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Ballnacht mit dem griechischen Milliardär

1. KAPITEL

„Verflucht!“ Nikos Pandakis zog ruckartig die Hand zurück und betrachtete den Schnitt auf seiner ölverschmierten Handfläche, der sich rasch mit Blut füllte. Das hatte ihm gerade noch gefehlt!

Er rannte aus dem kleinen Maschinenraum und auf das obere Deck, durchquerte den luxuriös eingerichteten Wohnbereich der Jacht und erreichte die moderne Pantry-Küche. Dort riss er ein frisches Geschirrtuch von einem Halter an der Wand und presste es gegen die Wunde in seiner Hand. Wütend überlegte er, wo der Verbandskasten sich befand. Vasili hätte das sicher gewusst. Warum war der Mann nicht da, wenn man ihn wirklich mal brauchte?

Weil du ihn selbst weggeschickt hast, dachte Nikos, frustriert darüber, dass im Moment nichts so klappte, wie er es wollte. Nach den langen und ermüdenden Verhandlungen mit Herodias Enterprises in der letzten Woche hatte er diesen Tag noch ausspannen wollen, bevor er mit der Sofia von Piräus zu der kleinen Privatinsel Santorios übersetzte. Aber es hatte unerwartet Probleme mit einem der Bauprojekte seiner Stiftung gegeben, und sein Assistent war noch einmal zurück zum Firmensitz in Athen gefahren, um einige wichtige Unterlagen zu besorgen. Er würde bald zurück sein, um ihn zu begleiten, denn Nikos brauchte einen zweiten Mann, um die große Motorjacht zu navigieren. Doch nun sah es so aus, als wenn sie gar nicht würden starten können.

Er drehte den Hahn an der Spüle auf, entfernte vorsichtig das Tuch und hielt die Hand unter das fließende Wasser, um den Dreck und das Öl abzuwaschen. Dieser verdammte Motor! Wenn er nicht bald wieder richtig läuft, dann werde ich alles umorganisieren und per Helikopter nach Santorios reisen müssen, dachte Nikos frustriert. An dem Fest teilzunehmen, war aus mehr als einem Grund wichtig, und er würde es unter gar keinen Umständen verpassen. Aber er hatte sich vorgenommen, mit der Sofia, seiner Lieblingsjacht, hinzufahren, und es ärgerte ihn maßlos, dass dieses Vorhaben jetzt nicht durchführbar schien. Seine Pläne scheiterten nicht – jedenfalls nicht, wenn er es verhindern konnte!

„Hallo?“, rief jemand von draußen. „Jemand an Bord?“

„Ich bin hier unten“, antwortete er laut und ging zu dem Schrank am Aufgang zur oberen Brücke, weil ihm wieder eingefallen war, dass dort die Erste-Hilfe-Ausrüstung aufbewahrt wurde. Die Wunde war zwar nichts Ernstes, aber er brauchte ein Pflaster, wenn er die Blutung stillen wollte. Und ausgerechnet jetzt kam der Mechaniker, den er bestellt hatte.

Er hörte an den Schritten, dass jemand die Jacht betreten hatte, und sah einen Schatten an den zugezogenen Rollos vor den Fenstern vorbeigehen.

„Hallo? Sind Sie hier?“ Die Stimme klang jetzt viel näher, und Nikos, der den Verbandskasten mit zur Arbeitsplatte in der Küche genommen hatte, blickte überrascht auf. Er war vorhin so in Gedanken gewesen, dass er nur unbewusst registriert hatte, was seinem Ohr schon da nicht entgangen war. Doch jetzt bestand kein Zweifel mehr: Diese Stimme gehörte einer Frau.

Innerlich aufstöhnend wandte er sich um. Wie hatte er nur so dumm sein können, jemanden an Bord zu bitten, ohne sich vorher davon zu überzeugen, dass es auch der Mechaniker war! Es war schließlich durchaus bekannt, dass die Sofia eine seiner Jachten war und dass sie derzeit in Piräus vor den Toren Athens vor Anker lag. Offenbar hatte sich seine Trennung von Jenna schneller herumgesprochen als gedacht, und jetzt würde irgendein Society-Sternchen versuchen, die Gunst der Stunde zu nutzen und sich ihm als Ersatz an den Hals zu werfen.

Es war nur die Frage, welche Taktik sie anwenden würde: das scheue Reh, die sinnliche Verführerin, die naive Ahnungslose – „ach, Sie sind Nikos Pandakis? Nein, so ein Zufall!“ – oder doch eher die verständnisvolle Zuhörerin? Nikos kannte jede Masche zur Genüge. Er seufzte tief. Es konnte durchaus von Nachteil sein, zu den reichsten und begehrtesten Junggesellen Griechenlands zu gehören.

Die zierliche junge Frau, die Augenblicke später im Türrahmen erschien, war jedoch nicht so glamourös und aufgestylt, wie er es erwartet hätte. Ihr blondes Haar war zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst, und sie trug eine abgeschnittene Jeans und ein dunkles, von der Sonne ausgeblichenes Top. Ihre Füße steckten in Turnschuhen, die schon bessere Tage gesehen hatten, und sie hatte sich eine mindestens ebenso abgewetzte, breite Ledertasche über die Schulter gehängt.

Na, großartig, dachte Nikos. Offenbar handelte es sich hier eher um ein Möchtegern-Society-Sternchen, dem er erst noch auf den gesellschaftlichen Olymp verhelfen sollte – neue Garderobe inklusive.

„Sind Sie Nikos Pandakis?“

Er nickte. Also keine „naive Ahnungslose“. Dann eben etwas anderes. Was es auch war, er war nicht interessiert. Abwehrend hob er die Hände, in Gedanken schon damit beschäftigt, wie er sie möglichst schnell wieder loswurde. „Hören Sie, das war ein Missverständnis. Ich dachte, Sie sind …“

„Haben Sie sich verletzt?“, unterbrach sie ihn und deutete auf das blutbefleckte Geschirrtuch, das er sich wieder um seine Hand geschlungen hatte. Bevor er sie aufhalten konnte, kam sie durch den Raum auf ihn zu und stellte die Tasche ab. „Soll ich mir das mal ansehen?“

Die leichte Berührung ihrer schlanken Finger, die sich um seine Hand legten und sie zu öffnen versuchten, riss Nikos aus seiner Überraschung, die ihn für einen Moment hatte erstarren lassen. Er zog seine Hand zurück und spürte, wie verspätet die Verärgerung zurückkehrte, mit der er schon die ganze Zeit kämpfte. Die Verständnis-Nummer, hatte er es doch gewusst. Aber ihm war heute definitiv nicht nach Nettigkeiten.

„Nein, danke“, fuhr er die Frau an. „Es ist nichts.“

„Okay.“ Sie hob die Hände. „Ich wollte nur helfen.“

Die Wunde puckerte jetzt schmerzhaft, und Nikos spürte, wie seine Geduld ihn endgültig verließ. Konnte heute denn gar nichts glatt gehen?

„Hören Sie“, sagte er mit gefährlich ruhiger Stimme, in der eine unverhohlene Drohung mitschwang, „ich sagte ja schon, das war ein Missverständnis. Ich habe Sie an Bord gebeten, weil ich dachte, Sie wären der Mechaniker, den ich bestellt habe. Ich bin nicht in der Stimmung für ein nettes Gespräch, ich bedarf Ihrer Hilfe nicht, und meine Zeit ist wirklich knapp. Wenn Sie nicht möchten, dass ich die Polizei rufe, dann verschwinden Sie möglichst schnell und möglichst unauffällig wieder von meinem Schiff. Haben Sie das verstanden?“

Die Frau schien nicht beeindruckt, und sie wich auch nicht erschrocken vor ihm zurück, wie so viele andere, die Zielscheibe seiner Wut wurden. Stattdessen stemmte sie die Hände in die Hüften, und eine Zornesfalte erschien auf ihrer Stirn. Ihre blauen Augen blitzten herausfordernd.

„Klar und deutlich“, entgegnete sie. „Und nur zu Ihrer Information: Meine Zeit ist auch knapp, und ich muss sie nicht damit verschwenden, Ihre Jacht wieder flott zu machen, wenn Sie das nicht wollen.“ Sie hob ihre Tasche auf und schob sich den Riemen lässig über die Schulter. „Einen schönen Tag noch.“

„Was?“ Nikos war so in seiner Wut gefangen, dass er einige Sekunden brauchte, bis ihm dämmerte, was sie ihm damit offenbar sagen wollte. Und es dauerte noch ein paar, bis er seine Verblüffung in Worte fassen konnte. „Sie kommen von der Werft?“

Die Frau, die schon gehen wollte, drehte sich noch einmal um und fixierte ihn kühl. „Richtig. Ich komme von der Werft. Aber wenn Ihnen die Fantasie fehlt, sich einen weiblichen Mechaniker vorzustellen, und Sie lieber möchten, dass das ein Mann erledigt …“

Sie sah ihn herausfordernd an, und es war offensichtlich, dass ein falsches Wort von ihm sie dazu bringen würde, endgültig zu gehen.

„Nein, nein, schon gut“, knurrte er. „Das war … mein Fehler. Kommen Sie, hier entlang.“ Genervt ging er voraus über die schmale Treppe, die hinunter in den Maschinenraum der Jacht führte.

So viel zum Thema an den Hals werfen, dachte er, und seine Mundwinkel hoben sich in einem Anflug von Selbstironie. Danach stand der blonden Schönheit – aus der Nähe war sie noch deutlich attraktiver und ihre Sachen noch deutlich abgerissener als auf den ersten Blick – definitiv nicht der Sinn, und das war … ungewohnt für ihn. Es kam nicht oft vor, dass ihn jemand überraschte – oder ihm derart furchtlos die Stirn bot. Aber er wusste die seltene Erfahrung nicht zu würdigen, nicht nach diesem Tag. Und sollte sich herausstellen, dass sie keine gute Mechanikerin war oder am Ende gar nicht die, für die sie sich ausgab – auch das hatte er schon erlebt –, dann würde sie ihn von einer sehr unangenehmen Seite kennenlernen.

Helena folgte dem großen, breitschultrigen Mann die schmale Treppe hinunter und hatte Mühe, ihre Verärgerung zu verbergen. Erst fuhr dieser Nikos Pandakis sie auf extrem unhöfliche Weise an, und dann nicht ein Wort der Entschuldigung. Was bildete der Kerl sich eigentlich ein? Dass sie auf seine schicke Jacht gekommen war, um mit ihm anzubandeln?

Aber so waren Männer wie er, die zu viel Geld hatten und noch dazu – sie musste es widerwillig eingestehen – so unverschämt gut aussahen. Sie bekamen immer alles, was sie wollten. Und wenn das, was in den Zeitungen über Nikos Pandakis stand, auch nur ansatzweise stimmte, dann spielte er in dieser Hinsicht in der allerersten Liga. Die Begriffe „Bitte“ und „Danke“ waren ihm vermutlich längst unbekannt, weil er dafür keine Verwendung mehr hatte.

Sie schätzte ihn auf etwa Mitte dreißig, und er sah anders aus, als sie erwartet hatte, denn er trug nicht den feinen Anzug eines Geschäftsmanns, sondern wirkte in seiner legeren Jeans und dem schwarzen Polohemd eher wie jemand, der auf dieser Luxusjacht arbeitete, als jemand, dem sie gehörte. Doch der entschlossene, fast arrogante Ausdruck in seinem markant geschnittenen, klassisch schönen Gesicht zeigte, dass er es nicht gewohnt war, Befehle entgegenzunehmen, sondern welche zu geben – und dass er verlangte, dass sie sofort ausgeführt wurden. Kurzum: ein Macho, wie er im Buche stand, und noch dazu einer, der sich für unwiderstehlich hielt.

Großartig, dachte Helena missmutig. Und so jemandem willst du helfen. Verdient hatte er das nicht, dass sie seinetwegen so viel riskierte, und sie war kurz davor gewesen, wieder zu gehen und ihn Petros und seinen betrügerischen Geschäftspraktiken zu überlassen. Aber sie tat es ja nicht für diesen Nikos Pandakis oder die anderen reichen Jachtbesitzer. Sie tat es für Kostas.

Helena schluckte schwer und kämpfte gegen die Trauer, die erneut in ihr aufzusteigen drohte. Manchmal tröstete sie der Gedanke, dass Kostas stolz auf sie gewesen wäre. Aber meistens war da nur die drückende Last, zum ersten Mal in ihren vierundzwanzig Jahren ganz auf sich allein gestellt zu sein. Irgendwann – bald – würde es so nicht mehr funktionieren. Dann musste sie neu anfangen, und sie wusste auch schon, wo sie dann als Erstes hingehen würde. Aber das war ein Schritt, vor dem sie noch zurückschreckte.

Sie verdrängte den Gedanken und sah sich in dem kleinen Maschinenraum um. Selbst wenn die Jacht nicht so groß und protzig war wie einige andere, auf denen sie schon gearbeitet hatte, diese hier war knapp zwanzig Meter lang und kam ohne eine größere Crew aus, strahlte auch hier jedes Detail den Reichtum aus, der nötig war, um eine solche schwimmende Luxuswohnung elegant durch die Wellen schneiden zu lassen. Die Maschine war vom Feinsten und auf dem neuesten Stand der Technik. Alles perfekt, wenn da nicht diese ziemlich bedenklichen Geräusche gewesen wären, die sie von sich gab.

„Hören Sie das?“, fragte Nikos über den Lärm des Motors, den er angestellt hatte und der im Leerlauf lief.

Helena nickte. „Ich sehe mir das mal an.“ Zielstrebig zwängte sie sich an dem Maschinenblock vorbei, um an die Seite zu gelangen, an der ihrer Meinung nach der Defekt lag, und machte sich mit geübten Bewegungen daran, der Sache auf den Grund zu gehen.

Sie war so vertieft in ihre Arbeit, dass ihr erst als sie die Maschine wieder abstellen wollte, um etwas zu überprüfen, auffiel, dass sie offenbar unter Beobachtung stand. Nikos Pandakis war mit vor der Brust verschränkten Armen an der Tür stehen geblieben, und seine dunklen Augen folgten allen ihren Bewegungen. Sein Gesichtsausdruck verriet nicht, was er dachte, aber sie hatte da so eine Ahnung.

„Sie müssen mir nicht zugucken“, erklärte sie heftiger, als sie wollte. „Warum gehen Sie nicht nach oben? Ich komme dann rauf und sage Ihnen Bescheid, wenn ich weiß, was es ist.“

„Vielleicht brauchen Sie Hilfe. Ich könnte Ihnen zur Hand gehen, wenn es nötig ist“, entgegnete er, doch Helena vermutete, dass es eher Misstrauen als Hilfsbereitschaft war, das ihn zum Bleiben bewegte.

„Ich brauche niemanden, glauben Sie mir. Und Sie machen mich nervös, wenn Sie da rumstehen“, platzte es aus ihr heraus, als sie die Maschinen abgestellte.

„Gibt es denn einen Grund, nervös zu sein?“ Seine tiefe Stimme klang so deutlich durch die plötzliche Stille, dass Helena das Gefühl hatte, sie bis in die Zehenspitzen zu spüren. Für einen Moment konnte sie ihn nur irritiert anstarren, zu atemlos für eine Erwiderung. „Ich meine, denken Sie, dass Sie den Schaden beheben können?“, fügte er dann hinzu, und sie spürte, wie sie errötete. „Es wäre sehr ärgerlich, wenn eine langwierige Reparatur nötig wäre.“

„Ich denke, ich kriege das in ein bis zwei Stunden wieder hin.“

Sie hasste es, dass er sie derart durcheinanderbrachte. Für einen Moment hatte sie wirklich geglaubt, er würde ihr unterstellen, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlte. Offenbar kommt in Nikos Pandakis’ Welt eine Frau, die nicht an ihm interessiert war, gar nicht vor, dachte sie, wütend darüber, dass ihr Herz immer noch aufgeregt klopfte, während sie seinem Blick standhielt.

„Hallo?“, rief jemand irgendwo außerhalb des Maschinenraums.

Nikos nickte Helena zu. „Gut“, sagte er ernst. „Ich verlasse mich auf Sie. Und jetzt entschuldigen Sie mich, ich gehe kurz nachsehen, wer das ist.“

Helena erwiderte nichts, sondern wandte sich hastig wieder dem Problem mit dem Motor zu. Die Zeit lief ihr weg, denn sie ahnte, wer da draußen auf dem Steg gerufen hatte.

Nikos stieg kopfschüttelnd die Treppe hinauf an Deck. Er konnte immer noch nicht fassen, mit welcher Professionalität die junge Frau an den Maschinen hantiert hatte. Entweder sie war eine extrem gute Schauspielerin, oder sie verstand wirklich etwas von ihrem Handwerk. Er wusste selbst nicht, wieso es ihm so schwer fiel, ihr auf diesem Gebiet Können zuzugestehen. Es war nicht so, dass er Frauen nichts zutraute. Im Gegenteil. In seiner Firma besetzten sie sehr verantwortungsvolle Positionen, und er schätzte ihre Arbeit.

Aber diese junge Mechanikerin schien irgendwie ein lebender Widerspruch zu sein, und das irritierte ihn. Sie war im Maschinenraum ganz offensichtlich in ihrem Element, und doch passte sie so gar nicht in diese Umgebung. Immer, wenn sie sich gebückt hatte, um etwas genauer zu inspizieren, hatte er einen sehr guten Blick auf ihr entzückendes, wohlgerundetes Hinterteil bekommen und es sehr anregend gefunden.

Und das machte ihn aus irgendeinem Grund wütend. Er wollte nicht über diese Frau nachdenken. Und schon gar nicht wollte er sie verführerisch finden. Nachdem er gerade erst wieder eine Beziehung hatte beenden müssen, hatte er erst mal genug von Frauen. Es war jedes Mal das Gleiche. Jenna, die anfangs so unabhängig gewesen war und zu verstehen schien, wo seine Grenzen lagen, hatte am Schluss – wie alle ihre Vorgängerinnen – versucht, ihn zu Zugeständnissen zu bewegen, zu denen er nicht bereit war und niemals bereit sein würde. Nikos seufzte tief. Es endete einfach immer unerfreulich. Und diese kratzbürstige Mechanikerin – nein, das passte gar nicht, überhaupt nicht. Sie gehörte nicht zu der Art von Frauen, mit denen er normalerweise verkehrte. Da wäre die Katastrophe auf jeden Fall vorprogrammiert gewesen. Abgesehen davon, dass sie ja auch gar kein Interesse an ihm zu haben schien …

Übel gelaunt trat er an die Reling und blickte zu dem untersetzten Mann mit dem schütteren Haar in T-Shirt und weißer Hose hinunter, der mit zusammengekniffenen Augen gegen die heiß brennende Sonne anblinzelte.

„Nikos Pandakis?“, erkundigte er sich.

„Was wollen Sie?“, fragte Nikos unfreundlich zurück.

„Ich bin Petros Amanantides. Mir gehört die Werft, bei der Sie heute Morgen angerufen haben.“ Der Mann wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Ist eine Mitarbeiterin von mir bereits bei Ihnen gewesen? Helena Medeus?“

Nikos hörte den besorgten, fast wütenden Unterton in der Stimme des Mannes und schwieg einen langen Moment. „Ich weiß nicht, wie sie heißt“, erklärte er, „aber sie ist noch da.“

„Oh, ich wusste es“, knurrte der Werftbesitzer und ballte die Hände zu Fäusten. Doch dann schien er sich daran zu erinnern, dass Nikos Pandakis ihn noch immer ansah, und ließ seine Wut hinter einem gequält wirkenden entschuldigenden Lächeln verschwinden. „Bitte“, sagte er, „egal, was Helena Ihnen erzählt hat – Sie dürfen ihr auf gar keinen Fall glauben!“

2. KAPITEL

„Helena!“

Sie richtete sich mit dem Schraubenschlüssel in der Hand auf, als die wütende Stimme hinter ihr erklang, und sah Petros Amanantides zusammen mit Nikos Pandakis an der Tür stehen. Petros’ Gesicht war rot angelaufen. Jetzt drängte er sich in den kleinen Raum und stieß sie unsanft zur Seite.

„Ich sehe mir das lieber selbst mal an“, verkündete er und zischte Helena zu: „Ich warne dich. Ein falsches Wort …“

Helena blickte zu Nikos Pandakis hinüber, der sie nachdenklich musterte, und beobachtete dann schweigend den hektisch mit seinem Werkzeug hantierenden Petros. Es war das erste Mal, dass er ihr tatsächlich nachgegangen war und ihr vor dem Kunden den Auftrag wegnahm. Das hatte er bis jetzt noch nicht gewagt, und das bedeutete, dass er sie jetzt offen in ihre Schranken wies.

Nach ein paar Minuten richtete Petros sich wieder auf und wischte sich mit einem Taschentuch das Öl von seinen dicken Fingern. Er schnaufte.

„Eine eindeutige Sache. Der Motor ist defekt. Wir müssen die Jacht auf den Trockendock bringen und reparieren.“

Wut ließ Helena die Hände zu Fäusten ballen, weil sie Petros’ Dreistigkeit kaum fassen konnte. Es war jedes Mal das Gleiche, wenn sie es nicht verhinderte.

Sie war fast sicher, dass Nikos Pandakis jetzt nicken würde. Die Jachtbesitzer glaubten Petros eher als ihr, weil er ein Mann war und älter als sie. Doch zu ihrer Überraschung fixierte der große Grieche ihren Chef nur mit hartem Blick.

„Ihre Mitarbeiterin war der Meinung, dass sie den Motor recht schnell reparieren könnte“, meinte er schließlich.

Petros machte eine abfällige Handbewegung. „Sie hat keine Ahnung. Ich sagte doch schon, dass Sie ihr nicht glauben dürfen. Das war ohnehin ein Missverständnis.“ Er sah Helena scharf an. „Sie sollte sich um diesen Auftrag gar nicht kümmern. Sie ist für die Büroarbeiten zuständig, nicht für die Reparaturen.“

Helena erwiderte Petros’ Blick hasserfüllt, bis Nikos Pandakis sie ansprach und ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich lenkte.

„Sie haben keine Ahnung?“, fragte er mit einem provozierenden Unterton. „Ist das so?“

Helena wusste, dass es keinen Sinn mehr hatte. Sie hatte ihr Bestes gegeben, aber es war vergebens, ein Kampf gegen Windmühlen. Und es gab nicht mal einen Sancho Panza, der ihr zur Seite stand. Sie war ganz allein. Eine Mischung aus trauriger Resignation und unbändiger Wut durchflutete sie, während sie den Blick des gut aussehenden Geschäftsmannes unerschrocken erwiderte. Die Entscheidung, die sie treffen musste, ließ sich nicht länger aufschieben. Der Augenblick war da.

„Oh doch! Ich weiß, was mit Ihrem Motor los ist. Und ich weiß auch …“

„Helena!“, warnte Petros sie scharf, doch sie ignorierte ihn und sprach weiter.

„… warum Petros Ihre Jacht gerne im Trockendock hätte. Weil er Ihnen dann weismachen kann, dass nicht nur der Motor, sondern auch noch diverse andere Dinge kaputt sind und erneuert werden müssen, um Ihnen anschließend eine völlig überteuerte Rechnung über Arbeiten auszustellen, die er nicht ausgeführt hat.“

Das Gesicht ihres Arbeitgebers war hochrot angelaufen, und die Adern an seinem Hals traten hervor.

„Wie kannst du es wagen, du kleines Miststück!“, schrie er. „Ich habe mir deine Unverschämtheiten jetzt lange genug angehört. Du bist entl…“

„Ich kündige“, unterbrach Helena ihn barsch und richtete den Blick nun auf ihn. „Das war längst überfällig, Petros. Ich will nicht mehr. Wenn ich daran denke, was du aus Kostas’ Werft gemacht hast …“ Heiße Tränen stiegen ihr in die Augen. Schnell blinzelte sie sie weg.

„Das nimmst du zurück. Sofort.“

Trotzig schüttelte Helena den Kopf. „Es ist die Wahrheit.“

„Na warte, ich werde dich lehren …“ Petros war so außer sich vor Wut, dass er auf sie losgehen wollte, doch die Stimme von Nikos Pandakis ließ ihn in der Bewegung innehalten.

„Ich denke, das reicht“, sagte er scharf, während sein Blick zwischen dem Werftbesitzer und Helena hin und her wanderte und dann an Helena hängen blieb. „Sie verlassen auf der Stelle mein Schiff.“

Helena schluckte und bückte sich schnell, um ihr Werkzeug wieder in die Tasche zu packen. Obwohl sie gewusst hatte, wie diese Sache ausgehen würde, spürte sie einen Stich der Enttäuschung. Sie hielt den Kopf gesenkt, als sie sich mit der Tasche an ihm vorbeidrängte. „Tut mir leid“, murmelte sie, obwohl sie gar nicht recht wusste, wofür sie sich eigentlich entschuldigte. Es war schließlich nicht ihre Schuld, sie hatte getan, was sie konnte, um ihn vor Petros zu bewahren.

Doch dann schloss sich eine Hand fest um ihren Arm. Die Berührung ließ sie zu Nikos Pandakis aufblicken, der sie festhielt. In seinen dunklen Augen lag Verärgerung. Doch sie galt erstaunlicher Weise nicht ihr.

„Ich meinte nicht Sie.“ Er drehte den Kopf und fixierte Petros. „Sondern ihn.“

Der Werftbesitzer schien nicht fassen zu können, was er da hörte. „Aber Sie dürfen ihr nicht glauben. Sie lügt. Sie ist böse auf mich, seit ich die Werft ihres Vaters übernommen habe, und versucht mir zu schaden. Seit Wochen schon torpediert sie alle meine Aufträge. Aber ich lasse mir das nicht länger gefallen. Das ist Rufschädigung. Ich werde …“

„Runter von meinem Schiff. Und zwar schnell“, wiederholte Nikos ungerührt und folgte dem Werftbesitzer zusammen mit Helena nach oben an Deck. Mit hochrotem Kopf und schwitzend stieg Petros die Leiter hinunter zurück auf den Steg.

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