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BACCARA COLLECTION BAND 406

LAUREN CANAN

Liebe, Lust und pure Leidenschaft

Diesen Fehler wird sie nicht noch einmal machen! Clay Everett ist ihr Boss, ein reicher Unternehmer, für den eine Sekretärin wie Sophie nur eine flüchtige Affäre sein kann. Nie wieder wird sie sich ihm hingeben wie in dieser einen Nacht der puren Leidenschaft. Dass die Stunden mit ihm Folgen haben, darf Clay nie erfahren!

YAHRAH ST. JOHN

Wie verführt man seine Braut?

Das kann doch nicht ihr Ernst sein? Vaughn Ellicott traut seinen Ohren nicht, als Miranda ihm von ihrem Plan erzählt: Sie braucht innerhalb von achtundzwanzig Tagen einen Ehemann, sonst verliert sie ihr Erbe. Vaughn bietet ihr an, sie zu heiraten. Dass er vorhat, seine Braut nach allen Regeln der Kunst zu verführen, braucht Miranda vorerst nicht zu wissen …

JOANNE ROCK

Eine Nacht mit dem Cowboy

Brock McNeill kennt sich selbst nicht mehr. Warum erregt ihn die süße Schauspielerin so sehr, dass er nicht anders kann, als sie feurig zu küssen? Hannah erwidert seinen Kuss und so viel mehr – doch dann verschwindet sie einfach wieder aus seinem Leben. Brock muss ihr Geheimnis ergründen. Denn er will Hannah – und das für immer!

Liebe, Lust und pure Leidenschaft

1. KAPITEL

Sophie Prescott schüttelte verlegen den Kopf, als Clay Everett ihr den Arm in einer stummen Aufforderung zum Tanz reichte. Clay war ihr Boss. Der Job bedeutete Sophie viel. Eine Vermischung von Beruflichem und Privatem war daher nicht klug, auch wenn Clay der attraktivste Mann auf dem Wohltätigkeitsball war.

Seine grünen Augen mit den unverschämt langen Wimpern strahlten geradezu. Mit seinem schwarzen Haar, dem Bartschatten und der Narbe an der einen Seite seines Gesichts wirkte er gleichzeitig dunkel und bedrohlich. Er brauchte die Aura des Geheimnisvollen nicht, die der Maskenball schaffen sollte.

Die Narbe hatte er von einem Rodeo-Unfall zurückbehalten, der ihn fast das Leben gekostet hatte. Seither gab er sich hart und gnadenlos im Wettkampf. Ein Mann, der jeden Konkurrenten das Fürchten lehrte.

In seinen maßgeschneiderten Anzügen und den weißen Seidenhemden wirkte er außerdem wie der perfekte Geschäftsmann. Ein Mann von großem Reichtum, der zu Hause war in der Welt des Glamours.

Genauso überzeugend wirkte er jedoch in verblichenen Jeans, abgewetzten Stiefeln und dünnem T-Shirt, welches das Spiel seiner beeindruckenden Muskeln zeigte. Das war der Clay, den Sophie kannte. Häufig kam er in diesem Aufzug ins Büro – und so mochte sie ihn eigentlich viel lieber. Wie die wilden Hengste, die er zähmte, oder die nicht minder wilden Bullen, die er in seinen jungen Jahren geritten hatte, war Clay einzigartig.

Er weigerte sich, ihr Nein zu akzeptieren und nahm sie bei der Hand, um sie auf die Tanzfläche des großen Ballsaals im neuen Bellamy Hotel zu ziehen. Ihr Puls begann zu rasen. Es hätte ihr gereicht, dem Treiben der Reichen und Schönen von einem Tisch in der Ecke aus zuzusehen. Sie hatte nicht erwartet, dass ihr Boss sie hier finden und auf die Tanzfläche holen würde. Schließlich war sie nur eine Sekretärin. Eine Frau, die auf einer kleinen Farm aufgewachsen war. Sie hatte hier unter den ersten Kreisen von Royal in Texas nichts verloren.

„Das Atmen nicht vergessen“, riet Clay mit seiner tiefen Stimme. In seinen grünen Augen hinter der schwarzen Maske blitzte ein amüsiertes Lachen. „Du siehst aus, als wolltest du gleich in Ohnmacht fallen. Ich meine mich zu erinnern, dass du gern tanzt.“

„Das stimmt, aber nicht hier.“ Und nicht mit ihm, dem Präsidenten und Gründer eines Milliarden-Dollar-Unternehmens und gleichzeitig dem begehrtesten Junggesellen der Stadt. Mit seinen breiten Schultern und den attraktiven Gesichtszügen zog er die allgemeine Aufmerksamkeit mühelos auf sich.

Ein paar der anderen Gäste lächelten ihr zu, während andere sie mit dem herablassenden Blick bedachten, den nur jemand in ihrer Position erkennen und verstehen konnte. War Clay nicht nett zu seiner armen kleinen Sekretärin? Wie reizend von ihm! Sophie las ihre Gedanken wie ein offenes Buch.

„Und was spricht dagegen?“

„Wenn du es nicht selbst weißt, kann ich mir die Erklärung sparen.“

Er lachte leise. Ein sexy Lachen, das die Blicke einiger Frauen in Hörweite auf ihn lenkte. Doch Sophie wollte sich von ihnen nicht die Stimmung verderben lassen. Sie schloss die Augen und folgte den Klängen der Musik. Die Band spielte einen ihrer Lieblingssongs. Sie genoss es, Clays Arm um sich zu spüren, und sich zu dem langsamen Rhythmus zu bewegen. Der Mann duftete so gut. Es war eine Mischung aus herbem Eau de Cologne und der Essenz reiner Männlichkeit. Faszinierend. Irgendwann war der Song zu Ende, und Sophie wollte zu dem kleinen Tisch hinten in der Ecke des großen Saals zurückkehren.

„Nein“, sagte Clay dicht an ihrem Ohr.

Ehe sie etwas darauf sagen konnte, hatte die Band die nächste Nummer angestimmt. Clay ließ ihre Hand los und legte beide Arme um sie. Er zog sie so fest an sich, bis sie meinte, jede Bewegung seiner Muskeln zu spüren. Mehr Muskeln, als sie je an einem Mann gespürt hatte. Sie wusste nicht, was er in seiner Freizeit trieb – wenn er so etwas überhaupt kannte –, aber sie bezweifelte, dass er herumsaß und Pullover strickte.

So viel war klar: Sie hatte seine ungeteilte Aufmerksamkeit, und sie fühlte seine Erregung. Spürte sie mit jeder Bewegung. Es machte sie fast wahnsinnig. Hitze stieg in ihr auf, als ihr Körper auf seinen reagierte. Sie hatte die Hände auf seine breiten Schultern gelegt und ging ganz in der Traumwelt auf, die er für sie schuf.

Clay war ein Cowboy durch und durch. Es zeigte sich an seinem Gang, an seiner Art zu reden. Und nicht zuletzt an dem Blick seiner grünen Augen, der so durchdringend war, als könnte er direkt in ihre Seele blicken. Seine vollen Lippen schienen nur darauf zu warten, mit ihren zu verschmelzen und die Leidenschaft auszukosten, die die Berührung zwischen ihnen auslösen würde. Dass es Jahre her war, seit er das letzte Mal in der Rodeo-Arena aufgetreten war, konnte an alledem nichts ändern. Damals hatte ein riesiger Bulle den Albtraum ausgelöst, der fast sein Leben beendet hätte.

Die Ärzte waren überzeugt gewesen, dass er nie wieder gehen würde, aber sie kannten Clay nicht. Er hatte alle überrascht. Alle außer Sophie, die wusste, dass Clay ein Mann war, der nie aufgab. Niemals. Nach den Verletzungen und monatelanger quälender Physiotherapie, die er hinter sich hatte, war es ein wahres Wunder, dass er an diesem Abend hier war. Er hatte alle überrascht, als er den Gehstock beiseitestellte und sich auf die Tanzfläche begab – ungeachtet seines Hinkens und der Schmerzen, die damit verbunden waren.

Er war die Nummer Eins unter Amerikas Cowboys gewesen. Sein Talent machte ihn zum Superstar beim Rodeo. Nachdem man ihn aus dem Krankenhaus entlassen hatte und er seinen Frieden damit machen musste, dass er nie wieder in der Arena auftreten würde, fand er einen neuen Bereich für sich, in dem er seine Talente ausleben konnte.

Heute war er ein erfolgreicher Unternehmer im Bereich des Cloud-Computing. In fünf kurzen Jahren war es ihm damit gelungen, vom Millionär zum Milliardär aufzusteigen. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann konnte er es auch in die Tat umsetzen. Wenn er etwas wollte, dann bekam er es auch. Und im Moment wollte er sie.

„Lass uns gehen“, raunte er ihr zu, als der dritte Song zu Ende ging. Ohne ihre Antwort abzuwarten, nahm er sie bei der Hand und führte sie durch die Menge der tanzenden Paare zum Ausgang.

Sie betraten den Fahrstuhl, der sie in das Penthouse bringen sollte, in dem Clay für den Maskenball abgestiegen war. Er verlor keine Zeit, sie wieder in seine Arme zu ziehen.

Sophie war schon von anderen Männern geküsst worden, aber noch nie so. Es war ein leidenschaftlicher Kuss. Ein gieriger Kuss. Er ließ seine Zunge über ihre Lippen gleiten, bevor er weiter in ihren Mund vordrang. Er war so männlich. So dominant. Die Narben, die von seinem Unfall geblieben waren, machten ihn nur noch begehrenswerter.

Sein Leben lang hatte er mit dem Teufel gekämpft und war gegen alle Erwartungen als Sieger aus dem Kampf hervorgegangen. Jedes Mal – außer beim letzten. Sogar dann hatte Clay sich noch mit eigener Kraft wieder emporgezogen, wo jeder andere Mann sich geschlagen gegeben hätte. Es war ein Teil dieser harten Entschlossenheit, die sie jetzt in seinen Armen spürte.

Sophie hatte keinen Zweifel daran, wie er sich den weiteren Verlauf des Abends vorstellte. Es würde ihre Beziehung für immer verändern, und auch wenn sie grundsätzlich dagegen war, wusste sie, dass sie es zulassen würde. Vielleicht lag es an den Cocktails, vielleicht an der Musik oder vielleicht auch daran, dass sie schon so lange von diesem Mann geträumt hatte. Am Morgen würde sie sich wahrscheinlich dafür hassen, aber jetzt wollte sie den Himmel genießen.

Irgendwann öffneten sich mit einem leisen Surren die Türen des Fahrstuhls, und sie betraten ein Vestibül mit Marmorboden und geschmackvoll arrangierten Vasen voller frischer Blumensträuße. Wortlos führte Clay sie in das Penthouse. Seine Miene verriet es und auch sein Blick: Er wollte sie lieben.

Und sie würde nicht Nein sagen.

„Möchtest du etwas trinken?“

Sie schüttelte den Kopf. Nichts sollte später die Erinnerung an die Nacht in seinen Armen trüben. Ein einmaliges Ereignis, das fortan nur noch in ihren Träumen existieren würde.

Er drehte einen Schalter und dimmte das Licht. Mit raschen Bewegungen streifte er Jacke und Hemd ab, bevor er sich wieder ihr widmete und seine Lippen voller Verlangen auf ihre presste. Er zog eine Spur kleiner Küsse hinauf zu ihrem Ohr und an ihrem Hals hinunter, bis er wieder zu ihrem Mund zurückkehrte und mit seiner Zunge die ihre streichelte. Wie von selbst glitt ihr schulterfreies Kleid zu Boden.

Die Seidenlaken fühlten sich kühl an ihrem Rücken an, als Clay sie darauf bettete und ihr das Höschen abstreifte. Seine Lippen liebkosten ihren nackten Körper von oben bis unten, Zentimeter für Zentimeter verführte er sie.

„Du bist so unglaublich sexy“, flüsterte er. „Ich wollte dich seit dem ersten Moment, als du durch meine Tür getreten bist.“

Verlangend verteilte er heiße Küsse über ihren Körper. Spielte zuerst mit der einen Brust und widmete sich dann hingebungsvoll der anderen, bis Sophie vor Lust hätte schreien mögen. Langsam bewegte er sich tiefer. Schob sich zwischen ihre Schenkel und fand ihre empfindlichste Stelle, um sie mit Lippen und Daumen zu verwöhnen.

Sie öffnete sich ihm. Gab sich ganz dem Zauber des Augenblicks hin. Wollte mehr. Aber noch in ihrem Delirium war ihr bewusst, wer es war, der sie da an den Rand der Ekstase brachte. Ihr Boss. Sie durfte diesen Gedanken nicht weiterverfolgen. Bevor irgendwelche Zweifel in ihr aufkommen konnten, war es, als explodierte sie innerlich. Sie rang nach Atem und klammerte sich an Clay, während ihr Höhepunkt schier kein Ende nehmen wollte.

Clay tastete nach der Nachttischschublade. Sie meinte das Geräusch reißenden Cellophans zu hören. Dann kam er zu ihr. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. All ihre Sinne waren nur auf ihn ausgerichtet – auf ihn und sein leidenschaftliches Liebesspiel. Es war unglaublich, welche Gefühle er in ihr wecken konnte. Seine Berührungen brannten sich in ihren Körper. Mit seiner tiefen Stimme flüsterte er ihr zärtliche Worte zu, lockte und forderte – bis sie erneut kam.

Er folgte ihr Sekunden später.

Gemeinsam ließen sie sich hinauftragen von den nicht enden wollenden Wogen ihrer Lust.

Wie benommen lag sie in seinen Armen und lauschte dem lauten Schlagen seines Herzens. Lächelnd schloss sie die Augen und gab sich ganz dem Zauber des Augenblicks hin.

„Sophie?“ Clays tiefe Stimme holte sie aus einem Tagtraum. „Sophie! Hallo? Alles in Ordnung?“

Sie lief rot an, als die Wirklichkeit sie jäh einholte. Sie saß an ihrem Schreibtisch und starrte blind auf den Monitor, während die Telefone klingelten und Clay ihren Namen rief. Sie musste sich wieder in den Griff bekommen. Immer wieder durchlebte sie in Gedanken ihre eine Nacht der Leidenschaft, zuerst in ihren Träumen und dann während der Arbeit. Das musste aufhören. Sie fühlten sich zueinander hingezogen, aber seit jener Nacht waren mehr als zwei Monate vergangen. Eine Wiederholung würde es nicht geben. Es war wirklich Zeit, das Ganze jetzt zu vergessen und zur Tagesordnung überzugehen. Jedes Mal, wenn er darüber reden wollte, fand sie einen Vorwand, ihn davon abzuhalten. Die Nacht war fest in ihrem Herzen verankert wie ein kostbarer Schatz. Es war passiert. Doch es würde sich nicht wiederholen. Ende der Geschichte.

„Ja. Ja, alles in Ordnung.“

„Ich versuche jetzt seit gefühlten fünf Minuten, zu dir durchzudringen. Bist du sicher, dass du heute arbeiten kannst?“

„Natürlich. Kein Problem.“ Sie rang um Fassung und räusperte sich. Hätte er auch nur den Hauch einer Ahnung, wo sie mit ihren Gedanken war, würde er es sie nie vergessen lassen. „Ich habe nur ein wenig Kopfschmerzen. Nichts Dramatisches“, log sie und griff nach dem Telefon.

Clay legte einen Ordner auf den Tisch mit einem Notizzettel voller Anweisungen. Er schien ein Lächeln zu unterdrücken, als er das Büro verließ.

Sophie hatte gar nicht gemerkt, dass sie in seiner Gegenwart den Atem angehalten hatte. Jetzt atmete sie erleichtert auf. Es hatte fast den Anschein, als wüsste er, wo sie in ihren Gedanken gewesen war. Unmöglich. Er konnte keine Gedanken lesen.

Oder?

Clay Everett stand in der großen Lobby des Hauptstalles der Flying E Ranch. Er war von unzähligen Fotos und Preisen umgeben. In der Ecke hingen Preissättel mit dem dazugehörigen Zaumzeug über dem Knauf. Trophäen und Pokale mit den eingeprägten Daten des Wettkampfes zierten den Sims des großen Kamins aus Naturstein. Weitere Trophäen waren auf den Regalen an den Wänden verteilt. Dazwischen standen gerahmte Fotos von verschiedenen Bullen und Pferden, die entschlossen waren, den ebenso entschlossen wirkenden Reiter abzuwerfen. Bei einigen meinte man förmlich, das frustrierte Schnauben des Tieres zu hören. Für den Bullen waren es acht Sekunden, um zu töten. Für den Cowboy acht Sekunden, um ein Champion zu werden.

Andere Fotos zeigten Clay als jungen Mann, wie er seinen ersten Bullen ritt und wie er das erste Kalb einfing. Seine Beine waren gerade lang genug, um in die gekürzten Steigbügel zu passen. Das größte Foto zeigte ihn mit einem riesigen Scheck über eine Million Dollar in der Hand – das Preisgeld für den American Rodeo Champion. Neben ihm standen sein Stallmanager George Cullen und Sophie Prescott, seine Sekretärin und wahrscheinlich beste Freundin der Welt.

Er verließ das Foyer und begab sich in den Ostflügel. Von der Tribüne hatte er einen guten Blick über die Wettkampfanlagen und das dahinter liegende Weideland. Er konnte sich gar nicht sattsehen daran. Weite Hügel, so weit der Blick reichte, eingefasst von einem kilometerlangen weißen Zaun. In der Ferne graste eine Herde von Langhornrindern. Anfang Oktober trafen sich Hunderte von Züchtern dieser Rasse in der Lazy E Arena in Guthrie, Oklahoma, um herauszufinden, wer den Bullen mit den längsten Hörnern der Welt hatte. Er hatte gehört, dass die Hörner seines zehnjährigen Bullen Crackers um drei Millimeter länger sein sollten als die seines stärksten Konkurrenten. Das hätte Clay freuen sollen, aber für ihn gab es Wichtigeres im Leben, als zuzusehen, wie seinem Bullen die Hörner wuchsen.

Es war Sophies Idee gewesen, sein Büro aus der Firmenzentrale in Dallas hierherzuverlegen. Zumindest vorübergehend. Aber nach zwei Jahren war nun ein Dauerzustand daraus geworden. Die vielen Auszeichnungen aus seinen Tagen als Cowboy waren in die Lobby des Stallgebäudes ausgelagert worden, um Platz für sein jetziges Büro zu schaffen. Sophie hatte den Umzug organisiert, und wie immer war er beeindruckt von ihrer Effizienz. Alles, sowohl sein als auch ihr Büro, war fast genauso eingerichtet wie zuvor im Wolkenkratzer in Dallas, sodass er sich nicht richtig umorientieren musste.

Er hatte Sophie freie Hand gelassen zu tun, was sie wollte mit seinen Trophäen und Erinnerungsstücken, die seit Jahren ihren Platz in seinem ehemaligen Büro gehabt hatten. Sie hatte das alles gemacht, während er noch im Krankenhaus lag und von den Ärzten wieder zusammengeflickt wurde nach seiner Auseinandersetzung mit einem wütenden Bullen namens Iron Heart.

Sein linkes Bein war fast vollkommen zermalmt worden. Innerhalb von Bruchteilen von Sekunden hatte das Tier ihn abgeworfen. Clay war mit dem Kopf aufgeschlagen und konnte von Glück sagen, sich nicht die Wirbelsäule gebrochen zu haben. Es war das Ende seiner Zeit als Superstar in der Arena. Er hatte gewusst, dass er eines Tages auf einen solchen Bullen treffen würde. Es war unausweichlich gewesen. Keine Glückssträhne hielt ewig.

Sophie hatte im Foyer einen Raum mit Glaswänden bauen lassen und alle seine Trophäen dort versammelt. Es war wie eine Geschichte seines Lebens, vom Jungen zum Champion. Es war gleichermaßen schockierend wie beeindruckend. Clay hatte wirklich einen langen Weg hinter sich. Der Unfall hätte seinem Leben fast ein Ende gesetzt.

Gleichzeitig hatte er die wahre Natur seiner geldgierigen Verlobten gezeigt, die plötzlich das Interesse an ihm verlor und offen zugab, dass sie keinen Mann heiraten wollte, der zum Tanzboden hinken musste. Sie wolle sich nicht den Rest ihres Lebens an einen Krüppel binden, hatte sie gesagt. Innerhalb kürzester Zeit hatte sie ihre Sachen gepackt und war schneller verschwunden als ein Stück Würfelzucker in einer Tasse heißen Kaffees. Dabei hatte sie nicht einmal den Anstand gehabt, es ihm selbst zu sagen. Nein, Sophie musste es ihm so schonend wie möglich beibringen.

Es war nur ein weiterer Schicksalsschlag. Clay musste sich damit abfinden, dass seine Zeit beim Rodeo jetzt vorüber war. Es fing ein neues Leben an. Einen ganzen Monat hatte es nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus gedauert, bis die gnadenlose Miss Sophie ihn endlich dazu brachte, den Hintern hochzukriegen, wie sie es nannte. Clay begann, verschiedene Ideen durchzuspielen. Eine gefiel ihm, und er stürzte sich darauf, sie in die Tat umzusetzen. Einerseits wollte er sich damit von seinem Körper ablenken, der immer noch seine Zeit brauchte, um zu heilen, andererseits war es seine Natur: Er war ein typischer, risikofreudiger Selfmademan. Sophie rief es ihm immer wieder in Erinnerung. Er liebte die Herausforderung, ganz gleich, ob sie von einem Bullen kam oder von einer Geschäftsidee. Eine Herausforderung war immer eine Herausforderung.

Clay gründete die Firma Everest, die sich auf das Cloud-Computing spezialisierte und seinen Kunden eine sichere Plattform für ihre Daten bot. Die Firma ging ab wie eine Rakete und machte ihn fast über Nacht zum Multimillionär, ohne dass ein Ende absehbar gewesen wäre. Er arbeitete unermüdlich daran, was niemanden, der ihn kannte, überraschte. Er wusste, dass sein Leben noch nicht vorbei war. Mit vierunddreißig war es noch zu früh dafür. Und wenn er gezwungen war, auf das Rodeo zu verzichten, musste er sich seinen Kick eben woanders holen. Es gab andere Herausforderungen, denen er sich stellen konnte.

Zum Beispiel der Frage, wie er damit umgehen sollte, dass er sich zu Sophie Prescott hingezogen fühlte.

Wie auf ein Stichwort hin steckte sie in dem Moment den Kopf zur Tür herein.

2. KAPITEL

„Ich habe mir schon gedacht, dass ich dich hier finde. Was möchtest du zu Mittag?“

Clay schüttelte nur den Kopf.

Sophie ließ sich davon nicht beirren. „Dann bitte ich Rose, ein Steak zu grillen und ein paar Beilagen dazuzutun. Es sollte in einer halben Stunde fertig sein.“

„Ich habe keinen Hunger.“

„Du musst aber essen. Es bringt doch nichts, wenn du hier herumsitzt und grübelst.“

„Ich habe nachgedacht.“

„Worüber? Über den blöden Bullen und darüber, was du anders machen würdest, wenn du eine zweite Chance hättest?“

Er bedachte sie mit einem vernichtenden Blick. „Ich komme gleich zum Essen.“

Sie tippte vielsagend auf die Uhr.

Verdammt, sie war attraktiv. Aus Gründen, die er nicht nachvollziehen konnte, spielte sie ihre natürliche Schönheit herunter, indem sie das dunkelblonde Haar zu einem schlichten Pferdeschwanz band und kaum Make-up benutzte. Nicht, dass sie es gebraucht hätte. Ihre himmelblauen Augen konnten sich hinter der Brille nicht verstecken, die sie immer auf der Nase trug. Und diese vollen, rosigen Lippen … Ein Mann konnte sich in ihrem Anblick verlieren. Genau das hatte er vor fast zwei Monaten getan … beim Maskenball des Texas Cattleman’s Clubs im Bellamy.

Es hätte nicht passieren sollen, aber er würde es nie bedauern. Als er damals den Blick durch den großen Ballsaal mit den Gästen an den weiß gedeckten Tischen gleiten ließ, da stach Sophie unter allen hervor wie ein Diamant vor dunklem Granit. Er hatte der Versuchung einfach nicht widerstehen können und musste sie mit sich auf die Tanzfläche ziehen. Sophie hatte protestiert, und er konnte ihre Sicht verstehen. Sie sah sich nur als Sekretärin, die kein Recht hatte, mit ihrem Boss zu tanzen. Ihm war es einerlei.

Sie brachte ihn um den Verstand, seit sie in der Firma arbeitete. Alle Flirtversuche prallten an ihrer unschuldigen Fassade ab. Hätte sie ihm auch nur mit einem Blick zu verstehen gegeben, dass sie Interesse an ihm hatte, wäre er sofort über sie hergefallen. Aber die immer so zurückhaltende Sophie gab ihm nicht einen Anlass dazu, auch wenn er mehrfach das Gefühl hatte, dass sie wankte.

Es ließ sich nicht leugnen, dass es zwischen ihnen knisterte. Das zeigte sich bei jeder Begegnung. Er hatte sie nur nie dazu bringen können, es zuzugeben. Bei dem Ball, als er sie in diesem Kleid gesehen hatte, war es ihm schließlich einerlei gewesen. Er musste sie haben. Punkt.

Sie war schön, aber gleichzeitig war sie auch so starrköpfig wie ein Esel. Wenn Miss Sophie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann gab sie nicht eher Ruhe, bis sie es auch erreichte. Das war mehr oder weniger seine Rettung gewesen. Sie war absolut gnadenlos in ihrem Bestreben, ihn in die Richtung zu lenken, die sie für die richtige hielt.

Sie war an seiner Seite gewesen seit jenem Tag im Krankenhaus, seinem absoluten Tiefpunkt, als sie in der Tür stand, die Arme vor der Brust verschränkt, um ihm mit grimmiger Miene die Meinung zu sagen. Er solle sich nur nicht einbilden, er könne jetzt einfach so im Bett liegen bleiben und vor sich hin siechen. Aufgeben sei keine Option. Falls er ihr nicht zustimme, sei das sein Problem. Er könne sich auf einen erbarmungslosen Kampf mit ihr einstellen. Die Zeit für Mitleids-Arien sei vorbei. Sie hätten zu arbeiten.

Seither war sie immer da gewesen. Auch an seinen schlimmsten Tagen, wenn Selbstmitleid und Frust ihn zu überwältigen drohten und er sie wüst beschimpfte. Sie gab ihm erbarmungslos Kontra. Clay ließ keinen anderen Menschen so mit ihm reden.

So ging es in den Monaten der Physiotherapie weiter. Sie ließ keine Entschuldigung gelten. Mit jedem Tag wuchs seine Achtung vor ihr. Er hatte keine Ahnung, was sie in diesem in jeder Hinsicht kaputten Ex-Cowboy sah. Es ging nicht um Geld. Sie hatte nie um eine Gehaltserhöhung gebeten, hatte sogar einige Büromittel aus eigener Tasche bezahlt, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Rein zufällig hatte er die Quittung gefunden. Als er sie danach fragte, sagte sie, es sei nur eine kleine Summe, wieso also ein Aufhebens darum machen? Er hatte darauf bestanden, dass sie ein Konto im örtlichen Büromarkt einrichtete und musste ihr das Versprechen abringen, es auch zu nutzen.

Die meisten Menschen zogen den Kopf ein vor seinen Wutanfällen. Davon hatte es mehr als genug gegeben nach dem Unfall und dem anschließenden Verrat seiner Ex. Sogar wenn er mit Worten um sich schlug, zuckte Sophie nicht mit der Wimper. Er verdankte ihr sein Leben. Das ließ sich nicht bestreiten. Und das machte sie noch verführerischer als zuvor.

Er hatte lange darüber nachgedacht, ob er sich zu ihr hingezogen fühlte, weil sie für ihn alles zusammen war: Krankenschwester, Psychotherapeutin, Köchin und manches Mal die Schulter zum Ausweinen. Alles zusammen in einer äußerst attraktiven Verpackung. Aber der Grund dafür war nichts, was sie gesagt oder getan hatte. Es lag nicht einmal daran, dass sie eine der attraktivsten, intelligentesten Frauen war, die er je kennengelernt hatte – es war all das und mehr.

Clay begehrte sie. Er wollte sie in seinem Haus haben. In seinem Bett. Vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Aus Gründen, die er nicht verstand, widersetzte Sophie sich. Sie ließ sich auch nicht wieder von ihm anfassen. Sehr frustrierend. Falls dies ein Versuch war, ihn dazu zu bringen, sie zu beachten und zu begehren, dann funktionierte er. Aber wann sollte das aufhören?

Statt ins Haus zurückzugehen, setzte sie sich zu ihm auf die Tribüne, stützte die Ellenbogen auf die Knie und spielte mit einer Blume herum, die sie irgendwo gefunden hatte.

„Was steht heute noch auf dem Plan, Boss?“

Sie kannte die Antwort: nichts. Aber sie fragte dennoch. Wie immer.

Als er schwieg, ergriff sie wieder das Wort. „Du hast dein Unternehmen schon viel zu lange den anderen überlassen. Es wird Zeit, dass du wieder die Zügel in die Hand nimmst.“

Er schnaubte kurz über das Wortspiel, und sie lachte leise, bevor sie fortfuhr: „Die Kühe kalben. Und wir haben sechs neue Fohlen. Jonesy sagt, sie sind alle perfekt. Wie wäre es, wenn wir nach dem Essen in den Stall gehen und sie ansehen? Ich liebe junge Fohlen.“ Genau wie du. Das blieb ungesagt. Nach zwei Jahren wusste er: Was Sophie nicht sagte, hatte ebenso viel Gewicht wie das, was sie sagte.

„Okay.“ Er zuckte die Schultern, wohl wissend, dass sie ihm den ganzen Tag keine Ruhe lassen würde, wenn er nicht zustimmte.

„Ich gehe jetzt und kümmere mich um das Essen. Ich rufe dich an, wenn es fertig ist. Schaffst du die Stufen allein?“

Sein empörter Blick produzierte das breite Lächeln, das er so liebte.

„Oh, du Ärmster.“ Sie eilte beschwingt die Stufen hinunter. „Ich werde Nathan bitten, dich ins Haus zu tragen.“

„Nicht, wenn du willst, dass er den Tag überlebt.“

Sie verschwand mit einem leisen Lachen in Richtung Haus. Nathan war der Arbeiter, den sie gerufen hatte, als Clay kurz nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus gestürzt war und nicht wieder auf die Beine kommen konnte. Nathan war ein großer, bulliger Kerl, der Clay ohne Mühe hochheben konnte. Seither war es zu einem Running Gag zwischen ihnen geworden: Wenn Clay sich weigerte, aufzustehen oder zum Essen zu kommen, drohte sie ihm mit Nathan. Sie appellierte an sein Ego. Er wusste es, ließ sie aber meist damit durchkommen. Er war kein Invalide. Er war vielleicht nicht in der Lage, sich in den Sattel zu schwingen – noch nicht –, aber die Treppe schaffte er allemal aus eigener Kraft.

Er erkannte Sophies gute Absicht. Er war fast wieder bei hundert Prozent, sah man einmal von seinem Hinken ab. Es würde noch Jahre dauern, das völlig wegzutrainieren. Sie wusste, wenn sie ihn als Invaliden hinstellte, brachte sie ihn in Wallung. Es war die effektivste Möglichkeit, ihn in Bewegung zu versetzen. Er akzeptierte ihre Methoden und ihr Necken, ohne ihr gegenüber giftig zu werden, aber manches Mal hatte er Mühe, an sich zu halten. Sie benahm sich wie eine Glucke, deren Küken aus dem Nest gefallen war! Verdrossen folgte er ihr ins Haupthaus, den Gehstock in der Hand.

„Du hast eine Mail von Conrad Drexler“, informierte Sophie Clay, als Rose ein duftendes Steak vor ihm auf den Tisch stellte. „Es klang wichtig. Er möchte, dass du ihn bei erster Gelegenheit zurückrufst.“

„Mache ich gleich nach dem Essen.“

„Was ist los, Clay? Du vergräbst dich schon die ganze Woche in deinem Büro. Ist etwas passiert?“

„Nein, nichts. Alles in Ordnung.“

Er sagte nicht die Wahrheit, sie spürte es.

„Alles scheint zu laufen, wie es sollte. Die Aktienkurse von Everest gehen durch die Decke, und die Leute, mit denen ich gesprochen habe, scheinen mehr als zufrieden mit der Qualität, die sie bekommen.“ Sie lächelte ihn an. „Es hat sich herumgesprochen, und die Nachfrage wächst unglaublich schnell. Aber ich nehme an, das weißt du schon?“

Der Geschäftserfolg hatte ihn auf den Rang eines Milliardärs katapultiert. Nach seiner Zeit als Rodeo-Champion hatte er noch weitere Unternehmen gegründet. Alle liefen gut, aber keines so gut wie Everest.

Er schnitt sich ein Stück von dem perfekt gegrillten Steak ab. „Bisher läuft Everest ganz gut.“

Wenn eine Firma aufhörte zu wachsen, tat er, was er schon beim Rodeo getan hatte: Er studierte Statistiken und beleuchtete das Problem aus jedem nur erdenklichen Winkel, bis er glaubte, die Lösung gefunden zu haben.

Wissen war jedoch nur eine Seite der Medaille. Erst zusammen mit Clays Beharrlichkeit garantierte es den Erfolg. Er hatte einen guten Geschäftssinn, war ein Genie, was Zahlen und Statistiken anging, und das Führen eines Unternehmens war für ihn so natürlich wie das Atmen für jeden anderen.

Aber jetzt ging etwas vor sich. Wenn Sophie nicht allein darauf kam, musste sie warten, bis Clay es ihr erzählte. Oft passierte das erst, wenn er das Problem bereits selbst gelöst hatte. Er holte sie nur zu Hilfe, wenn etwas wirklich aus dem Ruder lief und er allein nicht weiterkam. Im Moment blieb ihr wohl nichts anderes übrig, als seine Körpersprache im Auge zu behalten und abzuwarten.

„Isst du nicht fertig?“, fragte Clay, als sie sich erhob und zur Tür ging.

„Nein, ich habe nicht wirklich Hunger. Wir sehen uns dann später.“

„Du hast mich hierhergelotst mit einem Vortrag darüber, wie wichtig das Essen ist – und dann isst du selbst nicht?“

Sie zuckte die Schultern. „Ich esse später.“

Frustriert nahm Clay sich seinen vollen Teller, die Serviette und das Besteck und verschwand damit in sein Büro. Dabei schloss er die Zwischentür zu Sophies Büro laut und vernehmlich. Drexler war einer der Männer, der ihm geholfen hatte, Everest in Gang zu bringen. Wenn er um Rückruf bat, wollte er ihn nicht warten lassen.

Hätte jemand ihn einen geborenen Unternehmer genannt, hätte er einfach nur gelacht und gesagt, er wäre ein alter Cowboy, der Glück gehabt hatte. In Wirklichkeit war er ein gewiefter und intelligenter Geschäftsmann, der über die Fähigkeit zu verfügen schien, Staub zu Gold zu machen.

Der Bulle, der vor Jahren sein ganzes Leben verändert hatte, hatte nicht nur sein Bein zerstört und seinen Körper aufgerissen. Er hatte im übertragenen Sinne sein Herz getroffen und seinen Geist herausgefordert. Während die Wunden seines Körpers allmählich verheilten, blieben in seinem Inneren Wut, Trauer, Hoffnungslosigkeit und eine Spur von Bitterkeit zurück. Gefühle, die er vor den meisten Menschen verbergen konnte, nicht aber vor Sophie. Sie kannte ihn so gut wie sonst niemand. Sie wusste, wann das Glitzern in seinen grünen Augen einladend war oder wann es angezeigt war zu gehen. Die meisten Frauen machten den Fehler, in die falsche Richtung zu laufen: direkt in seine Arme. Ein paar Wochen später war – alles wieder vorbei, und zweifellos hatten sie keine Ahnung, was eigentlich passiert war.

Sophie hoffte, nie wieder den Schmerz sehen zu müssen, den Clay in seinem Inneren verbarg. Oder den Zorn. Aber etwas davon war immer noch da. Es waren die Gefühle, die seine Ex-Verlobte in ihm geweckt hatte. Das war sicher die Erklärung dafür, dass er seit dem Unfall kaum noch Dates gehabt hatte.

Clay war der intelligenteste Mensch, den sie kannte. Er hatte einen guten Sinn für Humor, der langsam zurückkehrte. Aber es waren seine grünen Augen, die sie in ihren Bann schlugen, seit sie für ihn arbeitete. Seine Augen und das seltene Lächeln. Seine starken, schwieligen Hände konnten sehr sanft sein, wenn er eine Frau berührte. So als streichelte er ein neugeborenes Fohlen. Das herbmännliche Eau de Cologne verband sich mit seinem ganz eigenen Duft und zog die Frauen an wie Blumen die Bienen.

Der Unfall und die folgenden Veränderungen in seinem Leben hatten ihn ungeduldiger und leicht reizbar werden lassen. Es gab ihm den Anschein des Gefährlichen, und das schien seine Attraktivität für die meisten Frauen noch zu erhöhen. Er verfügte immer noch über die Kraft, die seinerzeit einen Bullen gezähmt hatte. Im Schlafzimmer zeigte sie sich mehr als deutlich. Sophie wusste seit dem Maskenball nur zu gut, wie sexy der Mann war.

An jenem Morgen danach, als die Sonne sich über den Horizont schob, verließ Sophie das Schlafzimmer, zog sich rasch an und eilte zu ihrem Wagen. Sie brauchte das ganze Wochenende, um sich von dem Zauber zu lösen, den Clay über sie geworfen hatte. Ihr Leben würde nie wieder so sein wie vorher, das spürte sie. Als der Montagmorgen kam und sie wieder zur Arbeit erschien, tat sie es hocherhobenen Hauptes. Sie vermied sie es, Clay in die Augen zu sehen, wünschte ihm knapp einen guten Morgen und machte sich an die Arbeit. Die Nacht war ein Fehler gewesen, den sie nicht wiederholen würde. Falls er andere Vorstellungen hatte, sollte er sie sich schnellstmöglich abschminken.

Pech nur, dass Clay davon nichts wusste.

3. KAPITEL

Am Freitagmorgen öffnete Sophie die Augen. Sieben Uhr. Sie hatten einen freien Tag vor sich. Die Wettervorhersage hatte Sonne prophezeit, und sie wusste, wie sie den Tag verbringen würde. Rasch schlüpfte sie in Jeans und ein T-Shirt. Clay war in Dallas bei einem Treffen mit einigen seiner Aktionäre, also stand ihr der Tag zur freien Verfügung. Sie wollte sich ein Pferd nehmen und das Land erkunden.

Sie verzichtete auf ihren Morgenkaffee und fuhr die sechs Meilen zur Flying E Ranch. Sie hörte Hopper schon wiehern, noch bevor sie seine Box erreichte.

Clay war sehr überrascht gewesen, als er sie das erste Mal im Stall bei den Pferden fand. Nachdem sie ihm erklärt hatte, dass sie mit Pferden aufgewachsen war und sie wirklich vermisste, hatte er ihr die Erlaubnis gegeben, in ihrer Freizeit eines der Pferde zu nehmen und auszureiten. Inzwischen war sie förmlich süchtig danach. Sie hatte sich für einen schwarz-weißen Hengst entschieden, der auf den Namen Hopper hörte. Er schien so erpicht darauf, den Stall zu verlassen wie sie das Büro. Sie kontrollierte rasch seine Hufe, striegelte und sattelte ihn.

Sie führte den Hengst gerade aus dem Stall zum Nordtor, als Clay sie aufhielt. Überrascht drehte sie sich zu ihm herum.

„Guten Morgen!“ Sie blieb stehen. „Hast du dein Meeting abgesagt?“

„Ich muss in der nächsten Woche sowieso nach Dallas, also habe ich das Treffen mit den Aktionären bis dahin verschoben“, erklärte er. „Es ist ein schöner Tag. Hast du etwas dagegen, wenn ich mitkomme?“

Ja! „Natürlich nicht.“ Sie warf Hopper die Leine über und klopfte ihm den Hals. „Hat der Arzt dir erlaubt, wieder in den Sattel zu steigen?“

„Ich habe nicht gefragt.“

„Du machst es einfach.“

„Ich glaube, ich bin noch ganz gut im Reiten.“

Dieser halsstarrige Mann! Sie weigerte sich, auf seine Doppeldeutigkeit einzugehen. Seine Augen leuchteten, und der Schatten eines Lächelns umspielte seine Lippen. Der Blick sprach von einem geteilten Geheimnis – er forderte sie quasi heraus, darüber zu sprechen. Ihre gemeinsame Nacht war unglaublich gewesen, aber es sollte keine Wiederholung geben.

Sophie sah ihm nach, als er zu den Ställen ging. Sein Hinken war deutlich zu sehen. Die Pferde begrüßten ihn mit leisem Wiehern. Sie beobachteten Clay mit ihren großen braunen Augen, die Ohren aufmerksam nach vorn gestellt. Clays Weg zur Genesung war lang gewesen, und Sophie musste seine Entschlossenheit bewundern, wieder seine volle Beweglichkeit zurückzuerlangen. Er hatte alle Ärzte überrascht, die seine Zukunft nicht so rosig gesehen hatten. Sie wusste aus eigener Erfahrung, wie fit der Mann war. Deswegen machte es sie nervös, dass er sie begleiten wollte.

In den Wochen nach ihrer gemeinsamen Nacht hatte Sophie die hektischen Tage im Büro als Vorwand genommen, um nicht wieder über das Thema sprechen zu müssen. Falls Clay sie durchschaute, sagte er nichts dazu. Aber jetzt waren sie nicht im Büro. Sie war es ihm schuldig, geschäftliche Themen zu vermeiden und es ihm dadurch zu ermöglichen, für ein paar Stunden abzuschalten. Damit nahm sie sich jedoch gleichzeitig die Barriere, die sonst ein privates Gespräch verhinderte. Sie hatte keine Ahnung, was sie sagen sollte, falls er das Thema anschnitt.

Kurze Zeit später hatte Clay seinen Hengst gesattelt, und sie ritten zum Haupttor hinüber, das auf das östliche Weideland führte.

Es war eine Gegend, die der sehr ähnelte, in der sie aufgewachsen war. Als Sophie das erste Mal hier gewesen war, hatte sie unvermittelt starkes Heimweh verspürt. Während ihrer Freizeit saß sie in dem kleinen Haus, das sie am Stadtrand von Royal gemietet hatte, und fragte sich, ob sie es je wagen konnte, wieder nach Hause zu fahren.

Für gewöhnlich ritt Sophie Richtung Westen und folgte dem alten Pfad der Rindertreiber entlang den vielen natürlichen Seen. In der Richtung, die sie jetzt einschlugen, war das Gelände steiniger, und der Pfad führte ständig bergauf.

„Ich dachte, ich kontrolliere gleich mal den Zaun“, erklärte Clay. „Die Cowboys reparieren ihn immer wieder, aber ein paar Tage später ist der Draht erneut gerissen. Irgendetwas stimmt hier nicht. Ich hoffe, du hast nichts dagegen?“

„Natürlich nicht. In dieser Ecke bin ich bisher noch nie gewesen.“

„Der Weg ist beschwerlicher, aber der Ausblick von oben ist atemberaubend. Das war mit einer der Gründe, wieso ich die Ranch gekauft habe.“

Eine Weile ritten sie schweigend nebeneinander her. „Erzähl mir, wie du eine so geübte Reiterin geworden bist“, bat er. „Wo hast du das Reiten gelernt?“

„Zu Hause“, sagte sie zögernd. „Mein Dad hat eine kleine Farm. Wir hatten immer ein oder zwei Pferde. Mein Bruder und ich haben jede Gelegenheit genutzt, um zu reiten. Mom und Dad lieben es auch. Ich nehme an, ich habe es von ihnen geerbt. Es gibt nicht vieles, was ich lieber tue.“

Sie sah, wie sich seine Lippen bewegten – so, als versuchte er, ein Grinsen zu verbergen. „Das stimmt. Es gibt nichts Schöneres als einen guten Ritt.“

„Ich habe nicht vom Ritt auf einem Bullen gesprochen.“

„Ich auch nicht.“

Sophie rollte die Augen und schüttelte den Kopf über seinen Versuch, einen zweideutigen Witz zu machen.

„Wie war es bei dir?“, fragte sie. „Bist du auch mit Rindern und Pferden aufgewachsen?“

Sie wusste alles über seine Karriere beim Rodeo, aber so gut wie nichts über seine Kindheit. Bevor sie das Büro von Dallas auf die Ranch verlegt hatten, war kaum Gelegenheit gewesen, so miteinander zu reden wie jetzt.

„Das kann man wohl sagen.“ Er lächelte versonnen. „Mein Vater hat mich schon in den Sattel gesetzt, als ich noch Windeln trug. Cowboy zu werden war alles, wovon ich geträumt habe – bis ich ein Teenager wurde und das andere Geschlecht entdeckte.“

„Du warst sicher gut.“

„Ich hatte so meine Momente.“ Er sah zu ihr hinüber. „Als Cowboy war ich auch nicht schlecht.“

Sophie stöhnte auf und schüttelte den Kopf. Da hatte sie ihm doch eine Steilvorlage geliefert! Aber das leise Lachen, das sie von ihm hörte, war es wert. Seit dem Unfall lachte er nicht mehr und lächelte nur sehr selten.

„In all den Jahren, die wir jetzt schon zusammen arbeiten, hast du mir nie etwas über dein Leben erzählt. Jetzt weiß ich, dass du auf einer Farm aufgewachsen bist. Erzähl mir mehr.“

Die Frage nach ihrer Vergangenheit traf Sophie unvorbereitet. Ihre Beklemmungen wuchsen. Sie hoffte inständig, ihn von diesem Thema abbringen zu können. Unwissentlich hatte er sie an all den Horror erinnert, der sie dazu gebracht hatte, ihr Elternhaus zu verlassen und so weit entfernt wie möglich einen neuen Anfang zu machen. Nicht, dass diese Erinnerungen jemals verschwanden, aber wenn sie sie fest in den Hintergrund drängte, konnte sie damit leben. Hier kannte sie niemand. Niemand interessierte sich für ihre Vergangenheit. Und so sollte es bleiben.

„Da gibt es nicht viel zu erzählen. Eine typische Kleinstadt. Freitagabend gab es Fußball, am Mittwoch ein Sondergericht im einzigen Restaurant der Stadt – es wechselte zwischen Eintopf und gegrilltem Hähnchen. Total langweilig.“

„Und was hat dich nach Texas gebracht?“

Und da war die Frage …

Sie zuckte die Schultern. „Kein besonderer Grund. Ich brauchte einfach einen Tapetenwechsel.“

Clay schien etwas sagen zu wollen, überlegte es sich dann aber anders. Sophie atmete erleichtert auf.

Der Pfad stieg langsam an. Die Bäume wurden größer. Eichenbestände wechselten mit majestätischen Kiefern. An einem Punkt blieb Clay stehen und deutete zurück in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Der Ausblick war einfach phänomenal. Das Haupthaus der Ranch und die Stallungen wirkten wie Spielzeughäuser. In der Ferne grasten Pferde und Rinder auf saftigen Weiden.

„Das kritische Stück des Zauns ist dort drüben.“ Clay zeigte voraus.

Sophie folgte ihm über die Kuppe des Hügels und stieg ab, als er es tat. Einige Drähte im Zaun waren lose. Ein Stück Draht lag auf dem Boden. Wortlos machte Clay sich daran, den Schaden zu beheben.

Es kam Sophie merkwürdig vor, ihn körperlich arbeiten zu sehen. Aber wieso eigentlich nicht? Zu allererst war er ein Cowboy, und ein Cowboy flickte nun einmal Zäune. Sie konnte nur hoffen, dass er seinem Körper keinen weiteren Schaden zufügte. Sie wollte schon etwas dazu sagen, verkniff es sich dann aber. Sie musste aufhören, sich zu benehmen, als wäre sie seine Mutter. Ja, er war einmal durch die Hölle und zurück gegangen. Aber jetzt ging es ihm besser.

Als sie sich umsah, bemerkte sie direkt links unter ihnen einen kleinen See. „Ich gehe ans Wasser“, sagte sie zu Clay.

„Gut. Ich komme nach, sobald ich hier fertig bin. Bleib auf dieser Seite. Das Ufer auf der anderen Seite ist sehr brüchig.“

„Mach ich.“ Sophie schwang sich in den Sattel und schlug den Weg nach unten ein. Minuten später hatte sie die Lichtung erreicht, die sich zum Wasser hin öffnete. Es war wie auf einer kitschigen Ansichtskarte: das blaue Wasser, umgeben von roten Felsen, dazwischen Gras und Wald. Sie stieg ab und ließ Hopper grasen, während sie sich auf einen großen Felsblock setzte, der einen Ausblick auf den See gewährte.

Etwas im Wasser erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie sah genauer hin und bemerkte einen Schwarm kleiner Fische. Sie fraßen etwas, das sich direkt im Schatten unter dem Felsen befand. Sophie bedauerte, kein Stück Brot dabeizuhaben, das sie hätte hinunterwerfen können, um zu sehen, ob sie danach schnappen würden. Sollten Clay und sie je wieder hierherkommen, wollte sie daran denken, etwas für die Fische mitzubringen.

Plötzlich wurde ihr bewusst, was sie da gerade gedacht hatte. Sie ging davon aus, dass sie wieder zusammen hierherkommen würden. Es war eine seltene Gelegenheit, mit Clay zusammen auszureiten und die Schönheit der Ranch zu genießen. Sie konnte ja vielleicht eines Tages zurückkommen, aber sie bezweifelte doch sehr, dass Clay sie begleiten würde.

Am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen. Eine leichte Brise strich durch die Blätter der Bäume und blies Sophie das Haar aus dem Gesicht. Plötzlich spürte sie schwere Hände auf ihren Schultern. Clay setzte sich hinter ihr auf den Felsen, sodass sie zwischen seinen Beinen saß. Er drückte sie leicht an sich, seine Hände unter ihren Brüsten.

„Du hast dir eine schöne Stelle ausgesucht“, sagte er.

„Ich habe die Fische beobachtet. Siehst du sie?“ Sie deutete nach unten.

„Ich hätte eine Angel mitbringen sollen. Dann hätten wir Forelle zum Abendessen haben können.“

„Kann man sie essen?“

Er sah sie überrascht an. „Hast du noch nie Forellen gehabt?“

„Nein.“

„Oh, dagegen müssen wir etwas tun. Ich bin kein Kenner, aber du musst Forelle in Butter gebraten mit ein paar Gewürzen probieren. Vielleicht noch eine Kartoffel dazu. Ich mag sie am liebsten am Lagerfeuer gegrillt.“

„Ja, vielleicht probiere ich das irgendwann einmal.“

„Ich könnte es für dich zubereiten.“

Du kannst kochen?“

„Natürlich. Nichts Ausgefallenes, aber ausreichend, um deinen Hunger zu stillen.“

„Das fände ich schön.“

„Ich auch.“ Er beugte sich vor, um ihr einen Kuss auf den Nacken zu hauchen. „Darf ich, Sophie?“ Er sprach leise an ihrem Ohr und ließ ihr damit einen Schauer über den Körper laufen. „Darf ich deinen Hunger noch einmal stillen?“

Das Gespräch hatte unvermittelt eine ganz neue Wendung genommen. Sophie spürte Verlangen in sich aufsteigen.

„Ich will dich, Sophie. Du weißt das.“

Die Nacht, die sie zusammen verbracht hatten, war ein Fehler gewesen. Es hätte nie dazu kommen sollen. Auch wenn jede Zelle ihres Körpers sich nach ihm sehnte, würde sie diesen Fehler kein zweites Mal machen. Plötzlich ließ Clay sich auf dem Felsen zurücksinken und drehte sie, sodass sie auf ihn zu liegen kam. Sie stützte die Arme auf seine breiten Schultern und sah hinunter in seine grünen Augen. Sein Körper war hart und weich gleichermaßen, und sie sank gegen ihn.

„Küss mich.“ Die Bitte war nur geflüstert, aber sie hätte seine Worte verstanden, auch wenn er eine Meile weit fort gewesen wäre.

„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.“

„Ich finde sie einfach genial.“ Er schob eine Hand hinter ihren Kopf und ermutigte sie mit sanftem Nachdruck, sich seinen Lippen zu nähern.

„Clay, ich …“ Sie öffnete die Lippen, aber bevor sie weitersprechen konnte, hatte Clay den Kopf gehoben und drückte seine Lippen auf ihre. Gierig schob er seine Zunge in ihren Mund. Es war so, wie sie es in Erinnerung gehabt hatte – und noch besser. Es konnte keinen Zweifel geben: Sie hatte noch keinen anderen Mann getroffen, der so verführerisch war wie Clay Everett. Er war die personifizierte Versuchung. Eine Gefahr.

Ihre Gefühle für ihn hatten sich in den Monaten nach dem Unfall entwickelt. Statt einen Bogen um ihn zu machen, fühlte sie sich stärker denn je zu ihm hingezogen. Der sorglose, lebenslustige Junggeselle von einst war verschwunden. Ersetzt von einem ernsten, sehr intensiven Mann.

Ein Teil von ihr hätte ihm gern gegeben, was er wollte. Der andere Teil, der Verstand, riet dringend zur Flucht. Die Tatsache, dass sie sich zu ihrem Boss hingezogen fühlte, musste irgendwann zu Problemen führen.

Sie drehte den Kopf weg und unterbrach den Kuss, den sie mehr brauchte als die Luft zum Atmen. Ihr wurde bewusst, dass sie inzwischen auf dem Felsen lag. Clay war über ihr. Er hielt ihren Kopf in seiner großen Hand. Sie spürte deutlich seine Erregung. Ehe sie es verhindern konnte, drückte sie sich fest an ihn. Sie hörte ihn stöhnen, tief und voller Verlangen. Es war, als entzündete er damit eine Flamme in ihrem Innern. Eine Flamme, die durch ihren ganzen Körper lief.

Er umfasste ihre Brüste, zuerst die eine, dann die andere. Mit geschickten Fingern öffnete er die Knöpfe ihrer Bluse und schob ihren BH beiseite, um die harten Spitzen mit Zunge und Lippen liebkosen zu können.

Stimmen. Wie durch einen Nebel hindurch nahm sie Stimmen in der Ferne wahr.

„Clay“, flüsterte sie eindringlich. „Clay, da kommt jemand.“

„Lass ihn kommen.“

„Nein! Clay, stop! Bitte!“ Panik stieg in ihr auf.

Endlich schien die Bedeutung ihrer Worte zu ihm durchgedrungen zu sein. Er setzte sich auf und musste ein paarmal tief durchatmen, bevor er sich zu ihr herumdrehte. „Ich will dich, Sophie. Ich will dich so sehr, dass es schon wehtut. Das eine Mal war nicht genug. Betrachte es als freundliche Warnung. Ich will dich wieder haben.“

Er reichte ihr die Hand und zog sie auf die Beine. Rasch zog sie den BH zurecht und knöpfte ihre Bluse zu. Clay sah ihr stumm zu.

Ehe einer von ihnen noch etwas sagen konnte, erschienen drei Cowboys auf der Lichtung.

„Wir sind gekommen, um den Zaun zu reparieren“, sagte einer von ihnen zu Clay. „Sieht so aus, als wäre uns jemand zuvorgekommen.“

Sie redeten weiter, während Sophie sich langsam zu ihrem Pferd bewegte. Sie schwang sich in den Sattel und wartete auf Clay. Irgendwann wendeten die drei Männer ihre Pferde und ritten zurück zur Ranch.

Clay grinste schief. „Es war schön – solange es gedauert hat“, bemerkte er trocken, während er aufsaß.

„Was?“ Sie runzelte fragend die Stirn. „Oh“, entfuhr es ihr, als sie begriff, dass er sich auf die kurze Zeit bezog, die sie in seinen Armen gewesen war.

„Sophie Prescott, du kannst einem Mann wirklich das Gefühl geben, begehrenswert zu sein!“ Er schnalzte mit der Zunge und dirigierte seinen Hengst auf den Pfad, der zurück zur Ranch führte.

Sophie folgte ihm. Sie musste sich auf die Zunge beißen.

Was für ein unverschämter Kerl!

4. KAPITEL

Der Sommer in Texas ließ die Temperaturen ansteigen, und häufig hörte man den grollenden Donner eines sich nähernden Gewitters. Es verhieß Regen, der jedoch meist ausblieb. Trotz der Hitze war die kleine Stadt Royal voller Leben.

An diesem Abend sollte im Texas Cattleman’s Club der Unabhängigkeitstag gefeiert werden. Hinter dem Klubhaus war eine große Terrasse errichtet worden; mit ausfahrbaren Zeltplanen für den Fall, dass es regnete. Es gab eine Bühne für das kleine Orchester, das das große Feuerwerk begleiten sollte. So aufwendig wie in diesem Jahr hatte der Klub noch nie gefeiert. Sophies Vorfreude wuchs, als sie die ganzen Vorbereitungen betrachtete.

Sie hatte sich bereit erklärt, sich um die Auswahl der Weine und die Zutaten für die Cocktails und das Geschirr zu kümmern. Ähnliches hatte sie schon gemacht, als Clay ein offizielles Essen aus sechs Gängen für fünfzig Paare in seinem Haus gab. Verglichen damit war diese Veranstaltung ein Kinderspiel.

Als sie in den Klub kam, erwartete sie bereits hektisches Treiben. Gut ein Dutzend freiwillige Helfer arbeiteten ihre Listen ab. Sophie erkannte einige von Clays Cowboys. Sie selbst war mit George und Alan gekommen. Die beiden waren zusammen mit einigen Cowboys aus der Nachbarschaft dafür eingeteilt, den LKW abzuladen und die Kisten mit Wein, Champagner und den Zutaten für die Cocktails ins Lager zu bringen.

Sophie kontrollierte jeden Karton und packte das Geschirr aus. Im Hinblick auf den Anlass hatte sie sich für Geschirr von William Avington entschieden – in Rot, Weiß und Blau und mit Goldrand. Jedes Set war ein paar Hundert Dollar wert. Simone Parker hatte dazu nur gemeint, bei dem Preis sei es ja kein großer Verlust, wenn das eine oder andere Stück zu Bruch ginge.

Als Sophie daran dachte, musste sie unwillkürlich die Augen rollen. Das war schon etwas anderes als die Feiern zum Unabhängigkeitstag, die sie bei sich zu Hause erlebt hatte. Ihr Dad grillte Würstchen im Garten, während ihre Mom den in der Familie berühmten Kartoffelsalat machte und dazu Baked Beans. Das Ganze wurde für gewöhnlich von Papptellern gegessen. An Getränken gab es Bier für die Erwachsenen und Limonade für die Kinder. Der Kontrast zu ihrer jetzigen Welt hätte nicht größer sein können.

„Bist du bald fertig?“, ließ sich eine tiefe Stimme hinter ihr vernehmen. Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass Clay zu ihr getreten war.

„Fast. Brauchst du mich für irgendetwas?“

Sophies Blick fiel auf Gayle Brown, eine der Freiwilligen, die wie hypnotisiert über Sophies Schulter zu Clay hinübersah. Er flüsterte Sophie zu: „Frag mich das doch noch einmal, wenn wir allein sind.“ Laut sagte er: „Soll ich dich in meinem Wagen mitnehmen?“

Sie lächelte ihn an. „Das wäre nett. Danke.“ Und an Gayle gewandt: „Okay, wo waren wir?“

„Der Wein ist … Wir … wir waren beim Wein“, stammelte die junge Frau, ohne den Blick dabei von Clay wenden zu können. Er trug heute ein einfaches T-Shirt, eine alte Jeans und Stiefel. Dennoch hätte er jede Frau hier für sich gewinnen können, auch ohne Milliardär zu sein.

„Und? Was ist mit dem Wein?“

„Der … Oh. Der ist jetzt angekommen. Die neuen Champagnergläser sind schon in der letzten Woche geliefert worden. Wir erwarten ungefähr fünfhundert Mitglieder und Gäste, wenn es so läuft wie im letzten Jahr. Falls mehr kommen, lässt die Küche die Geschirrspüler Nonstop durchlaufen.“

„Sophie, ich habe die Gläser durchgezählt“, sagte eine andere Helferin und lächelte Clay dabei an. „Wo sollen sie aufgestellt werden?“

Sophie sah sich um. Der Saal war groß, aber nicht groß genug, um alle Gläser hier aufstellen zu können. „Wir verteilen sie auf kleinen Tischen im Raum. Auf jeden je nach Getränk dreißig bis vierzig Gläser. Der Rest muss dann nach Bedarf nachgestellt werden.“

„Okay, klingt gut“, befand Gayle. „Ich suche mir Martha, und dann fangen wir damit an.“

„Perfekt.“ Sophie lächelte Gayle an, die aber nur Augen für Clay hatte. „Und sorgen Sie dafür, dass überall Servietten ausliegen. Haben wir sonst noch irgendetwas vergessen? Sind die beiden Eisskulpturen schon gekommen?“

„Nicht, dass ich wüsste. Ich habe sie noch nicht gesehen.“

„Dann werde ich dort jetzt mal anrufen. Vielen Dank für Ihre Hilfe, Gayle.“

„Ah … natürlich. Kein Problem.“

„Du bist keine Hilfe!“ Sophie warf Clay einen verdrossenen Blick zu, als Gayle davoneilte.

„Was habe ich denn getan?“

Sie rollte die Augen. „Du bist da. Das reicht.“

Sie erntete ein schiefes Grinsen. Er wusste genau, was für einen Effekt er auf Frauen hatte.

Clay wartete geduldig, während Sophie sich ihr Handy schnappte. „Ich muss mich nur rasch um die Eisskulpturen kümmern.“ Ein paar Minuten später war sie beruhigt. Die Skulpturen waren auf dem Weg, alles lief wie geplant.

Der Tag schien schnell vergangen zu sein, aber bis sie wieder zu Hause war, würde es schon nach sechs sein. Dann wollte sie sich ein ausgiebiges Wannenbad gönnen und sich anschließend in den Schlaf lesen.

„Die Klubmitglieder haben dafür gestimmt, neben dem Garten westlich des Klubhauses einen Pavillon aufzustellen“, sagte Clay.

„Ich weiß, ich habe ihn heute Nachmittag gesehen. Er ist hübsch. Ich glaube, dort ist nachher der Grill. Die Leute können hineingehen und sich einen der Tische nehmen oder sich zum Essen nach draußen setzen.“

Prickelnde Aufregung lag in der Luft. Menschen, die nichts mit dem Texas Cattleman’s Club zu tun hatten, kamen von weither für das Feuerwerk, das inzwischen als eines der besten von ganz Texas galt. Sophie freute sich darauf, es sich von ihrer Veranda aus anzusehen und sich ansonsten einfach zu Hause zu entspannen.

„Okay, ich bin fertig. Es sind noch genügend freiwillige Helfer da, die sich um die Probleme kümmern können, die vielleicht noch auftauchen.“

Die meisten von ihnen hatten sich nur gemeldet, weil sie einmal einen Blick in das große Klubhaus werfen wollten. Seit der Klub vor über hundert Jahren gegründet worden war, hatten hier nur Mitglieder Zutritt. Erst seit Kurzem waren auch Frauen zugelassen. Clay war dafür, aber vielen anderen gefiel die neue Regelung nicht.

Clay legte seine Hand auf Sophies Rücken und steuerte sie hinaus zu seinem Wagen. Sobald sie im Porsche Platz genommen hatten, drehte er sich zu ihr herum.

„Ich hole dich nachher um acht Uhr ab. Das Orchester wird spielen, und das Feuerwerk beginnt gegen neun.“

Seine Worte weckten Erinnerungen an das letzte Mal, als sie zusammen bei einem offiziellen Anlass gewesen waren.

„Ich gehe nicht zum Feuerwerk. Ich sehe es mir von meinem Haus aus an.“

„Dann setze ich mich zu dir. Ich muss mich im Klub sehen lassen, aber ich muss nicht lange bleiben. Ist neun in Ordnung?“

„Clay, ich bin müde und sehne mich nach einem ruhigen Abend. Zuerst möchte ich mich in der Wanne entspannen, und dann mal schauen. Ich bin sicher, es sind heute Abend genügend Frauen da, die sich über deine Einladung freuen würden.“

„Das bezweifle ich, aber darum geht es ja auch gar nicht. Ich möchte dich an meiner Seite haben und mit dir zusammen das Feuerwerk ansehen.“ Er senkte die Stimme. „Ich möchte mit dir zusammen sein.“

„Wir sind fünf und manchmal auch sechs Tage die Woche zusammen.“ Sie lachte. „Irgendwann solltest du doch genug von mir haben.“

„Nie.“

„Clay …“ Es war ja nicht so, dass sie nicht mit ihm zusammen sein wollte. Sie träumte jede Nacht von ihm, und seit Kurzem hatte sie sogar schon bei der Arbeit Tagträume, die sich nur um ihn drehten.

Es war ihr nicht wichtig, mit ihm gesehen zu werden oder was die anderen über sie dachten Sicher hatte es schon nach dem Maskenball jede Menge Klatsch gegeben. Doch nach den Erfahrungen in ihrer Heimatstadt war der Klatsch über eine Affäre mit einem Milliardär vergleichsweise lächerlich. Clay wusste nichts von dieser alten Geschichte. Und sie war nicht bereit, ihm davon zu erzählen. Sie wollte überhaupt mit niemandem darüber sprechen.

Es war ihr wirklich schwergefallen, nach ihrer gemeinsamen Nacht vor zwei Monaten so weiterzumachen wie zuvor. Ihn jeden Tag im Büro sehen zu müssen, seine Telefonate anzunehmen und höflich zu den Frauen zu sein, die ihn anriefen. Sich sogar Entschuldigungen einfallen zu lassen, wenn er nicht zurückrief.

Er wollte prinzipiell mit niemandem sprechen, außer es handelte sich um etwas Geschäftliches. Die Hälfte der Anruferinnen wollte ihr nicht sagen, worum es bei ihrem Anliegen ging. Sophie hakte nach und bekam nur die Auskunft, es wäre persönlich. Also legte sie Clay einen Stapel Telefonnotizen auf den Schreibtisch. Er sah ihn flüchtig durch und warf dann alles in den Papierkorb. Als er ihre erstaunte Miene sah, zwinkerte er ihr kurz zu – dazu dieses Lächeln, das ihren Puls jedes Mal auf Hochtouren brachte.

Irgendwann verdrängten neue Klatschgeschichten das Gerede über sie und Clay, und da es ohnehin keine Zukunft für sie beide gab, war es ihr nur recht so.

„Sophie, es ist ein Feuerwerk. Wir werden Hotdogs von Papptellern essen …“

Sie sah rasch zu ihm auf, um zu sehen, ob er Witze machte. Sein verschmitztes Lächeln, das er zu verbergen versuchte, bestätigte ihren Verdacht. „Wohl kaum.“

„Und wir werden die Lichter am Himmel beobachten, während wir tanzen.“ Er sah ihr in die Augen. „Ich möchte nicht, dass du dich unwohl fühlst, aber ich möchte mit dir zusammen sein – ohne Telefon oder PC in der Nähe.“

Er legte den ersten Gang ein. „Denk wenigstens darüber nach.“

Sie nickte und ärgerte sich gleichzeitig über sich selbst.

Der schnelle Sportwagen brauchte nur ein paar Minuten, um sie durch die Stadt zu ihrem kleinen Haus zu bringen. Clay schaltete den Motor aus und sah Sophie fragend an. Fragend und voller Verlangen.

„Okay. Gut. Wenn es dir so wichtig ist, komme ich mit.“

„Ich hole dich um acht ab.“ Er schenkte ihr ein strahlendes Lächeln.

Sophie nickte. Sie wusste nicht, ob Clay lächelte, weil er gewonnen hatte oder weil er glücklich darüber war, dass sie zugestimmt hatte. Letztlich spielte es keine Rolle. Sie würde mit ihm gehen. Die Leute würden reden. Blieb nur zu hoffen, dass der Klatsch niemandem aus ihrer Heimatstadt in Nord-Indiana zu Ohren kam. Clay machte sich Sorgen um ihren guten Ruf. Er sollte sich vielmehr um seinen Ruf Gedanken machen.

„Um acht“, bestätigte sie. „Vielen Dank, dass du mich gebracht hast.“

Er wartete, bis sie an der Haustür war, bevor er wieder Gas gab. Cowboys und ihr Spielzeug!

Die neue schwarze Stretchlimousine hielt vor dem kleinen blau-weiß gestrichenen Haus. Als Clay Sophie eingeladen hatte, ihn zur Feier des Unabhängigkeitstages zu begleiten, hatte er förmlich den Atem angehalten, bis sie zusagte. Er kannte einige der Männer, die sie im Laufe der Woche ebenfalls angerufen hatten, und er war ziemlich sicher, dass sie keine Einladung angenommen hatte. Und obwohl er nach dem Fiasko mit seiner Ex-Verlobten nicht bereit war, sich neu zu binden, wollte er auch nicht das Risiko eingehen, dass ihm ein anderer Mann bei Sophie zuvorkam.

Sie hatte nur zögernd zugestimmt. Seit er sie vor zwei Monaten nach dem Maskenball geliebt hatte, war sie so scheu wie ein Reh, immer auf der Flucht vor ihm. Und zu Recht. Er verfolgte sie. Und er würde sie wieder in sein Bett kriegen. Es war nur eine Frage der Zeit.

Er verließ die Limousine und musste sich davon abhalten, zu ihrer Tür zu rennen. Noch nie hatte eine Frau derart sein Interesse gefesselt wie Sophie Prescott. Sie war unglaublich sexy – von ihrem rotbraunen Haar angefangen bis hin zu den rosaroten Fußnägeln.

Er klopfte. Als sie öffnete, setzte sein Verstand aus, und sein Körper reagierte spontan. Sophie war einfach atemberaubend. Sie trug ein Kleid aus blauem Chiffon, besetzt mit glitzernden Strasssteinchen. Es war tief ausgeschnitten und endete ein gutes Stück über dem Knie. Die hohen Absätze betonten ihre wohlgeformten Beine. Das lange rotbraune Haar hatte sie sich nach hinten frisiert, gehalten von silbernen Haarspangen. Dazu passten die mit Diamanten besetzten Ohrringe. Ob sie echt waren oder nicht spielte keine Rolle. Sophie sah einfach umwerfend aus.

Clays entspannte Haltung verflog. Jeder Muskel seines Körpers schien plötzlich in Alarmstimmung versetzt zu sein. Er spürte die Hitze in sich aufsteigen und fragte sich, wie er den Abend mit Sophie an seiner Seite überstehen sollte. Er hatte ihr einen netten Abend mit Feuerwerk und Tanz unter den Sternen bieten wollen, aber im Moment sah er sie vor seinem geistigen Auge in seinem Bett, die Laken zerwühlt, ihre Körper in Schweiß gebadet. Ihr leichtes Parfum vermischte sich perfekt mit ihrem eigenen Duft – was es für ihn nur noch schwerer machte.

„Du siehst … wunderschön aus.“ Er musste sich räuspern, bevor die Stimme ihm gehorchte.

„Danke.“ Sie lächelte. „Du siehst auch nicht schlecht aus.“

Zusammen gingen sie zur Limousine. Er half ihr hinein, und Sekunden später waren sie auf dem Weg. Er spürte ihren Blick. Es war, als sähe sie ihn zum ersten Mal. Er hatte sich daran gewöhnt, dass die Frauen unterschiedlich auf ihn reagierten, besonders seit seinem Unfall. Er kannte alles: von hingerissener Faszination bis zu Verlangen, manchmal Staunen und oft auch Furcht. Er hatte eine sehr dominante Art, die in der Arena und auch im Geschäftsleben gut funktionierte. Aber dies war Sophie. Sie konnte hinter seine Fassade sehen.

Sie war eine der wenigen Frauen, bei der er nicht wusste, was sie dachte. Sie arbeiteten schon seit fünf Jahren eng zusammen, waren immer in seinem oder ihrem Büro, und irgendwann waren die Kontakte auch persönlicher geworden, besonders nach seinem Unfall. Als sie sich um die Stelle bewarb, kam sie frisch vom College und fand, dass ihre Ausbildung ihr bei der Rolle als seiner Assistentin hilfreich sein würde. Er konnte nicht nachvollziehen, was ein Abschluss in Erziehungswissenschaften ihr als Sekretärin nutzen sollte, aber er stimmte schließlich zu, sie befristet einzustellen. Er wurde nicht enttäuscht. Sie war mehr als geeignet für die Position.

Schon damals hatte er sich zu Sophie hingezogen gefühlt. Wenn er jetzt auf die Zeit zurücksah, verstand er nicht, wieso er sich je mit Veronica verlobt hatte. Sie entstammte einem reichen Elternhaus und war stolz darauf, immer zu bekommen, was sie wollte. Clay war so dumm gewesen, auf sie hereinzufallen. Nicht die Hälfte von dem, was sie so redete, war ehrlich. Aber sie hatte auch ihre guten Seiten, vor allem im Bett. Er war dumm genug gewesen, sich davon so blenden zu lassen, dass er nur ihre guten Seiten sah. Als seine Popularität zusammen mit seinem Bankkonto wuchs, waren Frauen wie sie in Scharen in seinem Leben aufgetaucht. Als Mann, der sich aus dem Nichts hochgekämpft hatte, erlag er der Versuchung, sein Ego über die Vernunft zu stellen.

Der Bulle hatte ihn fast das Leben gekostet, aber zumindest hatte der Unfall den Vorteil, dass Veronica nun endlich ihre wahre Natur zeigte. Sophie war noch wichtiger für ihn geworden. Natürlich hatte es ihn verletzt, dass Veronica ihn hatte fallenlassen, weil sie nicht mit einem Behinderten verheiratet sein wollte.

Aber er hatte Glück. Nur die wenigsten Männer, die sich wegen einer Frau zum Narren machten, hatten in dem Moment, als ihnen der Boden unter den Füßen fortgezogen wurde, eine Sophie in ihrem Leben. Nach Jahren war es ihm endlich gelungen, sie zu verführen. Diese Nacht würde er so bald nicht vergessen. Doch er fand so viel mehr an ihr als nur ihre sexuellen Reize.

Sie war die erste Frau, mit der er zusammen sein wollte, weil er sie wirklich mochte. Sie war smart, und das gefiel ihm. Er mochte die Art, wie sie dachte und wie sie redete. Er achtete ihre Ansichten und ihr Rückgrat, welches sie davon abhielt, jedem Vorschlag, der gemacht wurde, gleich zuzustimmen. Physisch, emotional und mental wollte er mehr von ihr, und er würde es bekommen.

Am Klub verließen sie den Wagen. Ihre Blicke trafen sich. Es dämmerte bei einem dieser spektakulären Sonnenuntergänge, für den dieser Teil des Landes bekannt war. Sophie schien von innen heraus zu leuchten. Sie war etwas ganz Besonderes. Zum Teufel mit dem Feuerwerk. Er wollte nur noch einen dunklen stillen Ort finden, wo er sie in seinen Armen halten und in dem Feuer versinken konnte, das in ihr brannte.

Sie schien seine Gedanken gelesen zu haben, denn sie errötete und wandte sich rasch ab.

Die Tische, die man im Garten aufgestellt hatte, bogen sich unter der Last der Gerichte. Alles duftete verführerisch. Als sie vorübergingen, nahmen die Ober gerade die Silberhauben von den Platten und schlugen eine kleine Glocke an, die verhieß, dass das Essen bereit war.

Die beiden stellten sich an und bedienten sich mit Fleisch, Gemüse, Salat und Dessert. Clay führte sie zu einem kleinen Tisch, von dem aus sie später einen perfekten Blick auf das Feuerwerk haben würden.

„Hast du Hunger?“, fragte er, während er die Serviette auseinanderschlug und sich auf den Schoß legte.

„Sehr, aber ich fürchte, meine Augen waren größer als mein Magen. Ich weiß nicht, ob ich das alles essen kann. Es sieht wunderbar aus. Was hast du dir genommen? Die Rippchen oder das Beef?“

„Ein bisschen von beidem.“

Irgendwann verkündete jemand über das Mikrofon, dass das Feuerwerk bald beginnen sollte. Er bat alle hinaus, damit sie einen besseren Blick hatten.

Bevor er an das Team übergeben konnte, das für das Feuerwerk verantwortlich war, betrat Shane Delgado, der Besitzer des Bellamy Hotels, die kleine Bühne.

„Bevor es losgeht, möchte ich euch alle an etwas sehr Wichtigem teilhaben lassen.“ Er drehte sich um und strahlte Brandee Lawless an, die Frau, die sein Herz erobert hatte. „Brandee hat Ja gesagt!“

Alle wussten, von wem die Rede war. Und worum es ging. Die Liebe, die aus den Augen der beiden strahlte, war unverkennbar. Alle klatschten, einigen pfiffen, und viele riefen dem Paar ihre Glückwünsche zu.

„Danke. Wir hoffen, dass ihr bei unserem besonderen Tag dabei seid. Gabe Walsh und Chelsea Hunt werden unsere Trauzeugen sein.“

Sophie warf einen Blick über die Schulter und sah, dass Chelsea strahlte. Sie freute sich sichtlich für ihre Freundin Brandee. Chelsea arbeitete als technische Leiterin bei Hunt und Co, einer Kette von Steak-Restaurants. Neben ihr saß Gabe, Inhaber eines Security-Unternehmens und ehemaliger FBI-Agent. Auch er strahlte von einem Ohr zum anderen. Zu schade, dass die beiden nur Freunde waren, fand Sophie. Sie wirkten so, als könnten sie ein gutes Paar abgeben. Und so wie Gabe Chelsea ansah, schien er das auch zu finden.

Erneut brandete Applaus auf. Bevor Shane das Mikrofon zurückgeben konnte, ergriff Toby McKittrick es, ein attraktiver, steinreicher Rancher und Erfinder. „Da wir schon gerade bei öffentlichen Kundgebungen sind – für alle die, die es noch nicht wissen: Meine Frau Naomi und ich erwarten ein Mädchen.“ Das breite Lächeln verriet seinen Stolz auf die Frau an seiner Seite. Sie hatte ihre eigene Modesendung im lokalen Kabelfernsehen. Den Gerüchten zufolge wollte sie die Sendung nach der Geburt des Babys wieder aufnehmen. Lauter Beifall und Glückwünsche folgten seinen Worten. Die Blicke des Paares trafen sich und versetzten Sophie einen leichten Stich. So viel Glück um sie herum tat schon fast weh.

Kaum war der Applaus verklungen, als die erste Explosion die Aufmerksamkeit aller auf den Himmel lenkte. Das Feuerwerk kam in allen Farben und Formen, während das Orchester in perfektem Rhythmus dazu spielte.

Clay warf einen verstohlenen Blick zu Sophie hinüber. Sie hatte das Kinn auf die Hände gestützt und schien völlig versunken in den Anblick des Himmels. Er nutzte die Gelegenheit, um sie ausgiebig zu betrachten. Sie war einfach atemberaubend. Ihre Züge waren fast perfekt, die Lippen voll und sinnlich. Der Hals lang und schlank. Langsam drehte sie sich zu ihm herum. Das Lächeln verschwand, aber das Leuchten in ihrem Blick sagte ihm alles, was er wissen musste.

Seine Erregung war unverkennbar. Kurz entschlossen schob er seinen Stuhl zurück und erhob sich. Er reichte Sophie die Hand und zog sie auf die Beine.

„Möchtest du tanzen?“, fragte er.

„Eigentlich nicht.“

„Das Feuerwerk geht bald zu Ende. Wie wäre es, wenn wir fahren, bevor alle gleichzeitig aufbrechen?“

Sie nickte zustimmend.

Er hielt immer noch ihre Hand, als sie zur Straße eilten. Seine Limousine fuhr sofort vor. Clay half Sophie hinein und setzte sich neben sie. Er schwieg. Ihm stand nicht der Sinn nach Small Talk. Er war jetzt schon zu lange in ihrer Nähe gewesen, ohne sie in die Arme genommen zu haben. Er sehnte sich danach, in ihr zu sein. Bis es dazu kam, konnte er keinen klaren Gedanken fassen.

„Wir fahren zu mir nach Hause“, sagte er zum Fahrer.

„Wieso?“ Sophie sah ihn überrascht an.

„Du weißt, wieso.“

Der lange Wagen fuhr wie ein Blitz durch die Nacht. Er brauchte genau fünf Minuten, um das Ziel zu erreichen – das waren viereinhalb Minuten zu viel für Clays Geschmack. Im Haus brannten noch die Lichter, was es größer wirken ließ als bei Tage. Niemand begrüßte sie an der Tür.

„Wo sind deine Angestellten?“

„Sie haben heute Abend frei.“

Clay drehte sich zu Sophie herum. Ohne ein weiteres Wort zog er sie an sich und drückte seine Lippen auf ihre. Sie öffnete sich ihm spontan und empfing seine Zunge. Er zog ihren Reißverschluss nach unten und begann bereits, die Spaghetti-Träger von ihren Schultern zu schieben, als ihm bewusst wurde, dass sie sich noch vor dem Haus befanden. Ehe sie sichs versah, hob er sie hoch und trug sie hinein, direkt in sein Schlafzimmer.

Sekunden später hatte er ihr das Kleid abgestreift. Er warf seine Jacke ab und öffnete die Knöpfe seines Hemdes, ohne den Blick dabei von Sophie zu ...

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