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Blümchen, Sex und Peitsche

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. 1
  6. 2
  7. 3
  8. 4
  9. 5
  10. 6
  11. 7
  12. 8
  13. 9
  14. 10
  15. 11
  16. 12
  17. 13
  18. 14
  19. 15
  20. 16
  21. 17
  22. 18
  23. 19
  24. 20
  25. 21
  26. 22
  27. 23
  28. 24

Über die Autorin

Iska Lavin ist nicht nur eine bekannte Autorin, sondern auch ein großer Fan von Anastasia Steele und Christian Grey. Wenn sie nicht gerade in ihrer großzügigen Altbau-Wohnung irgendwo in Deutschland ihren nächsten Bestseller schreibt, dann widmet sie sich gerne den Freuden der Liebe. Und den zahlreichen Pflanzen auf ihrem Balkon.

1

»Manche Vögel haben wirklich komische Namen«, sagte Berti.

Fast hätte Elsa sich verschluckt. Sie hob den Kopf von Bertis Schoß und sah ihren Ehemann fassungslos an.

»Wie bitte?«, fragte sie zur Sicherheit noch einmal nach. Vielleicht hatte sie sich ja gerade verhört.

»Ja, wirklich. Ornithologie ist ein sehr spannendes Thema«, fuhr Berti wichtigtuerisch fort und blickte sie ernst an. »Man muss sich nur mal richtig mit der Sache befassen.« Er lehnte sich auf dem Bett zurück und seufzte zufrieden.

Ungläubig sah Elsa nach unten. Alles schien, wie es sein sollte: Die zerknüllten Seidenlaken, das hastig zur Seite geworfene Negligé aus der eigenen Kollektion. Alles war richtig, alles perfekt. Und jetzt das.

Sie hatte sich wie immer sorgfältig vorbereitet, schließlich liebte sie Sex mit Berti. Also hatte sich Elsa aus ihrer Firma extra den neusten Verkaufsschlager bringen lassen: Wild Carmen in the Night. Das Negligé sah einfach umwerfend aus: Es war schwarz mit Goldfäden durchwirkt, rot abgesetzt, mit Spaghetti-Trägern und dem ganz besonderen Etwas – im eingebauten BH befanden sich vorne kleine kreisrunde Löcher. Allein gestern und heute waren über siebenhundert Carmens bestellt worden, das war der absolute Hammer! Die Produktion kam kaum hinterher! Außerdem hatte Elsa ihr Schlafzimmer in einen wahren Liebestempel verwandelt, in eine sinnlich-verruchte Höhle. In silbernen Leuchtern brannten Kerzen, aus der versteckten Anlage erklang romantische Musik, und die schweren Samtvorhänge waren zugezogen. Der ganze Raum wirkte ein wenig wie ein Zimmer aus 1001 Nacht.

Und Berti hatte ihr erotisches Märchen genossen. Oder etwa nicht? Eben noch hatte Elsa ihn nach allen Regeln der Kunst mit Zunge und Lippen verwöhnt, und er hatte laut aufgestöhnt und sich vor Gier und Genuss gewunden.

Und jetzt ging es um Vögel.

»Irgendwelche Federviecher sind dir also wichtiger als ich.«

Elsa war in der Tat fassungslos. Natürlich gönnte sie ihrem Mann sein neues Hobby. Aber dass plötzlich ihr Zusammensein darunter leiden sollte, kam gar nicht in die Tüte.

Ein erfülltes Liebesleben war Berti und ihr schon immer wichtig gewesen. Guter Sex war wie guter Wein, fand Elsa. Mit den Jahren wurde er immer besser. Und in ihrem Bekanntenkreis gab es niemand, der da mithalten konnte. Das wusste sie genau.

»Lass mir doch meinen Spaß«, erwiderte Berti und quälte sich mühsam aus den Kissen hoch. »Ich bin dabei ja auch viel an der frischen Luft, das willst du doch immer.«

Das stimmte. Aber doch bitte nicht in diesen Ausmaßen.

»Wenn man sich einfach mal vorstellt, dass der Schwarzstirnwürger in Deutschland ausgestorben ist«, lamentierte er weiter. »Und weißt du auch, warum?«

»Nein«, sagte Elsa und pflückte die arme vernachlässigte Carmen vom Boden. »Schau mal.« Sie ließ das Dessous-Teil direkt vor Bertis Nase baumeln. »Verkauft sich wie verrückt.«

»Apropos Verkäufe«, erwiderte Berti und kletterte aus dem Bett. »Da gibt es noch etwas, über das wir reden müssen.«

Mühsam riss Elsa ihren Blick von Carmen los. »Hm, was denn?«

»Es geht um die Umsätze.«

»Ja und?«

»Insgesamt wird es kein gutes Jahr«, sagte Berti. »Sie sind rückgängig.«

»Das ist doch immer mal wieder so«, sagte Elsa. »Jeder Firma passiert das irgendwann. Wieso übrigens? Was läuft denn nicht?«

Carmen jedenfalls lief! Täglich trafen neue Mails von Kundinnen ein, die begeistert von ihrem plötzlich so aufregendem Sexleben erzählten.

