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Aus allen Wolken fällt man auch mal weich

Über das Buch

Julia hat ein perfektes Leben – wenn auch nur auf Instagram. Stets top gestylt setzt sie dort die selbst entworfenen Armbänder in Szene, die sie in ihrem Online-Shop verkauft. In Wirklichkeit allerdings ist ihr Kölner Loft nur eine kleine Souterrainwohnung, Töchterchen Fee keineswegs eine verträumte Elfe und der Göttergatte längst ihr Ex. Ein Lichtblick in Julias Alltag ist der Bildhauer Alex von gegenüber, den sie gern heimlich bei der Arbeit beobachtet. Bis er beim Verkauf seiner Werke ihre Hilfe zu brauchen scheint. Plötzlich steht Julia vor der Frage: Wie viel ungeschöntes Leben verträgt die große Liebe?

Über die Autorin

Valerie Korte wuchs im Rheinland auf und lebt nach Stationen in Schottland, Berlin, München und Duisburg inzwischen in Köln – mit Familie und einem wuchernden Garten. Nach dem Studium der Germanistik und BWL arbeitete sie zunächst als Sachbuchlektorin und Social-Media-Managerin. Irgendwann brach sich dann ihre kreative, romantische Seite Bahn, und sie schrieb ihren ersten Liebesroman.

VALERIE KORTE

Aus allen Wolken
fällt man auch mal weich

ROMAN

Instagram-Post von Julia Braceletta

Auf dem geposteten Bild sitze ich, Julia Brass alias Julia Braceletta, beim x-ten Versuch, ein brauchbares Foto zu produzieren, hysterisch lachend am Frühstückstisch. Auf dem Tisch steht mein stilvolles Geschirr, das ich extra für diesen Zweck auf eBay-Kleinanzeigen zusammengekauft habe. Mein Haar habe ich zur perfekten Out-of-bed-Frisur auftoupiert und mit Haarlack fixiert ist noch ganz süß vom Schlaf zerstrubbelt. Ich trage Camouflagecreme, Concealer, Puder, Highlighter, Lipgloss, Wimperntusche und Augenbrauenpuder kein Make-up, schließlich bin ich gerade erst aufgestanden schon seit 5 Stunden wach, um dieses Bild zu schießen. Mein Töchterchen hat mir natürlich nicht das Frühstück gemacht, wo denkst du hin, sie ist fünf hat mir Frühstück gemacht, die süße Kleine! Auf dem Bild ist sie von hinten zu sehen, und das ist auch gut so, denn sie streckt mir gerade die Zunge heraus denn ich achte als verantwortungsvolle Mama darauf, dass sie im Internet nicht zu erkennen ist. Gerade schüttet sie mutwillig schenkt sie den Orangensaft aus. Die leuchtende Farbe der Vitaminbombe entspricht der des Armbands, das mein Handgelenk ziert: #brightmorning habe ich das Orange werbewirksam getauft.

Gefällt 237 Mal

julia_braceletta Mein Engelchen hat den Göttergatten und mich heute schlafen lassen und heimlich den Tisch gedeckt.

#nomakeup #töchterchenmachtfrühstück #qualitytime #brightmorning

11 Kommentare

zwergenmami Wie süüüüß, auf die Idee würde meine ja nie kommen.

julia_braceletta Meine auch nur gaaaaanz selten …

muddi_vom_dienst Wo kann ich deine wunderhübschen Armbänder kaufen?

julia_braceletta Auf meiner Webseite www.braceletta.de. Und die Kölnerinnen unter euch bekommen sie auch in ausgewählten Boutiquen im Belgischen Viertel, die Münchnerinnen bei Glambam am Gärtnerplatz …

stylishe_sabine Ist das armband wasserfest ich mein kann ich damit auch spülen?

julia_braceletta Ja, die ökologische Färbung ist resistent gegen gelegentliches Spritzwasser aus dem Spülbecken. Danke für die Anregung übrigens, ich zeig euch demnächst mal, wie ich mit einem Armband aus meiner Kollektion durch den Haushalt wirble!

minimaus1980 das wär ja genial welche farbe trägst denn dabei so?

julia_braceletta Lass dich überraschen! Vielleicht #juicygreen oder wie heute #brightmorning. Kommt drauf an, welche Farbe meine Geschirrtücher an dem Tag haben

sonya_marshmallow So sweet!

julia_braceletta

#Tagtraum

Ich saß mit dem vierten Kaffee an diesem Morgen im Hof hinter unserem Haus. Meine Freundin Elif war gerade gegangen, nachdem sie das Foto geschossen, anschließend professionell retuschiert und Kaffee Nummer drei mit mir getrunken hatte. Elif arbeitete als freie Grafikerin für diverse Kölner Werbeagenturen – und glücklicherweise für mich, zum Freundschaftspreis. Vom Doppelkinn bis zu den Flecken auf der Tischdecke gab es nach jedem Fotoshooting viele Details, die trotz raffinierten Make-ups und eines sorgfältig hergerichteten Sets wenig Instagram-tauglich waren.

Jetzt trudelten die ersten Kommentare zu meinem Bild ein, die ich als gute Netzwerkerin sofort vom Smartphone aus beantwortete. Auch drei Bestellungen des Armbands in der Farbe #brightmorning waren eingegangen – das mussten aber wirklich noch mehr werden.

Die Armbänder würde ich gleich in Stoffsäckchen packen, deren wunderschönes Blumenmuster dem Wandbehang in einem französischen Kloster nachempfunden war, in dem Elif und ich vor vielen Jahren bei einer Rucksacktour übernachtet hatten. Auf das Säckchen würde meine Tochter Fee einen Hauch Duftwasser sprühen, und dann käme das Ganze mit der Rechnung zusammen in einen Umschlag und zur Post.

Aber noch war mein Kaffee nicht leer. Ich wollte gerade einen Schluck trinken, als einem Wolkenbruch gleich das Gießwasser von Herrn Erbslöh aus dem Dachgeschoss heruntertriefte. Wie jeden Morgen goss er seine Geranien – und heute auch meine Kaffeetasse und meine nackten Beine.

»Guten Morgen, Herr Erbslöh!«, rief ich hinauf.

»Ach, guten Morgen, Frau Brass! Ohne das Fräulein Fee bemerkt man Sie ja gar nicht, hoffentlich hab ich Sie nicht getroffen? Was macht denn die Kleine heute Morgen?«

»Sie ist in ihrem Zimmer und malt.«

Das stimmte, jedenfalls eben noch. Zum Glück musste ich nicht »Sie guckt schon seit drei Stunden YouTube-Videos« oder »Sie schneidert sich gerade aus meiner Bettwäsche ein Prinzessinnenkleid« über den Hof schreien. Herrn Erbslöhs Ohren waren nicht mehr die besten.

Ich nippte tapfer weiter an meinem vom Geraniendünger verdünnten Latte, fest entschlossen, mir die ruhigen Minuten nach dem stressigen Morgen nicht verleiden zu lassen. Es versprach ein warmer Sommertag zu werden, auch wenn unsere Veranda – die genau genommen nur ein Gemeinschaftshof war – zwischen den Häuserreihen auf der schattigen Nordseite lag.

Wenn doch jetzt bloß der Typ von gegenüber aus seinem Atelier auf die Terrasse treten und mir einen Blick auf seinen attraktiven Körper gönnen würde … Erst befüllte er meistens sein Vogelhäuschen, was ich ganz süß fand, und bei schönem Wetter fing er danach im Freien an zu hämmern und zu schnitzen. Er arbeitete als Bildhauer, und ich beobachtete gern, wie sich mit jedem Mal, da er seinen Beitel oder das Messer ans Holz ansetzte, deutlicher eine Figur herausschälte. Manchmal sah ich nur einen Baumstamm dort stehen, ging dann das Bad putzen oder arbeitete drinnen am Rechner. Und wenn ich das nächste Mal nach draußen blickte, schaute mir mit einem Mal ein Gesicht aus dem Stamm entgegen. Oder die Skulptur, die dort stand, hatte nach einem bunten Anstrich eine vollkommen andere Anmutung bekommen.

Plötzlich wurde ich von einem Blitz geblendet.

Und als ich wieder sehen konnte, stand er tatsächlich da, in dunkelblauen Shorts, einem beklecksten weißen T-Shirt und all seiner Pracht. Was war denn das jetzt gewesen? Eine Epiphanie, eine Göttererscheinung?

Nein, bei genauerer Betrachtung hatte sich wohl einfach nur die Sonne in seiner aufschwingenden Terrassentür gespiegelt. Dennoch passte der spektakuläre Auftritt, fand ich.

Mein Nachbar gähnte, streckte selbstvergessen seine etwas schlaksigen und dennoch wohlgeformten Arme und ging wieder ins Haus. Nacheinander trug er seinen Arbeitstisch, sein Werkzeug und eine halbfertige Statue ins Freie. Dann versorgte er die Vögel.

Vor meine gute Aussicht schob sich ein Blatt Papier. Fee war auf den Hof gestürmt und wedelte mit einer der Rechnungen, deren Bezahlung ich vor mir herschob. Sie hatte die Rückseite bemalt.

»Schau mal, Mama. Das bist du!«

Mein Ebenbild lächelte mir breit entgegen, mit einem sehr großen, unregelmäßigen Gebiss. Immerhin hatte ich üppiges Haar und trug eines meiner Armbänder. An der Hand hielt ich meine Tochter, wie diese mir jetzt erläuterte.

»Das bin ich, und hier in meinem Bauch ist Orangensaft.«

Fee war auf dem Bild ein Stück größer als ich, und tatsächlich – in ihren Bauch hatte sie einen orangefarbenen Klecks gemalt. Neben ihr stand mit etwas Abstand ihr Papa. Er lächelte ebenso freundlich wie ich, mit genauso großen Zähnen, war aber deutlich kleiner als wir beide. Wir alle waren in einem braunen Filzstiftton gehalten, der zum Papa hin schon etwas den Geist aufgegeben hatte.

»Du kannst das jetzt posten«, sagte Fee.

»Äh, Maus …«

Auf küchenpsychologische Deutungen der Kinderzeichnung durch meine Instagram-Follower konnte ich nun wirklich verzichten. Vor allem sollten die nicht wissen, dass der in meinem Posting erwähnte Göttergatte, der auf Fees Kunstwerk so auffällig im Abseits stand, schon seit einer Weile gar nicht mehr bei uns war. Unmöglich konnte nämlich die erfolgreiche Instagrammerin Julia Braceletta, Unternehmerin, Stilikone, Supermutter und sexy Ehefrau, offiziell zugeben, dass sie verlassen worden war. Das hätte unter Garantie empfindliche Umsatzeinbußen nach sich gezogen. Wer wollte schon ein Armband in der Farbe #lovingred tragen, dem der Makel der Betrogenen anhaftete? Niemand. Also führte meine Internetpersönlichkeit immer noch ein glückliches Leben an der Seite ihres Besserverdieners, während ich, Julia Brass, stets in der Angst lebte, dass dieser Schwindel aufflog.

»Maus, wir posten nur Fotos«, erklärte ich kategorisch. »Dein Bild brauchen wir am Kühlschrank, damit wir daran denken, uns hin und wieder einen Orangensaft zu pressen.«

Das leuchtete Fee glücklicherweise ein, und sie galoppierte mit ihrer Zeichnung wieder in die Wohnung.

Der Bildhauer hatte während unserer Unterhaltung nicht in unsere Richtung geschaut, so weit ich das aus den Augenwinkeln erkennen konnte. Und wenn, hätte er nicht viel gesehen. Denn erstens waren unsere beiden Innenhöfe ziemlich groß und durch eine Reihe wuchernder Brombeersträucher getrennt, zweitens saßen wir auf der Nordseite im ewigen Schatten verborgen. Für eine lichtdurchflutete Immobilie reichte das Geld leider nicht.

Aber die Distanz war mir nur recht. Einer realen Begegnung mit einem attraktiven Mann fühlte ich mich überhaupt nicht gewachsen. Nachdem mich Jörg, Fees Vater, letzten Herbst Knall auf Fall verlassen hatte – und zwar für eine Ältere! –, war mein Selbstbewusstsein völlig am Boden. Wobei ich schon vorher nicht der charmante Typ gewesen war, der sich mit einem verheißungsvollen Augenaufschlag oder einem glockenhellen Lachen – oder wie auch immer andere Frauen das machten – mühelos bei den Männern ins Spiel bringen konnte. Und mein Nachbar spielte sowieso in einer anderen Liga als ich. Ich sah zwar ganz in Ordnung aus, wenn ich perfekt geschminkt war und mein blondierter Pferdeschwanz in diesem ganz bestimmten Winkel vom Kopf abstand, der meine Gesichtsform so vorteilhaft betonte. Aber ohne diesen Aufwand war ich mit meinem aschblonden Haar und den dunklen Schatten unter den Augen leider der Typ graue Maus.

Kurz erwog ich, das Piratenfernglas aus dem Kinderzimmer zu holen, um das Spiel der bildhauerischen Armmuskulatur besser beobachten zu können. Aber ich pfiff mich zurück. Schließlich lagen rundherum zig Balkone, von denen aus wiederum ich gesehen werden konnte. Und ich wollte in der Nachbarschaft nicht als Spannerin gelten.

Ich würde mich an die Kraft meiner Vorstellung halten müssen. Das war in jeder Hinsicht ungefährlicher.

Also, dem Bildhauer würde sein Schnitzmesser stumpf. Daraufhin würde er sich suchend umschauen, mich schließlich entdecken und herüberrufen, ob ich einen Messerschärfer hätte. Jawohl, einen Messerschärfer. Ich war in Liebesdingen Realistin, spätestens seit Jörg. Daher konnte ich mir jetzt auch nicht einfach ausmalen, dass der Mann spontan seine Arbeit unterbrach und mit einem Satz über die Brombeeren sprang, um mich zu küssen. Ich brauchte eine einigermaßen glaubwürdige Story.

Der Bildhauer hätte also Bedarf an einem Messerschärfer, und ich wäre glücklicherweise gerade super gestylt und würde antworten, ja, er solle doch bitte herüberkommen …

»Mama, das hält nicht!« Fees erboste Stimme riss mich aus meinem Tagtraum.

»Wahrscheinlich hängt schon zu viel an den Kühlschrankmagneten. Du musst irgendein anderes Bild dafür abnehmen. Guck sie dir doch alle noch mal an, und das älteste legst du mir auf den Küchentisch«, rief ich zurück, um meinen Fantasien noch ein paar Minuten zu verschaffen.

Zurück zum Nachbarn also. Er wäre in der Zeit einmal um den Block gelaufen, um an der Tür unseres Mehrfamilienhauses zu klingeln. Ich würde ihm öffnen, im Treppenhaus röche es nach dem Eintopf, den Frau Schmitz um diese Zeit immer kochte, und dann würde ich ihn in den Keller bitten, wo der Messerschärfer seit unserem Umzug vor einem halben Jahr in einem Pappkarton lag …

»Maaamaaaaa!« Drinnen gab es offenbar ernsthafte Probleme. »Jetzt sind die Bilder alle runtergefallen!«

»Feechen, leg die Bilder auf den Küchentisch, ich trink kurz den Kaffee aus, und dann komm ich rein, und wir machen das zusammen.«

»Nein, JETZT!«

»Maus, lass mich bitte noch den Kaffee austrinken! Wir machen gleich einen Ausflug mit dem Fahrrad zum Postkiosk und bringen die Lieferungen weg. Du kannst dir ja schon mal was Schönes zum Anziehen raussuchen.« Ich ging jetzt auf volles Risiko für eine weitere Minute mit dem Künstler auf der Terrasse.

Beziehungsweise in unserem vollgestopften Keller, wo er sich mir lächelnd zuwenden würde. Mit seinem von der Sonne und der körperlichen Arbeit erhitzten Körper stünde er dabei notgedrungen ganz dicht vor mir …

Jetzt war es allerdings Fee, die wieder vor mir stand, obenrum nackig, unten mit ihrem pinkfarbenen Tüllrock bekleidet, der vorne Spuren von Tomatensoße aufwies und hinten nach dem letzten Fahrradsturz in Fetzen hing.

»Engel, der Rock ist kaputt, hol dir besser den grünen«, schlug ich vor.

»Nein, du hast gesagt, ich soll was Schönes anziehen. Der grüne ist nicht schön.«

»Dann der mit den Blumen.«

»Nicht schön.«

»Die lila Shorts.«

»NICHT SCHÖN!«

Nun denn, ich würde versuchen, die Flecken rauszureiben, und hoffen, dass uns niemand von hinten sah. »Dann zieh dir aber bitte noch ein T-Shirt an.«

»Ich hab keins, das dazu passt.«

Sie kam nach mir. Dennoch …

»Maus, das sieht ja dann aus, als wären wir zu arm, um dir ein T-Shirt zu kaufen. Das gelbe passt gut, oder nimm doch das blaue mit dem Paillettenfisch.«

»Mama, das passt alles nicht dazu! Ich sag es dir doch! Ich zieh den Rock an – und meine Gummistiefel!«

»Fee, alle Leute werden uns angucken und sich wundern, warum das arme Kind nur einen alten Rock trägt.«

Verzweifelt überlegte ich, ob wir einfach zu Hause bleiben konnten und ich es wohl schaffen würde, morgen früh alle Bestellungen zusammen zu transportieren. Aber wir hatten kein Auto, und jetzt hatte ich auch schon den Fahrradausflug versprochen. Da kam ich nicht mehr raus.

»Mama, wenn die Leute gucken und sich wundern, können wir doch trotzdem zur Post fahren«, sagte mein Kind jetzt mit einer begütigenden Erklärstimme.

Und hatte ja eigentlich recht …

Die einen kennen mich, die anderen können mich, hatte schon Konrad Adenauer gemeint. Nur war ich leider kein anerkannter Spitzenpolitiker, sondern eine jener alleinerziehenden Mütter, deren bemitleidendswerte Kinder in jeder Armutsstatistik ganz vorne mit dabei waren. Und ich war dazu erzogen worden, den Schein zu wahren.

Als Fee und ich streitend zusammen ins Haus gingen, warf ich bedauernd einen letzten Blick in Richtung Nachbargrundstück. Der Bildhauer war ganz in seinen Holzkopf vertieft.

#Notaloveletter

Am nächsten Morgen stand ich früh auf, um weitere Bestellungen zu verpacken. Und Fee, die nachts in mein Bett gewandert war, mit mir. Ich brauchte daher doppelt so lang wie geplant und musste einige Armbänder für den Stummelschwanz von Rosalie, dem Hüpfepferdchen, opfern.

Nachdem ich Fee verspätet in der Kita und die Armbandpäckchen bei der Post abgeliefert hatte, öffnete ich zu Hause aus purer Gewohnheit den Briefkasten – und wunderte mich, dass tatsächlich etwas drin war. Montags war er sonst immer leer.

Als ich sah, dass der Brief von meinem Ex war, schwante mir Böses. Als ich ihn öffnete, traf mich der Schlag.

… fordere ich dich auf, den der Braceletta GbR gewährten Kredit in voller Höhe bis Ende dieses Jahres an mich zurückzuzahlen. Die erste Rate von 3000,– wird fällig zum Ende des laufenden Monats …

Kraftlos sank ich gegen die Wand neben den Briefkästen und drehte nervös den Brief in der Hand. In meinem Kopf rasten die Gedanken.

Gerade kamen wir so einigermaßen hin mit meinen Einkünften aus dem Armbandgeschäft und Jörgs bescheidener monatlicher Überweisung für Fee. Dank eigener Firma konnte er seine Einkünfte und damit die Unterhaltszahlungen ordentlich kleinrechnen. Aber in letzter Zeit hatte der Verkauf meiner Armbänder etwas angezogen und ich Licht am Ende des Tunnels gesehen, auch wenn wir immer noch hart am Rande des Dispos rangierten.

Jetzt aber stieg diese grässliche Existenzangst, die seit der Trennung mein ständiger Begleiter war, wieder in mir hoch.

Musste ich nun alles hinschmeißen, Privatinsolvenz anmelden, in einen Wohnblock in Köln-Chorweiler ziehen und dann dreihundert Bewerbungen schreiben, um irgendwann einen unterbezahlten Aushilfsjob zu ergattern? Auf dem Arbeitsmarkt war mein Profil nicht gerade gefragt, diese Erfahrung hatte ich früher schon machen müssen. Und meine aktuelle Situation als zeitlich unflexible alleinerziehende Mutter machte es sicher nicht besser.

Unterzeichnet war der Brief mit Jörg Bierstedt, lic. oec. HSG. Dieser Fatzke von einem Ex setzte in Ermangelung eines Doktortitels immer das Kürzel für seinen BWL-Abschluss an einer Schweizer Uni hinter seinen Namen. Seht alle her, ich habe superschick in St. Gallen studiert! Sogar wenn er sich daranmachte, meine Existenz zu vernichten und das kleine Pflänzchen der Zuversicht zu zertrampeln, das in den letzten Wochen nur ganz zart zu grünen begonnen hatte, grüßte freundlich der Herr Lizenziat.

Neben mir drehte sich knirschend ein Schlüssel in der Haustür. Quietschend öffnete sie sich. Ich richtete mich auf und sprang hinzu, um die Tür aufzuhalten, während Marie Schmitz aus dem Erdgeschoss ihr Rollwägelchen hereinhievte. Ich nahm mir vor, die Tür, die sicher noch original aus dem Baujahr des Hauses stammte, bei Gelegenheit mit etwas Kriechöl zu behandeln. Hier in unserem in einer Bombenlücke errichteten Fünfzigerjahre-Bau lag so einiges im Argen. Der Vermieter versteckte sich hinter einer trägen Hausverwaltung, und meine Nachbarn im Erd- und Dachgeschoss waren zu alt, um noch selbst Hand anzulegen.

Aus Frau Schmitz’ Einkaufstrolley duftete es wie immer nach Kräutern. Meine Tochter hielt sie daher, gestützt auf ihre Recherchen in diversen Kinderbüchern, für eine Hexe. Zwar sah die gepflegte Seniorin mit ihrer weißblonden, ondulierten Haarsprayfrisur und dem orangefarbenen Lippenstift nicht klassisch danach aus. Dennoch konnte es sein, dass Fee recht hatte. Denn ich hatte die alte Dame schon des Öfteren auf ihrem Balkon vor sich hin murmeln gehört, während seltsame Gerüche aus ihrer Wohnung drangen. Es war allerdings von unten nicht zu verstehen gewesen, ob sie dabei das Kölsche Grundgesetz herunterbetete, das Vaterunser oder tatsächlich einen Zauberspruch.

»Sie haben Sorjen.« Wie magisch und mit der ihr eigenen rheinischen Direktheit erfasste Frau Schmitz meine Verfassung, während sie vorsichtig ihren schief in den Angeln hängenden Briefkasten öffnete und einen Versandkatalog herausnahm. Wie viel lieber hätte ich heute auch einen Katalog im Briefkasten vorgefunden.

»Ja, die hab ich wohl«, musste ich zugeben.

»Dann kumme Se erst mal mit zu mir«, bestimmte meine Nachbarin. »Ich hab ’ne starke Suppe für Sie.«

Eine Suppe! Na dann … Zwar war mir der Appetit ausnahmsweise vergangen, aber nichts zu essen würde meine Laune erfahrungsgemäß noch verschlechtern. Also trug ich der alten Dame den Trolley die Treppe hinauf und nahm auf ihre Weisung hin am Küchentisch Platz, der mit weißer Spitze eingedeckt war.

Ein heimeliger Duft nach deutscher Hausmannskost hing in der Luft, vermischt mit anderen, exotischeren Gewürzen. Das Licht fiel warm durch die gelben Gardinen, an den Wänden hingen Bündel verschiedener getrockneter Kräuter, und überall standen Marienikonen auf kleinen Deckchen herum. Marie Schmitz war eine katholische Hexe.

»Wat fehlt Ihnen denn?«, erkundigte sie sich mitfühlend, während sie aus einem großen Topf, den sie aus dem Kühlschrank geholt hatte, einige Kellen dickflüssige Suppe in einen kleineren Topf umfüllte, der auf dem Gasherd stand.

»Geld«, bekannte ich in meiner Erschöpfung freimütig. »Mein Ex will 12.000 Euro von mir haben. Er hat mir damals einen Kredit für mein Geschäft mit den Armbändern gegeben, den ich monatlich abzahle. Aber jetzt will er den Rest plötzlich bis zum Jahresende, die erste Rate schon in zwei Wochen.«

»Dat ist übel«, bestätigte Frau Schmitz, die natürlich auch schon eines meiner Armbänder trug, in #lovelylilac. »Ävver da fällt Ihnen schon wat ein. Sie haben doch schon so viel hinjekriescht.« Milde sah sie mich an.

In meinem Hals bildete sich ein Kloß, den ich hart herunterschlucken musste, und dann blinzelte ich ein paar Tränen weg. Frau Schmitz wandte sich diskret ihrem Herd zu. Sie kannte mich erst, seit ich nach der Trennung aus dem top sanierten Altbau im gediegenen Köln-Rodenkirchen ins rechtsrheinische Souterrain gezogen war, und wusste nur einige wenige Eckdaten meines Lebens. Vielleicht waren ihre Worte einfach nur eine Floskel, wie man sie halt so sagt, um jemanden aufzubauen. Dennoch rührten sie mich. Meine Mutter zum Beispiel wäre überhaupt nicht einverstanden mit dieser Sichtweise. Sie war der Meinung, dass ich gar nichts hingekriegt hatte – Studium, Job, Mann, alles versiebt. Meine eigene Einschätzung schwankte je nach Verfassung zwischen der von Marie Schmitz und der meiner Mutter. Und gerade war meine Verfassung nicht gut.

Nach einem geschmissenen BWL-Studium hatte ich eine Ausbildung zur Textilkauffrau gemacht und bis zu meiner Schwangerschaft bei einer großen Modefirma gearbeitet, zuletzt im Marketing. Als sich mein Bauch abzuzeichnen begann, zeichnete sich allerdings auch ab, dass mein Vertrag dort nicht verlängert würde. Also kümmerte ich mich erst mal zwei Jahre lang um unser Töchterchen und die Altbauwohnung – und flocht abends vor dem Fernseher aus den Resten der Paketkordeln, mit denen ich nach meinen Onlineshopping-Attacken die Rücksendungen verschnürte, eine Menge Armbänder. Breite und schmale, in verschiedenen Flechtarten, die ich mir teilweise selbst ausdachte. Nachdem ich mich, meine Freundinnen und schließlich auch alle Mütter im PEKiP-Kurs und bei den Musikmäusen damit versorgt hatte, fing ich an, darüber nachzudenken, ob daraus nicht finanzielles Kapital zu schlagen war. Ich experimentierte mit Naturfarben für die Kordel und beauftragte einen 3D-Druck-Service mit der Herstellung eines großen Schmuckdiamanten mit einem einzigartigen »Schliff«. Zusammen mit einer Gummischlaufe bildete er den Verschluss. Auf diese Weise konnte man, wenn man wollte, auch mehrere Armbänder kombinieren – je nach Farbzusammenstellung der Kleidung oder aber um verschiedene Stimmungen auszudrücken. Ich meldete ein Gewerbe an, erstellte einen Onlineshop, bat meine Social-Media-Kontakte, meine Seite zu verlinken – und bekam tatsächlich Bestellungen. Es gab Kundinnen, die die Bänder in allen Farben kauften und offenbar jeden Tag anders kombinierten. Als ich mit dem Färben und Flechten der Paketkordeln nicht mehr hinterherkam, hatte Jörg die Idee mit dem Kredit. Mit dem Geld beauftragte ich schließlich eine Sozialwerkstatt in Mecklenburg-Vorpommern, die Produktion zu übernehmen.

Jörg fand die Vorstellung, mit einer Schmuckdesignerin zusammen zu sein, damals total schick. Vielleicht dachte er, ich würde mich dadurch auch optisch in Alessandra Meyer-Wölden verwandeln. Jedenfalls unterstützte er meine Idee finanziell. Was ja auch das Mindeste war, schließlich hatte ich ihn auch hin und wieder unterstützt. Bei der Geburt unserer Tochter zum Beispiel und später bei ihrer Betreuung …

»Ich koch Ihnen jetzt eine Jeldsuppe«, unterbrach Frau Schmitz meine verdrießlichen Gedanken.

»Eine Geldsuppe«, echote ich. Was sollte das denn sein? So was wie ein Zaubertrank, nur als Suppe?

Die alte Dame war jetzt in ihrem Element. In Windeseile nahm sie verschiedene Töpfchen aus ihrem riesigen Gewürzregal und streute jeweils eine Prise daraus in den Topf, dessen Inhalt inzwischen leicht zu köcheln begonnen hatte.

»Zimt, damit dat Konto stimmt. Irisch Moos, ohne is nix los. Nelken, Jeld dat tut nit welken. Und Piment, stets solvent.« Während sie alles umrührte, betete sie noch ein Ave-Maria, und dann wurde serviert.

»Et hätt noch immer jot jejange«, prophezeite sie, als sie mir einen Goldrandteller mit Suppe hinstellte.

Offensichtlich war ihr inhaltlicher Beitrag zu meinem Problem damit erschöpft, und das war mir auch sehr recht so. Das Thema hätte mir sonst den Appetit verdorben. So aber löffelte ich meinen Teller ayurvedisch-katholischer Geldsuppe leer, während wir über den Sonnenschein und die Hausverwaltung plauderten, die sich einfach tot stellte, wenn wir um eine Reparatur baten.

Mein Blick fiel auf ein rot glasiertes, verkorktes Tongefäß auf dem Küchenbuffet, das mit einem Post-it gekennzeichnet war. Darauf stand: Pitter .

»Was ist denn in der Pitter-Amphore drin?«, wollte ich wissen.

Frau Schmitz’ Gesichtsfarbe näherte sich prompt der des besagten Gefäßes an. Oh nein, das hatte ich nicht gewollt! Neugierig allerdings war ich jetzt erst recht.

»Ist das ein Zaubertrank?«

Jetzt lächelte Hexe Schmitz versonnen.

»Ein Aphrodisiakum?«, bohrte ich weiter.

»Um Jottes willen, nennen Sie dat nit so! Es jeht ums Jeföhl.«

»Okay, ums Gefühl also. Aber wer ist denn der Pitter?«

»Verraten Sie mich nit.«

Ich musste Pitter also kennen! Ich dachte nach. So viele gemeinsame Bekannte hatten wir nicht.

Frau Schmitz schien nach dem ersten Schrecken Gefallen daran zu finden, ihre Leidenschaft für den Pitter mit mir zu teilen. Jedenfalls sah sie mich in freudig-gespannter Erwartung an.

