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Auswahlband Hundegeschichten März 2019

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Inhaltsverzeichnis

  • Auswahlband Hundegeschichten März 2019
  • Copyright
  • Bodo, wir gehen Gassi!
  • Himmelthor und Hondo
  • Der Geist von Laika
  • Der Beschützer
  • ​UNTERSCHÄTZE NIEMALS BOBO!

Auswahlband Hundegeschichten März 2019

Alfred Bekker, Bodo Nein, Rolf Ronck, Horst Bieber

Dieses Buch enthält folgende Hundegeschichten:


Bodo Nein: Bodo, wir gehen Gassi!

Rolf Ronck: Himmelthor und Hondo

Alfred Bekker: Der Geist von Laika

Alfred Bekker: Der Beschützer

Horst Bieber: Unterschätze niemals Bobo!


Bodo, der Cockerspaniel, erzählt aus seinem Leben. Was man als Hund so alles erlebt...


Stellen Sie sich vor, Sie lesen in einer Zeitung einen Artikel über die jüngste Ausstellung der Werke eines stadtbekannten Fotografen, und ihr Blick fällt auf ein Foto, auf dem der Meister abgelichtet ist.

In diesem Augenblick wissen Sie, das ist genau der Mensch, mit dem Sie zukünftig zusammenleben wollen.

Und nun will es das Schicksal, dass Sie eben diesen Menschen, an einem sonnigen Frühlingstag auf einer Parkbank sitzend, entdecken.

Sie setzen sich zu ihm und warten auf eine Gelegenheit, ihn von Ihren Zukunftsplänen zu überzeugen.

Er kennt Sie zwar nicht, aber Sie wissen bereits einiges über das Ziel Ihrer Begierde: Er ist ledig, finanziell unabhängig und lebt alleine in einem großen Haus. Auch verfügt er über genügend freie Zeit…was diesen Menschen für Sie besonders attraktiv macht ist, dass Sie davon ausgehen können, dass er über einen gefüllten Kühlschrank, ein Sofa und ein Fernsehgerät verfügt.

Und was will man mehr, wenn man ein Hund ist?

Bodo, wir gehen Gassi!

von Bodo Nein






Bodo, der Cockerspaniel, erzählt aus seinem Leben. Was man als Hund so alles erlebt...


Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de




1

Hallo, mein Name ist Bodo Nein. Heute will ich euch mal ein bisschen aus meinem Leben erzählen. Ich finde nämlich, dass es ganz viele interessante Dinge gibt, die ich so erlebe, die aber niemals erwähnt werden.

Meinen Namen haben mir Frauchen und Herrchen gegeben. Eines Tages standen sie vor meinem Käfig und Frauchen sagte: „Oh, ist der süüüß. Wollen wir nicht den mit nach Hause nehmen?“

Ich habe dann auch total süüüß geguckt, weil ich ja schon bei den anderen gesehen habe, dass besonders die, die süüüß gucken, nicht länger im Käfig bleiben müssen, sondern mitgenommen werden.

Herrchen war erst noch ein bisschen skeptisch. Er sagte: „Ein Cockerspaniel? Diese Rasse gibt es noch? Ich dachte, die sind schon ausgestorben.“

Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich was ganz Besonderes bin.

Ich habe dann noch etwas süüüßer geguckt, sodass Frauchen ganz hin und weg war und mich mal streicheln wollte. Und da wusste ich, ich habe gewonnen.

Ich habe nämlich ein seidenweiches Fell und wer mich einmal gestreichelt hat, der will nicht mehr aufhören. Und so kam es dann auch.

Frauchen versuchte es dann auch mit ' dem Blick' bei Herrchen. Sie hat irgendwie mehr Übung. Auf jeden Fall hat Herrchen sofort zugestimmt und ich war im Rudel.

Und wir sind ein tolles Team. Frauchen heißt Lara, so sagt Herrchen zu ihr oder Mausi (Frauchen ist aber definitiv keine Maus! Ich habe an ihr geknabbert. Sie hat zwar gequieckt, aber sie schmeckt nicht nach Maus.) und Herrchen heißt Martin.

