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Bruckner verstehen - eine Offenbarung für Hörer

Wolfgang Zeitler
Bruckner verstehen – eine Offenbarung für Hörer

Ars Audiendi • im verlag tredition

Wolfgang Zeitler

Bruckner verstehen –
eine Offenbarung
für Hörer

BAND 1
SYMPHONIEN I BIS IV

• Komplette Analysen, ohne Noten

• Deutungen: Audio-Hermeneutik

• Melomorphose-Gebärden zur
meditativ bewegten Gestaltung

Inhalt

- Intro

- Was enthält dieses Buch? Zur Orientierung

- Hinweise zu den verwendeten Zeichen in der Analyse

- Übersicht der Sätze und Tonarten aller neun Symphonien

- Symphonie Nr. 1 c-moll Entstehung, Übersicht

• Erster Satz: Allegro c-moll

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Zweiter Satz: Adagio As-Dur

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Dritter Satz: Scherzo. Schnell g-moll (Trio G-Dur)

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Vierter Satz: Finale. Bewegt, feurig c-moll

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

- Symphonie Nr. 2 c-moll Entstehung, Übersicht

• Erster Satz: Moderato c-moll

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Zweiter Satz: Andante As-Dur

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Dritter Satz: Scherzo. Mäßig schnell c-moll

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Vierter Satz: Finale. Mehr schnell c-moll

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

- Symphonie Nr. 3 d-moll Entstehung, Übersicht

• Erster Satz: Mehr langsam. Misterioso d-moll

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Zweiter Satz: Adagio. Bewegt, quasi Andante Es-Dur

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Dritter Satz: Scherzo. ziemlich schnell d-moll (Trio A-Dur)

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Vierter Satz: Finale. Allegro d-moll

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

- Symphonie Nr. 4 Es-Dur Entstehung, Übersicht

• Erster Satz: Bewegt, nicht zu schnell Es-Dur

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Zweiter Satz: Andante quasi Allegretto c-moll

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Dritter Satz: Scherzo. Bewegt B-Dur (Trio Ges-Dur)

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

• Vierter Satz: Finale. Bewegt, doch nicht zu schnell Es-Dur

Analyse

Hermeneutik

Melomorphose

- Ausblick

Intro

Nun sind es 30 Jahre, dass mich die Symphonien Bruckners faszinieren und beschäftigen. Es war im September 1985, als ich das erste Mal in meinem Leben das Adagio der Fünften Symphonie erlebte, ich war 26 Jahre jung. Vermittelt in einem Meditationsseminar mit dem rumänischen Musikwissenschaftler Prof. George Balan1. Wochenlang tobten die Melodien, Motive und Klänge dieser Musik in meiner Seele, in meinem Körper und lösten einen heilsamen Transformati- onsprozess aus. Bruckners Musik hat mich verwandelt, und sie lässt mich nicht mehr los. Mein Geist wird durch sie befeuert. Sie schenkt mir Einsichten und Offen- barungen, die mich begeistern.

Es brauchte einige Lebensreife und Lebenserfahrung, um den starken Energien von Bruckners Musik gewachsen zu sein und sie angemessen deuten zu können. In monatelanger, manchmal auch jahrelanger analytischer Arbeit versuche ich, die Struktur dieser Musik zu entschlüsseln. Meine Werkzeuge sind CD-Spieler, Papier, Bleistift und Buntstifte. Keine Noten, keine Partituren, keine Bücher. Ich bin ein forschender Hörer und benutze meine eigenen Werkzeuge.

Sie finden in diesem Buch die Ergebnisse meiner HÖRANALYSE, mit exakten Zeitangaben der verwendeten CD-Aufnahme. Diese musikwissenschaftliche Information kann gerade der Laie leicht beim Hören mitlesen, weil es keine Notenschrift gibt und nur das Wesentliche sichtbar gemacht wird. Diese Art von Höranalyse ist einmalig und kostbar. Sie fasziniert und beglückt. Sie gibt Orientierung, die Themen sind identifiziert, die Form ist klar.

Aus dem konkreten Belauschen und Befragen der Töne sind beschreibende TEXTE entstanden, die man beim Hören mitlesen kann, ebenfalls mit exakten Zeitangaben zur genauen Lokalisierung.

Als Drittes die graphische Wiedergabe der MELOMORPHOSE. Das ist die meditative Bewegungskunst, in der all mein Suchen, Forschen und Befragen der Töne einmündet und sich auflöst. Wer einmal das Prinzip der Melomorphose in einem Seminar erlebt hat, kann diese „Hörpartituren“ lesen und sich die Stücke selbst erarbeiten.

Mit diesem ersten Band zeige ich die Früchte meiner Forschung. Die weiteren Symphonien sind in Arbeit und sollen nach und nach in zwei weiteren Bänden erscheinen. Ich betrachte dies als mein wichtigstes Lebenswerk.

Bayreuth, im Juni 2015
Wolfgang Zeitler

1 George Balan, Gründer der internationalen Musicosophia-Schule, St.Peter im Schwarzwald

Ergänzung zur 2. Auflage

Nach reiflicher Überlegung habe ich eine Neuauflage dieses Buches veröffentlicht. Es gab ein paar grafische Fehler zu korrigieren, die beim Umwandeln von WORD ins pdf-Format passiert sind. Doch das ist nicht der eigentliche Grund.

Ich musste das Buch teurer machen! Es steckt so unglaublich viel Arbeit darin, und das braucht „gefühlt“ einen gewissen Ausgleich. Wer die Prinzipien meiner musikalischen Forschung verstanden hat, findet in diesem Buch sein Leben lang unerschöpfliche Informationen und Anregungen. Es ist etwas auf dem Buchmarkt Einmaliges, und mein ganz persönliches Vermächtnis.

Ich wünsche diesem Buch und seinen Geschwistern Wertschätzung und Gedeihen, und Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, wünsche ich größte Freude und heilsame Erlebnisse beim Hören und Erforschen dieser faszinierenden und rätselvollen Musik von Anton Bruckner.

Bayreuth, im August 2018
Wolfgang Zeitler

Was enthält dieses Buch? Zur Orientierung.

Dieses Buch ist Frucht meiner nun 30jährigen Forschungsarbeit an den neun Symphonien von Anton Bruckner. Zwei weitere Bände sollen folgen, bis alle Symphonien dargestellt sind. Seit 1985 erforsche ich Schritt für Schritt hörend diese faszinierende Offenbarung der klassischen Musik.

Hier werden keine biographischen oder geschichtlichen Hintergründe erzählt. Dafür gibt es schon genügend gute Bücher. Ich konzentriere mich rein auf die Musik – als Hörer! Dargestellt werden zu jedem Stück die Analyse, die Melomorphose und eine der Musik folgende Beschreibung dessen, was zu hören ist.

1. Die Analyse ~ Exaktheit ohne Noten, eine Partitur für Hörer

Sie finden eine sehr genaue musikwissenschaftliche Analyse, jedoch keine Notenbeispiele oder Taktzahlen. Ich habe eine eigene graphische Darstellung entwik- kelt, um das Hörbare mit den Augen (und dem Verstand) exakt mitverfolgen zu können. Oftmals ist nur die Hauptstimme, das im Vordergrund Hörbare, aufgezeichnet. Das genügt, um dem Fluss der Musik konzentriert folgen zu können. Um jeden Moment dieses Flusses markieren und wiederfinden zu können, habe ich die Zeit angegeben, die auf der CD mitläuft. Die Analyse ist Grundlage für alles weitere.

Die Ursprünge für eine solche Art, Musik ohne Noten graphisch festzuhalten, habe ich von Prof. Balan gelernt. Er nennt sie die Musicosophia-Methode. Sie wird heute an vielen Orten der Welt gelehrt (siehe Anmerkung 1 im Intro).

Die Zeitangaben beziehen sich auf die von mir verwendete Interpretation: in der Regel ist dies Eugen Jochum mit den Berliner Philharmonikern und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks2. Andere Interpreten haben andere Tempi. Sie dirigieren alle unterschiedlich schnell, auch innerhalb eines Stückes. Daher passen die angegebenen Zeiten nicht genau, wenn es sich um eine andere Aufnahme handelt. Nach vielen Vergleichen bin ich immer wieder zu dieser Einspielung von Jochum zurückgekehrt. Sie ist für mich außergewöhnlich menschlich tief und göttlich erhaben und einfach schön. Jochum hat für die langsamen Sätze den langen Atem und eine sonst kaum erreichte Intensität im Ausdruck. Und bei den dynamischen, komplexen und energiereichen schnellen Sätzen behält er selbst bei größter Wucht und Massivität eine Beweglichkeit und Klarheit, dass ich immer wieder nur staunen kann.

2. Deutung und philosophische Durchdringung: Hermeneutik

Im zweiten Teil führe ich den Hörer mit behutsam gewählten Worten durch die Musik. Die Beschreibung kann während des Hörens mitgelesen werden. Zur Orientierung stehen links die Zeiten der musikalischen Abschnitte, um die es sich gerade handelt. Dabei folge ich exakt den Erkenntnissen der Analyse.

Mit jedem Wort über Musik begebe ich mich in eine Deutung. Dieser zweite Teil ist folglich der persönlichste. Und doch versuche ich, nur das zu beschreiben, was zu hören ist. Viele Jahre habe ich gerungen, die Musik Bruckners so deuten zu können, dass ich es mit meinem ganzen Wesen bejahen kann. Und dass es möglichst allgemeingültig ist. Irgendwann entdeckte ich, dass gerade dieses Ringen mich auf eine spirituelle Suche brachte. So wie ich meinen Glauben, mein Denken veränderte und entwickelte, so veränderte sich auch meine Deutung Bruckners. Immer neue Erkenntnisse flossen zusammen.

Mit 26 Jahren, als ich Bruckners Musik in Gestalt der fünften Symphonie erstmals begegnete, hatte ich das C-Thema für ”den Widersacher” gehalten. Etwa im Sinne Mephistos in Goethes ”Faust”: Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft.

Inzwischen, mit 56 Jahren, nenne ich das C-Thema im psychologischen Sinn den ”Schatten von A”. Das sind die unbewussten, abgespaltenen und verdrängten Bewusstseinsinhalte des Menschen. Es ist eine bekannte Tatsache, dass der Mensch diesen seinen Schatten in sein Bewusstsein integrieren lernen muss. Erst dann wird persönliche und gesellschaftliche Heilung möglich sein: sich mit sich selbst versöhnen, friedvoll mit anderen und rücksichtsvoll mit der Natur leben. Bruckners Symphonien erweisen sich mir als ein mächtiges Werkzeug für eine solche heilvolle Bewusstseinsentwicklung.

Worum geht es in Bruckners Symphonien?

Alle neun Symphonien Bruckners behandeln die eine große Frage: Wie gelingt Menschsein in Beziehung zum Göttlichen? Im Spannungsfeld von beseligender Offenbarung, erschütterndem Scheitern, tiefer Demut und berauschender Größe geht der Mensch in dieser Musik seinen Weg, getragen von einer unstillbaren Sehnsucht nach Leben, Sinn und Erkenntnis. Ein Reifungsweg in neun Stufen.

1) Die schnellen Sätze (erster und letzter Satz)

Bruckner hat für alle neun Symphonien dasselbe Formschema. In den Allegros der Ecksätze immer drei Themen:

A – B – C | Durchführung | A‘ – B‘ – C‘ | Coda.

Alle drei Themen zusammen bilden eine Art ”musikalische Person”. Das A-Thema drückt Wille und Handeln aus, bewusstes Auftreten in der Welt. Im B-Thema finden wir die inneren und häufig nur unterbewussten Regungen, Gefühle, Sehnsüchte, Stimmungen. Das C-Thema ist das Problem oder die Aufgabe: es bringt auf verwirrende und verstörende Weise die unbewussten, verborgenen, verleugneten Anteile ans Tageslicht. Sein Auftreten macht Stress, und zwar für das A-Thema. Das B- Thema zeigt sich eher hingezogen zum C.

Somit sind die Themen A-B-C ein tönendes Abbild der menschlichen Seele:

A = bewusstes, nach außen gerichtetes Handeln /Wachbewusstsein, Ratio+Actio

B = inneres Fühlen, Sehnen, Empfinden /Unterbewusstsein, Emotio

C = verborgene innere Impulse und Strukturen /Unbewusstes, Schatten

Jede Symphonie ist eine Erkenntnisstufe in der Auseinandersetzung zwischen A und C, wobei auch B eine Reifungsentwicklung durchmacht. Im Laufe meiner Forschung entdeckte ich fasziniert: das A-Thema der Allegros hat in seiner Gebärde, in seinem Charakter immer etwas vom C-Thema der vorangehenden Symphonie. Das A-Thema der Ecksätze einer Symphonie gebärdet sich energetisch ähnlich wie in der vorangehenden Symphonie das C-Thema, nur eben auf seine ihm wesenseigene Art und Weise. (A tritt klar, entschlossen, nüchtern, transparent, unmißverständlich auf. Dagegen ist es typisch für das C-Thema, Aufruhr und Verwirrung zu stiften, ganz plötzlich und unerwartet seine Stimmung zu verändern; sein Auftreten hat etwas Unklares, oft Bedrohliches.)

A wächst durch sein Ringen mit C. Es assimiliert Schritt für Schritt dessen Eigenschaften – und macht daraus etwas Eigenes. C zeigt sich rätselvoll in immer neuer Gestalt. Wenn A in der nächsten Symphonie erneut dem C begegnet, muss es sich wandeln, es muss ringen und wachsen, um in dieser Konfrontation bestehen zu können. Ein abgründiger Lehrmeister, dieses C-Thema! Ein Höhepunkt dieser Entwicklung zeigt sich, wenn man das A-Thema aus dem ersten Satz der 4. Symphonie vergleicht mit dem C-Thema aus dem ersten Satz der 1. Symphonie: A hat auf dieser vierten Stufe seiner Entwicklung genau die gleiche monumentale Macht angenommen wie das C in der ersten Symphonie!

Auch die unergründliche Beziehung zwischen B-Thema und C-Thema fasziniert mich. Warum gibt es kein Innehalten von B nach C, sondern immer einen fließenden Übergang, so als ob das C aus dem B hervorginge? Meine Deutung, B sei die Innenwelt von A, ist dabei ganz hilfreich.3

Ich sage bewusst, dass Bruckners drei Allegro-Themen A – B – C ein tönendes Abbild der Seele des Menschen sind. Musik ist vor allem Seele, seelisches Bewusstsein. So entsprechen diese drei Themen seelischem ’’Denken”, seelischem ’’Fühlen” und seelischem ”Handeln” – Letzteres ist bei den meisten Menschen eher automatisch, instinkthaft, unbewusst. Und genau hier besteht Entwicklungsbedarf. Und genau hier tritt bei Bruckner das C-Thema auf, das Entwicklung schafft. Solange die unbewussten Impulse und Strukturen im Menschen nicht bewusst werden, projiziert er sie nach außen, auf andere Menschen, und bekämpft und verurteilt sie. Angst und Terror in der Welt werden solange auftreten, bis wir Angst und Terror in den Tiefen unserer eignen Seele erkennen und auflösen.

2) Die langsamen Sätze (in der Regel zweiter Satz)

Beim Adagio (oder Andante) richtet sich die Aufmerksamkeit nach innen. Rückzug aus der problematisierenden Aktivität im ersten Satz, der sich in der äußeren Realität, „in der Welt“ abspielt. Beim langsamen Satz kehrt die Seele ein, zu sich, und sucht nach Heilung der Wunden, Orientierung, Trost, Erkenntnis. Bruckner verwendet hier immer nur zwei Themen, A und B. Das Formschema ist

A – B – A‘ | Coda oder erweitert: A – B – A‘ – B – A‘‘ | Coda.

Das A-Thema ist immer ganz menschlich. Es fragt, klagt, benennt das Schwere, die Angst, die Sehnsucht. Dabei entwickelt es von Symphonie zu Symphonie immer mehr Stärke und Selbstbewusstsein. Grundsätzlich wendet sich das A-Thema des langsamen Satzes an „jemanden“, und es spricht aus tiefstem Herzen, mit größter Innigkeit und Hingabe. Es ist immer ein Musik gewordenes Gebet.

Das B-Thema erscheint als Antwort. Oftmals greift es Motive aus der Klage oder Rede des A-Themas auf, zitiert sie, und setzt sie in ein anderes Licht. B spricht immer positiv, ermutigend, aufbauend, manchmal auch ermahnend oder heftig aufrüttelnd. Und B bringt Licht, Offenbarungen, Freude, Größe, Feierlichkeit.

Im weiteren Verlauf verändert sich immer das A-Thema, das B-Thema hingegen wird fast identisch wiederholt, vielleicht in anderer Farbe, tiefer oder höher, doch immer in der gleichen Struktur. Das A-Thema reagiert auf die Antwort. Es entwik- kelt sich oftmals zu großen Höhepunkten, in denen die Motive, die anfangs klagend waren, jetzt selbstbewusster oder freudiger klingen. In der Coda, dem Ausklang jedes langsamen Satzes, ist immer großer Friede, Erleichterung, Segen, und es ist immer das A-Thema, das hier spricht.

Vereinfacht gesagt: in den langsamen Sätzen kehrt die Seele sich nach innen und vollzieht ein Gespräch, eine Begegnung mit einem höheren Wesen, einer liebenden Realität. Sie benennt ihre Fragen und Nöte, erhält Antwort und wird ein Stück weit verwandelt.

3) Die Scherzi (oder Scherzos), in der Regel der dritte Satz

Die dritten Sätze der Symphonien Bruckners waren mir lange ein Rätsel. Es gibt darüber verwirrende Aussagen der Musikkommentatoren, und viele Interpreten spielen sie so schwach, dass sie nur als ein eigenartiges Zwischenspiel erscheinen. Das Formschema stammt aus dem Menuett und ist immer

A – B – A‘ (+ eventuell Coda).

Es findet keine thematische Entwicklung statt. A‘ ist immer eine Zusammenfassung von A, nur die Wiederholungen werden weggelassen.

Eugen Jochum gibt den Scherzi eine starke Polarität. Das A (Scherzo) hat eine dynamische Wucht und oftmals dämonische Energie, der Mittelteil (B=Trio) eine fröhliche, kecke, zärtliche, verspielte, tänzerische Anmut. A ist geballte, gezielte Energie, und B ist duftendes, lächelndes Umhüllen.

Die dritten Sätze sind eine Trainingseinheit im Umgang mit polaren Energien. Sie haben immer den Charakter der Übung. Es geht nicht um die großen Fragen, nicht um Lösungen, sondern um reine Übung.

Heftigste, geradezu dämonische Energien (die in den Ecksätzen das C-Thema einbringt) werden gezügelt, in Form gebändigt. Starke Kräfte aufgebaut und treffsicher ins Ziel gebracht. Und alles ohne Umschweife, keine Fragen, hochkonzentriert. Manchmal gibt es viele Wiederholungen einzelner Formelemente. Auch das ist ein Teil der Übung. Im energetischen Charakter der A-Teile taucht häufig etwas auf, was dann im folgenden Finalsatz im C-Thema vorkommt. Also eine Art Vorbereitung für die nächste „echte“ Konfrontation.

Für den Mittelteil, dem Trio, ist völliges Umschalten erforderlich. Ohne Übergang gebärdet sich die Musik sanft, schwingend, behutsam, fein. Diesen Gegensatz mitzuvollziehen braucht hohe Disziplin. Es gibt keine Wertung zwischen A und B, auch kein aufeinander Eingehen.

Wenn nach dem Mittelteil der Anfang wiederkehrt, wirkt das manchmal abrupt und geradezu brutal. Sobald man weiß, dass es nicht so ernst gemeint ist, wie es klingt (scherzare heißt scherzen) und dass es sich hier um ein Training handelt, eine Vorbereitung auf das folgende Finale, machen die Scherzi richtig Spaß. Sie fördern insbesondere die Lust, sich zur Musik zu bewegen!

4) Die Finalsätze

Wie oben gesagt, unterwirft Bruckner die Finalsätze demselben Formschema wie die ersten Sätze seiner Symphonien. Er stellt sich einfach wieder der großen Aufgabe, gestärkt mit neuen Erkenntnissen und Kräften. Häufig taucht das A-Thema des ersten Satzes zusätzlich zum neuen A-Thema des Finales auf. Damit entsteht eine innere Verbindung zwischen Finale und Anfangssatz (zum Beispiel die herrliche Coda vom Finale der 3. Symphonie, oder das gesamte Finale der 5. Symphonie). Bruckner zeigt damit auf, dass es in der Symphonie als Ganzes um „dieselbe Person“ geht.

Die letzten Sätze von Bruckners Symphonien (mit Ausnahme der 1.

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