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Bis ich dir verfalle

Lindsay Gordon

BIS ICH
DIR
VERFALLE

Erotische Vampirstorys

Aus dem Englischen übersetzt von
Jule Winter

Inhaltsverzeichnis

Charlotte Stein »Das Spiel«
(Playing © Charlotte Stein)

Janine Ashbless »Das Blut der Märtyrer«
(The Blood of he Martyrs © Janine Ashbless)

Terri Pray »Der Tod ist erst der Anfang«
(Only the Beginning © Terri Pray)

Kristina Lloyd »Montags geschlossen!«
(The Funhouse Is Closed Mondays © Kristina Lloyd)

Lisabet Sarai »Vampire!«
(Vampires, Limited © Lisabet Sarai)

Angela Caperton »Zweite Besetzung«
(Understudy © Angela Caperton)

Rhiannon Leith »Paso Doble«
(Paso Doble © Rhiannon Leith)

Portia da Costa »Manchmal kommen sie zurück«
(Sometimes They Come Back © Portia da Costa)

Carrie Williams »Die Menschenfresser«
(The Man-eaters © Carrie Williams)

Madelynne Ellis »El Alquimista«
(El Alquimista © Madelynne Ellis)

Sommer Marsden »Jede Minute wird ein Blutsauger geboren«
(There’s a Sucker Born Every Minute © Sommer Marsden)

Madeline Moore »Eine Oase bei Nacht«
(The Oasis at Night © Madeline Moore)

Mathilde Madden »Der einarmige Mörder«
(Left Hand Man © Mathilde Madden)

A. D. R. Forte »Flashback«
(Flashback © A. D. R. Forte)

Kelly Maher »Das Festmahl«
(Feasting © Kelly Maher)

Das Spiel

Charlotte Stein

»Komm, wir spielen«, schnurrte er mir ins Ohr.

Und natürlich tue ich erst mal so, als hätte ich nichts gehört. Es macht keinen Spaß, wenn man den anderen nicht zunächst ignoriert. Ich runzle die Stirn, schaue ihn finster an und schlage nach ihm und frage, was für ein Spiel er meint. Als ob wir nie spielen und er nur ein Dummkopf ist, der aufhören soll, meine Zeit zu verschwenden.

Wir ringen kurz miteinander. Er liegt auf mir und versucht, mich zu packen, während ich mich mit Händen und Füßen wehre. Er schnappt nach meiner Kehle, klack, klack, klack machen seine Zähne, aber er ist meilenweit von meiner zarten Haut entfernt. Er weiß auch genau, wie er sich zurückhalten muss, wenn ich meine Zähne zeige und ihm damit stumm drohe. Aber wenn ich ihm so die Zähne zeige, ist das kaum eine Bedrohung für ihn. Er weiß, was ich damit wirklich bezwecke.

Sei bloß vorsichtig, dass ich dich mit meinem Lächeln nicht umbringe, mein Lieber.

»Du weißt schon, welches Spiel, du Plagegeist«, sagt er schließlich. Seine Augen haben diese gleichmäßige, blasse Farbe, die viele Vampire haben. Natürlich weiß ich, was er will, wenn er so nach mir schnappt und seinen Hals für mich entblößt. Seine Haut überzieht ein rosiger Hauch.

Er zeigt mir sein Blut, nicht nur indirekt, sondern ganz offen. Das ist fast genauso erregend wie sein warmer, kräftiger Körper, der sich an meinen drückt.

»Du hast doch schon seit dem letzten Mal ständig daran gedacht«, erkläre ich ihm. Aber ich will mich gar nicht beschweren. Mein Geschlecht ist geschwollen, und meine Nippel sind wie kleine Nadelköpfe. Beschwerden führen jedenfalls nicht dorthin, wo mein Körper jetzt gerne sein möchte.

Meine Zunge gleitet über seinen Mund, weil er mir zu nahe kommt. Darauf antwortet er instinktiv und ohne nachzudenken, indem er mich auch leckt. Unsere Zungen treffen sich immer wieder ganz zufällig, sie gleiten über eine Unterlippe oder ein Kinn, aber zumeist benutzen wir diese Annäherung nur als Ausrede, um uns noch näher zu kommen und nicht bloß so kurz Kontakt aufzunehmen.

Er liebt es, zu lecken. Er schmeckt gerne. Je mehr er von mir in den Mund nehmen kann, umso besser. Ach, ich bin ja so froh, dass der Mann, für den ich mich entschieden habe, mich so gerne oral befriedigt! Er ist für das Leben als Vampir wie geschaffen. Er liebt es, wenn ich vollständig nackt vor ihm liege und wenn er den Mund auf meine Muschi pressen darf, die sich wie eine Blüte seinen Geschmacksknospen öffnet.

Das ist einer der Gründe, warum ich so gerne Vampir bin, hat er mir mal erzählt. Weil alles so viel lebendiger schmeckt.

Außerdem schmeckt es erregend.

Ich habe es bisher nie besonders gemocht, einen Schwanz im Mund zu haben. Jetzt liebe ich es. Ich liebe die weiche Härte, seinen Geschmack und das salzige, süße Aroma. Ich liebe den ersten, kleinen Lusttropfen, der mir verrät, wie sehr ich ihn errege, und seine Worte (»Oh ja, Baby, du machst das toll!«), wenn der Beweis seiner Erregung in meinen Mund strömt.

Die Geräusche, die er von sich gibt, wenn er mich schmeckt: das leise, vibrierende Stöhnen. Die kleinen Tricks und Kniffe, die er sich angeeignet hat, um mich saftiger, nasser und cremiger zu machen – natürlich nur, um sein Vergnügen zu steigern. Er weiß genau, wie er meine Klit mit seiner kleinen, spitzen Zunge umkreisen muss, sodass ich immer nasser werde, bis mein Saft förmlich aus mir herausströmt.

Allein der Gedanke daran lässt meine Klit schmerzhaft pochen. Ich schiebe die Hand in mein Höschen. Ein bisschen betrüge ich ihn damit um sein Vergnügen.

Aber natürlich gewinnt er damit auch die Oberhand. Es fügt unserer Leidenschaft eine neue Dimension hinzu, die ich mir selbst zu verschaffen gedenke. Aber er packt meine andere Hand und drückt sie auf die Matratze.

»Komm, wir ficken einfach schnell und hart«, fordere ich ihn auf. »Ich komme nämlich sowieso gleich.«

»Kleine Schlampen kriegen es nicht so, wie sie’s gerne hätten. Ich will mit dir dieses Spiel spielen«, antwortet er. Seine Stimme klingt heiser. »Du kannst dich ja auch befingern, während wie unser Spiel treiben. Gott, ja, das ist geil. Mehr noch. Das wäre perrrrrfekt.«

Er beugt sich zu mir herunter. Ich seufze in seinen Mund, weil ich begreife, was er mir damit sagen will. Ich soll meine Finger in meine Möse schieben und nicht länger meine Klit massieren, um den Höhepunkt hinauszuzögern.

»Ich soll also das hilflose, masturbierende Opfer spielen, ja? Du bist der große, böse, dreckige Vampir, der mich dabei ertappt, wie ich meine kleine, enge, jungfräuliche Spalte erkunde?«

»Ich bin ein sehr, sehr schmutziger Vampir.«

»Ich weiß, Liebster.«

»Dann können wir? Spielen, meine ich.«

»Ich möchte, dass du mich in dem Moment findest, wenn ich komme. Du sollst mir die Unschuld rauben und nach meinen geheimsten Wünschen forschen. Und so weiter und so fort.«

»Ich werde dir erzählen, dass ich dein Seelengefährte bin …«

»… und dass du mich ficken musst.«

»Nicht zu vergessen: Ich muss auch die ganzen anderen perversen Sexpraktiken mit dir ausüben, die seelenverwandte Gefährten miteinander treiben.«

»Es wäre einfach Schicksal. Gott, das klingt so gut! Und ohne den perversen Sex wär’s kein Schicksal.«

Schon ist er verschwunden, flüsterleise hat er sich vom Bett erhoben. Bis heute erregt es mich, wie er sich lautlos bewegt, nach all den Jahren. Wen würde so viel Geschwindigkeit, Stärke und Wendigkeit nicht erregen? Sehen wir doch der Wahrheit ins Gesicht. Die Anziehungskraft der Vampire erwächst zumindest teilweise aus der Vorstellung von ihrer unglaublichen Kraft und dem, was sie mit dieser Kraft im Schlafzimmer zu leisten vermögen. Dieses Dunkle, seine flinke Zunge, das Lecken und sein Stehvermögen.

Ich habe ihn zu dem gemacht, was er heute ist. Aber bis heute ist diese Vorstellung für mich wie das Lied der Sirenen. Als Mensch war er wunderschön; ihn im Tod zu betrachten ist irgendwie schmerzhaft.

Obwohl er natürlich, technisch betrachtet, nicht richtig tot ist.

Das Blut, das in meiner Klit pulsiert, formt auch die Beule unter seinem Hosenstoff. Das Klopfen unserer Herzen hämmert in den Ohren des anderen … Oh doch, und wie wir leben! Es wäre nur halb so schön, wenn wir nicht lebten. Obwohl die Sache genau deshalb doppelt so schön ist, weil wir nicht leben.

Ich erinnere mich an unseren ersten Sex, nachdem ich ihn verwandelt hatte. Zuerst war er zärtlich und gekränkt, beinahe schon verbittert, weil er nicht wusste, wie schwer es war, sich der Verwandlung zu unterziehen. Doch sobald sein Körper zur Ruhe kam und die Abschürfungen zusammen mit der Zärtlichkeit verblassten, blieb nur das zurück, was uns auszeichnet: ungezügeltes, quälendes Verlangen.

Nach Blut und Sex.

Zuerst kam er damit überhaupt nicht zurecht. Ich kam nach Hause und fand ihn, wie er seine Leine zum Zerreißen spannte und versuchte, sich in der mit Eis gefüllten Badewanne abzukühlen. Er klapperte mit den Zähnen und flippte schier aus, weil ihm so heiß, so unglaublich heiß war. Bitte hilf mir, Jin, flehte er mich an.

Und ich half ihm. Bei allem: Erst half ich ihm, indem ich ihn fütterte, und dann machte ich ihn mit dieser grellen, herrlichen Lust vertraut.

Aber ich ließ ziemlich lange Zeit nicht zu, dass er mich vögelte. Es geht einfach nicht, verstehst du? Wenn man mit einem Neuling vögelt, besteht die Gefahr, dass er oder sie dich zerreißt. Man muss langsam anfangen, und das habe ich getan. Am Anfang habe ich ihm befohlen, vor meinen Augen zu masturbieren. Daraufhin wurde er schrecklich wütend. Wie könne ich es wagen, ihn so zu fesseln und ihm meinen Mund zu verwehren? Meine Hände, mein Geschlecht? Ich sei eine Hure, spie er mir entgegen. Er hasse mich …

Aber trotzdem nahm er gehorsam seinen Schwanz in die Hand und hat es sich selbst besorgt.

Es verstörte ihn sehr, als seine Augen sich veränderten und im Moment des Höhepunkts seine Zähne hervorschossen. Noch mehr verwirrte ihn, wie er versuchte, das Kissen zu verschlingen. Aber wenigstens erreichte ich so, dass ihm etwas klar wurde. Denn das passierte nun mal, wenn man kam. Man hat das Bedürfnis, zuzubeißen, ob man will oder nicht.

Wir machten langsam Fortschritte. Ich stand über ihm. Erst halb ausgezogen, beim nächsten Mal fast nackt, dann endlich nackt. Im Laufe der Zeit gelang es ihm besser, sich zu kontrollieren; er besorgte es sich bedächtiger und vollzog die Verwandlung langsamer, hielt seinen Orgasmus zurück, obwohl seine kleinen, spitzen Zähne bereits hervorgekommen waren. Ach, das sah wirklich hübsch aus!

Sobald er gelernt hatte, nicht sich selbst oder das Kissen zu beißen, machte ich den nächsten Schritt und ließ ihn mit Ölen experimentieren. Er durfte seinen ganzen, herrlichen Körper mit Öl einreiben, vor allem seinen Schwengel. Und dann wollten wir mal sehen, ob er sich beherrschen konnte, wenn sein Schwanz von einer glitschigen Hand umfasst wurde, die so nass wie meine Muschi war. Wir spüren jede neue Empfindung besonders intensiv, und deshalb kann allein der Unterschied zwischen nass und nicht nass darüber entscheiden, ob wir beißen oder nicht.

Aber er bestand auch diese Prüfung. Er zitterte wie Espenlaub, er keuchte, er wolle endlich in mir sein. So sehr, oh ja, er wollte es so sehr.

Manchmal flehte er mich an und saß in seinem Zimmer. Ich solle kommen, damit er es mir besorgen konnte. Ich hörte ihn, wie er es sich selbst machte. Er wolle meine Muschi schmecken. Er konnte so poetisch werden, wenn er meine Muschi pries! Er stöhnte, er könne genau riechen, wie sie erblühte, und er könne sich vorstellen, wie mein Honig schmeckte. Er wisse genau, wie sehr ich mich nach ihm verzehre, weil er beinahe hören konnte, wie meine Möse für ihn pulsierte.

Einmal hat er zu mir gesagt: »Als wir das erste Mal gefickt haben, hast du es geliebt. Darum hast du dich entschlossen, mich zu verwandeln, nicht wahr? Es lag nicht an mir oder daran, wie ich vor dir gekniet und dich angefleht habe, die Hose runtergezogen und zu allem bereit – es war nur dieser erste Fick.«

Zum Teil hat er recht. Zum Großteil habe ich ihn verwandelt, weil er gekeucht hat: »Das ist das Heißeste, was mir je passiert ist«, während meine Zähne noch in seinen Hals gerammt waren. Darum nehme ich an, dass es auch mit dem Sex zu tun hat. Es war aber auch die Art, wie er die Hand in mein Haar legte und mich nach unten schob, als ich ihm den Schwanz blies, während er die freie Hand auf seinen Unterleib presste, als könnte er einfach nicht anders.

Ich erinnere mich an seine Fragen, die gleichermaßen ängstlich und von seinem Verlangen beseelt waren. »Willst du mich umbringen? Das willst du doch nicht, oder? Himmel, ich werde von einem Vampir umgebracht. Oder nein, mach mich zu dem, was du bist, bitte, lass mich so sein wie du, oh Mann! Das ist so heiß …«

Wir wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist.

Ich höre auf, meine Finger in mich zu stecken. Jetzt umkreise ich wieder meine Klit. Sie ist unglaublich angeschwollen und reagiert sofort auf meine streichelnden Finger. Aber es wird sogar noch besser, als ich den Träger meines Nachthemds herunterschiebe und eine Brust entblöße. Die Finger der anderen Hand zupfen vorsichtig am Nippel und reiben ihn.

Ich gebe ein paar helle, kurze Schreie von mir und stelle mir dabei vor, ich wäre eine unschuldige Jungfrau. Zugleich erinnere ich mich wieder daran, wie sich seine Jeans an meinen Schenkelinnenseiten anfühlt, wenn er sie bloß herunterreißt und seinen dicken Schwanz ohne Umschweife in mich hineinrammt. Und er schwillt in mir noch weiter an, weil meine spitzen Zähne und meine Grobheit ihn so unglaublich heiß machen.

Was für ein kleiner Schwindler er doch ist. Ein böser Junge!

Aber er war nie ein Junge, und heute ist er’s erst recht nicht. Für mich ist er immer ein Mann gewesen, ein 35 Jahre alter Mann. Für mich sind 35 Jahre das Alter eines Kindes. Mein Junge, dem ich mich schließlich hingab. Nicht nur, weil er irgendwann an den Punkt gelangte, dass er kein Training mehr brauchte, sondern weil ich ihn in mir spüren wollte. Weil ich mich verzweifelt danach sehnte, es mit ihm zu tun, wie damals auf dem Parkplatz.

Ach, wie wunderbar er sich angefühlt hatte, bei diesem ersten Mal, nachdem ich ihn verwandelt hatte. Das leise, verzweifelte Stöhnen, das er von sich gab, als ich mich auf seinen Schwanz setzte. Und seine Augen, die so blass und wie von einem Schleier überzogen waren. Ich erinnere mich, wie er flüsterte: »Ja, nimm mich«, und ich liebte ihn in dem Augenblick so sehr und wollte ihm das alles zurückgeben, womit er mich bereits beschenkt hatte. Der kleine, heiße Austausch von Erregung und Leidenschaft.

Er unterwarf sich mir völlig. Es gibt immer diesen schmalen Grat, auf dem man wandert, wenn man einen Neuling ausbildet. Wenn man das erste Mal mit ihm Sex hat, muss er gefesselt sein und sich ganz deinem Willen unterwerfen. Er muss alles tun, was du von ihm verlangst.

Aber er genoss den ersten Sex als Vampir ebenso sehr wie ich.

Er liebte es, sich mir zu öffnen und zu gehorchen. Auch wenn er gerne vorgab, sich gegen mich auflehnen zu wollen. Während ich seinen Schwengel ritt, wandte er das Gesicht von mir ab und entblößte seine Kehle. Und die ganze Zeit wimmerte er lustvoll und murmelte, wie es sich anfühlte, wenn ich ihn vögelte, und schließlich hörte ich ihn stöhnen: »Komm, Baby, ich kann mich nicht länger zurückhalten.«

Oh ja, ich liebe meinen kleinen, blauäugigen Vampirjungen.

Sogar in dem Augenblick, als er von der quälenden Ekstase gepackt wurde, hat er an mich gedacht. Sein großer, schwieliger Daumen suchte meine Klit. Aber ich brauchte das gar nicht. Ich war bereits kurz vor meinem Orgasmus. Und ihn zu beobachten, wie er sich auf die Unterlippe biss, ehe er sich stöhnend unter mir wand, zeigte mir, dass es zu viel für ihn war, viel zu viel. Ich hätte in dem Augenblick von ihm heruntergleiten müssen, doch ich kam nur noch heftiger und genoss diesen Höhepunkt.

Er hat mich beim ersten Mal nicht gebissen. Aber sein Körper versteifte sich unter meinem. Er biss die Zähne zusammen und schloss fest die Augen. Es schien ewig zu dauern, er bebte und zitterte unter mir. Schließlich atmete er keuchend aus, wimmerte noch ein paarmal und brach unter mir zusammen.

Später ließ ich ihn von meinem Blut trinken. Und danach liebten wir uns erneut.

Meist lieben wir uns danach ein zweites Mal. Und immer wieder.

Manchmal möchte ich ihn am liebsten packen und ihm erklären: »Solange es für dich gut ist, ist es auch für mich gut. Ich will dich, so sehr will ich dich. Du hast ja keine Ahnung, wie lange ich ohne Sex auskommen musste.« Ich beneide ihn auch ein wenig um seine Ausbilderin und Gefährtin, die sich ihm so schnell hingab und sich ihm auch jetzt noch hingibt. Mir war dieses Glück nicht beschieden.

Mein Ausbilder ließ mich hart arbeiten. Er ließ mich für jeden kleinen Scheiß rackern, bis ich sicher war, dass ständiger Blutdurst besser wäre als das hier. Er gab mir nichts, obwohl ich ihn anflehte und bettelte, und er machte mir klar, dass es für uns nie anders sein würde. Wir würden nie etwas miteinander haben, weil die Dinge nun mal nicht so liefen.

Wir müssen uns unter Kontrolle haben. Immer und überall.

Und darum dauerte es lange, bis ich nach meinem letzten Sex als Mensch endlich Sex mit ihm hatte.

Jetzt dauert es nicht mehr lange. Bald kommt er und gibt mir alles. Es ist mir egal, wie wir die Sache drehen und wenden, ob er mich beherrscht oder ich ihn oder ob keiner von uns die Oberhand gewinnt. Hauptsache, wir schenken einander Lust. Ich erinnere mich noch allzu gut an die köstliche Überraschung, die ich ihm bereitete, als ich das erste Mal für ihn das Opfer spielte.

»Bitte nicht«, hatte ich gewimmert. »Bitte, tu mir nicht weh, Alex.«

Und seine Augen hatten hell und hart geschimmert. Als er kam, grub er seine Reißzähne in meine Schulter und zuckte am ganzen Körper, als stünde er unter Strom. Danach nahm er mich in den Arm und tröstete mich, er seifte meinen Rücken in der Badewanne ein und wusch mir die Haare.

Weil ich so gut zu ihm bin. Zu meinem Vampirjungen. Das raunte er mir in der Badewanne zu. »Du bist so gut zu mir, dass du dich mir so öffnest, Jin. Du wunderschönes Vampirmädchen.«

Als ich zwei Finger in den Mund stecke und anschließend die Nässe auf der harten Knospe meines Nippels verteile, hebt sich mein Körper ohne mein Zutun vom Bett.

Meine Klit pulsiert unter meinen hektisch arbeitenden Fingern, und das heiße Drängen meiner Lust verschmilzt zu einem Gefühl, das langsam in mir erwacht und in Wellen über mich hinwegspült. Laut stöhne ich »ich komme, ich komme«, weil ich genau weiß, wie sehr es ihn erregen wird, das zu hören. Und dann, als mein Orgasmus langsam verebbt, tue ich so, als würde ich ihn zum ersten Mal sehen, wie er da in der Tür zu meinem Schlafzimmer steht.

Wie entsetzt ich bin! Ich schäme mich und bekomme Angst. Ich bin doch nur eine unschuldige Jungfrau, die von einem großen, schmutzigen Mann beim Masturbieren erwischt wird. Und er … Er ist nicht annähernd so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Sein Gesicht ist in Schatten getaucht und sieht merkwürdig wild aus. Seine Augen brennen heiß auf meiner Haut.

Er macht einen Schritt nach vorne und verlässt die Dunkelheit der halboffenen Tür. Jetzt kann ich im Licht seine Augen sehen, die zu hell sind. Und seine Oberlippe, die er leicht nach oben zieht.

»Was … was willst du von mir?«, sage ich und schwelge geradezu in dem Zittern, das in meiner Stimme mitschwingt. Die Leidenschaft lässt meine Stimme brechen, aber es klingt, als würde ich vor allem von meiner entsetzlichen Furcht getrieben, weil mir dieses Monster aufgelauert hat.

Und ja, er ist ein Monster. Als er meine dünne, jammernde Stimme hört, neigt er den Kopf zur Seite. Er wirkt wie ein Räuber, der sich an seine Beute heranpirscht. Sein Mund verzieht sich, als wollte er zubeißen, ohne dass seine Zähne aufeinandertreffen. Aber ich weiß, was er mir damit zeigen will. Er nähert sich mit geschmeidigen, kleinen Schritten, um die ich ihn beneide, weil seine Bewegungen so fließend sind, als wären seine Hüften fürs Anschleichen gemacht.

»Ich ruf die Polizei!«, schreie ich. Er neigt den Kopf zur anderen Seite und bedenkt mich mit einem abschätzenden Blick. Ah, jetzt überlegt er, was ich doch für ein schmackhafter Leckerbissen bin.

Meine Möse schwillt an und schmerzt vor Lust, obwohl ich mich zugleich unschuldig gebe. Bestimmt wittert er den Geruch meiner Erregung von da drüben. Der Gedanke lässt mich seine Zurückhaltung bewundern. Vor dem heutigen Tag hat er’s mit mir schon im Zug getrieben, in Toiletten, in engen Gassen. Und das nur, weil mein Duft ihn dazu trieb. Aber um das Spiel nicht zu verderben, hat er sich beispiellos unter Kontrolle.

Ohne ein Wort zu sagen, streift er um das Bett herum. Die Anspannung steigt, sie gleicht inzwischen den Muskeln seiner Oberschenkel, die sich mit jeder Bewegung straffen. Ich kann fast das Entsetzen spüren, das mich erfasst hätte, wenn ich tatsächlich ein unschuldiges Mädchen wäre. Mit einem Ruck setze ich mich auf und lasse meine nutzlosen Fäuste auf seinen Oberkörper niederprasseln.

Ich kann mich nicht erinnern, irgendwann so schwach gewesen zu sein, wie ich mich jetzt gebe. Zugleich kann ich nicht leugnen, wie elektrisierend dieser Gedanke für mich ist. Nicht der Gedanke, mich ihm zu unterwerfen, sondern eher seine starke, unbewegte Ruhe. Wie er mein Ringen ignoriert. Er ist ein Jäger. In seinen Augen ist etwas, das nicht annähernd mehr menschlich ist, und die Art, wie er seinen Mund bewegt und seine Zähne zeigt, erregt und ängstigt mich gleichermaßen.

War ich so, als er mich kennenlernte? Gott, er musste mich ja für ein Ungeheuer halten, für ein fremdes Wesen. Ein hübsches, fremdes Wesen, keine Frage. Wie eine Außerirdische, die allerdings schon auf diesem Planeten herumwandert. Eine Spezies, die man aus Träumen und Märchen kennt und von der man plötzlich erfährt, dass sie mitten unter uns lebt.

Jetzt verstehe ich, was er damit immer meinte.

Er packt meine Fäuste und wirft mich aufs Bett. Natürlich bin ich meist viel, viel schneller als er. Wenn ich ihn auf die Matratze werfen würde, säße ich im selben Augenblick schon auf ihm, während sein Rücken noch gar nicht die Matratze berührt. Aber es macht Spaß, dieses Spiel zu spielen! Seine Schwächen und Fehler – es wäre mir ein Leichtes, mich aus seinem Griff zu befreien – machen die Sache nur noch aufregender.

Ich winde mich unter ihm, aber ich gebe ihm auch genug Zeit, seine Hand in die Haut meines Oberschenkels zu graben. Und dann kreische ich, wie nur Menschen es können.

»Nein, bitte nicht!«, rufe ich, und dieses Mal sehe ich, wie etwas in seiner Miene weich wird. Ich möchte mich dieser Weichheit hingeben, will seine Zärtlichkeit und Sorge um mich spüren und mich ihm ganz ergeben. Er leckt sich beinahe nervös über die Lippen, ehe er mich langsam über das Bett zu sich heranzieht.

Mit der einen Hand, die auf meinem Oberschenkel ruht.

Natürlich kämpfe ich gegen ihn an. Welches unschuldige Opfer mit einem Funken Selbsterhaltungstrieb würde sich nicht wehren? Er knurrt, und mich erfasst ein Verlangen, dass ich beinahe aus der Rolle falle. Ich hebe ihm meine Hüften entgegen. Aber das kann er mir nicht anlasten, schließlich können die meisten Menschen sich auch kaum selbst beherrschen.

Manchmal gleicht ihr Winden und Schreien allzu sehr einem lustvollen Stöhnen, und man möchte glauben, es sei genau das. Man kann es ihnen nicht vorwerfen. Wir riechen immer so lecker und locken sie mit unserem Duft an wie dumme, kleine Fische, die plötzlich am Haken zappeln.

»Oh nein, mach das nicht!«, kreische ich. Jetzt genießt er seine Rolle. Seine Mundwinkel heben sich, er drückt meinen Oberschenkel. Ach, er sieht einfach zum Anbeißen aus.

Aber ich vermute, ihm ist eher danach zumute, mich zu verspeisen.

Ich versuche, mich aufzusetzen, und es gelingt mir, sein Hemd zu packen. Meine zwei Identitäten ringen kurz miteinander, aber dann gewinnt mein Vampir-Ich gegen die kleine Unschuld und ihren Wunsch, dem Gegner Schmerzen zuzufügen. Ich zerreiße das Hemd, aber auch das passt irgendwie, denn jetzt ist das Hemd zerrissen, seine Schulter ist nackt, und ich kann den Anblick seiner herrlichen, goldenen Haut genießen.

Er beißt die Zähne zusammen, weil er jetzt richtig wütend ist. Sein Lieblingshemd! Als er die Hand packt, die sich noch in den Stoff krallt, verdreht er mein Handgelenk. Instinktiv möchte ich ihm auch Schmerzen zufügen, aber ich kämpfe gegen den Drang an und wimmere stattdessen leise. Ein leises und verängstigtes »Aua«.

Offenbar gefällt ihm das. Er stöhnt resigniert, reißt mich am Handgelenk zu sich herum und presst seinen Mund auf meine Kehle.

Ich habe es schon immer geliebt, wenn er mein Blut trinkt. Fast ist es so, als erhalte mein Blut ihn am Leben, als gehöre er zu mir und ich sei seine Rettung. Es geht für ihn nicht darum, mir Schmerzen zuzufügen oder mich zu kontrollieren; ich bin diejenige, die ihm dieses besondere Vergnügen schenkt. Andere Vampire verhalten sich nicht so, wenn sie einen ihrer Art beißen. Sie bohren sich tief in das Fleisch des anderen, verursachen ihm unnötige Schmerzen und erheben sich damit über das Leben des anderen.

Ich liebe ihn auch, weil er anders ist.

Als er sich schließlich von mir losreißt, bin ich schlaff und schwebe auf einem Meer aus Empfindungen dahin. Ich spüre das Puckern und Ziehen meiner zarten Haut, die an der Kehle offen ist, spüre die reife Fülle zwischen meinen Schenkeln und habe zugleich das Gefühl, mein Körper verflüssige sich und verschmelze mit seinem. In seinen Armen fühle ich mich schwach, als ob ich keinen Knochen mehr im Leib habe. Ich kann nichts tun, während er keuchend Luft holt, nachdem er so lange und leidenschaftlich von meinem Blut getrunken hat.

Seine Hände fahren über meinen Körper. Damit wir unser Spiel nicht aus den Augen verlieren, wimmere ich: »Mein Vater wird mich enterben.«

Er lacht leise. Ein volles, zufriedenes Lachen, während er mit seinen kalten Augen auf mich herunterblickt. Sein Mund ist mit meinem Blut benetzt. »Nur deswegen?«, fragt er. »Aber es gibt noch so vieles, was ich dir zeigen möchte.«

Ach, du wunderbarer Junge!

»Schließlich habe ich dich geschmeckt. Es ist nur gerecht, wenn du mich auch schmecken darfst, oder nicht?«

Ich tue so, als wüsste ich nicht, was er damit meint. Aber die wissende Erregung packt mich und lässt mich schwindeln. Nur zu gut weiß ich, was er meint. »Aber wenn ich dein Blut trinke, bin ich auf ewig verdammt!«, widerspreche ich mit weit aufgerissenen Augen. Mein Mund bebt.

»Wieso glaubst du denn, dass ich dir mein Blut zu trinken geben will?«, fragt er. Etwas Böses, Verruchtes blitzt in seiner gespielt rauen Stimme auf. Zugleich öffnet er den obersten Knopf seiner Jeans.

Beim letzten Mal habe ich diesen Teil des Spiels besonders genossen. Für ihn war es nämlich schwer, ernst zu bleiben. Man könnte zwar glauben, das würde uns irgendwie den Spaß verderben, aber das Gegenteil ist der Fall. Er ist mein allzu eifriger Lustknabe, der einfach nicht ernst bleiben kann. Wie sehr ich ihn dafür begehre …

»Was könntest du denn sonst meinen?«, gebe ich mich verwirrt. Er lacht beinahe.

»Nach dem, was ich vorhin bei dir beobachten durfte, weißt du ganz genau, was ich meine. Gib’s schon zu. Du hast doch auf einen dunklen Fremden gewartet, der hereinkommt und das Kommando übernimmt. Daran hast du doch gedacht, während deine Hand zwischen deinen Beinen herumgespielt hat. Und sogar jetzt, nachdem ich dir gezeigt habe, was ich bin, nachdem ich dein Blut gekostet habe, sehnst du dich nach mir.«

»Oh jaaaa«, hauche ich. Jetzt muss ich die Zähne zusammenbeißen, denn mein Körper kommt seinem entgegen. Keine Ahnung, welche der beiden Frauen gerade aus mir spricht. Später schmollt er bestimmt, weil ich mich ihm so leicht hingegeben habe. Aber im Moment ist mir das ziemlich egal.

»Du willst also, dass ein Ungeheuer wie ich deinen Ruf ruiniert?« Seine Stimme ist jetzt ernst. Sie klingt angespannt und zittrig.

»Oh ja, ja!«

»Was wird dein Vater sagen, wenn er dich so sehen könnte? Wie du dich vor mir ausstreckst? Wie eine richtige Schlampe …«

»Das ist mir egal!«

»Dir ist egal, was ich bin?«

»O Gott, nein, ist es nicht! Ich verbrenne vor Sehnsucht nach dir. Mach mich zu dem, was du bist!«

Seine Augen flackern kurz auf. »Mach die Beine für mich breit. Vielleicht erfülle ich deinen Wunsch.«

Zwischen meinen Schenkeln spüre ich ein heftiges Pulsieren. Ich gehorche ihm und spreize die Beine so weit wie möglich und winkle die Knie an, sodass ich mich ihm hilflos darbiete.

»Ich kann sogar riechen, wie nass du bist«, murmelt er. Ich spüre, wie meine Wangen heiß werden. Vermutlich sieht es aus, als würde ich vor Scham erröten. Und vielleicht habe ich mich so sehr ins Spiel hineingesteigert, dass ich mich sogar ein bisschen schäme. »Und ich werde dich genauso nehmen. Aber zuerst nimmst du ihn in den Mund.«

»Oh nein, das kann ich nicht!«, kreische ich.

»Schlampen, die ihre Beine für fremde Männer breit machen, können alles«, erwidert er und öffnet seine Hose.

Zu diesem Zeitpunkt bin ich fast verrückt vor Sehnsucht nach einer Berührung, und ich will mich streicheln oder an ihm reiben. Oder, noch besser: ihn auf den Rücken drehen und mich auf ihn setzen. Aber ich halte mich zurück. Die Zurückhaltung macht süchtig, und wenn ich ehrlich bin, dann ist der Höhepunkt doppelt so gut, wenn man sich vorher beherrscht.

Ich sehe, wie seine Hände zittern und er heftig schluckt. Er zuckt zurück, als seine Finger sich um seinen Schwengel schließen, als wäre schon diese Berührung fast zu viel für ihn. Erst jetzt fällt mir wieder ein, dass ich ja schon einen Orgasmus hatte. Aber das war bei Weitem nicht genug. Daher kann ich kaum ermessen, wie es ihm geht. Nicht gut, vermute ich, denn sein Schwanz schnellt vor und biegt sich hart bis fast zu seinem Bauch hinauf. Er ist dick und riesig angeschwollen. Alex leckt sich das Blut von den Lippen, und sein Schwanz zuckt.

Er fällt zum ersten Mal aus seiner Rolle, als er meinen Mund auf seinen Schwengel drückt und mir zuflüstert: »Pass auf.«

Natürlich weiß ich, warum ich aufpassen soll. Er käme jetzt schon, wenn man ihn nur ein bisschen herausfordert. Meine Trickkiste lasse ich deshalb lieber zu. Er sollte eigentlich wissen, dass ich nicht so dumm bin, mich ins eigene Fleisch zu schneiden, indem ich ihn allzu schnell kommen lasse.

Jedenfalls widerstehe ich dem Drang, ihn tief in meinen Mund zu nehmen, sondern beschränke mich erst mal darauf, jeden einzelnen Tropfen der glitzernden Flüssigkeit von der Schwanzspitze zu lecken. Dabei berühre ich ihn kaum. Dann nehme ich ihn in den Mund, aber meine Lippen umschließen ihn sehr behutsam, und meine Zunge umkreist ihn zärtlich. Es ist schwierig, ihn so zu verwöhnen, weil er so riesig ist. Schwierig, aber nicht unmöglich.

Dann aber kommt wieder der dunkle Fremde in ihm zum Vorschein. Herrje, er kann ja so ein Mistkerl sein, wenn er will!

Er packt meine Haare und schüttelt meinen Kopf. Dabei knurrt er: »Mach das richtig! Schmeck mich, kleine Miss Unschuldig!«

Also bin ich für ihn die gemeine Schlampe.

Ich werfe ihm den finstersten Blick zu, den ich zustande bringe. Dann verziehe ich meine Lippen zu einem engen Schmollmund und lasse ihn richtig, richtig tief in meinen Mund gleiten. Als ich mich langsam zurückziehe, massiert meine Zunge seinen Schaft, ehe sie die Eichel umkreist. Sein Geschmack prickelt auf meiner Zunge und durchzuckt all meine Sinne. Er entfacht in mir erneut das Feuer. Fast wären meine Zähne hervorgeschossen, um mitzuspielen.

Ich kann mich recht leicht kontrollieren. Aber alles kann ich auch nicht verhindern.

»O Gott, ja!«, stöhnt er und legt den Kopf in den Nacken. Jetzt kann er sich nicht mehr zurückhalten, und seine Hand drückt meinen Kopf nieder, damit ich ihn tief in mich aufnehme.

Ich gehorche und genieße es. Ich lutsche ihn, besorge es ihm mit dem Mund und lasse ihn tief hineingleiten. Immer wieder streicheln meine Zähne ihn, und ich genieße es, ihn zu schmecken und zu spüren. Meine Zunge erkundet diese empfindliche, herrliche Stelle, und sein Körper krümmt sich. Und dann stößt er mich einfach von sich.

Als Nächstes liege ich wieder vor ihm auf dem Bett, und er braucht eine Weile, um wieder zu Atem zu kommen und sich zu sammeln, ehe er zu mir kommt.

»Und? Wie hat sich das angefühlt?«, fragt er. Sein Blick tastet suchend über mein Gesicht. »Wie ist es, einen Schwanz im Mund zu haben?«

Besagter Schwanz reibt sich an meiner nassen Spalte. Er ist dort, wo er hingehört. Mit jeder seiner Bewegungen reibt er seine Schwanzspitze an meiner Klit, und immer neue Wellen der Lust durchströmen mich.

»Bitte«, jammere ich. »Bitte.«

Ich winde mich auffordernd unter ihm und versuche, ständig in Kontakt mit ihm zu bleiben. Warum es mir nicht gelingt, ist mir ein Rätsel, denn ich bin inzwischen genauso geschwollen und bereit für ihn, wie er sich eben in meinem Mund anfühlte. Meine Klit fühlt sich groß und dick an, und jedes Mal, wenn er sie berührt, flutet der Saft aus meiner gierigen, kleinen Muschi, die sich schmerzlich zusammenzieht. Wie kann er da noch länger widerstehen? Ich habe keine Ahnung. Sein Herz rast wie das eines Kaninchens, und sein Blut ist so heiß, dass ich mich durch seine Haut daran verbrenne.

»Das hat dir gefallen, stimmt’s?«, murmelt er. Seine Stimme klingt zärtlich. »Du hast es geliebt. Und jetzt willst du, dass ich dich nehme.«

»Oh ja, immer«, wimmere ich. »Immer wieder.«

Nun hat er endlich Mitleid mit mir – oder mit uns beiden. Mit einer fließenden Bewegung stößt er in mich. Leider gelingt es mir nicht, einen Blick auf sein hübsches Gesicht oder den Schwung seines Halses zu werfen, denn unwillkürlich drücke ich mein Kreuz durch und gebe unmenschliche Laute von mir. Seine Hitze erfasst meinen Körper, und daran entzündet sich jede Nervenfaser in meinem Körper. Es ist die reinste Wonne.

Als Mensch habe ich es nie so erlebt. Ich meine den Moment, wenn er das erste Mal eindringt. Denn genau darum geht es hier, wir dringen ineinander ein, und es zählt nur, den Körper des anderen ganz in sich aufzunehmen. Ich trinke sein Blut, während er sich einen Weg in mein Inneres bahnt.

Ich umschließe seine Taille mit meinen Beinen und ziehe ihn noch enger an mich. Dafür wende ich mehr Kraft auf, als einer unschuldigen Frau zur Verfügung stehen sollte. Aber wen kümmert das jetzt noch? Für mich geht es nicht mehr um unser Spiel, und jetzt zerre ich so lange an seinem Hemd, bis seine Brust nackt ist.

Seine Stöße sind abgehackt und schnell, aber sein Kontrollverlust entschädigt mich gewissermaßen für diese Schlamperei. Ich liebe es, wie er sich auf die Unterlippe beißt und manchmal etwas Unverständliches von sich gibt, ehe er aufschreit. Ich kenne diese atemlosen Schreie seiner Lust nur allzu gut.

»Oh Baby«, stöhnt er. »Ist es so gut für dich?«

Er fragt mich, weil meine Augenfarbe sich verändert hat und meine Zähne scharf hervorstehen. Es ist sogar noch besser, weil ich die Kontrolle verliere.

»Beiß mich«, ruft er. »Bitte, beiß mich, Jin. Lass los.«

»Ich dachte, ich bin dein unschuldiges Mädchen«, antworte ich. Er grinst, seine Hüften stoßen mich jetzt noch schneller und gnadenloser. Er weiß genau, wie er sich bewegen muss, und er vergisst es auch dann nicht, wenn er sich rücksichtslos in mich rammt. Ich spüre, wie ich zerbreche. Man hat mich sehr gut darin unterwiesen, wie man nicht die Kontrolle verliert, meine Ausbildung war geradezu brutal. Aber es reicht nicht, um dieser Leidenschaft zu widerstehen. Es reicht nicht, um meinem kleinen Vampirjungen mit den blauen Augen zu widerstehen.

»Das bist du auch immer noch«, lacht er. »Du bist mein unschuldiges Mädchen, meine geile Vampirschlampe, meine dunkle Fremde. Meine Jin.«

In diesem Augenblick komme ich. Der Orgasmus durchströmt mich, ich zittere und beuge mich vor, um meine Zähne tief in seine Kehle zu stoßen. Sein Körper wird augenblicklich steif, und in mir spüre ich, wie sein Schwanz zuckt, einmal, zweimal, dreimal, während seine Lustschreie zitternd und laut im Raum widerhallen.

Sein Samen füllt meine Möse, und zugleich strömt sein Blut in meinen Mund. Beides vermischt sich zu ungeahnter Ekstase. Er ist Ekstase. Ich habe ihn erschaffen, aber in gewisser Weise hat er auch mich erschaffen.

Mein Vampirjunge mit den blauen Augen hat mich zu der gemacht, die ich heute bin. Bevor er in mein Leben trat, bestand es nur aus Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und jetzt geht’s vor allem um die Spiele, die wir spielen …

Das Blut der Märtyrer

Janine Ashbless

Der Heilige schien nicht größer als vier Fuß zu sein. Aber ich vermutete, das hatte damit zu tun, wie er da ausgestreckt in dem Glaskasten lag, und nicht mit seiner tatsächlichen Körpergröße zu Lebzeiten. Unter einem Ölgemälde, das ihn zeigte, wie er Fischern predigte, lag er umgeben von weißen Plastikrosen. Die Glaswände seines Sarkophags waren schmutzig, und das Leichenhemd aus Leinen und der Mantel waren inzwischen braun. Im merkwürdig gedämpften Licht der Kirche von Santi Angeli Custodi schien sein blanker Schädel ein unangemessenes Grinsen zur Schau zu stellen.

Da ich aus einer Familie stamme, die sich allenfalls zu Hochzeiten und Taufen ihrer anglikanischen Wurzeln erinnert, empfand ich den italienischen Katholizismus als ebenso schockierend wie jeden buddhistischen oder hinduistischen Tempel. Die künstlichen Votivkerzen, die man sich für ein paar Münzen anzünden durfte, die Gemälde aus der Hochzeit der Renaissance, die eigentlich in ein Museum gehörten, und der Kreuzweg, der in entsetzlich lebensnahen Details gezeigt wurde, sowie die Statuen mit ihren blutenden, glühenden Herzen – die Mischung aus imposanter Schönheit und vulgärem Kitsch war fremdartig und berauschend. Vor allem konnte ich nicht verstehen, warum die Katholiken so viel Wert auf die sterblichen Überreste ihrer Heiligen legten. Von kleinen Glaskästchen, die heilige Blutstropfen enthielten, bis zu vertrockneten Armen, die in Gold gefasst wurden. Es gab sogar ganze Skelette, wie diesen Heiligen, der vor mir lag. In England werden wichtige Tote auch in den Kirchen aufgebahrt. Wir stellen sie aber nicht so zur Schau.

»Emily?«

Die Stimme meines Professors hallte in der leeren Kirche wider. Ich richtete mich auf und löste meinen Blick von dem Glassarkophag. »Guten Morgen, Paolo.«

Er kam zu mir herüber, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben. Im Oktober, so hatte ich bisher gedacht, war Venedig angenehm warm, aber er trug einen Hut und einen langen Mantel über dem Jackett. Natürlich keine Krawatte, sondern ein schlichtes Hemd, und er nahm den Hut sogleich ab, als er sich den sterblichen Überresten des Heiligen näherte. Er bekreuzigte sich. »Guten Morgen, Emily. Hast du dir schon ein Bild von den Schäden machen können?«

»Ich habe lieber auf dich gewartet.«

Er nickte und lächelte zufrieden. Ich war nur seine Doktorandin, die ihm assistierte. Außerdem war ich neu in Venedig. Mein Italienisch war nicht besonders gut, weshalb wir englisch miteinander sprachen. Inzwischen wusste ich doppelt so viel über Kirchenarchitektur als noch letzte Woche, aber ich ahnte, dass sich mein Wissen mit Ablauf dieser Woche erneut verdoppeln würde. Darum wäre es auch anmaßend gewesen, wenn ich mich an der Absperrung vor den Bankreihen vorbeigeschoben und mich schon genauer mit dem Heiligen beschäftigt hätte, ehe mein Mentor eintraf.

Mein Spezialgebiet ist die Konservierung. Um meine Kenntnisse zu vertiefen, bin ich in diese Stadt gekommen, die im wahrsten Sinne des Wortes im Meer versinkt.

»Ich habe mir die Sache schon letzte Woche angesehen, als der Anruf kam«, sagte Paolo jetzt.

Paolo Rossini war ein ergrauender Akademiker mit dunklen Augen, der eine natürliche Eleganz ausstrahlte. Nur die groben Stiefel, in die er seine Hose gestopft hatte, zeigten mir, dass er durchaus auch praktisch veranlagt war. »Das hier ist ein sehr besorgniserregender Fall, weil hier wirklich alles absackt. Das wird eine teure Angelegenheit. Komm, wir schauen es uns näher an.« Er hob das Seil, sodass ich ihm folgen konnte. Wir betraten den düsteren Bereich rund um den Altar, der einst für den Heiligen errichtet worden war. Es gab noch einen zweiten, größeren Altar, der aus Holz statt aus Stein gefertigt war und sich an der hinteren Wand erstreckte. Sofort wurde sichtbar, welche Probleme uns hier erwarteten. Der Boden war ein gutes Stück abgesackt, und der dunkle Marmor war so unsicher wie Treibsand. In der Ecke, dicht über dem Boden, war ein Loch in der Wand, durch das ich das Wasser eines Kanals schwappen hören konnte. Ich blieb abrupt stehen, weil es mir widerstrebte, noch näher zu treten. »Wir sind hier ungefähr sechzig Zentimeter über dem durchschnittlichen Wasserstand«, bemerkte Paolo hinter mir. Er legte seine Hände auf meinen Hintern und drückte ihn vorsichtig. »Wenn die Flut zu hoch steigt …«

Mein Herz begann zu rasen. »Die Pfahlkonstruktion ist zusammengebrochen?«, fragte ich und versuchte, mich auf unsere Aufgabe zu konzentrieren. Gewöhnlich bin ich sehr vorsichtig. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich zu den Frauen gehöre, die sich wenige Tage nach dem Kennenlernen auf eine Affäre mit ihrem Professor einlassen. Besonders dann nicht, wenn der Mann glücklich verheiratet ist und kein Geheimnis daraus macht. Und wenn er dann auch noch in einem Land lebt, in dem ich nur zu Gast bin …

Aber irgendwie war es trotzdem passiert. Allein seine Nähe genügte, um mich schier verrückt vor Verlangen zu machen. Ich versuchte, nur an die Pfahlkonstruktion zu denken, auf der Venedig erbaut war, aber es misslang natürlich.

Paolos Hände glitten über meine Pobacken hinauf und hinunter, seine Finger streiften meine Arschfalte. Er hatte die Angewohnheit, beim Sex meinen Arsch zu umfassen und mich fest an sich zu drücken. Ich habe bisher noch keinen Mann getroffen, der sowas macht, aber etwas daran, wie er mich drückt und knetet, macht mich direkt unglaublich heiß auf ihn, sodass ich dann immer unwillkürlich die Beine spreize und aufkeuche.

In diesem Augenblick neckte er mich bloß, aber der Effekt war derselbe. Ich spürte eine heiße Nässe, die zwischen meinen Schenkeln erblühte.

»Es ist zumindest wahrscheinlich.« Er legte die andere Hand auf meine Hüfte. »Emily, warum hast du heute früh diesen Rock angezogen? Ist er denn überhaupt angemessen, um einen Ort wie diesen aufzusuchen? Oder versuchst du, mich abzulenken?«

Eigentlich war ich ziemlich stolz auf diesen Rock. Er war knielang und elegant geschnitten und machte einen sehr professionellen, fast italienischen Eindruck. Aber er war nun mal aus Leder. Ein leises Seufzen entfuhr meinen Lippen, während seine Finger über die glatte Tierhaut glitten. »Ja, Professor«, gab ich zu.

»Dann werde ich heute Nachmittag in meinem Büro deine Garderobe durchsehen und dir genau erklären, was du tragen darfst und was nicht.« Er tätschelte warnend meinen Hintern. Ich wusste genau, was er meinte. Der Professor glaubte trotz meiner Versuche, ihn darüber aufzuklären, dass er sich irrte, alle englischen Mädchen bekämen gerne den Hintern versohlt. Er würde mich wieder übers Knie legen und den engen Rock über meinen Hintern nach oben schieben, ehe er meine Hinterbacken ordentlich mit der bloßen Hand bearbeitete. Danach würde er mich auf seinen großen, antiken Schreibtisch legen und ordentlich durchficken.

Allein die Vorstellung, wie er’s mir so besorgte, machte mein Höschen nass.

»In der Zwischenzeit«, fuhr er mit beherrschter, sanfter Stimme fort, »musst du mich natürlich dafür entschädigen, weil du meine Aufmerksamkeit von dem Grund unseres Besuchs abgelenkt hast. Runter auf die Knie mit dir, Emily.«

»Was denn, hier?«, zischte ich und schaute über die Schulter. Aber offenbar hatten wir die Kirche an diesem Morgen ganz für uns. Dennoch war ich etwas schockiert. Paolo war schließlich ein guter Katholik, oder nicht?

Er blickte mich mitleidig an. »Ich werde ohnehin schon beichten müssen, weil ich im Haus Gottes nach deiner Verdorbenheit gelüstet habe. Dann ist es doch besser, wenn es sich wenigstens lohnt.« Mit diesen Worten zog er mich in die Schatten hinter einer Altarsäule und drückte mich nieder. Ich ging auf dem kalten Stein bereitwillig in die Knie. Das, was wir hatten, würde niemand eine ernsthafte Beziehung nennen. Trotzdem war ich wie gebannt von der Anziehungskraft, die wir aufeinander ausübten. Es gab nichts, das mir lieber war, als seinen Schwengel zu berühren. Immer und überall. Und obwohl wir für jeden gut sichtbar waren, der um die Ecke schaute, nahm ich seinen heißen, feuchten Schwanz in meinen Mund, sobald er seine Hose öffnete. Ich lutschte die letzten Spuren von Weichheit weg und schmeckte sein salziges Aroma. Ich wünschte nur, ich könnte zugleich auch seinen Mund auf meiner Möse spüren. Paolo legte seine Hände auf meinen Kopf, der auf und ab wippte. Als wollte er mich segnen.

Ich kann nicht besonders gut italienisch. Aber ich hätte schwören können, dass er ein Ave Maria flüsterte, als er immer härter wurde und tief in meinen Mund stieß. Er flüsterte es immer und immer wieder.

Katholiken sind halt etwas merkwürdig.

Danach brannten meine Lippen, und ich schmeckte seinen Saft. Er zog mich auf die Füße und strich über meine wilden Haare. »Du würdest einen Heiligen dazu bringen, zu sündigen«, murmelte er.

»Warum hören wir dann damit auf?« Mir war schwindelig, weil mein eigenes Verlangen mich erfasst hatte. Ich schmiegte mich an ihn, aber Paolo tätschelte nur meinen Hintern und lachte.

»Warte, Emily. Es ist doch viel besser, wenn man die Vorfreude auskostet.«

Ich hyperventilierte beinahe, so sehr hatte er mich erregt. Aber ich biss mir bloß auf die Lippe und widersprach ihm nicht. Ich wusste, wie unnachgiebig er sein konnte. Er war derjenige, der sagte, wo es langging. Und er genoss es, mich warten zu lassen. Meine frustrierte Abhängigkeit von seinen Launen erregte uns beide noch mehr.

Der Professor ließ mich allein und marschierte wieder zu den abgesackten Platten. Er steuerte das Loch in der Wand an.

»Ist das eine gute Idee?«, fragte ich. Bei mir zu Hause hätte man die Kirche für die Öffentlichkeit gesperrt und alles eingerüstet, wenn die Anzeichen des Verfalls nur halb so schlimm gewesen wären. Der Professor warf mir einen amüsierten Blick zu.

»Hunderte Tonnen Stein haben hier seit mehr als sieben Jahrhunderten aufeinandergestanden. Glaubst du wirklich, mein Gewicht macht da jetzt einen Unterschied?« Mit einem Spachtel, den er aus der Manteltasche zog, kratzte er an einem der Steine herum. Kleine Brocken Mörtel rieselten herunter. »Hm. Der Mörtel ist weiter unten schon sehr weich. Komm mal her, Emily. Was ist jetzt am wichtigsten, um diese Kirche zu restaurieren?«

Ich kam zögernd näher und setzte jeden Schritt ganz bewusst. Aber die Platten unter meinen Füßen gaben nicht nach. »Der Altar?«, fragte ich. »Wenn man die Fundamente stützen will, muss man die ganzen Holzarbeiten entfernen, solange hier gearbeitet wird. Das Altarbild zum Beispiel …«

»Es entstammt der Schule von Bellini«, bemerkte Paolo und machte eine wegwerfende Handbewegung. »Keine besonders große Arbeit. Der Altar selbst ist, historisch betrachtet, von größerem Interesse.«

Das fragliche Ölgemälde war recht dunkel gehalten und zeigte die Kreuzigung Christi. Ich hatte bis zu diesem Tag schon viele ähnliche Bilder mit den gespielt altertümlichen Kostümen und den übergewichtigen Heiligen, die sich gestenreich verbeugten, gesehen. Inzwischen war ich dieser Bilder etwas überdrüssig. Aber dieses hier war allein deshalb bemerkenswert, weil im Vordergrund ein merkwürdig blasser Mann abgebildet war, der gegenüber der Heiligen Jungfrau und dem heiligen Johannes stand. Der Altar war aus dunklem Holz, das an einigen Stellen reichhaltig vergoldet und mit geschnitzten lateinischen Inschriften verziert war. Der Altar ragte über unseren Köpfen auf. Die Bodenbewegungen hatten einige Holznägel herausgeschoben, und es sah aus, als hinge der Altar etwas schief.

»Man wird ihn sorgfältig restaurieren müssen«, sagte ich und trat näher, um ihn mir genauer ansehen zu können. »Welche Bedeutung hat dieser Altar?«

»Er ist dem heiligen Aronne gewidmet. Du siehst ihn auf dem Altarbild.«

»Von diesem Heiligen habe ich noch nie gehört.« Die Gestalt sah merkwürdig aus. Er trug eine seltsame Mischung aus Pelzen und östlich anmutenden Kleidern, dazu auf dem Kopf einen Turban. Zudem war er leichenblass, und aus der Handfläche der ausgestreckten Hand tropfte Blut. »War er ein Aussätziger?«

»Man sagt, er war ein Albino.« Paolo verschränkte die Arme vor der Brust. Es gefiel ihm, mir einen Vortrag halten zu können. »Der heilige Aronne ist ein lokaler Heiliger, einer von vielen, die nie in den Kanon der Heiligen aufgenommen wurden. 1969 wurde er vom Vatikan aus dem Kalender gestrichen. Diese Kirche wurde St. Aronne genannt, ehe sie als die Kirche der Heiligen Engelshüter bekannt wurde.«

»Ich verstehe.« Die Stadt würde also diesen Altar als Teil ihres Vermächtnisses begreifen. Das könnte wichtig sein, wenn wir Gelder für die Restaurierung sammeln mussten.

Paolo zeigte mit dem Spachtel auf das Gemälde. »Man erzählt sich, Aronne war ein Fremder, der im 12. Jahrhundert zum Christentum konvertierte. Er lebte bis zu seinem Tod in Venedig. Er soll angeblich Stigmata gehabt haben – obwohl das natürlich umstritten ist, denn dann wäre ihm dies noch vor dem heiligen Franziskus widerfahren. Und jene, die seine Wunden berührten, hatten angeblich Visionen von Gott. Weil er wünschte, als lebender Märtyrer zu enden, ließ er sich in einer Zelle einmauern und wurde bis zu seinem Tod nur durch eine kleine Luke in der Wand mit Essen versorgt.«

»Klingt ja hübsch.« Ich unterdrückte ein Schaudern und bückte mich, um ein Brett aufzuheben, das vom Altar heruntergefallen war. Die eine Seite war zersplittert, deshalb kniete ich mich hin und untersuchte den Altar, weil ich feststellen wollte, wo das Brett abgebrochen war. Jetzt erst bemerkte ich, dass hinter dem Altar noch ein Loch in der Wand war. Es war kaum zu sehen, weil das alte Holz genauso dunkel war wie das Loch.

»Paolo?«

»Was ist?« Er kam gemächlich herüber, seufzte und suchte in seiner Hosentasche nach einer Taschenlampe. Im ersten Lichtstrahl konnte man hinter dem Loch nur Schwärze ahnen.

»Das Loch scheint zur Kapelle des heiligen Bartholomäus zu führen, die sich hinter der Wand befindet«, bemerkte ich und blickte mich um. Ich wollte abschätzen, ob ich mit meiner Vermutung richtig lag. »Die Kapelle liegt jedenfalls über dem Grundwasserspiegel.« Zum ersten Mal bemerkte ich den muffigen, feuchten Geruch, von dem ich bisher geglaubt hatte, er stiege vom Kanal draußen auf.

Paolo schob sich näher. Er drückte seine Schulter gegen das Holz und streckte den Arm mit der Taschenlampe so weit wie möglich vor. Ich konnte nicht an ihm vorbeisehen, aber schon bald zuckte er zurück und riss entsetzt die Augen auf.

»Heilige Mutter Gottes!«

»Was ist?«

»Ähm, ja.« Er rang sichtlich um seine professorale Haltung. »Sieh dir das an, Emily.« Er reichte mir die Taschenlampe. Beklommen riskierte ich einen Blick.

In dem Loch hinter dem Altar befand sich eine tiefliegende, niedrige Kammer, die in den Stein gehauen war. Ich habe noch nie davon gehört, dass jemand in Venedig einen Keller gegraben hätte, und darum überraschte es mich auch nicht, dass diese Kammer mit Schlick überflutet war. An der gegenüberliegenden Wand entdeckte ich einen sitzenden Leichnam, der bis zu den Hüften im Schlamm steckte. Mir wäre fast die Taschenlampe aus der Hand gefallen.

»O mein Gott!«

Zumindest glaubte ich kurz, es müsse sich um Gott handeln. Der Leichnam war ein nackter Mann. Was konnte hier unten so lange unversehrt liegen, wenn nicht Gott?

»Unglaublich, findest du nicht auch? Heilige Mutter Gottes … Er ist unberührt!« Der Professor bekreuzigte sich.

Sein plötzlicher Anflug von Frömmigkeit ließ mich erschauern. »Sie haben Aronne hier unten eingemauert? In der Kirche?«, piepste ich entsetzt.

»Anscheinend haben sie die Kirche über seiner Zelle erbaut.« Ungeduldig schob Paolo sich wieder neben mich. »Das ist einfach wunderbar. Sieh doch nur, wie gut sein Leichnam erhalten ist!«

Ich riskierte einen zweiten Blick. Es handelte sich um den Leichnam eines hageren, muskulösen Mannes. Man konnte jede Rippe und jeden Muskel erkennen. Sein Kopf war nach vorne auf die Brust gesunken, und langes, weißes Haar hing über sein Gesicht. Sogar das Haar in seinen Achselhöhlen war flachsblond. Schwarze Spinnweben um seine Schultern waren vielleicht in Wahrheit die Überreste seiner Kleidung. Seine Haut aber war makellos weiß wie Schnee. »Liegt hier eine Verseifung des Gewebes vor?«, fragte ich heiser. Das feuchte Raumklima im Keller ließ das als wahrscheinlichste Möglichkeit erscheinen. Ständig tropfte Wasser von der Decke. Ich bemerkte noch etwas anderes.

»Er ist angekettet.«

»Wie bitte?«

»Sieh doch nur.« Die Arme des Leichnams waren über den Kopf erhoben und wurden auf beiden Seiten von schwarzen Eisenarmbändern hochgehalten, die an Ketten mit der Wand verbunden waren. »Warum hat man ihn gefesselt?«, fragte ich mich.

Paolo schüttelte den Kopf. Dann begann er, an den alten Brettern zu zerren und sie zu lösen. Ich öffnete den Mund, weil ich ihn aufhalten wollte. Doch ich sagte nichts. Was mein Professor tun wollte, ging mich nichts an.

»Sollten wir nicht lieber einen Priester holen?«, machte ich einen halbherzigen Versuch, ihn aufzuhalten.

»Gleich. Ich will mir das erst genauer ansehen.«

Ich zuckte zusammen, als er die Verkleidung Brett für Brett herausriss und achtlos beiseitewarf. »Du willst da doch nicht reingehen, oder?«

»Ich will ihn dort fotografieren, wo er jetzt liegt.« Sobald die Öffnung groß genug war, drehte er sich herum und schob die Füße in das Loch. Ein großer Tropfen Wasser fiel auf seinen Stiefel. »Gib mir meinen Hut, Emily.«

Ich gehorchte. Dann nahm er die Taschenlampe und schob sich in die Zelle. Der Schlamm, der den Boden bedeckte, war fest genug, dass er darauf stehen konnte. Er warf mir ein triumphierendes Grinsen zu. Dann ging er in die Knie und bewegte sich hockend vorwärts, bis er den Leichnam erreichte. Ich konnte hören, wie er etwas auf italienisch murmelte. Als er nur noch einen Meter entfernt war, zog er sein Handy aus der Jackentasche und begann, Fotos zu machen. Die Haut des Leichnams war so bleich, dass es aussah, als würde sie im Blitzlicht aufleuchten. Er kroch noch näher.

Was als Nächstes passierte, begriff ich nicht sofort.

Der Leichnam riss den Kopf nach oben. Im schwachen Licht glommen seine Augen rot. Er riss seine Arme aus den zerfressenen Handfesseln, die einfach zerbrachen und herunterfielen. Der Professor öffnete entsetzt den Mund. Auch der Leichnam öffnete den Mund, aber er schnellte vor, als wollte er Paolo einen Kuss geben. Seine Zähne waren lang und spitz wie die einer Schlange. Ich schrie, sprang von dem Loch in der Mauer zurück, versuchte auf die Füße zu kommen und stieß mir den Kopf heftig an der Ecke des Altars. Dann wurde alles schwarz um mich.

Ich wachte im Krankenhaus auf. Neben meinem Bett saß ein Polizist. Als sie eine Krankenschwester fanden, die mein Gestammel übersetzen konnte, erzählte ich ihnen, was ich wusste. Aber das half ihnen kaum weiter, weil ich behauptete, ich könne mich an kaum etwas erinnern. Ich erfuhr, dass ein Priester mich neben dem Altar des heiligen Aronne gefunden hatte, wo ich bewusstlos und alleine neben einer Öffnung in der Wand lag, die zu einer leeren Kammer unter der Kirche führte. Professor Rossini war nirgends zu finden, sagten sie mir, obwohl sein Handy in der Kammer gelegen hatte und ein Teil der Bodenplatten zerstört worden war.

Was konnten sie auch tun? Ich erinnerte mich an keinen Angreifer, und alles deutete darauf hin, dass ich mir einfach nur den Kopf gestoßen hatte. Wir waren dort wegen unseres Auftrags gewesen. Wenn jemand ein Verbrechen begangen hatte, dann gab es keine Anzeichen dafür. Das Verschwinden des Professors war das einzig Geheimnisvolle.

Nachdem man mich aus dem Krankenhaus entlassen hatte, ließ ich mich zu meiner Wohnung bringen und verbrachte zwei Tage im Bett. Ich traute mich nicht, bei Paolo zu Hause anzurufen. Aber ich versuchte an beiden Tagen, ihn in der Universität zu erreichen.

Seine Frau. Der Gedanke an sie bereitete mir Übelkeit. Ich fühle mich schuldig, und ich trug eine entsetzliche Bürde, da ich mit niemandem darüber reden konnte. Die flüchtigen Blicke, die ich auf das Geschehen hatte erhaschen können, waren so kurz gewesen, dass ich zweifelte, ob das, woran ich mich erinnerte, überhaupt real war.

Dann hörte ich in der zweiten Nacht daheim ein Klackern wie von Kieselsteinen, die gegen mein Fenster geworfen wurden. Ich schaute hinaus und entdeckte Paolo, der im Schatten auf der anderen Seite des kleinen Campo stand. Ich erkannte ihn an dem dunklen Hut und dem Mantel sowie an den Stiefeln. Er hob eine Hand und winkte mir, ich solle zu ihm herunterkommen. Ich versuchte, das Fenster zu öffnen, aber der Riegel klemmte. Als ich wieder aufblickte, war Paolo fort.

Ich warf eine Stola über meinen Baumwollpyjama und eilte nach unten auf den Platz. Der Professor stand in einer Ecke. Dunkel hob sich seine Gestalt von den Schatten ab. Er nickte mir zu und verschwand, als ich ihn erblickte. Ich folgte

ihm. Die Straßen von Venedig sind bei ...

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