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Cherringham - Der verschwundene Tourist

Inhalt

  1. Cover
  2. Cherringham - Landluft kann tödlich sein - Die Serie
  3. Über diese Folge
  4. Die Hauptfiguren
  5. Über die Autoren
  6. Titel
  7. Impressum
  8. 1. Eine Führung durch Cherringham
  9. 2. Die Verstorbenen
  10. 3. Angeln
  11. 4. Der vermisste Amerikaner
  12. 5. Da sehen Sie ihn …
  13. 6. Der Weg aus dem Dorf
  14. 7. Barrows Lane
  15. 8. In Karens Cottage
  16. 9. Couchsurfing
  17. 10. Der Tag, an dem O’Connor verschwand
  18. 11. Holzhacken
  19. 12. Das Ende des Weges
  20. 13. Familiäre Bande
  21. 14. Der einsame Soldat
  22. 15. Eine Geschichte von zwei Soldaten
  23. 16. Vom Umgang mit der Wahrheit
  24. In der nächsten Folge

Cherringham – Landluft kann tödlich sein – Die Serie

»Cherringham – Landluft kann tödlich sein« ist eine Cosy Crime Serie, die in dem vermeintlich beschaulichen Städtchen Cherringham spielt. Jeden Monat erscheint sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch ein spannender und in sich abgeschlossener Fall mit dem Ermittlerduo Jack und Sarah.

Über diese Folge

Der verschwundene Tourist

Als ein amerikanischer Tourist in Cherringham als vermisst gemeldet wird, sieht die örtliche Polizei zunächst keinen Grund zur Sorge, da sich bei geführten Touren häufiger Leute absetzen. Dann aber reist die Schwester des Touristen aus New York an, verzweifelt auf der Suche nach ihrem Bruder. Auch Jack und Sarah sind schließlich überzeugt, dass an dem Verschwinden des Mannes mehr dran ist, als es zunächst schien. Bald stecken sie knietief in einem Fall, bei dem es um Rache, Gehorsam, Schmach … und Tod geht.

Die Hauptfiguren

Jack Brennan ist pensioniert und frisch verwitwet. Er hat jahrelang für die New Yorker Mordkommission gearbeitet. Alles, was er nun will, ist Ruhe. Ein Hausboot im beschaulichen Cherringham in den englischen Cotswolds erscheint ihm deshalb als Alterswohnsitz gerade richtig. Doch etwas fehlt ihm, das er einfach nicht sein lassen kann: das Lösen von Kriminalfällen.

Sarah Edwards ist eine 38-jährige Webdesignerin. Sie führte ein perfektes Leben in London samt Ehemann und zwei Kindern. Dann entschied sich ihr Mann für eine andere. Mit den Kindern im Schlepptau versucht sie sich nun in ihrer Heimatstadt Cherringham ein neues Leben aufzubauen. Das Kleinstadtleben ist ihr allerdings viel zu langweilig. Doch dann lernt sie Jack kennen …

Über die Autoren

Matthew Costelloist Autor erfolgreicher Romane wie Vacation (2011), Home (2014) und Beneath Still Waters (1989), der sogar verfilmt wurde. Er schrieb für verschiedene Fernsehsender wie die BBC und hat dutzende Computer- und Videospiele gestaltet, von denen The 7th Guest, Doom 3, Rage und Pirates of the Caribbean besonders erfolgreich waren. Er lebt in den USA.

Neil Richards hat als Produzent und Autor für Film und Fernsehen gearbeitet sowie Drehbücher für die BBC, Disney und andere Sender verfasst, für die er bereits mehrfach für den BAFTA nominiert wurde. Für mehr als zwanzig Videospiele hat der Brite Drehbuch und Erzählung geschrieben, u.a. The Da Vinci Code und, gemeinsam mit Douglas Adams, Starship Titanic. Darüber hinaus berät er weltweit zum Thema Storytelling.

Bereits seit den späten 90er Jahren schreibt er zusammen mit Matt Costello Texte, bislang allerdings nur fürs Fernsehen. Cherringham ist die erste Krimiserie des Autorenteams in Buchform.

Matthew Costello
Neil Richards

CHERRINGHAM

LANDLUFT KANN TÖDLICH SEIN

Image

Der verschwundene Tourist

Aus dem Englischen von Sabine Schilasky

1. Eine Führung durch Cherringham

Will Goodchild zog seine Taschenuhr heraus. Sie war ein Erbstück von seinem Vater, der nie müde wurde zu erzählen, dass er sie am Tag der Landung in der Normandie getragen hatte, als er seine tapferen Männer in die große Schlacht des Zweiten Weltkriegs führte.

Die alte Uhr war der wohl wertvollste Besitz von Will. Gelegentlich war sie zur Nachjustierung bei einem Uhrmacher alter Schule in Oxford, ansonsten zeigte sie ihm jedoch verlässlich die Zeit an und gab zur vollen Stunde sogar einen zarten Glockenton von sich.

Als Will nun einen Blick auf seine Uhr warf, stand er auf der kleinen Grünfläche in der Dorfmitte mit den drei gestifteten Bänken und dem mittelalterlichen Pranger, der – wie er bemerkt hatte – mit jedem Tag verwitterter aussah. Es war elf Uhr.

Der Bus verspätete sich.

Kaum hatte er das gedacht, erschien ein großer weißer Reisebus. Der Fahrer lenkte das Gefährt langsam und vorsichtig durch Cherringhams enge High Street; offenbar sorgte er sich, dass er die Läden auf beiden Seiten der Straße streifen könnte.

Die wenigen Dorfbewohner, die zu Fuß unterwegs waren, blieben auf den Gehwegen stehen und beobachteten staunend das riesige Ungetüm.

Will straffte den Oberkörper und setzte ein freundliches Lächeln auf, als sich der Bus dem kleinen Rasenplatz näherte. Das gehört alles zur Show, dachte er.

Dann bog der Fahrer auf den Parkplatz ein. Doch als er anhielt, ragte die Hälfte des gigantischen Gefährts noch auf die Straße hinaus.

Ebendort würde es für die nächsten Stunden ein Dorn im Auge eines jeden Betrachters sein.

Als Will auf die Bustür zuging, verstummte der Dieselmotor, und mit einem lauten Zischen öffnete sich die vordere Tür.

Der korpulente Fahrer kletterte aus dem Gefährt hinaus und blinzelte im Licht der strahlenden Frühlingssonne. Auf seinem runden Kopf, passend zum runden Körper, saß eine zu kleine Schirmmütze.

Diesen Fahrer kannte Will nicht.

Er trat einen Schritt vor.

»Hallo«, sagte er. »Professor Will Goodchild. Ihr Fremdenführer.«

Der Mann nickte, als wäre diese Information gänzlich irrelevant. Dann zeigte er auf die Stufen, die in den Bus führten.

»Volle Fuhre, Professor … Und da kommen sie auch schon.«

Will trat ein wenig zurück, während die Passagiere, die zu einer Tagestour durch die Cotswolds aus London angereist waren, auf den sonst so stillen Marktplatz von Cherringham strömten.

Will hatte die Menge um sich herum versammelt, so gut er es konnte.

Einige Leute hielten Mobiltelefone in die Höhe und sahen sogar von Will weg, während er sprach. Sie fotografierten die umliegenden Häuser, als wäre das Dorf ein Freizeitpark, oder – schlimmer noch – machten Selfies.

Will konnte Selfies nicht ausstehen.

Und der Fahrer?

Der stand in einigem Abstand zur Gruppe, rauchte eine Zigarette und hielt ein Schwätzchen am Telefon.

»Willkommen in Cherringham«, hatte Will die Besucher begrüßt und dabei so laut gesprochen, wie er nur konnte. »Heute werden Sie einiges sehen, was dieses Dorf zu dem historischen und schönen Ort macht, der er ist. Falls Sie Fragen haben …«

Es war schwierig, sich von den abgelenkten Touristen nicht irritieren zu lassen, denn viele hörten überhaupt nicht zu.

Warum machen sie dann eigentlich diese Tour?

Wie dem auch sei … Will redete weiter.

Er erzählte, dass der Pranger vor ihnen tatsächlich echt und schon jahrhundertealt war und einst zur Bestrafung aller erdenklichen Gesetzesübertreter benutzt wurde – vom säumigen Steuerzahler über Schwerenöter bis hin zu vermeintlichen Hexen. Zu Letzteren, fügte Will hinzu, hatten auch die berühmten, vor langer Zeit hier lebenden Mabb-Schwestern gehört, von denen jede einige Zeit an diesem Pranger verbrachte.

»Wir werden in Kürze hinüber zur St James Church gehen, die im zwölften Jahrhundert erbaut wurde. Doch zunächst folgen Sie mir bitte zu einem der wohl geschichtsträchtigsten Plätze des ganzen Dorfes.«

Als Will seine Touristenhorde vom Pranger wegführte, blickte er hinüber zum Fahrer, denn er erwartete, dass der Mann ihm ebenfalls folgte. Bei diesen Tagestouren war es oft erforderlich, dass der Busfahrer die Nachzügler hinter der Gruppe hertrieb.

Doch der Fahrer nickte nur und hielt sein Telefon in die Höhe. »Ich habe hier noch ein bisschen was zu regeln, Prof.«

Dann grinste er, weiterhin nickend, seiner Fuhre zu, als sie an ihm vorbeimarschierte.

»Viel Spaß, Leute!«

Obwohl Will für gewöhnlich kein Freund von unausgesprochenen Vorverurteilungen war, wenn es um die Einschätzung fremder Leute ging, konnte er nicht umhin, die Augen zu verdrehen, als er an dem rundlichen Fahrer vorbeikam.

Und er nahm sich fest vor, dem Chef des Busunternehmens von diesem dreisten Verstoß gegen die Vorschriften zu berichten! Bei der Gelegenheit würde er auch gleich auf die mangelnde Höflichkeit der Fahrer im Allgemeinen zu sprechen kommen.

»Prof« – also wirklich!

Will ging die High Street hinunter, vorbei an Geschäften und einigen sehr frühen Pub-Besuchern. Immer wieder blickte er zu der Schar zurück, die ihm im Gänsemarsch folgte. Sie hatte etwas von einer schlecht gedrillten Armee beim Einmarsch in ein feindliches Territorium.

Gleich hinter dem Gemeindehaus blieb Will mitten auf dem alten Marktplatz vor einem großen Steinkreuz stehen, das die Gruppe überragte.

Die Touristen fotografierten sogleich wild drauflos, während Will auf eine Bronzetafel direkt unter dem Kreuz zeigte.

»Zum Gedenken an die Schlacht von Cherringham während des Englischen Bürgerkriegs. Im Jahre 1646 …«

Dann gab er sein Bestes, die Fantasie der sonnenbebrillten Touristen anzuheizen.

»Stellen Sie sich bitte vor, wie die Parlamentariertruppen hierher marschierten und sich dann einem Trupp von Königstreuen gegenübersahen, die zwar tapfer, doch zahlenmäßig deutlich unterlegen waren. Mit ein wenig Fantasie kann man fast das Klirren der Schwerter hören! Und an genau dieser Stelle, an der Sie jetzt stehen, und hier überall herum färbten sich die Straßen rot von Blut.«

Er blickte hinunter auf das Bronzeschild und konnte sich mühelos die Szene ausmalen …

Die Schreie. Das Chaos.

»Den Aufzeichnungen zufolge ›floss das Blut in Bächen so tief, dass die Enten darin schwimmen konnten‹!«

Eine Frau weiter hinten reckte den Arm nach oben.

»Ja, Madam?«

»Wann gehen wir zu Huffington’s und machen da unsere Teepause? Ich habe auf Trip Advisor gelesen, die backen die weltbesten …«

Will hatte das Gefühl, sein künstliches Lächeln würde gleich in tausend kleine Stücke zerspringen.

Jetzt schon Tee und Gebäck? Wir haben doch eben erst mit unserer Führung begonnen!

Erstaunlicherweise gelang es ihm weiterzulächeln.

»Ja, Madam, wir werden die Führung im berühmten Café Huffington’s beenden, ehe Sie wieder in den Bus steigen und zum nächsten Halt fahren.«

Und zu dem armen Deppen, der Sie und die anderen dort herumführen muss.

»Aber wollen wir fürs Erste weitergehen? Zur St James Church geht es hier entlang.«

Will hatte die Touristen gebeten, sich in der Kirche möglichst still zu verhalten.

Leider zeigte es auf einige von ihnen keinerlei Wirkung, denn sie unterhielten sich laut, fotografierten und machten Selfies, als wären sie in einem Einkaufszentrum.

Will stand vor einem wahrhaft riesigen Bild, das Jesus am Kreuz zeigte.

»Dieses Gemälde«, erzählte er leise, »war ein Geschenk der Familie Mogdon. Es ist ein Werk von Gaspar de Crayer, einem berühmten Zeitgenossen von Rubens.« Er drehte sich um und sah das Bild an, das sicherlich doppelt so groß und breit war wie er selbst. »Eine schönere Altararbeit finden Sie nicht einmal in den großen Kathedralen von Gloucester oder Worcester.«

Nachdem er den Touristen einen Moment Zeit gelassen hatte, um zu fotografieren, wollte er zu jener Stelle in der Kirche weitergehen, die für ihn als Historiker von ganz besonderer Bedeutung war.

Und er stellte fest, dass immerhin einige Leute ihm aufmerksam zuhörten.

Erfreulich, dachte er.

Am besten konzentrierte er sich auf die anstatt auf die Unaufmerksamen. Selbst eine einzelne Kerze in der Dunkelheit ist ein Sieg für das Licht, sagte er sich.

Er ging einige Schritte weiter, und die unorganisierte Gruppe folgte ihm.

»Und hier, an der wohl heiligsten Stelle in der ganzen Kirche …« Will drehte sich von der Gruppe weg und schaute auf die Marmorwand vor ihm, und sogleich war er von diesem Anblick so ergriffen wie immer.

2. Die Verstorbenen

Für einen Moment – seine private »Schweigeminute« – sagte Will nichts.

Über ihm standen in Marmor gemeißelt die Namen und das Alter aller jungen Burschen aus Cherringham, die auf den Schlachtfeldern Flanderns ihr Leben gelassen hatten. Und auf einer zweiten Marmortafel rechts daneben waren die Männer aufgelistet, die kaum mehr als zwanzig Jahre später im nächsten Weltkrieg gefallen waren.

Viele der Nachnamen konnte man bis heute noch im Dorf antreffen, während die Angehörigen anderer Gefallener längst von hier fortgezogen waren.

Und manche Familien waren im Verlaufe zweier Kriege schlichtweg ausgelöscht worden.

Das ist es, was der Krieg anrichtete … und nach wie vor anrichtet.

»Die Kriegstoten des Dorfes«, sagte Will ernst. »Zur Linken sehen Sie die des Großen Krieges, doch …« Er legte eine Pause ein und wandte sich zur Gruppe um. »… wie können wir es wagen, irgendeinen Krieg als groß zu bezeichnen?«

Endlich schien er die Aufmerksamkeit aller zu haben.

Manche Dinge dringen sogar in unsere modernen, überreizten Gehirne durch!, stellte er fest.

»Sie werden bemerken, dass auf der Linken auch eine Liste jener steht, die auf See gestorben sind. Diese Seeleute waren die Opfer des neuen, uneingeschränkten U-Boot-Krieges. Junge Männer, die ihr Leben im kalten Wasser der Nordsee und vor der Küste Frankreichs ließen. Natürlich gab es hier bei uns keine Überreste von ihnen.«

Er legte wieder eine Pause ein.

Dann fuhr er fort: »Diese Kirche hat übrigens auch eine Geschichte, was den Bürgerkrieg betrifft. Nach der Schlacht von Cherringham wurden die gefangen genommenen Soldaten hier festgehalten, während man über ihr Schicksal entschied. Man stelle sich die Kirche vor – quasi bis unter die Deckenbalken voller Königstreuer!«

Während die Leute sich umschauten, holte Will seine Taschenuhr hervor.

Er musste weiter.

Nachdem er sich ein letztes Mal in der Kirche umgeblickt hatte, um sich zu vergewissern, dass die Gruppe immer noch zusammen war, führte er sie hinaus auf den Friedhof.

Der gewundene Pfad diente den meisten Dorfbewohnern heute nur noch als Abkürzung – oder Teenagern als Ort, wo sie sich herumtrieben, um unbeobachtet das zu machen, was Teenager eben gerne so machten.

Friedhöfe und Grabsteine besaßen durchaus Anziehungskraft.

Er beobachtete, wie die Touristen über den kleinen Friedhof schlenderten, auf umgekippte Grabsteine blickten und versuchten, die längst verwitterten Namen und Daten zu entziffern.

Er selbst hatte maßgeblich an der Einrichtung einer Datenbank für St James mitgewirkt, um die Grabstätten zuzuordnen, soweit das irgendwie möglich war.

Trotzdem gab es noch viele achthundert Jahre alte Grabsteine, bei denen man nie wissen würde, wessen sterbliche Überreste dort lagen – es sei denn, man exhumierte die Gebeine und untersuchte sie.

Will dachte oft, hätte er die nötigen Mittel, würde er sie gerne hierfür spenden. Das wäre doch was, oder?

»Na gut, meine Damen und Herren, nun wird es Zeit, dass wir durch die Gasse dort vorn weitergehen. Ich schlage vor, dass Sie sich einzeln hintereinander hindurchbegeben.«

Er blickte zu der Frau, die anscheinend immer noch mit angehaltenem Atem auf ihren Tee mit Gebäck wartete.

»Und dann werden wir, wie vorgesehen, zu Huffington’s gehen, bevor Sie wieder in den Bus steigen.«

Die Frau lächelte.

So viel zu all der faszinierenden Historie um uns herum.

Will drehte sich um und schritt voran.

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