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Blutige Rache: Wegners schwerste Fälle (4. Teil)

Thomas Herzberg

Blutige Rache: Wegners schwerste Fälle (4. Teil)

Hamburg Krimi





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Titel:

Blutige Rache

(aus der Reihe: Wegners schwerste Fälle)

von Thomas Herzberg

Alle Rechte vorbehalten

Fassung: 2.11

 

Die komplette Geschichte ist frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und/oder realen Handlungen sind rein zufällig.

 

Vollständig korrigierte Fassung!

Lektorat, Korrektorat: worttaten.de – Michael Lohmann – lohmann@worttaten.de

 

Inhalt:

Blutige Rache. So lautet ein Versprechen, das Gabriel, der Betreiber einer dubiosen Internetseite, gemobbten Kindern macht. Bereits nach dem ersten grausamen Mord an einem Schüler wird klar, dass ein Ende der Taten nicht abzusehen ist. Doch Gabriel hat auch noch eine eigene Rechnung zu begleichen, die Hauptkommissar Wegner und seine Truppe mehr und mehr an den Rand des Wahnsinns treibt ...

Eine weitere spannende Geschichte rund um den raubeinigen Kommissar, der die Dienstwaffe locker und das Herz am rechten Fleck trägt. Alle Teile der Reihe Wegners schwerste Fälle waren lange Zeit in den Top100 der E-Book-Charts zu finden und freuen sich über viele positive Rezensionen. Danke!

Wegner in chronologischer Folge

!!! Brandneu: »Ausgerechnet Sylt: Hannah Lambert ermittelt 1« (mein erster Friesenkrimi) !!!

Bisher aus der Reihe Wegners erste Fälle:

Aus der Reihe Wegner & Hauser:

 Aus der Reihe Wegners schwerste Fälle:

Aus der Reihe Wegners letzte Fälle:

 Aus der Reihe Auftrag: Mord!:

Unter meinem Pseudonym "Thore Holmberg":

Ansonsten:

  

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Information zur Rechtslage

Das deutsche Strafgesetzbuch schreibt für die Strafmündigkeit das vollendete 14. Lebensjahr vor (§ 19 StGB). Dabei benutzt das Gesetz selbst den Begriff »Strafmündigkeit« nicht, sondern spricht von Schuldunfähigkeit des Kindes. Personen, die zur Tatzeit jünger als 14 Jahre sind (also Kinder im Sinne des Gesetzes), können somit nicht bestraft werden. Das Familiengericht kann jedoch außerhalb des Strafverfahrens bestimmte Maßnahmen anordnen.

Prolog

Thomas hing seit Stunden von der Reckstange hinab. Seine Hände waren mit Handschellen an den blanken Stahl gefesselt. Er spürte sie schon lange nicht mehr. Seine Füße baumelten etwa einen halben Meter über dem Boden, sodass sein ganzes Gewicht ausschließlich von seinen schmalen Handgelenken getragen wurde. Die Metallringe der Handschellen hatten sich tief in das Fleisch seiner Unterarme gegraben; das Blut durchweichte bereits die Aufschläge seiner Sweatshirt-Jacke. Am Anfang hatte er noch versucht, sich an der Reckstange festzuklammern, um seine Handgelenke zu entlasten. Nach kurzer Zeit musste er allerdings aufgeben, weil ihn die Kraft verließ und der verschwitze Stahl seinen verzweifelten Griffen immer weniger Halt bieten wollte.

Durch die breiten Dachfenster fielen letzte Sonnenstrahlen auf den Boden der Turnhalle. Die Schatten wurden länger, was bedeutete, dass es mittlerweile früher Abend war. Erneut dachte er darüber nach, wie er überhaupt in diese Klemme geraten war. Ein Mann hatte ihn nach dem Konfirmandenunterricht angesprochen und ihm ungefragt einen Dienstausweis vor die Nase gehalten. Kriminalpolizei stand dort in großen Buchstaben. Thomas kannte Dokumente dieser Art nur aus dem Fernsehen, aber soweit er es beurteilen konnte, war das Ding echt. Bis sie das Auto des Mannes erreicht hatten, zweifelte er nicht daran, dass er es mit einem richtigen Polizisten zu tun hatte. Sie waren gerade erst losgefahren, als der Typ dann die Katze aus dem Sack ließ. Zuerst hatte Thomas noch gelacht, als der Name eines Mitschülers fiel, den er und seine Freunde seit Monaten immer gemeiner quälten.

»Was haben Sie denn mit dem Spacken zu tun?«, hatte er den Mann fröhlich gefragt und kurz darauf schon die Nadel gespürt, die sich in seinen Oberschenkel bohrte. Noch bevor er sich hätte wehren können, spürte er seine Sinne schwinden.

Als er mit brummendem Schädel wieder aufwachte, hing er an dieser Reckstange und hatte das Gefühl, als ob das aufgestaute Blut seine Füße zum Platzen bringen wollte. Der Mann stand grinsend vor ihm und wirkte bei Weitem nicht mehr so freundlich wie zuvor.

»Du wirst heute sterben«, hatte er in einem Ton geflüstert, der keinen Zweifel an dieser Aussage zuließ. Danach war der Kerl einfach verschwunden und hatte sich seitdem nicht mehr blicken lassen. Zu Beginn hatte Thomas geschrien. Er dachte dabei an den Hausmeister oder einen der Ein-Euro-Jobber, die sich regelmäßig um die Gärten der Schule kümmerten. Wie oft hatten er und seine Kumpels die armen Schweine verarscht oder sogar beschimpft? Und jetzt, als seine Glieder vor Angst schlotterten, wünschte er sich nichts sehnlicher, als einen dieser Gartenmongos hier zu sehen.

Erneut schaute er auf die riesige Uhr der Turnhalle, um festzustellen, dass seit dem letzten Mal nur ein paar Minuten vergangen waren. Seine Stimme versagte ein ums andere Mal ihren Dienst. Sein Hals brannte wie Feuer. Ganz gleich, wie verzweifelt er die Luft in seine Lungen sog – es wollte einfach nicht reichen. Spätestens am Abend, wenn der Wachdienst seinen Dienst aufnahm, musste er sich irgendwie bemerkbar machen. Bis dahin musste er alles daran setzen, Kraft zu sparen und durch regelmäßige Bewegung das Blut in seinem Körper zirkulieren zu lassen.

Wieder schaute Thomas auf die Uhr. Nur noch fünf Minuten, dann hing er bereits seit viereinhalb Stunden an dieser Stange. Der Zeiger sprang weiter ... jetzt noch vier. Plötzlich spürte er einen Luftzug und hörte wenig später das dumpfe Geräusch der Eingangstür. Sie führte in einen Flur, von dem links und rechts die Umkleidekabinen abzweigten. Geradeaus ging es direkt in die Turnhalle. Er lauschte in die Stille hinein; er versuchte herauszufinden, ob tatsächlich jemand das Gebäude betreten hatte. Irgendetwas sagte ihm, dass es ein Fehler wäre zu schreien. Hätte ja sein können, dass es wieder dieser Mann war. Wieder dieser Mann, der nur gekommen war, um sein Versprechen einzulösen. Leise Schritte, schlurfend und schmatzend auf dem Linoleumboden. Sie näherten sich. Eindeutig. Erneut packte Thomas die Reckstange und ignorierte die brennenden Schmerzen einfach. Das Metall war getrocknet und bot ausreichend Halt, sodass er sich ein wenig in die Höhe ziehen konnte. Er hob die Beine ein paar Mal bis zum Brustkorb hinauf und spürte sofort, wie sich seine tauben Gliedmaßen entspannten. Die Schritte kamen näher. Immer näher. Nur noch ein kurzer Moment, dann würde er den Besucher sehen können. Er hoffte, ja, er betete förmlich, dass es nicht wieder dieser Mann war. Nicht jemand, der ihm womöglich Böses wollte. Er sehnte sich nach Hilfe. Nach jemandem, der ihn befreien und nach Hause bringen würde.

