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Bist du unterliebt? | Selbstliebe für Anfänger

Bist du unterliebt? – Selbstliebe für Anfänger – edition a

Inhalt

UNTERLIEBT  ♥  Eine Vorwortgeschichte

UNTERLIEBT  ♥  Ich. Mit H und S

UNTERLIEBT  ♥  Sie und ich

UNTERLIEBT  ♥  Vertrauen Sie mir?

UNTERLIEBT  ♥  Ich habe Angst vor Ihnen

UNTERLIEBT  ♥  Ich und meine virtuellen Leser

UNTERLIEBT  ♥  Worum geht es überhaupt?

UNTERLIEBT  ♥  Der Superbowl

UNTERLIEBT  ♥  Obama, Europa und wir selbst

UNTERLIEBT  ♥  Der Kalte Krieg und die Formel: Lt = Ls + Lo

UNTERLIEBT  ♥  Unsere Formel: Lg = Ls + Lf

[WIEN-QUIZ]  ♥  Frage 1

UNTERLIEBT  ♥  Ihre persönliche Liebesformel

[WIEN-QUIZ]  ♥  Frage 2

UNTERLIEBT  ♥  This Crazy Little Thing called Love

UNTERLIEBT  ♥  Die Liebenswert-Übung

UNTERLIEBT  ♥  Über den Selbstwert, das Selbst und den eigenen Willen

[WIEN-QUIZ]  ♥  Frage 3

UNTERLIEBT  ♥  Symptome der Unterliebe

UNTERLIEBT  ♥  Konstruktion unseres Selbstwertes

UNTERLIEBT  ♥  Die Glücklichen, die Opfer und die Versager

UNTERLIEBT  ♥  Das Große Leiden

[WIEN-QUIZ]  ♥  Frage 4

UNTERLIEBT  ♥  Eine Engelsgeschichte

UNTERLIEBT  ♥  Die Filtertheorie

UNTERLIEBT  ♥  Der Kampf des Lebens um die Selbstliebe

UNTERLIEBT  ♥  Die Analyse des Kampfes

UNTERLIEBT  ♥  Der Sei kein Egoist!-Hammer

[WIEN-QUIZ]  ♥  Frage 5

UNTERLIEBT  ♥  Der Angst, Angst, Angst-Würgegriff

UNTERLIEBT  ♥  Die Selbstliebeattacken auf der Wahrnehmungsebene

UNTERLIEBT  ♥  Die Komedo am Gesäß-Übung

UNTERLIEBT  ♥  Die Selbstliebeattacken auf der Wahrnehmungsebene, Teil II

[WIEN-QUIZ]  ♥  Frage 6

UNTERLIEBT  ♥  Die Selbstliebeattacken auf der Interpretationsebene

UNTERLIEBT  ♥  Nur für Leserinnen.

UNTERLIEBT  ♥  Die Selbstliebeattacken auf der Interpretationsebene Teil II

UNTERLIEBT  ♥  Die Geschichte vom Lavendelsträußchen

[WIEN-QUIZ]  ♥  Frage 7

UNTERLIEBT  ♥  Die Selbstliebeattacken auf der Verhaltensebene

UNTERLIEBT  ♥  Das Selbstliebe-Service. Zeit für einen Filtertausch

UNTERLIEBT  ♥  Das wertschätzende Interview

[WIEN-QUIZ]  ♥  Frage 8

UNTERLIEBT  ♥  Über die berechnende, absichtsvolle Fremdliebe

UNTERLIEBT  ♥  Zeit für einen liebevollen Abschied

[WIEN-QUIZ]  ♥  Auflösung

UNTERLIEBT  ♥  Nur mehr Sie und ich. Wir beide

NACHWORT von Roland Düringer

UNTERLIEBTEine Vorwortgeschichte

Ein grauer Oktobertag 1998. Irgendwo in der Steiermark.

Ein großes österreichisches Unternehmen hat mich beauftragt, seine Mitarbeiter zu motivieren und sie auf die neue Strategie einzuschwören. Ich bin für zwei Tage gebucht. Ein Blick aus dem Hotelzimmerfenster. Draußen ist es grau. Nebel. Die wunderschöne Steiermark gibt sich bedeckt. Ich nehme meine Unterlagen und trete auf den Gang hinaus. Kalte Beleuchtung. Ich gehe den langen Gang zum Seminarraum. Vorbei an Bildern von Rom, Florenz und Venedig. Was soll ich mit diesen Bildern? Hotels erzählen oft sehr eigenartige Geschichten. Ich betrete den Seminarraum.

