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BIANCA SPEZIAL, BAND 6

Daddy gesucht – Herz verloren

Glaub mir, es ist Liebe

Das ist Paul noch nie passiert: Er trifft eine bezaubernde Frau und verbringt eine zärtliche Nacht mit ihr. Doch während er von einer Zukunft mit Bobbi träumt, zeigt sie ihm nur noch die kalte Schulter – obwohl sie sein Kind erwartet! Paul ist verzweifelt: Wie kann er Bobbi davon überzeugen, dass er sie aufrichtig liebt?

Mein größter Wunsch – ein Baby

Soll sie oder soll sie nicht? Aprils bester Freund will sie heiraten, damit sie endlich das ersehnte Baby bekommen kann. Doch reichen die freundschaftlichen Gefühle aus, die sie für Glen hegt? April glaubt, sich entscheiden zu müssen: Entweder eine Hochzeit aus Liebe oder ein Baby – und ahnt nicht, dass sie beides haben kann.

Muriel Jensen

Glaub mir, es ist Liebe

1. KAPITEL

April …

Wohlklingendes Läuten von Kirchenglocken weckte Bobbi Perducci. Langsam drang es in ihr Bewusstsein vor. Zwar erschien es ihr ein wenig zu laut, doch der harmonische Klang wirkte irgendwie tröstlich auf sie. Ohne die Augen zu öffnen, legte sie sich in die Kissen zurück und gab sich genüsslich der lange entbehrten, anheimelnden Stimmung dieses ruhigen Sonntagvormittags hin.

Plötzlich fiel ihr ein, dass es in der Nachbarschaft ihrer Wohnung in Burbank gar keine Kirche gab. Seit drei Jahren wohnte sie dort und war nie vom Läuten der Glocken geweckt worden. Erschrocken schlug sie die Augen auf.

Ihr Blick wanderte über eine helle Holzdecke zu einem modernen Kronleuchter mit langen Kristalltropfen, die bei der strahlenden Sonne den Anschein erweckten, als wäre das Licht eingeschaltet.

Bobbis Herz machte einen Satz. Die Zimmerdecke ihres Schlafzimmers war, wie in Südkalifornien üblich, weiß getüncht und mit einer Lampe in der Form einer Halbkugel versehen.

Plötzlich rüttelten weitere Widersprüchlichkeiten Bobbis Sinne wach. Sie vernahm das Rauschen einer sanften Dünung. Unvorstellbar im Binnenland. Moosfarbene Vorhänge und braunkarierte Übergardinen schmückten die Fenster und gaben den Blick auf einen azurblauen Himmel frei. Wo befand sich die von Bäumen beschattete Vorstadtstraße mit seinen für das Wochenende typischen Geräuschen – lachende Kinder, bellende Hunde, brummende Rasenmäher?

Ernsthaft besorgt hob Bobbi den Kopf ein paar Zentimeter vom Kissen an und blickte an sich herab auf die Steppdecke, die ihr bis zu den Brüsten reichte und in Farbe und Design genau zu den Vorhängen passte.

In diesem Moment sah sie die Hand.

Ihr leiser Aufschrei klang selbst den eigenen Ohren fremd. Eine makellos gepflegte Hand mit langen Fingern umfasste Bobbis rechte Brust. Der Daumen ruhte auf ihrer dunklen Spitze. Beim Anblick ihrer aufgerichteten rosafarbenen Knospe fühlte Bobbi, wie ihr eine Gänsehaut über den vollkommen unbekleideten Körper lief.

Bobbis Kopf sank zurück. Sie schloss die Augen. Himmel, lass alles nur eine Wahnvorstellung sein, flehte sie insgeheim. In ihrem wirren Kopf ging alles drunter und drüber. Sie erinnerte sich an eine Riesenflasche Champagner, eine laue Nacht, Sandknirschen unter ihren Füßen, dazu das leise Aufschlagen der Brandung, die sanft ihre Knöchel umspielte.

Ein Arm um ihre Schultern, eine angenehme tiefe Stimme, warme Lippen … fordernde, geschickte Lippen. Nur, wem gehörten sie?

Oh Himmel, dachte sie verzweifelt. Es ist keine Wahnvorstellung. Seit Joey mich verlassen hat, habe ich mich in Zurückhaltung geübt. Mit wem auch immer ich es heute getan haben mag, es kann niemals freiwillig gewesen sein. Ich müsste mich doch daran erinnern, oder?

Aber der Himmel antwortete nicht. Selbst die Kirchenglocken schwiegen mittlerweile. Bobbi hörte nur das gleichbleibende Rauschen der Dünung und das ruhige Atmen eines Menschen.

Okay. Sie war vielleicht manchmal töricht gewesen, niemals jedoch feige. Nun hieß es für sie, den Schaden zu überprüfen und einzuschätzen.

Dafür musste sie zunächst einmal die Identität des Mannes herausfinden, dessen Hand ihre Brust umfasste. Bobbi schluckte einmal trocken und wandte den Kopf zur linken Seite.

Goldfarbenes Haar. Es war dicht und zerzaust und duftete nach Kräutershampoo. Eine Haarlocke fiel ihm auf die breite Stirn. Die Brauen glänzten eine Spur dunkler als das Haar.

Und auf einmal war auch die Erinnerung wieder da. Dabei war es nicht einmal erforderlich, die hellen blauen Augen unter den geschlossenen Lidern, die kräftige, gerade Nase und das mit einem Grübchen geschmückte Kinn anzusehen.

Der Mann war Sin, Paul Sinclair, Anwalt, Playboy und Erbe eines Riesenvermögens. Am Tag zuvor war Sin Bobbis Begleiter gewesen, als ihre beste Freundin Gina Raleigh Sins besten Freund, Patrick Gallagher, geheiratet hatte.

Eigentlich wollte Bobbi gleich nach der Trauung nach Hause fahren. Sie hatte einen Termin mit einem Innenarchitekten, der zwei Eckstühle aus Mahagoni abholen wollte, die sie gerade in Arbeit hatte, restaurierte und aufpolsterte. Mit diesem Vorhaben wollte Bobbi die Leere überspielen, die Patricks und Ginas Abreise ins Candle Bay Hotel für sie bedeuten würde. Das Hotel gehörte Patrick und befand sich an der Küste von Oregon.

Niemals hätte Bobbi erwartet, dass der gutaussehende, humorvolle Mann mit dem zauberhaften Lächeln, den sie nur wenige Stunden zuvor kennengelernt hatte, ihre Gefühle und Sehnsüchte erraten und sie zu einem Spaziergang am Strand überreden würde, wo er ein prachtvolles Haus besaß. Sie hatte auch nicht beabsichtigt, den Spaziergang zu einem anschließenden Dinner auszudehnen …

Das ist es, was mich jedes Mal in Schwierigkeiten bringt, dachte Bobbi. Da sie bereits als Teenager ihre Eltern verloren hatte, musste sie frühzeitig lernen, sich hart zu geben und finanziell unabhängig zu sein. Reichtum würde ihr zwar niemals beschieden sein, zu hungern brauchte sie aber auch nicht gerade. Sie besaß Intelligenz und Talent und verfügte über Disziplin.

Doch sie versuchte immer das wiederzuerlangen, was ihr der Tod ihrer Eltern so plötzlich genommen hatte, und bemühte sich ständig, den Sinn für die Familie zu bewahren.

Was für ein Chaos, sagte sie sich, als sie nun vorsichtig und sehr langsam die Finger löste, die ihre Brust umspannten. Für einen Moment hob sie seinen Arm und wollte sich rasch seitwärts drehen. Doch Sin gab einen unverständlichen Laut von sich, furchte die Stirn und zog Bobbi, ohne die Augen zu öffnen, wieder an sich.

Erneut nahm Bobbi seine Wärme, den Duft seines Eau de Cologne und seine männliche Ausstrahlung wahr und ließ in ihrem Herzen die Saite anrühren, die ihren Platz in den Armen eines Mannes suchte und sie zum Verweilen lockte.

Doch plötzlich fiel ihr ein Spruch ihres Exmannes ein: „Besser, keinen Mann zu haben als den falschen.“

Sinclair war entschieden der falsche Mann.

Langsam wiederholte Bobbi ihren Fluchtversuch. Diesmal schaffte sie es. Sie fand ihre Höschen neben dem Bett, die Strumpfhose auf dem Teppich. Der BH hing wie ein Hut über einem der Bettpfosten. Aufstöhnend legte sie ihn sich um, während sie nach ihrem Pullover und der langen Hose suchte. Endlich fand sie beides hinter der Tür auf dem beigefarbenen Teppich der Galerie, von wo aus Bobbi das gesamte Wohnzimmer mit der gewölbten Decke überblicken konnte. Trotz aller Konzentration auf die geplante Flucht musste sie daran denken, dass sie sich von dieser kostspieligen, eleganten Umgebung zurückgestoßen fühlte.

Wo hatten sich nur ihre Schuhe versteckt? Der eine hing über dem Ohr einer afrikanischen Maske. Während sie den zweiten suchte, weigerte sie sich zu überlegen, wie der erste an seinen Platz gekommen war. Als sie gerade beschloss, ohne ihn zu gehen, sah sie ihn in einem Trophäenschrank, der sich in einem mit Eichen- und Ledermöbeln ausgestatteten Arbeitszimmer befand. Auf einem Fuß hüpfend, während sie den zweiten anzog, eilte sie zur Tür. Wut stieg in ihr auf.

Sicher, sie hatte sich töricht verhalten, aber Sin war wohl kaum weniger zu tadeln. Er hatte sie betrunken gemacht, ihre Sehnsucht nach Gesellschaft ausgenutzt und sie in eine Nacht manövriert, die ihr unvergesslich bleiben sollte …

Nein, das war nicht fair. Sin hatte sie nicht gewaltsam auf den Mondscheinspaziergang gelockt, ihr nicht den Champagner in die Kehle geschüttet und sie damit empfänglich für seinen Charme und seine romantischen Absichten gemacht. Sie war maßlos verletzlich, das war ihr Problem.

Behutsam umfasste sie den Türknauf und schätzte sich bereits glücklich, entflohen zu sein, ohne Sin geweckt zu haben, als ihr einfiel, dass sie ihre Handtasche vergessen hatte. Sicherlich lag sie noch oben. Ohne die Tasche konnte sie kein Taxi nehmen.

Sin schlief noch auf der Seite, als Bobbi auf Zehenspitzen ins Zimmer trat. Sie bewegte sich vorsichtig, schaute auch unters Bett – nichts.

Panik bemächtigte sich ihrer. Sie dachte an die fehlenden Autoschlüssel, den Führerschein, die Kreditkarten. Aber dann sah sie, dass die Badezimmertür offen stand.

Staunend trat sie über die Schwelle. Dies war kaum ein schlichtes Badezimmer zu nennen. Es besaß eine im Fußboden versenkte Wanne, eine extra Duschkabine, einen Ankleideraum und eine über dem Boden angebrachte Fensterbank mit einer Vielzahl Grünpflanzen. Bobbi suchte jedes Bord ab und überlegte bereits, Kreditkarten und Führerschein als verloren melden zu müssen, als sie die Handtasche an den Schulterriemen vom Duschkopf baumeln sah.

Was war hier letzte Nacht vor sich gegangen?

Hastig ergriff Bobbi ihre Tasche, eilte ins Schlafzimmer – und blieb wie angewurzelt stehen. Sin saß aufrecht im Bett und blickte sie überrascht und höchst verführerisch an.

Einen Moment war ihr, als zöge eine mächtige Kraft sie zu ihm hin. Doch dann stand ihr deutlich ein abschreckendes Bild vor Augen: der tolle blonde Playboy in seiner Junggesellenumgebung und sie, Bobbi Perducci, in ihrer engen Garagenwerkstatt, in der es nach Leim, Farbe und Lacken roch. Es konnte nicht funktionieren. Sin war der falsche Mann.

Rasch richtete sie sich zu ihrer vollen Größe von einssechzig auf, hauchte ihm einen Kuss zu und sagte, ehe sie das Schlafzimmer verließ: „Du solltest mich gehen lassen, Sin. Und weiterhin viel Glück bei … allem.“

Sie schloss die Tür hinter sich und biss sich auf die Lippe. Viel Glück bei allem? Fabelhafter Abgang. Sins verwirrte Miene zeigte ihr, dass er anscheinend nicht ahnte, was sie gemeint hatte.

Wie verabschiedet man sich von einem Mann, mit dem man gerade geschlafen hat, obwohl man ihn nicht länger als acht Stunden kannte, und den man auch nie wiederzusehen wünscht? Bobbi tat, was ihr gerade einfiel. Sie eilte davon.

Paul Sinclair lehnte sich in seinem Schreibtischsessel zurück und starrte trübsinnig auf Bobbi Perduccis rote Ohrringe. Sie waren ihm an jenem unvergesslichen Abend vor einer Woche aufgefallen, weil sie die gleiche Farbe hatten wie ihr Pullover.

Während der Hochzeitsfeier von Patrick und Gina hatte Bobbi kühl, wie ein Standbild in graue Seide gehüllt, hinter der Braut gestanden. Doch später, als sie sich umgekleidet hatten und vor der Abreise der Gallaghers nach Oregon zum Lunch gegangen waren, hatte Bobbi eine enge schwarze Hose und einen roten Pullover an und lächelte ein zauberhaftes Lächeln, das Sin förmlich umwarf.

Die Ohrringe hatte sie in seiner Wohnung vergessen. Unfassbar, sie hatte sein Zimmer verlassen, als hätte sie einer Tupperparty beigewohnt. Noch immer brachte ihn der Gedanke daran in Wut.

Am meisten ärgerte es ihn, dass er sich ihr Verhalten nicht erklären konnte. Für gewöhnlich waren ihm Leute und Situationen zuwider, die er nicht verstand.

Am Abend war Bobbi charmant und bezaubernd gewesen. Rührend verletzlich auf eine Weise, wie sie Sin seit dem Besuch der Highschool bei keiner Frau mehr aufgefallen war. Er hatte viele Liebesnächte erlebt, doch seit Langem war ihm keine so bedeutungsvoll wie die mit Bobbi erschienen.

Aber gerade als er überzeugt war, einen neuen Typ Frau gefunden zu haben, machte sie sich gleich nach dem Aufwachen davon, als handelte es sich um etwas so Geringes wie eine zufällige Begegnung.

Nachdenklich ließ Sin den Zeigefinger über die Cloisonnéherzen gleiten. Er war überzeugt gewesen, Bobbi würde als Erste anrufen, so wie er es von den anderen Frauen gewohnt war.

Er wählte Bobbis Nummer, die er vor ein paar Tagen im Telefonbuch nachgeschlagen hatte. Vor dem zweiten Rufzeichen änderte er jedoch seine Meinung und legte wieder auf. Nein, sie wird bestimmt noch anrufen.

Zufrieden lächelte er, als dann das Telefon tatsächlich läutete. „Paul Sinclair“, sagte er ruhig.

„Sin, hier spricht Patrick.“

Sin ließ die rasende Enttäuschung nicht Oberhand gewinnen. „Hallo!“ Patricks freundschaftlicher Ton brachte Sin nach einer Woche verwirrender, erotischer Tagträume in die Wirklichkeit zurück. Er erinnerte ihn an das geplante Vorhaben, das Wochenende um den dreißigsten Mai mit ihm und Gina in Candle Bay zu verbringen. „Sei nett, und bring Bobbi mit. Gina würde sich freuen, sie zu sehen. Sie hat eine harte Woche hinter sich.“

„Fühlt sich Gina nicht wohl?“

„Doch, es geht ihr ausgezeichnet.“

Die Freunde plauderten noch eine Weile und machten sich gegenseitig freundliche und weniger freundliche Komplimente, ehe sie auflegten.

Endlich hatte Sin einen legitimen Grund, Bobbi anzurufen. Aber bis Ende Mai waren es noch vier Wochen. Sin wollte doch lieber noch einige Zeit mit dem Telefonieren warten, damit Bobbi nicht glaubte, der Anruf habe etwas mit jener Nacht zu tun. Später, wenn er dann in Candle Bay mit ihr schlief, wollte er ihr auch die Ohrklipps zurückgeben.

2. KAPITEL

August …

Bobbi parkte vor dem im georgianischen Stil erbauten Herrenhaus, das auf einem hohen, grasbedeckten Wall in der exklusiven Gegend von Beverly Hills stand. Auf der kreisförmigen Auffahrt glänzte im Lichterschein der hell erleuchteten Fenster eine lange Reihe nobler Sportwagen.

Obwohl die Gastgeberin Rebecca Fox auf Bobbis Erscheinen bestanden hatte, war Bobbi überzeugt, dass keiner der illustren Gäste, die hier zum Geburtstag des Gastgebers versammelt waren, ihre Abwesenheit bemerken würde. Aber sie hatte den georgianischen Sockelschreibtisch aus Walnussholz restauriert, den Rebecca ihrem Mann schenken wollte, und der Grund für diese Einladung war sicher allein die Freude über Bobbis tadellose Arbeit gewesen.

Beklommen ging Bobbi die Auffahrt hinauf. Noch einmal glättete sie das Vorderteil ihres Trapezkleides und zupfte die Ärmel über den Ellbogen zurecht.

Ohne Vorwarnung öffnete sich die Tür. Ein zuvorkommend lächelnder Butler führte Bobbi in die geräumige Eingangshalle. Am hinteren Ende des Foyers schlossen sich zu beiden Seiten riesige Räume an, in denen elegant gekleidete Menschen gemächlich hin und her schlenderten.

Mit Menschen des gesellschaftlichen Standes, der die Familie Fox angehörte, war Bobbi zwar vertraut, sie begegnete ihnen jedoch meist nur einzeln in ihrer Werkstatt und nie in deren Häusern. Sie fühlte sich hier fehl am Platz.

Rebecca kam ihr in einem hellblauen Kleid entgegen, das ihre Brüste und die schmalen Hüften zauberhaft betonte. „Bobbi!“, rief sie und umarmte die Restaurateurin. „Ich dachte schon, Sie würden mich mit einer fadenscheinigen Entschuldigung im Stich lassen.“

„Das würde ich nie wagen“, gestand Bobbi. „Allerdings kann ich mich nicht lange aufhalten.“

„Unsinn.“ Rebecca hängte sich bei Bobbi ein und führte sie zu einer Gruppe in dem Raum zur Rechten des Foyers. „Ich weiß, was in Ihrem Kopf vor sich geht, aber es sind alles auch nur Menschen. Ein wenig laut, ein wenig großspurig, aber gute Freunde. Sie werden sie mögen, wenn Sie die erst einmal kennengelernt haben.“

Bobbi wollte erwidern, sie sähe wenig Sinn darin, diese Leute kennenzulernen, weil sie die ja ohnehin nie wiedersehen würde. Aber das hätte zu unfreundlich geklungen, und sie behielt es für sich.

„Ich kenne da jemanden“, fuhr Rebecca fort, „der Ihnen helfen wird, sich bekannt zu machen. Dann werden sie sich auch gleich besser fühlen.“

Rebecca führte sie zu einer nahe stehenden Gruppe. Eine Frau mittleren Alters in einer für sie unvorteilhaften, viel zu langen Silberlaméjacke wandte sich ihnen sogleich zu. Bobbi glaubte, an dieser Frau eine mütterliche Ausstrahlung zu entdecken und lächelte sie zaghaft an.

Okay, sagte sich Bobbi, eine halbe Stunde bleibe ich, aber dann gebe ich Kopfschmerzen vor und mache mich aus dem Staub.

„Claudia“, sprach Rebecca die Frau an, „dein David hockt mit Ridley und Dennis Weston in der Bibliothek. Beim Pokerspiel vermutlich. Sei so gut, und lock sie heraus. Es ist schon bald Zeit für den Kuchen und die Geschenke. Übrigens, dies ist Bobbi Perducci.“

Claudia sah Bobbi bewundernd an. „Sie haben fabelhafte Arbeit geleistet. Becky ließ mich heute Nachmittag einen Blick auf das Geschenk werfen. Ridley wird begeistert sein. Ich weiß, dies ist nicht der Ort, Sie um einen Gefallen zu bitten, aber ich habe bei dem Versuch, meinen alten Schaukelstuhl selbst zu restaurieren, stark gestümpert. Würden Sie ihn sich vielleicht einmal ansehen?“

„Sehr gern“, antwortete Bobbi. „Rebecca gibt Ihnen sicher meine Anschrift.“

„Wundervoll.“ Zufrieden nickte Claudia und entfernte sich.

Bobbi blickte ihr besorgt nach. Diese freundliche Frau war offensichtlich nicht ihre Beschützerin.

„Sin, Liebling …“

Beim Klang dieses Namens ruckte Bobbis Kopf herum. Sie sah, wie Rebeccas freie Hand unter den Arm eines Mannes im dunklen Anzug glitt. Der Mann hielt ein mit Champagner gefülltes Tulpenglas in einer Hand und drehte Bobbi den Rücken zu.

Bobbi erkannte die Hand, noch ehe der Besitzer sich zu ihr umdrehte. Nein, dachte sie, das kann nicht wahr sein. Nach dem Wochenende in Candle Bay hatte sie gehofft, diesen Mann nie wiederzusehen. Nie hätte sie erwartet, ihn im Hause einer Kundin anzutreffen. Schon schaute sie in jene blaue Augen, die ihr seit vier Monaten nicht aus dem Sinn gegangen waren, und plötzlich wurden ihre Knie weich.

Paul Sinclair hob ausdrucksvoll eine Braue. Beim Lächeln zeigte er die weißen Zähne.

„Sin, dies ist Bobbi Perducci“, stellte Rebecca Bobbi vor und gab dabei Bobbis Arm frei, sodass Bobbi keine andere Wahl hatte, als Sins ausgestreckte Hand zu ergreifen. „Sie hat Ridleys Schreibtisch restauriert.“

„Aha.“ Sin nickte. In seinen Augen leuchtete es belustigt auf. Offensichtlich wartete er ab, ob Bobbi gestand, ihn bereits zu kennen.

Aufrichtigkeit ist meist die beste Lösung, dachte Bobbi, aber hier schien sie ihr nicht angebracht. „Mr. Sinclair.“ Bobbi zwang sich, interessiert zu lächeln.

„Miss Perducci.“ Sin neigte den Kopf und behielt Bobbis Hand in seiner, während er mit der anderen Hand hinter sich fasste und sein Glas auf dem Flügel abstellte. Er spielte das Spiel mit.

„Missis“, verbesserte Bobbi.

Erneut hob er die Augenbraue. „Verwitwet?“

„Geschieden.“

„Becky zeigte mir gestern Abend den Schreibtisch. Ausgezeichnete Arbeit“, lobte Sin.

Bobbi blickte ihn offen an. „Die Hauptsache, man berücksichtigt das Grundmaterial“, sagte sie.

„Sie scheinen beachtliche Erfahrung zu besitzen.“ Bobbi nickte bescheiden. „Sie hilft mir auch, Diebstähle zu erkennen.“

Rebecca sah mit gerunzelter Stirn von einem zum anderen und versetzte Sins Arm einen leichten Stoß. „Darling, du versprachst mir, Bobbi heute Abend unter deine Fittiche zu nehmen. Aber ich verbiete, mit ihr über ihre Arbeit zu sprechen. Sie ist erst fünf Minuten im Haus und hat bereits einen Auftrag von Claudia Buckley erhalten. Wie ein Sklave arbeitet sie in ihrer Werkstatt. Ich wünsche, dass sie sich heute Abend amüsiert.“

„Ich kümmere mich darum, Becky.“

Dann ging Rebecca davon, und Sin und Bobbi waren plötzlich auf seltsame Art allein in einem Raum, der voller Menschen war.

Seit jenem endlosen Wochenende in Candle Bay hatte Sin versucht, nicht mehr an Bobbi zu denken. Damals hatte er gehofft, die zauberhafte Atmosphäre jener Nacht nach der Hochzeitsfeier wieder einfangen zu können, aber Bobbi verhielt sich unglaublich widerspenstig. Von Anfang an, als er sie zur Fahrt nach LAX abholte, bis zu der Minute, als er sie nach dem Rückflug wieder zu Hause absetzte.

Und ihre Ohrringe hatte er noch immer.

„Du wusstest, dass ich hier sein würde“, beschuldigte Bobbi ihn mit leiser Stimme.

Sin trank einen Schluck von seinem Champagner. „Ja“, gestand er, denn er hatte beschlossen, sich ein für alle Mal mit ihr auszusprechen.

„Und du bist dennoch gekommen?“

„Selbstverständlich. Ich erhielt eine Einladung. Seit meinem Eintritt in die Kanzlei meines Vaters bin ich der Rechtsbeistand der Familie Fox.“ Er war sich Bobbis Herausforderung bewusst und war bereit, diese anzunehmen. „Warum? Hätte ich wegbleiben sollen, um dir eine Peinlichkeit zu ersparen?“

Als in diesem Moment ein Kellner mit einem gefüllten Tablett vorbeikam, wurde Bobbi gegen Sin gedrängt. Er zog sie mit einer Hand an sich, stellte sein Glas ab und nahm sich ein neues. Sobald der Kellner sich wieder entfernte, löste er seine Hand von Bobbis Rücken und bot ihr ein Glas an.

Bobbi schob es beiseite. „Nein danke.“

Erstaunt sah Sin Bobbi an. „Dabei meine ich mich zu erinnern, dass du besonders gern Champagner trinkst“, sagte er.

„Ich habe meine Lebensweise geändert.“

„Der Champagner wird dir helfen zu entspannen.“

„Ich bin entspannt.“

„Du zitterst am ganzen Körper.“ Ruckartig entriss Bobbi Sin das Glas. Beide machten hastig einen Schritt rückwärts, und der Champagner schwappte auf den Teppich.

Schuldbewusst stöhnte Bobbi auf.

„Weiß auf Weiß“, sagte Sin. „Das merkt kein Mensch.“

Bobbi stützte einen Ellbogen auf den Flügel. „Um deine vorherige Frage zu beantworten, Sin: Ich dachte, du würdest nicht herkommen, wenn du erfährst, dass ich eingeladen bin. Damit hättest du dir Peinlichkeiten ersparen können.“

„Hätte mir etwas peinlich sein sollen?“

Sie schaute ihn herausfordernd an. Zorn brachte sie aus der mühsam wiedererlangten Fassung. „Ich weiß nicht recht. Ich bin nicht vertraut mit den Angewohnheiten deiner Gesellschaftsschicht.“

Hinter seiner betont lockeren Haltung spürte Bobbi Ärger. „Ich bin mir keiner bestimmten Gesellschaftsschicht bewusst. Ich arbeite mit den unterschiedlichsten Menschen. Wenn du dich einer bestimmten sozialen Schicht zugehörig fühlst, solltest eher du verlegen sein.“

Damit hatte Sin den Nagel auf den Kopf getroffen. „Du weißt genau, was ich meine“, flüsterte sie, dankbar, dass der allgemeine Partygeräuschpegel sie in ihrer Diskussion isolierte.

„Das solltest du mir näher erklären.“

„Okay.“ Bobbi strich sich mit einer Hand eine widerspenstige Haarsträhne aus der Stirn. „Du bist ein Schuft.“

Sin starrte sie einen Moment an. Schließlich lächelte er. „Das klingt wie etwas, das Claudette Colbert in den Dreißigerjahren zu Clark Gable gesagt haben würde.“

„In Ordnung.“ Mit Feinfühligkeit kam sie nicht weiter. Sie hob die Stimme. Als sie merkte, dass niemand Notiz von ihnen nahm, senkte sie die Stimme wieder. „Du hättest anrufen können.“

„Das tat ich. Wir flogen zusammen nach Candle Bay. Weißt du das nicht mehr?“

„Der Anruf erfolgte auf Patricks Wunsch. Aber du hast mich weder vor noch nach der Reise angerufen.“

Sins Miene blieb ausdruckslos. „Warum hätte ich denn anrufen sollen?“

Bobbi ließ die Frage einen Moment im Raum stehen. Aber Sin las die innere Aufruhr in ihren Augen und fand es an der Zeit, die Diskussion in den Garten zu verlegen.

„Komm mit!“ Er stellte sein Glas ab und nahm Bobbi bei der Hand. Sie kamen nicht weit. Kaum schlenderten sie ein Stück den hohen, von blühenden Büschen gesäumten Weg entlang, versuchte Bobbi schon, sich aus seiner Hand zu befreien und zurückzueilen.

Blitzschnell erfasste Sin ihr Handgelenk. Nun vermochte er seinen Ärger nicht länger zu verbergen. „Ich habe dich nicht angerufen, weil du mir damals einen so lässigen Abschied geboten hast. Du sagtest cool: ‚… und weiterhin viel Glück bei allem‘.“

„Entschuldige, dass ich dir nur Glück wünschte.“

„Ich hatte das Gefühl, du wolltest mit diesen Worten unsere Beziehung beenden, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Ich dachte, du hättest eine andere Beziehung und jene Nacht sei nur eine weitere …“

„Bevor die Beziehung richtig begann?“, wiederholte Bobbi laut. „Bedeutet es für dich nicht den Beginn einer Beziehung, wenn zwei Menschen miteinander eine Nacht verbringen?“

Mit ebenso lauter Stimme antwortete Sin: „Du tust es schon wieder, Bobbi. Du tadelst mich für etwas, was du selbst getan hast. Ich war ja bereit, etwas zu beginnen.“ Er umfasste ihre Schulter fester. „Du bist diejenige, die mit einem lässigen ‚Danke für das Spielchen im Bett, Sinclair. Bis bald einmal‘ fortging.“

Bobbi blickte zu Sin auf. Seine Heftigkeit überraschte sie. Verwirrt von dieser unerwarteten Haltung, sagte sie das, was ihr gerade in den Sinn kam: „Du hast mich falsch zitiert.“

„Ich habe es umschrieben. Aber diesen Eindruck vermittelten deine Worte.“

„Ich wusste, es wird nichts draus“, meinte Bobbi schließlich.

„Warum nicht?“

„Du bist reich.“

„Okay. Ich habe geerbt.“

„Das macht mir Angst.“

„Warum?“

Sie hatten das Ende der Hecke erreicht. Sin führte Bobbi zu einer Steinbank in der Nähe des Springbrunnens. Wassertropfen kräuselten die glatte Oberfläche, Grillen sangen, und irgendwo in der Ferne war die einsame Stimme eines Nachtvogels zu hören.

Sin wischte mit der Hand über die Bank. „Sauber und trocken“, stellte er fest und forderte Bobbi auf, Platz zu nehmen. „Becky kümmert sich wirklich um alles. Was erschreckt dich an der Tatsache, dass ich vermögend bin?“

Bobbi bemühte sich, Worte zu finden, die ihre Begründung glaubhaft erscheinen ließen. „Meine Ehe hat glücklicherweise nicht lange gedauert. Dafür lernte ich in der Zeit ein paar Lektionen, die ich nicht mehr vergessen werde. Nummer eins: Lass dich nie mit einem Playboy ein.“

„Während des Hochzeitsessens erzähltest du mir, dein Exmann sei mit einem Kran von Stadt zu Stadt gezogen und habe Bungy-Springen angeboten. Ich sehe da keinen Vergleich mit mir. In meiner Gesellschaftsschicht gibt es nicht viele, die auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen.“

„Aber auch er kümmerte sich um nichts auf der Welt“, erklärte Bobbi. „Er handelte ohne Rücksicht auf seine Angehörigen. Ich arbeitete bis zum Umfallen, um die Rechnungen zu begleichen, während er seine Zeit damit verbrachte, seinen Kran auf Jahrmärkten anzubieten. Für gewöhnlich kam er ohne Geld nach Hause.“ Stolz warf sie den Kopf zurück. „Er fand andere Wege, es auszugeben.“

Sin war weniger beleidigt als erstaunt. „Und wieso erinnere ich dich an ihn?“

„Auch du kannst tun und lassen, was dir gefällt. Wenn das Leben dich langweilt, bist du in der Lage, einfach fortzugehen. Der Reichtum lässt dir diese Wahl. Ich suche einen Mann mit Stehvermögen.“

Sin musterte sie nachdenklich. Er gab sich Mühe, Bobbis Argumente zu verstehen. „Willst du damit sagen, jeder arme Schlucker besitzt stattdessen Stehvermögen? Du weißt doch, dein Mann war nicht reich und ging dennoch fort. Das passt doch alles nicht zusammen, Bobbi.“

„Es ist die Haltung, die zählt“, beteuerte sie. „Sag mir, dass du in deinem eleganten Schlafzimmer nicht eine Reihe schöner Frauen empfangen hast.“

„Ich bevorzuge immer eine zurzeit.“

„Du weißt, was ich meine“, entgegnete Bobbi vorwurfsvoll.

Sin nickte. „Richtig. Aber es ist geradezu lächerlich. Du kannst zwei Männer nicht miteinander vergleichen, selbst wenn sich allgemeine Ähnlichkeiten nachweisen lassen. Zudem gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt, den du zu übersehen scheinst …“

„Ach ja?“

Sin mochte es, wenn Bobbi herrisch das Kinn vorschob. Er konnte es kaum erwarten, diese Geste mit einigen wohlüberlegten Worten zu provozieren. „Wenn du damals gegangen bist, weil du sicher warst, dass sich zwischen uns nichts entwickeln kann …“

Er zögerte. Bobbi wartete mit weit aufgerissenen Augen.

„Warum ärgerte es dich dann, dass ich dich nicht anrief?“ Sin legte einen Arm auf die Lehne hinter Bobbis Rücken. „Ich werde dir sagen, warum. Weil du es gern gesehen hättest, wenn sich, entgegen all deiner unsinnigen Befürchtungen, etwas zwischen uns ergeben hätte.“

Bobbi schloss die Augen und seufzte verzweifelt. „Bitte“, sagte sie dann und wollte aufstehen. Aber Sin hielt sie bei den Schultern fest und drückte sie auf die Bank zurück.

„Es ist schon in Ordnung“, versicherte er ihr. „Ich verstehe. Ich empfinde dasselbe.“

Auf einmal begann ihr Herz schneller zu schlagen, und Bobbi flehte zum Himmel, dass dies Sins Fingern verborgen bleiben möge. Mit gespielter Lässigkeit blickte sie ihn an. „Was meinst du?“

„Wenn wir zusammen sind, gleichen wir Dynamit“, erklärte er. „Aber wir sind überzeugt, dass wir ansonsten nicht zusammenpassen. Es ist, als steckten wir zwischen zwei Polen, die eine Menge Energie erzeugen. Und in deinem Fall verwandelt sich die Energie in Wut.“

Der Hoffnungsschimmer schwand. „Diese Theorie stammt sicherlich von Freud, nicht? Und was geschieht mit deiner Energie?“

„Ich speichere sie und verwende sie in positivem Sinn.“

„In welchem zum Beispiel?“

„Möchtest du das wirklich wissen?“

Sie wusste es. Um sie herum knisterte es vor erotisch aufgeladener Sexualität. Bobbi spürte, wie sich auf ihren Armen eine Gänsehaut bildete. Heiß und kalt überlief es ihren Rücken.

Aus einem Gefühl der Selbsterhaltung heraus wehrte sie sich gegen die lebhaften Erinnerungen an Sins Umarmungen und Küsse. Diese Erinnerungen würden sie im Leben weiterhin begleiten, dafür hatten sie beide gesorgt. Aber sie wünschte sich plötzlich, dass die Erinnerungen erneut Realität wurden.

Energisch riss sie sich aus ihren Träumen.

Sie öffnete bereits den Mund, wollte ihm sagen, was sie von seiner Arroganz hielt, doch diese kleine Geste spielte sie ihm direkt in die Hände.

Sin zog sie an sich und küsste sie. Ohne Vorwarnung weckte er die erregenden Gefühle, an denen sie sich schon einmal miteinander erfreut hatten. Geschickt forschte seine Zunge, seine Hände streichelten ihren Rücken, die sanfte Rundung ihrer Hüften, ihre Schenkel. Statt ihn von sich zu stoßen, schmiegte sich Bobbi noch inniger in seine Arme …

Trotz Dunkelheit war sie sich jeder seiner Liebkosungen bewusst. Ihr Mund, ihr Hals reagierten auf seine Küsse. Sie rang nach Atem.

Einen Moment hielt Sin Bobbi auf Armeslänge von sich und suchte in ihren Augen nach einer Erklärung für ihr Verhalten. Was, zum Teufel, hatte das alles zu bedeuten? Bobbi wirkte ebenso überrascht und verwirrt wie er.

Mit vorgegebener Belustigung fragte er: „Na, ist das nicht eine viel bessere Verwendung unserer Energie?“ Dennoch, im Moment konnte er in ihrer beider Leidenschaft nichts Scherzhaftes sehen.

Bobbi wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie war sicher, ihre Augen spiegelten ihre Gefühle wider. Jedes Leugnen wäre unglaubhaft gewesen.

Bevor sie antworten konnte, hörten sie Rebecca rufen.

„Sin? Bobbi?“

„Hier!“ Bobbi war erleichtert, auf diese Weise Sins wissendem Blick ausweichen zu können. Sie eilte zum Haus zurück. Sin folgte ihr langsam.

Rebecca wirkte fast ein wenig verlegen. „Hoffentlich habe ich euch nicht … ich meine, ich … nun ja, Ridley möchte seine Geschenke auspacken, und ich will gleich den Schreibtisch enthüllen. Ridley wird sich bei Ihnen bedanken wollen, Bobbi.“

„Sin hat mir nur den Springbrunnen gezeigt“, sagte Bobbi leichthin.

Rebecca musterte deren gerötete Wangen und lächelte, offensichtlich ein wenig belustigt.„Gut, kommt nur herein. Wir brauchen jede fähige Stimme zum Singen.“

Der Raum, in dem die Geschenke aufgebaut waren, hatte sich gefüllt. Ridley Fox beschäftigte sich bereits mit dem ersten Paket. Hinter ihm an der Wand stand, von einer mit Blumen bemalten Plane verhüllt, der Schreibtisch. Einige Männer hatten Stühle für ihre Frauen herangezogen, was den Gästen, die hinter ihnen standen, die Sicht auf das Geburtstagskind nahm.

„Oh Darling“, wandte sich Rebecca besorgt an Sin. „Ich möchte unbedingt, dass Bobbi einen guten Überblick hat.“

„Darum kümmere ich mich gern.“ Sin zog Bobbi mit sich, umschlang ihre Taille und setzte sie auf den Flügel. Mit leisem, erschrockenem Aufschrei landete sie auf einem Gewirr aus schwarzem Krepppapier.

Sin stützte sich gegen den Flügel, sodass er wie zufällig Bobbis Schenkel berührte. Ihrem kaum hörbaren Protest schenkte er keine Beachtung.

Rebeccas Mann scheint jemand zu sein, den ich gern näher kennenlernen würde, dachte Bobbi, als sie sah, mit wie viel Freude Ridley seine Geschenke auspackte. Sie konnte sich gut vorstellen, dass ihm der Schreibtisch gefiel.

Ihre Erwartung wurde nicht enttäuscht. Während Rebecca den Tusch am Flügel spielte und dabei Bobbi fröhlich zuzwinkerte, zog Ridley die Plane vom Tisch. Er staunte. Die Oberfläche des Schreibtisches glänzte wie ein geschliffener Juwel. Ehrfürchtig fuhr er mit einer Hand darüber und warf Rebecca begeisterte Blicke zu. Schließlich traten auch die Gäste näher, um das Geschenk der Gastgeberin genauer zu betrachten.

„Das ist die junge Frau, die für die gelungene Restaurierung verantwortlich ist“, lobte Rebecca und wies auf Bobbi.

„Oh Himmel“, stöhnte Bobbi leise auf und wäre am liebsten vom Flügel gesprungen.

„Bleib nur sitzen“, flüsterte Sin und lachte sie an. „Du solltest Selbstvertrauen ausstrahlen und dich nicht vor Verlegenheit in einem Mauseloch verkriechen wollen.“

„In einer kleinen Werkstatt in Burbank erweckt Bobbi Perducci alte Schätze zu neuem Leben“, stellte Rebecca vor.

Rauschender Beifall. Eine ältere Frau in einem rosafarbenen Spitzenkleid und dazu passenden, spitzenverzierten Pumps eilte sofort auf Bobbi zu. Sie trug eine Brille, der ein Glas fehlte.

„Perducci?“ Die Frau musterte Bobbi eindringlich. Herausfordernd tippte sie Sin mit einem geschlossenen Fächer auf die Brust. „Wie stehen Sie zu diesem Mädchen, Sinclair?“

Sin lächelte die Frau an. „Freundschaftlich, Jessie.“ Zu Bobbi gewandt sagte er: „Darf ich dir Jessica Dulcich vorstellen?“

„Hoffentlich haben Sie nichts mit der Mafia zu tun“, murmelte Jessica.

„Nein.“ Bobbi unterdrückte ein Lachen, als sie merkte, dass Jessies Frage ernsthaft gemeint war.

„Gut. Ich möchte nämlich, dass mein Geld in gute Hände gelangt. Man weiß ja nie, was hinter solchen italienischen Namen verborgen ist. Verschwendung kann ich mir nicht leisten.“ Lächelnd sah sie Sin an. „Bis wann haben Sie mein Testament vorbereitet, Sinclair?“

„Bis zu unserer Verabredung am Dienstag.“ Sin nahm ihr den Fächer aus der Hand und steckte ihn in die Brusttasche seines Jacketts. „Ich behalte ihn lieber bei mir, sonst werden Sie noch eingesperrt. Und dann wüsste ich nicht, wie ich dem Richter erklären soll, dass meine Klientin die Partygäste mit einem Papierfächer massakriert hat.“

Lachend schnappte sich Jessie den Fächer. „Wann genau am Dienstag?“

„Um zwei.“

„Ich werde da sein.“

„Aber bitte pünktlich.“

„Frecher Kerl.“

„Bezaubernde Sexbombe.“

Unter stürmischem Gelächter gesellte sich Jessie wieder zu den anderen Gästen.

Bobbi schüttelte staunend den Kopf. „Eine Frau, die weiß, wie man mit dir umgehen muss. Das gefällt mir.“

Sin blickte Jessie lächelnd nach. „Sie ist eine alte Freundin unserer Familie. Ihr Mann und mein Großvater waren bis zum Tod ihres Mannes Geschäftspartner. Seit damals verwaltet sie ihre Geldanlagen geradezu genial. Ihre freie Zeit verbringt sie damit, im Leben all derer herumzustochern, die ihr lieb und teuer sind.“

„Sie scheint sehr offen zu sein.“

„Jessie meint, diplomatische Zurückhaltung verlängere nur die Schwierigkeiten. Man müsste sie eigentlich ‚Jessie, der Moloch‘ nennen, pflegte meine Mutter immer zu sagen. ‚Wenn du ihr nicht aus dem Weg gehst, musst du vorbereitet sein, überrollt zu werden‘.“

Von ihrem hohen Thron aus blickte Bobbi Sin in die Augen. Plötzlich kam ihr der Gedanke, dass Sins Leben nicht von Anfang an problemlos verlaufen war. Vage erinnerte sie sich, von Gina gehört zu haben, dass Sin sehr einsam aufgewachsen war. „Leben deine Eltern in L.A.?“, fragte sie ihn.

„Zeitweilig.“ Für einen Moment wirkte Sin angespannter als zuvor. Doch gleich darauf kehrte seine gute Laune zurück. „Sie reisen viel. Immerhin haben sie Klienten in der ganzen Welt. Mit einem Freund aus der Studentenzeit starteten sie die Anwaltskanzlei, zu der auch ich gehöre. Nach Beendigung meines Studiums war dieser Freund bereit zurückzutreten, sodass ich seinen Platz einnehmen konnte. Meine Eltern besitzen ein Haus in London, eines in Hong Kong und eine Jacht in Sydney.“

„Nicht schlecht.“ Bobbi war unfähig, den neidvollen Unterton zu unterdrücken.

Sin schaute ihr in die staunenden Augen. „Auslandsreisen können dich beeindrucken?“

„Irgendwie schon.“ Aber dann lächelte sie, ganz offen, wie es ihm schien. Nicht dieses gezwungene Lächeln, das sie für gewöhnlich für ihn bereithielt. „Dennoch, mir würde es nicht gefallen, ständig in der Welt herumzujetten. Ich würde gern durch Europa bummeln und jeden Weg und Steg, jeden Hügel, jede Ruine, jedes kleine Café und jeden Jahrmarkt kennenlernen.“

Sin erwiderte ihr Lächeln. „Nicht anders geht es mir mit dem Segeln. Ich bin glücklich, wenn ich eine leichte Brise erwische und alle kleinen Buchten und Häfen zwischen Newport, Rhode Island und Lahaina anlaufen kann.“

Seine Augen glänzten wie ein tiefer blauer See im Sommer und weckten in Bobbi das Gefühl, selbst an Bord eines Segelbootes zu sein, wo Sonne und Wind ihre Haare zausten.

„Ein Stück Kuchen?“ Plötzlich stand Ridley mit zwei Tellern vor ihnen. „Bobbi“, begann er, „ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich Ihre Arbeit an dem Tisch zu schätzen weiß. Seit Jahren wünsche ich mir solch ein Möbelstück. Aber das hat Becky Ihnen sicher schon gesagt.“

Bobbi nickte. „Richtig. Und ich bin froh, dass der Tisch Ihnen Freude macht, so wie Rebecca es sich erhofft hatte.“

Nach einem forschenden Blick in die Runde, ob auch niemand zuhörte, brachte er sein Anliegen vor: „Ich bin schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Ottomanen für Becky. Glauben Sie, Sie könnten mir behilflich sein?“

„Sicher. Ich halte immer nach besonderen Stücken Ausschau.“

Ridley versprach, von seinem Büro aus Kontakt zu halten, und wandte sich an Sin. „Was hören Sie von Ihrer Familie?“

„Ach …“ Bobbi registrierte Sins Zögern. Doch dann antwortete er mit größter Freundlichkeit: „Meine Sekretärin las heute Morgen in der Tageszeitung, dass Janice und Douglas in der VIP-Etage im Savoy speisten. Der Burton-Chambers-Fusion scheint es gut zu gehen.“

Ridley klopfte ihm auf die Schulter. „Okay, okay. Sprach Becky mit Ihnen über das Treuhandkonto für unsere jüngste Enkelin?“

„Bis Freitag ist alles vorbereitet.“

Im Weitergehen drehte sich Rebeccas Mann noch einmal um, neigte den Kopf zu Bobbi und blinzelte Sin zu. „Wenn ich Sie wäre, würde ich meine freie Zeit öfter mit Bobbi verbringen.“

Sin blickte unschuldig zu Bobbi. „Meinen Sie?“

Nachdem Ridley gegangen war, kostete Sin den Kuchen. „Ridley scheint nicht zu wissen, wie unwohl du dich in unserer Gesellschaftsschicht fühlst.“

„Könnten wir nicht vergessen, was ich gesagt habe?“ Bobbi verzog unwillig das Gesicht. „Ich glaube, es war doch eine ziemlich törichte und ungenaue Äußerung.“

„Was hattest du denn gemeint?“

Bobbi ließ seufzend die Kuchengabel auf den Teller fallen. „Dass wir aus zwei verschiedenen Welten kommen.“ Sie bemühte sich um Haltung. Dabei musste sie sich vor Augen führen, dass Sin nicht allein verantwortlich war für das, was in jener Nacht vor vier Monaten geschehen war. Sie selbst hatte einen nicht geringen Anteil daran.

„Was du sagst, klingt zwar banal, entspricht aber der Wahrheit“, räumte Sin ein. „Dennoch, wir leben heute in einem Zeitalter, in dem die Menschen trotz verschiedener Ideologien und Abgrenzungen freundschaftlich miteinander umgehen.“

„Du möchtest, dass wir Freunde werden?“, fragte sie leise.

„Du nicht?“

Vielleicht ist das die Lösung für mein Problem, dachte Bobbi. Sin hatte zwar das Thema noch nicht angesprochen, aber eine partnerschaftliche Beziehung stand außer Frage. Eine Freundschaft würde ihnen zumindest mehr Nähe gewähren. Hieße das nicht, mit dem Feuer zu spielen?

„Nein“, entschied Bobbi, „ich glaube nicht, dass es funktioniert.“

Widerstrebend gab Sin ihr recht. Dennoch, da war etwas in ihrer Stimme, das ihn schwanken ließ. Aus ihren Augen sprach noch eine weitere Botschaft, die ihn zutiefst anrührte.

„Es wird Zeit für mich.“ Bobbis Gesicht wirkte plötzlich ein wenig bleich. „Gleich morgen früh muss ich zwei Stühle ausliefern.“ Sie machte sich bereit, vom Flügel zu springen.

Sin umfasste ihre Taille. „Wenn du dich wirklich schon verabschieden willst, möchte ich zuvor noch einmal mit dir tanzen.“

„Sin …“

Als er sie vom Flügel hob, hielt er sie einen Moment an sich gedrückt. „Die Leute sehen hierher“, flüsterte Bobbi. „Lass mich sofort runter!“

„Wenn du versprichst, mit mir zu tanzen …“

„Was willst du damit beweisen?“

„Wir beide wissen, Bobbi, dass wir uns gegen etwas wehren, das von großer Bedeutung für uns sein könnte. Mit einem schönen Tanz schaffen wir uns wenigstens eine angenehme Erinnerung.“

Diese Worte steckten für Bobbi voller Ironie. Ich werde ohnehin keine Mühe haben, mich an ihn zu erinnern, dachte sie lächelnd. „Okay“, willigte sie ein, als sie sah, dass die Leute über sie zu schmunzeln begannen und auf sie wiesen. „Aber nun lass mich endlich runter.“

Unter den neugierigen Blicken der Zuschauer führte Sin Bobbi zur Tanzfläche in der Mitte des Raumes. Zärtlich nahm er Bobbi in die Arme, und ihr wurde augenblicklich klar, dass es ein Fehler gewesen war, seinem Wunsch nachzugeben. Zudem brachte ihr dieser Tanz auch sogleich wieder den Mitternachtstanz vor Augen, dem sie sich in jener Nacht in Sins Schlafzimmer hingegeben hatten.

Instinktiv versuchte sie sich aus seinen Armen zu lösen, doch Sin zog sie nur noch fester an sich. „Komm schon. Du hast es versprochen.“

Damit hatte Sin recht. Und warum sollte sie diesen Moment mit ihm nicht genießen? Sie schalt sich eine Versagerin und war bemüht, sich zu entspannen.

„Endlich.“ Eine Hand fuhr ihr zärtlich über die Schultern. „Einen Moment hatte ich das Gefühl, gar keine lebendige Frau in meinen Armen zu halten.“

Ein Schauer überlief Bobbis Rücken. Mit aller Kraft wehrte sie sich gegen die wachsende Erregung und versuchte, sich aus seinen Armen zu winden. Doch damit erreichte sie nur das Gegenteil. Ihre Körper kamen sich noch näher. Bobbi rang nach Luft.

Sin nahm ihre Arme und legte sie sich um den Hals. „Ich beiße nicht“, versicherte er und lachte. „Obwohl ich mich zu erinnern glaube, dass dir auch das nicht unangenehm war.“

Bobbi hielt in der Bewegung inne und starrte ihn erbost an. „Sinclair, wenn du nicht gleich …“

„Okay, okay.“ Er zog sie an sich und passte sich wieder dem Tanz an. „Reden wir über etwas, das weniger aufregend ist. Über deine Arbeit zum Beispiel. Ich glaube, du konntest heute Abend schon zahlreiche Kunden gewinnen. Sollte Jessie mit deiner Arbeit zufrieden sein, wird sie es überall herumerzählen. Falls nicht, selbstverständlich auch.“

„Eine erschreckende Vorstellung.“ Bobbi versuchte, nicht an den Kontakt ihrer Körper zu denken. „Bist du eigentlich der Anwalt aller Gäste hier im Raum?“

Sin presste sein Kinn an ihre Wange und seufzte leise. „Um zu antworten, müsste ich den Kopf heben und nachsehen. Aber das will ich nicht. Deine Wange ist so zart wie ein Blütenblatt.“

Behutsam rieb er seine Wange an ihrer. Bobbis Haut begann zu prickeln. „Ich weiß genau, dass sich alles an dir so anfühlt“, flüsterte er.

In Sins Augen erkannte Bobbi die drohende Gefahr, so wie damals in jener wunderbaren Nacht, als er sie mit verführerischer Leidenschaft gelockt und ihr dieses erregende Gefühl der Verwegenheit vermittelt hatte. Aber damals war sie nur für sich allein verantwortlich gewesen. Inzwischen war alles anders.

Fest umfasste sie seine Schulter und reckte sich. Ein leichter Krampf in ihrem Bauch ließ sie für einen Moment die Augen schließen. Sie blieb reglos stehen.

Sin hatte bemerkt, wie sich Bobbis Mund im Schmerz verzog. Er hob ihr Kinn und schaute sie besorgt an. „Ist dir nicht gut, Bobbi?“

„Du hast deinen Tanz gehabt. Jetzt muss ich wirklich gehen.“ Bobbi fühlte sich wieder wohl. Wahrscheinlich hatte sie sich nur zu schnell bewegt. Sie lächelte ihn an. „Es war gut, dich wiederzusehen“, sagte sie und gab ihm die Hand. Sin vermutete, sie wählte diese nichtssagenden Worte absichtlich, damit er sie gehen ließ. Aber da kannte Bobbi ihn schlecht. Er ignorierte ihre ausgestreckte Hand, nahm ihren Arm und führte sie zu der kleinen Gruppe, in der Rebecca stand.

Plötzlich schwindelte es Bobbi. Erneut verkrampfte sich ihr Magen. Aber sie wollte nicht darüber nachdenken, was diese Krämpfe zu bedeuten hatten. Eine kleine Unpässlichkeit, wahrscheinlich. Hatte sie nicht auf leeren Magen ein viel zu süßes Stück Kuchen gegessen?

Sie zwang sich, Rebecca zuzulächeln, dankte ihr für die Einladung und versicherte ihr, wie sehr ihr der Abend im Kreis ihrer Freunde gefallen hatte.

Sin versprach Rebecca, Bobbi zum Wagen zu begleiten.

„Ich komme schon allein zurecht“, protestierte Bobbi, als er mit ihr die Auffahrt hinunterging. „Du brauchst mir nicht zu folgen.“

„Ich folge dir nicht. Ich begleite dich.“

„Wie auch immer. Ich brauche dich nicht.“ Sie fühlte sich stark, wenn sie solche starken Äußerungen machte, überzeugt davon war sie jedoch nicht.

„Ich glaube, du brauchst mich doch“, widersprach Sin freundlich. „Das weißt du, und deshalb läufst du so früh weg. Und du willst auch nicht, dass wir Freunde sind. Habe ich recht?“

Die Bauchkrämpfe wurden stärker. Einen Moment konzentrierte sich Bobbi auf den Schmerz, in der Hoffnung, dass es nur die Nerven waren, die ihr einen Streich spielten.

„Jetzt fällt dir wohl keine passende Antwort mehr ein?“ Sin glich seine Schritte ihren schnelleren an.

„Ich glaube nicht.“ Plötzlich sehnte sie sich nach der Geborgenheit ihres Wagens, wollte verzweifelt fort aus dieser zauberhaften Gegend Beverly Hills, fort auch von dem hinreißenden Paul Sinclair. In ihrem Apartment würde sie sich wohler fühlen. Keine Frage.

Neben der Tür auf der Fahrerseite blieb sie stehen und suchte in ihrer Handtasche verzweifelt nach dem Autoschlüssel. Mit einem Mal fühlte sie sich von einem anhaltenden Schmerz übermannt, so stark, dass sie sich keuchend vornüberbeugen musste. Dabei entfiel ihr die Handtasche.

„Bobbi!“ Sin fing sie auf.

Aber gleich darauf war der Schmerz überstanden, und Bobbi atmete tief durch. Nur mühsam unterdrückte sie die Panik in ihrer Stimme. Sie lachte nervös. „Das ist nur mein Magengeschwür, das sich mit einem Schluckauf meldet.“

„Was ist wirklich los, Bobbi?“ Sin sah sie forschend an. „Bei unserem Besuch in Candle Bay hast du sogar Cajun-Nahrung gegessen.“

„Im Mai hatte ich das Magengeschwür noch nicht.“ Glücklicherweise hielt sie den Wagenschlüssel noch in der Hand. Nicht ohne Mühe steckte sie ihn ins Schloss, umso schnell wie möglich Sins Nähe zu entfliehen.

Er hob ihre Tasche auf und packte Bobbis Arm, bevor sie sich hinter das Steuer setzen konnte. Ihre Katzenaugen leuchteten wild vor Schmerz und Angst. „Du fährst nicht selbst“, befahl Sin und nahm ihr den Schlüssel aus der Hand.

„Sag mir nicht, was ich …“ Bobbi wollte ihm die Schlüssel wieder wegschnappen, aber er hielt sie außer Reichweite.

„Ich fahre dich nach Hause. Es sei denn, du überlegst es dir, gehst wieder hinein und legst dich hin.“

„Ich gehe nicht wieder hinein.“

„Dann komm jetzt.“ Er nahm ihren Arm und zog sie zu dem glänzenden Porsche Cabrio am Ende der Auffahrt.

„Sin, ich kann nicht …“ Doch diesmal zuckte der Schmerz durch den gesamten Unterleib und machte kurzen Prozess mit ihren Bemühungen, sich einzureden, sie sei nicht in ernsthaften Schwierigkeiten.

Mit einem Aufschrei knickte sie ein und wäre zusammengebrochen, wenn Sin sie nicht aufgefangen hätte.

„Okay, das wär’s“, sagte er zornig und hob sie in seine Arme. „Wir fahren ins Krankenhaus.“ Mit seinem Porsche konnte er die kurze Strecke in weniger als zwei Minuten schaffen. Er setzte Bobbi behutsam auf den Beifahrersitz und befestigte den Sicherheitsgurt.

„Himmel“, stöhnte Bobbi, als Sin hinter das Lenkrad glitt. „Ich möchte es nicht verlieren.“

„Verlieren? Was?“ Sin sah sie nicht an, weil er sich darauf konzentrierte, den Motor anzustellen und den Gang einzulegen.

„Mein Baby“, antwortete sie mit gepresster Stimme. „Ich glaube, ich habe eine Fehlgeburt.“

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