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Auslandsblog – In 12 Tagen durch den Balkan

Über den Autor

Miguel Looft ist 1986 im brasilianischen Alagoinhas, Bahia geboren und in Stuttgart aufgewachsen. Nach seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann studierte er International Business. In mehreren Reisen lernte er die Menschen und Kultur des Balkans nicht nur kennen sondern lieben. Dies ist sein erstes literarisches Werk, das sich mit dem Balkan befasst.

Über das Buch

Mein Trip beginnt in München am Busbahnhof, das heißt, eigentlich erst in Tuzla, dem ersten Ziel meiner Reise. Doch das ist auch nur ein Zwischenstopp, ganz wie Srebrenica. In Potocari findet eine Gedenkveranstaltung zum 20. Jahrestag des serbischen Massakers an bosnischen Muslimen statt, doch die Landschaft ist und bleibt überwältigend. In Sarajevo, der Hauptstadt Bosniens, angekommen, freue ich mich auf die Olympic Mountains, die ehemaligen Skisprungschanzen und die Biathlonanlage. Doch auch hier lebt der Geist der Vergangenheit. Einschusslöcher und nach wie vor nicht entschärfte Minen trüben die Idylle. Mein Zwischenstopp in Podgorica stimmt mich wieder fröhlich: die Berge, der Innenstadttrubel, die hübschen Frauen. Montenegro - ein Land zum Verlieben! Über mehrere Stationen erreiche ich in einem rauchenden und überfüllten Kleinbus endlich Tirana, eine Stadt der Gegensätze. Während ich in meinem Hostel vergleichsweise viel Komfort genießen kann, hängt über den albanischen Wohnvierteln große Armut und Verzweiflung. Ein Flieger bringt mich heil nach Athen, doch auch hier gesellen sich Kranke und Bettler zu den Wahrzeichen der Geschichte. Auf dem Weg zur Akropolis sehe ich einen Obdachlosen, der dringend medizinische Hilfe benötigt. Das mindeste, was ich tun kann, ist seine verschmutzte Wunde zu desinfizieren und ihm den Verband zu wechseln. Während ich in Thessaloniki auf meine Verbindung nach Skopje warte, betrachte ich das Meer, in dem Jahr für Jahr Tausende ihr Leben lassen, in der Hoffnung Krieg und Elend zu entkommen. Die Hitze am Bahnhof macht mich fertig, aber die Flüchtlinge freuen sich über die Wasserflaschen, die ich ihnen gebe. Die Fahrt von Tetovo nach Prizren ist komplizierter als gedacht, da kaum ein mazedonischer Taxifahrer die kosovarische Grenze überqueren möchte. Abends relaxe ich auf der Veranda meines Hostels in Pristina und reflektiere die letzten zwei Wochen im Balkan. Sechs Länder in zwölf Tagen haben mir mein Herz geraubt – fliege ich morgen wirklich zurück in meine Heimat oder fliege ich nur nach Stuttgart?

Departure

Endlich Freitag und endlich Feierabend. Ich verlasse mein Büro im Münchner Stadtteil Schwabing und mache mich mit meinen beiden Rucksäcken auf den Weg zum Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB). Der ZOB in München liegt direkt an der S-Bahn Haltestelle Hackerbrücke. Als ich dort aussteige, brennt die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Ich steige die Treppen zur Brücke hinauf. Ich bin noch nicht einmal am ZOB angekommen und schon läuft mir der Schweiß die Stirn herunter. Es ist ein heißer Tag, so wie die letzten Tage auch, mit Temperaturen von über 30°C. Ich bin 30 Minuten bevor der Bus planmäßig abfahren soll dort. Als ich an meinem Bussteig ankomme, ist dieser voller Menschen, die allesamt auf die Busse warten, die hier in alle Herrenländer fahren. Ich höre viele verschiedene Sprachen und fühle mich fast etwas verloren unter den ganzen Menschen, da ich so ziemlich der einzige bin, der noch Deutsch spricht. Ich sehe zahlreiche Busse mit ausländischen Kennzeichen. Natürlich sind auch einige deutsche Busse dabei. MeinFernbus ist hier ebenfalls stark vertreten, mit seinen grünen hochmodernen Fernreisebusen, die quer durch Deutschland fahren. Ich steige jedoch nicht in einen grünen Bus ein. Ich fahre mit Eurolines nach Bosnien. Es geht direkt nach Tuzla, im Nordosten Bosniens. Vor mir liegen 14 Stunden Busfahrt, ehe ich in Bosniens drittgrößter Stadt sein werde. Es ist 19:30 Uhr, doch der Bus ist noch nicht da. Ich erkundige mich und bringe in Erfahrung, dass dieser erst in einer Stunde ankommen wird, da er auf der Autobahn 8, zwischen Ulm und Augsburg im Stau feststeckt. Ich beschließe, die Zeit zu nutzen und versorge mich noch mit Getränken und etwas Essbarem für die lange Busfahrt.

Mit einer Stunde Verspätung fährt der Bus ein, allerdings nicht auf den für ihn vorgesehenen Bussteig, da dieser nun belegt ist. Doch lotst mich der Eurolines-Mitarbeiter sicher zu meinem Bus. Sobald ich in den Bus einsteige, bin ich in einer anderen Welt. Um mich herum wird nun überhaupt kein Deutsch mehr gesprochen, auch Englisch ist nicht mehr zu hören, es geht ja auch nicht nach England, und auch die Busfahrer ziehen eine andere Sprache, nämlich ihre Muttersprache, vor. Als ich mir einen Platz suchen will, wird mir ein Sitzplatz zugeteilt. Ich sitze von nun an für die nächsten 14 Stunden neben einem alten Mann, der aus Tuzla kommt. Seine Frau sitzt in der Sitzreihe neben uns. Insgeheim hatte ich gehofft, eine Sitzreihe für mich alleine zu haben, damit ich mich ausbreiten und schlafen kann. Daraus ist allerdings nichts geworden. Zum Glück kann man die Sitze ausziehen und den Sitz zum Gang hinbewegen, was der alte Mann auch tut, nachdem ich ihn freundlich darum gebeten habe. Ich sitze also nun am Fenster.

In München ist viel Verkehr und so dauert es etwas, bis wir die Stadtgrenzen hinter uns gelassen haben. Ich lese ein bisschen in meinem Buch und als es dunkel wird, versuche ich die Augen zu schließen und etwas zu schlafen. Das gelingt mir mehr schlecht als recht. Bei unserem ersten Stopp in Österreich werde ich wieder wach. Wir haben hier zehn Minuten Zeit, um schnell auf die Toilette zu gehen und eine zu rauchen. Dass an Tankstellen normalerweise Rauchverbot herrscht, interessiert hier niemanden. Es geht weiter und ich versuche wieder etwas zu schlafen. Im Halbschlaf liege ich in meinem Sitz und werde so langsam wieder etwas munter, als wir Slowenien erreichen und hier ebenfalls eine kurze Rast von zehn Minuten machen.

Die beiden Fahrer achten wirklich peinlich genau auf die Zeit. Sobald es ihnen zu lange dauert, hupen sie kurz zweimal und dann rufen sie „Eide Eide“ und alle eilen wieder in den Bus. Ich nehme also auch wieder meinen Sitzplatz am Fenster ein und schlafe diesmal recht schnell wieder ein. Irgendwann, es ist mitten in der Nacht, werde ich wach, da es im Bus lauter wird. Wir sind an der kroatisch-slowenischen Grenze angekommen. Hier heißt es aussteigen und ab zur Passkontrolle.

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