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Broughton House - Haus der Sehnsucht

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Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich
der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Penny Jordan

Broughton House - Haus der Sehnsucht

Roman

Aus dem Amerikanischen von

Louisa Christian

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„Reichen Sie mir bitte die Unterlagen über Broughton House, Max?“

„Ist das nicht der Landsitz in Wiltshire, den wir für die Finanzverwaltung betreuen?“

„Richtig. Offensichtlich sind keine Erben vorhanden. Deshalb hat man uns mit dem Verkauf beauftragt. Sie kennen das Verfahren, nicht wahr? Die Gebote sind im versiegelten Umschlag einzureichen. Natürlich sind wir nur an seriösen Bietern interessiert. Wir werden in regionalen und überregionalen Zeitungen inserieren. Ein Jammer, dass das Haus in Wiltshire steht und nicht im ‚herzoglichen‘ Gloucestershire, vor allem bei der derzeitigen Wirtschaftslage.“

PROLOG

Ferns Magen krampfte sich zusammen, als Nick die Küche betrat.

Sie hatte ihn vom Schlafzimmer aus kommen hören. Mit einem heftigen Tritt auf das Bremspedal hatte er den Wagen zum Stand gebracht und war ausgestiegen. Ungeduldig hatte er die Tür zugeschlagen und zum Haus hinaufgesehen.

Fern war vom Fenster zurückgetreten und hatte einen Blick in den Spiegel ihres Toilettentischs geworfen. Sie sah angespannt und müde aus. Ihr Blick war leer und leblos. So leer und leblos wie ihre Ehe mit Nick?

Abrupt hatte sie sich abgewandt und war nach unten geeilt.

Natürlich war es ihre Schuld, dass Nick schlechter Laune war. Sie hätte sich nicht beschweren dürfen, weil er gestern Abend wieder so lange gearbeitet hatte. Er konnte diese „Einmischung in seine Angelegenheiten“, wie er es nannte, nicht leiden. Gleich zu Beginn ihrer Ehe hatte sie festgestellt, dass er jede Form von Zwang verabscheute und nicht die geringste Kritik vertrug.

Was mit ihr los wäre, hatte er gestern Abend gefragt. Ob sie nicht wüsste, welches Glück sie hätte und wie viele Frauen gern den Platz mit ihr tauschen würden. „Du bist meine Frau. Nichts wird daran etwas ändern.“

War das ein Versprechen oder eine Drohung gewesen?

Fern riss sich zusammen und versuchte, ihre rebellischen Gedanken zu verdrängen. Nick hatte recht. Sie konnte froh sein, dass sie mit ihm verheiratet war. Vor allem nach …

Ihre Nervosität wurde immer größer, während er näher kam. Automatisch wandte sie den Blick ab, und ein Kloß bildete sich in ihrem Hals. Nick war ein sehr gut aussehender Mann. Trotzdem konnte sie seinen Anblick neuerdings kaum noch ertragen.

„Ich liebe dich … Ich brauche dich, und ich werde dich nie wieder gehen lassen“, hatte er bei seinem Heiratsantrag gesagt. Und sie war so hingerissen, so überwältigt von seinem Drängen gewesen, so verwirrt und betäubt von der Schnelligkeit, mit der Nick ihr Leben in die Hand nahm, dass sie seinem Druck nicht hatte widerstehen können.

Außerdem war sie geschmeichelt gewesen, voller Dankbarkeit und Freude über seine Worte.

Obwohl die ganze Breite der Küche zwischen ihnen lag, roch sie den sexuellen Duft einer anderen Frau. Angewidert vergrößerte sie den Abstand zu ihrem Mann.

Hatte Nick doch eine neue Affäre? Gestern Abend hatte er es heftig bestritten. Und sie, Fern, hatte genau diese Antwort hören wollen.

Sie hatte so viel in ihre Ehe investiert, so viel dafür gegeben. Zu viel?

Wie konnte sie bei Nick bleiben, wenn er erneut ein Verhältnis mit einer anderen Frau hatte? Andererseits: Durfte sie ihn deswegen verlassen? Die Ehe war eine lebenslange Bindung. Wenn Probleme auftauchten, musste man sie ausdiskutieren – oder einfach ignorieren.

Ferns Herz setzte einen Schlag aus. War sie tatsächlich solch ein Feigling?

„Was ist mit dir los?“, fragte Nick verdrießlich. „Bist du immer noch schlecht gelaunt?“

Vorsichtshalber drehte Fern sich zur Seite, nahm den Wasserkessel und ließ ihr glattes Haar über das Gesicht fallen, damit Nick ihre Miene nicht sah.

„Ich habe eine interessante Nachricht für dich“, verkündete er.

Seine Stimme klang jetzt unbekümmerter, triumphierender, beinahe hämisch. Ferns Nervosität wuchs, doch sie ließ sich nichts anmerken. Die Vorstellung, was aus ihrer Beziehung geworden war, schmerzte entsetzlich.

„Es scheint, dass mein lieber Stiefbruder die Absicht hat, Broughton House zu kaufen.“

Fern klammerte die Finger um den Kesselgriff. Sie war froh, dass sie Nick den Rücken zukehrte.

„Ich möchte wissen, was er mit einem Haus von dieser Größe will. Allein die Schlafzimmer … Es wäre für eine riesige Familie geeignet“, fuhr Nick fort, und Fern bemerkte den hässlichen Unterton. „Ein Jammer, dass er keine Familie dafür hat, nicht wahr? Aber vielleicht will er ja eine gründen.“ Er wartete einen Moment. „Was ist los, Fern? Ich habe dich doch nicht verärgert? Oh, ich vergaß. Du warst ja selber scharf auf Broughton House, nicht wahr? Einige Zeit warst du ziemlich oft dort … Zumindest hast du es behauptet.“

„Ich habe die alte Mrs Broughton gelegentlich besucht, das ist alles“, antwortete Fern ruhig.

Weshalb tat Nick ihr das an? Er wusste ebenso gut wie sie, dass er keine Veranlassung dazu hatte. Sie bereute ihren Fehltritt bitter.

„Hast du mit Adam geschlafen, Fern?“, hatte er sie gefragt. „Hast du es?“ Und sie hatte stumme Tränen geweint und sich damit verraten.

„Er begehrt dich nicht“, hatte er leise, beinahe freundlich hinzugefügt. In dem Moment, wo er am wenigsten Grund dazu hatte, war Nick plötzlich nett geworden.

Wie viele Männer hätten nach jenem Vorfall mit ihr verheiratet bleiben wollen? Sicher nur wenige. Die Untreue des Ehemannes war eine Sache, die der Ehefrau eine andere.

„Du bist meine Frau“, hatte Nick gesagt, nachdem sie zusammengebrochen war und ihn gefragt hatte, weshalb er sich nicht von ihr trennen wollte. „Die Ehe gilt für das ganze Leben, Fern. Haben dir deine Eltern das nicht beigebracht?“

Sie war seine Frau, und er wollte diese Ehe, wollte sie, brauchte sie. Woher kamen dann die Leere, diese fehlende Harmonie, all das Hässliche, das ihren Stolz und ihre Selbstachtung zerstörte?

„Ich gehe duschen“, sagte Nick jetzt.

Um den Geruch der anderen Frau abzuspülen? Wusste er nicht, dass es dafür längst zu spät war?

Das Wasser kochte, und der Kessel schaltete sich automatisch aus. Adam hatte also vor, Broughton House zu kaufen – und zu heiraten. Obwohl Fern darauf vorbereitet war, raubte ihr der Schmerz beinahe den Atem.

Adam ist mein Schwager, sonst nichts, ermahnte sie sich stumm. Mein Stiefschwager, mehr nicht. Weder jetzt noch früher oder irgendwann in der Zukunft

Eleanor entdeckte die Anzeige in der Zeitschrift „Country Life“ im Wartezimmer ihres Zahnarztes. Das Foto fiel ihr zuerst ins Auge. Die Vorderseite des Hauses ging nach Süden und war an einem sonnigen Tag aufgenommen worden. Die Mauern waren in warmes goldenes Licht getaucht, und die Sonne spiegelte sich in den bleiverglasten Giebelfenstern.

Das Haus wirkte solide und tröstlich, als böte es eine Zuflucht vor den Turbulenzen des Lebens.

Zu Hause stellte Eleanor fest, dass sie die Zeitschrift instinktiv in ihre Handtasche gesteckt hatte.

Später, als sie während einer besonders schwierigen spanischen Übersetzung eine Pause einlegte und eine Tasse Tee trank, blätterte sie erneut darin und hielt bei der halbseitigen Anzeige inne. Sie überflog den Text. Doch ihre eigentliche Aufmerksamkeit galt dem Foto, der Wärme, die das Haus ausstrahlte, der Sicherheit, der Zuflucht …

Zuflucht … Dieses Wort drang wie ein Stachel in ihr Bewusstsein. Wozu brauchte sie eine Zuflucht? Sie führte eine glückliche zweite Ehe, war beruflich erfolgreich und hatte zwei wohlgeratene Söhne. Sie war einer der glücklichsten Menschen der Welt. Das sagten alle.

„Es hat geklappt! Es hat geklappt!“, jubelte Zoe und machte sich aus Bens Armen los. Triumphierend drehte sie eine Pirouette und strahlte ihn an.

Ben hielt sie fest und schüttelte den Kopf. „Freu dich nicht zu früh“, warnte er sie. „Dies ist nur der erste Schritt. Jetzt müssen wir beide Daumen drücken, dass wir das richtige Objekt für uns finden.“

Er runzelte die Stirn mit jener Ernsthaftigkeit, die Zoe anfangs so attraktiv gefunden hatte und die sie jetzt manchmal nicht verstand. Weshalb fürchtete Ben ständig, dass das Leben einen neuen Schlag gegen sie vorbereitete? Weshalb konnte er ihre Freude nicht unbeschwert teilen?

„Benedict Fräser, Restaurantbesitzer des Jahres“, verkündete sie und war nicht gewillt, sich ihre gute Laune von Ben verderben zu lassen. „Ich sehe das Bild schon vor mir: „Benedict Fräser, erfolgreich unterstützt von seiner entzückenden, äußerst tüchtigen Geschäftspartnerin Miss Zoe Clinton in ihrem Landgasthof … Ganz entschieden die Erfolgsstory des Jahres …“

„Hör auf. Schließlich müssen wir unseren Landgasthof erst einmal finden“, gab Ben zu bedenken. „Zumindest unser Geldgeber muss es.“

„Unser Geldgeber … Ich kann es immer noch nicht glauben. Und alles nur, weil du in letzter Minute eingesprungen bist und die Bewirtung bei der Hochzeit der Hargreaves übernommen hast.“

„Was ich nie getan hätte, wenn du mich nicht gedrängt hättest“, antwortete Ben. „Den Erfolg habe ich ausschließlich dir zu verdanken.“

„Unsinn“, widersprach Zoe entschlossen. „Wir haben es gemeinsam geschafft. Wir sind ein gutes Team, Ben. Auch im Bett“, fügte sie leise hinzu und warf ihm einen vielsagenden Blick zu.

Wie erwartet, wurde Ben bei ihrer Anspielung auf die sexuelle Seite ihrer Beziehung verlegen. Für einen so geschickten, einfühlsamen Liebhaber war er seltsam schüchtern und verkrampft, wenn sie auf Sex zu sprechen kam. Ob es an seiner Erziehung lag?

Entschlossen schob Zoe den Gedanken beiseite, um sich die Freude an dem heutigen Tag nicht zu verderben. „Wie lange wird es deiner Ansicht nach dauern, bis Clive Hargreaves ein geeignetes Haus gefunden hat?“, fragte sie.

„Keine Ahnung. Offensichtlich sucht er schon. Ich sah einen Stapel Prospekte auf seinem Schreibtisch, als wir den Vertrag unterschrieben.“

Zoe jubelte überschwänglich auf. „Endlich sind wir auf dem Weg. Nichts kann uns mehr aufhalten – absolut nichts. Alles, was wir uns gewünscht haben, wird in Erfüllung gehen. Ein eigenes Restaurant und die Möglichkeit, es zu einem kleinen Landhotel auszubauen! Du wirst der Küchenchef, und ich übernehme die kaufmännische Seite. Genau das, wovon wir geträumt haben.“

„Wovon du immer geträumt hast. Ich selber wäre nie …“ Ben hielt inne und schüttelte den Kopf „Ich kann es immer noch nicht fassen. Diese Chance bedeutet mir so viel, Zoe.“ Er blieb stehen und sah sie an. „Du ahnst nicht …“

„Doch, ich ahne es“, unterbrach sie ihn leise. „Ich weiß genau, was es für dich bedeutet, ein eigenes Restaurant zu haben, Ben.“

„Vorausgesetzt, es kommt nichts mehr dazwischen.“

„Nichts wird dazwischenkommen. Der Vertrag ist schon unterschrieben. Also hör endlich auf, dir Sorgen zu machen. Es wird alles gut werden, das verspreche ich dir.“

1. KAPITEL

Eleanor unterdrückte einen ungeduldigen Stoßseufzer und sah auf die Uhr, denn der Verkehr kam schon wieder zum Stillstand. London war zu dieser Morgenstunde unerträglich. Vor allem, wenn die Straßen grau und feucht waren und ein scharfer Ostwind die ersten grünen Knospen an den Bäumen peitschte.

Der Stau bewegte sich einige Zentimeter, und Eleanor zählte langsam bis zehn, um die verkrampften Muskeln zu entspannen. Sie kam zu spät ins Büro. Dabei hatte sie um neun Uhr dreißig einen Termin mit einem möglichen neuen Kunden. Verärgert kaute sie auf der Unterlippe und erinnerte sich an das Gespräch, das sie kürzlich mit ihrem Steuerberater geführt hatte.

Sie mache immer noch Gewinn, hatte der Mann ihr versichert. Aber die Kosten wuchsen. Die Büromiete hatte sich während der letzten achtzehn Monate verdoppelt und würde weiter steigen. Alle Dienstleistungsunternehmen wie ihres litten unter den Sparmaßnahmen, zu denen die Konzerne und multinationalen Firmen gezwungen waren, von denen sie ihre Aufträge erhielten.

Das blühende Geschäft, das Louise und sie in den späten achtziger Jahren aufgebaut hatten, ging ständig weiter zurück. Und der Aufschwung, den sie vom Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft erhofft hatten, ließ auf sich warten.

Das Büro war sehr praktisch gewesen, als Eleanor noch in der Mietwohnung gewohnt hatte. Doch seit sie mit Marcus verheiratet war und mit ihren Söhnen in seinem eleganten Haus in Chelsea lebte, begann ihre Arbeit immer häufiger mit einer stressreichen Fahrt quer durch London.

Eigentlich hatte sie heute früh losfahren wollen. Aber Tom hatte verschlafen und war spät zum Frühstück heruntergekommen, und Gavin hatte seinen Fußballdress nicht finden können. Marcus hatte schon gefrühstückt und war in seinem Arbeitszimmer gewesen. Er hatte nur einen Moment von seinen Akten aufgesehen, als sie die Tür öffnete. Selbst nach dreijährigem Zusammenleben und fast einjähriger Ehe tat Eleanors Herz noch jedes Mal einen Sprung, sobald sie ihn sah.

Eigentlich lächerlich bei einer Frau von achtunddreißig Jahren, die bald neununddreißig wurde, oder? Dabei hielt sie sich für eine nüchterne Frau, die aus ihren Fehlern und den falschen romantischen Idealen ihrer ersten Ehe gelernt hatte.

Eigentlich hatte sie ihren Mann bitten wollen, die Jungen zur Schule zu fahren. Sie lag näher an seiner Kanzlei in Lincoln’s Inn als ihr Büro. Doch trotz der tiefen Liebe, die sie mit Marcus verband, vergaß sie nie, dass sie für Tom und Gavin verantwortlich war. Ebenso wie er für Vanessa.

Vanessa … Eleanors Magen krampfte sich zusammen, sobald sie an Marcus’ Tochter dachte. Sie bedauerte sehr, dass sie immer noch keine gute Beziehung zu dem Mädchen aufgebaut hatte. Dabei waren Vanessas Eltern schon lange geschieden gewesen, bevor sie, Eleanor, in Marcus’ Leben getreten war. Doch jedes Mal, wenn seine Tochter kam, war sie seltsam gereizt. Ja, es fiel ihr sogar schwer, mit Marcus zu schlafen, wenn Vanessa zu Besuch war.

Das Problem bestand zum Teil darin, dass das kleine elegante Haus in Chelsea nicht für zwei Erwachsene und drei Kinder geeignet war. Marcus hatte es gekauft, nachdem seine erste Ehe gescheitert war. Für einen Single oder ein kinderloses Ehepaar wäre es ideal gewesen. Unten befanden sich die Wohnküche, das Esszimmer und Marcus’ Arbeitszimmer. Das Wohnzimmer lag im ersten Stock und war geräumig genug für jene Partys, die ein erfolgreicher Strafverteidiger wie Marcus gelegentlich geben musste. Auch gegen die beiden großen Schlafzimmer war nichts einzuwenden, zu denen jeweils ein Bad gehörte – solange sich nicht drei Kinder um den einzigen Raum stritten.

Dies wäre immer ihr Zimmer gewesen, wenn sie ihren Vater besuchte, hatte Vanessa kühl, aber äußerst herausfordernd gegenüber Eleanor erklärt.

Also mussten ihre beiden Söhne in das kleine stickige Mansardenzimmer ziehen, wenn Vanessa erwartet wurde.

Eleanor liebte Marcus unendlich, und er liebte sie ebenfalls. Aber er hatte beinahe sieben Jahre allein gelebt, bevor sie sich kennenlernten. Und er war ein ruhiges, geordnetes Leben gewohnt ohne die Spannungen, die jetzt immer wieder entstanden.

Leider war ein Haus von der Größe, wie sie es brauchten, in London so irrsinnig teuer, dass schon der Gedanke an einen Umzug sinnlos schien.

Eleanors Einkommen war nicht schlecht, und als leitender Strafverteidiger verdiente Marcus gutes Geld. Aber das Leben in London war teuer. Ihr Exmann Allan hatte beinahe unmittelbar nach der Scheidung wieder geheiratet und hatte eine neue junge Familie. Er war einfach nicht in der Lage, zu Gavins und Toms Unterhalt beizutragen. Mit ihren elf beziehungsweise dreizehn Jahren lag noch eine lange Ausbildung vor den beiden Jungen.

Eleanors Nervosität legte sich, denn der Verkehr floss wieder. Es musste an dem schlechten Wetter liegen, dass sie so gereizt war. Allen Menschen reichten die Kälte und die Feuchtigkeit um diese Jahreszeit, und sie sehnten sich nach Sonne.

Marcus und sie wollten im Mai eigentlich einige Tage mit Freunden in Italien verbringen. Doch einer von Marcus’ Prozessen stand unmittelbar bevor, und sie fürchtete, dass aus der Woche in der Toskana nichts wurde.

Kurz nach halb zehn fuhr Eleanor in die Tiefgarage. Das Büro lag in einem modernen Gebäude im Zentrum der Stadt und hatte ein gutes Einzugsgebiet. Eleanor und Louise hatten wochenlang überlegt, ob sie es nehmen sollten. Die Miete war damals schon hoch gewesen, und keiner von ihnen hatte gewusst, wie viele Aufträge sie am Ende bekommen würden.

Die beiden hatten sich rein zufällig kennengelernt, als Eleanor einige Übersetzungen bei einer großen Importfirma ablieferte.

Louise war aus einem ähnlichen Grund da gewesen. Nachdem sie festgestellt hatten, dass ihre Sprachkenntnisse sich ergänzten und sie keine Konkurrentinnen waren, hatten sie sich zusammengetan und als gleichberechtigte Partnerinnen ein Unternehmen gegründet.

Der Entschluss hatte sich ausgezahlt, denn ihr guter Ruf sprach sich rasch herum. Innerhalb von vier Jahren waren sie so bekannt, dass sie in Zeitungen und Zeitschriften als Beispiel für die neuen erfolgreichen Geschäftsfrauen der achtziger Jahre erwähnt wurden.

Damals waren sie beide Singles gewesen. Sie, Eleanor, hatte eine schlechte Ehe und eine noch schlechtere Scheidung hinter sich gehabt. Dankbar hatte sie sich in ihren neuen Beruf gestürzt. Nicht nur, weil sie Geld brauchte, sondern weil er ihr über ihren verletzten Stolz und ihr angeschlagenes Selbstbewusstsein hinweghalf. Und die acht Jahre jüngere Louise hatte sich gerade von dem traumatischen Ende einer intensiven, aber zerstörerischen Beziehung mit einem verheirateten Mann erholt.

Äußerlich waren sie völlig gegensätzlich. Eleanor war groß, blond und zurückhaltend, Louise war klein, brünett und impulsiv. Beide hatten das Bedürfnis gehabt, die Wunden zu heilen, die ihnen das Leben zugefügt hatte, und waren entschlossen gewesen, ihrer Partnerschaft zum Erfolg zu verhelfen.

Der Aufzug kam, und die Türen öffneten sich.

Das Bürogebäude hatte Eleanor ursprünglich sehr gefallen. Es war hell und luftig und um einen Innenhof gebaut. Heute schienen der Marmor und der Chromstahl eine gewisse Kälte auszustrahlen, die sie frösteln ließ.

Wahrscheinlich ist die Heizung wieder heruntergedreht worden, überlegte sie, während sie zu ihrem Büro ging. Die Bewohner klagten nicht nur über den raschen Anstieg der Mieten, sondern auch über die wachsenden Nebenkosten.

Eleanor warf einen kurzen Blick in den Innenhof. Einige Pflanzen sehen so ungewöhnlich grün aus und glänzen derart, als wären sie künstlich, überlegte sie angewidert und betrachtete die sterile Vollkommenheit einer weißen Lilie. Solche Pflanzen gehörten weder unter den graupeligen Londoner Himmel noch in dieses Gefängnis mit seinem Glasdach.

Claire, die Empfangssekretärin, blickte erleichtert auf, als Eleanor das Vorzimmer betrat.

Sie hatten das Büro sorgfältig eingerichtet und sogar eine Innenarchitektin zurate gezogen, mit der Eleanor befreundet war. Doch was in den achtziger Jahren dynamisch erschienen sein mochte, wirkte angesichts der drohenden Rezession ebenso schrill und unangemessen wie die Pflanzen im Atrium unter dem grauen Londoner Himmel.

„Monsieur Colbert ist schon da“, verkündete Claire. „Ich habe ihm eine Tasse Kaffee angeboten, aber er wollte nichts.“

Eleanor dankte der Sekretärin, zog ihren Mantel aus und überprüfte ihre Erscheinung im Spiegel, bevor sie das Konferenzzimmer betrat.

Pierre Colbert war Franzose. Seine Geschäfte führten ihn regelmäßig nach London und in alle größeren europäischen Städte. Er arbeitete als Agent für mehrere Designer und Großhändler, die zwei Stufen unterhalb der berühmten Modeschöpfer und zwei Stufen oberhalb des üblichen Niveaus rangierten.

Wenn sie mit ihm einig werden konnte, würde die Zusammenarbeit eine äußerst wünschenswerte Aufstockung ihrer Einnahmen bedeuten. Eleanor hatte von einem Kunden erfahren, dass Pierre Colbert mit seinen derzeitigen Übersetzern unzufrieden war. Deshalb hatte sie Verbindung zu ihm aufgenommen und dieses Gespräch vorgeschlagen.

Sie war gewarnt worden, dass der Franzose ein ziemlich schwieriger Mensch wäre: Sobald sie seinen ungeduldigen Blick bemerkte, wurde sie beinahe mutlos.

Ohne ihre Gefühle zu zeigen, lächelte sie verbindlich und streckte ihm die Hand hin.

„Tut mir leid, dass ich mich verspätet habe“, entschuldigte sie sich. „Der Verkehr …“

„Die Engländer können nicht fahren“, unterbrach Pierre Colbert sie sofort. „In Paris haben wir ebenfalls viel Verkehr. Doch hier in London herrscht das reinste Chaos.“

„Möchten Sie eine Tasse Kaffee?“, fragte Eleanor, um seine Aggressivität zu mildern.

„Kaffee?“ Er lächelte spöttisch. „Lieber nicht.“

Will er mich reizen? überlegte sie, oder merkt er gar nicht, wie unhöflich er ist? Sie kannte einige Männer, die sich bei Besprechungen mit weiblichen Gesprächspartnern ausgesprochen unwohl fühlten und feindselig wurden, und hatte ihre eigene Methode im Umgang mit diesen Kunden entwickelt.

Einmal, nach einem langen sinnlichen Nachmittag im Bett, hatte Marcus ihre warme Haut gestreichelt, ihre Brust umschlossen, träge die immer noch aufgerichtete rosige Spitze liebkost und mit schläfriger Stimme gesagt: „Mir gefällt dieser Frieden, den du ausstrahlst, Nell. Es ist ein wahres Vergnügen, mit einer Frau zusammen zu sein, die so ruhig und selbstsicher ist wie du. Das macht es einem leicht, dich zu lieben.“

Kurz darauf hatte er ihr einen Heiratsantrag gemacht.

„Guten Kaffee zu kochen haben wir bis heute nicht gelernt“, gab Eleanor lächelnd zu. Eine andere Frau wäre vor solch einer Beschwichtigungstaktik zurückgeschreckt. Ihr, Eleanor, waren Ruhe und Frieden, gute Beziehungen zu ihren Mitmenschen und Harmonie sehr wichtig. Zu wichtig?

„Ihr französischer Kaffee und Ihr Brot sind unübertrefflich“, fuhr sie fort. „Obwohl sich Marks & Spencer größte Mühe gibt. Ich hörte, er importiert inzwischen sogar das Mehl für seine Croissants und sein französisches Brot aus Frankreich.“

„Gehört Marks & Spencer zu Ihren Kunden?“, fragte Pierre Colbert plötzlich interessiert, und seine Aggressionen legten sich. Eleanor atmete erleichtert auf.

„Ich arbeite mit einigen Lieferfirmen von ihm zusammen“, antwortete sie und öffnete ihr Notizbuch. „Ihrer Kundenaufstellung entnehme ich, dass Sie Designerhäuser in mehreren europäischen Großstädten vertreten, die ihrerseits Kontakt zu Herstellern im Fernen Osten haben. Ihre Mode müsste sich hervorragend in den kleinen exklusiven Boutiquen der Mittelstädte verkaufen.“

„Sie haben gut recherchiert.“

War das ein Anzeichen von Respekt? Eleanor lächelte freundlich. Sie war viel zu erfahren in geschäftlichen Dingen, um ihre Erleichterung offen zu zeigen.

„Soweit ich weiß, arbeiten Sie derzeit mit Übersetzern in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien zusammen. Wir können Ihnen diese Dienste alle unter einem Dach anbieten.“

„Das können andere Übersetzungsbüros ebenfalls“, stellte Pierre Colbert fest und beobachtete sie.

„Stimmt“, gab Eleanor lächelnd zu. Es würde ein hartes Stück Arbeit werden, diesen Kunden zu gewinnen, erkannte sie und begann, mit ruhiger Stimme die Vorzüge ihrer Firma zu erklären.

„Hinzu kommt, dass sich meine Partnerin Louise auf die Sprachen des Mittleren Ostens spezialisiert hat. Und auf Russisch.“

„Bedenken Sie bitte, dass nach dem Zerfall der Sowjetunion in mehrere unabhängige Staaten weitere Sprachen hinzukommen werden“, antwortete er rasch.

„Diese Tatsache berücksichtigen wir bereits“, versicherte Eleanor ihm. Louise und sie stellten gerade ein Team von sehr erfahrenen freiberuflichen Übersetzern zusammen, die diese jetzt wieder auflebenden Sprachen beherrschten.

Wie sie die Bewerbungsgespräche und Tests in ihren ohnehin restlos ausgefüllten Arbeitstag einfügen sollte, wusste Eleanor allerdings nicht. Sie hatte schon ihre beiden abendlichen Gymnastikstunden und den monatlichen sonntäglichen Lunch mit ihrer besten Freundin Jade Fensham aufgegeben. Auf den Lunch hatte sie verzichtet, weil er auf das Wochenende fiel, an dem Marcus’ Tochter zu Besuch kam. Einen anderen Termin hatte die viel beschäftigte Jade nicht freigehabt.

Seine Tochter … Eleanor verstand, weshalb es für Vanessa schwierig war, die Stiefmutter zu akzeptieren. Aber weshalb kam sie umgekehrt nicht mit Vanessa zurecht? Schließlich gehörte das Mädchen zu Marcus, dem Mann, den sie liebte.

Jade behauptete, sie wäre zu idealistisch. „Lass es dir gesagt sein: Mit Kindern aus der früheren Ehe eines Mannes hat man nichts als Ärger. Vor allem, wenn es sich um weibliche Teenager handelt.“

Vorletztes Wochenende hatte sie entsetzlich unter Migräne gelitten und sich gefragt, was sie falsch machte und weshalb Vanessa so feindselig war. Schließlich war sie, Eleanor, nicht für die Trennung ihrer Eltern verantwortlich.

Vielleicht hatte Marcus recht, und sie sollten es so einrichten, dass Tom und Gavin bei ihrem Vater waren, wenn Vanessa zu Besuch kam. War sie ungerecht, wenn sie den Verdacht hegte, dass das Mädchen absichtlich einen Streit vom Zaun brach, sobald die drei zusammen waren?

Der äußerst sensible Tom reagierte tatsächlich häufig zu empfindlich. Vielleicht war dies eine Folge der Scheidung seiner Eltern. Aber Gavin war wesentlich ruhiger und unbeschwerter. Er war ein freundliches Baby gewesen und war jetzt ein ebenso friedlicher, unerschütterlicher Junge.

Ja, es wäre leichter, wenn sie die Kinder getrennt hielten. Aber genau das hatte sie nicht gewollt, als Marcus und sie heirateten. Zwar hatte sie nicht angenommen, dass ihre Familien problemlos verschmelzen würden. Doch auf diese Schwierigkeiten war sie nicht gefasst gewesen. Manchmal hatte sie das Gefühl, das Mädchen und sie wären stumme Rivalinnen in einem tödlichen Kampf um Marcus’ Liebe. Dabei hatte sie unbedingt verhindern wollen, dass Vanessa sich durch die neue Ehe bedroht fühlte.

Sie hatte selber vorgeschlagen, Marcus solle seine Tochter öfter sehen. Es hatte sie gestört, wie wenig er sich um das Mädchen kümmerte.

„Vanessa ist durchaus glücklich bei ihrer Mutter“, hatte Marcus geantwortet.

Aber sie braucht dich auch“, hatte Eleanor ihn freundlich gedrängt.

„Sie haben einen Ehemann und Kinder“, riss Pierre Colbert sie aus ihren Gedanken. „Behindert das nicht Ihre Arbeit?“

„Ich bin eine Frau, Monsieur“, antwortete Eleanor ruhig. „Und als solche bin ich es gewöhnt zahlreichen Anforderungen an meine Zeit gerecht zu werden.“

An seiner Miene erkannte sie, dass Pierre Colbert sowohl überrascht als auch amüsiert war. Heimlich gratulierte sie sich, dass sie nicht in die Falle geraten war und erwidert hatte, einem Mann würde er solch eine Frage niemals stellen. Er war Franzose, ein Chauvinist und zweifellos stolz darauf. Bei ihm fuhr sie besser, wenn sie die Tugenden ihres Geschlechts hervorhob, anstatt auf der Gleichberechtigung von Mann und Frau zu bestehen.

Nachdenklich beobachtete sie ihn und fuhr geschickt fort: „Meine Partnerin und ich sind davon überzeugt, dass wir einen professionellen, äußerst kompetenten Service bieten. Ich bin sicher, dass Sie derselben Ansicht sind, sonst wären Sie nicht hier, Monsieur. Ich halte Sie nicht für einen Mann, der seine Zeit nutzlos verschwendet.“

Sie bemerkte die Hochachtung in seinen braunen Augen, bevor er den Blick abwandte.

„Sie sind eines von zahlreichen Büros, die mir empfohlen wurden“, erklärte er abschließend und stand auf. „Es ist immer gut, mehrere Möglichkeiten an der Hand zu haben.“

Eleanor erhob sich ebenfalls. Äußerlich blieb sie äußerst ruhig und gelassen. Insgeheim fürchtete sie jedoch, dass Pierre Colbert ihre Dienste nicht in Anspruch nehmen würde. Ja, wäre sie ein Mann … oder Französin …

Nachdem Pierre Colbert das Büro verlassen hatte, ging sie zu Claire und fragte: „Ist Louise da?“

„Ja, sie ist gerade gekommen“, antwortete die Sekretärin und blickte ihrer Chefin sehnsüchtig nach. Eleanor war genau die Frau, die sie selber gern gewesen wäre: attraktiv, erfolgreich und mit einem Mann verheiratet, der eine überwältigende Aura von Sex und Macht um sich verbreitete. Der Strafverteidiger war zwar schon gut Mitte vierzig, strahlte jedoch noch eine Männlichkeit aus, bei der ihre Knie weich wurden. Nicht, dass er ihr einen zweiten Blick zugeworfen hätte. Und selbst wenn …

Eleanor war so – so nett. Claire konnte sich nicht vorstellen, dass ihr jemand wehtun wollte. Die beiden waren ein ideales Ehepaar mit einer idealen Beziehung und einem idealen Lebensstil.

Ehe, Karriere, Mutterschaft – Eleanor hatte alles.

Eleanor hatte angeklopft, bevor sie Louises Büro betrat. Doch ihre Partnerin hatte es wohl nicht gehört. Sie hielt den Kopf tief über einige Unterlagen gesenkt.

Als Eleanor sie ansprach, fuhr sie erschrocken auf und schob die Papiere verlegen beiseite. „Oh, ich hatte dich nicht reinkommen hören.“

„Das habe ich bemerkt“, antwortete Eleanor lächelnd. „Planst du gerade deinen Sommerurlaub?“ Sie hatte das Foto eines hübschen Landhauses auf einem Prospekt entdeckt, bevor Louise die Unterlagen hastig beiseiteschob.

Zu ihrer Verblüffung blickte Louise beinahe schuldbewusst drein. Dann wandte sie den Kopf ab und antwortete: „Ja.“

„Ich möchte dich gern über mein Gespräch mit Pierre Colbert informieren. Hast du heute Mittag Zeit?“

Erneut wurde Louise verlegen. „Äh, nein, tut mir leid. Ich habe mich mit Paul zum Lunch verabredet.“

Eleanor lächelte freundlich. „Gratuliere“, antwortete sie kläglich. „Ich wünschte, mein Mann hätte ebenfalls Zeit für mich zum Lunch. Neuerdings können wir schon froh sein, wenn es zu einem Sandwich reicht.“ Sie hielt inne, denn sie merkte, dass Louise ihr nicht richtig zuhörte. „Stimmt etwas nicht?“, fragte sie besorgt.

„Nein, nein“, versicherte Louise schnell.

Paul und Louise verband eine äußerst stürmische Beziehung. Eleanor wusste, dass Paul dazu neigte, seine Frau zu dominieren. Er gehörte zu jenen Männern, die ständig eine Selbstbestätigung benötigten und ihre männliche Überlegenheit dadurch sicherten, dass sie den Frauen einen untergeordneten Platz in ihrem Leben zuwiesen.

Eleanor war längst aufgefallen auf, wie oft Louise eine Bemerkung mit den Worten „Paul sagt“ oder „Paul glaubt“ einleitete, seit die beiden verheiratet waren. Sie mochte den Mann nicht. Aber es war Louises Wahl und nicht ihre.

Sie versuchte es erneut. „Louise …“

„Ich muss jetzt wirklich gehen. Ich habe versprochen, noch bei einem Kunden vorbeizuschauen, bevor ich Paul treffe.“

Louise ist eine erwachsene Frau. Ich kann sie nicht zwingen, sich mir anzuvertrauen, dachte Eleanor kläglich und kehrte in ihr Büro zurück.

Dir Problem war, dass sie einen starken Mutterinstinkt besaß. Zumindest behauptete Jade das. „Was du brauchst, ist eine große Kinderschar um dich herum“, hatte sie einmal gesagt.

Eine ganze Schar zum Ausgleich für ihre Einsamkeit als Einzelkind? Eleanor verzog das Gesicht. Mit achtunddreißig Jahren sollte man solche Wünsche lieber nicht mehr haben.

Marcus und sie hatten sich über weitere Kinder unterhalten. Es hieß, dass ein gemeinsames Kind die einzelnen Glieder einer neuen Familie besser zusammenschweißte. Doch sie waren übereingekommen, dass sie solch eine Hilfe nicht wollten.

Das Haus jetzt schon nicht groß genug. Außerdem hatte Eleanor ihr Übersetzungsbüro und ihre Pflichten als Ehefrau. Leider waren Marcus und sie beruflich so eingespannt, dass sie trotz der Heirat manchmal weniger Zeit füreinander hatten als zu Beginn ihrer Bekanntschaft.

Eleanor merkte, dass sie ein wachsendes Bedürfnis nach mehr Zeit und Freiraum verspürte, nach einem geruhsameren Lebensgang, der es ihr ermöglichte, manche Dinge besser zu würdigen. Nie hatte sie genügend Zeit, die Freuden des Lebens wirklich zu genießen.

Selbst für die Liebe reichte es kaum noch.

Vorbei waren die Tage, an denen Marcus und sie den ganzen Nachmittag, den ganzen Abend und selbst noch den nächsten Morgen genüsslich im Bett verbringen konnten, wie sie es vor ihrer Heirat getan hatten. Wie hatte sie diese intimen Stunden in Marcus’ Haus oder in ihrer Wohnung genossen, wo sie ganz allein gewesen waren.

Jetzt schien es, als wären sie nie mehr allein.

Fühlte sich Marcus ebenfalls unwohl bei dem Gedanken, dass ihre Söhne unter demselben Dach wohnten, wenn er mit ihr schlief? Sie, Eleanor, konnte sich niemals völlig entspannen, sobald Vanessa zu Besuch war. Oder ging das nur den Frauen so? Oder nur Frauen mit einer beinahe erwachsenen Stieftochter?

Inständig hoffte Eleanor, dass mit Louises und Pauls Beziehung alles in Ordnung war. Sie mochte den Mann zwar nicht, aber ihre Partnerin liebte ihn. Er war ein wunderbarer Vater und widmete sich ausgiebig seinen beiden Söhnen. Das ging so weit, dass er Louise bewusst aus dieser männlichen Welt ausschloss.

Marcus kam ebenfalls gut mit Tom aus und sogar noch besser mit Gavin. Aber er widmete sich nicht ausschließlich männlichen Beschäftigungen. Außerdem war er natürlich nicht der Vater der Jungen, wie Louise neulich angemerkt hatte, als Eleanor das Verhalten der beiden Männer verglich.

Das war überflüssig und taktlos gewesen, überlegte sie jetzt und knabberte an dem Nagel ihres Zeigefingers. Als Kind hatte sie ständig die Nägel gekaut, auch noch als junge Erwachsene und als Ehefrau und Mutter. Nach ihrer Scheidung hatte sie sich fest vorgenommen, damit aufzuhören, und es war ihr gelungen. Doch jetzt, nachdem ihr Leben glücklicher und erfüllter war als je zuvor, fiel sie erneut in diese schlechte Angewohnheit.

Was ist bloß mit mir los? überlegte Eleanor. Nächsten Monat waren Marcus und sie genau ein Jahr verheiratet. An ihrem Hochzeitstag war sie so glücklich, so optimistisch und zuversichtlich gewesen.

Sie hatte nicht geahnt, wie schwierig es werden würde, Marcus’ und ihr Leben auf einen Nenner zu bringen. Und nicht nur ihr Leben, sondern auch das ihrer Kinder.

Das Telefon läutete, und Eleanor nahm den Hörer ab. Sie lächelte unwillkürlich, als sie Marcus’ Stimme hörte.

„Darling, was für eine schöne Überraschung!“

„Eleanor kannst du gleich nach Hause kommen? Die Schule hat angerufen. Tom geht es nicht gut. Ich fahre hin und hole ihn ab. Aber anschließend wird er bestimmt nach dir fragen.“

„Was ist mit Tom los?“

„Keine Sorge. Ich bezweifle, dass es sich um etwas Ernstes handelt. Sonst hätte man einen Arzt gerufen und nicht mich verständigt. Das Sekretariat hat versucht, dich zu erreichen, erhielt aber die Auskunft, du wärest in einer Konferenz.“

Die Schule musste angerufen haben, während sie mit Pierre Colbert gesprochen hatte. Bildete sie es sich nur ein, oder lag ein leichter Vorwurf in Marcus’ Stimme? Sie wusste, wie sehr er es verabscheute, bei der Arbeit gestört zu werden. Schließlich war sie Toms Mutter.

Eleanor stand auf, nahm ihren Mantel und eilte ins Vorzimmer. Claire war nicht da. Deshalb klopfte sie kurz bei Louise an und trat ein.

Ihre Partnerin telefonierte gerade. „Nein, ich habe es ihr noch nicht gesagt. Ich hatte nicht …“ Erschrocken sah Louise auf und errötete ein wenig, sobald sie Eleanor bemerkte. „Ich muss jetzt Schluss machen“, sagte sie rasch in den Hörer.

„Tut mir leid, dich zu stören“, begann Eleanor. „Ich muss sofort weg. Tom geht es nicht gut. Er ist von der Schule nach Hause geschickt worden. Zum Glück habe ich heute keine weiteren Termine.“

Louise hört schon wieder nicht richtig zu, stellte Eleanor fest. Das Gesicht ihrer Partnerin war immer noch gerötet, und sie mied ihren Blick. Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte Eleanor sich nach dem Grund erkundigt. Doch die Sorge um Tom und ihr schlechtes Gewissen, dass sie die ersten Anzeichen einer Krankheit heute Morgen vielleicht nicht erkannt hatte, waren größer.

Ungeduldig fuhr sie nach Hause und schloss mit zitternden Fingern die Tür auf. Leise rief sie nach Marcus.

„Ich bin hier“, antwortete er und kam aus seinem Arbeitszimmer. „Wo ist Tom?“, fragte Eleanor und blickte zur Treppe hinüber. „Er ist in der Küche“, sagte Marcus.

„In der Küche?“ Verärgert sah Eleanor ihren Mann an. Ob er auch so gelassen geblieben wäre, wenn es sich um seine Tochter gehandelt hätte? Rasch verdrängte sie den Gedanken und eilte zu ihrem Sohn.

Tom hatte sich auf einem Stuhl in der Essecke zusammengerollt und sah ein Fernsehprogramm an.

Widerstrebend drehte er sich zu ihr.

Mein Sohn sieht blass aus, stellte Eleanor fest, und ihr Herz begann heftig zu pochen. Weshalb hatte sie es nicht schon heute Morgen bemerkt? Schließlich war sie seine Mutter.

„Wie geht es dir, Liebling?“, fragte sie und legte die Hand auf seine Stirn. Besonders heiß war sie nicht.

„Mir ist schlecht“, klagte Tom. „Das habe ich dir schon heute Morgen gesagt.“

Eleanor zuckte innerlich zusammen, als sie den Vorwurf in seiner Stimme hörte. Tom hatte zwar erklärt, dass er nicht zur Schule wolle, aber sie hatte es auf die Tatsache geschoben, dass es Montag war und er schlecht gelaunt war, weil er verschlafen hatte.

„Nach der Morgenandacht musste ich mich übergeben“, erzählte Tom. „Mir ist so komisch, Mum. Mein Kopf und mein Nacken tun weh.“

Eleanor wurde es ganz elend. Die Zeitungen hatten kürzlich über einige Fälle von Hirnhautentzündung berichtet.

„Und was ist mit deinen Augen?“, fragte sie besorgt. „Tun die auch weh?“

„Ja, ein bisschen.“

Eine halbe Stunde später lag Tom im Bett, und Eleanor hatte mit der Ärztin telefoniert. „Meinst du, es könnte eine Hirnhautentzündung sein?“, fragte sie Marcus ängstlich.

„Das bezweifle ich“, meinte er. „Ich habe den Verdacht, es liegt an dem blauen Montag und der ungehörigen Portion Eis, die Tom gestern statt eines Abendessens verspeist hat.“

„Was für eine ungehörige Portion Eis?“

„Deren Verpackung ich heute Morgen gefunden habe.“

Eleanor schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht recht. Tom sagt, seine Augen tun weh.“

„Hat er es von sich aus gesagt, oder hast du ihn danach gefragt?“, erkundigte Marcus sich.

„Ich bin deine Frau und keine gegnerische Zeugin“, fuhr sie ihn an, und er runzelte die Stirn. Doch bevor sie sich entschuldigen konnte, läutete die Türglocke.

„Das wird die Ärztin sein. Ich mache auf.“

„Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen“, beruhigte die Frau Eleanor eine Viertelstunde später. „Ich bin selber Mutter und weiß, wie das ist. Außerdem ist es besser, sich einmal zu viel Sorgen zu machen als einmal zu wenig. Zum Glück handelt es sich diesmal nur um einen verdorbenen Magen und die Bitte um ein bisschen Aufmerksamkeit.“

Also hat Marcus recht gehabt, dachte Eleanor, während sie die Ärztin hinausbegleitete. Sie hatte sich unnütz aufgeregt, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte. Sie war nicht zu erreichen gewesen, um Tom abzuholen. Deshalb hatte Marcus seine Arbeit unterbrechen müssen. Außerdem war sie heute Morgen so in Gedanken gewesen, dass sie nicht gesehen hatte, wie blass Tom war. Und gestern Abend hatte sie so viel zu tun gehabt, dass sie nichts von dem Eis bemerkt hatte.

Was war mit ihr los? Wo blieb die Freude am Leben, wenn sie so wenig Zeit für ihre Kinder, für ihren Mann und für sich selber hatte?

„Du hattest recht“, sagte Eleanor später kläglich zu Marcus, „Es ist nur ein verdorbener Magen. Tut mir leid, dass ich dich vorhin so angefahren habe.“

„Schon gut“, versicherte er ihr unbekümmert und lächelte freundlich. „Ich hatte vergessen, dass Mütter es nicht leiden können, wenn man ihre Urteilsfähigkeit anzweifelt.“

Was wollte Marcus damit sagen? Bezog er sich auf die Mütter im Allgemeinen, oder hatte er eine bestimmte im Sinn, zum Beispiel die Mutter seiner Tochter?

„Übrigens haben die Lassiters darum gebeten, dass wir pünktlich um acht Uhr da sind. Wann wird der Babysitter kommen?“, fragte Marcus.

Das Abendessen bei den Lassiters … Eleanor hatte es ganz vergessen und niemanden für die Jungen besorgt. Wie war das möglich? Harold Lassiter war der älteste Strafverteidiger an Marcus’ Gericht. Es hieß, dass er demnächst zum leitenden Richter berufen werden sollte.

Marcus bemerkte ihren entsetzten Blick. „Hast du es etwa vergessen?“, fragte er scharf.

„Es tut mir furchtbar leid, Marcus. Ich hatte letztes Wochenende einen Babysitter besorgen wollen. Aber dann rief Julia an und fragte, ob wir Vanessa zu uns nehmen könnten, und darüber habe ich es …“

„Ich könnte Jade fragen“, schlug Eleanor vor. „Vielleicht hat sie Zeit.“ Sie begann gerade die Nummer der Freundin zu wählen, da hörte sie Tom. „Mum … Mum, mir ist schlecht!“

Besorgt legte sie den Hörer wieder auf und eilte nach oben. Tom übergab sich heftig. Wahrscheinlich lag es nur an dem Eis und war die gerechte Strafe für seine Gier. Doch Tom tat sich selber schrecklich leid, stellte Eleanor fest, während sie ihn ins Bett zurückbrachte.

Mit dreizehn Jahren war ihr Sohn eigentlich schon zu alt für solch eine mütterliche Fürsorge. Aber heute klammerte er sich an sie.

„Bleib bei mir“, flehte er, als Eleanor aufstehen wollte.

„Das geht nicht, Liebling“, antwortete sie. „Ich muss Tante Jade anrufen und sie fragen, ob sie heute Abend auf euch aufpassen kann.“

Wütend schoss Tom in die Höhe und ließ seine Mutter nicht los. „Ich will sie nicht, ich will dich!“, rief er.

Erschrocken legte Eleanor die Arme um ihn. Tom klammerte sich sonst nie an sie. Vielleicht hatte die Ärztin sich geirrt, und es ging ihm schlechter, als sie annahm.

„Bitte, Tom, ich muss gehen.“

„Nein!“, antwortete er eigensinnig. „Mit uns willst du nie nicht mehr zusammen sein. Immer nur mit ihm.“

Entsetzt zog Eleanor ihren Sohn fester an sich. „Tom, das stimmt nicht.“

Sie konnte unmöglich zu den Lassiters gehen, solange Tom derart verstört und außer sich war.

Marcus würde das allerdings nicht recht sein. Eleanor merkte, dass ihr Herz zu pochen begann. Angst und Sorge mischten sich in ihre Verzweiflung und das ungute Gefühl, dass ihr das Leben langsam aus den Händen glitt.

Dabei hatte sie überhaupt keinen Grund dafür. Schließlich hatte sie alles, was sich eine Frau nur wünschen konnte. Wirklich alles …

Allerdings auch einiges, was sie ihrer ärgsten Feindin nicht gewünscht hätte. Zum Beispiel einen Steuerberater, der sie vor sinkenden Gewinnen und steigenden Kosten warnte, eine Partnerin, deren persönliche Probleme sich schädlich auf ihre Geschäftsbeziehungen auswirkten, und eine Stieftochter, sie sich immer feindseliger verhielt und eine Art Rivalin um die Zuneigung ihres Vaters in ihr zu sehen schien. Hinzu kam ein Sohn, der ihr soeben deutlich bewiesen hatte, dass sie ihre Sorgen wegen der möglichen schädlichen Auswirkungen ihrer Scheidung auf ihre Kinder wirklich noch längst nicht überwunden hatte.

Ihre alleinstehenden Freundinnen mochten sie noch so um das Haus mit den Antiquitäten und den kostbaren Teppichen beneiden. Leider es war kein geeignetes Heim für zwei heranwachsende Jungen.

Es gab zu viele Dinge in ihrem Leben, über die sie keine richtige Kontrolle mehr hatte.

Doch die Gewissheit, einen Ehemann zu haben, den sie liebte und der sie ebenfalls liebte, entschädigte sie für alles, nicht wahr? Nicht wahr?

2. KAPITEL

Nervös überprüfte Fern ihre Erscheinung im Schlafzimmerspiegel und machte sich innerlich auf Nicks Kritik gefasst. Sie glättete den matten schwarzen Stoff ihres Abendkleides über den Hüften und stellte besorgt fest, wie viel sie seit Weihnachten abgenommen hatte.

Der Tod ihrer Mutter war einer der Gründe dafür. Fern hatte sie die letzten Wochen gepflegt, was sehr anstrengend gewesen war. Vor allem, weil Nick sich ständig über ihre Abwesenheit beklagt hatte.

Sie hatte versucht, ihm zu erklären, dass sie sich aus einer Mischung von Liebe und Verantwortung verpflichtet fühlte, sich persönlich um ihre Mutter zu kümmern. Doch Nick hatte nur interessiert, wie er in ihrer Abwesenheit zurechtkommen sollte. Immerhin hätte er ein Anlagebüro, und sie wäre seine Frau. Da sie nicht arbeite und kein Geld zum Haushalt beisteuere, könne er erwarten, dass sie zu Hause sei, wenn er sie brauchte.

Fern hatte die Ängste und das Elend verdrängt, die seine Worte in ihr hervorriefen. Sie hatte weder körperlich noch seelisch die Kraft gehabt, sich mit ihm zu streiten.

Ihre Mutter läge im Sterben und brauche sie, hatte sie ruhig erklärt.

„Ich brauche dich ebenfalls“, hatte Nick geantwortet.

Am Ende hatte sie so viel Zeit wie möglich bei ihrer Mutter verbracht und war zwischendurch immer wieder nach Hause geeilt, um Nicks Oberhemden zu waschen und zu bügeln und seinen Kühlschrank aufzufüllen.

Der Tod der Mutter war beinahe eine Erleichterung gewesen, was ihr heute noch ein schlechtes Gewissen bereitete. Das und viele andere Dinge. Vor allem jedoch …

Fern sah noch einmal in den Spiegel und verzog das Gesicht. Sie war viel zu müde und erschöpft für eine siebenundzwanzigjährige Frau. Das dichte kastanienbraune Haar mit den natürlichen goldblonden Strähnen in den dicken Wellen war fast zu schwer für ihren schlanken Hals. Es bildete einen grotesken Kontrast zu ihrem Gesicht und ihrem Körper. Sie hätte es unbedingt schneiden lassen müssen. Inzwischen war sie längst zu alt für solch eine ungezähmte Mähne.

Zum ersten Mal hatte sie das Haar auf der Universität kürzen lassen wollen und es Adam erzählt.

„Tu es nicht“, hatte er mit seiner sanften Stimme gesagt. Dabei hatte er die Hand gehoben, vorsichtig die dichten Strähnen aus ihrem Gesicht geschoben und …

Zitternd wandte sie sich vom Spiegel ab, und ihr Gesicht rötete sich vor Gewissensbissen. Sie hatte geschworen, sich niemals solchen Gedanken hinzugeben. Das wäre ein ähnlicher Bruch ihres Ehegelöbnisses wie …

Fern hatte nicht die geringste Lust zu diesem Abendessen. Erstens kannte sie Venice Dunstant kaum. Sie war Nicks Klientin und die Witwe eines außerordentlich reichen Unternehmers, der erheblich älter gewesen war als sie.

Es hatte eine Menge Klatsch gegeben, als sich die beiden im Urlaub kennenlernten und innerhalb weniger Wochen heirateten. Zwei Jahre später war Bill Dunstant gestorben.

Nick hatte Venice erst nach dem Tod ihres Mannes zum ersten Mal getroffen. Sie hatte ihn in seiner Eigenschaft als Anlageberater aufgesucht. Früher hatte sie die meiste Zeit in London verbracht. Inzwischen kümmerte sie sich zunehmend um die Angelegenheiten der Gemeinde.

Sie hatte Nick dazu überredet, dem exklusiven und sehr teuren Freizeitklub beizutreten, der kürzlich eröffnet worden war.

„Du solltest etwas mehr Sport treiben“, hatte er erst neulich abends zu Fern gesagt und ihren zu schlanken Körper kritisch betrachtet. „Venice trainiert beinahe jeden Abend. Außerdem spielt sie Tennis.“

Fern hatte auf die Bemerkung verzichtet, dass sie sich im Gegensatz zu Venice die Kosten für solch einen Freizeitklub nicht leisten könnte. Und selbst wenn, hätten die Krankheit ihrer Mutter und Nicks Ansprüche ihr niemals genügend Zeit für einen derartigen Luxus gelassen.

Nick erwähnte Venice ziemlich oft. Zu oft? Oder war sie zu misstrauisch und bildete sich Dinge ein, die gar nicht existierten? Zum Beispiel den Duft einer anderen Frau auf seiner Haut?

Äußerlich war Nick ein sehr attraktiver Mann. Er wusste genau, wie er es anstellen musste, damit die Frauen auf ihn flogen. Sein dichtes blondes Haar, der jungenhafte Charme seines Lächelns und seine dunkelblauen Augen trugen das ihre zu dieser männlichen Ausstrahlung bei. Er war nur wenig größer als der Durchschnitt, und sein Körper war rank und schlank. Im Gegensatz zu Adam, der groß und breitschultrig war und wie ein reifer Mann wirkte, sah Nick mit seinen dreißig Jahren eher jünger aus, als er war. Das erfüllte ihn mit Stolz.

Er konnte sehr überzeugend sein, wenn er wollte. Fern hatte längst aufgehört, mitzuzählen, wie oft sie angesichts seiner Schmeicheleien nachgegeben hatte, weil sie die mürrischen Beschuldigungen fürchtete, die sonst unweigerlich folgen würden.

Wann war ihr zum ersten Mal klar geworden, dass sie Nick nicht mehr liebte? Dass sie ihn vermutlich nie geliebt hatte, sondern es sich von ihm nur hatte einreden lassen? Weil sie geschmeichelt gewesen war, dass er sie umwarb, und weil sie gewusst hatte, wie sehr ihre Eltern darauf warteten, dass sie sich glücklich verheiratete? Und weil sowohl Nick als auch Vater und Mutter erklärten, er wäre genau der richtige Mann für sie?

Fern war fest davon überzeugt gewesen, dass sie Nick liebte. Und sie hatte aufrichtig geglaubt, dass er sie brauchte und sie ebenfalls liebte. Schließlich hatte er ihr oft genug gesagt, dass er für immer mit ihr zusammen sein wollte.

Als sie kurz darauf feststellen musste, dass seine Auffassung von Liebe und Begehren nicht mit ihrer übereinstimmte, hatte sie beschämt geschwiegen. Sie hatte sich an ihr Ehegelübde erinnert und vermutet, dass sie zu viel erwartete. Die strenge Erziehung hatte sie daran gehindert, sich jemandem anzuvertrauen oder gar Hilfe und Rat zu suchen.

Dass sie sexuell nicht sonderlich auf Nick reagierte, konnte nur an ihr liegen. Schuldbewusst hatte sie versucht, ihre mangelnde Begeisterung zu überwinden, und war sich zerknirscht bewusst gewesen, wie enttäuscht Nick von ihr sein musste. Sicher ärgerte er sich ebenso wie sie darüber, dass sie alles stumm über sich ergehen ließ. Anschließend lag sie steif da und war froh, dass es vorüber war. Gleichzeitig war sie unglücklich, hatte ein schlechtes Gewissen und starrte schlaflos auf seinen Rücken.

Kein Wunder, dass Nick sich immer sofort abwandte und darüber klagte, sie wäre keine richtige Frau. Kein Wunder auch, dass er achtzehn Monate nach ihrer Heirat bereits die erste Affäre mit einer anderen Frau gehabt hatte.

Verwunderlich war höchstens, dass sie, Fern, so schockiert gewesen war und es nicht glauben wollte. Nick war ihr Mann … Sie waren verheiratet und hatten das Ehegelübde gesprochen. Andere Paare mochten Ehebruch begehen. Aber sie doch nicht … Zu diesem Schreck war der Gedanke gekommen, wie entsetzt ihre Eltern sein würden, falls ihre Ehe scheiterte.

Zwei Jahre war das jetzt her, und Fern erinnerte sich daran, als wäre es gestern gewesen: die Frau, die bei ihr aufgetaucht war, nachdem Nick zur Arbeit gegangen war; ihre eigene arglose Überraschung und die Nervosität ihrer Besucherin, die sich langsam auf sie übertragen hatte. Die Frau hatte die angebotene Tasse Kaffee abgelehnt und gereizt an ihrer Zigarette gezogen.

Später hatte Fern sich über Nicks Wahl gewundert, denn sie wusste, dass er Raucherinnen nicht leiden konnte. Ein seltsamer, unzusammenhängender Gedanke, der sich von allein in ihr Gehirn geschoben hatte, während andere, wesentlich wichtigere Überlegungen ausgesperrt blieben.

Nick und sie wären ein Liebespaar, hatte die Frau erklärt. Sie hatte angenommen, dass Fern von dem Verhältnis ihres Mannes wusste und zu Nick hielt, obwohl er sie nicht mehr begehrte.

Schreck und Stolz hatten Fern davon abgehalten, die Wahrheit zu gestehen.

Endlich war die Frau gegangen. Fern hatte regungslos zugesehen, wie sie davonfuhr, und war wie betäubt die Treppe hinaufgestiegen. Sie hatte ihren Kleiderschrank geöffnet, einen Koffer hervorgeholt und angefangen, ihre Sachen zu packen.

Dann hatte das Telefon geläutet. Sie war wieder nach unten gegangen. Doch statt den Hörer abzunehmen, war sie an dem Apparat vorbei direkt auf die Straße gelaufen.

Sie hatte nicht die geringste Erinnerung daran – auch nicht, wie sie in die Stadt gekommen war oder was sie dazu getrieben hatte.

Adam hatte sie gefunden und vor der öffentlichen Schande bewahrt. Allerdings nur, um sie später die tiefste persönliche Demütigung erleiden zu lassen.

Seit sie mit seinem Stiefbruder verheiratet war, hatte Fern nie mehr über private Dinge mit Adam gesprochen – obwohl sie ihn länger kannte als Nick und einmal geglaubt hatte, er wäre ihr Freund. Doch Nick hatte ihr klargemacht, dass der Adam, den sie meinte, nur in ihrer Fantasie existierte.

„Du bildest dir doch nicht ein, dass Adam sexuell an dir interessiert ist?“, hatte er sie ungläubig gefragt. „Oh Fern …“ Er hatte leise gelacht und sie vorsichtig geschüttelt. „Hast du das wirklich geglaubt? Adam ist schon lange mit einer anderen Frau befreundet. Es ist eine sehr diskrete Beziehung. Das ist ihm lieber, weil er sich damit nichts verbaut, wenn du verstehst, was ich meine. Eigentlich sollte ich nicht so über ihn reden. Ein Mann in seiner Position, der einigermaßen wohlhabend ist und sich einen Ruf als örtlicher Wohltäter erworben hat, muss auch privat moralisch einwandfrei sein. Adam ist eine Art heimlicher Hecht. Trotzdem hast du nichts von ihm zu befürchten, Fern. Er zieht reife Frauen als Sexualpartnerinnen vor, keine jungen Mädchen – oder Jungfrauen.“

Fern erinnerte sich, wie klein sie sich vorgekommen war und wie verlegen sie von da an geworden war, wenn sie Adam begegnete. Hatte er tatsächlich mit Nick über sie gesprochen?

Es hatte wehgetan, zu wissen, dass Adam ihre kindische Verliebtheit bemerkt hatte. Sicher hatte er sich darüber amüsiert und es dieser Unbekannten erzählt, die das Bett mit ihm teilte. Eine Frau, die ihr nach Nicks Worten meilenweit an Reife überlegen war.

Doch in ihrem Schock nach dem Besuch von Nicks Geliebter hatte Fern nicht die Kraft aufgebracht, Adam gegenüber vorsichtig zu sein. Sie hatte sich hingesetzt und stockend erzählt, was passiert war. Anschließend hatte sie zu weinen begonnen.

Und dann war es geschehen. Sie hatte ihr Gelübde gebrochen und etwas getan, das viel, viel schlimmer war als Nicks sexueller Verrat.

Selbst heute ertrug sie den Gedanken daran noch nicht und verdrängte die Erinnerung entschlossen.

Anschließend war ihr klar gewesen, dass es kein Zurück gab und ihre Ehe mit Nick zu Ende war. Aber davon hatte sie Adam nichts gesagt.

Wie könnte sie? Schließlich hatte er nur aus Mitleid mit ihr geschlafen und nicht anders reagiert als jeder Mann an seiner Stelle nach allem, was sie gesagt – und getan hatte.

Sie hatte darauf bestanden, nach Hause zurückzukehren, obwohl Adam es ihr hatte ausreden wollen. „Lass dich zumindest von mir fahren“, hatte er gesagt. Doch sie war erschrocken zurückgewichen für den Fall, dass er noch einmal nach ihr greifen wollte. So schockiert und beschämt war sie von ihrem Verhalten und ihrer Wollust gewesen, dass sie nur noch den Wunsch hatte, zu flüchten und sich irgendwo zu verkriechen.

In diesem Augenblick hatte das Telefon geläutet. Sie hatte die Gelegenheit genutzt und das Haus schleunigst verlassen.

Adam war ihr nachgelaufen und hatte ihren Namen gerufen, aber sie war schon auf der Straße gewesen. Da die Passanten sofort gemerkt hätten, wie es um sie beide stand, hatte Adam nicht hinter ihr herrennen und sie ins Haus zurückzerren können.

Wozu auch? Trotz aller Sorgen, die er sich um sie machte, hatte er insgeheim erleichtert sein müssen, dass sie ging und ihm die Erklärung ersparte, alles sei nur ein Missverständnis gewesen. Er hätte nie die Absicht gehabt …

Das Telefon läutete, als Fern nach Hause kam. Sie hatte nicht abgenommen, denn sie war sicher gewesen, dass es Adam war. Stattdessen war sie nach oben gegangen und hatte mechanisch ihren Koffer gepackt.

Zehn Minuten später war Nick erschienen, viel früher als sonst. An seiner Miene hatte sie erkannt, dass er von dem Besuch seiner Geliebten wusste.

Fern hatte den Mund geöffnet, um ihm zu sagen, dass sie ihn verlassen würde. Doch Nick war ihr zuvorgekommen. Leidenschaftlich hatte er sie an sich gezogen und nicht gemerkt, dass sie innerlich erstarrte und bei seiner Berührung zurückzuckte.

„Fern … Fern, es tut mir schrecklich leid. Du hättest es nie erfahren sollen. Diese Frau bedeutet mir nichts, das musst du mir glauben“, hatte er heiser erklärt.

Er redete weiter, bat sie, ihn nicht zu verlassen, und versicherte ihr, wie sehr er sie immer noch liebte und begehrte. Er schmeichelte und flehte, bis ihr der Kopf schwirrte.

„Überleg einmal, was deine Eltern empfinden würden“, fuhr er fort und betrachtete ihren halb gepackten Koffer. „Du weißt, wie entsetzt und gekränkt sie wären. Willst du ihnen das wirklich antun, Fern? Und alles nur wegen dieser kleinen Affäre, die absolut nichts bedeutet?“ Er schwieg einen Moment.

„Wie naiv du bist. Was meinst du, wie viele Ehen zerbrechen würden, wenn jede Frau so reagierte, nachdem sie von einer Dummheit ihres Mannes erfahren hat? Ich hatte es nicht vorgehabt. Aber seien wir ehrlich, Fern. Sexuell …“ Er zuckte die Schultern. „Sie gab mir das Gefühl, begehrt sein“, fügte er mit jungenhaftem Lächeln hinzu. „Sie wollte mich. Natürlich ist es nicht deine Schuld, dass du sexuell so schwer zu erregen bist. Aber ich bin ein Mann mit normalen männlichen Bedürfnissen und sie …“

Fern war viel zu elend gewesen, zu erfüllt von Abscheu und Verachtung, um etwas zu sagen. Sie stand nur da, hörte Nick zu und wusste, dass er recht hatte. Ihre Eltern würden schockiert und entsetzt sein und sie nicht verstehen.

„Ich brauche dich immer noch“, beharrte Nick. „Lass uns versuchen, unsere Beziehung wieder einzurenken. Bitte, Fern, gib mir eine zweite Chance.“

Am Ende hatte sie nachgegeben. Was war ihr denn anderes übrig geblieben? Nick liebte sie, und er brauchte sie. Ihre Eltern würden es bestimmt nicht billigen, wenn sie ihn verließ. Außerdem hatte sie ein furchtbar schlechtes Gewissen wegen ihres eigenen Ehebruchs.

Sie musste ihrer Ehe eine zweite Chance geben. Aber während sie zustimmte und eigentlich froh sein musste, dass Nick weiter mit ihr zusammenbleiben wollte, stieg eine seltsame Mischung aus Angst und Wut in ihr auf, und sie hatte den Eindruck, in einer Falle zu stecken.

Natürlich verdrängte sie dieses Gefühl sofort. Abends, als Nick mit ihr geschlafen hatte und sie erneut stocksteif neben ihm lag, wurde ihr klar, dass sie ihm von Adam erzählen musste.

Am nächsten Morgen versuchte sie es.

„Was soll das heißen: Du kannst nicht mit mir zusammenbleiben?“, fragte Nick wütend. „Ich habe dir doch gesagt, dass mir diese Frau nichts bedeutet. Es war einfach Sex.“

„Das ist es nicht“, flüsterte Fern. „Es liegt an mir. Ich …“

Der Gesichtsausdruck musste sie verraten haben. Nick fluchte plötzlich und fragte scharf: „Es geht um Adam, nicht wahr? Nun, wenn du glaubst, dass ich dich gehen lasse, damit du zu ihm läufst.“

„Das meine ich nicht!“, protestierte Fern und war entsetzt über seine Worte. „Adam ist nicht … Er will nicht …“

Ihre Stimme versagte unter dem Ansturm der Gefühle, die sie überwältigten. Nick packte ihre Arme und fragte heftig: „Oh nein, du redest weiter. Adam ist nicht – will nicht, was? Er will nicht mit dir schlafen? Lüg mich nicht an, Fern. Ich weiß genau, wie sehr er …“

Er hielt inne und ließ Fern so plötzlich los, dass sie gegen den Küchentisch fiel.

„Ich lasse dich nicht gehen“, wiederholte er ungerührt. „Du hast gelobt, eine Ehe mit mir zu führen. Wenn du dir einbildest …“

Er redete nicht weiter und sah zu, wie Fern sich zitternd vor Entsetzen und Nervosität an den Tisch drückte. Langsam füllten sich ihre Augen mit Tränen, und ihre Selbstbeherrschung schmolz dahin.

Plötzlich wurde Nicks Stimme weich, ja beinahe schmeichelnd. „Überleg doch mal, was deine Eltern empfinden würden, wenn wir uns trennten … Wenn ich ihnen erzählen müsste, dass du mich mit Adam betrogen hast. Seit wann triffst du dich mit ihm? Wie oft …“

Fern unterbrach ihn sofort. Ihre Worte überschlugen sich beinahe, während sie Nick erzählte, was geschehen war. Wie entsetzt sie gewesen war, und wie Adam sie gefunden hatte. Und wie …

„Heißt das, du wolltest es mir einfach heimzahlen?“, fragte Nick, bevor sie geendet hatte. Aus einem unerfindlichen Grund lächelte er, und sein Körper entspannte sich. „Hast du es Adam erzählt?“, erkundigte er sich leise. „Wusste er, dass du anschließend zu mir zurückkehren würdest?“

„Ich habe ihm überhaupt nichts erzählt. Nur dass – dass sie hier aufgetaucht ist.“

Nick lächelte immer noch. Er zog Fern in die Arme und bemerkte ihren Widerstand nicht.

„Begreifst du nicht, Fern? Du bist nur zu Adam gegangen, weil du mich ärgern wolltest. Natürlich bin ich wütend, eifersüchtig und gekränkt. Welcher Mann wäre das nicht? Aber ich verstehe, was in dir vorgegangen ist. Du liebst mich. Deshalb wolltest du mir wehtun und es mir heimzahlen, weil ich dich verletzt hatte. Aber das ist jetzt vorbei. Lassen wir die Vergangenheit ruhen, und machen wir einen neuen Anfang. Geben wir unserer Ehe eine zweite Chance, einverstanden?“

Was sollte Fern sagen? Wie konnte sie das Friedensangebot ausschlagen? Wie viele Ehemänner würden so großzügig sein und ihrer Frau vergeben? Sie war es ihm, ihren Eltern und ihrer Erziehung schuldig, auf seinen Vorschlag einzugehen.

„Ja“, stimmte sie Nick lustlos zu. „Ich bin einverstanden.“ Doch die Worte schmerzten in ihrem Hals und erfüllten sie mit Verzweiflung. „Fern, wo bleibst du? Bist du immer noch nicht fertig?“

Schuldbewusst eilte Fern zur Schlafzimmertür und blieb gerade noch rechtzeitig stehen, bevor Nick eintrat.

Der Abendanzug steht ihm gut, musste sie zugeben und betrachtete sein tadellos geschnittenes Haar und seine Sonnenbräune, die er im Freizeitzentrum bekommen hatte. Sie hob sich deutlich von dem teuren Stoff seines Smokings und dem makellosen Weiß seines Hemdes ab.

Nick hatte es gern, wenn sie seine Oberhemden stärkte und von Hand bügelte. Das war eine mühselige Arbeit, die die Wäscherei erheblich besser erledigt hätte. Doch wenn sie Nick darauf hinwies, würde er sie gewiss fragen, ob sie ihn für einen Dukatenesel hielte und was sie überhaupt mit ihrer ganzen Zeit anfange. Schließlich hätte sie keinen Beruf.

Weil Nick nicht wollte, dass sie arbeitete. Jedes Mal, wenn Fern ihn darauf ansprach, dass sie sich gern eine Halbtagsstelle suchen würde, wurde er furchtbar wütend. Die Leute müssten ja glauben, dass er seine Frau zu kurzhielte und sie deshalb ein paar Pfund hinzuverdienen wollte, behauptete er. Das käme nicht infrage.

„Meine Güte, hast du nichts Anständigeres anzuziehen?“, fragte Nick jetzt.

Fern hätte antworten können, dass sie sich von ihrem spärlichen Haushaltsgeld nur eine Grundgarderobe aus dem Kaufhaus leisten könnte. Aber damit hätte sie nur seinen Zorn auf ihre verstorbenen Eltern heraufbeschworen, die sich ihre bescheidenen Ersparnisse als Rente hatten auszahlen lassen, anstatt das Geld zu investieren und später ihrer Tochter zu vererben.

„Du spielst wohl gern die Märtyrerin, nicht wahr?“, fuhr Nick spöttisch fort. „Beeil dich, oder wir kommen zu spät.“ Er warf ihr einen weiteren geringschätzigen Blick zu.

Vergleicht er mich mit Venice? überlegte Fern. Oder bildete sie es sich nur ein, weil sie nach etwas suchte, um …

„Zum Teufel, beeil dich“, forderte Nick sie verärgert auf.

Ruhig nahm Fern ihre Handtasche und ging zur Tür.

Eines ist sicher, dachte sie und versuchte, ihren Sinn für Humor wiederzufinden. Venice wird auf dieser Dinnerparty garantiert nicht in einem altmodischen, langweiligen schwarzen Kleid erscheinen. Im letzten Punkt irrte Fern sich. Venice trug tatsächlich ein schwarzes Kleid. Aber die Farbe war auch das Einzige, was sie mit der Garderobe dieser Frau gemeinsam hatte.

Mit beinahe fünfunddreißig Jahren war Venice älter als Fern, auch älter als Nick. Sie war eine zierliche, lebhafte Frau mit einem zerbrechlichen Körper, einem schmalen ovalen Gesicht und riesengroßen Augen. Während andere Frauen versuchten, ihre geringe Körpergröße mit hohen Absätzen auszureichen, unterstrich Venice bewusst die Tatsache, dass sie kaum größer als einssechzig war.

Fern, die in der Vergangenheit häufig unter Nicks bissigen Bemerkungen über ihre geringe Körpergröße und der Tatsache gelitten hatte, dass es kleinen Frauen an der natürlichen Eleganz ihrer größeren Geschlechtsgenossinnen fehlte, verspürte einen schmerzlichen Stich in der Brust angesichts von Venices Selbstsicherheit.

Venices schwarzes Kleid saß wie angegossen. Für eine zartgliedrige Frau hatte sie erstaunlich üppige Brüste. Fern hörte, wie einige Anwesenden über Venices Figur redeten. Sie fragten sich, ob diese Brüste nicht eher der Kunst eines Chirurgen zu verdanken wären als der Natur.

Gleichgültig, woher Venice die Brüste hat, sie erregen Nicks Aufmerksamkeit, stellte Fern fest.

Hatte Venice diesen schwarzen Federbesatz für ihr Kleid gewählt, weil er nicht nur einen auffälligen Kontrast zu ihrer Hautfarbe bildete, sondern sich der perlmutterne Glanz in den schimmernden Federn spiegelte?

Der tropfenförmige Brillant, der zwischen ihren Brüsten lag, war so groß, dass er beinahe ordinär wirkte. Wenn Venice sich bewegte, funkelte er ebenso kalt wie die Diamanten in ihren Ohren.

Das weißblonde Haar, das sie normalerweise als perfekt geschnittenen, schulterlangen Bob trug, hatte sie zu der modernen Version eines Bardottyps aufgesteckt. Scheinbar kunstlos fielen die Strähnen und Locken herab, als wäre Venice gerade aus den Armen ihres Liebhabers aus dem Bett gestiegen.

Natürlich erreichte man solch eine ungekünstelte Sinnlichkeit nur mithilfe eines außerordentlich teuren Friseurs. Doch auch ohne diese Verschönerung, die sie sich mit dem Erbe ihres reichen verstorbenen Ehemannes leisten kann, wäre Venice eine sehr hübsche Frau, gab Fern zu.

Sie bezweifelte nicht, dass Venice außerdem sehr sinnlich war. Offensichtlich mochte sie Männer entschieden lieber als Frauen und machte keinen Hehl daraus. Fern merkte es, weil ihre Gastgeberin sie nur flüchtig begrüßte, Nick dagegen überschwänglich willkommen hieß. Sie schob sich zwischen sie, drehte Fern beinahe den Rücken zu und schloss sie quasi von der Begrüßung aus.

Dieses Willkommen war entschieden herzlicher, als es die rein geschäftlichen Beziehungen gerechtfertigt hätten, die Nick angeblich mit der Witwe hatte. Oder bin ich ungerecht? überlegte Fern, während sie danebenstand und ruhig wartete, dass Venice ihre Unterhaltung mit Nick beendete.

„Was für ein schöner Diamant“, hörte sie Nick leise sagen.

„Ja, nicht wahr?“, stimmte Venice ihm zu. Lächelnd strich sie mit dem Zeigefinger oberhalb des Steins über ihre Haut und lenkte Nicks Aufmerksamkeit bewusst auf ihren Körper.

Das wäre gar nicht nötig gewesen, stellte Fern fest. Nick konnte sich kaum von ihrem Anblick lösen.

Bei seiner letzten Affäre hatte Nick behauptet, sie, Fern, hätte ihn mit ihrer sexuellen Kälte dazu getrieben. Wenn sie ihn nicht zwingen würde, seine sexuelle Befriedigung in den Armen einer anderen Frau zu suchen, wäre er nicht im Traum auf den Gedanken gekommen, ihr untreu zu werden. Es wäre allein ihre Schuld.

Tief im Innern hatte Fern ihm geglaubt. Sie hatte Nick geheiratet, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob sie sexuell zusammenpassten oder nicht. Naiv hatte sie ihre Unfähigkeit, besondere Lust im Bett zu empfinden, auf mangelnde Erfahrung zurückgeführt.

Außerdem hatte sie Nick nicht wegen Sex geheiratet, sondern weil er sie liebte, sie brauchte und sie begehrte.

Sie hätte nicht bei Nick bleiben dürfen, das wusste Fern längst. Nicht, nachdem sie erkannt hatte, dass sie ihn nicht mehr liebte. Aber sie hatte die Gefühle ihrer Eltern über die eigenen gestellt. Und Nick war so überzeugend, so reumütig und sicher gewesen, dass noch alles gut werden würde. Deshalb hatte sie nicht den Mut aufgebracht, ihm zu sagen, dass sie nicht mehr wollte.

Ein Anflug von Panik erfasste Fern. Sie hatte das erschreckende Gefühl, plötzlich aufzuwachen und in einer Welt, in einem Leben gefangen zu sein, das ihr völlig fremd war.

Erleichtert atmete sie auf, als Venice sich endlich an sie wandte und sie kühl betrachtete. „Fern, kommen Sie ins Wohnzimmer. Sie sehen aus, als wären Sie restlos durchgefroren … Sie sind so dünn.“

Und so unscheinbar, so unelegant und eindeutig unbegehrt, fügte Fern stumm hinzu, während Venice ihre Mäntel einem Dienstmädchen reichte, das stumm hinter ihr gewartet hatte.

Außer Venice kannte Fern niemanden, der mitten in der Woche eine Dinnerparty für weniger als ein Dutzend Gäste gab und dazu Personal in Dienstkleidung anheuerte. Nicht einmal Lord Stanton würde so etwas tun.

Venices Wohnzimmereinrichtung diente ebenso wie das restliche Haus einzig dem Zweck, den perfekten Hintergrund für seine Bewohnerin abzugeben. Während andere Leute angesichts der heiklen wirtschaftliche Lage vor einer derartigen Zurschaustellung von Reichtum und Konsumsucht zurückschreckten, war Venice nicht so einfühlsam.

Der Raum war neu dekoriert worden, seit Fern zum letzten Mal hier gewesen war. Sie kniff die Augen ein wenig zusammen angesichts der zahlreichen Schattierungen von sanftem Pfirsichrosa, die übereinanderlagen, sodass das Zimmer von den sanften Farben zu vibrieren schien.

Chiffonvorhänge waren zwar nicht gerade üblich für ein Wohnzimmer, sie wirkten aber zweifellos sehr sinnlich. Man brauchte nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass Venice nackt auf dem weichen rosa Teppich lag und ihren Liebhaber mit ihren schrägen Augen herausfordernd anlächelte.

Auch meinen Mann? überlegte Fern düster.

„Ich muss Ihnen unbedingt mein Badezimmer zeigen“, hörte sie Venice sagen. „Ich habe ein Wandgemälde vom Canal Grande anfertigen lassen und einem Rahmen herumgelegt. Es sieht aus, als schaute man aus dem Fenster eines alten Palazzo. Manchmal habe ich das Gefühl, die Gondoliere wären echt und könnten mich sehen.“

Sie lachte zu Nick hinauf, klapperte mit den Augenlidern und kümmerte sich nicht mehr um Fern.

Einige Gäste waren schon da. Auch der Arzt und seine Frau, die Fern verhältnismäßig gut kannte. Enge Freunde hatte sie leider nicht in dieser Stadt.

Dabei hatte sie sich darauf gefreut, neue Menschen kennenzulernen, als sie nach ihrer Heirat in dieses Haus zogen. Doch Nick war ungewöhnlich eifersüchtig und besitzergreifend geworden. Deshalb hatte sie den Versuch aufgegeben, eigene Freundschaften zu pflegen.

Zwar kannte sie eine Menge Leute – einige durch Nicks berufliche Kontakte, andere aufgrund ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten für verschiedene Wohlfahrtsorganisationen. Nick war es sehr recht, wenn sie dort mitarbeitete, denn es kam seinem Ruf zugute. Doch Fern fehlte jemand, dem sie sich anvertrauen und mit dem sie über die Krise hätte reden können, die sie auf sich zukommen sah.

Was sollte werden, wenn Nick tatsächlich ein Verhältnis mit Venice hatte? Ihr Herz begann zu rasen, und ihr Hals schnürte sich zusammen.

Denk gar nicht erst daran, ermahnte sie sich.

Und weshalb nicht? Weil sie Angst davor hatte, etwas unternehmen zu müssen. Weil sie der Wahrheit ins Gesicht sehen und sich fragen musste, wie sie eine Ehe aufrechterhalten sollte, die nur noch ein Zerrbild dessen war, was solch eine Verpflichtung bedeutete.

Das war der springende Punkt. Als sie Nick geheiratet hatte, war sie eine Verpflichtung für das ganze Leben eingegangen. Sie durfte sich nicht einfach darüber wegsetzen, sobald etwas schiefging. Solange Nick behauptete, dass er sie brauchte und wollte, hatte sie nicht das Recht, sich aus dieser Bindung zu lösen.

„Fern, wie geht es Ihnen?“

Benommen fuhr Fern aus ihren schmerzlichen Überlegungen auf und lächelte die Frau des Arztes automatisch an. „Es geht mir gut, Roberta. Und Ihnen?“

„Ich bin froh, dass der Winter mit seiner Grippe fast vorüber ist“, antwortete Roberta Parkinson kläglich. „Dieses Jahr war es besonders schlimm. John hat mehrere ältere Patienten verloren. Geht es Ihnen wirklich gut?“, fuhr sie mit mütterlicher Besorgnis fort. „Sie sind ein bisschen blass.“

„Das liegt sicher an der Hitze in diesem Raum“, wich Fern aus. In Wirklichkeit war ihr die Wärme gerade recht. Sie stand in krassem Gegensatz zu ihrem eigenen entsetzlich kalten Wohnzimmer.

Da Nick meistens länger arbeitete, erlaubte er nicht, dass sie die Zentralheizung oder einen Heizlüfter anstellte. Er behauptete, sie würde zu viel Wärme verschwenden. Gäbe es den altmodischen Herd in der Küche nicht, müsste sie abends früh zu Bett gehen, um es warm zu haben.

Roberta verabschiedete sich, um mit zwei weiteren Paaren zu reden, die gerade angekommen waren. Fern kannte die neuen Gäste ebenfalls. Sie lächelte freundlich, rührte sich aber nicht von der Stelle. Es waren ein Unternehmer und seine Frau, die erst vor einigen Jahren in diese Stadt gezogen waren, sowie die Parlamentsabgeordnete des Wahlkreises mit ihrem Mann.

Fern mochte alle vier. Aber heute Abend war sie so gereizt und verkrampft, dass sie einen Moment allein sein musste, bevor sie zu ihnen ging.

„Ich warte nur noch auf ein Paar“, hörte sie Venice hinter sich sagen. Sie drehte sich um und sah, dass Nick neben ihr stand.

„Oh Fern, Sie haben ja gar nichts zu trinken“, spielte Venice plötzlich die fürsorgliche Gastgeberin.

„Fern muss nachher fahren“, verkündete Nick, bevor Fern etwas sagen konnte. „Außerdem liegt ihr nichts an Alkohol.“

Unbehaglich bemerkte sie den kurzen Blick, den Jennifer Bowers ihnen von der anderen Seite des Raums zuwarf. Er machte deutlich, was die Abgeordnete von Nicks Verhalten hielt.

Verlegen errötete Fern und spürte, wie der Zorn in ihr aufstieg. Doch sie hatte keine Möglichkeit zu zeigen, was sie empfand. Selbst wenn sie wieder zu Hause waren, würde sie es nicht wagen, Nick zu sagen, wie sehr er sie mit seinem Verhalten gekränkt hatte.

Natürlich war das ihre Schuld und nicht seine. Es war das Ergebnis ihrer Erziehung durch ihre liebevollen, aber altmodischen Eltern, die ihr beigebracht hatten, junge Mädchen – vor allem hübsche, wohlerzogene junge Mädchen – würden nicht aggressiv. Sie stritten sich nicht, widersprachen niemandem und gingen um des lieben Friedens willen lieber den unteren Weg. Und sie waren stets höflich und hilfsbereit.

Wie von fern hörte Fern die Türglocke läuten und kehrte in die Wirklichkeit zurück.

„Ah, da kommt ja unser letztes Paar. Die beiden sind noch nicht lange zusammen, deshalb haben sie sich wahrscheinlich verspätet.“ Vielsagend zuckte Venice die Schultern.

Fern wandte sich ab und sah Roberta entgegen, die auf sie zukam. „Beinahe hätte ich es vergessen … Ich wollte mit Ihnen über die Versteigerung sprechen, die wir zurzeit organisieren. Sind Sie immer noch bereit, uns beim Sortieren der Sachen zu helfen?“, fragte die Arztfrau.

Fern wollte gerade antworten. Da öffnete sich die Tür, und Venice führte ihre letzten Gäste herein.

Automatisch blickte Fern hinüber und bekam vor Schreck keinen Ton heraus, sobald sie das Paar bemerkte. Genauer gesagt, sobald sie den Mann erkannte, der soeben hereingekommen war.

Adam! Der Klang seines Namens hämmerte als stummer Protest in ihrem Kopf und erreichte alle Nervenenden. Sie fürchtete, der Schmerz könnte so stark werden, dass sie ihre Selbstbeherrschung verlor, sodass jeder im Raum erkennen musste, was in ihr vorging … Was sie schon lange empfand.

Dann spürte sie plötzlich Nicks Hand an ihrem Rücken und hörte seine ungläubige Stimme. „Wo in aller Welt hat er die denn aufgetrieben?“, fragte er verblüfft.

Eben war Fern noch froh gewesen, dass sie ihre Gefühle nicht preisgegeben hatte. Nun folgte die vernichtende Erkenntnis, dass die Frau, die unsicher neben Adam stand, ausgesprochen jung und hübsch war. Adam trat dicht an sie heran und lächelte ihr aufmunternd zu.

Fern spürte einen eifersüchtigen Stich in der Brust. Der Schmerz aus heißem Verlangen und Schuldgefühlen war so groß, dass sie es kaum noch aushielt.

Sie hörte ihren Namen und sah Adam auf sich zukommen.

War das wirklich ihre Stimme? Sie klang so kalt, so abweisend und stand in völligem Gegensatz zu allem, was sie empfand.

Niemand, der ihre zurückhaltende Begrüßung beobachtete, hätte erraten, dass Adam ihr Schwager – genauer gesagt, ihr Stiefschwager – war. Nick und Adam waren nicht blutsverwandt. Nicks Mutter hatte Adams Vater geheiratet, als Nick etwas über zehn Jahre und Adam schon ein junger Erwachsener gewesen war. Auch äußerlich hätten die beiden Männer kaum unterschiedlicher sein können.

Während Nick ein eleganter blonder junger Mann war, war Adam …

Fern musste den Kloß hinunterschlucken, der sich in ihrem Hals gebildet hatte. All die Empfindungen, all die Gefühle, die sie seit Langem verdrängt hatte, wollten sich Luft machen. Sie sah nicht den Adam, der jetzt groß und würdevoll vor ihr stand und sie mit seinen grauen Augen aufmerksam betrachtete. Der elegante Abendanzug unterstrich dezent seine Männlichkeit, und sein dunkles, sonst meist etwas zerzaustes dichtes Haar war frisch geschnitten und sauber gekämmt.

Nein, jener Adam stand ihr vor Augen, den sie nur ein einziges Mal gesehen hatte: mit schweißnasser Haut, winzigen Tropfen am Hals und einem Moschusduft der Haut, der ihr in die Nase stieg und ihren Körper erbeben ließ. Seine Augen glühten wie geschmolzenes Silber und lösten eine Wollust und ein Verlangen in ihr aus, wie sie es nie für möglich gehalten hätte.

Trotz seines Sports und der Befriedigung, die Nick aus seinem Körper und seiner Sexualität zog, hatte er nie – könnte er nie …

Fern schluckte heftig. Sie zwang sich, die schamlosen Bilder zu vertreiben und sich stattdessen auf Adams Begleiterin konzentrieren, die schüchtern neben ihm stand.

Lily kann höchstens neunzehn sein, dachte Fern und erwiderte instinktiv das scheue Lächeln. Das junge Mädchen war beneidenswert groß. Es hatte hübsches dunkles Haar, rehbraune Augen, die unschuldig dreinblickten, und einen Mund, der Verwundbarkeit und Unsicherheit verriet.

Als ich sie das letzte Mal gesehen habe, trug sie noch eine Zahnspange und eine Schuluniform, dachte Fern flüchtig.

„Du erinnerst dich an Lily James, nicht wahr, Fern?“, fragte Adam jetzt und schob das junge Mädchen behutsam vorwärts.

„Ja … Ja, natürlich. Wie geht es Ihnen, Lily? Und wie geht es Ihren Eltern?“

Meine Güte, ich rede ja, als wäre ich so alt wie Lilys Großmutter, erkannte sie kläglich. Dabei lagen nicht einmal zehn Jahre zwischen ihnen.

Fern war niemals unfreundlich. Erst recht nicht gegenüber einem schüchternen jungen Mädchen wie Lily, selbst wenn …

Selbst wenn was? überlegte Fern verbittert und lächelte warmherzig, damit sich das junge Mädchen langsam wohlfühlte.

Selbst wenn Adam es liebte …

Das Herz klopfte ihr im Hals, und ihr Puls begann zu rasen. Ihre Hände wurden feucht, und sie presste die Nägel in die Handflächen, um den schmerzlichen Schrei zu unterdrücken, der in ihr aufstieg.

Was war mit ihr los? Sie hatte immer gewusst, dass Adam sich eines Tages verlieben und heiraten würde. Obwohl Nick behauptete, freiwillig würde sein Stiefbruder niemals das Singledasein aufgeben.

„Wenn du Adam unbedingt willst, gibt es nur eine Möglichkeit“, hatte er vor ihrer Heirat einmal zu ihr gesagt. „Du musst ihn überlisten und schwanger werden. Willst du ihn wirklich?“, hatte er verschlagen hinzugefügt.

„Adam ist nur ein Freund“, hatte sie geantwortet. Ein anständiges junges Mädchen durfte nicht einmal sich selber gegenüber eingestehen, dass es einen Mann begehrte, der es nicht wollte. Zumindest hatte sie das aus der äußerst prüden Erziehung durch ihre Mutter geschlossen.

Erneut spürte sie, wie der Schmerz in ihr aufstieg. Schuldgefühle und Scham mischten sich hinein.

Adam stand so nahe vor ihr, dass sie seinen Duft wahrnahm. Nicht den Hauch von Kölnisch Wasser, der an ihm haftete, sondern seinen ganz ...

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