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Weiber after Work – Chili extra hot

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Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

1. KAPITEL

“Was meinst du, Macy? Haben wir wirklich genug zu essen?” Macy stellte die Schüssel mit Tortillachips und das Schälchen Salsa auf die Küchentheke, wo auf einer Warmhalteplatte bereits ein Topf mit feurig-scharfem Chili köchelte. Einen Stapel leuchtend bunten Wegwerfgeschirrs mit passenden Papierservietten in rot, blau, gelb und grün platzierte sie direkt daneben. Prüfend musterte sie das Arrangement und nickte zufrieden. Dann wischte sie sich die Hände an ihrer schwarzen Caprihose ab und begann, die Gäste mithilfe ihrer Finger zu zählen.

“Wir beide, der Rest des Teams, Anton, macht insgesamt sieben.” Laurens Freund Anton und die übrigen Partnerinnen von gIRL-gEAR gehörten zur Stammbesetzung der Spielabende, zu denen Macy in regelmäßigen Abständen einlud, um ihre neuesten Ideen für die Kolumne zu testen. “Dann Ray, Jess, Doug und Eric.” Mit gerunzelter Stirn versuchte Macy, den geballten Appetit von fünf kraftstrotzenden jungen Männern Mitte zwanzig abzuschätzen. “Jetzt, wo du davon anfängst …”

Abwägend ließ sie den Blick über den langen Tisch schweifen. Mit vereinten Kräften hatten sie das Ungetüm aus dem Arbeitsbereich des Lofts, den Macy und Lauren bewohnten, herbeigeschleppt, und Lauren hatte es mit einer farbenfrohen Decke in eine prächtige Tafel verwandelt. Diese bog sich unter Schüsseln und Platten voller Köstlichkeiten aus der texanisch-mexikanischen Küche: Pico de gallo, ein Gemüse-Frucht-Salat, Zwiebeln, Tomaten und grüner Salat, um Fajitas, gefüllte Pfannkuchen, zuzubereiten, geriebener Käse und ein scharfer mexikanischer Eintopf mit Bohnen und Paprika. Auf dem Boden stand eine altmodische Zinkbadewanne, in der Dutzende Flaschen Bier – Corona, wie es sich für eine richtige Tex-Mex-Party gehörte – auf Eis lagerten, und draußen auf dem Grill brutzelten Hähnchenkeulen und Shrimps.

Macy wiegte nachdenklich den Kopf. “Haben wir genug zu trinken? Cocktails vielleicht? Soll ich Margaritas vorbereiten?”

Lauren verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf, dass die blonden Haare flogen. “War nur ein Scherz, Macy! Wir müssen mindestens eine Woche lang von Resten leben.”

“Nichts dagegen!” Macy angelte ein kleines Stück Tomate von einem Teller und steckte es in den Mund. “Du kennst meine Schwäche für mexikanische Küche. Wenn es nach mir ginge, könnten wir uns monatelang von nichts anderem ernähren.”

“Du hast gut reden! Aber sieh mich mal an: Eine Woche Salsa und Bohnen und meine Hüften gehen auseinander wie …”

“Jetzt mach aber einen Punkt, Lauren! Millionen von Frauen würden alles drum geben, eine Figur wie deine zu haben. Deine Oberweite …” Vielsagend strich Macy über ihr knallrosa T-Shirt und warf mit gut gespielter Verzweiflung einen Blick in ihren Ausschnitt. “Da fällt mir ein, dass wir die Avocadocreme vergessen haben. Tex-Mex ohne Guacamole – undenkbar!”

Lauren, die gerade mit Messern in der einen und Gabeln in der anderen Hand hinter dem Küchentresen hervortrat, sah die Freundin verblüfft an. “Du willst mir doch nicht etwa weismachen, dass du an Avocados denken musst, wenn du in deinen Ausschnitt starrst, oder Lauren?”

“Schön wär’s! Nein, was es da zu sehen gibt, erinnert eher an Trauben, bestenfalls an Limonen.” Macy streifte das T-Shirt glatt und rückte ein paar Schüsseln näher zusammen, um Platz für das Fleisch zu schaffen, das noch auf dem Grill draußen auf der Dachterrasse schmorte. “Und auch das nur dank der Push-up-BHs von Kinsey. Trotz Firmenrabatt habe ich inzwischen ein kleines Vermögen in diese Dinger investiert.”

“Meinst du wirklich, das Geld ist sinnvoll angelegt?”, fragte Lauren mit einem spöttischen Unterton. “Ich kann beim besten Willen nichts entdecken, was man anheben könnte.”

Macy streckte der Freundin die Zunge heraus. “Die Push-ups sind doch alle noch nass. Die Partyvorbereitungen haben mich so in Atem gehalten, dass ich erst vor einer halben Stunde dazu gekommen bin, die Dinger einzuweichen.”

“Aha! Das erklärt die lächerlichen Fummel, die mein Bad unter Wasser setzen!” Lauren ordnete das Besteck neben den Tellern an und hastete zurück in die Küche.

“Mein Bad wird doch von den Gästen benutzt, deswegen habe ich die BHs bei dir aufgehängt. Ich wollte verhindern, dass mir ein x-beliebiger Mann an die Wäsche geht.”

“Dann sind sie bei mir absolut sicher. Abgesehen von Anton hat keiner der Gäste einen triftigen Grund, sich in meinem Teil der Wohnung aufzuhalten. Und Anton geht nur mir an die Wäsche, dafür lege ich meine Hand ins Feuer”, erwiderte Lauren, die nun mit beiden Händen voller Servierbesteck hinter der Theke hervorkam.

“Ganz reizend, wie mir mein Singledasein immer wieder unter die Nase gerieben wird”, entgegnete Macy sarkastisch. “Aber mir fällt ein Stein vom Herzen. Jetzt muss ich mir nur noch um die Guacamole Sorgen machen. Wieso hast du sie nicht gleich mitgebracht, als du in der Küche warst?”

“Hol sie doch selbst, Macy. Sie steht im Kühlschrank, hinter der Schüssel mit dem Nachtisch”, antwortete Lauren, ohne Macy anzusehen.

“Weiß ich. Ich frage mich trotzdem, warum du sie unter keinen Umständen rausbringen willst.”

“Das habe ich dir doch eben erklärt! Ich fürchte um meine Hüften! Die vertragen sich nicht mit dem Zeug.”

Macy schüttelte fassungslos den Kopf. Solche Sturheit hätte eigentlich einen kräftigen Klaps verdient, fand sie. Allerdings würde sie damit gegen das oberste Gebot ihrer Wohngemeinschaft verstoßen, das Handgreiflichkeiten ausdrücklich untersagte. “Übertreib nicht”, schalte sie stattdessen. “Ich weiß doch, wie wenig du isst. Weißt du, langsam fange ich an, mir Sorgen zu machen. Wenigstens an unserem Spielabend könntest du doch mal aufhören, Kalorien zu zählen.”

Lauren ging nicht auf den Vorwurf ein. Sie schritt durch die Glasschiebetür auf die Dachterrasse, um nach dem Fleisch zu sehen. “Woher nimmst du bloß die vielen Ideen für deine Spielabende? Manchmal wirst du mir richtig unheimlich”, rief sie von draußen herein. “Du bist eine wandelnde Spielesammlung.”

Eine wandelnde Spielesammlung? Der Vergleich passte: Die Ideen für ihre Internetkolumnen gIRL-gAMES und gIRL-gUIDE flogen Macy wirklich fast im Schlaf zu. Ihre Arbeit für gIRL-gEAR betrachtete sie ohnehin mehr als Spiel. Genau das gefiel ihr so daran. Welche andere Frau konnte schon von sich behaupten, dass sie für ihren Lebensunterhalt spielte? Sie lebte und arbeitete unter geradezu paradiesischen Verhältnissen und hatte nicht vor, an diesem Zustand so bald etwas zu ändern. “Keine Ahnung”, antwortete sie. “Plötzlich ist die Idee in meinem Kopf. Ich teste sie, arbeite die Details aus und berichte darüber. Fertig!”

“Nicht schlecht.” Lauren schleppte eine schwer beladene Platte an und machte sich mit einem leeren Teller gleich wieder auf den Weg zum Grill. “Gestern hat Sydney übrigens erwähnt, dass deine Internetseiten den größten Zuspruch von unseren Leserinnen erhalten.”

“Ehrlich? Das freut mich!” Macy folgte Lauren nach draußen. Solches Lob hörte man nicht alle Tage.

“Wir tragen uns mit dem Gedanken, ein neues Layout für deine Webseiten zu entwerfen. Außerdem brauchst du ein Logo. Ich denke, ein Cartoon würde am besten zu dir passen.”

“Hervorragend! Wie wär’s vielleicht … mit einer Spinne? Macy Webb, die in ihrem Netz sitzt und alle Fäden des Spiels in der Hand hält. Aber zeichne mir um Himmels willen keine fette Schwarze Witwe! Mir schwebt ein hübsches, langbeiniges Tierchen vor, mit großen Augen, langen Wimpern und einer üppigen Oberweite.”

“Eine hübsche Spinne?”, fragte Lauren skeptisch. “Ich weiß nicht, ob ich das hinkriege. Vielleicht kann Anton mir dabei helfen.” Sie angelte den letzten Shrimp vom Rost. “Sydney sprach übrigens auch von einer neuen Serie, in der unser Publikum Monat für Monat seine Meinung zu bestimmten Themen äußern oder eigene Anregungen einbringen kann.”

“Klingt spannend”, meinte Macy und strahlte übers ganze Gesicht. “Die Kolumne wäre bald langweilig, wenn ihr nicht immer neue Verbesserungsvorschläge hättet. Was würde ich nur ohne euch beide machen?”

“Rettungslos verloren wärst du. Aber wozu hat man denn Freundinnen?”

Weil Macy darauf keine angemessene Erwiderung einfiel, kehrte sie schnell ins Innere des Apartments zurück. Natürlich freute sie sich, sie platzte geradezu vor Stolz. Schließlich liebte sie ihren Beruf. Nur manchmal ging ihr alles fast ein wenig zu stürmisch voran. Für sie zählte einzig und allein das Jetzt. Sie war ein Mensch, der nur für den Augenblick lebte. Was kümmerten sie die Aktienkurse von übermorgen? Sie hatte keine Lust, ihre kostbare Zeit damit zu vergeuden, für die Zukunft vorauszuplanen. Warum wollten ihre Freundinnen das denn nicht akzeptieren?

Lauren brachte den Rest des Grillguts herein und schloss die Schiebetür. Kritisch begutachtete sie das Büfett. Alles Wichtige wie Servietten, Plastikgeschirr und die Zutaten für das Essen befand sich an seinem Platz. Die Gäste konnten kommen. Sie warf einen fragenden Blick zu Macy hinüber.

Die zuckte die Achseln. “Man sollte meinen, dass sie allein der gute Ruf meiner Küche hertreibt.”

“Na hoffentlich! Wenn sie nicht bald eintreffen, sehe ich uns für die nächsten Monate mit Tiefkühlkost versorgt.” Wie aufs Stichwort hörte man in diesem Moment das Brummen des Aufzugs. Genau wie die Wohnung, die eine ganze Etage eines ehemaligen Fabrikgebäudes einnahm, war auch der Aufzug, in dem vormals sperrige Lasten transportiert worden waren, von enormen Ausmaßen. Lauren lachte. “Na, wer sagt’s denn? Wie heißt es so schön? Einem geschenkten Gaul …” Sie verschwand hinter einer Trennwand aus poliertem Metall, die ihre privaten Räume von dem großen Gemeinschaftsraum abtrennte.

“He, wo willst du hin?”, rief Macy.

“Ich muss mich hübsch machen! Anton kann jede Minute eintreffen.”

“Alles muss man selber erledigen”, schmollte Macy und trottete in die Küche, um endlich die Guacamole aus dem Kühlschrank zu holen.

Sie hätte die ganze Schüssel auslöffeln können, ohne ein einziges Gramm zuzunehmen. Um ihre knabenhafte Figur an den richtigen Stellen fülliger zu machen, hätte sie die Avocados schon direkt in den BH stopfen müssen. Na, wenn das keine neue Geschäftsidee war: essbare Implantate! Macy seufzte. Was eine Frau nicht alles tun würde, um eine passable Oberweite zu bekommen – und den richtigen Kerl, vor dem man damit angeben konnte.

“Die Shrimps schmecken hervorragend, absolut fantastisch.” Zum Beweis schob sich Eric Haydon genießerisch den nächsten Bissen in den Mund und grinste Macy mit vollen Backen an. Er stand neben der türkisfarbenen Acht, einer von acht raumhohen Säulen, die den Küchenbereich optisch vom Wohnraum des Lofts trennten.

Macy schnappte ihm den Plastikteller unter der Nase weg und stellte ihn zu den vieren, die sie auf dem Unterarm balancierte. Mit einem anzüglichen Lächeln meinte sie: “Iss nur, Hänsel. Du wirst einen fetten Braten abgeben. Ich kann’s kaum erwarten, dich in den Ofen zu schieben.”

Sofort hörte Eric auf zu kauen. Er nuschelte: “Ich hab’s gewusst! Wenn du uns so verwöhnst, kann das nur heißen, dass an deinem neuen Spiel etwas gewaltig faul sein muss.”

Macy öffnete die Klappe des Mülleimers und entsorgte die schmutzigen Teller. “Armer Eric”, meinte sie mitfühlend. “Lass dich doch nicht immer so auf den Arm nehmen. Keine Angst, das Spiel, das ich mir für heute ausgedacht habe, ist völlig unblutig. Ehrenwort!”

Scheinbar beruhigt lehnte sich Eric an die Theke, doch seine Linke umklammerte fest den schlanken Hals einer Flasche Corona. Er trug ein dunkelblaues Designerhemd, das seine breiten Schultern betonte und seine blauen Augen besonders gut zur Geltung brachte. “Ich mache mir manchmal Gedanken über dich”, erklärte er großspurig, “und ich glaube, ich habe dich durchschaut.”

Na fein, dachte Macy, während sie ihn musterte, nicht nur ein Vielfraß, sondern auch noch ein Hobbypsychologe! Sie tat sich schwer mit diesem jungen Mann, der eigentlich recht attraktiv war. Trotzdem wollte sie nicht so recht warm werden mit ihm. “Schön für dich. Heißt das, du akzeptierst die Tatsache, dass ich gIRL-gEAR nicht verlassen werde, um für dich zu kochen, selbst wenn du mir die Füße küssen würdest?”

Eric betrieb eine beliebte Bar, “Haydon’s Half Time”, in der sich die Sportszene der Stadt traf. Er lag Macy seit Monaten damit in den Ohren, das Schreiben aufzugeben und stattdessen für seine Gäste den Kochlöffel zu schwingen. Zu dumm, dass Macy nur aus Spaß an der Freude kochte. Es wäre ihr im Traum nicht eingefallen, dieses Steckenpferd zum Beruf zu machen. Wenn sie mit ihrer Liebhaberei Geld verdienen müsste, würde aus dem Vergnügen bald bitterer Ernst werden, und das wollte sie unbedingt verhindern.

“Ich hab’s kapiert, wirklich. Aber es kann ja nicht schaden, es trotzdem immer wieder zu versuchen, oder?” Er leerte die Flasche in einem Zug und warf sie zu den Tellern in den Müll.

“Natürlich nicht. Es schmeichelt mir sogar, sozusagen das Objekt deiner Begierde zu sein, auch wenn es sich nur um deine Esslust handelt. Genau genommen würde mir etwas fehlen ohne deine regelmäßigen Anträge.”

“Daran soll’s nun wirklich nicht scheitern. Ich schrecke vor nichts zurück, wenn es meiner Sache dient. Von nun an werde ich dich glühend umwerben.” Er trat einen Schritt näher, lächelte, sodass die Grübchen auf seinen Wangen zum Vorschein traten, und beglückte die entsetzte Macy mit der geballten Ladung seines männlichen Charmes.

Das war dann doch des Guten zu viel. Erics selbstgefälliges Gehabe reizte Macy derart, dass sie beschloss, es ihm heimzuzahlen. Sie war so wütend, dass sie überlegte, ob sie ihn küssen sollte, nur um ihn dann eiskalt abblitzen zu lassen. Aber so weit gingen ihre Rachegelüste dann doch nicht. Sie schloss die Augen und bat versonnen: “Lass mich einen Moment über dein Angebot nachdenken.” Sie ließ ein paar Sekunden verstreichen, dann schlug sie erst das eine, dann das andere Auge wieder auf, grinste Eric spöttisch an und verkündete nüchtern: “Erledigt! Ich habe nachgedacht, aber ich habe meine Meinung nicht geändert!”

Eric schnitt eine Grimasse. “Du bist eine komische Nudel.”

“Und du ein leichtgläubiger Spinner.” Macy versetzte ihm einen kräftigen Hieb auf die Schulter.

“Autsch!” Er massierte sich die Stelle mit schmerzverzerrter Miene. “Zur Strafe werde ich jetzt den allerletzten Shrimp verzehren und mich verabschieden.”

Macy erschrak. “Das kannst du mir nicht antun!” Sie packte ihn hastig am Ärmel und hielt ihn fest. “Anton ist immer noch nicht aufgetaucht, das heißt, dass ich auf jeden Mann angewiesen bin.”

Eric stöhnte. “Hab ich’s doch geahnt! Wieder eines deiner berüchtigten Paarspiele.” Für die meisten von Macys Spielen brauchte man gemischte Paare, und natürlich wusste jeder der regelmäßigen Besucher ihrer Testabende, dass sich die Vorgaben nur selten gravierend änderten.

“Wie kommst du denn auf die Idee?”

“Es gibt zwei untrügliche Hinweise. Erstens: je schwieriger das Spiel, desto besser die Verpflegung. Dass du uns heute sogar Fajitas servierst, hat mich von Anfang an misstrauisch gemacht. Zweitens: die Tatsache, dass die Anzahl der Männer von Bedeutung ist.” Eric tippte sich mit dem Zeigefinger auf die breite Brust und seine Miene verfinsterte sich. “Hinzu kommt der Umstand, dass ich Single bin – und vermutlich bleiben werde.”

Mitfühlend legte Macy den Arm um ihn. “Sprichst du von Cathy?”, fragte sie leise. “Du leidest immer noch unter eurer Trennung? War es denn so schlimm?”

“Wenn du es genau wissen willst: Es war bestialisch, grausam und brutal!”

Der junge Mann tat Macy plötzlich furchtbar leid, gleichzeitig aber musste sie gegen einen Lachanfall ankämpfen. Wie er so dastand, mit gesenktem Kopf, die Hände zu Fäusten geballt und die Augen zusammengekniffen, drängte sich der Vergleich mit einem liebeskranken Tarzan förmlich auf. Pass auf, dass er dich nicht mit seiner Jane verwechselt, ermahnte sich Macy. Sie verkniff sich ein Grinsen und räusperte sich. “Willst du die ehrliche Meinung einer Freundin hören?”

“Tu dir keinen Zwang an”, meinte Eric. “Ich höre das sowieso nicht zum ersten Mal.”

“Ich habe dich von Anfang an gewarnt. Ihr beide, Cathy und du, habt zueinander gepasst wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.”

“Davon habe ich nichts bemerkt, wenn wir zusammen waren”, widersprach Eric und starrte angestrengt auf das wilde Muster des Fußbodens. Macy schwieg und überließ Eric seinen traurigen Erinnerungen. Plötzlich brach es aus ihm heraus: “Zum Kuckuck, Macy, ich sehe dir doch an, dass du noch etwas auf dem Herzen hast. Red es dir schon von der Seele, ehe du daran erstickst.”

Sie hob abwehrend die Hände. “Wie du willst, aber ich warne dich: Es wird dir nicht gefallen. Ich glaube nämlich, dass du die ganze Zeit über wusstest, dass sie nicht die Richtige ist. Du konntest es nur sehr leicht verdrängen, weil ihr die meiste Zeit im Bett zugebracht habt.”

“Und wenn schon?”

“Und wenn schon?” Warum stellten sich die Männer immer erst einmal dumm? “Mann lebt nicht vom Bett allein”, meinte Macy in Abwandlung einer bekannten Redensart.

“Falsch, Mann schon, nur Frau kann das nicht.”

Macy lag schon eine heftige Erwiderung auf der Zunge, aber eine sanfte weibliche Stimme schnitt ihr das Wort ab. “Ich glaube, mein Süßer, du hast nur noch nicht die richtige Frau gefunden.”

Verdutzt fuhren Macy und Eric herum. Chloe Zuniga lehnte an der roten der acht Säulen. Offensichtlich hatte sie den letzten Teil ihres Gesprächs mit angehört. Mit einer Figur wie Jennifer Lopez, platinblondem Haar und Augen, deren Farbe mithilfe von Kontaktlinsen nach Belieben wechselte, hätte Chloe jederzeit als Playmate des Monats durchgehen können. Erst wenn sie den Mund aufmachte, war der Zauber gebrochen. Sie hatte eine Stimme wie Honig – aber die Ausdrucksweise einer Kanalratte.

Eric starrte sie an, als sei sie eine Erscheinung. Schnell riss er sich zusammen und stürzte mit ausgestreckter Hand auf sie zu. “Mein Name ist Eric Haydon. Und du bist …?”

“Der Traum deiner schlaflosen Nächte!” Chloe schenkte dem verblüfften Eric einen Augenaufschlag, der ihn restlos aus der Fassung brachte, und reichte ihm mit einem strahlenden Lächeln ihrer pinkfarbenen Lippen die Hand.

Eric ergriff und küsste sie galant, ohne das Objekt seiner Bewunderung auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. “Darf ich dich beim Wort nehmen, Chloe?”

Macy verdrehte die Augen. Jetzt war rasches Einschreiten nötig. “Hast du Anton zufällig gesehen?”, fragte sie hastig.

Chloe entzog Eric die Hand, tätschelte freundlich seine Wange und ging zum Kühlschrank, aus dem sie eine Flasche Mineralwasser holte. “Der ist vor ein paar Minuten eingetrudelt.”

Macy atmete erleichtert auf. “Das wurde auch Zeit.”

Chloe hüstelte. “Aber Doug kann nicht kommen. Dringende Geschäfte, wenn ich ihn recht verstanden habe.” Sie schraubte den Verschluss der Flasche auf und nahm einen kräftigen Schluck. “Und Kinsey hat angerufen. Sie lässt sich vielmals entschuldigen. Ihre Eltern kamen überraschend zu Besuch und wollten sie unbedingt zum Essen ausführen.”

“Ach du Schreck! Was mach ich denn jetzt? Ich brauche mindestens fünf Paare für das Spiel”, jammerte Macy. Je mehr Testspieler sie hatte, desto exakter konnte sie abschätzen, wie gut das Spiel bei den Lesern der Kolumne ankommen würde.

“Wie, doch keine Paare heute?”, fragte Eric, der die Unterhaltung mitbekommen hatte, mit einem schadenfrohen Grinsen.

Chloe warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. “Apropos Paare, mein Süßer. Man munkelt, dass Cathy dir den Laufpass gegeben hat.”

Eric krümmte sich gekünstelt und stöhnte. “Volltreffer! Aber das war ein regelwidriger Schlag unter die Gürtellinie, schöne Chloe!” Er legte der jungen Frau den Arm um die Schultern. “Ausnahmsweise will ich dir verzeihen, aber nur, weil wir uns auf Macys Party befinden und ich ihr versprochen habe, mich von meiner besten Seite zu zeigen.”

Für Macy war die Party allerdings gelaufen. Sie war erledigt, am Boden zerstört. Am liebsten hätte sie die Gäste nach Hause geschickt, sich ins Bett verkrochen und die Bettdecke über den Kopf gezogen. “Meinetwegen brauchst du dir keinen Zwang anzutun”, brummte sie verdrießlich. “Meine Party hat sich als ziemlicher Reinfall erwiesen.”

“Ach, woher!”, meldete sich Chloe zu Wort. “Wenn du mitmachst, sind wir genau fünf Paare.”

“Wirklich?”, fragte Macy. Sie hatte ihre Zweifel, aber nur für den Fall, dass Chloe recht behielt, pfiff sie Eric zurück. Er hatte die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und wollte sich gerade aus dem Staub machen. “Woher sollen wir denn den fünften Mann nehmen?”

“Anton hat diesen Anwalt mitgebracht”, erklärte Chloe.

Macy traute ihren Ohren nicht. “Den Anwalt?”, wiederholte sie ungläubig.

“Genau den! Kommst du?”, fragte Chloe.

“Gleich”, murmelte Macy und drehte den Wasserhahn auf. Ihre Knie fühlten sich an wie Wackelpudding. Leo Redding hier in ihrer Wohnung! Ausgerechnet heute, an dem Tag, an dem die tropfnassen Push-ups für jedermann zugänglich auf der Wäscheleine baumelten. “Ich bin gleich so weit, Chloe”, stammelte sie. “Halte einstweilen bitte ein wachsames Auge auf Eric.”

“Mit dem allergrößten Vergnügen!”, antwortete Chloe und grinste. “Endlich mal ein Kerl, der was fürs Auge hergibt. Ich könnte mir gut vorstellen, eine Zeit lang seine Jane zu spielen.”

“Bedauerlicherweise spielt er den Tarzan nicht. Er ist einer, ein echtes Alphatier, ein Macho der übelsten Sorte.”

“Jammerschade!”, seufzte Chloe. “Trotzdem kannst du auf mich zählen: Niemand verlässt den Raum.” Sie zuckte bedauernd die Achseln und verschwand hinter der roten Säule.

Macy sah ihr kopfschüttelnd nach. Chloe, das große Rätsel. Mit dem Gesicht eines Engels und dem Körper eines bösen Mädchens. Kein Wunder, dass dem armen Eric die Augen aus dem Kopf gefallen waren, als sie in die Küche spaziert kam. Männer! Denen ging es doch immer nur um das eine.

Auch Leo Redding würde Augen machen, wenn er Chloe zu Gesicht bekam. Er würde um sie herumscharwenzeln wie ein … ein … Mit welcher Hunderasse ließe sich ein überheblicher Anwalt wie Leo am besten vergleichen? Reinrassig müsste er sein, etwas Geringeres käme niemals infrage. Aber Stammbaum hin oder her, fest stand, dass Leo tausendmal lieber hinter der verspielten Pudeldame – Macys Vorstellung von Chloe – herbellen würde, als sich mit einem raubeinigen Foxterrier – Macy – um einen Knochen zu balgen. Leo schien Macy nicht einmal zur Kenntnis zu nehmen. Aber das war ihr egal. Total egal!

Macy hatte Leo Redding den Dritten etwa vor einem Jahr kennengelernt. Auf Antons Empfehlung hin hatten ihn die Partnerinnen zu ihrem Rechtsberater ernannt. Sie hatten die Entscheidung nicht bereut, denn Leo entsprach genau dem Klischee vom nüchternen, steifen, aber gewieften Anwalt. Selbst Sydney, die nicht weniger nüchtern und geschäftstüchtig war als er, hatte sich über seinen übertriebenen Ehrgeiz entsetzt. Kinsey und Mel konnten ihn nicht ausstehen, weil es ihnen nicht ein einziges Mal gelungen war, ihn aus der Ruhe zu bringen. Dabei hatten sie sich solche Mühe gegeben. Sogar Chloes geballter Charme hatte nicht mehr bewirkt, als dass Leo die Nickelbrille abgenommen und sich die Augen gerieben hatte.

Was Macy betraf, so hatte sie ihn erst gar nicht gut genug kennengelernt, um das Urteil ihrer Freundinnen anzuzweifeln. Sie wusste nur, dass Leo im Team von Anton, Eric, Ray und Jess, die in diesem Augenblick in ihrem Wohnzimmer hockten und sich mit Fajitas vollstopften, Fußball spielte. In der Mannschaft gab es ein schier unerschöpfliches Potenzial an Junggesellen, auf die Macy zurückgreifen konnte, um ihre Spiele zu testen. Deshalb war es nicht weiter verwunderlich, dass das Los einmal auf Leo gefallen war.

Halt, eine Kleinigkeit wusste sie doch: Leo besaß Ohren wie ein Luchs und war ausgesprochen schlagfertig. Eines Tages hatte Anton ihn mitgebracht. Die Männer wollten Lauren zu einem Fußballturnier abholen. Lauren, ohnehin kein Fan dieser Sportart, hasste nichts so sehr, wie Anton allein zujubeln zu müssen, deshalb flehte sie Macy an, sie zu begleiten. Macy war nicht abgeneigt. Welche gesunde Fünfundzwanzigjährige hätte nicht gerne zweiundzwanzig junge Männer bei einem Testosteron-Wettkampf beobachtet? Genau das sagte sie Lauren auch.

Außerdem verkündete sie, sie wäre froh, ein Kind des neuen Jahrtausends zu sein, in dem Chancengleichheit herrschte und Männer genauso Lustobjekte sein konnten wie Frauen. Dann beging sie den Fehler, in Leos Richtung zu blicken, und sah, wie sich sein nachsichtiges Lächeln in eine entgeisterte Grimasse verwandelte. Der gute Leo lebte offenbar noch in der Steinzeit.

Wenigstens war sie klug genug gewesen, nach diesem Ausrutscher auf das Match zu verzichten. Sie verabschiedete die drei am Aufzug und drückte den Knopf, um den Lift nach unten zu schicken. Die Türen schlossen sich, aber im letzten Moment sprang Leo aus der Kabine. Er baute sich vor Macy auf und sah ihr direkt in die Augen. Noch heute lief es ihr eiskalt über den Rücken, wenn sie an diesen Blick dachte.

In der Regel trug Leo eine Brille mit einem schlichten Drahtgestell, das seinem konservativen Auftreten einen gewissen Pfiff verlieh. Nicht so an diesem Morgen. Da trug er offenbar Kontaktlinsen. Nichts trübte das einzigartige, hell glänzende Grün seiner Iris. Er starrte Macy ausdruckslos an. Sie konnte sich nicht erinnern, ihn jemals richtig lächeln gesehen zu haben, aber winzige Fältchen um seine Augen verrieten, dass er in dieser Sekunde wenigstens in seinem Inneren über einen ganz privaten Witz schmunzelte. Seine Augen glitzerten geheimnisvoll.

Er hob mit einem Finger ihr Kinn an. “Macy?”

Sie brachte ein schwaches “Hmm?” heraus.

“Mit Fragen der Chancengleichheit kenne ich mich aus. Ich habe viele Fälle auf diesem Gebiet gewonnen. Ich bin sehr gut in dem, was ich tue.”

Macy glaubte ihm jedes Wort. Fasziniert trat sie einen Schritt auf ihn zu.

Und er trat einen Schritt zurück. “Aber wenn die Herausforderung fehlt, werde ich doch meine wertvolle Zeit nicht vergeuden.” Mit zwei, drei Schritten war er beim Aufzug, der inzwischen wieder oben eingetroffen war, trat in die Kabine und ließ sich ohne ein weiteres Wort hinunterbringen.

Damals hatte er Macy überrumpelt. Heute Abend war sie vorgewarnt. Sie würde sich von ihm nicht noch einmal ins Bockshorn jagen lassen. Leo wollte eine Herausforderung? Bitte schön, die konnte er haben. Denn wenn es um Spiele ging, war sie unschlagbar.

2. KAPITEL

Mit einem flauen Gefühl im Magen verließ Macy den Schutz der Küche und betrat den Teil der Wohnung, in dem die Party stattfand. Sie bückte sich, hob ein welkes Salatblatt vom Boden auf und verkündete lautstark: “Okay, Leute, auf geht’s!”

Das Murren, das auf ihre Ankündigung folgte, übertönte sogar die Musik aus den Wandlautsprechern. Macy ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie ging zur Stereoanlage und stellte sie kurzerhand leiser. Nachdem das dröhnende Wummern der Technomusik auf ein erträgliches Maß gedämpft war, konnte sie die Einwände verstehen, die es von allen Seiten hagelte. Macy kannte das und fand auf alles eine Erwiderung. Ihr fiel auf, dass Eric kaum protestierte. Er stand vermutlich noch unter dem Eindruck seiner ersten Begegnung mit Chloe. Auch der fünfte Mann, dieser ungebetene Gast, schwieg – zum Glück!

Was hatte Anton sich dabei gedacht, Leo anzuschleppen? Eine Schnapsidee! Es gehörte zu den eisernen Regeln ihrer Partys, dass jeder der Anwesenden sich am Spiel beteiligte. Leo Redding allerdings konnte sich Macy beim besten Willen nicht bei einem ihrer Spielchen vorstellen. Der Junge war doch genauso steif wie seine Hemdkragen.

Und der Kerl machte auch keine Anstalten, die Party vorzeitig zu verlassen! Er hatte es sich in einem großen Sessel mit rot und gelb karierten Polstern bequem gemacht und wirkte beinahe entspannt. Nur konnte er Macy mit seiner Pose nicht täuschen. Im Geiste arbeitete er sicherlich an einem seiner anspruchsvollen Chancengleichheitsfälle.

Macy grinste. Heute Abend würde Leo seine Herausforderung finden. Wenn der wüsste! Er würde mit einer völlig neuen Einstellung zu Spiel und Spaß von hier weggehen – sofern er den Abend unbeschadet überstand. Dafür allerdings hätte sie die Hand nicht ins Feuer gelegt.

Wie dieser Mann schon aussah! Es war Samstagabend, Partyzeit, und er besaß die Stirn, in einem weißen Hemd mit Krawatte aufzukreuzen. Zugegeben, es handelte sich um einen ausgesprochen modischen Schlips, aber was machte das schon für einen Unterschied? Nicht einmal den Knoten hatte er gelockert! Die dunkle Hose mit der gestochen scharfen Bügelfalte und die eleganten schwarzen Slipper passten, wie könnte es anders sein, haargenau dazu. Nur die Brille, ein schlichtes Metallgestell, das die ungewöhnliche Farbe seiner Augen betonte, harmonierte nicht so ganz mit der einfallslosen Anwaltsuniform. Ein Punkt zu seinen Gunsten.

Habe ich nichts Besseres zu tun, als über den Stil dieses Kerls zu urteilen, dachte Macy plötzlich. Er ist auch nur einer der Kandidaten für meine jüngste Spielidee, und wenn ich Pech habe, sogar einer von der aufsässigen Sorte. Erst jetzt merkte sie, dass Lauren neben ihr stand und sie am Ärmel zupfte.

“Dein Publikum scheint reichlich unmotiviert! Ich schätze, es ist keine besonders gute Idee, gleich mit dem Spiel zu beginnen.”

Die übrigen Gäste hatten in der Tat ihre Gespräche wieder aufgenommen. Sie wirkten satt und träge, und man sah ihnen an, dass sie sich eher für ein Verdauungsschläfchen erwärmen konnten als für Macys Einfälle. “Oje”, meinte Macy nach einem Blick in die Runde, “ich fürchte, du hast recht.”

“Was hältst du denn davon, wenn wir zum Einstieg erst mal eine lockere Runde von deiner Version des Flaschendrehens spielen?”, schlug Lauren vor.

Keine schlechte Idee! Damit hatten sie noch auf jeder Party für Stimmung gesorgt. “Du bist ein echter Schatz, Lauren”, antwortete Macy und dirigierte die Freundin unverzüglich in die Mitte des Raums. Sie überließ es Lauren, das Spiel anzukündigen, und zerbrach sich einstweilen den Kopf darüber, welchen der anwesenden Herren sie zum Opfer küren sollte.

Lauren klatschte in die Hände. “Alle mal herhören! Bevor uns Macy ihren neuesten Zeitvertreib vorstellt, wollen wir uns mit einer Runde ihrer berüchtigten Version des Flaschendrehens aufwärmen. Meine Damen und Herren, hier ist Macy!”

Mit einer Pirouette, die etwas kläglich ausfiel, da Macy klobige Lederclogs trug, tänzelte sie in die Mitte der Gruppe. Lauren suchte halbherzig nach einem Taschentuch, mit dem sie Macy die Augen verbinden konnte. Eine Sekunde lang erwog Macy, Leo Reddings Krawatte als Ersatz vorzuschlagen. Aber womöglich konnte sie die noch anderweitig einsetzen, also bot sie stattdessen an, sich die Augen zuzuhalten. Damit kam sie bei ihrem Publikum allerdings schlecht an.

“Das verstößt gegen die Regeln!”, protestierte Ray, und Jess schimpfte: “Du willst schummeln!” Den Widerspruch dieser beiden brachte Macy mit einem strengen Blick zum Schweigen. Nur bei Eric, der sich auf das größte der Sofas gelümmelt hatte und “Foul! Foul!” grölte, war es nicht so einfach getan.

“Ruhe jetzt!”, herrschte Macy ihn an, als kein noch so beschwörender Blick fruchtete. “Wenn du nicht sofort still bist, wäre es möglich, dass ich – rein zufällig natürlich – auf dir lande. Das würde dem, was sich unter deinem Gürtel befindet, nicht besonders gut bekommen, fürchte ich.”

Eric fuhr auf. “Sieh dich vor, junge Frau! Sprich nicht von Dingen, von denen du nichts weißt!”, rief er erbost.

“Wieso?”, fragte sie mit einem anzüglichen Grinsen. “Ich rede von den unzähligen Shrimps, die du im Laufe des Abends vertilgt hast. Ich bin überzeugt, dass die anderen Anwesenden das bestätigen können.”

Erics Gesicht färbte sich dunkelrot. Es sah aus, als wollte er sich auf Macy stürzen. Sie musste ihm zuvorkommen. “Sydney, ein Kissen, schnell!”, rief sie, und Sydney, die es sich auf einem Berg aus bunt zusammengewürfelten Nackenrollen und Kissen neben der Stereoanlage gemütlich gemacht hatte, reagierte prompt. Sie griff nach einem Goldfisch aus Plüsch, doch anstatt ihn an Macy weiterzugeben, schleuderte sie das Geschoss direkt auf den verdatterten Eric. Weitere Wurfgeschosse folgten im Sekundentakt, denn auch die anderen Mädchen beteiligten sich begeistert an der Kissenschlacht, und bald war Eric unter einem Berg aus bunten Polstern begraben. Nur die Beine und eine Hand ragten einsam aus dem Haufen hervor.

Doch so leicht gab er sich nicht geschlagen. Während die Damen sich noch zu ihrem Sieg beglückwünschten, ertastete er mit der freien Hand Sydneys langen, figurbetonten Jeansrock. Ein Ruck, und mit einem gellenden Schrei kippte Sydney über die Lehne des Sofas und landete zuoberst auf dem Kissenberg. Genau in diesem Augenblick wechselte die Musik zu einer langsamen, gefühlvollen Ballade, und Eric begann im Takt mit den Hüften zu kreisen, sodass die Kissen bedrohlich schwankten. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Sydney kreischte, rappelte sich empört auf und stürzte davon.

“Hast du diesen Flegel eingeladen?”, flüsterte Lauren empört und warf Macy einen missbilligenden Blick zu. Macy schwieg zerknirscht und nahm sich fest vor, ihre Gästeliste in Zukunft besser zu überdenken.

Als endlich wieder Ruhe hergestellt war, klatschte Lauren erneut in die Hände. “Darf ich noch einmal um eure Aufmerksamkeit bitten! Wieder einmal wird unsere hauseigene Sirene die Willensstärke von einem unter euch auf eine harte Probe stellen. Für diejenigen, die das Spiel noch nicht kennen, erkläre ich kurz die Regeln.” Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, dass Leo nervös in seinem Sessel herumrutschte. “Es besteht überhaupt kein Grund zur Panik, Leo”, beruhigte sie ihn. “Alles, was du tun musst, ist, dich Macys Forderungen zu widersetzen.”

“Ach so? Nun, das sollte kein Problem für mich sein”, meinte Leo im Brustton der Überzeugung.

Macy kochte, aber es gelang ihr, ihre Wut zu verbergen. Der eingebildete Fatzke würde sie früh genug kennenlernen.

“Ein Wort noch zu unserem Testspiel”, fuhr Lauren fort. “Falls ihr euch mit dem Gedanken tragt, zu gehen, bevor es ernst wird, überlegt es euch gut. Wir haben diesmal ein ganz besonderes Bonbon für alle, die mitmachen. Worum es genau geht, erklärt euch am besten Sydney.”

Sydney erhob sich. Sie war die eleganteste der sechs Partnerinnen und eine totale Perfektionistin. Deshalb strich sie zunächst über den Rock, der ohnehin tadellos saß, glättete ihr Top aus burgunderroter Seide und fuhr sich prüfend durch die makellose Frisur. Erst als sie sich vergewissert hatte, dass alles in Ordnung war, begann sie: “Vor ein paar Tagen hat mich Macy darauf angesprochen, dass das, was sie heute vorhat, mehr Einsatz von euch erfordert als sonst. Aus diesem Grund habe ich mir eine kleine Belohnung ausgedacht.”

“Belohnung? Dass ich nicht lache! So was nennt man ja wohl eher Bestechung!” Eric hatte sich wieder auf das Sofa gefläzt und grinste Sydney unverschämt frech an.

“Bestechung, Belohnung, Preis, was macht das schon für einen Unterschied? Hör dir doch erst einmal genau an, wovon ich spreche.”

“Sie will damit sagen: Halt den Mund, Eric!”, verdeutlichte Ray, quittierte die zustimmenden Pfiffe der anderen mit einer angedeuteten Verbeugung und überließ Sydney wiederum das Wort.

“Mein Vater – die meisten von euch kennen ihn ja – hat mir neulich ein Angebot unterbreitet, dem ich einfach nicht widerstehen konnte.”

Jetzt spitzten alle die Ohren. Nolan Ford war ein erfolgreicher Geschäftsmann, der es mit geschickten Börsenspekulationen zum Multimillionär gebracht hatte. Was hatte er mit ihrem Spiel zu tun?

“Will dein Vater uns etwa für die Teilnahme bezahlen?”, witzelte Anton.

“Gute Idee. Nein, er will seine Yacht verkaufen und stellt sie mir zum Abschied ein letztes Mal zur Verfügung. Ich gebe das Nutzungsrecht an den Gewinner des heutigen Spiels weiter. Er oder sie kann eine Woche lang über die Yacht samt Mannschaft verfügen. Er kann das Ziel der Reise bestimmen, sofern es sich im Rahmen hält, und so viele Gäste an Bord nehmen, wie auf dem Schiff Platz finden.”

Die Zuhörer applaudierten stürmisch.

Macy legte der Freundin den Arm um die Schulter und küsste sie auf die Wange. “Du musst das nicht tun”, flüsterte sie.

“Doch. Du kennst Nolan.”

Macy sparte sich eine Erwiderung für später auf. Sie umarmte Sydney noch einmal, dann richtete sie sich an die übrigen Anwesenden. “Leute, vergesst bei aller Begeisterung aber nicht, dass ihr euch diesen Preis erst verdienen müsst. Bitte, Anton!” Sie gab Anton ein Zeichen, und er drehte die Musik lauter. Lauren packte Macy bei den Schultern, wartete, bis sie die Augen fest zugekniffen hatte, und drehte sie dann schwungvoll mehrmals um die eigene Achse. Noch ehe Macy sich recht überlegen konnte, welche Aufgabe sie Leo stellen wollte, wurde sie abrupt gestoppt und sanft in eine ihr unbekannte Richtung angestupst.

Rasch das Gleichgewicht wieder finden, noch ein tiefer Atemzug – jetzt! Macy reckte entschlossen das Kinn vor, fuhr sich mit den Fingern durchs Haar, befeuchtete die Lippen mit der Zunge, schlug die Augen auf – und begegnete Leo Reddings Blick. Ein Fehler. Ein großer, großer Fehler! Sie hatte völlig vergessen, wie durchdringend er sein Gegenüber ansah. Er schien mehr zu bemerken, als es einem Fremden zustand. Sein Blick drang bis in ihr Innerstes vor und schien ihre intimsten Geheimnisse aufzustöbern.

Unsicher setzte sie Fuß vor Fuß. Mit jedem Schritt klopfte ihr Herz, raste ihr Puls schneller. Sie konnte spüren, wie das Blut durch ihren Körper rauschte. Ihr wurde heiß, ihre Wangen färbten sich rosa. Leo sah sie ohne die geringste Gemütsregung an. So viel eiskalte Selbstbeherrschung trieb Macy einfach auf die Palme. Dich werde ich schon kriegen, dachte sie, und prompt kam ihr die Erleuchtung. Sie würde ihn dazu bringen, zu lächeln. Wenn ihr das gelang, hätte sie zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Erstens wäre dann einwandfrei bewiesen, wer den stärkeren Willen hatte, und gleichzeitig würde sie sich einen ganz persönlichen Wunsch erfüllen.

Leo saß mit weit von sich gestreckten Beinen in seinem Sessel. Macy trat ganz nahe an ihn heran. Sie beugte sich vor und stützte beide Hände auf die niedrigen Armlehnen des Sessels.

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