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Bodyguard für Rachel Wallace

Robert B. Parker wurde 1932 geboren. Nach seinem M.A. in amerikanischer Literatur promovierte er 1971 über die „Schwarze Serie“ in der amerikanischen Kriminalliteratur. Seit seinem Debüt „Spenser und das gestohlene Manuskript“ im Jahr 1973 sind fast 40 Spenser-Krimis erschienen. 1976 wurde Parkers Roman „Auf eigene Rechnung“ von der Vereinigung amerikanischer Krimi-Autoren mit dem „Edgar Allan Poe Award“ als bester Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet. Robert B. Parker verstarb 2010.

Infos zum Autor unter www.robertbparker.de

Robert B. Parker

Bodyguard
für Rachel Wallace

Ein Auftrag für Spenser

Übersetzt von Ute Tanner

PENDRAGON

1

Locke-Ober’s Restaurant ist in der Winter Place, einer Nebenstraße, die von der Winter Street in der Nähe des Boston Common abgeht. Es gehört zum alten Boston wie der Turm vom Custom House. Die Innendekoration ist schlicht, die Ober tragen Frack, es gibt kleine separate Räume. Unten ist eine Bar, die früher Men’s Bar hieß, bis sie eines schönen Mittags von einer Horde humorloser Frauen „befreit“ wurde, die Knatsch mit einem Pfarrer bekommen hatten. Jetzt kann jeder da hinein und tun, was ihm Spaß macht. Sie nehmen Kreditkarten.

Ich brauchte keine Kreditkarten, weil ich nicht zahlte. Das erledigte John Ticknor, und er brauchte auch keine Kreditkarte, weil er die Rechnung für das Essen an die Firma schicken ließ. Ich bestellte Hummer Savannah.

Bei der Firma handelt es sich um den Verlag Hamilton Black, und der hat zehn Millionen. Ticknor bestellte Fisch.

„Und bringen Sie uns bitte noch zwei Drinks.“

„Sehr wohl.“ Der Ober nahm uns die Speisekarten ab und eilte. Er trug eine Hörhilfe in jedem Ohr.

Ticknor schluckte seinen Negroni. „Trinken Sie nur Bier, Mr. Spenser?“

Der Ober brachte ein Heineken vom Fass für mich und den nächsten Negroni für Ticknor.

„Nein, manchmal auch Wein.“

„Aber keine harten Sachen?“

„Nicht oft. Die mag ich nicht, im Gegensatz zu Bier.“

„Und Sie halten sich immer an das, was Sie mögen.“

„Fast immer. Manchmal geht es nicht.“

Er nippte an dem Negroni. Nippen schien ihm nicht leicht zu fallen.

„Wann zum Beispiel geht es nicht?“

„Wenn ich etwas tun muss, was ich nicht mag, um etwas tun zu können, was mir Spaß macht.“

Ticknor lächelte ein bisschen. „Klingt reichlich abstrakt.“

Ich wartete. Ganz klar, er versuchte mich zu taxieren. Dagegen hatte ich an sich nichts. Leute, die noch nie Typen wie mich angeheuert haben, reden fast immer erst ein bisschen um den heißen Brei herum.

„Ich mag auch Milch“, sagte ich, „und trinke sie. Gelegentlich.“

Ticknor nickte. „Tragen Sie eine Waffe?“

„Ja.“

Der Ober brachte unseren Salat.

„Wie groß sind Sie?“

„1,82 oder so.“

„Wieviel wiegen Sie?“

„90,6 Kilo waren es heute nach dem Jogging.“

„Wie weit laufen Sie?“

Der Salat war ganz frisch zubereitet und herrlich knackig.

„So an die 8 Kilometer pro Tag. Manchmal 15, wenn ich mich mal richtig austoben will.“

„Wie kommt es, dass Sie eine gebrochene Nase haben?“

„Ich hab’ mal gegen Joe Walcott gekämpft, da war er aber schon auf dem absteigenden Ast.“

„Und der hat Ihnen die Nase gebrochen?“

„Wäre er nicht schon auf dem absteigenden Ast gewesen, hätte er mich umgebracht.“

„Damals waren Sie Boxer.“

Ich nickte. Ticknor spülte mit dem Negroni-Rest einen Happen Salat hinunter.

„Sie waren auch bei der Polizei?“

Ich nickte.

„Dort hat man Sie entlassen?“

„Stimmt.“

„Warum?“

„Wegen Widersetzlichkeit.“

„War dieser Vorwurf berechtigt?“

„Durchaus.“

Der Ober brachte die Vorspeise.

„Wie man hört, sollen Sie ja ein ziemlich harter Bursche sein.“

„Und ob. Vorhin hab’ ich mir ernsthaft überlegt, ob ich den Hummer Savannah nehmen oder lieber einen von den Stühlen da verschlingen sollte.“

Ticknor lächelte wieder, aber nicht so, als wolle er mir die Hand seiner Schwester anbieten.

„Man hat mir auch erzählt, Sie seien – ich zitiere – ein Mistkerl mit ’ner großen Klappe. Klang im Übrigen durchaus freundschaftlich.“

„Uff“, sagte ich.

Ticknor verspeiste ein paar grüne Erbsen aus seiner Beilage. Er war um die 50 und wirkte sportlich. Squashspieler wahrscheinlich. Und Tennis. Vielleicht ritt er auch. Er trug eine randlose Brille, was man heute nicht mehr allzu oft sieht, hatte ein kantiges Harvardgesicht und einen wilden Bürstenschnitt wie Archibald Cox. Kein Softie, trotz des Bryn-Mawr-Tonfalls.

„Wollen Sie die Rechte für meine Biographie kaufen, oder soll ich jemandem in Ihrem Auftrag den Arm brechen?“

„Ich kenne da gewisse Kritiker, die … Aber nein, weder noch.“

Er aß noch fünf Erbsen. „Was wissen Sie über Rachel Wallace?“

„‚Sisterhood‘“, sagte ich.

„Wirklich?“

„Ja. Ich habe eine gebildete Freundin, die liest mir manchmal was vor.“

„Wie finden Sie das Buch?“

„Ich finde, dass das meiste schon von Simone de Beauvoir gesagt worden ist.“

„Sie kennen ‚Das andere Geschlecht‘?“

„Das dürfen Sie aber den Kumpels im Fitnessstudio nicht verraten“, sagte ich. „Die halten mich sonst für schwul.“

„‚Sisterhood‘ ist in unserem Verlag erschienen.“

„Tatsächlich?“

„Ja, ich weiß, kein Mensch achtet bei einem Buch auf den Verlag. Wir bringen auch ihr neues Buch heraus.“

„Wie heißt es?“

„‚Tyranny‘.“

„Zugkräftiger Titel.“

„Es ist ein ungewöhnliches Buch“, sagte Ticknor. „Die Tyrannen sind hohe Tiere, die Lesbierinnen diskriminieren.“

„Zugkräftige Idee“, sagte ich.

Ticknor runzelte kurz die Stirn. „Die hohen Tiere werden namentlich genannt. Man hat Miss Wallace mit Folgen gedroht, falls das Buch tatsächlich herauskommt.“

„Aha“, sagte ich.

„Wie meinten Sie?“

„Meine Aufgabe wird mir so langsam klar.“

„Die Drohungen, ja … Ganz recht, darum geht es im Wesentlichen. Wir möchten, dass Sie Miss Wallace beschützen.“

„200 Dollar pro Tag plus Spesen.“

„Spesen?“

„Ja, Sie wissen schon … Manchmal geht mir die Munition aus und ich muss neue kaufen. Spesen eben.“

„Ich könnte jemanden bekommen, der es für die Hälfte macht.“

„Glaub’ ich gern.“

Der Ober räumte ab und schenkte Kaffee ein.

„Ich bin nicht befugt, so hoch zu gehen.“

Ich nippte an meinem Kaffee.

„135 könnte ich Ihnen bieten.“

Ich schüttelte den Kopf.

Ticknor lachte. „Waren Sie mal Literaturagent?“

„Was habe ich vorhin gesagt? Ich mache nichts, was ich nicht mag, wenn es sich irgend vermeiden lässt.“

„Und für 135 mögen Sie nicht arbeiten.“

Ich nickte.

„Können Sie sie schützen?“

„Sicher. Aber Sie wissen so gut wie ich, dass der Begriff Schutz relativ ist. Ich kann nicht verhindern, dass ein Psychopath sein Leben opfert, um sie zu töten. Ich kann nicht verhindern, dass sich eine Horde hasserfüllter Sexisten auf sie stürzt. Ich kann es erschweren, sie zu verletzen. Ich kann dafür sorgen, dass der, der sie verletzen will, einen höheren Einsatz zahlen muss. Aber wenn sie ein auch nur annähernd normales Leben führen will, kann ich hundertprozentige Sicherheit nicht garantieren.“

„Das ist mir klar“, sagte Ticknor. Einen besonders glücklichen Eindruck machte er allerdings nicht.

„Was ist mit der Polizei?“, fragte ich.

„Miss Wallace traut ihr nicht. Polizisten sind für sie – ich zitiere – Agenten der Repression.“

„Aha.“

„Sie lehnt es auch ab – ich zitiere wieder –, Tag und Nacht einen Haufen bewaffneter Schlägertypen auf den Fersen zu haben. Sie hat einem Leibwächter zugestimmt, nicht mehr. Zuerst wollte sie unbedingt eine Frau haben.“

„Aber?“

„Aber ein Mann wäre, wenn es bei dem einen bleiben muss, dann doch besser, fanden wir. Schon im Hinblick auf die Körperkraft, bei einem Zweikampf mit einem Attentäter zum Beispiel.“

„Und damit hat sie sich einverstanden erklärt?“

„Ohne Begeisterung.“

„Ist sie lesbisch?“, fragte ich.

„Ja“, bestätigte Ticknor.

„Und sie bekennt sich dazu?“

„Sogar sehr aggressiv. Stört Sie das?“

„Das Lesbische nicht, die Aggressivität schon. Wir werden viel Zeit miteinander verbringen. Ich möchte nicht den ganzen Tag Zoff mit ihr haben.“

„Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass es ein angenehmer Job werden wird, Spenser. Sie ist kein einfacher Mensch. Sie ist eine hochintelligente Frau, und sie hat es geschafft, dass die Welt sich anhört, was sie zu sagen hat. Es war nicht leicht. Sie ist hart und zynisch und reagiert empfindlich auf jede Kränkung.“

„Ach, die koch ich schon weich“, sagte ich. „Eine Schachtel Pralinen, ein paar Blumen, gelegentlich ein nettes Kompliment …“

Ticknor sah aus, als hätte er auf etwas Saures gebissen.

„Versuchen Sie bei ihr bloß nicht, Witze zu reißen, dann geht sie sofort hoch.“

Er schenkte uns aus der silbernen Kanne Kaffee nach. Inzwischen war nur noch ein Tisch besetzt. Für unseren Ober spielte das keine Rolle. Er eilte herbei, sobald Ticknor die Kanne absetzte, nahm sie mit und erschien postwendend mit frischem Kaffee.

„Der einzige Vorbehalt, den ich habe“, sagte Ticknor, als der Ober sich zurückgezogen hatte, „ist die Möglichkeit eines Persönlichkeitskonflikts.“

Ich lehnte mich zurück und schlug die Arme übereinander.

„Sie machen sonst einen guten Eindruck auf mich“, sagte Ticknor. „Sie haben eine eindrucksvolle Statur. Leute, die es wissen müssen, sagen, dass Sie so hart sind, wie Sie aussehen. Und dass Sie ein ehrlicher Kerl sind. Aber Sie geben sich oft allzu viel Mühe, das Großmaul zu spielen. Und Ihr Aussehen muss auf Rachel wie ein rotes Tuch wirken.“

„Das macht keine Mühe“, sagte ich.

„Was macht keine Mühe?“

„Das Großmaul zu spielen. Es ist eine Begabung.“

„Mag sein“, sagte Ticknor. „Aber es ist keine Begabung, die Ihnen bei Rachel Wallace Pluspunkte einbringt. Ebenso wenig wie die Muskeln und der Machismo.“

„Ich kenne einen Typ, von dem ich mir einen lavendelfarbenen Anzug leihen könnte.“

„Wollen Sie den Job nicht?“, fragte Ticknor.

Ich schüttelte den Kopf. „Was Sie wollen, Mr. Ticknor, ist ein Typ, der Mumm genug hat, sich als Kugelfang herzugeben und hart genug ist, um das zu überleben. Und aussehen soll er wie ein Teddybär und benehmen soll er sich wie ein Mädchen vom Lande. Aber Mädchen vom Lande haben keinen Waffenschein.“

Ticknor schwieg einen Augenblick.

Der andere Tisch wurde frei, und jetzt waren wir in dem oberen Raum allein mit mehreren Kellnern und dem Oberkellner.

„Verdammt, Sie haben recht“, sagte Ticknor. „Wenn Sie den Job wollen, gehört er Ihnen. 200 Dollar pro Tag plus Spesen. Und ich kann nur hoffen, dass es die richtige Entscheidung war.“

„Okay“, sagte ich. „Wann lerne ich Miss Wallace kennen?“

2

Das Kennenlernen fand an einem sonnigen Oktobertag statt. Ticknor und ich liefen von seinem Büro durch das erste Herbstlaub im Boston Common und dem Public Garden zum Ritz und besuchten sie auf ihrem Zimmer.

Sie wirkte sympathisch. Eine Frau, etwa mein Alter, in einem Diana-von-Fürstenberg-Kleid, mit leichtem Makeup. Das lange, dunkle Haar glänzte sauber.

Ticknor machte uns miteinander bekannt. Sie schüttelte mir fest die Hand und musterte mich ausführlich. Gut, dass ich keine Räder hatte, sie hätte bestimmt prüfend dagegengetreten. „Sie sind besser, als ich dachte“, sagte sie.

„Was hatten Sie sich denn vorgestellt?“

„Einen Expolizisten mit dickem Hintern, schlechtem Atem und einem Anzug von der Stange.“

„Jeder macht mal einen Fehler“, sagte ich.

„Lassen Sie uns zusehen, dass es in unserer Beziehung möglichst wenige sind“, sagte sie. „Um das zu erreichen, müssen wir miteinander reden. Aber nicht hier. Ich hasse Hotelzimmer. Wir gehen in die Bar.“

Ich sagte okay, Ticknor nickte. Die Bar vom Ritz ist so, wie eine Bar sein soll: dunkel, ruhig, mit viel Leder und einem großen Fenster zur Arlington Street, von dem der Blick bis zum Public Garden hinübergeht. Die Scheiben sind aus getöntem Glas, dadurch ist es in der Bar immer schön schummrig. Ich trinke gern in der Bar vom Ritz. Ticknor und Rachel Wallace bestellten Martini on the Rocks, ich ein Bier.

„War ja klar“, sagte Rachel Wallace, als ich das Bier bestellte.

„Wenn ich eine Pink Lady haben will, lachen die Leute mich aus.“

„John hat mir schon erzählt, dass Sie ein Witzbold sind. Nun, ich bin nicht zum Scherzen aufgelegt. Wenn wir einigermaßen miteinander auskommen wollen, sollten Sie sich von Anfang an klar darüber sein, dass ich Witze nicht schätze, ob sie nun gut oder schlecht sind.“

„Aber ab und zu leise für mich über die Kapriolen lächeln, die das Leben so schlägt, das darf ich doch?“

Sie wandte sich an Ticknor. „Es ist indiskutabel, John, schick ihn weg.“

Ticknor nahm einen großen Schluck. „Ich bitte dich, Rachel. Er ist genau richtig, der Beste, den wir bekommen können. Deine Spitze wegen des Biers war wirklich nicht nötig. Sei doch vernünftig, Rachel.“

Ich trank einen Schluck Bier. In einer kleinen Schüssel auf dem Tisch waren Erdnüsse. Ich aß ein paar.

„Er hat dein Buch gelesen“, sagte Ticknor. „Noch ehe wir miteinander gesprochen hatten.“

Sie angelte mit dem Zahnstocher die Olive aus dem Glas, biss eine Hälfte ab, hielt die andere gegen die Unterlippe und sah mich an. „Was halten Sie von ‚Sisterhood‘?“

„In meinen Augen ist es nur ein Neuaufguss von Simone de Beauvoir.“

Ihre Haut war sehr hell, der geschminkte Mund wirkte dunkel dagegen. Das Lächeln fiel dadurch mehr auf. „Vielleicht geht es doch mit Ihnen. Ich sehe es eher so, dass ich Simone de Beauvoir zu aktuellen Fragen der Zeit in Beziehung bringe, aber Neuaufguss würde ich auch akzeptieren. Es ist unverblümt. Sie sagen, was Sie denken.“

Ich aß noch ein paar Erdnüsse.

„Warum haben Sie Simone de Beauvoir gelesen?“

„Meine Freundin hat mir das Buch zum Geburtstag geschenkt.“

„Was war Ihrer Meinung nach ihre einleuchtendste Erkenntnis?“

„Ihre Idee, dass Frauen die Anderen sind. Veranstalten wir nachher ein Quiz?“

„Ich möchte mir gern ein Bild über Ihre Einstellung zu Frauen und Frauenfragen machen.“

„Das ist unsinnig“, sagte ich. „Sie sollten sich ein Bild davon machen, wie gut ich schieße und wie hart ich zuschlage und wie schnell ich mich ducken kann. Dafür kriege ich nämlich 200 Mäuse pro Tag. Meine Einstellung zu Frauen ist irrelevant. Ebenso meine Erkenntnisse über ‚Das andere Geschlecht‘.“

Sie sah mich an. Lehnte sich in den schwarzen Lederpolstern der Eckbank zurück. Rieb behutsam die Hände gegeneinander.

„Na gut, wir werden es versuchen. Aber auf ein paar Grundregeln muss ich bestehen. Sie sind ein großer, gutaussehender Mann. Sie hatten vermutlich etlichen Erfolg bei Frauen. Ich bin nicht wie diese Frauen. Ich bin lesbisch. Ich habe keinerlei sexuelles Interesse an Ihnen oder an anderen Männern. Flirtversuche sind daher völlig überflüssig. Und ebenso überflüssig ist es, dass Sie das persönlich nehmen. Ist für Sie die Vorstellung, mit einer lesbischen Frau zu tun zu haben, peinlich oder eher pikant?“

„Weder noch. Gibt es eine dritte Möglichkeit?“

„Das hoffe ich.“ Sie winkte dem Ober und bestellte eine neue Runde. „Ich habe viel zu tun“, fuhr sie fort. „Ich muss Bücher schreiben und veröffentlichen, ich muss Reden halten und mich für meine Sache einsetzen, und außerdem habe ich auch noch ein Privatleben. Ich gedenke nicht, mich in irgendeinem geheimen Unterschlupf zu vergraben und das Leben an mir vorbeigehen zu lassen. Ich lasse mich nicht verändern, was immer irgendwelche Frömmler sagen oder tun mögen. Wenn Sie den Job übernehmen, muss Ihnen das klar sein.“

„Es ist mir klar“, sagte ich.

„Ich habe ein aktives Liebesleben mit wechselnden Partnerinnen. Darauf müssen Sie sich einstellen. Etwaige feindselige Gefühle mir oder den Frauen gegenüber, mit denen ich schlafe, müssen Sie für sich behalten.“

„Werde ich gefeuert, wenn ich rot werde?“

„Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, dass ich für Witze nichts übrig habe. Sind Sie damit einverstanden oder nicht?“

„Einverstanden.“

„Schließlich muss ich verlangen, dass Sie mir vom Hals bleiben, sofern nicht mein Leben in unmittelbarer Gefahr ist. Dass Sie in meiner Nähe Augen und Ohren aufsperren müssen, ist mir klar. Ich weiß nicht, wie ernst die Drohungen gemeint sind. Sie werden die Sache wohl ernst nehmen müssen, das weiß ich. Aber wenn es nicht gerade um Tod oder Leben geht, will ich nichts von Ihnen hören. Was ich brauche, ist ein echter Schatten.“

„Einverstanden“, sagte ich und leerte mein Glas. Der Ober kam vorbei, griff sich die leere Erdnussschale und brachte eine volle. Rachel Wallace sah, dass ich ausgetrunken hatte, und gab dem Ober einen Wink. Ticknor sah sein Glas an, sah Rachels Glas an. Rachels Glas war noch voll. Ticknor verzichtete auf eine Bestellung.

„Sie sehen sehr ordentlich aus“, sagte sie. „Das ist ein guter Anzug, gut geschnitten. Haben Sie sich extra in Schale geworfen, oder sehen Sie immer so aus?“

„Für heute habe ich mich in Schale geworfen. Normalerweise trage ich ein hellblaues Kostüm mit einem großen roten S auf der Brust.“ Es war schummrig in der Bar, aber ihr Lippenstift hatte eine kräftige Farbe, und einen Augenblick hatte ich den Eindruck, dass sie lächelte. Vielleicht juckte ihr aber auch nur ein Mundwinkel.

„Ich lege Wert darauf, dass Sie vorzeigbar sind.“

„Das kann ich versprechen. Wenn Sie allerdings Wert darauf legen, dass ich dem Anlass entsprechend angezogen bin, müssen Sie mir rechtzeitig Bescheid sagen.“

„Natürlich.“

Ich bedankte mich. Ich versuchte an etwas anderes als an Erdnüsse zu denken. Eine Schale war genug.

„So, das wär’s von meiner Seite. Jetzt sind Sie dran. Sie müssen ja auch Ihre Regeln haben. Oder Fragen oder sonst etwas. Reden Sie frei von der Leber weg.“

Ich trank einen Schluck Bier. „Ich habe schon Mr. Ticknor gesagt, dass ich für Ihre Sicherheit nicht hundertprozentig garantieren kann. Wenn ich bei Ihnen bin, sind die Chancen größer, dass kein Attentäter Sie erwischt. Aber ein Fanatiker oder ein Verrückter kommt trotzdem an Sie heran.“

„Das ist mir klar“, sagte sie.

„Ihr Sexualleben ist mir schnuppe. Von mir aus können Sie mit Anita Bryant durchbrennen. Aber ich muss wissen, was läuft. Wenn Sie sich mit Unbekannten einlassen, gehen Sie unter Umständen mit einem Mörder ins Bett.“

„Unterstellen Sie mir Promiskuität?“

„Die Andeutung kam von Ihnen. Wenn ich da auf der falschen Rille bin, umso besser. Ihre Freundinnen werden Sie ja kaum umbringen wollen.“

„Ich denke, über mein Privatleben brauchen wir jetzt nicht mehr zu sprechen. John, bestellen Sie sich um Himmels willen noch was zu trinken, Sie sehen ja ganz verzweifelt aus.“

Er lächelte und winkte dem Ober.

„Sonst noch was?“, fragte sie mich.

„Eins vielleicht noch. Ich bin zu Ihrem Leibwächter bestellt, und zu diesem Job gehört, dass ich Ihnen sagen werde, was Sie tun und was Sie nicht tun können. Ich kenne mich in diesem Geschäft sehr viel besser aus als Sie. Denken Sie daran, ehe Sie mich anblaffen. Ich werde Ihnen aus dem Weg gehen, soweit ich kann, aber immer wird es nicht möglich sein.“

Sie streckte mir über den Tisch hinweg die Hand hin. „Wir werden es versuchen, Spenser“, sagte sie. „Vielleicht klappt’s, vielleicht auch nicht, aber einen Versuch ist die Sache jedenfalls wert.“

3

„Okay“, sagte ich. „Jetzt erzählen Sie von den Morddrohungen.“

„Schmähbriefe habe ich schon immer bekommen, aber in jüngster Zeit waren es auch Anrufe.“

„Seit wann geht das?“

„Seit der Versendung der gebundenen Fahnenabzüge.“

„Was sind gebundene Fahnenabzüge und an wen werden sie versendet?“

Ticknor ergriff das Wort. „Nach dem Satz gehen Manuskripte zur Korrektur an Verfasser und Lektoren. Diese Fassung der Manuskripte nennt man Fahnenabzüge.“

„Das ist mir soweit klar. Was ist mit den gebundenen Exemplaren, die versendet werden?“, sagte ich.

„Fahnenabzüge sind meist lange Streifen, drei Druckseiten oder mehr auf einem Blatt. Für Kritiker und Personen, die wir für Werbezwecke zitieren könnten, schneiden wir die Fahnenabzüge auseinander, binden sie in billiger Broschur und versenden sie.“ Ticknor hatte inzwischen seinen dritten Martini zur Hälfte intus und schien sich wieder bedeutend besser zu fühlen. Ich kämpfte gegen meine Erdnussgelüste.

„Sie haben eine Liste der Leute, an die Sie diese Dinger schicken?“

Ticknor nickte. „Bekommen Sie morgen.“

„Okay. Die Anrufe kamen also, nachdem die Fahnenabzüge versandt waren. Bitte weiter.“

Rachel Wallace aß die Olive aus ihrem Martini. Ihre Zähne waren klein und gleichmäßig und wirkten gepflegt. „Es war eine Männerstimme“, sagte sie. „Er hat mich eine Lesbe genannt. Scheißlesbe, wenn ich mich recht erinnere. Und sollte das Buch erscheinen, hat er gesagt, bin ich tot, sobald es in der Auslage landet.“

„Bücher landen nicht in der Auslage, sondern Zeitungen! Der Kerl hat ja keine Ahnung.“

„Seit einer Woche kommt jeden Tag so ein Anruf.“

„Immer mit demselben Inhalt?“

„Nicht wortwörtlich, aber so ungefähr. Es läuft immer darauf hinaus, dass eine Veröffentlichung des Buches für mich den Tod bedeuten würde.“

„Ist es immer dieselbe Stimme?“

„Nein.“

„Schade.“

„Warum?“, fragte Ticknor.

„Weil damit die Chance, dass wir es mit einem verdrehten Einzelgänger zu tun haben, gesunken ist“, sagte ich. „Dass Sie das Buch zurückziehen, kommt vermutlich für Sie nicht in Frage.“

„Auf gar keinen Fall“, erklärte Rachel Wallace.

„Wir hatten es ihr angeboten“, sagte Ticknor. „Wir würden nicht auf der Erfüllung des Vertrages bestehen.“

„Es war auch von einer Rückzahlung der Vorschüsse die Rede“, ergänzte Rachel Wallace.

„Geschäft ist Geschäft, Rachel, das ist nun mal unsere Sache.“

„Und meine Sache sind die Rechte der Frau, die sexuelle Befreiung und das Schreiben.“ Sie sah mich an. „Ich kann nicht zulassen, dass jemand mir Angst macht. Ich kann nicht zulassen, dass man mich mundtot macht. Begreifen Sie das?“

„Ja“, sagte ich, „das begreife ich.“

„Und das ist nun Ihre Aufgabe: Sie sollen dafür sorgen, dass ich reden kann“, erklärte sie.

„Was steht denn so Schreckliches in dem neuen Buch?“, wollte ich wissen.

„Zunächst war es nur als Abhandlung über sexuelle Vorurteile gedacht. Diskriminierung von Frauen, Homosexuellen, besonders lesbischen Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Aber das hat sich dann ausgeweitet. Sexuelle Vorurteile gehen Hand in Hand mit anderen Formen der Korruption. Wer gegen die Bedingungen der Chancengleichheit am Arbeitsplatz verstößt, schreckt auch vor anderen Unregelmäßigkeiten nicht zurück, Bestechung, Erpressung, organisiertem Verbrechen. Ich habe die Namen, auf die ich gestoßen bin, genannt. Mein Buch wird vielen von diesen Leuten schaden. Verdient haben es alle.“

„Es handelt sich um große Firmen“, sagte Ticknor. „Um Kommunalverwaltungen, Politiker, die Stadtverwaltung, die katholische Kirche. Sie hat praktisch sämtliche lokalen Machtstrukturen aufs Korn genommen.“

„Mit Schwerpunkt Boston?“

„Ja“, bestätigte sie. „Ich sehe die Stadt als Mikrokosmos. Statt mich in Verallgemeinerungen über eine ganze Nation zu ergehen, nehme ich eine Großstadt unter die Lupe. Synekdoche nennen das die Rhetoriker.“

„Sieht denen ähnlich“, sagte ich.

„Es gibt also einen ganzen Haufen potentieller Delinquenten“, sagte Ticknor.

„Kann ich das Buch auch mal lesen?“

„Ich habe ein Exemplar mitgebracht.“ Ticknor holte es aus seiner Aktentasche. Es hatte einen grünen Schutzumschlag. Der Titel – in roten Lettern – füllte fast die ganze Vorderseite, ein Foto von Rachel Wallace fast die ganze Rückseite. „Frisch aus der Presse“, erklärte er.

„Ich nehme es mir heute Abend vor“, versprach ich. „Wann trete ich meinen Dienst an?“

„Sofort“, sagte Rachel Wallace. „Sie sind hier, Sie haben eine Waffe bei sich. Und ganz ehrlich: Ich habe Angst. Ich werde nicht nachgeben, aber ich habe Angst.“

„Was haben Sie für heute Abend geplant?“, fragte ich.

„Wir trinken hier noch so zwei bis drei Drinks, dann gehen wir essen. Danach ziehe ich mich auf mein Zimmer zurück, arbeite bis Mitternacht und lege mich dann schlafen. Wenn ich in meinem Zimmer bin und die Tür abgeschlossen habe, können Sie wahrscheinlich gehen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hier recht gut. Beim geringsten Geräusch vor meiner Tür würde ich mich nicht scheuen, den Sicherheitsdienst anzurufen.“

„Und morgen?“

„Morgen holen Sie mich um acht ab. Am Vormittag muss ich einen Vortrag halten, nachmittags habe ich eine Autogrammstunde.“

„Ich bin für heute Abend verabredet“, sagte ich. „Kann ich sie mitbringen?“

„Sie sind nicht verheiratet?“

„Stimmt.“

„Ist das nur eine lockere Verabredung, oder sind Sie fest gebunden?“

„Das letztere.“

„Für die Spesen Ihrer Freundin können wir aber nicht aufkommen“, sagte Ticknor.

„Gleich fange ich an zu weinen.“

„Ja, sicher, bringen Sie meinetwegen heute Ihre Freundin mit. Überall können Sie sie natürlich nicht mitschleppen. Sie wissen ja, man sollte Arbeit und Vergnügen trennen.“

„Sie ist nicht der Typ, der sich mitschleppen lässt. Sie können von Glück sagen, wenn sie heute Abend überhaupt mitkommt.“

„Ihr Ton gefällt mir nicht. Es ist völlig legitim, wenn ich Wert darauf lege, dass Sie sich durch Ihre Freundin nicht von der Arbeit ablenken lassen, für die Sie von uns bezahlt werden. Um wen würden Sie sich im Gefahrenfall zuerst kümmern, um sie oder um mich?“

„Um sie.“

„Dann darf ich wohl darauf bestehen, dass die Anwesenheit Ihrer Freundin bei uns nicht zu einer ständigen Einrichtung wird.“

„Keine Sorge, das würde sie wohl kaum aushalten.“

„Vielleicht überlege ich es mir noch einmal wegen heute Abend“, sagte Rachel Wallace.

„Vielleicht überlege ich es mir auch noch mal“, sagte ich.

„Nun halten Sie mal beide die Luft an“, mischte sich Ticknor ein. „Rachel hat das bestimmt nicht böse gemeint. Sie hat im Grunde recht, Spenser, das müssen Sie doch einsehen.“

Ich schwieg.

„Das mit dem Essen heute Abend ist durchaus verständlich“, fuhr Ticknor fort. „Sie hatten sich verabredet und konnten nicht wissen, dass Rachel Sie schon heute Abend brauchen würde. Bestimmt ist Rachel mit einem Essen zu dritt einverstanden.“

Rachel schwieg.

„Vielleicht könnten Sie die Dame anrufen und sie bitten, sich irgendwo mit Ihnen zu treffen.“

Dass Ticknor „Dame“ gesagt hatte, schmeckte Rachel nicht, aber sie hielt sich zurück und beließ es bei einem giftigen Blick, den er entweder nicht bemerkte oder wohlweislich ignorierte.

„Wo essen wir?“, fragte ich Rachel.

„Im besten Restaurant der Stadt. Haben Sie einen Vorschlag?“

„Das beste Restaurant der Stadt ist nicht in der Stadt, sondern in Marblehead. Es heißt Rosalies.“

„Was für eine Küche?“

„Norditalienisch-eklektisch, aber im wesentlichen einfach Rosalie’s.“

„Keine Sandwiches? Keine Pizza?“

„Nein.“

„Kennen Sie den Laden, John?“

„Ich bin selbst noch nicht dort gewesen, aber es soll ausgezeichnet sein.“

„Einverstanden. Sagen Sie Ihrer Freundin, dass wir sie um sieben dort erwarten. Ich bestelle einen Tisch.“

„Meine Freundin heißt Susan. Susan Silverman.“

„In Ordnung“, sagte Rachel Wallace.

4

Das Rosalie’s befindet sich in einem renovierten Bürohaus in einem der bescheideneren Viertel von Marblehead. Aber die bescheideneren Viertel von Marblehead sind immer noch obere Mittelklasse. In den Büros haben sie vermutlich früher mal Clips für Hundertdollarscheine vertrieben.

Das Restaurant ist im ersten Stock. Gleich hinter der Tür kommt man in eine kleine Bar. Dort stand Susan, ein Glas Chablis in der Hand, und redete mit einem jungen Mann in Cordjacke und kariertem Hemd. Er hatte einen martialischen Schnurrbart mit aufgezwirbelten Enden, mit dem ich ihn am liebsten erdrosselt hätte.

Wir blieben einen Augenblick in der Tür stehen. Susan hatte uns noch nicht bemerkt, Rachel sah sich nach dem Oberkellner um. Susan trug eine zweireihige Kamelhaarjacke mit dazu passendem Rock, eine waldgrüne Hemdbluse und hohe Stiefel, die bis unter ihren Rock reichten. Wenn ich sie in ungewohnter Umgebung unerwartet sah, hatte ich immer das Gefühl, dass jetzt eigentlich ein Fanfarenstoß fällig gewesen wäre. Ich trat an den Barhocker neben ihr. „Entschuldigen Sie, Miss, aber wenn ich Sie so sehe, fängt mein Herz an zu singen wie ein Apriltag auf den Schwingen des Frühlings.“

Susan wandte sich um. „Das sagen sie alle.“ Sie deutete auf den jungen Mann mit dem martialischen Schnurrbart. „Das ist Tom.“ In ihren Augen tanzte ein durchtriebenes Lachen. „Tom hat mich netterweise zu einem Glas Chablis eingeladen.“

Ich sah Tom an und sagte: „Eins.“

„Wie bitte?“, fragte er.

„Ach, nichts. Das ist so ein alter Witz. Nett, Sie kennenzulernen“, sagte ich.

Der Oberkellner, in einem dunklen Dreiteiler aus Samt stand jetzt neben Rachel. „Nimm deinen Wein und komm mit“, sagte ich zu Susan.

Sie lächelte Tom zu, und wir gingen zu Rachel hinüber.

„Rachel Wallace“, sagte ich. „Susan Silverman.“

Susan streckte die Hand aus. „Guten Abend, Rachel. Ihre Bücher sind große Klasse.“

Rachel Wallace lächelte und ergriff ihre Hand. „Danke. Freut mich, Sie kennenzulernen.“

Der Oberkellner brachte uns zu unserem Tisch und legte uns die Speisekarten vor. Er sagte: „Ich werde sogleich einen Kellner schicken, der Ihre Getränkewünsche aufnimmt.“

Ich setzte mich Susan gegenüber, Rachel Wallace saß links neben mir. Sie war eine gutaussehende Frau, aber neben Susan wirkte sie, als wenn jemand sie mit zu viel Bleiche gewaschen hätte. Sie war eine bemerkenswerte, intelligente Persönlichkeit, aber wenn ich sie so mit Susan verglich, tat sie mir leid. Na ja, eigentlich taten mir alle Frauen leid, wenn ich sie mit Susan verglich.

„Erzählen Sie mir ein bisschen von Spenser“, sagte Rachel. „Kennen Sie ihn schon lange?“

„Getroffen habe ich ihn 1973“, sagte Susan. „Aber wir kennen uns schon ewig.“

„Das kommt dir nur so vor, wenn du mich reden hörst“, sagte ich.

Rachel ignorierte mich. „Und wie ist er?“

„So, wie er sich gibt“, sagte Susan. Eine Bedienung kam und nahm unsere Getränkebestellung entgegen.

„Nein, ich meine im Einzelnen. Es ist gut möglich, dass irgendwann einmal mein Leben von ihm abhängt. Ich muss das wissen.“

„Ich sage es nicht gern, wenn er dabeisitzt, aber dafür können Sie sich keinen Besseren wünschen.“

„Oder keinen, der ebenso gut ist“, sagte ich.

„Du solltest versuchen, von deinem Hang zur Übertreibung wegzukommen“, mahnte Susan. „Du bist zu selbstgenügsam.“

„Wird er es schaffen, seine Aversion gegen radikalen Feminismus so weit zu überwinden, dass er mich hinreichend beschützen kann?“

Susan sah mich an und machte große Augen. „Darauf solltest du vielleicht besser selbst antworten, Schnucki.“

„Bisher steht noch gar nicht eindeutig fest, dass ich eine Aversion gegen radikalen Feminismus habe. Ja, bisher steht noch nicht einmal einwandfrei fest, dass Sie eine radikale Feministin sind.“

„Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass ich eine solche Aversion getrost voraussetzen kann“, sagte Rachel Wallace. „Damit liege ich in den seltensten Fällen falsch.“

„Kann ich mir vorstellen“, sagte ich.

„Manchmal kann er wirklich eine Nervensäge sein“, meinte Susan. „Er weiß ganz genau, dass Sie ein paar beruhigende Worte von ihm erwarten, und er tut Ihnen nicht den Gefallen. Schön, dann übernehme ich das eben. Radikaler Feminismus ist ihm – so oder so – ziemlich schnuppe. Aber wenn er sagt, dass er Sie beschützen wird, dann tut er das auch.“

„Ich bin keine Nervensäge“, sagte ich, „Mit der bloßen Feststellung, dass ich keine Aversion gegen radikalen Feminismus habe, ist ihr nicht geholfen. Jedenfalls dürfte ihr damit nicht geholfen sein. Beweise kann ich erst im Ernstfall erbringen. Nicht mit Worten.“

„Doch“, widersprach Susan. „Auch Worte können etwas beweisen. Und die Stimme. Du bist so verdammt unabhängig, dass du dich einfach nicht erklären willst.“

Die Kellnerin brachte Wein für Susan, Beck’s Bier für mich und noch einen Martini für Rachel Wallace.

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