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Charlie Joe Jackson - Streber auf Zeit

Über dieses Buch

Charlie Joe Jackson nimmt seinen Eltern zuliebe an einem Sommercamp teil. Er ahnt nicht, dass es sich dabei um das Camp »Lies-ein-Buch« handelt. Charlie Joe dämmert, dass die nächsten drei Wochen der reinste Horror werden, schließlich hasst er Lesen! Und tatsächlich: Im Camp wimmelt es nur so von Streberkindern, Strebererwachsenen und natürlich Büchern! Ein Plan muss her, und Charlie Joe nimmt sich vor, aus diesen seltsamen Kindern normale Menschen zu machen …

Über den Autor

Tommy Greenwald arbeitet in einer Werbeagentur in New York City. Sein Buch Charlie Joe Jackson basiert auf den Erfahrungen mit seinen drei Söhnen Charlie, Joe und Jack. www.tommygreenwald.com

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Übersetzung aus dem
amerikanischen Englisch
von Christina Pfeiffer

Mit Illustrationen von J. P. Coovert

BASTEI ENTERTAINMENT

Für Kenny und Ellen Greenwald

Und für meine liebsten Campteilnehmer,
Jessica und Jake

Wer zu viel liest und sein Gehirn zu wenig nutzt,
der entwickelt faule Denkgewohnheiten.

Albert Einstein

VORWORT

Bevor wir anfangen, will ich euch noch sagen, dass ihr keine Angst haben müsst. Das hier ist keine dieser Ferienlagergeschichten, in denen es um einen verrückten Serienmörder geht, der sich irgendwo im Wald rumtreibt und sich ein unschuldiges Kind nach dem anderen schnappt.

So schlimm wird es ganz sicher nicht.

Na ja, zumindest nicht ganz so schlimm.

***

Also, das hier war der Deal: Am Ende des letzten Schuljahres schien ich kurzzeitig verrückt geworden zu sein, jedenfalls glaubte ich, meine Eltern glücklich machen zu müssen, und war damit einverstanden, drei Wochen in einem Sommercamp namens Lieseinbuch zu verbringen.

Noch mal, damit das klar ist: Lies-ein-Buch.

Mit anderen Worten, ein Strebercamp.

Das Nächste, woran ich mich erinnere, ist der Weg dorthin. Von der Fahrt selbst weiß ich nur noch, dass es die längsten vier Stunden meines Lebens waren. Auch an die Verabschiedung von allen, also von meiner Mom, meinem Dad, von Megan, meiner Schwester, und von meinen Hunden Moose und Coco, kann ich mich nur verschwommen erinnern. Ich glaube, ich befand mich in einer Art Schockzustand.

Woran ich mich aber wirklich erinnere, war der Moment, als ich das Camp sah und sofort wieder umkehren wollte.

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Ich fühlte mich, als hätte ich eine Bruchlandung auf dem Planeten für Streberkinder hingelegt. Nur wenig deutete hier auf ein normales menschliches Leben hin. Meine inoffiziell beste Freundin Katie Friedmann hatte beschlossen, ihre Ferien auch in diesem Camp zu verbringen, was ich ziemlich cool von ihr fand. Und Nareem Ramdal, der zusammen mit Jake Katz zu den größten Strebern aller Zeiten zählt, kam schon seit Jahren hierher, folglich war er auch dieses Jahr dabei. Der Rest der Teilnehmer bestand aus fünfundsiebzig überschlau aussehenden Kindern, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Plus ein paar Erwachsene, die genauso schlau aussahen wie ihre Kinder.

Überall standen Bücher rum. Handys und Videospiele gab es nirgends. (Klar, die waren verboten.)

Verzweifelt hielt ich Ausschau nach dem rettenden Raumschiff, das mich wieder auf den Planeten »Normalo« zurückbringen würde, aber es gab keins. Dann kniff ich mir in den Arm, in der Hoffnung, aus dem bösen Traum aufzuwachen. Doch auch das funktionierte nicht. Langsam begriff ich, dass es keinen Ausweg gab. Ob es mir gefallen würde oder nicht, ich war für die kommenden drei Wochen im Camp Lieseinbuch gefangen.

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Liebe Mom und lieber Dad,

man hat uns hier so ziemlich als Erstes mitgeteilt, dass wir viele Briefe schreiben werden. Die meinen, dass unsere »erzählerischen Fähigkeiten« dadurch geschult würden, was auch immer das heißen soll.

Egal, im ersten Brief an euch sollen wir aufschreiben, welches Ziel wir in diesem Camp erreichen wollen.

Also, mein Ziel ist es, zu lernen, wie man es vermeidet, blöde Entscheidungen zu treffen, nur um seine Eltern glücklich zu machen.

Euer euch liebender Sohn,

obwohl mir gerade nicht ganz so liebend zumute ist.

Charlie Joe

Erste Woche
DAS CAMP SACKSCHUTZ

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