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Briefe an Ottla und die Familie. Auszüge

1909

Nr. 8

[Ansichtspostkarte: Kratzau, Marktplatz]

[Stempel: (Kratzau) – 25. 11. 11]

Es wird Dich doch liebe Ottla interessieren, daß ich in dem Hotel zum Roß auf der andern Seite einen Kalbsbraten mit Kartoffeln und Preiselbeeren, hierauf eine Omelette gegessen und dazu und hierauf eine kleine Flasche Apfelwein getrunken habe. Unterdessen habe ich mit dem vielen Fleisch das ich bekanntlich nicht zerkauen kann, teilweise eine Katze gefüttert, teilweise nur den Boden verschweinert. Dann setzte sich die Kellnerin zu mir und wir sprachen von des »Meeres und der Liebe Wellen« zu denen abends zu gehn wir unabhängig von einander uns entschlossen hatten. Es ist ein trauriges Stück.

Nr. 10

[Ansichtspostkarte: Vierwaldstätter See, Axenstraße, Blick auf den Bristenstock]

[Stempel: Flüelen – 29. VIII. 11]

Von Bergen eingesperrt in Flüelen. Man sitzt gebückt, die Nase fast im Honig.

 

Nr. 13

[Ansichtspostkarte: Jardin de Versailles]

[Stempel: Paris – 13. Sept. 11]

Liebe Ottla, nicht ich habe Dir zu verzeihen, sondern Du mir, nicht wegen der Vorwürfe, die ich Dir schriftlich gemacht habe, denn die waren zart, sondern deshalb wie ich Dich innerlich verwünscht habe, weil Du Dein Wort in einer so ernsten Sache nicht gehalten hast. Da Du aber Dein Versäumnis erklärst, wenn auch leider nicht genau und schließlich einer der sich unterhält einem Mädchen, das sich abarbeitet nicht zu böse sein darf ist es nicht ausgeschlossen, daß ich Dir trotz der teuern Zeiten etwas Schönes mitbringe. Viele Grüße

Franz

 

Rücksichtlich Maxens warst Du unvorsichtig; denn da Du ihm nicht böse bist, wird er fürchte ich, Dir keine Karte schicken dagegen läßt auch er Dich herzlich grüßen. Sehr herzlich Max Brod

1913

Nr. 16

[Ansichtspostkarte: Delia Gill, die Kino-Königin]

[Stempel: Berlin – 25. 3. 13]

Ottla, noch im letzten Augenblick, herzliche Grüße, sei mir nicht böse, ich hatte weder Zeit noch Ruhe

Franz

 

Nr. 17

[Zwei Ansichtspostkarten, fortlaufend beschrieben: S. Vigilio, Lago di Garda und Lago di Garda, Isola Garda e Monte Baldo]

[Stempel: Riva – 24. IX. 13]

Sei mir Ottla nicht bös, daß ich Dir bisher so wenig geschrieben habe, weißt Du, auf der Reise bin ich zerstreut und habe noch weniger Lust zum Schreiben als sonst. Jetzt aber, da ich ruhig im Sanatorium bin, werde ich Dir schon schreiben oder vielmehr nur Karten schicken, denn zu erzählen habe ich, wie immer, nur wenig und das wenige läßt sich nicht einmal schreiben, das werde ich Dir später einmal im Badezimmer erzählen. Im übrigen könntest Du mir einen Gefallen machen. Hol' bei Taussig »das Buch des Jahres 1913« es ist ein Katalog, den man umsonst bekommt und der bis ich zurückkomme, schon vergriffen sein dürfte, ich hätte ihn aber gerne. Viele Grüße an alle. Franz Ich habe schon lange keine Nachricht von Euch.

 

Nr. 18

[Ansichtspostkarte: Riva, II Porto colla torre Aponale]

[Riva, 28. September 1913]

Heute war ich in Malcesine, wo Goethe das Abenteuer gehabt hat, das Du kennen würdest, wenn Du die »Italienische Reise« gelesen hättest, was Du bald tun sollst. Der Kastellan zeigte mir die Stelle, wo Goethe gezeichnet hat, aber diese Stelle wollte mit dem Tagebuch nicht stimmen und so konnten wir darin nicht einig werden, ebensowenig wie im Italienischen.

Grüße alle!

Franz

 

Nr. 20

[Prag,] 10. VII. 14

Liebe Ottla nur paar Worte in Eile vor dem Versuch zu Schlafen, der in der gestrigen Nacht gänzlich mißlungen ist. Du hast mir, denke nur, mit Deiner Karte einen verzweifelten Morgen in Augenblicken erträglich gemacht. Das ist das wahre Reiben und so wollen wir es bei Gelegenheit weiter üben, wenn es Dir recht ist. Nein, ich habe niemanden sonst am abend. Von Berlin schreibe ich Dir natürlich, jetzt läßt sich weder über die Sache noch über mich etwas Bestimmtes sagen. Ich schreibe anders als ich rede, ich rede anders als ich denke, ich denke anders als ich denken soll und so geht es weiter bis ins tiefste Dunkel.

Franz

Grüße alle! Den Brief mußt Du weder zeigen, noch herumliegen lassen. Am besten Du zerreißt ihn und streust ihn in kleinen Stücken von der Pawlatsche den Hühnern im Hof, vor denen ich keine Geheimnisse habe.

 

Nr. 22:

An Julie und Hermann Kafka

[Marielyst, Juli 1914]

... Insoferne aber bin ich mit Berlin nicht fertig, als ich glaube, daß mich diese ganze Sache zu euerem und zu meinem Wohle (denn die sind ganz gewiß eines) hindert, so weiter zu leben wie bisher. Seht, ein wirklich schweres Leid habe ich euch vielleicht noch nicht gemacht, es müßte denn sein, daß diese Entlobung ein solches ist, von der Ferne kann ich es nicht so beurteilen. Aber eine wirkliche dauernde Freude habe ich euch noch viel weniger gemacht und das, glaubt mir, nur aus dem Grunde, weil ich selbst mir diese Freude nicht dauernd machen konnte. Warum das so ist, wirst gerade Du, Vater, obwohl Du das Eigentliche, was ich will, nicht anerkennen kannst, am leichtesten verstehn. Du erzählst manchmal, wie schlecht es Dir in Deinen ersten Anfängen gegangen ist. Glaubst Du nicht, daß das eine gute Erziehung zur Selbstachtung und Zufriedenheit war? Glaubst Du nicht, übrigens hast Du es auch schon geradezu gesagt, daß es mir zu gut gegangen ist? Ich bin bis jetzt durchaus in Unselbständigkeit und äußerlichem Wohlbehagen aufgewachsen. Glaubst Du nicht, daß das für meine Natur gar nicht gut gewesen ist, so gütig und lieb es auch von allen war, die dafür sorgten? Gewiß es gibt Menschen, die sich ihre Selbständigkeit überall zu sichern verstehn, ich gehöre aber nicht zu ihnen. Allerdings gibt es auch Menschen, die ihre Unselbständigkeit nirgends verlieren, aber nachzuprüfen, ob ich zu diesen doch nicht gehöre, scheint mir kein Versuch zu schade. Auch der Einwand, daß ich zu einem solchen Versuch zu alt bin, gilt nicht. Ich bin jünger, als es den Anschein hat. Es ist die einzig gute Wirkung der Unselbständigkeit, daß sie jung erhält. Allerdings nur dann, wenn sie ein Ende nimmt.

Im Bureau werde ich aber diese Besserung niemals erreichen können. Überhaupt in Prag nicht. Hier ist alles darauf angelegt, mich, den im Grunde nach Unselbständigkeit verlangenden Menschen, darin zu erhalten. Es wird mir alles so nahe angeboten. Das Bureau ist mir sehr lästig und oft unerträglich, aber im Grunde doch leicht. Ich verdiene auf diese Weise mehr als ich brauche. Wozu? Für wen? Ich werde auf der Gehaltsleiter weitersteigen. Zu welchem Zweck? Mir ist diese Arbeit nicht entsprechend und bringt sie mir nicht einmal Selbständigkeit als Lohn, warum werfe ich sie nicht weg? Ich habe nichts zu riskieren und alles zu gewinnen, wenn ich kündige und von Prag fortgehe. Ich riskiere nichts, denn mein Leben in Prag führt zu nichts Gutem. Ihr vergleicht mich manchmal zum Spaß mit Onkel R. Aber gar zu weit führt mich mein Weg von ihm nicht ab, wenn ich in Prag bleibe. Ich werde voraussichtlich mehr Geld, mehr Interessen und weniger Glauben haben als er, ich werde dementsprechend unzufriedener sein, viel mehr Unterschiede wird es kaum geben. – Ich kann außerhalb Prags alles gewinnen, das heißt ich kann ein selbständiger ruhiger Mensch werden, der alle seine Fähigkeiten ausnützt und als Lohn guter und wahrhaftiger Arbeit das Gefühl wirklichen Lebendigseins und dauernder Zufriedenheit bekommt. Ein solcher Mensch wird sich – es wird nicht der kleinste Gewinn sein – auch zu euch besser stellen. Ihr werdet einen Sohn haben, dessen einzelne Handlungen ihr vielleicht nicht billigen werdet, mit dem ihr aber im Ganzen zufrieden sein werdet, denn ihr werdet euch sagen müssen: ›Er tut, was er kann.‹ Dieses Gefühl habt ihr heute nicht, mit Recht.

Die Ausführung meines Planes denke ich mir so: Ich habe fünftausend Kronen. Sie ermöglichen mir, irgendwo in Deutschland in Berlin oder München zwei Jahre, wenn es sein muß, ohne Geldverdienst zu leben. Diese zwei Jahre ermöglichen mir, literarisch zu arbeiten und das aus mir herauszubringen, was ich in Prag zwischen innerer Schlaffheit und äußerer Störung in dieser Deutlichkeit, Fülle und Einheitlichkeit nicht erreichen könnte. Diese literarische Arbeit wird es mir ermöglichen, nach diesen zwei Jahren von eigenem Verdienst zu leben und sei es auch noch so bescheiden. Sei es aber auch noch so bescheiden, es wird unvergleichlich sein zu dem Leben, das ich jetzt in Prag führe und das mich dort für späterhin erwartet. Ihr werdet einwenden, daß ich mich in meinen Fähigkeiten und in der durch diese Fähigkeiten zu bildenden Erwerbsmöglichkeit täusche. Gewiß, das ist nicht ausgeschlossen. Nur spricht dagegen, daß ich einunddreißig Jahre alt bin und derartige Täuschungen in einem solchen Alter nicht in Rechnung gezogen werden können, sonst wäre jedes Rechnen unmöglich, ferner spricht dagegen, daß ich schon einiges, wenn auch wenig, geschrieben habe, das halbwegs Anerkennung gefunden hat, endlich aber wird der Einwand dadurch aufgehoben, daß ich durchaus nicht faul und ziemlich bedürfnislos bin und daher, wenn auch eine Hoffnung mißlingen sollte, eine andere Erwerbsmöglichkeit finden und jedenfalls euch nicht in Anspruch nehmen werde, denn das wäre allerdings sowohl in der Wirkung auf mich als auf euch noch viel ärger als das gegenwärtige Leben in Prag, ja es wäre gänzlich unerträglich.

Meine Lage scheint mir danach klar genug zu sein, und ich bin begierig, was ihr dazu sagen werdet. Denn wenn ich auch die Überzeugung habe, daß es das einzig Richtige ist und daß ich, wenn ich die Ausführung dieses Planes versäume, etwas Entscheidendes versäume, – so ist es mir doch natürlich sehr wichtig zu wissen, was ihr dazu sagt.

Mit den herzlichsten Grüßen
Euer Franz.

 

Nr. 24

[Feldpostkorrespondenzkarte]

[Prag, Februar/März 1915]

Das war natürlich sehr freundlich; aber gestern habe ich nicht eigentlich an die Übersiedlung gedacht. Einen eigenen Kasten zu haben gehört fast zu den allgemeinen Menschenrechten und ich gönne Dir mehr als diese. Ich habe vielmehr an nichts bestimmtes gedacht und erst wenn ich nachdenke fügt sich manches zusammen: der Hinauswurf aus dem Geschäft, wohin ich doch Deinetwegen kam; die fortwährenden Einladungen, Dein Zimmer anzusehn, während Du z. B. in meinem Zimmer noch überhaupt nicht gewesen bist, dann allerdings auch die Entleerung meiner alten schmutzigen Vorratskammer über mich hinweg und einiges andere, das Du selbst nicht genau weißt. Dem hast Du nur entgegenzusetzen, daß ich mich um Deine Sachen wenig kümmere (das hat aber einen besonderen Grund) und daß Du den ganzen Tag im Geschäft bist. Ich gebe zu daß das einen gewissen Ausgleich bewirkt

 

Nr. 31

[Prag, 28. Mai 1916]

Was für Einbildungen. Ich habe doch nicht die geringste Ursache mich zu ärgern. Wenn man nicht einmal in der Verfügung über seinen Sonntagnachmittag halbwegs frei wäre, dann wäre es ja hier schon die wahre Hölle, während es ja bekanntlich nur die Vorhölle ist. Nach Karlstein fahre ich nicht, weil ich nicht weiß, mit wem Du dort bist und weil mein Unbehagen in Prag gerade groß genug ist, um es nicht noch in Bewegung bringen zu wollen. Übrigens regnet es gerade während Du im Wald zwischen Karlstein und St. Johann steckst. Beides ohne meine Mitschuld.

 

Nr. 35

[Prag, Dezember 1916]

Liebe Ottla bitte schicke den Brief im Couvert an Herrn Oberinspektor Eugen Pfohl, aber sofort, wenn es irgendwie möglich ist, sonst sieht es aus als hätte ich verschlafen und die Sache nachträglich erfunden (während ich sie doch vorher erfunden habe) Es ist nämlich eine Ausrede, aber eine annehmbare. Ich war zu lange oben bis ½ 3 etwa und habe dann keinen Augenblick geschlafen. Bin trotzdem in ganz guter Verfassung wenn ich jetzt noch bis 10 Uhr etwa im Bett bleibe, tue ich es nicht deshalb weil mir später besser werden wird oder weil ich noch zu schlafen hoffe, sondern weil dann der Vormittag im Bureau nicht so lang sein wird und weil ich (als Lügner) mehr Anspruch an Schonung dort habe. Oben habe ich weder gut noch viel geschrieben, aber froh hätte ich gewußt daß ich früh zuhaus bleibe, wäre ich noch ungeheur gerne dort geblieben. Die Angst vor dem nächsten Tag verdirbt mir eben alles; erzwingt aber auch vielleicht alles; wer kann dort in dem Dunkel die Unterschiede erkennen!

Also gleich den Entschuldigungsbrief wegschicken!

Franz

Das Petroleum bis zum letzten Tropfen verbraucht.

1917

Nr. 36

[Prag, 1. Januar 1917]

Zuerst: Glückliches Neues Jahr allseits. Dann bitte Ottla kauf mir das Montagsblatt und die Karte zum Recitationsnachmittag Wüllner (Beamtensorge: Den Abonnenten bleibt das Bezugsrecht für ihre Plätze bis Dienstag gewahrt. Ist es also nicht vorteilhafter die Karte erst Mittwoch zu kaufen?) Wegen der Lebensmittel bemühe Dich nicht zu sehr. Ich habe jeden Abend mehr als ich aufessen kann. Nur der geistige Vorappetit ist so ungeheuer. – Sylvester habe ich gefeiert, indem ich aufgestanden bin und dem Neuen Jahr die Stehlampe entgegengehalten habe. Feurigeres kann niemand im Glase haben.

Franz

 

Nr. 37

[Prag,] 19. IV. [1917]

Liebe Ottla, vorläufig ist noch alles hier in beiläufiger Ordnung, aber wie lange es noch bleiben wird, weiß man nicht; gleich kann es ja nicht zusammenfallen, da Du es so ordentlich zurückgelassen hast, aber vielleicht oder wahrscheinlich lockert es sich schon im Geheimen und ich weiß es noch gar nicht. Rede ich von »allem« so meine ich natürlich mich. Nach Deinem Weggehn war ein großer Sturmwind im Hirschgraben, vielleicht zufällig, vielleicht absichtlich. Gestern habe ich im Palais verschlafen; als ich ins Haus hinaufkam, war das Feuer schon ausgelöscht und sehr kalt. Aha, dachte ich, der erste Abend ohne sie und schon verloren. Aber dann nahm ich alle Zeitungen und auch Manuskripte und es kam nach einiger Zeit noch ein sehr schönes Feuer zustande. Als ich es heute der Ruženka erzählte, sagte sie: mein Fehler wäre gewesen, daß ich keine Holzsplitter geschnitten habe, nur so bekomme man gleich Feuer. Darauf ich hinterlistig: »Aber es ist doch kein Messer dort.« Sie unschuldig: »Ich nehme immer das Messer vom Teller.« Darum also ist es immer so schmierig und schartig, aber daß man Splitter machen muß, habe ich zugelernt. Den Boden im Schloß hat sie schon sehr schön rein gemacht, Du hast also nicht vergessen es ihr zu sagen. Dafür werde ich morgen zu erfahren suchen, welches das beste Buch über Gemüsebau ist; wie man Gemüse aus Schnee zieht, wird allerdings nicht drin stehn.

Gestern hat sich übrigens wie man mir erzählt hat der Vater sehr meiner angenommen. Der Rudi Herrmann (laß den Brief nicht liegen) war Mittag bei uns sich freundschaftlich verabschieden, da er nach Bielitz fährt. Infolgedessen wurde bei uns unter allgemeiner Beteiligung eine Narrenvorstellung gegeben. Es gibt kaum einen Nah- und Nächstverwandten, den der Vater bei dieser Gelegenheit nicht niedergeschimpft hätte. Der eine ist ein Defraudant, vor dem andern muß man ausspuken (Pfui!) u.s.w. Da, sagte der Rudl, aus diesem Schimpfen mache er sich nichts, der Vater sage ja auch seinem eigenen Sohn: Hallunke. Da soll der Vater großartig geworden sein. Auf ihn los, beide Arme hoch, ganz rot. R. mußte hinaus, auf der Schwelle wollte er sich noch ein wenig halten, aber die Mutter hat ihn auch noch darüber hinaus geschoben. Damit war der freundschaftliche Abschied zuende. Da aber beide, der Vater und R. gute Leute sind, haben sie es schon heute wahrscheinlich vergessen, was sie aber allerdings nicht hindern würde, die Aufführung bei nächster Gelegenheit zu wiederholen. Als ich nachhause kam, war es schon still, der Vater sagte nur, um das Zuviel an Güte, das er für mich aufgewendet hatte, wieder auszugleichen: »To je žrádlo. Od 12 ti se to musí vařit.«

Ich will Dir nur noch sagen, schreib nicht zuviel. Wenn Du allgemeines über Deine Arbeit schreiben willst, dann schreib es entweder den Eltern oder Irma oder mir und das kann dann ganz gut für alle gelten.

Franz

 

Nr. 38

[Stempel: Prag – 22. IV. 17]

Liebste Ottla mußt Dir gar keine Vorwürfe machen, wenn Du mir gar nicht oder wenig schreibst. Es würde mir leid tun, wenn es anders wäre. Dagegen wäre es mir lieb, wenn Du z. B. an Karl nicht direkt berichtest, sondern den Brief, wie auch diesmal, zuerst nach Prag schickst, damit man einen Überblick über Deine Arbeit bekommt. Alles was Du schreibst, scheint mir vernünftig, soweit es mein landwirtschaftliches Ahnungsvermögen beurteilen kann. Der Einfall, einen Teil des Gartens einzuzäunen, ist von mir oder vielleicht von der Elli und von mir oder wahrscheinlich jedes Menschen Einfall, auch der Deine. Muß es übrigens ein Pferd sein? Kühe oder Ochsen genügen nicht? Eine Zeitlang bekam man, glaube ich, für den Militärdienst unbrauchbare Pferde z. B. russische Beutepferde billiger; weiß man dort davon nichts? Von Ruzenka viele Ratschläge, aber nächstens. Und Kopf hoch, wie man in unserer Gasse sagt.

Dein Franz

 

Nr. 43

[Postkarte]

[Stempel: Prag – 28. VII. 17]

Liebste Ottla, ich hätte schon längst schreiben sollen (die Karte aus Budapest hast Du bekommen?) habe viel gesehn, gehört. Auf der Reise ist es mir durchschnittlich erträglich gegangen, aber eine Erholungs- und Verständigungsreise war es natürlich nicht. Vor allem habe ich genug gut geschlafen, wie immer auf Reisen, auch noch paar Tage in Prag, aber jetzt ist es wieder knapp am Unmöglichen. Wäre schon wieder Herbst und Winter (das betrifft Dich ja nicht, Du gehst nach Wien) und wäre es halbwegs ähnlich dem vorigen Jahr! Morgen komme ich nicht, aber anfangs September für 10 Tage, wenn Du es für richtig hältst. Oder soll ich ins Salzkammergut? Je weiter, desto besser, aber es wird schon ein wenig spät sein, ich kann erst am 8. Sept. wegfahren. – Die letzte Kündigung (wenigstens die letzte, von der ich gehört habe) war wirklich bewunderungswürdig. Wie kannst Du bestehn? Grüße für Dich und Irma

Franz

 

Nr. 45

[Stempel: Prag, 29. VIII. 17]

Liebe Ottla ich habe vier Möglichkeiten: Wolfgang am See (schönes und fremdes Land, aber weit und schlechtes Essen) Radesowitz ...

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