Logo weiterlesen.de
BIANCA SPEZIAL, BAND 3

Daddy gesucht – Herz verloren

Willkommen im Leben

Als Shawn auf der Straße mit einer hübschen Frau zusammenstößt, bemerkt er sofort den Ernst der Lage: Sie hat starke Wehen! Behutsam bringt er sie zu seinem Wagen, leistet Geburtshilfe und fährt dann Mutter und Tochter ins Krankenhaus. Während er sich auch in den nächsten Tagen um Kitt kümmert, erkennt er allmählich: Sie ist ihm vom Schicksal bestimmt!

Ein starkes Team

Die schöne Hannah und der smarte Chad sind ein star-kes Team: Tagsüber jagen sie Verbrecher, die Nächte gehören der Liebe. Aber als Hannah von einer gemein-samen Zukunft träumt, ist alles aus. Denn eine Ehe kommt für Chad nicht infrage. Also geht Hannah lieber gleich – und nimmt ihr süßes Geheimnis mit: Sie erwartet ein Baby!

Marie Ferrarella

Willkommen im Leben

1. KAPITEL

Das offene, sympathische Lächeln, das Shawn Michael O’Rourkes Markenzeichen geworden war, verschwand in dem Moment aus seinem Gesicht, als er den irischen Pub verließ, den er in Bedford, Kalifornien, vor einer Weile entdeckt hatte.

Es gab nichts zu lachen und auch keinen Grund mehr, etwas vorzutäuschen. Niemand sah ihn. Seine Freunde waren alle noch im Pub.

Normalerweise half es O’Rourke, seinen Kummer wenigstens für eine Weile zu vergessen, wenn er sich auf einen oder auch zwei Drinks mit seinen Freunden traf. Er war zwar kein Sonnyboy mit unverwüstlichem Optimismus, aber er ließ sich auch nicht so leicht unterkriegen und bot Schwierigkeiten entschlossen die Stirn. Aber das hier war keine gewöhnliche Situation, und er machte sich große Sorgen.

So große wie noch nie zuvor in seinem Leben.

Der leichte Regen, der gefallen war, als er den Pub betreten hatte, prasselte nun wolkenbruchartig vom grauen Märzhimmel herunter. Er stellte den Kragen seines Jacketts auf, konnte aber nicht verhindern, dass der Regen ihm in den Nacken lief. Er zog die Schultern zusammen und fühlte sich nicht nur wegen des Regens, der ihm ins Gesicht peitschte, resigniert und niedergeschlagen.

Es musste doch etwas geben, was er tun konnte.

Er wusste, dass er die letzten Jahre umsonst gearbeitet hatte, wenn er nicht bald eine Lösung fand. Alles, wovon er in den letzten zehn Jahren geträumt hatte, wäre mit einem Schlag bedeutungslos. Aus und vorbei. Und alles nur, weil er in Irland und nicht in Amerika geboren worden war.

O’Rourke eilte zu dem kleinen Parkplatz hinter dem Pub, der heute Abend bis zum letzten Platz besetzt war, und holte die Wagenschlüssel aus seiner Tasche.

Hätte er auf der anderen Seite des Atlantiks das Licht der Welt erblickt, wäre heute nur ein ganz normaler Tag in seinem Leben, ein weiterer Tag, an dem er auf die Erfüllung seiner Träume hinarbeiten könnte.

Stattdessen stand ihm jetzt noch weniger Zeit zur Verfügung, und der Tag, an dem er dieses Land, all seine Hoffnungen und Träume verlassen musste, rückte unerbittlich näher. Sicher, er könnte versuchen, zu Hause in Irland noch einmal neu zu beginnen. Schließlich hatte dort alles begonnen. Er hatte dort im Kopf seinen Traum erschaffen. Aber hier in Bedfords Industrial Plaza, in dem umgebauten Dachgeschoss, in dem jetzt seine Firma untergebracht war, war der richtige Platz dafür, ihn in die Wirklichkeit umzusetzen.

Für Shawn Michael O’Rourke war Amerika noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Er hatte auf dieser Seite des Ozeans alles gefunden, wonach er gesucht hatte – die Ausbildung, die er gebraucht hatte, und die finanzielle Unterstützung. Die beiden Männer, die seine Partner geworden waren, hatten die gleiche Erfahrung und gleichen Träume wie er. Es waren Visionäre wie er und entschlossen, ihre Ideale in die Wirklichkeit umzusetzen.

Doch in dreizehn Tagen würde das alles keine Bedeutung mehr haben. In dreizehn Tagen würde er diese Küste verlassen müssen. Er würde mit unerfüllten Hoffnungen nach Hause fliegen, wie so viele besiegte Träumer vor ihm.

O’Rourke stieß einen derben Fluch aus, den seine verstorbene Mutter – Gott habe sie selig – bestimmt nicht gutgeheißen hätte, und stieg in seinen Wagen. Eine Windböe trieb den Regen bis auf den Sitz und auf das Lenkrad, bevor er die Tür schloss. Doch das bemerkte er kaum. Er stellte den Motor an, und eine CD, die noch im CD-Player steckte, begann zu spielen. Es waren Songs aus den Siebzigern und Achtzigern.

Gloria Gaynor erklärte lautstark, dass sie Hot Stuff brauche, während er aus dem Parkplatz herausfuhr. Ich brauche keinen Hot Stuff, dachte er. Was ich brauche, ist ein Wunder, schlicht und einfach ein Wunder.

O’Rourke runzelte die Stirn, während er angestrengt hinaus auf die Straße schaute. Nicht weil er zu viel getrunken hatte, sondern weil der Regen so dicht fiel, dass er kaum etwas sehen konnte. Hätte er heute mehr als erlaubt getrunken, wäre er im Pub bei seinen Freunden geblieben und hätte fröhlich weitergesoffen, bis er sternhagelvoll gewesen wäre.

Nein, das hätte ich nicht getan, dachte er und bog in die nächste Straße ein. Sich zu betrinken, um Probleme zu vergessen, war nur eine Scheinlösung. Dazu noch eine, die man teuer bezahlte. Besonders am Morgen danach. Sie brachte nur Kopfschmerzen und raubte einem die Fähigkeit zum Denken.

Und er brauchte jetzt unbedingt einen klaren Kopf. Er hatte große Verantwortung zu tragen, Menschen hingen von ihm ab, hier wie in Irland. Menschen, die er in dreizehn Tagen enttäuschen musste. Nicht, dass irgendjemand etwas sagen würde. Aber er hatte das Gefühl, als würde er sie enttäuschen. Und das war genauso schlimm.

Verdammt, es musste einen Weg geben.

Spontan berührte er das Medaillon eines irischen Heiligen, ein letztes Geschenk seiner Mutter. St. Jude, Schutzheiliger der hoffnungslosen Fälle. Das war er auch einmal gewesen, ein hoffnungsloser Fall, bis er endlich die Kurve noch einmal gekriegt und sein unstetes Trinkerdasein für ein besseres Leben aufgegeben hatte. Seine Mutter hatte geschworen, dass er das nur ihren Gebeten zu dem Heiligen zu verdanken hatte, dessen Medaillon er um den Hals trug. Er war davon zwar nicht so überzeugt gewesen, hatte seiner Mutter aber nicht widersprochen. Schließlich gibt es mehr zwischen Himmel und Erde, als man erahnen kann.

Und genau deshalb würde er auch nicht so schnell aufgeben. Wenn er nur lange und ernsthaft genug nachdachte, würde ihm vielleicht doch noch eine Lösung einfallen. Eine Lösung, die verhinderte, dass er jetzt, da sein Visum und jede mögliche Verlängerung abgelaufen waren, wie ein Hund mit eingezogenem Schwanz in sein Heimatland zurückgeschickt wurde.

Obwohl es gerade erst einundzwanzig Uhr war, fiel O’Rourke auf, dass auf den Straßen an diesem Abend fast kein Verkehr herrschte. An Abenden wie diesen blieben die Leute zu Hause.

Und da sollte ich jetzt auch sein, dachte O’Rourke. Zu Hause. Denn noch war hier in Bedford sein Zuhause.

Er bemerkte, dass der Regen sogar noch stärker geworden war. Engelstränen, hatte seine Mutter zu sagen gepflegt. Sie hatte auch gemeint, dass die Engel seinetwegen Tränen vergießen würden.

Selbst jetzt sah er noch das Bild vor sich, wie sie ihn traurig und vorwurfsvoll zugleich mit ihren tiefblauen Augen anschaute, wenn er in den frühen Morgenstunden angetrunken nach Hause getaumelt war.

„Wann wirst du endlich vernünftig werden, Shawn Michael? Du bist mein Erstgeborener, Junge. Was soll ich dem Herrn sagen, wenn meine Zeit gekommen ist und er mich fragt, was ich mit dem Sohn gemacht habe, den er mir schenkte und aus dem ich einen guten, verantwortungsbewussten Menschen machen sollte?“

O’Rourke musste lächeln. Die Worte seiner Mutter hallten in seinem Kopf klar und deutlich wider, als hätte sie sie tatsächlich gesprochen.

„Mama, du bist gestorben, bevor ich dir zeigen konnte, was in mir steckt“, murmelte er. „Allerdings scheint alles fast schon wieder vorüber zu sein, bevor es richtig anfangen konnte. Zumindest wenn die Einwanderungsbehörde ihren Willen bekommt“, fügte er mit einem Seufzer hinzu, als er in die nächste Straße einbog.

Kitt Dawson hatte nicht geglaubt, dass die Dinge an diesem Tag noch schlechter werden könnten. Aber jedes Mal, wenn sie heute diesen Gedanken gehabt hatte, schien das Schicksal ihr mit seinem seltsamen Humor beweisen zu wollen, dass das durchaus möglich war.

Kitt biss die Zähne zusammen und umklammerte das Lenkrad noch fester. Es kam schon wieder eine neue, eine weitere dieser schrecklich schmerzhaften Wehen. Sie hielt den Atem an und betete, dass sie bald zu Ende sein möge.

Sie hatte schon das Gefühl, ihr Kopf würde platzen, da verebbte die Wehe schließlich und ließ Kitt zitternd, schweißnass und verängstigt zurück.

Sie lockerte etwas den Griff ums Lenkrad. Das Baby war erst in zwei Wochen fällig. Aber die Tatsache, dass es schon jetzt das Licht der Welt erblicken wollte, überraschte sie nicht besonders. Zumindest nicht mehr als all das andere, was ihr heute passiert war.

Diesen Tag konnte man glatt für das Guinness-Buch der Rekorde vorschlagen. Sie war arbeitslos geworden, weil das Raumfahrtunternehmen, für das sie arbeitete, Regierungsaufträge verloren hatte. Dann war sie nach Hause gekommen, in der Hoffnung, ein wenig getröstet zu werden, und musste feststellen, dass ihr gesamtes Leben auf den Kopf gestellt worden war. Jeffrey, der Mann, dem sie ihr Herz geschenkt und mit dem sie ihr Apartment geteilt hatte, war verschwunden. Und er hatte das Apartment so aufgeräumt hinterlassen, wie er es während ihres ganzen Zusammenlebens nicht ein einziges Mal geschafft hatte. Er hatte alles mitgenommen, was auch nur annähernd von Wert war, eingeschlossen ihres neuen Wagens, den er heute Morgen zum Ölwechsel in die Werkstatt bringen sollte. Nun war Jeffrey mit dem Wagen fort und mit ihm jeder Dollar, den sie besessen hatte. Er hatte ihr gemeinsames Bankkonto ebenso leer geräumt wie das Apartment.

Eigentlich war es nur ihr Bankkonto gewesen. Sie war diejenige, die Geld eingezahlt hatte. Jeffrey hatte es nur benutzt, um Geld abzuheben. Sie hatte ihn millionenfach entschuldigt, sich immer wieder gesagt, dass alles besser würde, wenn er erst einmal wieder auf eigenen Füßen stand.

Und das tut er jetzt auch, dachte sie wütend. Allerdings nicht mit ihr, sondern mit der langbeinigen brünetten Aerobictrainerin, die im selben Haus wohnte. Und vor allem benutzte er dazu ihr Geld und ihr Eigentum. Alles verschwunden, auf Nimmerwiedersehen.

Du hättest es kommen sehen müssen, schalt Kitt sich. Vielleicht hatte sie es sogar getan, aber sie hatte sich strikt geweigert, es wahrhaben zu wollen. Liebe machte ja bekanntlich blind. Sie hatte Jeffrey geliebt.

Jetzt zahlte sie dafür.

Also gut, Liebe machte blind, aber wozu hatte sie eigentlich ihren Verstand?

Und warum hast du jetzt keinen Regenschirm, dachte sie, als sie mit wachsender Verzweiflung hinaus auf die Straße schaute.

Es regnete. Kein Nieselregen, wie der Mann von der Wettervorhersage es lachend vorausgesagt hatte. Der Regen prasselte unbarmherzig vom Himmel herunter. Ein Wolkenbruch, der allerdings nicht so schnell vorüberzugehen schien. Und ihr Wagen, ein zehn Jahre alter Lemon, der eigentlich Jeffrey gehörte, hatte sich ausgerechnet jetzt entschlossen, einige Meter hinter der Kreuzung liegen zu bleiben, und weigerte sich strikt, wieder anzuspringen.

Genau wie Jeffrey, nachdem er erfahren hat, dass ich schwanger bin, dachte sie und kämpfte gegen die aufsteigende Bitterkeit an.

Nun, der Wagen würde nicht auf wunderbare Weise wieder anspringen, und es sah auch nicht so aus, als ob der Regen bald nachlassen würde. Sie hatte keine andere Wahl, als auszusteigen und zu Fuß weiterzugehen.

„Es wird besser und besser“, murmelte sie, während sie den Sicherheitsgurt öffnete.

Als Kitt aussteigen wollte, spürte sie, dass eine neue Wehe nahte. Kitt erstarrte. Der Schmerz, der sie durchfuhr, war so stark, dass ihr der Atem genommen wurde. Sie musste unbedingt ins Krankenhaus. Und zwar jetzt. Sie hatte keine Lust an der Ecke Mac Arthur und Fairview Street das Kind zu bekommen.

Aber bei dem Glück, das sie im Moment hatte, würde sie als Nächstes noch von einer Flutwelle mitgerissen werden.

Mit wachsender Verzweiflung schaute sie die Straße hinauf und hinunter. Nichts.

Warum fuhren hier keine Taxis entlang? Sie hatte gehört, dass das in Großstädten so üblich sei. Traf das etwa nicht auf alle Städte zu? Und wo war die Polizei, wenn man sie brauchte? Wäre sie bei Rot über die Ampel gefahren, wäre hundertprozentig ein Streifenwagen wie aus dem Nichts aufgetaucht.

Vielleicht war sie im Moment nicht fair, aber sie hatte auch keine Lust, fair zu sein. Sie fühlte sich betrogen, war wütend, und zu allem Überfluss hatte sie auch noch diese unerträglichen Wehenschmerzen.

Der Regen peitschte aus ständig wechselnden Richtungen heran, und Kitt hatte Schwierigkeiten, die Orientierung zu behalten. Ihr wurde schwindlig, und ihre Gedanken wirbelten wild durcheinander.

Vielleicht konnte sie ein Telefon finden und die Polizei anrufen. Sie wäre bestimmt schneller hier als jedes Taxi.

Alles, was sie zu tun hatte, war, eine Telefonzelle zu finden.

Und dazu musste sie in diesem schrecklichen Wetter erst einmal etwas erkennen können. Der Regen fiel so dicht, dass man keine zwei Meter weit sah. Kitt erkannte kaum die Ampel auf der anderen Straßenseite.

Ein schwaches grünes Licht schimmerte gespenstisch im Regen, und Kitt ging los, während sie betete, dass sie von der nächsten Wehe verschont bliebe, bis sie die Straße überquert hatte. Mit gesenktem Kopf lief sie hinaus auf die Straße. Sie wollte so schnell wie möglich die andere Seite erreichen, doch ihr dicker Bauch und der böige Wind, der ihr den Regen ins Gesicht schlug, behinderten sie. Das Licht wechselte zu Gelb, als sie erst die Mitte der Straße erreicht hatte. Sie holte tief Luft, zwang sich zur Ruhe und lief unbeirrt weiter. Sie musste die andere Straßenseite erreichen.

Dann hörte sie, wie ein Wagen sich näherte, und kurz darauf in ihrer unmittelbaren Nähe das Quietschen von Reifen. Sie schrie auf, und in der nächsten Sekunde spürte sie, wie ein Schwall Wasser gegen ihre Füße und Beine klatschte.

Kitt wurde auf einmal schwindlig. Sie streckte die Arme aus, um nach Halt zu suchen, aber es gab nichts, woran sie sich festhalten konnte. Dann glaubte sie, die Stimme eines Mannes zu hören.

Oder vielleicht hatte sie auch selbst etwas gesagt. Sie war sich nicht sicher. Es spielte auch keine Rolle.

Sie fiel. Instinktiv streckte sie die Hände aus und schlug mit den Innenflächen hart auf den Asphalt auf. Gerade als ihr Gehirn den Schmerz registrierte, spürte sie, wie jemand sie in die Arme zog.

„Geht es Ihnen gut?“ Die tiefe, besorgte Stimme hatte einen leichten Akzent.

Kitt nahm all ihre Willenskraft zusammen, um bei Bewusstsein zu bleiben. Irgendein Mann, ein Fremder, hielt sie in seinen Armen.

„Nein, mir geht es nicht gut. Ich bin schwanger!“, fuhr sie ihn an. Voller Angst und wütend auf die ganze Welt versuchte sie sich aufzurichten. Doch es gelang ihr nicht, der Mann, der ihr die dumme Frage gestellt hatte, hielt sie fest.

Du meine Güte, ich hätte fast eine schwangere Frau überfahren, dachte O’Rourke und versuchte die Panik abzuschütteln, die dieser Gedanke in ihm hervorrief. Er riss sich zusammen und suchte die Frau nach Anzeichen von Verletzungen ab.

„Sie sind plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht“, entschuldigte er sich.

„Ich bin aus meinem Wagen ausgestiegen“, widersprach sie ihm höflich. „Und ich habe versucht, über die Straße zu gehen. Hat Ihnen denn niemand richtiges Fahren beigebracht?“ Sie riss sich von ihm los und wollte aufstehen. Aber so hilflos wie eine Schildkröte fiel sie wieder auf den Rücken zurück. Wie eine riesige schwangere Schildkröte.

„Ich habe Sie doch nicht angefahren, oder?“, fragte O’Rourke und fuhr rasch mit den Händen über ihre Glieder, um nachzusehen, ob sie sich irgendetwas gebrochen hatte. „Ich meine …“

Was fiel diesem Mann an, sie anzufassen? Was hatte er vor? Erneut versuchte sie aufzustehen, aber der Regen, die Schmerzen und die Erschöpfung waren stärker als sie, und sie gab ihr Vorhaben wieder auf.

„Hören Sie zu, ich habe Wehen.“ Zumindest gelang es ihr, seine Hände wegzuschieben. „Ich würde es wirklich zu schätzen wissen, wenn Sie mich in diesem Moment nicht vergewaltigen oder ausrauben würden.“

O’Rourke setzte sich auf die Fersen und ignorierte den Regen, der auf ihn niederprasselte. „Ich wollte nur nachsehen, ob Sie sich etwas gebrochen haben …“ Er sah sie bestürzt an. „Sie haben Wehen?“

Sie biss sich auf die Unterlippe und versuchte, sich auf etwas anderes als auf den unerträglichen Schmerz zu konzentrieren.

„Ja, ich habe Wehen“, stieß sie gereizt hervor und gab sich große Mühe, nicht hysterisch zu werden.

Warum lief sie dann in ihrem Zustand hier draußen herum? „Sie sollten an einem Abend wie diesem zu Hause sein.“ O’Rourke schaute sich um und suchte nach jemandem, der sie begleitet hatte. Aber es war niemand auf der Straße zu sehen, und seit er aus seinem Lieferwagen gestiegen war, war erst ein Wagen vorbeigekommen. „Ganz besonders nicht allein.“

„Ich hatte keine andere Wahl“, zischte sie, drehte sich um und versuchte aufzustehen. Sie keuchte vor Schmerz, und plötzlich, mitten in einer Wehe, befand sie sich in der Luft. Der Schmerz war plötzlich weg, die Überraschung nicht. Der Fremde hatte sie auf den Arm genommen.

Als O’Rourke sich erhob, wunderte er sich, wie leicht die Frau war. Für eine Hochschwangere viel zu leicht. Trotzdem zeigte ihr dicker Bauch, dass sie ein neues Leben in sich trug. Rasch ging er zu dem Brautgeschäft hinüber, das sich hinter ihnen befand, und stellte sich mit ihr unter das Vordach.

O’Rourke schaute die Straße hinunter und sah einen Wagen auf der anderen Seite. „Ist das Ihr Wagen?“

Kitt nickte. „Er springt nicht an. Ich brauche unbedingt einen Krankenwagen.“

Der Schmerz kam erneut, noch heftiger und stärker als zuvor, und instinktiv krallte Kitt ihre Finger in seinen Arm.

Selbst durch sein Jackett konnte er die Stärke ihres Griffes spüren. Für eine zierliche Frau, wie sie es war, besaß sie ganz schön viel Kraft.

„Wie weit sind sie auseinander?“ Als sie ihn verständnislos ansah, fügte er hinzu: „Die Wehen, meine ich. In welchen Abständen kommen sie?“

Als die Wehe verebbte, kehrten auch ihre Stimme und ihr Atem zurück. „Ich habe nicht darauf geachtet.“

„Raten Sie.“

Sie sagte nichts, umklammerte aber erneut seinen Arm. Diesmal noch fester.

„Okay, ich werde für Sie raten“, erklärte O’Rourke, während sein Mut sank. „Die Abstände sind verdammt kurz.“

Als die Wehe vorüber war, schnappte Kitt gierig nach Luft. Das war eine außerordentlich schmerzhafte Wehe gewesen. Wie viel schlimmer würde es noch werden? Kitt musste sich eingestehen, dass sie Angst hatte, das rauszufinden.

„Gut geraten“,stieß sie hervor, in dem Versuch, tapfer zu wirken. „Haben Sie ein Handy?“

„Nein.“ Das war etwas, das er sich schon lange versprochen hatte. Doch jetzt schien es keinen Grund mehr für eine solche Anschaffung zu geben. Nicht wenn er außer Landes verwiesen wurde.

Sie schloss die Augen und versuchte Kraft zu sammeln. Doch dadurch wurde ihr nur noch schwindliger. Kitt öffnete die Augen wieder und schaute direkt in die des Mannes, der sie auf den Armen trug.

„Großartig, wahrscheinlich sind Sie der einzige Mensch in Kalifornien, der kein Handy hat, und ausgerechnet in dessen Wagen muss ich fast hineinlaufen. Wir müssen ein Telefon suchen. Ich brauche einen Krankenwagen.“

Er hörte die aufsteigende Hysterie in ihrer Stimme, und dann krallte sie sich erneut an ihm fest. Zwischen den Wehen lag weniger als eine Minute Abstand. Das Kind könnte jede Minute zur Welt kommen.

„Sie brauchen mehr als das, Ma’am.“ O’Rourke schaute sich suchend um, aber alle Läden schienen bereits geschlossen zu haben. „Sie werden gleich Ihr Kind bekommen.“

„Das sagte ich Ihnen doch die ganze Zeit.“

„Jetzt“, unterstrich er. Obwohl er nur aussprach, was sie wahrscheinlich schon selbst wusste, sah er Panik in ihren Augen. „Machen Sie sich keine Sorgen, ich werde Ihnen helfen“, versprach er.

Es gab keinen anderen Ort, an den er sie bringen könnte. Er konnte sie nur auf die Ladefläche seines Lieferwagens legen.

„Sind Sie Arzt?“, fragte sie misstrauisch.

Das war etwas, das sich bereits seine Mutter ohne viel Erfolg gewünscht hatte. O’Rourke lächelte und schüttelte den Kopf.

„Nein, ein Bruder.“

Ihr wurde erneut schwindlig. Kitt versuchte einen Sinn in dem zu erkennen, was er sagte. Der Regen schlug ihr ins Gesicht, als der Mann sich in Bewegung setzte.

„Sie meinen, Sie gehören einem religiösen Orden an?“

Er öffnete die Hecktür seines Lieferwagens. „Nein. Einfach ein Bruder mit Geschwistern. Und zwar einer, der eine nicht geringe Anzahl von Brüdern und Schwestern auf die Welt hat kommen sehen.“

So sanft wie möglich legte er sie auf den Boden des Lieferwagens und sprang dann zu ihr hinauf. Da er keine Decke hatte, zog O’Rourke sein Jackett aus, rollte es zusammen und steckte es ihr unter den Kopf.

„Machen Sie sich keine Sorgen, ich weiß, was zu tun ist.“ Zumindest hoffte er, dass er sich daran erinnerte. Er schenkte der Frau ein ermutigendes Lächeln. „Meine Mutter bekam ihre Kinder immer so schnell, dass wir keine Zeit mehr hatten, den Arzt oder die Hebamme zu holen.“

Kitt spürte, dass eine neue Wehe sich anbahnte. Sie leckte sich die trockenen Lippen und wünschte sich, sechs Jahre alt zu sein und Zeichentrickfilme im Wohnzimmer ihres Elternhauses sehen zu können oder achtzehn und auf dem College zu sein. Alles wäre besser als die Situation, in der sie jetzt steckte.

„Sie haben also bei den Geburten geholfen?“, fragte sie.

O’Rourke schaute sie an und ergriff ihre Hand. „Ich bin der Älteste von sechs Geschwistern.“

Kitt begann zu keuchen, als eine Wehe sie mit unbeschreiblicher Kraft packte. „Sie sind sicher, dass Sie nicht irgendein Perverser sind, der auf solche Sachen steht?“

Sie ist hübsch, dachte er. Selbst jetzt in den Wehen, mit dem regennassen Haar, das an ihrem Kopf klebte, war sie hübsch. Er lehnte sich vor und strich ihr das nasse Haar aus der Stirn.„Viel Vertrauen haben Sie nicht zu mir, nicht wahr?“

Sollte das ein Witz sein? „Ich habe absolut keinen Grund, Ihnen zu vertrau…au…en.“ Sie bäumte sich auf und schrie ihm das letzte Wort ins Ohr.

O’Rourke atmete einmal tief durch und schüttelte den Kopf, als könnte dies das Klingeln aus seinem gepeinigten Ohr nehmen, und rückte von ihr ab. Sie zitterte vor Kälte. Das Einzige, was er ihr noch anbieten konnte, war sein Pullover.

Als er den Pullover über den Kopf zog, weiteten sich ihre Augen. Er war verrückt. Ein Verrückter mit einem Waschbrettbauch.

Ihre Handtasche. Wo war ihre Handtasche? Dort steckte das Pfefferspray, wenn sie nur darankommen könnte. „Was machen Sie da?“

Er legte den Pullover über ihren Unterleib. Es war nicht viel, aber besser als gar nichts. „Ich versuche, Sie warm zu halten.“

Er setzte sich auf die Fersen und ergriff ihre Hand. „Wie heißen Sie?“

„Kitt … mit zwei t. Kitt Dawson.“

„Es freut mich, Sie kennenzulernen, Kitt-mit-zwei-t.“ Er schüttelte ihr leicht die Hand. „Ich bin Shawn Michael O’Rourke.“

Eine neue Wehe kam. Tapfer versuchte sich Kitt gegen den Schmerz zu wappnen. „Länger geht es wohl nicht.“

„Meine Freunde nennen mich O’Rourke.“

Sie suchte in dem schummrigen Licht des Lieferwagens seinen Blick. „Werden wir denn Freunde sein?“

Er lächelte. „Nun, Kitt-mit-zwei-t, irgendetwas werden wir nach diesem Abend sein.“

Als Antwort schrie Kitt erneut.

2. KAPITEL

Kitts Schrei hallte in seinem Kopf wider und ließ seine Ohren erneut klingeln.

„Showtime, Kitt. Jetzt wird es ernst“, sagte O’Rourke und machte sich selbst Mut. Er hoffte nur, dass er dieser Situation gewachsen war.

Klar, er hatte seiner Mutter damals geholfen, aber Sarah O’Rourke hatte ihre Kinder auch bekommen wie eine Henne, die Eier legte. Sie hatte kaum ein Wimmern von sich gegeben. Innerhalb einer halben Stunde fand er sich mit einem neuen kleinen Bruder oder einer Schwester wieder. Meistens hatte er nur ihre Hand gehalten und ihr die schweißnasse Stirn abgewischt.

Sein Vater war in dieser Situation nie zu Hause gewesen. O’Rourke senior war zu sehr damit beschäftigt gewesen, genug Geld heranzuschaffen, um die vielen hungrigen Mäuler zu stopfen, die er und Sarah in die Welt setzten.

Während er damals die Hand seiner Mutter hielt, hatte er sich nichts weiter dabei gedacht. Eine Geburt gehörte zum Kreislauf des Lebens, nicht mehr und nicht weniger. Nie hatte es einen so großen Eindruck auf ihn gemacht wie in diesem Moment.

Was wäre, wenn …? O’Rourke weigerte sich, seine Gedanken in diese Richtung gehen zu lassen. Er hatte außerdem keine Zeit mehr dafür. Die Frau schrie erneut wie am Spieß und bog ihm dann den prallen Bauch entgegen.

O’Rourke versuchte zu denken, sich zu erinnern. Aber seine Mutter hatte sich ganz anders verhalten, sie war immer so ruhig gewesen.

Dann kam ihm unerwartet ein Einfall. „Die Schwerkraft wird Ihnen helfen, Kitt.“ Er packte Kitt bei den Schultern und lehnte sie gegen die Kartons, die sich im hinteren Teil des Lieferwagens befanden. Da der Schmerz für einen Moment verebbt war, wurde Kitt sich zum ersten Mal des Inneren des Wagens bewusst. Überall standen Kartons herum. Große Kartons.

„Was … was sind das für Sachen?“ Sie versuchte den Kopf zu drehen, während sie die Hände schützend auf ihren Bauch gelegt hatte. „Sind Sie ein Hehler oder ein Einbrecher?“

O’Rourke musste ein Lachen unterdrücken. „Warum, sehe ich so aus?“

Als sie ihn anschaute, sah er, dass der Schmerz einer neuen Wehe von ihr Besitz ergriff. „Sie … sehen …“ Sie suchte nach Worten. „… gefährlich … aus.“

In diesem Licht hatte er sich bestimmt noch nicht gesehen. „Gefährlich?“

Sie hatte ihn nicht beleidigen wollen. Schließlich versuchte er ihr zu helfen. „Die gute Art von gefährlich.“

Er musste lächeln, obwohl sie bereits wieder so fest seine Hand drückte, dass es schmerzte. „Gibt es eine gute Art?“

„Ja … wie Sie.“ Mit seinem schwarzen Haar und den strahlend blauen Augen, mit seinem nackten makellosen Oberkörper wirkte er wie ein Held, der der Fantasie eines Dichters entsprungen war. „Gefährlich … der Typ von Mann … der … der adrenalinsüchtig ist.“ Sie stieß den Atem aus und wusste, dass diese Wehe sie gleich mitreißen würde. Also sprach sie schnell, damit sie noch sagen konnte, was sie wollte. „Der Typ von Mann, der Frauenherzen schneller schlagen lässt. Sehen Sie, das ist mein Problem. Ich lasse mich schnell von gut aussehenden Männern beeindrucken, nur um dann festzustellen, dass sie innen so hohl sind wie eine Puppe. Na ja, vom Verstand, wollen wir mal nicht reden, aber das Herz, das Herz sage ich Ihnen, fehlt immer.“

Durch den Schmerz muss sie den Verstand verloren haben, dachte O’Rourke. Vielleicht war das Ganze doch nicht so einfach, wie er gehofft hatte. Er erinnerte sich an Geschichten seiner Mutter, in denen es hieß, dass Frauen manchmal bis zu zwei Tagen in den Wehen lagen.

Er schaute an der Frau vorbei zum vorderen Teil seines Lieferwagens hinüber. Vielleicht hatte er noch Zeit genug, um sie ins Krankenhaus zu fahren.

Kitt packte seinen Arm, umklammerte ihn mit aller Kraft und schrie erneut.

Vielleicht auch nicht, verbesserte er sich.

„Ich breche durch“, schrie sie. „Ich breche … breche … in zwei Hälften … Irgendjemand versucht mich auseinanderzureißen.“

Diese Beschreibung hatte er bereits von seiner Mutter gehört. Es war anlässlich der Geburt seines Bruders Donovan gewesen. Donovan hatte knapp unter zwölf Pfund gewogen.

„Niemand versucht Sie auseinanderzureißen, Kitt“, erklärte er freundlich, aber bestimmt. „Es ist nur Ihr Körper, der Ihnen sagt, dass es fast an der Zeit ist.“

„Fast an der Zeit?“, wiederholte sie ungläubig. „Fast? Ich habe Wehen, seit ich das Haus verlassen habe.“

Er hatte keine Zweifel an ihren Worten, aber leider brauchte deshalb noch lange nichts vorüber zu sein. „Manche Frauen liegen sechsunddreißig Stunden in den Wehen“, versuchte er ihr vorsichtig beizubringen.

Das war bestimmt nicht das, was sie in diesem Moment hören wollte. „Falls ich sterbe“, stöhnte sie, „werden Sie mit mir sterben.“

Er lachte, als er sich mit dem Handgelenk eine Schweißperle vom Gesicht wischte. „Unter Stress sind Sie auch nicht die Netteste, nicht wahr, Kitt-mit-zwei-t?“

„Oh doch, das bin ich“, keuchte sie. „Aber jeder Mensch kann nur eine gewisse Portion Stress und Schmerz aushalten. Au…“ Sie riss die Augen auf. Das war die schlimmste Wehe von allen. Sie wusste nicht, wie lange sie das noch ertragen konnte. „Oh Gott, oh Gott …“

Er spürte, dass sie an ihre Grenzen kam. Irgendwie musste er sie ablenken.

„Jetzt hören Sie mir mal zu, Kitt. Schauen Sie mich an.“ Als sie seiner Aufforderung nicht folgte, nahm er leicht ihr Kinn in die Hand und zwang sie, ihn anzusehen. „Sehen Sie mich an. Schauen Sie mir in die Augen. Wir werden gemeinsam dieses Baby zur Welt bringen, und wir werden es bald über die Bühne bringen, verstanden? Wenn ich sage pressen, möchte ich, dass Sie mit aller Kraft versuchen, das Baby aus sich herauszudrücken. Ich zähle jedes Mal bis zehn, und erst dann holen Sie wieder Luft. Sind Sie bereit?“ Er hatte überzeugt und mit fester Stimme gesprochen, nicht nur, um ihr Kraft zu geben, sondern auch, um seine eigenen Ängste zum Schweigen zu bringen.

„Pressen Sie, Kitt, pressen Sie.“

„Verflixt noch mal, ich presse ja“, schrie sie mit schmerzverzerrtem Gesicht. Mit geballten Fäusten hatte Kitt sich nach vorne gebeugt und presste, was das Zeug hielt. Keuchend und nach Luft ringend, fiel sie zurück, bevor O’Rourke die Zehn erreicht hatte.

„Zehn, Kitt“, ermahnte er sie. „Sie dürfen erst bei zehn wieder Luft holen.“

Dieser Mann war ein Tyrann – ein großer, gut aussehender Tyrann, der unbedingt seinen Willen durchsetzen wollte. „Wenn Sie wollen, können Sie ja das Baby bekommen“, erklärte sie schwer atmend. „Sie scheinen besser darin zu sein als ich.“

O’Rourkes Augen verengten sich, als er sie anschaute. Sein untrüglicher Instinkt, der ihm auch bei seinen Geschäften half, sagte ihm, was zu tun war.

„Sie haben mir nicht gesagt, dass Sie ein Drückeberger sind, Kitt-mit-zwei-t.“

Sie hätte ihm eine saftige Ohrfeige verpasst, wenn sie die Energie dazu gehabt hätte. „Sie … Sie haben mich ja nicht gefragt.“

„Kitt …“

Die ermutigenden Worte, mit denen er sie aufbauen wollte, wurden nie ausgesprochen. Kitt stöhnte und wimmerte. Es klang so verzweifelt, dass sich sein Herz krampfhaft zusammenzog. Eine weitere Wehe war im Anmarsch, und es war offensichtlich, dass sie keine Kraft mehr hatte.

Sie wird gleich ohnmächtig werden, wurde ihm plötzlich klar, und er suchte verzweifelt nach einem Ausweg. Sie musste das hier durchstehen, es gab keine andere Wahl. O’Rourke ergriff ihre Hand.

„Komm schon, Kitt-mit-zweit-t“, ermunterte er sie. Zum Teufel mit der Etikette. Hier ging es um Wichtigeres. „Du schaffst es. Mütter tun das seit Beginn der Menschheit.“

Er schaute sie an und hielt ihren Blick fest. „Es ist dein Baby, Kitt. Dein Baby. Und für dein Kind wirst du die Kraft haben, das hier durchzustehen.“

Tränen traten ihr in die Augen, und sie ballte die Fäuste, als sie erneut zu pressen begann. „Okay … okay … hier kommt eine neue Presswehe. Oooohhhh!“ Sie schrie und bäumte sich auf.

„Press“, befahl er. „Press, als ob dein Leben davon abhängt. Noch fester … noch fester …“ Dann sah er den Haarschopf des Kindes. Sein Herz begann so schnell zu schlagen, wie ihres es tun musste. „Er kommt. Er kommt, Kitt.“

„Er?“, fragte sie atemlos. „Kommt denn … dieser … Teil … zuerst?“

O’Rourke war selbst ein wenig schwindlig. Lachend wischte er sich den Schweiß von der Stirn. „Nein. Der Kopf, Kitt-mit-zwei-t, der Kopf kommt zuerst. Jetzt press … eins … zwei … drei …“

Sie konnte ihn kaum zählen hören. Kitt presste und presste, während sie gegen eine Ohnmacht und den Schmerz ankämpfte, der sie zu zerreißen drohte. „Woher weißt du denn … dass es ein Junge … ist?“

„Ich meinte den Kopf, Kitt.“

War das Baby noch nicht draußen? Sie hatte das Gefühl, bereits seit Anbeginn aller Zeiten zu pressen! „Wie groß ist … ist … der Kopf?“

O’Rourke wurde bewusst, dass er sie über den Fortschritt der Geburt hätte unterrichten sollen. Aber er war so fasziniert von dem Wunder des Lebens, dass er es vor lauter Staunen ganz vergessen hatte.

„Schultern, die Schultern kommen raus.“ Er sah sie an und spürte, dass sie kurz vorm Kollabieren stand. „Komm jetzt, Kitt, wir haben es fast geschafft. Nur noch ein bisschen, ein bisschen mehr …“

Mit zusammengekniffenen Augen presste Kitt noch einmal mit der ganzen Kraft, die ihr verblieben war.

Und dann hörte sie es. Den Schrei eines Menschenkindes, das gerade die Welt betreten hatte.

Ihr Baby. Es war hier.

Endlich.

Über alle Maßen erschöpft, fiel sie gegen die Kartons. „Ist er … geht es ihm gut?“

O’Rourke hätte am liebsten vor Freude gejubelt, als er auf das winzige Wesen sah, das jetzt in seinen Händen lag.

Sie hatten es geschafft. Sie hatten es tatsächlich geschafft. O’Rourke wusste, dass er vor Glück wie ein Honigkuchenpferd grinste, und es war ihm vollkommen egal. Nie hatte er etwas Erhebenderes erlebt, als diesem Baby in die Welt zu verhelfen. Du lieber Himmel, was war das für eine fantastische Erfahrung.

„Dein Sohn ist ein Mädchen, Kitt-mit-zwei-t. Ein wunderschönes Mädchen mit daunenweichem Haar.“

„Ein Mädchen?“ Das Wunder, das sie empfand, brach durch den Schmerz, der sie immer noch gefangen hielt, und schenkte ihr ein Stück Freiheit. „Ich habe eine Tochter?“

„Genau das hast du.“ Er sah Kitt lächelnd an. „Sie ist noch ganz schön verschmiert, aber jeder, der Augen hat, kann sehen, dass sie genauso eine Schönheit wie ihre Mutter ist.“ Ganz vorsichtig reichte er das winzige Etwas seiner Mutter hinüber. „Sag Hallo zu deiner Mama, Kleines“, sagte O’Rourke liebevoll.

Verschwitzt, erleichtert und glücklich nahm Kitt ihr Baby entgegen. Kaum hatte sie ihre Tochter in den Armen, quoll ihr Herz auch schon vor Liebe über.

„Das ist es also, worüber alle reden“, murmelte sie und schaute gebannt, fast ehrfürchtig, in das Gesicht ihres neugeborenen Kindes.

War es möglich, dass man sich so schnell verlieben konnte? Im Bruchteil einer Sekunde? Es musste so sein, denn sie liebte ihre Tochter bereits jetzt mehr als alles andere auf der Welt. Du bist solch ein Narr, Jeffrey, einfach von so etwas Wundervollem davonzulaufen. Du hast ja keine Ahnung, was du verpasst.

Jetzt, da die größte Aufregung vorbei war, nahm O’Rourke erst die Kälte im Lieferwagen wahr. Die kühle Feuchtigkeit schien sich ihren Weg in seinen Wagen zu suchen.

Er beugte sich über Mutter und Kind und nahm den Pullover auf, mit dem er Kitt bedeckt hatte. Er war bei der Geburt zur Seite gefallen.

„Es ist besser, wenn du dein Baby in den Pullover einwickelst“, schlug er vor. „Es ist hier viel zu kalt für sie.“

Nachdem sie den Pullover um das Kind geschlungen hatte und es sicher in ihrem Arm hielt, schaute Kitt O’Rourke an.

„Und was ist mit Ihnen?“ Zum zweiten Mal glitt sie mit dem Blick über seinen Körper, aber erst jetzt wurde ihr bewusst, wie nah er ihr war. „Wir haben Ihnen nur die Hose gelassen.“

Er schaute an sich hinunter, als wenn er vergessen hätte, dass er nur noch von der Hüfte abwärts bedeckt war. „Es heißt dir, Kitt-mit-zwei-t, nicht Ihnen.“ Er lächelte. „Wir sind beim Du, eine Geburt verbindet. Glücklicherweise hattest du keine Zwillinge da drin.“

Im nächsten Moment wurden die hinteren Türen des Lieferwagens geöffnet, und jemand leuchtete mit einer Taschenlampe ins Innere.

„Ist hier alles in Ordnung?“

Die Frage und der Strahl der Taschenlampe kamen von einem untersetzten Polizeibeamten Ende vierzig, der jetzt in den Lieferwagen schaute.

Überrascht registrierte der Mann O’Rourkes halb nackten Oberkörper und Kitts kompromittierende Position. „Hey, was ist hier eigentlich los?“

O’Rourke zog rasch Kitts Kleid herunter, setzte sich dann auf seine Fersen und schaute den Polizisten freundlich an. „Sie kommen gerade rechtzeitig, Officer. Haben Sie vielleicht Streichhölzer dabei?“

Während er noch die Frage aussprach, holte er ein Taschenmesser aus seiner Hose. Der Polizist hob fragend eine Augenbraue, während er mit der Hand unwillkürlich zu seiner Pistole im Halfter glitt.

„Ich muss noch die Nabelschnur durchtrennen, und ich brauche etwas, um das Messer zu sterilisieren.“

Das Gesicht des Polizisten wurde blass, als er begriff, was O’Rourke da gerade gesagt hatte. „Sie meinen, dass sie gerade …?“

O’Rourke nickte ernst und feierlich. „Ja, Sir. Wären Sie nur ein paar Minuten früher gekommen, hätten Sie an diesem Wunder des Lebens teilnehmen können.“ Er streckte dem Mann eine Hand entgegen. „Haben Sie Streichhölzer, Sir?“

Der Polizist schüttelte den Kopf. „Meine Frau hat mich praktisch gezwungen, das Rauchen aufzugeben. Als Geburtstagsgeschenk, hat sie gesagt. Es war billiger, als ihr das Goldarmband zu kaufen, von dem sie träumte – aber glauben Sie mir, es war das Schwerste, was ich je gemacht habe.“

O’Rourke nickte wissend. „Das glaube ich Ihnen“, erwiderte er mitfühlend. „Aber das macht nichts. Ich habe ein Feuerzeug dabei, das ich benutzen kann, vorausgesetzt, es funktioniert“, fügte er hinzu. „Ich habe es nämlich nie gebraucht.“

Der Polizist hatte sich inzwischen ein wenig verlegen zurückgezogen. „Ich … ich werde einen Krankenwagen rufen“, sagte er und lief zu seinem Wagen hinüber.

„Tun Sie das, Officer.“

„O’Rourke?“, rief Kitt erschöpft.

„Eine Minute, meine Liebe.“ Er suchte nach dem Feuerzeug, zündete es an und hielt die Klinge des Messers über die Flamme. Schließlich blies er gegen das Metall, bis es wieder kalt war. „So, das sollte reichen.“

Er legte das Feuerzeug ab und kroch zu Kitt und dem Baby hinüber. Dann setzte er sich auf die Fersen und holte tief Luft. Er konnte sich mit diesem Teil der Geburt nicht besonders anfreunden, aber es musste getan werden.

„Es wird überhaupt nicht wehtun“, versprach er Kitt. Das hatte zumindest seine Mutter gesagt. Er glitt mit seinem Blick von der Frau zu dem Baby. Als er ihr besorgtes Gesicht sah, fügte er hinzu: „Und zwar keinem von euch beiden.“

Kitt presste nervös die Lippen zusammen. Sie machte sich nicht so sehr Sorgen um sich, sondern um das Baby. „Woher weißt du, dass ich Angst um die Kleine habe?“

„Du hast diesen Blick, den alle jungen Mütter haben. Ich habe ihn oft genug gesehen.“ Er griff nach der Nabelschnur und schnitt sie entschlossen durch. Dann nahm er ein Stück Band, das er aus dem Nichts geholt zu haben schien, und band damit das kleine Stück Nabelschnur ab, das das Baby noch hatte.

„Wo hast du so plötzlich das Band her?“

Er lächelte. „Es ist praktisch, mich in Notfällen zur Stelle zu haben. Man weiß nie, was ich noch alles aus dem Ärmel zaubern kann“, erklärte er humorvoll.

Wahrscheinlich ist er ein Mann, der viele Tricks auf Lager hat, dachte sie. Sie kannte diesen Typ. So gut aussehend, wie der Tag lang war, und so ehrlich wie die Versprechungen eines Kobolds.

Der Polizist kehrte zurück und steckte den Kopf in den Wagen. „Der Krankenwagen ist schon auf dem Weg hierher“, erklärte er. Dieses Mal stieg er in den Wagen, um den Regen draußen zu halten. „Hier, ich glaube, dass Sie das gebrauchen könnten.“ Er zog seinen Regenmantel aus und reichte ihn O’Rourke.

„Sie wollen doch bestimmt nicht ein Bett neben Ihrer Frau im Krankenhaus, nicht wahr?“ Er lachte herzhaft über seine eigene Bemerkung.

O’Rourke zog den Regenmantel über. „Sie ist nicht meine Frau“, verbesserte er den Polizisten.

Aber ich war auch einmal verliebt, dachte er, als er Kate anschaute, die dieser Frau sehr ähnlich sah. Susan O’Hara. Susan war es rasch müde geworden, auf ihn zu warten. Sie hatte ihm den Laufpass gegeben, sobald sie die Highschool verließ, und den Sohn des Bankiers geheiratet. Pech gehabt, dachte er nicht ohne Nostalgie. Das Letzte, was er hörte, war, dass sie vier Kinder hatten und das fünfte bereits unterwegs war. Er hoffte, dass sie glücklich war.

„Wir sind nicht verheiratet“, versicherte Kitt noch einmal.

Der Polizist, der seine ganze Aufmerksamkeit auf das Neugeborene gerichtet hatte, schüttelte enttäuscht den Kopf.

„Ich weiß, dass ein Trauschein in der heutigen Zeit nicht mehr so wichtig ist, aber glauben Sie mir, tief im Inneren …“ Er tippte sich auf seine breite Brust. „… würden Sie sich beide besser fühlen, wenn Sie wüssten, dass Sie dem Kleinen eine richtige Familie bieten können.“

„Der Kleinen“, verbesserte O’Rourke ihn, bevor Kitt noch eine Chance dazu hatte.

„Ein Mädchen“, wiederholte der Polizist. „Dann ist es noch wichtiger. Ein Mädchen braucht ein gutes Beispiel.“ Er warf O’Rourke einen Blick zu. „Sie wollen doch nicht, dass sie selbst Kinder ohne Ehering in die Welt setzt, oder?“

Nein, wenn das Püppchen in Kitts Arm meine Tochter wäre, würde ich das bestimmt nicht wollen, dachte O’Rourke. „Aber Sie verstehen nicht …“, begann er.

Der Polizist lachte. „Hey, nur weil ich ein paar Jahre älter bin, bedeutet das nicht, dass ich vergessen habe, wie es ist, jung zu sein.“ Er rückte zu O’Rourke hinüber und legte ihm freundschaftlich einen Arm um die Schulter.„Glauben Sie mir, heiraten Sie, das ist besser. Es ist etwas Großartiges, die Gewissheit zu haben, dass man zu Hause von jemandem erwartet wird. Einem Menschen, an den man sich mit all seinen Problemen wenden kann.“ Er lächelte Kitt an. „Jetzt können Sie natürlich sagen, dass man das alles auch ohne dieses Stück Papier haben kann. Aber glauben Sie mir, am Ende wird Ihnen dieser Schein viel bedeuten. Es ist der Trauschein, der Sie am Ende dazu zwingt, es noch einmal zu versuchen, selbst wenn Sie glauben, dass es besser wäre, getrennte Wege zu gehen.“ Er seufzte, als er sich erinnerte. „Ich weiß, wovon ich rede. Wenn es diese Heiratsurkunde nicht gegeben hätte, dann …“

„Officer …“, unterbrach O’Rourke, der an das Baby und Kitt dachte, den Redeschwall des Polizisten.

„Gary“, warf der Polizist ein. „Officer Gary Brinkley.“

„Gary“, sagte O’Rourke. „Sie verstehen nicht. Wir sind zwei Fremde.“

Das Lächeln auf seinem rundlichen Gesicht wurde wissend. „Wir fühlen uns alle mal als Fremde. Verflixt …“ Dann hielt er abrupt inne und warf Kitt einen Blick zu. „Entschuldigen Sie, meine Frau und ich fühlen uns auch manchmal so, aber solche Phasen muss man durchhalten können.“ Er sah erst O’Rourke und dann Kitt an. „Versprechen Sie mir, dass Sie beide nachdenken werden.“

O’Rourke und Kitt schauten sich an und begannen wie auf ein Stichwort gemeinsam zu lächeln.

„Also gut“, erklärte O’Rourke, der wusste, dass er nur auf diese Weise dem Vortrag des Polizisten Einhalt gebieten konnte. „Wir versprechen Ihnen, dass wir darüber nachdenken werden. Nicht wahr, Liebling?“

Sie hatte immer noch Schmerzen, und sie war erschöpft. Warum rief dann dieses oberflächliche Kosewort, das dazu noch keine Bedeutung für O’Rourke hatte, einen prickelnden Schauer in ihr hervor? Kitt wusste es nicht, und sie wagte es nicht, darüber nachzudenken.

3. KAPITEL

O’Rourke stand neben dem Lieferwagen im strömenden Regen, als die beiden Sanitäter, eine mütterlich wirkende Frau namens Martha und ein schlanker Mann um die dreißig, Kitt und das Baby auf die Trage legten.

Da niemand den Versuch unternahm, den Regen von Mutter und Kind abzuhalten, zog O’Rourke rasch den Regenmantel aus und hielt ihn über Kitt und das Baby. Es gelang ihm, wenigstens ihre Gesichter trocken zu halten.

Das Lächeln, das sie ihm dafür schenkte, machte den Umstand wieder wett, dass er nun völlig durchnässt war.

„Irgendwie schaffen Sie es nicht, Ihre Kleidung am Leib zu behalten“, bemerkte der Polizist. Doch O’Rourke konnte von seinem Gesicht ablesen, wie sehr der Mann sein Verhalten zu schätzen wusste.

Schließlich zog O’Rourke den Regenmantel wieder über seine nassen Arme. Mutter hat immer gesagt, ich sei noch ungeschliffen, dachte er, aber zumindest weiß ich, was es heißt, ein Gentleman zu sein, wenn es darauf ankommt.

„Fahren Sie mit?“, fragte die Sanitäterin, als Kitt mit dem Baby im Wagen war.

O’Rourke schüttelte den Kopf. Sein Teil war erledigt, jetzt waren kompetentere Leute gefragt. Der gute Samariter durfte jetzt nach Hause gehen. Er trat einen Schritt von dem Krankenwagen zurück. „Nein, ich …“

„Klar fährt er mit“, sagte Gary der Frau und hinderte sie mit einer Hand daran, die Tür des Krankenwagens zu schließen. „Er ist schließlich der Vater.“

Jetzt musste O’Rourke die Sache endlich klären. „Eigentlich …“ Aber er kam nicht weiter. Gary lehnte sich vor und schaute O’Rourke herausfordernd an.

„Sie wollen doch keinen Zweifel und Unfrieden in einer Zeit säen, in der die junge Mutter Sie am meisten braucht?“, erklärte er. Mitgefühl schwang in seiner Stimme mit. Offensichtlich schien er über große Erfahrung zu verfügen. „Sie hat so viel durchgemacht. Was immer zwischen euch vorgefallen ist, es ist Vergangenheit. Sie braucht dich jetzt, Junge.“ Der Polizist schob O’Rourke zum Krankenwagen hinüber. „Na los, halten Sie ihre Hand, und sagen Sie ihr, wie schön sie ist.“

O’Rourke blinzelte den Regen weg, der ihm ins Gesicht klatschte, und schaute den älteren Mann ungläubig an. Dass Polizisten als Psychologen wirkten und gute Ratschläge gaben, war eine völlig neue Erfahrung für ihn. „Was?“

„Sagen Sie ihr, wie schön sie ist“, erwidert Gary diesmal lauter, da der Wind aufgefrischt war. „Eine Frau braucht Bestätigung, besonders wenn sie so ängstlich und verloren aussieht wie diese kleine Lady dort.“ Er warf einen Blick in das Innere des Krankenwagens, während die Sanitäterin ihn ungeduldig anschaute. „Sie hat gerade Ihr Kind bekommen, und wie ich sehe, hat sie gute Arbeit geleistet. Geben Sie ihr die Unterstützung, die sie braucht. Glauben Sie, am Ende werden Sie als Gewinner hervorgehen.“

Bevor O’Rourke noch widersprechen konnte, schob der Officer ihn bereits auf die Tür des Krankenwagens zu, sodass ihm keine andere Wahl blieb, als einzusteigen.

„Ihr könnt abfahren“, verkündete Gary triumphierend.

Die Türen des Wagens schlossen sich, und O’Rourke blieb nichts anderes übrig, als neben der Liege Platz zu nehmen.

„Ich werde hinterherfahren“, hörte er noch den Polizisten sagen. „Es ist nicht viel los in dieser Nacht.“

Das sehe ich anders, dachte O’Rourke.

In der nächsten Sekunde erschallte der durchdringende Laut der Sirene, als der Krankenwagen mit Blaulicht losfuhr. Sie waren auf dem Weg zum Krankenhaus. Von diesem Abend musste er unbedingt erzählen, wenn er nach Hause telefonierte.

Oder wenn ich nach Hause komme, verbesserte er sich und dachte an die Ausweisung, die amtlich unterschrieben in seinem Apartment auf dem Schreibtisch lag.

Kitt blinzelte unterdessen verwirrt. Hatte sie schon Halluzinationen, oder saß der Fremde mit dem Waschbrettbauch tatsächlich an ihrer Seite? Sie blinzelte noch einmal, aber der Mann blieb neben ihr sitzen.

„Was machst du hier?“, fragte sie erstaunt.

O’Rourke lachte kurz und versuchte, der Sanitäterin nicht im Weg zu sein, als sie Kitt den Blutdruck maß. „Das frage ich mich auch.“ Er schaute zu den geschlossenen Türen und fragte sich, ob der Polizist ihnen tatsächlich folgte. „Der Officer meint, dass du meine moralische Unterstützung brauchst.“

Er schaute die Frau an, die in der letzten halben Stunde für so viel Aufregung gesorgt hatte. Die Geburt hatte ihren Tribut gefordert. Sie sah mitgenommen und erschöpft aus. Doch trotz der nassen Haare, ihrer Blässe und der dunklen Ringe um ihre Augen strahlte Kitt etwas aus, das alles andere in den Hintergrund rücken ließ. O’Rourke brauchte nicht zweimal hinzusehen. Er wusste, dass Kitt Dawson in ihrem Normalzustand eine Frau war, nach der die Männer sich umdrehten.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Bianca Spezial Band 03" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen