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Billionaire Bachelor's Club - umwerfend verführerisch - 3-teilige Serie

Monica Murphy

Crave –
Ich will dich!

Roman

Aus dem Amerikanischen von
Gabriele Ramm

 

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Alle handelnden Personen in dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

1. KAPITEL

Archer

Es gibt wenige Dinge im Leben, denen ich widerstehen kann. Wahrscheinlich ein Grund dafür, warum ich mir in jüngeren Jahren so viel Ärger eingehandelt habe. Kontrolle ist alles – und das ist das Einzige, was ich von meinem Vater, diesem Bastard, gelernt habe. Du gewinnst nichts, wenn du dich gehen lässt, deine Emotionen zeigst, verletzlich wirst.

Wenn du nicht in der Lage bist, den Dingen, die dich in Versuchung führen, zu widerstehen, ist das Chaos vorprogrammiert. Davon hatte ich während meiner Kindheit weiß Gott genug. Verdammt, in meinem Berufsleben auch, obwohl ich während der vergangenen Jahre endlich in der Lage gewesen bin, das Blatt zu wenden.

Aber es gibt eine Sache, der ich wirklich nicht widerstehen kann, und das ist eine Herausforderung, eine Wette.

„Er ist so scharf darauf, verheiratet zu sein“, meint Gage, und sein angewiderter Tonfall reißt mich aus meinen Gedanken. Gage Emerson ist einer meiner besten Freunde. Genau wie Matt DeLuca. Ich kenne die beiden schon seit der Highschool. Wir stehen gerade auf dem Hochzeitsempfang unseres Collegefreundes Jeff Lewiston, versteckt in einer dunklen Ecke des überfüllten Ballsaales, wo wir uns über den sogenannten heiligen Stand der Ehe auslassen.

Den Bund fürs Leben zu schließen ist für mich vergleichbar damit, sich einen Strick um den Hals legen zu lassen, der sich mit jedem deprimierenden Tag weiter zuzieht. Meine Eltern stellen ein wahrhaft glorreiches Beispiel für die schlimmste Ehe aller Zeiten dar. Sie hassen sich. Sie betrügen sich. Sie streiten sich. Und trotzdem sind sie noch zusammen.

Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn.

„Er scheint glücklich zu sein“, entgegnet Matt, der Optimistischste von uns dreien, ehe Gage und ich ihn mit einem Blick zum Schweigen bringen.

„Seine Frau ist durchaus attraktiv, das muss man ihr ja lassen“, räumt Gage ein und nippt anschließend an seinem Champagner. „Aber sobald sie aus Tahiti von ihren Flitterwochen zurück sind, verwandelt sie sich in die schlimmste Zicke auf Erden – das garantiere ich euch.“

„Du kennst sie doch gar nicht“, murmelt Matt und schüttelt den Kopf.

„Ist auch nicht nötig. Die sind alle gleich. Wenn du ihnen das erste Mal begegnest, sind sie sexy und hübsch, lieb und nett, und du weißt gar nicht, wie dir geschieht. Der Sex ist unglaublich – und natürlich habt ihr ständig welchen. Sie fallen vor dir auf die Knie, wann immer du sie darum bittest, und beglücken dich mit einem perfekten Blowjob. Und ehe du dich versiehst, kaufst du einen Ring.“ Gage macht eine kleine Pause und trinkt noch einen Schluck Champagner.

Wir haben bereits öfter über dieses Thema geredet. Im Laufe des letzten Jahres haben wir nämlich zusehen müssen, wie zahlreiche unserer Freunde der Ehe zum Opfer gefallen sind. Einer nach dem anderen, wie Soldaten, die im Krieg sterben.

„Du steckst ihnen einen Ring an den Finger, lässt den ganzen Scheiß mit der Hochzeitszeremonie über dich ergehen, und was bleibt dir hinterher? Eine nörgelnde Frau und ein schlaffer Schwanz. Sie hackt dann ständig auf dir rum, weil du nie zu Hause bist und viel zu viel arbeitest.“ Verdammt. Ich verziehe das Gesicht, weil das nach meinem schlimmsten Albtraum klingt.

„Allerdings beschweren sie sich nie, wenn sie all dein Geld ausgeben.“ Gage hebt sein leeres Glas und deutet in den Saal.

„Hört, hört“, pflichte ich ihm bei und erhebe ebenfalls mein Glas, bevor ich es austrinke.

„Ihr zwei seid echte Zyniker. Es wirkt ja fast so, als hättet ihr das tatsächlich schon mal erlebt.“ Matt verschränkt die Arme vor der Brust. „Wann hatte einer von euch überhaupt das letzte Mal eine Freundin.“ Es klingt nicht nach einer Frage, denn er kennt die Antwort nur zu genau.

„Nie“, erwidere ich höhnisch. Eine ernsthafte Beziehung stand für mich nie zur Debatte. Keine Frau hat mich je so sehr interessiert, dass ich sie länger hätte um mich haben wollen.

Es gibt bloß eine einzige Ausnahme, doch von dieser Frau muss ich auf jeden Fall die Finger lassen. Sie ist zu jung, zu nett, zu gut, zu … alles, was ich nicht bin. Sie ist so verdammt verführerisch und so absolut tabu, dass ich echt ein völliger Schwachkopf wäre, etwas mit ihr anzufangen.

Aber ich würde gerne. Verdammt gerne …

„Dieses ganze Gerede, dass eine Frau nichts weiter als ein Klotz am Bein ist, dass sie einem Ketten anlegen will, dass eine Beziehung einer lebenslangen Gefängnisstrafe ähnelt … Ich kann es kaum erwarten, euch beide einknicken zu sehen. Und ich bin überzeugt, ihr werdet so richtig verdammt hart fallen.“ Matt lacht.

Gage und ich funkeln ihn böse an. „Ich habe nicht die Absicht, mich in absehbarer Zeit zu verlieben“, murmelt Gage.

„Nicht in absehbarer Zeit, nicht in diesem Leben“, füge ich hinzu.

„Von wegen.“ Matt schnaubt. „Ihr zwei werdet irgendwann merken, dass ihr diese Sache, die man Leben nennt, nicht ohne eine Frau an eurer Seite durchziehen könnt. Und wenn ihr dann das Greisenalter von … ich sag mal, fünfundvierzig erreicht habt, seid ihr die ewigen Junggesellen, die verzweifelt nach einem heißen Feger zum Heiraten suchen. Allerdings wird euch keins dieser jungen Dinger auch nur eines Blickes würdigen – es sei denn, ihr öffnet euer Portemonnaie.“

„Und wer ist jetzt der Zyniker?“, kontere ich und ernte damit einen vorwurfsvollen Blick von Matt.

„Ich sage nur die Wahrheit“, gibt er achselzuckend zurück. „Und das wisst ihr genau.“

„Du nervst uns, weil wir Singles sind. Dabei bist du selbst einer“, weist Gage ihn zurecht. „Wieso hast du dich denn noch nicht häuslich niedergelassen?“

Auf diese Frage reagiert Matt erneut lediglich mit einem Schulterzucken. „Hab die Richtige noch nicht gefunden.“

Seine Antwort klingt so simpel und so verdammt logisch, dass ich ihm am liebsten eine reingehauen hätte.

„Die Richtige gibt es nicht“, erkläre ich und hoffe, dass ich Matt, der immer noch vom großen, romantischen Happy End träumt, aufrütteln kann. „Irgendwann wirst du dich mit einer x-Beliebigen zufriedengeben. Glaub mir.“

„Von wegen“, sagt Gage, der mit mir einer Meinung ist. „Ich weiß, dass ich definitiv nicht vorhabe, mich niederzulassen oder mich an wen auch immer zu binden.“

„Ich auch nicht“, stimme ich ihm zu. „Das ist bloß was für Weicheier.“

„Genau“, bekräftigt Gage grimmig.

Matt richtet seine Aufmerksamkeit nun ausschließlich auf mich. „Ich wette – und zwar richtig fette Kohle –, dass du der Erste bist, der umfällt.“

„Der umfällt, wie? Auf eine Frau?“ Das bringt mir einen Lacher von Gage ein. „Soll ich wie ein Baum umfallen, oder was? Wovon zum Teufel redest du?“

„Du wirst der Erste sein, der sich in eine Frau verliebt und ihr einen Heiratsantrag macht“, stellt Matt klar.

Mein Mund ist auf einmal ganz trocken. Es fühlt sich an, als hätte jemand eine unsichtbare Schlinge um meinen Hals gelegt und würde sie langsam zuziehen, sodass ich kaum Luft bekomme. „Ja, klar doch“, bringe ich schließlich heraus.

„Ihr zwei wehrt euch so verdammt vehement gegen eine Beziehung. Ich kann mir schon richtig vorstellen, wie ihr einen Schlag vor den Kopf bekommt und hart aufknallt. Und das wird eher früher als später passieren“, versichert Matt uns voller Selbstsicherheit.

Sein selbstgefälliger Ton nervt mich total.

„Auf keinen Fall werde ich mich in absehbarer Zukunft verlieben“, beteuere ich.

„Na, und ich schon mal gar nicht“, schaltet Gage sich ein.

„Wenn ihr daran glauben wollt, bitte schön. Ihr könnt die Tatsachen gern weiter verdrängen oder leugnen. Mir ist das egal.“ Unser Freund versucht, uns richtig aufzustacheln. Und es funktioniert.

„Na gut, willst du die Wette abschließen, die du vorhin erwähnt hast? Ich bin dabei. Ich werde es dir beweisen. Ich brauche weder eine Frau noch eine Beziehung.“ Ich verschränke meine Arme vor der Brust. Matt hat das schon häufiger gemacht. Er genießt es, uns beide auf die Palme zu bringen, und treibt mich echt in den Wahnsinn.

Wollen wir mal sehen, ob er nach dem Köder schnappt. Er nimmt den Mund gern zu voll. Wird Zeit, dass er zubeißt. Oder die Klappe hält.

Gage schnaubt. „Komm, fordere nicht nur ihn heraus. Lass uns drei die Wette abschließen.“

„Von welcher Summe reden wir?“ Matt reibt sich das Kinn. Der Kerl ist stinkreich. Sind wir alle; wir stammen aus wohlhabenden Familien, und wir haben während der Highschool in derselben Nachbarschaft gelebt. Als wir innerhalb weniger Monate alle einundzwanzig wurden, fingen wir an, regelmäßig nach Vegas zu fahren und dort das dicke Geld zu verspielen, so wie andere Leute ihre 25-Cent-Stücke in die Spielautomaten werfen. Nachdem wir unseren Abschluss hatten und das richtige Leben begann, mussten wir mit diesem Quatsch aufhören. Offen gestanden, manchmal vermisse ich es.

„Eine Million für den letzten Single, der übrig bleibt“, meint Gage triumphierend. Er scheint sich seiner Sache so sicher zu sein, als hätte er bereits gewonnen.

„Eine Million Dollar?“ Matt fallen fast die Augen aus dem Kopf. Das Arschloch tut gerade so, als hätte er die Kohle nicht. Dabei hat er sich erst vor Kurzem wegen einer Verletzung, die sein Karriereende als Profi bedeutete, von einem lukrativen Baseball-Vertrag zurückziehen müssen – ohne allerdings einen einzigen Dollar dieses Vertrages einzubüßen. Der Kerl hat massenhaft Knete. Einen Teil davon hat er kürzlich in ein Weingut investiert, das nicht weit von meinem Wohnort entfernt liegt. Und das bloß, damit er es als Verlust von der Steuer absetzen kann.

Ihm geht es finanziell definitiv nicht schlecht. Ebenso wenig wie Gage. Er ist einer der führenden Immobilieninvestoren in der Bay Area und steht in der Rangliste gleich hinter seinem Vater. Sie verfügen beide über ein gewisses Gespür: Sie finden Grundstücke und Unternehmen, kaufen sie für einen Spottpreis und verkaufen sie dann mit enormem Profit weiter.

In der Hotelindustrie erzählt man sich, dass auch ich dieses gewisse Gespür besitze. Was meinen Vater jedoch maßlos ärgert. Ich kann ja nichts dafür, dass ich eine Marktlücke entdeckt und sie entsprechend gefüllt habe – mit dem heruntergekommenen Hotel, das er mir überlassen hat. Er war fest davon ausgegangen, dass ich scheitern würde.

Tja, da habe ich ihn eines Besseren belehrt. Jetzt bin ich so weit, dass ich expandieren kann, und das regt ihn richtig auf.

Es ist fast so, als würde mein eigener Vater es nur zu gern sehen, wenn ich auf die Schnauze falle.

„Was ist? Macht dir das Angst?“, frage ich, weil ich mir hundertprozentig sicher bin, dass ich diese Wette nicht verlieren werde. Keine Frau wird mich mit ihren Krallen so fest packen, dass ich nicht mehr fliehen kann.

Niemals, auf keinen Fall.

Gage lacht und schüttelt den Kopf. „Sei nicht so ein Schlappschwanz, DeLuca. Eine Million ist für dich doch nichts weiter als Kleingeld.“

„Nicht wirklich“, murmelt Matt. „Wobei ich mir allerdings keine Sorgen mache. Ich gewinne sowieso.“

Ha. Dass Matt diese Behauptung so selbstsicher von sich gibt, stachelt mich noch mehr an. Ich werde ihm beweisen, dass er falschliegt. „Glaubst du das im Ernst?“

„Ich weiß es.“ Matt lächelt. „Ich würde sogar weitere fünfzig Riesen wetten, dass die nächste Frau, mit der du sprichst, deine Ehefrau wird.“

„Geile Wette, Kumpel. Nimm sie an“, mischt Gage sich ein und stupst mich nicht gerade sanft gegen die Schulter. „Vergiss es, Matt. Ich sehe hier im Saal nicht eine einzige Frau, mit der Archer gern reden würde. Geschweige denn eine, die er heiraten würde.“

Ich sage nichts. Es gibt eine Frau, mit der ich mich allzu gern unterhalten würde. Mit der ich gern zusammen sein würde. Damit meine ich natürlich keine ernsthafte, dauerhafte Beziehung, die womöglich auf eine Ehe hinausläuft. Nein, verdammt, so was ist in meiner Zukunftsplanung nicht vorgesehen. Ich wäre der armen Frau ein furchtbarer Ehemann, und das ist mir auch klar. Deshalb lasse ich sie ja in Ruhe.

Sie will nämlich das volle Programm. Einen Ehemann und Kinder, einen weißen Gartenzaun um ein hübsches kleines Häuschen, das sie einrichten kann. Ich weiß, dass sie das will. Sie ist eine Träumerin, eine Romantikerin.

Sie hat es verdient, dass man sie wie eine Königin behandelt. Ich würde ihr bloß wehtun, und es würde mich umbringen, wenn ich es täte. Gage würde mich ebenfalls umbringen.

Er kennt sie gut; schließlich handelt es sich um seine kleine Schwester.

Als sie noch jünger war, habe ich auch nicht mehr als Gages kleine Schwester in ihr gesehen. Doch als Teenager blühte sie auf einmal auf und war so heiß, dass ich in ihrer Nähe immer auf die unmöglichsten Gedanken kam. Die siebzehnjährige Ivy gab mir das Gefühl, pervers zu sein. Die Tatsache, dass sie jedes Mal gerade dann mit mir reden wollte, wenn ich versuchte, ihr aus dem Weg zu gehen, war auch nicht besonders hilfreich. Als hätte sie gewusst, dass sie mich verrückt machen kann, und als wäre sie entschlossen gewesen, mir richtig unter die Haut zu gehen mit ihrer süßen, nachdenklichen Art. Sie hat über meine Witze gelacht und mich betrachtet, als könnte sie direkt in mich hineinschauen.

Und als sie sich dann zu dieser schönen, sexy, selbstsicheren Frau entwickelte, wusste ich ohne Zweifel, dass ich sie unter allen Umständen meiden muss. Ich wollte sie nämlich … begehre sie bis heute. Sie ist die erste Frau, die mir wirklich etwas bedeutet. Ich will sie nicht verletzen, aber das würde ich tun. Ich habe bisher allen Frauen in meinem Leben wehgetan. Fragt meine Mutter. Fragt sämtliche weibliche Wesen, die geglaubt haben, sie hätten auch nur eine winzige Chance, mit mir zusammen sein zu können.

„Geh und spiel den Babysitter für Ivy“, schlägt Gage vor.

Fassungslos drehe ich mich zu ihm um. Kann er in meinen Kopf sehen und Gedanken lesen, oder was? Das ist ja echt total abgefahren und beängstigend.

„Was meinst du damit?“, frage ich ihn misstrauisch.

„Willst du dir auf einfache Art und Weise fünfzig Riesen verdienen? Geh zu Ivy. Als ob sie so ein bemitleidenswertes Arschloch wie dich heiraten würde.“ Gage lacht, während mir das Lachen vergeht. Wieso bin ich ein bemitleidenswertes Arschloch? Ja, sicher hätte ich Ivy nicht verdient. Verdammt, seine Worte sind trotzdem verletzend.

Als ich darauf nichts antworte, fährt Gage fort: „Sie hat mit dem Typen Schluss gemacht, mit dem sie eine Weile zusammen war. Nicht dass er ihrer würdig gewesen wäre, aber seitdem ist sie ziemlich niedergeschlagen. Du könntest den Abend an ihrer Seite bleiben und sie sozusagen als Schutzschild benutzen, damit dich all die anderen Frauen in Ruhe lassen, die es vielleicht auf dich abgesehen haben. Ivy mochte dich schon immer. Wobei ich wirklich nicht verstehe, wieso. Immerhin bist du ein verdammter Idiot.“

Er hält kurz inne und kneift die Augen zusammen. „Mir ist schon klar, dass du hinter jedem Rock her bist, aber ich weiß, dass du dich an meiner kleinen Schwester nicht vergreifen wirst. Richtig?“

Der bedeutungsvolle Blick, den er mir zuwirft, lässt keine Fragen offen. Ich möchte ihm ja gern versprechen, dass ich mich an ihr nicht vergreifen werde. Doch er redet hier von Ivy … und ich will immer das haben, was ich nicht haben kann.

Vor allem sie.

„Sie zählt sowieso nicht“, sagt Matt lachend. „Es ist schließlich nur Ivy.“

„Richtig. Nur Ivy.“ Ich nicke und schaue mich um in der Hoffnung, sie irgendwo zu entdecken. Sie ist hier. Ich habe sie vorhin gesehen, obwohl sie mir aus dem Weg gegangen ist. Meistens ärgere ich sie nämlich gnadenlos, statt meine wahren Gefühle preiszugeben. „Du meinst, sie zählt nicht zu dieser idiotischen Wette, die du gerade mit mir abgeschlossen hast?“

„Natürlich zählt sie nicht dazu. Außerdem würde Gage dich umbringen“, erwidert Matt völlig gelassen. „Ungefähr fünfundzwanzig Frauen beobachten uns übrigens in diesem Moment. Sind, glaube ich, alles irgendwelche Frauen aus der Studentenverbindung der Braut. Die gieren bloß danach, dass du endlich in ihre Richtung guckst, Archer. Die Erste, die mit dir redet, die wirst du heiraten. Das garantiere ich dir.“

„Schwachsinn“, murmele ich. Mein Freund hat echt den Verstand verloren.

„Wie du meinst.“ Matt und Gage lachen, doch ich ignoriere sie.

Als ich mich noch einmal im Saal umsehe, finde ich sie: Ivy. Sie sitzt allein an einem Tisch und beobachtet die Paare, die auf der Tanzfläche zu irgendeinem schnulzigen Liebeslied ihre Runden drehen. Ihr langes braunes Haar ist heute gewellt – normalerweise trägt sie es glatt. Ich merke, dass ich am liebsten mit den Händen hindurchfahren und herausfinden würde, ob es sich so seidig anfühlt, wie es aussieht. Sie trägt ein dunkelblaues und trägerloses Kleid, das viel von ihrer weichen, zarten Haut entblößt. Mir jucken geradezu die Finger, weil ich sie unbedingt berühren will.

Ihr sehnsuchtsvoller Blick ist offensichtlich, und ich bin versucht, zu ihr zu gehen. Sie zum Tanzen aufzufordern. Sie in die Arme zu ziehen und zu spüren, wie sich ihre Kurven an meinen Körper schmiegen, während ich ihren süßen Duft einatme.

Verdammt.

Ja, klar doch. Wahrscheinlich schickt sie mich eher zum Teufel, als dass sie mit mir tanzt.

„Ich würde sie niemals anrühren“, lüge ich, denn natürlich würde ich nichts lieber tun. „Du kannst mir vertrauen.“

Noch eine Lüge. Gage würde mir allein schon dafür, dass ich nur an seine Schwester denke, einen Tritt in die Eier verpassen. Nicht auszudenken, was er mit mir machen würde, wenn ich tatsächlich … Na ja, mit ihr … Über ihr, unter ihr – in jeder Variation, in der ich sie kriegen kann. Sie ist die Einzige, die mich in Versuchung führen könnte, diese verrückte Wette zu verlieren, die ich soeben eingegangen bin. Die mich dazu bringen könnte, gegen all das zu verstoßen, woran ich seit Kindertagen glaube.

Aber das werde ich nicht tun. Ich weigere mich nachzugeben. Sie ist nichts für mich.

Egal, wie sehr ich sie auch begehre.

Ivy

Es gibt nichts Schlimmeres, als allein auf eine Hochzeit zu gehen – vor allem, da ich achtundvierzig Stunden vorher noch einen Begleiter gehabt habe. Bevor ich darauf gestoßen wurde, dass sich der Typ, mit dem ich liiert war, auch noch mit der Frau traf, mit der er angeblich schon vor sechs Monaten Schluss gemacht hatte.

Wie ich von dieser miesen Neuigkeit erfahren habe? Die vermeintliche Ex rief mich auf meinem Handy an und stauchte mich zusammen, während ich mit einem Kunden Tapetenmuster anschaute. Das war so was von peinlich. Und auf einmal war es, als wäre ich in einer Jerry-Springer-Episode gelandet. Die Frau gab mir das Gefühl, als wäre ich eine betrügerische Nutte, die bloß darauf aus ist, ihr den Mann wegzunehmen. Das ist wirklich das Letzte, was ich bin. Ich bin keine von denen, die anderen den Mann ausspannt. Ich weiß, dass es Frauen gibt, die sich vor allem zu Männern hingezogen fühlen, die eine Beziehung haben, aber zu denen gehöre ich nicht. Männer, die bereits vergeben sind, machen viel zu viel Ärger. Muss nicht sein, vielen Dank auch.

Während die angebliche Exfreundin noch herumjammerte, habe ich das Telefongespräch abrupt beendet und umgehend Marc angerufen, um ihn wissen zu lassen, dass die Sache zwischen uns beendet ist. Von ihm kam – kaum verwunderlich – so gut wie kein Protest. Was für ein Mistkerl!

Also sitze ich jetzt hier allein. Am Tisch für die Singles, denn als ich die Braut darüber informiert habe, dass ich nun leider doch niemanden mitbringe, ist Cecily ausgeflippt. Sie hat mir vorgeworfen, dass ich ihre sorgfältig ausgetüftelte Sitzordnung durcheinanderbringen würde. Oh, mein Gott, kannst du den Typen nicht trotzdem einfach mitbringen und das irgendwie durchstehen?

Ich schätze, mein ausdrückliches Nein auf diese Frage bescherte mir diesen Platz am Tisch der Verzweifelten und Einsamen. Sozusagen als Strafe.

Seufzend stelle ich meinen Ellenbogen auf den Tisch und stütze meinen Kopf auf die Hand, während ich den vielen Paaren beim Tanzen zuschaue. Braut und Bräutigam befinden sich in der Mitte der Tanzfläche und grinsen sich an wie Honigkuchenpferde. Sie sehen glücklich aus. Alle sehen glücklich aus.

Ich bin neidisch auf all das Glück um mich herum. Hochzeiten erinnern mich daran, dass ich allein bin. Das ist der Moment, in dem ich mir wünsche, jemanden zu finden. Schon mein ganzes Leben lang habe ich eigentlich bloß Pech mit Männern. Ich lande immer bei den Falschen, das hat mir auch meine Mom mehr als einmal versichert. Sie beschreibt mich als eine Frau mit Helferkomplex. Ich picke mir immer die kaputten Typen raus und versuche, sie wieder aufzurichten. Sie nennt es das Humpty-Dumpty-Syndrom – wegen des Kindergedichts, in dem das arme Ei Humpty Dumpty von der Mauer fällt und nicht wieder zusammengeflickt werden kann.

Na super. Danke, Mom.

Mein Bruder hält mich für viel zu jung, um mich häuslich niederzulassen, aber ich bin eben nicht wie er. Er will einfach nur rumvögeln und für immer Single bleiben. Gage hat keine Ahnung, was ich will. Aber weiß ich selbst es eigentlich? Ich bin mir nicht sicher. Ich dachte, ich wüsste es. Ich dachte, Marc hätte Potenzial.

Tja, wie sich herausstellte, landete auch er – wie Humpty Dumpty – krachend auf dem Boden. Den konnte ich definitiv nicht wieder zusammenflicken.

Vielleicht sollte ich nicht ständig alles so verdammt ernst nehmen. Vielleicht sollte ich mich mal locker machen und etwas total Verrücktes tun. Ich könnte mir zum Beispiel irgendeinen Typen angeln und mit ihm in einer dunklen Ecke herummachen. Ich vermisse es, dass ein Mann mein Gesicht zwischen seine Hände nimmt und mich langsam küsst. Ausgiebig. Leider war Marc kein sonderlich guter Küsser. Zu viel Zunge. Obwohl ich fest daran geglaubt hatte, ihm dabei helfen zu können, sich diese ärgerliche Angewohnheit abzugewöhnen.

Dazu hat er mir ja jetzt keine Gelegenheit mehr gegeben, was eigentlich ganz gut so ist, denn die Chemie muss stimmen. Wenn ich schon bei einem Kuss kein Knistern spüre, ist der Typ eindeutig nicht der Richtige für mich.

Wenn ich eine Beziehung mit einem Mann eingehe, dann will ich, dass es knistert. Das brauche ich einfach. Dieses Funkensprühen. Diese Chemie. Ein paar verstohlene Küsse; tastende Hände; geflüsterte Worte in einer ruhigen Ecke, wo die Gefahr besteht, dass wir erwischt werden. Er würde mich gegen eine Wand pressen, meine Wangen sanft umschließen und mich küssen, als würde er es wirklich ernst meinen …

Ich runzele die Stirn. Es ist nicht zu fassen. Da sitze ich allein an einem Tisch und male mir einen wilden Hochzeitsfeier-One-Night-Stand mit einem gesichtslosen Typen aus. Seit wann bin ich so verzweifelt?

„Was ist los, Küken?“, fragt eine vertraute Stimme hinter mir, und sofort verspannen sich meine Schultern. Na super. Diese tiefe samtige Stimme würde ich überall wiedererkennen. Archer Bancroft. Er ist der absolut Letzte, mit dem ich mich heute Abend herumschlagen will.

Das ist tatsächlich mal ein typischer Humpty-Dumpty-Typ. Archer weiß, dass er kaputt und angeschlagen ist. Und er will definitiv nicht zusammengeflickt werden. Was das Verrückte daran ist? Es gefällt ihm so. Er schwelgt geradezu in seiner Zerrissenheit.

Nein danke. Selbst ich kenne meine Grenzen. Obwohl er schon fast erschreckend atemberaubend ist. Ehrlich, Archer sieht fantastisch aus. Dunkles Haar, dunkle Augen, groß und kräftig. Sein Körper ist gestählt und muskulös, ohne dabei übertrieben aufgepumpt zu wirken. Er ist echt zum Dahinschmelzen.

Und er ist der beste Freund meines Bruders. Ich kenne Archer seit meinem zwölften Lebensjahr, als er mit seinen eiskalten Eltern bei uns nebenan eingezogen ist. Natürlich habe ich mich sofort in ihn verknallt. Damals war er das Exotischste, was ich in meiner beständigen und langweiligen Nachbarschaft, in der nie jemand wegzog, je gesehen hatte.

Diese Verliebtheit endete ziemlich schnell, als mir klar wurde, was für ein Playboy er war. Sogar als Zwölfjährige war ich in der Lage, die bittere Wahrheit zu erkennen.

Clevere Mädchen lassen sich nicht mit Archer ein.

Jetzt streicht er mit dem Finger über meine nackte Schulter und reißt mich damit aus meinen Erinnerungen … und lässt mich erzittern. „Du siehst ganz schön niedergeschlagen aus, und das trotz des glücklichen Anlasses, Küken.“

Als ich ihn anschaue, wirft er mir sein berühmtes Lächeln zu; sein Markenzeichen, bei dem den meisten Frauen die Höschen feucht werden. Ich weigere mich jedoch, das auch nur eine Sekunde lang geschehen zu lassen. „Ich würde mir wirklich wünschen, dass du endlich aufhörst, mich so zu nennen“, erkläre ich genervt und starre ihn wütend an. Dass er mich zweimal innerhalb von genauso vielen Minuten Küken genannt hat, ist ein sicheres Zeichen dafür, dass er es darauf abgesehen hat, mich wahnsinnig zu machen.

Sonst noch was Neues?

Er lacht jedoch bloß, und seine dunkelbraunen Augen leuchten auf. Es ist echt nicht fair, wie gut er aussieht. Er hat ein kräftiges Kinn und diesen sinnlichen Mund. Und dann noch diese Grübchen, die sich allerdings eher selten zeigen. Wenn ich sie doch mal zu sehen bekomme, würde ich sie am liebsten küssen und mit der Zunge darüberlecken.

Ich verziehe das Gesicht. Ich sollte definitiv nicht darüber nachdenken, Archers Gesicht abzulecken. Was zum Teufel ist mit mir los? Zu viel Champagner, oder was?

Wohl eher zu viele Fantasien von dunklen Ecken und heißen Küssen, die dir den Atem rauben.

„Kein ‚Hallo, Archer, wie geht es dir‘?“ Er schüttelt den Kopf und legt seine Hand auf meine Stuhllehne, wobei seine Finger meine nackte Haut streifen. Ich versuche, das Zittern zu unterdrücken, das mich bei seiner beiläufigen Berührung überkommt. „Und dabei bist du doch sonst immer so überaus höflich.“

„Archer, hör auf mit dem Scheiß.“ Ich sehe ihn direkt an und stelle zufrieden fest, dass sein Lächeln erstirbt. Habe ich schon jemals so mit ihm geredet? Wahrscheinlich nicht, aber ich kann nicht anders. Heute Abend jedenfalls nicht. „Ich bin nicht in der Stimmung. Ich habe eine miese Woche hinter mir.“

„Ja, ich hab’s gehört“, erwidert er leise, und in seinen Augen flackert Mitgefühl auf. „Tut mir leid, die Sache mit dem Typen.“

Ich werde meinen Bruder dafür umbringen, dass er das ausgeplaudert hat. Nun komme ich mir richtig erbärmlich vor. Archer ist wahrscheinlich zu mir rübergekommen, weil er Mitleid mit mir hat. Vor ein paar Minuten habe ich ihn noch mit Gage und Matthew DeLuca reden sehen, auch wenn sie mich nicht bemerkt haben. Haben sie über meinen erneut gescheiterten Versuch gelacht, einen anständigen Kerl zu finden? Vermutlich. Diese drei machen sich bereits seit Jahren über mich lustig. Es ist ihnen richtiggehend zur Gewohnheit geworden. „Keine große Sache. Er war ein absoluter Idiot.“

„Würde ich auch sagen, wenn er dich so einfach gehen lässt.“

Hat er das eben wirklich gesagt? Was meint er damit? „Gibt es etwas, worüber du mit mir reden wolltest?“ Ich will ihn loswerden. Aus welchem Grund auch immer, doch mit ein paar Worten hat er es geschafft, mich heute Abend durcheinanderzubringen – und das gefällt mir nicht. Ich bin offensichtlich schon durcheinander genug, wenn ich mir insgeheim ausmale, wie es wäre, es in einer dunklen Ecke mit einem heißen Mann zu treiben.

Heiß wie Archer …

„Ja, gibt es.“ Das Lächeln kehrt zurück, jetzt ein wenig sanfter und nicht mehr ganz so selbstgewiss. „Willst du tanzen?“

„Mit dir?“ Ich fasse es nicht. Und am liebsten würde ich lachen, weil ich ihn mit meiner Frage anscheinend total beleidigt habe.

„Ja, mit mir. Komm schon.“ Er streckt mir seine Hand hin. „Sei mein Schutzschild, ehe irgendeine dieser verrückten Frauen mich auf die Tanzfläche zerrt. Sie umkreisen mich schon, Küken. Sie sind kurz davor, sich auf mich zu stürzen, wenn ich nicht aufpasse.“

Er hat recht. Ich beobachte, wie ein paar Frauen langsam auf uns zukommen. Mit einem Mal befällt mich das Bedürfnis, ihnen zu zeigen, dass er nicht zu haben ist. Und so lasse ich zu, dass er meine Hand nimmt, dass sich seine langen Finger um meine schließen, als er mich auf die Füße zieht. Unverhohlen mustert er mich und lässt den Blick über meinen gesamten Körper gleiten, bevor er an meiner Brust hängen bleibt. Am liebsten hätte ich ihm dafür eine gelangt, während ich gleichzeitig gern gefragt hätte, ob ihm gefällt, was er da sieht.

Ja, ich bin echt durcheinander.

Eine Frau taucht vor uns auf, mit einem so breiten Lächeln, dass ich überlege, ob ihr das Gesicht wohl schon wehtut. „Hallo, Sie sind doch Archer Bancroft, richtig? Von den Bancroft Hotels? Dem Hush Resort und Spa?“, fragt sie übertrieben munter.

„Bin ich, ja.“ Er zieht mich näher an sich, lässt meine Hand los, damit er den Arm besitzergreifend um meine Schultern legen kann, so als wollte er sagen, dass ich zu ihm gehöre. Mit dem Daumen zeichnet er kleine Kreise auf meine Haut und bringt mich dazu, ein wenig schneller zu atmen. Ich senke den Blick zu Boden und versuche, mich wieder zu fangen. „Sind wir uns schon einmal begegnet?“

„Einmal. Ist bereits eine Weile her, aber ich bin sicher, dass Sie sich nicht an mich erinnern.“ Ich schaue auf und erkenne, dass sie breiter lächelt. Wie ist das überhaupt noch möglich? „Ich wollte immer mal dorthin. Ins Hush.“

Hush Resort und Spa. Das Hotel, das Archers Vater seinem Sohn als eine Art Strafe überlassen hat, kaum dass er das College abgeschlossen hatte. Archer hat dieses Resort, das nur für Paare gedacht ist, zu einem der exklusivsten und erfolgreichsten im Land, wenn nicht sogar auf der ganzen Welt gemacht. Damit ist er in kürzester Zeit berühmt geworden. Hinzu kam, dass er fantastisch aussieht, sexy, intelligent und rücksichtslos ist – und schon wollten sämtliche Frauen mit ihm zusammen sein, und alle Männer wollten wie er sein. Und Archer, dieser arrogante Mistkerl, wusste es genau.

„Dann schlage ich vor, Sie reservieren einfach ein Zimmer.“ Seine Stimme klingt ziemlich genervt. Er versucht, mit mir zusammen an ihr vorbeizukommen, doch sie weicht nicht von der Stelle.

„Kann ich leider nicht. Ich bin nicht Teil eines Paares.“ Sie klimpert doch tatsächlich mit den Wimpern. „Vielleicht können Sie mir da weiterhelfen?“

„Ich bin sicher, wir könnten sie mit einem deiner Freunde zusammenbringen. Was meinst du, Baby?“ Ich lächle Archer an und werfe ihm einen bedeutungsvollen Blick zu, damit er begreift, worauf ich gerade hinauswill. Er blinzelt kurz, zweifellos verwirrt, weil ich ihn Baby genannt habe, und das finde ich ziemlich cool. Er ist nämlich echt heiß, wenn er verwirrt ist, und dabei ist es verdammt schwer, Archer aus der Ruhe zu bringen. Also beschließe ich kurzerhand, das Spielchen noch ein wenig weiterzutreiben.

Ich strecke mich, schmiege mein Gesicht an seinen Hals und atme seinen einzigartigen, würzigen Duft ein. Gott, er riecht unglaublich. Warum ist mir das vorher nie aufgefallen? Wahrscheinlich, weil wir sonst nie so eng beieinanderstehen. Im Moment bin ich allerdings echt versucht, mich wie eine Katze an ihm zu reiben.

Ich frage mich, ob die Frau uns schon abgekauft hat, dass wir ein Paar sind. Wenn ich das noch länger durchziehen muss, könnte es passieren, dass ich etwas Verrücktes tue. Wie zum Beispiel … ihn zu beißen.

„Ich bin sicher, dass sich das arrangieren ließe“, erwidert er mit rauer Stimme, während er mich an sich drückt.

Ich schlinge meinen Arm um seine Mitte. Er ist so solide wie ein Fels. Prompt grübele ich nach, wie er wohl unter diesen feinen Klamotten aussieht. Ich habe ihn seit meiner Zeit an der Highschool nicht mehr ohne Hemd gesehen, und seitdem hat er ordentlich an Muskeln zugelegt. „Wenn Sie uns entschuldigen würden“, sage ich mit einem widerlich zuckersüßen Lächeln zu Miss Hartnäckig, bevor ich mich an Archer wende. „Lass uns tanzen gehen, Baby.“

Er führt mich schweigend auf die Tanzfläche und zieht mich in die Arme, gerade als ein neues, langsames Lied angestimmt wird. Seine Hand liegt auf meinem unteren Rücken, während wir uns im Rhythmus der Musik bewegen, und mein gesamter Körper kribbelt aufgrund dieser Nähe. Was total merkwürdig ist, denn erstens habe ich keinerlei Interesse, auf diese Art mit Archer zusammen zu sein, und zweitens bin ich seit Jahren immun gegenüber seinem Charme.

Sehr seltsam.

„Du bist gut. Diese kleine Show mit dem ‚Baby‘ und wie du deine Nase an meinem Hals gerieben hast – das war ziemlich überzeugend“, murmelt er nahe an meinem Ohr. Sein heißer Atem lässt mich wohlig erschauern, und ich frage mich, ob er es wohl spürt. Muss er eigentlich.

Aber im Grunde ist es mir auch egal. Ich bin mir seiner Nähe so was von bewusst, seiner Größe, seiner Wärme und der schieren Kraft, die er ausstrahlt. Seine große Hand wandert noch ein wenig tiefer auf meinem Rücken, und als er mit den Fingerspitzen über meinen Hintern streift, schnappe ich nach Luft. Ich wette, er weiß ganz genau, wie er diese Hände benutzen muss.

Oh, mein Gott, das hier ist Archer. Hör auf, seinetwegen zu sabbern!

„Meinst du, sie hat uns das Theater abgekauft?“, frage ich atemlos.

„Bin mir nicht sicher.“ Er zögert einen winzigen Moment lang und bringt mich damit dazu, ihn anzuschauen.

Sein leidenschaftlicher Blick bringt mich total aus der Fassung. Er sieht mich an, als wolle er mich mit Haut und Haaren verschlingen. Ich überlege, ob ich diesen Blick ebenso erwidere, denn mich überkommt plötzlich das dringende Bedürfnis, ihn zu küssen. Stundenlang, wenn möglich. „Aber ich weiß, dass ich es getan habe.“

2. KAPITEL

Archer

Na, das war ja jetzt mal total unerwartet.

Ich bin noch immer ganz von den Socken und muss mir echt verdammte Mühe geben, damit Ivy nicht merkt, wie sehr sie mich aus der Ruhe gebracht hat. All dieses Gerede von wegen „Es ist doch nur Ivy“ war in dem Moment vergessen, als ich ihren entschlossenen Blick sah, nachdem sie erkannt hatte, dass sie mir helfen konnte, diese aufdringliche Frau loszuwerden. Wie sie sich an mich geschmiegt und mich Baby genannt hat … Wow. Und dann dieses verstohlene, sexy Lächeln, als wüsste sie genau, wie ich nackt aussehe, und als würde es ihr gefallen.

Als sie anschließend auch noch anfing, ihr Gesicht an meinen Hals zu pressen, wurde ich so was von hart, dass mir allein die Erinnerung daran noch wehtut.

Wenn das keine Folter ist. Kein Wunder, dass ich Ivy lieber aus dem Weg gehe. Kaum bin ich ein paar Minuten in ihrer Nähe, habe ich einen Ständer und überlege, wie ich sie am besten von hier entführen, sie nackt ausziehen und mich mit ihr vergnügen kann. Die ganze Nacht lang.

„Du ziehst mich doch bloß auf“, meint sie jetzt, während sie mich mit ihren hübschen haselnussbraunen Augen mustert. Es sind nicht viele Paare auf der Tanzfläche, doch Braut und Bräutigam tanzen in unserer Nähe, die Lichter sind gedimmt, und die Atmosphäre ist beängstigend romantisch. „Komm schon, du hast mir das nie im Leben abgekauft.“

Fuck, wer zieht hier wohl wen auf? Ich bin mir nicht sicher, ob sie überhaupt mitbekommt, wie sehr sie mir zusetzt. Doch, eigentlich weiß ich, dass sie es nicht tut. Ich frage mich, ob sie je an mich denkt. An den besten Freund ihres Bruders, an den Mistkerl, der ihr nichts als Scheiße erzählt. Da ich sie seit meinem sechzehnten Lebensjahr kenne, benehme ich mich in ihrer Gegenwart immer wie ein idiotischer Teenager. Es ist so, als könnte ich gar nicht anders.

Ich bin ein erwachsenes, milliardenschweres Arschloch, das eins der erfolgreichsten und exklusivsten Resorts im ganzen Land betreibt – nur darauf reduziert Ivy Emerson mich.

„Oh, ich habe es dir tatsächlich abgekauft“, erkläre ich schulterzuckend und bemühe mich um Nonchalance. „Ich bin bloß überrascht, dass du es nicht weiter auf die Spitze getrieben hast. Du hättest ja auch noch meinen Schwanz packen und behaupten können, er gehöre dir.“

Eine der dunklen Brauen schießt in die Höhe, und ihr Mund verzieht sich. Verdammt, sie ist heiß. Sogar, wenn sie sauer ist. Vor allem, wenn sie sauer ist. „Du bist echt so was von geschmacklos.“

Wenn sie wüsste, wie geschmacklos ich bin. Ich will sie nämlich vernaschen.

Sie in den Armen zu halten macht die Sache nicht besser, aber sie ist so weich und duftet so verdammt gut, dass ich ihr nicht widerstehen kann. Ihr dunkles Haar schimmert im warmen Licht, und das Oberteil ihres trägerlosen Kleides sieht so aus, als könnte man es ganz leicht herunterziehen, falls man – in diesem Fall ich – den Wunsch danach verspüren sollte.

Was ich nicht tue. Nicht wirklich.

Lügner.

Es ist jedoch nicht nur ihre Schönheit, die mich so anmacht. Ivy hat so viel mehr zu bieten. Wie sie mir zuhört, wie stolz sie zu sein scheint, wenn ich ihr von meiner Arbeit erzähle. Es ist fast so, als würde es ihr wirklich etwas bedeuten.

„Du hast meine offene Art doch immer zu schätzen gewusst“, entgegne ich und ziehe sie noch ein klein wenig näher an mich, während ich sie über die Tanzfläche führe. Ihre Brüste sind an meinen Oberkörper gepresst, ihre Hand gleitet über meine Schulter, und ihre Berührung verbrennt mich geradezu. Durch mein Jackett und mein Hemd hindurch, so als würde sie nackte Haut berühren und mich brandmarken.

Und ich will mich von ihr brandmarken lassen. Obwohl ich mich eigentlich mit keiner Frau einlassen will, ist Ivy die Einzige, mit der ich nicht nur zusammen sein, sondern vor der ich auch davonlaufen will.

Ja, das ergibt echt alles überhaupt keinen Sinn.

„Ehrlich? Wer sagt das? Wann hatten wir denn das letzte Mal eine vor Geist sprühende Unterhaltung, hm?“ Sie schenkt mir ein Lächeln. Es ist zwar schwach, aber es ist da und ermutigt mich.

Außerdem klang das, was sie gesagt hat, irgendwie sexy. Die Frau ist entweder eine Art Sexgöttin, oder ich bin inzwischen total pervers. „Vielleicht müssen wir unsere Freundschaft erneuern. Uns noch einmal besser kennenlernen“, schlage ich vor und versuche einmal mehr, nonchalant zu wirken.

„Als ob du auch nur irgendein Interesse daran hättest, mich besser kennenzulernen.“ Sie verdreht die Augen. „Wir kennen uns seit Jahren. Es ist ja nicht so, als hättest du jemals Interesse an mir gezeigt.“

„Ich war immer an dir interessiert. Du hast es nur nie mitbekommen.“ Ich halte kurz inne und bemerke, wie sich ihre Augen ein kleines bisschen weiten. Ich wette, mein Geständnis überrascht sie. „Jedes Mal, wenn ich dich sehe, Ivy, erinnere ich mich daran, wie du bei unserem ersten Treffen ausgesehen hast. Damals warst du zwölf, total schlaksig und dünn, und du hattest eine Zahnspange.“ Und sieh sie dir jetzt an. Sie ist gereift und hat Rundungen an all den richtigen Stellen. Auf diesem blöden Empfang ist sie die Frau mit dem meisten Sex-Appeal.

„Na super. Das heißt, du siehst in mir die ewige Zwölfjährige“, murmelt sie und verzieht das Gesicht.

Scheiße. Da bin ich mit ein paar ausgewählten Worten ja voll ins Fettnäpfchen getreten. Kann man es noch dümmer anstellen?

„Ich betrachte dich definitiv nicht als Zwölfjährige“, gebe ich leise zurück und presse sie an mich. „Das ist dir doch wohl klar, oder?“

Sie begegnet meinem Blick voller Misstrauen und zieht einen Schmollmund. „Als was siehst du mich dann, Archer? Gages nervige Schwester? Die Kleine, über die du dich in ihrem ersten Jahr am College lustig gemacht hast, während du ja schon ein viel wichtigeres, höheres Semester warst? Erinnerst du dich daran?“

Verdammt, will sie jetzt etwa all meine Fehler auflisten, oder was? Ich bin nicht stolz darauf, wie ich mich früher aufgeführt habe. Ich war ein egoistischer Bastard.

Manche meinen, das wäre ich heute noch. „Ich war damals ein Arschloch“, sage ich.

„Soweit ich das beobachten kann, tendierst du manchmal noch immer dazu.“ Ihre braunen Augen funkeln, als sie herausfordernd das Kinn hebt.

„Was soll das denn heißen?“ Verdammt, vielleicht gehe ich ihr aus dem Weg, weil wir bei jeder Begegnung dazu neigen, aufeinander loszugehen. Trotzdem will ich sie. Ich will sie seit … Ewigkeiten. Aber sie tut so, als könne sie mich nicht ausstehen. Als würde allein meine Gegenwart sie anekeln. Keine andere Frau hat je so auf mich reagiert. Ich begreife es einfach nicht.

Ich begreife sie nicht. Und ganz sicher begreife ich nicht, wieso ich mich so zu ihr hingezogen fühle.

Womöglich hast du eine masochistische Ader?

Klar doch. Ich ignoriere diese leise Stimme.

„Vergiss es.“ Sie senkt den Blick.

„Sag mir, wovon du redest, Ivy.“

„Nichts.“ Sie schaut mich wieder an. „Lass gut sein, okay?“

Ich lasse es gut sein, und wir tanzen schweigend weiter, während die Haie mich weiterhin umkreisen. Ich entdecke mindestens drei Frauen, die anscheinend bloß darauf warten, dass ich an den Rand der Tanzfläche zurückkehre. Die bereit sind, sich auf mich zu stürzen, sobald der Song endet.

Ich muss hier raus.

„Lass uns nach draußen gehen“, bitte ich Ivy, als ich eine Frau erblicke, die mir irgendwie bekannt vorkommt. Ich könnte schwören, dass der Bräutigam irgendwann versucht hat, mich mit ihr zu verkuppeln. Wir sind mal zusammen essen gegangen, als Jeff und Cecilys Beziehung ernster wurde.

„Soll das dein Ernst sein? Ich werde einen Teufel tun und mit dir nach draußen gehen. Wahrscheinlich willst du bloß versuchen, mich zu vermöbeln.“

Das klingt gar nicht mal so übel, aber ich bin mir sicher, dass sie nicht viel davon hält. „Vielleicht brauchst du das mal, um den Stock aus deinem Arsch zu bekommen.“

„Was hast du gerade gesagt?“ Sie hört so abrupt mit dem Tanzen auf, dass sie fast über meine Füße stolpert. Noch dazu trägt sie ja diese verdammten High Heels.

Indem ich meinen Arm noch fester um ihre Taille schlinge, bewahre ich sie davor, dass sie lang hinschlägt. „Ich sage nur die Wahrheit, und das weißt du. Du musst mal ein bisschen lockerer werden, Küken. Kein Wunder, dass der letzte Typ nicht bei dir geblieben ist, so verklemmt, wie du bist.“ Sie starrt mich mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund an und sieht insgesamt so aus, als wolle sie gleich auf mich losgehen. Sofort bereue ich meine Worte. „Ivy, es tut mir leid“, setze ich an, doch sie unterbricht mich.

„Fick dich“, flüstert sie rau und stößt mich von sich, sodass ich gar keine andere Wahl habe, als sie loszulassen. Sie nutzt ihre Chance und flieht von der Tanzfläche.

Innerhalb von Sekunden stürmt eine Frau auf mich zu, und zwar die, mit der Jeff mich vor einer Weile verkuppeln wollte. Ich erinnere mich, dass sie schon damals Stalker-Tendenzen erkennen ließ. Sie hatte mich schon gegoogelt, ehe wir miteinander ausgegangen sind. Ich weiß, dass das heutzutage normal ist, aber ihr Geständnis fand ich völlig daneben. „Archer, wie schön, dich wiederzusehen. Wollen wir tanzen?“

Ich blicke zu den offenen Türen, die auf die riesige Terrasse führen. Ivy steuert geradewegs darauf zu … mit schwingenden Hüften und Beinen, die unglaublich lang erscheinen. Sie ist atemberaubend und höllisch sexy, und ich Idiot sage ihr, sie solle zusehen, dass sie den Stock aus ihrem Arsch bekommt.

Was zum Teufel ist bloß mit mir los?

„Archer?“

Jetzt richte ich meine Aufmerksamkeit wieder auf die Frau, die mich erwartungsvoll anschaut. Ich kann mich nicht einmal mehr an ihren Namen erinnern. Ivy hat recht. Ich bin noch immer ein Arschloch, und das habe ich ihr gerade von Neuem bewiesen. „Tut mir leid, das geht leider nicht. Ich muss mich bei einer Frau entschuldigen.“

Ivy

Kaum bin ich draußen, atme ich erst einmal tief durch. Die kalte Luft füllt meine Lungen, streicht über meine Haut und lässt mich erzittern. Ich bin wütend, aber zum Glück beruhigt die Kälte meine aufgeheizten Emotionen. Ich lehne mich ans Geländer und schaue über den Golfplatz, froh darüber, dass sonst niemand in der Nähe ist. Da ich am entlegensten Ende der Terrasse stehe, weit weg von den offenen Terrassentüren, ist das nicht so überraschend.

Ich fasse es noch immer nicht, was Archer gerade zu mir gesagt hat. Ich schwöre, er ist echt der größte Mistkerl unter der Sonne. Er behauptet doch tatsächlich, ich hätte einen Stock im Arsch. Ich meine, was denkt der Kerl sich? Gibt es noch schlimmere Beleidigungen, die er mir an den Kopf werfen kann? Scheiße, wahrscheinlich ja.

Kein Wunder, dass ich ihm möglichst aus dem Weg gehe. Das passiert nämlich immer, wenn Archer und ich uns sehen. Ich versuche, nett zu sein. Er dagegen benimmt sich beharrlich wie ein Idiot. Dann wehre ich mich. Er beleidigt mich. Wir streiten. Danach gehen wir uns so lange tunlichst aus dem Weg, bis wir aus irgendwelchen Gründen wieder aufeinandertreffen.

Wir sind wie eine kaputte Schallplatte. Egal, was passiert, wir kommen nicht weiter. Er ist der unmöglichste Mann, den ich kenne. Er macht mich verrückt. Und dass ich mich heute Abend auf seinem Territorium befinde – in Napa Valley, wo sich in nicht sehr großer Entfernung auch sein Resort befindet –, macht mich noch unsicherer. Warum, weiß ich auch nicht so genau.

Ich wünschte, ich wäre zu Hause in San Francisco, in meiner Komfortzone. In meinem kleinen Apartment, wo ich mir einen Film anschauen und dann überlegen könnte, ob ich an einem weiteren aufregenden Samstagabend früh ins Bett gehe.

Seufzend lasse ich den Kopf hängen. Innerhalb von wenigen Stunden habe ich mich in eine dieser bemitleidenswerten Kreaturen verwandelt, die keine Dates mehr haben. Was mich jedoch am meisten verwirrt, ist die Tatsache, dass ich trotz unserer Streitereien und der ständigen Feindseligkeit zwischen Archer und mir vorhin etwas verspürt habe. Etwas, das ich vorher nie in Erwägung gezogen hätte.

Sexuelle Anziehungskraft.

Ich schaue hinauf und genieße den Anblick des nächtlichen Himmels. Fernab der Großstadtlichter entdecke ich sogar Sterne … Unmengen davon erstrecken sich über die samtartige Schwärze der Nacht. Sie funkeln mich an, geheimnisvoll, aber voller Hoffnung und Möglichkeiten.

Mein Leben ist gut. Ich sollte es mir nicht von irgendwelchen Männern verderben lassen. Marc ist ein Mistkerl, noch dazu ein schlechter Küsser. Archer ist ein Arschloch, der mir beim Küssen wahrscheinlich weiche Knie bescheren könnte, aber das werde ich nicht weiterverfolgen.

Verdammt, ich sollte glücklich sein. Ich arbeite in meinem Traumberuf als Inneneinrichterin, und zwar für eine der besten Designerinnen in ganz San Francisco. Ich habe ein eigenes Apartment, brauche also nicht länger mit meinen Eltern zusammenzuleben und glücklicherweise auch nicht mehr mit Kommilitonen aus dem College. Ich habe tolle Freunde und eine Familie, die mich unterstützt. Ich sollte mich von so einer Sache nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Was Archer gesagt hat, macht mir allerdings zu schaffen. Ich habe keinen Stock im Arsch, oder? Ich bin nicht verklemmt. Ich schwöre, ich bin nicht verklemmt.

Vielleicht neige ich manchmal dazu, alles zu sehr kontrollieren zu wollen. Das ist doch nicht so schlimm, dass man mir vorwerfen könnte, ich hätte einen Stock im Arsch.

Ich angle nach meinem Smartphone und gebe eine kurze Nachricht an meine Freundin Wendy ein, nur um dann ängstlich auf ihre Antwort zu warten.

Sie antwortet binnen Sekunden, was ich beeindruckend finde, denn sie hat heute Abend ein Date.

Nein, du bist NICHT verklemmt. Wer hat das denn gesagt? Lass mich raten … Marc. Was für ein Arschloch.

Lachend schüttele ich den Kopf. Wie lieb von ihr, dass sie mich sofort verteidigt. Dafür hat man doch Freundinnen, oder nicht?

Nicht Marc, antworte ich ihr. Jemand anderes. Jemand, den ich seit der Highschool kenne.

Da ich Wendy erst auf dem College begegnet bin, habe ich Archer ihr gegenüber vermutlich noch nie erwähnt. Glaube ich zumindest. Himmel, ich weiß es nicht. Wir reden ja über alles Mögliche. Sie ist meine beste Freundin.

Also habe ich natürlich auch Archer schon erwähnt.

Einer der Freunde deines Bruders? schreibt sie zurück.

Ja.

Welcher? Lass mich raten … Archer Bancroft? Er ist echt heiß. Aber er muss auch ein totales Arschloch sein, wenn er dir so was an den Kopf wirft.

Lachend tippe ich eine schnelle Antwort. „Das ist wahr“, murmele ich.

„Was ist wahr?“

Erschrocken wirbele ich herum und sehe, dass Archer hinter mir steht. Die Hände hat er in den Taschen vergraben, und er wirkt ziemlich mitgenommen.

Gut so.

Oh, und außerdem sieht er absolut fantastisch aus, was irgendwie nervt. Wieso nur muss dieser Mann so verdammt gut aussehen?

„Dass du ein Arschloch bist?“ Ich lächle so ernst wie möglich und ignoriere das Summen meines Handys, das mir anzeigt, dass ich eine weitere Textnachricht bekommen habe. Ich stopfe es in die Tasche meines Kleides, dankbar, dass es eine hat. Eine Frau sollte sich niemals von ihrem Telefon trennen.

„Hör zu, ich bin hergekommen, um dir zu sagen, dass es mir leidtut.“ Er fährt sich mit der Hand durchs Haar, sodass es völlig zerzaust ist. Wodurch er natürlich noch verführerischer erscheint, und das ist so unfair, dass es geradezu lächerlich ist. „Es ist nur … jedes Mal, wenn wir zusammen sind, läuft es darauf hinaus, dass wir uns streiten.“

„Ich kann nichts dafür, wenn du so unhöflich bist“, antworte ich scharf. Ich klinge total pampig, aber das ist mir jetzt auch egal.

„Du machst mich wahnsinnig“, gibt er zurück. Seine Stimme ist leise und hat diese geheimnisvolle Rauheit, die mir einen wohligen Schauer über den Rücken jagt. Archer lässt mich nicht aus den Augen, während er immer näher kommt.

„Du mich auch.“ Wieso höre ich mich so atemlos an? Es ist auch nicht gerade hilfreich, dass er direkt vor mir stehen bleibt und sein großer, breiter Körper alles andere ausblendet, bis er das Einzige ist, was ich sehen kann.

„Ich hoffe, du kannst mir noch einmal vergeben.“ Er streckt mir seine Hand entgegen, und ich starre sie an, während ich überlege, was er nun von mir erwartet. „Bitte?“

Hat Archer Bancroft gerade bitte gesagt? Ich bin sicher, dass man diesen Tag rot im Kalender ankreuzen sollte. „Warum interessiert es dich überhaupt, ob ich dir vergebe?“ Ich lasse meinen Blick auf seinen Fingern ruhen, aus Angst, dass er sonst all die Verwirrung und die Gefühle in meinen Augen entdeckt.

Scheiße. Was ist bloß mit mir los?

„Fuck, Ivy, warum musst du immer so schwierig sein?“ Er lässt den Arm sinken.

Ich wage es aufzublicken und stelle fest, dass er irritiert und frustriert ist. Merkwürdigerweise löst das in mir das Bedürfnis aus, ihn zu trösten. Instinktiv mache ich einen Schritt auf ihn zu und will nach seiner Hand greifen, um …

Um was zu tun?

„Archer?“, ruft eine Frau ganz in der Nähe und bringt uns beide dazu, uns anzusehen. Der leicht panische Ausdruck in Archers Gesicht zeigt mir, dass er genau weiß, wer diese Frau ist.

„Wer sucht denn hier nach dir?“, frage ich.

„Niemand.“

Ich hebe eine Braue. „Ach nein? Und wieso ruft dann jemand deinen Namen?“

„Sie ist nicht wichtig. Ich bin mal mit ihr essen gegangen, zusammen mit Jeff und Cecily. Ist aber schon eine Weile her. Am Ende des Abends hatte sie uns gedanklich bereits verheiratet und geplant, wie viele Babys wir bekommen würden“, erwidert er genervt und schaut über die Schulter.

„Wie heißt sie?“

Er dreht sich wieder zu mir um. „Was?“

„Wie sie heißt. Die, die angeblich nicht nach dir sucht.“

„Ich, äh … Weiß ich nicht mehr.“ Er fährt sich wieder durch sein sexy Haar, und einzelne Strähnen fallen ihm in die Stirn. Plötzlich verspüre ich den dringenden Wunsch, sie ihm aus dem Gesicht zu streichen, selbst mit den Fingern hindurchzufahren.

Hör auf damit!

Ich darf nicht vergessen, dass er ein totaler Idiot ist. Ich sollte schleunigst die Flucht ergreifen. Gerade will ich ihm mitteilen, für was für ein Arschloch ich ihn halte, als die Stimme der Frau erneut erklingt, diesmal noch näher. Sie ruft weiterhin Archers Namen – so wie eine besorgte Hundehalterin, die ihren Schoßhund sucht.

„Wir sollten … Oh.

Er schubst mich gegen das Geländer, und der raue Beton bohrt sich durch den dünnen Stoff meines Kleides. Doch sofort schlingt Archer einen Arm um meine Taille, um meinen Rücken zu schützen. Um mich festzuhalten. Sein Oberkörper ist gegen meinen gepresst, meine Brüste sind an ihn geschmiegt. Ich schnappe nach Luft und fasse es nicht, dass ich ihm so nahe bin.

„Was soll das?“, flüstere ich entgeistert.

„Pst.“ Er legt eine Hand auf meinen Mund und bringt mich zum Schweigen. Seine Handfläche ist groß und warm, seine Finger sind lang, und ich könnte schwören, dass seine Haut ein klein wenig salzig schmeckt. Was natürlich nicht heißen soll, dass ich seine Haut ablecke oder so.

Oh Gott, ich glaube … nein, ich weiß, dass ich ihn lecken will. Ich sehne mich verzweifelt danach. Würde am liebsten einen dieser langen Finger zwischen die Lippen nehmen und saugen. Und das ist einfach eine ganz, ganz schlechte Idee …

„Vielleicht findet sie uns nicht“, flüstert er und neigt den Kopf, damit er mir in die Augen sehen kann. „Sei still.“

Ich nicke langsam, während seine Hand weiterhin auf meinen Lippen ruht und sein Blick meinen gefangen hält. Seine Berührung wird sanfter, als er noch näher kommt. Ich bin fast so weit dahinzuschmelzen.

„Archer, bist du hier draußen?“

Ich schaue nach links und entdecke die Frau. Sie steht ungefähr fünfzig Meter entfernt und dreht den Kopf nach links und rechts, fast panisch suchend, während ich immer noch gegen den Mauervorsprung gedrückt werde und Archer ganz nahe an mich herantritt. Sein Arm um meine Taille schützt mich vor dem rohen Beton. Seine Nähe raubt mir beinahe den Atem.

Eine große Kiefer taucht die Ecke, in der wir stehen, in tiefe Schatten und bietet uns Schutz. Ich vermute, dass die Frau uns wirklich nicht sehen kann. Es ist ihr nicht bewusst, wie nahe wir ihr sind.

Worüber ich ganz dankbar bin, auch wenn ich es nicht sein sollte. Ich sollte Archer einen Tritt vors Schienbein verpassen und die Frau wissen lassen, dass er direkt hier steht. Sollte ihn den Wölfen – in diesem Fall der Wölfin – zum Fraß vorwerfen. Soll er sich doch mit dieser armen Seele herumplagen, der er vor wer weiß wie langer Zeit einen Korb gegeben hat und die trotzdem die Hoffnung auf ihn noch nicht aufgegeben hat.

Er ist so ein Weiberheld. Es wäre schlau von mir, mich von ihm fernzuhalten.

Das sagt mir mein Verstand. Aber mein Körper ist da völlig anderer Meinung.

Während wir uns weiter in die Augen schauen, streicht er mit dem Daumen so langsam über meine Wange, dass es mich fast umbringt. Es fühlt sich so verdammt gut an. Das ist … nicht richtig. Seine Nähe verwirrt mich. Die Art, wie er mich ansieht, wie er mich berührt – all das bringt mich dazu, ihn zu begehren.

Verzweifelt zu begehren.

Ich erinnere mich daran, was ich mir vorhin gewünscht habe, als es mir so elend ging. Dass mich irgendein Fremder in eine dunkle Ecke drängt und mit mir herumknutscht. Etwas Vergleichbares jetzt mit Archer zu erleben ist natürlich ebenso gut. So wie er mich betrachtet, könnte man meinen, dass er ähnlichen Gedanken nachhängt. Und das macht mir ein bisschen Angst.

Doch es ist auch berauschend. Aufregend.

Während ich ihn mustere, bemerke ich, wie perfekt seine Lippen sind. Wieso ist mir das vorher nie aufgefallen? Und wieso bekomme ich auf einmal weiche Knie, als er nun mit der Zunge über diese Lippen fährt?

Oh, das ist nicht gut. Ganz und gar nicht gut.

Schließlich gibt die Frau auf und verschwindet wieder. Ich entspanne mich und sacke gegen das Geländer, darauf gefasst, dass Archer sich von mir entfernt. Oder darauf gefasst, dass er mich an den Hüften packt, mich auf den Mauervorsprung hebt, damit ich meine Beine um ihn schlingen und ihn anflehen kann, es mir zu besorgen.

Halt, stopp! Was? Das geht ja wohl gar nicht. Ehrlich, ich muss anscheinend zu viel getrunken haben – wenn man zwei Gläser Champagner als zu viel bezeichnen kann. Aber es muss so sein, denn das, was ich gerade gedacht habe, ergibt überhaupt keinen Sinn.

„Ivy …“ Er nimmt die Hand von meinem Mund und umschließt meine Wange, während sein Daumen über meinen Mundwinkel streift. „Es tut mir leid.“

Seine Berührung lenkt mich irgendwie ab, als ich versuche, die Stirn zu runzeln. Er macht all das, was ich mir vor nicht einmal einer Stunde ersehnt habe. Er berührt mich und drängt sich in einer dunklen Ecke, in der niemand uns finden kann, an mich. „Wofür entschuldigst du dich?“, frage ich.

Er umfasst mein Gesicht mit seinen großen, warmen Händen und neigt den Kopf, den Blick einen langen Moment auf meine Lippen gerichtet, ehe er mich mit seinen dunklen Augen direkt ansieht. „Hierfür“, flüstert er, und dann küsst er mich.

3. KAPITEL

Archer

Ich lasse es langsam angehen, aus Angst, dass Ivy mich von sich stößt, und das ist in diesem Augenblick wirklich das Letzte, was ich will. Aber ihre Lippen öffnen sich, kaum dass ich ein wenig Druck ausübe, und schon im nächsten Moment öffnet sie sich mir ganz und nimmt das Spiel mit meiner Zunge auf. Sie schlingt die Arme um meinen Nacken, vergräbt die Finger in meinem Haar, und mir entfährt ein lustvolles Stöhnen.

Der gute Vorsatz, es langsam angehen zu lassen, ist in dem Moment vergessen, als ich meine Hand über ihre Seite und ihre Taille hinabwandern lasse und schließlich den Saum ihres Kleides zu fassen bekomme. Ich hebe ihn ein ganz klein wenig an. Ohne den Kuss zu unterbrechen, schiebe ich meine Finger unter ihr Kleid. Dabei spüre ich, wie Ivy erzittert.

Sie schmeckt fantastisch und fühlt sich noch besser an. Als ich ihren nackten Schenkel berühre, merke ich, wie sie erneut zu zittern beginnt. Ihr warmer Atem streift meine Lippen, als sie um Fassung ringend nach Luft schnappt. Sie öffnet die Augen und sieht mich an, während ich mit der anderen Hand über ihr Haar streiche und sich meine Finger in den Locken verfangen.

„Du bist so schön“, flüstere ich, denn das ist sie wirklich. So verdammt schön, dass das Verlangen nach ihr schon fast schmerzhaft ist.

Sie presst ihre vom Küssen geschwollenen Lippen aufeinander und schließt die Augen wieder. Meine andere Hand liegt weiterhin reglos auf ihrem äußeren Oberschenkel unter dem Kleid, doch ich habe Angst, dass Ivy mich zurückweist, wenn ich sie bewege.

Ich weiß, dass ich das nicht ertragen könnte.

„Archer“, setzt sie leise an, aber ich schneide ihr mit einem Kuss das Wort ab. Ich will weder Protest, Widerspruch noch eine Erklärung hören … Es ist mir egal.

Ich will nur noch fühlen. Ivy. Ihren Mund auf meinem, unsere tanzenden Zungen, ihren bebenden Körper, der sich an meinen schmiegt. Ich habe eine gefühlte Ewigkeit auf diesen Moment gewartet.

Endlich halte ich sie in den Armen. Endlich reagiert sie auf mich, als würde sie mich ebenfalls begehren und mir nicht in den Hintern treten wollen. Ich werde mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, sondern sie beim Schopfe packen. Wenn das gleichzeitig bedeutet, dass ich Ivy haben kann, umso besser.

Ganz allmählich lasse ich meine Finger an ihrem Schenkel weiter nach oben wandern. Näher an ihre Hüften, bis ich den Spitzenbesatz ihres Slips ertasten kann und mein Schwanz zu zucken beginnt. Der Stoff ist dünn, hauchdünn. Ich wünsche, ich könnte Ivy gegen den Mauervorsprung pressen, ihr das Kleid hochschieben und meine Lippen auf ihren Schoß pressen.

Aber wir haben nur wenige Minuten Zeit. Ich sehne mich verzweifelt danach, sie zu spüren, sie dazu zu bringen, vor Verlangen aufzustöhnen. Daher muss ich mich beeilen.

Ohne meinen Mund von ihrem zu lösen, gleite ich mit den Fingern unter den dünnen Streifen Stoff und streichle nackte, weiche Haut. Ihr Oberkörper hebt und senkt sich an meinem, und Adrenalin rauscht durch mich hindurch, als ich merke, wie Ivy auf meine Berührungen reagiert.

Es ist diese Reaktion, die mich ermutigt, sodass ich meine Hand langsam weiter vorwärtsbewege, über den Hüftknochen hinweg bis zu ihrem Bauch. Ich fühle das Zittern unter meiner Handfläche, als ich noch weiter … immer weiter … wandere, bis ihre Hitze mich umgibt, als ich meine Finger zwischen ihre Beine schiebe.

„Archer“, keucht sie. Sie ist feucht, so unglaublich feucht, dass meine Finger mühelos über ihre Schamlippen gleiten.

„Verdammt, bist du geil.“

Sie packt meine Schultern, als würde sie Halt suchen. Als wäre ich ihr Rettungsring, den sie nicht mehr loslassen will.

„Sag mir, was du möchtest“, flüstere ich nahe an ihrem Ohr, während meine Finger zwischen ihren Schenkeln in ihren heißen, feuchten Tiefen versinken. Sie bewegt sich mit mir, drängt mir die Hüften entgegen, und ich schließe die Augen und ringe mit meiner Selbstbeherrschung. Ich habe eine Scheißangst, dass ich gleich komme und mich lächerlich mache.

Sie erwidert nichts, sondern seufzt nur leise.

Schließlich halte ich inne, den Daumen auf ihrer Klit, und fordere sie noch einmal auf: „Sag es mir, Ivy.“

„Berühre mich.“ Sie umklammert mich fester und krallt die Finger in mein Haar. „Nicht aufhören. Bitte.“

Oh, was für eine Befriedigung, sie das sagen zu hören. Jetzt geht es um nichts anderes mehr, als Ivy kommen zu lassen. Und zwar schnell. Verdammt, wir befinden uns auf einer öffentlichen Terrasse, noch dazu auf dem Hochzeitsempfang meines Freundes. Ivys Bruder – mein bester Freund – ist drinnen. Aber Gage könnte jeden Moment auf der Suche nach uns hier rauskommen.

Wenn er mich mit der Hand im Slip seiner Schwester erwischt, bin ich ein toter Mann.

Schneller und schneller streichle ich ihre Klit und beobachte zugleich ihr Gesicht, während Ivy dem Höhepunkt entgegenstrebt. Sie reagiert so wunderbar und ist kurz davor zu kommen. Das merke ich deutlich. Ihr ganzer Körper ist auf einmal wie die Sehne eines Bogens gespannt, mit den Händen packt sie meine Schultern, und ihre Hüften drängen sich meiner Hand entgegen. Ich lege den Kopf zurück, um sie anschauen zu können. Ich will unbedingt sehen, wie sie durch meine Berührungen kommt. Will wissen, dass ich derjenige bin, der ihr dieses Vergnügen bereitet. Der sie so fühlen lässt. Der sie so erregt.

Ich.

Ein erstickter Laut entschlüpft ihr, dann erstarrt sie. Mit großen Augen betrachtet sie mich, bevor sie im nächsten Moment kommt. Sie sackt gegen mich, als der Orgasmus sie erfasst. Keuchend flüstert sie meinen Namen, und ich empfinde so etwas wie Triumph. Fuck, ich liebe es. Zumindest weiß sie, dass ich derjenige bin, der sie so weit gebracht hat, der ihr dieses Glücksgefühl beschert hat.

Noch immer bebt ihr Körper, als ich meinen Mund auf ihren presse und das Spiel mit ihrer Zunge wieder aufnehme. Ihr Atem beruhigt sich allmählich, und der feste Griff auf meinen Schultern lockert sich nach und nach. Langsam kommt sie also vom Gipfel wieder runter.

Aber ich will nicht, dass das passiert. Ich will, dass sie dort bleibt. Dass ich sie so schnell zum Höhepunkt bringen konnte, macht mich sprachlos. Ich weiß, dass ich sie schon seit Ewigkeiten will. Doch hat Ivy mich jemals begehrt – vor diesem Moment?

Ich beende den Kuss und lehne meine Stirn an ihre, während ich mich bemühe, meinen rasenden Herzschlag unter Kontrolle zu bekommen. Ich muss mich zusammenreißen, sonst ist es gleich auch um mich geschehen. Ivy öffnet die Augen und starrt mich an. In den Tiefen ihrer braunen Augen entdecke ich alle möglichen Fragen, die ich selbst nicht beantworten kann.

„Komm mit zu mir.“ Ehe ich mich versehe, habe ich die Worte ausgesprochen.

Sie zieht die Brauen zusammen. „Was?“

„Ich möchte, dass du mit zu mir kommst.“ Ich gebe ihr noch einen sanften Kuss und sauge dabei ihren Atem in mich auf. Ich will mehr von ihr. Plötzlich will ich alles von ihr.

Und dabei habe ich kein Recht, sie darum zu bitten.

„Ich weiß nicht …“ Sie verstummt, als ich eine Spur von Küssen auf ihr Kinn und ihren zarten Hals hauche.

„Verbringe die Nacht mit mir“, flüstere ich. „Sag Ja, Ivy.“

„Ja.“ Diese prompte Zustimmung beschert mir eine wohlige Gänsehaut. Ich hebe den Kopf und küsse sie, verschlinge sie wie ein Verhungernder. Gleichzeitig ermahne ich mich im Stillen, sofort damit aufzuhören, weil ich sonst die Beherrschung verliere und sie hier und jetzt auf dieser gottverdammten Terrasse nehme.

„Du meine Güte, Archer, kannst du nicht einmal auf einem verdammten Hochzeitsempfang deinen Schwanz in der Hose lassen? Was zur Hölle ist los mit dir?“

Beim Klang von Gages Stimme lasse ich Ivy so schnell los, dass ich das Klackern ihrer Absätze höre, als sie stolpert. Zum Glück fällt sie nicht hin. Ich drehe mich zu Gage um und bemühe mich, meine Fassung zurückzugewinnen. So wie ich gerade stehe, verdecke ich Ivy vollkommen. Ich wünschte wirklich, Gage hätte uns nicht gefunden.

„Was machst du hier draußen?“, fahre ich ihn an und fühle mich dabei wie ein Arschloch. Ich hätte Ivy nicht einfach so loslassen dürfen. Das wirkt ja so, als würde ich mich schämen, mit ihr gesehen zu werden.

„Nach dir Ausschau halten. Und ich bin auf der Suche nach Ivy. Da ich jedoch merke, dass du beschäftigt bist …“ Gage bricht ab, als er an mir vorbeischaut und Ivy direkt hinter mir entdeckt. „Was zum Teufel soll das denn? Ivy, was treibst du hier mit ihm?“

„Nichts“, antworte ich für uns beide. „Sie, äh … sie hatte einen schlechten Tag. Ich habe nur versucht, sie zu trösten.“ Scheiße, was für eine blöde Wortwahl.

Gage sieht aus, als wollte er mich in Stücke reißen. Aber zugleich mustert er mich misstrauisch und ungläubig. Als könnte er nicht glauben, dass wir beide hier draußen allein sind. „Archer, ich schwöre, wenn du sie auch nur mit einem Finger berührt hast …“

„Hab ich nicht“, versichere ich ihm und tische ihm damit eine faustdicke Lüge auf. „Ich habe sie nicht berührt. Habe ich dich angefasst, Ivy?“

Sie macht einen Schritt nach vorn und stellt sich neben mich. Ich spüre, wie angespannt ihr gesamter Körper ist. Verdammt, ich hoffe, ich habe sie mit meiner Bemerkung nicht wütend gemacht. „Was hast du gefragt?“

Scheiße. Natürlich habe ich sie auf die Palme gebracht. Sie klingt tierisch sauer.

„Du solltest lieber nicht auf den Charme von diesem Mistkerl reinfallen“, meint Gage und zeigt anklagend mit dem Finger auf mich. „Du weißt doch, wie er ist.“

Sie hebt ihr Kinn und sieht mich aus dem Augenwinkel an. „Stimmt. Ich weiß genau, wie er ist.“

Ich komme mir vor wie ein Käfer, den Ivy im nächsten Moment mit ihren spitzen Absätzen zertreten wird. „Als ob ich mich an deine Schwester ranmachen würde, Gage. Komm schon, so blöd bin ich nun auch wieder nicht. Ich weiß, dass du mir einen Tritt in den Arsch verpassen würdest, sollte ich Ivy bloß schräg anschauen.“

Gage starrt uns beide lange an. Die Sekunden scheinen zu Stunden zu werden, so unbehaglich fühle ich mich. Die Tatsache, dass Ivy stinksauer ist, macht das Ganze nicht besser. Ihr kommt schon fast Dampf aus den Ohren – was ich ihr absolut nicht verübeln kann.

Ich habe es wieder einmal versaut.

Sonst noch was Neues?

Ivy

Für einen erwachsenen Mann, der ein milliardenschweres Unternehmen leitet, verhält Archer Bancroft sich wie ein absoluter Blödmann, wenn es um Frauen geht.

Mein Körper hat noch immer von dem erstaunlichsten Orgasmus meines Lebens gezittert, als Gage uns hier draußen erwischt hat. Nun macht er Archer an, weil er auf der Terrasse mit einer Frau herummacht. Ich kann es meinem Bruder nicht einmal verdenken. Es ist typisch für Archer, so etwas zu tun, und jetzt steht er hier und tut es mit mir.

Schockierend.

Ich gebe es mehr als ungern zu, aber Archer hat meine Welt echt auf den Kopf gestellt. Sprich: Kein anderer Mann hat mich je zu solch einem Orgasmus gebracht. Es hat mich überhaupt noch kein Mann zu einem Orgasmus gebracht, Punkt. Ich war bereit, mit Archer nach Hause zu gehen, als er mich gefragt hat. Sollte ich mir etwa die Gelegenheit entgehen lassen, Sex mit ihm zu haben, nachdem ich fünf unglaubliche Minuten lang erleben durfte, wie er mich zwischen den Beinen gestreichelt hat? Ich bin doch nicht blöd. Mir ist vollkommen klar, dass der Sex mit Archer unglaublich sein wird. Ich bin so schnell gekommen, dass es fast peinlich ist.

Zu dumm, dass Gage ausgerechnet in diesem Moment auftauchen muss. Und Archer macht den Mund auf und ruiniert alles.

Ich bin so eine Idiotin … zu glauben, dass sich jemals was Ernsthaftes zwischen uns entwickeln könnte. Was auch immer da gerade geschehen ist, hat ihm vermutlich gar nichts bedeutet. Bloß eine perfekte Chance, mit mir rumzumachen – mit irgendeiner Frau rumzumachen. Er ist ja bekannt dafür.

Und ich habe mich ausnutzen lassen.

„Ich wollte demnächst gehen“, sagt Gage schließlich und schaut zu mir. Da ich mit ihm zu dieser blöden Hochzeit gekommen bin, weiß ich, was er als Nächstes sagen wird. „Können wir los, Ivy?“

„Ja.“ Ich nicke und mache einen Schritt auf meinen Bruder zu. Dabei muss ich ein erschrockenes Luftschnappen unterdrücken, als Archer nach meiner Hand greift und eine Sekunde lang mit meinen Fingern spielt, bevor er sie wieder loslässt.

Ich blicke über die Schulter und funkele ihn böse an. Er sieht bemitleidenswert aus. Besorgt. Reuevoll.

Gut. Das sollte er auch. Wobei es mir natürlich egal ist. Ich glaube nämlich nicht, dass Archer irgendetwas ernst gemeint hat von dem, was eben zwischen uns passiert ist. Das Ganze müsste mir furchtbar peinlich sein. Ich habe mit Archer rumgemacht. Wir wurden fast dabei ertappt. Da ist eine Katastrophe ja geradezu vorprogrammiert.

„Ruf mich Montag an“, meint Gage zu Archer, während er mir eine Hand auf den Rücken legt und mich zurück in den Ballsaal führt. „Wir können ja die Woche mal mittags essen gehen. Du kommst doch in die Stadt, oder?“

„Das ist der Plan, ja.“ Archers tiefe Stimme hallt in mir wider, und ich muss das Zittern unterdrücken, das sich in meinem Inneren auszubreiten droht. Aber ich weigere mich, in Archers Gegenwart derartig zu reagieren. Er braucht nicht noch mehr Beweise dafür, wie sehr er mir unter die Haut geht.

„Sehr schön. Dann sollten wir uns auf jeden Fall treffen. Bis dann.“

„Hey“, sagt Archer leise, und mein Bruder und ich bleiben stehen, wobei ich mich im Gegensatz zu ihm allerdings nicht umdrehe. Ich will Archer nicht mehr anschauen, geschweige denn mit ihm reden. „Wollt ihr zwei heute Abend wirklich noch nach Hause fahren?“

„Ja, sicher“, erwidert Gage achselzuckend.

„Ihr solltet heute Nacht einfach bei mir bleiben. Es ist nicht sehr weit von hier“, schlägt Archer vor und wirkt dabei völlig unschuldig.

Gage sieht zu mir, und ich schaue wütend zurück. Himmel, nein. Ich werde die Nacht nicht in Archers Haus verbringen. „Ich möchte gern nach Hause“, flüstere ich.

„Es ist beinahe Mitternacht“, gibt Gage zurück. „Vor zwei Uhr sind wir bei all dem Verkehr nicht in der Stadt. Ich bin fertig, Ivy.“

„Ich kann fahren“, beharre ich. „Ich bin hellwach. Kein Problem.“

Er zieht eine Braue hoch. „Als ob ich dir meinen Wagen anvertrauen würde. Vergiss es. Du bist hinter dem Steuer eine echte Bedrohung für die Menschheit.“

Ich verdrehe die Augen. Ein kleiner Zusammenstoß, als ich siebzehn war, und das reibt er mir seitdem immer wieder unter die Nase. „Ich ruiniere ihn schon nicht, versprochen.“

„Es geht hier um meinen Maserati. Den lasse ich dich auf keinen Fall fahren.“ Gage schüttelt langsam den Kopf.

Ich erkenne an seinem Blick, dass er hier übernachten will. „Gage, nein.“

„Ich habe reichlich Gästezimmer“, wirft Archer ein, und seine Stimme klingt fast hoffnungsvoll.

Ich will ihn gar nicht beachten. Ehrlich nicht. Je länger ich darüber nachdenke, was er getan hat, desto wütender werde ich. Er hat behauptet, er würde mich niemals anfassen – so als wäre das völlig undenkbar. Als würde er in mir noch immer nichts weiter als einen dummen, schlaksigen und unsicheren Teenager sehen. Was für ein Mistkerl. Und das, nachdem er bloß Sekunden vorher seine Hand in meinem Slip vergraben hatte und mich gebeten hat, die Nacht mit ihm zu verbringen.

Schließlich wage ich es doch, ihn anzuschauen. Mist, er sieht echt umwerfend aus. Sein Anzug ist leicht zerknittert, die Krawatte sitzt schief, die Haare sind zerzaust. Von meinen Fingern. Seine Lippen sind ein wenig geschwollen, und mir fällt wieder ein, wie es war, als er mich geküsst hat. Ich muss an seinen Geschmack denken, an die leisen Geräusche, die er von sich gegeben hat. Daran, wie er dicht an meinem Ohr gestöhnt hat. Allein bei der Erinnerung daran wird mir ganz schwindelig. Am liebsten hätte ich mich geohrfeigt, um wieder in der Realität anzukommen.

Oder vielleicht sollte ich lieber ihn ohrfeigen, weil er so verdammt gut in … allem ist.

Verdammt.

„Komm schon“, sagt Gage und stößt mir leicht den Ellenbogen in die Seite. „Wir bleiben über Nacht, genießen den Brunch in seinem schicken Hotel und machen uns danach auf den Weg.“

Hm, ich war noch nie im Hush. Die Chance, es zu Gesicht zu bekommen, ist verlockend, auch wenn es nicht so sein sollte. Jedenfalls nicht nach allem, was zwischen uns passiert ist. „Ich muss nach Hause. Ich muss … arbeiten.“

„Am Sonntag?“, fragt Gage und mustert mich skeptisch. Zur Hölle mit ihm. „Hat jemand ein Notfall-Tapeten-Meeting anberaumt, oder was?“

Oh, mein Gott. Ich muss den plötzlichen Drang unterdrücken, meinen Bruder so heftig zu schubsen, dass er auf dem Arsch landet.

„Verdammt, Gage, halt die Schnauze. Wahrscheinlich muss sie tatsächlich arbeiten“, schaltet Archer sich zu meiner Verteidigung ein, was mich nun doch überrascht.

Das ist der Typ, der wollte, dass ich mit zu ihm komme, damit ich nackt in seinem Bett lande. Vielleicht hat er Hintergedanken. Vielleicht will er sich in mein Zimmer schleichen, nachdem Gage eingeschlafen ist. Will mich ausziehen, mich auf die Matratze drücken und …

Ich runzle die Stirn und balle die Fäuste. Ich sollte das nicht wollen. Ich sollte ihn nicht wollen. Erst recht nicht, nachdem er über mich geredet hat, als würde ich ihm absolut nichts bedeuten.

Aber mein Körper spricht eine andere Sprache. Er verrät mir, dass meine Haut nach diesem unglaublichen Orgasmus noch immer kribbelt, dass meine Beine auch jetzt noch zittern. Und das liegt definitiv nicht an den verflucht hohen Absätzen.

Nein, wohl eher an diesem blöden Mann.

„Na gut, dann bleiben wir halt.“ Ich verschränke die Arme vor der Brust. Vermutlich sehe ich aus wie ein trotziges Kind, doch es ist mir egal. Ich fasse es selbst nicht, dass ich zugestimmt habe. „Aber nach dem Aufwachen gehen wir nur kurz frühstücken und verschwinden sofort. Ich muss wirklich zurück.“

„Danke, Schwesterchen.“ Gage nimmt meine Hand, hebt sie an den Mund und küsst meinen Handrücken. „Du hast mir soeben eine anstrengende Heimfahrt erspart.“

„Ja, ja, das ist echt hart für dich, da du ja dieses kostbare Auto fährst.“ Autos sind Gages Schwäche. Er besitzt einfach zu viele. Seine Besessenheit ist so albern, dass seine Garage bereits aussieht wie der Verkaufsraum eines Autohändlers für Luxuskarossen.

„Schön, dass ihr bleibt. Ich habe ein paar Gästezimmer, die immer bezugsbereit sind“, erklärt Archer.

Ich drehe mich um, um ihn noch einmal böse anzufunkeln. Die Aussicht, in seinem Haus zu übernachten, bereitet mir Unbehagen. Andererseits erregt sie mich auch, wenn ich mir vorstelle, was alles passieren könnte. Anscheinend habe ich den Verstand verloren. Es muss so sein, wenn ich überhaupt daran denke … Nein, lieber nicht. Das muss am Champagner liegen. Und an dem phänomenalen Orgasmus. „Hauptsache, du benimmst dich.“

Er hebt ergeben die Hände. „Ich schwöre, ich werde dir nichts tun. Ich behalte meine Finger bei mir.“

„Das solltest du auch, Bancroft, denn ansonsten bekommst du einen kräftigen Tritt in den Arsch“, erklärt Gage scharf. „Ivy ist tabu für dich.“

„Schon verstanden“, erwidert Archer und lässt die Arme sinken. Das leichte Grinsen verschwindet, und er sieht mich flehend an. Ich bin mir nicht sicher, was er mir damit zu verstehen geben will. Eins weiß ich allerdings ganz gewiss.

Wenn es um Archer und darum geht, was auch immer hier gerade zwischen uns passiert, bin ich mehr als verwirrt.

4. KAPITEL

Ivy

Natürlich ist Archers Haus fantastisch. Ich bin in meinem Leben schon in vielen schönen Häusern gewesen. Meine Eltern leben noch immer in dem palastartigen Gebäude, in dem Gage und ich aufgewachsen sind. Es ist groß, aber schon älter, und dank all der hübschen Details, die Mom im Laufe der Jahre hinzugefügt hat, besitzt es eine warme und heimelige Atmosphäre. Verglichen mit dem modernen, geräumigen und perfekt designten Anwesen, in dem Archer im Herzen des Napa Valleys lebt, ist es jedoch nichts.

Wobei ich angesichts der späten Stunde gar nicht viel davon zu sehen bekomme. Das Innere liegt größtenteils im Dunkeln, nur hier und dort scheint eine Lampe. Doch das, was ich erkennen kann, sieht toll aus. Elegant und schlicht und trotzdem einladend.

Archer führt Gage und mich durch die große Eingangshalle in Richtung Gästeflügel, wie er es nennt. Eine Wand ist vollständig verglast, und ich entdecke einen riesigen Pool im Garten, der von üppigen, sehr gepflegten Bäumen und Büschen umgeben ist. Man hat fast den Eindruck, sich in einem Park zu befinden.

Der Mann weiß, wie man lebt. Das muss man ihm lassen.

„Nett, was?“, flüstert Gage mir ins Ohr, während wir Archer folgen. „Ich gebe mein gesamtes Geld für Autos aus. Archer seins für dieses Haus.“

„Dabei bin ich so gut wie nie hier“, sagt Archer und räumt damit ein, dass er uns belauscht hat. Nicht sehr überraschend. Seit unserer Begegnung auf der Terrasse habe ich das Gefühl, dass er hyperempfänglich für mich ist. Und ich bin hyperempfänglich für ihn. „Ich verbringe die meiste Zeit im Hush.“

„Hast du dort ein Zimmer?“, will ich wissen. Das Resort wird von meinem Bruder und seinen Freunden wie ein Geheimnis behandelt. Jedenfalls mir gegenüber. Ich frage mich schon seit Langem, ob da perverse Dinge abgehen.

Zuzutrauen wäre es Archer.

„Ich habe da eine Suite, ja.“ Archer geht etwas langsamer, damit er näher bei uns ist. Sein Duft weht zu mir herüber, erfüllt meine Sinne und erinnert mich daran, wie es war, in Archers Armen zu liegen und die breiten Schultern unter meinen Handflächen zu spüren. Sein Haar ist immer noch zerzaust. Inzwischen hat er jedoch sein Jackett und die Krawatte abgelegt. Die obersten Knöpfe seines Hemdes sind geöffnet und entblößen ein wenig von seinem Oberkörper. Plötzlich verspüre ich den dringenden Wunsch, mit der Zunge darüberzugleiten.

Mist, ich muss mich wirklich zusammennehmen.

„Das heißt, du bist meistens im Resort?“

„Nicht mehr ganz so oft wie am Anfang. Als es renoviert wurde, bin ich gar nicht mehr von dort weggekommen. Da hatte ich allerdings auch noch kein Haus, in dem ich wohnen konnte. Das Hush war mein Zuhause. Seitdem das Resort vor ein paar Jahren eröffnet wurde und es gut läuft, habe ich genügend Vertrauen, um hin und wieder mal wegzugehen und ein eigenes Leben zu führen.“ Archer schenkt mir ein Lächeln, das mein Herz zum Flattern bringt.

Dummes Herz.

„Das Hush ist sein Baby“, fügt Gage hinzu, als wüsste ich das nicht längst; dabei ist es mehr als offensichtlich. Doch da Archer und ich uns nicht sehr häufig sehen und noch seltener miteinander reden, ergibt es einen Sinn, dass Gage diese Bemerkung macht. „Er hat es sozusagen aus dem Nichts aufgebaut – nur mithilfe seines kranken, verdrehten Hirns.“

„Halt die Schnauze. Ich habe eine Marktlücke entdeckt und sie gefüllt, so einfach war das.“ Archer presst die Lippen aufeinander und kneift die Augen zusammen. Er wirkt ein bisschen sauer.

Und er sieht sexy aus.

Hör auf!

„Jetzt bin ich neugierig geworden. Ich würde es echt gern sehen“, meine ich und freue mich, als seine Miene sich daraufhin wieder entspannt. „Vielleicht kannst du morgen früh noch eine kleine Besichtigungstour mit mir veranstalten?“

„Ich dachte, du müsstest sofort nach Hause“, wirft Gage ein, ehe ich ihm meinen Ellenbogen in die Seite ramme.

Ja, Gage hat recht. Aber ich bin allzu neugierig auf diese Seite von Archers Leben, von der ich absolut nichts weiß. Ich meine, immerhin hat mir dieser Mann vor nicht einmal einer Stunde seine Zunge tief in den Hals geschoben, während er mich mit seinen Fingern in den siebten Himmel befördert hat. Nach solch einem Erlebnis würde wohl jede Frau mehr über so einen Kerl erfahren wollen, oder?

Das rede ich mir zumindest ein.

„Natürlich, ich führe dich gern durchs Resort“, antwortet Archer mit warmer Stimme und einem Blick, der glühend über mich hinwegstreicht. Meine Haut kribbelt vor lauter Aufregung. Es ist, als würde er mich tatsächlich berühren. „Wir brunchen, und danach zeige ich dir alles.“

„Hört sich gut an.“ Ich lächle ihn an, und er lächelt mich an. Aus irgendeinem merkwürdigen Grund fühlt es sich an, als wären wir ganz allein, während wir uns wie Honigkuchenpferde angrinsen.

Dann räuspert Gage sich und bringt uns damit zurück in die Realität. Ich zucke zusammen und falte meine Hände, um sie nicht nach Archer auszustrecken.

Ich darf ihn nicht anfassen, schon gar nicht in Gegenwart meines Bruders. Sosehr ich es mir auch wünsche. Gage kennt alle Geheimnisse, die Archer hat, ebenso wie alle seine Fehler. Er liebt seinen besten Freund. Trotzdem würde er niemals wollen, dass wir zusammenkommen. Zumindest glaube ich das.

Es ist besser, so zu tun, als wäre nichts zwischen uns, als mir Gages Missfallen einzuhandeln. Und es ist ja auch nichts zwischen uns. Zwischen Archer und mir. Ehrlich. Ein leidenschaftlicher Kuss und ein Orgasmus. Mehr nicht.

Das ist verdammt viel.

Ich ignoriere diese aufmüpfige kleine Stimme in meinem Kopf und versuche, mich zu konzentrieren.

Archer fasst sich wieder und zeigt uns die Gästezimmer, die einander direkt gegenüberliegen. Ich kann kaum glauben, wie fantastisch mein Zimmer aussieht. Es ist in beruhigenden Blau- und Grautönen gehalten, hat ein großes, gemütliches Bett und dunkle, elegante Möbel. Der gesamte Raum wirkt absolut erlesen. Ich nehme alles in mich auf und richte vor allem den Blick auf das Bett, das mit einer Tagesdecke und vielen Kissen bedeckt ist. Ich bin nämlich müde und kann es kaum erwarten, mich darauffallen zu lassen.

Vielleicht ist es aber auch die Vorstellung, dass Archer mich hier nachher besucht und mich wieder und wieder kommen lässt, die mich eher zu dem Bett hinzieht …

Der Gedanke löst einen Hustenanfall bei mir aus, doch ich winke ab, als Gage mich misstrauisch betrachtet. „Alles gut“, sage ich, als die beiden schon wieder zum Flur hinausgehen. „Zeig ihm sein Zimmer, Archer. Gute Nacht.“

Ohne einem von ihnen die Möglichkeit zu geben, etwas darauf zu erwidern, schließe ich die Tür hinter ihnen und sacke dagegen. Dann schlage ich erst einmal, dann ein zweites Mal meinen Kopf dagegen und hoffe, mir dadurch Verstand einzubläuen, denn, ganz ehrlich, anscheinend habe ich den Verstand verloren.

Seufzend richte ich mich auf und schaue mich erneut um. Dabei entdecke ich die offene Tür, die zu einem kleinen angrenzenden Badezimmer führt. Ich gehe hinüber, um es mir genauer anzusehen. Sämtliche Annehmlichkeiten sind hier zu finden – mit Ausnahme eines Kleidungsstücks, das ich heute Nacht anziehen könnte. Wobei ich natürlich auch keine der Hinterlassenschaften von Archers sexuellen Eroberungen tragen will, aber trotzdem. Es überrascht mich, dass kein frisches, sauberes Nachthemd auf mich wartet, in das ich heute Nacht schlüpfen kann; schließlich gibt es sonst auch alles, was man sich nur denken kann. Na ja, ich kann ja meinen BH und den Slip anbehalten …

Oder gar nichts tragen.

Ein kleines Lächeln breitet sich auf meinen Lippen aus. Gleichzeitig entdecke ich einen flauschigen Bademantel, der am Haken an der Tür hängt. Während ich über den weichen Stoff streiche, überlege ich, dass ich duschen könnte. Langsam ziehe ich mich aus. Nachdem ich die Schuhe abgestreift habe, lasse ich zuerst mein Kleid auf den Boden gleiten, anschließend folgen BH und Slip.

Morgen früh im Hush wird es so aussehen, als hätte ich die Nacht durchgemacht oder sie bei einer Eroberung verbracht: Ich werde dort in dem ziemlich formellen Kleid aufkreuzen müssen, das ich zur Hochzeit anhatte. Daran hatte ich bisher gar nicht gedacht. Nervös beiße ich mir auf die Unterlippe, während ich zu der überdimensionalen Dusche schaue, die absolut verlockend wirkt.

Könnte ich nicht Archer fragen, ob er was zum Anziehen für mich hat? Aber wie soll ich das bewerkstelligen? Jetzt gerade kann ich es jedenfalls nicht tun, denn schließlich stehe ich nackt hier. Wobei … Womöglich würde es ihn gar nicht stören, mich so zu sehen.

Hör auf, so was zu denken. Du willst doch nicht wirklich, dass er dich nackt sieht … Oder?

Oh, mein Gott, vielleicht will ich es doch.

Als es plötzlich klopft, zucke ich zusammen, schnappe mir in Windeseile den Bademantel und ziehe ihn über. Auf dem Weg zur Tür überlege ich, dass es nur Gage sein kann. Sicher will er mir noch irgendetwas völlig Belangloses sagen, bevor er ins Bett geht. Er war schon immer ein wenig zu fürsorglich, also wird er sich bloß ein letztes Mal nach mir erkundigen wollen.

„Mir geht es gut, Gage, ehrlich“, sage ich, während ich öffne. Dann verstumme ich, als ich sehe, wer draußen steht.

„Ehrlich?“ Archer hebt eine Braue. Eine Hand hat er in die Hosentasche geschoben, in der anderen hält er ein Kleidungsstück. „Und warum sollte es dir auch nicht gut gehen?“

Oh, Scheiße. Er sollte in diesem Moment besser nicht vor meiner Tür stehen. „Was tust du hier?“, flüstere ich und blicke über seine Schulter hinweg zu Gages Tür, die zum Glück geschlossen ist.

„Mich vergewissern, dass du alles hast, was du brauchst.“ Er streckt mir den Arm entgegen. „Ich habe dir was mitgebracht.“

Ich bin mir nur allzu bewusst, dass ich unter dem Bademantel nichts anhabe. Mein Verlangen ist allerdings ziemlich groß, den Gürtel zu lösen und den Bademantel zu meinen Füßen herabgleiten zu lassen, nur um Archers Reaktion zu sehen,.

Doch für den Augenblick unterdrücke ich es.

„Was ist das?“ Ich nehme ihm den weichen Stoff ab, wobei sich unsere Finger versehentlich berühren und mich eine Hitzewelle durchströmt.

„Eins meiner T-Shirts.“ Er zuckt mit den breiten Schultern, die noch immer in einem weißen Oberhemd stecken. „Ich weiß ja, dass du nichts dabeihast, was du im … Bett anziehen kannst. Da dachte ich mir, dass ich dir das hier anbieten könnte.“

Seine Augen werden ganz dunkel, als er das Wort Bett erwähnt, und sofort fangen meine Knie zu zittern an. Heiliger Strohsack, was dieser Mann bei mir anrichtet, ist mir völlig fremd. Ich habe keine Ahnung, was ich jetzt tun soll.

„Äh, danke“, sage ich nach einer Weile, „sehr nett von dir.“ Das T-Shirt ist weich, der Stoff ziemlich dünn, so als wäre es bereits viele Male getragen worden. Ich verspüre den plötzlichen Drang, es mir an die Nase zu halten und tief einzuatmen, um zu prüfen, ob ich vielleicht noch Archers Duft darin wahrnehmen kann.

Der Mann macht aus mir tatsächlich noch einen echten Freak.

„Gern geschehen.“ Er lehnt seinen großen Körper gegen den Türrahmen und sieht dabei so verschlafen, zerzaust und obendrein viel zu sexy aus, dass ich ihn am liebsten packen und ins Zimmer ziehen würde.

Moment mal, nein, das will ich gar nicht. Das ist eine ganz schlechte, eine ganz bescheuerte Idee.

Lügnerin.

„War’s das?“, frage ich, denn wir müssen ja nicht ewig hier so stehen und eine derartig banale Unterhaltung führen. Erstens könnte mein Bruder jederzeit auftauchen und uns erklären, warum wir nicht zusammenpassen. Zweitens wird mir von Sekunde zu Sekunde deutlicher bewusst, dass ich unter dem Bademantel total nackt bin. Drittens überlege ich noch immer, ob ich nicht doch den Bademantel einfach fallen lassen soll, um Archer zu zeigen, wie nackt ich bin.

„Ich denke, schon.“ Seine Stimme ist rau, und er stößt sich vom Türrahmen ab. „Okay dann, gute Nacht.“

„Gute Nacht“, flüstere ich, aber ich mache die Tür nicht zu. Ich bewege mich nicht von der Stelle.

Genauso wenig wie er.

„Ivy …“ Er verstummt und räuspert sich verlegen. Was irgendwie heiß ist. Oh, mein Gott, alles an ihm ist heiß, und ich beschließe, meinem Impuls nachzugeben, denn verdammt … Was soll’s.

Ich will ihn.

Archer

Wie ein Idiot stehe ich hier und weiß nicht, was ich sagen soll. Es ist fast so, als wäre mir die Kehle zugeschnürt. Ich bringe kaum einen Ton heraus, weil Ivys Anblick mich fast umhaut. Ihr langes Haar, das ihr über die Schultern fällt, ihr schlanker Körper, der in einen der weißen Bademäntel gehüllt ist, die ich für Gäste bereithalte. Dieselbe Art von Bademantel, die wir auch im Hush zur Verfügung stellen.

Doch dann tut sie etwas so Überraschendes, so unglaublich Sinnliches, dass ich meinen Augen nicht traue.

Mit ihren schlanken Händen öffnet sie den Knoten des Gürtels, zieht ihn schnell auseinander und entblößt nackte Haut. Viel nackte Haut.

Heilige Scheiße. Sie ist nackt. Und sie hat gerade den Bademantel auf den Boden fallen lassen, sodass sie – und ich muss es noch einmal betonen – völlig nackt vor mir steht.

Mir klappt die Kinnlade herunter, und ich stoße einen unartikulierten Laut aus. Verdammt, sie sieht bezaubernd aus. Diese langen Beine, die wohlgerundeten Hüften und die schmale Taille ergeben zusammen mit den vollen Brüsten und den hübschen rosa Nippeln ein faszinierendes Bild. Einen qualvollen Moment lang bin ich absolut hingerissen. Fassungslos starre ich sie an.

„Willst du da jetzt so stehen bleiben und darauf warten, dass mein Bruder rauskommt und uns in dieser Situation ertappt, oder willst du in mein Zimmer kommen?“

Lieber würde ich in ihr kommen, was mit etwas Glück hoffentlich gleich passieren wird.

Plötzlich bewege ich mich ganz schnell. Ich mache einen Schritt auf Ivy zu und umfasse ihre Taille, während ich sie ins Zimmer schiebe. Mit dem Fuß trete ich die Tür zu, strecke die Hand hastig nach hinten aus, um abzuschließen, bevor ich sie wieder auf Ivys Taille lege.

Die Vorstellung, dass Gage uns ertappen könnte, war der Auslöser für mein schnelles Handeln. Er würde mir den Arsch aufreißen, wenn er wüsste, dass ich in dieser Sekunde Hand an seine Schwester lege. Und dann ist da ja noch diese alberne Wette, die ich vorhin mit ihm und Matt abgeschlossen habe. Da wiederhole ich gebetsmühlenartig, dass ich mich niemals von irgendeiner Tussi einfangen lasse – und praktisch im selben Moment zeigt plötzlich die einzige Frau, von der ich annehme, dass sie es wert wäre, eine Beziehung mit ihr einzugehen, endlich einen Hauch von Interesse. Krass.

Na ja, eigentlich ist es sogar mehr als ein Hauch, wenn man bedenkt, dass sie nackt ist und ihren verführerischen Körper gerade an meinen schmiegt. Ich schaue ihr in die Augen, sehe die Leidenschaft in ihrem Blick, dann senke ich den Kopf, um ihr einen Kuss zu geben. Einen fordernden, gierigen Kuss, der sie dazu bringt, vor Lust zu stöhnen. So wie vorhin, als ich sie auf der Terrasse berührt habe. Wie empfänglich sie da gewesen ist. Bevor ich alles mit meinen blöden Bemerkungen ruiniert habe. Dabei hatte ich ausnahmsweise wirklich nicht vor, sie wütend zu machen; und trotzdem habe ich es geschafft, nur weil ich es mir nicht mit Gage verderben wollte.

Was Ivy angeht, befinde ich mich in einer Situation, in der ich im Grunde nicht gewinnen kann. Das ist mir klar. Dennoch stehe ich jetzt hier und halte sie in meinen Armen, küsse sie, während ihre Brüste gegen meinen Oberkörper gedrückt sind …

„Hey.“ Ich umschließe ihre Hüften, meine Finger pressen sich in ihr Fleisch, und sie sieht mich mit großen Augen an. Ihre Lippen schimmern, als hätte sie darübergeleckt. Fuck, alles, was sie macht, bringt mich noch um den Verstand. Aber ich muss wissen, wo wir stehen – was sie will. Ich kann nicht riskieren, das Ganze komplizierter zu machen, als es sowieso schon ist. „Was tun wir hier?“

Eine ihrer perfekt geschwungenen Brauen schießt in die Höhe. „Muss ich dir das ernsthaft erklären?“

„Du weißt, was ich meine.“ Ich werde hier nichts vorantreiben, bis ich sicher bin, dass wir auf derselben Wellenlänge schwimmen. „Was versprichst du dir davon?“

Ivy streckt die Hand aus und knöpft langsam mein Oberhemd auf. Bei jedem Knopf, den sie öffnet, streicht sie mit den Fingerspitzen über meine Haut. „Einen One-Night-Stand mit sagenhaftem Sex?“

Ich versuche, ihre Worte zu verdauen. Eine Nacht will sie. Das sollte mir recht sein; eigentlich sollte ich nicht mehr wollen. Schließlich will ich nie mehr.

Aber mit Ivy könnte ich es mir vorstellen.

Verdammt, wie abgefahren und beängstigend ist das denn?

„Und das war’s?“ Meine Stimme klingt tonlos. Ich schnappe nach Luft, als sie über meinen Bauch streicht, nachdem sie den letzten Knopf geöffnet und das Hemd aus dem Bund meiner Hose gezogen hat. „Das ist alles, was du von mir willst?“

„Mehr willst du doch auch nie von anderen Frauen, oder?“ Ihr Blick ruht auf meinem Oberkörper, und sie atmet tief durch. „Mir war ja klar, dass du kräftiger geworden bist, seit ich dich zuletzt so gesehen habe, Archer, aber … Oh, mein Gott.“

Ich lächle und genieße es, wie sie mich mustert. So als wollte sie mich mit Haut und Haaren verschlingen. „Und wann hast du mich zuletzt ohne Hemd gesehen?“

„Keine Ahnung.“ Sie zuckt mit den Schultern und betrachtet mich hungrig und verlangend, sodass ich meine Finger an ihre Wange lege und ihre weiche Haut streichle. Irgendwie kann ich nicht widerstehen, sie zu berühren. „Als wir noch Teenager waren?“

„Na ja, seitdem habe ich mich ziemlich verändert.“ Ich beuge mich vor und flüstere ihr ins Ohr: „Du aber auch.“

Ivy streicht über meinen Oberkörper, was dazu führt, dass sich meine Haut anfühlt, als hätte sie Feuer gefangen. Schließlich streift sie mir das Hemd von den Schultern. Ich ziehe es aus, bevor ich schnell wieder ihre Taille umfasse und mich ein wenig nach hinten lehne, um sie ganz genau zu betrachten.

Himmel, sie ist echt wunderschön. Allein ihr Anblick lässt mich hart wie Stein werden. Ich dränge sie rückwärts zum Bett, indem ich sanft gegen ihre Schultern drücke. Als sie auf die Matratze fällt, gibt sie einen kleinen Protestlaut von sich. Die langen, leicht zerzausten Locken breiten sich über ihre Schultern und bedecken die Ansätze ihrer Brüste. Die Versuchung ist riesengroß, mit den Fingern durch die seidigen Strähnen zu fahren. Ohne Vorwarnung hakt Ivy die Finger durch die Gürtelschlaufen meiner Hose und zieht mich zu sich, sodass ich das Gleichgewicht verliere und auf das Bett falle.

Auf Ivy falle.

„Jetzt habe ich dich da, wo ich dich haben will“, murmelt sie. Damit hebt sie den Kopf, gibt mir einen heißen Kuss und lässt ihre Zunge sofort gegen meine schnellen. Als sie die Hände ganz sachte über meinen Rücken gleiten lässt, erzittere ich.

Verdammt, ihre Berührung fühlt sich so gut an. Sie fühlt sich so verdammt gut unter mir an, ihre Finger auf meiner Haut, ihre Beine um meine Hüften geschlungen. Ich habe zwar noch meine Hose an, aber ich kann sie fühlen. Meine Erektion presst sich gegen ihren Körper, als sie die Hüften hebt und sich lustvoll an mich drängt, ohne den Kuss zu unterbrechen.

Ivy hat sich in eine Wildkatze verwandelt. Sie reibt sich an mir, küsst mich, als wollte sie mich verschlingen, und nur allzu gern verfalle ich ihrem Zauber. Ich überlasse ihr die Führung, denn ihr köstlicher Geschmack bannt mich. Ich genieße es einfach, wie sie meinen Körper erkundet, bis ihre Finger endlich die Vorderseite meiner Hose erreichen. Sie öffnet den Knopf, zieht den Reißverschluss herunter und greift schließlich hinein, um meinen Schwanz zu streicheln.

„Wow, Archer, du bist ja gut bestückt“, murmelt sie an meinem Mund, umschließt meine Männlichkeit und drückt einmal fest zu. Ein köstlicher Schmerz.

Ich muss über ihre Bemerkung lachen. „Soll das ein Kompliment sein?“

„Oh ja.“ Sie zerrt meine Hose bis zu meinen Oberschenkeln herab. „Zieh sie aus. Zieh alles aus.“

„Na, mir scheint, du kommandierst andere gerne herum, was?“, flüstere ich, bevor ich mit der Zunge über ihre volle Unterlippe gleite.

„Ich benehme mich sonst nie so“, antwortet sie, als ich aufstehe, um mich auszuziehen. Ihr gieriger Blick bleibt die ganze Zeit auf mir ruhen. „Ich glaube, das ist alles deine Schuld.“

„Meine Schuld?“ Diese Aussage überrascht mich jetzt doch. Wieso macht sie mich für ihr verrücktes Verhalten verantwortlich? „Wieso?“

„Entweder liegt es an dir oder an dem Champagner, den ich vorhin getrunken habe.“ Sie senkt den Blick und mustert mich ungeniert. Als ich meine Retroshorts ausziehe, werden ihre Augen groß. „Oh, wow.“

„Ängstlich?“ Ich lege mich wieder zu ihr aufs Bett und drehe sie herum, bis sie unter mir liegt. „Solltest du auch sein“, füge ich hinzu und küsse sie. Verschlinge sie. Schon im nächsten Moment wird es wild, als ich ihre Kurven ertaste, über ihre Haut fahre. Ihre Hände sind genauso fleißig wie meine und tauchen direkt zu meinem Schwanz ab. Wenn sie mich weiterhin so berührt, ist es gleich um mich geschehen. Da ich das natürlich nicht will, packe ich ihre Handgelenke und halte ihre Arme über ihrem Kopf fest. So gefangen, windet Ivy sich unter mir und gibt frustrierte Laute von sich.

Und treibt mich damit in den verdammten Wahnsinn.

Sie ist diejenige, die nun den Kuss beendet. Wütend starrt sie mich an und entzieht sich meinem Griff. „Ich will dich anfassen.“

„Wenn du so weitermachst, dann komme ich direkt in deiner Hand“, stöhne ich heiser.

Ivy lacht und drängt sich mir entgegen, drückt ihre Brüste an meinen Oberkörper. Ich kann die harten Nippel spüren, die sich in meine Haut bohren.

Diese Frau wird mich noch umbringen. Das weiß ich ganz sicher.

5. KAPITEL

Ivy

Archer Bancroft besitzt einen Körper wie kein anderer Mann, mit dem ich bisher zusammen gewesen bin. Genau genommen habe ich so einen noch nie leibhaftig so direkt vor meiner Nase gehabt. Es ist ein fantastischer, durchtrainierter Körper mit weicher Haut, deutlich ausgeprägten Muskeln sowie einer breiten Brust und kräftigen Schultern. Archer ist in diesem Moment alles, was ich sehen und hören und riechen und schmecken kann, während er so auf mir liegt und meine Arme über meinem Kopf gefangen hält.

Was wir hier treiben, ist so absolut unerwartet und so unglaublich aufregend, dass mein gesamter Körper vor Erwartung zittert. Archer küsst mich wie ein Verhungernder; ich scheine das Einzige zu sein, was diesen Hunger stillen kann. Ich spüre seine Erektion zwischen meinen Beinen, und ich bin so feucht, dass es schon fast peinlich ist.

Doch es ist mir egal. Ich bin wie berauscht von dem Gefühl von seinem Gewicht auf mir, von seinem hungrigen Mund, seiner drängenden Zunge und diesen großen, rauen Händen, die mich ans Bett fesseln.

Nie hätte ich mir träumen lassen, dass es mich derart erregen würde, wenn mich jemand so festhält. Aber, Himmel, ich bin so geil auf ihn, dass ich fast glaube, gleich zu explodieren.

„Versprichst du mir, dass du nicht sofort wieder nach meinem Schwanz greifst?“, flüstert er mir ins Ohr, nachdem er unseren Kuss unterbrochen hat.

Ich muss lachen. Und ich muss stöhnen. Seine offenen Worte törnen mich echt an. „Vielleicht will ich aber ja genau das: deinen Schwanz packen.“

Durchdringend sieht er mich an. Seine Augen sind dunkel und funkeln leidenschaftlich. „Ich hab dir schon gesagt, was dann passieren könnte.“

Oh ja, das hat er. Aber vielleicht will ich das ja. Die Vorstellung ist nämlich erstaunlich erregend. Ich streichle ihn, und dann verliert Archer die Kontrolle und kommt in meiner Hand …

Unruhig reibe ich meine Beine gegen seine, und er lacht leise, so als könnte er meine Gedanken lesen. „Versprich mir, dass du nicht zupackst.“

„Das kann ich dir nicht versprechen“, flüstere ich.

„Dann lass mich dich berühren.“ Er spricht mit gedämpfter Stimme und lockert den Griff um meine Handgelenke. Schließlich lässt er sie los und beginnt, mein Gesicht und meinen Hals mit kleinen Küssen zu bedecken, während er über meine Seiten streicht. „Ich möchte dich erkunden.“

Dagegen werde ich ganz sicher nicht protestieren. Denn es ist genau das, was ich mir wünsche. Statt also seinen Schwanz zu packen, wie er es so nett formuliert hat, schlinge ich die Arme um seinen Nacken, fahre mit den Fingern durch sein Haar und dränge ihn sanft weiter nach unten. Zuerst küsst er mein Schlüsselbein, danach meine Schultern, den Ansatz meiner Brüste, das Tal zwischen meinen Brüsten …

Er reizt mich. Meine Nippel sehnen sich danach, dass sich sein Mund um sie schließt, doch seine Lippen sind überall, nur nicht dort. Ich weiß nicht, ob ich diese köstliche Folter noch lange aushalten kann. Er umfasst meine Hüften, während er erforscht, wie empfindsam meine Haut ist. Ich dränge seinen Kopf in Richtung meiner Brüste und ziehe sogar ein wenig an seinen Haaren, bis er leise flucht und einen meiner Nippel mit der Zunge umkreist.

Dann leckt er über den anderen.

Das erstickte Stöhnen, das mir entschlüpft, ist völlig anders als die Töne, die ich sonst im Bett von mir gebe. Hastig presse ich die Lippen aufeinander, weil es mir auf einmal peinlich ist. Doch als Archer die Berührung wiederholt und seine samtweiche Zunge wieder und wieder

über meinen Nippel schnellen lässt, reagiere ich hemmungslos. Erneut keuche ich heiser auf, während ich seinen Kopf fest an mich drücke, damit er mich weiter verwöhnen kann. Er leckt und saugt und beißt erst sanft, dann fester zu. Es scheint, als wollte er meine Grenzen austesten.

Und es ist so gut, dass ich mehr will. Oh, mein Gott, ich bin verrückt danach, seine Zähne, seine Hände zu fühlen. „Härter“, wispere ich und bin selbst schockiert darüber, doch Archer gehorcht und beißt hart in meinen Nippel.

Ich spüre die Erregung zwischen meinen Beinen, spüre, wie feucht ich bin, und als Archer mit dem Finger meinen feuchten Schoß streichelt und mit dem Daumen über meine Klit gleitet, schüttele ich vehement den Kopf. „Nein, nicht so. Bitte.“

„Du willst mich in dir?“ Während er das leise sagt, streift sein heißer Atem über meine Brust.

Als ich die Augen aufschlage, stelle ich fest, dass er mich beobachtet. Sein Blick wirkt verhangen und verspricht verbotene Genüsse. Ich nicke, während ich zugleich sehnsüchtig wimmere.

Das Lächeln, mit dem er darauf reagiert, ist eindeutig verrucht. „Gut. Denn, fuck, ich kann es nicht erwarten, endlich in dir zu sein.“

Kein Mann hat je so mit mir geredet. Und es gefällt mir. Ich will mehr. So viel mehr …

Archer kommt hoch und lehnt sich über mich, sein Oberkörper nahe an meinem Gesicht, während er die Hand zum Nachtschrank ausstreckt und die kleine Schublade dort öffnet. Er holt ein Kondom heraus, und einen Moment lang bin ich erstaunt.

Wobei, eigentlich sollte ich das wohl nicht sein. Jeder weiß, wie Archer vorgeht.

Ich verdränge diese Gedanken, stütze mich auf den Ellenbogen auf und presse meinen Mund auf seine Brust. Sein Duft umgibt mich, die Wärme seiner Haut, sein salziger Geschmack. Ich lecke einen Pfad bis hinunter zu seinem Sixpack, bis Archer hochschnellt und zischt, so als hätte ich ihn verbrannt.

„Du bist ja gemeingefährlich“, murmelt er, reißt das Päckchen auf und streift das Kondom über. Der Anblick fasziniert mich so sehr, dass mein Herz doppelt so schnell schlägt. Als Archer mich dabei ertappt, wie ich ihn anstarre, wird mein Mund ganz trocken. Er schüttelt leicht den Kopf, und ein kleines Lächeln umspielt seine perfekten, geschwollenen Lippen. „Ich würde es ja gern langsam angehen, aber ich bezweifle, dass ich es schaffe, Ivy. Ich will dich einfach zu sehr, verdammt.“

Wieder erstaunt er mich, diesmal mit seinen Worten.

Wenn ich genauer darüber nachdenke, wird mir klar, wie absolut ungewöhnlich diese Situation ist. Ich liege hier nackt mit Archer Bancroft. Wir werden gleich Sex haben. Wenn mir jemand vor einem Monat … verdammt, noch vor ein paar Stunden gesagt hätte, dass ich diese Nacht damit beenden würde, mit Archer zu schlafen, hätte ich nur gelacht.

Doch jetzt lache ich nicht. Stattdessen strecke ich die Hände nach Archer aus und ziehe ihn auf mich, sodass sein kräftiger Körper mich in die Matratze drückt. Ich schlinge meine Beine um seine Hüften, umfange ihn mit meinen Armen, damit ich seinen glatten, feuchten Rücken streicheln kann, während unsere Münder sich zu einem weiteren, leidenschaftlichen Kuss finden. Wir knabbern an den Lippen des anderen, und unsere Zungen eröffnen einen erotischen Tanz.

Er schmeckt unglaublich. Ich liebe die Geräusche, die er von sich gibt, die Art, wie er mich hält. Und als er langsam in mich hineingleitet, Zentimeter für Zentimeter, durchfährt mich ein Zittern, und ich muss die Augen schließen, weil die Emotionen einfach zu intensiv sind. Einen kurzen Moment lang rührt er sich nicht, atmet nicht einmal, und auch ich bin atemlos. Noch nie habe ich mich mit einem anderen Menschen so verbunden gefühlt.

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