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Baustelle Baby

Über dieses Buch

Babys – auf diese Kleinen können Sie bauen! Nämlich dann, wenn es darum geht, dem bisher bekannten Leben die Abrissbirne zu verpassen. Mama Sonya redet hemmungslos Tacheles über Männer in der Schwangerschaft, Sex währenddessen und danach, Renovierungsarbeiten am Love-Channel, den hauseigenen Molkereibetrieb und die stärkste Droge der Welt: Mamahormone! Ein brüllend komisches Buch, in dem sich alle Mamas und zukünftigen Mamas wiederfinden. Und alle Frauen, die sich insgeheim oder ganz offen die Kinder-Frage stellen, wissen nach der zutiefst erhellenden Lektüre, welche Antwort für sie die richtige ist: Ja, nein oder vielleicht doch lieber erst später.

Über die Autorin

Sonya Kraus jobbte schon mit 15 als Model, machte Abitur und arbeitete in allen Modemetropolen der Welt. Sie wollte zum Fernsehen, landete beim Glücksrad … und wollte nicht mehr schweigen, sondern lieber plaudern. Sie talk, talk, talkte ganz viel und wurde die SOS-Renovierungsfachfrau bei ProSieben. Die beliebte Moderatorin ist Autorin der Bestseller Baustelle Mann und Baustelle Body. In ihrem neuen Buch, Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, frag nach Salz und Tequila, erzählt sie u.a. wie sie gelernt hat, mit ihrem Barbie-Image Geld zu verdienen, statt in die Kissen zu heulen.

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  1. STATT EINES VORWORTS – EINE WARNUNG
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    BAUPROJEKT-BERATUNG, ABTEILUNG NESTBAU: SOLL ICH – ODER SOLL ICH NICHT?
    1. Baby-Baustelle oder doch lieber (noch) Brachland – das ultimative Kraus'sche Grundstücksgutachten
      1. Fundament-Check, Teil 1: Viva la Mamma oder: Sind wir bereit?
      2. Fundament-Check, Teil 2: Das Grundstück und der Baustofflieferant – unsere Beziehung und der Mann, der’s bringt
      3. Fundament-Check, Teil 3: Projektfinanzierung und potenzielle Baustellen-Aufsicht
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    DIE WICHTIGSTE SCHWEIßARBEIT AUF DER BAUSTELLE: EI MEETS SPERMIUM
    1. Tipps für den beschleunigten Baubeginn – Doping für den Uterus
      1. High-Fertility-Hitparade
      2. Das geht an die Bausubstanz: Hitliste der Feinde der Fruchtbarkeit
    2. Last Next Exit Baby: Was tun, wenn's nicht klappt mit dem Klapperstorch?
      1. Der Hardware-Check
      2. Doktor, Doktor – ich will ein Kind von dir!
      3. Hey, Big Spender? Samen-Shopping, Ei-Einkauf und das Kleingedruckte
      4. Selbst ist die Frau: Der Weg zum eigenen Baby für Singles, lesbische Paare und andere »Outcasts«
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    VOM BAUBEGINN BIS ZUM RICHTFEST – UNSERE SCHWANGERSCHAFT ODER: WER, ZUM TEUFEL, HAT DIE ACHTERBAHN HIER AUFGESTELLT?
    1. Richtig »spachteln« in der Schwangerschaft oder: Wieso uns unser Heißhunger nicht immer das richtige Baumaterial empfiehlt
      1. Addicted to Schwangerschaft – die Highlights
      2. Niederträchtig: Zwölf gemeine Sabotagen auf der Baby-Baustelle – und Strategien, um sie zu verhindern
    2. Der Countdown läuft – Zeit für Baumaßnahmen, für die wir nach dem Richtfest garantiert keine mehr haben werden
      1. Das Kinderzimmer – Herzstück unseres Baugeländes
      2. Die Absicherung des Bauobjekts – ein bisschen Organisation, damit der Einzug reibungslos klappt
      3. … und noch ein paar Vorbereitungen für das nahende Schlacht…, äh, Richtfest
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    UNSER CO-ARCHITEKT – FORMERLY KNOWN AS LOVER
    1. 9 ½ Monate oder: So retten wir unsere Liebesbeziehung
      1. Das Problem: Östrogen gegen Testosteron
      2. Liebe geht durch die Nase: die ISS
    2. … unsere kleine PAPA-Schule
      1. Schritt 1: Das Home-Incentive-System (H.I.S.)
      2. Oh, Baby! Warum Sex mit Babybauch eigentlich eine Spitzenidee ist
      3. Schritt 2: Think Pink – Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!
      4. Schritt 3: Gegen den Gebärneid: Wir ernennen ihn zum Bauleiter!
      5. Mein Geständnis!
      6. Pappa ante portas: Sonyas kleine Typologie (werden)der Papis
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    NACH DEM EINZUG DES DIKTATORS: VOM WIEDERAUFBAU, DEM MOLKEREIBETRIEB UND ANDEREN HERAUSFORDERUNGEN ALS NEU-MAMI
    1. Repariert statt ramponiert: So renovieren wir unseren Keller nach dem Spiel der Naturgewalten
      1. Die weitere Instandsetzung oder: Wie, zum Teufel, kriegt Heidi Klum das mit den Modelmaßen so flott wieder hin?
      2. Die Instant-Traumfigur: Eins, zwei, drei – schlank!
    2. Unsere kleine Milchbar und die Kosten-Nutzen-Bilanz: Was für die Eröffnung spricht – und was dagegen
      1. Der erste Sex danach: Like a Virgin, hey, touched for the very first time …
    3. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt: Leben auf der Baustelle
      1. The Baby and the »Beasts« – warum Kinder und Tiere ein Dreamteam sind
      2. Was ich als Mutti niemals tun wollte
    4. Morgens halb zehn in Deutschland oder: Auch auf einer Baustelle gibt's Pausen. Warum Mamas gesunder Egoismus das Beste fürs Kind ist
      1. Stressreduktion auf der Baustelle mit Tipps aus der freien Wirtschaft
      2. Vorsicht vor dem bisschen Kind: Grüße aus der Anstalt
  7. STATT EINES NACHWORTS – EIN TAGEBUCHEINTRAG
  8. Meine Leseliste

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STATT EINES VORWORTS – EINE WARNUNG

Meine Lieben!

Herzlich willkommen auf meiner »Baustelle Baby«.

Vielleicht stehen Sie ja gerade blätternd in einer Buchhandlung und beabsichtigen eventuell sogar, mein neuestes Opus käuflich zu erwerben. Das freut mich sehr, denn ich mag mein Buch. Wirklich! Ich habe es mit sehr viel Herzblut geschrieben. Trotzdem möchte ich Sie warnen. Sie sollen wissen, worauf Sie sich einlassen. Denn auch wenn im Titel das verdächtige Wort »Baby« vorkommt:

Dies ist KEIN Buch über Babys!

Wenn Sie nach einem zuckersüßen rosaroten Baby- und Mutti-Ratgeber suchen und Tipps zu Aufzucht und Pflege eines neuen Erdenbürgers brauchen, greifen Sie bitte zu anderen Werken.

Okay, ich gebe es zu, Babys kommen bei mir auch vor, denn ohne diese zauberhaften kleinen Wesen würde dieses Buch keinen Sinn ergeben. Nichtsdestotrotz liegt die Betonung in der Überschrift auf dem Wort »Baustelle«. Denn mal Hand auf den Bauch: Wer ist die Baustelle beim Kinderkriegen? Riiiichtig: die Muddi.

Genauer gesagt: Die »Baustelle Baby« umfasst das ganze bisherige Leben der (werdenden) Mama. Ihren Körper, ihren Job, ihre Familie, ihre Beziehung, ihre Finanzen, ihre Wohnung, ihre Gesundheit, ihre Hobbys, ihre Essgewohnheiten, ihre Vorlieben etc. Nach dem Bekanntwerden der Breaking News »Ui, ich bekomme ein Baby!« bleibt in so einem Frauenleben schließlich kaum ein Stein auf dem anderen: Plötzlich wird überall strammstens um- und angebaut. Nicht selten wird auch rigoros die Abrissbirne geschwungen und ein dicker Strich durch bisherige Lebensbaupläne gemacht. Zumindest vorerst.

Egal, wie die speziellen Umstände der anderen Umstände sind: Schon bevor so ein neuer Mensch auf die Welt kommt, passiert eine ganze Menge, und damit müssen wir werdenden Mamis irgendwie klarkommen. Falls wir noch nicht schwanger sind, aber mit dem Gedanken spielen, das zu ändern, ist es keine dumme Idee, sich dessen bewusst zu sein, was im Fall der Fälle so in etwa auf uns zukommt.

Ergo:

Dieses Buch ist ein Buch für uns Mädels!

Ein Buch für Schwangere und frischgebackene Muttis, logisch. Aber eben auch für die Frauen, die noch dabei sind, sich die Frage aller Fragen zu stellen: Ein Baby? Ja/Nein/Vielleicht. Es gibt nämlich sowohl sehr gute Gründe dafür als auch sehr gute Gründe dagegen.

Dieses Buch ist also eines für alle Frauen, die sich für die Beantwortung so wichtiger Fragen interessieren wie:

  • Wie startet man auf der Festplatte des heißblütigen Lovers unbemerkt ein paralleles Dienstprogramm namens »liebevoller Daddy«?
  • Wie halten wir den Bestäuber unseres Blümeleins zuverlässig vom Streunen auf fremden Blumenwiesen ab?
  • Wie klappt das (apropos!) mit dem Bestäuben am besten? Und wie klappt es doch noch, wenn es erst mal gar nicht klappt?
  • Wie verhalte ich mich korrekt, wenn Papa in spe ausgerechnet kurz vor der Geburt nach Mykonos abhaut?
  • Wie fühlt man sich als Selbstbedienungs-Zapfsäule und 24/7-Servicekraft?
  • Wie verhalte ich mich, wenn mein Busen-Balkon kurz vor der Eruption steht, während ich mich im Rahmen einer Livesendung, bei der auch Kinder zuschauen, auf einem Zehn-Meter-Sprungturm befinde?
  • Kann ich mich nach der Schlacht im Kreißsaal an den Gerichtshof in Den Haag wenden?
  • Wo liegt eigentlich der Beckenboden?
  • Wieso tragen beim Sex in der Stillzeit am besten alle Beteiligten eine Sonnenbrille?

Und noch viele drängende Fragen mehr. Ich habe für dieses Buch recherchiert und gestöbert, aber vor allem auch die einzigartigen Erfahrungen verarbeitet, die ich in den vergangenen zweieinhalb Jahren machen durfte – seit der Schwangerschaftstest unmissverständlich zwei Streifen zeigte und ich wusste, bald bin ich nicht mehr allein. Damit begann das bisher größte Abenteuer meines Lebens. Aber Vorsicht, meine Damen: Hier wird nicht um den heißen Brei herumgeredet! Ich rede Tacheles.

Natürlich bekommen Sie von mir auch wieder handfeste und clevere Tipps, von denen Sie viele in garantiert keinem anderen Buch finden. Und last but not least serviere ich Ihnen überraschende Hintergründe, die auch mich bei den Recherchen mit den Ohren schlackern ließen.

Na, neugierig geworden? Dann setzen Sie die Bauhelme auf und folgen Sie mir!

Ihre

Sonya Kraus

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BAUPROJEKT-BERATUNG, ABTEILUNG NESTBAU: SOLL ICH – ODER SOLL ICH NICHT?

Gestatten, mein Name ist Kraus, Sonya, Ihre persönliche Nestbau-Beraterin. Nach mir vorliegenden Indizien kombiniere ich: Sie haben dieses Buch gekauft, weil Sie das Thema »Baby« irgendwie interessiert oder betrifft. Vielleicht haben Sie ja schon drei davon, oder aber Sie haben gerade erst Nachwuchs bekommen. Möglicherweise liegt auch eben jetzt ein Schwangerschaftstest neben Ihnen, der einen deutlichen Streifen im Ergebnisfeld aufweist. Oder Ihr Bäuchlein beginnt schon, sich zu wölben. Vielleicht stehen Sie sogar schon kurz vor dem Final Countdown. Egal, in welchem »Stadium« Sie sich befinden, falls Ihre Umstände kein »Unfall« waren, werden Sie sich irgendwann eine Frage gestellt haben:

Ja. Nein! Vielleicht? Will ich wirklich ein Baby?

Die Antwortmöglichkeiten sind die gleichen wie früher in der Schule, wenn uns von Guido (oder Michael oder Tom) aus der letzten Reihe ein »Willst du mit mir gehen?«-Zettelchen auf den Tisch flatterte:

Ja

Nein

Vielleicht …

Aber Vorsicht! Im Fall von Guido (oder Michael oder Tom) war die Sache einfach: Den Typen kannten wir schließlich. In der Regel wussten wir auch, ob wir ihn mögen oder nicht. Und selbst, wenn wir unser spontanes »Ja« hinterher bereuten, es war von vornherein klar: Aus der Nummer kommen wir ganz einfach wieder raus. Im Notfall genügt ein Anruf oder eine SMS mit dem Hinweis »Es ist aus«. Bei der Bestellung »Baby« hingegen haben wir nicht nur keinen Schimmer, was uns da nach einer unverschämt langen Lieferzeit von gut neun Monaten ins Haus schneit (so was kann sich nur eine Monopolistin wie »Mutter Natur« leisten); wir unterschreiben auch noch einen Vertrag ohne Rückgaberecht, in dem dreist verschwiegen wird, dass das Produkt zwar ohne Zubehör geliefert wird, aber nicht ohne Zubehör auskommt. Vom Brei bis zur Windel müssen wir alles dazukaufen. So was gibt es sonst nur bei Billigfliegern, und da dauert die Reise bloß wenige Stunden.

Darum kann ich nur raten: Falls Sie Ihr Kreuzchen noch nicht bei »Ja« gemacht haben und sich noch nicht sicher sind: Überlegen Sie gut, solange Sie noch Gelegenheit dazu haben.

Denn rein rational gesehen ist ein Kind eine Entscheidung, von der Ihnen jeder logisch denkende Mensch dringend abraten muss. Es wäre arglistige Täuschung, Ihnen etwas anderes zu erzählen. Lassen Sie sich das von einer Mama gesagt sein!

Wo soll ich bloß anfangen? Ein Baby bedeutet (fürs Erste) eine endlose Liste von Bye-byes. Zur Einstimmung eine kleine Auswahl:

  • Bye-bye kuschlige Sonntage im Bett
  • Bye-bye hemmungslose Vögelnachmittage in der ganzen Wohnung
  • Bye-bye ausschlafen und ausgeschlafen sein
  • Bye-bye Spontantrips übers Wochenende
  • Bye-bye Gorilla-Trekking in Ruanda
  • Bye-bye aufregende Partys und romantische Candle-Light-Dinner
  • Bye-bye unifarbene Etuikleider zu High Heels
  • Bye-bye Intimsphäre, Duschorgien und ungestörte Klositzungen
  • Bye-bye Nachtleben
  • Bye-bye Schöner-Wohnen-tauglich eingerichtete Designerbutze
  • Bye-bye Inselhopping mit nur ein, zwei Sommerkleidchen und Flip-Flops im Gepäck

Stattdessen begrüßen wir mit frenetischem Applaus:

  • Hello Augenringe und schlaflose Nächte
  • Hello eingeschissene Windeln, Bäuerchen und Babybrei
  • Hello vollgestrulltes Babyschwimmbecken
  • Hello Übergepäck und rausgesprungene Bandscheiben
  • Hello fleckenkaschierende große Blumenmuster
  • Hello größtmögliches Chaos in kürzestmöglicher Zeit
  • Hello Kohlblätter im BH gegen Brustwarzenentzündungen

und als Special Guests:

  • Hello liebe entfernte Verwandtschaft, die selbst aus entlegensten Winkeln wie Timbuktu oder Erwitte-Anröchte anreist, um in unserer wenigen freien Zeit (in der wir eigentlich endlich mal wieder schlafen wollten) das Kind zu besichtigen und mit ihrer Besserwisserei zielsicher unseren letzten noch intakten Nerv zu töten.

Das hat Sie noch nicht abgeschreckt? Keine Sorge, ich bin auch noch nicht fertig! Neben unserem bisherigen Leben lassen wir Mädels uns auch noch die Figur ruinieren – vom Model zur Matrone. Wir lassen uns aufschlitzen, abmelken, mit Schmerzen malträtieren, gegen die jede Wurzelbehandlung ohne Betäubung pillepalle ist. Und wofür? Um uns zur Leibeigenen eines zunächst nur etwa fünfzig Zentimeter großen Wesens zu machen. Selbstbestimmung? Vergessen Sie's!

Nicht vergessen sollten Sie dagegen: So ein Kind kostet. Uiuiui! Das Statistische Bundesamt hat Zahlen veröffentlicht, nach denen Eltern für ein Kind 550 Euro löhnen müssen. Natürlich nicht bei der Anschaffung – die kostet im Normalfall nix, von Sonderfällen wie künstlicher Befruchtung mal abgesehen –, aber im Unterhalt, pro Monat und im Durchschnitt. Das macht, hochgerechnet bis zum 18. Lebensjahr, 120.000 Euro. In Worten: einhundertzwanzigtausend!!! Gern auch mal deutlich mehr. Schließlich gibt sich so ein durchschnittlicher Pubertierender bzw. eine Pubertierende – und früher oder später kommen alle ehemaligen Babys dahin – heutzutage nicht mit No-Name-Jeans, Billo-Computer und gebrauchtem Handy zufrieden. Nein:

Die Jugend liebt heute den Luxus.
Sie hat schlechte Manieren,verachtet die Autorität,
hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten
und diskutiert, wo sie arbeiten sollte.
Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer.

(Sokrates zugeschrieben)

Versicherungen und Vorsorge wie Bausparverträge sind in der Rechnung des Statistischen Bundesamtes übrigens noch nicht mit berücksichtigt.

Überlegen wir doch mal kurz, was wir uns für 120.000 plus x Ocken alles Tolles leisten könnten, und sagen auch hierzu dann leise tschüss: eine Eigentumswohnung, exotische Reisen, einen Porsche, Schuhe – ach was, Tonnen an Schuhen, ja, ganze Schuhfabriken.

Die staatlichen Hilfen wie Kindergeld und Steuerfreibeträge decken die Kosten, die ein Kind verursacht, jedenfalls nur teilweise. Und von der nach wie vor desaströsen Lage in puncto Kinderbetreuungsplätze will ich hier (noch) gar nicht anfangen. Ein Freund hat es mal so ausgedrückt: »Eigentlich müsste man sich bereits bei der Zeugung auf die Kita-Warteliste setzen lassen, sonst ist das Kind schon in der dritten Klasse, wenn es einen Platz bekommt.«

Sie ahnen schon: Es gibt, bei rationaler Betrachtung, wirklich keinen guten Grund, Kinder in die Welt zu setzen, seit andere Möglichkeiten der Altersvorsorge existieren.

Drogenfahndung – aufgepasst!

Aber die allergrößte Gefahr lauert ganz woanders, denn eigentlich müssten Babys einen Spitzenplatz auf dem Drogen-Index einnehmen. (Ver)hüten Sie (sich), denn:

Babys machen süchtig!

Heroin ist nix dagegen. Sagen Sie also nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt: Von der Droge kommen Sie nie wieder runter. Wenn das Mami-Programm einmal gestartet ist, kann es nicht mehr gestoppt werden. Das hat Frau Evolution, die alte Dealerin, nämlich ganz clever eingefädelt! Einmal drauf, ist auch sämtliche Vernunft verloren. Mütter denken völlig unsinnige Dinge wie:

  • Pah, was will ich mit einem Shopping-Wochenende in Barcelona, wenn ich stattdessen mit diesem zauberhaften zahnlosen Lächeln voller Milchsabber belohnt werde?
  • Ein neues Paar Manolo Blahniks? Nein danke! Ich kaufe lieber dieses sündhaft teure Jäckchen, in dem der Kleine so entzückend aussieht, und es ist mir ganz egal, dass es ihm in spätestens zwei Monaten zu klein sein wird.
  • Sie hat gerade »Mama« gesagt! Ich habe es ganz deutlich gehört – die wissenschaftliche Literatur muss neu geschrieben werden: Babys können schon mit drei Monaten sprechen!
  • Gott, wie süß! Hast du das gehört? Es hat gepupst!
  • Haha, er hat mich im hohen Bogen angepinkelt. Ist das niedlich!

Sie sehen: Mit dem Verstand einer Mama ist es nicht mehr weit her. Und wie alle anderen Drogenabhängigen ruinieren sich die Süchtigen körperlich und finanziell, ohne mit der Wimper zu zucken, nur um an ihren Stoff zu kommen. Der wird in verschiedenen Darreichungsformen angeboten, aber bereits am Objekt der mütterlichen Begierde zu schnüffeln macht high – und ich sag's Ihnen: GEILES ZEUG! Okay, gut, es sei denn, die Windel ist gerade voll.

A baby changes your dinner party conversation
from politics to poops.

(Maurice Johnstone)

Ständig auf Droge bereut natürlich auch niemand, ein Kind bekommen zu haben. Und ich verrate Ihnen was: ich auch nicht! Nicht eine Sekunde würde ich die Uhr zurückdrehen und meinen kleinen Schatz wieder hergeben wollen. Darum habe ich vollstes Verständnis für jeden Kinderwunsch. Ich gehe sogar noch weiter: Trotz aller eben aufgezählten Nachteile überwiegen die Vorteile. Nein, nicht die Vorteile – zugegebenermaßen ist es eigentlich nur ein einziger Vorteil, aber der ist gigantisch: Kinder machen glücklich wie sonst gar nix!

! Darum hier mein völlig irrationaler und hochgradig gefühlter Rat:
Vernunft wird überbewertet. Vergessen Sie alles, was ich eben gesagt habe. Machen Sie einfach ein Kind!

Ah, ich höre da Protest! Riiiichtig, Sie können natürlich nicht einfach einer Frau glauben, die öffentlich bekennt, »drauf« zu sein. Wie praktisch, dass ich Schützenhilfe von der Wissenschaft bekomme! Gar nicht irrational und kein bisschen »gefühlt« ist nämlich eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für demographische Entwicklung in Zusammenarbeit mit der University of Pennsylvania. Die leugnen die ganzen Nachteile des Kinderkriegens natürlich nicht, haben aber mehr als 200.000 Frauen und Männer aus 86 Ländern zu ihrem Glücksgefühl befragt. Dabei kam heraus, dass junge Eltern unter 30 zwar ziemlich unter Schlafentzug, finanziellen Problemen und all den anderen gemeinen Einschränkungen durch den Nachwuchs leiden, die ich eben aufgezählt habe. Aber ab 30, wenn die Kleinen immer selbständiger werden und auch die Finanzen sich langsam stabilisieren, sind sie schon genauso happy wie die kinderlosen Gleichaltrigen. Ab 40 geht es für Eltern dann erst recht bergauf: Je mehr Kinder sie in diesem Alter haben, umso glücklicher fühlen sich die Befragten. Und ab 50 sind Kinder dann die absolute Glücksgarantie, vollkommen unabhängig vom Einkommen, dem Geschlecht – des Elternteils, aber auch des Kindes – und, ganz wichtig: total unabhängig davon, ob Mutti und Vati immer noch glücklich verheiratet oder inzwischen geschieden sind oder eine neue Beziehung eingegangen sind. So gesehen sind Kinder die Altersvorsorge schlechthin – auf alle Fälle für unsere Glücksversorgung im fortgeschrittenen Alter. Das sind doch bombige News, finden Sie nicht?

Ergo: Trotz aller Einschränkungen sind Kinder
die beste verfügbare Glücksinvestition in die Zukunft –
wissenschaftlich verbrieft.

Ein Kind macht
das Haus glücklicher,
die Liebe stärker,
die Geduld größer,
die Hände geschäftiger,
die Nächte länger,
die Tage kürzer
und die Zukunft heller.

(Quelle unbekannt)

Trotzdem gebe ich es lieber gleich zu: Auch die fundierteste Studie hätte mich noch vor zehn Jahren nicht ansatzweise vom Kinderkriegen überzeugt. Ich war einfach noch nicht so weit – nein, mein ganzes Leben war noch nicht so weit.

Denn auch wenn es den idealen Zeitpunkt für ein Baby nie geben wird, so gibt es trotzdem günstigere und ungünstigere Momente im Leben, um unter die Eltern zu gehen.

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BABY-BAUSTELLE ODER DOCH LIEBER (NOCH) BRACHLAND – DAS ULTIMATIVE KRAUS'SCHE GRUNDSTÜCKSGUTACHTEN

Wenn ein paar Bedingungen erfüllt sind, macht das die ganze Angelegenheit einfach leichter. Allerdings sind das möglicherweise andere als Sie denken. Klopfen wir darum mal die wichtigsten Baustellen-Bereiche der Reihe nach ab:

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FUNDAMENT-CHECK, TEIL 1:
VIVA LA MAMMA ODER: SIND WIR BEREIT?

Es soll ja Mädels unter uns geben, die schon seit ihrer ersten Puppe mit vier, die »Maaa-maaaa« krächzen und Pipi machen konnte, wenn man oben Wasser reinfüllte, immer von einem Leben als Gattin, Hausfrau und Mutter geträumt haben und seitdem nie von diesem Plan auch nur einen Millimeter abgewichen sind. Falls Sie dazu gehören: Gratulation! Dann dürfen Sie diesen Abschnitt getrost überspringen.

Aber es gibt eben auch die Sorte Frau, die als kleines Mädchen weniger von Pipi-Puppen begeistert war als von Pippi Langstrumpf und die die ganze Welt als Abenteuerspielplatz sah. Mutter, das wurde man später. Wenn überhaupt.

Mit Mitte zwanzig war ich jedenfalls noch der festen Überzeugung, fürs Dasein als Mutter nicht geschaffen zu sein. Hey, was sollte ich mit undichten Kleinteilen? Sven Väths Guuuude Launeeee war mein Motto! Ich war doch eine wie Cameron Diaz: abenteuerlustig, partyfreudig und immer auf dem Sprung. Meine TV-Karriere ging gerade los, und das Modeln lief auch noch bombe. Ich fand es großartig, finanziell und auch sonst unabhängig zu sein, zu reisen und die Welt zu sehen. Klar, ich hatte gerade so einen heißen Typen kennengelernt, aber: Hallo? Ich würde uns doch jetzt nicht sofort ein Kind ans Bein binden! Üben ja, gerne auch ausdauernd und nächtelang – aber bitte mit Verhütung.

Und so blieb das dann erst mal. Auch als nach einer Weile das Konstrukt »Beziehung« bombensicher stand und der heiße Typ bei mir einzog. Nach und nach bekam ich eine Ahnung, dass mein Kerl – im Fall der Fälle – wahrscheinlich einen ganz passablen Papa abgeben würde, so hingebungsvoll, wie er sich um mein Hundsvolk kümmerte und seine Nichten und Neffen bespaßte. Manchmal hörte ich zwar von Freunden: »Mensch, ihr seid doch schon so lange zusammen, was ist denn mal mit …«, zwinker, zwinker, »… was Kleinem?« Aber das fiel ja schon beinahe unter Smalltalk. Ich nahm das kaum zur Kenntnis. Na und?

Doch kurz nach meinem 33. Geburtstag (oder war es der 34.?) hatte ich zum ersten Mal diesen Traum:

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MIT BREITEM LÄCHELN …

… stehe ich auf der Terrasse meiner Villa am Meer. Ich gebe eine Party. Die Gäste strömen herbei, ich empfange sie mit offenen Armen. Hollywoodstars. Freunde. Da kommt George Clooney auf mich zu. Er spricht Deutsch mit bayrischem Akzent: »Grüß Gott, Sonya, Herrschaftszeiten, siehst fabelhaft aus, und des i deim Older!« Alter? Was für ein Alter? Ich bin alterslos! Und kinderlos! Gertenschlank, dank Botox völlig faltenfrei, gesund wie eine Zuchtstute, drop dead sexy und beruflich mit meiner eigenen Homeshopping-Kollektion von Hunde-Accessoires unglaublich erfolgreich. Mein Bankkonto quillt über. Auch privat gleicht mein Leben einer Homestory in der InStyle: Vier Hunde und mein 20 Jahre jüngerer Lover, in genau dieser Reihenfolge, vergöttern mich. Mama, mittlerweile Mitte 70, hat sich gerade für den New-York-Marathon angemeldet. Mein Leben ist fantastisch! Mein Anwesen selbstverständlich Schöner- Wohnen-tauglich. Warum daran irgendetwas ändern? Kinder? Ja, früher hatte ich mal dran gedacht. Aber jetzt? Eine Babypause auf dem Hoch meiner Karriere? Unmöglich! Das Blöken eines Balgs in den Weiten meiner Villa? Unvorstellbar! Bekackte Windeln wechseln statt Schuh-Shopping? Völlig ausgeschlossen! Schwangerschaftsstreifen riskieren? Gelobt sei meine Bikinifigur! Wer braucht schon Blagen – ist doch alles wunderbar. Vielleicht nur ein bisschen hot, die untergehende Sonne dreht noch mal richtig auf am Temperaturregler. Und dreht. Und dreht. Sie wird größer. Heißer. Was für eine verdammte Hitze! Wie eine Hexe auf dem Scheiterhaufen fühle ich mich. Kommt man denn sofort in die Hölle, wenn man keine Kinder will? Ich brenne, verbrenne, bin klatschnass geschwitzt. Dabei fühle ich mich normalerweise erst ab 25 Grad so richtig wohl. Mein Temperaturregler ist völlig neben der Spur und, ehrlich gesagt, ich auch. Irgendwas stimmt nicht mit mir, irgendwas funktioniert nicht richtig.

Ah, kein Fegefeuer. Ich sitze beim Gynäkologen. Nein, ich liege aufgebahrt auf dem berühmten Stuhl, und der Mann, den ich noch nie zuvor gesehen habe, rührt mir mit dem eingegelten Ultraschall-Pimmel im Unterleib herum, als wollte er Pudding kochen.

»Frau Kraus, Sie wollen ja eh keine Kinder. Oder haben Sie sich Eizellen einfrieren lassen?«

Eizellen einfrieren? Irgendwo hatte ich doch da etwas über eine Hollywood-Diva gelesen … Es will mir nur gerade partout nicht einfallen, wo.

»Herr Doktor …« Ich stutze. Ist dieser Typ wirklich Arzt? Er sieht aus wie Bud Spencer und besitzt die Vertrauen erweckende Ausstrahlung von Hannibal Lecter. »Herr Doktor, was habe ich denn?«

»Schon mal was von Hitzewallungen gehört? Die Pille können Sie sich sparen, Tampons wegschmeißen. Game over! Oder, wie wir Muschi-Doktoren sagen: Periode ade – Scheide tut nicht mehr weh. Ha ha ha ha …« Er wirft den Kopf zurück und lacht über seinen Witz. Kurzzeitig sieht er aus wie ein Werwolf. Ich kann Männer mit Vollbart nicht ausstehen. Jetzt kommt er mir ganz nah und schaut mir tief in die Augen. Sein Atem riecht nach Zigaretten, altem Mann, und sein Gesicht wird plötzlich ganz grau, nur die irren Augen leuchten gelb. Er grinst mich an und blökt wie ein Bock: »Herzlich willkommen in der MENOPAUSE, Frau Krause!!!«

Schweißgebadet schreckte ich hoch. Mein Herz raste. Es dauerte einige Sekunden, dann spürte ich, wie mein Freund sich im Tiefschlaf räkelte. Mit weit aufgerissenen Augen lag ich in meinem Bett und starrte ins Dunkel der Nacht, das nur ansatzweise von den Lichtfetzen der Straßenlaternen erhellt wurde. Fein, ich befand mich nicht auf dem heißen Stuhl … Dann hörte ich ein vertrautes schmatzendes Geräusch, meine Zehen sandten Kitzelalarm aus. Dabei wurde mein Geruchssinn vom wohlbekannten und »unwiderstehlichen« Aroma vertilgten Pansens derart umnebelt, dass mir fast die Luft wegblieb. Ich blinzelte in die Dunkelheit, meine Augen gewöhnten sich langsam an die Lichtverhältnisse. Ich erspähte Romeo, der mir fürsorglich schlabbernd die Zehen leckte. Franky hechelte mit bebender Zunge neben mir am Kopfende und beäugte mich mit schräggelegtem Kopf. Beide fingen begeistert an, mit ihren Schwänzchen zu wedeln, als ich mich im Bett aufsetzte. Mein Blick fiel auf die Digitalanzeige des Radioweckers: 12. August 2008, 2 Uhr 42. Kurz mal nachgerechnet: Ich war vor ein paar Wochen 35 geworden. Puh! Glück gehabt. Und Hitzewallungen hatte ich auch noch nicht: Es war einfach verdammt heiß in diesem Spätsommer. Ich entspannte mich etwas, denn trotz Frankys gnadenloser Pansenattacke auf meinen Riechkolben durchströmte mich ein wohlbekanntes Glücksgefühl. Hey, ich war doch schon längst Mama – Hundemama!

Auch meine riesigen Köter konnte man nicht mal eben so jemandem in die Hand drücken – oder gar ins Handtäschchen packen wie die Tinkerbells dieser Welt. Trotzdem bekam ich alles immer irgendwie organisiert. Ich musste mit den Jungs täglich zwei Mal raus und regelmäßig zum Tierarzt. Ich wusste, was Bindung und Verantwortung bedeutet. Und ich hatte erlebt, wie man die eigenen Wünsche zugunsten einer maßlosen Liebe einfach so »opfern« kann. Oft bin ich statt nach Ibiza übers Wochenende »spontan« und hundefreundlich in den Taunus gefahren – und war darüber nicht enttäuscht, sondern total happy bei meinem ausgiebigen Stöckchenwerf-Workout.

Und plötzlich dachte ich: Würde ich nicht eigentlich auch eine wunderbare Mutti abgeben? Gegenfrage: Musste ich denn? Meine Hundis waren schließlich die beste Psycho-Anti-Babypille, denn sämtliche Gutschi-Gutschi-, Kümmer- und Kuschelbedürfnisse waren durch die beiden schwarzen Riesenbabys top befriedigt. Falls es also mit eigenen Kindern tatsächlich nix wurde, bevor meine hauseigene Legebatterie geschlossen wurde, konnte ich mir immer noch ein paar Hunde zusätzlich anschaffen. Der Gedanke beruhigte mich. Ich kuschelte mich an meinen Freund und schlief wieder ein …

Doch irgendetwas war ab sofort anders. Ich tat plötzlich Dinge, die mir nie zuvor eingefallen wären. Bei Google gab ich zum Beispiel »Wechseljahre Beginn« ein. Bei medizinischen Themen im Internet zu recherchieren war doch sonst immer ein Fest. Sie wollen das Ergebnis wissen, kurz zusammengefasst? Gerne: Sie leiden an Schlaflosigkeit, gepaart mit Übermüdung, Gereiztheit, fliegender Hitze und einem unregelmäßigen Zyklus? Bingo! Die Vorboten des Klimakteriums klopfen an. Meistens so um die 40. Plus minus. Wenige Jahre später heißt es dann endgültig »over and out« für die Familienplanung – auf alle Fälle für die auf natürlichem Wege. Hmm!

Früher war die Idee »Baby« für mich eine abstrakte Möglichkeit gewesen wie die, dass man theoretisch irgendwann mal Machu Picchu besichtigen oder mit Yoga anfangen konnte – eben eine Option, über die man meistens nicht weiter nachdachte. Doch jetzt war dieser Gedanke auf einmal in meinem Unterbewusstsein implantiert. Das zarte Pflänzlein wurde immer dann gedüngt und gewässert, wenn coole und grundsätzlich sehr emanzipierte selbstbestimmte Frauen in meiner Umgebung plötzlich ein Plädoyer pro Kind hielten. Frauen, mit denen ich mich identifizieren konnte. Keine weichgespülten Liebchen, sondern echte Powergeschosse.

Etwa meine Kollegin Janine Kunze. Die meinte eines Tages – nachdem sie gerade schon ihr zweites Kind bekommen hatte – ohne jede Vorwarnung: »Mensch, Sonya, das würde dir auch so Spaß machen, das weiß ich! Du wärst bestimmt 'ne Supermami – verpass es nicht.« Ich sagte bei solchen Gelegenheiten immer reflexartig was von: »Aber was ist dann mit meiner Arbeit? Dann bin ich doch in null Komma nix weg vom Fenster.« Ein Argument, das Janine nicht gelten ließ, und sie musste es eigentlich wissen, wir arbeiteten ja in derselben Branche: »Papperlapapp! Ein Baby heißt doch nicht, dass du nicht mehr arbeiten kannst. Es wäre echt schade, wenn eine wie du nicht Mama werden würde.« Das ging runter wie Öl: Eine wie du. Also ich. Eine wie ich sollte ein Kind kriegen. Ja? Sollte sie? Wirklich?

Auch meine Gassigeh-Freundin Radost Bokel tutete plötzlich ins selbe Horn. Beim Spazierengehen mit unserer kleinen Hundeherde – ihre Jungs stehen meinen an Größe in nichts nach – und ihrem einjährigen Sohnemann sagte sie: »Du würdest ein Baby nicht bereuen, Sonya!« Merkwürdig: Sie sagte das einfach so, ich hatte nicht etwa gefragt, was ich tun soll. Nur gedacht. (Und, ich gebe es zu, vielleicht hatte ich gerade ein bisschen mit ihrem zuckersüßen Knirps geflirtet.)

Janine und Radost waren nur zwei von immer mehr Frauen um mich rum, die plötzlich aus dem Nichts anfingen, vom Mamadasein zu schwärmen. Und langsam geriet ich wirklich ins Grübeln: Was will mir diese Werbesendung sagen?

Irgendwie schienen sich jedenfalls alle verschworen zu haben. Und nicht nur in meinem direkten Umfeld, eigentlich die ganze Welt:

Plötzlich lauerten überall nur noch niedlich glucksende Babys und zuckersüße Kleinkinder, wo früher in meiner Wahrnehmung immer nur sabbernde und fußstampfende Terrorzwerge gehaust hatten. Außerdem wahre Invasionen von Schwangeren, die alle sensationell gesund und glücklich aussahen. Es gab kein Entkommen, überall waren sie: in der Fußgängerzone, in der Bahn, im Aufzug, sogar bei der Arbeit. Babys, Mütter und Schwangere. Dazu Männer, die begeistert von ihren Vaterfreuden berichteten. In den Läden lauerten niedlichste Babyklamotten, Design-Schnuller im Sonderangebot …

Kommt Ihnen das gerade alles unheimlich bekannt vor? Haben Sie sich schon mal gefragt, ob das ein Wink des Schicksals oder ähnlich Bedeutsames sein könnte? Ein kosmischer Fingerzeig? Eine Botschaft aus dem vierten Haus des Steinbocks oder gleich des ganzen Universums? Oder so ähnlich? Ladys, ich muss Euch enttäuschen, ich als Astrologie-Ungläubige halte das für wenig wahrscheinlich. Stattdessen bin ich der Meinung, dass wir es hier mit dem bekannten psychischen Phänomen der sogenannten »selektiven Wahrnehmung« zu tun haben. Und die lässt in Kooperation mit Ihrem Unterbewusstsein ausrichten:

Sie sind reif – das Thema »Baby« ist dran.

Keine Panik: Das bedeutet nicht, dass wir uns jetzt sofort und unter allen Umständen reproduzieren sollten. Aber so eine Häufung von »Baby-Content« in unserem Blickfeld bedeutet ganz sicher, dass uns die Kinderfrage nicht kalt lässt, auch wenn das vielleicht unserem taffen Selbstbild widerspricht. Selbst wenn Sie bisher immer gedacht haben, Sie wären eine eingeschworene Nicht-Mami – irgendwas in Ihnen will die Thematik nun zumindest abklopfen, um nicht versehentlich mit 50 aufzuwachen, wie ich in meinem bösen Traum. Insbesondere, wenn wir uns eventuell schon gaaaanz langsam, aber sicher auf die Menopause zubewegen, also eben leider ab Mitte 30, rate ich dazu, Abstand vom Helmut-Kohl-Prinzip des »Einfach-Aussitzens« zu nehmen. Machen Sie lieber den Was-wäre-wenn-Test. In meinem Buch Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, frag nach Salz und Tequila empfehle ich bei wichtigen Entscheidungen als Hilfe das »Bauchorakel«. Daran glaube ich nach wie vor. Das hat zwar eigentlich nix mit Babybäuchen zu tun, sondern mit dem berühmten Bauchgefühl, aber passt hier wirklich sehr gut.

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DAS BAUCHORAKEL UND DIE BABYBAUCHFRAGE

Der New Yorker Neurologe Michael Gershon hat in unserem Verdauungssystem eine Art echtes Bauchhirn verortet – und damit die wissenschaftliche Grundlage für das berühmte »Bauchgefühl« geliefert. Im Verdauungstrakt gibt es mehr als 100 Millionen Nervenzellen, hier starten etliche Nervenstränge, von denen 90 Prozent in Richtung Birne feuern! Hannoveraner Wissenschaftler haben wiederum herausgefunden, dass dieses »zweite Gehirn« das »echte Gehirn« spiegelt und dabei genau die gleichen Neuronen, Rezeptoren und Botenstoffe benutzt. Kaum zu glauben, aber in unserem Bäuchlein werden vom Kleinkindalter an Erfahrungen gespeichert. Diese Erinnerungen werden später bei gewissen Erlebnissen automatisch aktiviert, und auf der Festplatte zwischen den Ohren wird verglichen und ausgewertet. Das steckt hinter unserer Intuition. Die Weisheit der Innereien können wir also durchaus nutzen. Immer dann, wenn wir (noch) nicht wissen, ob eine Entscheidung für uns die richtige ist. Zum Beispiel können wir auch die Babyfrage stellen:

  1. Entspannen Sie sich. Wie, das ist erst mal schnuppe. Die Methode kann ein langer Spaziergang sein, ein auspowerndes Badminton-Match, ein Saunabesuch, ein Schaumbad. Profi-Relax-Maßnahmen wie Autogenes Training, Meditation oder Progressive Muskelentspannung funktionieren selbstverständlich auch. Ziel ist: Sie sollten ganz entspannt sein und ruhig atmen. Vollkommen entspannt ist es nämlich unmöglich, Angst zu empfinden, und die ist so eine Art Störsender für die Botschaft des Bauches. Leider tarnt sie sich in nicht so entspannten Situationen gerne als »Vernunft« und bringt uns dementsprechend durcheinander. Also alle: Ommmm!
  2. Film ab fürs Kopfkino. Ihre Aufgabe: Stellen Sie sich zwei Varianten Ihres Lebens in fünf Jahren vor. Einmal haben Sie sich für ein Kind entschieden, einmal dagegen. Dabei überspringen Sie bitte alles, was Ihnen zu Anfang Angst macht – etwa die blutigen Details einer Geburt oder Nächte ohne Schlaf. Das ist zum Zeitpunkt Ihres Films alles schon passé, Ihr niedliches Filmkind braucht nicht einmal mehr Windeln. Und? Wie fühlt sich das im Bauch an? Bei welcher Variante fühlen Sie sich gut, bei welcher kriegen Sie Panik? Wenn wir 25 sind, fühlen wir uns möglicherweise mit der »Ohne Balg«-Variante besser. Da fallen uns vielleicht die Afrika-Rundreise ein und die Karriere, die wir machen wollen. Wenn wir um die 40 sind, zaubert uns möglicherweise die »Ohne Nachwuchs«-Version Schweißperlen auf die Stirn – weil uns gerade so richtig bewusst wird, dass der Zug in fünf Jahren möglicherweise abgefahren ist.

Nach dieser kleinen Übung wissen Sie garantiert mehr über Ihr Innenleben!

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FUNDAMENT-CHECK, TEIL 2:
DAS GRUNDSTÜCK UND DER BAUSTOFFLIEFERANT – UNSERE BEZIEHUNG UND DER MANN, DER’S BRINGT

Nehmen wir an, Sie haben ihn endlich gefunden, den Mann Ihrer Träume. Er sieht spitzenmäßig aus und vögelt Sie regelmäßig ins Nirwana. Außerdem – mein Gott! – wechselt er offenbar täglich Unterhose und Socken, hat Ihnen sogar schon mal die Tür aufgehalten, verdient eigenes Geld und liebt wie Sie selbst Spaghetti Arrabbiata, extra scharf. Keine Frage: ein Seelenverwandter. Sie können sich vorstellen, mit diesem Lottogewinn von Kerl ein Leben lang zusammenzubleiben, ein hübsches Einfamilienhaus zu beziehen und jede Menge niedliche Babys zu haben. Mindestens zwei. Lieber drei, ach was: vier! Allein bei dem Gedanken platzt Ihnen beinahe das Herz vor lauter Romantik und rosaroten Gefühlen. Sicher, Sie sind erst sechs Wochen und zwei Tage zusammen, aber auf Ihr Bauchgefühl ist Verlass, das hat Sie noch nie betro…

STOPP!! MACHEN SIE JETZT KEINEN FEHLER!

Bevor Sie nämlich auch nur im Traum daran denken, das Thema »kleine niedliche Babys« vor Ihrem Lover aufs Tapet zu bringen, sollte die Beziehung eine gewisse Probezeit überstanden haben. Sagen wir, so drei, vier oder sieben Jahre. Gerne auch mehr. Außerdem gilt die Faustregel: Je jünger der Mann, umso behutsamer muss das Nachwuchs-Thema angepackt werden. Während Jungs ab etwa Mitte 30 schon mal eher mit dem Gedanken gespielt haben, eine Familie zu gründen, klingt die Vokabel »Baby« in den Ohren eines durchschnittlichen Mittzwanzigers in etwa so sexy wie »Knast auf Lebenszeit«. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel – sollte Ihr Jungmännlein zu den geborenen Familienmenschen gehören, wird er das Thema vermutlich von ganz allein anschneiden. Wenn er's nicht tut: Lassen Sie's auch sein! Jedenfalls dann, wenn Ihnen an dem Kerl irgendwas liegt.

Noch ein Problem: Zu Beginn einer Beziehung vernebeln uns die Pheromone – Sexuallockstoffe – unseres Supermanns die Birne, weil sie zur Ausschüttung von amphetaminähnlichen Substanzen im Hirn führen. Folge: Wir sind vollkommen unzurechnungsfähig (ähnlich übrigens wie frischgebackene Mütter) und sowieso nicht in der Lage, zu beurteilen, ob der Typ, mit dem wir da gerade nächtelang rumrammeln, langfristig gesehen ein guter Vater wäre. Im Verliebtheitszustand würden wir selbst in Typen wie Massenmörder Charles Manson oder notorischen Frauenhelden wie Tiger Woods den Ideal-Papa sehen. Und wer ist an diesem Irrsinn schuld? Sie ahnen es: Die übliche Drahtzieherin hinter all den mafiösen Machenschaften, mit denen wir es hier zu tun haben: Mutter Natur! Die macht uns nämlich extra leichtsinnig: Sie will, dass wir uns einen Braten in die Röhre schieben lassen – ganz egal, wer sich später drum kümmert. Dieses Programm datiert mutmaßlich noch aus einer Zeit von vor ein paar zehntausend Jahren, als Stammesgemeinschaften noch zusammen alle Sprösslinge der Gemeinschaft großzogen – jedes Dorf eine einzige Kita – und es ein furchteinflößendes Wort wie »alleinerziehend« noch nicht gab.

Doch zurück in die Jetztzeit: So nach und nach lichtet sich der Nebel, und die Rauschsubstanzen der Verliebtheit werden von etwas weniger zappeligen Hormonen ersetzt. Die machen eher zufrieden als high. Nach einem halben Jahr setzt dieser Prozess ein, spätestens nach vier Jahren ist er abgeschlossen. Und jetzt kommt der spannende Moment:

Wenn unsere Liebe auch nach vier Jahren noch nicht über den Jordan gegangen ist, sondern sich stattdessen irgendwie »gefestigt« und »stabil« anfühlt, ist das schon mal eine Spitzenbasis fürs Bauprojekt »Baby«!

Achtung, Achtung, hier lauert Verwechslungsgefahr! »Stabil« bzw. »gefestigt« ist nicht das Gleiche wie »sterbenslangweilig« oder »eingeschlafen«. Und wenn es im Konstrukt »Paar« knirscht und knackt, ist ein Baby die garantierte Abrissbirne.

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EIN BABY – KLEBSTOFF FÜR DIE LIEBE?

Kloppen Sie den Gedanken, einen Mann per Baby an sich »zu binden« oder Ihre eingeschlummerte Liebe dadurch wieder in Schwung zu bringen, lieber gleich in die Tonne – funktioniert nicht.

Denn wer sich vom Nachwuchs das große Glück verspricht, der wird sehr wahrscheinlich nicht nur das arme Kindelein mit dieser tonnenschweren Erwartung überfordern, sondern auch eine derbe Enttäuschung erleben. Und eine bröckelnde Liebe kitten Kinder schon mal gar nicht – ganz im Gegenteil! Eine Studie der Uni in Denver kam zu dem Ergebnis: Kinder schaden der Paarbeziehung. Jedenfalls zunächst, bis sich das Paar auf die neue Situation eingestellt hat. Die Wissenschaftler räumten zwar ein, dass das neue Elternglück hier zum Teil ausgleichen kann. Aber um das Beziehungs-Erdbeben zu überstehen, darf es sich bei der Liebe zwischen den beiden Elternteilen nicht bereits nur noch um eine schlecht gepflegte Bruchbude handeln – sondern sie muss stabil und flexibel genug sein, um die Erschütterungen abzufedern.

Für zu frische oder nicht funktionierende Beziehungen ist ein Kind also die ultimative Zerreißprobe. Das gilt sogar, wenn der männliche Proband grundsätzlich die wichtigste Papa-Bedingung überhaupt erfüllt:

Er ist kinderlieb!

Manchmal ist das dem Kandidaten übrigens gar nicht bewusst, weil er bisher wenig Berührungspunkte mit den mehr oder weniger lieben Kleinen hatte – vielleicht ist er ja selbst ein Einzelkind? Wer wissen will, wie es in Sachen Kinderliebe um seinen Herzbuben bestellt ist, muss den Herrn nur zu Familienfeiern oder ähnlichen Gelegenheiten mitnehmen, bei denen Kleinkinder anwesend sind: Das beste Assessment-Center für potenzielle Papas! Zur Not laden wir selber alle Freundinnen mit Kids ein – übrigens auch ein guter Selbsttest.

Nun begeben wir uns in Observationsposition: Wie verhält sich der Proband? Hält er größtmöglichen Abstand? Beäugt er die Minis misstrauisch? Reagiert er genervt, wenn die Kids laut herumtoben? Was tut er, wenn Bananen-Joghurt auf sein Smartphone kleckert, Kakao seine Designer-Hose benetzt oder er mit Keksen bombardiert wird? Haut er vielleicht sogar ab (»Du, mir fällt ein, ich muss ganz dringend ins Büro.« »Am Samstag um 18 Uhr?« »Ja, die Präsentation für Montagmorgen, sorry …«)?

Noch viel wichtiger ist jedoch: Wie verhält sich die Kinderschar? Manche Männer inszenieren sich nämlich vorsichtshalber gern als »Kinderfeind« und verstecken sich dann hinter dieser Fassade wie hinter einem Schutzschild. Aber die Kiddies haben trotzdem ein untrügliches Gespür dafür, ob jemand ein prima Kumpel für sie ist. Selbst wenn unserem Papa-Kandidaten selbst also gar nicht bewusst ist, dass er einen Spitzen-Kindergarten-Cop abgeben würde: Die Zwerge wissen's und stürzen sich auf ihn mit Gebrüll.

Und noch ein sehr gutes Zeichen: Ihr Herzblatt mag Tiere, und die Tiere mögen ihn (damit sind allerdings nicht die Mücken gemeint, die ihn im Ferienhaus umschwirren). Vor allem Hunde und Katzen haben in der Regel eine ganz hervorragende und intuitive »Menschenkenntnis«. Wird er also von sämtlichem Fellgetier sofort begeistert »bestiegen« – das dürfen Sie als gutes Omen werten.

Einem Menschen,
den Kinder und Tiere nicht leiden können,
ist nicht zu trauen.

(Carl Hilty)

Sie können natürlich auch einfach – unter Einhaltung genannter Vorsichtsmaßnahmen – fragen, was er von Vaterfreuden hält. Aber ich warne Sie: Erwarten Sie nicht zu viel. Am besten gar nichts. Ich spreche aus Erfahrung, denn ungefähr ein Jahr, bevor ich tatsächlich schwanger wurde, und schlappe zwölf Jahre nach unserer Beziehungspremiere spielte sich in der Badewanne im Hause Kraus folgende denkwürdige Szene ab:

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DIE WANNE DER WAHRHEIT

Leise knisterte das Schaumbad vor sich hin, und ich überlegte, wie ich am besten mein kleines Quiz anfangen sollte. Hm, ja, vielleicht so …

»Du, äh, sag mal, wie geht's denn eigentlich deiner Schwester mit den Kleinen?«, fragte ich mit an Genialität grenzender Beiläufigkeit.

»Ach, die ist ziemlich fertig. Zwei kleine Kinder sind nun mal stressig.«

Perfekt! Er hatte das Stichwort geliefert, jetzt kam's drauf an. Betont uninteressiert bohrte ich weiter: »Willste eigentlich auch mal Kinder?«

Ich hielt die Luft an. Mein Herzblatt döste währenddessen mit geschlossenen Augen in der Wanne und popelte sich in den Ohren rum: »Mhm.«

Mhm? Was um Himmels willen bedeutete Mhm? Auf alle Fälle war das nicht die Antwort meiner Träume.

Ah, Moment, er öffnete wieder den Mund. Richtig, ja, da kam noch was: »Ja, schon.«

Halleluja! Ja, schon? Immer noch kein Blickkontakt.

Vielleicht musste ich etwas deutlicher werden: »Also, ich meine mit mir?«

Mir gegenüber ging erst ein Auge auf, dann das andere. Ich wurde skeptisch gemustert. Stille.

Klar, nachdem »Mann« zwölf Jahre mit einer Frau zusammen ist, muss man bei so einer Frage logischerweise erst eine Weile überlegen …

Es war ja nicht so, dass ich ihm hier gerade die Pistole auf die Brust setzte, mich auf den Rücken warf und schrie: »Schwängere mich, sofort!« Ich wollte einfach eine ganz grundsätzliche Frage geklärt haben. Das konnte man doch wohl selbst von einem Mann verlangen. Dachte ich wenigstens.

Cool bleiben, Frau Kraus, ermahnte ich mich selbst! Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass das Wasser um mich herum langsam anfing zu brodeln. Bevor ich ihn gar kochen konnte, rang sich mein Wannengast zu einer unerwarteten Antwort durch.

»Na ja … ich könnte mir eigentlich keine bessere Mutter als dich vorstellen.«

Aha. Danke. War das jetzt als Kompliment gemeint? Ich war also für meinen Kerl ein optimales Muttertier. Außerdem war da dieses »eigentlich« im Satz, das nur auf ein »aber« lauerte. Was zum Henker sollte ich also jetzt mit dieser Antwort anfangen?

War das überhaupt eine Antwort?

Ich griff zum Schwamm, fing an, mir den Hals zu schrubben, und versuchte so nebensächlich und gelassen wie möglich für Klartext zu sorgen: »Heißt das JA?«

Meine Knie hatten meine ganze gespielte Aufmerksamkeit. Doch bevor ich lange Desinteresse heucheln musste, kam endlich die erlösende Antwort, kurz und simpel: »Ja.« Kurz darauf noch: »Was soll das denn sonst heißen?«

Das war doch mal eine Aussage! Ich freute mich heimlich, war jedoch darauf bedacht, mein Pokerface zu wahren und jetzt bloß nicht breit zu grinsen. Und dann kam von gegenüber: »Aber meinst du denn, jetzt wäre der richtige Zeitpunkt?«

Sofort stand ich wieder kurz vor der Eruption. Nein, Schatz, wir warten noch dreißig Jahre, bis wir in Rente sind. Dann haben wir Zeit. Ich lass mir einfach ein paar Eizellen einfrieren, und du düngst die Dinger dann mit deinen letzten Tropfen. Wenn das nicht klappt, gehen wir – à la Madonna – in Malawi ein Baby shoppen. Und unser Kind kann dann Omi und Opi zu uns sagen. Fein?

Mein Freund musterte mich sehr interessiert und auf Antwort lauernd. Ich beschloss, ihm eine Kostprobe seiner eigenen Redseligkeit zu geben. Ich lehnte mich weit zurück, schloss die Augen und grunzte: »Na ja … mhm!« Das war für meinen Wannenpartner anscheinend eine eindeutige Ansage und reichte zu diesem Thema vollkommen, denn schweigsame fünf Minuten später schwang er sich aus dem warmen Nass. Sensationell!

Ich nutzte den gewonnenen Platz, hielt die Luft an, rutschte mit dem Poppes tiefer in die Wanne – und tauchte unter. Unter Wasser, so ganz mit meinem Herzschlag allein, entschied ich, dass mein Freund zu wollen hatte, wenn ich wollte. Ob ich allerdings wollte, war mir noch gänzlich unklar …

Kleiner Nachtrag:

Im Nachhinein bin ich meinem Kerl sehr dankbar für seine kryptische Ausdrucksweise. Im weisen Bewusstsein, dass die Babyfrage nun mal vor allem eine weibliche ist, wollte er mich zu nichts drängen. Nur dazu, diese Frage zuerst einmal mit mir selbst zu klären.

Babys brauchen keine Väter –
aber Mütter brauchen sie.
Jemand, der sich um ein Baby kümmert,
muss umsorgt werden.

(Amy Heckerling)

Zwar tickte zum Zeitpunkt des Wannen-Intermezzos meine Bio-Uhr bereits leise, aber fünf vor zwölf zeigte sie nun auch noch nicht an. Vertagen war für mich immer noch eine Option, und das machte ich dann auch. Ein paar Jährchen später hätte das wohl anders ausgesehen, denn es ist leider eine überhaupt nicht faire Tatsache: Während mit Viagra gedopte O-pa-pas mit dem letzten Tropfen noch mühelos in drei Minuten für Nachwuchs sorgen, müssen wir uns mit unserem eingebauten gnadenlosen Timer arrangieren. Darum folgt hier die berühmte Ausnahme von der Regel (bevor die Regel zur Ausnahme wird – ich bitte um Nachsicht, den Kalauer konnte ich mir nicht verkneifen):

! Wenn wir erst mit 40 oder noch später unserem Supermann über den Weg laufen, ist tatsächlich nicht unbedingt noch so viel Zeit, um der Beziehung die Gelegenheit zu geben, sich erst einmal zu festigen.

Hier heißt es (bei grundsätzlich vorhandenem Kinderwunsch aller Parteien): Mut zum Risiko und scharf geschossen, bevor es zu spät ist! Glücklicherweise sind etwas ältere Männer, deren Bedarf an aufregenden Abenteuern schon einigermaßen gesättigt ist, meistens mit Blick auf die Kinderfrage auch ein bisschen entspannter und rennen nicht gleich panisch weg.

Oder aber sie stellen sofort klar, dass für sie die Sache durch ist, weil sie vielleicht mit ihrer Ex-Frau schon Kinder haben. Dumm gelaufen! In so einem Fall stehen wir vor der schwierigen Frage: Kind oder Kerl? Die stellt sich allerdings nicht nur bei Oldie-Lovern, sondern unabhängig vom Alter des Probanden auch oft in Langzeitbeziehungen, in denen der Mann »Halbsingle« ist. Falls Sie nicht wissen, was ein »Halbsingle« ist: Die Bezeichnung habe ich kürzlich gelesen und fand sie für einige Männer-Exemplare ziemlich passend. Sie bezeichnet einen Typen, der zwar seine Beziehung schon irgendwie bequem findet, aber sich auf nix Ernsteres einlassen will. Das Motto des Halbsingles: Beziehung ja, Poppen ja, lecker bekocht werden ja, aber bitte ohne Verpflichtungen und Folgen. Insgeheim denkt der Halbsingle: »Kinder kann ich auch noch später kriegen.« Wenn er überhaupt so weit denkt. Woran er aber garantiert nicht denkt: dass das Brutpotenzial seiner Süßen begrenzt ist. Oder, noch schlimmer: Es ist ihm egal. Darum ist folgende Frage eine sehr wichtige:

Was tun, wenn ich ein Kind will, aber mein Freund will keins?

Mädels, ich bin wirklich der Meinung: Ein Kinderwunsch ist viel zu wichtig, um ihn sich ausreden zu lassen. Wenn wir wirklich aus tiefstem Herzen ein Baby wollen und der Mann an unserer Seite nicht, dann ist oft ein »Und tschüss!« in Richtung Kerl die bessere Entscheidung. Und zwar rechtzeitig. Bevor Monsieur vielleicht von sich aus die Reißleine zieht, sich trennt – und mit einer jüngeren Frau plötzlich doch noch eine Familie gründet. Dann hieße es nämlich: Gratulation, Sie haben gerade die Doppel-Arschkarte gezogen! Ein unwahrscheinliches Worst Case Scenario? Leider nein. Interessanterweise kommt das ziemlich oft vor. Allein in meinem Bekanntenkreis fallen mir spontan drei Fälle ein. Daraus kann man jetzt schließen, dass viele Männer Arschlöcher sind. Ich würde da aber gar keine Böswilligkeit unterstellen, sondern tippe eher: Einige Kerle unterdrücken ihren latent irgendwo im Hintergrund herumdümpelnden Kinderwunsch, bis ein Baby mit ihrer Freundin nicht mehr zur Debatte steht. Wenn sie das plötzlich kapieren, kriegen sie einen Riesenschreck. Und siehe da: Nach diesem Wake-up Call gehorchen die Typen dann doch noch dem Ruf der Natur und machen Babys. Denn die Jungs können ja noch, das ist leider die gemeine Realität.

Das Wichtigste,
das ein Vater für seine Kinder tun kann,
ist, ihre Mutter zu lieben.

(Henry Ward Beecher)

Da ist es vielleicht schlauer, sich beizeiten einen neuen Mann zu besorgen.

Sie wollen den Typen aber gar nicht verlassen? Er ist Ihre große Liebe? Das ist natürlich kompliziert! Meine Moderatoren-Kollegin Lisa Ortgies hat bei Harald Schmidt für einen solchen Fall den umstrittenen Tipp gegeben: »… dann vielleicht doch einfach auch mal die Pille weglassen und es ihm nicht sagen.« Ich lasse das hier jetzt einfach mal so stehen.

Bei einer Freundin in ähnlicher Lage hat sich die Sache zum Glück aller Beteiligten vor dem Hintergrund natürlicher Verhütung von selbst »gelöst«. Ihr sonst so verlässlicher Zyklus hatte ausnahmsweise mal gesponnen (ein bisschen Stress im Job reichte dafür aus), und ihre Kalender-Methode nach Knaus-Ogino ging – so ein Pech aber auch! – nicht ganz auf.

Und was passierte? Der werdende Papa hat sich wie Bolle gefreut. Die Kleine heißt Fee, ist inzwischen vier, Papas erklärte Prinzessin. Hurra, hurra, ein Happy End! Und eins, das nicht mal besonders selten ist, denn viele Jungs sind gar nicht wirklich anti Kinder eingestellt – sie haben nur die Hosen voll, sobald sie eine bewusste Entscheidung treffen sollen, zumindest, wenn die Konsequenzen Spielfilmlänge überschreiten.

Mal grundsätzlich: Wenn eine Frau heimlich die Pille absetzt und ihr Stecher sich darauf verlässt, dass sie wie bisher die Hormonkeule schluckt, kann man das durchaus unter dem Tatbestand eines Täuschungsmanövers verbuchen. Fair ist das nicht. Die Pille abzusetzen ist an sich aber völlig legitim, wäre ja noch schöner!

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