Als er wenig später ein Gesicht zögernd um die Ecke linsen sah, zuckte er zusammen. Dennoch musste er, so seltsam es in diesem Moment auch erschien, sogar lauthals lachen ...

1

»Du siehst müde aus, Manfred«, Stefan Hauser schaute zur Seite und musterte besorgt seinen Chef.

»Was glaubst du, wie du aussehen würdest, wenn du die halbe Nacht lang Fläschchen gekocht hättest und dir in der anderen Hälfte das Kissen in die Ohren stopfst, um endlich ein bisschen zu schlafen?«

»Hat die Kleine immer noch Bauchweh?«

»Ehrlich gesagt, hab’ ich das Gefühl, als ob es von Tag zu Tag schlimmer wird.«

»Und Vera?«

»Setzt unverändert auf den Heilpraktiker, der es mit Kräutern und frommen Sprüchen versucht. Als Nächstes wird er ihr wahrscheinlich empfehlen, es mit Voodoo-Zauber zu versuchen.«

Hauser kicherte vorsichtig. »Und du ...?«

»Ich würde den Kerl am liebsten abknallen, damit ich endlich mal zu einem richtigen Arzt mit der Kleinen gehen kann.«

»Wir sind da«, unterbrach Hauser das verbale Gemetzel.

»Stell dich auf einen der Lehrerplätze. So ein fauler Pauker kann zur Not auch laufen.«

Die beiden Kommissare stiegen aus und blieben noch einen Moment neben dem Wagen stehen. Das Schulgelände wirkte trostlos und verlassen. Vor ein paar Minuten hatte die dritte Stunde begonnen. Die meisten Schüler sollten sich also in ihren Klassenräumen befinden.

»Ich bin früher immer mit dem Fahrrad zur Schule gefahren.« Stefan Hauser deutete auf die endlosen Reihen von Fahrradständern. »... hatte keine Lust auf die stickigen Busse und das Geschiebe an den Haltestellen.«

Wegner lachte verbittert. »Bis zur Zehnten hat mich meine Mutter jeden Morgen gebracht. Ansonsten hatte sie als Frau eines Kapitäns ja auch nicht viel zu tun.«

»Und ...?«

»Was ... und?«

»Hat es dir geschadet? Oder haben dich deine Mitschüler gehänselt?« Wieder kicherte Hauser verhalten.

Wegner grinste breit. »Einer der Lehrer, so ein scheiß Altnazi, bezeichnete mich damals gerne als Deutsche Eiche ... weiß auch nicht, warum. Da hat sich keiner getraut, was zu sagen.«

Hauser deutete Richtung Schultrakt. »Unsere Kollegen von der Spurensicherung haben ganze Arbeit geleistet.«

Die beiden Kommissare schauten nach links und erkannten die Überreste von Absperrband, das die Kollegen vor zwei Tagen um die gesamte Turnhalle gespannt hatte.

»Was wollen wir mit dem Jungen anfangen, wenn wir ihn haben?«, erkundigte sich Hauser leise.

Statt zu antworten, machte Wegner ein paar entschlossene Schritte nach vorne und winkte seinen Kollegen hinter sich her. Wenig später erreichten sie gemeinsam den Haupteingang der Schule und bogen in Richtung Sekretariat ab.

»Hier ist das Büro des Schulleiters«, rief Hauser euphorisch.

»Wer glaubt, dass ein Schulleiter eine Schule leitet ...«

»... der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet. Mein Gott, Manfred. Der Witz ist so alt, da rasselt im Keller schon die Bartwickelmaschine.«

Wegner brummte nachdenklich. »Wenn du nicht sofort lachst, dann fang ich wieder mit den Schwulenwitzen an.«

»Das ist Erpressung! Darf ich dich daran erinnern, dass du Polizist bist?«

»Ich könnte mich auch weigern, deine Überstunden abzuzeichnen.«

»Hahaha! Wirklich köstlich, Manfred. Was wäre der trübe Dienstalltag ohne deinen wundervollen Humor?«

Kurz darauf betraten die beiden das Sekretariat und wurden, wie erwartet, vom üblichen Vorzimmerdrachen skeptisch begrüßt.

»Wegner ... Hauptkommissar. Das ist mein Kollege, Oberkommissar Hauser. Wir möchten zu Herrn Schenk.«

***

Ausgerechnet Erdkunde und das, obwohl sie eigentlich Musik gehabt hätten. Wie so oft war der zuständige Lehrer überraschend krank geworden und eine Vertretung stand nicht zur Verfügung. Die Hamburger Schulpolitik hatte bereits vor Jahren ihren Bankrott erklärt und man bemühte sich lediglich darum, kleine Löcher zu stopfen, um zeitgleich das nächste aufzureißen. Die Miss-Stände waren bekannt und mit ausreichendem Etat leicht zu beseitigen, aber niemand fühlte sich wirklich verantwortlich. Da wirkte es schon viel einfacher, die ohnehin knappen Steuergelder in neue Prunkbauten zu investieren und mit denen Harmonie in Elbnähe zu schaffen.

Erst Minuten, nachdem der Lehrer lustlos in die Klasse gestapft kam, beruhigte sich die Meute zögerlich und gab damit dem Pädagogen Gelegenheit für ein paar freundliche Worte.

»Morgen!«

»Morgen«, brummelten vereinzelte Schüler müde zurück.

»Wer Musik erwartet hat, der kann gerne leise vor sich hinsummen, während ich euch etwas über die Weltmeere erzähle.«

Stummes Nicken schwappte dem Lehrer als Antwort entgegen.

Ein Mädchen aus der ersten Reihe meldete sich eifrig. »Herr Graf! Wir haben seit zwei Wochen den deutschen Tagebau als Thema.«

»Schön! Dann könnt ihr zu gegebener Zeit damit weitermachen. Wir sprechen heute über die Weltmeere.«

Noch bevor der Lehrer sich zur Tafel umdrehen konnte, klopfte es entschlossen an die Tür. Nach einem kurzen Herein! traten drei Männer mit finsteren Mienen ins Klassenzimmer; einer aus diesem Trio war der Schulleiter. Solche überraschenden Besuche bedeuteten selten etwas Gutes und brachten in der Regel nur weitere Probleme mit sich.

»Wir müssen einen Ihrer Schüler entführen«, begann der Schulleiter ohne Begrüßung und ließ den Kollegen Graf mit hängenden Schultern hinter seinem Pult einfach stehen. Die beiden anderen Männer standen unverändert steif an der offenen Tür und musterten die Schüler kritisch.

»Sind Sie Bullen?«, erkundigte sich einer der Jungen grinsend und ließ seine Blicke durch die Klasse kreisen, um damit die Bewunderung seiner Mitschüler aufzufangen.

»Wieso?«, fragte der Ältere giftig. »Hast du was verbrochen, Bürschchen?«

Das Grinsen gefror und der vorher so aufsässige Junge schaute nur noch betreten zu Boden.

»Ich brauche Felix Klein!«, rief der Schulleiter durch den Raum und unterband dadurch sofort weitere Scharmützel.

Totenstill wurde es von einem Augenblick zum anderen. Alle Augen richteten sich auf einen Mitschüler, der allein an einem Zweiertisch saß und keineswegs überrascht zu sein schien. Jetzt erhob sich der schmalschultrige Junge langsam, nahm seine Schultasche und folgte den Männern wortlos aus dem Raum hinaus. Noch bevor sich die Tür hinter der kleinen Gruppe schloss, brach ein wahrer Orkan im Klassenzimmer los, der erst am Haupteingang verstummen wollte.

Vor der Tür angekommen, schüttelten Wegner und Hauser dem Schulleiter zum Abschied die Hand. Der schien sehr froh zu sein und entfernte sich eiligen Schritts in Richtung Sekretariat. Wegner schaute Felix eine ganze Weile wortlos in die Augen. Zu seiner Verwunderung hielt der Junge seinem Blick eisern stand und wirkte fast enttäuscht, als der Hauptkommissar jetzt an seinen Gürtel griff, um ein paar Handschellen hervorzuholen. »Auf die können wir hoffentlich verzichten, oder?«

Felix zuckte mit den Schultern und schaute zur Turnhalle hinüber. »Ist mir egal! Machen Sie, was Sie wollen. Obwohl ...«, er überlegte einen Moment lang, »... legen Sie mir die Dinger doch an. Dann kann wenigstens jeder sehen, dass Sie den Mörder gefunden haben.« Der Junge deutete auf das Gebäude, dessen Fenster komplett von neugierigen Gesichtern gefüllt waren. Wegner machte ein paar ausladende Bewegungen und vertrieb damit zumindest einen Teil der Schaulustigen, die sich widerwillig verzogen. »Wir fahren zum Revier«, begann er in relativ sanftem Ton. »Dort wartet schon ein Betreuer auf dich und, wenn nötig, rufen wir auch einen Anwalt dazu.«

2

Es dauerte nur Sekunden, bis der Computer hochgefahren und voll einsatzbereit war. Ein vergleichbares Gerät fand man heutzutage bestenfalls in wissenschaftlichen Einrichtungen, bei denen es auf besonders hohe Rechenleistung ankam. Die Verbindung zum Internet war ebenso schnell hergestellt. Robert Falke beobachtete fasziniert, wie das Signal seine Reise rund um den Erdball antrat. Von seinem Rechner aus startend, landete es zunächst auf dem Server der Bibliothek der Al-Azhar-Universität von Kairo. Von dort aus machte es sich auf die Reise nach Indien, um anschließend ins nördliche Kanada aufzubrechen, wo ihm zwei Computer eines Rechenzentrums gehorsam folgten. Am Ende der langen Reise steuerte er, über ein gutes Dutzend von Umwegen, einen Server, der sich im fernen Weißrussland befand. Von dort aus betrieb er eine Internetseite, die sich schon seit Monaten steigender Beliebtheit erfreute: Blutige-Rache.xxx

Es gibt Domain-Endungen, die Betreiber solcher Seiten vor jeglichem Zugriff der Behörden schützen und somit absolute Anonymität garantieren. Die meisten der im Ansatz zweifelhaften oder sogar kriminellen Internet-Portale bedienen sich dieser einfachen Schutzmechanismen.

Aus finanzieller Not heraus hat sich manch kleines Land bereits vor vielen Jahren dazu entschlossen, seine Domain-Hoheit aufzugeben und sein anerkanntes Recht auf eine Landes-Kennung in klingende Münze umzuwandeln.

Jetzt öffnete sich die Konsole der Webseite, und Robert Falke konnte erkennen, dass sich allein über Nacht fast dreißig neue User angemeldet hatten. Alle erfüllten die Voraussetzung, die nur aus zwei Bedingungen bestand: Das Alter der Nutzer musste unter vierzehn liegen und jeder musste eine allgemeinbildende Schule besuchen. Weiter nichts.

Einen Mausklick später konnten sich die Bewerber auch schon über ihre Zugehörigkeit in dieser Gruppe freuen und Falke würde sie, zumindest erfahrungsgemäß, im Laufe der nächsten Abende in allen Foren der Seite wiederentdecken.

Er öffnete ein weiteres Browser-Fenster und las die Nachrichten. Heute, bereits zwei Tage nach dem grauenhaften Mord an einem Hamburger Schüler, waren Berichte über diese Tat längst in den mittleren Bereich der Schlagzeilen verschwunden. »Die Polizei wisse um den Täter ...«, hieß es dort aus zuverlässiger Quelle in einer Mitteilung vom selben Morgen.

Aus Gründen des Jugendschutzes hatte die Presse vollständig auf Fotos vom Tatort verzichtet. Stattdessen waren Bilder fassungsloser Mitschüler und empörter Eltern zu finden, die sich in schillernden Farben über das vorgefundene Grauen äußerten. Zweifel am System allgemein, insbesondere aber an der Schule und deren Leiter, wurden von Tag zu Tag lauter.

»Man hätte so etwas verhindern können und müssen ...«, bemerkte ein Vater entrüstet.

»Mobbing ist ein Thema, das uns alle angeht ...«, kommentierte eine Mutter weinend vor laufender Kamera.

Drei Wochen lang hatte Falke mit Felix, seinem ersten Jünger, fast täglich Mails gewechselt. Immer aussichtsloser und verzweifelter hatte der Junge die täglichen Peinigungen beschrieben. Seine Mitschüler, allen voran ein gewisser Thomas, trieben es von Tag zu Tag rücksichtsloser und brutaler mit ihm. Je mehr er ihnen auszuweichen versuchte, desto hartnäckiger waren sie hinter ihm her … fanden immer größere Freude an zunehmend ausgefalleneren Folterungen.

Als Gabriel, so nannte Falke sich als Administrator der Blutigen Rache, ihm daraufhin seine Hilfe anbot, lief es schnell auf die finale Lösung hinaus, deren Ende Thomas’ qualvollen Tod bedeutete. Anstatt auf Entrüstung, Furcht oder sogar Protest zu stoßen, hatte Falke bald bemerkt, dass Felix über ein qualvolles Ende seines Hauptpeinigers schon lange nachdachte. Kurze Zeit später bestanden ihre Mails dann bereits aus Planungen, wann und wie sie gemeinsam den Dingen ein Ende bereiten würden. Felix versorgte Falke mit Details rund um die Schule und die dort vorhandenen Gegebenheiten. Im Gegenzug erhielt der Junge immer genauere Pläne zur bevorstehenden Tat, die ihn und sein Leben gründlich verändern sollte.

Dass es sich bei dem ersten Tatort ausgerechnet um eine Gemeinschaftsschule in nur zehn Minuten Entfernung von Falkes Wohnung handelte, war ein willkommener Zufall. Auch wenn es ihm keineswegs an Geld mangelte, so waren ihm seine Ortskenntnisse bei der Planung dieser Folter-Premiere doch mehr als hilfreich.

Förmlich entgegengefiebert hatten sie dann dem Tag, der das Leben beider grundlegend verändern sollte. Falke hatte Thomas nach dem Konfirmandenunterricht abgefangen und ihn danach problemlos in die vereinbarte Turnhalle verfrachtet. Sie hatten es minutiös geplant und waren sich darüber einig, dass schon, quasi als Vorstufe, ein paar Stunden an der Reckstange zu grauenvollen Qualen führen dürften.

Falke war dann von der Turnhalle aus direkt nachhause gefahren. Gespannt wartete er auf Nachrichten, die über einen grauenhaften Mord in einer Hamburger Gemeinschaftsschule berichteten. Als er am Morgen danach die Konsole der Webseite öffnete, blinkte bereits ein Umschlag in seinem Postfach. Stolz beschrieb Felix sämtliche Einzelheiten seiner Tat und beendete die Zeilen mit einem Smiley, der die Faust emporreckte.

Am Abend zuvor hatte Falke dem Jungen noch eine umfangreiche Abhandlung über die juristische Strafmündigkeit geschickt. Im gleichen Zuge hatte er den Text auch auf der Webseite veröffentlicht, damit jeder User dieses Wissen teilte. Felix hatte es nur kurz kommentiert und ihn darüber informiert, dass er sich weder vor der Polizei noch der Presse fürchte. Es sei getan. Jetzt, mit dem Ende dieser Peinigungen, sehe er positiv in die Zukunft. Er fühle sich befreit und entspannt.

Falkes letzte Mail hatte dann nur zwei Worte: »Viel Glück!«

Der erste Racheakt schien ein durchschlagender Erfolg zu werden. Robert Falke wollte nur eines: weitermachen!

Ein gutes Dutzend Mobbing-Opfer wartete auf Erlösung. Jeder drängte darauf, als Nächster zur Tat zu schreiten; seine Peiniger endlich zur Strecke zu bringen.

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