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Bei Euch

Vorwort

Oktober 2009

Mit stolzem Grinsen kleidet sich die junge Frau vor dem Bett des schlichten Motelzimmers an, zieht den Reißverschluss ihres schwarzen Rocks hoch und wirft sich den Blazer über, bevor sie das braune Haar mit ihren Fingern durchstreift und ihre Waffe in die Hand nimmt.

„Meine Güte, Ruby! Ich hätte mir diese Nacht nie im Leben so vorgestellt! Dein Boss wird ausflippen, wenn er das rauskriegt!“, lächelt sie der Mann unter der verzerrten, warmen Decke an, woraufhin sie sich gelassen an die mit gelben Tapeten bedeckte Wand lehnt und einen abgenutzten Cowboyhut, der auf dem Rücksitz seines Wagens gelegen hatte, nach vorne geneigt aufsetzt. Ihre Augen mustern ihn verspielt unter der ledrigen Kopfbedeckung an. „Der gefällt dir, was?“, raunt er ihr zu, streckt seine Arme in die Luft und verschränkt sie dann übermütig hinter seinem Kopf. „Aber der ist ein Familienerbstück und egal wie gut der Sex war, du bekommst ihn nicht! Das heißt nicht, dass ich nicht für ein weiteres Rodeo zu haben bin.“

Ruby lehnt den Kopf konzentriert zur Seite und zieht dann einen Stuhl vom leeren Schreibtisch zu sich hinüber. Kokett stellt sie das rechte Bein darauf und streift den Rock langsam daran hoch, bevor sie ihre Hand mit der Pistole ganz unter dem Saum verschwinden lässt und ihr ein überlegendes Grinsen entweicht.

„Du redest zu viel. Tue mir einen Gefallen, ich habe das schon lange nicht mehr gemacht, ...also halt still und beweg dich nicht.“, meint sie gefasst und hält mit der einen Hand den Hut fest, während sie die Andere an ihrem Bein unter dem Rock behält.

Ihr kaltblütiges Grinsen durchfährt ihn wie eine letzte, bittere Warnung und noch bevor er darauf reagieren kann, flattert der dunkle Saum auf und eine heiße Kugel bohrt sich in seinen Hals.

Bestürzt, bereuend und flehend starrt er auf die junge Frau, deren Haut er gerade noch liebkost und geschmeckt hatte und erstarrt in ihrem gleichgültigen Blick unter dem Hut seines Großvaters. An dem mit einem breiten Lederband geschützten Oberschenkel, blitzt an einem schwarzen Holster befestigt, die mit Schalldämpfer ausgestattete Waffe, von der er dachte, dass es eine Attrappe für Notfälle wäre, hervor.

Röchelnd wirbelt er mit den Armen in der Luft umher, greift sich verzweifelt an den Hals, in dem Versuch die Blutung zu stoppen oder zumindest einen Hilfeschrei rauszubekommen.

Mit geduldigen Augen sieht ihm Lory bei seiner Qual zu, mustert ihn wortlos und als er sich schließlich nicht mehr bewegt, nimmt sie den Hut ab und wirft ihn zu seinem Besitzer aufs blutgetränkte Bett. „Behalt ihn.“ seufzt sie enttäuscht darüber ihn mit der Kugel nicht sauber zwischen den Augen getroffen zu haben und verlässt den Raum.

Kapitel 1

Trotz der frühen Morgenstunde strahlt die Sonne am klaren Himmel wie zu Mittag, doch der eisige Wind erinnert Lory daran, dass der Herbst bereits angekommen ist. Noch verschlafen lässt sie die Tür des Zimmers hinter sich ins Schloss fallen und macht einpaar Schritte auf der schmalen, verdreckten Veranda in Richtung Parkplatz.

„Wenn dir bei dem Wetter nicht kalt ist, hattest du eine heiße Nacht hinter dir.“, lächelt jemand hinter ihr.

Erleichtert über seine Anwesenheit, dreht sie sich zu ihm um und wird sofort von den grauen Augen ihres Vorgesetzten ergriffen, bevor sie sich mit gespielten Stolz aus seinem Blick löst und mit verschränkten Armen auf den russischen Mann im dunklen Anzug zu geht. Das er zur Hälfte Brite ist, sieht man ihm ihrer Meinung nach immer mehr als alles andere an.

„Hab's mir gedacht, dass du im Nebenzimmer bist, Damon,“, schnaubt sie ihn rechthaberisch an und bleibt unbeeindruckt vor ihm stehen. „Dieses blöde Gestöhne konnte nur von einem deiner Weiber sein.“ „Wirklich?“, grinst er ihr entgegen, „Du warst auch nicht zu überhören! Jedes Mal wenn ich mich auf meine Begleitung konzentrieren wollte, hast du es nebenan krachen lassen.“ „Er hatte es eben drauf.“ „Du solltest ihn abknallen, nicht die ganze Nacht durchknallen!“ „Hör schon auf! Wie hast du dich den um seine Assistentin gekümmert?“ Der junge Mann dreht sich ertappt zur Seite. „Ich verschwende doch kein aufbereitetes Mahl!“ „Na also!“, nickt Lory, „Wenn du deinen Spaß haben kannst, darf ich mich doch auch amüsieren! Ich hätte Mr.Folk sowieso erschossen, schon allein aus dem Grund, dass er den Mund nicht halten konnte. Also, der Auftrag ist erledigt und jetzt könnte ich ein gutes Frühstück vertragen. Du etwa nicht, D. ?“ „Ich bin bedient.“ winkt Damon müde ab, legt den Arm um Lorys Taille und führt sie mit entspannten Schritten zum Hauptgebäude, in dem sich die Rezeption befindet. „Meine Tote machte sich zu viele Gedanken! Ich musste fast die ganze Nacht an ihr rum knabbern, bevor ich sie nageln und töten konnte.“ „Vielleicht hätte ihr eine heiße Dusche beim Beruhigen geholfen?“ „Bloss nicht.“, wirft ihr Partner sicher ein, „Es gibt nichts schlimmeres, als zuzusehen wie das Gesicht deiner geschminkten Liebhaberin unter der Dusche verrinnt! ...Ist dieser verdammte Folk auch sicher tot oder hattest du Mitleid?“, fragt er skeptisch und drückt sie etwas fester an sich. „Eifersüchtig? Du? Jetzt wo ich darüber nachdenke, war er der heißeste Kerl, der mir je begegnet ist!“, behauptet die junge Frau überheblich und streift sich einpaar lose Strähnen aus dem Gesicht ohne Damon eines Blickes zu würdigen.

„Mach dich nur nicht darüber lustig. Wir werden lernen müssen mit unserer Eifersucht zurecht zu kommen. Aber was Männer betrifft, weiß ich, dass es nichts heißeres als Schokolade für dich gibt! Mit gespielten Schwärmereien für Männer kriegst du mich nicht dran. Bist du den nicht eifersüchtig?“ Lory schüttelt sofort den Kopf und verneint seine Frage kühl. „Sorry, ich mache mir nichts aus Schlampenfängern.“

Diese bissigen Worte bringen ihn zum Lächeln und als sie es ihm gleich tut und sich beide nach dieser Nacht im Alleingang, voller Erleichterung wieder aneinander drücken, weiß er das alles in Ordnung ist.

