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Bewerbung für Berufseinsteiger

Inhaltsverzeichnis

  1. Hinweis zum Urheberrecht
  2. Impressum
  3. Einführung
  4. 1   Vorabüberlegungen zur Bewerbung
    1. 1.1   Bewerben: Chance und Schritt ins Ungewisse
    2. 1.2   Zielbestimmung: der richtige Arbeitsplatz
    3. 1.3   Ziele: Wohin soll es gehen?
    4. 1.4   Exkurs: Generation Y – neue Anforderungen an Arbeitgeber
  5. 2   Bewerben heißt sich verkaufen
    1. 2.1   Die eigenen fachlichen Kompetenzen
    2. 2.2   Die eigenen sozialen Kompetenzen
      1. 2.2.1   Analytisches Denken
      2. 2.2.2   Problemlöseverhalten
      3. 2.2.3   Arbeitsverhalten
      4. 2.2.4   Auswertung: Analytisches Denken
      5. 2.2.5   Sozialverhalten
      6. 2.2.6   Auswertung: Sozialverhalten
      7. 2.2.7   Führen und Handeln
      8. 2.2.8   Auswertung: Führen und Handeln
    3. 2.3   Das eigene Motivationsprofil
    4. 2.4   Persönliche Werte
    5. 2.5   Lohnt sich eine Bewerbung oder nicht?
  6. 3   Relevantes Wissen über ein Unternehmen
    1. 3.1   Informationen, die zählen
    2. 3.2   Recherchequellen
      1. 3.2.1   Internet, CDs, Bücher, Broschüren
      2. 3.2.2   Weitere Quellen
      3. 3.2.3   Online-Recruiting-Veranstaltungen und -Bewerbermessen
  7. 4   Die richtige Bewerbungsstrategie
    1. 4.1   Angebote im Internet
      1. 4.1.1   Gezielte Suche nach Unternehmen, die Personal suchen
      2. 4.1.2   Stellenangebote in den Internet-Jobbörsen
      3. 4.1.3   Nutzung der Online-Jobbörsen
      4. 4.1.4   Das eigene Profil in Internet-Jobbörsen
      5. 4.1.5   Fragebögen und Verfahren zur Bewerbervorauswahl im Internet
      6. 4.1.6   Beruflicher Rückenwind durch Spuren im Netz
      7. 4.1.7   Die eigene Bewerbungs-Homepage
    2. 4.2   Das Angebot der Bundesagentur für Arbeit
    3. 4.3   Nutzung von Printmedien
    4. 4.4   Initiativbewerbungen
      1. 4.4.1   Die wichtigsten Besonderheiten
      2. 4.4.2   Ansprechende Anschreiben für Initiativbewerbungen
    5. 4.5   Vorteile der „Profilcard”
      1. 4.5.1   Inhalt der Profilcard
      2. 4.5.2   Anschließende Kontaktaufnahme
    6. 4.6   Direkte Anfragen bei Unternehmen
    7. 4.7   Eigene Stellengesuche in der Zeitung
      1. 4.7.1   Das Veröffentlichen einer Anzeige
      2. 4.7.2   Inhalte der Anzeige
        1. 4.7.2.1   Vorsicht vor Formulierungsfallen
      3. 4.7.3   Die passenden Zeitungen für eine eigene Annonce
        1. 4.7.3.1   Fachzeitschriften
    8. 4.8   Umgang mit Rückmeldungen von Unternehmen
  8. 5   Wie kann ich Social-Networks für meine Jobsuche nutzen?
    1. 5.1   Facebook
      1. 5.1.1   User
      2. 5.1.2   Funktionen
      3. 5.1.3   Nutzen bei der Jobsuche
    2. 5.2   Twitter
      1. 5.2.1   User
      2. 5.2.2   Funktionen
      3. 5.2.3   Nutzen bei der Jobsuche
    3. 5.3   LinkedIn
      1. 5.3.1   User
      2. 5.3.2   Funktionen
      3. 5.3.3   Nutzen bei der Jobsuche
    4. 5.4   Xing
      1. 5.4.1   User
      2. 5.4.2   Funktionen
      3. 5.4.3   Nutzen bei der Jobsuche
  9. 6   Auswertung von Stellenausschreibungen
    1. 6.1   Analyse: die wichtigsten Informationen
    2. 6.2   Abgleich von Erwartungen und Kompetenzen mit den Anforderungen
      1. 6.2.1   Muss- und Kann-Anforderungen
      2. 6.2.2   Fachliche Anforderungen
      3. 6.2.3   Wenn Aussagen nicht eindeutig sind
      4. 6.2.4   Telefonisch nachfragen
  10. 7   Gestaltung der Bewerbung
    1. 7.1   Das richtige Maß beim kreativen Bewerbungsstil
    2. 7.2   Grundsätzliche Regeln und Anforderungen
    3. 7.3   Reihenfolge der Unterlagen
    4. 7.4   Erste Information und Einstimmung: das Deckblatt
    5. 7.5   Regeln für das Foto
    6. 7.6   Besonderheiten bei der Bewerbung per E-Mail
    7. 7.7   Besonderheiten bei Online-Bewerbungsformularen
    8. 7.8   Das Anschreiben als Werbung
      1. 7.8.1   Zentrale Kriterien
      2. 7.8.2   Struktur des Anschreibens
      3. 7.8.3   Die richtigen Worte für den Einstieg
      4. 7.8.4   Schwerpunkt der Kernaussagen
      5. 7.8.5   Beispiele für Bewerbungsanschreiben
      6. 7.8.6   Bewerbungen per E-Mail
      7. 7.8.7   Abschlussformulierung: der Gruß
    9. 7.9   Die Stilfrage
      1. 7.9.1   Zur Einhaltung der Regeln
      2. 7.9.2   Kreativität bei der Bewerbung
    10. 7.10   Bewerbungen ins Ausland
      1. 7.10.1   Regeln für Europa und USA
      2. 7.10.2   Informationsquellen für das Erstellen internationaler Unterlagen
      3. 7.10.3   Informationsquellen für Auslandsjobs allgemein
  11. 8   Der überzeugende Lebenslauf
    1. 8.1   Struktur des qualifizierten Lebenslaufs
      1. 8.1.1   Aufbau und Gliederung
      2. 8.1.2   Vollständigkeit
    2. 8.2   Detailtiefe der Angaben im Lebenslauf
      1. 8.2.1   Schule und Ausbildung
      2. 8.2.2   Berufstätigkeit
      3. 8.2.3   „Zusatzqualifikationen” und „besondere Kenntnisse”
      4. 8.2.4   Hobbys und Interessen
      5. 8.2.5   Beispiel für einen Lebenslauf
    3. 8.3   Alternativen zum qualifizierten Lebenslauf
      1. 8.3.1   Der biografische Lebenslauf
      2. 8.3.2   Der handschriftliche Lebenslauf
  12. 9   Einsatz der „dritten Seite”
    1. 9.1   Zu meiner Person
    2. 9.2   Aufgaben- und Tätigkeitsbeschreibung
    3. 9.3   Meine Motivation
  13. 10   Zeugnisse und Weiterbildungsnachweise
    1. 10.1   Die richtige Reihenfolge
    2. 10.2   Allgemeine Regeln für die Zusammenstellung
  14. 11   Empfehlungen von Profis aus der Personalberatung
  15. Die Autoren
  16. Stichwortverzeichnis
  17. Arbeitshilfen online

[1]

Hinweis zum Urheberrecht

Abbildung

Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

Einführung

Sich erfolgreich bewerben hat viel mit werben zu tun – und darum geht es in diesem Buch. Für sich werben ist immer wieder eine neue und spannende Herausforderung. Wir helfen Ihnen mit der Erfahrung aus vielen hundert Bewerberseminaren, Karrierecoachings und dem Internet-Bewerbungsservice (www.bewerberservice.de) erfolgreich und zielsicher in den Berufseinstieg.

Ihre Bewerbungsunterlagen sind Ihre persönliche Visitenkarte, Sie vermarkten damit Ihre Person, Ihr Wissen, Ihre Motivation sowie Ihre Arbeitskraft. Gut gemachte Unterlagen sind wie ein kleiner Prospekt. Dieser soll für Sie werben, Sie ins richtige Licht rücken. Wir haben uns bemüht, Ihnen das hierfür aktuelle und wesentliche Wissen praxisnah und übersichtlich aufzubereiten. Die Regeln, Ratschläge und Arbeitshilfen, die Sie in diesem Buch finden, geben die Essenz unserer Erfahrung wieder und überdauern kurzfristige Strömungen. Alle Arbeitshilfen stehen auch online für Sie zur Verfügung.[2]

Aus intensiven Ausbildungen zu den Themen Personalmarketing und Personalauswahl für Personalleiter, Personalreferenten und Personalberater wissen wir viel über die Erwartungen der „anderen Seite”. Die Erwartungen, Wünsche und Vorlieben der Entscheider fließen in diesen Ratgeber genauso mit ein wie die aktuellen Entwicklungen auf dem Internet-Jobmarkt. Virtuelle Jobmessen, Karriereportale großer Firmen, die Anzeigenseiten von Online-Zeitungen und vor allen Dingen Jobbörsen sind das Hauptziel vieler Jobsuchenden geworden. Wir greifen diese Entwicklungen genauso auf wie die Entwicklungen im Bereich der Social-Network-Plattformen und wie sich Jobsuchende bei Facebook, Xing und Co. darstellen sollten. Wir wünschen uns, dass dies auch Ihren Blick dafür schärft, dass Sie in einer Bewerbungssituation auch in einer Verkaufssituation stehen. Sie bieten sich als den „richtigen und erfolgreichen Mitarbeiter” an und wollen überzeugen.[3]

 
 

Gummersbach, im Januar 2015

Uta Rohrschneider und Michael Lorenz

 
 
 

Hinweis

Wir stellen Ihnen für dieses Buch auch Arbeitshilfen online zur Verfügung. Den Buchcode für diese Arbeitshilfen online können Sie der letzten Seite dieses eBooks entnehmen.

1   Vorabüberlegungen zur Bewerbung

„Wer nicht weiß, was er sucht, wird alles Mögliche oder auch nichts finden.” Was bedeutet dieser Satz für Ihre Karriere? Ganz einfach: Ein jeder Bewerber muss sich, bevor er anfängt, Bewerbungen an diverse Unternehmen zu verschicken, erst einmal darüber klar werden, was er kann und was er will.

Beispiel

Hanna B. hat ihr Studium der Betriebswirtschaft abgeschlossen. Vor ihr stehen neue, große Herausforderungen des Berufslebens. Doch ganz klar sind ihr ihre beruflichen Ziele und Erwartungen noch nicht. Auch würde sie gerne für sich definieren, in welche Tätigkeitsbereiche sie ihre Kompetenzen besonders gut einbringen kann und was ihr für ihre zukünftige Stelle besonders wichtig ist. Sie fasst den Entschluss, sich in nächster Zeit darüber klar zu werden.

Dabei geht es um wichtige Fragen, die beantwortet werden müssen, angefangen von: „Was für eine Persönlichkeit bin ich?” bis: „Was erwarte ich von meinem Arbeitgeber?” Wir wollen Ihnen anhand von Checklisten und Fragebögen helfen, das zu klären, sodass Sie am Ende in der Lage sind, auch die entscheidende Frage zu beantworten: „Welche Stelle passt zu mir?”

Erst darauf aufbauend geht es um das professionelle Wie des Bewerbens. Die schönste Bewerbung nützt wenig, wenn Sie damit Positionen angeboten bekommen, die nicht zu Ihnen passen, und Sie und Ihr Arbeitgeber nur für kurze Zeit zufrieden sind. Zu wissen, was man will, hilft nicht nur, die richtigen Unternehmen für die Bewerbung auszusuchen und die Bewerbung zielgerichtet zu gestalten.[4]

Im dritten Schritt des Bewerbungsprozesses – dem Bewerbungsgespräch – unterstützt Ihre Zielorientierung Sie dabei, die richtigen Fragen zu stellen. Denn im Bewerbungsgespräch gelingt es nur über gezielte Fragen zu prüfen, ob die angebotene Stelle wirklich „Ihre Stelle” ist.

Damit Sie die Frage „Was will ich?” für sich beantworten können, bieten wir Ihnen im ersten Teil des Buchs Unterstützung bei der Klärung folgender Punkte:

  • Ihre Motivation, sich zu bewerben

  • Ihre Erwartungen bezüglich des Arbeitsplatzes

  • Ihre Ziele

  • Ihre fachlichen Kompetenzen

  • Ihre sozialen Kompetenzen

  • Ihre allgemeine Motivation

  • Ihre persönliche Werte

1.1   Bewerben: Chance und Schritt ins Ungewisse

Wer sich nach Schule, Ausbildung oder Studium um seine erste Position bewirbt, steht oft vor einer großen Herausforderung. Man ist neugierig, kennt das Arbeitsleben noch nicht richtig und lässt alle positiven Fantasien einfließen. Es ist ein bisschen Abenteuer, viel Neugierde und die Gedanken kreisen um Chancen, Möglichkeiten und Erfolge. Das ist auch richtig und gut so – wenn Sie diese positive Energie nicht dazu verleitet, leichtfertig zu sein. Nicht alle Unternehmen bieten die gleichen Möglichkeiten und Bedingungen, dazu sind sie, ihre Kulturen und ihre Mitarbeiter, die Stil und Klima bestimmen, zu vielfältig.[5]

Vor allem für die erste und die zweite Stelle in Ihrem beruflichen Werdegang ist es wichtig, genau die Position und das Unternehmen zu finden, die zu Ihnen passen. Denn für Sie steht etwas Wichtiges auf dem Spiel: Ihre Motivation, Ihr Engagement, Ihr Leistungswille und Ihre berufliche Zukunft, für die Sie mit jedem Arbeitsplatz wichtige Bausteine setzen.

So, wie Sie sich auf Ihre Bewerbung vorbereiten, um sich möglichst positiv zu präsentieren, versuchen Unternehmen, sich Bewerbern möglichst attraktiv vorzustellen. Aber leider stimmt nicht immer alles, was im Bewerbungsgespräch versprochen wird. Und genau das ist einer der wichtigen Gründe, warum Bewerbungen immer eine große Chance und zugleich ein Schritt ins Ungewisse sind. Weitere Gründe liegen vor allem in der mangelnden Kompatibilität zwischen Ihrer Person und Persönlichkeit und der Kultur des Unternehmens, den konkreten Anforderungen einer Position oder den Menschen, die in diesem Unternehmen arbeiten.

Eine Bewerbung wird dann zu einer Chance, wenn Sie sich umfassend darauf vorbereiten. Damit können Sie zwar nicht alle Probleme und Fallstricke ausschließen, die Risiken aber doch deutlich verringern und auf dem Weg zur Realisierung Ihrer beruflichen Visionen ein gutes Stück vorankommen.

1.2   Zielbestimmung: der richtige Arbeitsplatz

Langfristige berufliche Zufriedenheit lässt sich nur erreichen, wenn von Anfang an die Weichen richtig gestellt werden. Dazu ist es nötig, sich das richtige Unternehmen und das richtige Umfeld auszusuchen. Was passt und was nicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Die nachfolgenden Arbeitshilfen unterstützen Sie dabei, für sich selbst Klarheit zu gewinnen, auf welche Positionen Sie sich bewerben sollten und welche nicht zu Ihnen passen werden. Bewerben Sie sich um Ihre erste Position und können noch nicht auf Erfahrungen zurückgreifen, dann versuchen Sie, für die einzelnen Faktoren zu definieren, was Sie sich wünschen und was für Sie inakzeptabel ist.[6]

Arbeitshilfe: Der richtige Arbeitsplatz für mich
Anforderungen an meinen
neuen Arbeitsplatz
Weniger wichtigWichtigSehr wichtig
Unternehmenskultur   
Klima   
Führungsstil   
Zusammenarbeit mit Kollegen   
Arbeiten im Team   
Wahrzunehmende Aufgaben   
Projektbezogenes Arbeiten   
Lage/Ort des Unternehmens   
Arbeitszeiten   
Sozialleistungen   
Anfahrtsweg   
Arbeitsplatzausstattung   
Gehalt   
Weiterbildungsmöglichkeiten   
Möglichkeiten der internen Beförderung   
Grad der Selbstständigkeit   
Verantwortungsspanne   
Führungsverantwortung   
Fachverantwortung   
Sonstiges   
Klima   
Was sollte unbedingt gegeben sein? 
 
 
 
 
Was auf gar keinen Fall? 
 
 
 
 

Anhand Ihrer Überlegungen und der Ergebnisse, was Ihnen bei einer neuen Stelle besonders wichtig ist, können Sie schon viel besser überprüfen, ob ein Arbeitgeber diese Kriterien erfüllt oder nicht. Nicht alles ist aus einer Stellenausschreibung zu erkennen, zumal hier natürlich auch geworben wird. Weitere Informationen gewinnen Sie im Verlauf des Bewerbungsprozesses, zum Beispiel über den Stil, wie Bewerbungen gehandhabt werden und wie mit Bewerbern umgegangen wird.[7]

Für Ihr Vorstellungsgespräch wissen Sie jetzt, bei welchen Aspekten Sie gründlich nachfragen sollten. Konzentrieren Sie sich dabei auf die Dinge, die Ihnen wirklich wichtig sind, die Sie also mit Priorität A (hohe Bedeutung und unverzichtbar) versehen würden. Ihre Wünsche und die für Sie nicht akzeptablen Faktoren an einem Arbeitsplatz können Sie in folgende Übersichten eintragen.

Abbildung

Was muss bei der neuen Stelle gegeben sein?

AGroße persönliche Bedeutung, nicht verzichtbar, muss unbedingt gegeben sein, andernfalls nehme ich die Stelle nicht (zum Beispiel eine Position mit Führungsverantwortung)
BGroße persönliche Bedeutung, ich kann aber darauf verzichten, wenn es nicht anders geht (zum Beispiel eine Position mit gleitender Arbeitszeit)
CGeringere persönliche Bedeutung, aber aus bestimmten Gründen unverzichtbar (zum Beispiel gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel)
DGeringere persönliche Bedeutung und verzichtbar (zum Beispiel Vorhandensein einer Kantine)
Abbildung

Was sollte bei der neuen Stelle auf gar keinen Fall gegeben sein?

Die Felder A, B, C und D entsprechen in ihrer Bedeutung der Beschreibung zur ersten Vier-Felder-Grafik. Tragen Sie die Variablen – Gegebenheiten die Sie an Ihrem neuen Arbeitsplatz nicht oder nicht mehr haben wollen – ein.

Mit der Vier-Felder-Grafik haben Sie noch einmal Gelegenheit, sich die Bedeutung der Faktoren, die für Sie am Arbeitsplatz wichtig sind, zu verdeutlichen.[8]

Einige Aspekte, die Ihnen wichtig sind, können Sie schon anhand der Branche und der Unternehmensgröße prüfen bzw. grob einschätzen. Denn Branche und Größe sowie oft auch das Alter eines Unternehmens beeinflussen seine Kultur, seine Struktur und seine Leistungsfähigkeit. Die in der nächsten Übersicht aufgeführten Beschreibungskriterien bieten Anhaltspunkte und sollten als allgemein gültig verstanden werden. Die Kriterien können im Einzelfall aber sehr stark abweichen.

Konzern/Großunternehmen
  • Häufig wegen der Größe unübersichtliche Struktur

  • Aufgaben- und kompetenzorientierte hierarchische Gliederung

  • Verantwortung steigt mit der Position

  • Spezialisierte Aufgabenfelder (jeder beschäftigt sich eher mit einem eng umgrenzten Aufgabenbereich)

  • Geregelte Arbeitszeiten

  • Starker Betriebsrat

  • Meist gute Sozialleistungen

  • Gutes Angebot an internen Weiterbildungs- und Personalentwicklungsmaßnahmen

  • Möglichkeiten zum internen Aufstieg meist vielfältiger

  • In den Strukturen und Abläufen oft starr und schwerfällig

  • Häufig lange Entscheidungswege

Kleine und mittelständische Unternehmen
  • Meist sehr klare Hierarchie, bei eigentümergeführten Unternehmen oft deutlich an diesen ausgerichtet

  • Starrheit der Hierarchie hängt von Kultur, Branche und Alter des Unternehmens ab

  • Verantwortungsrahmen ist mitunter sehr hierarchieabhängig

  • Weniger Möglichkeiten zum internen Aufstieg durch flachere Strukturen und begrenztere Positionen

  • Häufig wenige oder fehlende Angebote im Bereich Weiterbildung und Personalentwicklung[9]

  • Tendenziell breiteres Aufgabenspektrum des Einzelnen

  • Entscheidungsschnelligkeit und -wege hängen von der Starrheit der Hierarchie ab, können häufig kurz und schnell sein

  • In Struktur und Abläufen tendenziell etwas flexibler

Hinsichtlich kleiner und mittelständischer Unternehmen ergeben sich die wesentlichen Unterschiede weniger aus der Größe als vielmehr aus der Branche, der sie angehören. In den traditionellen Industrie- und Wirtschaftszweigen finden Sie oft Unternehmen mit klaren Strukturen und Regeln. Bei ihnen besteht die Gefahr, dass sie sich hinsichtlich Entscheidungsfreiraum, Verantwortungsbereich und Flexibilität von großen Unternehmen kaum unterscheiden. Grundsätzlich können Prozesse und Entscheidungen in kleineren Unternehmen aber häufig flexibler gehandhabt werden.

Anders sieht es oft in den jüngeren Industrie- und Wirtschaftszweigen aus. Gerade in den Branchen Informationstechnologie, Medien, Biotechnologie und Telekommunikation sind die Strukturen oft nicht festgelegt oder noch im Entstehen begriffen. Schneller Wandel und rasante Weiterentwicklung bestimmen hier das Tagesgeschäft. Das heißt auf der einen Seite, dass das Aufgabenspektrum größer sein kann, die Tätigkeiten schneller wechseln oder sich verändern können und Mitarbeitern mehr Selbstständigkeit und Verantwortung übertragen wird. Auf der anderen Seite besteht häufig viel Durcheinander und Strukturlosigkeit – liebevoll als „kreatives Chaos” bezeichnet; das muss man mögen.[10]

Achtung

Vernachlässigen Sie kleine und mittlere Unternehmen bei Ihrer Arbeitgeberwahl nicht vorschnell. Auch wenn der glänzende Name fehlt: Sie bieten oft interessante Positionen mit hoher Verantwortung und der Chance, das eigene Können unter Beweis zu stellen. Nutzen Sie diese Möglichkeiten zur individuellen (Weiter-)Entwicklung!

1.3   Ziele: Wohin soll es gehen?

Sich zu bewerben heißt, wesentliche Bausteine für die berufliche Karriere zu setzen. Die richtigen Schritte für Ihre langfristige berufliche Entwicklung können Sie aber nur dann tun, wenn Sie wissen, was Sie eigentlich erreichen wollen. Dies gilt für Ihr Privat- und Ihr Berufsleben – denn beide müssen miteinander vereinbar sein. Vielleicht suchen Sie eine Tätigkeit beispielsweise im Vertrieb oder in der Beratung, die viele internationale Reisen erfordern. Fremde Länder und Kulturen sind für viele Menschen eine große und spannende Herausforderung. Was aber sagt Ihre Partnerin, Ihr Partner dazu? Haben Sie Kinder, potenzieren sich die Bedürfnisse der Familie. Auch andere, ganz alltägliche Fragen sind damit verbunden: Welche sozialen Verpflichtungen haben Sie neben Ihrer Berufstätigkeit, welche privaten Interessen und Hobbys? Lässt sich all das mit dem Job vereinbaren oder müssten Sie auf zu vieles verzichten? Nutzen Sie zur Klärung Ihrer beruflichen Ziele die folgende Arbeitshilfe.

Arbeitshilfe: Meine Visionen und Ziele
ReflexionAnmerkungen
Meine besten Eigenschaften   
Meine herausragenden Fähigkeiten   
Was stelle ich mir für meine private Zukunft in drei Jahren vor?  
Was stelle ich mir für meine berufliche Zukunft in drei Jahren vor? 
Was stelle ich mir für meine private Zukunft in fünf Jahren vor?  
Was stelle ich mir für meine berufliche Zukunft in fünf Jahren vor?
Was stelle ich mir für meine private Zukunft in zehn Jahren vor?  
Was stelle ich mir für meine berufliche Zukunft in zehn Jahren vor? 
Was will ich in drei Jahren verwirklicht haben?  
Welche Rolle möchte ich in drei Jahren spielen?  
Wie soll meine Umgebung in drei Jahren aussehen?  
Von welchen Personen möchte ich in drei Jahren umgeben sein?  
Welche Fähigkeiten möchte ich in drei Jahren besitzen?  
Was will ich in fünf Jahren verwirklicht haben?  
Welche Rolle möchte ich in fünf Jahren spielen?  
Wie soll meine Umgebung in fünf Jahren aussehen?  
Von welchen Personen möchte ich in fünf Jahren umgeben sein?  
Welche Fähigkeiten möchte ich in fünf Jahren besitzen?  
Meine Ziele für die nächste berufliche Station  [11]

1.4   Exkurs: Generation Y – neue Anforderungen an Arbeitgeber

Die sogenannte Generation Y – dazu gehören die nach 1980 Geborenen –, soll anders ticken als die Generationen zuvor. In den Medien werden Thesen verbreitet wie: „Spaß, Selbstverwirklichung und Freiheit – Eine neue Generation revolutioniert den Arbeitsmarkt”.

Die Studierenden von heute schätzen sich selbst vor allem als sehr vernetzt, kommunikativ, höchst mobil und flexibel ein. Für sie muss die Arbeit Spaß machen und einen Sinn haben. Im Vordergrund stehen nicht eine Karriere um jeden Preis und ein hohes Gehalt, sondern eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Vor allem das Teamgefühl, der Kontakt und Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten ist den zukünftigen Arbeitnehmern wichtig. Die „Generation Y” möchte flexibel bleiben und sowohl einen Arbeitsplatz im Unternehmen haben, als auch die Möglichkeit nutzen, im Home-Office zu arbeiten. Geleitet wird die Jobsuche heute mehr und mehr von dem Gedanken: Der Arbeitergeber soll zu mir passen, nicht ich zu ihm.[12]

Entsprechend müssen sich Unternehmen beim Rekrutieren junger Talente umstellen. Vor allem die unternehmenseigene Homepage stellt einen wichtigen Faktor dar. Auch die Vergabe von Praktika und Bachelorarbeiten trägt nach Meinung der zukünftigen Arbeitnehmer zu einer frühzeitigen Bindung an ein Unternehmen bei. Doch damit Unternehmen die Potenziale der „Generation Y” vollumfänglich für sich nutzen können, müssen sie ihre Personalinstrumente in Hinblick auf die Anforderungen der jungen Arbeitnehmergeneration prüfen und anpassen. Es gilt, dem Anspruch der Gewinnung, Entwicklung und Bindung der neuen Generation gerecht zu werden.

Fragen Sie sich an dieser Stelle einmal mehr, was Sie von Ihrem künftigen Arbeitgeber erwarten. Identifizieren Sie sich mit der „Generation Y?” Dann folgen hier einige Hinweise, worauf Sie bei Ihrer Recherche nach Ihrem Wunscharbeitgeber besonders achten sollten:

  • Prüfen Sie die Unternehmenswebsite und die Unternehmensphilosophie. Was tut das Unternehmen für Ihre Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten (Karriereplanung, Mentoring, Training)?[13]

  • Wie sieht die technologische Ausstattung von Arbeitsplätzen im Unternehmen aus (Online-Portale, Laptop, Blogs, Webcasts)?

  • Was wissen Sie über das Image des Unternehmens?

  • Wie viel Flexibilität und Freiheit bietet Ihnen das Unternehmen?

Beispiel

Google bietet seinen Beschäftigten unter anderem einen Laptop und DSL-Internet für zu Hause, Freiheit bei der Arbeitszeitgestaltung, Auswahl des Arbeitsplatzes im Büro, Spielräume mit Kicker und Fitnessgerätschaften, Relax- und Ruhezonen sowie die Möglichkeit, 20 Prozent ihrer Arbeitszeit für eigene Projekte zu nutzen (Quelle: Kneissler, M.: Wo die coolen Kerle rackern. In: Lufthansa Exclusive 04/2011, Seite 38–42.)

  • Prüfen Sie Ihre Netzwerke: Dort erfahren Sie nicht nur, was der Arbeitgeber von Ihnen erwartet, sondern Sie erhalten auch Hintergrundinformationen über ihn, die früher nicht so einfach an die Öffentlichkeit gelangt wären. Wo ein Arbeitgeber seine Mitarbeiter schlecht behandelt, werden Sie sicher von einem Ihrer durchschnittlich 150 Facebook-Kontakte davon erfahren.

Auch durch Beurteilungsportale wie kununu.com und glassdoor.com werden Arbeitgeber transparenter. In Kapitel 3 finden Sie weitere, ausführliche Informationen darüber, wie Sie relevante Informationen über ein Unternehmen sammeln können.

2   Bewerben heißt sich verkaufen

Was hat eine Bewerbung mit Verkaufen zu tun? Aus unserer Sicht gibt es da keinen Unterschied. Mit jeder Bewerbung und jedem Bewerbungsgespräch versuchen Sie, sich einem Unternehmen als Mitarbeiter und das Unternehmen sich Ihnen als „der richtige Arbeitgeber” zu verkaufen. Wenn man so will, sind Sie und Ihre Kompetenzen – all das, was Sie als Mitarbeiter zu bieten haben – das Produkt, das anzupreisen ist.[14]

Beispiel

Erik M. sucht nach dem Abschluss seines Studiums einen Jobeinstieg. Er will seine persönlichen Kompetenzen, aber auch sich als Person optimal einbringen können. Er hat von einem Freund Checklisten bekommen, die ihn dabei unterstützen, sich selbst einzuschätzen. Danach wird er mehr Klarheit darüber haben, wo seine besonderen Stärken, seine Erfahrungen etc. liegen. Dieses Wissen wird nicht nur ihm mehr Orientierung geben. Er kann es für alle Vorstellungsgespräche nutzen.

Erfolgreich verkaufen kann man nur das, was man gut und genau kennt. Wenn Sie im Bewerbungsgespräch nicht hilflos nach einer Antwort auf die Fragen „Was sind Ihre Stärken?”, „Was zeichnet Sie besonders aus?” oder „Warum sollten wir gerade Sie einstellen?” suchen wollen, müssen Sie sich über Ihre Kompetenzen ein klares Bild verschaffen. Wenn wir von Kompetenzen sprechen, meinen wir nicht nur Ihre fachlichen Qualifikationen, sondern auch Ihre sozialen Kompetenzen, Ihre Selbstorganisation und weitere Fähigkeiten, die Sie erfolgreich werden lassen.

In der von Ihnen gewählten Position sollten Sie Ihre Stärken optimal einbringen und weiterentwickeln können und nicht täglich mit Ihren Defiziten kämpfen müssen. Was nützt Ihnen eine gut dotierte Vertriebsposition, wenn Sie kein verkäuferisches Potenzial haben? Warum sollten Sie sich für eine Ausbildung in einer Bank bewerben, wenn es Ihnen schwerfällt, sich jeden Tag aufs Neue mit Zahlen auseinanderzusetzen?[15]

Nehmen Sie sich die Zeit, um Ihre fachlichen Kompetenzen noch einmal zu reflektieren und sich mit Ihren sozialen und organisatorischen Kompetenzen auseinanderzusetzen.

2.1   Die eigenen fachlichen Kompetenzen

Das „fachliche Kompetenzprofil” beinhaltet Ausbildungen, erste berufliche Erfahrungen, Zusatz- und Weiterbildungen sowie weitere Kenntnisse. Es geht darum, die Frage „Was habe ich zu bieten?” zu beantworten, und zwar konkret im Hinblick auf die Position, für die Sie sich bewerben.

Arbeitshilfe: Meine fachlichen Qualifikationen
QualifikationAbschluss, Note, Zertifizierung, Erfahrung, Anmerkung
Höchster Schulabschluss   
Ausbildungsabschluss   
Abschluss Fachhochschule   
Abschluss Universität   
Zusatzausbildung   
Weiterbildung   
Sprachkenntnisse   
EDV-Kenntnisse  
Berufserfahrung   
Auslandserfahrung   
Sonstige Erfahrung   
Achtung

Unterschätzen Sie das, was Sie bisher gemacht haben, nicht. Denken Sie daran: Jede Qualifikation beweist Ihre Leistungsfähigkeit und ist damit ein Verkaufsargument. Das ist besonders für Berufsanfänger wichtig

Wie ist es mit den Jobs, die Sie während Ihres Studiums hatten? Auch dabei haben Sie wichtige Erfahrungen gesammelt. Beim Kellnern geht es zum Beispiel um kundenorientiertes Verhalten, Schnelligkeit, Flexibilität, Belastbarkeit und eine gesunde Portion Stressresistenz. Hier gilt es, dem zukünftigen Arbeitgeber diese Erfahrungen und gewonnenen Kompetenzen als Plus zu verkaufen.[16]

2.2   Die eigenen sozialen Kompetenzen

Die sozialen Kompetenzen spielen für ein erfolgreiches Berufsleben eine große und wichtige Rolle. Gerade in unsicheren Marktsituationen, Zeiten von Veränderungen, Neuausrichtungen und Fusionen wird von den Mitarbeitern hinsichtlich ihrer sozialen Fähigkeiten viel verlangt. Aber auch der normale Unternehmensalltag erfordert Kommunikations- und Teamfähigkeit, Selbstmanagement und Problemlösefähigkeit.

Nicht jede Position verlangt dieselben Kompetenzen im selben Umfang. Von einer Führungskraft wird ein anderes Maß an sozialen Fähigkeiten erwartet als von einem IT-Entwickler, ein Vertriebsmitarbeiter braucht andere Kompetenzen als ein Controller.

Achtung

Die sozialen Kompetenzen, die Sie mitbringen, prädestinieren Sie mehr oder weniger für bestimmte Positionstypen. Wesentlich ist für Sie zu wissen, wo Ihre Stärken liegen und welche Tätigkeit vor diesem Hintergrund zu Ihnen passt.

Sie finden hier die Möglichkeit, durch eine Selbsteinschätzung Ihrer Verhaltenstendenzen mehr Informationen über Ihr persönliches Kompetenzprofil zu gewinnen. Alle im sozialen Verhalten relevanten Fähigkeiten vollständig aufzunehmen würde den Rahmen dieses Buchs sprengen. Wir beschränken uns daher auf die wichtigsten fachübergreifenden Kompetenzen.

Wenn Sie die Selbsteinschätzung bearbeiten, werden Sie einen echten Informationsgewinn nur bekommen, indem Sie wirklich entsprechend Ihrem realen Verhalten antworten. Es geht nicht darum, was „man” vielleicht für besser hält, sondern darum, klar beschreiben zu können, wo die eigenen Stärken liegen, damit Sie sich auf dieser Basis nach einer passenden Stelle umsehen können.[17]

Erarbeiten Sie sich Ihr persönliches Kompetenzprofil mit den folgenden Arbeitshilfen. Dabei geht es nicht um gut oder schlecht, sondern um die Ausprägung einer Kompetenz oder einer Verhaltenstendenz auf einer Skala. Prüfen Sie, welche Aussage besser zu Ihnen passt, und kreuzen Sie den entsprechenden Wert an. Dann bilden Sie die Summe aus allen Einzelantworten einer Dimension. Diesen Wert teilen Sie bitte durch die Anzahl der Aussagen, die Sie pro Dimension beantwortet haben.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

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Viel Spaß!



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