Logo weiterlesen.de
Bad Earth - Folge 30

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Folge
  3. Über die Autoren
  4. Was bisher geschah
  5. Impressum
  6. Jeltos Traum
  7. In der nächsten Folge

Über diese Folge


Folge 30: Jeltos Traum

Die Macht der Pflanzen

Nachdem John Cloud und seine Gefährten erste Hinweise auf das geheimnisvolle Antriebsprinzip der RUBIKON II erfahren haben, setzt das Schiff die lange Reise fort. Es gilt, einen Abgrund von 185.000 Lichtjahren zu überwinden. Doch die Einsamkeit des sternlosen Raumes macht besonders einem zu schaffen: Jelto.

Und während Scobee und Jarvis die Arche der Foronen erkunden, fällt der Florenhüter in seine schwerste Krise …


Bad Earth – das spektakuläre Weltraum-Abenteuer in die Zukunft der Menschheit. Ein atemberaubender Trip in fremde Galaxien, zu epischen Raumschlachten und inmitten eines intergalaktischen Konflikts voller Intrigen.

Über die Autoren


Manfred Weinland schrieb bereits für renommierte Serien wie Perry Rhodan Taschenbuch, Ren Dhark, Maddrax, Dino-Land, Jerry Cotton, Gespenster Krimi, Professor Zamorra u.a., ehe er das Konzept für die Serie Bad Earth ausarbeitete. Zusammen mit Erfolgsautoren wie Alfred Bekker, Luc Bahl, W. K. Giesa, Peter Haberl, Horst Hoffmann, Claudia Kern, Achim Mehnert, Susan Schwartz, Conrad Shepherd, Marc Tannous, Michael Marcus Thurner und Marten Veit, die ebenfalls alle bereits jahrelange Erfahrung im Schreiben von Science-Fiction-, Action- und Abenteuer- oder Horrorromanen haben, gelang eine ebenso spannungsgeladene wie komplexe Science-Fiction-Serie, die sich einem Thema widmet, das alle interessiert: Der Zukunft der Erde und der Menschheit.

Was bisher geschah


Die RUBIKON hat den Aqua-Kubus – die Geburtsstätte einer ganzen Flotte von Foronen-Raumschiffen – verlassen. Ihr Ziel: die Große Magellansche Wolke, aus der Sobek und Siroona einst, vor Jahrzehntausenden, mit ausgewählten Angehörigen ihres Volkes flohen – vor den übermächtigen Virgh.

Existieren die Eroberer des Foronen-Reiches noch? Was ist aus der ursprünglichen Heimat der Kubus-Erbauer geworden?

John Cloud und seine Gefährten sind gezwungen, sich der Expedition zur Nachbargalaxis anzuschließen.

Die RUBIKON-baugleichen Giganten bleiben in der Milchstraße zurück und schwärmen mit unbekannten Befehlen aus.

Doch bereits im Halo der Milchstraße endet die Reise der RUBIKON beinahe. Das Volk der Jaroviden versucht, sich in den Besitz des Schiffes zu bringen – ein Übergriff, der von Sobek auf grausamste Weise geahndet wird. Danach nimmt das Schiff seinen ursprünglichen Kurs wieder auf, und die beispiellose Leere und Einsamkeit zwischen den Galaxien beginnt, an der Besatzung zu nagen. Zumindest an der menschlichen, und insbesondere an einem …

 

Bad Earth

 

Marc Tannous

Jeltos Traum

 

Die Macht der Pflanzen

 

»Ich hatte einen Traum«, sagte Jelto, der Florenhüter, und seine Stimme knisterte wie welkes Laub.

Aylea sah ihn aus großen Augen an. Wie ihr Freund kauerte auch die Zehnjährige auf einer futonartigen Liege. Sie lag auf dem Bauch und hatte den Kopf auf ihre Hände gestützt, als sei ihr die Last ihrer eigenen Gedanken zu schwer.

»Kam ich auch darin vor?«, fragte sie leise.

Jelto lächelte müde. Seine Augen fixierten einen imaginären Punkt an der Decke der spärlich eingerichteten Kabine.

»Ihr wart alle da«, murmelte er. »Du, Scobee, John …«

»Und Jarvis?«

»Jarvis auch.«

»Was ist passiert?«

Der Florenhüter zögerte, als müsse er sich die Einzelheiten seines Traums erst mühsam ins Gedächtnis zurückrufen.

»Es war herrlich«, sagte er dann. »Wir lebten in einer Hütte im Wald. Alles um uns herum blühte in saftigem Grün. Mächtige Mammutbäume reckten ihre Kronen bis in den Himmel. Und Blumen, wie du sie noch nie zuvor gesehen hast, verströmten einen betörenden Duft.«

»Wie schön …«

»Ja. Das war es.«

Einen kurzen Moment lang sah Jelto fast glücklich aus. Doch als er weitersprach, verdüsterte sich sein Blick: »Mit einem Mal veränderte sich alles. Wolken brauten sich am Himmel zusammen und verdunkelten die Sonne. Die Farben verschwanden. Alles wurde grau und trocken und verwelkte vor unseren Augen, wurde zu Asche, bis es nichts mehr gab als vertrocknetes Ödland.«

Jeltos Körper bebte und seine glatte, faltenlose Haut schien einen Ton dunkler zu werden, als würde er selbst langsam verwelken.

Seufzend rollte sich Aylea auf den Rücken und schlug ihre Beine übereinander. Sie hatte eine ungefähre Ahnung davon, wie sehr der Florenhüter unter der Trennung von seinen Pflanzenkindern litt. Freilich verfügte sie nicht über Jeltos außergewöhnliche Gabe. Seine geheimnisvolle Aura, die es ihm ermöglichte, auf einer außersinnlichen Ebene mit jeder Pflanze in eine Art Mentalkontakt zu treten.

Mit dem Fehlen jedweder Vegetation an Bord der RUBIKON war ihm der bisher einzige Sinn seiner Existenz entzogen worden.

Zuhause auf der Erde war er im Auftrag der Herrschenden für ein riesiges Waldstück verantwortlich gewesen, das die verseuchte Zone Pekings wie ein Gürtel umschloss.

Ein Todesgürtel, zuckte es ungewollt durch Ayleas Gedanken, und ihre Kehle schnürte sich zusammen.

Tatsächlich hatte dieses tödliche Paradies allein dem Zweck gedient, die Gettobewohner an der Flucht aus der Zone zu hindern. Viele der außerirdischen Pflanzen waren in der Lage, einen Menschen bei lebendigem Leibe zu verschlingen.

Dennoch konnte sie Jelto nicht böse dafür sein, dass er einem System wie dem der Master gedient hatte. Der Klon mit dem »grünen Daumen« hatte in seiner ganz eigenen Welt gelebt. Einer Welt, in der sich Begriffe wie gut oder böse, richtig oder falsch allein am Wohlergehen seiner Pflanzenkinder definiert hatten. Aylea hatte jedenfalls nie einen Erwachsenen getroffen, dessen Gedanken so rein, so ursprünglich waren, wie die des Florenhüters.

Plötzlich hatte sie das Gefühl, irgendetwas Tröstendes sagen zu müssen. »Du wirst deinen Wald irgendwann wiedersehen. Oder einen anderen.«

Etwas Besseres war ihr auf die Schnelle nicht eingefallen.

Und wer konnte es ihr verdenken? Auch für sie war Trost eine Mangelware an Bord dieses Schiffes. Ihr Leben hatte sich von einem Tag auf den anderen so radikal verändert, wie sie es sich bis kurzem noch nicht hätte vorstellen können.

Eben noch war sie ein ganz normales zehnjähriges Mädchen gewesen. Mit allen Möglichkeiten, die einem Kind ihres Alters auf der Erde des 23. Jahrhunderts offen standen. Sorgenfrei hatte sie mit ihren Eltern in der Metrop Washington gelebt. Bis sie auf ein düsteres Geheimnis gestoßen war, das sich hinter der Fassade dieser in allen Lebensbereichen optimierten Welt verbarg.

Praktisch über Nacht hatte man sie abgeholt. Man hatte sie ihrer Familie entrissen und an einen Ort gebracht, von dessen Existenz sie bis dahin noch nicht einmal etwas geahnt hatte – die Zone, Heimat der Entrechteten und Ausgestoßenen.

Wahrscheinlich wäre sie noch heute dort, wäre sie auf ihrer Flucht vor einer Straßenbande nicht einem Mann namens John Cloud in die Arme gelaufen. Eine folgenschwere Begegnung, die von da an ihr weiteres Schicksal bestimmt hatte.

Und die sie schließlich hierher geführt hatte. An Bord der RUBKION – oder SESHA, wie seine Schöpfer, die Foronen, das gewaltige Rochenschiff nannten.

Und da saß sie nun, irgendwo zwischen den Galaxien. Unterwegs zu einem Ziel, von dem sie weder wusste, ob sie es jemals erreichen würden, noch was genau sie dort erwartete.

Je länger sie sich an Bord des Schiffes aufhielt, desto mehr kam es ihr so vor, als würde die Dunkelheit des Universums zunehmend gegen die Außenwände des Rochenschiffes drücken. Als würde sie es wie einen Schraubstock zusammenpressen, bis es schließlich zerbarst und die Kälte des Alls nach ihrem Herzen griff.

Sofort waren ihre Gedanken wieder bei Jelto.

Wenn sie, die sie in einer hoch technisierten Welt aufgewachsen war, schon so empfand, wie elend musste sich der naturverbundene Florenhüter dann erst fühlen?

Aylea setzte sich auf, ließ die Beine vom Rand ihrer Liege baumeln und blickte in Jeltos Richtung. Er hatte die Augen geschlossen und seine Hand lag auf dem seltsamen Amulett, das er an einer Kette um den Hals trug. Normalerweise verbarg er es unter seiner Kleidung.

Sie sprang zu Boden, ging zu ihrem Freund und blieb vor ihm stehen.

»Schläfst du?«, fragte sie leise.

Keine Reaktion.

Und dann, für die Dauer eines Lidschlags, glaubte sie ein Aufblitzen zu sehen. Einen grellen Schein, der Jeltos hageren Körper umhüllte wie ein Gewand aus purem Licht. Im nächsten Moment war es auch schon wieder vorbei und seine Haut war so matt und glanzlos wie zuvor.

Aylea rieb ihre überanstrengten Augen. Dann ging sie vor ihm auf die Knie und bettete ihren Kopf auf seine Brust.

»Ach, Jelto«, seufzte sie leise. »Was wird nur aus uns beiden?«

Eine Antwort bekam sie nicht …

***

John Cloud räusperte sich und zog die Stirn in Falten. Scobee konnte förmlich dabei zusehen, wie sein Gehirn die Neuigkeit verarbeitete, die sie ihm soeben aufgetischt hatte.

»Hältst du das für eine gute Idee, Scob?«, fragte er schließlich mit sorgenvollem Blick.

Der ehemalige Kommandant der ersten RUBIKON und die GenTec hatten sich in Clouds Kabine zurückgezogen, um ungestört reden zu können. Dennoch war sich Cloud keineswegs sicher, ob sie nicht trotzdem abgehört wurden.

Sobek, oberster des ehemals siebenköpfigen Hohen Rats und Anführer der Foronen, hatte keinen Zweifel daran gelassen, wer Herr auf diesem Schiff war. Umso mehr überraschte es Cloud, dass er Scobee nun eine Expedition in die unbekannten Tiefen des geheimnisvollen Rochenschiffes genehmigt hatte.

»Wenn du mich fragst, sollten wir lieber zusammenbleiben, soweit es geht«, meinte er. »Wir können unserem Gastgeber nicht über den Weg trauen. Schließlich hat er uns bewiesen, dass er ohne zu zögern über Leichen geht, wenn es ihm nützlich erscheint.«

Scobee nickte betroffen. Sie wusste natürlich, worauf Cloud anspielte. Auch sie war noch immer entsetzt von der Skrupellosigkeit, mit der der Forone das Schicksal eines ganzen Volkes besiegelt hatte. Ohne zu zögern hatte er die Energiebänke der Jaroviden angezapft und sie damit ihrer Lebensgrundlage beraubt. Nur so war es ihnen letztendlich gelungen, jene Leerzone zu verlassen, die durch ein vollständiges Fehlen der für den Schiffsantrieb so wichtigen Dunklen Materie gekennzeichnet gewesen war.

Und obwohl die Jaroviden selbst für die Schaffung dieses Vakuums, und damit für die prekäre Lage des gestrandeten Rochenschiffes verantwortlich gewesen waren, war die Entscheidung des Foronenführers nach menschlichen Maßstäben vollkommen inakzeptabel. Cloud und Scobee hatten jedenfalls einen deutlichen Eindruck von der Natur dieses uralten Volkes bekommen.

»Die Foronen handeln vollkommen egoistisch, verfolgen konsequent ihre eigenen Interessen und setzen sich rücksichtslos über jedes Hindernis hinweg, das sich ihnen dabei in den Weg stellt«, analysierte Scobee die Denkweise des Wüstenvolkes. »Aber sie sind nicht unsere Feinde, John. Wenn es uns nicht gelingt, ihnen ein Mindestmaß an Vertrauen entgegenzubringen, haben wir schon jetzt verloren.«

John Cloud atmete tief durch und strich über sein glatt rasiertes Kinn.

»Wie gesagt … Mir ist nicht wohl bei der Sache. Aber letzten Endes ist es deine Entscheidung.«

»Ich danke Ihnen, Commander«, flachste Scobee in Anspielung auf Clouds früheren Rang auf der RUBIKON I und grinste dabei. Dann wurde sie übergangslos wieder ernst. »Ich muss einfach irgendetwas tun, verstehst du? Diese verfluchte Warterei, dieses Gefühl des Ausgeliefertseins bringt mich noch um den Verstand.«

Das wiederum konnte Cloud ihr sehr gut nachempfinden. Die Hilflosigkeit, die ein Mensch im Angesicht der Ewigkeit des Universums unweigerlich empfinden musste, ging auch an ihm nicht spurlos vorbei. Seit sie die Vakuumzone der Jaroviden hinter sich gelassen hatten, war dieses Gefühl noch schlimmer als vorher.

Vielleicht, dachte er sich, lag es daran, dass er zum ersten Mal seit langem die Zeit dazu hatte, über ihr Schicksal nachzudenken.

Er und die GenTecs waren in einer Zeit gestrandet, die nicht ihre eigene war. Und seit ihrem Erkenntnisgewinn über die heutigen Machtverhältnisse auf der Erde, beziehungsweise seit ihrer überstürzten Flucht von dort, gab es endgültig keinen Ort mehr, den sie guten Gewissens als »Heimat« bezeichnen konnten.

Sie trieben mitten im Nirgendwo, an Bord eines gewaltigen Raumschiffes, dessen gigantische Ausmaße sich selbst einem überdurchschnittlich entwickelten menschlichen Verstand nicht einmal ansatzweise erschlossen.

Und auch der Blick in die nahe Zukunft gab wenig Anlass zu Hoffnung.

Das Ziel ihrer Reise war die Große Magellansche Wolke, die Heimatgalaxie der Foronen, wie Sobek ihnen verraten hatte. Schön und gut. Doch was erwartete sie dort?

Hatten die ominösen Virgh, vor denen das Volk der Foronen einst geflohen war, ihre Stützpunkte wirklich abgezogen? Sobek und Siroona, die zweite Vertreterin der sieben Herrscher der Foronen an Bord der RUBIKON II, gingen davon aus. Sie hofften es zumindest.

Aber was war, wenn sie sich irrten? Mit welcher Art von Feind würden sie es dann zu tun bekommen? Was mussten das für Wesen sein, vor denen selbst ein Volk kapitulierte, das mit seiner grenzenlos erscheinenden Macht ein Jahrhundertwerk wie den Aqua-Kubus geschaffen hatte?

Cloud bemühte sich, diese quälenden Gedanken abzuschütteln. Scobee hatte Recht. Wenn sie zu viel nachdachten, drehten sie irgendwann noch durch.

»Wann wirst du aufbrechen?«, fragte er.

»Sobald wie möglich«, gab sie zurück. »Jarvis wird mich begleiten, falls es dich beruhigt. Das war übrigens Sobeks Vorschlag.«

Und wieder runzelte Cloud die Stirn. Jarvis’ jetzige Existenz gehörte ebenfalls zu den Dingen, die ihm Rätsel aufgaben. Unter normalen Umständen hätte der GenTec nämlich gar nicht mehr am Leben sein dürfen. Dass er es dennoch war, lag daran, dass sein Geist seine sterbliche Hülle im Augenblick des Todes verlassen hatte und in den Körper eines amorphen Kunstwesens der Foronen übergewechselt war.

Und so froh John Cloud über die Rettung seines bis vor Kurzem noch todgeweihten Gefährten auch war, so suspekt waren ihm die näheren Umstände dieses Vorgangs. Immerhin handelte es sich bei dem Amorphen um ein Wesen, das bis vor Kurzem noch unter Sobeks Kontrolle gestanden hatte. Konnte Jarvis über seinen neuen Körper wirklich frei bestimmen? Oder konnte er das nur, solange der Forone dies zuließ?

»Was ist?«, fragte Scobee, die Clouds Zögern bemerkt hatte.

»Nichts. Ich rate dir nur, wachsam zu sein …«

***

Aylea presste ihren Rücken an die glatte Wand des lang gestreckten Korridors und lauschte dem Zischen der Durchgangsschleuse.

Als Nächstes hörte sie Schritte. Sie klangen zielstrebig, fast militärisch. Wenn Aylea nicht alles täuschte, waren es zwei Personen, die soeben durch die Schleuse in den Nebengang getreten waren. Sie kamen genau in ihre Richtung und würden jeden Moment die Einmündung des Ganges passieren, in dem sich Aylea versteckt hielt.

Die Zehnjährige hielt den Atem an und presste sich noch fester gegen die Wand, als wollte sie mit dem kalten Material verschmelzen.

Stimmen klangen auf, doch was gesagt wurde, verstand Aylea nicht.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Bad Earth 30 - Science-Fiction-Serie" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen