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Blutiger Freitag

Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich

der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Die Handlung und Figuren dieses Romans sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen

sind nicht beabsichtigt und wären rein zufällig.

1. KAPITEL

Freitagmorgen, 23. November

Bloomington, Minnesota

Mall of America

Er tat es schon wieder. Rebecca Cory richtete sich auf und holte tief Luft. Sie würde die Stellung halten – ganz egal, wie oft der Typ sie anrempelte. Die ersten beiden Male hatte sie einfach nicht reagiert. Und ein kurzer Blick nach hinten überzeugte sie, dass das auch diesmal die beste Strategie war. Der Kerl war riesig. Er überragte sie bestimmt um einen drei viertel Meter. Und dann auch noch das krasse Tattoo und diese merkwürdige Kleidung: Armyhosen und ein enges T-Shirt. Kein Mantel. Bei minus sieben Grad und Schnee draußen schon eine merkwürdige Kleiderwahl. Aber in diesem überfüllten Einkaufszentrum vielleicht keine schlechte Lösung.

Selbst bei flüchtigem Hinsehen war Rebecca der rot-grüne Drache nicht entgangen, der sich auf dem muskulösen Arm des Mannes nach unten schlängelte. Der Schwanz war um den Nacken des Muskelprotzes geschlungen, und der Feuer speiende Kopf kam aus dem Ärmel des T-Shirts hervor. Das Tattoo reichte bis zum Ellenbogen des Typen. Der gleiche Ellenbogen, der ständig zwischen Rebeccas Schulterblättern landete.

Sie ermahnte sich, Ruhe zu bewahren. Die Warteschlange vor ihr wurde langsam kürzer. Inzwischen konnte Rebecca schon die Theke des Coffeeshops sehen. Es würde nicht mehr lange dauern. Sie versuchte sich auf die Weihnachtsmusik zu konzentrieren, soweit sie über das Geplapper der Leute und die lautstarken Wutanfälle ungeduldiger Kleinkinder überhaupt noch zu hören war.

„… walkin' in the winter wonderland.“

Sie liebte diesen Song. Obwohl die Mall of America ganz bestimmt kein Wintermärchenland war. Der Schweiß tropfte Rebecca den Rücken hinunter. Sie wünschte, sie hätte ihren Mantel bei Dixon und Patrick gelassen. Die beiden waren irgendwo hinter ihr in der überfüllten Cafeteria des Kaufhauses und verteidigten den letzten freien Bistrotisch mit vier Stühlen.

Rebecca summte das Lied mit. Den Text kannte sie auswendig. Während ihrer langen Fahrt hatten sie ständig Weihnachtslieder gesungen. Von Connecticut nach Minnesota. Einundzwanzig Stunden. Zweitausend Kilometer. Am Leben gehalten durch Red Bull, Kaffee aus dem Automaten und McDonald's-Produkte.

Sie war immer noch hundemüde. Obwohl sie nach dem Thanksgiving-Dinner bei Dixons Großeltern gestern alle sofort ins Bett gefallen waren.

Die Erinnerung erfüllte Rebecca noch immer mit einem warmen Gefühl. Das erste richtige Festtagsmahl seit Jahren. Mit Truthahn, Soße, selbst gemachtem Kartoffelpüree und allen dazugehörigen Beilagen. Der Großvater hatte ein Tischgebet gesprochen. Die Großmutter hatte jedem einen Nachschlag serviert, ob man wollte oder nicht. Dixon hatte es wirklich gut. Familie, Tradition und uneingeschränkte Liebe. Auch wenn ihr eigenes Leben ganz anders aussah, gab der Gedanke daran Rebecca neuen Mut.

Der Ellenbogen knallte wieder zwischen ihre Schulterblätter.

Verdammt noch mal!

Sie widerstand dem Impuls, sich umzudrehen.

Was, zum Teufel, machte sie hier überhaupt?

Sie hasste Shoppingcenter, und der Tag nach Thanksgiving war der schlimmste im ganzen Jahr. Die Leute nutzten das lange Wochenende, um wie verrückt einzukaufen. Hatten die alle nichts anderes zu tun? Entnervt sah Rebecca sich um. Natürlich war es mal wieder Dixon gewesen, der sie zu diesem Trip überredet hatte. Er hatte sie damit geködert, dass es ein unvergessliches Abenteuer werden würde.

Dixons Überredungskünste waren legendär. Und seit ihrer gemeinsamen Kindergartenzeit fiel Rebecca immer wieder darauf herein. Damals hatte ihr Dixon erfolgreich weisgemacht, dass Kleister wie Zuckerwatte schmeckt. Und hatte sie daraus gelernt? Natürlich nicht. Sonst würde sie wohl kaum bei dieser durchgeknallten Aktion heute mitmachen. Typisch Dixon! Aber was konnte man schon von einem erwarten, der voll auf Batman und Robin stand?

Und der arme Patrick war mit von der Partie, weil er kein Spielverderber sein wollte.

Patrick.

Er war eine ganz andere Geschichte. Sie hätte Patricks Verhalten liebenswert finden sollen. Stattdessen hielt sie es für äußerst verdächtig, dass dieser total coole Typ zweitausend Kilometer reiste, um mit ihr und Dixon Thanksgiving zu feiern. Schien ziemlich viel Aufwand zu sein, nur um sie ins Bett zu bekommen.

Das war unfair.

Sie wusste, dass er keine Familie in Connecticut hatte, bei der er die Feiertage verbringen konnte. Patricks Mutter lebte in Green Bay und seine Halbschwester in Washington. Als Dixon ihm von seinem Plan erzählt hatte, hatte Patrick nur ganz cool gefragt, ob sie auf dem Rückweg in Wisconsin vorbeikommen würden. So, als wäre das schon Grund genug. Dass sie einfach mal vorbeischneien und „Hallo“ zu seiner Mutter sagen könnten. Aber wenn es nicht klappt, ist das auch kein Problem.

Das war Patrick. Zurückhaltend, reif und überlegt, ein Fels in der Brandung. Dixon nannte es langweilig. Rebecca nannte es zuverlässig, und das mochte sie an Patrick. Selbst wenn sie manchmal nicht so ganz sicher war, welche Motive dahintersteckten. Jemand Zuverlässiges um sich zu haben war ein gutes Gefühl. Mit Patrick zusammen zu sein war ein gutes Gefühl. Auch wenn sie das vor sich selbst nicht zugeben wollte.

Sie waren Freunde geworden, als sie bei Champs gegenüber der Uni gejobbt hatten. Patrick hatte an der Bar gearbeitet und Rebecca als Serviererin. Sie war noch zu jung, um den Gästen alkoholische Getränke zu bringen, und wenn es nicht genug Serviererinnen gab, die das „richtige Alter“ hatten, sprang Patrick für sie ein, auch wenn an der Bar gerade die Hölle los war.

Geduldig, freundlich, liebenswürdig … sehr verdächtig.

Ziemlich merkwürdig – oder vielmehr ziemlich traurig, dass sie so etwas verdächtig fand. Vor allem anfangs. Jetzt nicht mehr so sehr. Neben Dixon gehörte Patrick zu ihren besten Freunden. Ihre Mutter hielt es für anormal, dass sie nur männliche Freunde hatte.

„Gehst du denn mit den Jungs ins Bett?“, hatte sie sich erkundigt. Als Rebecca ihr versicherte, dass dies „absolut nicht“ der Fall war, schien sie nur noch erstaunter darüber.

„Du bist doch nicht lesbisch, oder?“, war dann ihre nächste Frage, wonach sie schnell hinzufügte: „Nicht, dass es mir was ausmachen würde.“

Die vergangenen drei Jahre hatte Rebecca beobachten müssen, wie ihre Eltern sich mit jedem Streit weiter auf die Scheidung zubewegten. Kaum waren die Papiere unterschrieben, heiratete ihr Vater eine Kollegin, die er angeblich gerade erst kennengelernt hatte. Und ihre Mutter konterte prompt mit einer Schwemme von Liebhabern. Rebecca selbst diente die Beziehung ihrer Eltern als warnendes Beispiel. Sie war entschlossen, sich nur auf ihre Zukunft zu konzentrieren. Und die würde sie sich weder von ihren unfähigen Eltern noch von irgendeinem Freund verderben lassen. Schließlich war ihre Zukunft ihr einziger Fluchtweg.

Sowieso waren Tiere die einzigen Lebewesen, auf die man sich verlassen konnte. Ganz besonders Hunde. Sie zu heilen und zu retten, darin sah Rebecca auch ihre eigene Rettung. Sie wusste, dass ein Tiermedizinstudium einen langen anstrengenden Kampf bedeutete, aber sie war bereit, dafür zu schuften. Um vielleicht eines Tages ihre eigene Klinik zu besitzen. Das und einen Haufen Hunde, ein paar Pferde und auch einige Katzen. Ihre Mutter hatte ihr nicht mal erlaubt, einen kleinen Hund in der neuen Wohnung zu halten. Aber das war in Ordnung. Auf diese Weise hatte Rebecca schnell und schmerzlos ihre Sachen packen und ins Studentenwohnheim ziehen können. Manchmal war es besser, für niemand verantwortlich zu sein. Und niemand zu haben, der einen aufhielt und von der Erfüllung des großen Traums ablenkte.

Als ihre Mutter sie gefragt hatte, ob sie an Thanksgiving nach Hause käme, hätte Rebecca beinahe geantwortet, dass sie kein Zuhause besaß. Aber das hätte ihre Mutter nicht verstanden. Und sie wäre todsicher dagegen gewesen, dass Rebecca mit Dixon und Patrick durchs halbe Land reiste. Also hatte sie gelogen.

Nein, es war eigentlich keine richtige Lüge.

Sie hatte einfach geantwortet, dass ihr Vater sie eingeladen hatte, Thanksgiving mit ihm und seiner neuen Familie zu verbringen. Das stimmte auch. Er hatte sie eingeladen, sie auf ihrer Luxusreise nach Jamaika zu begleiten. Es war nicht Rebeccas Schuld, dass ihre Mutter das nicht nachprüfte, dass sie eher Feuer schlucken als mit ihrem Exmann reden würde.

Als Rebecca zu ihrem Tisch zurückkehrte, entdeckte sie, dass Patrick für jeden eine Zimtschnecke bestellt hatte. Dixon rutschte ungeduldig auf seinem Stuhl hin und her. Offensichtlich hatte er schon loslegen wollen, aber Patrick hatte darauf bestanden, mit dem Essen auf ihre Rückkehr zu warten.

Gut erzogen war er also auch noch.

Rebecca lächelte, als sie Andy Williams „I'll be home for Christmas“ singen hörte. Die Leitung des Centers musste wohl die gleiche Weihnachtslieder-Kollektion haben wie Dixon.

„Please have snow and mistletoe“, sang Dixon, als sie ein Red Bull für ihn und Kaffee für sich und Patrick auf den Tisch stellte.

Sie hatte sich kaum gesetzt, als Dixon auch schon seine Zimtschnecke angebissen und die Lasche seiner Getränkebüchse abgerissen hatte. Ihr bester Freund war charmant, talentiert, geistreich und anderen gegenüber vollkommen ignorant, wenn es um eine seiner tollen Ideen ging. Und genau deshalb befanden sie sich jetzt hier im Einkaufszentrum. Weil Dixon mal wieder eine Idee hatte.

Die ganze Sache musste irgendetwas mit dem roten Rucksack zu tun haben, der unter Dixons Stuhl stand.

„Chad und Tyler sind schon hier.“

Dixon winkte den beiden Jungs quer durch den Speiseraum zu, aber sie sahen nicht einmal in seine Richtung. Typisch, dachte Rebecca. Die beiden Superhirne behandelten ihn immer noch wie ein lästiges Anhängsel. Aber das wollte Dixon einfach nicht wahrhaben.

Chad und Tyler waren gemeinsam mit Rebecca und Dixon zur Schule gegangen, bis ihre Wege sich irgendwann trennten. Rebecca zog mit ihrer Mutter nach Connecticut. Und Dixon folgte ihr einige Jahre später an die Universität von West Haven. Doch kaum war er wieder in Minnesota, war alles beim Alten. Ein einziger Anruf genügte, und schon war Dixon Feuer und Flamme für das neueste Projekt der beiden Chaoten.

Rebecca bemerkte, dass Chad und Tyler die gleichen roten Rucksäcke bei sich trugen wie Dixon. Worauf hatte er sich diesmal eingelassen? Sie zog ihren Mantel aus und hängte ihn über die Stuhllehne. Normalerweise hielt sie sich aus Dixons Abenteuergeschichten heraus. Sie strich sich einige feuchte Haarsträhnen aus dem Gesicht und straffte ihren schmerzenden Rücken. Dieser verfluchte Typ mit seinem Drachen-Tattoo!

„Wir haben uns darauf geeinigt, im zweiten Stock anzufangen und uns von da aus nach unten vorzuarbeiten.“

„Und was genau macht ihr nun?“, erkundigte sich Patrick.

Rebecca hätte ihm am liebsten einen Tritt unter dem Tisch verpasst. Dixon trug jede Woche ein T-Shirt mit einem neuen Slogan. Und genau so schnell und unüberlegt stürzte er sich auch in ein neues Projekt. Höchstwahrscheinlich war dies hier Chads und Tylers Idee. Aber das ließ bei Dixon keinerlei Alarmglocken klingeln. Ganz im Gegenteil.

Dixon liebte Superhelden-Comics, und gerade gehörte Batman zu seinen absoluten Favoriten. Noch vor wenigen Wochen war es Homer Simpson gewesen und davor sämtliche Charaktere aus dem Herrn der Ringe. Ein weiteres seiner Hobbys war Astronomie. Dixon konnte nicht nur Venus und manchmal auch Mars im Nachthimmel ausfindig machen, sondern auch noch alle drei Sterne im Orionring benennen. Als er Rebecca davon erzählt hatte, dass er Internetkriminalität als Hauptfach wählen wollte, hatte sie skeptisch reagiert. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Dixon jemals lange genug seine Fantasiewelt verlassen würde, um sich mit den Kriminellen aus dem realen Leben zu beschäftigen. Aber so war Dixon eben: ein intelligenter, geistreicher Typ. Dem hoffentlich bald mal klar werden würde, dass er Idioten wie Chad und Tyler nicht brauchte.

„Wisst ihr, dass achtzig Prozent des Kinderspielzeugs in den USA aus China kommt?“, sagte Dixon und stopfte sich ein weiteres Stück seiner Zimtschnecke in den Mund. „Und damit meine ich nur Spielzeug. Ich will gar nicht erst von den restlichen Produkten reden. Wie zum Beispiel diese kleinen Flaggen, die sich alle an den Kragen stecken … Made in China.“ Er betonte die letzten Worte, als würden sie alles erklären. Leider klang er dabei, als hätte er den Slogan eines Flugblatts auswendig gelernt.

Patrick nahm einen Schluck von seinem Kaffee und blickte zu Rebecca hinüber. Sie zuckte die Schultern. Jetzt war es zu spät. Dixon war nicht mehr zu stoppen.

„Über eine halbe Million Arbeitsplätze sind letztes Jahr ins Ausland verlegt worden“, fuhr er fort. „Der größte Teil der Produktion findet nicht mehr in den USA statt. Kommt alles aus dem Ausland – all diese schönen Sachen, ohne die wir angeblich nicht mehr leben können.“

„So wie dein neues iPhone“, bemerkte Rebecca und deutete auf Dixons Hemdtasche. „Made in China, aber du kannst nicht ohne das Ding leben.“

„Das ist was anderes.“ Dixon verdrehte die Augen. „Außerdem war das ein Geschenk, eine Belohnung dafür, dass ich den Rucksack den ganzen Tag mit mir rumschleppe.“

„Aha“, sagte Rebecca gedehnt. Natürlich steckte hinter der Sache irgendein Geschäft.

„Und ich kann sehr wohl ohne dieses Ding leben, Miss Neunmalklug“, fügte Dixon hinzu.

„Tatsächlich?“ Rebecca hob provozierend die Augenbrauen.

„Klar.“

Sie streckte die Hand aus. „Dann leih es mir doch mal einen Tag. Das schuldest du mir, nachdem du mein Handy verloren hast.“

„Ich habe es nicht verloren. Mir war nur entfallen, wo ich es gelassen habe.“

Inzwischen war Dixons Gesichtsausdruck ernst geworden. Ein Leben ohne sein neuestes Spielzeug war offensichtlich eine grausame Vorstellung. Rebecca war fast schon überzeugt, dass er sich nicht davon trennen konnte, als Dixon ihr plötzlich das iPhone über den Tisch zuschob. Sein Lächeln war wieder da.

„Mach es nicht kaputt. Ich hab's gerade erst bekommen.“

„Was ist denn nun mit dem Rucksack?“, ließ Patrick nicht locker.

Irritiert sahen ihn Rebecca und Dixon an. Sie hatten die Sache schon fast vergessen gehabt. Patrick zeigte auf die rote Tasche zu Dixons Füßen.

„Was für eine Abmachung war das?“, bohrte er nach.

„Der Rucksack, mein Lieber, enthält eine Geheimwaffe.“ Dixon hatte wieder auf seinen Propagandaton umgeschaltet. „Da drinnen befindet sich ein geniales Maschinchen, das ein Funksignal aussendet. Vollkommen harmlos.“ Er wedelte mit der Hand. „Aber genug, um ein paar Computersysteme lahmzulegen. Wird einigen Geschäftsleuten einen Denkzettel verpassen. Als ich letztes Mal zu Hause war, haben mich Chad und Tyler zu einem Treffen mit diesem coolen Professor mitgenommen. Der Typ fährt eine Harley, so ein richtig dickes Ding.“

Rebecca musste grinsen. Dixon konnte garantiert eine Harley nicht von einer Yamaha unterscheiden, aber sie sagte nichts dazu.

„Der Mann hat echt im Schützengraben gelegen, der weiß, wovon er redet. Er war im Mittleren Osten, Afghanistan, Russland, China. Professor Ryan sagt, solange die Leute noch Geld in der Tasche haben, wird es niemanden kümmern, dass wir jährlich Tausende von Jobs ins Ausland verlagern. Und dass uns die südliche Invasion zweimal so viele Arbeitsplätze direkt hier vor der Nase wegschnappt.“

„Die südliche Invasion?“ Jetzt war es an Rebecca, die Augen zu verdrehen. Sie hatte schon so einige von Dixons Obsessionen miterlebt und immer geduldig seinen Phrasendreschereien zugehört. Aber ab und zu musste sie ihm klarmachen, dass sie ihn nicht ernst nehmen konnte. Nächste Woche würde Dixon wahrscheinlich aufbrechen, um gestrandete Wale zu retten.

„Aber warum ist der Rucksack denn mit einem Schloss gesichert?“, bohrte Patrick weiter.

Dixon zuckte nur die Schultern. Er mochte solche Fragen nicht. Und außerdem hatte er offensichtlich genug vom Herumsitzen und Kaffeetrinken. Rebecca kannte diesen Blick bereits. Dixon war bereit zu neuen Taten.

Ungeduldig versuchte er, Chad und Tyler in der Menge auszumachen. Das bestätigte ihr, dass die Idee von den beiden stammte. Nicht von Dixon. Doch er machte dabei mit, wollte die Freundschaft mit diesen coolen Typen pflegen, denen er bereits als kleiner Junge nachgelaufen war. Dabei bescherten die beiden ihm nichts als Probleme. Rebecca verstand einfach nicht, warum er trotzdem immer wieder den Kontakt zu ihnen suchte. Vielleicht würde sich das ändern, wenn er ein weiteres Semester auf dem College absolviert hatte und Abstand zu den beiden gewann.

Eins musste man Dixon aber lassen: Er kümmerte sich um seine Freunde. Darauf konnte Rebecca zählen. Während der Scheidung ihrer Eltern war Dixon immer für sie da gewesen. Wann immer sie ihn angerufen hatte, wurde sie von ihm getröstet. Wieder und wieder hatte er ihr versichert, dass all das keinesfalls ihre Schuld sei und absolut nichts mit ihr zu tun habe. Er gab ihr wieder Selbstvertrauen und brachte sie zum Lachen. Auch dann, wenn es eigentlich gar keinen Grund dazu gab.

Dixons iPhone spielte plötzlich die Titelmelodie von Batman, und Rebecca schob ihm das Handy über den Tisch zurück.

„Es hat ja nicht mal fünf Minuten gedauert …“, begann sie.

„He, dafür kann ich nichts, ich bin nun mal sehr beliebt.“

Aber kaum hatte Dixon den Anruf angenommen, verschwand der selbstsichere Ausdruck aus seinem Gesicht. Plötzlich erschien ein Anflug von Panik auf seinen Zügen.

„Ich komme so schnell wie möglich.“

„Was ist passiert?“ Rebecca lehnte sich vor. Das Stimmengewirr um sie herum wurde lauter. Irgendwo hinter ihnen kündigte jemand über Lautsprecher an, dass der Nikolaus in der Mall eingetroffen war.

„Das war mein Großvater.“ Dixon sah plötzlich blass aus. „Sie haben meine Großmutter gerade ins Krankenhaus gebracht. Wahrscheinlich ein Herzanfall.“

„Oh mein Gott.“

„Sollen wir dich begleiten?“ Patrick zog bereits seinen Mantel an.

„Wäre vielleicht nicht schlecht.“ Dixon stand auf und stolperte über den Rucksack zu seinen Füßen. „Ach du Scheiße.“ Er drehte sich um, blickte suchend über die Menge der Köpfe hinweg. „Ich hab's Chad und Tyler versprochen.“ Er hob mit gequältem Blick den Rucksack auf und stellte ihn auf dem Tisch ab.

„Mach dir keine Sorgen deshalb“, sagte Rebecca, griff nach dem Rucksack und schwang ihn sich lässig über die Schulter, obwohl sie überrascht war, wie schwer das Ding tatsächlich war. „Ich muss doch nur damit durch die Gegend laufen, oder?“

„Das kann ich nicht von dir verlangen.“

„Machst du ja auch nicht. Ich biete es dir an. Jetzt geh.“

„Wie kommt ihr denn nach Hause?“

„Patrick und ich werden schon einen Weg finden.“ Sie umarmte Dixon umständlich, von der Last auf ihrer Schulter behindert.

Er reichte ihr das iPhone. Sie wollte es ablehnen, aber er bestand darauf. „Nein, Abmachung ist Abmachung.“

Sie beobachteten, wie Dixon in der Menge untertauchte, während eine vierköpfige Familie sich auf ihren Bistrotisch stürzte.

Rebecca und Patrick beschlossen, sich ebenfalls zu trennen. In einer Stunde würden sie sich dann wieder in der Cafeteria treffen.

In Gedanken an Dixons Großmutter versunken, machte Rebecca einen Abstecher zur Toilette. Sie kannte Mrs. Lee seit ihrer Kindheit und war von ihr immer wie ein Familienmitglied behandelt worden. Bei ihrem letzten Besuch hatte sie Rebecca sogar das ehemalige Zimmer ihrer Tochter zur Verfügung gestellt.

„Ich weiß, es ist ein bisschen altmodisch, aber ich hab's einfach nicht übers Herz gebracht, die Tapeten zu erneuern“, hatte Mrs. Lee bemerkt, als sie Rebecca das Zimmer zeigte und erklärte, dass ihre Tochter Gänseblümchen so besonders gern gemocht hatte.

Rebecca war bereits einige Meter von der Cafeteria entfernt, als ihr einfiel, dass sie Dixons Rucksack am Haken der Toilettentür vergessen hatte. Verdammt! Entnervt machte sie kehrt, um ihn zu holen.

Unterwegs entdeckte sie Chad. Hoffentlich würde dieser Idiot sie nicht bemerken. Aber zum Glück ging er in die entgegengesetzte Richtung davon. Rebecca drehte sich um und sah ihm nach. Und dann ging alles plötzlich ganz schnell.

Ein ohrenbetäubend lauter Knall ertönte. Verblüfft starrte Rebecca auf den roten und weißen Lichtblitz, der um Chads Gestalt aufzuckte. Der gewaltige Krach der Explosion hallte in ihren Ohren wider, Glas zersplitterte, und eine Flamme schoss hoch.

Eine heiße Stoßwelle riss sie von den Füßen, und sie wurde wie von unsichtbarer Kraft in die Luft geschleudert. Als sie mit voller Wucht wieder auf dem Boden landete, spürte sie einen heftigen Druck auf der Brust. Ein Regen von Glas und Metall und nassem Schutt ergoss sich über sie, schnitt ihr schmerzhaft in die Haut. Ihre Lunge schien zu brennen. Einen Augenblick war sie unfähig, sich zu bewegen. Etwas Schweres lag auf ihr. Drückte sie zu Boden. Das Atmen tat höllisch weh. Sie roch angesengtes Haar.

Als Rebecca die Augen vorsichtig wieder öffnete, sah sie als Erstes einen abgerissenen Arm, der etwa einen Meter von ihr entfernt lag. Einen Sekundenbruchteil glaubte sie voller Panik, es wäre ihr eigener. Bis sie das grüne Tattoo erkannte, das jetzt mit Blut bespritzt war.

Im selben Moment begann es zu schneien. Zumindest schien es so. Unzählige glitzernde weiße Teilchen schwebten von der Decke herab. Rebecca schloss die Augen. Für einen kurzen Augenblick verspürte sie fast so etwas wie inneren Frieden. Aus den Lautsprechern klang noch immer Doris Days gut gelaunte Stimme: „Let it snow, let it snow, let it snow".

Und dann ging das Geschrei los.

2. KAPITEL

Newburgh Heights, Virginia

Maggie O'Dell schob ein Blech mit gefüllten Pilzen in den Ofen. Dann stellte sie sich ans Küchenfenster und sah hinaus. Im Garten wurden ihre Gäste von Harvey unterhalten, der Luftsprünge machte, um sein Frisbee zu fangen. Der weiße Labrador befand sich völlig in seinem Element. Und ihre Gäste jagten ihn lachend durch das am Boden liegende Laub. Drei harte Profis, die sich wie Kinder benahmen. Maggie lächelte. Nichts ging über einen Hund, um das Kind im Mann zu wecken. Oder auch in der Frau.

„Das ist wirklich eine Leistung“, sagte ihre Freundin Gwen Patterson und deutete mit dem Kinn Richtung Fenster, während sie weiter die Zwiebeln schnitt.

Maggie dachte zuerst, Gwen würde die vielen Häppchen meinen. Das Ganze glich inzwischen mehr einem Galabuffet als einigen Snacks, die zu Fußball und Bier gereicht wurden. Aber Gwen sprach nicht vom Essen.

„Ich meine, dass du uns alle zusammengetrommelt hast“, erklärte sie. „Alle gleichzeitig an einem Ort. Und ausnahmsweise mal nicht an einem Tatort … nirgends eine Leiche in Sicht.“

„Das schon, aber hier gibt es umsonst zu essen und Freibier“, erwiderte Maggie. „Das reicht normalerweise.“

„Stimmt.“ Gwen grinste. „Du hast mir immer noch nicht gesagt, warum dein Bruder nicht kommen konnte.“

„Ich nehme an, er hatte ein besseres Angebot.“ Maggie war froh, dass sie ihrer Freundin gerade den Rücken zuwandte. Sie wollte nicht, dass Gwen ihr die Enttäuschung ansah. Am besten machte sie keine große Sache daraus. Gwen, die Psychologin, hätte sonst bestimmt weiter nachgehakt. Und genau das wollte Maggie vermeiden. „Ich kann ja auch nicht erwarten, dass wir sofort eine enge Beziehung entwickeln. Nur weil ich mal angerufen habe.“

Sie riskierte einen kurzen Blick zurück über die Schulter und sah ihre Bedenken bestätigt. Gwen hatte mit dem Zwiebelschneiden aufgehört und sah sie an.

„Weihnachten kommt ja auch noch“, fügte Maggie hinzu und versuchte dabei, optimistisch zu klingen. Ganz gelang ihr das nicht. Dazu war ihre Enttäuschung zu groß. In Wahrheit hatte sie das Weihnachtsthema gar nicht erst angesprochen. Eine Zurückweisung pro Telefongespräch war genug.

„Meinst du, das Essen reicht?“, versuchte Maggie das Thema zu wechseln. Dieser Tag sollte Erholung pur sein. Kein Stress. Einfach nur Fußballschauen mit Freunden, dabei ein bisschen Bier trinken und scharfe Salsa stippen.

„Das ist mehr als genug“, versicherte ihr Gwen und machte sich wieder an die Zwiebeln.

Maggie stand mit in die Hüften gestemmten Händen da und begutachtete den Küchentresen, der sich unter den Platten mit Häppchen fast bog. Bisher hatte sie noch nie eine Party gegeben und war auch selten auf eine gegangen. Schon merkwürdig, wie sich die Dinge änderten, wenn man dem Tod gerade noch mal entronnen war.

Vor weniger als zwei Monaten hatten sich Maggie und ihr Boss, der FBI-Abteilungsleiter Kyle Cunningham, mit dem Ebola-Virus angesteckt. Maggie hatte es überlebt. Cunningham war nicht so glücklich gewesen.

„Ich bin mir nicht sicher, ob es genug ist, nachdem ich ein paar Ausflüge mit Racine unternommen habe.“ Mit aller Macht versuchte Maggie, ihre Erinnerungen an die Isolierstation zu verbannen und daran, wie sie hilflos dem Verfall ihres Vorgesetzten und Mentors hatte zusehen müssen. Aber die schrecklichen Bilder stürmten trotzdem wieder auf sie ein: Cunningham, bis zum Skelett abgemagert und am ganzen Körper mit Schläuchen übersät. Cunningham, der mühsam nach Atem rang. Cunningham … Sie schloss die Augen und drehte Gwen den Rücken zu. Hastig stützte sie sich an der Kante des Tresens ab und tat so, als würde sie das Buffet begutachten.

Bleib ruhig, ermahnte sie sich. Entspanne dich. Atme durch. Genieße, was du hast. Entschlossen drehte sie sich zum Spülbecken um.

„Wenn du Racine siehst, würdest du das nie glauben, aber sie kann echt eine Menge verdrücken.“

Als hätte man sie gerufen, kam Julia Racine durch die Hintertür herein. Ihr kurzes blondes Haar war zerzaust, ein paar trockene Blätter klebten auf ihrem Sweatshirt, ein Schmutzfleck zierte die Knie ihrer Jeans. Sie trug den Duft von Herbst mit sich. In dieser Aufmachung glich sie mehr einem Punkrockstar als einer Kriminalkommissarin.

„Dein Hund ist verdammt hinterhältig!“, bemerkte sie, während sie sich mit den Fingern durchs Haar fuhr und den Blick durch die Küche schweifen ließ. „Er kennt alle Tricks!“, fügte sie hinzu. Doch ihre ungezwungene Fröhlichkeit verschwand, während sie Maggie beobachtete, die unter dem Wasserhahn einen Bund Sellerie spülte, und dann zu Gwen sah, die Zwiebeln klein schnitt.

Maggie spürte, dass Racine sich in diesem Ambiente unwohl fühlte – nicht nur in Maggies Küche, sondern generell in Küchen. Die große schlanke Polizistin verschränkte die Arme vor der Brust und blieb in der Ecke stehen. Sie wäre sicher lieber wieder draußen bei Harvey, Ben und Tully gewesen. Racine fühlte sich in der Gesellschaft anderer Frauen nicht heimisch. Das konnte Maggie nachvollziehen. Sie verbrachte die meiste Zeit mir ihren männlichen Kollegen. In vieler Hinsicht erinnerte Julia Racine sie an sich selbst, als sie noch jünger gewesen war.

„Hinter dir.“ Maggie deutete auf den Küchenschrank, an dem Racine lehnte. „Da sind ein paar weiße eckige Platten für Häppchen drin. Kannst du bitte mal ein paar rausnehmen und auf den Tresen stellen? Und auch ein paar Gläser.“

Racine schien fast erschrocken, dass man sie einspannte. Aber Maggie beschäftigte sich bereits mit etwas anderem, ohne weiter auf sie zu achten. Aus dem Augenwinkel sah sie, dass Racine sich offensichtlich schnell wieder gefangen hatte und Teller und Gläser herausholte.

Maggie legte den frisch gewaschenen Sellerie auf ein Papiertuch neben Gwens Schneidebrett. Sie zog zwei Stängel heraus und reichte Racine einen, während sie selbst an dem anderen kaute. Als die Polizistin sich jetzt wieder am Schrank anlehnte, wirkte sie nicht mehr ganz so verkrampft und hilflos.

„Also …“, begann Racine, biss von dem Sellerie ab und ließ das Wort zunächst einmal im Raum stehen. Offensichtlich fühlte sie sich schon viel besser. „Wie steht es denn jetzt zwischen dir und Benjamin Platt?“

Maggie sah Gwen an.

„Das ist in der Tat eine gute Frage“, bemerkte die und zuckte entschuldigend die Achseln.

Maggie fragte sich, ob es ein Fehler gewesen war, Racine zum Bleiben zu überreden.

„Er ist ein ziemlich heißer Typ“, fuhr Racine fort. „Ich meine, wenn man auf diese Art Abenteurer steht.“

„Er ist Arzt“, entgegnete Maggie unwillkürlich.

„Armeearzt“, fügte Gwen dazu.

Maggie hielt einen Moment in ihrer Arbeit inne und sah Racine so intensiv an, dass diese sich plötzlich bemüßigt fühlte, den Stapel Teller und die Gläser auf dem Tresen gerade zu rücken. Im ersten Augenblick überlegte Maggie, ob die junge Kommissarin womöglich eifersüchtig war … auf Platt. Nicht auf Maggie.

Vor einigen Jahren hatte Racine ihr gestanden, dass sie sich von Maggie angezogen fühlte. Sie hatte sogar einen Annäherungsversuch gestartet. Doch das war ganz am Anfang ihrer Zusammenarbeit gewesen. Inzwischen hatte sich all das geklärt, und die beiden Frauen waren gute Freundinnen. Doch manchmal, in Situationen wie dieser, war Maggie sich nicht sicher, ob Racine sich nicht doch noch Hoffnungen machte.

Vielleicht lief es in Racines Liebesleben gerade nicht so gut. Sie hatte ihre gegenwärtige Partnerin nicht einmal erwähnt, obwohl Maggie ihr angeboten hatte, jemanden mitzubringen. Natürlich wäre es jetzt einfach gewesen, mit einer Frage nach Racines Freundin zu kontern. Soweit Maggie wusste, war die betreffende Dame Armeesergeant und selbst so eine Art „Abenteurer". Aber Maggie hatte keine Lust auf solche Spielchen. Also erwiderte sie einfach: „Ben ist ein angenehmer Begleiter.“

Bevor Racine etwas erwidern konnte, war das Klingeln eines Telefons zu hören. Erleichtert griff Maggie nach ihrem Handy.

„O'Dell.“

Kaum vernahm Maggie die Stimme ihres neuen Vorgesetzten, verkrampften sich ihre Nackenmuskeln.

Das freie Wochenende war soeben gestorben.

3. KAPITEL

Bloomington, Minnesota

Sie nannten ihn den Projektmanager. Das war ihm recht. Gefiel ihm jedenfalls besser als einige der Bezeichnungen, die sie ihm in der Vergangenheit verpasst hatten. Zum Beispiel „John Doe Nr. 2". Projektmanager hörte sich zweifellos besser an.

Diese „John Doe Nr. 2"-Nummer ärgerte ihn dagegen noch ein bisschen. Er hatte immer die Verantwortung getragen. War nie die Nummer zwei gewesen. Natürlich war es ihm später zugutegekommen, als zweitrangig betrachtet zu werden. Aber das war inzwischen fast fünfzehn Jahre her.

Der Name auf seinem neuen Führerschein lautete Robert Asante, und er ließ es sich nie nehmen, jeden zu korrigieren, der ihn nicht richtig aussprach.

„Ah-san-teh“, sagte er jedes Mal. „Sizilianer“, fügte er dann hinzu, so als wäre er sehr stolz darauf. Dabei wollte er einfach, dass man seinen olivfarbenen Teint auf italienische Vorfahren zurückführte, nicht auf seinen arabischen Vater. Doch es war seine weiße amerikanische Mutter, der er die beste Tarnung verdankte: seine indigoblauen Augen. Wann immer Zweifel an seiner Identität aufkamen, beseitigte ein Blick in sein Gesicht diese sofort. Wo gab es denn schon einen arabischen Terroristen mit blauen Augen?

Und noch dazu einen, der einen goldenen Ehering am linken Ringfinger trug. Jeder, der seinen Ausweis überprüfen wollte, konnte außerdem einen Blick auf das Familienfoto in seiner Brieftasche werfen. Eine hübsche blonde Frau und zwei kleine Mädchen.

Auch der kabellose Kopfhörer in Asantes rechtem Ohr, die Lederjacke, die er zu seinen Jeans trug, das T-Shirt und die Designersportschuhe wiesen ihn als einen richtigen amerikanischen Geschäftsmann aus. Scheinbar unwichtige Details, von denen er wusste, dass sie einen grundlegenden Unterschied bewirkten. Details, die ihm den Spitznamen „Projektmanager“ eingebracht hatten.

Er war auf einen Parkplatz gefahren und blieb nun im Auto sitzen, in sicherem Abstand zur Mall auf der Straßenseite gegenüber. Nahe genug, um die Explosion zu hören. Weit genug entfernt, um nicht in das sich anbahnende Chaos zu geraten. Der Parkplatz befand sich zudem außerhalb der Reichweite irgendwelcher Überwachungskameras. Während seiner vielen Trainingsdurchgänge hatte er sich dessen mehrfach versichert. Auch wenn es kaum einen Unterschied machte. Die Windschutzscheibe war bereits vollkommen mit Schnee bedeckt und verhinderte so, dass irgendjemand in den Wagen sehen konnte.

Er hatte auf dem Monitor seines Taschencomputers verfolgt, wie jeder seiner Boten in Stellung ging. Drei verschiedene Träger. Drei Pieptöne in seinem Ohr. Drei grüne Blinklichter, die sich über den Computerbildschirm bewegten.

Sie zu verfolgen war der einfachste Teil. Er hatte dafür gesorgt, dass jeder Bote, ohne es zu wissen, einen GPS-Sender mit sich trug. Nun ließ Asante alle drei detonieren, indem er einfach nur auf die dafür vorgesehene Taste drückte.

Sein gut durchdachter Plan erschien fast wie ein Videospiel, bei dem er die Träger in die Luft gehen ließ. Einen nach dem anderen, im Abstand von nur wenigen Sekunden.

Zack! Bote Nummer eins. Und jetzt Nummer zwei. Und noch mal. Wumm! Bote Nummer drei war Geschichte.

Er hörte den Widerhall jeder der drei Explosionen. Die Mission war erfolgreich verlaufen.

Es ging eben nichts über diesen Adrenalinrausch. Das war besser als jede Droge. Besser als Sex, besser als ein guter Single Malt. Es kribbelte ihn noch immer in den Fingerspitzen. Okay, vielleicht lag das auch nur an der eisigen Kälte.

Der Projektmanager lehnte sich in dem kalten Vinylsitz seines Wagens zurück. Nach Hunderten von Stunden, nach Wochen, Monaten der Planung hatte er die erste Stufe hinter sich gebracht. Er atmete ein paarmal tief durch. Sein Atem bildete eine weiße Wolke. Aber das machte nichts. Sein Körper war noch immer so voll von Adrenalin, dass er die Kälte gar nicht spürte.

Jetzt musste er nur noch den Erfolg seiner Mission melden. Mit einem zufriedenen Grinsen griff der Projektmanager nach seinem Prepaid-Handy.

Und dann hörte er es. In seinem rechten Ohr. Ganz leise zunächst.

„Piep.“

Eine Pause entstand. Vielleicht war das eine Fehlfunktion des Computers.

Wieder ein Piepsen.

Unmöglich.

Er setzte sich ruckartig auf. Klappte den Monitor hoch.

Wieder gab das Gerät ein Piepsen von sich. Dann mehrere hintereinander.

Ein grünes Licht bewegte sich blinkend über den Bildschirm, synchron zu dem beunruhigenden Ton.

Asante lehnte sich noch weiter zu dem kleinen Bildschirm vor, bis er fast mit der Nase darauf stieß. Trotzdem wollte er seinen Augen nicht trauen.

Einer seiner Boten war immer noch am Leben.

4. KAPITEL

Mall of America

Die erste Explosion verursachte noch keine Panik. Patrick Murphy stand gerade auf der Rolltreppe nach unten, als plötzlich ein lauter Knall ertönte und die Stufe unter seinen Füßen bebte.

Rings um ihn klammerten sich die Menschen an das Geländer und blickten sich überrascht um. Viele wirkten neugierig, aber niemand verängstigt. Immerhin wurde jeden Moment der Nikolaus erwartet. Vielleicht hatten die Betreiber des Einkaufszentrums einen theatralischen Auftritt mit Feuerwerk für ihn vorbereitet. Platz genug gab es ja. Patrick war noch nie in einem so riesigen Shoppingcenter gewesen, in dem es sogar ein Kettenkarussell, ein Theater und ein Aquarium gab. Dieses Ding war beeindruckend.

Nein, die erste Erschütterung wurde noch ziemlich gelassen aufgenommen. Nur erwartungsvolle Blicke von den Leuten, die sich auf der Rolltreppe umwandten. Keine Spur von Panik. Bis zur zweiten Detonation. Da war klar, irgendetwas stimmte nicht.

Ohne lange nachzudenken, drehte sich Patrick um und versuchte, in die entgegengesetzte Richtung auszuweichen. Doch das war schwieriger als gedacht. Während er sich ein Stück die Rolltreppe hochkämpfte, strömte die Masse der Menschen hektisch nach unten. Eine voll bepackte Einkaufstüte traf ihn mitten in die Magengrube. Krampfhaft hielt er sich am Geländer fest und verlor dabei fast das Gleichgewicht. Mit aller Kraft versuchte er, sich durch die Traube von Menschen zu pressen. Zum Glück besaß er den Körperbau eines Schwimmers: breite, durchtrainierte Schultern, schlanke Taille, lange Beine und eine Kraft, die er sich durch hartes körperliches Training erworben hatte. Aber das hier war unmöglich, so als versuchte er, gegen eine mächtige Strömung zu schwimmen, und als drängte die reißende Flutwelle ihn immer wieder zurück.

Ein Typ in Parka und mit der Figur eines Footballspielers stieß ihm den Ellenbogen in die Rippen und schrie ihn an, er solle gefälligst aus dem Weg gehen. Ein Mädchen kreischte dicht an seinem Ohr und klammerte sich krampfhaft an das Geländer, sodass Patrick nicht an ihr vorbeikam.

Die dritte Explosion war noch lauter, die Erschütterung schien fast die Stufen der Rolltreppe aus der Halterung zu reißen. Patrick gab auf. Er drehte sich wieder um und ließ sich von der Menschenflut mitreißen.

Aber sobald er unten ankam, stürzte er zur Rolltreppe nach oben, froh, dass diese fast leer war. Er raste die sich aufwärts bewegenden Stufen hoch. Inzwischen konnte er Schwefel und Rauch riechen, aber er lief unbeirrt weiter. Vielleicht machte sich inzwischen tatsächlich seine Ausbildung bemerkbar, ließ ihn agieren, ohne dass er sich dessen bewusst wurde. Es wäre nicht das erste Mal, dass er seinem Instinkt folgte. Normalerweise konnte er darauf vertrauen. Obwohl er sich in letzter Zeit nicht mehr ganz so sicher war.

Letztes Jahr hatte er seine Studienrichtung und damit seine ganze Zukunft geändert. Nicht unbedingt der beste Einfall, wenn man kurz vor dem Abschluss stand. Und ein teurer Spaß für einen Studenten, der nebenbei arbeitete und jeden Dollar zweimal umdrehen musste.

Was als Hobby begonnen hatte, war inzwischen zur Leidenschaft geworden. Dank eines Vaters, den er nie kennengelernt hatte. Aber Patrick wusste, dass es nicht die Kurse in Brandschutzmanagement waren, die ihn jetzt dem Rauch entgegenrennen ließen. Auch nicht die ehrenamtlichen Stunden bei der Feuerwehr, obwohl Feuerwehrleute lernten, sich in ein brennendes Haus vorzukämpfen, während alle anderen es panisch verließen.

Doch dieser innere Zwang, der ihn jetzt direkt auf die Quelle der Explosion zutrieb, hatte nichts mit seiner Ausbildung zu tun, sondern mit Rebecca. Er hatte sich im zweiten Stock in der Cafeteria von ihr getrennt, genau dort, wo die Detonation stattgefunden haben musste. Er konnte das Gebäude nicht ohne sie verlassen. Er musste sich vergewissern, dass es ihr gut ging. Wie oft hatte sie sich um ihn gekümmert? Nachgesehen, ob bei ihm alles in Ordnung war. All die vielen Nächte, in denen sie bei Champs gejobbt hatten.

„Du siehst nicht gut aus“, hatte sie zwischen dem Aufnehmen von Bestellungen und dem Servieren gesagt. Und am Ende ihrer Schicht, wenn alles sauber gemacht war und sie beide reif fürs Bett waren, hatte sie sich abwartend auf einen Barhocker gesetzt. „Und jetzt erzähl mir mal, was los ist.“ Dann hatte sie ruhig dagesessen und zugehört, richtig zugehört, den Blick intensiv und mitfühlend auf ihn gerichtet. Niemand hatte ihm jemals so gut zugehört.

Patrick spürte jetzt den Sprühregen der Sprinkleranlage, aber der Rauch brannte trotzdem in den Augen. Hastig setzte er die Sonnenbrille auf und zog sich den Kragen seines T-Shirts über die Nase. Wann immer es möglich war, lief er dicht an die Wand gedrückt weiter. Ließ die hysterische Menge an sich vorbeistürzen. Arbeitete sich Stück für Stück vor, langsam, während er die durch seine Sonnenbrille grau getönte Szene vor sich genau inspizierte. Er achtete darauf, nicht über den Schutt von der Explosion oder fallen gelassene Einkaufstaschen der Flüchtenden zu stolpern. Beim Anblick der Taschen fielen ihm plötzlich die roten Rucksäcke ein.

Er hatte von Anfang an ein komisches Gefühl bei der Sache gehabt. Dixon Lee hatte zwar behauptet, dass all das nur ein harmloser Streich war. Und vielleicht stimmte das sogar. An sich war ja nichts Gefährliches dabei, mit ein paar drahtlosen Störsendern das Computersystem des Einkaufszentrums lahmzulegen. Aber allem Geschwafel von Dixon zum Trotz hatte Patrick sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass irgendwas nicht stimmte. Er hätte auf seinen Instinkt vertrauen sollen.

Denn warum diese Sicherheitsschlösser an den Rucksäcken? Warum würde sich jemand solche Mühe machen, wenn es nur darum ging, einen Sender durch das Gebäude zu tragen, der ein paar Computer störte?

5. KAPITEL

Rebecca stolperte und sah schnell nach oben. Sie wollte gar nicht wissen, wo sie diesmal reingetreten war. Immer wieder wischte sie sich über das Gesicht, jedes Mal, wenn sie auf ihre Hände blickte, entdeckte sie Blut. Vorsichtig versuchte sie, sich ihre langen Haare aus dem Gesicht zu streichen. Doch immer wieder schnitt sie sich dabei an den Glas- und Metallstückchen, die auf sie geregnet waren.

Ihr war kalt, und sie zitterte. Vor ihren Augen verschwamm alles, ihr Herz hämmerte so stark, dass es wehtat zu atmen. Die Kehle war ihr wie zugeschnürt, sie hatte das Gefühl, als wäre ihre Zunge angeschwollen. Wahrscheinlich hatte sie sich gebissen. Wenn sie versuchte, Luft zu holen, musste sie von dem beißenden Säuregeruch, vermischt mit einer üblen Mischung aus Schwefel und Zimt, sofort würgen.

Ein kleiner grauhaariger Mann stieß gegen Rebecca, sodass sie fast gestürzt wäre. Sie wandte sich um und sah, wie er die Hand auf ein blutiges Loch in seinem Kopf presste, dort, wo einmal sein Ohr gewesen war. Noch mehr Leute schoben und drängelten sich vorbei. Einige von ihnen ebenfalls mit schweren Verletzungen. Alle versuchten, zum Ausgang zu flüchten, doch viele irrten durch die Schockeinwirkung nur völlig orientierungslos herum. Die meisten hatten alles, was sie gerade nicht brauchten, einfach fallen gelassen. Rebecca trat in eine Pfütze, von der sie hoffte, dass es Limonade oder Kaffee war, sie wusste allerdings, dass es auch Blut sein konnte. Als sie versuchte, einer weiteren Lache auszuweichen, rutschte sie stattdessen auf einem Stück Pizza aus.

Ganz ruhig, sagte sie sich. Nicht unbedingt so leicht inmitten des Chaos', das um sie herum tobte.

Kleinkinder schrien. Mütter hoben ihre Babys aus den Kinderwagen, die sie dann einfach stehen ließen, zusammen mit Windeltaschen und Stofftieren. Manche Leute kreischten hysterisch, andere schrien vor Schmerzen. Obwohl von der Sprinkleranlage an der Decke bereits ein feiner Sprühregen herunterfiel, stieg an den Explosionsstellen Rauch auf, vor den Ladenfronten züngelten noch immer kleine Flammen.

Durch die Lautsprecheranlage wurde durchgegeben, dass die Mall geschlossen werden würde. Sie sagten etwas von einem „Vorfall im Einkaufszentrum". Und durch all den Krach und das Gebrüll konnte Rebecca immer noch die Weihnachtsmusik hören.

Oder spielte die nur noch in ihrem Kopf?

Sie fand es ziemlich makaber, dabei aber auch irgendwie tröstlich, dass Bing Crosby versprach, Weihnachten nach Hause zu kommen. Es war das einzige Normale, an das sie sich halten konnte, während sie über weggeworfenes Essen, Glasscherben, zerbrochene Tische und Blutlachen stolperte. Auch leblose Körper lagen auf dem Boden, einige vielleicht nur verletzt und unfähig aufzustehen. Andere bewegten sich überhaupt nicht mehr.

Sie wusste nicht, was sie tun, wohin sie gehen sollte. Langsam trat die Schockreaktion ein. Ein Zittern erfasste ihren ganzen Körper in unkontrollierbaren Schüben. Rebecca wusste genug aus ihrem Grundstudium, um die Anzeichen von Schock zu erkennen. Die Symptome unterschieden sich bei Hunden und Menschen nicht sonderlich – heftiges Herzklopfen, Verwirrtheit, schwacher Puls, plötzliches Frieren und irgendwann Ohnmacht.

Sie schlang sich die Arme um den Oberkörper. Da entdeckte sie es. Der Schmerz schoss durch ihren linken Arm. Wieso hatte sie das nicht schon vorher bemerkt? Ein etwa zehn Zentimeter großes Stück Glas ragte aus ihrem Ärmel. Sie brauchte es nicht näher zu untersuchen, um zu wissen, dass es in ihrem Arm steckte. Ihr wurde schwindlig bei dem Anblick. Die Beine drohten unter ihr nachzugeben. Schnell stützte sie sich an einem Geländer ab, damit sie nicht fiel. Langsam sank sie auf die Knie herunter.

Nicht hinsehen. Keine Panik. Gut durchatmen.

Sie entdeckte einen Polizisten und war erleichtert, bis sie bemerkte, dass es nur ein Wachmann des Einkaufszentrums war. Keine Waffe.

Ja, das stimmt, weiß ich genau.

Sie hatte in ihrem letzten Schuljahr in einem Zooladen des lokalen Shoppingcenters gearbeitet.

Inzwischen war er nahe genug herangekommen, sodass Rebecca sein hektisches Gestotter ins Walkie-Talkie verstehen konnte.

„Es ist schlimm, ganz schlimm!“, sagte er. Er sah ziemlich jung aus. Wahrscheinlich war er nicht viel älter als Rebecca. „Ich sehe keinen mehr mit einem roten Rucksack.“

Bei den Worten lief Rebecca zusätzlich ein kalter Schauer über den Rücken.

Die Rucksäcke.

Sie rappelte sich mühsam wieder hoch und drehte sich zu der Stelle um, wo sie Chad zum letzten Mal gesehen hatte.

Kein Chad. Auch kein verwundeter Chad, der wie sie durch die Gegend stolperte.

Alles, was Rebecca erkennen konnte, war ein Loch in einer verbrannten Wand. Rauch. Verkohlte Gegenstände, ein glimmender, schwelender Haufen.

Wo ist Chad?

Ihr wurde schwindlig. Die Kehle schnürte sich ihr zu. Ihr war, als müsse sie sich jeden Moment übergeben.

Nein, daran wollte sie nicht denken. Daran durfte sie nicht denken.

Rebecca sah in die andere Richtung. Wieder wurde ihr schwindlig, sie klammerte sich krampfhaft ans Geländer, bis ihre Knöchel weiß hervortraten. Da entdeckte sie ein weiteres schwarzes Loch, dort, wo die Damentoilette gewesen war. Die Toilette, in der sie Dixons Rucksack vergessen hatte, an dem Haken an der Tür zur ersten Kabine. Der Rucksack, den sie eigentlich auf dem Rücken hätte tragen sollen.

Oh Gott, das waren die Bomben. Die Rucksäcke.

Sie sackte wieder auf die Knie zurück, vollkommen erschüttert von dieser Erkenntnis. Unter ihr klebte irgendetwas. Es kümmerte sie nicht mal mehr. Wie dicht war sie daran gewesen, ebenfalls als glimmender, schwelender Haufen zu enden?

Irgendwo aus dem Inneren ihres Mantels ertönte die Titelmelodie von „Batman“, und inmitten des Stöhnens und Schreiens um sie herum war sie gar nicht mal so überrascht, die Musik zu hören.

Die Batman-Melodie passte perfekt zu dieser bizarren Szenerie.

6. KAPITEL

Newburgh Heights, Virginia

So hatte sich Maggie O'Dell diesen Tag nun wirklich nicht vorgestellt.

R. J. Tully stellte den Fernseher in Maggies Wohnzimmer an, aber statt Fußball flogen Maggie nun Fetzen von Nachrichten um die Ohren, während ihr Kollege von einem Kanal zum anderen zappte.

„Sie bringen noch nichts“, bemerkte Tully, als die anderen sich vor dem Tresen versammelten, der die Küche vom Wohnzimmer trennte.

„Kunze meint, es wäre gerade erst passiert“, sagte Maggie. „Die Ortspolizei ist noch nicht aufgetaucht.“

„Woher will er dann schon wissen, dass es ein Terroranschlag war?“, wandte Benjamin Platt ein.

„Weiß er auch nicht, aber er ist mit dem Gouverneur befreundet.“ Maggie versuchte, das wiederzugeben, was ihr neuer Vorgesetzter ihr gerade erzählt hatte – was nicht gerade viel war. Nebenbei machte sie in Gedanken eine Liste von den Dingen, die sie einpacken musste.

„Also wird er das FBI verständigen?“, meldete sich Julia Racine zu Wort.

Maggie zuckte die Schultern. In gewisser Hinsicht war es ein Vorteil, wenn die eigenen Freunde zugleich Kollegen waren. Denn niemand verstand die Probleme besser, die der Job so mit sich brachte. Der Nachteil daran war, dass sie sich einfach nicht heraushalten konnten.

„Sie glauben, dass im Einkaufszentrum mindestens eine Bombe hochgegangen ist“, sagte Maggie. „Wahrscheinlich sogar drei. Und sie befürchten, dass noch weitere Anschläge geplant sind.“

„Aber warum schicken sie dich?“, wandte Gwen ein, die sich keine Mühe gab, ihren Ärger zu unterdrücken. „Du bist eine Profilerin, verdammt noch mal, keine Bombenspezialistin!“

„Es geht darum, so schnell wie möglich ein Profil zu erstellen. Damit sie wissen, nach wem sie suchen müssen“, erklärte Tully. Mit der Fernbedienung in der Hand zeigte er von der anderen Ecke des Zimmers aus auf den Bildschirm. Er zappte immer noch durch die Sender, hatte aber den Ton abgestellt. „Sie müssen das Puzzle zusammensetzen, solange die Augenzeugenberichte noch frisch sind.“

Maggie blickte zu Tully hinüber und versuchte, seinen Gesichtsausdruck zu entziffern. War er enttäuscht, dass er sie nicht begleiten konnte? Vor seiner Suspendierung hatten sie immer als Team gearbeitet.

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