Logo weiterlesen.de
BIANCA SPEZIAL, BAND 4

Daddy gesucht – Herz verloren

Endlich zu dritt!

Als Jim zu der schwangeren Frau in den Fahrstuhl steigt, hat er nicht erwartet zum Geburtshelfer zu werden. Doch der Fahrstuhl bleibt stecken, und Heather bekommt Wehen. Also hilft er der kleinen Diane auf die Welt. Das süße Baby wächst ihm sofort ans Herz – genau wie seine Mutter. Doch Jim trägt ein Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herum.

Schwanger? Schwanger!!!

Obwohl Abigail ihre fürsorgliche Familie und ihren verantwortungsvollen Beruf als Lehrerin liebt, sehnt sie sich nach der Gelegenheit einmal etwas vollkommen Verrücktes zu tun. Auf einer Party trifft Abigail einen sexy Fremden und verbringt ganz spontan die Nacht mit ihm. Es ist wunderschön, doch die Nacht bleibt nicht ohne Folgen: Abigail ist schwanger!

Susan Mallery

Endlich zu dritt!

1. KAPITEL

„Bitte halten Sie den Fahrstuhl fest!“, rief Heather Fitzpatrick und beschleunigte mühsam ihren Schritt. Atemlos betrat sie die Kabine. „Danke.“ Sie lächelte den Mann an, der die Tür aufhielt. „Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Fahrstuhl der langsamste der Welt ist, aber zumindest gehört er zu den Top Ten.“ Sie rieb sich das Kreuz, um den Schmerz zu lindern, der sich vor drei Monaten dort eingenistet hatte. „Ich konnte die Vorstellung nicht ertragen, zehn Minuten warten zu müssen, bis er wieder in dieses Stockwerk kommt.“

„Das kann ich verstehen“, murmelte der Mann, und es gelang ihm dabei nicht, den Blick von ihrem Bauch zu lösen.

Mittlerweile war Heather daran gewöhnt, dass Männer sie mit einem Ausdruck anblickten, der an Panik grenzte. „Ich weiß, was Sie denken“, sagte sie, während sie eine Hand auf ihren Bauch legte und sich an die Wand lehnte. „Es sieht schlimmer aus, als es ist. Laut meiner Ärztin dauert es noch eine Woche, bis ich entweder platze oder gebäre. Ich bin überzeugt, dass Sie für die kurze Fahrt bis in die Tiefgarage nichts zu befürchten haben.“

„Versprochen?“, hakte er leise und neckend nach.

„Nein, aber meine Ärztin schwört, dass es stimmt. Ich war gerade bei ihr, und entgegen meiner inständigen Bitte hat sie mich zu mehreren weiteren Tagen des Ausbrütens verdonnert.“

„Das klingt schmerzlich.“

„Ich hoffe, dass es bald vorüber ist, aber nicht nur, weil ich es leid bin, schwanger zu sein.“ Heather rieb sich den Bauch. „Ich kann es kaum erwarten, mein Baby kennenzulernen.“

Aufreizend langsam schloss sich die Tür. Nach einigen Sekunden setzte sich die Kabine gemächlich in Bewegung. Heather ermahnte sich, ruhig zu atmen. Normalerweise störte es sie nicht, in einem Fahrstuhl zu sein, aber die Schwangerschaftshormone hatten Angst vor geschlossenen Räumen hervorgerufen, so als wären Kreuzschmerzen und geschwollene Knöchel noch nicht genug.

Sie beobachtete, wie nacheinander die Lämpchen für den zweiten und den ersten Stock aufleuchteten, und wartete vergeblich auf das Licht für das Erdgeschoss. Stattdessen blieb der Lift plötzlich stehen. Ihr stockte der Atem. „Wir sitzen fest“, sagte sie und bemühte sich, nicht in Panik zu geraten.

„Vielleicht nicht.“ Der Mann drückte nacheinander den Knopf für die Tiefgarage und denjenigen zum Öffnen der Tür. Nichts geschah.

Heathers Brust war wie zugeschnürt. Ihr Verstand sagte ihr, dass es keinen Sinn hatte, sich aufzuregen, aber sie konnte es nicht verhindern.

„Geht es Ihnen gut?“, fragte er, als er von der Schalttafel aufblickte.

„Es ging mir nie besser.“

Es zuckte um seine Mundwinkel. „Sie sind keine gute Lügnerin.“

„Ich wollte es immer sein“, entgegnete Heather in dem Versuch, sich durch ein Gespräch abzulenken. „Aber Sie wissen ja, wie es so läuft. Als Kind strebt man danach, das Lügen zu erlernen, aber dann kommt einem die Binsenweisheit dazwischen, dass Lügen kurze Beine haben, und irgendwie habe ich es nicht geschafft.“

Er grinste. „Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Ich bringe uns heraus, wenn Sie nicht in Panik geraten.“

„Klingt großartig. Ich bin völlig ruhig. Nur zu, öffnen Sie die Tür jetzt.“

„Geben Sie mir eine Sekunde.“ Er griff zu dem Hörer unter der Schalttafel und wartete. „Ja, wir sitzen fest.“ Er hielt inne und lauschte. „Okay, wir halten durch. Wir sind zu zweit, und es geht uns gut.“ Er blickte zu Heather. „Geht es Ihnen immer noch gut?“

Sie nickte. Es stimmte zwar nicht, aber zweifellos wollte er nichts von ihren Ängsten hören.

Er legte den Hörer auf und drehte sich zu ihr um. „Sie glauben, dass eine Sicherung durchgebrannt ist. Also werden wir warten müssen, während sie eine neue Sicherung einsetzen.“

Heather musterte ihn. Offensichtlich war sie nicht die Einzige, die nicht gut lügen konnte. Er mied ihren Blick. „Was verschweigen Sie mir?“

„Nichts.“ Er schob die Hände in die Hosentaschen und mied immer noch ihren Blick.

„Das ist, als würde ich sagen, dass ich nur ein kleines bisschen schwanger bin. Kommen Sie. Was hat der Typ gesagt?“

Schließlich blickte er in ihr Gesicht. „Es wird fast eine Stunde dauern.“

„Besteht die Gefahr, dass die Kabine abstürzt?“

„Nein. Wir sind in Sicherheit, aber es wird eben eine kleine Weile dauern.“

Sie atmete auf. „Ich glaube, das kann ich überleben.“

„Sind Sie sicher?“

Er wirkte besorgt. Heather gestattete sich, es zu genießen. Sie fragte sich, wann sich das letzte Mal jemand um sie gesorgt hatte. Ihre Ärztin wollte sichergehen, dass sie richtig aß und regelmäßig ihre Vitamine nahm. Sie hatte einige Arbeitskollegen, die sich nach ihr erkundigten, ebenso wie ihre Mutter, aber niemand machte sich wirklich Sorgen.

„Es geht mir gut, wirklich.“ Sie blickte sich um. „Aber ich muss mich hinsetzen.“ Vom Verstand her wusste sie, dass der Boden ebenso weit entfernt war wie damals, als sie mit vierzehn Jahren zu wachsen aufgehört hatte. Aber mit zunehmendem Umfang schien er sich weiter und weiter entfernt zu haben.

Der Mann trat einen Schritt auf sie zu. „Wie kann ich Ihnen helfen?“

Sie streckte die Hände aus. „Wenn Sie mich etwas bremsen könnten, wäre es großartig.“

Mit festem Griff nahm er ihre Hände. Sie holte tief Luft und glitt an der Wand hinab, ließ sich von ihm halten, bis sie schließlich saß und die dünnen Beine ausgestreckt waren. Sie war unglaublich außer Proportion. Manchmal fühlte sie sich wie eine Karikatur.

