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Billy Backe und Mini Murmel

Walle Wacke! Alte Hacke!

Endlich ist der öde, blöde, schnöde Winterschlaf vorbei!

Wie immer weckte uns der Club der Wilden Glühwürmchen. Der Trompetenfrosch spielte ein schiefes Lied dazu. Wir waren sofort walle-wacke-wach und krochen aus unseren Erdlöchern: ich, Billy Backe, berühmtestes Murmeltier im Walle-Wacke-Land, samt neununddreißig Freunden und Verwandten, dazu Polly, das Posthörnchen, und natürlich unser Schrönk. Was ein Schrönk genau ist? Wenn ihr meine früheren Abenteuer kennt, wisst ihr Bescheid: Der Schrönk ist ein Walle-Wacke-Flohzirkusdirektor-Riesenmurmel-Pferd-Trampolin-Schranken-Bagger-Mathematikgenie-Hubschrauber. Jedenfalls bis jetzt! Aber er hat bestimmt noch viel mehr drauf. Auf alle Fälle ist der Schrönk der beste Freund, den man sich vorstellen kann.

„Ich hab Hunger!“, brummte der Schrönk.

Ja, Hunger hatten wir auch! Murmeltierischen Hunger!

Nach so einem Winterschlaf hingen uns die Mägen immer bis unter die Fußsohlen. Wir brauchten Haselnüsse! Sofort! Deshalb brachen wir gleich auf: zum Bunten Wald.

Doch kaum waren wir ein paar Schritte gelaufen, hielt Polly inne. „Schaut mal! Was ist das denn?“, rief sie und zeigte nach oben.

Fli-Fla-Flocke! Über unseren Köpfen, dort, in der Luft, da schwebte ein … ein Ballon! Ja! Ein Heißluftballon! Knallrot! Und unten am Ballon, da hing … Nein! Kein Korb! Das sah aus wie eine Haselnuss! Eine Riesenhaselnuss! So groß wie Polly!

Die meisten Haselnüsse malen wir bunt an. Und spielen mit ihnen. Wie mit Murmeln. Deshalb nennt man uns Murmeltiere. Aber die übrigen Nüsse, also alle Nüsse, mit denen wir nicht spielen, die werden von uns verputzt, verspeist, verspachtelt, da bleibt kein Auge trocken. Und daher lief uns die Suppe auf der Zunge zusammen, als wir die gigantische Haselnuss sahen. Die mussten wir haben! Unbedingt!

„Sieht saulecker aus!“, flötete Polly.

„Mein Magen brummt wie ein Wackelriese!“, rief ich.

„Nichts wie hin!“

Und los ging’s!

Doch wie sollten wir die Nuss samt knallrotem Ballon vom Himmel holen? Für solche Fälle ist es immer toll, den Schrönk dabeizuhaben. Der hat nicht nur einen dicken, kugelrunden Bierbauchkopf, sondern auch zwei lange Arme und zwei lange Beine. Er nahm Anlauf, sprang in die Luft, packte die Nuss und ließ sie nicht mehr los.

„Hurra!“, jubelte Polly. „Du hast sie!“

„Yippi-ya-yeah!“, rief ich und pfiff durch die Zähne.

Ich dachte: Der Schrönk, der ist so stark und so schwer, der zieht die Nuss samt Ballon zu uns nach unten, auf die Erde.

Aber Pusteblume! Nichts da! Im Gegenteil! Unser Schrönk wurde vom Ballon nach oben gezogen! In die Höhe! Er flog davon! Was tun?

„Der Schrönk!“, rief ich zu Polly. „Halt ihn fest!“

„Hippel-di-hipp!“, jauchzte Polly. Sie nahm Anlauf, sprang hoch und packte mit ihren Pfoten die Füße vom Schrönk.

Alte Schabracke! Die beiden waren immer noch zu leicht!

Ich spurtete hinter ihnen her, hüpfte hoch und schnappte mir Pollys Hinterpfoten! Schon hing auch ich dran: Das war die reinste Riesenhaselnussballon-Schrönk-Polly-Billy-Kette.

Und jetzt? Was soll ich sagen! Pi-Pa-Pech! Statt nach unten zu gondeln, schwebten wir weiter durch die Luft! Nach oben. Alter Häuptling Hüpf-Perücke! Das neue Jahr fing ja echt gut an. Kurz nach dem Aufstehen schon das erste Abenteuer!

Wir flogen über den Fliederfluss, näherten uns der M-Brücke, und dann das: Oben auf der M-Brücke lungerten fünf Igel-­Indianer. Igel-Indianer haben immer jede Menge Pfeile in ihren Köchern, also, in ihren Rücken. Denn als Pfeile benutzen sie ihre Stacheln. Und sie sind ständig auf Randale aus!

Jetzt sahen sie uns am Riesenhaselnussballon, jodelten ihr Kampfgeschrei, schnappten sich die Bögen und schossen einen Pfeil nach dem anderen in unsere Richtung. Zisch und Zacke! Die haben nur Unsinn im Kopf, die Igel-Indianer! Die reinsten Stachelschweine sind das doch!

Und schon traf einer der Pfeile unseren Ballon. Wir hörten ein Pffffffffffft, und die Luft flötete langsam heraus. Die Igel-Indianer jubelten.

Und wir? Wir sanken! Trudelten immer tiefer hinab!

Und landeten am Rand des Halli-Galli-Dschungels.

Zuerst ich selbst – krawumm!

Dann Polly – knuff!

Jetzt der Schrönk – schalupp!

Und schließlich die Riesenhaselnuss – rumms!

Auch der rote Ballonstoff fiedelte zu Boden – plieeeffff!

Zum Glück waren wir weich gefallen. Ins Moos. Ein paar Affen schaukelten in den Bäumen. Als sie uns sahen, staunten sie Bauklötze, besser gesagt: Baumklötze.

Ihr Anführer Alfie Affe rief: „Super Landung! Eins a! Tolle Haltungsnoten! Echt cool!“ Und die anderen Affen klatschten Beifall.

Wir schnauften durch. Tasteten unsere Knochen ab. Keiner war verletzt. Glück gehabt! Wir betrachteten unsere Beute: Die Riesenhaselnuss sah so lecker aus, dass wir uns die Bäuche rieben. Wir würden die Nuss gleich knacken, den Kern herausholen und überm Feuer brutzeln. Dazu ein wenig Regenwurmbutter, köstlich!

Doch dann geschah etwas völlig anderes.

„Post!“, rief Polly plötzlich.

„Was ist los?“, fragte der Schrönk.

„Post! Post! Post!“ Polly sprang aufgeregt auf und ab.

Ihr müsst wissen: Polly ist ganz verrückt nach Post aller Art. Schließlich ist sie ein astreines Posthörnchen.

„Ein Brief!“, rief Polly und deutete auf die Nuss.

Tatsache! Jetzt sahen wir es auch: Oben an der Nuss klebte ein Brief! Polly pflückte ihn ab.

„Nun mach schon auf, Polly!“

Polly schüttelte den Kopf: „Postgeheimnis! Nur derjenige darf ihn öffnen, dessen Name auf dem Brief steht.“

„Na toll“, murmelte ich.

„Und?“, fragte der Schrönk. „An wen ist der Brief denn nun ­adressiert?“

Polly räusperte sich und las vor:

„Alter Häuptling Schneckenfeder“, sagte ich. „Das sind wir! Wir haben ihn gefunden! Also dürfen wir ihn auch öffnen!“

„Okay“, sagte Polly und riss den Umschlag auf.

„Nun mach’s nicht so spannend, Polly! Lies vor!“

„Hier steht: ‚Wer auch immer dieses Riesenhaselnuss-Ei findet, darf auf keinen Fall versuchen, die Nuss zu essen! Oder sie aufzuknacken! Das ist nämlich keine Nuss, sondern ein Ei! Ein Haselnuss-Ei! Ein Riesenhaselnuss-Ei! Und aus diesem Ei wird mein Sohn schlüpfen. Eines Tages. Wer auch immer das Ei ­findet: Bring es bitte zu Tabanaka Strumpfloch, dem weisen Medi­zin­mann der Strumpfnasen. Er wird Rat wissen.‘“

Wir schauten uns an. Das war alles mehr als rätselhaft: ein Riesenhaselnuss-Ei? Aus dem etwas schlüpfen würde? Was denn überhaupt? Ein Dino? Ein Rhinozeros? Eine Schlange? Eine wilde Sau? Eine Tütensuppe? Wir wussten es nicht. Und wer hatte diesen Brief geschrieben? Weshalb hatte er das Ei nicht selbst zu Tabanaka Strumpfloch gebracht? Befand sich der Briefschreiber vielleicht in Gefahr?

Rabatz! Auf jeden Fall klang das alles nach einem Haufen neuer Abenteuer!

Ich schaute zu Polly und zum Schrönk. „Seid ihr dabei?“

„Na klar!“, riefen die beiden aufgeregt.

„Aber …“, murmelte Polly „… eigentlich hab ich immer noch saumäßig Hunger.“

Stimmt! Das Knurren unserer Mägen klang inzwischen wie siebzig schnurrende Sabbelzahntiger.

„Dann schlagen wir uns jetzt erst mal die Bäuche voll!“

„Nur womit?“, fragte Polly.

Alter Häuptling Mampfendes Mison!

Wir gingen zum Ufer des Tränenflusses, der am Halli-Galli-Dschungel vorbei durchs Traurige Tal fließt. Dort standen jede Menge Kokospalmen. Der Schrönk schüttelte die Stämme und schlug die runtergeplumpsten Kokosnüsse auf. Das schmeckte walle-wunderbacke! Okay, mit Ketchup wäre es noch leckerer gewesen. Aber was will man machen! Manchmal muss man die Dinge nehmen, wie sie kommen.

Walle Wacke! Kokosnuss!

Knicke Knacke! Hochgenuss!