Das Licht ist grau. Die Tische sind grau. Die Sessel sind grau. Die Pinnwände sind grau. Draußen der Nebel. Der Teppich ist schwarz, wegen der Flecken. Der Kaffee ist farblich eher schwer zu definieren. Ich nehme mir trotzdem einen. Setze mich und warte. Vor mir nehmen die 23 Teilnehmer nach und nach Platz. Die Unterhaltung ist spärlich. Lachen fehlt. Die Gesichter sind fahl. Die Zahlen sind rot. Deshalb hat mich ja das Unternehmen gebucht. Deshalb ja auch die neue Strategie. Ich soll die Widerstände gegen die neue Strategie behandeln und die Menschen zu neuen Höchstleistungen anspornen. Wenn ich gute Arbeit mache, werden die Zahlen dann auch wieder grau, vielleicht sogar schwarz.

Die im Raum vorhandene Energie kannst du mit einem alten Wettex zusammenwischen. Die Angst ist spürbar. Gepaart mit Unlust. Wenn die selbst entscheiden könnten, wären die sicher nicht hier. So gut sind die Brötchen auch nicht.

23 Menschen.

Ich mach mir meine üblichen Gedanken. Fühle mich in die Gruppe ein. Wen hab ich denn da so vor mir? Nach meinen damaligen Erfahrungswerten:

• 8, die gerne eine Beziehung hätten

• 12, die sich in ihrer Beziehung nicht mehr  wohl fühlen

• 16, die sexuell frustriert sind

• 2, die sexuell missbraucht worden sind

• 1-2, die bereits lösungsorientiert über Selbstmord nachdenken.

• 6, die ein ausgeprägtes Helfersyndrom haben

• 5, die unfruchtbar sind

• 4, deren Kinder drogenabhängig sind (vorzugsweise Pharmazeutika)

• 6, die ihre Kinder schlagen

• 7, deren bester Freund der Alkohol ist

• 14, die sich fragen, wozu mach ich den ganzen Blödsinn eigentlich noch. Und damit nicht nur diesen Workshop meinen.

• 5, die viele Überstunden machen, um sich ihren Therapeuten leisten zu können, der ihnen dann sagt, sie sollen keine Überstunden machen.

• 9, die viele Überstunden machen, um es dem Papa oder wem auch immer zu beweisen

• 17, die einfach Angst haben. Vor dem Atomkrieg und dem Leben überhaupt. Besonders davor, dass ihnen das Geld ausgeht. Das war 1998. Heute haben die Menschen weniger Angst vor dem Atomkrieg. Dafür fürchten sie sich vor Terror und Überfremdung. Die Geldangst ist noch immer da.

• 9, die sich als Opfer der Umstände fühlen

• 6, die sich mit ihren Wünschen an das Universum richten

• 5, die sich komplett auf ihr Großhirn konzentrieren. Gefühle – nein, danke!

• 13, die den Job wechseln möchten

• 18, die den Job nicht verlieren möchten. (Da sind auch ein paar dabei, die den Job gerne wechseln würden. Diese Ambivalenz ist ein weit verbreitetes Phänomen. Gibt es auch in Beziehungen.)

• 11, die sich nicht sicher sind, ob sie’s noch darennen

• 22, die sich denken, was will der Trottel da vorne eigentlich

• 1, der 23., sitzt noch am Klo

Diese Truppe soll ich nun begeistern und zur Höchstform führen. Zum Glück haben die meisten dieser 23 Menschen auch tolle Fähigkeiten. Die sind auch begeisterungsfähig. Energie ist genug da. Sie ist nur gut versteckt und im Schlummermodus. Ich muss sie nur wecken. Ich werde diese Menschen und ihre Energie in den nächsten Stunden zum Erblühen bringen. Ich bin gut. In spätestens 15 Minuten lächelt die oder der erste. Nach zwei Stunden, spätestens aber am Ende des Vormittags gehören sie mir alle.

Doch an diesem tristen Oktobertag stelle ich mir zum ersten Mal bewusst die Frage: »Warum sind die eigentlich so schlecht drauf?« Auf die Welt sind die ja alle ganz anders gekommen. Und jetzt das da.

Bis zum Abend stehen auf meinem Block dann noch die Fragen:

• »Wer hat die so gemacht?«

• »Wer braucht solche Menschen?«

• »Wer hat einen Nutzen davon?«

• »Was kann man dagegen machen?«

Jetzt, an diesem grauen Oktobertag in der Steiermark, warten diese 22 Menschen darauf, dass ich beginne. Ich warte auf den 23., der hoffentlich bald vom Klo kommt. Die Tür geht auf. Da ist er endlich. Murmelt irgendeine Entschuldigung, die niemanden interessiert. Ich beginne meine Arbeit. Auf der Flipchart steht mein Name.

UNTERLIEBTIch. Mit H und S.

Mein Name ist Eugen Prehsler, Prehsler mit H S. Das ist die alte Schreibweise für das scharfe ß. Mein Vater hat sich erfolgreich gegen die Veränderung unseres Familiennamens gewehrt. Das war damals in den Siebzigern, glaube ich. Wir sind die einzigen Pressssler mit H S.

Das ist Ihnen wohl ziemlich egal. Auch gut. Aber Vorstellen gehört nun mal zum guten Ton.

Ich habe Handelswissenschaften und Kunstgeschichte studiert. Mit 25 gründete ich meine eigene Firma. Die besteht heute noch. Angefangen habe ich mit Fernostimporten. Dann wurde ich Unternehmensberater, Trainer und Coach. Mit 22 habe ich geheiratet. Ulli. Wir sind noch immer zusammen. Ich bin 56 und vierfacher Vater. David 34, Sarah 32, Rafael 29 und Hannah 26. Diese Namen haben wir gewählt, weil sie uns gefielen und weil sie international sind. Wir wollten damals auswandern. Südamerika oder Neuseeland. Großvater bin ich auch schon. Paul 1. Nein, nicht Paul der Erste, sondern Paul der Einjährige.

UNTERLIEBTSie und ich.

Ich habe keine Ahnung, wer Sie sind und wie Sie heißen. Ich freue mich aber sehr, dass Sie da sind. Ein Buch ohne Leser hat wenig Sinn. Herzlich willkommen. Mögen Sie Ihren Namen? Hat das Einfluss auf Ihren Selbstwert und Ihre Selbstliebe? Würden Sie gerne anders heißen? Wie denn? Bei den alten Römern konnte man seine Kinder einfach durchnummerieren. Im Jahr 134 hätte ich unsere Kinder Primus, Sekunda, Tertius und Quarta nennen können. Das hätte ich mir sicher leichter gemerkt. Ob meine Jüngste eine große Freude gehabt hätte, ihr ganzes Leben lang die Vierte zu sein, bezweifle ich aber eher. Waren Sie vielleicht Ihr Leben lang nur der Zweite oder die Dritte, auch wenn Sie Karl oder Lydia heißen? Wenn die Geschwister einem selbst vorgezogen werden, geht das auch ganz schön auf den Selbstwert. Manche Indianerstämme haben sich bei ihren Namen auf Ereignisse bezogen. Der mit dem Wolf tanzt kennen Sie wohl. Oder Adya. Das bedeutet an einem Sonntag geboren. Die indianische Sprache ist offensichtlich effizienter als die deutsche. Name ist das aber auch keiner, oder? Wie könnte das in unserem Kulturkreis aussehen? Würden wir dann vielleicht so heißen: Schlechtes Fernsehprogramm, Ergebnis eines Firmenweihnachtsfeierquickies, doch noch nicht Klimakterium, der Retortensieger, der mit den Steuergeldern in die Schweiz geflüchtet ist oder Größter gemeinsamer Nenner einer Patchworkfamilie? Das kommt auch nicht wirklich gut. So etwas schreibt man nicht auf seine Visitenkarte. Vielleicht gäbe es aber auch Namen wie während einer Vollmondnacht in Liebe gezeugt. Das wäre zwar schon ein schöner Name, nur in unserer Kultur wohl auch eher alltagsuntauglich. Können Sie sich vorstellen, sich so am Telefon zu melden. »Guten Tag. Sie sprechen mit Der während einer Vollmondnacht in Liebe Gezeugte. Was kann ich für Sie tun?« Wäre schon etwas anderes. Auf jeden Fall einmal Verwirrung auf der anderen Seite. Unser Name ist Teil unserer Identität. Unsere Identität hat viel mit unserem Selbstwert zu tun.

Wie gesagt, Ihren Namen kenne ich nicht. Ich weiß gar nichts über Sie. Auch nicht, in welcher Verfassung Sie gerade sind. Welche Emotionen Sie gerade haben. Vielleicht sind Sie heute wie ein angerotztes Taschentuch komplett energielos aus dem Bett rausgefallen, haben sich dann zur U-Bahn geschleppt, sind in der stinkenden U-Bahn zur Arbeit gefahren oder im Stau zur Arbeit gestanden. Dort war es auch unlustig. Zuerst der Kaffeeautomat. Fünf Tropfen in die Tasse, der Rest daneben. Schon die ersten Kaffeeflecken auf der neuen Anzugshose oder auf dem Kostüm. Dann den PC aufgedreht und die frohe Botschaft vernommen: größtmöglicher Fehler. Der Chef war grantig, die Kunden waren nervig. Und jetzt flüchten Sie sich in Ihrer Energielosigkeit in meine Seiten, um zu entspannen. Oder sich abzureagieren. Vielleicht suchen Sie gerade jemanden, auf den Sie böse sein, den Sie niedermachen können. Das hilft ja kurzfristig gegen eine Selbstwertdelle. Wenn dem so ist, bin ich froh, dass Sie das nur verbal ausleben können. Würde ich auf einer Bühne stehen, könnten Sie mich ja mit faulen Eiern und verschimmelten Paradeisern bewerfen.

Vielleicht sind Sie heute in der Früh voller Begeisterung und Energie aus dem Bett gesprungen. Mit einem Lächeln auf den Lippen. Haben den Tag und das Leben begrüßt. Sind freudestrahlend in die Arbeit gefahren. Das hat die anderen in der U-Bahn oder im Stau sicher sehr irritiert. Wahrscheinlich auch Ihre Kollegen am Arbeitsplatz. Sie ließen sich aber nicht beirren und hatten ein Erfolgserlebnis nach dem anderen. Sie bekamen jede Menge Anerkennung von allen Seiten. Sogar der Chef hat Ihnen auf die Schulter geklopft. Sie waren in Höchstform und das Leben war gut zu Ihnen. Und jetzt gönnen Sie sich für diesen glorreichen Tag als Belohnung ein paar Seiten mit mir. Also ich als Belohnung für Sie… das gefällt mir schon sehr gut. Da bedaure ich, dass wir uns nur hier im Buch treffen und nicht irgendwo an einer Bar oder auf einer gemeinsamen Wanderung den Strand entlang oder rauf in die Berge. So gut, wie Sie drauf sind, könnten wir auch miteinander kochen. Ich mach das gerne mit Menschen, die gerade das Leben lieben. Vielleicht eines Ihrer Lieblingsrezepte. Oder eines von meinen 148. Zum Beispiel Serbische Vögerl. Das ist von meiner Frau. Sie hat mir aber die Erlaubnis gegeben, es Ihnen zu verraten. Obwohl sie auch nicht weiß, wer Sie sind. Bisher wurde dieses Rezept nur mündlich innerhalb der Familie weitergegeben. Jetzt also zum ersten Mal der Öffentlichkeit preisgegeben. Ihnen. Nehmen Sie das als meinen Vertrauensvorschuss an Sie.

Serbische Vögerl

Man nimmt Schopfbratenscheiben, so ca. 1 cm stark. Zart klopfen (so eine Angabe kann nur aus Frauenmund stammen). Auf beiden Seiten salzen und pfeffern. Auf der Innenseite mit Senf bestreichen. Dann Gurkerln und Pfefferoni in kleine Stifte schneiden und auf die Senfseite legen. Einrollen und mit Zahnstochern oder kleinen Metallspießchen fixieren. Mit Butter einstreichen und ab in den Griller. Jeweils ca. 10 Minuten auf beiden Seiten. Dann noch einmal wenden und richtig schön braun-krustelig werden lassen. Fertig.

Dazu Reis. Wir wollen ja gesund essen.

Und ein herrliches Bier.

Für mich ist der ultimative Genuss der Bratensaft.

Ein Wahnsinn!

Und nachhaltig. Ich trage davon seit Jahren sicher so zwei bis drei Kilos mit mir rum.

Übrigens: Sollten Sie oder einer Ihrer Verwandten, Bekannten, Freunde doch wider Erwarten dieses Rezept schon kennen – bitte gleich melden.

Vom Namen her gehe ich davon aus, dass früher das Rezept wirklich mit gefangenen Singvögeln gemacht wurde. Wahrscheinlich hat man diese gefüllt. Singvögel waren ja nicht nur in Italien, sondern auch am Balkan klassische Pausenschmankerln.

Ich habe aber weder in Serbien noch in Italien – noch im weltweiten Netz – Spuren von diesem Rezept gefunden.

Vielleicht werden die Serbischen Vögerl ja einmal immaterielles UNESCO-Welterbe.

Danke Ulli. Meine Frau kocht wirklich gut. Und ich esse sehr gut. Komplementäre Fähigkeiten sozusagen. Das ist eine starke Basis für 34 Jahre Ehe.

UNTERLIEBTVertrauen Sie mir?

Wenn Sie zur Schweinefleischfresserherde und zum Stamm der Biertrinker gehören, dann hat Ihnen dieser Kasten wahrscheinlich Freude gemacht und Sie sind jetzt hungrig. Ich habe Ihr Vertrauen schon ein bisschen gewonnen. Wir haben ja etwas Gemeinsames. Wenn Sie zur veganen Herde gehören und Ihre Lieblingsflüssigkeit ist Kräutertee oder naturtrüber Apfelsaft mit Leitungswasser gespritzt oder wenn Sie strenggläubiger Moslem sind, dann ist die Geschichte eher nicht gut angekommen. Vielleicht haben Sie sich sogar beleidigt gefühlt und sind jetzt böse auf mich. Überhaupt, wenn Ihr heutiger Tag eh schon nicht so gut war. Dabei geht es nur um ein altes Rezept. Und Sie sind schon misstrauisch. Nur weil ich anders bin als Sie.

Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, wer Sie sind, was Sie gerne essen und mit welchen Erwartungen Sie in dieses Buch gekommen sind.

Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Nehmen Sie sich ein Glas schönen Rot- oder Weißwein oder ein kühles Bier. Wenn Sie eher von der Antialkoholfraktion sind, dann eben den gesunden Kräutertee oder einen herrlichen naturtrüben Irgendwassaft. Unser Rendez-Vous wird länger dauern, vielleicht sogar bis zum Morgengrauen. Legen Sie sich eine schöne CD ein oder laden Sie sich etwas Gutes aus dem Internet runter. Bei mir spielt gerade Ali Farka Touré – Musique d'Afrique »African Odyssey«. Hat mir meine ältere Tochter Sarah geschenkt. Die Sekunda. Wunderbar. Beides, die Musik und meine Tochter.

UNTERLIEBTIch habe Angst vor Ihnen

Ich denke und schreibe, deshalb bin ich. Sie nehmen sich, was Sie brauchen. Einverstanden? Das ist ein faires Abkommen, finde ich. Ich bin ja in der schwächeren Position. Ich oute mich hier ja, während Sie in Ihrer Anonymität den Daumen nach oben oder nach unten richten können. Anonymität macht Menschen anders, mit einer Tendenz zu gefährlich. Die Aktiengesellschaft heißt ja im Französischen so beeindruckend ehrlich société anonyme.

Jetzt hab ich mir selbst Angst gemacht. Vor Ihnen. Sie sind irgendwo da draußen und haben die Macht, mir wohl gesonnen zu sein oder mich zu zerstören. Sie können über dieses Buch in den höchsten Tönen schwärmen oder es vollkommen zerreißen. Ob Sie das tun, in welcher Intensität und auf welche Art, hängt sehr von Ihrem Selbstwert ab. Wahrscheinlich mehr als von der Qualität meiner Gedanken und meiner Art zu schreiben. Puhhh. Unter Angst denkt es sich so schlecht. Da will ich Ihnen dann gefallen, damit Sie mir nichts Böses tun. Irgendwie bin ich ja von Ihrer Anerkennung abhängig. Sie kennen das sicher aus Ihrem Alltag. Menschen, die sich ständig anbiedern, andere anschleimen. Manchmal aus Berechnung, meistens aus Angst. Ich mag das nicht. Ich mache das auch bei Ihnen nicht. Soll ich Ihnen vielleicht schreiben, dass Sie mein Traumleser oder meine Wunschleserin sind? Dass Sie tolle Augen, ein bezauberndes Lächeln und eine attraktive Ausstrahlung haben und mich total inspirieren? Dass ich mein ganzes Leben nur auf Sie gewartet habe? Das Sie ein einzigartiges Original sind? Also ehrlich, wenn das bei Ihnen funktioniert und Sie sich darüber freuen, dann haben Sie schon ein wirklich großes Selbstwert- und Selbstliebeproblem. Die natürlichere und angemessenere Reaktion wäre, dass Sie einfach angeekelt sind, mich einen oberflächlichen und penetranten Psychofuzzi schimpfen und das Buch im Altpapier entsorgen.

Da sind wir also. Sie mit Ihrer Macht der Anonymität und ich mit meiner Angst vor Ihnen. So geht das nicht. Da kann ich nicht schreiben. Ich brauche ein konkretes Vis-a-Vis. Ein möglichst nettes, das mich hie und da anlächelt und mir Mut macht. Ich könnte mich jetzt in die Marktforschung flüchten und Sie in ein Zielgruppenprofil oder einen Cluster pressen. Der durchschnittliche Leser ist weiblich, über 45, einmal geschieden, bereits mit Therapieerfahrung und überfordert durch den eigenen Perfektionismus. Sie liest auch die folgenden Bücher xy. Gibt jährlich 86 Euro für Bücher und 198 Euro für Frauenmagazine aus. Oder die Kernzielgruppe sind Männer zwischen 38 und 52, in gehobenen Führungspositionen mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 68.000 Euro. Verheiratet, 1,47-facher Vater mit einem außerehelichen Verhältnis. In der Midlifecrisis auf der Suche nach dem Selbst und Anzeichen von Burn Out. Ich mag so etwas nicht. Sie wohl auch nicht. Obwohl wir beide ständig in solche Cluster und Zielgruppendefinitionen gepresst werden. Wir machen das hier aber nicht. Mir ist das zu wenig konkret, zu wenig menschlich und zu wenig individuell. Ein bisschen würdelos und auf jeden Fall zu wenig wertschätzend. Außerdem trifft diese Merkmalkonsolidierung auf Sie wahrscheinlich nicht zu. Sie sind dann eine statische Abweichung. Mit so etwas unterhalte ich mich auch eher ungern. Das ist ja auch kein guter Name: Statische Abweichung?

UNTERLIEBTIch und meine virtuellen Leser

Wir lösen das anders. Sie bleiben ein mir völlig unbekannter, realer, aber anonymer Mensch. Meine Leserin, mein Leser, über die ich mich freue. Ich bleibe beim Sie und rede Sie nicht per Du an, so als ob wir langjährige Freunde wären oder Sie Skilehrer oder Yogalehrerin und ich Ihr Schüler. Lassen Sie uns Distanz wahren. Dafür erfinde ich mir fünf virtuelle Leser. Mit denen führe ich einen Dialog, wenn mir danach ist. Der Held des Buches bleibe aber ich.

Also, ich stelle Ihnen vor.

Den 64-jährigen Rudi. Ein lieber Herr. Rudi wohnt in Lausanne. Eine schöne Stadt am Genfer See, leider etwas teuer. Zumindest für Nichtschweizer. Rudi, mit 64 liest du noch solche Bücher? Der Titel hat dich angesprochen? Ach so. Dafür haben wir ihn uns ja auch ausgedacht. Wie bitte? Du hast Probleme, deinen Sohn zu umarmen. Das ist dir irgendwie peinlich. Ja, das kann ich mir gut vorstellen, dass es das ist. Dein Vater hat dich auch nie umarmt? Dein Vater war selten daheim? Rudi, da bist du nicht alleine. Also ohne Vater zu Hause warst du es schon irgendwie. Ich meine, du bist nicht der einzige in unserer Gesellschaft, der eine ungestillte Sehnsucht nach seinem Vater hat. In unserer Gesellschaft herrscht nun mal irgendwie ein Mangel an Vätern. Seit über hundert Jahren.

In Hannover wohnt die 38-jährige Patrizia. Achtung, Patrizia. Unser Gedankenaustausch kann dein Leben wirklich verändern. Das kannst genau genommen ja nur du, aber unsere kurze Lese-Affäre wird dir genug Impulse geben, die dich zur Änderung veranlassen könnten. Wenn du das willst. 35 Paar Schuhe, vier Laufmeter Gewand, nur die feinsten Marken, edle Dessous, schnuckelige 72 Quadratmeter Designerwohnung mit Dachterrasse, Shopping-Wochenenden in Mailand, Paris oder Rom, Urlaub auf den Malediven oder den Seychellen. Und doch fühlt sich das alles irgendwie nicht ganz richtig an, so ein bisschen leer. Ist es so? Hmmm, manchmal verfährt man sich in seinem Leben, ohne so richtig zu wissen, wieso. Vielleicht findest du hier ja Antworten, Ideen, Gedanken. Dein unterdimensionierter Rassehund wird dich schon irgendwie trösten, wenn du jemanden brauchst, der dich lieb hat. Vielleicht verwandelt er sich ja sogar einmal in einen Prinzen. Aber das tun meines Wissens nach nur Frösche. Patrizia, ich hab Menschen kennengelernt, die waren in ihrem eigenen Leben Geisterfahrer. Das bist du aber sicher nicht.

In Wien erfinde ich mir den 22-jährigen Peter. Der sitzt gerade am Klo. Servus Peter. Das Klo ist deine Bibliothek. Da kannst du in Ruhe lesen. Geht mir ähnlich. Aber bitte verhalte dich geräuschneutral. Ist der Leistungsdruck bei dir schon groß genug? Hast du endlich deinen befristeten Werkvertrag für 20 Stunden bekommen? Du weißt nicht, wie du in dieses System einsteigen kannst, das du eigentlich gar nicht willst? Willkommen bei uns. Ich glaub, du wirst dir einiges rauslesen können aus diesem Buch. Trost und Zuspruch kann ja auch eine Form der Liebe sein. Vielleicht denkst du dann ja in so 30, 40 Jahren an unsere flüchtige Bekanntschaft zurück und schickst mir ein Lächeln. Vielleicht geht es aber auch schon früher, weil in 30, 40 Jahren werde ich ziemlich sicher schon nicht mehr zurücklächeln können.

Jetzt erfinde ich mir etwas für meine Seele. Die 44-jährige Claudia aus Graz. Ich mag ihre blonde Mähne, die strahlenden Augen und ihr Lächeln. Das ist wie ein Sonnenaufgang. Vielleicht kennen wir einander von früher. Warst du damals im Oktober 1998 bei meinem Workshop dabei? Ja?! Damals warst du 26. Wie ist es dir ergangen? Das Leben hat dich schwer geprüft. Du bist Witwe. Trotz all dieser Niederlagen und Schmerzen glaubst du noch ans Leben. Schön. Wie hast du es geschafft, dir so viel Lebensfreude zu bewahren? Bewahren ist vielleicht der falsche Ausdruck. Du baust sie immer wieder von neuem auf, diese Lebensfreude. Und deine Selbstliebe. Das ist einfach toll. Von dir können wir sicher einiges lernen. Wenn ich es brauche, komme ich auf dich zurück.

Jetzt bastle ich mir ein Klischee. Das gibt es aber wirklich. Ich treffe dieses Klischee in meiner Arbeit sehr oft. Nennen wir das Klischee Rainer. Rainer, du auch da. Das lässt dein Terminkalender zu? Rainer, du bist in Nürnberg, richtig? Jetzt gerade nicht? Jetzt bist du in Frankfurt am Flughafen und hast die Nase voll vom E-Mail-Checken und deshalb bist du zu uns geflüchtet. Genau genommen in deinen Kindle. Herzlich willkommen. 180.000 Jahresgage, plus Prämie. Gerade einen netten Personalabbau durchgezogen, ein paar hundert Mitarbeiter freigesetzt. Echte Chancen auf den CEO für CEE, vielleicht bekommst du sogar USA und Canada. Das ist doch eine starke Erfolgsbilanz für jemanden mit 43. An Geld und Status kann es dir ja wohl nicht mangeln. Was machst du also hier in unserem Kreis? Was suchst du da bei uns? Woran mangelt es dir? Außer an der Zeit, die du hier verschwendest. Rainer, kann es sein, dass auch du dich unterliebt fühlst? Rainer, dich bau ich mir als meinen rationalen und kritischen Widerpart auf, okay? Wir zwei werden uns ein kleines Duell liefern. Aber immer respektvoll und bis zum Ende dieses Buches wachsen wir zusammen. Irgendwie mag ich dich ja jetzt schon.

Damit sind wir jetzt zu siebent. Sie, liebe anonyme Leserin oder anonymer Leser, Rudi, Patrizia, Peter, Rainer, Claudia und ich. Mir geht es gut mit euch. Bis auf einen, den Leser, hab ich alle voll unter Kontrolle. Das baut meine Angst ab. Jetzt kann ich zur Höchstform auflaufen.

Haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, schon etwas im Glas oder in der Tasse? okay. Sie müssen Ihren Tee noch ziehen lassen. Die drei Minuten warten wir gerne auf Sie. Da können sich die anderen auch noch etwas nehmen.

Rainer hätte gerne einen Lungo vom Umutima wa lake Kivu Rwanda. What Else? Aber die Nespressomaschine für die Laptop-Tasche wurde noch nicht entwickelt und hier am Flughafen in Frankfurt gibt es den noch nicht. Musst du dich mit deinem stillen Mineralwässerchen begnügen. Patrizia, du schenkst dir einen Prosecco ein. Keine Supermarktware, sondern einen schönen docg aus Conegliano Valdobbiadene. Zwölf Euro die Flasche. Man gönnt sich ja sonst nichts. Schaun wir mal, wie viel von der Flasche übrig bleibt. Peter, Sodazitron oder Bier? Was ist dir jetzt lieber? Du nimmst das Sodazitron. Beim Alkohol bist du vorsichtig. Rudi bekommt was Tolles ins Glas. Was trinkt ein gesetzter Schweizer in Lausanne, wenn er sich entspannen will? Du wählst einen Côte de Beaune. Beim Winzer direkt gekauft. Ist ja nicht weit von dir. Claudia, fang mit einem Kräutertee an. Vielleicht lass ich dich später auf einen von euren superben steirischen Weißweinen umsteigen. Aber du wirst immer ein bisschen wuschig, wenn du zwei Gläser hast.

Haben alle etwas? Sind wir bereit? Dann los. Machen wir etwas aus den gemeinsamen Stunden.

Ja, Rainer. Was gibt es denn schon?

UNTERLIEBTWorum geht es überhaupt?

Du willst wissen, wie die Agenda lautet, worüber wir überhaupt reden. Bisher war es ja nur ineffizientes Geschwafel. Du willst endlich auf Zug kommen und Action haben. Wir müssen ja etwas weiter bringen. Sonst gehst du wieder. Ob du gehst oder bleibst, entscheide noch immer ich. Wegen der Agenda ersuche ich dich, einmal effizient das Inhaltsverzeichnis zu lesen. Das ist ja so etwas wie eine Agenda. Da wird dir vielleicht das Wort unterliebt auffallen. Also wird es wohl eher nicht um den Überfluss an Liebe gehen, sondern eher vom zu wenig davon. Das ist das Thema dieses Buches. Kommt ja sogar im Titel vor. Es geht um die große Unterliebe. Unterliebe. Davon sind die meisten von uns betroffen. Wir haben einfach zu wenig Liebe. Wir bekommen zu wenig und geben uns selbst auch nicht genug. Du, Rainer, bist ganz sicher einer von den Unterliebten. Es ging auch schon bisher um die Unterliebe, nur hab ich das noch nicht so deutlich geschrieben, immer gleich rot unterstrichen oder irgendwie animiert. Ich wollte den Leser, die Leserin durch die Geschichten und das Spielen mit dem Namen emotional ins Thema einsteigen lassen. Den Verstand ein bisschen irritieren, austricksen. Erst wenn man sich vom Gewohnten trennt, kann man sich für das Neue öffnen. Der Verstand ist oft der Hüter des Gewohnten. Der glaubt, er weiß, wie es geht. Die Ratio dominiert bei uns viel zu oft die Emotio. Ich muss den Verstand verwirren, damit er Platz macht für die Emotion.

Rainer, diese Worte werden uns immer wieder begegnen: Liebe, Unterliebe, Eltern, Selbstliebe, Fremdliebe, Herde, Wertschätzung, Selbstwert, Fremdwert, Anerkennung, Nespresso, Selbstwertflunder, Jesus, Wirtschaft, Begeisterung, Leben, Filter, Angst, Freude. Lass dich drauf ein. Und diese Formel wird sich auch gleich aus dem Dunkeln lösen:

LG = LS + LF

Wann genau das sein wird, entnimm bitte dem Inhaltsverzeichnis. Sie ist jedenfalls die Basis für unsere Betrachtungen.

Wir werden uns mit meinen Fragen beschäftigen:

• »Warum sind wir eigentlich so schlecht  drauf?«

• »Wer hat uns so gemacht?«

• »Wer braucht solche Menschen?«

• »Wer hat einen Nutzen davon, dass es uns nicht so gut geht?«

• »Was können wir dagegen machen?«

Rainer, zu deinem Vorwurf des ineffizienten Geschwafels möchte ich dich darauf hinweisen, dass Vertrauen die Basis jeder Beziehung ist und erst aufgebaut und dann gepflegt werden muss. Warum ich das euch Führungskräften immer wieder von Neuem sagen muss! Du hast es ja leicht. Du kannst deine Mitarbeiter freisetzen, wenn du ihr Vertrauen verloren hast. Ich kann meinen Leser aber nicht einfach rauswerfen, wenn er mir die Gefolgschaft verweigert. Da ist es umgekehrt. Der Leser kann mich aus seinem Leben rauswerfen. Nimm das jetzt einmal und gedulde dich. Sonst hänge ich dir gleich eine Mail von eurem Super-CEO von weltweit überhaupt um, der euch alle zu einem Boardmeeting vergattert. Morgen zehn Uhr früh in London. Ihr seid 3,62 % unter Plan. Sparmaßnahmen müssen sofort gefasst werden. Da kannst du dein Super-Businessclass-Ticket umbuchen und kommst heute wieder nicht nach Nürnberg heim. Yeah. Die Runde geht wohl an mich. Aber du sollst deine Action haben.

Ich möchte dich, Rainer, meine anderen virtuellen Leser und Sie, liebe Leserin, lieber Leser, in die warme Sonne Kaliforniens entführen. Zum Superbowl.

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