 

Damon hält Lory kavalierhaft die von Staub und Wetter getrübte Glastür auf und führt sie zum Rezeptionstresen, seinen Arm immer noch um ihre Taille.

„Mr.Brown! Ich hatte sie bereits erwartet!“, platzt es mit einem sarkastischen Unterton aus dem Geschäftsführer heraus, der sich völlig genervt breitarmig am Tresen stützt.

„Meine Schicht ist gleich zu Ende und ich muss noch ihren...ähm, Müll aus dem Zimmer schaffen. Also?“ „Zwei.“, entgegnet Damon trocken und legt seinen und Lorys Zimmerschlüssel auf den Tisch. „Gleich zwei?“, wiederholt sein Gegenüber stutzig und wirft der jungen Frau einen verwunderten Blick zu. „Ach so ist das!“

Er erinnert sich noch genau an ihre Begleitung und rümpft die Nase. „Das ist der Zweite.“ Seine schweren Augen wandern wieder zu Damon. „Ihr seid getrennt gekommen, aber hattet dasselbe Ziel. Ich weiß nicht ob ich das süß oder traurig finden soll.“

Erschöpft lehnt sich der Motelbesitzer in seinen Stuhl zurück. „Wenn ich gewusst hätte, dass es dich zweimal gibt, hätte ich von der Kleinen auch die Abfallgebühr verlangt.“

Gähnend fährt er sich mit den rauen Fingern übers Gesicht, bevor er sich wieder seinen ungewollten Gästen zuwendet. „Also zwei Leichen. Ich kümmere mich darum, Mr.Brown.“

„Danke.“, grinst dieser und holt zwei abgezählte Geldbündel aus seiner Jackentasche. Dann verabschieden sich die Männer routinemäßig mit einem festen Händedruck.

 

Auf dem Parkplatz ist bereits ein schwarzer Kombi vorgefahren. Lory betrachtet das Auto überrascht, während Damon ihr die Wagentür öffnet. „Was hast du mit der Limousine angestellt, mit der wir gestern zum Seminar gefahren sind?“, fragt sie neugierig und lässt sich, dankbar für seine Manierlichkeit, auf den Rücksitz gleiten.

„Wir mussten sie eintauschen.“ meint ihr Begleiter und als er eingestiegen ist, deutet er auf den Fahrer. „David hat mich gestern mit meinem Teil des Auftrags hier abgesetzt und uns für heute ein neues Transportmittel besorgt.“ „Warum das?“ „Weil Folks tollpatschige Assistentin den Champagner in der Limousine verschüttet hat.“, erklärt Damon bitter und dreht sich zu seiner Dame. „Nun zu dir. Wir hatten abgemacht, dass du den Kerl dazu bringst herzukommen, ihn sofort erledigst und dich dann bei David meldest. Als ich ankam, hatte ich keine Ahnung wo du sein könntest! Ich habe erst aufgehört mir Sorgen zu machen, als ich an deiner Zimmertür vorbei ging und dich wegen dem Idioten hörte, der letzte Woche noch versucht hatte mich zu erpressen.“ „Oh mein Gott...“, entgegnet Lory gelangweilt, „Deswegen ist dir natürlich nichts besseres in den Sinn gekommen als deinen Schwanz in der Frau zu platzieren, die deine Datenbank hacken wollte!“ „Hat er zumindest zugegeben, dass er für alles verantwortlich ist?“

„Ja.“, antwortet sie kühl, „Wieso in aller Welt ist dir das noch wichtig? Du weißt doch was Sache ist.“ „Die Leute, die wir umlegen, sollen auch ganz genau wissen, warum wir das tun.“ „Du weißt aber, dass er dir eigentlich nichts anhaben konnte?“ „Ja. Er soll nur als Abschreckung dienen. ...Ich habe nicht gedacht, dass du deinen ersten Job gleich ordentlich durchziehst. Das letzte Mal, dass du wen getötet hast, ist doch Jahre her? Und das du Sex hattest offensichtlich auch.“ „Naja, als ich dich auf der Veranstaltung mit der blöden Braut sah, dachte ich mir schon einpaar zusätzliche Stunden mit Folk zu haben und warum auch nicht?“

 

Nach einer zweistündigen Fahrt und einem kurzen Zwischenstopp für einen Imbiss, fährt der Wagen durch das schwarze Eisentor und wenige Minuten später hält David vor dem scheinbar idyllischsten Platz Russlands, dem Brown Anwesen, an. Der geradezu perfekt designte Park mit dem ebenmässig geschnittenen Rasen endet an der weit entfernten, durchgehenden Mauer und die selten befahrene Straße außerhalb des Grundstücks wird von dichten Bäumen verdeckt.

Die junge Frau war schon einmal dort gewesen, allerdings war es damals eine gestresste Nacht gewesen und sie keinen Kopf für die dekorativen Details gehabt.

 

Lorys schweifender Blick nachdem sie vom Wagen aussteigt währt nicht lange. Der starke Wind treibt sie vom großen Parkplatz vorm Haus über die halbrunden, hellen Stufen zur großen Terrasse hinauf, wo ihr Mr.Brown schließlich die breite Eingangstür aufhält.

 

Während sie Damon umsichtig durch sein Haus folgt, lauscht sie dem Hallen ihrer Schritte auf dem hellen Marmorboden und versucht so weit wie möglich in die durch großen Fenster erhellte, mit Holz verkleideten Korridore hinein zu sehen. Die Zimmer sind so hoch und alles ist sichtlich luxuriös eingerichtet, dass Lory etwas eingeschüchtert von der opulenten Villa ist.

„Hat dein Vater dieses Haus gebaut?“, erkundigt sie sich und betrachtet die glitzernden Kronleuchter und die elfenbeinfarbigen Schnörkel an den breiten Säulen. „Mein Großvater. Fühl dich frei, überall hinzugehen wo du willst. Es sind genug Zimmer mit allen möglichen Unterhaltungen da und für gewöhnlich gibt es eine passende Beschäftigung für jede Laune.“

Von der Mitte der großen Eingangshalle, führt eine breite geschwungene Treppe ins Obergeschoss, von dem die junge Frau annimmt, dass sich dort die privaten Räume und Gästezimmer befinden. Neben dem Eingang fallen ihr links und rechts endlos lang wirkende Flure zu weiteren Zimmern und Sälen auf, von denen Mr.Brown meint, sie ihr im Laufe ihres Aufenthalts zu zeigen.

 

Die Eingangshalle selbst endet hinter der Treppe, wo sie sich zu einem fensterlosen Korridor mit dunklem Boden verengt.

„Was ist hinter dieser Wand? Die wirkt richtig abschottend.“, bemerkt Lory. „Dahinter ist der Pool. In diesem Korridor ist der gesamte Arbeitsbereich und ab und zu kommt es hier auch zu Schüssen oder Fluchtversuchen. Deswegen ist er so gebaut, dass man intuitiv zur Eingangshalle läuft, um dann aus der Tür zu rennen. Die Meisten kommen nichtmal bis zur Treppe.“, klärt sie der Hausbesitzer auf, „Bevor ich es vergesse, wenn du ab und zu eine Runde im Pool schwimmen willst, kannst du das jederzeit machen. Ich bin ehrlich gesagt kein großer Schwimmer.“ „Warum hast du den Pool dann?“ „Den hat mein Vater bauen lassen und viele der Angestellten benutzen ihn vor oder nach der Arbeit.“ „Ich hatte von deinem Vater nicht erwartet, dass er dem Personal etwas gönnt oder mit ihnen teilt.“ „Das hat er auch nicht. Die Angestellten bewegen sich erst seit seinem Tod freier in diesem Haus.“ „Verstehe.“

Damon deutet zur letzten Tür rechts neben dem Fenster, am Ende des Flurs.

