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Bärenspuren

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© 2017 Roland Schunke

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN
Paperback: 978-3-7345-5569-5
Hardcover: 978-3-7345-5570-1
e-Book: 978-3-7345-5571-8

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Mein Bär

Es soll nicht die Rede für oder von einem Bärendienst sein, der manchmal ein wohlgemeinter, für den Empfänger jedoch in vielen Fällen mit negativen Folgen behaftet ist. Zur Verdeutlichung der Redensart ‚Jemandem einen Bärendienst erweisen’ sei an die Fabel L’ours et l’amateur des jardins (Der Bär und der Gartenfreund) von Jean de La Fontaine erinnert, worin ein Bär und ein alter Gartenfreund aus Einsamkeit eine Wohngemeinschaft gründen. Der getroffenen Rollen-vereinbarung gemäß oblag dem Bären die Jagd, also die Beschaffung von Wild, dem Gartenfreund die Pflege des Gemüsegartens. Als sich eines Tages eine Fliege auf die Stirn des im Liegestuhl schlafenden Gärtners setzte, eilte der Bär mit dem Ansinnen zu seinem Freund, die Fliege zu verjagen. Er nahm einen großen Stein, den er im Garten fand, und warf diesen auf das Insekt. Beide, Fliege und Freund überlebten die wohlgemeinte Tat nicht. Eine derart tragische Geschichte erzähle ich nicht. Der Dienst eines Bären, über den ich zu berichten wünsche, ist in jeder Hinsicht positiv und lebensbejahend. Ich könnte jetzt beginnen mit den biblischen Worten: Es begab sich zu der Zeit als ich den zweiten Geburtstag feierte. Oder ich begänne mit: Aus Erinnerungen meiner Geschwister, wobei ich nicht mehr nachvollziehen kann, welcher meiner drei verantwortlich zeichnete, trat vor kurzer Zeit aus meinem Gedächtnis die Nachricht, dass mir zum zweiten Geburtstag oder zu Weihnachten ein besonderes Geschenk überreicht wurde. Ich könnte aber auch meiner heutigen Erkenntnis entsprechend sachlich mitteilen, dass mir ein Teddy -Bär geschenkt wurde. Was ich bruchstückhaft weiß, ist, dass mir dieser wohl in meinem zweiten Lebensjahr geschenkt wurde. Wissend erinnere ich mich nicht. Weder, dass ich ihn bekommen habe, noch wann. Ob nun Weihnachten oder mein Geburtstag für den Grund der Übergabe Pate standen, soll für die weitere Geschichte nicht von Bedeutung sein. Unabhängig von allen angestellten Vermutungen kann ich folgende Tatsachen dokumentieren: Mir wurde im Alter von zwei Jahren, ein Teddy - Bär mit dem Namen Jackie geschenkt. Er saß unbeachtet, ja vergessen, in meiner Dachgeschoßwohnung auf einem Bücherregal. Vor einigen Tagen entschloss ich mich, wer mich kennt weiß, dass ich des Öfteren meine Einrichtung verändere, das Regal, auf dem er saß, an einen anderen Ort im zu Raum stellen. Ich nahm ihn vom obersten Brett. Und dann geschah es: Ich wünschte, ihn an mich zu drücken. Mir war, als hätte ich mich auf eine Reise in meine Kindheit begeben und - es fühlte sich gut an. Ich genoss diesen innigen Augenblick. Ich hielt ihn mit aus-gestreckten Armen hoch und sah in seine strahlenden Augen. Ich drückte mit beiden Daumen auf seinen Bauch, um das brummende ‚Jackie‘ zu hören, das er in meiner Kinderzeit leise durch sein Bärenfell summte. Vergebens, die für Geräusche eingebaute Mechanik war defekt. Ich hätte gerne noch einmal seine Stimme, seinen Namen, vernommen. Ich überlegte, ob es meinen Bären noch zu kaufen gibt. Zögerlich verwarf ich den Gedanken. Nach einem halben Jahrhundert wird es doch einen Spielkameraden gleichen Namens nicht mehr geben. Dennoch gab ich wenige Minuten später in eine Suchmaschine im Internet ein: Steiff Jackie. Und wenige Sekunden später hatte ich Gewissheit: Steiff Jahrzehnte Teddybär Jackie 1953, Mohair, Preis 159,00 €. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass sich MEIN Bär einer solch langlebigen Bärentradition rühmen durfte. Ich gebe zu, es berührte mich. Weniger freue ich mich darüber, dass ich, auch mit größter Anstrengung, keinerlei Vorstellungen habe, mich keiner noch so kleinen Bildfetzen erinnere, dass ich oder wann ich diesen Bären zum ersten Mal zu Gesicht bekam. Hatte ich strahlende Augen als ich ihn sah, nahm ich ihn sogleich in meine Arme, nuschelte ich irgendetwas kindlich Unverständliches? Konnte ich schon etwas sprechen, vielleicht Mama, Papa? Wollte ich überhaupt etwas sagen? Dachte ich etwas oder blieb mir beim Anblick des Tierchens die Luft weg, wehrte ich mich mit meinen Händchen gegen seine Nähe, weinte ich vor Angst oder schrie ich vor Zorn? Es gibt nur eine Antwort: Ich weiß es nicht.

Was ich aber weiß ist, dass ich den Bären als kleiner Junge inniglich geliebt habe. Saß ich in der Küche unseres Hauses in meinem PAIDI - Laufstall und spielte, meine Mutter hatte vielfältige Aufgaben und somit nicht immer Sichtkontrolle zu mir halten können, saß Jackie in einer Ecke meiner Umfriedung und schaute mir zu. Ging ich des Abends nach reichlich ungewolltem Waschen zu Bett, lag er neben mir oder ich drückte ihn fest an mich. Ohne meinen Bären hätte ich nicht schlafen können, dessen bin ich mir sicher. Er war mein Gefühlspendant, mein Zuhörer, mein Freund, mein Tröster und Partner in allen Lebenslagen. Und für alle die dies in der Jetztzeit lesen: Ich hatte nur diesen EINEN. Keine Häschen, Entchen, Frösche, Kühe, Kängurus, Nashörner, manches in mehrfacher Ausführung, groß oder klein, blau, rot, weiß, rosa oder lila, einfach rufend durch Drucken, Lieder singend, wenn man an der Schnur zieht, oder eine eingenähte CD abspielend. Ich brauchte nur MEINEN TEDDY. Sicher habe ich mit ihm gesprochen, und ihm meine Erlebnisse erzählt, ihn in den Arm genommen, wenn mir nach Zärtlichkeit war und ihn gestreichelt, wenn er hinfiel. Mein Teddy schenkte mir Zärtlichkeit und gute Gefühle, die die reale Welt nicht anbot. Ich möchte meinen Eltern gegenüber nicht ungerecht sein, aber es fällt mir schwer zu erkennen, dass und wann ich jemals die Zuneigung empfing, die Eltern ihren Kindern heute im Übermaß zuteilwerden lassen. Ich denke, mein Teddy erfüllte in meinen Kindertagen die Rolle des Freudenspenders und Trösters auf vielfältige Weise. Ihm konnte ich meine Sorgen erzählen. Bei ihm durfte ich weinen. Mit ihm konnte ich lachen, fröhlich und glücklich sein, ihm konnte ich die mir zugestoßenen Ungerechtigkeiten erzählen und sicher auch meine Verfehlungen beichten. Er hörte zu und hat mich, egal in welcher Position ich mich befand, liegend, sitzend oder auf dem Kopf stehend, immer mit seinen strahlenden und verständnisvollen Augen direkt angeschaut. Ich würde gerne mit ihm sprechen. Wie war unsere Sprache, wie unser Zusammensein in meiner Kindheit? Über was haben wir gesprochen? Hat er sich äußern können, vielleicht mit einer inneren Stimme? Hatte er eine Seele? Eine, die ich ihm gab, meine innere Antwort? Ich möchte seine Sprache lernen, seinen Gedankenspeicher entziffern und erfahren, wie und was wir dachten und fühlten. Ich werde in ihn hineinhorchen und zu erfahren wünschen, wie es ihm erging, als er aus meiner Erlebniswelt austrat, als er für mehr als dreißig Jahre in der Obhut meiner Mutter verblieb. Dreißig Jahre. Wie vielen Kindern und Enkelkindern, eigenen und denen meiner Brüder, Kindern von Nachbarn diente er als zeitlich beschränkter Spielkamerad? Im Haus meiner Eltern saß er in der Küche auf der Ablage meiner Eltern Eckbank. Irgendwann setzte ihm meine Mutter eine Puppe, die sie von einer Nachbarin erhalten hatte, als Freundin zur Seite. Als meine Mutter alters- und krankheitsbedingt vor mehr als achtzehn Jahren in ein Seniorenstift zog, erhielt mein Bär eine neue Heimat in meinem damaligen Zuhause. Ich beachtete ihn nicht. Meine Frau kümmerte sich um ihn, nähte ihm neue Kleider und strickte kleine Pullover. Er saß zwischen anderen Bären und Stofftieren. War er Spielkamerad meiner Kinder? Ich weiß es nicht. Als ich vor Jahren auszog, dachte ich nicht daran, ihn mitzunehmen, ich hatte andere Sorgen und Notwendigkeiten. Wenig später wurde mir bewusst, dass er in meinem Leben fehlte. Nichts war zu jenem Zeitpunkt wichtiger, als ihn in meine Obhut zu bekommen, ihn zu schützen, ihn zu bewahren. Ich holte ihn zu mir und setzte ihn auf das Bücherregal. Ich beachtete ihn nicht weiter, aber er war, das wusste ich, immer in meiner Nähe. Seit wenigen Tagen durchdringt er die Grenze zwischen Vergrabenem und Jetztzeit und spült Vergessenes in meine Gedanken. Heute, man möge mir nachsehen, ein grauhaariger Großvater verhält sich nicht so kindlich und sentimental, legte ich mich für ein Nachmittagsschläfchen auf mein Sofa, sah meinen Teddy an und hatte das unabwendbare Verlangen ihn neben mir zu wissen. Ich schlief gut. Mehrere Stunden später wachte ich auf, die Sonne stand tief und die ersten Nachtwolken zeigten sich am Himmel. Jackie lag neben mir. Ich drückte ihn an mich und wünschte, dass er mir etwas aus seinem Leben erzählen würde, dass er sich für mich an unsere gemeinsame Zeit erinnerte. Natürlich bin ich nicht so vermessen zu glauben, ein Teddy könnte reden und sich mitteilen. Ich schloss die Augen, um einen inneren Kontakt herzustellen, so als würde ich im Wachen träumen. Dann sah ich ihn an. Seine Augen strahlten im Abendrot. Ich legte ihn, wie früher meine Kinder, auf meinen Bauch in der Überzeugung, dass ihm dies gefallen würde, so warm und nah an meinem Herzen. Ich dämmerte im Halbschlaf vor mich hin. Die Schleier zwischen Ferne und Nähe menschlichen Bewusstseins hatten sich noch nicht entschieden, sich zu verflüchtigen. Ein Ge-dankengewirr breitete Traumflügel aus. Überlegungen surrten in mir. Hat ein Teddybär Gefühle? Er ist doch nur ein Spielzeug. Empfindet er Nähe und Wärme, Ferne und Kälte ebenso wie wir Menschen? Oder ist er unempfindlich für kindliche Sentimentalitäten? Seine Seele muss eine andere sein. „Was fühltest du, als ich mich nicht mehr mit dir beschäftigte?“, hörte ich mich fragen. „Warst du traurig?“ Keine Antwort. Warten. Habe Geduld. „Hm, entgegnete es mir. Du hast mich geweckt?“ Seine Stimme klang ruhig und sanft. „Es tut mir leid, wenn ich dich geweckt habe. Wir hatten uns etwas hingelegt.“ „Davon weiß ich nichts.“ „Aber du sagtest doch, dass ich dich geweckt hätte.“ „Ja schon, aber du hast mich aus einem langen Winterschlaf geholt. Zuletzt spielte ich mit deinem Sohn, als er vier Jahre alt war.“ Das war vor mehr als zwanzig Jahren. Ich begriff die zeitliche Verschiebung nicht. Ich wusste mit der Antwort nichts anzufangen. „Wie meinst du das, Winterschlaf? Mein Sohn ist heute fast dreißig Jahre alt. Seitdem sind viele Jahre vergangen. Was war in der Zwischenzeit?“ „Weiß nicht. Und was bedeutet das Wort ‚Jahre’?“ Ich verstand die Frage nicht. Wollte er mir ‚einen Bären aufbinden’? „Ein Jahr dauert 12 Monate, eine Zeitdauer, eine Periode.“ „Wir Bären kennen solche Begriffe nicht.“ Sollte er kein Zeitgefühl haben? Niemand lebt ohne Zeit. Jeder wird geboren, lebt Tage, Monate, Jahre. „Aber“, zögerte ich, „du hast doch auch jedes Jahr Geburtstag, das ist der Tag, an dem jeder Mensch ein Jahr älter wird.“ Da lachte er lauthals. „Hi, hi, ihr Menschenkinder seid ein lustiges Völkchen. Ich bin ein Bär, kein Mensch. Ich bin ein Teddybär, den irgendeine Fabrik, irgendwelche Menschen produziert haben. Zeit, Jahre, Geburtstage, das gibt es für uns nicht.“ Ich muss ein bedrücktes Gesicht gemacht haben. Er fügte fürsorglich hinzu. „Hast du das nicht gewusst? Bist du traurig?“ „Nein.“ In die feine Niedergeschlagenheit mischte sich sogleich Hoffnung. Hatte er ‚traurig’ gesagt? Wenn er dieses Wort kannte, muss er Gefühle haben, schoss es mir durch den Kopf. „Du kannst traurig sein? Dann musst du auch glücklich sein können! Du hast Gefühle wie ein Mensch.“

„Wie ein BÄR.“, lachte er schon wieder. „Wo liegt der Unterschied?“, merkte ich an. „Traurig, glücklich, Mensch, Bär.“ „Im Gegensatz zu euch Menschen haben wir keine eigenen Stimmungen, wir passen uns nur an. Wir agieren nicht, wir reagieren.“ Irgendeine Regung weckte mich. Ich lag in Starre. Unbeweglich, innerlich schwankend, entließ mich die Traumlandschaft ins Wirkliche. Taumelnd stand ich auf, vergewisserte mich in Zeit und Raum. Ich war zu Hause. Es war Abend. Ich träumte ein Gespräch mit meinem Bären. Teddy? Ach ja, ich hatte mich hingelegt, hatte meinen Teddy auf meinen Bauch gelegt. Wo ist er? Zum Sofa hin drehte ich meinen Kopf. Neben meinen Hausschuhen lag er auf dem Boden, er musste vom Sofa gefallen sein. Ich hob ihn auf und setzte ihn auf seinen Platz auf dem Regal neben der Tür. Dann fiel mir wieder ein, was ich geträumt hatte. Bären leben ohne Zeit. Sie passen sich an. Was hatten die mir eingepressten Gedanken für einen Sinn? Ein Teddybär empfindet nichts, grundsätzlich. Nicht Wärme, nicht Kälte, nicht Ferne, nicht Nähe. Weder Trauer, noch Freude. Es scheint, er sollte sein Dasein nur zu bestimmten Zeiten erleben dürfen. Er ist eine Erscheinung auf Zeit, auch wenn er sich der Zeitdauer nicht bewusst sein kann. So habe ich ihn verstanden, als er fragte, was Zeit sei. Das heißt, dass er nur als Bär existent ist, wenn er seine Teddy-Aufgabe erfüllt. Ansonsten, weggelegt in einer Spielkiste, versteckt in einem Schrank, auf dem Dachboden oder auf einem Regal im Keller, schlummert er. Es ist aber auch kein Schlafen, denn dann müsste er ja träumen und sich an die Träume erinnern können. Ein Wachkoma schließe ich auch aus. Es muss eine Art totstellen sein, ein Verharren im Nichts, unfähig zu allem anderen. Verharren, Ausharren, unbewusst und abwesend. Der Skarabäus, ein von den Ägyptern wegen seines wenige Stunden dauernden Lebens verherrlichter Käfer, welcher im Uferschlamm des Nils schlummert, bis das nach dem Hochwasser vom Ufer zurückfließende Wasser den Flusssaum freigibt, der sich in warmer Sonne wie durch ein Wunder aus dem Erdreich wühlt, sich aufrichtet und strahlend schön in die Lüfte erhebt, verharrt wartend auf das Zeichen seiner Existenzwerdung. Das Leben eines Bären ist ein noch größeres Wunder. Im Gegensatz zum Skarabäus, der jeweils als ein neues Exemplar aus dem Nilschlamm in den Himmel schwebt, ist es stets derselbe Bär, der nach dem Verharren im Wartesaal der Kuscheltiere seine Pflicht erfüllt im Dienste der ihm zugewiesenen Schutzbefohlenen. Während der ägyp-tische Käfer nur wenige Stunden nach seinem Jungfernflug seiner Lebensaufgabe entledigt ist und stirbt, gleitet der Bär nach Beendigung seines kürzeren oder längeren Kuscheltier-Dienstes in einen erneuten Dämmerzustand im Bären-Wartesaal und verbleibt dort, bis man sich seiner erneut erinnert. Er kommt, er geht, hin und her, in einer unendlich wiederkehrenden, mystischen Folge. Haben Bären etwas Göttliches, weil sie einer immerwährenden Auferstehung fähig sind? Sie entfalten in den Phasen ihrer Auferstehung, ihres Gebrauchtwerdens, ihrer Bestimmung selbstlos und aufopfernd all ihre Größe, ihre Lebenszuversicht und ihre bedingungslose Anteilnahme. „Das hast du aber schön gesagt.“ „Du sprichst ja wirklich mit mir. Ich dachte, ich hätte geträumt.“ „Du hast nicht geträumt. Ich bin wieder ganz nah bei dir.“

Der Sänger

„Erinnerst du dich noch daran, als du auf dem Stuhl stehen musstest?“ Ich las gerade in der Tageszeitung eine Abhandlung zu Albert Camus, der vor fünfzig Jahren bei einem Autounfall verstarb, der zu Freunden gesagt haben soll, es gebe nichts Absurderes, als bei einem Autounfall ums Leben zu kommen, der mich mit seinem Erstlingswerk L’étranger vor mehr als dreißig Jahren begeisterte und der mich die im Raum tönende Frage überhören ließ. „HALLO!“, vernahm ich erneut. Meiner Gedankeneinsamkeit entronnen, schaute ich zu Jackie. „Hast du mit mir gesprochen?“ „Ist noch jemand hier?“ bellte er spritzig heraus. „Sollen wir mal unter dem Bett nachschauen, vielleicht in der Gefriertruhe oder im Kleiderschrank…“. Weiter kam er nicht, dachte ich, denn ich hielt ihm den Mund zu. „Putzmunter tönte es weiter: „Meinst du wirklich, du könntest mich am Reden hindern, du Schlaumeier?“ Ich nahm die Hand von seinem Gesicht und kam mir dabei vor, wie ein beim Mogeln Ertappter. Niemandem darf man das erzählen. Weder, dass mein Bär spricht, noch dass es sich anhört, als wäre er ein Bauchredner. „Was ist ein Bauchredner?“ „Was ist ein Bauchredner? Eine gute Frage. Bauchredner benutzen ihre Stimmbänder zur Erzeugung von Worten. Die Luft hierzu kommt, wie beim normalen Sprechen, aus der Lunge.“ „Und was ist das Besondere daran?“ „Wir bilden die Worte, die einzelnen Buchstaben mit unseren Lippen oder mit dem Gaumen.“ „Aha. Und ein Bauchredner?“ „Bei einem guten Bauchredner bewegen sich die Lippen und der Mund nicht oder nur ganz wenig.“ „Was ist denn so schwierig daran?“ „Die Bildung von Worten, die mit Lippenlauten wie b, f, m, p, v, w beginnen sind am schwierigsten zu erlernen. Einfacher sind alle anderen Buchstaben wie a, e, o. Diese werden Kieferlaute genannt. Hierzu bedarf es der Benutzung der Lippen nicht. Das Üben vor einem Spiegel ist sehr amüsant.“ „Dann bin ich der perfekte Bauchredner.“ „So?“ „Ich bewege weder Mund noch Lippen und spreche doch.“ „Du bist kein Bauchredner. So dumpf wie es bei dir klingt, bist du ein aus dem hohlen Bauch Redender.“ „Du bist ganz schön frech heute.“ „Ist ja schon gut. Aber erklär mir mal bitte Folgendes: Zum Einen hast du keinen Zeitbegriff, zum Anderen wirst du doch, nach deinen eigenen ...

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