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By Your Side

Für Julie Young – dafür, dass du zahllose Szenen und mehrere Fassungen dieses Buchs gelesen hast;
für deinen Enthusiasmus, deine Vorschläge und dein Adlerauge; für all die Jahre der Freundschaft und dafür, dass du die allerbeste Mitbewohnerin bist.

Für Nicole Pinto – dafür, dass du so viele Entwürfe und Szenen gelesen hast, für deinen Rat und deine Vorschläge und dafür, dass du meine Testleserin und meine beste Freundin bist. Auch wenn wir Grimm nicht mehr haben, so bleiben uns zumindest Kiefer und Milo!

PROLOG

 

Die letzten Stunden hatte ich nichts als Schmerz gespürt. Vier kleine Gipfel, hatten sie gesagt, als wäre das ein Kinderspiel.

Lügen, alles Lügen.

Am liebsten hätte ich mich auf den Boden fallen lassen und mich geweigert, weiterzugehen. Aber es gab jede Menge Gründe, warum das keine Option war. Einer von ihnen war ein großer, sexy Schotte, der mir von Anfang an das Leben zur Hölle gemacht hatte.

Er ging ein Stück vor mir und sah alle paar Minuten zu mir zurück, um sich zu vergewissern, dass ich noch da war. Es war zwar beschämend, aber es bereitete mir eine gewisse Genugtuung, zu wissen, dass seine langen Beine von der Anstrengung, langsam zu gehen, genauso schmerzten wie meine von dem Versuch, mit der Gruppe mitzuhalten.

Meine Oberschenkel- und Wadenmuskeln protestierten lauthals bei den Steigungen und meine Knie jaulten, wenn es bergab ging. Meine Augen brannten vom Wind und meine Schultern schmerzten vom Gewicht meines Rucksacks.

Und dabei war es noch nicht mal Mittag.

Was um alles in der Welt hatte ich mir nur dabei gedacht?

KAPITEL EINS

AMELIA

Zwei Tage zuvor

»Willkommen auf der Isle of Skye!«

Der begeisterte Ausruf riss mich aus der merkwürdigen Benommenheit, in die ich nach der langen Anreise verfallen war. Nach dem nächtlichen Transatlantikflug von New York nach Glasgow ging es zunächst in einer vierstündigen Fahrt nach Fort William in den West Highlands, und von dort dauerte es noch mal drei Stunden, bis wir Skye erreichten. Die Fahrt wurde nur von ein paar kurzen Zwischenstopps unterbrochen, bei denen wir uns die Beine vertreten und Fotos von der zunehmend spektakulärer werdenden Landschaft machen konnten. Tiefer und tiefer waren wir in die Highlands vorgestoßen und hatten schließlich die Brücke nach Skye überquert.

Hier würde ich die nächste Woche mehr als achtzig Meilen laufen und – angefangen im Norden von Skye – die gesamte Ostseite der Insel entlangwandern.

Bei unserem kurzen Zwischenstopp in Fort William hatte ich von den anderen Leuten in meiner Trekkinggruppe nur einen oberflächlichen Eindruck gewinnen können, bevor uns die Typen von Scotland By Foot, dem Trekkingveranstalter, mit dem ich wandern würde, aufgesammelt hatten. Mit von der Partie waren ein Pärchen aus Florida und zwei Frauen aus London, die ungefähr so alt waren wie meine Eltern, und zwei dreißigjährige bärtige Brüder, die irgendwo aus New England kamen. Sie hatten alle super fit und super motiviert gewirkt, und sie waren, wenn man ihre offenbar viel benutzte Ausrüstung entsprechend interpretierte, auch super erfahren.

Im Gegensatz zu mir.

Und sie waren alle zu zweit. Paare, Freundinnen, Brüder – und ich. Eine Alleinreisende, die auf der vorderen Sitzbank des Vans neben den beiden männlichen Tourguides hockte. Als wäre es nicht schon schlimm genug, als völlige Anfängerin einen einwöchigen Trek auf der Isle of Skye zu machen, würde ich auch noch die einzige Alleinreisende in einer Gruppe von lauter Paaren sein.

Um mich von diesen deprimierenden Gedanken abzulenken, richtete ich meine Aufmerksamkeit auf die gezackten Berge in der Ferne, die sich als blaugrauer Dunst gegen den strahlend blauen Himmel abhoben.

Ich setzte mich kerzengerade hin. Moment mal, waren diese Berge etwa Teil des Skye Trails? Oh Carrie, was hast du dir bloß dabei gedacht? Und was hatte ich mir dabei gedacht, als ich beschloss, mich auf das hier einzulassen?

Es fühlte sich so falsch an, diesen Trip ohne sie zu starten. Im Gegensatz zu mir liebte Carrie nämlich alles, was irgendwie mit Wandern zu tun hatte. Wir machten normalerweise alles zusammen, nur eben das nicht. Ich stammte aus dem völlig flachen Long Island, New York – also wie zum Teufel sollte ich diese bergige Wanderroute bewältigen?

Aber irgendwie würde ich es schaffen. Ich musste es schaffen. Für Carrie.

»Wie lange noch?«, fragte eine der Frauen von hinten.

»Ungefähr eine halbe Stunde«, antwortete Tommy MacDonald, der Guide, der neben mir auf der Sitzbank saß und uns vorhin auf Skye willkommen geheißen hatte.

»Wenn wir nicht von allzu vielen Touristen ausgebremst werden«, murmelte Rory Sutherland, der zweite Tourguide und Fahrer des Vans. Während Tommy der »freundliche Guide« war, was er in Fort William hinlänglich bewiesen hatte, indem er uns mit einem strahlenden Lächeln in Empfang genommen hatte, schien Rory die Rolle des »mürrischen Guides« zu spielen. Während der dreistündigen Fahrt hatte er kaum ein Wort gesagt, außer wenn er auf die Fahrer vor uns fluchte.

Hoffentlich war seine schlechte Laune nur dem langsamen Vorwärtskommen auf den schmalen, zweispurigen Straßen geschuldet – was ich sehr gut nachfühlen konnte, da auf Long Island auch ständig Hauptverkehrszeit und überall Baustellen waren – und kein Vorgeschmack darauf, wie er sich auf unserer Wandertour verhalten würde.

Sonst würde es eine sehr lange Woche werden.

Die Landschaft war einfach atemberaubend. Auf der einen Straßenseite erstreckten sich gezackte Berge, so weit das Auge reichte, auf der anderen Seite lag das Meer, das im Nachmittagslicht saphirblau schimmerte. Und überall um uns herum waren hügelige grüne Felder, auf denen flauschige weiße Schafe und Lämmer munter herumsprangen. Skye war abgelegen, überwältigend und auch irgendwie einschüchternd.

Aber warum musstest du unbedingt hier wandern, Carrie?

Ich ließ das Fenster herunter, um ein paar Fotos zu schießen. Dann schaute ich sie mir an, um sicherzugehen, dass sie gut geworden waren.

Rory murmelte etwas so leise vor sich hin, dass ich ihn nicht verstehen konnte.

»Entschuldige, hast du mit mir gesprochen?« Bis auf ein genuscheltes Hallo, als Tommy ihn in Fort William vorgestellt hatte, hatte er noch kein Wort mit mir gewechselt.

»Ich sagte: ›Jetzt fummelt sie schon wieder an ihrem Handy rum.‹«

Entgeistert starrte ich ihn an. »Hast du irgendein Problem mit mir?« Ich wusste, dass ich zickig klang, aber das überhebliche Verhalten dieses Typen hatte mir nach der ewig langen Anreise gerade noch gefehlt.

Er schaute kurz zu mir herüber, dann wieder auf die Straße. Seine Gesichtszüge waren fast vollständig von einer dunklen Sonnenbrille und einer Basecap verborgen. »Ich versteh einfach nicht, warum manche Leute Tausende von Meilen reisen, um sich eine neue Gegend anzusehen, und dann die ganze Zeit am Handy hängen. Seit du in diesen Van gestiegen bist, hast du deins nicht länger als fünf Minuten weggelegt. Vielleicht solltest du dich mal eine Weile von Instagram, Twitter und Facebook loseisen und Skye nur für dich erleben – und nicht für deine vielen Freunde und Follower.«

Ich öffnete den Mund, um ihm zu sagen, er könne mich mal, aber Tommy kam mir zuvor. »Nicht schon wieder«, ächzte er und warf mir einen entschuldigenden Blick zu. »Es ist immer dasselbe mit ihm. Rory hasst alles, was mit Technik zu tun hat. Wenn er könnte, würde er wahrscheinlich sein Handy wegwerfen und ganz allein in der freien Natur leben. Am besten beachtest du ihn gar nicht.«

Tommys diplomatische Antwort würgte meine wütende Erwiderung weitgehend ab. Aber ich konnte Rory seine überhebliche Bemerkung auch nicht einfach durchgehen lassen. »Du weißt nichts über mich, Rory«, fauchte ich ihn an. »Ü-ber-haupt nichts. Wie wär’s also, wenn du dir vorschnelle Urteile verkneifst, und ich dir die gleiche Höflichkeit erweise, indem ich dich nicht als Volltrottel beschimpfe.«

»Autsch!«, murmelte Tommy.

»Ich hätte das nicht sagen sollen«, räumte Rory nach einer Weile ein und sah wieder zu mir herüber.

Ich konnte nicht einschätzen, ob er es ernst meinte, aber zumindest kam es einer Entschuldigung ziemlich nahe. Also nickte ich kurz und richtete meine Aufmerksamkeit dann wieder auf die Dinge auf der anderen Seite der Scheibe.

Ich hatte wohl doch recht gehabt. Es würde eine lange Woche werden.

Mein Zimmer in dem Bed & Breakfast in Portree war entzückend, mit einem breiten Bett, dessen weiße Daunendecke mich an eine Wolke erinnerte.

Ich schrieb noch schnell eine E-Mail an meine Eltern und schwärmte ihnen von der schönen Landschaft vor, bevor ich der Verlockung der weißen Daunendecke nachgab und mich eine Stunde aufs Ohr legte. Das und eine lange, heiße Dusche trugen eine Menge dazu bei, dass ich mich wieder wie ein Mensch fühlte, ebenso wie die beruhigende Routine, beim Fönen mit den Fingern durch meine langen Haare zu fahren. Ich hielt nicht viel von Make-up, aber mit ein wenig Concealer auf meinen Augenringen und einem Hauch Eyeliner wirkte ich nicht mehr ganz so zombiemäßig.

Nachdem ich Jeans und ein schwarzes Top mit V-Ausschnitt angezogen hatte, musterte ich mich prüfend im Spiegel. Ich sah immer noch blass und müde aus, aber irgendwie auch gar nicht so übel. Außerdem sollte das Abendessen in einem Pub keine allzu große Herausforderung darstellen.

Im Gegensatz zu der über achtzig Meilen langen Trekkingtour über die Isle of Skye. Die einwöchige Wanderung und die Tatsache, dass wir auf dieser Strecke fast jede Nacht im Freien campen würden, würde mir vermutlich den Rest geben.

KAPITEL ZWEI

AMELIA

Das »Begrüßungsessen« fand in einem Pub statt, der nur einen kurzen Fußmarsch vom B & B entfernt war. In der Mitte des Pubs war ein langer Tisch für uns gedeckt, und ich setzte mich neben Lucy, wie sich die Frau aus Florida vorstellte.

»Wie fühlst du dich, Liebes? Du siehst schon viel erholter aus als vorhin.«

Ich lächelte. »Die Wirkung von einer heißen Dusche und etwas Make-up ist nicht zu unterschätzen.«

»Oh, auf keinen Fall.«

Langsam füllte sich der Tisch auch mit dem Rest unserer Gruppe. Hinzu kamen noch zwei Frauen, die nicht mit uns im Van gefahren waren, sowie Tommy, Rory und eine weitere Frau. Alle drei trugen Poloshirts mit dem Logo von »Scotland By Foot«, einer Figur mit einem Trekkingstock.

Rory hatte sich seiner Cap und seiner Sonnenbrille entledigt, sodass ich ihn endlich richtig sehen konnte. Die Beleuchtung im Pub war zwar eher dürftig, aber durch die Vorhänge drang genug Sonnenlicht, um zu erkennen, dass seine welligen Haare eine hübsche dunkelrote Farbe besaßen und dass er helle Augen hatte – von meinem Platz aus konnte ich die Farbe allerdings nicht genau erkennen. Außerdem war er jünger, als ich gedacht hatte, wahrscheinlich nicht viel älter als ich.

Anders als Tommy, dessen permanenter Gesichtsausdruck offenbar ein freundliches Grinsen war, hatte ich Rory noch kein einziges Mal lächeln sehen, nicht mal ein kleines bisschen. Trotz seines Verhaltens war er echt heiß, und ich konnte nicht anders, als mir vorzustellen, wie er wohl aussah, wenn er tatsächlich mal lächelte.

Nachdem wir alle bestellt hatten, stand die Frau von Scotland By Foot, kurz SBF, auf. Sie war um die dreißig, schlank, hübsch und hatte einen blonden Pferdeschwanz.

»Hallo, alle zusammen. Ich bin Scarlet. Ich hatte mit allen ja schon per E-Mail Kontakt, aber ich freue mich sehr, euch jetzt auch persönlich auf Skye begrüßen zu dürfen. Wie ihr sicher schon bemerkt habt, besitzt diese Insel eine ausgesprochen vielfältige Landschaft. Von Bergen über tiefe Schluchten bis hin zu Lochs und dem Meer haben wir hier alles«, sagte Scarlet und sah in die Runde. »Aber ich muss euch warnen, das wird keine einfache Woche werden. Trotzdem kann ich euch versprechen, dass es eine unglaubliche Erfahrung sein wird, diese Landschaft zu Fuß zu erleben. Rory Sutherland und Tommy MacDonald sind eure Guides. Beide sind geprüfte Bergführer, geschult in Erster Hilfe, und sie verfügen über umfangreiche Erfahrung als Wanderführer in ganz Schottland. Ihr seid also in guten Händen.«

In dem Moment kam die Kellnerin mit unseren Getränken. Scarlet wartete ab, bis alle versorgt waren, dann hob sie ihr Glas zu einem Toast. »Auf den Beginn eurer Wanderung. Slàinte mhath!«

Danach stellten wir uns reihum vor. Die Neuzugänge waren zwei Schwestern Mitte zwanzig aus Edinburgh, die an diesem Morgen mit dem Auto angereist waren. Ich war froh, dass die beiden in meinem Alter waren, obwohl es mir einen Stich versetzte, sie zu beobachten. Ihre ständigen Berührungen – eine Hand auf dem Arm der anderen, wenn sie sich etwas erzählten; ein spielerischer Schubs mit der Schulter, wenn die eine die andere aufzog – erinnerten mich so sehr an die Art, wie Carrie und ich miteinander umgingen, dass ich sie noch mehr vermisste als sonst.

Alle erzählten von den vielen Wandertouren, die sie schon unternommen hatten. Um nicht aufzufallen, murmelte ich etwas über die Tagestouren, die ich mit Carrie bei uns zu Hause gemacht hatte – als ich ungefähr fünfzehn war, was ich natürlich nicht dazusagte –, aber ich konnte die Wahrheit nicht länger leugnen.

Das hier war eindeutig eine Nummer zu groß für mich.

Die Gruppe schien nett zu sein, und das Essen war lustig. Aber schon nach kurzer Zeit spürte ich, wie mein Körper schlappmachte.

»Man merkt, dass ihr alle müde seid, deswegen machen wir für heute Schluss«, sagte Scarlet. »Morgen früh treffen wir uns um 8 Uhr 45 vor dem Laden gegenüber von eurem B & B, damit ihr euch für morgen und übermorgen etwas zu essen besorgen könnt. Außerdem solltet ihr mindestens zwei bis drei Liter Wasser dabeihaben und auch ein paar Tüten für euren Müll.«

Wir bezahlten unsere Rechnung und traten dann aus dem Pub hinaus in den frühen Abend. Es war Mai, und obwohl es schon nach neun war, schien die Sonne immer noch. Die Straße, die wir entlangschlenderten, befand sich oben auf einem Hügel, von dem aus man einen guten Blick auf die farbenfrohen Gebäude unten am Hafen hatte.

»Ich werde noch ein bisschen am Wasser spazieren gehen«, sagte ich zu Pat, der Frau aus London, die mit ihrer Freundin Linda unterwegs war, während ihre Männer in St. Andrews Golf spielten. »Wir sehen uns dann morgen früh.«

»Und du findest auch bestimmt zum B & B zurück?«

Sie klang wie eine britische Ausgabe meiner Mutter, was mir ein Lächeln entlockte. »Ja. Kein Problem.«

»Na, dann. Gute Nacht.«

»Nacht.«

Ich machte noch ein paar Schnappschüsse vom Hafenviertel, bevor ich der abschüssigen Straße folgte und mich gegen das Geländer lehnte. Kleinere Boote und Dingis waren daran vertäut, und mehrere Segelboote lagen ruhig vor Anker.

Ich warf einen Blick auf die Uhr. Zu Hause war es kurz nach drei nachmittags. Entschlossen wählte ich die Nummer.

»Amelia? Wo bist du?«

»Hey, Helen«, begrüßte ich Carries Mutter. »Ich bin auf Skye. Wir haben gerade zu Abend gegessen, und morgen brechen wir zu unserer Trekkingtour auf. Wie geht es ihr?«

»Unverändert.«

Ich unterdrückte ein Seufzen.

»Aber das heißt auch, dass es ihr nicht schlechter geht«, fügte sie mit gespielter Heiterkeit hinzu.

Seit drei Wochen hieß es jeden Tag dasselbe – Zustand unverändert. Und jeden Tag machte mich diese krampfhafte Fröhlichkeit in Helens Stimme ein bisschen mehr fertig. Sie hatte zwar recht – unverändert bedeutete, dass es Carrie nicht schlechter ging. Aber würde sie jemals wieder gesund werden?

»Wir müssen einfach weiter positiv denken«, sagte ich, wohl wissend, dass ich meinen eigenen Rat beherzigen sollte. »Kann ich ihr kurz Hallo sagen?«

Ich lieferte Carrie eine schnelle Zusammenfassung der atemberaubenden Landschaft auf der Fahrt nach Skye und beschrieb die Gruppe, wobei ich mir Mühe gab, so fröhlich wie möglich zu klingen.

Nachdem ich mich von Carrie verabschiedet hatte, blickte ich auf den Hafen und wünschte, die heitere Ruhe der Szene vor mir würde in meine Seele einsickern und etwas von dem Schmerz lindern, der dort schon so lange wütete.

Unter mir schlenderten Molly und Megan, die zwei Schwestern aus Edinburgh, eingehakt am Ufer entlang und lachten über irgendetwas. Eine war blond, die andere dunkelhaarig, genau wie Carrie und ich. Und wie sie so im Gleichschritt nebeneinander herliefen, wie ihre langen Pferdeschwänze bei jeder Bewegung hin- und herschwangen … Ihre Art zu lachen, so hemmungslos, dass sie sich aneinander festhalten mussten, um nicht hinzufallen … Das hätten Carrie und ich sein können.

Tränen stiegen mir in die Augen, und eine Welle von Schmerz schlug so heftig über mir zusammen, dass ich mich an das Geländer klammern musste. Würden Carrie und ich jemals wieder so zusammen lachen? Ja, das würden wir. Ich musste daran glauben. Alles andere war inakzeptabel.

»Du solltest ins Bett gehen. Wir haben morgen einen langen Tag vor uns.«

Ich wischte mir über die Augen, und als ich mich herumdrehte, entdeckte ich Rory nicht weit von mir entfernt. Etwas an seinem Ton brachte mich auf die Palme.

»Scarlet hat nicht erwähnt, dass wir zu einer bestimmten Zeit im Bett sein müssen.«

Sichtlich verwundert über meinen Sarkasmus, runzelte er die Stirn. »Nein, müsst ihr auch nicht. Wir legen morgen zwar nur acht Meilen zurück, aber ich möchte nicht, dass du die Gruppe aufhältst, weil du müde bist und unter Jetlag leidest.«

Mein ganzer Körper spannte sich an. »Erst bin ich ein Social-Media-Junkie, jetzt halte ich die Gruppe auf. Klingt ja nach einem echten Traumstart. Danke für deine Besorgnis«, fauchte ich ihn an. »Ich wollte sowieso gerade gehen.«

Er blickte einen Moment zu Boden. »Amelia …«

Ich hob eine Hand, um ihn zu unterbrechen. »Du hast recht. Ich bin müde, und morgen wird ein langer Tag. Aber deswegen musst du dich nicht wie ein Idiot aufführen. Wieder mal.«

Ich stapfte den Hügel hinauf. Meine ruhige Gelassenheit von vorhin war vollständig verpufft. Warum verhielt er sich mir gegenüber wie ein Arsch?

Egal. Ich war nicht darauf angewiesen, dass er mich mochte. Er sollte einfach nur seinen Job machen und sich um die Trekkingtour kümmern.

Nur acht Meilen, hatte er gesagt. In den letzten zwei Wochen hatte ich mich zu Hause zu ein paar Zehnmeilen-Märschen aufgerafft, um mich vorzubereiten. Doch als ich jetzt einen Blick auf die Hügel warf, die sich um Portree herum erhoben, und an die Gipfel dachte, die auf dem Weg hierher in der Ferne aufgeragt hatten, hatte ich plötzlich das untrügliche Gefühl, dass die flachen, gepflasterten Wege auf Long Island mir hier nicht weiterhelfen würden.

Ich hatte also ganz andere Sorgen als diesen Rory, der mich offensichtlich nicht ausstehen konnte.

KAPITEL DREI

RORY

Das hast du ja super hingekriegt, du Idiot! Ich sah Amelia hinterher, wie sie den Hügel hinaufstolzierte und der dichte Vorhang ihrer glänzenden braunen Haare dabei locker über ihren Rücken schwang. Mir war trotzdem nicht ganz klar, warum mein gut gemeinter Ratschlag sie so sehr aufgeregt hatte. Na ja, hat es vielleicht etwas damit zu tun, dass du ihr unterstellt hast, die Gruppe aufzuhalten – und das, noch bevor die Wanderung überhaupt begonnen hat?

Das hätte ich nicht sagen sollen.

Ich war schon den ganzen Tag ziemlich geladen gewesen. Das war auch der Grund, warum ich runter zum Wasser gegangen bin. In der Hoffnung, den Kopf freizubekommen und mich mental auf die kommende Woche vorzubereiten, aber es hatte nicht funktioniert. Und dann hatte ich sie gesehen, wie sie über den stillen Hafen hinwegblickte und aussah, als würde sie den inneren Frieden verspüren, nach dem ich vergeblich suchte – lediglich ihre Hände umklammerten das Geländer so fest, als würde sie sich nur mühsam aufrecht halten. Als hätte sie schreckliche Angst vor dem, was vor ihr lag.

Und das hatte bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht. Wenn sie Angst hatte, war sie wahrscheinlich ziemlich unerfahren. Was bei einer einfachen Wanderung nicht viel ausmachte, auf Skye aber schon. Unerfahrenheit brachte zwangsläufig Fehler mit sich. Und das würde andere Menschen in Gefahr bringen oder zu Verletzungen führen – oder gar zu Schlimmerem. Dazu musste man sich bloß die Berichte der Bergrettung ansehen.

Vielleicht war meine Reaktion übertrieben. Tommy, mit all seinen Psychologiekenntnissen, würde wahrscheinlich sagen, dass ich meine eigenen Ängste auf Amelia projizierte. Und vielleicht lag er damit sogar richtig.

Nach einer Weile trottete ich zurück zu meinem B & B und betrat das Zimmer, das ich mir mit Tommy teilte. Er sah von seinem Handy auf, aber bei meinem Anblick verblasste sein Lächeln. »Was ist los?«

Ich seufzte. Tommy kannte mich einfach zu gut. »Ich bin gerade wieder mit Amelia aneinandergeraten.«

Seine Augenbrauen schossen nach oben. »Amelia aus der Gruppe?«

Ich zog mir mein Fleece über den Kopf und starrte ihn an. »Kennst du noch eine andere Amelia, der ich ausgerechnet heute Abend zufällig in Portree über den Weg hätte laufen können?«

Er verdrehte die Augen. »Nein. Ich versuche nur herauszufinden, warum du schon wieder Streit mit einem Mädchen aus der Gruppe angefangen hast. Einem Mädchen, das du übrigens kaum kennst.«

»Wie kommst du darauf, dass ich angefangen habe?« Himmel, ich klang wie ein Zwölfjähriger.

»Weil sie ein nettes Mädchen zu sein scheint, weil du bereits im Van einen Streit mit ihr provoziert hast, und weil ich dich schon eine Weile kenne. Wenn wir den Skye Trail machen, bist du immer unausstehlich.«

»Das stimmt doch gar …«

»Doch, tut es. Du könntest auch Nein sagen und Scarlet darum bitten, dass jemand anders diese Tour übernimmt. Aber das tust du nicht.«

Stöhnend ließ ich mich auf die Bettkante sinken und fuhr mir mit beiden Händen übers Gesicht, bevor ich seinen forschenden Blick erwiderte.

»Nein. Ich muss das machen. Das weißt du.«

Er nickte. »Aye, ich weiß. Ich wünschte bloß, du würdest aufhören, dich selbst so zu quälen.«

Der Skye Trail war eine Herausforderung, aber das meinten wir damit nicht. Ich hatte schon viele andere Wanderungen geführt, manche davon wesentlich schwieriger als der gebirgige und unberechenbare Skye Trail, und ich hatte schon Dutzende von Munros »klargemacht« – der Spitzname für schottische Berge, die über dreitausend Fuß hoch sind.

Es gab andere Gründe, warum der Skye Trail für mich so schwierig war – und warum ich ihn wieder und wieder gehen würde. Ich musste es tun.

Nur so konnte ich meine Schuld wiedergutmachen.

KAPITEL VIER

AMELIA

Am nächsten Morgen, nach einer vierzigminütigen Fahrt von Portree aus, versammelte sich unsere Gruppe auf einem Parkplatz am nördlichen Ende von Skye. Wir hatten alle lange Hosen und dickere Jacken als Schutz vor der morgendlichen Kälte angezogen, während unsere Guides nur Cargoshorts und leichte Fleecepullover trugen. War das eine Macho-Nummer oder froren sie wirklich nicht?

»Guten Morgen zusammen, hier beginnt offiziell der Skye Trail«, sagte Scarlet. »Tommy, würdest du mit der Einweisung anfangen?«

»Klar. Rory und ich werden uns abwechseln, einer von uns geht an der Spitze der Gruppe, während sich der andere um die Nachzügler kümmert. Der Skye Trail ist nicht leicht. Manchmal gehen wir dicht am Rand einer Klippe entlang oder laufen bei starkem Wind auf einem ungeschützten Bergkamm. Stellenweise gibt es auch überhaupt keinen Weg, und auf manchen Streckenabschnitten kreuzen wir einen Bog oder Burn – für die Amis, die unsere schottischen Ausdrücke nicht kennen – das ist ein kleiner Fluss. Außerdem ist das Wetter oft unberechenbar. Wenn euch einer von uns beiden eine Anweisung gibt, erwarten wir, dass ihr sie befolgt, zu eurer eigenen Sicherheit und natürlich auch der der Gruppe. Entlang der Route gibt es keine Toiletten – größtenteils jedenfalls – verlasst also einfach kurz den Weg, wenn ihr ein dringendes Bedürfnis verspürt«, sagte Tommy und sah kurz in die Runde. »Wie ihr im Laufe der Woche sehen werdet, verläuft der Skye Trail gelegentlich in der Nähe eines Ortes oder eines Dorfes, aber eben nicht immer. Deswegen werden wir nur manchmal in einem B & B oder einer Herberge übernachten können. Die anderen Nächte werden wir im Zelt verbringen.«

Natürlich. Während die meisten Leute in unserem Alter am liebsten in der Nähe eines Strands Urlaub machten – oder irgendwo, wo man am Nachmittag mal eine kleine Wanderung unternehmen konnte –, hatte Carrie es sich in den Kopf gesetzt, die halbe Isle of Skye entlangzumarschieren. Nicht, weil es die einzige Möglichkeit war, sich hier gründlich umzusehen – laut Karte gab es mindestens eine Umgehungsstraße, die uns an nahezu dieselben Orte gebracht hätte –, sondern weil sie sich der Herausforderung stellen wollte. Und nun würde ich es tun. Weil sie es nicht konnte.

Nun ergriff Rory das Wort. »Unsere heutige Etappe dauert voraussichtlich sechs Stunden, aber denkt daran, das hier ist kein Wettrennen. Wir sind eine Gruppe. Und wir werden diese Wanderung als Gruppe durchziehen. Wenn ihr vorprescht, seid ihr auf euch allein gestellt, denn wir werden die anderen nicht zurücklassen, nur um nach euch zu suchen.«

Bei dem Gedanken an die imposante gezackte Bergkette, die sich gegen den Himmel abgezeichnet hatte, lief mir ein Schauer über den Rücken. Ich stellte mir vor, wie ich auf der Suche nach dem Weg herumirrte. Allein und verängstigt, während die Stunden vergingen, bis irgendwann die Sonne unterging und die Dunkelheit hereinbrach. Ein falscher Schritt konnte eine Verletzung oder gar den Tod bedeuten. Ich schloss die Augen. Ich kann das nicht. Es tut mir furchtbar leid, Carrie, aber ich kann es nicht.

Plötzlich legte sich eine Hand auf meine Schulter. »Wir werden dich nicht zurücklassen, Amelia.«

Überrascht öffnete ich die Augen. Rory stand direkt vor mir. Er hatte sich die Sonnenbrille auf den Kopf geschoben und sah mich mit festem Blick an. Seine Augen schimmerten in einem interessanten Graugrün.

»W-was?«

»Es ist mein und Tommys Job, dafür zu sorgen, dass die Gruppe zusammenbleibt. Wir werden niemanden zurücklassen, das verspreche ich dir.« Er drückte beruhigend meine Schulter. »Ist außerdem schlecht fürs Geschäft«, fügte er mit einem leisen Zucken um die Mundwinkel hinzu.

Sein Versuch, die Situation aufzulockern, war erfolgreich, und ich spürte, wie ich mich etwas entspannte. »Gut zu wissen.«

»Deswegen hält Scarlet die Gruppen auch so klein«, witzelte Tommy. »Dann müssen die Guides nicht so weit zählen.«

»Ja, sobald die Jungs nicht mehr die Finger benutzen können, wird’s kritisch«, sagte sie.

Darüber lachten alle. Ich brachte zumindest ein leises Kichern zustande.

»Okay?«, murmelte Rory.

»Ja, entschuldige. Ist schon wieder vorbei. Danke.«

Mit einem Nicken ging er zurück zu seinem Rucksack. Überrascht, aber auch erleichtert, starrte ich ihm hinterher. So viel Einfühlungsvermögen hatte ich nach gestern Abend nicht von ihm erwartet. Als er sich hinhockte, um seinen Rucksack zu öffnen, rutschten seine Cargoshorts hoch und enthüllten seine muskulösen Oberschenkel – nicht, dass es mir aufgefallen wäre.

»Mein Verbandskasten befindet sich ganz oben im Rucksack«, sagte er an die Gruppe gewandt. »Tommys ebenfalls. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass einer von uns oder wir beide außer Gefecht gesetzt werden, aber nur für alle Fälle.«

Nur für alle Fälle?

»Wir haben beide Rettungsdecken, extra Taschenlampen und zusätzliche Lebensmittel und Wasser dabei«, fuhr Rory fort. »Ihr werdet feststellen, dass die meisten Handys hier draußen keinen zuverlässigen Empfang haben, aber an unseren Rucksäcken befinden sich Transponder, die von Scarlet überwacht werden. Im Notfall können wir auch ein zusätzliches Signal aktivieren, das dann bei Scarlet aufleuchtet. Außerdem gibt es einen freiwilligen Bergrettungstrupp, den man über die Nummer der Polizei erreicht. Es könnte allerdings eine Weile dauern, bis sie hier draußen sind.«

Obwohl er das ganz gelassen sagte, zog sich mein Magen vor Angst und Nervosität zusammen.

Bleib ruhig. Die beiden sind Profis. Sie haben das schon tausendmal gemacht und wissen, was sie tun. Es ist nur eine Sicherheitsbelehrung – so wie im Flugzeug.

Ich wusste, dass ich keine Angst haben musste. Und trotzdem …

Rory machte den Reißverschluss zu und setzte sich den Rucksack auf. Er sah um einiges schwerer aus als meiner, aber das schien ihm nichts auszumachen.

»Okay, Leute«, sagte Scarlet, »Tommy und Rory werden euch unterwegs über das Gelände und über die Wetterbedingungen auf dem Laufenden halten und euch natürlich auch auf die Sehenswürdigkeiten hinweisen. Zögert nicht, ihnen Fragen zu stellen. Fordert sie ein bisschen heraus«, fügte sie mit einem Grinsen hinzu. »Und wenn ihr irgendwelche Probleme habt, sagt ihnen bitte sofort Bescheid, damit sie euch helfen können.«

»Besonders wenn es um Blasen geht«, ergänzte Tommy. »Die sind auf dieser Tour eure schlimmsten Feinde. Aber wenn ihr sie früh genug merkt, können wir hoffentlich dafür sorgen, dass sie nicht schlimmer werden.«

»Heute soll es sonnig und mild werden«, fuhr Scarlet fort, »aber wie wir bereits sagten, Skye ist bekannt für seine überraschenden Wetterwechsel. Cremt euch also immer ein, damit ihr keinen Sonnenbrand bekommt. Das war’s auch schon, ich wünsche euch eine schöne Zeit und wir sehen uns dann später!«

Ich machte noch schnell ein paar Schnappschüsse von der Gruppe, als wir uns hinter Tommy aufreihten. Und dann ging’s auch schon los.

Am Anfang war der Weg noch nicht besonders anstrengend, und nach kurzer Zeit tauchte vor uns eine Ruine auf, die sich auf einer weit ins Meer hinausragenden Klippe befand.

»Das ist Duntulm Castle«, erklärte Rory. »Früher war das eine Festung der MacDonalds – allerdings nicht von Tommys Zweig des Clans – und angeblich soll es dort spuken.«

Besonders viel war von dem Gebäude nicht mehr übrig. Ein kräftiger Windstoß würde vermutlich ausreichen, um den Rest des Gemäuers mühelos über die Kante zu pusten. Was für Menschen hatten wohl an diesem unwirtlichen Ort gelebt, den Launen des Windes und der See ausgeliefert?

Schweigend gingen wir weiter, bis wir wenig später zu einem alten Holzzaun mit einer seltsamen Torkonstruktion kamen – es sah irgendwie aus wie ein Drehkreuz. Tommy erreichte es als Erster.

»Das hier nennt man ein Kussgatter«, sagte er. »Ihr werdet gleich sehen, warum.« Er nahm seinen Rucksack ab, entriegelte das Tor und öffnete es so weit, wie es ging – der Abstand war gerade ausreichend, um einzutreten und sich seitlich daran vorbeizuschlängeln. Bevor er weitergehen konnte, musste er sich uns zuwenden, um das Tor wieder zu schließen. »Es ist eine alte Sitte, dass derjenige, der durch das Gatter geht, die nachfolgende Person küsst, wenn sie sich einander zuwenden. Na, wer ist der Nächste?«, fragte er mit einem anzüglichen Grinsen.

»Das bin dann wohl ich«, sagte Gordon, der unter dem Gelächter der anderen herbeischlenderte.

Tommy gab Gordon einen lauten Schmatz auf die Wange. »Sorry, Lucy«, sagte er augenzwinkernd.

»Oh, das geht schon in Ordnung. Du kannst ihn haben«, rief sie, erwiderte jedoch freudig einen echten Kuss von ihrem Mann, als sie ihm durch das Gatter folgte.

Allen schien diese alte »Sitte« zu gefallen, und so küssten sie fleißig Wangen oder Lippen, während sie das Tor passierten. Mike aus Maine gab mir bei dieser Gelegenheit einen freundschaftlichen Schmatz auf die Wange. Doch als ich mich umdrehte, stand nur noch Rory hinter mir. Wir starrten uns einen peinlichen Moment lang an, bevor er sich plötzlich hinkniete, um seinen Schnürsenkel zuzubinden. Dann eben nicht! Ich ließ das Gatter zufallen und folgte den anderen, die bereits weitergelaufen waren.

»Das war eindeutig ein Ausweichmanöver«, sagte Megan.

Als ich die Enttäuschung in ihrem Gesicht sah, musste ich lachen. »Kein Problem. Ich steh sowieso nicht auf ihn.«

Molly schnaubte. »Süße, auf den stehen alle

»Oooh, ja«, seufzte Pat, was lautes Gelächter zur Folge hatte, das sogar noch anschwoll, als Rory zu uns aufschloss und uns einen fragenden Blick zuwarf.

Vielleicht würde es doch nicht so übel werden, wie ich befürchtet hatte. Die Gruppe schien nett zu sein, und bis jetzt war die Strecke noch nicht besonders schwierig. Trotzdem begann ich langsam unter meinen Kleidungsschichten zu schwitzen. Rory und Tommy hatten sich bei der Auswahl ihrer leichten Klamotten offenbar doch etwas gedacht. Wir stiegen einen Hügel hinauf und bogen dann auf einen schmalen Pfad ab, der zu einer Bergkuppe führte. Der Wind blies hier viel stärker, aber für meine erhitzte Haut war das die reinste Wohltat.

»Okay, Leute«, rief Rory und ließ seinen Rucksack auf den Boden fallen. »Sicher sind einige von euch ganz schön ins Schwitzen gekommen, deswegen nehmen wir uns kurz fünf Minuten, damit ihr ein paar Sachen ausziehen könnt. Morgens ist es hier meist noch ziemlich kühl, aber wenn man erst mal in Bewegung ist, wird einem schnell warm.«

Ohne zu zögern, zog er sich den Fleecepullover über den Kopf. Dabei rutschte der Saum des T-Shirts, das er darunter trug, nach oben und gewährte uns für einen kurzen Moment einen Blick auf seine straffen Bauchmuskeln. Ich schaute genau in dem Moment hoch, als sein Kopf aus dem Fleece auftauchte und die Sonne seine zerzausten Haare in poliertes Kupfer verwandelte.

Na gut, ich geb’s zu. Er war doch mein Typ.

Es juckte mir in den Fingern, diese Wahnsinnshaare zu berühren. Reiß dich zusammen! Es ist sowieso nur eine Frage der Zeit, bis er den Mund aufmacht und diesen Moment zerstört. Er fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare und band sich dann eine Mischung aus Bandanna und Stirnband darum, damit sie ihm von dem auffrischenden Wind nicht ins Gesicht geweht wurden.

Ich zwang mich, den Blick abzuwenden, und konzentrierte mich darauf, meine eigenen Klamotten abzulegen. Nachdem ich mich aus meinem Fleece geschält und es in den Rucksack gestopft hatte, sah ich mich um. Ein paar Meter entfernt stand eine kleine Hütte, ein Bothy. Tommy hatte uns auf der Fahrt nach Portree erzählt, dass es überall auf Skye solche Schutzhütten gab. Darin befanden sich neben einer langen, niedrigen Bank, auf die man einen Schlafsack legen konnte, auch einige Stühle. Nachdenklich betrachtete ich das Bothy vor mir. Durch die Fenster hatte man sicher einen atemberaubenden Blick übers Wasser. Es musste großartig sein, die Nacht hier zu verbringen – auch wenn es weder eine Toilette noch Elektrizität gab. Schnell machte ich einen Haufen Fotos für Carrie.

»Amelia!«

Als ich mich bei Rorys Ruf umdrehte, sah ich, dass der Rest der Gruppe bereits dabei war, den Klippenpfad auf der anderen Seite hinabzusteigen. Shit. Das Letzte, was ich jetzt brauchen konnte, war, dass er wieder auf mir rumhackte. Hastig stopfte ich das Handy in meine Tasche und beeilte mich, zu den anderen aufzuschließen.

Rory wartete auf mich. Er trug zwar wieder eine Sonnenbrille, aber ich war mir sicher, dass er mich durch die dunklen Gläser hindurch ungeduldig anstarrte.

»Entschuldige«, murmelte ich.

Wortlos bedeutete er mir, vor ihm zu gehen. Der Pfad schlängelte sich erschreckend dicht am Rand der Klippe entlang und fiel plötzlich in einem unmöglichen Winkel nach unten ab. Ich erstarrte, als mich ein Anfall von Höhenangst überkam.

»Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht«, rief Tommy von weiter vorne zu uns hoch. Ohne zu zögern, lief er einfach weiter. Ich konnte Carries Stimme in meinem Kopf hören. Komm schon, Amelia. Du kannst am ersten Tag nicht schon nach zwei Minuten das Handtuch schmeißen.

Nein, das war keine Option. Entschlossen griff ich nach meinen Trekkingstöcken und stieg vorsichtig die Felsenstufen hinunter. Tommy hatte recht gehabt, es war nicht mal annähernd so schlimm, wie es von oben ausgesehen hatte, und es dauerte nicht lange, bis wir auch die schwierigeren Stellen überwunden hatten und am Fuß der Klippe auf einem grasbewachsenen Weg wieder herauskamen. Ich war so erleichtert, dass ich es heil nach unten geschafft hatte, dass ich laut aufatmete. Aber als ich mich umdrehte, um mir den Abstieg noch einmal anzusehen, blieb mir beinahe die Luft weg. Die Klippen ragten in atemberaubender Höhe über uns auf. Das waren wir herabgestiegen?

Als ich mich wieder umdrehte, breitete Tommy gerade die Arme aus, um das Meerespanorama hinter sich zu präsentieren. »Willkommen in Rubha Hunish, dem nördlichsten Punkt von Skye. Wir werden ein paar Minuten die Landzunge erkunden, dann geht’s die Klippe auch schon wieder rauf und weiter die Küste entlang nach Süden.«

Moment mal, was? Wir waren den ganzen Weg hier runter gekommen, nur um uns ein paar Minuten umzusehen und dann wieder hochzukraxeln? Was sollte der Quatsch? Ich sah zu den anderen, doch meine Hoffnung, dass jemand mein Entsetzen teilte, wurde nicht erfüllt. Die anderen schienen das sportlich zu nehmen und folgten eifrig – wenn auch vorsichtig – dem Pfad, der an der Klippe entlangführte.

Okay, es war ein wirklich beeindruckender Ort; die Möwen schrien, während sie über unseren Köpfen kreisten, und größere weiße Vögel mit schwarzen Flügelspitzen tauchten dramatisch in das weit unter uns liegende Meer.

Weiter draußen sah es fast aus wie …

»Habe ich da etwa gerade einen Wal blasen sehen?«

»Könnte sein«, sagte Tommy. »Im Sommer gibt es hier Zwergwale, aber manchmal tauchen sie auch früher im Jahr auf. Zeig mal, wo.«

Ich deutete auf eine Stelle rechts von der Landzunge. Kurz darauf sah ich es noch einmal, gefolgt vom schnellen Aufblitzen eines schwarzen Rückens, als ein Wal die Wasseroberfläche durchbrach. Dem aufgeregten Murmeln der Gruppe nach zu urteilen, hatten die anderen ihn auch bemerkt. Ich wollte den Wal fotografieren, aber er war zu weit weg.

Megan versuchte es ebenfalls, aber sie hatte eine richtige Kamera und nicht nur ein Handy. »Kriegst du ihn drauf?«, fragte ich.

Sie machte ein paar Bilder und ließ dann die Kamera sinken. »Vielleicht? Ich habe ihn so weit rangezoomt, wie ich konnte, aber ich befürchte, dass er am Ende nur wie ein dunkler Klecks auf dem Wasser aussehen wird. Ich werde das checken, wenn ich mir die Fotos auf dem Computer ansehe.«

»Das ist mir die ersten beiden Male beim Whale Watching auch passiert«, sagte ich. »Ich hatte nie das richtige Timing und habe nur Fotos von aufspritzendem Wasser geschossen.«

Megan sah mich neugierig an. »Du hast also vorher schon mal Wale beobachtet?«

»Ja, vor Massachusetts. Meine beste Freundin und ich sind jeden Sommer dort.«

»Das klingt ja toll!«, rief sie. »Wollt ihr dieses Jahr auch wieder hin?«

»Ich weiß noch nicht«, sagte ich. »Wir fangen beide woanders einen neuen Job an, und ich glaube nicht, dass wir …« Ich brach abrupt ab. Was machte ich hier eigentlich? Ich plapperte über die neuen Jobs, die Carrie und ich im Spätsommer antreten sollten, als wäre alles in Ordnung. Dabei war absolut nichts in Ordnung. Verdammt. Wie hatte ich das auch nur für eine Sekunde vergessen können?

»Alles okay, Amelia?«

Ich rang mir ein Lächeln ab. »Alles bestens. Entschuldige. Ich, äh … hoffe, deine Fotos sind was geworden.«

Bevor Megan etwas erwidern konnte, wandte ich mich von der Felsenkante ab und lief den Pfad, der um die Landzunge führte, zurück.

Der Rückweg die Klippe hinauf war sogar noch steiler, als ich erwartet hatte. Alle paar Schritte musste ich stehen bleiben, um meine schmerzenden Beine auszuruhen und wieder zu Atem zu kommen. Ich hatte gedacht, ich wäre ganz gut in Form, aber dieser Aufstieg machte mich völlig fertig.

Dass alle anderen an mir vorbeimarschierten, war für mich eher eine Erleichterung. Es war schon schlimm genug, dass ich mit dem Aufstieg zu kämpfen hatte, aber noch schlimmer wäre es, alle anderen, denen es nicht so ging, aufzuhalten.

Kurz darauf stolperte ich und konnte mich gerade noch rechtzeitig auf meinem Trekkingstock abstützen. Oh Gott, es waren noch nicht mal zwei Stunden des ersten Tages rum. Ich hatte aber noch sieben solcher Tage vor mir. Sieben Tage voller Aufstiege und Abstiege und Hikes über unebenes Gelände hinweg. Sieben Tage, an denen ich mit einer Gruppe von Leuten mithalten musste, deren Wandererfahrung weit über mein Herumspazieren in New York City und über diese eine schreckliche Tour vor fünf Jahren hinausging.

Ich hasste Wandern. Ich hatte mir geschworen, es nie wieder zu tun, egal wie oft Carrie drängelte, bettelte oder versuchte, mich zu überreden, sie zu begleiten. Und obwohl ich den Skye Trail anfangs, als der Weg noch relativ leicht war, gar nicht so übel gefunden hatte, fiel mir jetzt wieder ein, warum ich Wandern hasste. Es war dieses Gefühl, immer am Ende der Gruppe zu laufen, während die anderen mühelos vorankamen und dann ungeduldig darauf warten mussten, bis man auch endlich aufgeholt hatte.

Schnell machte ich ein paar Fotos von den einschüchternden Klippen über uns und hoffte, dass alle dachten, ich wäre nur deswegen stehen geblieben.

»Amelia«, sagte Rory, doch als ich ihn wütend anfunkelte, zögerte er. »Bist du okay?«, fragte er schließlich und kam zu mir herunter.

»Es ist ein bisschen steil«, murmelte ich.

»Ja, es ist der erste richtig steile Abschnitt der Strecke.« Und nicht der letzte, hing unausgesprochen in der Luft. »Lass dir Zeit und sieh nicht nach oben. Konzentrier dich auf das, was direkt vor deinen Füßen liegt.«

Ich richtete meinen Blick auf den Pfad und ging vorsichtig weiter. Als der Trekkingstock auf einem Stein wegrutschte, stolperte ich. Schon wieder. »Verdammt!«

Rory stützte mich. »Gib mir deine Stöcke. Es ist einfacher, wenn du auf diesem Streckenabschnitt die Arme benutzt, um dich auszubalancieren.«

Da er nicht so aussah, als wollte er mich provozieren, gab ich widerstrebend nach. Rory klemmte sich die Stöcke unter den Arm und hüpfte munter wie eine Bergziege den Pfad hinauf. Angeber. Als er ein paar Meter über mir war, drehte er sich um. »Komm schon, Amelia. Du schaffst das.«

Leise fluchend quälte ich mich die Felsstufen hinauf und benutzte an den steilsten Stellen meine Hände. Jetzt, wo mir die Trekkingstöcke nicht mehr ständig im Weg waren, kam ich tatsächlich leichter voran – woraufhin ich Rory im Stillen noch mehr verfluchte – und es dauerte nicht lange, bis ich den Felsbrocken am oberen Ende der Klippe umrundete und mich zurück zur Schutzhütte schleppte.

Die anderen lagen bereits ausgestreckt auf dem Boden. Ich nahm meinen Rucksack ab und ließ mich neben Linda fallen. Als eine kühle Brise über den verschwitzten Fleck auf der Rückseite meines Shirts strich, erschauderte ich.

Rory reichte mir meine Trekkingstöcke. »Die können da draußen sehr nützlich sein, aber du solltest von ihnen nicht so abhängig werden, dass du ohne sie nicht mehr wandern kannst. Manchmal sind sie keine Hilfe, und dann musst du in der Lage sein, dich auch ohne sie fortzubewegen.«

Obwohl seine Stimme neutral klang, hatte ich trotzdem das Gefühl, als hätte er mich gerade getadelt. Wieder einmal. Missmutig sah ich Rory hinterher, der sich neben Tommy niederließ.

Nicht mal fünf Minuten später waren wir wieder auf den Beinen. Immer noch erschöpft von dem steilen Aufstieg, fand ich mich schnell als Schlusslicht der Gruppe wieder. Diesmal lief jedoch Tommy neben mir. Er lächelte mir aufmunternd zu.

»Wir überqueren jetzt eine kleine Landzunge. Und wenn wir in etwa zwei Stunden das Ende dieses Abschnitts erreicht haben, kommen wir zu einem prima Platz für eine Mittagspause.«

Zu wissen, dass wir bald richtig Rast machen würden, half mir durchzuhalten, und es dauerte nicht lange, bis wir aufgeholt hatten und direkt hinter den anderen durch eine Lücke in einer alten Steinmauer schlüpften und einem weichen, grasbewachsenen Weg zu einer Ruine folgten.

»So, Leute, Mittagspause«, rief Rory, der am Fuß der Ruine stehen geblieben war. »Es ist jetzt ungefähr halb zwölf. Etwas mehr als die Hälfte der heutigen Strecke haben wir schon geschafft.«

Meine Wandergefährten atmeten erleichtert auf. Offenbar waren sie genauso scharf auf eine richtige Pause wie ich. Erschöpft ließ ich mich ins Gras plumpsen. Dort saß ich einen Moment einfach nur da und nahm die Landschaft rundherum in mich auf. Im Gegensatz zu den heiseren Schreien der Seevögel und dem Getöse der Wellen draußen in Rubha Hunish war das hier ein friedlicher Ort. Das schienen auch die anderen zu spüren, denn alle genossen schweigend ihr Mittagessen.

Während ich mein Sandwich aß – ganz langsam, weil mir von der plötzlichen Untätigkeit ein bisschen übel war – blickte ich auf die Berge, die in der Ferne aufragten. Es war schön hier, völlig anders als die wild wuchernden Vororte, die ich von zu Hause kannte. Ich atmete tief ein und aus, genoss die frische Luft und das weiche Gras, das eine wahre Wohltat für meinen schmerzenden Körper war. Wann hatte ich zum letzten Mal im Gras gesessen? Das musste Jahre her sein. In New York wäre ich nie auf den Gedanken gekommen – schließlich gab es dort Ameisen und andere beißfreudige Insekten. Außerdem hätte meine Hose Flecken bekommen oder nass werden können. Aber hier fühlte es sich genau richtig an.

Wir hatten schon mehr als die Hälfte der heutigen Strecke geschafft, das hieß, dass mehr als vier Meilen schon hinter uns lagen. »Und Meilen, Meilen noch vorm Schlaf«, ging mir eine Textzeile von Robert Frost durch den Kopf.

Nachdem ich meinen Abfall im Rucksack verstaut hatte, stellte ich mein linkes Bein auf, damit ich an die Schnürsenkel meines Wanderstiefels kam. Mir war gerade wieder eingefallen, was Tommy über Blasen gesagt hatte, bevor wir aufgebrochen waren. Und da ich, als wir zum Rubha Hunish hinuntergestiegen waren, eine scheuernde Stelle unter meiner Fußsohle bemerkt hatte, wollte ich mir diese mal ansehen.

Plötzlich fiel ein Schatten über mich. Rory.

»Du solltest die Stiefel lieber nicht ausziehen, wenn wir eine Pause machen. Deine Füße könnten anschwellen, und das würde für den Rest des Tages ziemlich ungemütlich werden.«

Ich konnte es mir gerade noch verkneifen, die Augen zu verdrehen. »Ich glaube, bei mir bildet sich gerade eine Blase, da sollte ich doch besser mal einen Blick drauf werfen, oder?«

»Okay, wenn das so ist, dann lass uns mal nachsehen.« Er kniete sich neben mich.

Unter seinem prüfenden Blick knotete ich hastig die Schnürsenkel meines Stiefels auf und zog ihn aus. Erleichtert bewegte ich meine Zehen. Ich wollte mir gerade die Socke vom Fuß reißen, als Rory mich zurückhielt.

»Mach langsam. Nicht, dass sie an der Blase festklebt.«

Okay, er wollte mich also nicht hetzen. Vorsichtig zog ich die Socke aus, albernerweise froh, dass ich mir die Nägel lackiert hatte, bevor ich aus New York aufgebrochen war. »Skye Blue«, laut Etikett auf dem Fläschchen.

Ich legte den Fuß über mein Knie, um nach der wunden Stelle zu sehen. Und tatsächlich, genau dort, wo der zweite Zeh in den Fußballen überging, bildete sich eine Blase. »Mist.«

»Zeig mal.« Rory nahm meinen Fuß in die Hand und strich ganz leicht mit dem Finger über die Blase. Unwillkürlich lief mir ein Schauer über den Rücken. Aber das lag natürlich nur daran, dass ich an den Füßen kitzlig war. Wer’s glaubt.

»Entschuldige«, murmelte ich, aber er schien es gar nicht mitzubekommen.

Ohne darauf zu reagieren, stand er auf und ging zu seinem Rucksack. Kurz darauf kam er mit dem Verbandskasten in der Hand zurück. Wieder kniete er sich neben mich, klebte mir ein Blasenpflaster auf und steckte die Verpackung in die Tasche seiner Shorts.

»Das ist ein ziemlich ungünstiger Platz für eine Blase, weil das Pflaster dort schlecht hält«, sagte er und wickelte Leukoplast um den gesamten Fuß. Dafür, dass er mir gegenüber bisher immer ziemlich ungehalten und unfreundlich gewesen war, ging er in diesem Moment überraschend behutsam vor.

Er drückte noch einmal vorsichtig die Kanten des Blasenpflasters an und ließ sich dann auf die Unterschenkel zurücksinken. »Ich hoffe, so wird’s gehen. Ist es so okay für dich?«, fragte er und sah mich mit seinen silbrig-grünen Augen direkt an, sodass es mir für einen Moment die Sprache verschlug.

»Amelia?«

»Äh, ja, es fühlt sich gut an. Danke.«

»Du solltest sie vielleicht heute Nacht öffnen.«

»Ich dachte, man soll eine Blase nicht öffnen.«

»Normalerweise nicht, aber morgen wird ein schwieriger Tag, und mit einer Blase tust du dir da keinen Gefallen.«

»Okay. Danke.« Ich zog meine Socke wieder an und griff nach meinem Wanderstiefel.

»Zeig mir, wie du ihn schnürst«, sagte er.

Verwirrt starrte ich ihn an. War das eine Art Test? Trotzdem tat ich ihm den Gefallen, schnürte den Stiefel und machte eine Schleife.

Kopfschüttelnd zog er sie wieder auf und löste die Schnürsenkel aus den Ösen. »Eine Blase unter deinem Fuß bedeutet, dass du zu viel im Schuh herumrutschst. Wenn du sie so schnürst, hat der Schuh besseren Halt am Fuß. Wie fühlt sich das an?«

Ich wackelte mit dem Fuß. »Um einiges fester, aber auf eine gute Art. Ich wusste nicht, dass man es auch so machen kann.«

»Wenn du Wanderstiefel kaufst, solltest du immer in einen Laden gehen, wo die Verkäufer auch Ahnung haben. Die können dich dann optimal beraten und dir auch zeigen, wie du die Schuhe am besten schnürst.« Er stand auf und griff nach dem Verbandskasten. »Mach es beim anderen genauso. Dann bekommst du hoffentlich keine Blasen mehr.«

»Danke, das ist nett von dir.« Ich schnürte meinen anderen Wanderstiefel so, wie er es mir gezeigt hatte.

Er nickte mir kurz zu und ging zurück zu seinem Rucksack, wo er den Verbandskasten wieder verstaute. »Hat vielleicht noch jemand Blasen?«, fragte er an die Gruppe gewandt. »Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, sie zu versorgen, bevor wir uns wieder auf den Weg machen.«

Rory hatte wirklich viele tolle Ratschläge auf Lager. Ich wünschte nur, er würde sich weniger arrogant verhalten, wenn er sie erteilte.

Zwanzig Minuten später war unsere Mittagspause auch schon wieder vorbei. Rucksäcke wurden gepackt, der Abfall verstaut. Und zum Glück war ich nicht die Einzige, die stöhnte, als wir uns aufrappelten und losmarschierten.

Eine Weile war der Weg ziemlich entspannt – bis wir wieder die Klippen raufkletterten.

»Leute, wartet mal ’ne Sekunde«, sagte Rory. Während sich die anderen um ihn scharten, machte ich ein paar Fotos. Der Blick aufs Meer und die Küste entlang war einfach atemberaubend.

»Der nächste Abschnitt – fast bis wir Flodigarry und unseren heutigen Endpunkt erreichen – ist nicht ohne. Wir werden oben auf den Klippen entlanggehen, wo es häufig keinen Weg gibt. Auch wenn es hier in letzter Zeit nicht viel geregnet hat, kann der Boden trotzdem feucht sein. Lasst euch also Zeit und seid vorsichtig«, sagte er mit einem Blick zu mir.

Ich versuchte, nicht die Augen zu verdrehen. Aber es gelang mir nicht wirklich.

Wie angekündigt war die nächste Stunde, während der wir uns am Rand der Klippe entlangtasteten, einfach grauenvoll. Dabei war der Boden noch nicht einmal feucht. Ich fragte mich unwillkürlich, wie viel schlimmer es geworden wäre, wenn es wirklich nass gewesen wäre.

Da ich von Long Island stammte, wo abgesehen von einigen Steilufern an der Nordküste und ein paar verstreuten Hügeln alles völlig flach war, fand ich diese Landschaft schlicht atemberaubend. Sie erinnerte mich an eine Fahrt auf dem Pacific Coast Highway von San Francisco nach Los Angeles. Nur, dass es hier keine Geländer oder Schutzplanken gab. Dafür gab es umso mehr von diesen seltsamen verdrehten Brandungspfeilern im Meer. Ich blieb stehen, um die hoch aufragenden Felsentürme zu betrachten.

»Hast du so was schon mal gesehen?«

Molly stand neben mir. Mit ihrem blonden Pferdeschwanz sah sie Carrie so ähnlich, dass es schmerzte, sie anzusehen. Rasch wandte ich mich wieder den Brandungspfeilern zu. »Nein, so etwas haben wir in New York definitiv nicht. Sie kommen mir irgendwie … einsam vor, so nah an der Küste, zu der sie früher einmal gehört haben, und doch nie wieder in der Lage, sie zu erreichen. Die Seevögel sind ihre einzige Gesellschaft, bis das Meer sie irgendwann zurückerobert.« Nachdem die Worte aus mir herausgesprudelt waren, zuckte ich zusammen. »Entschuldige, das war ein bisschen kitschig, was?«

»Nein, überhaupt nicht. Ich fand es wunderschön. Und gleichzeitig ziemlich traurig.«

Ich war überrascht, als ich sah, wie Molly sich die Augen wischte. Sie schüttelte lächelnd den Kopf. »Denk dir nichts dabei. Ich heule bei jeder Kleinigkeit los. Megan zieht mich immer deswegen auf.«

»Ich heule auch immer sofort«, erwiderte ich. »Und meine beste Freundin hänselt mich deswegen.« Oh Carrie, ich glaube, du würdest Molly und Megan mögen. Die beiden ähneln uns so sehr.

Seufzend setzte ich mich wieder in Bewegung. Während wir die Klippen entlangwanderten, wurde nicht viel geredet. Alle konzentrierten sich auf ihre Füße, was für mich eine erfrischende Abwechslung war. Denn die Menschen in New York liefen fast immer mit dem Handy in der Hand durch die Stadt. Den Blick fest auf das Display gerichtet, traten sie vom Bordstein auf die Straße – ohne auf ihre Umgebung zu achten. Ich hatte das ein- oder zweimal sogar selbst so gemacht, doch nachdem ich beobachtet hatte, wie eine simsende Mutter mit einem Buggy beinahe von einem Taxi überfahren worden wäre, war ich vorsichtiger geworden.

Wenig später erreichten wir einen steilen, grasbewachsenen Abhang, den wir – ebenfalls gefährlich nah an der Kante der Klippe – hinabstiegen. Unten angekommen, war ein allgemeiner Seufzer der Erleichterung zu vernehmen.

»Von hier aus ist es ganz leicht«, sagte Rory. »Wir folgen einfach der Küste, bis wir auf den Weg treffen, der nach Flodigarry hineinführt. Ab jetzt kommen keine nennenswerten Hügel mehr. Ihr habt euch heute großartig geschlagen.«

Und tatsächlich, was folgte, war ein angenehmer Spaziergang entlang der Küste. Das Meer war von einem herrlich tiefen Blau, das sich scharf von dem grünen Gras abhob. Doch dann erreichten wir den Weg, den Rory erwähnt hatte. Und der führte eindeutig bergauf.

»Keine Hügel mehr, hä, Rory?«, sagte Gordon, der damit aussprach, was sicherlich alle dachten.

»Ach, komm schon, Gordon. Das ist doch höchstens ein kleiner Buckel.«

»Wir sollten an unserer Verständigung arbeiten«, murmelte Gordon. »Wenn du sagst ›keine Hügel mehr‹, gehen wir davon aus, dass der Rest der Strecke flach ist.«

»Wir sind hier auf Skye. Hier ist es nirgendwo flach. Nun komm schon, du kannst deinen Nachmittagstee doch schon fast riechen. Nur noch über diesen einen kleinen Buckel, und dann sind wir da. Fast.«

Fast, aber nicht ganz. Ich sang im Kopf einige meiner Lieblingslieder vor mich hin, um mich vom Aufstieg abzulenken, und kurz darauf trotteten wir in ein winziges Dorf.

»Willkommen in Flodigarry«, sagte Tommy. »Zur Herberge geht’s hier lang.«

Wir folgten ihm einen weiteren Weg – ebenfalls bergauf! –, der zu unserem Hostel führte, wo Scarlet uns mit einem strahlenden Lächeln begrüßte. »Gut gemacht, Leute – ihr habt den ersten Tag des Skye Trails geschafft! Acht Meilen habt ihr schon mal in der Tasche.«

Das klang nicht besonders viel. Ich war schon mehr als einmal viel weitere Strecken in weitaus kürzerer Zeit gelaufen. Aber das war auf ebenem Gelände gewesen, und wir waren heute am Rand von Klippen entlang- und steile Pfade rauf- und runtergewandert. Obwohl mir alles wehtat, verzog sich mein Gesicht zu einem breiten Grinsen. Carrie wäre so stolz auf mich.

»Ihr habt heute eine ziemlich gute Zeit hingelegt«, fuhr Scarlet fort. »Wie fühlt ihr euch?«

Die Antwort war eine Mischung aus begeisterten Ausrufen und schmerzerfülltem Stöhnen.

Scarlet lachte. »Diese Reaktion bekomme ich am Ende des ersten Tages immer. Keiner bringt mehr die Energie für eine richtige Antwort auf.« Sie warf einen Blick auf ihre Uhr. »Es ist jetzt kurz nach vier, und für sechs Uhr habe ich einen Tisch im Restaurant des benachbarten Hotels gebucht. Ihr habt also Zeit, euch auszuruhen und vor dem Abendessen die Füße hochzulegen. Sonst noch was, Jungs?«

Rory trat vor. »Das habt ihr gut gemacht heute. Morgen wird es etwas anspruchsvoller. Es sind über siebzehn Meilen in schwierigem, ungeschütztem Gelände. Außerdem zelten wir morgen Abend, also genießt die Betten, die Duschen und das Restaurantessen. Tommy und ich warten morgen früh um neun vor dem Hostel auf euch. Wir wünschen euch einen angenehmen Abend.«

»Esst ihr nicht mit uns zusammen?«, fragte Mike.

»Nein, heute Abend nicht. Tommy, Scarlet und ich haben noch ein paar Dinge zu besprechen, deswegen essen wir etwas früher. Vielleicht treffen wir uns ja später in der Bar. Wo wir gerade davon sprechen – ihr habt euch zwar alle ein oder zwei Bier redlich verdient, aber lasst es langsam angehen. Glaubt mir, ihr möchtet morgen bestimmt nicht mit einem Kater wandern.«

Ein Abendessen ohne unsere Guides würde eine echte Erleichterung sein. Ich war müde, mir taten alle Knochen weh, und ich wollte nicht so tun müssen, als wäre es anders, besonders vor Rory.

Wir verabschiedeten uns von Rory, Tommy und Scarlet und machten uns auf den Weg in unsere Zimmer. Der Raum, den ich mir mit den anderen Ladys teilte, hatte mehrere Etagenbetten. Dankbar, nicht mehr stehen zu müssen, ließ ich mich auf eins der unteren Betten am Fenster fallen. Ich holte mein Handy aus dem Flugmodus, den ich aktiviert hatte, damit sich die Batterie nicht so schnell entlud, während ich mich mitten im Nirgendwo befand.

Keine Nachrichten von zu Hause. Enttäuscht warf ich das Handy aufs Bett.

»So, meine Damen«, rief Pat, »den ersten Tag hätten wir überlebt.«

»Aber nur knapp«, sagte ich. »Als wir die Klippe raufgestiegen sind, musste ich immer wieder stehen bleiben. Zu meiner Verteidigung kann ich nur anführen, dass es da, wo ich herkomme, keine Hügel gibt, wo man trainieren könnte.«

»Sagtest du nicht, du seist aus New York City?«, fragte Linda.

»Aus Long Island, das ist nicht weit von der Stadt entfernt. Aber dort ist alles sehr flach«, fügte ich hinzu, während ich in meinem Rucksack nach meinen Duschsachen und Klamotten zum Wechseln suchte. Ich konnte es kaum erwarten, unter die heiße Dusche zu kommen.

»Verstehe«, sagte Linda. »Und was hat dich dazu gebracht, den Skye Trail allein zu gehen? Das ist ganz schön mutig von dir.«

Ich erstarrte. Mutig? Wenn die wüssten. »Ich … Meine Freundin sollte eigentlich fahren.« Ich schluckte und versuchte, meine Stimme im Griff zu behalten. »Aber sie … wurde verletzt … und konnte nicht kommen. Deswegen bin ich hier.«

»Das tut mir leid. Aber jetzt verstehe ich auch, warum du so viele Fotos machst«, erwiderte Pat.

Ich spürte, wie meine Wangen anfingen zu glühen. »Das ist dir aufgefallen?«

»Es war nicht zu übersehen«, sagte Molly. »Jedes Mal, wenn wir angehalten haben, hast du wild drauflosgeknipst. Einmal dachte ich sogar, Rory würde nichts anderes übrig bleiben, als dich den Pfad hinunterzutragen.«

»Mir persönlich hätte das nichts ausgemacht«, hauchte Linda.

Alle lachten, nur ich nicht.

KAPITEL FÜNF

RORY

»Den ersten Tag hätten wir geschafft«, sagte Tommy, ließ sich auf sein Bett in unserem Zimmer fallen und begann sofort, mit seinem Handy herumzuspielen. »Ich finde, sie haben sich gut gehalten, sogar die hübsche Amerikanerin.«

Ich zog mir das T-Shirt über den Kopf und warf es zu den Socken auf den Boden. »Du willst mich auf den Arm nehmen, oder?«

Er sah auf. »Findest du sie etwa nicht hübsch?«

Doch, hübsch war sie schon, mit ihrem langen, glänzenden Haar und den ausdrucksvollen braunen Augen. Daran bestand kein Zweifel. Aber das hatte ich nicht gemeint.

»Jetzt mal ehrlich, findest du wirklich, Amelia hat ihre Sache gut gemacht? Sie hat sich eine Blase geholt, weil sie ihre brandneuen, offensichtlich nicht richtig eingelaufenen Wanderstiefel falsch geschnürt hat, und sie ist von Rubha Hunish aus die Klippen fast nicht wieder raufgekommen. Außerdem ist sie alle dreißig Sekunden stehen geblieben, um einen weiteren gottverdammten Schnappschuss zu machen, den sie dann auf Instagram oder Twitter oder wo auch immer gepostet hat, um ihre Freunde zu Hause zu beeindrucken. Bei der Schutzhütte war sie so auf ihr Handy fixiert, dass sie nicht mal gemerkt hat, dass wir alle schon losgegangen waren. Und das nennst du ›gut gehalten‹?«

»Du bist zu streng mit ihr, Rory. Sie war nicht die Einzige, die eine Blase hatte. Der Aufstieg vom Hunish ist wirklich nicht ohne. Und auch wenn sie eine Million Fotos schießt – na, und? Dafür sind sie schließlich hier.«

»Ist ja auch egal«, murmelte ich und kramte in meinem Rucksack nach sauberen Klamotten. Amelias zwanghafte Knipserei war nicht mein Problem. Zumindest nicht, solange sie damit nicht die Gruppe aufhielt oder sich selbst in Gefahr brachte. In dem Fall würde ich etwas sagen müssen.

»Ich weiß nicht, was du gegen sie hast, Mann«, sagte Tommy, »aber du solltest sie ein bisschen in Ruhe lassen. Unterm Strich sind die Leute hier, um sich zu amüsieren. Dafür haben sie bezahlt. Wenn der Guide ständig einen auf Spielverderber macht, versetzt das der Sache einen ziemlichen Dämpfer, verstehst du?«

Ich ließ mich mit meinen Sachen in der Hand auf die Bettkante sinken. »Du hast ja recht. Ich finde nur, dass sie zu wenig Erfahrung hat, um den Skye Trail mitzumachen. Du hast doch gesehen, wie ängstlich sie heute Morgen bei der Sicherheitsunterweisung war – sie hat ja förmlich gezittert. Wahrscheinlich ist sie aus einer spontanen Laune heraus hergekommen und hatte keine Ahnung, worauf sie sich einlässt. Sie hätte sich für eine einfachere Wanderung entscheiden sollen. Eine, wo sie sich nicht in Gefahr bringt.«

Ich sah Amelia vor mir, ihre samtbraunen Augen, die voller Ehrfurcht leuchteten, als sie die Brandungspfeiler betrachtete; die fröhlich funkelten, als sie mit den anderen Mädels kicherte; und die sie wütend zusammengekniffen hatte, als ich ihr gestern Abend gesagt hatte, sie solle ins Bett gehen. Und die sich vor Schreck und Panik weiteten, als ihre Unerfahrenheit sie zu dicht an die abbröckelnde Kante der Klippe führte …

Ich fuhr mir mit beiden Händen übers Gesicht, um dieses Bild zu verscheuchen. »Ich muss jetzt jedenfalls mal unter die Dusche.«

Tommy starrte mich eine ganze Weile an. Er kannte mich zu gut, um sich von meinem armseligen Versuch, das Thema zu wechseln, täuschen zu lassen.

»Ich glaube, du schätzt sie falsch ein«, sagte er schließlich und konzentrierte sich dann wieder auf sein Smartphone.

Ich verdrehte die Augen. »Stehst du etwa auf sie?«

Er grinste, ohne vom Display aufzusehen. »Und wenn?«

Ein Blitz von – was auch immer – durchfuhr mich bei diesem Gedanken. Schnell schob ich ihn beiseite. »Egal. Vergiss bloß nicht, dass morgen ein harter Tag wird und du dich auf das Wesentliche konzentrieren musst. Genau wie sie.« Ich ging in Richtung Bad.

»Rory.«

Ich drehte mich um. »Was?«

Er sah mich mit ernster Miene an. »Gib ihr eine Chance. Sie ist ganz allein hergekommen, um diese Wanderung mit Fremden zu machen. Wenn sie lockere Ferien gewollt hätte, würde sie jetzt irgendwo in der Karibik in der Sonne liegen oder so’n Mist, anstatt sich hier Blasen und einen Muskelkater zu holen.«

Ich seufzte. »Ja, ich weiß. Und du hast recht. Morgen bin ich netter zu ihr.« Ich nickte in Richtung seines Handys, das sich in den letzten zwei Minuten nicht weniger als zehnmal bemerkbar gemacht hatte. »Ist das die Kleine aus Fort William? Du solltest ihr vielleicht mal antworten. Ich geh schnell unter die Dusche.«

Nach dem Abendessen machte ich einen langen Spaziergang in der Brandung, um den Kopf freizubekommen. Die Seeluft füllte meine Lungen und das kalte Wasser tat meinen Füßen gut.

Der erste Tag war immer eine besondere Herausforderung, weil wir erst ein Gefühl für den Leistungsstand der Gruppe bekommen und außerdem mit gutem Beispiel vorangehen mussten, um Scotland By Foot angemessen zu vertreten.

Bei Amelia hast du deine Sache aber nicht besonders gut gemacht, oder? Nein, hatte ich nicht. Und das musste sich ändern. Tommy hatte recht. Ich sollte aufhören, so streng mit ihr zu sein.

Ich lief etwa eine halbe Stunde, bevor ich schließlich umkehrte. Tommy konnte überhaupt nicht verstehen, warum ich abends noch mal spazieren ging, nachdem ich schon den ganzen Tag gewandert war. Er liebte es, die Menschen kennenzulernen, die Woche für Woche in unser Leben schneiten und genauso schnell wieder daraus verschwanden.

Im Gegensatz zu ihm fand ich Menschen jedoch anstrengend. Nicht, dass ich sie nicht gemocht hätte. Aber ich war nun mal ein introvertierter Typ und war es schon immer gewesen. Ich liebte es, den Skye Trail zu führen – die Landschaft, das ständig wechselnde Wetter, die Herausforderung. Aber ich brauchte auch meine ruhigen Momente, wo ich nicht »voll da« sein musste – wo ich nicht ständig Fragen beantworten, Konversation machen oder über Witze lachen musste. Und was noch wichtiger war, ich brauchte jeden Tag Zeit für mich, wo ich nicht auf alle achten und mir Sorgen machen musste, jemand könnte verletzt werden oder den Ansch ...

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