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Blitzhochzeit mit dem Milliardär?

1. KAPITEL

Schon als kleines Mädchen hatte Callie Woodville von ihrer Hochzeit geträumt.

Mit sieben Jahren hatte sie sich ein großes weißes Handtuch um den Kopf geschlungen und war hoch erhobenen Hauptes durch die Scheune ihres Vaters geschritten. An den Seiten saßen ihre Teddybären als Gäste, ihre kleine Schwester krabbelte hinter ihr her und warf Blumen aus einem Korb.

Zum Abschlussball ging sie mit ihrem einzigen Freund, einem Außenseiter von der Nachbarfarm. Doch all die Zeit träumte sie von dem gut aussehenden, dunkelhaarigen Mann, mit dem sie die große Liebe erleben würde. Sie wusste, dass er irgendwo auf der Welt auf sie wartete und sie mit seinem Kuss aus dem Dornröschenschlaf wecken würde.

Und als sie vierundzwanzig war, trat ihr Märchenprinz tatsächlich in ihr Leben.

Ihr Chef, ein skrupelloser Millionär, hatte sie wach geküsst. Ihm hatte sie ihre Unschuld geschenkt und ihr Herz, und eine magische, leidenschaftliche Nacht lang war ihr Traum mitten in New York Wirklichkeit geworden. Als sie am Weihnachtsmorgen in seinen Armen erwachte, glaubte sie, vor Glück sterben zu müssen. Eine Nacht lang war die Welt ein verzauberter Ort, an dem alle Wünsche wahr wurden, solange man ein reines Herz hatte.

Eine märchenhafte Nacht, die ihr schließlich das Herz gebrochen hatte.

Jetzt, achteinhalb Monate später, saß Callie auf der überdachten Veranda ihrer Wohnung und blickte auf die schattige kleine Straße im West Village hinunter. Die Wohnung war bereits leer geräumt und wirkte beinah gespenstisch, deshalb hatte Callie beschlossen, auf der Veranda zu warten.

Heute war ihr Hochzeitstag. Der Tag, von dem sie ihr Leben lang geträumt hatte. Doch sie hatte sich nie ausgemalt, dass er so sein würde.

Callie betrachtete ihr Brautkleid, das sie gebraucht gekauft hatte, und blickte hinunter auf den verwelkenden Brautstrauß aus Wiesenblumen, die sie im nahen Park selbst gepflückt hatte. Statt eines Schleiers trug sie mit Strass besetzte Spangen, die ihr langes goldbraunes Haar zurückhielten.

In wenigen Minuten würde sie ihren besten Freund heiraten. Einen Mann, den sie noch niemals geküsst hatte – und den zu küssen sie auch kein Bedürfnis verspürte. Einen Mann, der nicht der Vater ihres Babys war.

Sobald Brandon mit dem Mietwagen zurückkehrte, würden sie zum Standesamt fahren und sich dort trauen lassen, dann wollten sie zu einer langen Reise von New York bis in ihren gemeinsamen Heimatort in North Dakota aufbrechen.

Callie schloss die Augen. Es ist das Beste für das Baby, sagte sie sich verzweifelt. Das Kind brauchte einen Vater, und ihr ehemaliger Chef war ein selbstsüchtiger, eiskalter Playboy, den nur seine Bankkonten interessierten. Nach drei Jahren als seine Sekretärin hatte sie das genau gewusst, und trotzdem war sie dumm genug gewesen, auf ihn hereinzufallen.

In diesem Moment bog ein Auto aus der Seventh Avenue in ihre Straße ein. Einen ähnlichen Wagen fuhr auch Eduardo. Callie sah die dunkle Luxuslimousine vorbeifahren und atmete durch. Dennoch erschauerte sie, als sich eine Wolke vor die Mittagssonne schob. Wenn ihr ehemaliger Boss herausfand, dass ihre leidenschaftliche Nacht Folgen gehabt hatte …

„Das wird er nicht“, flüsterte Callie. Außerdem war er, wie sie gehört hatte, in Kolumbien, wo gerade neue Erdölplattformen vor der Küste entstanden, um für seine Gesellschaft das schwarze Gold zu fördern. Nachdem Eduardo eine Frau ins Bett bekommen hatte, existierte sie für ihn nicht mehr. Und obwohl Callie als seine Sekretärin immer wieder erlebt hatte, wie er seine Liebschaften abservierte, hatte sie geglaubt, bei ihr wäre es etwas anderes und sie wäre die große Ausnahme.

Verschwinde, Callie. Verschlafen, selig und nackt war sie aufgewacht, weil er sie unsanft geschüttelt hatte. Verlass mein Haus. Ich will dich nicht mehr sehen. Seine Stimme hatte hart geklungen, unnachgiebig.

Bis heute bohrten sich seine Worte wie ein Eiszapfen in ihr Herz. Seufzend legte Callie die Hände auf ihren Babybauch. Niemals würde Eduardo erfahren, dass er ein neues Leben gezeugt hatte. Er hatte seine Wahl getroffen. Und sie ihre ebenfalls. Er würde keine Chance haben, als Vater ebenso tyrannisch zu sein wie als Chef. Ihr Kind sollte in einer intakten, liebevollen Familie aufwachsen. Brandon, ihr Kamerad seit Kindertagen, würde der beste Vater der Welt sein.

Zunächst hatte sie daran gezweifelt, dass eine Ehe funktionieren konnte, die auf Freundschaft beruhte. Doch Brandon hatte sie überzeugt, dass sie für eine funktionierende Partnerschaft keine Romantik oder glühende Leidenschaft brauchten. „Wir werden glücklich sein, Callie“, hatte er versprochen. „Sehr glücklich.“ Und in den vergangenen Monaten war er so fürsorglich und liebevoll gewesen, dass sie schließlich zugestimmt hatte.

Als Callie sich an die Brüstung lehnte und ihr Gepäck betrachtete, fiel ihr Blick auf die kleine Louis-Vuitton-Tasche. Es war ein Weihnachtsgeschenk von Eduardo gewesen. Das war doch nicht nötig, hatte sie mit Tränen in den Augen gesagt und sich gefreut, weil er ihren sehnsuchtsvollen Blick ins Schaufenster damals wahrgenommen hatte. Ich weiß engagierte Mitarbeiter zu schätzen, Callie, hatte Eduardo geantwortet. Eine Frau wie dich trifft man nur einmal im Leben.

Callie kniff die Augen zusammen und zwang sich, den Blick abzuwenden. Kühl fielen die Regentropfen ihr ins Gesicht. Mit Eduardo war sie fertig. Mit New York auch. Mit allem, das sie jemals geliebt hatte.

Außer dem Baby.

Ein Donnergrollen mischte sich in die Geräusche des Verkehrs und der Polizeisirenen, die von der Seventh Avenue heraufschollen. Wieder bog ein Wagen in die kleine Straße ein. Sie hörte, wie er anhielt und eine Tür zugeschlagen wurde. Anscheinend war Brandon mit dem Mietwagen zurück. Der Zeitpunkt ihrer Trauung war gekommen. Sie zwang sich zu einem Lächeln und öffnete die Augen.

Eduardo Cruz stand neben seinem Mercedes, kraftvoll und breitschultrig, in einem perfekt sitzenden schwarzen Anzug.

Das Blut wich aus ihrem Gesicht.

„Eduardo“, begann sie und wollte schon aufstehen, aber dann hielt sie in der Bewegung inne. Vielleicht konnte er so ihren Bauch nicht sehen. Sie betete darum, dass es so war. Stattdessen schlang sie die Arme um die Knie und fragte stockend: „Was … tust du hier?“

Wortlos trat Eduardo auf den Gehweg. Seine Bewegungen hatten die Geschmeidigkeit eines Kriegers aus der Antike, dennoch meinte sie, jeder seiner Schritte würde ein Erdbeben auslösen.

„Die Frage ist, was tust du, Callie?“, sagte er schließlich mit blitzenden Augen.

Seine Stimme war tief und wohltönend, nur ein leichter Akzent verriet seine spanische Herkunft. Callie war schockiert. Sie hatte geglaubt, ihn niemals wiedersehen zu müssen – außerhalb ihrer Träume zumindest.

Energisch hob sie den Kopf. „Wonach sieht es denn aus?“ Mit dem Daumen zeigte sie auf das Gepäck. „Ich ziehe um.“ Unweigerlich zitterte ihre Stimme, und Callie hasste Eduardo dafür, so wie sie ihn für vieles andere hasste. „Du hast gewonnen.“

„Gewonnen?“, wiederholte er schroff und kam näher. „Eine seltsame Anschuldigung.“

Unter seinem Blick erschauerte sie, dann stieg eine unerträgliche Hitze in ihr auf. Nervös sah Callie zu ihm auf. „Wie würdest du es denn nennen? Du hast mich gefeuert und sichergestellt, dass mich keine andere Firma in New York mehr nimmt.“

„Ach ja?“, meinte er kühl. „Soll McLinn doch für dich sorgen. Schließlich bist du bald seine Frau.“

„Du weißt von Brandon?“, wisperte sie. Wenn er über ihre bevorstehende Hochzeit informiert war, dann vielleicht auch über ihre Schwangerschaft. „Woher?“

„Von ihm selbst.“ Eduardo lachte bitter. „Ich habe ihn kennengelernt.“

„Wann? Wo?“

Kalt sah er sie an. „Warum interessiert dich das?“

Sie biss sich auf die Lippe. „Seid ihr euch zufällig begegnet?“

„Du kannst es Zufall nennen.“ Seine gedehnte Aussprache strafte die Gleichgültigkeit in seinem Blick Lügen. Er musterte das elegante Stadthaus, in dem Callie bisher gewohnt hatte. „Ich war hier und musste überrascht feststellen, dass du mit einem Mann zusammenlebst.“

„Das ist nicht …“

„Nicht was?“

„Egal“, murmelte sie.

Eduardo trat näher. „Sag schon“, forderte er sie kühl auf, „hat es McLinn gefallen? Hat er es genossen, in einer Wohnung zu leben, die ich meiner geschätzten Sekretärin als Anerkennung für ihre Arbeit überlassen habe?“

Sie schluckte. Noch vor einem Jahr hatte sie in einem billigen Apartment in Staten Island gewohnt. Nur so war es ihr möglich gewesen, den Großteil ihres Gehalts an ihre Familie zu schicken. Eines Tages hatte Eduardo sie mit dieser Wohnung hier überrascht, für die er die Miete für ein Jahr im Voraus gezahlt hatte und die nicht weit entfernt von seinem Haus lag.

„Was hast du mir noch zu sagen?“ Stirnrunzelnd sah Callie ihn an. Die ganze Woche schon hatte sie Umzugskisten gepackt, von allen Fluggesellschaften die Information erhalten, dass sie in ihrem Zustand nicht mehr fliegen dürfe, und mit Mietwagenfirmen verhandelt. „Ich weiß nichts davon, dass du hier warst. Wann soll das gewesen sein?“

„Nun, du hast noch geschlafen“, erklärte Eduardo ungerührt.

Ihr schlug das Herz bis zum Hals.

„Oh“, sagte sie kleinlaut. Es konnte stimmen, denn sie schlief im Schlafzimmer, während Brandon auf der Couch übernachtete. „Das hat er nie erwähnt. Aber was wolltest du von mir?“

Ausdruckslos blickte Eduardo sie an, als wäre sie eine Fremde. Nein, schlimmer noch – als wäre sie ein hässlicher Käfer, den er im nächsten Moment mit seinem handgearbeiteten italienischen Lederschuh zertreten würde.

„Warum hast du mir nie von deiner Beziehung erzählt? Weshalb hast du mich angelogen?“, fragte er.

„Das habe ich nicht.“

„Du hast mir diesen Mann verschwiegen. Gleich am Tag nach deinem Einzug hast du ihn nachkommen lassen, ohne ihn mit einer Silbe zu erwähnen. Du wusstest genau, dass ich deine Ergebenheit und Loyalität mir gegenüber sonst infrage gestellt hätte.“

Fassungslos sah Callie ihn an, dann ließ sie die Schultern sinken. „Ich hatte Angst, es dir zu erzählen.“ Sie schluckte.

Er presste die Lippen zusammen. „Also hast du mich lieber angelogen.“

„Ich habe ihm nie angeboten hierherzukommen. Er … hat mich einfach überrascht, weil er Sehnsucht nach mir hatte.“

Callie hatte Brandon in North Dakota angerufen, um ihm von dem großzügigen Geschenk ihres Chefs zu erzählen, und schon am nächsten Tag hatte er vor ihrer Tür gestanden und gesagt, er würde sich Sorgen um sie machen, so ganz allein in der Großstadt. „Eigentlich wollte er sich eine eigene Wohnung suchen, aber er hat keinen Job gefunden …“

„Genau“, fiel Eduardo ihr spöttisch ins Wort. „Ein echter Mann findet immer eine Arbeit, um seine Frau zu ernähren. Er lebt nicht auf ihre Kosten.“

„So ist er nicht“, fuhr sie auf. Die ganze Schwangerschaft über hatte Brandon für sie gekocht, ihre geschwollenen Füße massiert, wenn sie von der Arbeit kam, geputzt, sie zum Arzt begleitet. All die Dinge, von denen sie sich gewünscht hätte, der eigentliche Vater des Babys würde sie übernehmen. Aber natürlich nicht Eduardo! Finster starrte sie ihn an. „Vielleicht ist dir das noch nie aufgefallen, aber es gibt nicht viele Jobs in New York für Farmer.“

„Und warum seid ihr dann in New York geblieben?“

Mittlerweile hatte es leicht zu regnen begonnen, doch Callie nahm es kaum wahr. „Ich wollte bleiben. Und ich hatte gehofft, wieder Arbeit zu finden.“

„Nun, jetzt hast du eine. Als Frau eines Farmers.“

„Was willst du von mir? Bist du nur gekommen, um mich zu beleidigen?“

„Oh, habe ich das noch gar nicht erwähnt?“ Seine Augen wirkten fast schwarz und funkelten kalt. „Deine Schwester hat mich heute Morgen angerufen.“

Callie erschauerte. „Sami … hat dich angerufen?“ Ihr Telefonat mit ihrer Schwester hatte gestern ein abruptes Ende gefunden. Doch Sami würde sie nie hintergehen. Niemals … oder? Sie fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen. „Und was wollte sie von dir?“

„Sie hat mir zwei interessante Dinge erzählt, die ich kaum glauben konnte.“ Eduardo trat noch einen Schritt näher. „Aber zumindest eine Sache ist wahr“, fuhr er sanft fort. „Du heiratest heute.“

Callie begann zu zittern. „Na und?“

„Also gibst du es zu?“

„Ich trage ein Brautkleid. Also kann ich es kaum abstreiten. Aber was geht es dich an?“ Ihre Lippen bebten, sodass ihr Versuch, spöttisch zu lächeln, misslang. „Bist du sauer, weil du nicht eingeladen bist?“

„Du klingst nervös.“ Langsam schritt er über die Veranda und blieb dann stehen. „Gibt es etwas, das du mir verheimlichen willst, Callie?“ Wieder kam er näher. „Eine weitere Lüge?“

Ihr ganzer Körper wurde von einer unerträglichen Anspannung ergriffen, ihr Bauch verhärtete sich. Das ist nur Nervosität, sagte sie sich. In der vergangenen Woche war sie ins Krankenhaus gefahren, weil sie geglaubt hatte, die Geburt würde beginnen. Doch dort hatte man ihr erklärt, dass der Körper die Wehen manchmal schon vorab üben würde, und sie wieder nach Hause geschickt. Beruhigend strich sie sich mit der Hand über den Bauch, aber der Schmerz blieb.

„Was sollte ich verheimlichen wollen?“, gab sie zurück, während sie sich mit der anderen Hand den Rücken hielt.

„Du bist eine Lügnerin, Callie.“ Die Sonne brach durch die Wolken und tauchte sein attraktives Gesicht in goldenes Licht. Dunkel zeichneten sich die markanten Wangenknochen ab. „Aber wie weit würdest du gehen?“

Ihre Finger waren wie taub, sie konnte kaum mehr den Brautstrauß festhalten. „Bitte“, flüsterte Callie und umklammerte die Blumen, „mach mir nicht alles kaputt.“

„Was genau meinst du?“

Ihre Zähne schlugen aufeinander. „Mein …“ Mein Leben. Das Leben meines Babys. „Meine Hochzeit.“

„Ach ja, deine Hochzeit. Davon hast du immer geträumt, stimmt’s?“ Eduardo sah auf sie herunter. „Ist alles so, wie du es dir vorgestellt hast?“

Schmerzlich wurde ihr bewusst, dass das Hochzeitskleid getragen und zu groß für sie war, dass sie ein Mieder aus billiger Kunstfaser statt aus Seide trug, und ihr Blick fiel auf die beiden schäbigen Koffer. „Allerdings“, brachte sie hervor.

„Wo ist deine Familie? Und deine Freunde?“

„Wir heiraten im Rathaus.“ Entschlossen hob sie den Kopf und bekämpfte das Bedürfnis zu weinen. „Niemand weiß von der Hochzeit. Wir fanden es so am romantischsten.“

„Oh. Na klar.“ Eduardo lächelte, und seine weißen Zähne blitzten. „Hauptsache, ihr macht eine schöne Hochzeitsreise.“

Hochzeitsreise? Sie hatten geplant, ihre Fahrt bei einem Cousin von Brandon in Wisconsin zu unterbrechen und dort auf einem alten Schlafsofa zu übernachten. Leidenschaft existierte nicht zwischen ihnen – Brandon war für Callie wie ein Bruder. Doch sie konnte Eduardo wohl kaum eingestehen, dass es nur einen Mann auf der Welt gab, nach dem sie sich verzehrte: jenen Mann, der sie gerade so feindselig ansah. „Meine Flitterwochen gehen dich nichts an.“

Verächtlich schnaufte er. „Vermutlich ist für dich alles romantisch, was mit Brandon McLinn zu tun hat. Selbst ein geschmackloses Kleid und ein Strauß aus Unkraut. Er war immer der Mann deiner Träume, stimmt’s? Obwohl er nicht mal auf eigenen Füßen stehen kann. Du liebst ihn tatsächlich“, höhnte er, „obwohl man ihn kaum einen echten Kerl nennen kann.“

Callie biss die Zähne zusammen. Spontan wollte sie aufspringen, aber dann fiel ihr ein, dass Eduardo auf keinen Fall ihren Bauch sehen durfte. Wütend funkelte sie ihn an. „Es spielt keine Rolle, ob er arm ist oder reich – Brandon steht seinen Mann mehr als du.“

Seine Augen glühten förmlich. „Steh auf“, befahl er kalt.

„Was?“

„Deine Schwester hat mir zwei Dinge erzählt. Das erste stimmt.“ Träge tropfte der Regen von den Bäumen. „Steh auf.“

Sie atmete tief ein. „Vergiss es! Ich bin nicht mehr deine Sekretärin, und ich bin nicht deine Geliebte. Du hast kein Recht, mir Befehle zu erteilen. Wenn du mich nicht in Ruhe lässt, rufe ich die Polizei.“

Seine Augen funkelten, als Eduardo näher kam. Schließlich stand er so dicht vor ihr, dass er mit dem Bein ihr Knie berührte. Er beugte sich vor. „Bist du schwanger? Bekommst du ein Kind von mir?“

Fassungslos starrte Callie ihn an. Er wusste es.

Ihre Schwester hatte sie hintergangen.

Natürlich hatte sie gewusst, dass Sami sauer auf sie war, doch das hätte sie ihr niemals zugetraut. Gestern hatte ihre Schwester sie angerufen, um ihr eine gute Reise zu wünschen. Und plötzlich, als sie die vertraute, geliebte Stimme hörte, brach alles aus Callie heraus. Sie erzählte Sami, dass sie Brandon heiraten würde, weil sie ein Kind von ihrem Chef erwartete. Diese war entsetzt gewesen.

Du kannst das von Brandon nicht verlangen. Es ist nicht sein Kind!

Sami, du verstehst nicht …

Sei still! Selbst wenn dein Chef ein Schuft ist, hat er ein Recht, zu erfahren, dass er Vater wird. Ich werde nicht zulassen, dass du so viele Leben ruinierst.

Die Reaktion ihrer Schwester hatte Callie schockiert, doch niemals hätte sie gedacht, dass diese ihre Drohung wahr machen würde. Sami hatte sie, die große Schwester, immer angehimmelt. Jahrelang war sie Brandon und ihr auf Schritt und Tritt gefolgt, sie waren die Helden ihrer Kindheit gewesen. Und deshalb war Callie sicher gewesen, dass ihre kleine Schwester ihr auch jetzt noch treu ergeben war.

Doch sie hatte sich geirrt.

„Stimmt es?“, hakte Eduardo nach.

Wieder zog sich Callies Bauch schmerzhaft zusammen. Sie versuchte, die Wehe wegzuatmen, wie sie es gelernt hatte, doch erfolglos. Die Krämpfe wurden schlimmer.

