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Die Praktikantin - Caprice

Inhalt

  1. Cover
  2. Caprice - Die Erotikserie
  3. Über dieses Buch
  4. Über die Autorin
  5. Caprice - Maren & Sophie
  6. Titel
  7. Impressum
  8. Die Praktikantin
  9. In der nächsten Folge …

Caprice – Die Erotikserie

Maren und Sophie sind beste Freundinnen und Journalistinnen bei Deutschlands größtem Boulevardmagazin BLITZ. Sie berichten von Events überall auf der Welt, die der internationale Adel, die High Society und Prominente aus dem Showgeschäft besuchen. Für ihre Artikel recherchieren sie knallhart – mit vollem Körpereinsatz …

Caprice ist eine Erotikserie, die monatlich in abgeschlossenen Folgen erscheint. In den einzelnen Folgen geht es mal härter und mal sanfter zu. Dafür sorgen die unterschiedlichen Autoren, die für diese Serie schreiben. Da jeder Autor seinen eigenen Stil hat, ist Caprice Folge für Folge ein neues erotisches Leseerlebnis.

Über dieses Buch

Das Caprice Serien Special im XXL-Format!

Isabell Naumann ist voller Tatendrang als sie am ersten Tag ihres Praktikums in der BLITZ Redaktion aufschlägt. Ausgerechnet den beiden Star-Reporterinnen Maren Janson und Sophie Caprice darf sie bei der Arbeit über die Schulter schauen. Die Recherchemethoden der beiden haben zwar rein gar nichts damit zu tun, was Isabell auf der Journalistenschule gelernt hat, dennoch freut sie sich, dass sie für eine Story mit nach Venedig reisen darf.

Zum Team gehört nämlich auch John Feyn, stadtbekannter Womanizer und Fotograf der BLITZ. Vom ersten Tag an hat es ordentlich zwischen den beiden gefunkt. Doch je mehr die schüchterne Isabell bereit ist sich auf ihn einzulassen, desto mehr zieht er sich zurück. Doch so schnell gibt sie nicht auf, denn John hat eine ungeahnte Leidenschaft in ihr entfacht. Mit Maren und Sophie als Mentorinnen in allen Lebenslagen, versucht Isabell hinter Johns geheimnisvolle Art zu kommen.

Über die Autorin

Bella Apex ist ein Kind der späten Sechziger und lebt in einer aus Film und Fernsehen bekannten westfälischen Metropole. Seit 2010 coacht sie Menschen zum Thema »erfüllte Sexualität« und schreibt mit Liebe, Lust und Leidenschaft über die schönste Sache der Welt. Jetzt auch für Caprice. www.bella-apex.eu

Caprice – Maren und Sophie

Maren, die Unschuld vom Lande – das ist zumindest ihre Masche. Dass sie nicht so unschuldig ist, wie sie tut, haben schon die Dorfjungs, mit denen Maren in einem norddeutschen Kaff aufwuchs, am eigenen Leib erleben dürfen. Da sie die Jungs nur aus Langeweile vernaschte, zog es sie in die Großstadt, und sie landete bei Deutschlands größtem Boulevardmagazin BLITZ. Maren weiß, dass ihre mädchenhafte, naive Art den Beschützerinstinkt bei Männern weckt und nutzt diese Tatsache für ihre Zwecke. Trotzdem hofft sie, damit auch ihrem Mr. Right zu begegnen. Und so lange sie den noch nicht gefunden hat, vertreibt sie sich die Zeit mit den Stadtjungs …

Spontan, dominant, durchsetzungsstark – das ist Sophie, der selbstbewusste Vamp mit französischen Wurzeln. Aufgewachsen in einem Pariser Vorort hat sie früh gelernt, sich alleine durchzuboxen. Schon damals merkte sie, dass sie eine gewisse Anziehung auf Männer ausübt – und bekam auch so die Stelle beim BLITZ. Ihre neugierige Reporternase führt sie nicht nur zu exklusiven Topstorys, sondern auch in Situationen, bei denen sie ihre Phantasien ausleben kann. Denn das findet sie viel spannender, als die große Liebe zu suchen. Außerdem ist ihr Körper zu wertvoll, um nur von einem Mann bewundert zu werden …

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Bella Apex

Die Praktikantin

Selbstverständlich war Isabell Naumann davon ausgegangen, dass sie sich als frischgebackene Praktikantin bei einer derart begehrten Zeitung wie der BLITZ auf einiges gefasst machen musste. Vor allem am Anfang rechnete sie mit niederen Aufgaben wie Kopierjobs und jede Menge Überstunden, mit denen sie sich die Sporen für die guten Reportagen erst verdienen musste. Und natürlich war sie bereit dazu. Sogar mehr als das. Sie würde sich in jede noch so kleine Aufgabe stürzen wie nie zuvor in ihrem Leben. Schließlich war es ihr Ziel, am Ende übernommen zu werden.

Darauf hatte sie schon während ihrer Ausbildung an der renommierten Henri-Nannen-Journalistenschule hart und unerbittlich hingearbeitet. Tag und Nacht. Nicht umsonst war deshalb sie diejenige, die diese Stelle dank ihrer Topnoten bekommen hatte, und keiner von ihren großmäuligen Mitbewerbern, die dauernd mit ihren ach so engen Beziehungen zur Personalabteilung geprahlt hatten und ihren Abschluss an der Journalistenschmiede für einen Selbstläufer hielten.

Was Isabell an ihrem ersten Montagmorgen allerdings nicht erwartet hatte, waren gähnend leere Redaktionsräume. Irritiert sah sie auf ihre Uhr. Punkt neun. Wie immer hatte sie peinlichst darauf geachtet, auf die verabredete Sekunde genau dort einzutreffen. Und das, obwohl sie heute Morgen mehr als nur ein bisschen nervös war. Doch die Schreibtische ihrer neuen Kolleginnen Maren und Sophie, denen sie laut Chefredakteur Walter Stein zur Einarbeitung über die Schulter schauen sollte, waren ebenso verwaist wie dessen Büro. Nicht einmal seine auffällig rothaarig gefärbte Sekretärin Lori Schneider, der sie am Tag der Vorstellung zum esten Mal begegnet war und die sie um diese Zeit hierherbestellt hatte, saß an ihrem Platz.

Seltsam.

Erst war sie heute Morgen vollkommen erregt und überwältigt aus einem Sextraum mit einem fremden Mann erwacht, der sie schon kurz nach dem Eindringen zum Orgasmus gestoßen hatte. Dabei war das alles überhaupt nicht ihre Art. Weder würde sie je mit einem Unbekannten ins Bett steigen, noch kam sie schnell zum Gipfel, geschweige denn in dessen Nähe. Ja, sie wusste nicht einmal, ob dieses sanfte Kribbeln, das sie beim Sex mit ihrem ersten und einzigen Freund Malte gelegentlich – und wenn, dann auch nur nach langwierigem Vorspiel – empfunden hatte, überhaupt jemals ein echter Höhepunkt gewesen war. Doch der feuchte Fleck auf ihrem Laken heute früh hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass es in ihrem Traum hoch hergegangen war. Sie konnte sich nicht entsinnen, schon einmal so nass gewesen zu sein, dass sie in ihrem eigenen Saft gelegen hatte. Leider konnte sie sich aber nicht mehr an den genauen Ablauf erinnern und erst recht nicht daran, wie der Mann ausgesehen hatte. Er war irgendwie gesichtslos geblieben. Präsent war ihr nur noch, wie es sich angefühlt hatte. Seine Hände überall, an ihren Brüsten, auf ihrer Scham, zwischen sämtlichen Lippen … und dann der Moment, als er sich in sie schob … so intensiv, als wäre es wirklich geschehen. Vergleichbares war ihr noch nie passiert – weder im echten Leben noch im Traum.

Sie schüttelte den Kopf über sich selbst. Und jetzt das! Weit und breit kein Mensch zu sehen … Heute war doch ihr erster Arbeitsmontag. Oder nicht?

Verunsichert zog sie ihr Smartphone aus der Hosentasche und vergewisserte sich, dass sie sich nicht im Datum vertan hatte. Doch es war korrekt.

Langsam kam Isabell sich vor wie im falschen Film. Sie wartete ein paar Minuten unschlüssig und dachte unwillkürlich an die Sendung »Versteckte Kamera«. Womöglich war sie das Opfer eines schrägen Initiationsrituals, bei dem Neulinge auf Humor und Nerven getestet wurden? Garantiert würden die anderen gleich aus ihren Verstecken hervorspringen und sich schlapp lachen.

