Logo weiterlesen.de
Besinnt Euch!

Wer nach Grundsätzen handelt, das Recht wahrnimmt und es in Taten umsetzt, verändert die Dinge und Verhältnisse.

Henry David Thoreau

Eh‘ nicht klar ist, wo die Richtung ist, kann nur jeder Schritt verkehrt sein.

Eugen Drewermann

Vorwort

In einer Zeit der zunehmenden Verkomplizierung und Ausuferung ist dieses Büchlein ein Fundstück: Einfach und auf den Punkt gebracht analysiert Hirschfeld die derzeitige Lage und zeigt darüber hinaus Möglichkeiten eines alternativen Lebensentwurfs auf. In aller Knappheit will es zum Nachdenken anregen. Dabei lässt sich der Essay mühelos „von einem Deckel zum anderen“ in einem Zuge durchlesen.

Denn es will hier nicht ums Lesen, sondern ums Leben gehen: Hier ist man zur Eigenverantwortung aufgerufen und, was noch schöner ist, geradezu ermutigt.

Kurz und deutlich wird diese materialistische Gesellschaft, deren Ausrichtung nur aufgrund der Gewohnheit oft gar nicht mehr hinterfragt wird, erstens gesehen und zweitens entlarvt, wobei der Widersinn vieles routiniert Gedachten und Gelebten geradezu ins Auge sticht. Und nicht zuletzt werden Auswege angesprochen, deren Grundlage in einem überzeugten, ja entspannten Verzicht zu finden ist. Nur so ist eben auch eine Umsetzung des Gedachten zu erwarten und es bleibt nicht bei der bloßen Analyse des Status quo.

Selbst der Umfang des Büchleins ist ein Zeichen dieses überzeugten Verzichtes, indem der Autor nicht viele Worte macht und machen möchte.

Letztlich geht es um die Rückbesinnung des heute zum Verbraucher degradierten Menschen auf eines seiner ureigenen Ziele: ein glückliches Leben zu führen. Wer atmet nicht schon bei dem Gedanken daran auf und kann sich für diesen Moment von allem Hinterherjagen mit einem Lächeln abwenden?

Aber Hirschfeld mahnt auch zu Ethik und Moral als Anker im Zusammenleben, zwei Begriffe, die schon seit einiger Zeit immer weniger ausgesprochen und gedacht und sogar im schlimmsten Fall nachsichtig belächelt werden. Dabei geben sie erst Kraft und Ausrichtung für die Eigenverantwortung, die heute so gern zur „Selbstbestimmung“ mutiert.

Wird also der nächste Band den Titel tragen: „Benehmt euch!“?

Ich denke, in diesem Essay ist in dieser Hinsicht schon alles gesagt, im Grunde. Der Weg von der Besinnungslosigkeit hin zur Besinnung ist eben auch mit Würde und Rücksicht verbunden und findet seinen Ausdruck in wachsendem Glücklichsein.

Korvin Reich

Einleitung

Muss das sein?

Kann jetzt schon jeder dahergelaufene Musiker eine politische Meinung haben? Und muss er die dann auch noch als Buch herausbringen?

Ja, ich glaube, es muss sein!

Wir sind durch die immer stärkere Trennung von Fachlichem und Menschlichem in eine Situation geraten, da unsere Gesellschaft in Entscheider und Mitläufer geteilt zu sein scheint:

Es gibt jene, die von Berufs wegen wissen, wie unser aller Leben zu sein hat, wie es sich entwickeln soll und was dafür getan werden muss.

Und es gibt jene, denen dieses „Wissen“ mitgeteilt wird und die dann – falls überhaupt – ihren Anteil beitragen dürfen.

Oder auch nicht.

Ich glaube, dass dieses Gesellschaftsmodell uns nicht weit bringen wird.

Der britische Dirigent Sir Simon Rattle sprach schon vor etlichen Jahren davon, dass die Zeiten vorbei sind, wo einfach nur „gute Arbeiter“ auf jedem Gebiet gebraucht werden. Nötig sind kreative Menschen, die sich einbringen.

Mit kreativ meine ich in diesem Fall nicht, dass jeder und jede Gedichte schreiben oder einen Töpferkurs besuchen soll, obwohl das sicher auch eine Bereicherung des eigenen Lebens sein kann.

Unter kreativ verstehe ich in diesem Zusammenhang das Entfalten unseres Potenzials, Dinge zu sehen und zu verändern, und dies vielleicht auf eine Weise, die nicht dem entspricht, was wir und andere bislang gewohnt sind.

Dazu gehört auch, dass wir uns einmischen, dass wir mitmischen und mitgestalten.

Schon immer war ich ein Mensch, der sehr sensibel auf gesellschaftliche Prozesse reagiert hat. Und wenn ich fand, dass etwas in die falsche Richtung ging, habe ich meine Meinung geäußert, mich positioniert und eingemischt.

Doch was ist die falsche Richtung?

Alles, was den Menschen seines inneren Friedens beraubt, alles, was ihn zu Dingen zwingt, die ihn mehr belasten, als ihm zu nützen. Der falsche Weg ist der Weg, auf dem Mitmenschlichkeit verloren geht und wir die gesamte Welt nur noch in Kategorien wahrnehmen, nur noch schwarz oder weiß sehen. Der falsche Weg ist der Weg gegeneinander, der Weg voneinander weg.

Und es ist der Weg, der nicht mehr beides im Blick hat: Das Wohl des einzelnen Menschen und die Tatsache, dass wir eingebettet sind in die Natur, dass wir diese Erde, diese Welt, ja selbst unseren Körper weder besitzen, noch erobern, noch vollständig kontrollieren können.

Das romantische Bild, dass wir Künstler in einem Elfenbeinturm sitzen und uns nur mit weltfremden Dingen von Schönheit und mit philosophisch abgehobenen Spekulationen über Wolkenkuckucksheime beschäftigen, ist grundfalsch.

Künstler nehmen sehr genau wahr, welche Atmosphäre gerade bei den Menschen herrscht, die ins Konzert kommen oder eine Ausstellung anschauen, vor allen wenn sie uns ansprechen. Zu allen Zeiten hatte Kunst auch etwas fast Seismographisches, hat gesellschaftliche Tendenzen atmosphärisch gespiegelt.

Wir waren und sind sehr nah dran. Wir sind die ersten, bei denen gespart wird und die als „nicht systemrelevant“ etikettiert werden, obwohl jeder weiß, wie wichtig kulturelle Bildung für die geistige Entwicklung und den Zusammenhalt in einer Gesellschaft ist.

Und die meisten von uns Künstlern geben ihr Wissen an die nächste Generation weiter, indem sie unterrichten. Somit sind sie in ständigem, engem Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. Selbst kann ich seit Jahren beobachten, wie die gesellschaftlichen Entwicklungen sich auf die Kinder und Jugendlichen auswirken, die zu mir in den Unterricht kommen. Das, was ich da erfahre, ist einerseits das wunderbare Potenzial an Freude, Erfindungs- und Entdeckerfreude, an Mitteilungsbedürfnis und Liebe, das in jedem Kind steckt. Andererseits sehe ich aber eben auch, wie brüchig diese Anlagen sind und wie schnell sie verloren gehen können, wenn eine Gesellschaft sich in die falsche Richtung im von mir oben skizzierten Sinn entwickelt.

Das vorliegende Büchlein bietet keine politischen Patentrezepte. Es ist auch kein Aufruf zum Umsturz! Es ist stattdessen eine Anregung zu einer leisen, inneren Veränderung ausgehend von einer fragmentarischen Analyse des Bestehenden. Es ist ein Aufruf zum Hinterfragen unserer Lebensprämissen.

Und es ist - hoffentlich - eine Ermutigung, zum eigenständigen Denken, zum Fühlen und zur Besinnung.

Denn nur wenn wir selbst einen besseren Weg einschlagen, hat unsere Gesellschaft eine Chance, den falschen zu verlassen.

Die Säulen der Macht

Zugegeben: Ein wirklich und in allen Facetten selbstbestimmtes Leben ist nicht möglich. Das war es nie und wird es auch nie sein. Selbst wenn wir wie Henry David Thoreau in die Wälder gehen und uns dem Staat entziehen könnten, wären wir Zwängen und Notwendigkeiten unterworfen: Nahrung, Obdach, unseren körperlichen und geistigen Konditionierungen, dem Umgang mit Alter und Krankheit…

Der Gedanke, das „eigene Leben herstellen“ zu können, ist und bleibt eine Illusion.

Dennoch: Es gibt Möglichkeiten, Spielräume.

Und hier kommt die Eigenverantwortung zum Tragen. Wir können, wenn wir entsprechend reflektieren, über weite Strecken selbst entscheiden, ob wir die positiven, heilsamen Tendenzen in uns und in unserem Leben stärken wollen oder die destruktiven, uns und andere schädigenden.

Und diese Entscheidung hat nichts, aber auch gar nichts zu tun mit der Art von Gesellschafts- ordnung, in der wir leben.

Man kann nun aber, und sollte auch, diesen Gedanken einmal auf unsere gegenwärtige Gesellschaftsordnung hin durchleuchten.

Erstens: Oberstes Gut der westlichen Gesell- schaftsform der Gegenwart ist der materielle Gewinn. Dieser hat als allein seligmachendes Ziel Glaube, Ethik, Gewissen und Fürsorge füreinander weitgehend abgelöst.

Gewinn aber ist ein sich selbst potenzierendes Prinzip, denn wenn Gewinn erwirtschaftet ist und man hält an diesem Prinzip fest, muss immer noch mehr Gewinn gemacht werden.

Dazu ist also zweitens ein ständiges Wachstum nötig. Ständiges Wachstum, also ein Wachstum, das nicht zyklisch verläuft sondern permanent, ist ein unnatürliches Phänomen, ja man kann daher sagen ein krankhaftes (und krank machendes) Phänomen. Wir kennen es beispielsweise von Krebszellen. Diese wachsen so lange weiter, bis sie ihren Wirt zerstört haben.

Um nun dieses andauernde materielle Wachstum zu sichern, muss drittens jeder ständig konsumieren.

Da aber die normalen Bedürfnisse des Menschen, wenn er nicht allzu sehr von Gier verblendet ist, der Überproduktion, die für das ständige Wachstum notwendig ist, nicht gewachsen sind, müssen künstlich Bedürfnisse geschaffen werden, womit wir bei der Werbung sind, einer von mehreren Formen von Propaganda als systemerhaltender Methode.

Der Medizin-Nobelpreisträger Konrad Lorenz hat bereits Anfang der 1970er-Jahre aufgezeigt, dass die Leuchtreklame in den westlichen Metropolen sich im Prinzip nicht von den damaligen ideologischen Spruchbändern auf dem Moskauer Roten Platz unterscheidet: Beide dienen der Indoktrinierung der Massen.

Diese Indoktrinierung aber führt viertens zur Zerstörung ursprünglicher menschlicher Werte und speist sich wiederum selbst daraus. Denn solange den Menschen ein Gewissen innewohnt, sie an einer ethischen Ausrichtung Halt finden, an die Kraft von echter Religion und Spiritualität glauben, sind sie im Sinne eines machthungrigen Systems nicht beeinflussbar ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Besinnt Euch!" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen