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Bittersüße Leidenschaft

Robyn Grady

Bittersüße Leidenschaft

1. KAPITEL

„Ich glaube, das ist unser Tanz.“

Die Stimme gehörte einem Mann, dessen Nähe Natalie Wilder nur zu bewusst war. Er stand direkt hinter ihr, und das löste beinah etwas wie Schmerz in ihr aus. Sie biss sich auf die Unterlippe, um ihre Gefühle im Griff zu behalten … Gerade wurde ein sehr melodisches und sanftes Musikstück gespielt.

Trotz des angenehmen Tonfalls hatte der Satz fast wie ein Befehl geklungen. Sollte sie so tun, als ob sie ihn überhört hätte? Schließlich hatte sie sich vorgenommen, sich von niemandem mehr unter Druck setzen zu lassen.

Aber die Faszination war stärker als Natalies Bedenken, und sie bewegte sich auf der gedämpft beleuchteten Tanzfläche von ihrem Tanzpartner weg, den sie gerade eben erst kennengelernt hatte.

Als sie sich mit klopfendem Herzen umwandte, blickte sie in ein Paar ebenso durchdringender wie charmanter Augen, die ihr zuzulächeln schienen. Im Saal hier kannte jeder der Anwesenden diesen Mann mit den kultivierten Umgangsformen. Seine Vorfahren waren aus Spanien gekommen, und ihn umgab die Aura des Geheimnisvollen. Mit seinem dunklen Teint verkörperte er genau den Männertyp, der einer Frau gefährlich werden konnte …

Natalie war nicht entgangen, dass er sie die ganze Zeit mit begehrlichen Blicken betrachtet hatte. Allein sein Name sprach ihre Fantasie an – und weckte eine tiefe Sehnsucht nach mehr …

„Alexander Ramirez, wenn ich mich nicht irre …?“ Sie versuchte, all ihren Charme in ihre Stimme zu legen.

Aus dunklen Augen sah er sie an. Der sinnliche Ausdruck seiner schön geformten Lippen verriet ihr, dass er es verstand, eine Frau glücklich zu machen. Höflich küsste er ihr die Hand und sagte leise: „Stets zu Ihren Diensten.“

Als Natalie an diesem Abend in Sydney eingetroffen war, hatte sie die herrliche Aussicht über den Hafen der größten Stadt Australiens genossen. Direkt am Wasser lag das in eigenwilligem Baustil errichtete Opernhaus, das an überdimensionale Muschelschalen erinnerte. Zur Linken erstreckte sich die Hafenbrücke in der Dämmerung als glitzernder Bogen, und das Licht des vollen Mondes spiegelte sich im Wasser.

Doch der Eindruck, den das Panorama hinterließ, so atemberaubend es auch sein mochte, war nicht annähernd so stark wie der dieses Mannes. Mit seiner legeren und souveränen Art wirkte er nahezu unwiderstehlich.

Vorsicht, warnte ihre innere Stimme sie, Annäherung auf eigene Gefahr!

Denn Mr. Ramirez in seinem tadellos sitzenden Smoking war alles andere als einfach nur nett … Natalies Tanzpartner, der erkannte hatte, dass er gegen eine Konkurrenz wie diese keine Chance hatte, bedankte sich und räumte das Feld.

Sofort zog Mr. Ramirez Natalie in seine Arme. Sie spürte seine Wärme und atmete den angenehm frischen Duft seines Rasierwassers ein. Die Ausstrahlung dieses Mannes war einfach überwältigend. Erotisch.

Mit dem Daumen beschrieb er kleine Kreise zwischen ihren Schulterblättern. „Finden Sie es nicht unhöflich, ein Tanzpaar zu trennen?“, fragte Natalie betont vornehm.

Während er begehrlich ihre Lippen betrachtete, antwortete er schlicht: „Nein.“

Natalie zog eine Augenbraue hoch, als sie die sanfte Berührung ihres Tanzpartners genoss. „So eine einfache Antwort?“

„Es war ja auch eine einfache Frage.“

Der Klang seiner Stimme hatte Natalie angesprochen wie das schmeichelnde Fließen edlen Satins – ein Gefühl, von dem sie unbedingt noch mehr wollte. Daher sagte sie: „Ich möchte noch etwas wissen.“

„Nur zu – fragen Sie.“

„Gehört es zu Ihren Gewohnheiten, Frauen vor allen Leuten mit Blicken auszuziehen?“

Als er sich zu ihr beugte, fiel ihm das glänzende dunkle Haar auf einer Seite fast bis über die Augen. „Eigentlich nicht. Aber heute Abend ist das etwas anderes.“

Sie lächelte. Ein Draufgänger, der wusste, was er wollte … „Wie, denken Sie, werde ich mich wohl dabei gefühlt haben?“

„Ich bin sicher, es hat Ihnen gefallen.“

„Mr. Ramirez, Sie sind unverschämt!“ Sie lachte.

„Und Sie sind wunderschön. So schön, dass ich versucht bin, Sie direkt von hier in mein Bett zu entführen.“

Natalie, die ein weißes, silber glänzendes Kleid trug, spürte, wie sich ihre Brustspitzen unter dem engen Oberteil aufrichteten. Allein schon der herausfordernde Blick sorgte dafür, dass ihre Körpertemperatur stieg. Aber so leicht würde sie es ihm nicht machen. Dazu war der Flirt mit ihm viel zu aufregend.

„Das dürfte kaum ein passendes Thema sein, hier …“, sagte sie und blickte zur Seite.

„Ich war noch nicht fertig“, unterbrach er sie, während er ihr leicht mit den Fingerspitzen über den Rücken bis zur Taille strich. Er zog sie fester an sich und flüsterte ihr ins Ohr: „Wenn du erst nackt in meinen Armen liegst und es vor Sehnsucht nicht mehr aushältst … Wenn ich dich mit Händen und Lippen verwöhne …“

Sie erbebte. „Was dann?“

„Das weißt du genau – und du freust dich schon darauf“, antwortete er mit einem hinreißenden Lächeln.

Ihr Herz schlug schneller. „Hat dir schon mal jemand gesagt, wie überheblich du bist?“

„Das würde niemand wagen.“

„Ich schon!“

„Warum bist du heute Morgen so früh aufgestanden?“, fragte er, während er die Hand auf ihrem Rücken tiefer gleiten ließ. „Ich habe dich zwar noch eine Stunde aufhalten können, aber zwei wären mir lieber gewesen.“

Beim Gedanken daran schmolz Natalie förmlich dahin. Dennoch wandte sie den Kopf zur Seite, als ob sie ihren Rücken hinabsehen würde, und fragte: „Ist die Hand nicht ein bisschen weit unten? Was sollen denn die Leute denken?“

„Sie werden sagen: Was für ein glücklicher Mann!“, antwortete er lachend.

Seufzend ließ sie die Finger über seine breiten Schultern gleiten und streichelte seine raue Wange.

Seit drei wunderbaren Monaten war er nun ihr Geliebter, und offenbar genoss er das Spiel der gegenseitigen Verführung genauso wie sie. Mit jedem Tag sehnten sie sich noch stärker nacheinander. Beide wussten es und genossen die wachsende Leidenschaft. Mal waren die Gefühle heftig und intensiv, dann gab es Momente, in denen sie einfach nur ihr Zusammensein genossen.

Doch von einer gemeinsamen Zukunft war nie die Rede – und daran würde sich auch nichts ändern. Denn die Vergangenheit ließ sich nicht ungeschehen machen …

Vor sechs Jahren hatte die damals siebzehnjährige Tallie Wilder aus Constance Plains erfahren, dass sie aus einem ganz bestimmten Grund an Gewicht zugelegt hatte. Aufgewühlt hatte sie Chris Nagars im Eisenwarenladen seines Vaters die Neuigkeit überbracht. Sie erwarteten ein Kind! Ihr Freund war sich mit der Hand durchs Haar gefahren, hatte seine Liebe beteuert – und am nächsten Tag die Stadt verlassen.

Tief enttäuscht hatte Tallie allen Mut zusammengenommen und ihren Eltern am sonntäglichen Mittagstisch davon berichtet.