Ja und mein Name ist Bodo Nein. Bodo hieß ich auch schon im Heim. Nein ist, so vermute ich, unser Familienname. Denn erst seitdem ich zum Rudel gehöre, sagt Frauchen immer wieder zu mir: „Bodo! – Nein!“, und ich glaube, 'Bodo Nein' ist vermutlich mein kompletter Name. Warum sollten sie mich sonst dauernd so anreden? Manchmal nutzen sie aber auch nur die Kurzform und rufen mich 'Bodo'.

Ich bin ein Cockerspaniel und, wie bereits erwähnt, so gut wie ausgestorben. Jeder, der sich mit uns unterhält, erwähnt das. Es ist schön, so etwas Einzigartiges zu sein.

Die beiden haben mich dann tatsächlich mit nach Hause genommen. Wir fuhren mit dem Auto – ich finde Autofahren toll – und kamen schließlich zu einem Haus mit großem Garten. Ich habe mich so doll gefreut, dass ich fast ins Auto gepinkelt habe. Ich konnte mich aber gerade noch beherrschen, denn ich wollte ja nicht gleich wieder zurück gebracht werden. Ist alles schon vorgekommen bei meinen Mitheimbewohnern.

Also, ich konnte mein Glück kaum fassen und wollte mir alles sofort genau angucken. Und das Erste, was ich sah, als ich aus dem Auto kletterte, war Miezi.

Miezi sollte meine Katzenschwester werden, aber wie es schien, sah sie das total anders. Ich freute mich sofort, sie kennenzulernen und sie... knallte mir erst mal eine und fauchte mich unglaublich an. Danach verzog sie sich. Ich glaube, sie war beleidigt. Vermutlich hatten Frauchen und Herrchen nicht mitgeteilt, dass ich ab sofort auch zum Rudel gehöre. Aber damit muss sie lernen klarzukommen. Für mich ist es auch nicht einfach, eine Katze als Schwester zu haben. Aber besser als im Tierheim ist es allemal, hoffe ich.



2

Im Haus habe ich erstmal alles beschnüffelt. Und dann entdeckte ich ein Körbchen nur für mich. Ich habe es mir gleich darin bequem gemacht. Frauchen und Herrchen haben total angefangen zu lachen. Hallo, was soll das denn? Sich über mich lustig machen, aber selber ein zu kleines Körbchen für mich anschaffen.

„Bodo, nein. Das ist nicht dein Körbchen. Das gehört Miezi. Du bekommst auch noch ein eigenes“, sagte Frauchen.

Woher sollte ich das denn wissen? Bequem war es schon, aber etwas beengt. Stören würde mich das nicht. Als ehemaliger Tierheimbewohner ist alles besser als Tierheim. Aber okay, ich will mich nicht mit Miezi anlegen. Die hat ältere Rechte und das ist mir schon klar.

Ich stand also wieder auf. Gerade noch rechtzeitig, denn jetzt kam Miezi ins Zimmer gefegt, fauchte mich an und rollte sich dann in ihr Körbchen.

Ich wedelte sie ein wenig verhalten an, aber sie ignorierte das. Das würde sicher noch dauern, bis wir Freunde werden.

„Glaubst du, die werden sich irgendwann vertragen?“, fragte Herrchen.

Klar, doch. An mir soll es nicht liegen.

Frauchen teilte meine Einstellung. „Ich denke schon. Bodo ist doch ein ganz Lieber.“

Ich wedelte sie freudig an. Wo sie Recht hat, hat sie Recht!



3

Ich lebe nun schon eine Weile bei Herrchen und Frauchen. Und was soll ich sagen, es ist fantastisch. Ich hoffe, ich darf für immer hier bleiben.

Gassi gehen ist das Tollste überhaupt. Sobald Herrchen nach Hause kommt, mache ich ihm erstmal klar, dass Frauchen überhaupt noch nicht mit mir raus war. Wenn ich Glück habe, geht Herrchen sofort mit mir los, bevor er auf Frauchen trifft.

Dann machen wir immer die große Runde, die ich vorher auch schon mit Frauchen gemacht habe. Das weiß Herrchen aber nicht!

Gut, manchmal fliege ich auf. Aber bislang gab es noch keinen Ärger deswegen. Meistens sagt Frauchen nur: „Bodo, du bist mir ein Schlingel! Hast du wieder die 'Ich war heute noch gar nicht draußen' – Nummer abgezogen.“

Dann wedel ich immer ganz doll und denke: Ja, und ihr seid wieder mal darauf reingefallen! Die Beiden sind so beeinflussbar.

Das einzig Blöde beim Gassi gehen ist, dass ich mir jedesmal ein paar Zecken einfange. Ich glaube, die lauern im Gras auf mich und warten nur darauf, dass ich endlich vorbei kommen. Dann springen sie, schwupps, auf mich.

Im Allgemeinen bekomme ich das gar nicht mit, weil es so viel zu riechen und zu gucken gibt.

Aber Zuhause untersucht Frauchen mich immer und dann holt sie die Zange. Damit zieht sie mir die Zecken aus der Haut. Das ist sowas von unangenehm. Obwohl sie mir immer einzureden versucht, das sei alles gar nicht so schlimm.

Danach lasse ich mich immer erstmal ausgiebig von Herrchen trösten. Das kann er so toll. Er krault mir dann den Bauch oder hinter den Ohren. Und meistens gibt es einen Keks, der schmeckt fantastisch.

Im Moment versuche ich ihm gerade beizubringen, mir Leckerlis zu geben, wann immer ich welche möchte. Er ist da ganz gelehrig. Es funktioniert noch nicht immer, aber immer besser.

Neulich gab es ein Leckerli, als ich die Pfote gehoben habe. Herrchen war schwer beeindruckt. Den Trick kenne ich noch aus dem Tierheim. Jetzt setze ich mich oft vor ihm hin und hebe die Pfote. Ich übe das solange, bis er versteht, was ich möchte. Manchmal muss ich die andere Pfote heben, aber irgendwann versteht er immer, was ich will.

Allerdings lasse ich ihn in dem Glauben, dass er mir was beibringt. Ich glaube, das ist ihm angenehmer. In Wahrheit ist es aber anders herum.



4

Als Frauchen letzte Woche von der Arbeit nach Hause kam, bekam ich schlimm Ärger. Und zwar weil der Wohnzimmer-Teppich total nass war. Aber das war ich nicht. Ehrlich!!!

Ich erzähle euch mal, wie es wirklich war.

Morgens gehen erst Herrchen und dann Frauchen aus dem Haus. Dann heißt es immer: „Bodo, wir fahren jetzt zur Arbeit. Sei ein braver Hund.“

Meistens kommt einer von beiden Mittags nach Hause. Dann werde ich zuerst ganz doll geknuddelt und dann gehen wir Gassi. Das ist dann immer herrlich, weil ich mir das Pinkeln den ganzen Morgen verkneifen musste.

An diesem Tag war alles anders. Herrchen und Frauchen waren gerade weg, da hörte ich ein seltsames Geräusch aus dem Wohnzimmer. Zuerst dachte ich Miezi wäre gekommen. Sie hat in der Tür so eine Katzenklappe, durch die ich leider nicht durchpasse. Sie darf kommen und gehen wann immer sie will. Gerecht ist das nicht, aber darum geht es jetzt nicht.

Also, ich bin dann ins Wohnzimmer, um mal zu gucken, ob da Miezi ist oder vielleicht ein Einbrecher.

Stattdessen sehe ich, dass Wasser aus dem Glasbehälter in einem dicken Strahl herausschießt. Warum dieses Teil im Wohnzimmer steht, weiß ich noch nicht genau. Aber außer dem Wasser sind ein paar seltsame Pflanzen darin und irgendwelche Tiere, die immer unter Wasser sind. Ich habe noch nie gesehen, dass sie herauskommen, um Luft zu schnappen. Aber ich habe mich bislang auch nicht sonderlich dafür interessiert.

Allerdings bin ich mir sicher, dass es nicht in Ordnung ist, dass das Wasser herauskommt. Ich laufe also ein wenig durch das Wasser und wälze mich auf dem Teppich. Habe ich erwähnt, dass ich Wasser mag? Außer baden. Das ist widerlich!

Schließlich belle ich den Glasbehälter an. Nutzt allerdings nichts. Nach einer Weile tröpfelt es nur noch, aber der Boden im Wohnzimmer ist schon ziemlich nass. Ich denke noch so bei mir, ob ich wohl Ärger deswegen bekommen könnte. Denn schließlich bin ich ganz allein zuhause und Frauchen oder Herrchen könnten auf die blöde Idee kommen, das ganze Wasser sei meine Schuld.

Bis Mittags war schon einiges an Wasser versickert und im Teppichboden verschwunden. Und dann kam Frauchen. Ich habe mich total gefreut und ihr gleich gezeigt, was im Wohnzimmer passiert ist. Sie hat allerdings zuerst nur auf den Teppich geschaut und ganz streng „Bodo!“ gerufen.

Da habe ich mich zuerst ein wenig verdrückt. Sie rief dann nochmal sehr streng „Bodo!!“. Es half alles nichts. Ich bin also zu ihr ins Wohnzimmer und habe schuldbewusst geguckt. Normalerweise hilft das bei Frauchen. Diesmal nicht.

Sie kam gleich an und meinte: „Du böser Hund! Du kannst doch nicht den ganzen Teppich vollmachen. Bist du ein Elefant?“

Ich habe sie erstaunt angeschaut. Keine Ahnung, ob ich ein Elefant bin. Was ist das denn? Ich habe mir allerdings schon gedacht, dass sich ihre Frage auf den nassen Teppich bezog und habe versucht, ihr klar zu machen, dass das Wasser aus dem Glasbehälter kam.

Frauchen schaute schließlich hoch, wurde ganz bleich und murmelte die ganze Zeit: „ Oje, oje.“

Dann lief sie in den Keller und holte eine große Plastikwanne nach oben.

Na, toll, jetzt muss ich bestimmt auch noch baden.

Aber nein, Frauchen füllte einen Rest vom Wasser des Glasbehälters in die Plastikwanne und dazu die Tiere, die im Wasser mit dem Bauch nach oben schwammen.

Frauchen schien irgendetwas zu betrüben, denn sie meinte: „Hoffentlich überleben die Fische das.“

Nach der Aktion rief sie Herrchen an, der ihr wohl versprach, gleich zu kommen und einen neuen Glasbehälter mitzubringen. Nach dem Gespräch wirkte Frauchen wieder sehr viel freundlicher.

Ich wagte es, mich in ihre Nähe zu begeben, denn ich musste nun wirklich sehr nötig.

Sie schaute mich an und sagte: „Ach Bodo, ich habe dich fälschlicherweise beschuldigt. Tut mir leid!“

Ich schnaubte nur kurz und jammerte ein bisschen. Entschuldigung angenommen, aber jetzt musste ich so nötig, dass es fast aus mir rauslief.

Frauchen bemerkte meine Notlage endlich und ließ mich erstmal in den Garten. So kam es zumindest nicht zu einer weiteren Überschwemmung!



5

In der Nachbarschaft gibt es seltsame Hunde. Sie sind einiges größer als ich und schauen mich immer so unheimlich an. Sie sind aber nicht böse und bellen auch nie.

Frauchen sagt manchmal: „Komm, Bodo, wir schauen uns die Alpakas an.“

Dann weiß ich, es geht wieder zu den riesigen Hunden. Allerdings habe ich noch nie etwas von Alpaka-Hunden gehört. Aber egal, sobald wir an der Wiese ankommen, läuft die ganze Gruppe zum Zaun und schaut mich an. Die haben bestimmt auch schon kapiert, dass ich als Cockerspaniel etwas ganz Besonderes bin.

Frauchen lacht dann immer und sagt: „Ja, Bodo, die denken bestimmt, du bist ein Baby-Alpaka!“

Okay, ich habe mindestens ebenso seidenweiches Fell wie die Alpaka-Hunde.

Aber warum sind die so groß? Das verstehe ich nicht. Muss eine besondere Züchtung sein. Vielleicht die Vorfahren der Cockerspaniel?

Herrchen beschäftigt sich mit Archäologie, hat Frauchen erzählt. Also allem was alt ist, auch alten Knochen. Hoffentlich bringt er mal einen mit nach Hause. Ich mag alte Knochen. Besonders, wenn schon ein paar Maden daran herumkriechen.

Aber ich komme vom Thema ab.

Ob Herrchen wohl weiß, ob Alpaka-Hunde die Vorfahren der Cockerspaniel sind? Über die Jahrhunderte sind wir immer kleiner geworden. So muss es wohl sein. Ansonsten ist es unverständlich, warum wir uns so ähneln und mögen.


6

Als Cockerspaniel hat man längere Ohren als alle anderen Hunde. Manche Hunde belächeln einen deswegen, aber die wissen gar nicht, wie toll es ist, lange Ohren zu haben und auch wie praktisch.

Ich erkläre das jetzt mal: Ein wirklich schöner Tag, die Sonne scheint und dann lege ich mich am Liebsten direkt hinter die Terrassentür zum Dösen. Da habe ich alles im Blick, was draußen und drinnen passiert. Manchmal blendet allerdings die Sonne und wenn ich dann etwas schlafen will, hat es sich bewährt, mit einer schwungvollen Kopfbewegung ein Ohr über die Augen zu werfen.

Neulich hatte ich zu viel Schwung und es klappte nicht. Ich schaute rüber zu Herrchen, aber der verstand nicht, was ich wollte.

„Was ist los Bodo? Warum zuckst du so mit dem Kopf? Du hast doch hoffentlich keine Flöhe?“, fragte er. Ich seufzte. Manchmal kapiert er einfach nicht, was ich möchte. Also startete ich einen erneuten Versuch und diesmal blieb das Ohr auf den Augen liegen und ich versuchte, etwas zu dösen.

Im Hintergrund hörte ich noch, wie Herrchen Frauchen erzählte, was ich gerade gemacht hatte.

Sie kam extra ins Wohnzimmer, um sich das anzugucken.

Die Beiden sind wirklich leicht zu beeindrucken.



7

In der Nachbarschaft wohnt ein Weibchen, das mag ich wirklich sehr gerne. Immer, wenn ich rausgehe, gehen Frauchen oder Herrchen mit mir an ihrem Grundstück vorbei. Und Bella wartet dann schon hinter dem Zaun auf mich. Leider lässt ihr Frauchen mich nicht zu ihr. Wir rennen dann am Zaun entlang nebeneinander her, so als würden wir gemeinsam laufen. Manchmal stehen wir auch am Zaun und ich darf sie beschnüffeln. Bella riecht wunderbar. Und danach darf Bella mich beschnüffeln.

Bella ist ein Golden Retriever. Wenn die Sonne auf ihr Fell scheint, glänzt es ganz seidig. Sie ist etwas größer als ich, aber mich stört das nicht und Bella auch nicht.

Herrchen sagt immer: „Bodo hat keine Angst vor großen Frauen, das zeigt, dass er innere Größe besitzt.“ Was immer das auch heißen mag... Ich lasse mich auf jeden Fall nicht von Äußerlichkeiten ablenken, der gute Geruch und natürlich innere Werte zählen.

Frauchen hatte vor ein paar Tagen eine Idee. Ich sage nur, Frauen und ihre Ideen. Sie hat ein neues Shampoo mitgebracht. Jetzt bin ich ja grundsätzlich nicht so der Badetyp, ich glaube, das erwähnte ich auch schon mal. Aber Frauchen lockte mich mit dem Versprechen, ich bekäme davon so seidig glänzendes Fell wie Bella und einen Keks.

Gut aussehen sollte man ja auch als Hund. Und ein Keks ist auch nicht zu verachten. Ich habe mich also baden lassen und abrubbeln und als ich dann richtig trocken war, schlug Frauchen vor, Gassi zu gehen.

Als wir an Bellas Grundstück vorbeikamen, war meine liebe Bella draußen und begrüßte mich schon von Weitem laut bellend.

Ich hin zum Zaun, damit wir uns beschnüffeln können. Schließlich wollte ich wissen, was sie von meinem neuen Shampoo hält.

Bella kommt angelaufen, beschnüffelt mich und … fängt an zu kotzen. Also echt, was war denn jetzt das? Frauchen sagt: „Komm, Bodo. Bella geht es wohl nicht gut!“

Bellas Frauchen kommt angerannt und fängt an zu meckern, ich sei schuld, dass es ihrer Bella schlecht geht. Mein Frauchen sagt ruhig, dass das ja wohl Quatsch sei.

Bella schaut mich traurig an. Ich bin mir sicher, das lag nur an meinem neuen Shampoo. Ich habe mich gleich an der nächsten Ecke im Dreck gewälzt. Ich habe schließlich auch einen Ruf zu verlieren.

Frauchen hat mich noch nicht mal getröstet, sondern unter heftigen Lachen Herrchen davon erzählt. Wenigstens Herrchen hat verstanden, was in meiner Hundeseele vorgeht. Nicht nur, dass ich eins von meinen Lieblingsleckerchen bekommen habe, nein, Herrchen hat sogar das Shampoo weggeworfen, damit Frauchen es nicht mehr bei mir benutzen kann.

Ich hoffe nur, Bella kann mich noch riechen, wenn ich das nächste Mal bei ihr vorbeikomme.



8

Von Miezi habe ich euch ja schon erzählt. Wir sind keine guten Freunde geworden – an mir liegt es nicht – aber wir ignorieren uns und kommen deshalb ganz gut miteinander aus.

Miezi ist schon etwas älter. Also älter als ich. Frauchen sagt, Miezi sei eine Katzen-Oma. Deshalb solle ich nachsichtig sein. Aber neulich habe ich etwas Lustiges beobachtet.

Frauchen bekam ein Paket geschickt und packte alles aus. Leider war nichts für mich im Paket, das habe ich gleich gemerkt. Also habe ich mich wieder in meine Ecke gelegt.

Von dort kann ich den ganzen Raum überblicken. Noch besser ist Herrchens Platz, aber da darf ich eigentlich nicht drauf. Da ist mir neulich was passiert, aber die Geschichte erzähle ich euch später.

Also, Frauchen stellt den leeren Karton auf den Boden und was macht Miezi... Sie kommt aus ihrem Körbchen und schleicht vorsichtig um den Karton herum und dann springt sie mit Schwung – ehrlich – voll in den Karton und gleich wieder raus.

Frauchen meinte: „Na, spielen wir 'Ich-bin-ein-Katzenjunges'?“ Miezi hat nur kurz aufgeschaut, gemaunzt und ist gleich wieder in den Karton gesprungen. Dann hat sie den Karton irgendwie umgedreht und es sah aus, als würde der Karton durch die Wohnung laufen.

Das ging eine ganze Weile so. Ehrlich, so ein Verhalten habe ich bei Miezi noch nie gesehen, aber irgendwie machte es sie sympathisch. Katzen sind schon seltsame Wesen. Ich bin allerdings sehr froh, ein Hund zu sein...



9

Herrchen hat mir erzählt, wir fahren in Urlaub. Keine Ahnung, was das bedeutet. Ich bin schon sehr gespannt. Heute Morgen sind Herrchen und Frauchen nicht zur Arbeit gegangen. Herrchen sagte, heute fahren wir in Urlaub. Fahren ist ja schonmal eine tolle Sache, dachte ich mir. Also hat Urlaub etwas mit dem Auto zu tun. Und dass Herrchen und Frauchen nicht zur Arbeit müssen. Es ist irgendwie geheimnisvoll. Herrchen hat vom Schrank zwei riesige Kästen geholt und zu Frauchen gesagt, ein Koffer sei für ihre Sachen und der andere für seine.

Herrchen hat angefangen, Kleidung aus dem Schrank in den Koffer zu packen. Ich dachte mir, wenn wir mit dem Auto fahren, nehme ich mir besser meinen Lieblingsknochen und einen Ball mit. Ich habe die Sachen schon mal gesucht. Sie sind immer da, wo ich sie nicht vermute. Ich glaube ja, dass Miezi sie heimlich versteckt.

Im Wohnzimmer war Frauchen am Telefon. Ich habe gehört, wie sie sagte: „...muss hierbleiben... können wir nicht mitnehmen... einmal am Tag Essen und Wasser hinstellen reicht...“

Die sprach doch nicht über mich? Herrchen hat doch gesagt: Wir fahren in Urlaub!

Ich schnappte mir meinen Ball und lief zu Herrchen. Ich wollte auf keinen Fall allein zu Hause bleiben. Wer weiß schon, wie lange so ein Urlaub dauert. Womöglich länger, als dieses tägliche Arbeiten, wo die Beiden immer hingehen. Und wer geht dann mit mir Gassi?

Herrchen hatte inzwischen den Koffer ziemlich voll gepackt. Ich legte ihm den Ball hin. „Nein, Bodo, wir können jetzt nicht spielen. Wir fahren ja gleich los.“

Manchmal ist er aber auch schwer von Begriff. Ich schnappte den Ball und legte ihn in den Koffer. Herrchen lachte. „Ach, du willst den Ball mitnehmen? Geht klar“, sagte Herrchen und schloss den Koffer.

Mir fiel ein Stein vom Herzen. Wenn der Ball mitdarf, darf ich auch mit. Aber wer muss dann zu Hause bleiben? Frauchen kam jetzt ins Schlafzimmer und fing an, ihre Sachen in den anderen Koffer zu packen. Ich überlegte einen Moment und dann verstand ich. Miezi durfte nicht mit. In diesem Moment sagte Frauchen: „Mein Vater kommt einmal am Tag rüber und guckt nach Miezi und stellt ihr Futter und Wasser hin. Das geht klar.“

„Prima“, meinte Herrchen. Und an mich gewandt: „Das wird bestimmt toll. Dein erster Urlaub. Ich bin gespannt, wie es dir auf Norderney gefällt...“

Ich wedelte erstmal. Mit Wedeln macht man nie was falsch und Frauchen und Herrchen freut es.

Außer dieses eine Mal, wo mein Schwanz beim Wedeln immer wieder durch die Wasserschüssel sauste und alle total nass wurden, aber das ist eine andere Geschichte.

10

Autofahren ist eine feine Sache, wenn ich nicht zum Tierarzt gebracht werde. Auch wenn der Tierarzt eigentlich ganz nett ist, denn ich bekomme immer ein Leckerchen, nach der Untersuchung. Und zwar eins vom Tierarzt, allerdings mit der wirklich blöden Bemerkung, dass alles doch gar nicht so schlimm war. Doch war es und zwar jedes Mal! Und zuhause noch eins von Herrchen, der mich auch ausgiebig bedauert. Das entschädigt für vieles.

Aber ich komme vom Thema ab. Frauchen, Herrchen und ich saßen im Auto und fuhren in den Urlaub. Was immer das sein mag? Ich denke aber, es ist etwas richtig Tolles, denn beide, Frauchen und Herrchen sind total gut gelaunt und gar nicht so hektisch wie sonst manchmal. Allerdings scheint die Fahrt ganz schön lang zu dauern, denn wir haben schon zwei mal angehalten und ich dachte, wir sind da, aber nein, wir sind Gassi gegangen.

Zu Anfang habe ich noch aus dem Fenster geschaut, aber alles huschte so schnell am Auto vorbei, dass mir ganz komisch wurde. Also habe ich mich auf die Rückbank gelegt und ein wenig gedöst. Ich bin dann auch etwas eingeschlafen, denn irgendwann hörte ich Frauchen sagen: „Er ist eingeschlafen. Wie süß!“ Damit konnte sie nur mich meinen, denn Herrchen saß ja am Steuer und ich glaube, es ist nicht gut, wenn der während der Fahrt einschläft.

Nach vier Stopps und genauso vielen Keksen waren wir endlich da. Dachte ich, aber Herrchen meinte, jetzt geht es aufs Schiff und zwar mit dem Auto. Das Schiff war riesig. Und überall war Wasser. Ich hoffe nur, ich muss jetzt nicht baden. Ich glaube, ich erwähnte schon, dass ich nicht gerne bade.

Es gab so viel zu riechen. Vieles hatte ich noch nie gerochen.

Auf dem Schiff war eine Frau, die hatte eine Pudeldame dabei. Die sah einfach bezaubernd aus. Diese vielen Locken und das schwarze Fell. Und sie roch so gut.

Frauchen sagte zu Herrchen: „Schau mal, Bodo ist verliebt. So schnell hat er Bella vergessen.“

Das muss ich natürlich entschieden von mir weisen, wie könnte ich Bella vergessen? Allerdings darf man doch wohl seine Nase mal in den Wind halten und sich an angenehmen Gerüchen erfreuen.

Die Pudeldame kam dann auch etwas näher und wir konnten uns ausgiebig beschnüffeln. Irgendwann wurde es ihrem Frauchen zu viel und die beiden gingen weg.

Herrchen hatte echtes Mitgefühl. Er kraulte mich ausgiebig und meinte: „Ja, so sind die Frauen. Ehe man sich versieht, sind sie auch schon wieder weg.“ Der Keks, den ich bekam, entschädigte mich dann auch wieder.

Obwohl Frauchen meinte: „Gib ihm nicht so viele Kekse, sonst wird er noch fett.“ Also bitte, ich und fett. Ich habe einen gut trainierten athletischen Körper, umgeben von vielen seidig glänzenden Haaren. Herrchen bestätigte dies auch gleich: „Bodo ist doch nicht fett, sondern knuddelig.“ Ich konnte da nur zustimmend bellen.

„Na, ihr beide seid euch wohl wieder einig“, lachte Frauchen.

Wir blieben eine Weile auf diesem Schiff. Ich konnte meine Nase in den Wind halten. Wenn das Urlaub ist, finde ich Urlaub toll.



11

Wir sind schon eine Weile auf dieser Insel. Jeden Tag gehen Frauchen und Herrchen mit mir an den Strand. Es gibt einen Extra Strand für Hunde. Das ist wirklich klasse. Da sind eine Menge anderer Hunde und wir können ausgiebig laufen und toben. Als ich das erste Mal an dem Strand war, habe ich gedacht, ich bin im Paradies. Urlaub ist wirklich toll. Das sollte jeder mal machen.

Überhaupt haben Herrchen und Frauchen richtig viel Zeit. Wir sind jeden Tag unterwegs. Von Gassi gehen kann ich ja gar nicht genug bekommen. Im Urlaub kann ich allerdings niemandem vormachen, es wäre noch niemand mit mir rausgegangen. Das brauche ich auch nicht, denn die Beiden gehen freiwillig dauernd mit mir raus.

Ich denke jeden Tag, wie froh ich bin, dass Frauchen mich damals im Tierheim ausgesucht hat. Ein bisschen mache ich mir aber auch Gedanken, wie es Miezi geht. Aber die wird schon klar kommen!



12

Wir sind zurück! Herrchen hat gesagt, irgendwann geht auch der schönste Urlaub zu Ende. Nach vier Keksen waren wieder zu Hause. Miezi war nicht da, um uns zu begrüßen, aber sie kommt und geht ja ohnehin, wann sie will.

Falls ich das richtig verstanden habe, dann machen wir irgendwann wieder Urlaub. Herrchen hat zu Frauchen gesagt: „Bodo kann man prima mitnehmen. Wie ich es mir schon dachte. Ab sofort, darf er immer mit.“ Ich wedelte zur Bestätigung. Woraufhin Frauchen meinte: „Wie süß, als ob er uns versteht.“

Ja klar verstehe ich die Beiden. Die sprechen ja keine Fremdsprache. Manchmal ist Frauchen aber auch schwer von Begriff...



13

Ich habe Herrchen schon die tollsten Tricks beigebracht. Immer wenn ich meine Pfote hebe, bekomme ich von Herrchen einen Keks. Er freut sich dann unglaublich und lobt mich ohne Ende. Im Vertrauen, ich glaube, Herrchen hätte mir diesen Trick beigebracht, aber er kann das sehen, wie er will. Ich weiß ja, wie es ist. Die Tage hat Frauchen allerdings wohl etwas gemerkt, denn sie schaute uns eine Weile zu und meinte dann: „Wer hat hier wen dressiert?“ Ich habe dann versucht, das weniger offensichtlich zu machen.

Dabei ist mir dann prompt ein Missgeschick passiert. Herrchen meinte: „Gib mir fünf, Bodo.“

Das heißt für mich, Pfote heben. Als Herrchen mir zur Belohnung den Keks geben wollte, hat er sich so ungeschickt angestellt, dass der Keks plötzlich weg war. Ich habe ein wenig geschnüffelt, riechen konnte ich ihn noch, aber der Keks blieb unauffindbar. Mein erster Gedanke, Herrchen hätte ihn gefuttert, stimmte also nicht.

Dann dachte ich mir, ich hebe nochmal meine Pfote. In dem Moment sagt Frauchen: „ Jetzt gibst du ihn aber keinen Keks, sonst hat er dich wirklich dressiert.“

Herrchen meinte: „Bodo findet den Keks sicherlich. Ich sehe ihn ja.“

Frauchen kam näher und meinte: „ Stimmt, er steht mit seiner Pfote darauf.“ Jetzt hatte ich zumindest einen Hinweis. Nach quälend langen Stunden, es kam mir auf jeden Fall so lange vor, sagte Herrchen: „Bodo, such!“ Und dann bin ich dem köstlichen Geruch gefolgt und der Keks lag irgendwie unter mir. Aber egal, Hauptsache lecker!



14

Mit Miezi gibt es immer mal wieder Ärger. Neuerdings macht es ihr total Spaß, sich in mein Körbchen zu legen. Beim letzten Mal reichte es mir. Die bekommt jetzt Ärger, dachte ich mir.

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