Der Mann setzte sich ihr gegenüber. „Ich bin Jim Dyer.“

„Heather Fitzpatrick.“

„Es freut mich, Sie kennenzulernen, Heather.“

Ein Grübchen erschien in seiner Wange, als er lächelte. Nie zuvor war ihr ein Mann mit einem richtigen Grübchen begegnet. Es war hübsch, ebenso wie seine blauen Augen und der Mann selbst. Sein entspanntes Verhalten erleichterte ihr die Situation. Beinahe hätte sie vergessen können, dass sie in einem Fahrstuhl festsaß.

Es erwies sich als Fehler, daran zu denken. Daher suchte sie nach einem neutralen Gesprächsthema, um sich von ihrer steigenden Angst und dem ständigen Druck im Rücken abzulenken. Der Schmerz wanderte zum Bauch, doch sie nahm an, dass es nur an der unbequemen Position auf dem Fußboden lag. „Was tun Sie beruflich?“

„Ich besitze eine Charterfirma für Helikopter. Am Flughafen von Van Nuys. Ich bin wegen der jährlichen Untersuchung zur Flugtauglichkeit hier.“

Sie musterte seine breiten Schultern und seine gesunde Gesichtsfarbe. Er trug ein langärmeliges Hemd, eine Khakihose und abgewetzte Stiefel. Wie fast jede normale Frau wusste sie einen Mann zu schätzen, der einen wohlproportionierten Körper besaß. In ihrem gegenwärtig unförmigen Zustand sagte ihr seine Gestalt umso mehr zu.

Sie löste den Blick von seinem eindrucksvollen Bizeps und ermahnte sich, dass es sich für eine schwangere Frau nicht geziemte, einen fremden Mann anzuhimmeln. Sie zermarterte sich das Hirn nach einer geistreichen Bemerkung. Da ihr keine einfiel, gab sie sich mit dem Offensichtlichen zufrieden. „Sie sind Hubschrauberpilot?“

„Ich habe Piloten, aber gelegentlich übernehme ich einen Flug.“

„Ich habe noch nie einen bestiegen.“

„Fliegen Sie gern?“

Sie dachte an ihren einzigen Flug nach Florida, um ihre Mutter zu besuchen. „Gern wäre übertrieben. Es stört mich nicht.“

„Flüge in Verkehrsmaschinen sind anders als in Helikoptern. Man ist vom Geschehen entfernt und kann nichts sehen.“

„Sie lassen es so klingen, als ob das schlecht wäre.“

„Ist es das nicht?“

„Ich glaube nicht.“

„Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Wenn Sie Ihr Baby haben und sich besser fühlen, kommen Sie zum Flugplatz hinaus, und ich gebe Ihnen eine Sightseeing-Tour über das Tal. Von da oben sieht alles besser aus.“

„Das ist furchtbar nett. Als Gegenleistung könnte ich Sie ein paar Windeln wechseln lassen.“

„Ich habe verstanden. Sie müssen nicht in einem Helikopter fliegen, wenn Sie nicht wollen.“

„Oh, vielen Dank.“ Sie lächelte und rückte auf dem harten Boden herum. Der Schmerz im Rücken wurde beständig schlimmer. Sie sehnte sich danach, in ihr Bett zu kriechen, doch selbst das brachte ihr in letzter Zeit keine Erleichterung. Sie fühlte sich, als hätte sie einen Basketball verschluckt, der beständig weiter aufgepumpt wurde.

„Und was tun Sie?“, erkundigte sich Jim. „Oder sollte ich sagen, was haben Sie getan?“

„Oh, ich arbeite noch. In einer Fabrik am Fließband.“ Sie rümpfte die Nase. „Es ist kein toller Job, aber die Bezahlung ist großartig, und ich bekomme einen Bonus, weil ich die Nachtschicht übernommen habe. Ich beabsichtige, bis zum letzten Tag zu arbeiten, damit ich einen längeren bezahlten Mutterschaftsurlaub kriege.“

Sie stöhnte beinahe laut auf, als sie daran dachte, dass sie an diesem Abend in die Fabrik gehen musste.

„Ich habe außerdem ein Buchhaltungsbüro zu Hause“, fuhr Heather fort. „Ich gehe zum College, und mir fehlen nur noch zwei Kurse bis zum Abschluss in Steuerberatung. Daher kann ich für kleine Firmen die Bücher führen.“ Sie rieb sich den Bauch. „Der Zeitpunkt für die Schwangerschaft ist großartig. Ich habe Ersparnisse, und durch den bezahlten Mutterschaftsurlaub und mein Büro kann ich wahrscheinlich mindestens ein Jahr zu Hause bei meinem Baby bleiben. In der Zwischenzeit suche ich mir etwas als Buchhalterin. Die Arbeit in der Fabrik bringt zwar Geld ein, ist aber nicht die angenehmste auf dem Planeten.“ Sie schlug sich eine Hand vor den Mund. „Entschuldigung. Ich erzähle Ihnen viel mehr, als Sie wissen wollten.“

„Keineswegs. Es gefällt mir, von Ihren Plänen zu hören. Sie scheinen viele Stunden zu arbeiten. Ist das okay?“ Er deutete mit dem Kopf auf ihren Bauch.

„Ja. Ich bin sehr gesund.“

Er wirkte nicht überzeugt. „Trotzdem müssen die langen Arbeitszeiten Ihrem Mann Sorgen bereiten.“

„Ich bin nicht verheiratet. Also ist das kein Problem.“

„Oh.“ Jim wirkte ein wenig verlegen. „Nun, dann eben dem Vater Ihres Babys.“

Sie lehnte den Kopf zurück an die Wand und schloss die Augen. „Der Vater meines Babys ist eine nutzlose Ratte“, sagte sie in ruhigem Ton. „Und ich bin ein Dummkopf.“ Sie schlug die Augen auf und zuckte die Achseln. „Er hat mir erzählt, dass er geschieden sei, und ich habe ihm geglaubt. Obwohl er ständig auf Reisen war.“

„Es war gelogen?“

„Jedes Wort. Wie sich herausstellte, war er nur vorübergehend von seiner Frau getrennt. Während er sich mit mir traf, erwog er eine Versöhnung mit ihr. Nicht, dass er mir je etwas davon gesagt hätte.“

Heather versuchte, diese Gedanken zu verdrängen. Es hatte keinen Sinn, die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Luke war ein Tiefpunkt in ihrem Leben, aber sie war über ihn hinweg. Das Gute daran war, dass sie ein Baby bekam, denn sie hatte sich immer Kinder gewünscht. Wie ihre Mutter zu sagen pflegte, hatte selbst die dunkelste Wolke einen Silberstreifen.

„Er hat gleichzeitig mit Ihnen beiden verkehrt?“, hakte Jim entrüstet nach.

Sie hatte vergessen, dass es immer noch ein paar anständige Männer auf der Welt gab. „Stellen Sie sich vor, wie ich mich erst mal gefühlt habe. Als ich ihm sagte, dass ich schwanger bin, hat er mich verlassen und ist zu ihr zurückgekehrt. Wie sich herausstellte, war auch sie schwanger.“ Erschrocken presste sie die Lippen zusammen. „Das ist verrückt. Ich habe Ihnen gerade etwas unglaublich Intimes erzählt, und dabei kenne ich Sie gar nicht. Es tut mir wirklich leid. Normalerweise plappere ich nicht so drauflos. Es muss an den Hormonen liegen.“

„Es liegt am Fahrstuhl. Ich habe gehört, dass Fahrstühle diese Wirkung ausüben.“

„Offensichtlich nur auf Frauen“, murrte sie. „Ich habe nicht gehört, dass Sie Ihr Herz ausschütten.“

„Ich habe nichts Interessantes zu verkünden. Sonst würde ich es tun.“

„Vielleicht können Sie sich etwas einfallen lassen. Sie wissen schon, nur damit ich mich besser fühle.“

Er überlegte einen Moment. „Wie wäre es, wenn ich gestehe, dass ich früher eine Frau war?“

Heather lächelte. Sie betrachtete seine überaus männliche Gestalt. „Sehr unwahrscheinlich. Fällt Ihnen nichts Besseres ein?“

„Tut mir leid, nein.“

Sie lachten beide.

„Ich könnte ihn für Sie zusammenschlagen“, sagte er unvermittelt.

Verwirrt blinzelte sie. „Wen?“

„Den Vater Ihres Babys. Ich nehme an, dass er nicht an seinem Kind interessiert ist, wenn er zu seiner Frau zurückgekehrt ist.“

Sie nickte bedächtig. „Er will nicht, dass seine Frau von der Affäre erfährt. Das Baby anzuerkennen würde bedeuten, ihr die Wahrheit zu sagen. Mir ist es lieber, dass mein Kind keinen Umgang mit einem derart schadhaften Charakter hat und ihn nie kennenlernt.“ Beschützend legte sie die Hände auf den Bauch. „Ein Anwalt hat die Dokumente aufgesetzt. Luke hat jedes Recht auf das Kind abgetreten, und ich habe mich verpflichtet, ihn nie zu kontaktieren und keine Alimente zu fordern.“

Jim stieß einen empörten Laut aus. „Der Kerl hat wirklich eine gute Tracht Prügel verdient.“

Lange Zeit starrte sie ihn schweigend an. Er war unglaublich gut aussehend und, soweit sie aus ihrer flüchtigen Bekanntschaft schließen konnte, ein echter Held.

„Führen Sie in Ihrer Freizeit alte Damen über die Straße?“

„Nein. Aber ich finde, dass ein Mann immer das Richtige tun sollte. Sie sind nicht in der Lage, dem Kerl eine Lektion zu erteilen, also biete ich mich an.“

Erstaunt stellte Heather fest, dass er es ernst meinte. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal einen anständigen Mann getroffen hatte, der jünger als fünfzig war.

„Sie sind ein netter Mensch, Jim Dyer. Ich weiß, dass Männer es hassen, als nett bezeichnet zu werden, weil es nicht männlich und nicht sexy ist. Ich hoffe aber, dass Sie es mir nachsehen und mein Kompliment einfach akzeptieren. Ich meine es sehr ehrlich.“

„Vielen Dank.“

Sie seufzte leise. Wie wäre ihr Leben verlaufen, wenn sie in den vergangenen zehn Jahren einen Mann wie Jim statt der drei Taugenichtse kennengelernt hätte, mit denen sie sich eingelassen hatte? Sie verdrängte den Gedanken. Es führte zu nichts, über die Vergangenheit nachzudenken. Momentan ging es ihr großartig. Sie war gesund, stand kurz vor der Entbindung und hatte keine finanziellen Sorgen. Sie hatte alles, was sie brauchte. Was war schon dabei, wenn ein paar Träume unerfüllt blieben?

„Was denken Sie gerade?“, fragte Jim.

„Dass ich mich sehr glücklich schätzen kann.“

„Weil Sie mit mir in einem Fahrstuhl festsitzen?“

Seine Augen waren von einem unglaublich leuchtenden Blau und dazu von langen Wimpern umrahmt.

„Verglichen mit einigen anderen Möglichkeiten sind Sie der ideale Fahrstuhlbegleiter. Sie scheinen nicht so leicht in Panik zu geraten, und das ist gut so. Einer von uns sollte ruhig und beherrscht bleiben.“

„Sie halten sich großartig. Ich merke kaum, dass Sie nervös sind.“

„Oh, vielen Dank.“ Ein stechender Schmerz durchbohrte sie. Es kam so überraschend, dass sie nicht atmen, ja nicht einmal schreien konnte. Dann verging es, und sie fragte sich, was, in aller Welt, mit ihr geschah.

Jim blickte zu dem Hörer an der Kontrolltafel und überlegte, ob er nachfragen sollte, wie lange die Reparatur noch dauern würde. Bisher hielt Heather sich großartig, aber die Aufregung konnte nicht gut für sie sein. Sie hatte ein hübsches Gesicht mit großen grünen Augen. Sie war klug, witzig und schwanger. Was für ein Schuft musste der Mann sein, der ihr den Rücken gekehrt hatte?

Sein Blick glitt zu ihrem prallen Bauch. Sie sah aus, als hätte sie schon vor einem Monat entbinden sollen. Er wollte nicht an Kinder und seine Vergangenheit denken. Also konzentrierte er sich ganz auf Heather. „Was ist los?“, fragte er erschrocken, als sie plötzlich zusammenzuckte.

Die Farbe wich aus ihrem Gesicht. Sie zog die Knie an und ballte die Hände zu Fäusten. Ein dunkler, feuchter Fleck breitete sich auf dem Teppichboden aus.

Ihre Augen waren weit aufgerissen. Sie befeuchtete sich die Lippen und versuchte zu lächeln. „Ich hasse es, unsere so kurze Bekanntschaft auszunutzen, aber ich fürchte, ich kriege dieses Baby. Und zwar jetzt.“

2. KAPITEL

„Sie machen Witze, oder?“, fragte Jim verzweifelt. Er wollte nicht glauben, was er gehört hatte. Es durfte nicht wahr sein.

Der feuchte Fleck auf dem Teppich wuchs, als sie von einer weiteren heftigen Kontraktion erfasst wurde. Heather schloss die Augen und rang nach Atem.

„Es tut mir leid“, murmelte sie, als der Schmerz nachließ. Sie versuchte zu lächeln. „Ich wünschte, es wäre ein Scherz, aber wie Sie vermutlich sehen, ist die Fruchtblase geplatzt. Es ist so weit.“

Ihr Gesicht war mager und blass, genau wie ihre Arme und Beine. Sie trug ein grünes Kleid mit kurzen Ärmeln, das sich um sie bauschte und sie wie ein kleines Kind aussehen ließ, das sich in den Sachen seiner Mutter verkleidet hatte. Nur dass nichts Kindliches an ihrem Unbehagen oder ihrem dicken Bauch war.

Jim fluchte im Stillen und fragte sich, was, zum Teufel, er tun sollte. „Geht es Ihnen gut?“, fragte er unsicher und winkte dann ab. „Dumme Frage. Machen Sie sich nicht die Mühe zu antworten.“

„Und dabei hatte ich Ihnen versprochen, dass die Wehen nicht einsetzen, bevor wir die Tiefgarage erreichen.“

Ihr Ton klang gelassen, doch er sah die Angst in ihren Augen. Sie strich sich über die Stirn, zerzauste sich dadurch die Ponyfransen. Ihre Haare wiesen die Farbe von Weizen auf und waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

„Ich nehme an, es ist nicht zufällig Ihr Hobby, an Wochenenden Babys zur Welt zu bringen?“ Schweißperlen standen auf ihrer Stirn und ihrer Oberlippe. Ihre Augen waren weit aufgerissen, ihr Mund zitterte.

Er ging zu ihr und hockte sich neben sie. „Ich habe keine Übung darin, Babys zur Welt zu bringen, aber ich lerne sehr schnell.“ Er nahm ihre Hand und drückte sie. „Sie haben meine ganze Aufmerksamkeit. Ich versichere, dass ich großartig in einer Krise bin. Gemeinsam werden wir es durchstehen, okay?“

Sie nickte. „Stört es Sie, wenn ich schreie?“

„Müssen Sie es tun?“

„Momentan nicht, aber vielleicht später.“

„Dann tun Sie es.“ Aufmunternd drückte er erneut ihre Finger. „Ich werde noch mal nachfragen. Mit etwas Glück ist der Fahrstuhl längst repariert, bevor das Baby kommt.“

Erneut krümmte sie sich vor Schmerzen. „Bestimmt brauche ich Sie nicht erst zu bitten, auf Eile zu drängen.“

Jim zwang sich, ruhig zu wirken. Er war in der Marine in Erster Hilfe ausgebildet worden, aber die Kurse hatten keine Entbindung beinhaltet. Mit einem unterdrückten Fluch nahm er den Hörer ab.

Augenblicklich meldete sich ein Mann von der Wartung. „Ich weiß, dass Sie so schnell wie möglich da rausmöchten, aber es wird noch eine kleine Weile dauern. Es ist nicht die Sicherung, wie wir zuerst dachten. Dieser Fahrstuhl ist sehr launisch.“

„Ihre Probleme sind mir egal. Die Frau bei mir liegt in den Wehen. Sie hat starke Schmerzen und muss ins Krankenhaus, bevor das Baby hier kommt.“

Am anderen Ende der Leitung herrschte einen Moment lang Stille, gefolgt von heftigen Flüchen. Jim hielt den Hörer vom Ohr ab.

Heather lächelte. „Offensichtlich haben Sie seine Aufmerksamkeit erregt.“

„Überrascht Sie das?“

Sie schüttelte den Kopf. „Ich hoffe nur, dass er etwas tun kann.“

Das hoffte Jim allerdings auch.

„Okay“, sagte der Techniker in den Hörer, „wir werden versuchen, den Fahrstuhl irgendwie zum Erdgeschoss zu bewegen, damit wir die Türen öffnen können. Inzwischen rufen wir einen Krankenwagen. Wie geht es ihr?“

„Ich weiß nicht.“ Jim blickte zu Heather. „Befindet sich Ihre Ärztin noch im Gebäude?“

Sie nickte. „Dr. Sharon Moreno. Im obersten Stockwerk.“

„Bitte benachrichtigen Sie ihre Ärztin. Dr. Sharon Moreno. Oberste Etage. Wir werden ihre Hilfe brauchen.“

„In Ordnung.“ Es klickte in der Leitung. Dann folgte Stille. Einen Moment später verkündete der Techniker: „Sie wird in fünf Minuten am Apparat sein.“

Jim drehte sich zu Heather um. „Sie holen Ihre Ärztin. Können Sie hierherrücken, damit Sie mit ihr reden können? Der Hörer reicht nicht so weit.“

Sie strich sich das Haar aus dem Gesicht. „Reden Sie mit ihr. Ich will mich nicht bewegen. Mir tut alles weh.“ Sie schloss die Augen und krümmte sich vor Schmerz.

Er wünschte sich sehnlichst, ihr helfen zu können. Doch er konnte nur dasitzen und auf die Ärztin warten.

Heather stöhnte und schlang die Arme um ihren Bauch. „Es tut weh“, brachte sie atemlos hervor. „Ich habe Angst, Jim. Ich weiß, dass Sie das nicht hören wollen, aber es ist so.“

„Ich verstehe, dass Sie Angst haben.“ Er nahm ihre Hand. „Ich bin hier bei Ihnen. Ich gehe nirgendwohin.“

Es zuckte um ihre Mundwinkel. „Das könnten Sie auch nicht, selbst wenn Sie wollten.“

„Ich weiß, aber selbst wenn ich könnte, würde ich nicht weggehen.“

„Wirklich nicht? Schwören Sie?“

Er nickte. „Ich gebe Ihnen mein Wort.“

„Danke.“

In diesem Moment erklang eine Frauenstimme im Hörer. „Hier ist Dr. Moreno. Sind Sie das, Heather?“ „Nein, Frau Doktor. Mein Name ist Jim Dyer. Ich bin mit Heather im Fahrstuhl. Sie hat Wehen.“

„Kann ich mit ihr sprechen?“

Er wusste, dass Heather sich nicht aus eigener Kraft rühren würde. „Einen Moment bitte.“ Er ließ den Hörer baumeln. „Heather, die Ärztin möchte mit Ihnen sprechen. Lassen Sie mich Ihnen helfen, näher zum Hörer zu rücken.“ Er kniete sich neben sie und schob einen Arm unter ihre Beine und den anderen hinter ihren Rücken. „Bei drei.“ Er zählte, hob sie dann hoch und rückte sie näher zur Tür.

Sie atmete tief durch, bevor sie zum Hörer griff. „So viel also zu den weiteren Tagen, die Sie vorausgesagt haben, Dr. Moreno“, sagte sie mit einem Anflug von Humor. „Ist es das erste Mal, dass Sie sich irren?“ Sie lauschte einen Moment. „Ungefähr alle drei Minuten. Der Schmerz ist stark. Es fühlt sich an wie …“ Sie rang nach Atem und übergab keuchend den Hörer an Jim.

„Sie ist zäh“, sagte er zur Ärztin, „aber es ist hart für sie.“

„Das ist es für Sie beide. Haben Sie irgendeine medizinische Ausbildung?“

Er erzählte ihr von seinem Kursus in Erster Hilfe.

„Erstgeburten dauern notorisch lange“, teilte Dr. Moreno ihm mit. „Angesichts der Häufigkeit der Wehen und der Tatsache, dass die Fruchtblase bereits geplatzt ist, müssen wir jedoch davon ausgehen, dass das Baby nicht wartet, bis der Fahrstuhl repariert ist. Ich möchte Ihnen einige Dinge erklären, falls Sie das Kind holen müssen. Haben Sie schon mal ein Neugeborenes gesehen?“

„Eigentlich nicht.“ Dass die Ärztin ihm auftrug, bei der Geburt zu helfen, gefiel ihm ganz und gar nicht. Aber Heather war auf ihn angewiesen.

Dr. Moreno trug ihm auf, Heather auf den Rücken zu legen und ihr beim Atmen zu helfen. Er atmete entsprechend der Anweisungen und diente Heather damit als Vorbild, als die Wehen in immer kürzeren Abständen kamen und länger anhielten.

„Es tut so weh“, stöhnte sie nach einer besonders langen und intensiven Reihe von Wehen.

„Ich weiß. Aber Sie schaffen es.“ Jim hielt weiterhin ihre Hand und atmete mit ihr, während er sich fragte, warum etwas so Wundervolles wie eine Geburt so verdammt schwer für die Mutter sein musste.

Der kleine Raum schien immer enger zu werden. Er wusste nicht, ob es stickiger wurde oder es ihm nur so erschien. Während er Heather gut zuredete, wartete er auf einen sanften Ruck, der ihm verriet, dass der Fahrstuhl wieder funktionierte.

„Ich will pressen“, wisperte sie.

„Warten Sie.“ Er drückte ihre Finger mit einer Hand und wischte ihr mit der anderen den Schweiß von der Stirn. Den Hörer hielt er zwischen Schulter und Ohr geklemmt. „Sie will pressen“, teilte er der Ärztin mit.

„Verbieten Sie es ihr. Sie müssen zuerst prüfen, ob der Kopf des Babys schon zu sehen ist. Erst dann ist sie zur Entbindung bereit.“

Jim schluckte schwer. Er wollte nicht, dass Heather bereit für die Entbindung war, und er wollte schon gar nicht nachsehen. „Ich bin gleich wieder da“, sagte er und ließ den Hörer fallen.

„Was ist denn?“, wollte Heather wissen.

Noch vor zwei Stunden war er dieser Frau nie begegnet. Er konnte es unmöglich tun. „Ich soll nachsehen, ob der Kopf schon da ist.“

Ihre großen Augen wurden noch größer. „Ich fasse es nicht, dass ich mein Baby hier in einem Fahrstuhl kriege!“

„Wem sagen Sie das?“

Er machte sich auf Tränen gefasst. Stattdessen lächelte sie matt. „Das wird eine großartige Geschichte abgeben. Ich freue mich schon darauf, sie meinem Baby später zu erzählen.“ Dann schwand ihr Humor. Sie blickte an sich hinab. Zum ersten Mal seit dem Beginn der Wehen trat Farbe auf ihre Wangen. „Ich glaube nicht, dass ich mir allein den Slip ausziehen kann.“

Er räusperte sich und versuchte sich einzureden, dass es eine ganz normale, keineswegs intime Situation war. Ohne hinzusehen, griff er unter ihren weiten Rock und streifte ihr den Slip ab. „Ich soll nach dem Baby sehen“, sagte er und mied dabei ihren Blick.

„Ich weiß. Es tut mir leid.“

„Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen.“

„Mir ist danach. Sie haben ganz bestimmt nicht darum gebeten.“ Sie presste die Lippen zusammen und keuchte durch die nächste Wehe. „Auch Sie werden eine unglaubliche Geschichte zu erzählen haben.“

„Ich kann es kaum erwarten.“

Bei der nächsten Wehe schrie sie auf und klammerte sich mit aller Kraft an seine Hand. Mit schweißüberströmtem Gesicht stieß sie hervor: „Hören Sie, Jim, ich habe momentan viel zu große Schmerzen, um schamhaft zu sein. Also sehen Sie nach dem Baby. Bitte!“

Er nickte, wappnete sich für das Unausweichliche und spähte um ihr Knie herum. „Ich kann nichts sehen.“

Trotz ihrer Schmerzen und Atemlosigkeit lachte Heather laut auf. „Sie haben ja auch die Augen geschlossen. Sie werden sie öffnen müssen, um etwas zu sehen.“

Er fühlte sich wie ein Schwachsinniger. „Ich glaube nicht, dass ich es kann.“

„Natürlich können Sie das. Stellen Sie sich vor, Sie befänden sich im Zoo und ich wäre eine Giraffe.“

Sie sah nicht aus wie eine Giraffe, aber er kniete sich zwischen ihre Füße, schob ihr Kleid hoch und studierte ihren Körper. Dann richtete er sich auf und griff zum Hörer. „Ich glaube, ich kann den Kopf des Babys sehen.“

„Verdammt“, murrte Dr. Moreno. „Offensichtlich will sie die Entbindung schnell hinter sich bringen. Okay, Jim. Sagen Sie ihr, dass sie noch nicht pressen soll, damit der Kopf nicht zu schnell kommt.“

Er wiederholte die Anweisungen der Ärztin, die ihn Schritt für Schritt durch die Prozedur führte, und redete beruhigend auf Heather ein.

Zehn Minuten später legte er ihr ein winziges schreiendes Baby mit hochrotem Kopf auf den Bauch. „Es ist ein Mädchen“, verkündete er verwundert. Er konnte es noch nicht recht fassen, dass er tatsächlich geholfen hatte, ein Kind zur Welt zu bringen.

Heather versuchte, den Kopf zu heben, aber sie war zu schwach. „Ist sie in Ordnung?“

Er musterte das zappelnde Wesen. „Sie hat zehn Finger und zehn Zehen, und sie ist genauso wundervoll wie ihre Mutter.“

Die Ärztin gab ihm einige abschließende Instruktionen und versprach zu warten, bis der Fahrstuhl wieder funktionierte. Als Jim den Hörer auflegte, begann Heather zu weinen. Ausnahmsweise störte ihn der Anblick einer in Tränen aufgelösten Frau nicht. Er hatte vollstes Verständnis, und wäre er nicht so müde und gleichzeitig so aufgeregt gewesen, hätte auch er ein paar Tränen vergossen. Gemeinsam hatten sie etwas Außergewöhnliches geschafft, und es gab keine Worte, es zu beschreiben. Anstatt zu sprechen, zog er Heather daher in die Arme und bettete sie so, dass sie das Baby sehen konnte. Als sie es enger an sich zog, zog auch er sie enger an sich.

„Danke, dass Sie mich nicht verlassen haben“, sagte sie, als sich das Baby in der Geborgenheit ihrer Arme beruhigte.

Er ließ das Kinn auf ihrem Kopf ruhen. „Ist das die Stelle, an der ich darauf hinweisen soll, dass ich nirgendwohin gehen konnte?“

„Sie wissen, was ich meine. Sie waren nicht nur anwesend, Sie haben geholfen. Das bedeutet mir sehr viel.“ Sie schniefte. „Ich kann es nicht fassen, dass ich geweint habe. Ich weine nie.“

„Ich würde sagen, dieses eine Mal sei Ihnen verziehen. Sie haben einiges durchgemacht.“

„Das schon, aber …“ Sie schüttelte den Kopf. „Sehen Sie sich bloß mal diesen armen Fahrstuhl an. Es sieht aus, als hätten wir hier eine Szene aus einem Horrorfilm gedreht. Man wird den Teppich erneuern müssen.“

„Hören Sie auf, sich über solche Sachen zu sorgen. Sie haben ein brandneues, hübsches Baby.“

„Ist sie nicht wundervoll?“

„Das ist sie in der Tat.“ Jim gestattete sich nicht sehr häufig, an Kinder zu denken, aber wenn er es tat, musste er sich eingestehen, dass die Sehnsucht nach eigenem Nachwuchs noch immer da war. „Alle sagen, dass eine Geburt ein Wunder ist, aber ich habe bis heute nicht begriffen, was das bedeutet.“

„Ich auch nicht.“

Plötzlich machte der Fahrstuhl einen Ruck.

Heather erstarrte. „Ist es das, was ich glaube?“

„Ich hoffe es inbrünstig.“

Tatsächlich erklang eine Sekunde später das Geräusch des Motors, und die Kabine bewegte sich sanft zum Erdgeschoss. Die Türen öffneten sich, und zwei Krankenpfleger und Dr. Moreno traten ein.

Jim erhob sich. Heather ergriff ihn am Arm. „Ich weiß, dass es sehr viel verlangt ist, aber würden Sie mit mir ins Krankenhaus kommen? Ich bin nur …“ Sie verstummte und biss sich auf die Unterlippe.

„Ich weiß. Ich würde gern mit Ihnen kommen. Ich will mich überzeugen, dass es Ihnen und der Kleinen gut geht.“ Er blickte an seiner fleckigen Hose hinab. „Außerdem ist das Krankenhaus der einzige Ort, der mir einfällt, an dem sie mich in dieser Aufmachung hereinlassen.“

Um drei Uhr am selben Nachmittag waren Heather und ihre Tochter untersucht und für gesund erklärt worden.

„Das nächste Mal sollten Sie erwägen, das Krankenhaus ein bisschen früher aufzusuchen“, schlug die Krankenschwester vor, die Heathers Blutdruck gemessen hatte.

„Ich werde mein Bestes tun.“

„Zumindest war Ihr Ehemann bei Ihnen“, fuhr die Schwester fort, als Jim eintrat. „Das war Ihnen bestimmt eine große Hilfe.“

Heather hielt es für sinnlos zu erklären, dass ihr ein Fremder zur Hilfe geeilt war. „Ich hätte es nicht ohne ihn geschafft“, gestand sie ein.

Die Schwester schenkte ihr ein Lächeln und ging hinaus. Jim trat an das Bett und blickte zu ihr hinab. „Ich habe nur ein paar Minuten Zeit. Ich muss nach Hause fahren, mich duschen und umziehen und dann ins Büro zurückkehren. Aber ich wollte mich überzeugen, dass es Ihnen gut geht.“

„Es geht uns beiden gut.“ Sie deutete mit dem Kopf auf das Baby in ihren Armen. „Sie ist gründlich untersucht worden. Starkes Herz, freie Lungen, aufgeweckt. Dr. Moreno hat gesagt, dass es eine Entbindung wie aus einem Bilderbuch war und sie es nicht hätte besser machen können.“

„Ich wünschte, ich könnte es glauben. Sie hat mir vorhin im Korridor gratuliert, und ich habe es nicht übers Herz gebracht, ihr zu sagen, dass ich die ganze Zeit panische Angst hatte.“

„Sie haben es sich nicht anmerken lassen.“

„Das durfte ich ja auch nicht. Wenn jemand das Recht hatte, verängstigt zu sein, dann waren Sie es. Ich wollte Ihre Aufregung nicht noch steigern.“

„Vielen Dank für alles.“ Sie hatte es schon ein Dutzend Mal gesagt, aber es reichte immer noch nicht. Sie wusste nicht, wie sie es ihm jemals vergelten sollte. Sie blickte zu ihm auf, und erneut wurde ihr sein gutes Aussehen bewusst. Er besaß einen Körper, mit dem er für Unterwäsche hätte werben können. Zerzaustes dunkles Haar hing ihm auf den Hemdkragen hinab und fiel ihm in die Stirn. Momentan sah er jedoch etwas mitgenommen aus. Seine Kleidung war zerknittert und fleckig, und er trug die Miene eines Menschen zur Schau, der eine Naturkatastrophe oder einen Flugzeugabsturz überlebt hatte.

Sie schwiegen beide. Ihr fiel auf, dass er verlegen von einem Fuß auf den anderen trat. „Ich auch“, murmelte sie.

„Sie auch was?“

Sanft strich sie ihrem neugeborenen Kind über die zarte Wange – dem Kind, in das sie sich auf den ersten Blick verliebt hatte. „Ich bin verwirrt. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wir haben soeben die intimste Erfahrung meines Lebens gemeinsam durchgemacht. Wie es mit Ihnen steht, weiß ich allerdings nicht.“ Sie lächelte zu ihm auf. „Womöglich tun Sie solche Dinge regelmäßig.“

„Ich schwöre, dass es das erste Mal für mich war. Ich bin froh, dass ich für Sie da sein konnte.“

„Nicht so froh, wie ich es bin. Ich möchte …“ Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Sie redete sich ein, dass es nur an den Nachwirkungen der Aufregungen lag. „Ich möchte Ihnen danken.“

„Das haben Sie bereits. Etwa fünfundzwanzig Mal. Gern geschehen.“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich möchte Ihnen wirklich danken, aber mir fallen nicht die richtigen Worte ein, und wenn ich es versuche, werde ich weinerlich.“ Sie schüttelte sich. „Ich weine nie. Im Ernst. Ich breche höchstens alle vier oder fünf Jahre einmal in Tränen aus. Da ich es vorhin im Fahrstuhl getan habe, muss es für eine ganze Weile reichen. Aber irgendwie finde ich meine Selbstbeherrschung nicht wieder.“

„He, Mädchen, Sie haben gerade entbunden. Da sind ein paar Tränen wohl gestattet. Obwohl ich zugeben muss, dass ich ein normaler Mann bin und sie nicht gerade gern auf einem hübschen Gesicht wie Ihrem sehe.“

Sie wusste, dass sein Kompliment freundlich gemeint war und nichts bedeutete. Schließlich war sie blass und ungekämmt und trug ein wenig schmeichelhaftes Krankenhausnachthemd. Dennoch ließen seine Worte ihre Wangen erglühen. „Sie sind ein guter Mensch, Jim Dyer.“

„Ja, ja, und Sie wissen alles zu schätzen, was ich getan habe. Aber Sie haben all die harte Arbeit geleistet. Ich musste dieses hübsche Mädchen nur auffangen.“ Er streichelte die winzige Hand des Babys. „Ich bin sehr froh, dass es Ihnen beiden gut geht. Wirklich.“

Offensichtlich wollte er ihr keine Gelegenheit lassen, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen, und das war vielleicht besser so. „Ich meine es ernst“, beharrte sie dennoch.

„Ich auch. Wenn Sie sich dadurch besser fühlen, können Sie sie ja nach mir benennen. Jimmy oder so.“

„Haben Sie einen zweiten Vornamen?“

„Michael.“

„Das könnte gehen.“ Sie lachte. „Ich werde darüber nachdenken.“

„Wagen Sie es ja nicht!“ Er betrachtete das Baby. „Sie ist zu vollkommen, um mit so einem Namen belastet zu werden. Geben Sie ihr einen hübschen Namen wie Ihren.“

„Ich werde mein Bestes tun.“

„Sie beide werden sehr glücklich sein“, sagte er, doch sein Blick wirkte zweifelnd.

„Ich weiß, was Sie denken. Aber ich habe keine Angst. Meine Mom war allein erziehende Mutter, und sie hat es meiner Meinung nach großartig bewältigt.“

„Das werden Sie auch. Sie sind zäh und eine Kämpfernatur.“

„All das wissen Sie von einer einzigen Fahrt im Fahrstuhl?“

„Es war die Fahrt meines Lebens.“ Er drückte ihre Schulter. „Ich muss gehen. Ich sehe später noch mal nach Ihnen.“

„Das ist nicht nötig“, entgegnete sie automatisch und bereute es sogleich.

„Ich möchte aber. Außerdem ändern Sie vielleicht die Ansicht über Ihren Exfreund. Das Angebot besteht weiterhin. Ich verhaue ihn für Sie.“

So lächerlich die Geste auch sein mochte, trieb sie ihr dennoch Tränen in die Augen, und sie musste sich räuspern, bevor sie entgegnete: „Ich weiß das Angebot zu schätzen, aber ich lehne es immer noch ab. In den vergangenen Monaten habe ich einige sehr wertvolle Lektionen gelernt. Inzwischen glaube ich wirklich, dass ich ohne Luke besser dran bin. Dem Baby und mir wird es gut gehen.“

„Das habe ich keine Sekunde lang bezweifelt.“ Jim beugte sich über sie und küsste ihre Stirn. „Ruhen Sie sich etwas aus. Wir sehen uns heute Abend.“ Er nahm eine Visitenkarte aus seiner Tasche und legte sie auf den Nachttisch. „Wenn Ihnen etwas einfällt, das ich mitbringen soll, dann rufen Sie mich einfach an und lassen es mich wissen.“

„Danke.“ Sie blickte ihm nach, als er den Raum verließ. Aus irgendeinem Grund prickelte die Stelle ein wenig, auf die er sie geküsst hatte. Sie befahl sich, es zu ignorieren. Männer wie Jim waren zu gut, um wahr zu sein. Vermutlich war er ein Schutzengel, den ihr jemand in der Not geschickt hatte, und sie würde ihn nie wiedersehen. Die Vorstellung von Jim mit Flügeln ließ sie schmunzeln.

3. KAPITEL

Mit lächerlicher Ungeduld beobachtete Heather die Tür zu ihrem Krankenzimmer. Jim Dyer schuldete ihr nichts. Bestimmt war sein angekündigter Besuch nur ein leeres Versprechen. Vermutlich hatte er die Situation inzwischen als zu stressig und peinlich abgehakt.

Sie konnte es ihm nicht verdenken. Er hatte sich ihr als guter Samariter präsentiert und war nun wieder in sein gewöhnliches Leben zurückgekehrt.

Doch all die vernünftigen Argumente nutzten nichts. Sie verspürte den Drang, ihn anrufen. Sie wollte, dass er in ihr Zimmer spazierte und ihr sagte …

An diesem Punkt versagte ihre Fantasie. Was wollte sie von ihm hören? Bestimmt nichts Romantisches. Sie hatte Männern abgeschworen, zumindest für die nächsten fünfzig Jahre. Außerdem war es durchaus möglich, dass er verheiratet oder verlobt oder einfach nicht interessiert war. Nicht, dass sie sein Interesse erhoffte. Sie wollte …

„Hormone“, murmelte sie vor sich hin. Sämtliche Bücher über Schwangerschaft warnten davor, dass der Körper nach der Entbindung von Hormonen überschwemmt war, welche die unselige Nebenwirkung aufwiesen, die Gefühle in Aufruhr zu bringen. Sie holte tief Luft, um sich zu beruhigen. Sie war eine starke, fähige Frau mit einem wundervollen Baby und einer strahlenden Zukunft. Dass sie sich nicht ganz auf der Höhe fühlte, war völlig normal. Ebenso war es normal, dass sie den Mann sehen wollte, der ihr durch eine schwere Zeit geholfen hatte, aber es war unangebracht, den ersten Schritt in diese Richtung zu unternehmen.

Das beschlossen, richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf das schlafende Kind in ihren Armen. Neben dem Bett stand eine Korbwiege, in der es schlafen sollte, aber ihr gefiel es, das leichte Gewicht auf sich zu spüren.

Die Augen fielen ihr zu, und sie war schon beinahe eingeschlafen, als ein leises Klopfen ertönte. Sie schreckte auf und sah Jim in der Tür stehen.

„Ich wollte Sie nicht wecken“, sagte er. „Ich kann ein andermal wiederkommen.“

Ihr Mund war wie ausgedörrt. Es musste an der Klimaanlage liegen. Bestimmt war der Mann, der vor ihr stand, nicht der Grund dafür, auch wenn er außergewöhnlich gut aussah.

Sie lächelte. „Ich bin wach. Danke, dass Sie gekommen sind.“

„Kein Problem.“ Er trat ein. „Ich besuche all meine Patienten, um mich von ihrem Wohlergehen zu überzeugen. Wie geht es Ihnen also?“

„Es geht uns großartig.“ Sie deutete mit dem Kopf zu ihrer Tochter. „Sie hat ihre erste Mahlzeit zu sich genommen, und die Schwester meint, dass es gut ging. Aber ehrlich gesagt war es für sie leichter als für mich.“ Sie zog eine Grimasse bei dem Gedanken an die unerwartete Kraft, mit der das Baby an ihrer Brust gesaugt hatte. „Ich habe einen stärkenden Spaziergang durch das Zimmer hinter mir und zu Abend gegessen. Alles in allem war es ein ausgefüllter und aufregender Tag.“

„Sie sehen großartig aus“, sagte er und schluckte dann, so als hätte er es unbeabsichtigt hervorgesprudelt.

„Danke.“ Heather berührte ihr frisch gewaschenes Haar. „Ich durfte duschen. Seitdem fühle ich mich wesentlich besser.“

„Das ist für Sie.“ Er stellte eine große Topfpflanze und eine noch größere Plüschgiraffe auf den kleinen Tisch am Fenster.

Es dauerte einen Moment, bis Heather sich an ihren Ratschlag während der Entbindung erinnerte, sie wie eine Giraffe zu betrachten. Die alberne Geste rührte sie und trieb ihr Tränen in die Augen.

Jim hob abwehrend die Hände und wich einen Schritt zurück. „He, Moment mal. Sie haben versprochen, dass Sie nur einmal alle vier oder fünf Jahre weinen. Ich dachte, es bestünde keine Gefahr.“

„Das stimmt auch. Meine Hormone sind nur durcheinandergeraten. Ich bin nicht ich selbst. Aber ich werde mich um Beherrschung bemühen. Danke für die Geschenke. Sie sind ungeheuer aufmerksam und wären nicht nötig gewesen.“

„Ich wollte es so.“ Er setzte sich auf den Stuhl am Bett und grinste. „Sie hätten den Blick sehen sollen, mit dem ich bedacht wurde, als ich die Hose in die Reinigung brachte. Ich habe dem Mann erzählt, was passiert ist, aber er hat mir nicht geglaubt.“ Er blickte sie eindringlich an. „Und um die Frage zu beantworten, die Sie stellen wollen: Nein, Sie dürfen nicht für die Reinigung bezahlen.“

„Und wenn ich darauf bestehe?“

„Dann ignoriere ich es.“

Nachdenklich musterte sie ihn. Obwohl sie nichts von ihm wusste, fühlte sie sich ihm verbunden. „Es ist sehr seltsam. Ich weiß nicht, worüber wir reden sollen. Ich will Ihnen immer wieder danken für alles …“

„Bitte nicht“, wehrte er hastig ab. „Ich weiß, dass Sie froh sind, und ich bin auch froh, dass ich bei Ihnen war. Ende der Geschichte.“ Er zuckte die Achseln. „Aber ich weiß, was Sie damit meinen, dass die Situation ungewöhnlich ist. Ich bin vorher noch nie zu einer Frau gegangen und habe gesagt: Hallo, ich bin Jim, lassen Sie mich bei der Entbindung helfen.“

„Sie haben es großartig gemacht. Ich bin sicher, dass schwangere Frauen Schlange stehen werden, um Sie dabeizuhaben.“

Er schüttelte sich.„Einmal war genug. Wenn ich jemals heirate und Kinder bekomme, sollen sie in einem Krankenhaus mit vielen Schwestern und Ärzten erscheinen.“

„Das wünsche ich mir für mein nächstes Baby auch.“ Sie zwang sich, der Information über seinen Familienstand keinerlei Bedeutung beizumessen. Sie hielt nicht nach einem Mann Ausschau, nicht einmal nach einem, der sich ihr gegenüber so lieb verhielt.

Jim blickte sich im Raum um. Ein großer Strauß Luftballons war an das Fußende des Bettes gebunden. „Hatten Sie Besuch?“

Heather schüttelte den Kopf. „Die sind von meiner Mom. Ich habe vor ein paar Stunden mit ihr telefoniert. Sie fühlt sich furchtbar, weil sie nicht bei mir sein kann. Ich versichere ihr ständig, dass alles in Ordnung ist, aber sie macht sich Sorgen.“

„Wo ist sie denn?“

„In Florida. Ihr Mann, mein Stiefvater, ist vor Kurzem am Herzen operiert worden. Es geht ihm gut, aber sie hat trotzdem Angst, ihn allein zu lassen. Ich habe ihr gesagt, dass ich Verständnis dafür habe. Als ich klein war, war sie immer für mich da. Deshalb macht es mir nichts, dass ich jetzt auf mich allein gestellt bin.“

Er runzelte die Stirn. „Sie haben niemanden, bei dem Sie bleiben, wenn Sie hier rauskommen?“

„Da ist doch nichts dabei.“

Jim beugte sich zu ihr vor. „Wann werden Sie entlassen?“

„Morgen.“

Er richtete sich auf. „So bald?“

„Ja. Wir sind beide gesund.“

„Sie sind wesentlich zäher, als Sie aussehen. Aber das wusste ich schon.“ Er streichelte den Arm des Babys. „Du hast eine sehr entschlossene Mutter. Sieht aus, als ob du von robuster Herkunft bist.“

Das Baby öffnete die Augen und blickte ihn ernst an. „Möchten Sie sie nehmen?“, fragte Heather.

Sofort zog er die Hand zurück und schüttelte den Kopf. „Ich bin sicher, dass sie sich bei Ihnen wohler fühlt als bei einem Fremden.“

„Sie wurde vor weniger als zwölf Stunden geboren. Ich glaube, wir sind uns alle noch fremd. Kommen Sie, es ist ganz einfach.“

Widerstrebend stand er auf und trat an das Bett. „Ich bin bestimmt nicht gut in so was.“

„Aber sicher. Sehen Sie sich an, wie ich sie im Arm halte. Sie müssen nur auf das Köpfchen aufpassen.“

Sie beugte sich ein wenig vor. Jim bückte sich, nahm das Baby und bettete es in seine Armbeuge. Der verlegene, verwunderte Ausdruck auf seinem Gesicht wirkte rührend.

„Sie ist erstaunlich“, murmelte er beeindruckt. „So perfekt.“ Mit einem Finger streichelte er ihre winzige Hand. „Hallo, du hübsches Wesen.“ Er blickte Heather an. „Sie wirkt so besorgt, wie alle Babys es zu sein scheinen. Glauben Sie, dass sie wissen, welch große Verantwortung sie bedeuten, und befürchten, ihre Eltern könnten der Aufgabe nicht gewachsen sein?“

Heather lachte. „Ich habe keine Ahnung, was ihr durch den Kopf geht.“ Ihr Herz schwoll an vor Stolz und Liebe zu diesem Kind, das sie zur Welt gebracht hatte. Einen Moment lang bedauerte sie, dass sie allein war. Es wäre wundervoll gewesen, ihre Freude und Liebe mit einem Mann zu teilen. Sie wollte ihr Bestes tun, ihrer Tochter alles zu geben, aber gewiss würde dem Kind gelegentlich ein Vater fehlen, wie es ihr trotz all der Fürsorge und Liebe ihrer Mutter ergangen war.

Während sie Jim mit ihrer Tochter beobachtete, versuchte sie die abwegigen Gedanken zu verdrängen, die ihr durch den Kopf gingen. Sie konnte nicht umhin zu bemerken, wie reizvoll dieser große, starke Mann mit dem winzigen Baby wirkte. „Ich habe einen Namen für sie ausgesucht.“

Er blickte auf und grinste. „Wirklich? Welchen denn?“

„Diane Michelle. Diane heißt meine Mutter, und Michelle steht für Michael.“

Verblüfft blickte er sie an. „Das hätten Sie nicht tun müssen. Ich habe Sie mit dem Vorschlag nur geneckt, sie nach mir zu benennen.“

„Ich weiß, aber ich wollte etwas Bedeutungsvolles tun, um Ihnen zu danken. Ohne Ihre Hilfe hätte ich die Entbindung nicht durchgestanden. Sie haben eine Situation, die furchtbar und Angst einflößend hätte sein können, in die wundervollste Erfahrung meines Lebens verwandelt. Ich habe Michelle ausgesucht, weil mir keine weibliche Version von James einfiel, die mir ebenso gut gefallen hätte.“

Lange Zeit musterte er sie stumm. Sie blickte in sein unglaublich hübsches Gesicht und sagte sich, dass er zwar mit Flügeln höchst albern ausgesehen hätte, aber eindeutig ein Engel war.

„Ich bin sprachlos, was eine Seltenheit ist, wie meine Freunde Ihnen bestätigen würden.“ Er musterte das Baby. „Hallo, Diane Michelle. Willkommen in dieser Welt.“ Er reichte sie Heather zurück und setzte sich wieder. „Sie ist so winzig. Ich kann es nicht fassen, dass Sie schon morgen mit ihr nach Hause gehen dürfen.“

„Sie wiegt über sechs Pfund. Das ist ziemlich viel.“

Jim wirkte nicht überzeugt genug. „Wie kommen Sie nach Hause?“

Sie wusste genau, worauf er hinauswollte, aber sie täuschte Ahnungslosigkeit vor. „Im Auto.“

„Sie haben einen Freund, der Sie abholt?“

„Ich habe Vorkehrungen getroffen, aber es ist sehr lieb von Ihnen, sich zu sorgen.“ Sie schenkte ihm ein Lächeln und hoffte, ihn damit abzulenken.

„Was verbergen Sie?“

„Nichts. Es ist alles in Ordnung“, versicherte sie.

„Richtig. Ich werde morgen früh um elf Uhr hier sein.“

„Jim, nein. Das ist albern.“

„Dann nennen Sie mir den Namen Ihres Freundes.“ Als sie zögerte, murrte er etwas vor sich hin, das vermutlich nicht für Kinderohren geeignet war. „Sie wollten ein Taxi rufen, oder?“

Sie spürte ihre Wangen erglühen. „Ich bin nicht Ihre Verantwortung. Wir kennen uns überhaupt nicht.“

Er richtete sich auf. „Sie haben recht. Es tut mir leid. Ich wollte mich nicht einmischen. Ich kann verstehen, dass Sie besorgt sind. Unter den gegebenen Umständen …“

„Bitte, hören Sie auf“, unterbrach sie. „Ich wollte damit nicht andeuten, dass Sie ein Serienmörder sein oder böse Absichten haben könnten. Als ich sagte, dass wir Fremde sind, meinte ich damit, dass ich kein Recht habe, Sie zu belästigen. Wären Sie ein alter Freund oder Familienangehöriger, dann würde ich Sie nach Herzenslust ausnutzen. Ich schwöre, dass ich nicht mehr sagen wollte, als dass Sie sich nicht verpflichtet fühlen sollen.“

„Ich fühle mich nicht verpflichtet. Ich würde gern helfen.“

Er hatte ein aufrichtiges Gesicht. Nach allem, was sie während der kurzen Bekanntschaft von ihm erfahren hatte, war er ein guter Mensch. Sie hatte genug von der üblen Sorte kennengelernt, um den Unterschied zu kennen. Dennoch war sie misstrauisch und ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Bianca Spezial Band 04" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen