhackige Pumps. Hübsch, aber im Negligé wäre sie ihm lieber. Oder besser noch ganz ohne störende Hüllen … nur heiße, nackte Haut.

„Es liegt nicht an dir, sondern an der Umgebung. Man empfängt nicht jeden Tag einen Prinzen in seiner beengten Zweizimmerwohnung.“

Rafiq blickte sich aufmerksam um. Die hübschen, zierlichen Möbel und die vielen grünen Zimmerpflanzen gefielen ihm. „Die Wohnung passt zu dir.“

„Danke, ich fühle mich hier sehr wohl. Haustiere sind leider verboten, und ich wollte immer gern eine Katze. Hey, wie sieht’s aus, möchtest du nicht essen? Die Burger werden langsam kalt.“

„Ehrlich gesagt habe ich keinen großen Hunger, aber tu du dir keinen Zwang an.“

„Was ist denn, Rafiq? Du wirkst plötzlich so … rastlos.“

Rastlos? Was für eine Untertreibung! Zwei Seelen rangen in seiner Brust, und im Moment drohte der Nachfahre wilder Wüstenscheichs den zivilisierten Gentleman mundtot zu machen. Er wollte Kiley … hier und jetzt. Er wollte ihren geschmeidigen Körper in den Armen halten, ihren Duft in sich einsaugen, sehnte sich danach, ihre lustvollen Seufzer zu hören … „Ich musste gerade daran denken, wo wir wohl sein werden, wenn du dieses Nichts von einem Negligé trägst, das du vorhin anprobiert hast“, brachte er mit rauer Stimme hervor.

„Nun, vermutlich sind wir dann im Bett. Stellst du dir das gern vor?“, fragte sie, und ihr Herz klopfte schneller.

„Ja, es macht mich ganz scharf auf dich.“ Er nahm ihre Hand und drückte sie sanft gegen seine Erektion, wollte ihr die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen. Stattdessen fing sie an, ihn behutsam zu streicheln.

„Allein die Vorstellung, mit mir zusammen zu sein, erregt dich?“

Er nickte, unfähig, auch nur ein Wort herauszubringen.

„Denk nur, was passieren würde, wenn wir uns jetzt küssen …“ Ja, was würde dann wohl geschehen? Um das herauszufinden, reckte Kiley sich auf die Zehenspitzen und presste ihre Lippen auf seine. Ohne zu zögern erwiderte Rafiq den Kuss.

Kiley legte ihm die Hände auf die kräftigen Schultern. Sie spürte die ungeheure Männlichkeit, die ihn ausmachte. Rafiq hatte sich stets hervorragend in der Gewalt. Was würde passieren, wenn er sich wirklich einmal gehen ließ? Würde er sie mitreißen? Der Gedanke erregte sie.

Sie schmiegte sich sehnsüchtig an ihn und schob die Finger in sein dichtes dunkles Haar. Die Art und Weise, wie er mit der Zungenspitze ihre Unterlippe liebkoste, machte sie ganz verrückt vor Verlangen. Mehr, dachte sie, ich will mehr … Kiley vertiefte den Kuss, saugte sanft an seiner Zunge, spürte, wie sein Körper sich anspannte. Erfreut registrierte sie, wie er ihre Bluse aus dem Rockbund zog. Er schob die Hand unter den dünnen Stoff und streichelte ihre nackte Haut.

Kiley erschauerte lustvoll. Während er die Hände langsam, tastend höherwandern ließ, löste er sich von ihren Lippen und küsste sie auf den Hals. Aufstöhnend bog Kiley den Kopf zurück. Ja, o ja … Jetzt knabberte er sanft an ihrem Ohrläppchen. Sie hatte das Gefühl, vor Lust zu vergehen. Endlich tat er das, wonach sie sich so sehr sehnte: Er berührte ihre Brüste, streichelte die sanften Rundungen und massierte die festen Spitzen durch den hauchdünnen Stoff ihres BHs.

Instinktiv hob Kiley die Hand und knöpfte ihre Bluse auf. Doch sofort zuckte sie erschrocken zurück. Was würde er jetzt von ihr denken? Verunsichert blickte sie auf und sah ihm in die Augen, die dunkel waren vor Verlangen.

„Gefällt dir, was ich tue?“, wollte er wissen.

„Ja“, hauchte sie und drängte sich ihm sehnsüchtig entgegen.

Im nächsten Moment fanden sich ihre Lippen erneut in einem leidenschaftlichen Kuss. Mit einer Hand tastete Rafiq nach dem Vorderverschluss ihres BHs und öffnete ihn. Die Cups fielen zur Seite, und er streichelte ihre zarte Haut, umkreiste mit den Fingerspitzen ganz sanft die rosigen Spitzen, bis er schließlich mit dem Daumen darüberrieb. Kiley spürte ein heißes Ziehen im Bauch und wollte mehr … viel mehr.

Als hätte sie wieder einmal laut gedacht, beugte er den Kopf und nahm eine der hart aufgerichteten Knospen in den Mund, um sanft daran zu saugen, während er die andere streichelte.

Kiley klammerte sich keuchend an ihn, kaum noch in der Lage, sich auf den Beinen zu halten. Ihr Körper glühte förmlich vor Verlangen. „O Rafiq“, stöhnte sie sehnsüchtig.

Er hob den Kopf und verschloss ihre Lippen mit einem letzten Kuss, dann löste er sich sanft von ihr und trat zurück. Sein Blick fiel auf ihre entblößten Brüste. „Du bist wunderschön“, brachte er leise, fast andächtig hervor. „Wir sehen uns morgen.“

„W-wie bitte? Du willst jetzt gehen?“ Kiley konnte es nicht fassen.

Rafiq lächelte vielsagend. „Es ist besser so. Gute Nacht.“

Bevor sie überhaupt richtig begriffen hatte, was geschah, war er gegangen. Kiley stand allein mitten in ihrem Wohnzimmer – halb nackt und mehr als nur ein bisschen durcheinander. Falls Rafiq es darauf anlegte, ihr Begehren ins Unermessliche zu steigern, dann machte er seinen Job ausgezeichnet.

Im Nu war es Freitagabend, und wieder saß Kiley neben Rafiq in der Stretchlimousine, diesmal auf dem Weg zur Spendengala. Arnold hielt vor dem Portal des imposanten Westside Hotels. Ein Page öffnete Kiley die Wagentür, und sie stieg voller Vorfreude aus. Glättend strich sie über den Rock ihres samtenen dunkelblauen Ballkleids.

„Bereit?“ Rafiq bot ihr lächelnd den Arm.

„Ich kann’s kaum erwarten.“ Das stimmte. Sie fühlte sich großartig. Selbstbewusst und attraktiv. Erst als sie den Ballsaal betraten, wurde ihr bewusst, wie viele Reiche und Prominente hier auf einen Haufen versammelt waren. „Sie starren uns an“, raunte Kiley Rafiq zu.

„Weil du so hinreißend aussiehst“, erwiderte er.

„Nein, weil du ein Prinz bist. Ich bin es gewohnt, in der Masse unterzugehen. An diesen neuartigen Zustand muss ich mich erst gewöhnen.“

„Sei froh, dass ich die richtig großen Klunker in der Schatulle gelassen habe.“

Unwillkürlich fuhr sie mit der Hand zu dem mit Diamanten und Saphiren besetzten Collier, das Rafiq ihr vorhin um den Hals gelegt hatte. Obwohl die Kette nur eine Leihgabe war, genoss Kiley es, ein so wunderschönes Schmuckstück zu tragen.

„Das Teuerste, was ich je geliehen habe, war ein Paar Schuhe von meiner Schwester“, seufzte sie.

Ein amüsiertes Lächeln um die Lippen, dirigierte er sie durch die Menge. Kiley blickte sich entzückt um, geblendet von der Pracht des riesigen Ballsaals. Alles war in Gold, Silber und Schwarz gehalten. Die Säulen waren verspiegelt und reflektierten das Licht der riesigen Kronleuchter, die von der hohen Decke hingen. Stimmengewirr von ein paar Hundert Menschen und gedämpfte Orchestermusik erfüllten den Saal.

Immer wieder blieb Rafiq kurz stehen, um Bekannte zu begrüßen und Kiley vorzustellen. Sie lächelte jedes Mal höflich und versuchte sich nicht vorzustellen, was die Leute von ihr dachten. Zweifellos waren sie daran gewöhnt, Rafiq alle paar Monate mit einer anderen schönen Frau am Arm zu sehen.

„Möchtest du gern tanzen oder lieber schon zu unserem Tisch gehen?“, erkundigte Rafiq sich schließlich.

Nach einem raschen Blick auf die fast leere Tanzfläche erwiderte sie: „Tanzen wäre schön. Ich habe extra Tanzstunden für die Hochzeit genommen.“

In den Tiefen seiner dunklen Augen glomm eine Regung auf, die sie nicht recht zu deuten wusste. „Du und Eric, ihr wart also zusammen in der Tanzschule?“

„Das ist übertrieben, ich war fast immer allein da, weil er meist keine Lust hatte.“

Was für ein dämlicher Trottel, fuhr es Rafiq durch den Sinn. Er zog Kiley auf die Tanzfläche.

„Schöne Musik“, seufzte Kiley, während sie den Kopf leicht gegen seine Schulter lehnte. Sie spürte, wie Rafiq sie eine Spur dichter an sich zog.

„Finde ich auch.“ Das Orchester spielte ein langsames Stück, das keine besondere Konzentration auf die Tanzschritte erforderte.

Kiley schloss die Augen und gab sich ganz den sanften Klängen hin. Ihre Körper bewegten sich in perfekter Harmonie, als hätten sie schon unzählige Male miteinander getanzt. Sie dachte an später, wenn Rafiq sie nach Hause bringen würde, und ihr Herz klopfte erwartungsvoll. Kiley war fest entschlossen, ihn hereinzubitten, und sie würden … ja, was eigentlich? Nun, was auch immer passieren würde, es war mit Sicherheit aufregend. Um die Dinge ein bisschen voranzutreiben, hatte sie heute nach Büroschluss extra mit Schokolade überzogene Erdbeeren besorgt. Eine höchst erotische Nascherei, wie sie fand.

„Du bewegst dich sehr gekonnt“, raunte ihr Rafiq anerkennend ins Ohr.

„Danke, das Kompliment gebe ich zurück.“

„Wir passen eben ausgezeichnet zusammen.“

Oh … die Bedeutung dieser Worte gefiel ihr … sehr sogar.

„Halt dich fest“, meinte Rafiq unvermittelt, „Eric ist da.“

„Wie bitte?“

„Er ist gerade hereingekommen. Allein.“

„Aber er müsste noch auf Hawaii sein.“ Doch jetzt sah sie ihn auch. Er stand im Eingang und blickte sich um: von mittlerer Statur, rotbrauner Haarschopf, grüne Augen. Genau wie Rafiq trug er einen Smoking. Kiley wartete auf das Gefühl abgrundtiefer Verzweiflung, das sie sicher gleich überschwemmen würde. Doch auf wundersame Weise blieb es aus. Stattdessen empfand sie nur Wut und wünschte nichts sehnlicher, als nie wieder etwas mit Eric zu tun zu haben.

„Möchtest du mit ihm reden?“, fragte Rafiq.

Kiley blickte lächelnd zu ihm auf. „Nein, danke. Ich bin viel lieber mit dir zusammen.“ Um ihre Worte zu bekräftigen, schmiegte sie sich noch ein bisschen enger an ihn.

Später am Abend, Rafiq war in ein Gespräch mit einem Geschäftsmann vertieft, entschuldigte Kiley sich und schlenderte zum Champagnerbrunnen. Sie streckte gerade die Hand nach einem Glas aus, da erklang hinter ihr eine wohlbekannte Stimme.

„Kiley? Was tust du denn hier?“

Sie fuhr zu Eric herum. „Das siehst du doch … ich bin Gast auf einer Spendengala“, beschied sie ihn knapp. „Und du? Solltest du nicht eigentlich noch auf Hawaii sein?“

Eric schüttelte bedrückt den Kopf. „Ich musste immerzu an dich denken. An uns.“

„Wie schade für dich.“ Kiley wollte ihn stehen lassen und zu ihrem Tisch zurückkehren, doch er legte ihr die Hand auf den Arm.

„Warte. Du musst mich anhören.“

Sie starrte auf seine Hand, wartete darauf, etwas zu empfinden. Immerhin war sie drei Jahre lang mit dem Mann verlobt gewesen. Doch da war nichts mehr – außer dem Verlangen, sich so rasch wie möglich zu Rafiq zu flüchten.

„Ich rede mit dir“, versetzte Eric scharf.

„Kann schon sein, aber es interessiert mich nicht, was du zu sagen hast.“ Energisch schüttelte Kiley seine Hand ab.

„Bist du jetzt mit ihm zusammen?“, wollte Eric wissen und wies mit einer Kopfbewegung in Rafiqs Richtung.

„Ja.“

Eric funkelte sie böse an. „Hab ich’s doch geahnt, dass da etwas läuft zwischen dir und diesem Typen. Verdammt, Kiley, du hast mich belogen.“

„Nein, hab ich nicht. Bis Montagmorgen war er lediglich mein Boss. Inzwischen hat sich das allerdings geändert.“ Mit Genugtuung registrierte sie, wie er blass wurde.

„Du schläfst mit ihm?“ Eric sah sie ungläubig an. „Und ich Dummkopf hab dich immer behandelt wie eine kostbare Porzellanpuppe.“

„Oh, so siehst du die Sache also? Aus meiner Perspektive bist du nichts weiter als ein erbärmlicher Lügner, der mich nach Strich und Faden betrogen hat“, schleuderte sie ihm mit blitzenden Augen entgegen. „Du hättest mich haben können, Eric, aber du hast es komplett vermasselt. Und jetzt ist es aus. Ironischerweise bin ich sogar dankbar. Ein paar Tage Abstand haben gereicht zu erkennen, dass gar nicht so viel dran war an unserer Beziehung.“ Damit wandte sie sich zum Gehen.

Eric hielt sie zurück. „Dieser Rafiq schert sich doch einen Dreck um dich. Er will nur Sex.“

„In diesem Fall irrst du dich. Er benutzt nicht mich, sondern ich ihn.“

Alle Farbe wich aus Erics Gesicht, aber Kiley achtete nicht weiter darauf, sondern ließ ihn stehen und eilte zu Rafiq zurück. Am liebsten hätte sie laut gejubelt. Dieses eine Mal hatte sie Eric die Stirn geboten und war als Siegerin aus der Auseinandersetzung hervorgegangen. Es war ihm nicht gelungen, sie zu kränken oder zu demütigen. Sie hatte ihm all das den Kopf geworfen, was die ganze Zeit an ihr nagte. Jetzt wollte sie ihren Triumph so richtig auskosten und die ganze Nacht durchtanzen.

Doch als sie an ihren Tisch zurückkam, traf sie Rafiq in ein Gespräch mit einer schönen Frau vertieft an: zierlich, elegant, vielleicht ein paar Jahre älter als Rafiq.

Kileys Hochgefühl ebbte auf der Stelle ab, und sie flüchtete sich auf die Damentoilette, bevor Rafiq sie bemerkte. Ein dumpfer Schmerz breitete sich in ihrem Innern aus. Natürlich war sie nicht jedes Mal eifersüchtig, wenn Rafiq sich mit einer anderen Frau unterhielt. Aber diesmal hatte sie eine gewisse Vertrautheit zwischen den beiden gespürt. Ganz offensichtlich kannten sie sich schon ziemlich lange.

Kurz nach Mitternacht verließen sie die Gala. Rafiq blieb nie bis zum Schluss solcher Veranstaltungen, und Kiley schien erleichtert, als er vorschlug zu gehen. Nach dem Essen war sie seltsam einsilbig geworden, und er wollte herausfinden, was sie bedrückte.

„Du bist so still“, begann er, als sie in der Limousine saßen. „Hast du dich über irgendetwas geärgert?“

„Nein, aber ich habe dich mit dieser Frau gesehen: der zierlichen Schönheit im roten Kleid“, erwiderte sie nach kurzem Zögern. „Ich habe mir gesagt, da ist nichts zwischen euch, aber irgendwie wirktet ihr so vertraut. Nach dem, was ich mit Eric erlebt habe, bin ich in dieser Hinsicht ein bisschen übersensibel, glaube ich. Ich möchte gern wissen, ob du dich noch an dein Treueversprechen gebunden fühlst.“

Ihre schnörkellose Offenheit verblüffte ihn, und er überlegte angestrengt, wen sie wohl meinte. Als es ihm einfiel, hätte er am liebsten laut gelacht, verkniff es sich aber im letzten Moment. „Natürlich tue ich das, Kiley. Wenn ich mein Wort gebe, dann halte ich es auch – bis zum Tod.“

„Wow“, brachte sie beeindruckt heraus. „Okay, dann muss ich dir wohl glauben.“

„Abgesehen davon ist die Frau, die du meinst, keine Bedrohung für dich“, fuhr er schmunzelnd fort. „Es handelt sich nämlich um meine Mutter.“

Kiley sog überrascht die Luft ein und schwieg. Dazu fiel selbst ihr nichts mehr ein. Seine Mutter …

In ihrem Apartment angekommen, fragte Kiley: „Möchtest du etwas trinken? Ich habe Weißwein kalt gestellt. Oder vielleicht lieber einen alkoholfreien Cocktail?“ Sie erinnerte sich daran, dass Rafiq nur selten Alkohol trank. Ein Tribut an seinen kulturellen Hintergrund, der ihn bei aller westlichen Offenheit noch immer prägte.

„Ein fruchtiger Cocktail wäre schön. Ich hole ihn.“ Er verschwand in ihrer winzigen Küche und nahm die Flasche mit dem Fruchtcocktail aus dem Kühlschrank. Dabei fiel sein Blick auf den Plastikbehälter mit den in Schokolade getunkten Erdbeeren. Ein wissendes Lächeln legte sich um seine Lippen. Kiley plante wohl, ihn zu verführen. Rafiq nahm sich vor, es ihr so leicht wie möglich zu machen …

Als er ins Wohnzimmer kam, kickte sie gerade mit einem genüsslichen Seufzer die High Heels von den Füßen. Er zog die Smokingjacke aus, machte es sich neben ihr auf dem Sofa bequem und schenkte ihnen von dem Cocktail ein.

„Erzähl mir mehr über deine Mutter“, bat Kiley leise. „Da sie hier ist und dein Vater glücklich verheiratet in Lucia-Serrat, gehe ich davon aus, sie sind geschieden?“

„Sie haben nie geheiratet. Früher war sie eine recht bekannte Schauspielerin. Sie kam zu Dreharbeiten auf unsere Insel. Mein Vater war noch sehr jung, erst siebzehn, und hat sich bis über beide Ohren in sie verliebt. Vielleicht wollte er auch einfach nur mit ihr schlafen. Mit siebzehn ist das meist dasselbe. Was sie für ihn empfand? Keine Ahnung. Sie hat nie darüber gesprochen. Jedenfalls hatten sie eine heiße Affäre, und ich war das Ergebnis.“

Kiley nippte an ihrem Cocktail und stellte das Glas auf dem Couchtisch ab. Dann nahm sie ihre Ohrringe ab. „Vermutlich war es schrecklich romantisch. Eine stürmische Affäre und ein Kind der Liebe …“

„Romantisch? Keine Spur. Mein Vater war viel zu jung, um zu heiraten, und sein Vater lehnte die Beziehung ohnehin ab. Meine Mutter setzte alles daran, dennoch Prinzessin zu werden, vergeblich. Schließlich einigte man sich finanziell.“

Kiley, die gerade den Verschluss ihres kostbaren Colliers öffnete, hielt ungläubig inne. „Sie hat sich für das Baby bezahlen lassen?“

„Unter der Bedingung, auf mich zu verzichten und bis zu meiner Volljährigkeit keinen Kontakt zu mir aufzunehmen.“

„Wie furchtbar!“ Kileys sanfte blaue Augen wurden dunkel vor Mitgefühl. „Das hat dich sicher völlig fertiggemacht.“

„Ich war es ja nicht anders gewöhnt“, erwiderte er achselzuckend. „Fürsorgliche Kinderschwestern und Nannys kümmerten sich um mich, und das nicht mal schlecht.“

„Ich fasse es nicht.“ Kiley ließ die Schmuckstücke rasch in seine Jackentasche gleiten. „Mir will einfach nicht in den Kopf, wie eine Mutter ihr eigenes Kind verkaufen kann.“ Sie strich ihm zärtlich über die Wange. „Wie ist euer Verhältnis jetzt? Steht ihr euch nahe?“

„Nicht wirklich. Wir treffen uns ab und zu, essen zusammen zu Mittag, plaudern ein bisschen. Besonders gern schmückt sie sich auf Partys mit mir. Manchmal tue ich ihr den Gefallen.“ Ehrlich gesagt war sie ihm ziemlich egal. Er grollte ihr nicht, liebte sie aber auch nicht. Sie hatte ihre Entscheidung vor langer Zeit getroffen, und er war es gewohnt, ohne sie auszukommen.

Rafiq beschloss, das Thema zu wechseln, ehe das Gespräch eine zu ernste Wendung nahm. Für heute Nacht schwebten ihm nämlich ganz besondere Pläne vor – erotische Pläne. Er nahm ihre Hand und küsste sie. „Verrätst du mir, was du unter deinem Kleid anhast?“

Uups, was für eine Frage … eine, die ihr sehr entgegenkam. Kiley bemerkte das Feuer in seinem Blick und konnte es kaum abwarten, sich zu verbrennen. „Panty und einen halterlosen BH.“

„Komm, tanz mit mir.“ Rafiq stand auf und streckte ihr die Hand entgegen.

Nur zu willig ließ sie sich von ihm auf die Füße ziehen. Es gab keine Musik, aber irgendwie schien das auch nicht nötig.

Er schloss die Arme um sie, und sie schmiegte sich an seine breite Brust. Ihre Sinne waren geschärft wie nie, und sie nahm alles um sich herum überdeutlich wahr – seinen männlich-herben Duft, die Spannung, die sich zwischen ihnen aufbaute, sogar die Stille im Zimmer. Und da war es wieder, dieses plötzliche heiße Verlangen, das ihr den Verstand raubte.

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