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Chaikovskogo 63/9

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Paolo Bianco

Chaikovskogo 63/9

…...15 Jahre Perestrojka

Vorwort

Helmut Schmidt hat einmal gesagt; um Russland und die Russen verstehen zu können -Voraussetzung für gute gemeinsame Geschäfte- muss man Dostoevskj gelesen haben.

Zusätzlich bin ich zwischen 1992 und 2007, mehrmals im Jahr nach St. Petersburg, manchmal auch nach Moskau gefahren.

Ich glaube mittlerweile, nach 15 Jahren, die Russische Mentalität etwas zu verstehen und manche Mechanismen des täglichen Lebens zu beherrschen.

Mit dem geschäftlichen Erfolg hielt es sich in Grenzen, aber es hat Spaß gemacht.

Wir haben unser Büro in der Ulitza Chaikovskogo 63/9 gehabt. Das ist der Ort in Russland wo ich die meiste Zeit verbracht habe.

Das Titelbild ist einigen der vielen Freunde gewidmet wie:

Tatjana, Sergej, Aleksander, Sonja, Kira, Vadim, Dima, Natalja.

Wenn sie zufällig in der Nähe von Chaikovskogo 63/9 waren, haben sie kurz reingeschaut, auf eine Tasse Tee oder Nescafè. Auf dem Bild auch zu sehen: Die Mitarbeiter Aida, Lev und Valentina.

Sankt Petersburg

Gebaut um zu glänzen. Um durch ihre Schönheit der ganzen Welt die Macht des Russischen Imperiums zu zeigen.

Stolz und Kummer zugleich von fünf Millionen Einwohnern, die ihren Stadtgründer abgöttisch lieben und ihn aber auch für alle ihre ‚Malaisen‘ verantwortlich machen. Nur weil er eine Stadt auf einem Sumpf gebaut hat.

Die langen, kalten und nassen Winter, praktisch ohne Tageslicht, verursachen schwere Erkältungen, Depressionen und Kraftlosigkeit, während der Sommer, wenn es nie dunkel wird, Schlaflosigkeit, psychosomatische Störungen und Dekonzentration mit sich bringt.

Das Klima wird auch für die schlechten Zähne beim Groβteil der Bevölkerung verantwortlich gemacht. Vielleicht ein Grund warum Peter I, neben seiner Aufgabe als Zar, sich auch als Zahnarzt betätigte.

Chaikovskogo 63/9
...…15 Jahre Perestrojka

Sankt Leningrad

Smile

Frauetag

Mit Vadim in der Küche

Die Dollarscheine in der Plastiktüte

550 Pelzmäntel

Bar Tribunal

Werner

Kein Dreieckverhältnis! .....oder der gescheiterte Versuch ein solches zu bilden

Sankt Leningrad

Ich hatte mich von meinen damaligen Geschäftspartnern Bent und Matte (Matthias) breitschlagen lassen und flog im November 1992 zum ersten Mal nach Russland, genau gesagt nach Sankt Petersburg, was noch ein paar Monate zuvor Leningrad hieß.

Matte war schon vorher geflogen, um dort alles für unseren Aufenthalt vorzubereiten. Bent und ich flogen über Stockholm, mit SAS und Aeroflot. Als erstes vergaß Bent seinen roten Cashmere Schal in der SAS Maschine, so hatten wir in Stockholm etwas zu tun um einen neuen zu besorgen. Außerdem kaufte ich im Duty-Free Shop eine Stange Zigarette, die etwa das doppelte kostete als am Bahnhofskiosk in Altona. Bent kaufte eine Flasche Vodka, was auch völlig bescheuert war. Mit dem Geld hätte er in Sankt Petersburg eine ganze Kiste gekriegt.

Beim Flug mit Aeroflot nach Sankt Petersburg erkannten wir die ganze Tragweite der Perestrojka. Die Stewardessen, wir vermuteten sie waren welche, weil sie als einzige Russisch sprachen, hatten keine Uniform an, sondern normale Kleidung, eben das was sie gerade im Schrank hatten. Ich bin sicher, dass sie auch Uniformen im Schrank gehabt haben, aber sie wollten damit zeigen, dass sie jetzt wesentlich freier sind. Die Tupolev 144, war vollgepackt mit Skandinaviern -außer Bent und mir- die wahrscheinlich ein vergnügliches Wochenende vor sich hatten. Die Touristen strömen ins Land. Bringen jede Menge Dollar mit. Das ist gut! Aus den Filmen von Ingmar Bergman und neuerdings den Krimis von Stieg Larsson, kennen wir das spritzige Gemüt der Skandinavier, aber sobald sie fremden Boden -am liebsten zollfreien- betreten, werden sie zum lustigen Völkchen. Die Stimmung in der Maschine war prächtig. Die Stewardessen in Jeans servierten andauernd billigen Cognac und anderen Fusel, auch bei Start und Landung. Wir wissen bis heute nicht ob der Kapitän eine Uniform anhatte, aber er landete sicher, bei Schneetreiben, auf dem Flughafen Pulkovo 2.

Matte hatte versprochen, uns am Flughafen abzuholen. Die kleine Ankunftshalle war voll mit Russen die wahrscheinlich auf die Skandinavier warteten, da in der Zeit keine andere Maschine angekommen war. Von Matte nichts zu sehen. Wir entdeckten einen Mann der ein Stück Pappe hochhielt, wir glaubten unseren Namen auf der Pappe entziffern zu können. Es stimmte, Gott sei Dank und wir grinsten den Mann an. Er drehte sich um und wir folgten ihm zu einem hellgrauen Lada.

Nun, wenn man keine andere Wahl hat folgt man seinen Instinkt, bzw. das, was man glaubt, dass es richtig sei zu tun. Später in Deutschland sagte mir ein Freund "Ihr müsst doch bescheuert oder besoffen gewesen sein, bei einem 'fremden' Russen ins Auto zu steigen. Er hätte euch sonst wo hinfahren können". Der Mann mit dem Pappschild und dem Lada machte den Kofferraum auf, der bereits voll mit Plastiktüten und Gummistiefeln war. Wir quetschten unser Gepäck auf die Plastiktüten -wer weiß was da drin war- und stiegen ein. Unser Freund raste auf glatter Fahrbahn, bei Schneetreiben und im Dunkel Richtung Stadtzentrum. Bent wiederholte in regelmäßigen Abständen den Namen unseres Hotels. Der Fahrer nickte uns jedes Mal kurz zu. Ich war von Sankt Petersburg oder zumindest von dem Teil den ich am Anfang unserer Fahrt sehen konnte, nicht besonders beeindruckt. Breite Straβen, wenige Autos, noch weniger Menschen und links und rechts Plattenbauten. Aus den Erzählungen einer frühen Mitarbeiterin, die in den 80er Jahren eine Intourist Reise nach Leningrad unternommen hatte, entwickelte ich ein ganz anderes Bild dieser Stadt:

Hügelige Landschaft am Ufer der Neva mit prächtigen Palästen an den Promenaden beidseitig des Flusses. Keiner hatte mir bis dato gesagt, dass Zar Peter I aus irgendeinem Grund eine Stadt auf den Sümpfen am Finnischen Meerbusen bauen ließ.

Wir kamen dem Stadtzentrum näher, vermutete ich zumindest, denn die Gebäuden links und rechts der Straße waren nicht mehr so hoch und weniger hässlich und es waren Lichter zu sehen. An einigen Punkten entlang der langen breiten Straße versammelten sich gröβere Gruppen von Menschen, aber ich konnte nicht richtig erkennen was sie dort suchten oder taten. Ich werde später erfahren, dass diese U-Bahn-Stationen waren, wo die Bevölkerung sich an Kiosken mit dem Lebensnotwendigen versorgen kann; Wurst, Vodka, Bier, Zigaretten usw. Bent hatte es sich mittlerweile auf dem Rücksitz bequem gemacht und war eingeschlafen. Er konnte also nicht die zunehmende Veränderung der Umgebung wahrnehmen - aber er kannte sie ja, weil er schon mal im August hier gewesen war- Prächtige Paläste hatten die Plattenbauten abgelöst und die Bürgersteige des Nevskij Prospekts waren voller Menschen, die irgendwohin gingen oder irgendwoher kamen, trotz Schneetreiben und Dunkelheit -es war bereits 16.00 Uhr-.

Unser Fahrer hielt an. Wir waren wohl am Hotel angekommen, weil er im gebührenden Abstand vom Eingang parkte. Direkt neben dem Eingang parkten etwas gröβere und dunkleren Limousinen. Ich fragte mich ob er sich wegen seinem klapprige hellgrauen Lada schämte oder ob er unser Image als 5-Sterne-Hotel Gäste nicht schädigen wollte. Nix davon, er wollte lediglich der Taxi-Mafia aus dem Weg gehen.

Die blonde Rezeptionistin mit dem Namensschild Natascha (die beiden anderen hießen auch Natascha) nahm uns die Pässe weg, lieβ uns etwas unterschreiben und gab uns dann die Zimmerkarten zusammen mit einem Zettel von Matte 'ich bin im Mezzanine-Café'. Wir gingen erstmal dahin, um ihn zu begrüßen. Das Café war voller Menschen, die meisten deutsche Männer, die irgendwie so wie Versicherungsvertreter aussahen. Sie waren es auch. Alles Kollegen aus einer Hamburger Versicherungsfirma. Der Chef war auch dabei, der stadtbekannte Jürgen H., der in der Zeit sogar Präsident eines Fußballvereins war.“ Hallo Jürgen“ sagte Bent (er kannte ihn nicht) komm setzt Dich zu uns. Jürgen H. begrüßte uns und beschwerte sich, dass seine Mitarbeiter seinen Mantel versteckt hätten, bestellte aber einen Campari Soda nach dem anderen und redete ununterbrochen blödes Zeug. Irgendwann ging er aber mit seiner Meute von lustigen Vertretern, ohne zu bezahlen natürlich, was Matte sehr verärgerte, denn er musste für die Drinks bezahlen.

Matte hatte das Programm für den Abend gemacht: Erstmal schnell die Zimmer beziehen, dann kurz treffen mit Werner, dann etwas essen und später treffen wir uns alle in der Tschajka. Wer mit 'uns alle' gemeint war wusste ich nicht. Werner ist der Typ Mensch der gerade über ein Projekt erzählt und es gedanklich gleichzeitig abschreibt, weil es ihm schon zu alt und uninteressant geworden ist. Mit dem Wissen, dass Matte und Bent Werbung für eine Plattenfirma machen, hatte er bereits die Harfenistin vom Mezzanine Cafè angesprochen, ob sie nicht bereit sei eine CD aufzunehmen. Sie war natürlich sehr bereit, aber aus dem Projekt wurde nichts. Werner, der aus Berlin kam und Russisch sprach, wohnte nicht im Hotel, sondern bei einem russischen Freund, in einem Heim für Gehörlose. Der Freund, Igor, war Elektro Ingenieur und mit dem Heimleiter Alexander befreundet.

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