Logo weiterlesen.de
Chapeau Chatte

Für alle Menschen,
die den Mut haben,
sich selbst zu begegnen,

für jene,
die es ganz fest vorhaben

und

für alle,
die es eines fernen Tages
– vielleicht –
versuchen wollen

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Chapeau Chatte

Französisches Frühstück

Lachsschinken

Besuch

Schrift stellen

Sphinx

Ewigkeit

Schein und Sein

Streit

Zurück

Ich – Paul

Der Kater

Poesie

Das Bild

Problemlose Probleme

Albtraum

Unendlichkeit

Aufräumen

Unterwegs

Sehnsucht

Anfang

Epilog

Danke

Die Autorin

Prolog

Schriftsteller – oder Autor – oder Wortkünstler nennen mich die Leute.

Das ist alles richtig, aber in Wahrheit bin ich eigentlich ein Chronist.

Ich entreiße die Wörter und Sätze dem Vergessen und mache sie zu Anwärtern auf die Ewigkeit.

Schreiben ist ein einsames Geschäft, aber damit bin ich ganz einverstanden.

Tag für Tag werfe ich mein Netz aus, gleich einem Fischer und ziehe die Ausbeute zu mir herein: Bruchstücke von Bildern, Geräuschen, Gerüchen, Stimmen und Gefühlen, die ich auf meine Weise ordne und zusammensetze – neu und nie geahnt – bis sie funkeln wie Kristalle.

Das ist es, was ich tue, und es erfüllt den Raum in mir und um mich, füllt meine Zeit und mein Sein übersatt, und ich brauche sonst nichts.

Nur mich selbst.

Ich habe die Klause bewusst gewählt und liebe es nicht, wenn man meinen Frieden stört.

Doch mir scheint, ich habe die Rechnung ohne den Narren gemacht.

Prolog

Es war damals, in jenem heißen Sommer, als eines Nachmittags ein Hut mein Verandageländer entlangwanderte.

Hüte pflegen nicht auf Geländern zu balancieren. Ich trat hinaus und sprach die geschäftige Kopfbedeckung an, wobei ich hoffte, niemand würde mich dabei sehen. Wenn jemand beginnt, mit Hüten zu reden, werten Beobachter das mitunter als Zeichen für ernsthafte Schwierigkeiten im Oberstübchen. Ich rief den Hut also an: „He, du! Was tust du hier?“

Mit unnachahmlich träger Eleganz wandte er sich um. Grüne Augen musterten mich prüfend durch zwei Löcher im oberen Teil und schließlich kam die Antwort: „Ich spaziere.“

An dieser Stelle befielen mich selbst erhebliche Zweifel bezüglich des Zustandes meines oben genannten Stübchens, und ich trat einen Schritt zurück.

„Äh … Moment! Hüte sprechen nicht!“

„Ich bin ja auch kein Hut“, kam es beleidigt zurück. „Du solltest deine Augen dazu verwenden, zu sehen, was wirklich ist, und nicht das, was du erwartest, zu sehen.“

Mit diesen Worten machte es sich der Hut vollends auf dem Geländer bequem, blinzelte mit den Augen und entrollte einen prächtigen, silbergrauen Schwanz, welchen er aufstellte wie ein Periskop.

Ich riss die Augen auf: „Du bist eine Katze!“

„Na, das hat ja gedauert. Aber Menschen haben immer eine lange Leitung.“

„Na, hör mal!“, verteidigte ich mich lahm.

Es ist nicht jedermanns Sache, sich von einer Katze geistige Trägheit vorwerfen zu lassen, die unter einem verblichenen braunen Schlapphut herumspaziert, durch zwei Löcher im Kopfteil herausschaut und sprechen kann. Die Unmöglichkeit des Letzteren wurde mir erst jetzt bewusst.

„Wieso sprichst du?“

„Wieso nicht? Du sprichst doch auch!“

„Aber Katzen sprechen nicht.“

„Ein offensichtlicher Irrtum.“

„Ähm … und weshalb schaust du durch die Löcher?“

Ein genervtes Seufzen begleitete die Antwort: „Meinst du, ich möchte gegen Mauern und Bäume rennen?“

Jetzt war ich es, der genervt reagierte. „Nein! Ich meine: Wieso rennst du unter einem Hut herum?“

„Wieso nicht? Ich bin Chapeau Chatte.“

„Das ist französisch.“

„Eine Katze, die etwas auf sich hält, ist stets französisch.“

Die Sache wurde immer verrückter.

„Warum also der Hut?“, legte ich nach.

„Man kann so wunderbar beobachten und ist so herrlich inkognito, findest du nicht auch?“

Inkognito? Ah ja, inkognito, klar. Und weshalb?“

„Weshalb nicht?“

Ich starrte ärgerlich in die grünschimmernden Augen, die amüsiert zurückblitzten. Eines der beiden nachlässig in den lappigen Filz gebohrten Gucklöcher war größer als das andere.

„Und was führt dich ausgerechnet hierher?“, fragte ich unwirsch.

Die Augen musterten mich einen Moment versonnen, bevor die Antwort kam: „Nun ja, irgendwohin muss man ja. Und hier ist es so gut wie anderswo. Wobei ich gestehen muss, dass du mir gefällst. Du bist so durchschaubar.“

Das war genug.

„Jetzt reicht’s“, schrie ich wütend, „das muss ich mir von einer unsichtbaren Katze nicht bieten lassen, du …!“

Ich wurde unterbrochen.

„Ich bin sichtbarer als du. Doch lass uns unser Gespräch heute Abend fortsetzen. Ich habe anderswo zu tun. Sorg dafür, dass etwas zum Speisen da ist für mich, wenn ich komme. Salut!“

Bei diesen Worten hob sich der Hut etwas an und bekam vier Pfoten, die ihn, gravitätisch schreitend, zum Ende der Brüstung trugen. In kraftvollem Sprung hob er mit gestrecktem Schwanz ab und landete, kurz nachfedernd, auf dem Rasen.

„Salut“, ertönte es erneut, und der Hut war im Gebüsch verschwunden.

Eine halbe Stunde später beschloss ich, dieses Erlebnis als Wahnbild meines von der Augustsonne überhitzten Gehirns zu betrachten und verkroch mich hinter herabgelassenen Jalousien im Wohnzimmer.

Abermals eine Stunde später machte ich mich auf den Weg. Es konnte nicht schaden, einige Dosen Katzenfutter im Haus zu haben. Für alle Fälle.

Man konnte ja nicht wissen.

Prolog

„Meinst du nicht, es wäre Zeit fürs Frühstück?“

Mein schlafumnebeltes Gehirn ordnete diesen Vorschlag in die Schublade mit der Aufschrift „Albträume“ ein. Ich drehte mich auf die andere Seite und zog die Decke über den Kopf.

„Ich bevorzuge Café au Lait mit einem Extra-Schuss Rahm – in einer Glasschüssel, bitte. Und das Croissant erst ganz zum Schluss hineinbrocken. Ich mag es kross.“

Ich riss die Augen auf und starrte in zwei geschlitzte Pupillen, die mich vorwurfsvoll musterten.

„Na endlich! Wird auch Zeit.“ Der Hut saß auf meiner Bettkante und starrte mich an.

„Du schon wieder“, stöhnte ich, „Gott! Und ich dachte, du seiest eine Fata Morgana.“

„Die kenne ich nicht. Ich bin Chapeau Chatte.“

„Ja, ja, ja!“ Zähneknirschend quälte ich mich aus dem Bett.

„Und was dein Frühstück betrifft, so habe ich weder Croissants, noch Rahm, noch Milch. Ich trinke meinen Kaffee schwarz.“

„Dann wird es Zeit, dass du deine Vorräte ergänzt. Ich muss ja von etwas leben in der Zeit unseres Zusammenseins.“

„Welches Zusammensein? Welche Zeit? Du willst dich doch nicht etwa länger bei mir einnisten!“

„Einnisten! Ich will dich mit meiner Anwesenheit beehren. Ach ja, und vergiss das Tatar für das Mittagessen nicht. Ich pflege es mit etwas rohem Eigelb zu nehmen. Eiweiß esse ich nicht, das ist gewöhnlich.“

„Tatar“, wiederholte ich dümmlich, „Eigelb. Na klar … oh Himmel, womit habe ich das verdient?“

„Das frage ich mich auch“, antwortete der Hut, „und nun geh, sonst sitzen wir noch bis heute Abend hier herum.“

Ein gönnerhaftes „Salut“ tönte mir hinterher, als ich die Haustür ins Schloss zog, um Sahne, Milch und Croissant einzukaufen, nicht zu vergessen Tatar fürs Mittagessen, für einen Hut, der behauptete, eine Katze zu sein, die es liebte, inkognito zu gehen.

Ich war so in Gedanken, dass ich über einen Stein stolperte und ärgerlich schimpfend stehen blieb. Und wie aus heiterem Himmel befiel mich ein Lachen, das ich nicht zu unterdrücken vermochte. Eine Frau warf mir einen missbilligenden Blick zu und eilte schnell davon, als ich ihr prustend erklärt hatte: „Wissen Sie, gnädige Frau, ich muss Milch und Croissants kaufen für einen sprechenden Hut.“

Prolog

Der Hut ruhte vollkommen in sich selbst vor dem Kamin, als ich zurückkam.

„Endlich! Kälte und Hunger, das ist eindeutig zu viel“, kam es unter der Krempe hervor.

Kälte! Im August! Und davon mal abgesehen – heize einer ein, wenn er am frühen Morgen wegen eines französischen Frühstücks aus dem Haus gejagt wird – eines französischen Frühstücks für eine Katze, wohlgemerkt.

Die grünen Augen musterten mich missbilligend aus dem Filzungetüm. Meine heitere Stimmung zerstob im Nu.

„Kannst du eigentlich nur rummeckern? Außerdem glaube ich nicht, dass Katzen frieren – des Felles wegen. Und überhaupt: Wir haben August, kein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, heizt im August. Und du, unter deinem Kaffeewärmer, müsstest erst recht schwitzen.“

Der Hut schnaubte. „Darauf erwidere ich nichts, das ist unter meiner Würde.“

Das eigenartige Geschöpf erhob sich und strebte zielbewusst der Tür zu.

„He! Wohin willst du denn jetzt?“ Ein tadelnder Blick begleitete die Erklärung: „Das fragst du? In die Küche natürlich. Schlimm genug, dass man dir das sagen muss! Lässt seinen Gast verhungern, dieser Mensch! Ts ts ts. Na ja, ein Mensch eben.“

Die letzten Worte hörte ich schon aus der Küche. Gast! Von wegen! Ich war Opfer einer Hausbesetzung und wurde den Verdacht nicht los, dass diese Katze begonnen hatte, über mich zu bestimmen, doch meine Neugier war größer als mein Missmut darüber.

Als ich in die Küche kam, saß der Hut auf der Arbeitsplatte.

„Na, ein Glück, dass du dich entschließen konntest. Zeig, was du hast!“ Der Hut erklomm meinen Einkaufsbeutel, als ich ihn auf der Platte niederlegte und ließ sich auf dem kleinen Hügel nieder. Ein geschäftiges Treiben begann, von dem ich außer einem bedenklichen Rascheln nur die Kommentare zu hören bekam: „Mm! Feine Croissants! Bei diesem Bäcker musst du bleiben, der kann was.“

Raschel …

„Na ja! Unter feinem Tatar verstehe ich etwas anderes. Aber für heute mag es angehen. Morgen versuchst du es bei einem anderen Fleischer.“

Raschel …

Ich malte mir aus, wie ich Tag für Tag in immer größer werdenden Kreisen Metzger um Metzger abklapperte und Chapeau Chatte niemals zufrieden sein würde.

Raschel …

Nein! Ohne mich!

„Hör mal, du verrücktes …!“, ich wurde unterbrochen.

„Ah, köstlich, lecker! Vielen, vielen Dank! Du bist wirklich großzügig.“

Schmatz!

„He! Was frisst du da? Das Tatar ist erst für mittags!“

„Erstens fresse ich nicht, sondern ich genieße. Und Tatar ist das nicht. Es sind diese köstlich duftenden rosaroten Läppchen …“

Diesmal unterbrach ich: „Untersteh dich! Das ist MEIN Lachsschinken fürs Frühstück!“

„Oh! Pardon! Zu spät! Wenn du mir das aber auch nicht rechtzeitig sagst! Hier … ich vergreife mich nie an fremdem Eigentum, wenn man mich beizeiten über die Besitzverhältnisse informiert.“

Ein daumennagelgroßes, rosarotes Fetzchen wurde unter dem Hut hervorgeschoben, der noch immer auf dem Einkaufsbeutel thronte und fiel schlapp auf die Arbeitsplatte hinunter. Dort blieb es am Rand liegen wie eine groteske kleine Wippe, als könnte es sich nicht entscheiden, ob es liegen bleiben oder der Schwerkraft gehorchen und auf den Boden fallen sollte.

„He“, rief ich äußerst ärgerlich, „jetzt habe ich nur noch zwei Scheiben. Lachsschinken ist teuer, und ich habe mich so darauf gefreut.“

Einen Moment war es still. Dann ertönte es beiläufig unter dem Hut hervor: „In Mathematik scheinst du auch keine Leuchte zu sein. Du hast keine zwei Scheiben, sondern nur noch eine.“

„Wie …?“, wieder wurde ich unterbrochen: „Eine ziemlich kleine. Eigentlich eine sehr verschwindend geringe, winzigkleine Scheibe.“

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Chapeau Chatte" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen