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Wir ♥ Maya Banks

Maya Banks

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1. KAPITEL

Eigentlich bestand gar kein Grund zur Panik, nur weil sie das Catering für ein paar VIPs organisierte, aber Pippa Laingley wollte, dass die Einweihungsparty ihrer Freundin Ashley Carter perfekt über die Bühne ging.

Weshalb sollte sie auch nervös sein? Nur weil das Eigenkapital der geladenen Gäste vermutlich höher war als die Staatsverschuldung, gab es noch lange keinen Grund, in Angstschweiß auszubrechen. Und da Pippa bald ein eigenes Café mit Cateringservice eröffnen wollte, war sie darauf angewiesen, dass diese Veranstaltung reibungslos verlief. Schließlich konnte sie gute Mundpropaganda sowie ein paar Empfehlungen sehr gut gebrauchen.

Sie wirbelte in Ashleys großer Küche umher und legte in Gedanken eine Bestandsliste von den Dingen an, die theoretisch schon nach draußen hätten getragen werden können. Wo blieben bloß diese verdammten Kellner, die sie für den heutigen Abend über eine Agentur engagiert hatte?

Wie aufs Stichwort schwang die Küchentür auf, und ein Typ, der nicht älter als zwanzig sein konnte, kam herein. Bereits nach einem flüchtigen Blick auf den jungen Mann stöhnte Pippa auf.

„Und wo ist Ihre Kellneruniform?“

Verständnislos schaute er sie an.

Sie seufzte und schloss ergeben die Augen. „Weißes Hemd? Schwarze Hose? Elegante saubere Schuhe? Ordentlich frisiertes Haar?“

Einen Augenblick lang starrte er sie mit offenem Mund an, bevor er die Sprache wiederfand. „Tut mir leid, Ma’am. Ich bin lediglich die Aushilfskraft. Und ich bin davon ausgegangen, dass ich alles hier bekomme, was ich brauche.“

Pippa stieß die Luft aus. „Erster Tag im Job?“

„Ja“, gab er verlegen zu. „Ein Freund von mir hat mir von den gut bezahlten Teilzeitjobs erzählt. Ich vertrete ihn sozusagen.“

Na toll, dachte sie. Hier stand noch nicht einmal ein offizieller Mitarbeiter vor ihr. Irgend so ein Schwachkopf wollte sich vor der Arbeit drücken und hatte mit seinem Kumpel einen Deal gemacht – der andere sollte am Abend für ihn einspringen, und sie würden sich dann den Lohn teilen. Es bestand keine Chance, dass dieser junge Kerl mit so vielen Gästen zurechtkommen würde. Was wiederum bedeutete, dass sie selbst aushelfen musste.

Sie fasste den Jungen am Arm und zog ihn Richtung Treppe. „Jetzt kommen Sie schon. Sie müssen sich was Ordentliches anziehen.“

Bereitwillig, wenn auch ein wenig verwirrt, ließ er sich von ihr in Ashleys und Devons Schlafzimmer führen. Pippa durchsuchte Devons Kleiderschrank, bis sie etwas Passendes gefunden hatte.

„Ziehen Sie sich aus!“, befahl sie.

Der junge Mann wurde rot.

Ein Räuspern erklang und signalisierte Pippa, dass sie nicht allein mit dem Jungen im Zimmer war.

„Vielleicht sollte ich später wiederkommen“, schlug ein Mann mit gedehntem Tonfall vor.

Beschämt schloss Pippa die Augen und war sicher, dass nicht nur der junge Kellner rot geworden war. Als sie sich umwandte, erblickte sie Cameron „Cam“ Hollingsworth, der gelassen am Türrahmen lehnte und sie amüsiert betrachtete.

„Also, Pippa, der ist selbst für Sie ein bisschen zu jung, finden Sie nicht?“

Sie würde niemals verstehen, warum dieser Mann sie ausgerechnet immer in den peinlichsten Situationen ertappte. Sie war eine intelligente, selbstbewusste Karrierefrau, die nicht auf den Mund gefallen war. Darüber hinaus besaß sie ihr eigenes Geschäft, ließ sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen und auch nicht so leicht einschüchtern. Trotzdem machte sie sich jedes Mal zum Narren, wenn ihr Weg den von Devons Freund kreuzte.

Doch sie würde sich nicht noch weiter bloßstellen lassen. Deswegen sah sie Cam herausfordernd an, als sie ihm im Vorbeigehen Hose und Hemd zuwarf. „Sorgen Sie dafür, dass er das hier anzieht. In zwei Minuten brauche ich ihn unten.“

Zu ihrer großen Zufriedenheit bemerkte sie an seinem verwirrten Blinzeln, dass sie Cam offensichtlich völlig überrumpelt hatte. Kurz darauf runzelte er die Stirn und schaute zu dem Jungen, der sich nicht vom Fleck gerührt hatte. „Was verdammt noch mal hat das zu bedeuten? Sind das nicht Devons Sachen?“

„Ich brauche einen Kellner – sonst bekommt heute Abend niemand etwas zu essen oder zu trinken“, stieß sie hervor. „Er ist alles, was ich habe, und ich werde Ashley bestimmt nicht im Stich lassen. Das gilt doch wohl hoffentlich auch für Sie, oder? Also setzen Sie Ihren Allerwertesten in Bewegung.“

Entschlossen lief sie an ihm vorbei, ohne Cams Reaktion auf ihre Anweisungen abzuwarten.

Wieder in der Küche angelangt, bereitete sie die Tabletts und die Gläser für Champagner und Wein vor, während sie leise vor sich hin fluchte.

Mit drei Kellern hatte sie gerechnet – und einen unerfahrenen Collegeschüler bekommen, der sich ein bisschen Trinkgeld dazuverdienen wollte. Ganz große Klasse! Einen Moment später kam der Junge in die Küche und sah überraschenderweise ganz passabel aus. Zwar waren Hose und Hemd ihm ein bisschen zu weit, trotzdem wirkte er ordentlich und adrett. Sein Haar war so sorgfältig zurückgekämmt, dass es beinahe glänzte.

Sie winkte ihn zu sich herüber, bevor sie ihm ein Tablett mit Hummerpasteten in die Hände drückte und ihn durch die Tür ins Wohnzimmer bugsierte, in dem Ashley und Devon sich mit ihren Gästen unterhielten.

Danach kehrte sie zur Kücheninsel zurück, um die Gläser mit Wein und Champagner zu füllen.

„Brauchen Sie vielleicht Hilfe?“, fragte Cam hinter ihr.

Überrascht wirbelte sie herum und hätte beinahe den Inhalt der Flasche auf den Boden geschüttet.

„Hilfe?“

Cam nickte. „Unterstützung? Sie sehen so aus, als könnten Sie welche gebrauchen. Wie kommen Sie bloß auf den Gedanken, dass Sie das alles allein bewerkstelligen können? Ashley muss verrückt gewesen sein, als sie Ihnen das Okay für das Catering gegeben hat.“

Pippa war entsetzt und verwirrt zugleich, als ihr die Bedeutung seines Hilfeangebotes bewusst wurde.

„Täte mir sehr leid, wenn Sie sich Ihre hübschen Hände schmutzig machen würden“, erwiderte sie zynisch. „Und nur zu Ihrer Information: Ich habe alles unter Kontrolle. Die Aushilfen sind nicht gekommen – das ist nicht meine Schuld. Das Essen hingegen ist tadellos, wenn ich das so sagen darf. Ich muss nur einen Weg finden, es zu den geschätzten Gästen zu befördern.“

„Wenn ich das richtig verstehe, habe ich Ihnen eben meine Hilfe angeboten, und Sie haben mich daraufhin beleidigt“, konterte Cam.

Stirnrunzelnd schaute sie ihn an. Verdammt, warum sah dieser Mann einfach zum Anbeißen aus? Und nicht wie eine Kröte – oder wenigstens kahlköpfig? Obwohl eine Glatze am richtigen Mann auch ziemlich sexy sein konnte. Und warum war sie nicht in der Lage, die einfachsten Aufgaben zu verrichten, sobald er in ihrer Nähe war?

„Sie sind Ashleys Gast“, erklärte sie. „Mal ganz davon abgesehen, dass es nichts für Sie wäre. Sie sind daran gewöhnt, bedient zu werden, und nicht daran, andere zu bedienen.“

„Und woher wollen Sie wissen, dass es nichts für mich ist?“, hakte er nach und griff nach einem der Tabletts.

Darauf wusste sie nichts zu antworten und beobachtete fassungslos, wie er mit dem Tablett aus der Küche ging. Mit rasendem Puls lehnte sie sich Halt suchend an die Spüle hinter sich.

Cam war schlichtweg das, was man als atemberaubend attraktiv bezeichnen konnte und in vielerlei Hinsicht der absolut falsche Mann für sie. Aber etwas an ihm zog sie immer wieder wie magisch in seinen Bann.

Seitdem Ashley und Devon ein Paar waren, hatte sie ihn öfter gesehen. Cam und Devon waren nicht nur gute Freunde, sondern auch Geschäftspartner und besaßen eine Kette luxuriöser Hotels und Resorts. Und als Ashleys beste Freundin hatte Pippa Devons Freund auf zahlreichen Festivitäten getroffen. Auf der Hochzeit der beiden war er sogar ihr Tischnachbar gewesen, was sie Höllenqualen hatte erleiden lassen. Obwohl sie ihm so nah gewesen war, dass sie seinen männlichen Duft wahrnehmen konnte, lagen unbestreitbar Welten zwischen ihnen.

Sie seufzte. Vermutlich irritierte sie das am meisten. Er war so ein herrliches Prachtexemplar von Mann und leider kein bisschen an ihr interessiert.

Möglicherweise war sie einfach nicht sein Typ. Und sie hatte überhaupt keine Ahnung, auf was für einen Typ von Frau er stand, denn sie hatte ihn bisher noch nie mit einer Frau gesehen. Entweder hielt er sich gern bedeckt, was sein Privatleben betraf, oder er hatte keins.

Ihr schien es ein verlockender Gedanke, seine Welt ein bisschen ins Wanken zu bringen.

Als ihr klar wurde, dass sie viel zu viel Zeit damit verbrachte, sich sehnsüchtigen Träumereien über Cam hinzugeben, griff sie nach einem anderen Tablett, holte tief Luft, um sich zu sammeln und danach ins Wohnzimmer zu gehen.

Pippa lächelte über das ganze Gesicht und hoffte insgeheim, dass man immer noch etwas von ihrem Lippenstift sah. Der Rest ihres Make-ups war nämlich wahrscheinlich schon im Eifer der Vorbereitungen dahingeschmolzen. Als sie den Raum durchquerte, stellte sie zu ihrer Erleichterung fest, dass die meisten Gäste bereits Weingläser in den Händen hielten. Es sah ganz danach aus, als hätte Cameron die Drinks und Snacks bereits unter die Leute gebracht.

„Pippa, was machst du da?“, fragte Ashley leise.

Als Pippa sich umdrehte, bemerkte sie, dass ihre Freundin sie entgeistert anstarrte.

„Hi, Ashley, wie läuft es denn so? Sind mittlerweile alle Gäste eingetroffen?“

„Hör auf, dich wie eine Angestellte aufzuführen“, erwiderte Ashley. „Warum bedienen du und Cam unsere Gäste? Und wer ist dieser Junge dort in Devons Klamotten?“

„Nicht aufregen, Ashley, das ist nicht gut fürs Baby“, entgegnete Pippa ausweichend.

Ashley verschränkte die Arme über dem mittlerweile gut sichtbaren Babybauch und sah ihre Freundin grimmig an. „Pippa, ich habe dich gefragt, ob du das Catering für mich machst, weil ich dir helfen wollte – und nicht, damit du dich auf meiner Willkommensfeier abrackerst. Ich brauche meine beste Freundin an meiner Seite und nicht als Kellnerin.“

Seufzend reichte Pippa ihr einen der köstlichen Snacks von dem Tablett. „Die Kellner sind nicht gekommen. Und somit bin ich alles, was du heute Abend hast – dazu haben wir noch den Jungen in den Sachen deines Mannes und den appetitlichen Mr Wunderbar dort hinten.“

Erstaunt sah Ashley sie an. „Meinst du etwa Cam?“

„Ganz bestimmt nicht das Kind in Devons Klamotten!“, konterte Pippa.

„Wow“, stieß Ashley hervor. „Ich hatte ja keine Ahnung. Natürlich ist Cam schon irgendwie ein ziemlich heißer Typ, aber ich habe nicht geahnt, dass du auf ihn stehst.“

Pippa konnte noch nicht einmal in seine Richtung blicken, ohne ein verräterisches Flattern in der Magengegend zu verspüren. „Zu gerne würde ich diese sinnlichen Lippen lecken“, flüsterte sie.

Ashley kicherte und schlug daraufhin erschreckt die Hände vor den Mund. In ihren Augen war ein verdächtiges Funkeln zu sehen.

„Hör auf, ihn so anzustarren“, stieß Pippa leise hervor. „Wir könnten ebenso gut ein Schild hochhalten, auf dem steht, dass wir über ihn reden.“

„Wie um alles in der Welt hast du ihn dazu bekommen, dir zu helfen?“, wollte Ashley nun wissen.

„Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht“, gestand Pippa verwirrt. „Er hat es von sich aus angeboten. Ich bin sogar ziemlich unhöflich zu ihm gewesen.“

„Unhöflich? Du?“, fragte Ashley in gespielter Ungläubigkeit.

„Ach, sei doch still“, sagte Pippa.

Ashley legte die Hand auf den Arm ihrer Freundin und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihr über die Schulter sehen zu können. „Ich fürchte, mein Typ wird verlangt. Doch mal im Ernst, Pippa. Das Essen bedeutet mir längst nicht so viel, als dass meine beste Freundin hier einen auf Kellnerin macht. Komm schon, stell das Tablett ab und leiste uns bei einem Drink Gesellschaft.“

Während Pippa den Blick durch das Zimmer schweifen ließ, spielte sie nervös mit dem Tablett herum. Es waren viel zu viele mögliche zahlungskräftige Kunden anwesend, als dass sie die Chance einfach so vertun konnte.

„Ich komme später raus, Ashley. Deine Gäste sehen ziemlich hungrig aus.“

Bevor Ashley etwas erwidern konnte, war Pippa bereits auf dem Weg zu den Gästen.

„Hast du etwa den Verstand verloren?“

Als Cam sich umdrehte, erblickte er Devon, der ihn ungläubig ansah. Cam setzte das leere Tablett auf einem Tisch ab und lächelte seinen verwirrten Freund strahlend an. „Ist nicht das erste Mal, dass man mich das fragt.“

„Spielst du etwa heute Abend Kellner?“

Cam zuckte mit den Schultern. „Pippa hat Hilfe gebraucht. Sie war ziemlich verzweifelt, und ich bin überzeugt, dass Ashley darüber nicht sehr erfreut gewesen wäre.“

Einen Moment musterte Devon seinen Freund schweigend. „Du führst doch irgendetwas im Schilde“, sagte er schließlich misstrauisch.

Doch Cam ignorierte ihn, weil sein Blick gerade wie magisch von Pippa angezogen wurde, nachdem er sie inmitten der Gäste entdeckt hatte. Sie bewegte sich mit einer bezaubernden Anmut, und er konnte sich einfach nicht von ihrem Anblick losreißen. Also beobachtete er sie dabei, wie sie mit dem Tablett umherging und herzlich lächelnd die Gäste begrüßte.

Schon seit Monaten hatte er Pippa im Visier. Seitdem er sie zum ersten Mal gesehen hatte, war sie ihm nicht mehr aus dem Sinn gegangen. Dabei waren sie sich streng genommen niemals richtig begegnet, und erst bei ihrer dritten Begegnung waren sie sich offiziell vorgestellt worden, als sich ihre Wege wieder einmal auf einer Veranstaltung gekreuzt hatten. Selbst dann hatte er sie so behandelt wie die meisten anderen Menschen auch – mit aufrichtiger Höflichkeit und einer gesunden Portion Desinteresse. Dabei war er alles andere als desinteressiert gewesen.

Ihr war es bestimmt nicht aufgefallen, dass er sie bereits seit ihrer ersten Begegnung anvisierte, so wie ein Jäger seine Beute. Er hatte sie beobachtet und auf den perfekten Moment gewartet, um sie in sein Bett zu bekommen, ihre zarte Haut zu berühren und ihr über das glänzende dunkle Haar zu streichen.

Er konnte sich förmlich vorstellen, wie er die Strähnen durch seine Finger gleiten ließ. Dabei saß sie rittlings auf ihm und warf lustvoll den Kopf in den Nacken, während er sie immer wieder auf sich zog, um tiefer in ihr sein zu können.

Als sein Körper auf diese erotische Fantasie zu reagieren begann, stieß Cam einen leisen Fluch aus. Verdammt noch mal, er befand sich auf einer Einweihungsfeier und sollte sich eigentlich eher auf Babys, ein glückliches Heim, Hundewelpen und Regenbögen konzentrieren – und nicht daran denken, wie er Pippa am schnellsten in sein Bett befördern konnte, um eine Nacht voller leidenschaftlichem Sex mit ihr zu verbringen.

Er zweifelte nicht daran, dass auch sie sich von ihm angezogen fühlte. Immer wenn sie sich unbeobachtet wähnte, bedachte sie ihn mit begierigen Blicken. Und er genoss diese heimlichen Momente.

Ansonsten versteckte sie sich hinter dieser unnahbaren Fassade. Doch wie sah es in ihr aus? Er war ziemlich sicher, dass sich dahinter eine äußerst sinnliche und leidenschaftliche Frau verbarg. Er konnte es kaum erwarten, ihren Körper zu berühren und sie in Ekstase zu versetzen.

„Cam? Was zur Hölle ist bloß los? Hallo? Irgendwer zu Hause?“

Er blinzelte und sah, dass Devon immer noch vor ihm stand.

„Hast du denn keine Ehefrau, um die du dich kümmern kannst?“, versetzte er ungehalten.

Devon schüttelte den Kopf. „Es ist ja so erbärmlich, wie du sie aus der Ferne anschmachtest.“

„Keine Ahnung, wovon du sprichst“, erwiderte Cam verärgert.

„Wie du willst“, entgegnete Devon ungehalten. „Geh doch einfach zu ihr hin und bring die Sache hinter dich. Und dann geh auf ein Zimmer, um Himmels willen.“

„Oh, das werde ich“, antwortete er. „Und zwar mit ihr – die ganze Nacht in meinem Schlafzimmer.“

Devon stieß einen verächtlichen Laut aus und gab vor, nicht schnell genug das Weite suchen zu können. Allerdings war Cam viel zu sehr damit beschäftigt, Pippa zu beobachten, als dass ihn das Verhalten seines Freundes irgendwie interessierte. Er bekam mit, dass Pippas Tablett leer war, als sie sich mit einem leichten Stirnrunzeln umsah. Offensichtlich suchte sie den Jungen und wirkte alles andere als glücklich.

Als sie verärgert in Richtung Küche ging, nahm Cam das Tablett, das er gerade erst abgestellt hatte, und folgte ihr eilig. Sie stand in der Küche und murmelte Flüche vor sich hin, die einem Seemann die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätten. Unwillkürlich musste er lächeln, als sie gelobte, in den Allerwertesten eines jeden Kellners zu treten, der ihr heute Abend in die Quere kam.

„Wo ist der Junge?“, fragte Cam.

Erschrocken zuckte sie zusammen und hätte beinahe das Tablett fallen lassen. Wütend wirbelte sie zu ihm herum. „Würden Sie endlich damit aufhören?“

Beschwichtigend streckte er die Hände aus und machte einen Schritt zurück.

„Er hat sich aus dem Staub gemacht!“, erklärte sie verärgert. „Er hat noch nicht mal Devons Sachen zurückgegeben. Wie soll ich die jemals ersetzen? Allein das Hemd kostet mehr, als ein einziger Auftrag einbringt.“

Cam legte ihr die Hand auf den Arm, und plötzlich erstarrte sie. Er spürte, wie sich ihre Muskeln unter seiner Berührung bewegten, und hörte, dass ihr Atem sich beschleunigte. Er hatte recht gehabt. Sie war zugleich zart und trotzdem kräftig. Entweder trainierte sie regelmäßig, oder sie war einfach mit einem wundervollen Körperbau gesegnet. Er würde jede Wette eingehen, dass sie ins Fitnessstudio ging.

„Ich bin ziemlich sicher, dass Devon weder ein weißes Hemd noch eine schwarze Hose vermissen wird“, erwiderte er. „Wahrscheinlich hat er mindestens zwei Dutzend solcher Outfits. Er hat immer alles gerne im Griff und verschwendet nicht viel Zeit auf die Auswahl, wenn Sie verstehen, was ich meine.“

„Das stimmt nicht“, widersprach sie. „Seine Sachen sind sehr geschmackvoll und trotzdem sportlich.“

„Ich kann nicht behaupten, jemals in seinen Kleiderschrank geschaut zu haben“, versicherte er.

Plötzlich lachte sie leise, beherrschte sich jedoch gleich wieder. Trotzdem wirkte sie belustigt.

„Freut mich, dass Sie mich so amüsant finden.“

„Eigentlich vielmehr die Vorstellung, wie Sie in Devons Kleiderschrank herumstöbern. Sie müssen zugeben, das ist schon ziemlich witzig.“

Als er begann, ihr mit dem Daumen langsam über den Ellbogen zu streicheln, verstummte sie.

„Möchten Sie, dass ich jetzt Essen serviere, oder soll ich noch mal mit Wein und Champagner herumgehen? Verdammt, Dev bezahlt alles. Wir sollten ein paar Flaschen herausstellen und jeden sich selbst einschenken lassen. Dann können wir beide mit dem Essen herumgehen und zusehen, wie sich alle die Kante geben.“

Einen Moment betrachtete sie ihn und legte dabei den Kopf schief. „Mir ist nie aufgefallen, dass Sie tatsächlich ein bisschen Humor haben.“

Ihre Offenheit verwirrte ihn, und er hob fragend eine Augenbraue, woraufhin Pippa rot wurde und die Augen schloss. Gerade, als er glaubte, sie würde sich entschuldigen, sah sie ihn wieder völlig unbekümmert an.

Und er begann zu lachen, und dieses Mal war sie es, die ihn fragend ansah.

Er trat so dicht an sie heran, bis ihre Körper sich beinahe berührten – so dicht, dass ihr verführerischer Duft und ihre sinnliche Ausstrahlung ihn in ihren Bann schlugen. Mit einer Hand streichelte er ihre Wange und strich ihr das seidige Haar nach hinten. Es fühlte sich genauso weich an, wie er es sich vorgestellt hatte. Versuchsweise wickelte er sich eine Strähne um den Finger. „Hier kommt mein Vorschlag“, sagte er. „Wir gehen noch mal herum und versorgen alle mit Essen. Danach stellen wir die Tabletts so hin, dass alle sich bedienen können, und dann fahren wir zu mir.“

Sie öffnete den Mund, und der Blick ihrer hellgrünen Augen verschleierte sich. „Ist das etwa eine Anmache?“

„Darauf können Sie Ihren süßen kleinen Hintern verwetten.“

„Das können Sie doch aber bestimmt noch besser.“

Überrascht runzelte er die Stirn.

„Entweder machen Sie es besser, oder ich nehme meinen süßen kleinen Hintern mit nach Hause – allein.“

Oh, er liebte es, wenn sie so frech war. Deswegen beugte er sich vor, um ihre Lippen mit seinen zu berühren und ihren Nacken zu umfassen. Er zog er sie noch näher an sich, bis ihre Körper sich eng aneinanderschmiegten. Dann eroberte er ihren verführerischen Mund. Dabei wurde ihm so heiß, als würde flüssige Lava durch seinen Körper fließen. Er begehrte diese Frau – um jeden Preis.

Als er sich schließlich von ihr zurückzog, atmeten sie beide heftig, und Pippas Blick wirkte leicht verklärt.

„Wie wäre es, wenn ich dich mit zu mir nach Hause nehme, und wir lieben uns die ganze Nacht?“, schlug er vor.

Mit der Zunge fuhr sie sich über die Lippen. „Das klingt schon besser.“

Ihre heisere sexy Stimme ging ihm durch und durch, und ihm wurde bewusst, dass er kurz davor war, sie gleich hier in der Küche seiner Freunde zu vernaschen und es ihm vollkommen gleichgültig war, ob man sie dabei ertappte.

„Du holst das Essen“, bestimmte er, „und ich den Wein.“

2. KAPITEL

Cam zog Pippa zur Hintertür hinaus. Sie spürte sofort die kühle Winterluft und knöpfte schnell den Mantel zu. Cam ergriff er ihre Hand, und sie gingen Richtung Parkplatz.

Vor einem schwarzen Cadillac Escalade blieb er stehen. Stirnrunzelnd drehte er sich zu ihr um. „Wie bist du hierhergekommen? Bist du gefahren?“

Gefahren? Sie besaß noch nicht einmal ein Auto, geschweige denn einen Führerschein. Letzteres war ein wenig problematisch, denn im Grunde brauchte sie für ihren Cateringdienst einen Lieferwagen.

Sie schüttelte den Kopf. „Ashley hat mir einen Wagen geschickt.“

„Und wie hast du den ganzen Kram von New York hierhertransportiert?“, hakte er misstrauisch nach.

Es schien, als würden sie und ihre Fähigkeiten auf dem Prüfstand stehen, und sie wurde rot. „Ich habe hier eingekauft und den Wein liefern lassen. Ashley hat ja eine bestens ausgestattete Küche.“ Das wusste niemand besser als Pippa, schließlich hatte sie die Küche eigenhändig ausgestattet. Ashley war völlig hilflos, wenn es ums Kochen ging, aber Pippa arbeitete daran, diesen Missstand zu beheben.

Cam öffnete die Beifahrertür und schob Pippa förmlich in den Wagen. „Wunderbar, das passt bestens. Und ich sorge dafür, dass du morgen früh von meinem Chauffeur zurück in die Stadt gefahren wirst.“

Damit schloss er die Tür, und Pippa war etwas verstimmt, dass er sich offensichtlich schon Gedanken darüber machte, wie er sie wieder loswerden konnte, bevor sie überhaupt Sex gehabt hatten.

Als er dann den Motor bereits gestartet hatte, noch bevor er richtig auf dem Sitz Platz genommen hatte – da fühlte Pippa sich wieder ein wenig geschmeichelt. Ihm schien es gar nicht schnell genug gehen zu können, sie in sein Haus zu befördern, damit sie endlich miteinander Sex haben konnten.

Sie wusste, dass er nicht weit entfernt wohnte. Ashley hatte einmal erwähnt, dass sie jetzt Nachbarn seien, seitdem Devon das neue Haus gekauft hatte.

Cam raste die Auffahrt hinunter und hielt das Lenkrad fest umklammert, während er den Wagen auf die asphaltierte Straße steuerte. Danach fuhren sie etwa eine Viertelmeile, bevor er in die Einfahrt zu seinem Grundstück einbog und wartete, bis das Tor aufschwang. Anschließend fuhr er zügig die kurvenreiche Zufahrt zu seinem Haus hinauf.

In der Dunkelheit konnte Pippa nicht viel erkennen, denn es war keine Außenbeleuchtung an, sodass das Haus nur als undeutlicher Schatten auszumachen war. Es wirkte wenig anheimelnd, und sie fragte sich, ob es möglicherweise ein monströser Steinbau war, dessen Architektur ans Mittelalter angelehnt war. Sie hatte gehört, wie Devon seinen Freund einmal wegen seiner Festung aufgezogen hatte, und jetzt war ihre Neugierde geweckt.

Kurz bevor sie das Haus erreichten, gingen die Lichter an. Cam hatte sie per Fernsteuerung vom Auto aus aktiviert. Pippa beugte sich vor, um einen genaueren Blick auf das Gebäude zu erhaschen, doch in diesem Moment fuhr Cam in die Garage.

Fest entschlossen, sich nicht von der Aufregung übermannen oder aber in einer unvorteilhaften Position erwischen zu lassen, stieg Pippa schnell aus, ohne Cams Hilfe abzuwarten. Sie ging zur Tür, um dort auf ihn zu warten. Als er sie eingeholt hatte, legte er ihr eine Hand auf den Rücken und drängte sie ins Haus.

Als sie die geräumige Küche durchquerten, wurde Pippa ganz neidisch, denn sie kam ihr wie ein Paradies für jemanden vor, der sein Geld mit Kochen verdiente. Sie wirkte wie ein Ausstellungsraum und war so sauber, dass Pippa sich fragte, ob sie überhaupt jemals benutzt worden war.

Cam zog sie regelrecht durch den Wohnbereich bis zur Holztreppe im Foyer, wo sich auch der Haupteingang befand. Auf der Treppe nach oben hatte Pippa Mühe, mit ihm Schritt zu halten.

Als sie das Schlafzimmer erreichten, war sie bereits ein wenig außer Atem. Doch bevor sie sich erholen konnte, zog er sie ungestüm in die Arme, und seine Lippen eroberten die ihren mit einem leidenschaftlichen Kuss.

„Du bist verdammt schön“, flüsterte er und strich mit den Lippen von ihrem Mund bis zum Ohr. „Ich bin völlig verrückt nach dir, allein schon, wenn du mit mir im selben Raum bist.“

Sie lächelte zufrieden. Welche Frau hörte so etwas nicht gern?

Schließlich schob er sie ein Stück von sich, legte ihr die Hände auf die Schultern und schaute sie voller Begehren an. „Wir müssen vorab ein paar Dinge klarstellen, bevor wir uns hinreißen lassen“, sagte er mit ruhiger Stimme, die im krassen Gegensatz zu der Begierde in seinem Blick stand, die Pippa erschauern ließ.

Es bestand kein Zweifel – er wollte sie. Noch nie hatte sie in dem Blick eines Mannes eine derartig überwältigende Begierde gesehen.

„Ein paar Dinge musst du unbedingt wissen, denn ich möchte nicht, dass es zu Missverständnissen kommt.“

Neugierig schaute sie ihn an und schob sacht seine Hände beiseite, bevor sie sich auf die Bettkante setzte. „Sprich nur weiter. Ich bin ganz Ohr.“

Missbilligend runzelte er die Stirn, als wüsste er nicht recht, ob sie ihn aufziehen wollte. Okay, das tat sie natürlich, aber was konnte schon so wichtig sein, um ein heißes Vorspiel einfach so abzubrechen? Zwar waren sie noch nicht besonders weit gekommen, aber schon wie sie sich küssten, das fühlte sich beinahe so gut wie Sex an.

Er umfasste ihr Kinn und schien sie mit seinen begehrlichen Blicken regelrecht auszuziehen. „Ich bin auf meine Ungebundenheit bedacht. Deswegen sollst du wissen, dass es ein One-Night-Stand ist, wenn wir jetzt ins Bett gehen. Ich werde dich nicht anrufen – weder in ein paar Tagen oder sonst irgendwann. Nur, damit das klar ist. Ich erwarte von dir, dass du morgen früh wieder fährst. Wie vorhin bereits erwähnt, bringt dich mein Chauffeur dann morgen früh nach Hause.“

Überrascht blinzelte sie, bevor sie zu lachen begann. Offensichtlich hatte er mit dieser Reaktion nicht gerechnet. Hatte er gedacht, sie würde verärgert aus dem Haus stürmen?

Sie stand auf und ging auf ihn zu, bis sie ihn berühren konnte und ihm mit den Fingern über den Hals und das Kinn strich.

„Du nimmst alles viel zu ernst, Cam“, meinte sie mit verführerischer Stimme. „Ich habe bestimmt keinen Heiratsantrag erwartet. Falls du annimmst, dass ich mich an dich hefte und um mehr bettele, wenn diese Nacht vorbei ist, dann muss ich dich leider enttäuschen. Ich will einfach nur heißen Sex. Und kannst du mir den geben?“

Erleichterung blitzte in seinen wundervollen blauen Augen auf, und sein Atem beschleunigte sich. Als er nach ihr greifen wollte, legte sie ihm die Hand auf die Brust. „Nicht so schnell. Ich möchte nämlich auch noch ein paar Dinge klarstellen.“

Damit hatte er offensichtlich überhaupt nicht gerechnet, denn er sah sie verblüfft an.

„Ich gehe davon aus, dass du Kondome hast? Falls nicht, dann hast du leider Pech: keine Kondome, kein Sex. Punkt. Daran habe ich mich immer gehalten, und so auch heute Nacht. Des Weiteren werde ich nicht mit dir darüber sprechen, mit wem oder wann ich das letzte Mal Sex gehabt habe.“

„Ich habe welche“, stieß er hervor. „Und mir ist völlig egal, mit wem oder wann du das letzte Mal geschlafen hast. Bei mir ist es jedenfalls eine Weile her – und ohne Schutz läuft bei mir auch nichts.“

Sie krallte ihre Hand in sein Hemd und zog ihn zu sich. „Dann müssen wir ja nichts mehr besprechen“, sagte sie, bevor sie ihre Lippen auf seine presste.

Cameron wurde vom Verlangen überwältigt. Pippa war all das, was er sich erträumt hatte – und noch eine ganze Menge mehr. Sie war süß und temperamentvoll. Und das Beste war: Sie vernaschte ihn in seinem Schlafzimmer.

Er liebte ihre Ungeduld, mit der sie ihm das Hemd aus der Hose riss, obwohl er es normalerweise gewohnt war, im Bett den Ton anzugeben. Doch es machte ihn unheimlich an, wie Pippa sich zielstrebig das holte, was sie wollte.

Als sie unter den Bund seiner Hose griff und begann, sie zu öffnen, hätte Cameron beinahe die Beherrschung verloren. Er atmete tief ein und versuchte sich wieder zu beruhigen, denn es kam ihm so vor, als würde das Blut in seinem Körper kochen.

Nachdem sie den Reißverschluss geöffnet hatte, griff sie in seine Hose und umfasste ihn.

Ihm schwanden fast die Sinne.

Pippa stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen, während sie ihn dabei unentwegt mit ihren zarten Fingern liebkoste. „Ich würde jetzt wahnsinnig gerne vor dir auf die Knie gehen und dir die beste Erfahrung deines Lebens verschaffen, aber nicht beim ersten Mal. Da bin ich immer etwas anspruchsvoller und wünsche mir von dem Mann, dass er meine Welt zuerst zum Beben bringt.“

Wenn das keine Herausforderung war, dann wusste er auch nicht weiter. Mühsam löste er sich gerade lange genug von ihr, um mit ihr zum Bett zu gehen. Dabei zog er genauso ungeduldig wie sie an ihren Sachen, bis sie nicht mehr als das verführerischste Dessous trug, das er jemals gesehen hatte.

Sie war die personifizierte Versuchung in Schwarz. Schwarzes Haar und teuflisch heiße schwarze Spitzenhöschen und ein BH, der kaum ihre Brustspitzen bedeckte. Ihr Haar war sexy zerzaust. Sie war nicht nur schön, sie war atemberaubend hinreißend.

Er drückte sie auf das Bett und schwelgte in dem erregenden Gefühl, das ihr Anblick in ihm hervorrief, als sie die Beine für ihn spreizte. Alle seine Sinne waren von ihrer verführerischen Ausstrahlung angesprochen, und er wollte alles in vollen Zügen auskosten, was Pippa ihm zu geben versprach. Er wollte sie berühren … wollte hören, wie sie seinen Namen flüsterte und heiser stöhnte. Doch am meisten von allem wollte er jeden Zentimeter ihrer Haut schmecken.

Da er wusste, dass er sich jetzt umgehend um Kondome kümmern musste, griff er in den Nachttisch und warf dann eine Schachtel aufs Bett. Dann legte er sich auf Pippa und eroberte ihren Mund mit seinen Lippen. Ihm kam es vor, als hätte ihn ein Blitz getroffen, der sich in ihm entlud und jeden seiner Muskeln bis aufs Äußerste anspannte. Sie erwiderte seinen Kuss voller Verlangen, während sie begierig seinen Körper mit den Händen erkundete.

Cam drehte sich auf den Rücken, sodass Pippa rittlings auf ihm saß. Dies hatte er sich bereits in seiner Fantasie Stunden zuvor ausgemalt. Doch die Wirklichkeit übertraf diese erotische Vorstellung bei Weitem. Ein unvergleichliches Gefühl, Pippa in den Armen zu halten, während sie ihn mit ihren Oberschenkeln umschlungen hielt.

„Zieh dich aus“, stieß er heiser hervor. „So, dass ich dir dabei zusehen kann.“

Ein verführerisches Lächeln umspielte ihre vollen Lippen, bevor sie langsam den BH öffnete. Doch anstatt ihn einfach fallen zu lassen, hielt sie das winzige Kleidungsstück an ihre Brust gepresst, sodass die schwarzen Träger scheinbar unendlich langsam an ihren Armen nach unten glitten.

Ihm stockte bei diesem Anblick beinahe der Atem, und er hatte das Gefühl, dass die Vorfreude ihn um den Verstand brachte. Schließlich hatte sie sich den BH abgestreift und bot ihre nackten Brüste seinen begierigen Blicken dar.

Und sie waren perfekt. Prall und fest und mit verlockenden Spitzen, die darum zu betteln schienen, von ihm in den Mund genommen zu werden.

„Ich brauche deine Hilfe bei dem Slip“, raunte sie ihm verschwörerisch zu.

Sprachlos vor Erregung, nickte er nur – vermutlich hätte er in seinem jetzigen Zustand allem zugestimmt, was sie von ihm verlangt hätte.

Sie beugte sich vor, sodass ihre vollen Brüste nur wenige Zentimeter von seinem Mund entfernt waren, und zog ein Bein auf die andere Seite, bis sie neben ihm saß. Ganz langsam begann sie, sich den Slip über den Po zu streifen, und Cameron war nicht ganz sicher, wobei er ihr helfen sollte, ging jedoch bereitwillig auf ihr Spiel ein. Er stützte sich auf den Ellbogen und umfasste mit der freien Hand ihre Taille, um Pippa zu stützen und gleichzeitig ihre zarte Haut zu streicheln.

Nachdem sie den Spitzenslip über die Knie gestreift hatte, legte sie sich auf den Rücken und streckte die Beine über seiner Brust aus. Überaus glücklich, ihr endlich zur Hand gehen zu können, zog er den Slip ganz herunter und warf ihn achtlos auf den Boden. Dann wandte er sich mit heißem Begehren seiner süßen Beute zu.

Er legte sich über sie, und als er ihre nackte Haut überall an seinem Körper spürte, wurde er von einer wilden Begierde erfasst. Mit Küssen und zärtlichen Bissen verwöhnte er ihren Hals und arbeitete sich weiter nach unten vor, berauscht von dem Verlangen, endlich ihre Brustspitzen mit den Lippen zu umschließen.

Diese Frau war vollkommen in jeder Beziehung. Kurvig und verführerisch, nicht zu schlank, nicht zu üppig – einfach perfekt.

Unwillkürlich seufzte er beglückt auf, als er endlich eine ihrer hart aufgerichteten Brustwarzen in den Mund nahm. Die Mischung aus Festigkeit und samtiger Weichheit wirkte wie eine Droge auf ihn. Er gab sich dem köstlichen Gefühl hin, das ihn erfüllte, als er zärtlich an der Knospe saugte. Immer und immer wieder umspielte er sie mit der Zunge, woraufhin sie noch härter wurde. Als er auch ihre andere Brust verwöhnte, begann Pippa sich vor Erregung unter ihm zu winden.

„Du bist so verdammt perfekt“, flüsterte er. „Ich kann einfach nicht genug von dir bekommen. Du schmeckst besser als alles, was du wahrscheinlich kochen kannst.“

Als er aufsah, bemerkte er, dass sie einen Schmollmund zog. „Du hast doch noch gar nichts probiert, was ich gekocht habe“, konterte sie. „Ich bin eine fantastische Köchin.“

Er lachte. „Das sollte eigentlich ein Kompliment sein.“

„Ich finde, du verzichtest besser auf Komplimente“, stieß sie atemlos hervor.

Als er ihre Brüste umfasste, beobachtete er fasziniert, wie ihre Brustspitzen immer härter wurden. „Das gefällt dir anscheinend. Was magst du sonst noch, Pippa? Sag mir, wie ich dir Vergnügen bereiten kann.“

„Du machst das schon ganz gut. Bis jetzt kann ich mich nicht beschweren. Mir gefällt es, wenn ein Mann sich Zeit nimmt und nicht gleich auf sein eigenes Vergnügen aus ist.“

„Aber das hier macht mir Spaß“, widersprach er leise. „Ich liebe es, dich zu berühren und zu beobachten, wie es dir gefällt. Zu sehen, wie deine Augen dunkel werden, wenn du so richtig erregt bist. Und dieses sexy Lächeln, das mir verrät, dass wir eine verdammt gute Zeit miteinander haben.“

„Mach ruhig weiter mit den Komplimenten. Das gefällt mir nämlich ziemlich gut“, forderte sie ihn auf.

„Wo lässt du dich am liebsten berühren?“, fragte er.

Sie nahm seine Hand und schob sie zwischen ihre Oberschenkel. Sie führte seine Finger an ihre empfindlichste Stelle und bewegte seine Fingerspitzen sacht darüber. Als Cameron ihrer Aufforderung bereitwillig nachkam, stöhnte sie lustvoll auf, und es bestand kein Zweifel daran, dass es ihr wirklich gefiel. Sehr sogar.

Doch er konnte genauso durchtrieben sein wie sie. Während er unablässig die samtige Weiche ihrer erregbarsten Stelle streichelte, senkte er den Kopf, um eine ihrer Brustspitzen mit den Lippen zu umschließen und daran zu saugen.

Erregt schrie Pippa auf und drängte sich ihm verlangend entgegen. Ihre Finger hatte sie in sein Haar geschoben. Er bemerkte, dass sie kein bisschen zurückhaltend war, sondern genau wusste, was sie wollte – und es auch einforderte. Gerade das gefiel ihm so außerordentlich gut an ihr.

Mit dem Daumen streichelte er ihren empfindlichsten Punkt, bevor er hastig nach einem Kondom griff und es sich überstreifte. Auch er hätte das Vorspiel gerne noch länger genossen. Aber ihm war klar, dass dies heute Nacht nicht das letzte Mal zwischen ihnen gewesen war. Denn es würde nicht möglich sein, in einer einzigen Nacht alle seine Bedürfnisse zu befriedigen, die Pippa in ihm zu wecken verstanden hatte. Und er wollte jeden einzigen Moment mit ihr in vollen Zügen auskosten und genießen. Zärtlich knabberte er an ihren Lippen. „Bist du bereit für mich?“

Als Antwort schlang sie ihm die Beine um die Taille und bog sich ihm entgegen. Angesichts ihrer Ungeduld musste er unwillkürlich lächeln. „Komm, Pippa. Zeig mir, wie du es haben willst.“

Ihre Augenlider flatterten, und sie griff nach unten, um seine Erregung mit den Fingern zu umschließen und zwischen ihre Oberschenkel zu führen. Dann kam sie ihm so weit entgegen, dass er nur ein winziges Stück in sie hineinglitt. Erregt schrien sie beide zur selben Zeit auf, und dann konnte Cameron sich nicht länger zurückhalten. Er schob die Hüfte vor und drang tief in sie ein. Zuerst dachte er, er hätte ihr wehgetan, doch dann krallte sie ihm die Fingernägel in die Schulter und wies ihn mit heiserer Stimme energisch an, nur nicht aufzuhören.

Er lächelte und küsste ihre Lippen, bevor er sich wild vor Begierde in ihr zu bewegen begann. Das war weder sanft noch zärtlich, es war hemmungslos. Pippa nahm alles, wie sie auch alles gab. Sie trieb ihn bis an seine Grenzen und sogar noch darüber hinaus. Nie hatte er mit einer Frau entfesselteren Sex gehabt als mit ihr, und er genoss jede Sekunde davon.

Sie presste ihre Lippen auf seine, bevor sie ihn schließlich zärtlich in den Hals biss, was ihn genüsslich aufstöhnen ließ. Der Gedanke, dass man diesen Beweis ihres überwältigenden Verlangens auch noch Tage später sehen würde, schmeichelte seinem männlichen Stolz.

Doch auch sie sollte spüren, wie sehr er sie begehrte.

„Kommst du, Pippa?“, stieß er erregt hervor. „Oh, ich bin so kurz davor.“

„Ich auch“, flüsterte sie heiser. „Mach weiter, Cam, bitte hör nicht auf. Hör ja nicht auf.“

Als ob er das könnte.

Begierig beschleunigte er den Rhythmus seiner lustvollen Bewegungen, und alles um ihn herum verlor plötzlich an Bedeutung. Es gab nur noch Pippa, wie sie sich unter ihm wand und mit ihrer süßen Wärme umschloss. Er nahm ihren Duft wahr, hörte sie und schmeckte sie noch auf seiner Zunge. Ihm kam es so vor, als spürte er sie mit allen Fasern seines Körpers.

„Cam!“, stöhnte sie inbrünstig auf und krallte die Finger noch tiefer in seine Schulter, als sie heftig unter ihm erschauerte.

Er zog sie in die Arme, dann schrie er ebenfalls auf und glaubte, sein Körper würde in tausend Stücke zerspringen.

Er lag auf ihr und drückte sie mit seinem Gewicht auf die Matratze. Das fühlte sich so verdammt gut an, auch wenn er bestimmt etwas zu schwer für sie sein mochte. Doch sie beklagte sich nicht. Sie hatte ihn so fest umschlungen, dass er sich gar nicht hätte bewegen können, selbst, wenn er es gewollt hätte.

Als er endlich wieder ruhiger atmen konnte, drehte er sich auf die Seite. Pippa lag in einer äußerst aufreizenden Pose neben ihm auf dem Rücken, und ihr Blick war ziemlich verklärt.

„Bin ich tot oder lebe ich noch?“, murmelte sie. „Und wollen wir gleich weitermachen?“

3. KAPITEL

Mühsam öffnete Pippa die Augen und wusste nicht, wo sie war. Ihr Körper fühlte sich an, als hätte sie stundenlang im Fitnessstudio trainiert. Aber das war dennoch ein tolles Gefühl.

Sie brauchte einen Moment, bis ihr klar wurde, dass sie in Cams Bett lag. Doch das Bett war leer. Von Cam keine Spur. Nur am Fußende lagen ihre Kleider, fein säuberlich zusammengefaltet und dienten wohl als diskreter Hinweis darauf, dass sie gehen sollte, sobald sie aufgewacht war. Sie rümpfte die Nase. Es sah nicht danach aus, als ob Cam in der Nähe war. Sie wusste noch nicht einmal zu sagen, ob er überhaupt neben ihr im Bett gelegen hatte. Das Kissen schien unberührt. Auch kein Zeichen darauf, dass sie die ganze Nacht damit zugebracht hatten, diese herrlich weiche Bettwäsche im wilden Liebesspiel in Unordnung zu bringen.

Seufzend richtete sie sich weiter auf und zog sich die Decke über die Brüste, bis ihr bewusst wurde, dass ihre Sittsamkeit völlig unnötig war. Schließlich hatte Cam ihr am Abend zuvor unmissverständlich klargemacht, dass er keinen Wert darauf legte, ihr am Morgen zu begegnen. Sie brauchte sich also keine Sorgen zu machen, dass er unangekündigt ins Zimmer platzte. Und selbst wenn, schließlich hatte er ihre Brüste schon gesehen. Und nicht nur das, sondern sie auch mit der Zunge verwöhnt und geküsst.

Ein Schauer überlief sie, und ihre Haut begann zu prickeln. Ihre Brustspitzen wurden allein schon bei der Erinnerung an die vergangene Nacht und daran, wie oft sie sich geliebt hatten, wieder hart. Dabei würde sie von Glück sagen können, wenn sie es schaffte, sich anzuziehen und die verdammte Treppe hinunterzugehen.

Die Versuchung war groß, sich eine ausgiebige heiße Dusche zu gönnen. Ihr letzter Versuch, sich zu duschen, war unterbrochen worden und hatte damit geendet, dass sie sich wieder geliebt hatten – und das viele Male in der Dusche und im Badezimmer. Doch jetzt wollte er sie loswerden, und sie würde die Sache ganz bestimmt nicht herauszögern.

Als sie auf ihre Uhr schaute, stöhnte sie auf. Es war bereits nach neun. Sie hätte schon vor einer ganzen Weile aufstehen müssen, denn es bestand kein Grund, Cams Gastfreundschaft noch länger zu beanspruchen. Sie kletterte aus dem Bett und seufzte, als ihre Muskeln schmerzvoll protestierten. Verdammt, sie taten sogar an Stellen weh, von denen sie noch nicht mal geahnt hatte, dass sie dort Muskeln hatte.

Nachdem sie sich angezogen hatte, ging sie ins Bad. Auf Make-up verzichtete sie ausnahmsweise. Sie musste ja niemanden beeindrucken, und der Chauffeur würde sie bis vor ihr Apartment fahren. Sie setzte die Sonnenbrille auf und war recht zufrieden damit, dass sie nicht mehr ganz so mitgenommen aussah.

Dann ging sie leise zur Treppe. Sie hatte keine Ahnung, ob Cam überhaupt noch hier war, aber auf keinen Fall wollte sie seine Aufmerksamkeit erregen.

Unten an der Treppe wurde sie von einem großen traurig dreinschauenden Mann begrüßt, der irgendwas zwischen vierzig und siebzig Jahre alt sein mochte.

„Ms Laingley, der Wagen steht vorn für Sie bereit, um Sie in die Stadt zu bringen.“

Sie zuckte zusammen. „Verzeihung. Wartet der Chauffeur schon lange? Ich habe leider verschlafen.“

Der Mann lächelte sie freundlich an. „Keineswegs. Kein Grund zur Sorge. Kommen Sie, ich bringe Sie hinaus.“

Er bot ihr den Arm an. Da ihr das jedoch peinlich war, gab sie vor, es nicht mitbekommen zu haben und ging vor ihm zur Eingangstür. Doch plötzlich fiel ihr auf, dass sie ihren Mantel vergessen hatte. Stirnrunzelnd wandte sie sich zu dem Mann um und bemerkte, dass er ihren Mantel in den Händen hielt und ihr reichte.

„Vielen Dank“, sagte sie.

Eindeutig war sie nicht die erste Frau, die Cam nach einer heißen Nacht nach Hause chauffieren ließ. Sein Butler – oder welches Amt er auch immer innehaben mochte – wirkte so, als würde er so etwas öfter machen.

Sie schlüpfte in den Mantel, während der Mann ihr die Tür öffnete. Kalte Luft drang herein, und Pippa blinzelte überrascht, als sie sah, dass draußen alles weiß war. „Es hat geschneit!“, stellte sie überrascht fest und lächelte.

„Ja, das hat es. Laut Wetterbericht liegen fünfzehn Zentimeter Schnee.“

Als er ihr dieses Mal den Arm anbot, willigte Pippa ein, sich auf der Treppe helfen zu lassen. Schließlich trug sie immer noch die High Heels vom Abend zuvor, und obwohl sie am Fuß sexy aussahen, waren sie für Winterwetter ziemlich ungeeignet.

Beflissen half er ihr in die schwarze Limousine und wartete, bis sie hinten Platz genommen hatte. „Gute Fahrt, Miss“, wünschte er ihr.

„Vielen Dank“, sagte sie.

Nachdem er die Tür geschlossen hatte, fuhr der Chauffeur los. Die Einfahrt war bereits vom Schnee geräumt worden. Pippa machte es sich im Sitz bequem und warf einen neugierigen Blick auf das Haus, das sie gestern Abend in der Dunkelheit nicht hatte sehen können.

Obwohl es ein sehr großes Gebäude war, wirkte es längst nicht so einschüchternd, wie sie vermutet hatte. Eigentlich sah es völlig normal aus, wenn man es mit den anderen Häusern in der Gegend hier verglich. Es lag sehr abgeschieden und war von zahlreichen Bäumen umgeben. Die Größe des Grundstücks ließ sich schwer einschätzen, aber Pippa vermutete, dass es sehr groß war.

Cam legte tatsächlich sehr viel Wert auf Abgeschiedenheit, genau, wie Devon es behauptet hatte. Da sie jetzt eine Ahnung von seiner dunklen, hitzigen Leidenschaft bekommen hatte, fragte sie sich unwillkürlich, wie häufig Cam auf Beutezug ging, um eine Frau in seine Festung zu locken.

Beinahe hätte sie laut aufgelacht. Das klang ja fast so, als wäre er ein Ungeheuer, das in seinem Versteck auf seine Beute lauerte. Aber Cam war kein Ungeheuer, sondern ein ungeheuer attraktiver Mann. Er war gut aussehend und rundum perfekt. Und sein Liebesspiel war einfach traumhaft. Sie würde bestimmt noch für eine Woche die Nachwirkungen ihrer gemeinsamen Nacht spüren. Ihre Haut kribbelte vor Erregung, als sie nur daran dachte, wie sie sich geliebt hatten, und plötzlich verspürte sie wieder pulsierendes Verlangen in sich erwachen.

Als der Wagen die letzte Kurve der langen Auffahrt hinter sich ließ, warf sie einen wehmütigen Blick auf das imposante Gebäude. Sie seufzte auf und schloss die Augen.

Cam schaute durch die Lamellen der Jalousien seines Büros im Obergeschoss des Hauses dem Wagen hinterher, der Pippa zurück in die Stadt brachte.

Er stand einen langen Moment einfach so da, die Hände in den Hosentaschen. Ihn verärgerte und verwirrte es gleichermaßen, dass er keine Ahnung hatte, was er als Nächstes tun sollte. Irgendetwas musste er unternehmen, allerdings hatte er nicht die leiseste Ahnung, was das sein sollte. Er wusste lediglich, dass es ihm mit einem Mal unerträglich vorkam, allein in diesem viel zu ruhigen Haus zu sein.

Das liegt an dieser verdammten Frau, schoss es ihm durch den Kopf. Sie hatte ihn entgegen seiner Gewohnheit völlig überrumpelt – und das in jeder Beziehung. Vielleicht lag es auch daran, dass er mehr jemanden wie Ashley erwartet hatte – süß, schüchtern, unschuldig, unerfahren, ein wenig verletzlich und schutzbedürftig. Möglicherweise hatte es seinem Ego gutgetan, Pippa eine Nacht in seinem Bett anzubieten. Er hatte angenommen, ihr einen Gefallen zu tun, wobei er gleichzeitig das bekommen hatte, was er von ihr gewollt hatte, seitdem er ihr zum ersten Mal begegnet war.

Doch sie hatte seine Welt durcheinandergebracht. Sie war selbstbewusst und hatte keine Scheu davor, sich das zu nehmen, wonach ihr der Sinn stand – und gestern Nacht hatte sie ihn gewollt. Eigentlich hätte er deswegen jetzt erleichtert sein können, doch er war missmutig, weil … die verdammten Rollen einfach umgedreht worden waren.

Es war ja beinahe so, als hätte sie gesagt: Hey, ich will dich, aber ich will keine Verpflichtungen eingehen. Sie hatte die Zügel in die Hand genommen. Er hingegen hatte sich eher wie ein unbeherrschter, verzweifelter Sexfanatiker aufgeführt und weniger wie der selbstbeherrschte und tonangebende Mann, der er normalerweise war.

Und das … ärgerte ihn. Ziemlich sogar.

Kopfschüttelnd ging er den Flur entlang ins Schlafzimmer zurück, das er nur zögernd betrat. Das war ja völlig lächerlich. Schließlich hatte er sie fortgeschickt. Immer noch spürte er Pippas Gegenwart, selbst ihren Duft konnte er noch wahrnehmen.

Er sah zu den zerwühlten Laken und Kissen. Es wäre besser gewesen, wenn er sie in eins der Gästeschlafzimmer gebracht hätte, denn er ließ normalerweise keine Frau in sein Schlafzimmer. Niemals! Wäre er gestern Abend noch zu einem klaren Gedanken fähig gewesen, dann hätte er sie gar nicht erst mit in die obere Etage genommen. Und seine Privatsphäre wäre unangetastet geblieben. Aber er war ganz und gar von dem Verlangen getrieben gewesen, sie in sein Bett zu bekommen, und das so schnell wie möglich.

Verlangen konnte einem auch zum Verhängnis werden und glich einer launischen Geliebten, die alles an sich riss und vor der es kein Entrinnen gab. Zumindest nicht dann, wenn es sich um Pippa handelte. Vielleicht würde sie ihm jetzt aus dem Sinn gehen, da er sie letzte Nacht auf alle erdenklichen Weisen geliebt hatte. Möglicherweise würde er nun nicht jedes Mal den Verstand verlieren, wenn sie in seiner Nähe war.

Tief in seinem Inneren wusste er jedoch, dass es natürlich nicht stimmte, aber um seines Seelenfriedens willen ging er versuchsweise davon aus. Als er ins Bad kam, zuckte er zusammen angesichts des Chaos, das er seiner Putzfrau zumutete. Die Tür zur Dusche stand immer noch offen, und Handtücher lagen überall auf dem Boden herum. Auf dem Waschtisch herrschte ein furchtbares Durcheinander. Und das nur, weil Cam so ungeduldig gewesen war und die Gegenstände einfach beiseitegefegt hatte, bevor er Pippa daraufgepresst und sie ein weiteres Mal stürmisch geliebt hatte. Auf dem Fußboden entdeckte er auf dem ersten Blick wenigstens zwei gebrauchte Kondome. Er hob das eine neben dem Waschbecken auf und beförderte es in den Mülleimer. Als er gerade das andere Kondom neben der Duschkabine in den Mülleimer werfen wollte, fiel ihm etwas auf, was ihm förmlich das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Sprachlos starrte er eine Weile auf das Beweisstück in seiner Hand, bevor er lauthals zu fluchen begann. Ihm wurde plötzlich ganz flau im Magen, Schweißperlen traten ihm auf die Stirn, und sein Mund fühlte sich mit einem Mal völlig ausgetrocknet an. Er schloss die Augen und flehte inständig, er möge sich getäuscht haben, doch als er sie wieder öffnete, sah er den unwiderlegbaren Beweis immer noch in seiner zitternden Hand.

Das Präservativ war gerissen.

4. KAPITEL

Pippa geriet in Versuchung, ihr Mobiltelefon auf die Straße zu schleudern, und lediglich der Gedanke, dass sie es danach würde ersetzen müssen, hielt sie davon ab. Was konnte heute wohl sonst noch schiefgehen?

Sie hatte den perfekten Ort für ihr Geschäft gefunden – in einer netten Gegend. Die Bedingungen waren annehmbar und zufriedenstellend, und die Räume waren mit den notwendigen Einrichtungen ausgestattet. Sie musste nur noch ein paar Verschönerungsarbeiten an der Ladenfront vornehmen, um sie für Passanten einladender zu gestalten, und damit wäre alles erledigt gewesen.

Ihre bisherigen Aufträge hatte sie durch Mundpropaganda erhalten, doch jetzt fühlte sie sich bereit, etwas Richtiges auf die Beine zu stellen. Sie wollte endlich ein regelmäßiges Einkommen und nicht mehr darum bangen müssen, wann sie den nächsten Job an Land ziehen konnte. Ihre mageren Ersparnisse hatten zwar bisher ihre Wohnung zu finanzieren vermocht, doch wenn sie nicht endlich regelmäßig Geld verdiente, dann würden sie in einem Jahr aufgebraucht sein.

Bestimmt konnte sie ein kleines Darlehen für Existenzgründung beantragen, doch um die Mittel zu bekommen, musste sie einen Pachtvertrag vorweisen – was sie eigentlich auch konnte, wie sie geglaubt hatte. Dann hatte sie jedoch ihr Immobilienmakler angerufen und ihr mitgeteilt, dass es ein Problem gab.

Plötzlich löste sich ihr Traum von leckeren Cupcakes, köstlichem Gebäck, verführerisch aussehenden Bonbons sowie aromatisch duftendem Brot in Luft auf.

Sie atmete tief aus, während sie die Treppen zu ihrem Apartment hochstieg und nach dem Schlüssel suchte. Sie war gerade damit beschäftigt aufzuschließen, als ihr Mobiltelefon abermals klingelte und Pippa erneut den Wunsch verspürte, es einfach wegzuwerfen.

In ihrem Apartment angekommen, schaute sie auf das Display ihres Handys. Zwar handelte es sich nicht um eine ihr bekannte Nummer, da sie jedoch ihre Kontaktdaten an mögliche zukünftige Kunden weitergereicht hatte, konnte sie es sich nicht leisten, den Anruf nicht zu erwidern.

Seufzend wählte sie die angegebene Nummer und presste das Telefon ans Ohr. „Pippa Laingley.“

Sie quälte sich gerade umständlich aus ihrem Mantel, als sie Cams Stimme am anderen Ende der Leitung vernahm. „Pippa, ich bin’s, Cam.“

Nachdem sie sich gefasst hatte, lachte sie leise und ließ ihren Mantel halb ausgezogen über dem Arm hängen, mit dem sie gerade das Handy hielt. „Oh, hallo Cam. Was für eine Überraschung! Hast du nicht behauptet, du rufst niemals an? Was verschafft mir also die Ehre?“

„Eins der Kondome ist geplatzt“, entgegnete er unumwunden.

Schnell nahm sie das Telefon in die andere Hand, um den Mantel richtig auszuziehen. Sie ließ ihn da liegen, wo er auf den Boden gefallen war, und ging in das Wohnzimmer. Sicher hatte sie sich eben verhört.

„Was hast du gerade gesagt?“, fragte sie mit zittriger Stimme und setzte sich auf das Sofa.

Cam seufzte laut, bevor er antwortete: „Das Kondom, das wir in der Dusche verwendet haben. Es ist geplatzt. Ich habe es erst entdeckt, nachdem du weggefahren bist. Vorher habe ich nichts gemerkt, weil wir ja … unter der Dusche gewesen sind.“

Das Herz schlug ihr bis zum Halse, und sie schloss die Augen. Nein, unter diesen Umständen hatte sie auch nichts gemerkt. Er war unersättlich gewesen – genauso wie sie. Und ihre Aufmerksamkeit hatte ganz bestimmt auf anderen Dingen gelegen und nicht darauf, ob das Kondom zuverlässig seinen Dienst tat. An einer anderen Stelle hätten sie sicherlich etwas bemerkt, aber unter der Dusche?

„Pippa? Bist du noch da?“ Cams Stimme riss sie aus ihren Gedanken.

„Ja“, sagte sie schwach.

„Wir müssen reden.“

„Und warum rufst du jetzt erst an?“, fragte sie verärgert. „Wann hast du es gemerkt?“

Cam schwieg einen Moment, bevor er erwiderte: „Ich habe es gefunden, nachdem du gefahren bist.“

„Und dann erzählst du es mir erst jetzt?“ Sie war aufgebracht. „Hätte ich es gestern schon gewusst, dann hätte ich vielleicht noch etwas machen können.“

Allerdings wusste sie ehrlich gesagt nicht wirklich, was sie hätte tun können. Eine Pille danach? Dafür wäre es schon etwas spät gewesen. Aber was wusste sie schon über solche Dinge? Wenigstens hätte sie ein paar Recherchen anstellen und dann eine Entscheidung treffen können.

„Beruhige dich, Pippa.“

Sein herblassender Tonfall brachte sie nur noch mehr auf die Palme. „Sag mir nicht, dass ich mich beruhigen soll“, stieß sie wütend hervor. „Du musst ja nicht mit den Folgen eines defekten Kondoms leben.“

„Ach, wirklich nicht?“, konterte er scharf. „Denkst du tatsächlich, dass eine ungewollte Schwangerschaft mich nicht genauso betrifft wie dich. Und jetzt hör bitte auf, mich anzubrüllen, damit wir uns wie Erwachsene unterhalten können.“

Sie biss sich auf die Lippe, um die spitze Bemerkung zu unterdrücken, die ihr auf der Zunge lag.

„Aus deiner Reaktion entnehme ich, dass du weiter nicht verhütest“, fuhr Cam fort.

„Tja, und dich trifft natürlich keine Schuld“, versetzte sie patzig.

„Jetzt mach mal halblang, Pippa. Ich verstehe ja, dass ich dich damit aus heiterem Himmel überfalle. Aber glaub mir, für mich ist das auch nicht gerade ein Spaziergang. Und wenn du mir die Schuld in die Schuhe schieben willst, hilft uns das auch nicht weiter.“

Da ihr bewusst wurde, dass sie genau das vorgehabt hatte, verstummte sie und hielt das Telefon weiterhin fest umklammert. Sie hätte es doch besser wegwerfen sollen, als ihr vorhin danach gewesen war. Dann würde sie jetzt nicht dieses Gespräch führen müssen.

„Ich finde, du solltest bei mir einziehen, wenigstens so lange, bis wir wissen, ob du schwanger bist.“

„Was?“, fragte sie ungläubig.

„Vielleicht sollten wir dieses Gespräch nicht am Telefon führen. Ich kann dich in einer Stunde abholen.“

„Nein!“, rief sie heiser, als sie wieder einen klaren Gedanken fassen konnte.

„Was wäre dir denn lieber?“

Mit den Fingern massierte sie ihre Schläfen, um den pulsierenden Schmerz in ihrem Kopf zu vertreiben.

„Ich ziehe nicht bei dir ein, Cam Das ist der lächerlichste Vorschlag, den ich je gehört habe. Wir brauchen auch nicht persönlich miteinander zu sprechen. Im Augenblick verspüre ich nicht das geringste Verlangen, dich zu sehen. Ich bin noch völlig geschockt und brauche Zeit, um nachzudenken. Dabei kann ich dich nicht gebrauchen. Falls sich herausstellen sollte, dass ich schwanger bin, weiß ich ja, wo ich dich finde. Bis dahin würde ich es allerdings vorziehen, nichts von dir zu sehen oder zu hören.“

„Verdammt, das will ich aber nicht. Sieh mal, Pippa, ich muss wissen, dass du und das Baby in Sicherheit sind – natürlich nur, falls es überhaupt eins gibt. Und das kann ich am besten, wenn du in meiner Nähe bist.“

Er klang irgendwie verzweifelt, und in Pippa kam der Verdacht auf, dass er mit den Gedanken nicht ganz bei der Sache war, was sie nur noch wütender machte.

Er machte sich also Gedanken über ihre Sicherheit und die eines möglichen Babys, während sie sich im Augenblick allein darum sorgte, ob sie überhaupt schwanger war.

„Mir ist egal, was du willst“, erklärte sie ruhig, bevor sie die Verbindung unterbrach. Unmittelbar darauf fiel ihr ein, dass Cam bestimmt zu den hartnäckigen Typen gehörte, weswegen sie das Gerät ganz ausschaltete.

Einige Minuten lang saß sie einfach nur da und starrte Löcher in die Luft, während sie die Nachricht von dem gerissenen Kondom zu verarbeiten versuchte. Ganz sicher nahm sie es nicht auf die leichte Schulter und dachte, dass man nicht gleich beim ersten Mal sicher schwanger werden konnte. Eine Menge anderer Frauen hatten das Gegenteil bewiesen, und sie wollte nicht zu denen gehören.

Abrupt stand sie auf und wusste, dass sie etwas tun musste. Sie brauchte Informationen und musste die Möglichkeiten einschätzen. Also eilte sie ins Schlafzimmer, um sich im Kalender ihre Zyklusdaten anzuschauen. Rasch rechnete sie im Kopf nach und stöhnte schließlich entsetzt auf. Die Chancen standen nicht schlecht, dass sie sich ausgerechnet am vergangenen Wochenende in ihrer fruchtbaren Phase befunden hatte.

Okay, es war also nicht ganz auszuschließen. Als Nächstes musste sie ihre Möglichkeiten durchgehen – falls ihr welche blieben.

Sie stellte das Telefon wieder an und ignorierte die Signale, die ihr mitteilten, dass sie Anrufe und Textnachrichten verpasst hatte – alle vermutlich von Cam. Es war anzunehmen, dass der Mann sich bereits auf dem Weg zu ihr befand.

Hastig tippte sie Carlys Nummer ein und hoffte inständig, ihre Freundin zu erreichen. Als sie kurz darauf Carlys Stimme hörte, atmete Pippa erleichtert auf.

„Pip! Wie geht es dir? Hast du deinen Pachtvertrag inzwischen unterschrieben? Ich freue mich ja so sehr für dich. Wie war denn Ashleys Einweihungsparty? Tut mir leid, dass ich nicht kommen konnte. Hoffentlich ist sie nicht sauer auf mich.“

Pippa zuckte wegen des Wortschwalls zurück und wartete auf die passende Gelegenheit, selbst etwas sagen zu dürfen. „Carly hast du Zeit? Ich brauche die Mädels. Das ist ein Notfall.“

„Pip ist alles in Ordnung bei dir? Was ist passiert?“, wollte Carly wissen.

„Erzähle ich, wenn wir uns treffen“, antwortete Pippa heiser. „Kannst du die anderen anrufen?“

„Darauf kannst du dich verlassen. Treffen bei Oscar’s?“

„Ja“, erwiderte Pippa zögernd. „Aber sieh zu, dass wir einen abgeschiedenen Tisch bekommen.“

„Soll ich auch Ashley anrufen?“, fragte Carly. „Ist sie immer noch in Greenwich?“

Auch wenn Pippa ihre Freundin sehr gerne um sich gehabt hätte, wusste sie nicht, ob es in Anbetracht ihrer Schwangerschaft eine gute Idee war. „Frag nach, ob sie es schafft“, bat sie leise. „Aber sag ihr, sie soll vorsichtig sein.“

„Wenn sie weiß, dass du ihre Hilfe brauchst, dann kommt sie bestimmt“, beruhigte Carly sie. „Wir alle werden da sein, das weißt du doch.“

„Ja, das weiß ich, und dafür liebe ich euch.“

„Gib mir ein bisschen Zeit, alle zu benachrichtigen. Ich schicke dir dann eine SMS. Inzwischen kannst du ja zu mir kommen. Heute Nachmittag habe ich nur einen Termin. Du kannst hier im Salon warten. Ich mache dir sogar die Nägel.“

Pippa lächelte. „Danke, Carly, aber ich sehe euch später. Vorher muss ich noch etwas klären.“ Sie konnte förmlich das Stirnrunzeln ihrer Freundin vor sich sehen.

„Ich mache mir Sorgen um dich, Pip. Sei vorsichtig, okay? Wir sehen uns so schnell wie möglich.“

Erleichtert unterbrach Pippa die Verbindung. Sie hatte die besten Freundinnen auf der ganzen Welt. Sie waren allesamt clever und würden ihr dabei helfen, aus der Sache wieder herauszukommen.

In der Zwischenzeit wollte sie allerdings nicht in ihrem Apartment warten, denn es war sehr wahrscheinlich, dass Mr Hollingsworth ihr bald seine Aufwartung machen würde. Und das Letzte, was sie im Augenblick gebrauchen konnte, war der Anblick des möglichen Vaters ihres möglichen Kindes.

Pippa beschleunigte ihren Schritt, als sie sich dem Oscar’s näherte. Ein Mix aus Schneeflocken und winzigen Eiskristallen wirbelte durch die Luft und ließ ihre Wangen vor Kälte prickeln.

Sie hatte gehofft, in der Kälte wieder einen klaren Gedanken fassen zu können, denn sie hatte den Schock immer noch nicht verarbeitet. Was sie jetzt brauchte, war eine Notfallsitzung mit ihren besten Freundinnen.

Nachdem sie das Oscar’s betreten hatte, nahm sie hastig den Schal ab und sah sich suchend um. Erleichtert stellte sie fest, dass ihre Freundinnen bereits an einem Ecktisch im hinteren Teil des Raumes saßen. Einfach perfekt.

Als Pippa sich einen Weg an den Tischen vorbei bahnte, sah Tabitha auf und winkte ihr eifrig zu. Sylvia, Ashley und Carly drehten sich daraufhin zu ihr um.

Alle umarmten sie, und schließlich setzte sie sich neben Ashley auf die Sitzbank.

„Was ist denn los, Pip?“, fragte Ashley besorgt. „Carly hat uns nicht verraten, worum es geht.“

„Weil ich es ihr bisher noch nicht erzählt habe“, gestand Pippa. „Vielleicht ist es ja nur falscher Alarm, aber ich brauche einfach eure Hilfe, um einen vernünftigen Gedanken zu fassen.“

„Oh, mein Gott! Was ist denn passiert?“, rief Tabitha aus.

Sylvia runzelte die Stirn. Von den Freundinnen war sie die Älteste und Ernsthafteste und darüber hinaus sehr praktisch und pragmatisch. Von ihr würde sie sicher einen guten Rat bekommen, darauf hätte Pippa alles gewettet.

Sie atmete tief ein. „Es kann sein … also, es besteht eine geringe Möglichkeit, dass ich schwanger bin.“

„Was?“

Pippa zuckte zusammen, als ihre vier Freundinnen gleichzeitig erschreckt aufschrien.

Fragend starrte Ashley Pippa an. „Oh, Pip, wie sicher bist du dir denn?“

„Ich hatte neulich einen One-Night-Stand.“ Sie sah zu Ashley und verzog das Gesicht. „Mit Cam. Wir haben Ashleys Party zusammen verlassen. Dann hat er mich zu sich nach Hause mitgenommen, und wir hatten Sex. Eine Menge Sex.“

Ashley schien es die Sprache verschlagen zu haben, und Sylvia runzelte weiterhin in mütterlicher Besorgnis die Stirn. Na ja, vermutlich würde Pippas Mutter nicht so dreinschauen, sondern ihrer Tochter dazu gratulieren, sich einen wohlhabenden Erzeuger ihres Kindes an Land gezogen zu haben – bevor sie ihr den Ratschlag erteilen würde, ihn nach Strich und Faden auszunehmen. Sie hatte nicht unbedingt das Zeug zur Mutter des Jahres, wenn man es genau betrachtete.

Dabei war Miranda kein böser Mensch oder gar eine schlechte Mutter. Sie war lediglich oberflächlich und geldgierig. Vermutlich hätte Pippa ihre Mutter für ihre Durchtriebenheit in Bezug auf Beziehungen bewundern müssen. Miranda Laingley sah keine Veranlassung, sich jemals bei irgendwem für irgendwas, was sie tat, zu entschuldigen – und erst recht nicht für ihr flatterhaftes Verhalten, was Männer anging.

„Ich komme nicht ganz mit“, sagte Tabitha bedächtig. „Vielleicht bin ich ja ein bisschen begriffsstutzig. Wenn du nur Sex mit ihm hattest, warum machst du dir dann Sorgen, schwanger zu sein? Ich habt euch doch sicher geschützt.“

„Weil eins der Kondome nicht dicht gewesen und es ausgerechnet in meiner fruchtbaren Phase gewesen ist“, erwiderte Pippa.

„Aber mit Cam?“, stieß Ashley mit schriller Stimme aus. „Okay, ich habe ja gewusst, dass du auf ihn stehst, aber du und er? Wirklich?“

„Kein Grund, so entgeistert auszusehen“, sagte Pippa zu ihr. „Die Anziehungskraft hat beiderseitig gewirkt, das kann ich euch versichern.“

Zerknirscht nahm Ashley Pippa in die Arme und drückte sie an sich. „Natürlich, Süße. Oh, du liebe Güte, du Ärmste!“

„Es hat mich so unvorbereitet getroffen. Das Timing könnte schlechter nicht sein. Ach, ihr wisst es ja noch gar nicht. Wegen des Schwangerschaftstrubels hätte ich es beinahe vergessen, aber der Pachtvertrag für das Gebäude ist geplatzt. Jetzt habe ich keine Räume für mein Geschäft. Und noch dazu das hier, während ich gerade versuche, mein Unternehmen aufzubauen. Ich habe keine Krankenversicherung, und ich bin kein bisschen darauf vorbereitet, Mutter zu werden. Am liebsten würde ich weinen, aber ich weiß, dass sich dadurch auch nichts ändert.“

„Wein du nur, Süße“, forderte Carly sie wild entschlossen auf. „Wir kümmern uns um das Problem.“

„Du weißt, dass wir alles für dich tun würden“, stimmte Ashley zu. „Ihr habt mir alle so sehr geholfen, als ich diese schlechte Phase mit Dev hatte. Das kann ich nie wiedergutmachen.“

Pippa versuchte, die Tränen zurückzuhalten, die ihr in den Augen brannten. „Du musst nichts wiedergutmachen, Ash. Ich liebe dich. Wir alle lieben dich. Und ich liebe euch alle.“

„Wann genau hattet ihr denn Sex?“, wollte die praktisch veranlagte Sylvia wissen.

„Samstagnacht. Die ganze Nacht. Na ja, und Sonntagmorgen.“

Sylvia griff nach Pippas Hand. „Du solltest zum Arzt gehen und dich über die Alternativen aufklären lassen.“

„Ich gebe dir das Geld für den Arzt“, bot Ashley an. „Und ich gehe auch mit dir hin.“

Plötzlich verspürte Pippa ein unbehagliches Gefühl, als sie sich vorstellte, etwas gegen eine Schwangerschaft zu unternehmen, die möglicherweise schon begonnen hatte.

„Pippa?“, fragte Sylvia leise.

„Oh, Gott, ich fühle mich so dumm“, flüsterte Pippa. „Ich kann diese Entscheidung nicht einfach so treffen. Wer könnte das schon?“

„Okay, aber was sagt dir deine innere Stimme?“, wollte Carly wissen. „Wovor hast du Angst? Vor der Schwangerschaft an sich? Oder die Vorstellung, eine unverheiratete Mutter zu sein und nicht für dich und das Kind sorgen zu können?“

„So, wie du es darstellst, klingt es nicht besonders verlockend“, erwiderte Pippa.

„Du musst ja nicht sofort eine Entscheidung treffen“, warf Tabitha ein. „Die Pille danach oder eine Spritze sind schließlich nicht deine einzigen Optionen. Du kannst ja auch erst mal abwarten, ob du wirklich schwanger bist, und dann überlegen, was du machst. Heutzutage haben Frauen viele Möglichkeiten.“

Ashley drückte sacht Pippas Hand und sah ihre Freundin eindringlich an. „Wenn du dieses Baby willst, falls es überhaupt ein Baby gibt, dann musst du wissen, dass wir dir helfen – wir alle. Du bist nicht allein. Ich will nur sichergehen, dass du dich für das entscheidest, was das Beste für dich ist. Und ganz egal, wie deine Entscheidung ausfällt, du kannst auf uns zählen.“

Jetzt konnte Pippa ihre Tränen nicht länger zurückhalten, als sie ihre besten Freundinnen ansah, die man auf der Welt haben konnte. „Ich weiß nicht, was ich ohne euch machen würde.“

„Du übersiehst dabei einen wichtigen Bestandteil der Gleichung“, gab Sylvia zu bedenken.

Alle sahen sie an.

„Den Vater. Natürlich kannst du auf uns zählen, aber ist er auch bereit, Verantwortung zu übernehmen?“

Pippa nickte. „Das würde er, daran besteht kein Zweifel. Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich ihm sagen würde, wenn ich schwanger bin. Aber bis dahin halte ich mich von ihm fern. Ich muss das erst mal mit mir allein ausmachen, versteht ihr?“

„Ja, Süße, das verstehen wir“, entgegnete Carly mitfühlend.

„Wahrscheinlich klingt das verrückt für euch, aber als ich begriffen habe, dass die Möglichkeit einer Schwangerschaft besteht, hat sich alles geändert. Ich habe angefangen mir vorzustellen, dass da ein kleines Leben in mir heranwächst, und selbst wenn ich eine Pille nehmen könnte, und alles wäre wieder so wie vorher …“ Sie holte tief Luft. „Ich weiß nicht, ob ich das tatsächlich will.“

Als sie ihre Freundinnen betrachtete, konnte sie keinerlei Vorwürfe in ihren Blicken ausmachen. Alles, was sie sah, waren Zuneigung und Unterstützung, Entschlossenheit und Loyalität.

„Falls es ein Baby gibt, möchte ich es behalten, glaube ich.“ Sie schluckte schwer, bevor sie entschlossener hinzufügte: „Ich weiß, dass ich es will.“

„Nimm dir etwas Zeit, um dich an den Gedanken zu gewöhnen“, schlug Sylvia vor. „Es gibt keinen Grund zur Eile. Du musst dich ja nicht heute oder morgen entscheiden.“

Aber Pippa spürte, wie mit Nachlassen des Schocks ihre Entschlossenheit wuchs, das Kind zu behalten. Ihr Kind. Sie begann schon, einen Beschützerinstinkt dafür zu entwickeln.

Jetzt wurde ihr bewusst, dass sie trotz der großen Überraschung nie etwas unternehmen würde, um die Schwangerschaft zu beenden. Auch würde nie für sie infrage kommen, ein Kind wegzugeben, das sie auf die Welt gebracht hatte. Sie war geschockt angesichts des starken Beschützerinstinkts und der innigen Liebe, die sie verspürte, obwohl sie noch nicht einmal wusste, ob sie schwanger war.

Falls sie es sein sollte, würde sie das Kind auf jeden Fall behalten. Sie würde zu Cam gehen und mit ihm gemeinsam eine einvernehmliche Lösung treffen.

Vielleicht war sie ja etwas blauäugig, aber bevor er ihr nicht das Gegenteil bewies, ging sie mit ganzem Herzen davon aus, dass er sich nicht vor seiner Verantwortung drücken würde.

Mit zitternden Händen hob sie das Wasserglas an die Lippen. Nachdem sie einen kräftigen Schluck genommen hatte, stellte sie das Glas auf den Tisch zurück und sah ihre Freundinnen an.

„Okay, Mädels. Wie lange muss ich warten, bevor ich einen Schwangerschaftstest machen kann?“

5. KAPITEL

Pippa lief in ihrem Wohnzimmer ungeduldig auf und ab und versuchte, nicht ständig auf das Teststäbchen zu starren, das nur wenige Schritte von ihr entfernt auf dem Beistelltisch lag.

„Es ist noch nicht so weit“, sagte Ashley, als Pippa zögernd stehen blieb.

„Warum muss das nur so lange dauern?“, platzte es aus ihr heraus.

Sie hielt diese Unwissenheit nicht eine Minute länger aus. Die vergangenen Wochen waren der reinste Stress gewesen. Cam war ihr nicht von den Fersen gewichen und hatte alle paar Tage nachgefragt, ob sie schon etwas wusste. Das letzte Mal, als er sie das gefragt hatte, hatte sie ihn entnervt angebrüllt, er solle sie in Ruhe lassen. Vielleicht hatte er den dezenten Hinweis ja verstanden, oder aber sie hatte so verzweifelt geklungen, jedenfalls hatte er sich in den letzten Tagen nicht mehr gemeldet.

Das Schlimmste daran war, dass er aufrichtig besorgt zu sein schien. Ihr kam es beinahe so vor, als sei er bereits davon überzeugt, dass sie schwanger war, und dass er sich deshalb ständig nach ihrem Wohlbefinden erkundigen musste.

Er trieb sie noch in den Wahnsinn.

„Es sind erst zwei Minuten um“, versuchte Ashley sie zu beruhigen. „Es bringt nichts, davorzusitzen und den Test anzustarren. Das Ergebnis lässt sich nun mal nicht früher ablesen.“

Pippa nahm auf dem Sofa Platz. „Du hast ja recht. Trotzdem werde ich noch wahnsinnig. Ich spüre es einfach, dass ich schwanger bin. Und jetzt komm mir nicht damit, dass das nur an dem psychischen Stress liegt und ich mir die Symptome einbilde. Ich fühle mich anders. Meine Brüste schmerzen. Ich bin gereizt. Mir wird schon übel, wenn ich einen Cupcake rieche. Wem zur Hölle wird schon vom Geruch eines Cupcakes schlecht, frage ich dich?“

Ashley lächelte. „Ich meine ja gar nicht, dass du dir was einbildest, Süße. Lass uns einfach auf das Ergebnis warten, und dann überlegen wir gemeinsam weiter. Okay?“

Stöhnend schloss Pippa die Augen. Die vergangenen drei Wochen waren die reinste Tortur gewesen, und sie hoffte, so eine Zeit nicht noch einmal durchmachen zu müssen. An einigen Tagen dachte sie, dass es großartig sein würde, ein Baby zu haben. An anderen beschlich sie der Verdacht, völlig den Verstand verloren zu haben, und allein der Gedanke an ein Kind erschreckte sie beinahe zu Tode.

Und ja, sie kam sich auch ein bisschen dumm vor. Eine ungewollte Schwangerschaft in ihrem Alter? Schließlich war sie kein unerfahrener Teenager, der sich auf leichtsinnige Sexabenteuer einließ und das Verhüten vergaß. Sie war immer so schrecklich vorsichtig gewesen. Immer!

Eigentlich hatte sie sich nie für altmodisch gehalten, aber sie hätte es vorgezogen, Kinder in einer intakten und glücklichen Partnerschaft großzuziehen.

„Okay, jetzt kannst du nachschauen.“

Sie starrten beide auf das Teststäbchen, als sei er ein widerliches Insekt, an das sich keine von ihnen nah genug herantraute.

„Du siehst nach“, bat Pippa nervös.

Ashley griff nach Pippas Hand und drückte sie. „Denk daran, egal, was dabei herauskommt, es ist in Ordnung, das verspreche ich dir.“

Pippa nickte und schloss die Augen, als Ashley nach dem Teststäbchen griff. Sie hatte selbst Angst davor, die Reaktion ihrer Freundin zu sehen, und es kam ihr so vor, als schlüge ihr Herz bis zum Hals.

„Pippa“, forderte Ashley sie leise auf, „mach die Augen auf.“

Als sie der Aufforderung nachkam, bemerkte sie Ashleys feierlichen Gesichtsausdruck, als sie das Teststäbchen zurück auf den Tisch legte und Pippa unverwandt ansah.

„Was ist denn jetzt?“, wollte Pippa ungeduldig wissen, denn sie wurde aus Ashleys Blick nicht schlau. „Bin ich schwanger?“

„Wenn der Test recht hat, dann ja“, erwiderte Ashley.

Überwältigt griff Pippa nach dem Teststäbchen, um sich selbst davon zu überzeugen. Sie betrachtete es genau, und da war es tatsächlich – ein großes Pluszeichen, das bewies: Ja, du bist schwanger.

„Oh, mein Gott“, flüsterte sie.

Ihre Freundin warf ihr einen ängstlichen Blick zu. „Du fällst doch jetzt nicht etwa in Ohnmacht, oder?“

Pippa fühlte sich wie betäubt, und sie hörte Ashley wie aus weiter Ferne sprechen.

Schwanger. Mit Cams Baby. Ausgerechnet mit dem Typen, der keinen Wert auf Beziehungen legte und gleich als Erstes klargemacht hatte, dass er nie anrufen würde.

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