„Du musst nicht antworten“, fuhr Eduardo fort. „Ich würde dir sowieso nicht glauben. Aber dein Körper …“ Langsam strich er ihr über die Wange, was sie elektrisierte. „Dein Körper verrät mir die Wahrheit.“

Wortlos nahm er ihr die Wiesenblumen aus der Hand, und sie wehrte sich nicht. Vorsichtig zog er sie hoch.

Dann stand sie vor ihm, schutzlos, zitternd und hochschwanger, in einem hässlichen Brautkleid. Sie schloss die Augen und hoffte, der Boden möge sich unter ihr auftun.

„Es stimmt also“, sagte Eduardo „Wer ist der Vater?“

Callie öffnete die Augen wieder. „Was?“

„Ist es mein Kind? Oder McLinns?“

„Was für eine Frage!“ Sie errötete. „Du weißt, dass du der erste Mann in meinem Leben warst, als wir …“

„Das habe ich geglaubt, ja. Später war ich da nicht mehr so sicher.“ Prüfend musterte er sie. „Vielleicht hast du dich eigentlich für die Hochzeit aufgespart und bist deshalb gleich in der nächsten Nacht zu deinem Verlobten ins Bett gesprungen. Weil du ein schlechtes Gewissen hattest. Oder weil du fürchtetest, schwanger zu sein.“

„Wie kannst du so etwas sagen?“, brachte sie hervor. „Traust du mir so etwas Niederträchtiges wirklich zu?“

„Ist es mein Kind oder McLinns?“ Sein Blick war eisig. „Oder weißt du es nicht?“

Ihr Herz zog sich zusammen.

„Warum tust du mir so weh?“ Sie schüttelte den Kopf. „Brandon ist ein guter Freund. Mehr nicht.“

„Du lebst seit einem Jahr mit ihm zusammen. Denkst du, ich glaube dir, dass er die ganze Zeit auf der Couch geschlafen hat?“

„Wir haben uns abgewechselt.“

„Für wie dumm hältst du mich eigentlich? Er heiratet dich!“

„Aus Nettigkeit. Sonst nichts.“

Eduardo lachte auf. „Por supuesto.“ Kopfschüttelnd verschränkte er die Arme vor der Brust. „Genau das ist der Grund, aus dem Männer heiraten. Aus Nettigkeit.“

Sie trat einen Schritt zurück. Ihre Kehle war wie zugeschnürt. „Meine Eltern wissen nicht, dass ich schwanger bin. Sie glauben, ich habe die Jobsuche aufgegeben und kehre nach Hause zurück.“ Mit brennendem Blick sah sie ihn an. „Ich kann nicht als ledige Mutter zurückgehen. Meine Eltern würden es nicht ertragen. Und Brandon ist der beste Mann der Welt. Er …“

„Das interessiert mich nicht. Ich will nur eins wissen. Ist. Das. Baby. Von. Mir.“

Callie atmete tief durch. „Bitte nicht“, flehte sie. Sie hasste den bettelnden Unterton in ihrer Stimme, doch sie konnte es nicht ändern. „Verlang nicht von mir, dass ich diese Frage beantworte. Gib mir die Chance auf eine Familie. Lass mich der Kleinen ein Zuhause geben.“

„Es wird ein Mädchen?“

Sie hätte sich ohrfeigen können. Widerstrebend blickte sie auf. „Ja.“

„Ein Mädchen“, wiederholte Eduardo.

„Ist doch egal. Du wolltest mich nicht, daran hast du keinen Zweifel gelassen. Das Kind geht dich nichts an, ebenso wenig wie ich. Vergiss es einfach.“

„Bist du verrückt?“ Hart packte er sie an den Schultern. „Du glaubst doch nicht, ich lasse zu, dass ein anderer Mann mein Kind aufzieht.“ Finster betrachtete er sie. „Wann genau ist der Geburtstermin?“

In der Ferne grollte Donner. Callie fühlte sich, als würde sie an einem Abgrund stehen. Der nächste Schritt würde alles entscheiden.

Wenn sie Eduardo die Wahrheit sagte, würde ihre Tochter niemals die idyllische Kindheit erleben, die sie selbst gehabt hatte. In der Sicherheit einer kleinen Stadt, in der jeder jeden kannte, umgeben von grenzenloser Natur. Ihr Kind würde mit Eltern aufwachsen, die sich hassten, und einen Vater ertragen, der tyrannisch und selbstsüchtig war.

Wenn ich nur wirklich so eine gute Lügnerin wäre, wie er glaubt, dachte Callie verzweifelt. Wenn sie es nur übers Herz bringen würde, ihm ein falsches Datum zu nennen, damit er annehmen konnte, Brandon sei der Vater!

Doch das schaffte sie nicht. „Am 17. September“, flüsterte sie traurig.

Eduardo starrte sie an. Dann verstärkte er den Griff um ihre Schultern. „Wenn auch nur die geringste Möglichkeit besteht, dass McLinn der Vater ist, sag es mir jetzt“, stieß er hervor. „Vor dem Vaterschaftstest. Wenn du lügst – oder dich auch nur geirrt hast – werde ich dein Leben zerstören. Und auch das von McLinn.“

Verzweifelt sah Callie ihn an. Er war erbarmungslos, das wusste sie. Drei Jahre lang hatte sie mitbekommen, wie rücksichtslos er als Chef eines riesigen Imperiums war. Und schließlich hatte sie es selbst erlebt. „Ich hatte auch nichts anderes von dir erwartet“, sagte sie.

„Ich werde dir alles nehmen, was dir wichtig ist. Ich denke, wir verstehen uns. Also überleg dir genau, was du sagst. Bin ich der …?“

„Natürlich bist du der Vater“, schrie sie. „Du bist der einzige Mann, mit dem ich jemals geschlafen habe.“

Erschüttert wich Eduardo zurück. „Bis heute? Erwartest du wirklich, dass ich das glaube?“

„Warum sollte ich lügen? Denkst du, ich finde es gut, dass du der Vater bist?“, fragte sie. „Ich wünschte von Herzen, es wäre Brandon. Er ist der einzige Mann, dem ich vertraue, der beste Mann der Welt! Nicht so ein selbstsüchtiger, nur am Geschäft interessierter Playboy, der niemandem traut, keine Freunde hat …“

Als er den Griff um ihre Schultern weiter verstärkte, verstummte sie. „Du hattest niemals vor, mir von dem Baby zu erzählen, stimmt’s?“, meinte er trügerisch sanft. „Du wolltest es mir vorenthalten und einen anderen Mann zu seinem Vater machen. Ich hätte nichts von der Existenz dieses Kindes erfahren.“

Ein Schauer lief ihr über den Rücken, dennoch hielt sie seinem Blick stand. „Das stimmt. Die Kleine wäre ohne dich besser dran.“

Eduardo schluckte, dann rang er sich ein Lächeln ab. „Das“, sagte er, und seine Augen funkelten, „ist die größte Lüge von allen.“

Wie zwei erbitterte Feinde standen sie sich gegenüber. In der Stille, die nun herrschte, hörte Callie das leise Rauschen des Regens in den Baumkronen und wusste, dass Eduardo recht hatte.

Acht Monate lang hatte sie sich eingeredet, dass er auf keinen Fall ein Baby wollte. Sein Junggesellendasein und die Arbeit bis tief in die Nacht ließen sich nicht mit einem Kind vereinbaren. Er würde ein entsetzlicher Vater sein, und deshalb war ihre Entscheidung die einzig richtige. Doch all die Zeit hatte sie in ihrem tiefsten Innern gewusst, dass das so nicht stimmte. Eduardo Cruz war selbst ein Waisenjunge, und er würde niemals ein eigenes Kind hergeben.

Nur die Mutter des Kindes würde ihm vollkommen gleichgültig sein.

Und genau das machte ihr Angst. Mit seinem Einfluss und seinem Geld würde Eduardo Cruz es mühelos schaffen, das alleinige Sorgerecht für sein Kind zu bekommen.

Forschend betrachtete er sie. „Du hättest es mir sofort sagen müssen.“

Ihr Herz war schwer. Callie fühlte sich schuldig, und gleichzeitig spürte sie, dass sie noch immer nicht über ihn hinweg war. „Wie hätte ich das machen sollen? Du hast mich rausgeworfen“, erinnerte sie ihn.

Eduardo presste die Lippen zusammen. Dann plötzlich huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Er streckte die Hand aus und strich ihr über die Wange. Ihre Haut prickelte bei der Berührung, und unvermittelt empfand Callie ein unwiderstehliches Verlangen. Alles in ihr sehnte sich danach, ihm nahe zu sein.

„Das wird Folgen für dich haben, querida“, sagte er tonlos. „Ganz gewiss.“

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