»Die Toys«, sagte Berti.

Sie hatten seit einiger Zeit auch Dildos und Vibratoren im Programm. Solide Ware, nichts Besonderes. Aber gute Qualität. Eigentlich waren sie auf Dessous spezialisiert, doch dann hatte Elsa mal was Neues ausprobieren wollen und mit diesen Sextoys angefangen, die auch sehr gut liefen. Warum das jetzt plötzlich nicht mehr so sein sollte, leuchtete ihr nicht ein. Wahrscheinlich musste sie einfach mal mit Claudia, ihrer Designerin, sprechen.

»Ach, Berti«, sagte sie. »Wir kriegen das schon hin. Bisher haben wir es doch auch immer geschafft.«

»Gut. Wenn du meinst«, nickte er. »Also, wo war ich? Beim Schwarzstirnwürger. Das ist ein baumbrütender Steppenvogel«, erklärte er ihr, und marschierte in Richtung Schlafzimmertür. »Ich werde demnächst mit Heiner mal recherchieren, wo man die besten Chancen hat, ihn zu sehen. Wir werden wohl nach Südeuropa fahren. Mit dem Wohnmobil.«

»Mit welchem Wohnmobil?«

»Das hat Heiner gekauft. Damit wir unabhängig sind.«

»Unabhängig. Aha. Und was sagt Monika dazu?«

»Die weiß es noch nicht.« Berti verschwand und kehrte kurz darauf mit einem Bier aus der Küche zurück.

Seufzend griff Elsa nach dem Champagner, den sie auf dem Nachtisch bereitgestellt hatte. »Du wirst also mit Heiner verreisen. Und interessiert es dich gar nicht, was ich dazu sage?«, fragte sie.

»Ach, mein Schatz. Weißt du denn nicht mehr, was wir uns vor über dreißig Jahren versprochen haben?«

»Ja, dass wir in guten wie in schlechten Zeiten zusammenhalten«, nickte Elsa, die gerade mit Entsetzen feststellte, dass 30 Jahre eine verdammt lange Zeit waren.

»Eben«, Berti nickte. »Und jetzt brechen die richtig guten Zeiten an. Komm wieder her.«

»Nein.«

»Doch, jetzt komm schon. Sei nicht launisch. Nur weil ich mich für Vögel interessiere, heißt das doch nicht, dass ich kein Interesse mehr an dir habe.« Er stellte das Bier auf den Nachttisch und nahm Elsa in die Arme. »Du bist und bleibst meine Nummer eins, Schatz. Und jetzt zeig mir mal das neue Carmen-Modell. Nein, viel besser – zieh’s doch gleich nochmal an …«

*

Imogen stand in der Tür und beobachtete ihren Mann, der mal wieder vor dem Fernseher saß. Es ging um die Herstellung von Bratwurstbrät und die dazugehörigen Maschinen. Ein hessischer Metzger erklärte gerade, dass der Trend momentan zu Bärlauchbratwürsten ging und dass man den Wünschen des Endverbrauchers »nadirlisch Folge leiste tut.«

Imogen kapierte das alles schon lange nicht mehr. Sie wusste nicht, wann es angefangen hatte. Nach und nach wahrscheinlich. Schleichend und irgendwie nicht fassbar. Es war nicht so, dass die Beziehung am Anfang unglaublich stürmisch gewesen war, das nicht, aber immerhin hatten Ralle und sie ein paar Jahre lang miteinander geredet und was unternommen. Das taten sie nicht mehr. Vielleicht lag es an ihr.

Möglicherweise bekam sie jetzt die Quittung. Ihr eigener Mann hatte kein Interesse mehr an ihr. Ralle war LKW-Fahrer und oft unterwegs, aber wenn er da war, hockte er hier und schwieg den Fernseher an. Er bedankte sich noch nicht mal dafür, wenn sie für ihn kochte. Früher hatte er sich darüber gefreut. Ihre Rouladen waren der Hit und das Putengeschnetzelte auch.

Aber nun war alles anders.

Was war das überhaupt für ein tristes Leben? Morgens aufstehen, um halb acht nach Pinneberg zum Finanzamt fahren, da bis fünf hocken und sich mit Säumniszuschlägen herumärgern. Dann einkaufen gehen, nach Hause fahren, ein Brot und drei Tomaten essen und vor der Glotze hocken – oder bei ihrer Mutter in der Küche, die drei Straßen weiter wohnte und ziemlich verbittert war, seitdem ihr Vater sie schon vor Jahren verlassen hatte, um eine Frau aus Goddelau-Erfelden zu heiraten. Laut ihrer Mutter war diese Dame, die Papa durch eine Kontaktanzeige kennengelernt hatte, grenzdebil und kurzsichtig. Außerdem schwitzte sie ständig. Niemand außer Imogen hatte verstanden, was ihr Vater an dieser Hildegard gut gefunden hatte. Dabei lag das ja wirklich auf der Hand: Ihre Mutter war einfach eine komplette Nervensäge, immer nur am Meckern, nichts war ihr recht und jetzt war es noch schlimmer. Hildegard dagegen sagte nie was. Sie ließ Papa einfach machen, was er wollte.

Imogen wollte nicht so werden wie ihre Mutter, aber sie war auf dem besten Weg. Nur das mit dem Meckern hatte aufgehört. Früher hatte sie öfter mal gemeckert. Mittlerweile tat sie das nicht mehr. Sie sprach einfach so gut wie gar nicht mehr mit ihrem Mann.

Hin und wieder traf sie sich mal mit einer Nachbarin oder las vielleicht auch mal ein spannendes Buch, aber das war auch schon alles.

»Ralle«, sagte sie. »Was hältst du davon, wenn wir Anne und Volker fragen, ob wir uns nicht mal wieder treffen? Wir könnten grillen, und Anne macht bestimmt diesen leckeren Nudelsalat, den du so magst.«

Ralle gab so etwas wie ein Schnauben von sich. »Nö«, kam es dann.

»Und warum nicht? Das ist doch besser, als hier die ganze Zeit herumzuhocken.«

»Du kannst ja grillen«, antwortete ihr Mann. »Jetzt sei mal leise. Da kommt jetzt was über Schuhe.«

»Seit wann interessierst du dich für Schuhe?«, wollte Imogen wissen, aber Ralle antwortete ihr einfach nicht mehr.

»Ich muss übrigens morgen ganz früh los, schon um fünf. Mach mir ’ne Tupperdose mit Broten zurecht, ja?«

»Ja«, sagte Imogen. »Wo geht’s denn hin? Und wann kommst du wieder?«

»Würzburg, Augsburg, München«, sagte Ralle und gähnte. »Vielleicht noch weiter nach Italien. Entscheidet sich aber erst morgen. Weiß nicht, wann ich wieder da bin. Aber du kannst ja grillen«, wiederholte er und Imogen ging in die Küche.

*

Jasmin saß im Café Rosenschön, das sich in einem Altbau in Uninähe befand und starrte auf den Teller mit dem Kuchen. Das Café hatte einen lauschigen kleinen Innenhof und den Namen deswegen, weil hier alle möglichen Rosen blühten. Die Vorbesitzerin war für ihre romantische Ader berühmt gewesen, und Benedikt, der neue gutaussehende Besitzer, hatte wohl nicht vor, das zu ändern. Hier fühlte man sich wie im 19. Jahrhundert. Das Mobiliar bestand aus verschnörkelten Tischchen und Stühlen, überall brannten kleine Kerzchen, an den holzgetäfelten Wänden hingen Ölbilder und uralte Aquarelle in vergoldeten Rahmen. Auch das Kuchenangebot war einfach wundervoll. In der Küche stand immer die Oma dieses jungen Mannes und stellte die kompliziertesten und leckersten Torten und Kuchen her, die man sich nur vorstellen konnte. Allein die Schokoladentorte, die in der Mitte noch flüssig war und die mit einer Mascarpone-Limetten-Creme sowie Pistazienkernen und frischen Beeren serviert wurde, ließ einen wahnsinnig werden.

Jasmin war schon zu Studienbeginn regelmäßig hierher gekommen, und seit Benedikt das Café übernommen hatte, war sie eigentlich fast täglich hier – es war so schön. Und Benedikt war auch so gutaussehend. Jasmin liebte Kuchen und Torten und überhaupt alles Süße außer Lakritz. Zum Glück konnte sie essen, so viel sie wollte, ihr Stoffwechsel war so gut, dass sie niemals auch nur ein Pfund zunahm. Deswegen hatte sie sich schon durch das komplette Angebot gearbeitet. Und natürlich Benedikt immer gesehen. Man musste sich die Torte an der Kuchentheke selbst aussuchen, weil das Angebot ständig wechselte, je nach Lust und Laune der Oma, der sie so schrecklich gern beim Backen geholfen hätte. Benedikt stand hinter der Theke und bediente ganz selten, er nahm nur die Bestellungen entgegen, machte Kaffee und Cappuccino und Espresso und Tee und die Kasse. Den Service übernahm eine junge Frau, sie war Benedikts Kusine, wie Jasmin von ihren Kommilitonen erfahren hatte. Natürlich hatte sie schon überlegt, sich im Rosenschön um eine Aushilfsstelle zu bewerben, aber die Kusine brachte auch manchmal eine Freundin zum Helfen mit, und mehr Personal brauchte man nicht. Also blieb Jasmin nichts anderes übrig, als dauernd ins Café zu rennen und Torte zu essen. Benedikt war immer freundlich, aber mehr auch nicht.

Gerade führte sich Jasmin ein Stück von dem versunkenen Kirschkuchen auf Marzipan-Walnuss-Boden zu Gemüte und überlegte, wie sie das angehen konnte, ohne sich zu blamieren. Benedikt war einfach perfekt für sie. Ein Mann, der ein Café hatte, musste romantisch veranlagt sein. Und – besser noch – ein Mann, der so schöne Torten verkaufte, die als Kunstwerke durchgehen und Preise gewinnen könnten, passte zu ihr wie die Sahne auf den Kakao. Er sah so gut aus. Groß und dunkelhaarig und dann die breiten Schultern. Und die Augen! So ein Grau hatte sie noch nie gesehen. Immer, wenn Benedikt ein Tortenstück auf einen Teller legte, und sie das sah, musste Jasmin sich vorstellen, wie es wohl wäre, wenn er sie mit diesen Händen streicheln würde. So zart und behutsam wie er eine heruntergefallene Kirsche wieder auf einen Klecks Buttercreme legte, so würde er ihre Wange berühren. Ach, es wäre … im nächsten Moment sprang sie auf und fing an zu schreien. Benedikt kam natürlich sofort angerannt. Aber da war sie schon umgekippt.

*

›Das geht so nicht weiter.‹ Elsa stieg auf den Crosstrainer und stellte den richtigen Widerstand auf dem Display ein. ›Ich bin Anfang 50, habe die ersten Anzeichen der Wechseljahre mit Anstand akzeptiert, und werde mein restliches Leben ganz bestimmt nicht damit verbringen, nur die Enkelkinder zu beglucken.‹ Sie begann zu treten und fing schon nach einigen Sekunden an zu schwitzen. Es war Mitte Juli und heiß ohne Ende. Elsa freute sich jetzt schon darauf, in einer Dreiviertelstunde in den Swimmingpool zu springen, den sie und Berti sich vor fünf Jahren zur Silberhochzeit geschenkt hatten. Dieser Pool war eine herrliche Investition, denn Elsa, der Kälte noch nie so viel ausgemacht hatte, ging schon im April hinein und schwamm bis Ende September täglich ihre Runden.

Sie tat viel für ihre Figur, schließlich gehörte sie nicht zu diesen Frauen, die sich ab einem gewissen Alter total gehen ließen, den ganzen Tag in Schlabberklamotten oder Kittelschürzen herumliefen und sich die Beine nicht mehr rasierten. Nein, sie war jetzt 52, und ihr Körper straff und bestens in Form, ihre Brüste hingen so gut wie nicht, obwohl sie sehr groß waren, und eigentlich konnte sie ganz zufrieden mit sich sein. Sie war nicht dünn, sondern, so sagte Berti immer, perfekt gebaut. Elsa hatte nie danach gestrebt, Kleidergröße 34 zu tragen, sie hatte Größe 40 und nach den Weihnachtsfeiertagen oder Urlauben auch gern mal 42, aber sie aß nun mal sehr gerne sehr gut und liebte guten Wein. Seitdem sich die ersten grauen Haare gezeigt hatten, färbte sie sie in ihrer Naturfarbe nach, einem dunklen Braun. Sie cremte sich täglich ein, und dass trotzdem ein paar Falten zu sehen waren, störte sie nicht. Herrje, sie war nun mal keine zwanzig mehr.

Wenn sie nach Hamburg fuhr und sich die Frauen ansah, die dünn, verbittert und faltig in den Restaurants rumsaßen und ein Salatblatt auf ihrem Teller anglotzten, hätte sie diese Weiber am liebsten genommen und geschüttelt.

Elsa gab noch etwas mehr Gas auf dem Crosstrainer und dachte nach. Ihre Ehe mit Berti war gut. Sie war sehr gut. Einen besseren Mann hätte sie nicht finden können. Sie und Berti hatten sich im Wildpark Schwarze Berge kennengelernt, einem Naherholungsgebiet bei Hamburg. Elsa war im Fledermaushaus von einigen Biestern angegriffen worden, was angeblich vorher noch nie vorgekommen war. Vier der Viecher hatten sich in ihrem Haar verfangen, woraufhin sie selbst in Panik verfallen war und wild um sich geschlagen hatte. Dabei hatte sie Berti, der sich ebenfalls in dem Haus befand, die Brille von der Nase gewischt und ihm dann leider auch noch auf die Nase gehauen, die daraufhin angefangen hatte zu bluten.

Eine halbe Stunde später – Berti hatte sie trotz der tätlichen Angriffe vor den Flugsauriern gerettet – saßen sie bei einer Tasse Kaffee zusammen. Nach einer weiteren halben Stunde hatten sie festgestellt, dass sie über dieselben Dinge lachen konnten, noch eine halbe Stunde später hatten sie grandiosen Sex im Freigehege, und kaum dreißig Minuten später hatten sie beschlossen, sich zu duzen.

Elsa konnte es heute noch nicht richtig verstehen, dass sie damals, ohne diesen Mann überhaupt richtig zu kennen, einfach zugelassen hatte, dass er sie küsste und sie dann mit sich zog.

Natürlich war diese dämliche Tugendhaftigkeit vieler Frauen der reinste Quatsch. Das hieß aber noch lange nicht, dass Elsa wahllos mit irgendwelchen Männern ins Bett stieg. Sie hatte vor Berti schon einige gehabt, aber die hatte sie länger gekannt als anderthalb Stunden. Mit Berti war der Sex allerdings auch komplett anders gewesen als mit seinen Vorgängern, vielleicht weil es ein Quickie im Freien war. Berti redete nicht um den heißen Brei herum, er war fordernd, aber nicht brutal, er schien genau zu wissen, was sie wollte, und er gab es ihr, ohne selbst zu kurz zu kommen. Elsa konnte heute noch das Gras und die Erde und den Wald riechen, wenn sie sich konzentrierte, und es war aufregend gewesen, sich einfach hinzuknien und sich von hinten nehmen zu lassen – immer mit der Befürchtung im Hinterkopf, es könnte jemand kommen. Es war aber niemand gekommen – außer ihnen beiden –, und Elsa hatte sich ganz schön zusammenreißen müssen, um nicht laut loszuschreien. Was für ein geiler Orgasmus! Und er war nicht der einzige geblieben!

Berti und sie liebten ausufernde Liebessppiele. Einmal hatten sie es sogar auf acht Stunden gebracht. Danach hatten sie beide zwei Tage lang nicht aufrecht gehen können, aber das war es wert gewesen!

Beim Gedanken daran musste Elsa noch immer grinsen. Ja, ihr Sexleben war hervorragend. Auch jetzt noch, nach all diesen Jahren. Sie wusste eben, wie man einen romantischen Abend inszenieren musste. Die richtige Vorbereitung war da das A und O. Dieser kleine Zwischenfall mit den Vögeln hatte bestimmt nichts zu bedeuten. Sie dachte kurz nach. Nein, alles war gut so, wie es war. Ihr Mann konnte sich wirklich nicht beklagen.

Berti und Elsa hatten damals ziemlich schnell geheiratet. Alle in ihrem Umfeld fragten sich, ob da wohl was Kleines unterwegs war, aber das war es noch gar nicht – sie wollten einfach. Obwohl sie erst 21 und Berti 28 Jahre alt war, gab es keinerlei Zweifel an ihrer Entscheidung. Sie freuten sich einfach nur auf die gemeinsame Zukunft. Zuerst wohnten sie in einer kleinen Zweizimmerwohnung, aber dann hatten sie relativ schnell die Idee mit dem Dessous-Geschäft gehabt, und das Geschäft wurde ganz schnell ganz groß. Sie konnten immer mehr Leute einstellen, und es lief wie geschmiert, was an den Zeiten lag – die Leute wurden immer freizügiger, Beate Uhse war schwer angesagt, und man wollte immer mehr. Elsa war als gelernte Schneiderin komplett in ihrem Element. Gemeinsam mit Claudia, der Designerin, entwarf sie immer neue Kollektionen, und die wurden ihnen aus der Hand gerissen. Zusätzlich hatten sie dann noch diese Sextoys mit ins Programm genommen, die sie auch selbst designten. Die liefen zwar derzeit nicht so doll, aber darum würde Elsa sich kümmern. Berti wiederum kümmerte sich um den ganzen kaufmännischen Kram, es kamen zwei Kinder, das Leben war schön, sie waren gesund, und jetzt hatte Berti also ein neues Hobby. Er war nicht mehr so oft in der Firma wie früher, sondern sagte, dass er auch mal was vom Leben haben wolle, auch außerhalb vom Urlaub. Schließlich habe er ja auch lang genug geschuftet.

Elsa schnaubte. Geschuftet hatte sie auch. Da war Berti nicht der Einzige. Aber sei’s drum. Es verlangte ja auch keiner von ihr, dass sie hier versauerte. Sie stieg vom Crosstrainer, zog sich aus und stellte sich unter die Dusche, um anschließend ihren Badeanzug anzuziehen. Dann sprang sie ins Wasser und zog ihre Bahnen.

Sie wollte auch etwas machen. Etwas, worauf sie Lust hatte, aber was nicht zu viel Anstrengung erforderte. Und sie hatte Lust, neue Leute kennenzulernen.

Hm. Was könnte das sein?

Sie schwamm weiter.

In irgendeinen Sportclub oder so wollte sie nicht eintreten, weil sie genau wusste, dass sie nach drei Malen sowieso nicht mehr hingehen würde. Elsa fiel ein, dass sie lange nicht mehr darüber nachgedacht hatte, was sie selbst eigentlich gern mochte. Immer hatte die Firma im Vordergrund gestanden. Sie hatte lange nichts mehr – so würde ihre Mutter es jetzt sagen –, »für die Bildung getan«.

Das war doch ein Ansatz.

Elsa drehte sich auf den Rücken und ließ sich treiben.

Ihr würde schon was einfallen.

Auf jeden Fall würde sie jetzt auch mal was für sich tun.

Das wäre ja noch schöner.

2

Imogen saß in ihrem Büro und schaute aus dem Fenster. Vor ihr lagen drei Einkommensteuererklärungen, die noch bearbeitet werden mussten. Darauf hatte sie ungefähr so viel Lust wie auf kreisrunden Haarausfall. Sie stand auf, holte sich einen Becher Wasser aus dem Spender, der in der Ecke stand, und sah sich in dem Büro um. Hier saß sie nun seit über 15 Jahren, und in diesen 15 Jahren hatte sich eigentlich nichts geändert, wenn man davon absah, dass seit Kurzem ein neuer Kollege da war, weil die vorherige Kollegin das dritte Kind bekommen hatte und sich nun ganz der Familie widmen wollte. Imogen war froh, dass Astrid weg war. Die ganze Zeit ging es nur um PEKiP und um Kinderwagen und um die Anmeldung in der Kita und so weiter und so weiter. Imogen, die dabei nicht mitreden konnte, war schon nach kürzester Zeit total genervt gewesen und hatte drei Kreuze gemacht, als Astrid sich an ihrem letzten Tag mit einer Runde Kräutertee für alle verabschiedete. Aber mit dem neuen Kollegen hatte sie so richtig ins Klo gegriffen. Er hieß allen Ernstes Kjell und war darauf auch noch stolz, weil das ein schwedischer und norwegischer Name war. Angeblich ganz, ganz selten hier in Deutschland.

Kjell Fuchs war ein Pedant und niemand mochte ihn wirklich. Er bediente hundertprozentig das Klischee von einem Finanzbeamten. Jeden Abend spitzte Kjell seine Stifte und legte sie nach Größen sortiert nebeneinander, und er hatte tatsächlich so einen furchtbaren Kleebaum, in dem ein angestaubter Filz-Schornsteinfeger einen Glücks-Cent hielt. Auf einem Foto, das auf Kjells Schreibtisch stand, waren seine Frau und die beiden Kinder zu sehen. Imogen konnte beim besten Willen nicht verstehen, dass dieser Typ eine so attraktive Frau – die Dame auf dem Foto war blond, hatte eine gute Figur und wirkte sehr gepflegt – abkriegen und dann auch noch so hübsche Kinder zeugen konnte. Wahrscheinlich kamen all die guten Gene von der Mutter. Ihr Kollege war jedenfalls furchtbar, und Imogen vermied jedes Gespräch mit ihm, aber das störte Kjell gar nicht. Er machte ständig blöde Witze über den Osten – Imogen kam ursprünglich aus Chemnitz – und sagte so Sachen wie: »Frau Bratzmann, wussten Sie eigentlich, warum es in der DDR keine Banküberfälle gab?« Dann wartete er eine Nanosekunde, bevor er die Lösung kundtat: »Weil man zwölf Jahre auf ein Fluchtauto warten musste. Hahahahaha.« Imogen lachte nie, sondern verdrehte die Augen und tippte weiter. Kjell erzählt auch gerne von seinen Wochenenden und dass er mit seiner Frau mal wieder gar nicht aus dem Bett gekommen wäre. »Die Kinder ab zur Oma und dann nix wie ran an die Buletten.« Ein anderer seiner Standardsprüche war: »Meine Frau sagt immer, es gibt keinen Besseren als mich – in jeder Hinsicht. Hahahaha!« Grauenhaft!

In den vier Tagen, seitdem Ralle weg war, hatte Imogen viel nachgedacht. Über ihre Ehe, über ihn, über sich. Sie hatte sich im Spiegel angeschaut. So schlimm war es noch gar nicht. Sie musste nur mal wieder zum Friseur und zur Kosmetikerin und auf die Sonnenbank. Und vielleicht sollte sie sich mal ein paar schicke Klamotten kaufen. Das war doch ein Plan. Sie schaute auf die Uhr. Halb vier. Direkt nach Dienstschluss würde sie mit der Bahn nach Hamburg fahren und ein bisschen durch die Innenstadt bummeln.

*

»Geht es dir denn wieder besser?«, fragte Benedikt, als Jasmin das Café betrat. Sie nickte. »Vielen Dank noch mal.«

»Du musst echt aufpassen. Und wirklich immer so ein Notfallset dabei haben. Wie gut, dass nebenan eine Arztpraxis ist, und dass der Arzt auch sofort kommen konnte. Die Spritze hat ja auch gleich geholfen.«

»Ja«, sagte Jasmin und merkte, dass sie rot wurde. Warum musste sie ausgerechnet hier von einer Wespe gestochen werden? Und warum musste diese Wespe sie unbedingt in diesem wichtigen Moment stechen, und wieso um alles in der Welt war sie schon immer allergisch gegen die Biester? Wie peinlich, im Caféhof umzufallen. Sie hatte noch nicht mal mitbekommen, dass Benedikt sie berührt hatte! Das hatten ihr die anderen Gäste erzählt. Er hatte sie hineingetragen. Wie ein Prinz, der seine Prinzessin …

»Möchtest du dich vielleicht ein bisschen hinlegen? Meine Wohnung liegt gleich über dem Café. Im Schlafzimmer ist es sehr kühl.«

Jasmin wurde rot und konnte nichts sagen. »Mpf«, machte sie irgendwann verlegen.

»Also nicht. Möchtest du was trinken?« Benedikt schaute sie erwartungsvoll an.

Auf gar keinen Fall durfte jetzt das Gespräch verebben. Das war die Chance!Sie hatten ein Thema – und wenn sie sich jetzt an einen Tisch setzte, war die Chance vorbei. Sie hätte dann keinen Grund mehr, ihn anzusprechen.

»Ja, eine Rhabarberschorle bitte.«

»Klar. Kannst dich setzen. Iris bringt sie dir gleich.«

Nein.

»Ich mag dein Hemd«, sagte Jasmin schnell, weil sie irgendwas sagen wollte. Benedikt runzelte die Stirn. »Aha. Danke.«

Sie hätte sich am liebsten geohrfeigt.

»Ich finde das super, dass du dich immer anders anziehst«, versuchte sie aus der Nummer rauszukommen. »Also eigentlich hast du überhaupt keinen Stil.«

»Vielen Dank. Das hast du sehr nett rübergebracht. Das hat in der Form auch noch niemand zu mir gesagt.« Benedikt stellte ihr ein gefülltes Glas hin und sah irgendwie so aus, als würde er sich sehr über Jasmin wundern. Nein, eher sah er so aus, als würde er denken, dass sie nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte.

›Was mache ich denn da?‹, dachte Jasmin verzweifelt. ›Das darf doch nicht wahr sein.‹

»Danke«, sagte sie und machte immer noch keine Anstalten, sich einen Platz zu suchen.

»Und wie du das Café eingerichtet hast, finde ich auch toll. So schön plüschig. Das gefällt mir an diesen Schwulen-Läden immer so gut.«

»Es ist sicher besser, wenn du jetzt mal eine Zeitung liest oder so«, sagte Benedikt angesäuert. »Aber es ist sehr schön, dass du dich in meinem schwulen Café so wohl fühlst und mir auch gesagt hast, dass ich mich geschmacklos kleide. Aber das reicht für heute, finde ich.« Das Telefon klingelte, und er wandte sich von Jasmin ab. Die nahm ihr Glas mit der Schorle und schlich mit gesenktem Kopf nach draußen in den Rosenhof. Am liebsten würde sie sterben. Oder erst mal gehen. Nein, sie musste sich bei Benedikt entschuldigen. Aber wie? Sie könnte jetzt zurückgehen und sagen, dass sie »cool« gemeint hatte. Klang doch fast genauso wie »schwul«. Aber wer weiß, was dann noch passieren würde.

Jasmin setzte sich an einen Tisch und fing an, in einer Tageszeitung zu blättern. Sie musste sich einfach beschäftigen. Wichtig war vor allem, dass Benedikt den Eindruck erhielt, dass sie das Ganze überhaupt nicht tangierte. Wahrscheinlich dachte er, sie sei eine vereinsamte Studentin, die niemanden hatte, weil sie immer alleine hier herumsaß. Warum war sie auch nie auf die Idee gekommen, eine Freundin mitzunehmen? Nun, das konnte man jetzt nicht mehr ändern.

Natürlich. So musste es sein. Benedikt dachte, sie hätte überhaupt keine sozialen Kontakte und Angst vor Menschen. Das würde sich sofort ändern.

Hektisch blätterte Jasmin in der Zeitung herum und blieb irgendwann bei einer Anzeige hängen, die besonders groß war und dadurch herausstach. Eine Frau aus einem Ort bei Hamburg suchte bücherbegeisterte andere Frauen, mit denen sie einen Leseclub eröffnen wollte. Einmal pro Woche sollte man sich treffen, gemeinsam aus einem ausgewählten Buch lesen und dann darüber diskutieren. Eine Telefonnummer stand auch dabei und schon hatte Jasmin ihr Handy aus der Tasche geholt und die Nummer gewählt. Am anderen Ende meldete sich sofort jemand und Jasmin begann, laut und, wie sie hoffte, wichtig zu telefonieren. Am Ende des Gesprächs hatte sie eine Verabredung für den kommenden Mittwoch. Triumphierend nahm sie die Zeitung und ging ins Café zurück, um zu zahlen. Benedikt hatte das Telefonat garantiert mitbekommen und war bestimmt gebührend beeindruckt. Aber hinter der Theke stand nur Iris. Benedikt selbst war gar nicht mehr da.

So ein Mist. Jetzt hatte sie diese Frau mit der Leserunde am Hals.

*

»Na, was machen wir denn heute noch Schönes, Frau Bratzmann?«, wollte Kjell Fuchs wissen und wartete die Antwort gar nicht erst ab. »Ich geh jetzt nach Hause und lasse mir von meiner Frau was richtig Gutes kochen. Sie kocht sehr gern und sehr gut, ach, sie macht überhaupt alles gut, wenn Sie wissen, was ich meine. Ich glaube, wir geben die Kinder bald mal wieder zu den Großeltern. Hahaha. Kocht Ihr Mann Ihnen denn was Gutes? Das muss für Sie doch hier das Paradies sein mit den ganzen Supermärkten. Das gab es ja in der DDR alles nicht. Nur bei FKK, da wart ihr ja wohl ganz weit vorne. Da hattet ihr bestimmt euren Spaß an den Stränden.« Er rieb sich die Hände und grinste widerlich. »Bestimmt habt ihr es da alle miteinander getrieben. Alle durcheinander, jeder auf jedem. Ich kann es ja verstehen, ihr hattet ja sonst nichts zu lachen. Hahahahahaha!«

Imogen knallte die Ordner auf den Tisch und schloss ihren Rollcontainer ab. Warum war sie nicht schlagfertig und stopfte diesem Vollidioten mal so richtig das Maul? Verdient hätte er’s.

Sie verließ grußlos das Büro, lief die Treppen runter und war froh, als sie endlich draußen war.

Nachdem sie in letzter Sekunde noch die Bahn Richtung Hamburg erwischt hatte, versuchte sie, Ralle anzurufen, aber der ging nicht dran. Seit er weg war, hatten sie nur einmal kurz telefoniert. Merkwürdig, dass er gar nicht erreichbar war. Aber vielleicht fuhr er ja nachts und schlief tagsüber. Eine SMS hätte er aber trotzdem schicken können, das war ja wohl nicht zu viel verlangt.

Drei Stunden später saß sie in einem Bistro in der Mönckebergstraße, aß eine Lasagne und freute sich über verschiedene Röcke, Blusen, ein paar Slips, BH’s und ihr neues Make-up. Der Clou waren allerdings diese mörderisch schicken Schuhe, die sie sich in einem Anflug von Übermut ebenfalls geleistet hatte.

Imogen trank einen Schluck Tomatensaft und blätterte in einer Zeitung herum, während sie überlegte, was sie die nächsten Tage machen sollte. Ihr war langweilig. Zu ihrer Mutter würde sie keinesfalls gehen, die hatte gestern Abend schon wieder herumjammert, dass alles ganz schrecklich und die Welt so unglaublich böse wäre. Aber alleine zum Grillen zu gehen, das wollte sie auch nicht. Was also tun? Imogen seufzte. Sie musste mal was Sinnvolles tun, etwas, das ihr Spaß machte.

Und da sah sie diese Anzeige und beschloss, einfach dort anzurufen, wenn sie zu Hause war, was sie dann auch tat.

*

»Wir sagen am besten gleich Du«, begrüßte sie Elsa und schüttelte Jasmin und Imogen nacheinander die Hand. »Herzlich willkommen. Toll, dass ihr euch gemeldet habt.« Sie sah die beiden sehr unterschiedlichen Frauen an. Imogen hatte ihr erzählt, sie sei 39, und Jasmin wurde demnächst 26. Erst hatte Elsa die Befürchtung gehabt, dass sie altersmäßig zu weit auseinander lagen, schließlich hätte sie gut und gern Jasmins Mutter sein können. Aber dann hatte sie sich gedacht, dass es ja einen Versuch wert sei. Möglicherweise war es sogar gut, quasi drei Generationen hier versammelt zu haben, da waren die Ansichten bestimmt sehr unterschiedlich. Man würde sehen.

»Sind wir die Einzigen?«, fragte Jasmin und biss auf ihrer Unterlippe herum.

»Ja.« Elsa nickte. »Wahrscheinlich ist es eine ungünstige Zeit für eine Anzeige. Wer will denn schon im Sommer in einem Gemeinderaum sitzen und lesen?«

»Es ist ja nur einmal pro Woche«, sagte Imogen, und Elsa wunderte sich ein bisschen über sie. Imogen sah aus, als hätte sie sich unglaublich viel Mühe damit gegeben, gut auszusehen, aber das war ihr komplett misslungen. Der Lippenstift war viel zu orange, das Make-up zu hell, die Bluse viel zu unvorteilhaft geschnitten und zu eng, und der dunkelblaue Hosenanzug passte hinten und vorne nicht. Er ließ sie aussehen wie eine frustrierte Frau, die dämliche Versicherungsfälle bearbeiten musste. Die ganze Person schien verbittert, verhärmt und auch ein wenig aggressiv. Statt wie Ende 30 wirkte Imogen wie Mitte 50. Außerdem war das kein Haarschnitt, sondern eine Katastrophe. Hatte ihr denn noch nie jemand gesagt, dass es vorteilhafte Frisuren gab, die den Typ unterstrichen, und dass man seinen Pony nie selbst schneiden sollte? Die braunen Haare hatten schon einige silberne Freunde bekommen, alles in allem war das eine praktische Kurzhaarfrisur, die einfach nur langweilig und dämlich aussah. Ein Besuch bei einem wirklich guten Salon würde da einiges retten können. Aber das war nicht ihre Sache. Die andere, Jasmin, war bedeutend jünger und hübsch wie eine Elfe. Sie hatte fast weißblonde lange Locken und große blaue Augen, eine schlanke Figur und etwas sehr Filigranes an sich. Jasmin wirkte wie eine kleine Fee, die es unter allen Umständen zu beschützen galt. Sie trug ein chiffonartiges hellblaues Oberteil und eine mintfarbene Caprihose, dazu Flip-Flops in Rosa. Elsa bekam sofort Muttergefühle und hätte Jasmin am liebsten über den Kopf gestreichelt.

»Setzen wir uns doch erst mal hin«, schlug Elsa dann vor und die drei ließen sich am langen Tisch des Gemeindesaals nieder, den Elsa bis auf Weiteres einmal pro Woche reserviert hatte.

»Ich bin also Elsa und wohne auch hier im Ort«, begann Elsa. »Und ich habe die Leserunde ins Leben gerufen, weil ich mal was für mich tun ...

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