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Babykacke riecht nach Rosen

Über die Autorin

Jill Smokler ist durch ihren Blog Scary Mommy zur Heldin einer neuen Frauengeneration in den USA geworden. Das daraus entstandene Buch Das teuflische Mama-Buch hat es bis auf die Bestsellerliste der New York Times geschafft. Verheiratet mit ihrer College-Liebe, lebt die gelernte Grafikerin mit drei Kindern und einem Golden Retriever im schönen Baltimore. Mehr Bekenntnisse von ihr und anderen Müttern auf www.scarymommy.com.

Jill Smokler

BABYKACKE
RIECHT NACH ROSEN

Eine Mutter mit Fehl und Tadel entlarvt Lügen
über das Leben mit Kindern

Aus dem Amerikanischen
von Petra Trinkaus

Für meine unglaublichen Kinder,
die mir eine Stimme gaben,
und für meinen wunderbaren Mann,
der mich zu einem in jeder Hinsicht
besseren Wesen machte.

INHALT

MUTTERSEIN HEISST

VORWORT

LÜGE NR. 1 Muttersein ist die natürlichste Sache der Welt

LÜGE NR. 2 In null Komma nichts hast du deine alte Figur zurück

LÜGE NR. 3 Mütter können ihre Kinder nicht leiden sehen

LÜGE NR. 4 Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen

LÜGE NR. 5 Kinder halten jung

LÜGE NR. 6 Eltern würde es nicht im Traum einfallen, ihren Kindern wehzutun

LÜGE NR. 7 Kinder stabilisieren eine Ehe

LÜGE NR. 8 Du bist die Erwachsene

LÜGE NR. 9 Wenn sie älter sind, bekommst du wieder mehr Schlaf

LÜGE NR. 10 Mütter kochen gerne für ihre Kinder

LÜGE NR. 11 Du bist selbst dein schärfster Kritiker

LÜGE NR. 12 Zwei oder drei Kinder – das macht kaum einen Unterschied

LÜGE NR. 13 Die Eltern haben das Sagen

LÜGE NR. 14 Am Muttertag dreht sich alles um dich

LÜGE NR. 15 Es wird leichter

LÜGE NR. 16 Durch Haustiere lernen Kinder, Verantwortung zu übernehmen

LÜGE NR. 17 Ein Haus ohne Kinder ist ein leeres Haus

LÜGE NR. 18 Ihr freut euch darauf, dass die Kinder unabhängig werden

LÜGE NR. 19 Bei den Kindern zu Hause zu bleiben ist der allerbefriedigendste Job

LÜGE NR. 20 Es ist nur eine Phase

LÜGE NR. 21 Du wirst unweigerlich sentimental

LÜGE NR. 22 Mütter teilen gerne

LÜGE NR. 23 Eltern wissen auf alles eine Antwort

NACHWORT

TEUFLISCHE MAMA-BEKENNTNISSE

DANK

MUTTERSEIN HEISST …

Muttersein heißt mitternächtliches Rufen nach einem Glas Wasser oder einem Ventilator oder einem Nachtlicht oder einer Decke oder einem Teddy oder einem Kuss oder einem Pflaster.

Muttersein heißt, Pausensnack über Pausensnack über Pausensnack zu machen, nur um den gesunden Inhalt hinter dem Autositz wiederzufinden.

Muttersein heißt, dein gesamtes Budget für andere auszugeben.

Muttersein heißt, nicht mehr zu wissen, wie sich Durchschlafen anfühlt.

Muttersein heißt, mehr Scheiße wegzuwischen, als du in deinem ganzen Leben sehen willst.

Muttersein heißt, ein dermaßen dreckiges Auto zu haben, dass du dich vor deinem eigenen Mann schämst.

Muttersein heißt, mindestens hundertmal am Tag das Wort Warum zu hören und meistens keine Antwort zu wissen.

Muttersein heißt, eine Stirn nur anfassen zu müssen, um zu wissen, welche Temperatur dein Kind hat.

Muttersein heißt, die eigene Mutter schätzen zu lernen.

Muttersein heißt, davon zu träumen, endlich auf dem Grund des Wäschestapels anzukommen, aber genau zu wissen, dass das niemals passieren wird – und selbst wenn, dass sich irgendjemand drei Sekunden später vollkotzen oder vollpinkeln wird.

Muttersein heißt, die kompletten Texte aller Lieblingslieder deines Kindes mitzusingen, obwohl sie dir tierisch auf die Nerven gehen.

Muttersein heißt, nicht eher Ruhe zu haben, bis alle deine Kinder bei dir sind, unter deinem Dach.

Muttersein heißt, dich ständig etwas kränklich zu fühlen, ohne jemals die Chance zu haben, dein Leiden auszukosten.

Muttersein heißt, nie in Ruhe pinkeln oder duschen zu können.

Muttersein heißt, mit deinem Ärmel Rotznasen abzuwischen und mit deiner Spucke schmutzige Gesichter zu säubern.

Muttersein heißt, nicht einmal mehr sagen zu wollen »Ich hab’s dir doch gesagt«, obwohl du es ihnen gesagt hast – unzählige Male.

Muttersein heißt, wenn du dich gerade voller Erschöpfung und Verzweiflung in eine Ecke verkriechen willst, pupst plötzlich eins der Kinder oder rülpst oder macht sonst irgendetwas Komisches, das dich deine Erschöpfung sofort vergessen lässt.

Muttersein ist dieser Moment, in dem du innehältst und deine Kinder anschaust, die alle auf deinem Bett hocken, atemlos und mit roten Wangen, und du denkst, dass das Einzige, das wirklich zählt auf dieser Welt, direkt vor dir sitzt. Es sind deine, und sie sind jedes Opfer und jede schlaflose Nacht wert.

Und genauso ist es der Moment zwei Sekunden später, wenn eines das andere versehentlich gegen den Arm tritt und das andere aus Rache in die gegnerische Wade beißt und du dir zum hundertsten Mal an diesem Tag wünschst, du könntest einfach die Rückspultaste drücken, um den Frieden und die Freude an deinen perfekten, fröhlichen Kindern länger als einen kurzen Augenblick zu genießen.

Waschen und wiederholen. Eine Million Mal.

Das heißt Muttersein.

VORWORT

Was hat man euch übers Muttersein erzählt, bevor ihr Kinder bekamt? Dass ihr nicht ahnen würdet, wie sehr ihr eure Kinder lieben werdet? Dass euch das Herz bricht, wenn sie sich wehtun? Dass ihr alles für sie tun werdet? Stimmt alles, gar keine Frage.

Vielleicht hat man euch aber auch noch ein paar andere Sachen erzählt: Dass Kinder eine Ehe stabilisieren. Dass es nach den anstrengenden Tagen mit einem Neugeborenen leichter wird. Dass es befriedigend ist, bei den Kindern zu Hause zu bleiben. Stimmt auch das alles? Immer? Nein. Zumindest auf mich trifft es nicht zu. In diesem Buch findet ihr alles über das Muttersein, was ich für bare Münze hielt … bis ich selbst Mutter wurde.

Mit einigen Lügen in dieser Sammlung werdet ihr euch total identifizieren, bei anderen könnten euch Zweifel an meiner Moral kommen. Das ist okay, denn als Teufelsmama war es immer mein Ziel, das Muttersein etwas zu entzaubern, um anderen Frauen zu helfen, Trost in den Erlebnissen anderer Mütter zu finden und das eigene Muttersein mit Humor zu nehmen.

Was für manche von uns eine richtige Bürde ist, empfinden andere widerum als großen Segen. Und einigen Dingen, die die einen bereitwillig und lächelnd mitmachen, würden andere jederzeit einen Eingriff am offenen Herzen vorziehen. Freiwillig Dienst im Kindergarten schieben, die Kids stundenlang an Halloween begleiten, eine Gutenachtgeschichte nach der anderen vorlesen, wenn wir eigentlich endlich selbst schlafen wollen. Manche von uns lieben diese speziellen Momente, andere würden sie sofort gegen Zeit für ihre eigenen Hobbys eintauschen. Das gehört sicher zu den schönsten Seiten des Mutterseins: Wie die DNA gleicht kein Mutterleben dem anderen.

Ich würde mich niemals als Erziehungsexpertin bezeichnen – ganz und gar nicht. Dieses Buch ist weder ein Erziehungsratgeber noch eine Gebrauchsanweisung; stellt es euch eher wie eine Alltagshilfe vor, einen Zufluchtsort, den ihr aufsuchen könnt, wenn ihr euch wie die einzige Mutter auf Erden fühlt, die die Nummer nicht mit totaler Eleganz und Leichtigkeit durchzieht. Es ist eine Methode, die nicht ganz so einfachen Seiten des Mutterseins mit Humor zu nehmen. Denn so wunderbar Muttersein auch ist, es ist auch die schwerste Arbeit der Welt, und wir würden alle verrückt, wenn wir nicht über uns selbst lachen könnten.

Das zumindest stimmt auf jeden Fall.

Lüge Nr. 1
MUTTERSEIN IST DIE NATÜRLICHSTE SACHE DER WELT

023.tif

Ich bin CEO bei einem der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Ich spreche drei Sprachen. Ich habe Multimillionen-Dollar-Deals durchgezogen, ohne ins Schwitzen zu geraten. Ich brauche jedoch nur daran zu denken, dass es Zeit wird, meine drei Kinder ins Bett zu bringen, und schon schnürt es mir die Kehle zu.

Teuflisches Mama-Bekenntnis Nr. 208830

Es gab einmal eine Zeit, da ich mich unerwartet in anderen Umständen und zu Tode geängstigt fand. Wenn ich offensichtlich nicht einmal genug Verantwortungsgefühl besaß, um erfolgreich zu verhüten, stand wohl ziemlich eindeutig fest, dass ich erst recht nicht genug Verantwortungsgefühl besaß, um ein Kind in die Welt zu setzen. Ein paar Tage, nachdem ich auf jede Art von Stäbchen gepinkelt hatte, das der Drugstore im Angebot hatte, suchte ich zur Bestätigung einen Gynäkologen auf. Als ich hyperventilierend auf dem Behandlungstisch lag und diese Nacht mit der einen Margarita zu viel vor meinem geistigen Auge auftauchte, tröstete mich eine freundliche Krankenschwester. Es war eine liebe ältere Frau im verwaschenen Kittel, aus der die Erfahrung und Weisheit vieler Jahre sprachen.

»Süße«, sagte sie vertraulich mit ihrer tiefen, beruhigenden Stimme, »Muttersein hat man im Blut. Sie werden es lieben.«

Das war das erste Mal, dass ich auf eine erwachsene Frau in einem altmodischen Krankenhauskittel hörte, und zugleich das letzte. Sie lag nicht ganz falsch; der letzte Teil ihrer Binsenweisheit hat sich durchaus als zutreffend erwiesen.

Fast zehn Jahre sind seit diesem Tag vergangen, und ich liebe es, Mutter zu sein, wie ich nichts zuvor in meinem Leben geliebt habe. Ich habe drei wunderbare und lustige und unglaubliche Kinder, für die ich ohne nachzudenken mein Leben hingeben würde. Sie sind ganz ohne Zweifel das Beste, das mir je passiert ist. Aber im Blut? Nein, leider nicht. Muttersein liegt einem nicht zwangsläufig im Blut.

Was mir im Blut liegt: Essen. Schlafen. Komfort. Privatsphäre. Im Grunde all das, das mir Schwangerschaft und Kinder brutal geraubt haben.

Fangen wir mit der Schwangerschaft an – nicht gerade das, was ich »natürlich« nennen würde. Ich habe fast meine gesamten neun Monate damit zugebracht, mir die Eingeweide aus dem Leib zu kotzen. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich nicht essen, was ich essen wollte, sondern war die Geisel eines geheimnisvollen Geschöpfs, das mir meine Ernährung diktierte. Ich lechzte nach Thunfischsandwiches auf Weißbrot, belegt mit Kartoffelchips, während mir bei meinem gewohnten Frühstück aus Cheerios plötzlich übel wurde. Das Baby, das ich nicht kannte, verhinderte, dass ich eine bequeme Schlafposition fand, und ließ mich alle drei Sekunden ins Bad rennen, um zu pinkeln. Es fiel mir schon schwer genug, mich daran zu gewöhnen, das Bad mit meinem Mann zu teilen, als wir zusammenzogen. Mein Körper – das Einzige, das jemals mir und nur mir gehörte – gehörte jetzt jemand anderem. Was soll daran natürlich sein?

Die Geburt war für mich ebenfalls ein ausgesprochen unnatürliches Erlebnis. Ich saß auf einem Stuhl, die Beine praktisch über dem Kopf, und fühlte mich wie eine Akrobatin, die Ärzten und Schwestern ihre Kunststücke vorführte. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn jemand Popcorn gemacht hätte. Fast während der gesamten Geburt beneidete ich die Frauen, die sich aufs Klo setzen und ihr Baby quasi ausscheißen. Bizarr, sicher, aber die sind wenigstens allein, in einem Zimmer, in dem sie gewohnheitsmäßig Sachen ausscheiden, und die Schwerkraft arbeitet für und nicht gegen sie. Das klingt für mich verdammt viel natürlicher!

Sobald das Baby kommt, soll frau plötzlich genau wissen, was für das Kind am besten ist, als würde die mütterliche Intuition gleichzeitig mit der Milch einschießen. Wisst ihr was? Tut sie nicht. Diese erste gemeinsame Autofahrt nach Hause fühlte sich für mich so natürlich an, als würde ich ein Raumschiff auf geradem Weg zum Mars steuern.

In den ersten Tagen und Wochen zu Hause mit einem Baby kam ich mir eher so vor, als hätte man mich engagiert, die Mutterrolle zu spielen, nicht so, als sei ich Mutter. Hätte ich mich über Nacht nicht verwandeln und plötzlich alle Antworten wissen müssen? Das hatte ich zumindest erwartet, aber ich blieb genau dieselbe wie zuvor, außer dass ich nun für einen anderen Menschen außer mir selbst verantwortlich war. Ich erinnere mich, wie mir eine Freundin erzählte, das Baby würde durch sein Schreien kommunizieren und ich könnte die Schreie dekodieren, wenn ich mir Mühe gab. Hatte es Hunger? War ihm warm? Kalt? Nass? Die Babysprache beherrschte ich offensichtlich nicht, denn für mich klang jeder Schrei genau gleich: wie ein Baby, das schreit.

Bei Baby Nummer zwei wurde es auch nicht natürlicher, auch wenn ich mir einredete, ich hätte die Sache jetzt im Griff. Hatte ich nicht. Als Ben ein paar Monate alt war, wurde er krank. Nicht richtig krank – nur ein hartnäckiger Husten nach einer kleinen Erkältung. Ich hatte so einen Winter schon mit Lily durchgemacht, also wusste ich, wie es läuft. Mann, ich war inzwischen Expertin!

Seine Nase war verstopft, aber er war gut gelaunt, und im Herzen wusste ich, dass alles in Ordnung war. Ich hatte kein ungutes Bauchgefühl, und das hätte ich doch bestimmt gehabt, wenn es etwas Ernstes gewesen wäre, nicht wahr? Eine oder zwei Wochen später ging ich wegen einer Routineuntersuchung mit Ben zum Arzt. In Sekundenschnelle erkannte der Doktor, dass etwas nicht stimmte und dass die »kleine Erkältung« Bens Lunge angegriffen hatte. Er bekam eine Sauerstoffmaske, und ich schluchzte und erkannte das Pfeifgeräusch immer noch nicht, das alle anderen beim ersten Ton identifizieren konnten.

Dann war da die Sache, als Lily aus dem Etagenbett fiel und ich hundertprozentig sicher war, dass sie mit ihrem Geschrei bloß eine Show abzog. Ihr Arm sah überhaupt nicht wie gebrochen aus, und sie neigte schon immer dazu, sich in den Mittelpunkt zu spielen. Mutter weiß es am besten, Kind, hör auf zu weinen! Ich gab ihr Tylenol und steckte sie ins Bett. Als sie aufwachte, war ihr Arm auf den doppelten Umfang angeschwollen, und sie konnte ihn nicht bewegen, ohne dass ihr Tränen in die Augen traten. Seitdem bin ich mir sicher, dass auffällige fluoreszierende Gipsverbände extra deshalb erfunden wurden, um Müttern wie mir vor Augen zu halten, wie lausig unsere Intuition oft ist. In meinem Fall wurde ich acht Wochen an mein eklatantes Versagen erinnert.

Nach neun Jahren Muttersein habe ich, was meine Kinder angeht, immer noch nicht jenen sechsten Sinn, der Müttern angeblich im Blut liegt. Ich behalte sie zu Hause, wenn sich eine Stunde später herausstellt, dass sie einfach nur nicht in die Schule gehen wollten, und ich schicke sie mit Schnupfen los, nur um kurz danach einen Anruf von der Schulkrankenschwester zu bekommen, dass ich sie abholen soll. Ich komme immer noch nicht auf die Idee, ihnen Frühstück zu machen, wenn sie nicht danach fragen, und ich denke nie daran, sie vor längeren Autofahrten aufs Klo zu schicken.

Die gute Nachricht: Sie sind keine Babys mehr, deren Geschrei immer gleich klingt. Meine Kids sagen mir heute ganz genau, was sie brauchen und wann sie es brauchen. Weiß Gott, ich brauche jede Hilfe, die ich kriegen kann. Die schlechte Nachricht? Jetzt sind sie überhaupt nie mehr still.

Mamifinitionen

MAMAS GESETZ: Ein ehernes Gesetz, das besagt, dass nur frische Bettwäsche vollgepinkelt wird, dass komplett in Schneeanzüge verpackte Kinder sofort lospullern müssen und dass in dem Augenblick, wo frau sich mit einer Tasse Kaffee hinsetzt, die Hölle losbricht.

MAMALUSORISCH: Sich einreden, erholsamer Schlaf sei tatsächlich möglich.

MSW (MÜTTERLICH SENSORISCHE WAHRNEHMUNG): Beim ersten Klingeln des Telefons wissen, dass die Schule anruft, weil das Kind krank ist.

MAMAFLEX: Beim Niesen/Husten/Lachen instinktiv die Beine zusammenpressen, um die Blase in Schach zu halten.

MAMÄRMEL: Bis zum Ellbogen hochgekrempelte Ärmel, die als Taschentücher für Rotznasen dienen.

MAMASONISCHES GEHÖR: Genau wissen, welches Kind die Treppe herunterkommt, basierend auf Tempo und Stampflautstärke.

MAMAKUSTISCHES VERSTEHEN: Die Fähigkeit, mehrere laute, lästige, einander überschreiende Kinder mühelos zu verstehen.

MAMATASKING: Die Fähigkeit, hundertmal mehr auf einmal zu tun als Nichtmütter.

MAMNESIE: Vergessen, wo man seine Schlüssel, seine Sonnenbrille, sein Portemonnaie, seine Schuhe hingelegt hat, aber gleichzeitig die Stundenpläne sämtlicher Kinder auf die Minute genau im Kopf haben.

MAMAPHANIE: Die Erkenntnis, dass frau nicht die geringste Ahnung hat, was zum Teufel sie da macht.

Lüge Nr. 2
IN NULL KOMMA NICHTS HAST DU DEINE ALTE FIGUR ZURÜCK

022.tif

Hätte ich gewusst, was das Kinderkriegen mit meinem Körper macht, wäre ich auf der High School öfter nackt herumgelaufen. Und hätte Fotos gemacht.

Teuflisches Mama-Bekenntnis Nr. 192319

Lautet die Antwort bei Jeopardy »Nach der Geburt seine alte Figur wiederzubekommen«, wäre die passende Frage: »Auf welche dreiste Lüge fallen Generationen von Frauen herein?«

Ladys, es führt kein Weg darum herum, tut mir schrecklich leid: Ihr werdet nie wieder eure alte Figur haben. Nie wieder.

Fahrt jetzt nicht euren Minivan gegen einen Ampelmast oder ertränkt euren Kummer in sieben Eimern Schokoladeneis. Mit ungeheurer Anstrengung und gesegnet mit Genen, die sich sogar von den Möglichkeiten der Hölle erholen, sieht frau möglicherweise auch nach einem Baby passabel aus. Aber selbst jene Ausnahmewesen, die es irgendwie schaffen, nach den Kindern besser auszusehen – selbst diese Frauen verstecken insgeheim die Spuren der Schwangerschaft, die sich auf immer in ihren Körper eingefressen haben. So ist das nun mal.

Vor meiner Umwandlung zur Gebärmaschine waren Schuhe das, wofür ich bereitwillig viel Geld ausgab. Meine Taillenweite fluktuierte ein bisschen, je nachdem wie viel ich trank oder wie oft ich essen ging, aber Schuhe schienen mir eine kluge Investition. Das perfekte Paar sexy, schwarze High Heels. Herrliche kniehohe Reiterstiefel. Überteuerte, Strass besetzte Slipper, bei denen mir jedes Mal vor Glück schwindlig wurde, wenn ich sie trug. Ich liebte sie alle und betrachtete sie häufig voller Bewunderung. Wir führten ein glückliches Leben miteinander. Und dann musste ich hingehen und ein verflixtes Baby bekommen.

Ich hatte damit gerechnet, dass meine Füße in der Schwangerschaft anschwellen würden, aber nicht damit, dass sie nie wieder auf ihre frühere Größe zurückschrumpfen. Waren Füße nicht das einzig Bleibende, auf das ich im Leben zählen konnte? Es sind Füße, verflucht und zugenäht – sie wachsen nach dem achtzehnten Geburtstag nicht mehr. Oder sollten es zumindest nicht. Wie zum Hohn stand meine Leder- und Wildlederkollektion jahrelang in meinem Schuhschrank, bevor ich sie schließlich mit Tränen in den Augen an eine kinderlose Cousine verschenkte. Immer noch winde ich mich jedes Mal vor Scham, wenn ich einem Schuhverkäufer meine Größe verrate.

Dabei ist ein Schuhopfer noch das Wenigste. Ich habe eine Freundin mit umwerfender Figur, deren Beine heute wegen einer Durchblutungsstörung während der Schwangerschaft so mit Krampfadern durchzogen sind, dass sie selbst bei 30 Grad im Schatten Hosen anzieht. Eine andere trägt einen krausen Mopp auf dem Kopf und trauert ständig der seidigen Mähne nach, die ihr vor der Geburt ihrer Tochter beschert war, und eine dritte muss ihren Schwabbelbauch immer wie ein Unterhemd in die Hose stopfen.

Ihr könnt auch als Mutter eine gute Figur machen, keine Frage. Aber ihr werdet nie, nie wieder so aussehen, wie ihr vorher wart. Ein Jammer, dass ihr euch wahrscheinlich nicht daran erfreut habt, solange ihr es hattet.

Und nicht genug damit, dass ihr euch von eurem flachen Bauch, den straffen Brüsten und eurer glatte Stirn verabschieden müsst, führen Kinder obendrein dazu, dass man den Verstand verliert. Sicher, der Verlust eines voll funktionierenden Gehirns ist nichts im Vergleich zu sockenförmigen Titten, aber frustrierend ist er doch. Schlimmer noch, das Verlorene kommt nie wieder zurück.

Eine Zeitlang schob ich meine neuerworbene Zerstreutheit auf das Schwangerschaftshirn. Später machte ich die stumpfsinnige Routine von Füttern und Wickeln und Bäuerchen, hundertmal am Tag, für meine Blödheit verantwortlich. Danach war es nur die Nebenwirkung des ständigen Hörens von Laurie Berkner und den Wiggles. Bei diesem Quatsch würde wohl jeder irre! Ich erfand eine Ausrede nach der anderen. Irgendwann aber ging mir auf: Das Kinderkriegen hatte nicht nur meinen Körper ruiniert, sondern mich auch zur Idiotin gemacht.

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