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Chefsache Liebe – Shadows of Love

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Folge
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Chefsache Liebe
  7. In der nächsten Folge

„Shadows of Love“ sind in sich abgeschlossene erotische Liebesgeschichten von unterschiedlichen Autoren. Die Folgen erscheinen monatlich als Romanheft und E-Book.

Über diese Folge

Die Grafikerin Sophie Blauenegger ist überglücklich. Endlich hat sie einen großen Auftrag an Land gezogen. Für die Firma des erfolgreichen und zugleich attraktiven Geschäftsmannes Philipp Cornelius soll sie ein neues Design entwerfen. Voller Eifer stürzt Sophie sich in die Arbeit.

Doch während sie ihre Karriere vorantreibt, kriselt es gewaltig zwischen ihr und ihrem langjährigen Freund Fred. Als Philipp Cornelius ihr Avancen macht, ist sie hin und hergerissen zwischen den beiden Männern. Sophie muss sie sich entscheiden – aber wer meint es wirklich ernst mit ihr? Und welcher der zwei Männer liebt sie aufrichtig?

Über die Autorin

Jil Blue ist das Pseudonym einer deutsch-österreichischen Autorin. Bei ihren erotischen Geschichten lässt sie sich von ihrer lustvollen Fantasie leiten, wobei ihr Sinn für Stil und Ästhetik immer gewahrt bleibt. Auch liebt sie das Geheimnisvolle – vor allem geheimnisvolle Männer. Jil Blue lebt und arbeitet in Österreich.

»Wenn du noch länger in den Spiegel schaust, wird er zerspringen.« Sandy lehnt im Türrahmen und grinst mich herausfordernd an. Sie hat die Arme vor ihren üppigen Brüsten verschränkt und drückt den Rücken durch.

Obwohl ich mir bewusst bin, dass ihre Bemerkung ironisch gemeint ist, krampft sich etwas in mir zusammen. Ich unterdrücke einen Seufzer und drehe mich zu ihr um. Das beklemmende Gefühl muss sich wohl in meinem Gesicht widerspiegeln, denn mit zwei schnellen Schritten ist sie bei mir und umarmt mich.

»Du bist wunderschön, Sophie. Wie diese Venus aus der Muschel.« Sie entlässt mich wieder in die Freiheit und lacht auf. Sandy neckt mich gern wegen meiner Liebe zur Malerei, außerdem bereitet es ihr Vergnügen, manchmal die Oberflächliche zu spielen. Natürlich kennt sie den Namen des berühmten Bilds und den Künstler, der es gemalt hat.

»Wenigstens habe ich nicht die Hängeschultern der armen Venus.« Nun muss ich selbst lachen.

»Ihren Bauch und den komischen Busen hast du auch nicht«, bemerkt sie in ihrer kecken Art und betrachtet mich von oben bis unten. »Im Ernst: Du siehst klasse aus. Business Lady durch und durch.«

Der Spiegel zeigt mich bis zu den Brüsten. Ich trage eine anthrazitfarbene Bluse und einen schwarzen Blazer. Wie schimmernde Seide fällt mir mein blondes Haar über die Schultern und bildet einen reizvollen Kontrast zum Schwarz der Jacke. Das habe ich wirklich mit Botticellis Venus gemein: die Haarfarbe und die schweren Locken.

Ich löse die Augen von meinem Spiegelbild und blicke an mir herab: enger schwarzer Rock, der knapp über den Knien endet, helle Strümpfe, schwarze Pumps mit Sieben-Zentimeter-Absätzen. Sieben-Zentimeter-Absätze sind meine absolute Grenze bei der Arbeit, denn auf noch höheren Schuhen kann ich nicht mehr sicher gehen.

Noch bin ich allerdings nicht ganz zufrieden mit meinem Erscheinungsbild. Für den bevorstehenden Termin muss ich seriöser wirken. Kurzerhand fische ich eine Spange von der Ablage unter dem Spiegel und fasse meine lange Haarpracht im Nacken zusammen.

»Wenn du dir die Locken jemals abschneiden lässt, werde ich dich eigenhändig erwürgen.« Sandy macht ein todernstes Gesicht und fährt sich mit der Handkante über die Kehle.

»Und du darfst niemals deine Frisur verändern, sonst entlasse ich dich fristlos.« Ich drohe ihr mit dem Zeigefinger und versuche dabei, streng dreinzuschauen.

Sandy trägt einen pfiffigen Kurzhaarschnitt, der unglaublich gut zu ihrem Typ passt. Ich finde, sie sieht überhaupt sensationell aus. Die vollen Brüste, die schlanke Taille, der herrliche J.Lo-Po. Ich dagegen? »Hint’ ein Brettl, vorn eine Latt’n«, war der für mich reservierte Spruch der Jungen in meinem Heimatdorf. Auch mein Spitzname war um keinen Deut rühmlicher: das blutleere Brett.

Sandy formuliert es netter: elfenhafte Gestalt mit zarter Alabasterhaut. Wahrlich schöne Worte. Aber das Resultat bleibt dasselbe: blass und nichts dran.

Unmerklich schüttle ich den Kopf. Schluss mit den trüben Erinnerungen. Niemand wird sich um mein Aussehen kümmern, solange ich professionell auftrete und zu überzeugen weiß. Heute zählt allein mein Können.

Als hätte Sandy meine Gedanken gelesen, schlingt sie noch einmal die Arme um mich und flüstert mir zu: »Du wirst sie umhauen. Was rede ich da? Du hast den Auftrag doch ohnehin bereits so gut wie in der Tasche. Denkst du, sie würden dich sonst in den Unternehmenssitz einladen? Die wissen genau, was sie an dir haben.« Sie löst sich von mir und blickt mich durchdringend an. »Du kennst meinen Lebenslauf, ich habe schon in einigen Agenturen gearbeitet. Doch was du drauf hast, habe ich noch nirgendwo gesehen.«

»Und als Bonus steht mir die beste Web-Programmiererin der Welt zur Seite.« Ich drückte ihr einen schnellen Kuss auf Wange.

Natürlich sind Sandys Überlegungen nur logisch. In den letzten Wochen bin ich im Stadtbüro meines Traumkunden auf Herz und Nieren geprüft worden. Wäre ich nicht zumindest in die engere Auswahl gelangt, würde ich wohl nicht der Führungsebene vorgestellt werden, die außerhalb der Stadt und fern des Tagesgeschäfts in der Unternehmenszentrale residiert.

»Die Beste muss für die Besten arbeiten. Apropos arbeiten …« Sandy zwinkert mir zu, dreht sich dann um und verlässt den kleinen Waschraum.

Auch ich kehre dem Spiegel den Rücken und stakse, etwas steif und mit plötzlich weichen Knien zurück in mein Büro. Alles liegt bereit: iPad, iPhone, Laptop und Autoschlüssel fein säuberlich nebeneinander auf meinem Schreibtisch, Aktentasche und Handtasche auf einem Stuhl davor. In der Aktentasche steckt meine Präsentationsmappe, die eine breite Auswahl meiner grafischen Werke enthält. In meinem Job bin ich wirklich gut. Was heißt gut? Ich bin eine Wucht. Die besondere Fähigkeit, aus dem Nichts ein harmonisches Bild entstehen zu lassen, steckt einfach in mir.

Den Rest, das Handwerkszeug sozusagen, habe ich auf der Graphischen in Wien gelernt. Wenn ich an diese Zeit meiner Ausbildung zurückdenke, wird mir auch heute noch warm ums Herz. Der Wechsel vom Land in die Stadt war wie eine Befreiung für mich, heraus aus dem jämmerlichen Kaff und hinein in die große, weite Welt.

Versonnen greife ich nach meinem Laptop und verstaue ihn in der Aktentasche; iPad und iPhone wandern in meine schwarze Louis-Vuitton-Handtasche, die eine echte Schönheit ist und mir einen Moment später von der Schulter hängt. Die Aktentasche in der linken, den Autoschlüssel in der rechten Hand, verlasse ich das Büro.

Sandy winkt mir von ihrem Schreibtisch aus zu. Ich hebe die Hand mit dem Autoschlüssel und winke zurück. Unwillkürlich muss ich lächeln. Es wirkt, als würden wir uns über eine ungeheure Entfernung hinweg Zeichen geben, dabei liegen zwischen mir und ihr nur wenige Meter.

♡♡♡

Mein Büro ist nicht das größte, aber es ist chic und für uns beide allemal ausreichend. Es besteht aus drei Zimmern: meines, Sandys und einem Besprechungsraum von durchaus beeindruckenden Maßen, dazu eine Miniküche und der Waschraum. Die Gegend hat einen hervorragenden Ruf, das Bürogebäude ist gerade erst fertiggestellt worden und mit allem ausgestattet, was man sich nur wünschen kann. Die Miete ist zwar ein Wermutstropfen, doch ich verdiene genug, und die Vorteile der Investition wiegen die Nachteile zweifellos auf.

Als ich auf den Gang hinaustrete, merke ich, dass ich tatsächlich etwas wackelig auf den Beinen bin. Mein Eindruck von vorhin hat mich also nicht getäuscht. Jetzt nur nicht den Kopf verlieren. Cool bleiben, Sophie! Ich atme tief durch und rufe den Fahrstuhl. Sofort gleiten die Lifttüren nahezu geräuschlos zur Seite, weil sich der Aufzug bereits in meinem Stockwerk befunden hat. Ein gutes Omen. Ich betrete die Kabine und kann nicht widerstehen, mich in den drei Aufzugsspiegeln nochmals von allen Seiten zu betrachten. Fein! Gleich drei Spiegel, nur für mich. Das muss ich ausnutzen.

Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich zwar gut in der Zeit liege, aber nicht trödeln darf. Vor allem, weil ich die Fahrtzeit hinaus ins Grüne nur schwer einschätzen kann.

In der Tiefgarage beeile ich mich, zu meinem Auto zu kommen. Ein 3er BMW Cabrio 325i. Nicht das beste Modell aus der Reihe, für mich jedoch die Erfüllung eines Traums. Fred war natürlich dagegen. Ich höre ihn immer noch sagen: »Wozu brauchst du so ein Auto, Sophie? Ein gutes Fahrzeug im Haus ist meiner Meinung nach genug. Reicht mein R8 nicht aus? Kauf uns von dem Geld lieber eine neue Wohnzimmereinrichtung. Das wäre sinnvoller.« Auch seinen Nachsatz habe ich nicht vergessen: »Dummes Weibsvolk! Und ich habe mir die Königin geangelt.«

Wahrscheinlich hat Fred sogar recht. Wie meistens, wie immer. Trotzdem habe ich mir den 3er geleistet. Mit schlechtem Gewissen und einer Riesenportion Überwindung, aber nun gehört er mir und ich bin stolz darauf. Er ist das Symbol für meinen Erfolg. Immerhin arbeite ich ja auch wie eine Besessene.

Ich entsperre das Cabrio, öffne die Tür und lasse mich auf den Fahrersitz fallen. Handtasche und Aktenkoffer landen auf dem Beifahrersitz. Wieder atme ich tief durch. Allmählich werde ich ruhiger, doch ein bisschen Adrenalin darf sein. Dieser Auftrag ist unglaublich wichtig. Er würde für mich den Aufstieg in eine völlig neue Liga bedeuten. Hat man in diesem Unternehmen erst einmal Fuß gefasst und sich einen guten Namen gemacht, fliegen einem die Aufträge zu wie Wespen auf ein leckeres Vanilleeis. Darf man den Artikeln diverser Zeitschriften trauen, ist der Firmeninhaber Philipp Cornelius zudem an anderen Unternehmen beteiligt, was mir relativ unkompliziert weitere Aufträge verschaffen könnte.

Über diesen Philipp Cornelius habe ich eingehende Nachforschungen angestellt, mit mäßigem Erfolg. Die meisten Meldungen entstammen der Wirtschaftspresse. Über sein Privatleben finden sich keine Details. Entweder steht er nicht allzu gern im Rampenlicht, oder er ist für die Presse zu langweilig. Als einziger Sohn des mittlerweile verstorbenen Industriellen Philipp-Franz Cornelius ist er der Erbe eines mächtigen Firmenimperiums. Meinen Recherchen zufolge ist er etwa vierzig Jahre alt. Nicht verheiratet, keine Kinder.

Ich drehe den Zündschlüssel um und löse meine Gedanken von Philipp Cornelius. Wenn ich Auto fahre, konzentriere ich mich immer voll und ganz auf den Verkehr. Es gibt schon genug Dummköpfe, die geistesabwesend und unachtsam durch die Gegend sausen. Nicht, dass ich nicht auch manchmal gern aufs Gas trete, aber immer nur auf geeigneten Strecken und zur rechten Zeit.

Umsichtig kreise ich durchs Parkhaus, bis ich die Ausfahrt erreicht habe. Draußen empfängt mich die Sonne. Wieder ein gutes Omen. Langsam spüre ich in mir Vorfreude auf den Termin aufsteigen. Nervosität und weiche Knie sind zwar noch nicht gänzlich verschwunden, machen jedoch nach und nach einem mir besser bekannten Gefühl Platz: dem unbändigen Wunsch zu siegen. Ich will diesen Auftrag unbedingt erhalten!

Auf den Stadtstraßen und danach auf der Autobahn komme ich flott voran. Der morgendliche Berufsverkehr hat sich längst aufgelöst und bis zum nächsten erhöhten Verkehrsaufkommen gegen Mittag dauert es noch eine Weile.

Obwohl mich mein Navigationssystem sicher lenkt, habe ich mir die Route in der Früh auf einem Plan angesehen. Ich weiß genau, wann ich die Autobahn wieder verlassen muss. Mit beiden Händen am Lenkrad nehme ich die Abfahrt und biege an der nächsten Querstraße links ab. Der Weg ist von riesigen Föhren und hochgewachsenen Laubbäumen gesäumt, dazwischen sind sanft ansteigende Hügel zu sehen, über die sich Wiesen und Kornfelder erstrecken. Ich passiere ein Dorf mit wenigen Häusern und ein paar Scheunen. Oh nein, bitte nicht! Ich bin auf dem Land. Schnell verdränge ich das beklemmende Unwohlsein, das mich immer befällt, wenn ich mich zu weit von der Stadt entferne, und bemühe mich, in Gedanken nur ja nicht in meine Vergangenheit zurückzukehren.

Jeden Augenblick muss der Unternehmenssitz der Firma Cornelius jetzt vor mir auftauchen. Mit gedrosseltem Tempo fahre ich die Straße entlang. Zum Glück befindet sich kein Auto hinter mir. Ich brauche mich also von niemandem durch Blinkzeichen und Hupen drängeln zu lassen, wenn ich langsam fahre. Da erblicke ich auf der linken Straßenseite ein gewaltiges, schmiedeeisernes Tor. Im Hintergrund, von großen Bäumen umgeben, erhebt sich eine herrschaftliche Villa. Kann es das sein? Ich biege ein und halte an. In der Tat. Ein dezentes Schild mit der knappen Aufschrift Cornelius zeigt mir, dass ich mein Ziel erreicht habe.

Wie durch Geisterhand bewegt sich auf einmal das mächtige Tor, und die beiden Flügel schwingen auf. Das kann nur mir gelten. Ich stelle den Schalthebel wieder auf Drive und fahre im Schritttempo den gepflegten Kiesweg entlang. Der Garten rundum erinnert mich an die prunkvollen Anlagen von Schönbrunn oder Versailles. Viel kleiner zwar, aber genauso sorgfältig angelegt und instand gehalten.

Neben dem Gebäude befindet sich ein Parkplatz. Ich stelle meinen BMW ab und steige aus. Dann betrachte ich meine Hände und spreize die Finger. Nicht der Hauch eines Zitterns. Ich hole Handtasche und Aktentasche aus dem Auto, straffe meine Schultern und halte mich betont gerade. Mit festen Schritten nähere ich mich dem Eingang. Obwohl die hohe Tür abweisend wirkt und ich erwarte, sie nur mit großer Kraftanstrengung bewegen zu können, lässt sie sich spielend leicht und ohne jegliches Knarren öffnen. Unvermittelt finde ich mich auf der Schwelle zu einem eindrucksvollen Empfangsbereich wieder. Getäfelte Wände, Fischgrätparkett, Kassettendecke. Auf der rechten Seite prangt eine wuchtige Sitzgruppe aus dunkelbraunem Leder mit zwei passenden Ohrensesseln, ein fein gedrechselter Tisch steht davor. Von der Decke hängt ein pompöser Kronleuchter.

Ich lasse mich nicht davon einschüchtern und marschiere zielstrebig auf die Empfangsdame zu, die hinter einem massiven Holzschreibtisch thront. Meine Schritte hallen wider. Jetzt bloß keine Angst bekommen!

Hoheitsvoll hebt die Empfangsdame den Kopf und mustert mich mit strenger Miene. Dann hebt sie die Augenbrauen. »Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?«, begrüßt sie mich mit herablassendem Ton.

Mit ihrem zu einem strengen Knoten zusammengefassten Haar, den tiefen Falten von der Nase bis zu den Mundwinkeln und der schmalen, spitzen Nase ist sie alles andere als hübsch, aber dafür umso einschüchternder. Genauso stelle ich mir die Mutter Oberin eines Mädchenpensionats für junge Damen aus gutem Hause im frühen 20. Jahrhundert vor. Was bin ich froh, dass ich meine Mähne mit einer Spange gebändigt habe! Instinktiv möchte ich nach meinem Rocksaum greifen und versuchen, ihn mir über die Knie zu ziehen. Ich widerstehe dem Drang und antworte: »Mein Name ist Sophie Blauenegger. Ich habe einen Termin mit Herrn Doktor Wenggraf.«

Wortlos greift sie zu ihrem Telefonhörer. »Frau Blauenegger für Herrn Doktor Wenggraf«, vermeldet sie knapp und legt wieder auf. »Einen Moment«, sagt sie dann zu mir.

Kein Lächeln. Keine freundliche Geste. Na toll!

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