Doch nichts dergleichen geschah. Entschlossen, sich zum Einstand nicht sofort zu blamieren, sondern Tatkraft zu zeigen, gab Isabell sich schließlich einen Ruck und machte sich auf die Suche. Irgendwo auf dieser Etage würde sie schon jemanden finden, der ihr erklären konnte, warum in der Redaktion niemand war.

Tatsächlich lief sie kaum zehn Sekunden später in Lori Schneider hinein, die gerade aus einem Zimmer mit der Aufschrift »Lounge« trat und sich vor Überraschung den Kaffee auf die graue Bluse in Crash-Optik kippte. Natürlich genau in Höhe der mächtigen Oberweite.

»Oh mein Gott! Entschuldigen Sie!« Hektisch begann Isabell in ihrem Rucksack nach den Taschentüchern zu graben, die sie immer dabei hatte. »Das tut mir furchtbar leid.«

Endlich fand sie das Päckchen und hielt es der Sekretärin mit nervös zitternden Fingern hin. Wie blamabel.

Doch Lori Schneider legte ihr nur eine Hand auf den Arm und lächelte milde. »Schon gut, Kindchen. Lassen Sie mal. Ist doch nur Kaffee. Und kalt war er auch schon. Ich wasch ihn eben raus.«

Sie nickte ihr kurz zu und verschwand mit energischen Schritten in der Damentoilette auf der gegenüberliegenden Seite des Flurs.

»Was muss ich auch so schreckhaft sein?«, scherzte sie, als sie wenig später wieder herauskam und Isabell abermals ein warmes Lächeln schenkte. Der ausgedehnte nasse Fleck auf ihrem Vorbau schien sie nicht sonderlich zu stören. Immerhin war es ihr gelungen, die braune Brühe rauszuwaschen. Auch wenn sie jetzt aussah wie eine etwas reifere Anwärterin für einen Wet-T-Shirt-Wettbewerb vollbusiger Frauen.

»Dabei wusste ich ja, dass Sie heute bei uns anfangen. Aber ich hab noch gar nicht mit Ihnen gerechnet. Pünktlich ist hier nämlich fast nie einer.« Freundlich zwinkerte sie Isabell zu. »Nun kommen Sie schon mit in den Pausenraum. Wir brauchen neuen Kaffee. Wie wär’s mit einem Latte? Schmeckt eh besser.« Sie kicherte. »Oder wollen Sie da noch länger im Boden versinken vor Scham?«

Folgsam schlich Isabell ihr in die »Lounge« hinterher, die nichts anderes war als eine winzige Pantryküche mit einem umso größeren Nespresso-Automat aus glänzendem Chrom nebst Milchaufschäumer und vier eher ungemütlich aussehenden Kunststoffstühlen im Retrostil.

»Es ist also noch keiner da?«, versicherte sich Isabell, als sie jede mit einer Tasse Latte Macchiato bestückt in Richtung Redaktionsräume zurückgingen. »Ich meine natürlich, außer Ihnen«, schob sie hastig hinterher und biss sich auf die Zunge. Dieser vermaledeite Traum heute Morgen hatte sie nachhaltig aus dem Takt gebracht. Noch ungeschickter konnte man sich nun wirklich nicht mehr anstellen.

Aber Lori Schneider ging großzügig über ihren Lapsus hinweg. »Doch. Der Chef. Aber der muss unseren Sportfuzzis gerade den Marsch blasen. Die haben doch tatsächlich geschrieben, der HSV sei so gut wie erledigt, nur weil -«

»Und die anderen?« Vor lauter Verdrehtheit verpatzte Isabell sogar, die Frau ausreden zu lassen.

Doch auch das schien die Chefsekretärin ihr nicht übel zu nehmen. »Maren macht heute Homeoffice, und Sophie kommt direkt zu eurem ersten Termin. Ist doch okay, wenn ich Du sage, oder? Mache ich hier bei allen. Na ja, fast.« Sie warf einen kurzen Seitenblick auf Steins offen stehende Bürotür, der klarstellte, dass sie den Chef davon ausnahm.