„Dort finden die Meetings statt. Immer nur mit vertrauten Partnern und Clanmitgliedern, die schon mit meinem Vater gearbeitet haben. Die Meisten von ihnen sind wirklich das Letzte, aber du wirst ohnehin nicht viel mit ihnen zu tun haben. Da ersparst du dir Einiges.“

Ohne weiter nachfragen zu wollen folgt ihm die junge Frau.

„Hier vorne ist mein Arbeitszimmer und die Tür daneben ist für meine Sekretärin.“ „Sekretärin?“ „Ja.“

Er lehnt sich müde gegen die Wand, bevor er fortfährt.

„Ich könnte alle Meetings und Reisen nicht alleine schaffen, wenn ich mich zusätzlich um den Papierkram und die Vorbereitungen kümmern muss.“

Er nickt David, der geduldig in der Empfangshalle steht, entlassend zu, woraufhin dieser gleich erschöpft ins Obergeschoss schlendert.

„Er ist die ganze Nacht herumgefahren, hat auf uns warten müssen und Wache gehalten. Es ist höchste Zeit, dass er sich hinlegt. Wir sollten das bei Gelegenheit auch tun.“ „Deine Angestellten wohnen hier?“ „Nur die, die ich immer brauche, wie mein Chauffeur, der auch mein Bodyguard ist oder meine Haushälterin, die für uns kocht und alle unter Tags anfallenden Hausarbeiten erledigt. Man bekommt sie nicht oft zu sehen, was in Ordnung ist, weil sie sehr stur sein kann. Die Dienstmädchen sind immer Vormittags oder bei Veranstaltungen ganztags im Haus. Dasselbe gilt für das restliche Personal außer für einige Gruppen, wie die Gärtner. Die bleiben wie alle anderen bis Zehn Uhr Vormittags, außer sie haben viel Arbeit.“

 

Auf einmal bemerkt Damon wie ungeduldig die junge Frau vor ihm wirkt. Es ist das erste Mal, dass sie zusammen gearbeitet haben und sie auf seinen Wunsch sein Haus betreten hat.

Alles ist bis hier hin gut verlaufen, doch ihre nervösen Blicke verraten ihm, dass ihr nun die wichtigste Frage überhaupt auf der Zunge liegt.

„Und deine Verlobte?“, fragt sie nach langem Schweigen eisig, als ob es sie gar nicht kümmern würde.

„Sie ist nicht hier.“, entgegnet er, „Sie kommt erst in einpaar Tagen vorbei, wenn überhaupt. Das wir uns nicht besonders nahe stehen, ist dir ja bekannt und soweit ich weiß, will sie nur einpaar Papiere im Auftrag ihres Vaters vorbei bringen.“

„Es ist nur ein Vorschlag...“, fängt Lory zurückhaltend an, als wolle sie sich nicht wirklich einmischen, „...aber vielleicht, solltest du versuchen das Ganze von ihrer Seite aus zu betrachten. Auch sie ist dazu gezwungen sich auf diese Ehe mit dir einzulassen, nicht nur du.“ „Du hast wahrscheinlich sogar recht.“

Die Augen der jungen Frau lösen sich nachdenklich von ihm und schweifen fast schon abwesend über den Boden.

„Kannst du das, Lory?“ Damon ernste Stimme reißt sie aus ihren trüben Gedanken. Er sieht sie fordernd an und nach wenigen Sekunden bringt sie ihre Zweifel und sich selbst zum Schweigen.

Sobald sie sich fängt ist wieder die übliche, arrogante Kälte in ihren Augen, mit denen sie eigentlich nur Fremde Leute bombardiert. Es ist schon ihr ganzes Leben lang das Einzige mit dem sie ihre zerbrechliche Seite schützt.

„Ja, dass haben wir doch schon besprochen.“, meint sie angespannt und bittet ihn sich keine Gedanken darüber zu machen. „Gut. Aber sag es mir, wenn du keine Nerven mehr für das Ganze hast!“ „Schon klar. Ich sagte doch...“

Plötzlich werden beide von der zufriedenen Begrüßung der älteren und pummeligen Haushälterin Angela unterbrochen, die Lory mit missbilligendem Ausdruck beäugt und Damon bittet, sofort in der Küche nachzusehen, ob das zubereitete Essen in Ordnung ist oder sie zusätzlich etwas anderes nach dem Geschmack des unerwarteten Gastes kochen soll.

Nichts Gutes ahnend starrt er schläfrig zu ihr hinüber und lässt sich dann doch, nachdem er sich kurz bei Lory entschuldigt, von der Dame an der Hand zur Küche führen, die vor dem Flur, unter der breiten Treppe ist.

Rasch schließt Angela die Tür hinter sich und fragt Damon enttäuscht, ob er gar nichts von seinem Vater gelernt hätte.

„Es ist eine Sache, wenn du deine Püppchen und Marionetten anschleppst, aber das Fräulein Lory? Vom ehemaligen Lou Clan? Das ist sie doch, oder? Du sie vorhin so genannt!“ „Wie lange hast du uns den belauscht?“ seufzt der junge Erbe genervt und will sie eigentlich erst gar nicht mit ihrer Ansprache beginnen lassen.

„Sie wird ein paar Mal mit mir zusammen arbeiten. Meine Sekretärin ist ja gut, aber ich brauche auf den Reisen jemanden, der mit einer Waffe umgehen kann und nicht lange darüber nachdenkt ob es moralisch vertretbar wäre jemanden zu erschiessen oder nicht.“ „Für ein paar Mal hast du das schlichte Gästezimmer mit teuren Laken und Vorhängen verschönern lassen? Du hast doch David, der dir den Rücken deckt. Komm mir also nicht mit dummen Ausreden! Dein Halbbruder hat dich damals persönlich gebeten, sie nicht anzurühren und dein Vater hat genug Zeit darin investiert, eine würdige Braut für dich zu finden, die dich trotz deiner zahlreichen Affären und Eskapaden heiraten will!“ „Verdammt, Angela! Der einzige Grund aus dem ich bei dieser sinnlosen Hochzeit keinen Rückzieher mache, ist weil ich Helene nicht eiskalt vor dem Kopf stoßen will. Wenn sie dem ganzen wie erwartet nicht zugestimmt hätte, würde ich nicht mit einer den Bund der Ehe eingehen, die behauptet mich nicht ausstehen zu können. Ich hätte mir meine Frau problemlos selbst aussuchen können. Auch wenn alle gerne über meine schlechten Seiten reden, kommt mittlerweile keiner drum herum sich auf ein Geschäft mit mir einlassen zu müssen. Ich sitze also auf all ihren Köpfen. Die Schlange der geldgeilen Bräute ist allein deswegen lang genug, Angie. Tue nicht so, als ob ich ein hoffnungsloser Fall wäre. Und was Lory betrifft, ihr Bruder und ihr ganzer Clan ist tot. Mein Vater ist tot. Ich respektiere den Wunsch beider Familien, weder eine Beziehung mit ihr haben, noch mit ihr zu schlafen, aber ich lasse mir nicht vorschreiben, wem ich im Notfall vertrauen soll und wen nicht! Ich habe gesehen wie sie arbeitet und mit Waffen umgeht. Sie wird von heute an meine Reise-Assistentin sein. Finde dich damit ab.“

 

Angela nimmt einen Topf vom Herd und wendet sich wieder dem jungen Erben zu. „Sieh zu, dass es bei dem Arbeitsverhältnis bleibt. Nicht wie damals.“

Erledigt und kraftlos fährt sich Damon durchs hellbraune Haar. „Damals war ich noch ein Teenager! Daran erinnerst du dich, aber nicht, dass ich zu der Zeit schon meinen ersten großen Deal abgeschlossen hatte?“ „Ein Teenager?!?“, wiederholt seine Haushälterin spöttisch und holt die Porzellanteller aus dem Schrank, „Ein Teenager, der bereits alle Mädchen seiner Schule verführt hatte.“ „Nicht alle!“, wehrt der junge Mann sofort ab, „Aber dafür haben die, die mir nicht zusprachen, Blumen und Pralinen von mir bekommen, weil ich ein anständiger Junge war, der nicht wollte, dass sich irgendwer am Valentinstag einsam fühlt.“

Angela verdreht seufzend die Augen und konzentriert sich auf ihre eigentliche Arbeit.

„Junge, ich habe dich wachsen sehen, habe dich großgezogen und ich weiß, was dein Vater von dir erwarten würde. Du hast dich nach seinem Tod besser geschlagen als ich dachte und gleich seine ganzen Geschäfte übernommen, obwohl du damals mit deinen eigenen Verhandlungspartnern und der Uni genug um die Ohren hattest. Du hast dich sogar mit Helene verlobt, um die Vereinbarung eurer Väter zu erfüllen und jetzt holst du dir die einzige Frau ins Haus, die dich von deinem Weg abbringen könnte?“ „Abbringen? In diesem Leben brauche ich zumindest einen Menschen, der wirklich auf meiner Seite ist und keinen Rückzieher macht, egal was kommt!“ „Warum sollte Lory auf deiner Seite sein? Die wollte dich doch bei eurer ersten Begegnung abknallen!“ „Ja, weil ich ihren besten Freund in die Mangel genommen hatte und sie ihn verteidigen wollte. Sie hätte alles für ihre Gruppe riskiert und war absolut loyal. Deswegen wollte ich sie damals schon in meinem Team haben. Sie wandte ihren Leuten nie den Rücken zu.“

Angela starrt ihn voller Zweifel an. „Ach mein Junge. Ich habe bemerkt, wie ihr euch anseht. Helenes Familie hat einen guten Ruf und sie vertrauen darauf, dass du dich um ihre Tochter kümmerst. Vergiss das nicht. Für einen Mann deines Ranges, ist diese Lory ohnehin nur lausiges Gesindel! Glaub mir, die will nur geschwängert werden, um sich etwas von deinem Geld unter den Nagel zu reißen!“

Auf einmal wirft ihr Damon einen unerwartet kalten, verachtungsvollen Blick zu.

„Bei dem Sexverbot, dass mir ihr Bruder aufgezwungen hat, ist sie sicher nicht auf ein von mir Kind aus. ..Und was meinst du mit, du hast bemerkt wie wir uns ansehen? Wo zur Hölle warst du die ganze Zeit über versteckt? Hör mal, lass das Essen einfach im Kühlschrank! Ich hatte eine lange Nacht und muss erstmal schlafen bevor ich mich mit einer herum schleichenden Haushälterinnen auseinander setze.“

Beim Rausgehen lockert er entrüstet seine Krawatte und nimmt einen tiefen Atemzug.

Er hat es satt.

Die ganzen Pflichten, die Termine, die Gegner, die Geldwäsche,...damit kann er leben, aber das ihm selbst nach dem Tod seines Vaters noch immer dessen Wille aufgezwungen wird, bereitet ihm immer wieder Kopfschmerzen. Andererseits ist Angela schon immer dort gewesen. Sie rauszuschmeißen würde er nicht übers Herz bringen.

 

Lory hockt dösend mit erschöpften Augen auf der großen Treppe.

Ihre Gedanken sind bei einem Weihnachtsessen, dass acht Jahre zurück liegt, als sie noch Sechzehn war und beim Lou-Clan lebte.

Benjamin, der Erbe der Familie, und sie trafen damals als Letztes ein und als sie mit dem edlen, geschmiedeten Aufzug ins Obergeschoss, zur Speisezimmer Lobby fuhren, kreuzte sie ihren Blick zwischen den wirren Eisenornamenten an den Lifttüren mit zwei eisigen, grauen Augen, die einpaar Sekunden lang an ihr haften blieben und sich erst vollständig von ihr lösten, als Benjamin und Lory den Aufzug verlassen wollten. Das Mädchen wurde gleich den neuen Bekanntschaften, Damon Brown und seinem Vater, vorgestellt und Damon lächelte dem jungen Lou herausfordernd zu, während sich beide Väter weiter über ihre Zusammenarbeit unterhielten. Es war klar, dass sich die Erben beider Familien mitten in einem Konkurrenzkampf befanden den Damon zu gewinnen schien, da er mit seinen damaligen achtzehn Jahren bereits ordentlich bei den Geschäftsereignissen seines Clans mitmischte und sein Taschengeld quasi als überdurchschnittlichen Lohn verbuchen konnte, wo hingegen der etwas ältere Lou Sprössling nach einpaar kleineren Aufgaben erst damit begann sich nach und nach mit der Verantwortung seines Vaters auseinander zu setzen, vor allem weil Lory ihn davon überzeugt hatte, wie wichtig es wäre, seine Chancen im Leben zu nutzen.

 

Auch wenn sich das Mädchen und Damon an diesem Abend nur spärlich unterhielten, war für jeden ersichtlich, dass sich mehr zwischen den Teenagern entwickeln könnte. Benjamin, dem die ständig schweifenden Blicke der Beiden während des Abendessens aufgefallen waren, gab Lory einen leichten Fußtritt unter dem Tisch und flüsterte ihr zu sich vorzusehen, da der Brown Junge sich einen Spaß daraus machte Frauen und Mädchen zu verführen und schon mit fast allen Kolleginnen seiner Schule geschlafen hatte.

Seine kleine Schwester lächelte ihn dankbar an, betonte aber nicht auf helle, sondern eher braune Typen zu stehen. Benjamin ließen die Sorgen jedoch nicht los, denn eigentlich waren sich sein Bruder und Lory schon einmal indirekt begegnet.

Damon hatte Benjamin ein Jahr zuvor zu einer Übergabe begleitet und war mit einem Mitglied von Lorys ehemaliger Straßenbande aneinander geraten, woraufhin das Mädchen, die Wagentür geöffnet und ihre Hand mit der Waffe drohend baumeln hatte lassen. Dabei hatte sie den Schatten des ihr noch fremden Brown Erben im Rückspiegel beobachtet und es war allen beteiligten klar gewesen, dass sie sich im Notfall sofort zu ihnen drehen und schießen würde.

Bei der Rückfahrt hatte Damon seinem großen Bruder damals schon klar gemacht, sich für sie zu interessieren und irgendwann mit ihr zusammen arbeiten zu wollen, weswegen Benjamin ein richtiges aufeinander treffen der Beiden so lange wie möglich hinaus gezögert hatte.

Doch nun hockten sie alle am Tisch und Benjamins schlimmste Befürchtung verwirklichte sich.

 

Kurz bevor der Besuch ging, saßen die Senioren rauchend im Salon, während Lory und eine Kollegin, die beide für Benjamins Sicherheit verantworlich waren, an der Tür wachten. Auf den gemütlichen Sesseln vor dem Kaminfeuer sprachen die Herren und ihre Söhne über das Hochzeitsarrangement, dass für den Damon getroffen werden musste, da er selbst bis dahin keine Freundin gehabt oder sonst welches Interesse an einer Frau gezeigt hatte, es sei denn für die Dauer von einer Stunde. Da sein Vater aber auf eine ordentliche Verbindung bestand, hatte der Junge sich dazu bereit erklärt seinem Willen zu folgen, solange ihn niemand mehr wegen seines Lebensstils nervte.

Mitten im Gespräch über alle in Frage kommenden Damen, stellte Damon selbst aus heiterem Himmel eine Kandidatin auf. „Was ist mit ihrer Tochter, Mr.Lou? Dem Fräulein Lory? Das wäre zumindest jemand, den ich schon mal gesehen habe und sie ist mir sympathisch.“

Mr.Brown schmunzelte übermütig und stellte klar, dass es sich bei den Wahldamen nicht um adoptierte Töchter handeln sollte. Er fügte noch etwas hinzu, dass sich in Lorys Gedächtnis brannte. „Nur weil sich eine Ratte hierher verlaufen hat, heißt das noch lange nicht, dass sie unsere Werte hat. Dieses Mädchen ist ein Köter, der Leute wie uns nur beschützt und für unsere Sicherheit stirbt. Sie ist im Grunde genommen schon tot, nur begreifen die Anderen das nicht.“

Auch wenn Mr.Lou ihm bei jedem Satz widersprochen hatte, waren die Worte gesagt und obwohl sich das Mädchen nichts anmerken ließ, hatte es sie doch verletzt.

 

Damon Schritte reißen sie aus der Erinnerung. Hastig fährt sie hoch und glättet behutsam den Rock, den er ihr für die Aufgabe, die sie an seiner Seite übernommen hat, gekauft hat.

Er sieht noch, vom sinnlosen Gespräch mit Angela, missmutig auf, atmet bei Lorys Anblick aber durch und als sie ihm aufbauend zulächelt, hat er das Gefühl, sie würde ihm die Sorgen abnehmen wollen.

Mit einer tiefen Verbundenheit führt er seine neue Angestellte nach ihren ersten Arbeitsstunden ins Obergeschoss, in ihr neues Zimmer.

 

Als sie die große, dunkle Doppeltür des ihr zugeteilten Gästezimmers hinter sich schließt, lauscht Lory den dumpfen Schritten ihres neuen Bosses und alten Bekannten, die den Korridor auf dem tiefblauen Teppich entlang gehen, bevor auch er sich in sein Zimmer zurück zieht.

Nach allem was sie beide getrennt voneinander erlebt haben, nach all den Jahren in denen sich der richtige Zeitpunkt für eine Zusammenarbeit nicht ergeben hat, sind sie am Ende doch im selben Haus gelandet...und sie überlegt jetzt schon, ob sie sich nicht einfach wieder aus dem Staub machen soll, bevor ihr das Ganze das Herz bricht. Passieren wird es auf jeden Fall, nur weiß sie nicht wann es soweit sein wird.

 

Das Zimmer ist zwar geräumig und luxuriös eingerichtet, doch die junge Frau kümmert das wenig.

Sie zieht verschlafen ihre Kleidung aus und legt sie vorsichtig auf den Nachttisch, weil sie sich zu erschöpft fühlt, um sie in den Schrank zu hängen oder auf den Stuhl, beim großen Schminktisch zu legen.

Während sie sich ausdruckslos aufs Bett setzt, zieht sie achtsam die Pistole aus dem Oberschenkelholster an und schiebt sie wie vor gewohnt unter das Kopfkissen.

Dabei erinnert sie sich, dass Damon und sie sich vor allem näher kamen, nachdem eine befeindete Gruppe den Lou Clan zwei Jahre zuvor ermordet hatte und er sie und ihren Ex-Freund mit seinen Leuten tatkräftig bei dem Vergeltungsschlag unterstützt hatte.

Nach dieser Zeit, in denen sie alles Verlorene gerächt hatten, waren sie beide in seiner Limousine, vor ihrer Wohnung gesessen und er hatte gleich gefragt, ob sie nicht für ihn arbeiten wollte, doch wegen ihrem Wunsch ein normales Leben zu führen, hatte sie dankbar abgelehnt, den Kontakt zu ihm aber über Email aufrecht erhalten.

Nach einigen oberflächlichen Nachrichten hatte sie einer Wette zugestimmt, von der sie nicht glaubte, dass er sie je gewinnen würde: Wenn Damon sie davon überzeugen könnte, dass sie für ihn die einzige Besondere und nicht eine, seiner vielen Frauen wäre, würde sie es in Betracht ziehen, sich auf einpaar unverbindliche, romantische Tage mit ihm einzulassen. Eine Vereinbarung, der sie nur zustimmte, weil sie so lächerlich schlicht und dennoch unmöglich klang, erst recht für einen Mann mit seinem Ruf, vor dem sie eindringlichst gewarnt worden war.

 

Als sie mit ihrem Freund diesen Herbst dann Schluss machte und sich nichts sehnlicher wünschte, als in ihr altes Leben zurück zu finden, kontaktierte sie noch in derselben Nacht Damon und erkundigte sich, ob das vor Jahren erwähnte Arbeitsangebot noch gültig wäre.

Zu ihrer Überraschung antwortete er nicht, sondern stand am nächsten Abend prompt vor ihrer Haustür, hatte sich lässig an seine Limousine gelehnt und lächelte sie vertraut unter seinem schwarzen Regenschirm an. Lory, die gerade mit den Einkaufstaschen nach Hause kam, blickte völlig erstaunt zwischen den Regentropfen zu ihm und bewegte sich mit einem schüchternem Grinsen, dass sie nicht verbergen konnte, ungläubig auf ihn zu.

„Dir ist schon klar, dass ein Typ mit so einem Wagen nicht extra einen auf cool machen muss, um Eindruck zu schinden?“ „Ja, aber da du es bist, dachte ich als cooler Typ bessere Chancen zu haben.“

Damon hielt gleich den Schirm über sie beide und sah die junge Frau mit seinen eisgrauen Augen an, in denen Lory das Gefühl hatte Wärme und Vertrautheit hinter seiner üblichen unerschütterlichen Distanz zu erkennen.
Sie dachte, er könnte vielleicht geschäftlich in ihrer Stadt zu tun haben, doch das hätte er ihr mit Sicherheit schon Tage vorher gesagt. War er den tatsächlich ihretwegen an diesem Ort? Hatte er nichts besseres zu tun, als vor ihrer Haustür darauf zu warten, dass sie von der Arbeit mit den Einkäufen nach Hause kam?

 

In diesem Moment begriff sie, dass er die Wette gewonnen hatte und erkannte wie verrückt, risikobereit und absolut frei er hinter seiner sonst so gefassten Fassade sein musste, um einfach so auf gut Glück vorbei zu kommen. Sie konnte auf einmal gar nicht anders als ihn beeindruckt anzustrahlen.

Sobald er seine Hand auf ihre Wange legte und ihr einen kribbelnden, vorsichtigen Kuss gab, ließ sie die Einkaufstaschen ungewollt fallen und lehnte die Hände zwanglos auf die Brust des Mannes, der ihren vom Regen durchnässten Körper an sich zog und in seinen dunklen Mantel umschloss.

 

Das Bett muss neu bezogen worden sein, denkt sich Lory ablenkend und lässt sich ungezwungen auf die weichen Polster fallen. Es ist weich, frisch und riesig...wie sie es mag! Die Stelle an ihrem Oberschenkel wo der Waffenholster war, ist sichtlich gerötet. Kein Wunder, immerhin hat sie das Ding fast vierundzwanzig Stunden lang getragen. Sie ist aber müde genug um auch mit der wunden Haut einzuschlafen.

Damon hingegen bekommt kein Auge zu. Er weiß viele Feinde und Konkurrenten zu haben, doch noch ist ihm nicht klar, wer wirklich hinter allen kürzlichen Angriffen steckt. Eine Ahnung hat er aber schon.

Lory ist eine geübte Schützin, doch er will sie eigentlich keiner einzigen Gefahr aussetzten. Andererseits würde sie ihn bestimmt nicht begleiten, wenn sie einen Blick auf ihren Arbeitsvertrag werfen würde und er ihr offen sagen müsste, dass es ihm nur um ihre Gesellschaft geht, da David bisher auch alleine große Erfolge als sein Bodyguard verbucht hatte. Natürlich hat eine weibliche, vertrauenswürdige Mitarbeiterin den Vorteil, sich problemlos um die männlichen Geschäftspartner kümmern zu können, da diese offensichtlich von ihren Reizen angetan sind. Etwas zu angetan, wie Damon am Vorabend beobachtet hatte, doch was sollte er schon unternehmen? Ihr verbieten mit anderen Männern zu schlafen, obwohl er ihr nur eine unspektakuläre offene Bekanntschaft bieten kann? Sogar ihr Arbeitsvertrag ist bindender als das, was sie beide mit all ihren Einschränkungen als Beziehung zustande bringen würden.

 

Genervt dreht er sich auf die Seite. Zwischen den schweren, verschlossenen Vorhängen flimmert ein schwacher Lichtstrahl ins Zimmer. Die Vorhänge im Motel waren nicht annähernd so dick gewesen und die Assistenzdame, von der er sich eine aufregende Nacht versprochen hatte, war besorgt darüber gewesen, dass jemand vielleicht hinein schauen könnte.

„Ich hätte sie von Anfang an erschiessen sollen...“, denkt er bei sich und versucht beim Eindösen zumindest an den guten Blowjob, den er beim Aufstehen bekommen hat, zu denken.

Sein Kopf spielt da aber nicht so mit, wie er es sich gewünscht hätte, sondern verharrt im Augenblick, in dem er Lorys unverwechselbares Stöhnen im Nebenzimmer hörte, nachdem er seine Sexgespielin bereits auf den Bauch gedreht und ihr in den Hinterkopf geschossen hatte.

Während er zusah wie sich das Leintuch und der Polster auf dem Bett langsam mit Blut vollsogen, machte er sich plötzlich Gedanken darüber, Lory schnellst möglich wieder los zu werden, immerhin hatte er sie erst am Vortag zu sich geholt und war jetzt schon rasend vor Eifersucht. Er wusste, dass sie von einer Sekunde auf die Andere vom coolen, jungenhaften Mädchen zur Verführungskünstlerin wechseln konnte, aber er wollte es nicht mitbekommen, wenn sie das tat! Andererseits hatte er sie selbst zu ihrem Opfer geschickt. Worüber ärgerte er sich also? Zwei erwachsene Menschen hatten einpaar intime Stunden miteinander verbracht. Nach wenigen Minuten war es totenstill. Der Auftrag war also sauber erfüllt worden, genauso, wie er es auch eben gemacht hatte.

 

Zermürbt versucht Damon endlich den Kopf frei zu bekommen. Vor zwei Tagen hatte Lory auch eine Wette mit ihm verloren. Sie hatten sie einen Monat zuvor, am Abend ihres Wiedersehens abgeschlossen. Es ging dabei um einen jungen Mann, der sie kurz vor Damon's Eintreffen angerufen hatte, nachdem sich rumgesprochen hatte, dass Lory wieder Single sei. Auch wenn er sie nicht sonderlich beeindruckte, da er ihr einfach zu jung, zu schwach und nicht männlich genug vorkam, schlug Damon vorsichtshalber vor, den eben auf der Bildfläche erschienenen Konkurrenten in eine eiskalte Wette zu verwickeln. Lory nahm grinsend an und erklärte sich dazu bereit ihren Interessenten dazu zu bringen ihr innerhalb eines Monats einen Liebesbeweis zu schenken und sie sofort danach verzweifelt loswerden zu wollen. „Diese zwei extremen Situationen in dreißig Tagen. Das schaffe ich schon.“, hatte Lory gemeint und Damon war sich sicher gewesen, dass er auf diesem Weg alle möglichen Rivalen der Reihe nach los werden könnte, vor allem da diese Typen in ihren Augen nie wieder etwas mehr als ihr Spielzeug sein würden. Natürlich war es seinerseits egoistisch ihr mögliche Beziehungen von Anfang an zu verkorksen, doch er zog sie dennoch in diese kalte, belanglose Schachvariation hinein.

Alles lief wie geplant und der Erbe ließ sich selbst auch parallel dazu auf eine Wette mit einer Frau ein, einfach um zu sehen, wer von ihnen besser mit anderen Menschen spielte. Für Lory war es ohnehin wichtig sich mit der Psyche anderer auseinander zu setzen, um ihre kommenden Aufträge problemlos erfüllen zu können.

Einpaar Mal holte er sie wenige Meter vor dem Haus ihres „Freundes“ ab und beide erstatteten dem anderem Bericht darüber wie es lief.

Damon gewann seine Wette nach genau zwanzig Tagen, Lory hingegen verlor nach siebenundzwanzig statt dreißig Tagen. Er hatte sie nach Ablauf beider Wetten angerufen, um sich zu erkunden ob sie nicht Lust hätte gleich mit ihm wegen einem Job mitzufahren. Wenige Stunden später hatte er ihr Kleidung gekauft und die junge Frau war engagiert an seiner Seite gestanden, bereit ihren ersten Auftrag zu erfüllen.

 

Als er einen Monat davor vor ihrer Haustür auf sie gewartet hatte, hatte er nicht erwartet, dass sie so eine eiskalte Rolle als Verführerin perfekt spielen konnte.

Er hatte an diesem besonderen Abend ein Hotelzimmer in der Innenstadt reserviert. Am nächsten Morgen musste er zu einem wichtigen Termin in der knapp zwei Stunden entfernten Hauptstadt und da sich Lory gerade aus ihrer langjährigen Beziehung gelöst hatte, wollte er keine Chance auf eine sofortige „aufklärende“ Nacht mit ihr verpassen. Die gewonnene Wette der gemeinsamen Tage, aus denen vielleicht eine langfristige Zusammenarbeit werden konnte, brachte in diesem Fall eine ordentliche Portion an Verantwortung, Grenzen und Vertrauen mit sich.

 

Zu seinem eigenen Erstaunen willigte sie beim Aufeinandertreffen sofort ein mit ihm wegzufahren. Vor allem, weil ihr Ex-Freund noch bei ihr wohnte und sie ihn nicht sehen wollte, um dummen Streitereien zu entgehen.

 

In seiner Hotelsuite angekommen war die junge Frau aber nicht mehr so locker und spontan, wie vorhin. Mit staunenden, fast schon eingeschüchterten Augen sah sie sich im Luxuszimmer unsicher um, wusste nicht wo sie sich mit ihren vom Regen durchnässten Klamotten hinsetzen sollte. Sie war sichtlich erleichtert, als Damon sie freundlich ins Bad führte, wo sie sich erstmal ausziehen und in einen trockenen Bademantel schlüpfen konnte. Für ein heißes Bad hätte sie nach dem Abendessen auch noch Zeit, meinte ihr Gastgeber.
Glücklich darüber in einem so schicken Hotel zu sein, aber auch nervös wegen Damon, brauste sie schnell das Regenwasser von sich ab und kuschelte sich in den flauschigen Bademantel.

Im der Zwischenzeit hatte Damon beim Zimmerservice ein schnelles Abendessen bestellt. Sein Tag war bereits zu lang gewesen und eigentlich hatte er keinen besonderen Hunger, doch er wollte seinen Gast auch nicht alleine essen lassen. Abgesehen davon, wäre Lory bestimmt entspannter, wenn er ihr die Wahrheit, die sie dazu bringen könnte gleich wieder zu verschwinden, nach dem gemeinsamen Essen bei bringen würde.

 

Während des Mahls war die Stimmung überraschend kühl und oberflächlich, als müssten sie beide nach dem ersten intimen Moment ihre Beziehung zueinander klar und neu definieren, da es einerseits um eine romantische Wette und andererseits um eine schlichte Arbeitsanfrage ging.

“Du hast im Wagen gemeint dich mit mir unterhalten zu wollen.”, warf sie unsicher in die dichte Stille ein. “Unsere letzte persönliche Begegnung war ja alles Andere als ruhig. Seitdem ist viel passiert.“, stimmte ihr Damon nachdenklich zu.

„Ich weiß, ich habe damals entschieden, mich aus diesem Leben zurück zu ziehen, doch jetzt will einfach nur einen Platz für mich finden. Denk also bitte nicht, dass ich aus einer Laune heraus plötzlich kündigen würde. Ich hatte vor einpaar Jahren Zeit sehr viele Gründe für meine Entscheidung.“

“Niemand muss sich bei einem Anderen für seine getroffenen Entscheidungen oder seine Vergangenheit rechtfertigen und kein Mann hat das Recht eine Frau für ihre Handlungen zu verurteilen. Ich frage nicht nach, weil ich sehen will was ab HEUTE auf uns zukommt.”

Der jungen Frau konnte nicht so recht glauben, dass er nichtmal grobe Details über sie erfahren wollte, bevor er sie in seine Nähe ließ.

“...Du weißt bereits mehr über mich, als ich dachte, oder?”, fragte Lory zögernd nach. “Ich weiß mehr, als mir lieb ist.“, entgegnete er darauf, „Von früher noch, als du beim Lou Clan gewohnt hast und für meinen Halbbruder Benjamin gearbeitet hast. Sag bloß du hast Lust mit mir darüber zu reden?“

Die junge Frau spürte ihr Blut bis zu den Zehen hinab sacken. „Was ...weißt du den?“ „Ich weiß etwas über deine Zeit bei der Straßenbande und was da alles vorgefallen ist. Dann über deine Aufträge für den Clanführer Sean Lou, über deine Affären und One-Night-Stands damals und die Schulen, aus denen du geworfen wurdest, weil du lieber die Bande unterstützt hast, anstatt zum Unterricht zu gehen, obwohl du eigentlich aus gutem Haus kommst. Die Schlägereien in so ziemlich allen Schulen und der Bericht der Schulpsychologen, mit denen du dich immer freundlich unterhalten hast, sie dir aber nie auf den Grund gehen konnten, um dein ständiges Fehlen am Unterricht zu erklären. Stattdessen hast du ihnen immer von einer heilen Familie, netten Schulkollegen und Problemen in Mathe erzählt, also im Grunde genommen nichts ungewöhnliches.”

„Woher weißt du das alles?“ „Mr.Lou hatte immer ausführliche Aktenmappen über seine Mitarbeiter. Bis zum Ende seines Clans, vor zwei Jahren, hattest du ganze drei ganze Mappen gefüllt, die so ziemlich jedes wichtige Detail deines Lebens bis zu dem Tag enthielten, an dem du Benjamin zuletzt besucht hattest. Das du gerade deinen Schulabschluss nachholst hast du mir aber selbst in einer Email erzählt.“

Lory wusste gar nicht, wie ihr wurde. „Das... ist so furchtbar! Ich wusste, dass der Lou Clan Information über mich hatte, aber nicht, dass da jeder einfach rein schauen konnte!“ „Ich hab deine Mappen ja auch nicht >einfach so< ausgehändigt bekommen. Das war zufällig, als ich bei meinem Halbbruder vorbei schaute und er gerade fertig geworden war, die ganzen Akten zu scannen. Als er dann kurz das Arbeitszimmer verlies und ich die Mappen mit deinem Namen auf den Tisch sah, habe ich dich einfach im System gesucht und die ganze Information auf meinen USB-Stick kopiert. ...Die Selbstmordversuche in deiner Teenagerzeit haben mich ehrlich gesagt am Meisten überrascht.“

“Das war alles vertraulich, Damon! Du bist ein Arsch!“, fauchte Lory ihn außer sich an, doch Damon ließ sich nicht von ihrer Wut aus der Fassung bringen. „Ich informiere mich vorsichtshalber immer über diejenigen, mit denen ich zu tun habe und eines solltest du auf jeden Fall wissen: Du bist jemand, der als Kind auf Schulhöfen kämpfte, um Freunde zu verteidigen, jemand der die Schule schwänzte, weil die Straßenbande wichtiger für sie war und jemand, der den Mund hielt, wenn man ihr fragen stellte. Ich brauche einen Partner, dem ich blind vertrauen kann und von dem ich weiß, dass er mir nicht in den Rücken fallen wird, komme was wolle. Es geht mir wirklich nicht nur darum einpaar schöne Tage mit dir zu verbringen. Ich wollte dich schon immer in meinem Team haben. Deswegen wollte ich mehr über erfahren. Um nachzuprüfen, ob du wirklich so bist, wie ich es erwartete.“

„Schön.“, meinte Lory bissig, “Wenn du schon so viel über mich weißt, wird es Zeit über dich zu reden.“

„Frag mich was du willst, aber ich hab dir schon vieles in den Emails erzählt.“ „Das war immer nur Small Talk und rum geflirte. Ich hab das Gefühl, dass du nicht offen über dich reden willst. Wir haben uns so viel geschrieben, wir haben so oft darüber spekuliert, was wäre, wenn ich mich wirklich dazu entscheiden würde, wieder in mein altes Leben zurück zu finden und jetzt sind wir hier und du hast mir nichts zu sagen?

Nach all den Jahren hast du mir heute nichts anderes zu sagen außer, dass du alles über mich weißt und ich deswegen eine qualifizierte Mitarbeiterin bin? Warum in aller Welt hast du mich in dieses teure Hotel gebracht, wenn es nur um ein Vorstellungsgespräch geht, bei dem ich meine Vergangenheit nichtmal schönreden kann?“

Damon nahm einen flachen Atemzug.

„Weil du eine Entscheidung treffen musst. ...Ich bin verlobt.“ Lorys Augen weiteten sich. „Verlobt?...Verlobt!? Ich habe eine Wette verloren, bei der du mir das Gefühl geben musstest, die einzige Frau zu sein, die dir etwas bedeutet und dabei bist du schon die ganze Zeit über verlobt!?! Oh, Mann...ich mach dich alle!“

Wütend lehnte sie sich mit den Ellbogen auf den Tisch und fuhr sich beschämt übers Gesicht, bis sie langsam das Besteck wieder in die Hand nahm. „Den Sieg hast du verdient, Damon. Du bist wirklich gut darin Leute nach deiner Pfeife tanzen zu lassen. Ich hätte auf deinen Bruder Benjamin hören sollen, als er mich vor dir warnte.“

Der junge Mann schüttelte sofort den Kopf. „Du hast mir schon immer etwas bedeutet, aber wir beide wissen ganz genau, dass unsere Familien von Anfang an gegen diese mögliche Verbindung waren! Auf Mr.Lous Trauerfeier vor einpaar Jahren, musste ich Benjamin versprechen, mich von dir fern zu halten und nach einer langen Diskussion meinte er, dass er mir nur ein Date mit dir erlauben würde und danach nichts mehr davon hören wollte.“

Lory erinnerte sich gut an diese Feier. Sie hatte ihn dort Jahre nach dem Weihnachtsessen wieder gesehen und beide waren sofort ins Gespräch gekommen. Vor allem hatte er sie so angenommen wie sie war.

 

„Wie ist sie?“, brachte Lory nach einer Weile des Schweigens heraus. „Wenn du sie heiratest, musst du doch irgendetwas für sie empfinden?“ „Mein Vater hat sie ausgesucht.“, entgegnete ihr Gastgeber kühl, „Er hat es mit ihrem Vater ausgemacht. Vor einpaar Jahren habe ich mich mit meiner Unterschrift dazu verpflichtet diesen Wunsch zu erfüllen.“ „Wieso, wen du sie doch nicht kanntest?“ „Weil ihr Vater der wichtigste Mann in unserer Branche ist und ich meinen Besitz vergrößern wollte. Als du nach unserem Date damals, plötzlich weg gefahren bist, um dein Leben mit deinem Freund weiter zu leben, habe ich erst einpaar Monate auf eine Nachricht deinerseits gewartet. Dann beschloss ich schließlich den Verlobungsvertrag zu unterschreiben, da du damals wieder mit deinem Exmann Elias zusammen gekommen warst und es sich für mich nicht gehört hätte, meiner vielleicht zukünftigen Braut die Bürde der ersten Zustimmung oder in diesem Fall der Unterschrift, aufzudrängen. Das wäre, als hätte ich darauf gewartet, dass sie mir einen Antrag macht, also hab ich das in die Hand genommen. Ehrlich gesagt, war ich mir sicher, dass sie abspringen würde, doch vor drei Wochen rief mich plötzlich ihr Vater an, um mir mitzuteilen, dass sie den Vertrag unterschrieben hat. Persönlich kenne ich sie kaum. Wir sind soviel ich weiß, zur selben Schule gegangen, wo ich mit fast all ihren Freundinnen rum gemacht haben soll, aber wir Beide haben uns vor einer Wochen kennengelernt, als die Verlobungsfeier stattfand. Ich weiß nicht, was ich mit ihr anfangen soll, nur dass ich sie ab dem Augenblick ihrer offiziellen Zustimmung zur Frau zu nehmen muss. Das ist im Vertrag so geregelt. Es würde mich im Fall eines Rückziehers alles kosten und wenn ihr Vater „Alles“ sagt, meint er auch „Alles“.

„Naja,...du könntest ihr für den Anfang eine Chance geben. Wenn du sie heiratest, musst du früher oder später etwas mit ihr anfangen können, also versuch es doch.“

Nach diesen anspornenden Worten stand Lory müde auf, zog den Bademantel enger zusammen, schnappte sich ihre Zigaretten Packung aus ihrer Handtasche und ging auf den Balkon hinaus.

Damon hatte eine völlig andere Reaktion von ihr erwartet. Das sie ihn dazu ermunterte, sein Wort zu halten, kam überraschend.

Entschlossen richtete er sich auf und machte einpaar nachdenkliche Schritte zur Balkontür. Wenn er nicht schnell handelte, wäre der Abend offiziell beendet und sie würde ihn bestimmt nach einer korrekten, aber kühlen Abschiedsgeste alleine im Hotelzimmer zurück lassen.

 

Selbstsicher folgte er Lory also nach draußen.

Gedankenversunken lehnte sie an der kalten Wand und blickte über die Lichter der Stadt, während sie teilnahmslos ihre schwarze Zigarette an der gläsernen Brüstung ausklopfte. Mit einem vorsichtigen und dennoch entschiedenen Griff nach ihrer Hand, drehte er sie langsam zu sich und versuchte mit Smalltalk von neuem zu ihr durchzudringen.

„Deine Haare sind noch nass. Du erkältest dich hier draußen.“, redete er ihr zu, doch es schien sie wenig zu kümmern, dass er sich für ihren Gesundheitszustand interessierte.

Lory spürte plötzlich, wie ihr Gastgeber ihr die flauschige Kapuze des Bademantels über den Kopf warf und diese dann tief in ihr Gesicht hinunter zog. Wütend schloss sie mit zusammen gebissenen Zähnen die Augen hinter dem dicken Stoff.

Tief in ihr wünschte sie sich, etwas unternehmen zu können, um die letzten Stunden rückgängig zu machen. Andererseits fühlte sie sich genau dort, einen Schritt von ihm entfernt, so wohl, wie sie es nie für möglich gehalten hätte.
„Hör mir bitte zu.“ meinte der junge Mann gefasst, “Ich habe einen schwierigen Weg vor mir und nach all den Jahren, habe ich keine Kraft mehr alleine weiterzumachen. Ich brauche endlich jemanden, der mich trotz meiner Abgründe urteilsfrei akzeptieren und zu mir stehen kann. Deswegen wäre ich froh, wenn du dich dazu entscheiden würdest, zumindest ein Stück dieses Weges mit mir zu gehen."

Die junge Frau drehte sich wieder still zu ihm, woraufhin sie den Glimmstengel am Geländer ausdrückte und in die Tiefe warf, bevor sie sich schweigend wieder ins warme Zimmer an den Tisch niederließ.

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