Sie wollte das Baby bekommen.

Am Kopf der Tafel hakte Jack Wilder schweigend und wie in Trance die Daumen in die Hosenträger ein, während Tallies Mutter still in ihre Serviette weinte. Constance Plains war ein altmodisches Städtchen, wo die Schwangerschaft eines jungen Mädchens nicht unbemerkt bleiben würde. Und Tallie war bereits in der zwanzigsten Woche …

Einen Monat später war Tallie auf dem Nachhauseweg vom Lebensmittelladen, wo sie noch immer arbeitete. Sie träumte vor sich hin … wie es sein würde, Constance Plains den Rücken zu kehren und ein unabhängiges und erfolgreiches Leben zu führen … Plötzlich stolperte sie und schlug unglücklich auf dem Pflaster hin. Sofort spürte sie einen lähmenden Schmerz in ihrem Bauch und verlor Fruchtwasser.

In Windeseile brachten ihre Eltern sie in das kleine Krankenhaus mit nur sechs Betten, in dem sie selbst zur Welt gekommen war.

Die ganze Zeit über saß May Wilder am Bett ihrer Tochter und sah sie aus ihren grauen Augen voller Fürsorge und unendlicher Liebe an.

„Natürlich bleibst du mit dem Baby bei uns“, flüsterte May und trocknete Tallies Stirn, während die Hebamme das schwache Neugeborene versorgte. „Der Kleinen wird es an nichts fehlen. Dein Dad und ich sind uns einig.“

Das tapfere Mädchen lebte immerhin zwei Stunden.

Obwohl Pfarrer Roarke zuerst skeptisch die Augenbrauen hochgezogen hatte, wurde Katie May Wilder auf dem kirchlichen Friedhof bestattet. Ihr kleines Grab lag unter einem rot blühenden Flammenbaum. Auf dem Grabstein stand die Inschrift: Für immer unvergessen.

Nach einigen Wochen teilte der Arzt Tallie mit, dass sie womöglich keine Kinder mehr bekommen würde. Sie nahm die Nachricht ohne erkennbare Gefühlsregung auf. Dabei fühlte sie sich leblos, ohne Energie oder Hoffnung. Und machte sich selbst die größten Vorwürfe. Wenn sie, statt zu träumen, auf den Weg geachtet hätte …

Ein Vierteljahr später zog sie nach Sydney.

Seitdem besuchte sie an jedem ersten Montag im Monat ihre Eltern. Vor zwei Jahren war zwar der Vater gestorben, aber die Mutter backte nach wie vor Kuchen für wohltätige Zwecke.

Nach wie vor sahen die Leute Natalie hinterher, aber mit einem gewissen Trotz kümmerte sie sich nicht darum. Inzwischen wollte sie nicht mehr sterben … Im Grunde genommen fühlte sie allgemein immer weniger, so als wäre sie betäubt.

Bis Alexander kam.

Während sie sich zu der stimmungsvollen Musik und Beleuchtung langsam über die Tanzfläche bewegten, schmiegte sich Natalie, wie sie sich nun nennen ließ, an ihn. Er war groß und kräftig. Er hatte Wärme und eine positive Ausstrahlung.

Sie drückte sich gegen seine breite Brust, legte die Wange an das Revers seiner Anzugjacke und schloss die Augen.

Ein Happy End würde es für sie nicht geben. Natalie würde niemals eine eigene Familie haben, schon gar nicht mit Alexander Ramirez.

Bevor sie sich zum ersten Mal geliebt hatten, hatte er offen zugegeben, dass er noch keine feste Bindung wollte. Da er jedoch der letzte männliche Nachkomme seiner Linie war, würde er eines Tages heiraten und einen Stammhalter und Erben zeugen. Das war für ihn von größter Bedeutung. Die Mutter seiner künftigen Kinder würde über jeden Zweifel erhaben sein. Ihr musste das Familienleben ebenso viel bedeuten wie ihm, und sie sollte aus gutem Hause stammen. In diesem Punkte war Alexander das Beste gerade gut genug.

Natalie war nicht verletzt. Mit ihr hatte das nichts zu tun.

Offenbar ging es ihm einfach nur darum, dass sie rechtzeitig Bescheid wusste, bevor sie miteinander schliefen. Wie sollte sie ihm wegen dieser Aufrichtigkeit böse sein?

Ein wenig hatte er sich darüber gewundert, wie leicht sie akzeptiert hatte, dass es eben nur so lange gehen würde, wie sie beide Spaß daran hatten. Verpflichtungen sollten daraus nicht entstehen. Aber Natalie war klar, dass sie nicht die Frau war, die Alexander eines Tages heiraten würde. Sie als Schulabbrecherin! Mit ihrer Vergangenheit und ihrem leeren Herzen …

Und doch fand sie es reizvoll, sich vorzustellen, sie wäre gut genug für einen so außergewöhnlichen Mann wie Alexander. Wenigstens heute Abend wollte sie so tun!

„Tut mir leid, dass ich mich verspätet habe“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Ich stehe kurz davor, die Zusage für das medizinische Forschungsprojekt zu bekommen, von dem ich dir erzählt habe. Heute Nachmittag tauchte überraschend Dai Zhang auf und wollte noch mal alles durchsprechen, bevor er nächste Woche unterschreibt.“

Den Namen Zhang hatte Alexander schon mehrmals erwähnt. Wie bei den meisten seiner Projekte suchte er auch diesmal einen Mitfinanzierungspartner für die Entwicklung eines Arzneimittels. Vor allem, was Dialysepatienten betraf, versprach das neue Medikament gute Erfolge.

Dass allerdings vergleichbare Mittel in der Testphase gescheitert waren, ließ den vorsichtigen chinesischen Unternehmer zunächst zögern. Aber nun war bei den Verhandlungen offenbar ein Durchbruch erzielt worden.

„Ich hätte dich wirklich gern abgeholt“, flüsterte Alexander und küsste sanft ihre Schläfe.

Tatsächlich hatte sich ihr der Magen leicht zusammengezogen, als sie ohne Begleitung den Ballsaal betreten hatte. Alexanders Eltern lebten nicht mehr, doch Natalie sollte an diesem Abend Teresa Ramirez kennenlernen, seine Schwester und die einzige Person, auf die er hörte.

Wie würde sich Teresa verhalten? Natalie passte nicht in die gesellschaftlichen Kreise, in denen die Ramirez’ verkehrten. Andererseits brauchte sich seine Schwester keine Sorgen zu machen, denn Natalie hatte nicht vor, einzuheiraten.

Lächelnd legte sie Alexander die Hand auf die Schulter. „Du warst ja schon in der Stadt. Da lag es doch für mich nahe, von Manly aus ein Taxi zu nehmen. Außerdem war ich höchstens fünf Minuten vor dir da.“

Aufmerksam betrachtete er sie und fragte: „Bist du immer so verständnisvoll?“

Mit einem stillen Lächeln nickte sie. Bei ihrer Vorgeschichte stand es ihr kaum zu, anderen Vorwürfe zu machen.

„Nach diesem Tanz stelle ich dich Teresa und ihrem Verlobten vor“, verkündete Alexander und strahlte sie mit seinen dunklen Augen an. „Sie werden dich mögen.“

Natalie unterdrückte ein Seufzen. Sie würde nicht darum herumkommen, obwohl es ihr lieber gewesen wäre, nichts von dieser Affäre verlauten zu lassen. Wenn sie sich eines Tages trennen würden, wäre es bedeutend leichter so: keine Erklärungen oder peinliche Zufallsbegegnungen mit Freunden oder Familienmitgliedern – einfach ein schlichtes Mach’s gut. Es war schön mit dir.

Während sie Wange an Wange weitertanzten, überlegte Natalie, wer von ihnen wohl eines Tages den Schlussstrich ziehen würde. Er oder sie? Als Haupterbe der Ramirez-Millionen und erfolgreicher Kapitalanleger würde Alexander sich vermutlich eher früher als später von ihr trennen. Er kannte Schauspielerinnen, reiche Erbinnen und sogar eine Gräfin aus Europa. Außerdem war Natalie sicher nicht Alexanders erste Geliebte – und wohl kaum seine letzte.

Vielleicht aber würde sie Schluss machen. Denn obwohl sie eine unverbindliche Beziehung auf Zeit vereinbart hatten, wurde Alexander ihr gegenüber immer offener und interessierte sich mehr und mehr für ihr Leben. Fragen über ihre Vergangenheit konnte Natalie nicht ertragen, und ihre schmerzlichen Erinnerungen teilte sie mit niemandem – nicht einmal mit Alexander.

Doch an diesem Abend wollte sie einfach so tun, als ob der Traum vom Zusammensein mit ihm nie enden würde.

„Alexander, jemand möchte Sie sprechen.“

Alexander bewegte sich von seiner wundervollen Tanzpartnerin weg und sah Paul Brennan an, seinen Leibwächter, der mächtig wie eine Eiche neben ihm stand. Wie immer wirkte Paul zwar etwas verschlossen, aber dabei energisch und unbedingt loyal.

Während des ganzen anstrengenden Tages hatte sich Alexander nichts sehnlicher gewünscht, als endlich Natalie Wilder in den Armen zu halten. Wer, zum Teufel, wagte es, ihn mitten in einer Familienfeier zu stören?

Schon beantwortete Paul die unausgesprochene Frage. „Es ist Mr. Davidson.“

„Und, was will er hier?“, fragte Alexander stirnrunzelnd.

„Ich fordere ihn auf zu gehen“, schlug Paul vor, doch Alexander hielt ihn zurück.

War es etwas Geschäftliches? Vor einigen Monaten war Joe Davidson bei einer Vergabe nur Zweiter geworden. Oder ging es um private Dinge? Vielleicht um seine Tochter? Alexander und Bridget Davidson waren kurze Zeit miteinander ausgegangen, doch das war bereits ein halbes Jahr her. Alexander hatte nichts gegen Bridget, aber warum das Ende hinausschieben, wenn keine wirkliche Anziehungskraft bestand? Also hatten sie sich in gutem Einvernehmen getrennt.

Er atmete tief aus und nickte. „Ich komme.“ Sicher war es am besten, die Sache möglichst schnell zu klären, um die Party nicht zu stören. Schließlich hatte sich seine Schwester wochenlang mit den Vorbereitungen für den heutigen Abend beschäftigt, angefangen beim Buffet über die Musik bis hin zu den vielen rosa und goldenen Luftballons.

Alexander mochte ihren Verlobten. Wie stets hatte sie guten Geschmack bewiesen. Zachery Todd kam aus gutem Hause, war ein sympathischer Typ und betete Teresa förmlich an. Beide konnten es kaum erwarten, Kinder zu haben.

Nachdenklich betrachtete Alexander die faszinierende Frau, die vor ihm stand.

Verlobung … Kinder …

Mit dreißig begann ein Mann, sich Gedanken zu machen …

Natalie, die seinen Blick falsch verstand, machte rücksichtsvoll einen Schritt zurück. „Ist schon gut, ich warte hier.“

Doch Alexander nahm sie bei der Hand. „Ich habe versprochen, heute Abend an deiner Seite zu bleiben. Komm doch einfach mit. Es dauert sicher nicht lange.“

„Hast du etwa Angst, dass dir jemand den nächsten Tanz klaut?“, spöttelte sie.

„Du kannst tanzen, mit wem du willst.“ Lachend küsste er sie auf die Stirn. „Hauptsache, ich bin es!“

Gleich darauf standen sie dem ungebetenen Gast gegenüber. Alexander streckte ihm die Hand hin, die dieser allerdings geflissentlich übersah.

Alexander unterdrückte seinen Ärger, ließ die Hand sinken und fragte: „Was gibt es für ein Problem?“

Mit einem unfreundlichen Seitenblick auf Natalie sagte Mr. Davidson: „Ihre Freundin wird das, was ich zu sagen habe, nicht gern hören.“

Alexander biss die Zähne aufeinander. Er war ein geduldiger Mann, aber für solche Spielchen hatte er keine Zeit. Vor allem nicht an diesem Abend. „Wir feiern die Verlobung meiner Schwester. Sie werden verstehen, dass ich mich dabei ungern länger unterbrechen lasse. Bitte kommen Sie zur Sache.“

Mr. Davidson errötete, und er sprach so leise, dass die Musik ihn beinah übertönte. „Bridget ist schwanger, und es geht ihr nicht gut. Gar nicht gut.“

Alexander überlegte. Er hatte einen guten Freund, der ein sehr kompetenter Frauenarzt war. Mr. Davidson wusste das. Wandte er sich deshalb Hilfe suchend an ihn? Aber wieso war der Vater des Babys nicht mitgekommen? Taktvoll sagte Alexander: „Ich wusste gar nicht, dass Bridget verheiratet ist.“

Scharf sog Mr. Davidson die Luft ein. „Ist sie auch nicht.“

„Und was hat das alles mit mir zu tun?“

Mr. Davidson sah Alexander wütend an und machte einen Schritt auf ihn zu, aber Paul hielt ihn am Ellbogen zurück.

„Ist schon gut, Paul“, meinte Alexander. „Ich komme klar.“ Zu Mr. Davidson gewandt, sagte er: „Falls Sie glauben sollten, das Kind wäre von mir, sind Sie auf dem Holzweg. Zwischen Bridget und mir ist schon lange Schluss.“

„Wie lange? Seit sechs Monaten?“

Alexanders erschrak. Er und Bridget hatten nur einmal miteinander geschlafen. Außerdem schützte er sich immer. Bis auf eine einzige Ausnahme …

Kann das möglich sein? fragte er sich erschüttert.

2. KAPITEL

Während die Partygeräusche langsam wieder in Alexanders Bewusstsein traten, verschränkte Joe Davidson die Hände vor der Brust. „Also … so wie es aussieht, werden Sie um einen Vaterschaftstest nicht herumkommen.“

Alexander schluckte. „Zuerst möchte ich mit Bridget sprechen.“

„Warum? Um sie mit Geld zum Schweigen zu bringen?“, fragte Mr. Davidson mit zusammengekniffenen Augen. „Selbst wenn Sie noch so viel zahlen, Sie werden sich nicht aus der Verantwortung stehlen!“ Schimpfend fuhr er fort: „Sie und Ihre ach so reiche und mächtige Familie! Dabei weiß jeder, woher Ihr Großvater sein Geld hatte. Im Grunde war Juan Ramirez nichts weiter als ein Gauner.“

Alexander machte einen Schritt auf Mr. Davidson zu – eine unauffällige, aber eindeutige Warnung, nicht zu weit zu gehen. „Das will ich überhört haben.“

„Zuerst hat Bridget es für sich behalten. Bis sie sich schließlich ihrer Mutter anvertraut hat.“ Mr. Davidson lachte bitter. „Ist so etwas zu glauben? Obwohl Bridgets Leben jetzt verpfuscht ist, wollte sie nicht, dass etwas an die Öffentlichkeit kommt. Um Sie vor einem Skandal zu bewahren!“

„Das Leben Ihrer Tochter ist nicht verpfuscht“, mischte Natalie sich ein. „Sie wird ein wunderschönes Baby haben, und …“

Alexander beschwichtigte sie und wies mit dem Kinn zur Tür. „Ich glaube, es wird Zeit, dass Sie gehen, Joe.“

„Kommen Sie!“, forderte Paul Brennan ihn auf. „Ich begleite Sie hinaus.“

„Glauben Sie ja nicht, dass Sie diese Angelegenheit unter den Teppich kehren können, Mr. Ramirez“, sagte Mr. Davidson zornig. „Es ist nicht mehr so wie früher, als Familien wie Ihre die Leute mundtot gemacht haben. Meiner Tochter steht Schadenersatz zu!“ Während Paul ihn an der Schulter fasste und ihn bestimmt zum Ausgang führte, rief Joe noch: „Sie hören von meinen Anwälten!“

Als er den Saal verlassen hatte, nahm Alexander Natalie am Arm und ging mit ihr zurück zur Party – gerade als die Musik eine Pause machte.

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