Isabell nickte mechanisch, während ihre innere Stimme sie mit Tadeln überhäufte. Wie dumm von ihr, dass sie gestern nicht noch einmal angerufen und sich darüber informiert hatte, was heute anlag. Sonntag hin oder her – gute Journalisten arbeiteten schließlich auch am Wochenende, und sie hasste das Gefühl, schlecht vorbereitet zu sein.

Das fängt ja prima an mit mir … Lass dich nicht gleich aus der Ruhe bringen, beschwor sie sich und schob die Selbstvorwürfe beiseite.

»Okay, und wo muss ich für den Termin hin?«, fragte sie Lori stattdessen in bemüht geschäftsmäßigem Ton.

»Erst einmal an Sophies Schreibtisch.« Die andere grinste ermunternd. »Sie hat dir eine Nachricht hinterlassen.«

Mit dem Kinn wies die füllige Sekretärin in den Teil des Raumes, der aussah, als wäre dort erst kürzlich eine Bombe hochgegangen.

»Der linke«, nannte sie lapidar das Chaos aus Bergen von losen Notizen, gestapelten Magazinen und unsortierten Fotos, die etwas unter sich begruben, das möglicherweise einmal ein ganz unschuldiges Stück Mobiliar gewesen war, bevor Sophie davon Besitz ergriffen hatte. Einzig der stationäre Macintosh-Rechner, dessen weißer Bildschirm wie ein Fels aus dem Durcheinander ragte, ließ erahnen, dass es sich hierbei um einen regulären Arbeitsplatz handelte.

Vorsichtig, als könne er bei der kleinsten zusätzlichen Belastung in sich zusammenstürzen, näherte sich Isabell dem Schreibtisch.

Bloß nichts anfassen.

Aber das war auch nicht nötig.

Es dauerte ein wenig, bis sie inmitten der zahllosen Zettel endlich denjenigen entdeckte, der offenbar an sie gerichtet war. Er pappte rechts am unteren Bildschirmrand und war nur mit Mühe zu entziffern. Sophies hastig hingekritzelten Worte standen der ungeduldigen Handschrift eines Arztes in nichts nach.

»Hi, Isabell! Treffen uns um zehn an der Werft von Blohm + Voss!«

Das war alles. Kein »Herzlich willkommen«. Keine näheren Informationen. Nicht einmal eine genaue Adresse. Isabell schluckte. So wenig, wie diese Notiz ihr weiterhalf, konnte sie getrost am Monitor kleben bleiben.

Zum Glück wusste Isabell wenigstens ungefähr, wo sie hinmusste. Schon oft war sie am Ende eines anstrengenden Tages in der Henri-Nannen-Schule zur Elbpromenade hinuntergegangen und hatte sehnsüchtig zur riesigen Werft von Blohm + Voss auf der anderen Flussseite hinübergeschaut. Das half manchmal gegen ihr bohrendes Fernweh und fühlte sich paradoxerweise gleichzeitig ein bisschen wie Heimat an. Denn da sie im emsländischen Papenburg aufgewachsen war, wo regelmäßig gigantische Kreuzfahrtschiffe unter heftigem Winken begeisterter Zuschauer die Meyer Werft verließen, hatte der Anblick der Docks etwas beruhigend Vertrautes. Allerdings war sie noch nie auf der anderen Elbseite gewesen. Dorthin würde sie sich nun irgendwie durchwursteln müssen.

Isabell befragte ihre Swatch, wie viel Zeit ihr dafür blieb, und wurde weiß wie die Wand neben ihr. Es war exakt 9 Uhr 34. In weniger als einer halben Stunde sollte sie an der Norderelbe bei Blohm + Voss sein. Mit ihren nach anderthalb Jahren Ausbildung noch immer verbesserungswürdigen Ortskenntnissen war das vom hiesigen Redaktionssitz in Barmbek so gut wie unmöglich zu schaffen.

Ihr panischer Blick traf den von Lori. Die reagierte so routiniert, als hätte sie diesen Gesichtsausdruck schon tausend Mal gesehen: Zügig nahm sie einen Zwanziger aus der Portokasse und drückte ihn Isabell in die Hand.

»Hier, ausnahmsweise ohne Antrag, weil du neu bist«, sagte sie gespielt streng wie eine Mutter, die ihr Kind erziehen will. »Aber bring den Beleg mit. Taxis stehen die Straße weiter runter. Und jetzt los, mien Deern!«

Isabell nickte der Frau ein Dankeschön zu und stürmte zur Glastür hinaus ins Treppenhaus.

***

Mit einem kleinen Bestechungs-Zuschlag aus eigener Tasche hatte der Taxifahrer das Wunder dann doch noch vollbracht. Auf die Minute pünktlich hatte er Isabell am Kai abgeliefert und war mit flüchtigem Seitenblick und um 30 Euro reicher abgebraust. Seitdem war eine gute Viertelstunde vergangen, und sie stand – zum zweiten Mal heute – in der Gegend herum wie bestellt und nicht abgeholt. Nur diesmal nicht in der heimelig warmen BLITZ-Redaktion, sondern ungeschützt im scharfen Novemberwind, der an den Bommeln ihrer Norwegermütze zerrte. Isabell verknotete sie noch fester miteinander und versenkte ihre kältesteifen Finger rasch wieder in den Taschen ihres gesteppten Parkers. Das Frösteln wollte dennoch nicht vergehen.

Dieser blöde Tag schien ein einziges Debakel werden zu wollen. Denn auch jetzt fand sich nicht die geringste Spur von Sophie Caprice.

Dafür spukten in Isabells Kopf umso mehr Vorwürfe herum. Hätte sie den Notizzettel doch besser mitgenommen. Womöglich hatte sie in der Eile einen Hinweis auf der Rückseite übersehen und wartete nun am völlig falschen Ort. Das wäre absolut unverzeihlich. So etwas durfte selbst einer blutigen Anfängerin nicht passieren. Oder gerade der nicht. Zumal sie von einer der renommiertesten Schulen Europas kam.

Vielleicht war Sophie aber auch etwas passiert. Doch anrufen konnte sie die Kollegin nicht. Sie hatte vor Schreck über die fortgeschrittene Zeit vorhin noch nicht einmal daran gedacht, Lori nach der Handynummer der Französin zu fragen.

Missmutig kaute Isabell auf ihrer Unterlippe herum und überlegte angestrengt, was sie nun tun sollte. Noch eine Zeitlang warten? Oder lieber gleich zerknirscht in der Redaktion anrufen und Lori um Hilfe bitten?

Was für ein miserabler Einstand. Bestimmt hatten ihre Vorgänger sich nicht halb so dumm angestellt. Und ihr heimliches Vorbild Maren Janson ganz gewiss nicht. Nach allem, was Isabell von ihr wusste, war diese Frau einfach nur bewundernswert. Als aparte Persönlichkeit und als gestandene Journalistin.

Leider ähnelte sie ihr wohl nur optisch.

»Kopf hoch. Das wird schon«, hatte Lori ihr noch nachgerufen, bevor die Glastür hinter ihr zugeschlagen war. Aber Isabell hatte da inzwischen so ihre Zweifel.

Der Blick, den sie plötzlich im Nacken spürte, lenkte sie jedoch augenblicklich von den trübsinnigen Gedanken ab. Irritiert drehte sie sich in die Richtung, aus der er kam: zum Werfteingangstor, etwa fünfzig Meter von ihr entfernt.

Der Mann, der eben schon dort gestanden hatte, als sie mit dem Taxi eingetroffen war und den sie in ihrer Aufregung kaum beachtet hatte, sah sie jetzt unverwandt an. Er lehnte lässig am Stahlgitter und hielt den Griff seiner quadratischen schwarzen Tasche, die Isabell selbst aus der Distanz als Koffer für eine Fotoausrüstung identifizieren konnte, locker in der linken Hand.

Während er sie bei ihrer Ankunft eher mit einer beiläufigen Neugierde bedacht hatte, taxierte er sie mittlerweile deutlich interessierter. Allerdings weniger so, als frage er sich, was sie hier tat, sondern eher, als stufe er ihre Attraktivität gerade auf einer persönlichen »Gefällt-mir«-Skala ein und wäge ab, ob sie einen Flirt wert war.

Schnell wandte Isabell sich wieder ab, um ihm zu zeigen, wie dreist sie das fand.

