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Befreiende Aussichten

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Widmung

Dieses Buch ist all jenen Menschen gewidmet, die der Aufforderung des Lebens „Erkenne Dich selbst“ folgen (wollen). Denen, die aus der Selbsterkenntnis heraus ihre Eigenverantwortung übernehmen (wollen), um in Freiheit, Unabhängigkeit, lebendiger Gemeinschaft und Harmonie mit der Natur und ihren Gesetzen zu leben.

Es ist auch all den Geistern gewidmet, die sich in der Vergangenheit für die Freiheit der Menschen eingesetzt und ihren Anteil zur Aufhebung jeglicher Begrenztheit des menschlichen Bewusstseins beigetragen haben.

Sigwart Zeidler

Befreiende Aussichten

Visionen für das Jahr 2040

Von Eigenverantwortung und Freiheit

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2018 Sigwart Zeidler

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback 978-3-7469-3069-5
Hardcover 978-3-7469-3070-1
e-Book 978-3-7469-3071-8

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

DANKSAGUNG

VORWORTE

HOLGER ECKSTEIN

DR. ULRICH MOHR

SIGWART ZEIDLER

EIN PAAR HINWEISE

HERAUSFORDERUNGEN DES LEBENS

EIN MÄRCHEN

INDIVIDUELLE HERAUSFORDERUNGEN

KOLLEKTIVE HERAUSFORDERUNGEN

ZUKUNFTSMODELLE

TRANSHUMANISMUS

FREIHEIT IN EIGENVERANTWORTUNG

ALLES IST GUT, SO WIE ES IST

AUFRUF ZUR AKTIVEN ZUKUNFTSGESTALTUNG

NOTWENDIGKEIT DER SELBSTERKENNTNIS

EINSEITIGKEIT ALS URSACHE VIELER PROBLEME

DIE MITTE ZWISCHEN DEN POLEN

DIE KRAFT DER VISIONEN

WAS KANNST DU ERWARTEN?

DIE VISION - EIN ÜBERBLICK

DAS TAGEBUCH

DIALOG: DIE MENSCHHEITEIN ORGANISMUS

DER WANDLUNGSPROZESS DER MENSCHHEIT:
GESPRÄCH ÜBER DIE WIRKUNG DES GEISTIGEN

DER WEG AUS DER GESCHÄFT GEWORDENEN WELT:
GESPRÄCHE ZUM GESELLSCHAFTSWANDEL

EINE REISE NACH BERLIN

DIE FILMSTUDIOS BABELSBERG

HOFFEST BEI BAUER LINDEMANN

AUF DEM MARKT

EIN BESUCH BEI KINDERN UND ENKELN

FREUDE AN DER GELEBTEN BERUFUNG

LERNEN, LEBEN, ARBEITEN

KINDERGRUPPEN

URLAUB IM FICHTELGEBIRGE

DER FESTSPIELTAG

ABLAUF EINER SIEDLUNGSVERSAMMLUNG

LICHTFEST 2040

SILVESTER 2040

NACHWORT

AN DEN LESER

SIGWART ZEIDLER

LEBENSERFAHRUNGEN

KONTAKT

Danksagung

Dieses Buch wäre nie entstanden, hätte ich nicht von außen den Impuls dazu erhalten. Zwar habe ich gespürt, dass ich Freude am Schreiben habe, aber ich hatte keine Idee, worüber ich schreiben sollte. Deshalb danke ich an erster Stelle Stephan Möritz, dem, der mit der Seele spricht. Er hat erkannt, dass ich auf der Erde bin, um dieses Buch in die Welt zu bringen.

Dann danke ich meiner Seele, dass sie geschrieben hat. Jedenfalls fühlte es sich für mich fast durchweg so an, als ob nicht ich, sondern es schreibt.

Ich danke meiner Lebensgefährtin Ulrike Rast für ihr Vertrauen in meine Fähigkeit, das Buch schreiben und herausbringen zu können. Ich danke ihr weiterhin für viele Impulse, die sie mir in Gesprächen vermittelte und für die Erstkorrektur.

Schließlich danke ich all denen, die gründlich und aufmerksam Fehler und unverständliche oder schlechte Formulierungen gefunden haben und Verbesserungsvorschläge unterbreitet haben. Das sind namentlich mein Bruder Ortwin, meine Tochter Anna und meine Freundinnen Iris Weckwert und Bettina Dettmer.

Danke!

Vorworte

Holger Eckstein

Was hat mein Leben mit dem Zustand der Welt zu tun? Die meisten Menschen meinen, dass das eigene Leben keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die Welt hat. Sigwart Zeidler sieht das anders. Schon unsere Einstellung zum Leben und zum Menschsein sowie unsere Glaubenssätze hinsichtlich Religion, Wissenschaft, unserer Mitmenschen und uns selbst haben Auswirkungen. Unser Menschen- und Weltbild prägt unser Denken, Fühlen und Handeln.

Die materialistische Weltsicht geht von anderen Motiven und Zielen aus als eine Weltsicht, die sich des Urgrunds allen Seins bewusst ist. Auswirkungen hat das auf alle Gebiete des Lebens: Medizin, Bildung, Psychologie und ganz besonders auf Naturwissenschaften und Technik. Die sogenannte Schulmedizin zum Beispiel beruht auf einem materialistischen Weltbild und sieht Krankheiten als Funktionsstörungen eines Mechanismus, die mit Pillen, Ersatzteilen und Operationen wieder funktionsfähig gestaltet werden können. Das ist nicht falsch, aber es greift zu kurz. Mit demselben Weltbild erscheint das menschliche Gehirn als ein Computer, der nur passend programmiert werden muss, um gesellschaftliche und berufliche Aufgaben besser erfüllen zu können. Das führt soweit, dass Techniker glauben, künstliche Intelligenz schaffen zu können, weil sie glauben, dass Intelligenz nur etwas mit Lernfähigkeit zu tun habe. Im Bereich der Energieversorgung und Wasserreinigung führt die materialistische Sicht zu der Annahme, dass Strom nur aus sogenannten Energieträgern, z. B. Kohle, Uran, Öl und Gas, oder durch die Wandlung messbarer Energie wie Wind und Licht erzeugt werden kann.

Tatsächlich beruhen alternative Medizin und neue Schulmodelle, aber auch neue Techniken zur Bereitstellung nutzbarer Energien und zur Aufbereitung von Wasser auf Modellen, die etwas Geistiges hinter der Materie wahrnehmen und am Werk sehen. Mit Techniken dieser Art ließen sich z.B. eine autarke Energie- und Wasserversorgung ebenso realisieren wie eine weitgehend von pharmazeutischen Produkten unabhängige Medizin.

Auch im materiellen Weltbild wird der Mensch als von Natur aus aktives, schöpferisches und ständig lernendes Wesen gesehen, das auch aus eigenem Antrieb handeln kann. Dabei muss es aber keine große Freude empfinden, weil es ihm vor allem um materielle Existenzsicherung und äußeren Erfolg geht.

Für den Autor hingegen ist es zwangsläufig so, dass das Geistige berücksichtigt werden muss und dass der Mensch in der Unabhängigkeit von zentralen Versorgungseinrichtungen wesentlich die Befreiung hin zu wahrer Selbstverwirklichung findet – die nicht nur ihm selbst, sondern dem Wohl des Ganzen optimal dient. In dieser Freiheit sieht er die Lösung für viele gesellschaftliche Probleme - vom Meinungsstreit bis hin zu globalen Kriegen einschließlich aller wirtschaftlichen noch ungelösten Herausforderungen.

Er ist davon überzeugt, dass Visionen Menschen ermutigen können, ihre geistige Verfassung zu hinterfragen und die Zusammenhänge zwischen inneren Einstellungen und äußeren Verhältnissen zu untersuchen. Im Angesicht der Phantasien von Transhumanisten, die einen Menschen sehen, der von seiner natürlichen Wesenheit getrennt wird, erscheint ihm eine dem Leben zugewandte, sinnerfüllende Vision eigenverantwortlicher Menschen, die im Geistigen wurzeln, das denknotwendig zum Menschsein gehört, sogar nötig.

Deshalb entwirft er in diesem Buch die Vision einer aus den Zwängen des materiellen Weltbilds befreiten Menschheit, in der wir voller Freude sinnerfüllende Arbeiten zum Wohle allen Lebens ausüben. Dass er der Welt diesen Zustand bereits bis zum Jahr 2040 zutraut, mag auf seinem Wunsch beruhen, diese für ihn idealen Zustände noch selbst zu erleben.

In lebendigen, eindrücklichen Bildern schildert er das Leben einer veränderten Gesellschaft in vielen Bereichen: In Prozesse der Erziehung, Bildung, Arbeit und Wirtschaft, Kultur sowie Wissenschaft und Forschung kann sich der Leser bewusst einfühlen. In neue Lebensformen und Aspekte der seelisch-geistigen Entwicklung kann er sich hineinversetzen. Er begreift anschaulich die Konsequenzen der dem Gemeinwohl dienenden Kreisläufe einer kooperativen Wirtschaft, einer selbstbestimmten Arbeit zum Wohl aller Menschen bis hin zu gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen, die zu einem produktiven und effektiven Konsens statt zu falschen Kompromissen führen. Er spürt den Segen und das Wohl einer auf das Gemeinwohl abzielenden Erziehung und Bildung, einer freudvollen selbstverantworteten Gesundheitsvorsorge und einer das Leben fördernden Landwirtschaft und Technik.

Nach der Lektüre dieses Buches wird der Leser die Möglichkeiten einer gemeinwohlorientierten Zukunft mit anderen Augen sehen.

Ob eine solche Gesellschaft tatsächlich, wie vom Autor beschrieben, auf Geld als Tauschmittel für Waren und Dienstleistungen verzichten wird, ist fraglich. Aber seine Visionen sind anregend, tiefsinnig und entstammen vor allem dem authentischen Anliegen einer Vieles wahrnehmenden Seele – und sind schon deshalb lesenswert.

Dr. Ulrich Mohr

Einige Jahre kenne ich Sigwart nun und habe ihn als einen sehr sympathischen und unermüdlich neugierigen Menschen kennengelernt, der zu einer seltenen Gattung gehört. Ich spreche von den Akademikern, denen es gelungen ist, ihren Blick und ihre Gedanken zu befreien.

In der Wissenschaftsgeschichte waren es meist die Fachfremden, die Querdenker, die den Anstoß zu epochalen Entdeckungen gaben. Wen wundert es, denn sie folgten allein ihrer Neugier und nicht einem vorgekauten und vorgegebenen universitären Wissen, das vielfach nur aus Meinungen und Konzepten besteht.

Sigwart ist also ein seltenes Exemplar im besten Sinne, weshalb ich mich sehr freue, dass er mich einlud, ein Vorwort für sein überaus aufbauendes Buch zu schreiben.

Man sagt, Lesen sei gut für die Allgemeinbildung. Diese Aussage ist gefährlich allgemein und Bildung ohnehin ein fragliches Ziel, weil wir uns schließlich entfalten und nicht formen lassen sollten. Ohne weiteres kann Lesen einfach der Zerstreuung, ja sogar der Verdrängung dienen. Ich halte es für außerordentlich wichtig, eine sehr bewusste Entscheidung bei der Auswahl von Büchern und anderen Texten zu treffen. Schließlich geht es um die eigene Lebenszeit und um den hochfrequenten Teil unserer täglichen Ernährung. Ich spreche von Informationen, die mehr noch als Nahrung aufbauend oder zerstörerisch sein können. Jedes gelesene Buch sollte mit seinem Inhalt dazu beitragen, kompetenter, intensiver und erfüllter am Leben teilzunehmen.

Ich unterscheide drei Kategorien von Büchern, wenn ich sie grundsätzlich für lesenswert halte.

Im geringsten Falle sollte ein Thema behandelt werden, das inspiriert und Kompetenz für das tägliche Leben vermittelt. Es mag nicht alles bedeutungsvoll sein, aber wesentliche Anstöße sind enthalten.

Zweitens gibt es für mich Schlüsselbücher. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie das Lesen von vielen anderen Büchern ersparen. Es wird gewissermaßen das Destillat eines bestimmten Themas so dicht, klar und ableitbar aus der Natur vorgetragen, dass sofortige Anwendbarkeit und Verständlichkeit des gesamten Themenbereiches möglich sind. Dies schließt nicht aus, dass sogar größere Teile des Buches naturgesetzliche Klarheit vermissen lassen. Der simplonisch geübte Leser wird dies zu unterscheiden wissen.

Zu guter Letzt gibt es für mich eine dritte Kategorie des naturgesetzlich durchgehend klaren Textes. Es sind Werke, die kompromisslos der strikt naturwissenschaftlichen Vorgehensweise folgen, was bedeutet: Naturwahrnehmungen sammeln, vergleichend und ergebnisoffen betrachten, eine Gesetzmäßigkeit erkennen, sie prüfen und sie gegebenenfalls auch auf andere Bereiche des Lebens anwenden. Das ist für mich die Grundlage einer disziplinübergreifenden Naturwissenschaft, die ich mit der Simplonik auf breiter Basis seit Jahren wiederbelebe.

Ich habe Sigwarts Buch bis zu diesem Moment, in dem ich das Vorwort schreibe, nicht in Vollständigkeit lesen können. Doch schon das Thema finde ich in einer Zeit von geradezu überwältigender Negativität, voller Kriege und politischer Lügen von höchstem Wert. Möglicherweise ist es sogar ein Schlüsselbuch und leistet einen wirksamen Anschub für die Orientierung auf eine für den Menschen lebenswerte Zukunft.

Die bisherige Perspektive ist wohl eher die einer kalten, technischen Welt, in der selbst die menschliche Person, also das zum gebildeten und abhängigen Weisungsempfänger reduzierte menschliche Wesen, immer weniger Platz haben wird und soll. Die Herrschaft der künstlichen Intelligenz und der Maschinen klopft an, ganz so wie es in seltsamer Parallelität Science-Fiction seit Jahrzehnten vorausgreifend darstellen.

Bedrohlich sind die völlig naturentfremdet Wahnsinnigen des Silicon Valley in Kalifornien, die nun schon sogar eine Religion zur Anbetung der künstlichen Intelligenz ins Leben gerufen haben. Man nennt sie Transhumanisten, die das natürliche menschliche Lebewesen aus Fleisch und Blut für ein staatliches und geistig beschränktes Auslaufmodell halten.

Das menschliche Dasein wird unausgesprochen reduziert auf sogenannte Lernfähigkeit, Geschwindigkeit und Gedächtnisspeicherleistung. Natürlich sind hier Computer dem Menschen schon jetzt vielfach überlegen. Doch das menschliche Dasein darauf reduzieren zu wollen, ist genauso eiskalt und beängstigend leer wie eben die düsteren Welten, die seit Jahrzehnten von den Science-Fiction-Filmen beklemmend und in opulenten Bildern dem Zuschauer präsentiert werden.

Warm, bewegend, bunt und vielfältig wird hingegen die Lebensperspektive, wenn mit relativ wenig Aufwand diese Welt und das Universum in seiner lückenlosen, naturgesetzlichen Schlüssigkeit erkennbar wird. Plötzlich ist der Mensch Teil eines großen Ganzen. Innere Natur und äußere Natur zeigen sich als parallele Abbildungen. Das Leben wird auf eine neue Art spannender, tiefgreifend erfüllend und lebenswerter als je zuvor. Ich habe den Eindruck, dass es Sigwart gelungen ist, genau diese Perspektive aufzugreifen.

Zweifelsfrei ist es ein Buch, das von einer lebenswerten Zukunft zu berichten weiß. Allein das ist schon ein gewichtiger Grund, dass es Kreise ziehen möge. Die Naturgesetze lehren, dass alles in Wellen verläuft und jedes Pendel irgendwann umschwingen muss. Sigwart scheint uns einen tragfähigen und wissenschaftlich basierten Einblick in den nächsten Pendelschlag zu gewähren.

Wo auch immer ich in die verschiedenen Kapitel hineingelesen habe, gerne hätte ich weiter gelesen, es nur ungern aus der Hand gelegt. Das Wissen des Physikers, gepaart mit dieser querdenkerischen Neugier und der Kenntnis dessen, was an Zukunftstechniken und menschlich-konstruktiver Entwicklung möglich ist, wird wohl diesen Sog erzeugen. Überzeugend ist für mich auch seine vernetzende Sicht der Dinge, wenn er seine bisherigen beruflichen und privaten Lebensstationen als eine erstaunlich stimmige Vorbereitung auf das Zusammenfließen all dieser Erfahrungen zu dem einen Thema dieses Buches erkennt und beschreibt.

Sigwart und ich teilen darüber hinaus die Erkenntnis, dass neue Wege nur über ein „neues“ Innenleben jedes einzelnen menschlichen Lebewesens entstehen können. Nach meiner Erfahrung gibt es nichts, was wichtiger und entscheidender ist! Immer noch scheitern engagierte Menschen an der schlichten Tatsache, dass sie ein vermeintlich überholtes, untaugliches Gesellschaftssystem durch ein anderes ersetzen wollen.

Gesellschaftliches System, Geldsystem, all das sind Werkzeuge. Sie mögen mehr oder weniger tauglich sein. Doch der in einer Sache Erfahrene wird mit Herzblut selbst einem mäßig geeigneten Werkzeug das Beste entlocken können. Es geht also nicht darum, Systeme zu bekämpfen, reformieren zu wollen oder zwanghaft neue zu entwickeln.

Alles beginnt zwingend mit dem eigenen Innenleben jedes einzelnen Beteiligten. Es ist leicht, naturgesetzlich schlüssig die gesetzmäßige Verbindung zwischen Innenleben und äußerem Umfeld herzuleiten. Unverändert wird sie von den Wenigsten erkannt. Dabei ist es so naheliegend: Glauben und Denken ziehen Ängste und Gefühle nach sich, es resultieren Entscheidungen und Handlungen, die das konkrete Leben gestalterisch beeinflussen.

An dieser Stelle möchte ich aus einem meiner Artikel zitieren, der vor einigen Jahren seine Kreise zog und sich auf dieses Thema bezieht.

Wir brauchen einzig und allein eine neue Geistesverfassung. Was nützt es, wenn Du einem notorischen Messerstecher das Messer wegnimmst? Nichts, er bastelt sich das Nächste aus einer alten Schere oder einem Stück Blech. Gelingt es Dir hingegen, ihm die Vorzüge des Brotschneidens und Teilens schmackhaft zu machen, kannst Du ihn sorglos mit Dolchen reich beschenken. Die Frage ist also nicht allein, welches Instrument im Gebrauch ist, sondern in welcher Geistesverfassung und mit welchem Ziel das Instrument von seinem Benutzer verwandt wird.

Bei all dem solltest Du nicht vergessen, dass Du zunächst diese irrwitzige Welt erst noch in Dir finden und transformieren musst. Wäre sie nicht in Dir, würdest Du nicht in einem solchen Irrenhaus leben. Auch das besagt die Naturgesetzmäßigkeit, dass jede Bewegung Anziehung zur Folge hat.

Die innere Wandlung im Blick, mag es früher oder später tatsächlich angezeigt sein, ein tauglicheres Handwerkzeug, sprich ein besseres, den Menschen dienliches Gesellschaftsgefüge zu finden. Bewusst spreche ich hier nicht von einem System. Sigwart greift hier die natürliche Tendenz eines jeden Menschen auf, wohlgemerkt nicht der Person, lokal und dezentral orientiert zu sein. Transparente und aufgabenteilige Lebensgemeinschaften zählen. Die Globalisierung ist in weiten Teilen nichts anderes als Teil eines Machtkonstruktes, um Abhängigkeiten über Ländergrenzen hinweg zu erzeugen und den Strom der Waren und des Geldes zu Zwecken der Beherrschung der Massen zu steuern.

Ich greife noch einmal zurück auf eine Passage des Artikels aus dem Jahre 2011 „Wir brauchen keine neue Verfassung, sondern eine neue Geistesverfassung.“

Wer das System ändern will, muss ein neues säen, jawohl säen! Das hat mit Kämpfen rein gar nichts gemein. Dafür muss er etwas tun, nämlich zur Tat schreiten. Und Tat, davon berichtete ich schon, ist ein altes deutsches Wort für das Ganze, das Eine, das Tao, das Gott, wie man früher sagte. Und dies kann man nur wahrnehmen, weder erdenken, noch in den Griff bekommen, noch manipulieren. Wahrnehmend fühlen, sich selber mit aller vorbehaltlosen Offenheit er- und anerkennen, ist der einzige Weg in die Einfachheit der Einheit.

Und wenn Du nicht bereit bist, Dich in schonungsloser Offenheit anzuschauen und zu fühlen, dann bleibt Dein Wunsch nach einem intensiven, echten und spirituell wachen Leben ein Traum.

Denn da gibt es nichts zu streicheln, das innere Kind will auch keinen Schnuller, sondern eine Chance zum Lernen und „Nachreifen“. Was ich hier beschreibe, ist ein Menschheitsthema, es erwischt jeden. Die daraus entstehende Spannung bringt Dich erst in Schwung und Bewegung. Hier entspringt Deine Sehnsucht zum Licht und zum Leben. Bekanntlich gibt es kein Leben ohne Spannung. Davon zeugen nicht nur die elektrischen Potentiale und Ströme, die Deinen Körper in Gang halten. Leben ist pulsierendes Schwingen.

Du kennst sicher dieses Knopfdruckphänomen. Ein falsches Wort, ein falscher Blick, eine falsche Geste und Dein Gegenüber erstarrt sichtlich, schaltet innerlich ab und reagiert plötzlich wie ein Automat, der sein Programm abspult. Hierzu zählen auch die stark schizophrenen Züge vieler, vermutlich der meisten Manager und Politiker. Einerseits können sie bis zu einem gewissen Grad liebevolle, sanfte Eltern und Privatmenschen sein. Anderseits lassen sie es beruflich derart krachen, dass die Welt zu krachen droht. Auf dieser Seite ihres Lebens gleichen sie völlig enthemmten Automaten, die allein Macht, Geld und Wachstum von beidem im Visier haben. Selbst ein

80 jähriger tattriger Greis steht daher nicht für Lebenserfahrung und Weisheit, sondern einzig und allein für einen Verrottungsprozess bei lebendigem Leibe. Gelebte Weisheit ist ein anderer Begriff für „im Fluss sein“. Bist Du im Fluss, vergammelt Dein Organismus nicht. Und weil das so ist, sind Alterungsprozesse umkehrbar, sobald Du in Fluss kommst, sprich Dir selbst begegnest. Altern heißt ursprünglich „ein anderer werden“.

Diese weltweit verbreiteten Träumer sind jenen Philosophen auf den Leim gegangen, die die Mär vom „Menschen als Krone der Schöpfung“ aus dem Zauberhut zogen. Die Natur lehrt dagegen etwas ganz anderes. Als Mensch bist Du ein Teil der Schöpfung, damit ein Teil der Natur und unterliegst, ob es Dir passt oder nicht, ihren Gesetzmäßigkeiten. Demokratie wie Kommunismus sind in der Natur aber unbekannt. Statt dessen gilt das Prinzip des Stärksten.

In der Natur handelt der Stärkste immer im Interesse des größeren Ganzen, also seines Rudels oder noch größer der ganzen Art. Das tut er automatisch und instinktiv, weil ihm die Ängste des Menschen fremd sind. Es ist diese brisante Mischung aus Selbstreflexion und innerer Verlorenheit, über die der Mensch stolpert. Die Fähigkeit zum „Ich erkenne mich“ gerinnt bei gleichzeitigem Verlust des Kontaktes mit der eigenen Geistigkeit zu Gier, Machtgelüsten und Neid in einer vermeintlich unkalkulierbaren Welt. Wage es, kritisch zu sein, quer zu denken und Du wirst dies allein durch Beobachtung leicht mit Leben erfüllen. Anschließend wirst Du Dich mit Kusshand von der „Krone der Schöpfung“, die seit Jahrtausenden den Planeten verwüstet, verabschieden. Als Teil einer nichtgeschöpften Schöpfung lebt es sich zudem viel entspannter. Und Du wirst in Zukunft keine Zeit mehr damit vergeuden, an den Erfolg von Menschenhand gestalteter politischer Systeme zu glauben. Auch für menschliche Gemeinschaften gilt einzig die Herrschaft des Stärksten. Ist die Gemeinschaft reif genug, dann lebt sie dieses Prinzip mit einem Stärksten, den sie kennt und der sie so offen wie weise führt. Ein weiser Herrscher ist der höchste Diener seines Volkes. Das wusste schon Lao Tse. Was wie eine Utopie klingt, ist natürliche Realität. Ähnlichkeiten mit bekannten Märchen sind purer Zufall.

Nun gibt es besagte sensible Minderheit, die das gegenüber der senilen Mehrheit erkannt hat. Sie sitzen seitdem je nach Wetterlage und Thema auf Schienen, um Zugstrecken zu blockieren, schwenken vor dem Parlament Transparente oder gründen mal wieder eine Partei. Auf Korksandalen ökologisch gut zu Fuß, eilt man zu Arbeitskreisen, in denen neue Währungs- und Geldsysteme diskutiert werden. Andere vereinen sich, um am Grundgerüst eines neuen Gesundheitssystems zu stricken. Doch das einzige, was letztlich effektiv gestrickt wird, sind die Pullover, die während der heißen Debatten von geübten Fingern und zur Beruhigung des Gemüts greifbare Realität werden. Wieso um alles in der Welt wurde noch keiner der so ernsthaft Aktiven von einem Gedankenblitz entzündet, der Licht in das Dunkel der Systemdiskussionen brachte? Wieso erkannte bisher keiner, dass niemals eine Reform an den stillen Machtverhältnissen etwas geändert hat? Ist es vielleicht die jahrtausendelange Übung, sich mit Unwesentlichem, sprich Äußerlichkeiten, zu befassen? Der Blick auf die Notwendigkeit einer neuen Geisteshaltung tut not, sonst nichts. Alles Neue fängt mit einer neuen Geisteshaltung an.

Stell Dir vor, ein Mensch hätte ernsthaft Kontakt zu sich, zum Leben und damit zur Liebe gefunden. Stell Dir weiter vor, er hat verstanden, dass er seinem Schicksal, dem geschickten Sal, dem geschickten Heil nicht entrinnen kann und alles passend geschieht. Welchen Sinn sollte es für diesen Menschen machen, sich Sicherheiten zu schaffen, wenn er verstanden hat, dass er nichts und niemandem entrinnen kann? Warum sollte er noch Kontrolle über etwas anstreben? Warum sollte er seinen Gewinn ins Unermessliche steigern wollen? Es interessiert ihn nicht, denn seine Werte und Prioritäten sind am Puls des Lebens. Er hat das Leben und den großen Rahmen, in dem es stattfindet, verstanden.

Begegne Dir, dann begegnet Dir das Leben. Wenn sich etwas auf der Welt und mit der Menschheit wirklich ändern soll, dann pack die Transparente weg und höre auf, Dein überschüssiges Geld für Portokosten in den Briefkasten zu entsorgen, indem Du Drohbriefe an die politische Führung schickst. Vergegenwärtige Dir täglich: Nur die Tat, sprich das Hinschauen und Fühlen kann eine neue Welt zum Leben erwecken. Wer kritiklos und ohne Überprüfung glaubt, bleibt dumm. Wer sich aus Angst nicht wirklich zu vorbehaltloser Offenheit traut, bleibt dumm. Wer sich nicht traut, sich vor seinen Schattenseiten zu verneigen, bleibt dumm. So einfach ist das. Begegne Dir und das Leben begegnet Dir, die Liebe begegnet Dir, trau Dich.

Soweit meine damalige Einschätzung des Ist-Zustandes der menschlichen Personen und der Gesellschaft und dem naturgesetzlich einzigen Lösungsansatz, den ich zu meiner Freude in Sigwarts Buch ebenfalls zu finden meine. Inspiriert von Heisenberg, Niels Bohr, von Weizsäcker, Max Born und Erwin Schrödinger, die nicht unbedingt zur vereinfachten Erkenntnis der Natur beigetragen haben, hat er dennoch die sprichwörtliche Kurve bekommen und mit seiner fachlichen Kompetenz die aufbauenden Optionen der heutigen Naturwissenschaft erkannt. Schon dies allein verdient großen Respekt nach Jahrhunderten der geistigen und planetaren Verwüstung durch seine naturwissenschaftlichen Vorgänger.

Ich musste heiter in mich hineinschmunzeln, als er von seiner Einsicht berichtete, bereits während des Studiums das angeblich gesicherte Wissen als einen Mischmasch von Konzepten und Theorien erkannt zu haben. Mir ging es damals während meines Medizinstudiums ebenso. Zugleich teilen wir das heilende Erschrecken angesichts der Kritiklosigkeit, mit der wir dennoch vieles für wahr und wirklich gehalten haben, was so professoral, universitär und scheinsouverän vermittelt wurde.

Während seiner Diplomarbeit erkannte er wie ich bei meiner Doktorarbeit, dass wirkliches wissenschaftliches Arbeiten entweder durch einen geistigen Tunnelblick oder durch egoistisches Konkurrenzdenken nicht selten bis zum Stillstand ausgebremst wird. Wer nun einwendet, dass der technische Fortschritt doch offensichtlich von bemerkenswerter Geschwindigkeit sei, ist leicht zu enttäuschen. Tat sächlich verfeinert man lediglich seit langer Zeit die epochalen Entdeckungen der echten Wissenschaftler der letzten Jahrhunderte. Tatsächlich sind wir beispielsweise mit der Antriebstechnik noch keinen Schritt weiter als vor gut 100 Jahren. Nicht zuletzt gilt „An ihren Taten werdet ihr sie erkennen!“. Das Ergebnis der heutigen technischen Möglichkeiten ist offensichtlich. Die Menschen waren noch nie so krank wie jetzt, der Planet war noch nie so krank wie jetzt, wo bitte ist der wirkliche, der Natur und dem Menschen dienende Fortschritt?

Auf spannende Weise fließt in die Erzählungen dieses Buches die Feststellung ein, dass keine Physik oder Biologie das Leben erklären kann, wenn sie das Geistige ausschließt. Ich würde mit meinen Worten sagen, dass die Biologie und Physik des Lebendigen bis zum heutigen Tage auf untaugliche Weise mit der Physik und Chemie der leblosen, stofflichen Materie zu erklären versucht wird.

Dies mündet nicht nur in einem hochproblematischen Krankheit-Gesundheitsverständnis, dass bei maximalem technischen Fortschritt immer kränkere Menschen geradezu produziert. Bei diesem Thema bin ich aufgrund meiner eigenen inzwischen sehr umfangreichen Erfahrungen und Einsichten sehr klar und strikt. Menschen brauchen kein Gesundheitssystem, brauchen keine Medizin. Eine Zukunft, die von natürlichen menschlichen Lebewesen bevölkert wird, wird die beiden Begriffe Krankheit und Gesundheit gar nicht mehr kennen, erst recht nicht Therapie.

Bedauerlicherweise bemächtigten sich vor allen Dingen die großen Religionen zu Machtzwecken diesem fehlenden Zugang zur Geistigkeit. Geschickt wusste man die Ängste der Menschen zu wecken und sich als Spezialist für Sinn, Geistigkeit und einen vermeintlichen Zweck des Lebens zu positionieren.

Kurzum, die Fülle der Gemeinsamkeiten, die auf kritischer Betrachtung und Naturwahrnehmungen beruhen, ist groß. So ist Sigwarts von innen kommende Freude, wie er schreibt, mit diesem Buch eine Basis für eine neue erfüllende Lebensaufgabe geschaffen zu haben, mehr als nur verständlich. Wenigstens nehme ich es so wahr, weil es mir wiederum ähnlich erging und ergeht.

Ich kenne auch die von ihm geäußerte Unmöglichkeit, noch „normale Arbeiten“ annehmen zu können, nur um irgendwie zu überleben. Ich wünsche ihm von Herzen, dass sein Wunsch in Erfüllung geht, mit dem Buch auf die Reise zu gehen und die befreienden Aussichten in Vorträgen und Seminaren selber weiter zu vertiefen und zugleich an andere Menschen heran zu tragen. „Lehre das, was Dir selber zu lernen wichtig ist“ soll mal ein weiser Mensch gesagt haben. Ich kann nur zustimmen.

Weisheit ist in meinem Sprachverständnis gelebtes Wissen. Dies bedeutet automatisch die Entwicklung sowohl weiblicher, intuitiver Fähigkeiten als auch männlicher, umsetzungsstarker Fähigkeiten. Mann und Frau sind biologisch unterschiedlich und in der Tiefe doch weitaus ähnlicher als angenommen. Die zu Herrschaftszwecken geschaffene gesellschaftliche Trennung der Rollen ist künstlich und entspricht nicht der Wirklichkeit. Dies will ich nicht versäumen zu erwähnen, denn hierin liegt eine große gebundene Kraft. So wenig wie es das Gegensatzpaar Krankheit und Gesundheit gibt, gibt es einen Gegensatz von Mann und Frau. Bröckeln die Missverständnisse zu diesem Thema, wird dies einem geistigen Vulkanausbruch gleichen, der langfristig dazu beitragen wird, dass diese Welt tatsächlich befreiende Aussichten erleben wird.

Seien wir optimistisch und sagen auf Nimmerwiedersehen zur fremdbestimmten Person und begrüßen das selbstbestimmte (sich selbst mit Klang erfüllende) natürliche, menschliche Lebewesen, dass wie selbstverständlich denken und sagen kann, was ich seinerzeit im bereits zitierten Artikel formulierte, zwei Sätze, die Sigwart sehr inspirierend und passend fand:

„Gelingt es Dir hingegen, ihm die Vorzüge des Brotschneidens und Teilens schmackhaft zu machen, kannst Du ihn sorglos mit Dolchen reich beschenken. Die Frage ist also nicht allein, welches Instrument im Gebrauch ist, sondern in welcher Geistesverfassung und mit welchem Ziel das Instrument von seinem Benutzer verwandt wird.“ und „Wer das System ändern will, muss ein neues säen, jawohl säen!

Sigwart Zeidler

Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.Antoine de Saint-Exupery, (aus: Die Stadt in der Wüste / Citadelle)

Niemand wird leugnen und übersehen können, dass die Menschheit vor gewaltigen Herausforderungen steht1. Immer mehr Menschen fragen sich: „Wohin wird das führen? Wie soll das weitergehen? Warum tun die Politiker nichts? Was kann ich tun, um die Welt zu retten? Kann ich überhaupt etwas tun?“ Und viele verzagen und stellen mit Gefühlen der Ohnmacht und Hilflosigkeit fest: „Ich kann ja doch nichts tun. Die da oben machen ja nur, was sie wollen. Der kleine Mann hat nichts zu sagen. Die Politik dient immer der Wirtschaft.“ So oder ähnlich wird der Leser vielleicht selbst denken. Zumindest wird er solchen Gedanken oft genug begegnet sein.

Gleichzeitig sehen wir, dass die von vielen gespürte Ohnmacht und Hilflosigkeit gegenüber den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Zuständen die Polarisierung fördert. Für Trump oder gegen Trump, Putinhasser oder Putinversteher, Schulmedizin oder alternative Heilmethoden, Wirtschaftswachstum oder Gemeinwohlwirtschaft, alle Flüchtlinge oder keine. So stehen viele weitere Standpunkte scheinbar unvereinbar gegenüber und fördern Unzufriedenheit bis hin zu offener Gewalt und zu Hass. Den Leitmedien oder den sog. alternativen Medien zugewandt versucht dann jeder, seine „Wahrheit“ gegen die vermeintliche Lüge durchzusetzen.

Dadurch fördern wir nur die Spaltung der Menschen untereinander. Wie aber fördern wir Frieden, Gemeinwohl und Freiheit? Auf diese Fragen will ich Antworten geben. Wie weit der Leser diesen zu folgen bereit ist, hängt nicht zuletzt von dessen Offenheit und Unvoreingenommenheit ab.

Deshalb bitte ich den Leser, nicht ungeprüft für oder gegen bestimmte Zustände Partei zu ergreifen, sondern einfach einmal davon auszugehen, dass die materielle Welt polar aufgebaut ist. Wie jede Münze zwei Seiten hat und jeder Magnet zwei Pole besitzt, so hat jede materielle Erscheinung zwei Seiten oder Pole. Die Natur kennt nicht nur Berge oder nur Täler, sondern immer beides zusammen.

Wenn es dem Leser gelingt, auch in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik Gegensätze als Pole eines Ganzen zu sehen, dann stellt sich Neutralität ein. Diese ermöglicht ihm, die ganze Wahrheit zu sehen, weil er nicht mehr wertet und einen Teil davon ablehnt. Diese erweiterte Wahrnehmung hat weitreichende Folgen:

Der betroffene Mensch erfährt eine Bewusstseinserweiterung.

Er fühlt sich nicht mehr als hilfloses Opfer der Umstände, sondern sieht die Umstände als Folge des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns.

Er weiß, dass er also die Umstände durch sein Denken, Fühlen und Handeln mitbestimmt und folglich die Änderung der Gedanken zur Änderung der Umstände führt.

Er wird erkennen, dass alle äußerlich sichtbaren Erscheinungen nur Abbildungen unserer Geistesverfassung und inneren Zustände sind, weil die Welt fraktal2 aufgebaut ist, was jahrtausendalte Aussagen belegen: „Wie oben so unten“ oder „Wie innen so außen“.

Dieses Buch will im Leser die Sehnsucht nach einem umfassenden Verständnis der Welt wecken. Dadurch werden dem Leser Visionen einer Menschheit ermöglicht, die selbstbestimmt in dauerhaftem Frieden, unbedingter Freiheit und allgemeinem Wohlstand lebt.

Ein paar Hinweise

Lieber Leser, wir begeben uns auf eine gemeinsame Entdeckungsreise, um uns und die Welt neu und umfassend zu verstehen. Dabei wollen wir uns als Menschen gegenseitig helfen und unterstützen und deshalb das wertschätzende Du als Anrede verwenden. Gemeinsam wollen wir feststellen, ob wir selbstbestimmter, eigenverantwortlicher, freier, glücklicher, sinnerfüllter, friedvoller, kooperativer und kreativer leben können, als wir es bisher tun oder auch nur für möglich halten.

Ich habe mich bemüht, von mir genannte Fakten und Möglichkeiten mit Quellen zu belegen. Wenn es sich bei diesen um Bücher handelt, habe ich immer nur den Autor und den Titel des Buches angegeben. In aller Regel ist ein Buch über diese Informationen eindeutig auffindbar.

In den Fällen, in denen ich Quellen des Internets angegeben habe, musste ich vielfach die langen Ausdrücke für die URL verkürzen. Das habe ich nicht getan, um zu verbergen, wo die Quelle zu finden ist, sondern um die Zeilenzahl in den Fußnoten begrenzt zu halten, in denen ich die Quellen vermerkt habe. Die Erreichbarkeit der Seiten im WWW habe ich alle am 30.03.2018 überprüft. Sollte also eine Seite zum Zeitpunkt ihres Aufrufs nicht mehr erreichbar sein, tut es mir leid. Ich habe sehr oft drei bis vier Quellen angegeben, um die Überprüfbarkeit meiner Aussagen trotzdem zu gewährleisten.

Nun viel Freude beim Lesen.

Herausforderungen des Lebens

„Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden, noch wird man sagen, siehe, hier und da ist es; denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in Euch.“ Lukas 17, 20

Ein Märchen

Du kennst sicher das Märchen von Frau Holle3 . Es zeigt nach meinem Verständnis wunderbar die Polarität der Welt im zwischenmenschlichen Bereich:

einerseits das Mädchen, das sich die Anerkennung der Mutter verdienen muss und der Mehrzahl aller Menschen als Regierte entspricht,

andererseits das Mädchen, das bedingungslose Zuwendung der Mutter erfährt und gemeinsam mit ihr Macht und Herrschaft repräsentiert.

Und es zeigt, welche Pole in jedem von uns immer wirken:

das ichbezogene, auf äußeren Erfolg gerichtete Denken und

das die Bedürfnisse der Seele und des Lebens wahrnehmende Fühlen.

Betrachten wir also gemeinsam das Märchen unter Berücksichtigung der Polarität.

Von zwei Stiefschwestern ist die eine schön und fleißig, die andere hässlich und faul. Oberflächlich betrachtet, ist der Fleiß schön und wird reich mit Gold belohnt, während die Faulheit hässlich ist und mit Pech bestraft wird.

Deutlich sind zwei Pole benannt, und auf den ersten Blick scheint die Entscheidung für den „guten“ Pol inneren und äußeren Reichtum im Leben zu bringen. Erst die genauere Betrachtung führt uns auf ihre tiefer liegende Bedeutung für die Handlungsmotive der Mädchen und zeigt uns, dass nur beide Pole gemeinsam das Leben reich werden lassen. Die Motive wirst Du wohl mindestens ansatzweise in Dir selbst entdecken.

Die leibliche Tochter der Mutter wird durch deren bedingungslose Zuneigung verwöhnt und versorgt. Sie hat keinen Antrieb, etwas für ihr leibliches, seelisches und geistiges Wohl zu tun.

Die Stiefschwester muss sich durch die Erfüllung verschiedenster Aufgaben die Zuneigung der Mutter verdienen. Also tut sie alles, was die Mutter von ihr verlangt ohne Rücksicht auf sich selbst. Die zerstochenen, blutenden Finger nimmt sie hin, nur um der Mutter alles recht zu machen.

Viele von uns kennen das aus eigenem Erleben, weil sie sich selbst die Zuneigung mindestens eines Elternteils verdienen mussten. So von den eigenen Lebensbedürfnissen abgeschnitten, funktionieren, arbeiten und schuften wir als Erwachsene nicht nur, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern unbewusst auch, um die Anerkennung unserer Vorgesetzten, Auftraggeber, Ehepartner, Freunde und immer noch die unserer Eltern zu erhalten. Deshalb repräsentiert die Mutter der beiden Schwestern nicht nur einen auch heute noch überall anzutreffenden Muttertyp, sondern zugleich im weitesten Sinne die Führungskräfte der gegenwärtigen Gesellschaft.

Im weiteren Verlauf zeigt uns das Märchen, dass gerade in dieser Herausforderung der Mutter bzw. der Führungskräfte auch eine unglaubliche Chance steckt. So sehr ist die Stieftochter durch das lange Spinnen geschwächt, dass ihr die Spule in den Brunnen fällt. Genau das ist der Burnout, den heute viele Menschen erleben. Die Mutter, genauso wie die Gesellschaft, fordert trotzdem die Weiterarbeit und stürzt das Mädchen in eine existentielle Krise. Es will weiterhin funktionieren, kann es aber nicht mehr.

So fällt es ungewollt voller Angst in ein Loch, in den Brunnen. Ihr schwindelt und sie verliert die Besinnung. Als sie aber aus ihrer Bewusstlosigkeit erwacht, begegnet sie unmittelbar dem Leben und seiner Schönheit und ist ganz bei sich. Indem sie so bei sich ist, nimmt sie erstmals auch die Stimme ihrer Seele wahr, die mit allem verbunden ist. Sie hört also ihre eigene Seele, die ihr sagt, dass das Brot aus dem Ofen geholt werden muss und die Äpfel vom Baum geschüttelt werden müssen. So sehr ist sie von der Schönheit des Lebens gefangen, dass sie der inneren Stimme vertraut und tut, was diese ihr sagt.

Dieses Vertrauen gestattet ihr schließlich den direkten Kontakt zur Seele, die in Gestalt der Frau Holle auftritt. Marie ist erschreckt über Frau Holles große Zähne – ja, sie nimmt ihren eigenen „Biss“ wahr, hat Angst davor und möchte am liebsten wieder umkehren. Kein Wunder, hat sie doch bisher nur der Stiefmutter gehorcht und nie den Biss gehabt, ihr zu widersprechen. Aber die Seele spricht zu ihr und gibt ihr zu verstehen, dass es ihr gut gehen wird, wenn sie alle Arbeit im Hause ordentlich tun und vor allen Dingen das Bett gut aufschütteln wird. Sie soll also jetzt in ihrem eigenen Inneren aufräumen, Ordnung schaffen und die Seele gut betten. Dadurch kann diese Ruhe und Frieden finden, was durch den Schnee ausgedrückt wird, der ihre Innenwelt bedeckt. Goldmarie sorgt so einfühlsam für ihre Seele, dass diese sie nähren und kräftigen kann wie sonst nur „Gesottenes und Gebratenes“.

So gut ihr auch die innere Einkehr, das Verweilen bei sich selbst tut, so sehr sehnt sie sich in Gedanken doch wieder nach ihrem vertrauten menschlichen Umfeld, nach Kontakt zur Außenwelt. Und die Seele freut sich darüber, denn nur so kann der gewonnene Reichtum, die Stärke und der Frieden in die Welt gebracht werden. Beim Übergang von der Innenwelt in die Außenwelt wird dem Mädchen bewusst, welchen enormen Reichtum sie in sich trägt. So rein und klar ist sie innerlich, dass ihr gesamtes Seelenpotential, ihr innerer Reichtum, nach außen strahlt wie Gold. Nach der Ankunft in der realen Außenwelt ist die Verbindung zur Seele keineswegs abgerissen, sondern bleibt ihr auch im alltäglichen Leben bewusst. Deutlich wird das daran, dass sie das Krähen des Hahns als Willkommensgruß wahrnimmt.

Und ihre Wirkung nach außen ist so intensiv, dass die Stiefmutter ihren inneren Reichtum voller Neid spürt. Dieser Neid wird nun zum Motiv, die Tochter zu zwingen, sich ebenfalls auf den Weg zu Reichtum zu begeben. Erstmals ist Pechmarie gefordert, etwas für ihr Lebensglück zu tun.

Leider ist sie so sehr vom Gedanken an materiellen Reichtum gefangen, dass sie glaubt, die Stiefschwester sei mit Gold für eine Dienstleistung belohnt worden. So sehen wir in ihr einen Menschen, dessen Bewusstsein nur vom Denken ausgefüllt ist, weil er keine Verbindung zur eigenen Seele hat. Sein Denken und Handeln orientiert sich allein an gesellschaftlichem und materiellem Erfolg.

Voller Ungeduld und in Erwartung materiellen Goldes springt sie also in den Brunnen. Auch sie begegnet dem Leben und könnte ihr Innerstes wahrnehmen und kennen lernen. Sie hört zwar das Brot und den Apfelbaum rufen, erkennt dieses Rufen aber nicht als den Ruf der eigenen Seele und wendet sich ab. Weder empfindet sie Mitgefühl mit dem Brot und dem Baum noch Freude an der notwendigen Arbeit. Die Gedanken an ihr bisheriges Leben, in dem sie nichts für ihren Lebensunterhalt tun musste, lassen sie glauben, auch für das Gold nichts tun zu müssen. Ihre bisherige Lebenserfahrung hindert sie, den Stimmen und Frau Holle zu vertrauen.

Auch den Wunsch der Seele nach innerer Reinigung und Ordnung kann sie nicht wirklich verstehen. Statt sich vertrauensvoll dem Leben zu öffnen und so seine Vollkommenheit und Schönheit zu erkennen, lässt sie sich weiterhin von Gedanken an materiellen Reichtum treiben. Obwohl sie lieber schläft statt die Betten zu schütteln, findet sie weder Ruhe noch Frieden. Die Seele fühlt sich unerhört und entlässt das Mädchen wieder in die Außenwelt. In diesem Moment wird ihr der Mangel an Lebendigkeit und das Fehlen des inneren Lichts bewusst. Doch statt umzukehren, lässt ihr Verstand sie die Dunkelheit als Pech und etwas Fremdes wahrnehmen. Sie sieht sich als Opfer äußerer Umstände, nicht als Mensch, der sich weigert, der inneren Stimme und dem Fühlen zu vertrauen. Wegen ihrer Unfähigkeit oder Weigerung zu fühlen nimmt sie das Krähen des Hahns als Ablehnung wahr.

Stellt uns das Märchen nun vor die Entscheidung „fühlen oder denken“? Gewiss nicht. Wäre Goldmarie in ihre Gefühle versunken geblieben, wäre sie nicht zur Mutter und Schwester zurückgekehrt. Erst der Gedanke an zu Hause, an die Mutter und die Schwester ließ sie aufbrechen. Der Goldsegen kam erst, nachdem sie dem Denken wieder Raum gegeben hat. Aber sie hat die Bedürfnisse der Seele gespürt und hört weiterhin auf die innere Stimme, die nun dem Denken die Richtung weist und dem Leben Halt gibt.

Pechmarie dagegen hat sich dem lebendigen Fühlen versperrt. Die Gefühle der Schuld, des Versagens, der Unzulänglichkeit und eben des vom Pech verfolgt seins sind Folge ihres Denkens. Sie weisen sie immerfort darauf hin, endlich das Leben und seine Bedürfnisse zu spüren.

Misserfolg, Armut, Not und alle Leiden erweisen sich letztlich immer als Folge mangelnden Kontakts zum Leben. Sie sind als Herausforderung des Lebens zu dessen Wahrnehmung und all seinen Regungen zu verstehen. Sie fordern uns auf, auch die Dinge zu sehen und anzuerkennen, die wir am liebsten nicht sehen wollen.

Individuelle Herausforderungen

Das Leben stellt uns immer wieder vor Herausforderungen. Jede Herausforderung verlangt nach einer Antwort, die nicht aus erlernten Verhaltensmustern oder angenommenen Glaubenssätzen und auch nicht aus dem zweckorientierten Denken stammt. Die einzig gültige Antwort ist die unserer Seele, die nur erspürt und gefühlt werden kann. Neben den Künstlern, deren Werke wir bewundern, gibt es nur wenige Menschen, die einen deutlichen inneren Impuls spüren, nach dem sie ihr Leben ausrichteten wollen. Zwar haben wir alle die Fähigkeit, diesen „Ruf der Seele“ oder die „Berufung“ zu hören, aber die wenigsten von uns haben es gelernt. Schon auf die Frage „Wie verdiene ich meinen Lebensunterhalt?“, finden wir deshalb oft keine wirklich stimmige Antwort.

Dann finden wir uns wie Goldmarie im Hamsterrad einer täglichen Arbeit, deren Ziele und Inhalte von anderen bestimmt werden. Genau wie Goldmarie finden wir uns möglicherweise plötzlich im Burnout wieder oder sind mit Krankheits- und Todesfällen im Freundeskreis oder in der Familie konfrontiert. Wer dann diese Ereignisse als Aufforderung des Lebens versteht, den eigenen Weg zu finden, und sein bisheriges Leben hinter sich lässt, ist erst vollends zu einer Goldmarie unserer Zeit geworden.

Oft erkennen wir ein Ereignis nicht als so einen besonderen Moment, uns dem Leben hinzugeben, wenn es plötzlich aufblitzt, oder wir haben nicht den Mut, ihm zu vertrauen. Dann verhalten wir uns wie Pechmarie. Selbst wenn wir gesellschaftlich erfolgreich sind, geht das Pech des Selbstzweifels nicht mehr von uns, solange wir nicht bereit sind, unsere tiefsten Herzens- und Seelenwünschen zu erspüren.

Gerade gesellschaftlicher Erfolg hindert uns oft an der Wahrnehmung der Bedürfnisse des Lebens. Erfolgserlebnisse, materieller Wohlstand und die Anerkennung anderer verstellen den Blick auf darunter liegende Bedürfnisse und Wünsche. Die einzige Herausforderung scheint darin zu bestehen, den Lebenszustand zu erhalten oder zu verbessern. Erlernte und jahrelang eingeübte Mechanismen helfen zu funktionieren und lassen jeden neuen Erfolg als Glück erleben.

Weil dieses Glück nicht von Dauer ist, erstreben wir neuen Erfolg. Dabei übersehen wir meist, dass ein an Äußerlichkeiten hängendes Glück nie dauerhaft sein kann. Und wenn der erwartete Erfolg ausbleibt oder etwas Unerwartetes ins Leben drängt, dann erkennen wir meistens nicht den eigenen Anteil an diesem Missgeschick oder Unglück. Stattdessen machen wir äußere Umstände dafür verantwortlich und sehen uns als deren Opfer.

Da das Tor zum Leben und inneren Reichtum nie verschlossen ist, haben wir jedoch die Chance, wieder handlungsfähig zu werden. Wir müssen nur die aktuellen Lebensbedingungen als Folge der Vernachlässigung eigener Wesensanteile erkennen und akzeptieren. Dann können wir uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, in dem wir gelandet sind.

Von außen betrachtet scheint es eine Vielzahl individueller Herausforderungen mit einer ebenso großen Zahl möglicher Antworten zu geben. Aber ein zentrales Thema ist in jeder Herausforderung enthalten: Wir müssen uns dem Leben zuwenden und ihm in Liebe begegnen. Nur so können wir die eigene Antwort auf unsere spezielle Lebensfrage finden.

Kollektive Herausforderungen

Je weniger Menschen die Möglichkeit zur liebenden Lebendigkeit im Alltäglichen erkennen, umso mehr werden wir kollektiv herausgefordert, uns dem Leben zuzuwenden. Dies ist heute deutlicher sichtbar als je zuvor. Beispiele für kollektive Herausforderungen sind Probleme beim Umweltschutz, in der Bildung, im Gesundheitswesen und in der Energieversorgung. Diese können zwar nur gemeinsam bewältigt werden, aber es ist auch immer der individuelle Ruf der eigenen Seele in ihnen enthalten. Denn es gibt nicht nur eine Antwort auf diese Herausforderungen, sondern viele Ansätze und unterschiedliche Herangehensweisen, die sich sogar gegenseitig widersprechen können. Wer welchen Teil beitragen kann oder gar muss, kann nur jeder Betroffene durch Hinwendung zum Leben selbst erkennen.

Wie schon für die individuellen Herausforderungen gezeigt, ist deren Schwere davon abhängig, wie schnell eine Aufgabe als solche erkannt wird. Je länger sich jemand weigert oder scheut, seinen eigenen Anteil an kollektiven Herausforderungen zu erkennen, umso heftiger werden diese. Dies wird so lange geschehen, bis die Menschen bereit sind, Lösungen eigenverantwortlich und gemeinsam zu erarbeiten. Alle äußeren Bedingungen, die wir für den Zustand der Welt verantwortlich machen, sind immer die Folge vernachlässigter Eigenverantwortung. Solange Menschen sich als Opfer äußerer Umstände sehen, sind sie nicht fähig, ihren Anteil an den Zuständen der Welt zu sehen. Dazu gehört auch die Einsicht, dass wir die Macht, die andere über uns ausüben, selbst auf verschiedenste Art und Weise an diese Menschen abgegeben oder ihnen überlassen haben.

Wie im Fall der individuellen Herausforderungen werden wir auch durch kollektive Herausforderungen auf ein zentrales Thema hingewiesen. Es ist die Notwendigkeit, uns gegenseitig als Menschen zu begegnen, nicht als funktionale Teile einer Gesellschaft, die sich formen lassen und anpassen, sondern als freie Menschen, die sich ihres Wesens bewusst sind und die Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen schätzen und als Reichtum empfinden. Denn nur, wenn wir uns gegenseitig wertschätzen und gemeinsam handeln, können die großen Herausforderungen der Gegenwart zu aller Menschen Wohl gelöst werden.

Je mehr wir uns selbst als lebendige, liebende Menschen wahrnehmen und uns gegenseitig als solche begegnen, umso mehr werden wir zwangsläufig die Verantwortung für unser Leben wieder selbst übernehmen. Die Folge wird sein, dass sich Gesellschaftsstrukturen ganz von allein ändern und herrschaftsfreie Strukturen entstehen können. Denn eigenverantwortliche Menschen lassen sich nicht bevormunden, verwalten und über sich bestimmen. Die dann eintretende Freiheit und zwanglose Gemeinschaft ist besonders schön in der Schlussszene des Films „Der Club der toten Dichter4 “ dargestellt worden. Nachdem einer den Mut hatte, sich gegen die Anordnung des neuen Lehrers zu dem entlassenen Lehrer zu bekennen, folgen weitere Schüler diesem Beispiel, bis alle sich gemeinsam der Autorität entziehen und ihrer Unabhängigkeit Ausdruck verleihen. Dabei wird deutlich, wie wenig Macht eine Autorität hat, der niemand mehr folgt5 .

Zukunftsmodelle

Transhumanismus6

In verschiedenen Fernsehsendungen7 , in Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln8 sowie Büchern9 findet man immer häufiger Zukunftsvisionen, die uns sehr wünschenswerte und sorgenfreie Bilder eines sogenannten Transhumanismus oder neuen Humanismus vermitteln. Möglich soll diese Zukunft dadurch werden, dass durch die Entwicklung der künstlichen Intelligenz die Leistungsfähigkeit der Computer diejenige des menschlichen Gehirns weit übertrifft.

So gibt es Bestrebungen, die sogenannte künstliche Intelligenz soweit zu entwickeln, dass ein Computer oder Roboter die Gefühlsregungen eines Menschen wahrnehmen und interpretieren kann. Biotechnische Sonden, sogenannte Nanobots, sollen dem Menschen eingepflanzt werden, um die Früherkennung bisher meist unheilbarer Krankheiten durch die ständige Messung aller denkbaren physiologischen Parameter zu ermöglichen. Wieder andere Forschungsund Entwicklungsprojekte versuchen Nanochips zu entwickeln, die direkt mit dem Gehirn verbunden werden können und die Sinneswahrnehmungen des Menschen erweitern sollen.

Zukünftige Kriege sollen statt von Menschen von biotechnischen Robotern geführt werden. So soll der Mensch nicht mehr durch Befehle Vorgesetzter in Gewissenskonflikte gebracht und genötigt werden, andere Menschen zu töten.

Dank hochentwickelter Roboter werden nahezu keine Arbeiten mehr von Menschen ausgeführt. Sogar die Küchenarbeiten werden von

Robotern autonom verrichtet, wobei die Zubereitung der Mahlzeiten für jeden Menschen innerhalb einer Hausgemeinschaft ganz individuell entsprechend der von den Nanobots gelieferten Körper- und Seelenzustände jedes einzelnen Mitglieds erfolgt.

Die so geschaffenen Cyborgs10 werden belohnt mit einer nahezu vollständig für sich selbst verfügbaren Zeit, die sie hauptsächlich mit Sport, Yoga, Fitnessübungen und weiteren Freizeitbeschäftigungen verbringen.

Die Transhumanisten sind davon überzeugt, dass der Mensch sein Gehirn für das Denken nicht mehr braucht, da die Computer diesem weit überlegen sind. Deshalb weiß der Computer auch besser als die Eltern, was das Kind will und was gut für es ist. Die richtige Ernährung übernimmt der Kochroboter.

Mit Hilfe der Superintelligenz der Computer lässt sich eine völlig neue Medizin entwickeln11 . Die im Körper eines Menschen kreisenden Nanobots liefern regelmäßig die Daten über den Gesundheitszustand des Menschen. Der empfangende Computer liefert die zu einer diagnostizierten Krankheit optimale Therapie. Nicht mehr funktionsfähige Körperteile vom Auge bis zum Herz werden durch künstliche Implantate ersetzt.

Schließlich sind die Transhumanisten der Überzeugung, dass durch die ständige Reparatur des Köpers der Mensch nicht mehr sterben wird.

Es gibt allerdings auch Kritiker12 dieser Entwicklungen, wie z. B. „das digitale Manifest“13 , die vor globaler Kontrolle und Entmündigung der Menschen warnen.

Freiheit in Eigenverantwortung

Mein eigenes Zukunftsmodell geht von der Vorstellung einer menschlichen Gesellschaft aus, die aus selbstverantwortlichen, fühlenden Wesen14 besteht. Aus menschlichen Wesen, die kraft ihrer Eigenverantwortung, ihres eigenständigen Denkens und ganzheitlichen Fühlens selbst eine menschenwürdige Zukunft gestalten, in der Menschen friedlich miteinander arbeiten und Lösungen suchen, anstatt sich im Konkurrenzkampf gegenseitig einzuengen, zu bedrängen und am Ende krank zu werden.

Viel wird über eine gerade stattfindende Energieerhöhung und damit verbundene Bewusstseinserweiterung der Menschheit15 geredet und geschrieben. Immer wieder hören wir, dass die Menschheit durch diesen allgemeinen Bewusstseinswandel in ein goldenes Zeitalter geht, in dem es keine Kriege und Gewalt mehr gibt. Und es gibt nicht wenige Menschen, die davon überzeugt sind, dass dieser Bewusstseinswandel zwangsläufig, geradezu automatisch, erfolgt. Sie sind sicher, dass wir gar nichts zu tun brauchen, dass uns der Bewusstseinssprung, das Erwachen sozusagen einfach überfällt.

Nun ist das zwar eine schöne und verlockende Aussicht, ich selbst kann aber weder erkennen noch glauben, dass die Natur, die Weisheit, die Liebe, das Leben, Gott oder wie immer wir die wirkende Energie und Kraft bezeichnen wollen, uns einfach so über Nacht in einen neuen, bisher unbekannten, Bewusstseinszustand katapultieren wird. Zu zahlreich sind die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen, gesundheitlichen und sonstigen Probleme, als dass wir erwarten dürfen „Das alles wird sich von ganz allein ändern, einfach, weil das Universum es so will“.

Sieht man sich die Entwicklung des Lebens an, entsteht der Eindruck, dass das Universum oder die geistige Intelligenz die Entwicklung des Bewusstseins will und unterstützt. Jedenfalls bin ich davon überzeugt, dass ein Bewusstseinswandel notwendig ist, wenn die Menschheit in Frieden und Freiheit leben will. Aber ich bin mir auch sicher, dass hierzu die Mitarbeit der Menschen, jedes einzelnen Menschen notwendig und gefordert ist. Wir erwachen zwar nahezu automatisch nach einer gut durchschlafenen Nacht, aber wir müssen uns bewusst entscheiden, die Augen zu öffnen und aufzustehen. Ebenso bewusst und willentlich müssen wir die Entscheidung treffen, unsere Situation in dieser Welt und in der Gesellschaft klar zu sehen und zu erkennen, welche Herausforderungen das Leben mit den äußeren Umständen an uns als Einzelwesen stellt.

Zu dieser notwendigen Bewusstseinsentwicklung möchte ich meinen Beitrag leisten. Deshalb stelle ich die Welt in einer Weise dar16, die nur denkbar wird, wenn alle Vorstellungen, Dogmen und Glaubenssätze hinterfragt und nötigenfalls aufgegeben werden.

Vermutlich werden wir innerhalb der nächsten zwei Jahre einen Wirtschaftszusammenbruch17 erleben, wie es ihn bisher noch nicht gegeben hat. Die weltweit sehr hohen Staatsschulden und Finanzblasen am Aktienmarkt lassen ihn unausweichlich erscheinen. Dieser Wirtschaftszusammenbruch wird möglicherweise zu sehr viel Chaos, vielleicht sogar zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Kämpfen um die notwendigen Dinge des täglichen Lebens führen. Dann werden vermutlich die Stimmen nach starken Politikern und neuen Führern laut, die uns aus dem Elend retten sollen. Machtbesessene Menschen gibt es genug, die dem Ruf gern folgen und sich als Retter darstellen werden. Aber wir haben die Wahl. Statt nach neuen Führern zu rufen, können wir uns eigenverantwortlich selbst organisieren.

Alles ist gut, so wie es ist

Lieber Leser, wie geht es Dir nun nach den letzten zwei Kapiteln? Was hast Du spontan abgelehnt und was befürwortet? Hast Du vielleicht sogar beides abgelehnt? Den Transhumanismus, weil er Dir zu technisch ist und Du nicht ein dauerhaftes Leben mehr als Maschine statt als Mensch führen willst? Und die Freiheit in Eigenverantwortung, weil Du sie für eine nicht realisierbare Utopie hältst? Oder hast Du Dich spontan zum Transhumanismus gezogen gefühlt, weil er das ewige Leben verspricht?

Wie auch immer, ich bin sicher, Du hast Teile negativ und andere positiv bewertet, also einiges abgelehnt und anderem zugestimmt. Und ich gebe zu, so ging es mir auch, als ich zum ersten Mal am 06.09.2016 in der Reihe Quarks und Co. eine Dokumentation über die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz sah. Ich fühlte mich verhöhnt und verdummt durch dogmatische Propaganda für ein mir vollkommen unstimmig erscheinendes Menschenbild. Mein Gefühl sagte mir, dass die Vertreter der dargestellten heilen Welt nicht nur falsche Vorstellungen darüber haben, was Intelligenz und Leben sind, sondern sogar gegen das Leben arbeiten.

Aber heute, nach Fertigstellung des Buches, kann ich die Bemühungen der Transhumanisten genauso wie viele andere gesellschaftliche Aktivitäten, ganz gelassen ansehen. Denn mir ist klar und bewusst, dass alles zu dem Zeitpunkt, zu dem es auftritt, richtig und gut ist. Warum?

1. Alles ist eins und alles Leben stammt aus derselben Quelle. Deshalb haben alle Gedanken und Taten der Menschen ihre Berechtigung und ihre Bedeutung.

2. Jede Ablehnung und jeder Widerstand führt zu Konflikten und zu Gewalt. Zuerst in mir und, wenn ich ihn nach außen trage, in der Gesellschaft. Oder aber ich verdränge das, was ich ablehne, und tue so, als gäbe es das gar nicht. In diesem Fall nehme ich mich als Opfer wahr, wenn die Dinge doch eintreten, die ich abgelehnt habe.

Rational wird es Dir einleuchten, aber emotional wirst Du immer noch in der Ablehnung oder Zustimmung stecken. Die Emotionen lassen sich nicht einfach durch rationale Argumente beiseiteschieben.

Deshalb habe ich noch einmal in meine eigene Ablehnung und meinen Widerstand hineingefühlt. Und wenn Du das gleiche tust, wirst Du hinter der Ablehnung die Angst spüren, die auch ich gespürt habe. Z. B. die Angst, Opfer von etwas zu werden, was Du nicht willst. Wenn Du diese Angst spürst, frage Dich, welche in Dir liegenden Gedanken, Glaubenssätze und Vorstellungen diese Angst nähren. Fühlst Du Dich so klein und schwach, dass Du meinst, nichts dagegen tun zu können?

Nachdem mir bewusst wurde, dass ich meiner Lebendigkeit und meiner Verantwortung trauen kann, mich nicht zur Implantation von Nanobots oder anderen Chips zwingen zu lassen, verschwand die Angst. Sollen sich andere Menschen entscheiden, wie sie möchten. Es ist ihr Leben, das sie selbst gestalten. Ich gestalte meines wie ich es will.

Falls Du nun kein Freund der transhumanistischen Ideen zur Verbesserung des Lebens bist, fragst Du Dich vielleicht, was denn dann gut an dieser Entwicklung sein könne. Zum Beispiel zwingen uns solche Entwicklungen, die Fragen nach dem Leben - woher kommt es, wohin geht es, ist es als rein materielle Ausdrucksform verständlich oder muss es einen geistigen Grund haben - erneut zu stellen und alte Antworten zu prüfen. Und die Aussage, dass Kriege in Zukunft von Biorobotern geführt werden, zwingt zur Frage, warum überhaupt Kriege geführt werden sollten. Und wenn behauptet wird, dass das Kinderspielzeug dank seiner künstlichen Intelligenz besser als die Eltern weiß, was das Kind will und was gut für es ist, dann werden wir zu einer Antwort auf die Frage gezwungen: „Worin liegt der Unterschied zwischen Fühlen und Wissen?“. Denn die Mutter weiß nicht, was das Kind braucht und will, sie fühlt es.

Mein Wunsch, meine Sehnsucht ist die nach Menschen, die sich nicht mehr führen lassen wollen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und so die Verantwortung, die sie bisher abgegeben hatten, wieder zurücknehmen, um dann die Zukunft nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Und ich will die Vorstellungen beflügeln, will aufzeigen, wie reich, bunt und vielgestaltig das Leben aller Erdenbürger sein kann, wenn jeder die Verantwortung für sein Leben übernimmt und mitwirkt am Aufbau einer Gesellschaft, die keine Herrschaft mehr zulässt.

Aufruf zur aktiven
Zukunftsgestaltung

Wenn Geschichte ist, was heut geschieht,
der Mensch die Dinge anders sieht,
als er sie heute noch kann sehen,
wenn die Dinge grad‘ geschehen.

Egal, ob er nicht sehen wollte,
oder auch nicht sehen sollte,
wer hinter den Kulissen spielte

und auf Macht und Einfluss schielte,
half er doch durch eigenes Verhalten
die Macht der Herrschaft zu erhalten.

Denn nach Sicherheit zu streben,
war wichtiger als frei zu leben,
und um Ordnung zu erhalten,

ließ er sich klaglos auch verwalten.

Wenn nah die Zeit, die einst sehr fern,
dann sieht er mit Erstaunen gern

die wahr gewordene Vision,
die manche hatten damals schon.

Dann wird er auch nicht mehr bereuen,
sondern sich statt dessen freuen,
dass er inzwischen ohne Scheu,

ist nur noch seinem Herzen treu.

Denn er wird den Grund verstehen
für die Freiheit, die er heut kann sehen.

das Herz wollt‘ diese ihm schon schenken,
als er noch nicht konnt‘ daran denken.

 

Notwendigkeit der Selbsterkenntnis

Der Mensch, von der Person18 befreit,
ist endlich klar und drum bereit,

zu hören, was das Leben sagt,
in das er sich beherzt nun wagt.

Dann wird er nur auf sich noch hören,
egal, wer immer ihn will stören.
Er findet in sich selber Halt,
und kann jetzt schließen diesen Spalt
zwischen Herz und dem Verstand,
den die Person dort immer fand.

Was er zuvor hat unterdrückt,
weshalb das Leben nicht geglückt,
spürt er als eigenes Potential,

das sich entfaltet ohne Qual.

Mit der Entscheidung, klar zu erkennen, wer wir sind, was das Leben von uns will, was wir im tiefsten Inneren wollen und welche ...

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