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Charlie Joe Jackson – Lesen verboten!

Titel

Übersetzung aus dem
amerikanischen Englisch
von Regina Lehmann
und Christina Pfeiffer

Mit Illustrationen von J. P. Coovert

BASTEI ENTERTAINMENT

TEIL EINS

WIE MAN NICHT LIEST

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1

Mein Name ist Charlie Joe Jackson, und ich hasse es zu lesen. Und wenn ihr dieses Buch gerade lest, dann hasst ihr es genauso. Um genau zu sein, tut ihr wahrscheinlich alles dafür, um nicht lesen zu müssen. Und die Tatsache, dass ihr jetzt gerade ein Buch in der Hand haltet, ist irgendwie ziemlich schockierend. Ich weiß genau, wie ihr euch fühlt, ich bin einer von euch. Denkt immer daran: Ihr seid nicht allein. Wir werden das gemeinsam auf die Reihe kriegen.

2

Dieses Buch ist eine Anleitung für Leute, die so ticken wie wir. Es werden zwei Ziele verfolgt. Erstens: Es zeigt, wie man sich vorm Lesen drücken kann. Und zweitens: Wenn der unglückliche Fall eintreffen sollte, dass man sich eben nicht davor drücken kann und gezwungen ist, ein Buch zu lesen, wird dieses Buch einfach zu lesen sein. Höchstwahrscheinlich müsst ihr dieses Buch gegen euren Willen lesen, und ich fühle mit euch. Darum gebe ich euch mein Ehrenwort: Die Kapitel sind alle kurz. Die Sätze sind kürzer. Und sooft wie möglich, werde ich die einzelnen Wörter noch kürzer halten. Eine Silbe. Oder weniger.

***

Ich werde auch ein paar spezielle Tipps in diesem Buch aufzählen, wie man am besten liest – oder NICHT liest. Einige dieser Tipps handeln davon, wie man sich grundsätzlich vorm Lesen drücken kann. Das ist eigentlich die Hauptstrategie, die ich empfehle. Manche aber haben damit zu tun, wie man das Beste daraus macht, wenn man ein Buch einfach lesen MUSS. An einem bestimmten Punkt im Leben kann es manchmal überraschend schwer sein, das Lesen zu vermeiden. Wie sich herausstellte, auch in der Mittelstufe. Das werdet ihr im Laufe dieses Buches verstehen – »wenn sich die Geschichte entfaltet«. (Dieser Ausdruck stammt von einem meiner lesenden Freunde, Jake Katz. Er hat ihn mal bei einem Referat benutzt, und ich muss sagen, genau in diesem Moment hat unsere Freundschaft echt ein wenig gelitten.)

Charlie Joes Tipp # 1

Wenn ihr ein Buch lesen müsst, überzeugt euch davon, dass die Kapitel kurz sind.

Dieser erste Tipp erklärt sich eigentlich selbst. Denkt mal darüber nach. Wenn eure Eltern von euch verlangen, dass ihr vor dem Schlafengehen noch drei Kapitel lesen sollt, was wäre euch lieber: die Kapitel hätten jeweils nur eine Seite oder zehn? Würdet ihr nicht lieber drei Seiten lesen statt dreißig? Auf diese Weise lest ihr 27 Seiten weniger, könnt aber immer noch sagen: »Hey, weißt du was? Ich hab meine drei Kapitel gelesen.«

Vertraut mir, sie werden es nie rauskriegen.

3

Ich hasse Lesen, seitdem ich denken kann.

Als ich noch klein war und meine Mom mir vorgelesen hat, hatte ich natürlich nichts dagegen. Das war cool, weil ich länger wach bleiben konnte, und manchmal ist sie sogar in meinem Bett eingeschlafen, und ich muss zugeben, damals hat mir das eigentlich echt gut gefallen.

Aber als ich ein wenig älter war, fing sie an mit: »Okay, und du liest den Rest vom Kapitel«, und das ging gar nicht.

Also fing ich an zu heulen, und sie hat es fertig gelesen.

(So hab ich gelernt, mit Absicht zu heulen – eine ziemlich nützliche Fähigkeit. Ich habe festgestellt, dass Mädchen darauf stehen, wenn man manchmal ein paar Tränen rausdrückt. Zum Beispiel im Kino, wenn der Held für seine einzig wahre Liebe ein riesiges Opfer bringt, weil das nämlich bedeutet, dass er sensibel ist oder so. Ich persönlich stehe ja eher auf Actionfilme, in denen irgendjemand irgendetwas in die Luft jagt, oder Komödien, in der ein speckiger Kerl sich in eine bildschöne Rettungsschwimmerin verliebt, die nur französisch spricht. Das ist so eher mein Fall.)

Wie auch immer, dieses ganze Vor-meiner-Mom-heulen-damit-ich-nicht-selbst-lesen-muss-Ding funktionierte nur so lange gut, bis ich ungefähr zehn war.

4

Nun hocke ich hier in der Mittelstufe, und ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass ich das Lesen immer noch hasse.

Und genau darum ist der ganze Schlamassel überhaupt erst passiert.

Alles fing damit an, dass ich dieses Buch, Billys Pakt, für den Englischunterricht lesen sollte. Es geht um einen Jungen, Billy, der einen Vertrag mit dem Teufel abschließt, um einen Homerun in der Baseball-Meisterschaft zu schaffen. Aber es stellt sich heraus, dass der Teufel eigentlich nur ein Kerl ist, der von Billys Vater angeheuert wurde, um sich als Teufel auszugeben, weil Billys Vater hofft, dass Billy, wenn er denkt, er hätte einen Deal mit dem Teufel gemacht, vielleicht in der Tat einen Homerun schaffen könnte.

Es ist nicht so kompliziert, wie es sich anhört. Wenn man meiner Lehrerin, Ms Ferrell, glaubt, ist es sogar ein ziemlich gutes Buch. Und ich wette, es hat auch was zu tun mit diesen Glaub-einfach-an-dich-und-dann-werden-auch-andere-an-dich-glauben-Botschaften, die Erwachsene ihren Kindern immer und immer wieder um die Ohren hauen.

Wie ich schon sagte, genau hier fingen die Probleme an.

***

Ich habe das getan, was ich normalerweise immer tue. Ich habe die Rückseite gelesen, den Klappentext, der innen steht, das erste Kapitel und das letzte Kapitel.

Dann setzte ich mich beim Mittagessen neben meinen Freund Timmy McGibney.

Seit etwa zwei Jahren hatten Timmy und ich so eine Art Abmachung. Ich kaufte ihm ein Sandwicheis und im Gegenzug erzählte er mir den Rest des Buches. Es war eine »Win-win-Situation«. Das ist einer dieser seltsamen Ausdrücke, die meine Eltern immer benutzen.

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Logischerweise ging ich davon aus, dass wir den gleichen Deal wie immer hatten.

»Also, Timmy«, sagte ich und gab ihm sein Sandwicheis. »Billys Pakt ist ein ziemlich gutes Buch.«

»Woher willst du das wissen?«, fragte er. Das tat er immer. Es war so eine Art Routine.

»Na ja, der Anfang und das Ende waren ziemlich gut.«

»Ich schätze schon«, antwortete Timmy und spielte mit seinem Lacrosse-Schläger herum. Lacrosse war das Einzige, was er noch mehr liebte als Sandwicheis.

»Die Entscheidungsspiele stehen an, richtig?«, fragte ich und zeigte auf seinen Schläger.

»Jap.« Ich wartete darauf, dass er noch irgendwas sagte, aber das tat er nicht. Das war echt komisch. Normalerweise konnte er stundenlang über Lacrosse reden.

Timmy verschlang sein Sandwicheis und glotzte auf meins. »Ich hab heut richtig Kohldampf«, sagte er. »Richtig, richtig Kohldampf.« Und plötzlich hatte ich ein ziemlich ungutes Gefühl. »Was meinst du mit richtig Kohldampf?«

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»Das bedeutet, dass ich so viel Hunger habe, dass ich zwei Sandwicheis essen könnte«, antwortete Timmy. »Vielleicht sogar drei.«

Ich schaute ihn ungläubig an. Wir hatten diesen Deal jetzt seit über einem Jahr genau so durchgezogen. Ich hatte ihm so viel Eis geschenkt, dass er seinen eigenen Milchbauernhof hätte aufmachen können. Und jetzt plötzlich zog er das hier ab?

Ich sah mich um. Und suchte in meiner Hosentasche nach Geld. Ich dachte über meine Optionen nach. Dann tat ich das Einzige, was mir übrig blieb.

Ich kaufte ihm noch ein Sandwicheis.

***

Nach dem Mittagessen ging ich in die Bibliothek und schlug in einem Lexikon das Wort Erpressung nach, nur um sicherzugehen, dass ich auch wirklich verstand, was hier los war.

Die Bibliothekarin, Mrs Reedy, ist eine alte Bekannte von mir, obwohl sie eigentlich alles Böse repräsentiert. Früher war sie Bibliothekarin an meiner Grundschule, und sie hatte alles versucht, um mir das Lesen schmackhaft zu machen. Einmal, in der ersten Klasse, setzte sie mich an einen Tisch und spielte mir ein Lied namens »Schnapp dir ein Buch und zieh los« vor, das sich um die Freuden des Lesens drehte. Einer der Verse ging so: »Kuschel dich ins Bett hinein, der Tag ist fast vorbei. Ganz allein, doch nicht allein, das Buch ein Freund dir sei.«

Irgendwie hab ich ihr das nie verziehen.

Ich muss nicht erwähnen, dass sie zweimal hingucken musste, als ich reinkam.

»Charlie Joe«, sagte sie, »hast du dich verlaufen?« Ich lachte. (Es ist immer gut zu lachen, wenn ein Erwachsener einen Witz macht, unabhängig davon, ob er lustig ist oder nicht.) »Ich muss nur kurz was nachschlagen«, antwortete ich und versuchte, das Gespräch auf ein Minimum zu reduzieren, damit ich mich um das Wesentliche kümmern konnte und schnell wieder rauskam. Ms Reedy schaute mich an und zwinkerte mir zu. »Na, mach dir keine Sorgen, Charlie Joe, dein Geheimnis ist bei mir gut aufgehoben«, versprach sie.

5

Gerade hab ich mir noch mal das letzte Kapitel angesehen und festgestellt, dass es viel zu lang ist. Ich hab tatsächlich Charlie Joes Tipp # 1 ignoriert! Tut mir leid. Wird nicht wieder vorkommen.

Charlie Joes Tipp # 2

Lest nie ein Buch von jemandem, dessen Namen ihr nicht aussprechen könnt.

Seien wir mal ehrlich: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr dieses Buch lesen würdet, wenn der Titel Venedkyt Styokierwskis – Lesen verboten wäre? Gleich null.

Und ich hätte es dann sicher auch nicht geschrieben. Was ich damit sagen will: Wenn ihr unbedingt etwas lesen müsst, ist es wirklich wichtig, dass das Cover euch auf gar keinen Fall abschreckt. Und das fängt mit dem Namen des Autors an. Er muss leserfreundlich sein. So wie Charlie Joe Jackson zum Beispiel.

6
Kapitelanfang

Als ich an diesem Tag von der Schule nach Hause kam, war ich immer noch sauer über Timmys skrupellosen Schachzug. Zwei Sandwicheis! Was kommt als Nächstes, eine ganze Eistorte?!

Ich warf meinen unfassbar schweren Rucksack auf den Boden – nebenbei erwähnt, es sollte ein Gesetz gegen unfassbar schwere Rucksäcke geben – und machte mir ein Müsli.

Dann dachte ich über meine Möglichkeiten nach:

  1. Hausaufgaben machen, was auch Lesen beinhaltet, oder
  2. mit den Hunden spielen.

Keine schwere Entscheidung.

Wir haben zwei Hunde: Moose und Coco. Sie sind beide Labradormischlinge. Wir haben sie aus dem Tierheim gerettet.

Die haben wirklich ein tolles Leben: essen, schlafen, spielen und absolut kein Lesen. Nie.

Es wird euch mit Sicherheit nicht überraschen, dass ich manchmal echt eifersüchtig auf die beiden bin.

Nachdem ich ihnen den Tennisball ca. 4386 Mal geworfen hatte, war alles über Timmy McGibney und sein Sandwicheis vergessen.

Zumindest vorübergehend.

Charlie Joes Tipp # 3

Es gibt immer Wege, sich vor dem Lesen zu drücken.

Hier ist eine kurze Liste:

  1. Schlafen.
  2. Sein Zimmer aufräumen.
  3. So tun, als würde man sein Zimmer aufräumen.
  4. Rausgehen. Eltern lieben es, wenn man an die frische Luft geht.
  5. Ein Instrument üben. Auch wenn man gar keins spielt. Eltern lieben es, wenn man übt, ohne dass sie ständig nörgeln müssen.
  6. Essen. (Mein persönlicher Favorit)
  7. Den Hund mit dem Buch füttern.
  8. Die Kotze vom Hund aufwischen.
  9. Von zu Hause abhauen. (Nur in Notfällen)
  10. Auf unzurechnungsfähig plädieren.

7

››Also, wirst du mir nun sagen, was im Mittelteil des Buches passiert, oder nicht?«

Am nächsten Tag verfolgte ich Timmy und seinen Lacrosse-Schläger durch die Schulcafeteria. Er weigerte sich immer noch, mir zu erzählen, was im Mittelteil von Billys Pakt passierte, und langsam bekam ich Panik. Ich hatte ihm schon zwei Sandwicheis, ein Stück Pizza und drei Becher Kakao gekauft, aber es tat sich absolut gar nichts.

Mir wurde plötzlich klar, dass es hierbei überhaupt nicht mehr um spendiertes Essen oder Süßigkeiten ging. Irgendetwas ganz anderes ging Timmy auf die Nerven, und ich musste unbedingt herausfinden, was es war.

Meine Niemals-Lesen-Zukunft hing davon ab.

Als Erstes musste ich Katie Friedman finden. Sie war vom Kindergarten bis zur vierten Klasse meine beste Freundin gewesen. Dann habe ich plötzlich mitgekriegt, dass man auf gar keinen Fall ein Mädchen als »besten Freund« haben sollte.

Aber obwohl wir technisch gesehen keine besten Freunde mehr waren, erzählte ich ihr trotzdem alles, und in Krisenzeiten war sie immer noch mein Problemlöser Nummer eins. Ich habe festgestellt, dass in Gefühls- und Denkangelegenheiten Mädchen einfach das bessere Händchen haben als Jungs. Ihnen ist es einfach nicht egal. Oder sie haben vielleicht nur weniger Angst, es zuzugeben.

Und Katie Friedman sorgt sich um meine Probleme mehr als jeder andere. Sie kapiert einfach sofort, was man ihr erzählt, und ich schätze mal, dass sie sogar mehr von dem versteht, was man ihr sagt, als man selbst.

Ich denke, man kann sagen, dass sie »zwischen den Zeilen liest«. Das ist ein Ausdruck, der als Kompliment gemeint ist, obwohl er das Wort »liest« beinhaltet.

Ich will damit jetzt aber nicht andeuten, dass ich in sie verliebt bin oder so. Das bin ich echt nicht. Wie ich schon sagte, wir sind nur beste Freunde oder besser gesagt, wir wären es, wenn so was möglich wäre.

Jedenfalls fand ich sie da, wo man sie immer findet, hinten links in der Cafeteria bei den Süßigkeitenautomaten, mit dem Handy in der Hand, weil sie den Mädchen, die genau neben ihr standen, SMS schreiben musste. (SMS schreiben ist an der Schule verboten, aber in der Pause und beim Mittagessen tippt jeder ein paar.)

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Leise rief ich sie zu mir rüber. Sie steckte ihr Handy ein und folgte mir um die Ecke.

»Was ist los?« Katie war die Einzige, die von dem Deal zwischen mir und Timmy wusste. (Sie liebt Bücher und liest unheimlich gerne. Sie nennt mich immer einen Loser, weil ich Bücher hasse. Aber ich habe Pluspunkte bei ihr, wegen meiner Kreativität.) Ich erklärte ihr schnell, worum es ging und dass alle Sandwicheisportionen der Welt Timmy plötzlich nicht mehr dazu bringen konnten, mir zu sagen, was im Mittelteil dieses verdammten Buches steckte.

Sie sah mich an. Und lachte.

Ich war geschockt. »Was? WAS?!?!«

Sie schüttelte den Kopf. »Du kapierst echt gar nichts! Warum sind alle Jungs nur immer so planlos? Warum kapieren sie nie, worum es in dieser Welt wirklich geht? Es ist schlimm genug, dass du dich weigerst zu lesen, Charlie Joe. Aber würde es dich umbringen, wenn du ab und zu mal einen Film sehen würdest, in dem etwas wirklich Sinnvolles passiert? Anstatt dir immer diese Schnulzen anzuschauen, in denen sich ein dicker Junge in die wunderschöne Rettungsschwimmerin verliebt, die nur Französisch spricht?« (Sie kennt mich echt gut.) »Du würdest dabei vielleicht sogar etwas über Psychologie lernen.« (Katie hat vor Kurzem beschlossen, dass sie später mal Psychotherapeutin werden will, so wie ihre Eltern.)

Ich wollte so gern etwas Intelligentes antworten, irgendwas, das sie auch auf psychologischer Ebene beeindrucken würde.

Aber alles, was mir einfiel, war: »Dicke Jungs, die auf wunderschöne Rettungsschwimmerinnen stehen, die nur Französisch sprechen, sind echt witzig.« Katie lächelte. Und was ich wirklich an ihr mag, ist, dass sie sich immer, wenn sie sauer auf mich ist und mich anmotzt, danach schuldig fühlt und es ihr wirklich leidtut. Und dieses Mal fühlte sie sich schuldig genug, um mir die fehlende Information zu geben, nach der ich suchte.

»Das Problem ist nicht Timmy. Es ist Eliza.«

Charlie Joes Tipp # 4

Wenn ihr wollt, dass Mädchen euch mögen, dürft ihr nicht lesen.

Mädchen finden es irgendwie cool, wenn man nicht viel liest und trotzdem immer gute Noten bekommt. Es macht einen sympathisch, weil man clever ist und sich dafür gar nicht mal so sehr anstrengen muss.

Im Gegensatz zu den Schülern, die wirklich hart büffeln müssen, um gute Noten zu bekommen, oder denen, die überhaupt nichts tun und miese Noten ernten. Mädchen mögen weder die einen noch die anderen.

Also, wenn ihr es auf ein Mädchen abgesehen habt, ist es wichtig, so wenig wie möglich zu lesen und dabei trotzdem gut in der Schule zu sein.

Das geht so:

  1. Beteiligt euch am Unterricht. Stellt eine Menge Fragen. Tut so, als würdet ihr euch für alles interessieren.
  2. Gebt eure Hausaufgaben immer pünktlich ab.
  3. Stellt sicher, dass ein Freund von euch immer das gleiche Buch liest wie ihr. Und sorgt dafür, dass er es auch tatsächlich liest.
  4. Bringt Bilder von eurem Hund mit in die Schule und zeigt sie euren Lehrern. Achtet darauf, dass der Hund auf den Bildern niedliche Kunststücke macht – solches Zeug, das es massenweise auf YouTube gibt.
  5. Macht nie irgendwelche Dummheiten beim Mittagsessen.
  6. Lasst euch in den Pausen nicht in Schwierigkeiten bringen.
  7. Wenn es das Buch, das ihr lesen sollt, auch als Film gibt, dann schaut euch den Film an.
  8. Wenn es das Buch, das ihr lesen sollt, auch als Hörbuch gibt, dann hört es euch an. (Es heißt zwar HörBUCH, aber es ist keines!)
  9. Versucht immer, gute Noten in den Fächern zu bekommen, die nichts mit Lesen zu tun haben, so wie Sport zum Beispiel.
  10. Freundet euch mit Leuten an, die wirklich clever sind.
  11. Lest immer das erste und letzte Kapitel der Bücher, die ihr lesen müsst.
  12. Macht immer die freiwilligen Zusatzaufgaben, solange ihr dafür nicht lesen müsst.

8

››Eliza‹‹ ist Eliza Collins.

Obwohl, eigentlich ist sie eins dieser Mädchen, die nicht wirklich einen Nachnamen brauchen. So wie Rihanna. Oder Beyoncé. Das liegt daran, dass Eliza zum »hübschesten Mädchen der Klasse« gekrönt wurde.

Sie bekam den Titel in der vierten Klasse und hat ihn seitdem nicht mehr abgeben müssen. Sie sieht aus wie ein Model, ist beliebt, und egal wo sie steht, scheint immer ein kichernder Strudel um sie herum zu sein. Selbst wenn man nur an ihr vorbeiläuft, wird man sofort angezogen, als wäre sie das Auge eines Wirbelsturms. (Vor ein paar Jahren habe ich ihr sogar mal ein Lied geschrieben, als ich sie das erste Mal in Aktion sah. »Wirbelsturm Eliza haut dich um, wenn sie an dir vorbeizieht, macht es wummmmm!« Das Lied ist ein ziemlicher Ohrwurm, aber das könnt ihr jetzt nicht hören, weil das ja ein Buch ist – das ist übrigens noch so ein Problem bei Büchern.)

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Gerüchten zufolge hat sie bereits ein Jobangebot als Model in Spanien fürs nächste Jahr.

(Nicht nur »Model«, versteht ihr, sondern »Model in Spanien«. Als ob nur »Model« nicht schon genug wäre.) Sie stolziert durch die Schule, als würde ihr das alles hier gehören, was es ja auch irgendwie tut. Und sie neigt dazu, all das haben zu wollen, was sie nicht haben kann, einen Geparden als Haustier, einen Führerschein, … mich.

Ja, richtig gehört.

MICH!

Aber jetzt kommt erst der echt verrückte Teil. Auch wenn sie total heiß ist (und das ist sie wirklich, das lange blonde Haar ist unglaublich), und obwohl sie mich total bezaubernd findet (das sind ihre Worte, nicht meine) … bin ich, im Gegensatz zum Rest der westlichen Zivilisation, kein bisschen in sie verknallt.

Ich habe keine Ahnung, warum das so ist, es ist einfach so.

Ihr kennt das doch: Wenn man etwas ganz leicht haben kann, dann will man es gar nicht mehr so unbedingt.

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