Da er trotz seiner erhöhten Aufmerksamkeit jedoch glücklicherweise auf Abstand blieb, vermutete sie, dass er ebenfalls zum Arbeiten hergeschickt worden war. Vielleicht von irgendeinem Konkurrenzblatt. Zumindest hoffte sie, dass es so war und dass ihn sein Job davon abhalten würde, sich noch ungenierter an sie heranzumachen. Denn so allein mit ihm vor dem menschenleeren Werksgelände zu stehen und seine Blicke auf sich zu spüren, machte sie ganz schön nervös … Nicht nur um die Kälte abzuschütteln lief Isabell deshalb ein paar Schritte auf und ab. Am Kribbeln zwischen den Schulterblättern spürte sie jedoch, wie seine Augen ihr folgten, und wurde noch eine Spur nervöser.

Dabei sah er ganz anständig aus. Verflixt gut sogar, um ehrlich zu sein. Soweit sie das von ihrem Standort aus einschätzen konnte, wäre er durchaus ihr Typ gewesen, wenn sie ihm unter anderen Umständen begegnet wäre. Abends, zum Beispiel, in einer Bar, vorausgesetzt, ihr Karriereziel würde ihr je genügend Freizeit lassen, eine aufzusuchen.

Sein Haar hob sich leuchtend blond vom grauen Himmel ab und reckte sich widerspenstig in alle Richtungen, als wäre er soeben erst aus dem Bett gekrochen. Die natürliche Restbräune sonniger Tage stand dazu in angenehmem Kontrast und verlieh seinem Gesicht eine besondere Lebendigkeit. Dazu blitzten seine Augen so frech, als hätte er den Schalk im Nacken. Alles zusammen ließ ihn wie einen Lausbuben wirken, der soeben einen Streich ausgeheckt hatte und nun mit diebischer Freude darauf lauerte, dass ihm jemand in die Falle ging.

Allerdings steckte dieser Filou im Körper eines Mannes um die dreißig und das, was er so betont davon zeigte, war nicht gerade ohne. Er trug seine Lederjacke trotz des einstelligen Kältegrads offen und die Cargohose am Po eng anliegend. Was dabei zu erkennen war, ließ erahnen, dass er offenbar einigen Wert auf sportliche Aktivitäten legte. Etwas, das sie bei Männern sehr schätzte.

Auch sie selbst ging regelmäßig ins Studio, um sich fit zu halten. Erst vor ein paar Tagen hatte sie sich in einem neuen angemeldet, weil dort ein Aqua-Tae-Bo-Kurs angeboten wurde, den sie unbedingt einmal ausprobieren wollte.

Für welche Zeitung er wohl arbeitete?

Verstohlen sah sie sich um und begegnete prompt seinen forschenden Augen.

Meine Güte, was starrte er denn so?

Sofort fühlte Isabell sich ertappt. Zur Sicherheit ließ sie ihren Blick wie zufällig umherschweifen. Vielleicht war Sophie ja endlich eingetroffen und stand bereits hinter ihr. Doch da war niemand. Seine Aufmerksamkeit galt tatsächlich ihr. Dabei dürfte kaum etwas von ihr zu erkennen sein, weil sie so dick eingepackt war, als wolle sie gleich noch auf eine Polarexpedition.

Um ihre Verlegenheit zu überspielen, senkte sie den Kopf und prüfte den Sitz ihrer Ugg Boots über der Jeans. Sein Grinsen entging ihr dennoch nicht.

Sie reagierte mit gespieltem Gleichmut, schaute gähnend auf ihre Armbanduhr, ohne die Zeit wahrzunehmen, und hoffte inständig, Sophie würde endlich aufkreuzen. Auf keinen Fall sollte er mitkriegen, dass sein letzter Blick ihr durch Mark und Bein gefahren war. Er hatte ihr gar den Schweiß auf die Stirn getrieben, was in keinem logischen Verhältnis zur Außentemperatur stand. Verwirrt zwang sie sich, durch tiefes Einsaugen der eisigen Luft dagegen anzuatmen. Doch das hinderte den plötzlichen Hitzeschwall in ihrem Innern rein gar nicht daran, noch heftiger über sie hereinzubrechen.

Was war denn bloß heute mit ihr los?

Langsam wurde die ganze Situation ihr so peinlich wie die praktische, aber lächerliche Bommelmütze auf ihrem Kopf.

Wie spät war es noch mal?

Schon fast halb elf, mahnte der wiederholte Blick aufs Ziffernblatt. Das reichte. Isabell beschloss zu handeln und kramte in ihrem Rucksack nach dem Handy. Wie immer dauerte es in diesem Bermudadreieck von Behältnis eine kleine Ewigkeit, bis sie gefunden hatte, was sie suchte.

Gerade als sie die grüne Taste drücken wollte, um die gespeicherte Verbindung mit der Redaktion herzustellen, nahm sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr.

Der Mann am Tor hatte seine Kamera gezückt und begann, das Werftgelände hinter dem Zaun durch das Gitter hindurch zu fotografieren. Da er ihr jetzt den Rücken zuwandte, nutzte sie die Chance, ihn ihrerseits unverhohlen zu mustern. Seine Handgriffe waren routiniert, und er bewegte sich so souverän wie jemand, der sich seiner Selbst sehr sicher war. Allein wie geschmeidig er in die Hocke ging und wieder hochkam, war faszinierend mit anzusehen, da seine Muskeln sich mit jeder Bewegung deutlich abzeichneten, vor allem in der Region Oberschenkel und Po. Keine Frage, dieser Mann wusste nur zu genau, dass sie ihn beobachtete und genoss es, auf diese Weise mit ihr zu spielen.

Isabell wappnete sich innerlich bereits, sofort wieder den Blick zu senken, falls er sich umdrehen sollte. Noch mal wollte sie sich nicht von diesen durchdringenden Augen erwischen lassen.

Als er wenig später genug Motive im Kasten zu haben schien und die Ausrüstung im Handumdrehen wieder einpackte, hatte Isabell das Mobiltelefon in ihrer Hand längst vergessen. Wie gelähmt hing ihr Arm herab, während ihr Verstand im Dreieck sprang, um ihr mitzuteilen, dass der Mann im Begriff war, aufzubrechen. Nur allmählich begriff sie, was das bedeutete.

Er würde in ihre Richtung kommen müssen, um das Gelände zu verlassen. Selbst, wenn er nicht vorhatte, sie anzusprechen, führte der Weg dennoch direkt an ihr vorbei.

Ein unbeschreiblich flaues Gefühl breitete sich in ihrem Magen aus, und Isabell überlegte fieberhaft, wie sie sich jetzt verhalten sollte. War es sinnvoll, ihn herausfordernd anzusehen, ihm womöglich sogar genau in die Augen zu blicken, um unerschrocken zu wirken? Oder war die Gefahr, dabei puterrot zu werden, so hoch, dass sie sich diese alberne Mütze besser gleich ganz tief ins Gesicht zog, damit er so gut wie nichts mehr von ihr sah?

Nach viel zu langem Hin und Her entschied sie sich für die zweite Variante und rupfte sich die Mütze runter bis zu den Augenbrauen. Nicht, dass der Typ sich sonst noch Gott weiß was einbildete!

Sie war gerade fertig damit, als er seinen federnden Gang nur wenige Meter von ihr entfernt stoppte. Isabell verstaute gerade ihre zitternden Finger in den Taschen und fragte sich, was das nun wieder zu bedeuten hatte, da hörte sie ein Motorengeräusch, das sich rasch näherte. Keine drei Sekunden später kam ein feuerrotes VW EOS-Cabriolet mit quietschenden Reifen neben ihr zum Stehen.

Und aus dem dramatisch vollgebremsten Wagen sprang Sophie Caprice hervor wie vom Sitz geschleudert. Isabell erkannte ihre Kollegin sofort. Die kupferfarbene Lockenmähne war unverwechselbar. Noch dazu sah sie in Natura viel besser aus als auf allen Fotos, die sie vor Antritt ihres Jobs gegoogelt hatte.

»Hi.« Sophie berührte sie kurz am Arm und stürmte sodann auf den Mann zu, um ihm wie einem lieben Bekannten um den Hals zu fallen, den sie lange nicht gesehen hatte. Oder besser wie einem sehnlichst vermissten Liebhaber, wenn man in Betracht zog, wie ihre Hände an seinem Körper hinabglitten.

»John«, rief sie wie eine Beschwörung.

Aha, dachte Isabell, John … Sie schob den Namen auf ihrer Zunge herum, ohne zu wissen, wohin damit.

Als er diesen Begeisterungssturm nur mit einem sybillinischen Lächeln erwiderte, löste Sophie ihre Finger zögerlich von seinem Hintern und deutete auf ihre Schuhe. Schwarze Slingpumps. Mindestens fünfzehn Zentimeter Absatz. Stiletto natürlich. Sophies Vorlieben hatte Isabell selbstverständlich auch recherchiert. Logisch, dass sie einen viel zu kurzen Rock dazu trug.

Fassungslos fragte sie sich, wie frau sich das freiwillig antun konnte. Noch dazu bei schattigen sechs Grad und auf unebenem Industriegelände.

»Neu?«, fragte der Mann mit Blick auf die Schuhe sowie einer ironisch gehobenen Braue, während Sophie ihm jetzt eine Hand auf das Shirt legte, wie um sich abzustützen.

Isabell lauschte dem sonoren Klang seiner Stimme nach. Nur ein Wort hatte er gesagt, dieser John, und schon bekam sie eine Gänsehaut. Neu. Was war an dem Wort »neu« schon toll?

»Ich konnte einfach nicht dran vorbeigehen«, sagte Sophie. »Sorry.« Dabei hob sie die Schultern, als wäre dies eine angemessene Entschuldigung für ihr Zuspätkommen.

Offenbar konnte sie damit bei John nicht landen. Lachend aber unerbittlich strich er ihre Hand von seiner Brust.

»Zu spät, Madame«, sagte er und schob sich an Sophie vorbei, um seinen Weg fortzusetzen. »Ich müsste schon längst beim nächsten Shooting sein.«

»Und das ist wichtiger als das hier, oder was?«, maulte die Stehengelassene.

Kurz drehte er sich noch einmal um und tätschelte ihr den Kopf. »Dringender«, sagte er und ging mit einem versonnenen Lächeln weiter.

Es war nicht so, dass es verblasste, als er Isabell passierte, ohne sie aus den Augen zu lassen. Eher meinte sie zu sehen, wie sich ein erstaunter Zug in seinen letzten langen Blick mischte, bevor er verschwand.

Nach Sophies dominantem Auftritt hatte Isabell ihn ganz bewusst erwidert, um ungerührt zu wirken. Das bezahlte sie nun mit einem Gang zum Tor, der sich anfühlte, als hätte sie Wackelpeter in den Beinen. Da Sophie jedoch wütend voranschritt, bekam sie zum Glück nichts davon mit. Die war noch immer aufgebracht wie ein französischer Rohrspatz, als sie den Eingang zur Werft erreichten.

»Merde«, schimpfte sie lautstark, »John Feyn ist unser Hausfotograf! Und was macht der Mistkerl? Einfach abhauen. Dabei muss er seinen Job erledigen wie wir anderen auch.«

»Brauchen wir denn zwingend Fotos?«, fragte Isabell beflissen, auch wenn sie fand, dass Sophie nun wirklich keinen Grund hatte, sich dermaßen aufzuregen. Schließlich war sie diejenige gewesen, die den Termin hatte platzen lassen. Wegen eines läppischen Paars neuer Schuhe! Ihr Bauch sagte ihr allerdings, dass es sinnlos sein würde, die Kollegin darauf hinzuweisen. Damit konnte sie es sich nur verderben, und das war etwas, das Isabell am allerwenigsten wollte. Schon gar nicht gleich zu Anfang.

Sophie bedachte sie mit einem Blick, als wäre sie geisteskrank.

»Natürlich! Ohne Fotos ist der Artikel wertlos. Das ist doch das, worauf sie alle abfahren. Der Mensch ist ein Augentier.«

»Ja schon«, pflichtete Isabell ihr bei, um nicht ganz dumm dazustehen. »Er hat ja auch ein paar Außenaufnahmen gemacht. Vielleicht taugen sie ja was. Aber worum geht es bei der Story denn überhaupt?«

Sophie schnaubte, als wären alle Fotos ohne ihr Beisein per se unbrauchbar.

»Um die neue Yacht eines superreichen Amerikaners«, sagte sie in einem Ton, als müsste Isabell das eigentlich wissen.

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