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. »Peter Erbslöh aus dem Dachgeschoss!«

Ihr erneutes Erröten signalisierte mir, dass ich richtiglag.

»Der ist natürlich wirklich schick.« Das stimmte. Herr Erbslöh war immer wie aus dem Ei gepellt. Mit gestärkten Hemden, rahmengenähtem Schuhwerk, einem Gehstock aus poliertem Edelholz und nach Rasierwasser duftend. Außerdem zeichnete er sich durch Herzensbildung gepaart mit ausgesuchten Manieren aus. Und ich hatte die beiden schon des Öfteren beim angeregten Gespräch im Hausflur angetroffen. »Aber wie wollen Sie ihn dazu bringen, diesen Trank zu sich zu nehmen?«

»Dat is ein Kurzer mit ein paar einschläjigen Kräutern. Ich muss ihn eijentlich nur dazu einladen. Allerdings is dat schneller jesagt als jetan. Vielleicht haben Sie ja einen Tipp für mich? Ihr jungen Lück seid doch da so leischtblütig …«

»Tja, nicht unbedingt.« Ich musste unwillkürlich an den Bildhauer denken. Selbst wenn ich hätte Kontakt mit ihm aufnehmen wollen, ich hätte nicht die geringste Idee gehabt, wie ich das anstellen sollte. Aber anderen Ratschläge zu erteilen war natürlich viel einfacher. »Sie müssten einen Anlass schaffen. Gibt es in nächster Zeit vielleicht etwas zu feiern?«

»Meinen Geburtstag.« Frau Schmitz lachte. »Nä, dat is in meinem Alter unattraktiv.«

»Aber Frau Schmitz, das ist die falsche Einstellung! Allerdings sind an Ihrem Geburtstag wahrscheinlich mehrere Gäste da.«

»Um Jottes willen, nit dat der Pitter sich den Kurzen jenehmigt und sich dann aus Versehen in Sie verliebt!« Sie kicherte bei dieser Vorstellung, und ich konnte mir in diesem Moment gut vorstellen, dass Herr Erbslöh vielleicht gar keinen Zauberschnaps brauchen würde, um ein »Jeföhl« für Frau Schmitz zu entwickeln.

»Ja, das wäre unpassend«, stimmte ich ihr zu. »Aber danke schon mal für die Einladung! Und den Pitter bitten Sie eben einfach mal spontan herein. Wenn Sie sich übers schöne Wetter unterhalten, fragen Sie ihn, ob Sie nicht zusammen die Abendsonne auf Ihrem Balkon genießen wollen. Oder Sie locken ihn in Ihre Wohnung, indem Sie ihm einen Ableger von Ihren schönen Lilien versprechen.«

Von der Küche ging Frau Schmitz’ liebevoll bepflanzter Balkon ab. Kräuter sprossen zwischen ausufernd blühenden Gewächsen in verschiedenen Höhen, Farben und Formen – ein echtes Kunstwerk, gegen das meine Kübel mit dem Bambus und der Hortensie und die kleine Bienenweide, die ich zwischen den Pflastersteinen im Hof angelegt hatte, alt aussahen. Obwohl ich auch mein Arrangement schon ziemlich nett fand.

»Da komm ich mir ja vor wie ’ne Triebtäterin. Der arme Pitter! Na ja, Frau Brass, ich denk noch mal nach.«

»Sagen Sie mir auf jeden Fall Bescheid, wie es gelaufen ist«, bat ich, um mich danach mit Verweis auf meine geschäftlichen Probleme zu verabschieden.

»Reden Se noch mal mit Fees Papa«, rief mir Frau Schmitz hinterher.

Die Realität holte mich nach diesem zauberhaften Ausflug in Frau Schmitzens duftende Hexenküche wieder ein, kaum dass ich die Wohnungstür – eine typische Kellerstahltür, wie man sie in jedem Baumarkt kaufen kann – hinter mir geschlossen hatte. Der Flur umfing mich eng, still und dunkel. Ich atmete ein paar Mal tief durch und zwang mich zum nächsten Schritt. Er führte mich ins Schlafzimmer, zu Fees ehemaligem Wickeltisch, den ich durch Absägen seiner geschwungenen Beine etwas tiefergelegt und so zum Schreibtisch umfunktioniert hatte.

Als ich damals mit Jörg zusammen nach Rodenkirchen gezogen war, hatte ich all meine alten Möbel schweren Herzens weggegeben. Das Fünfzigerjahre-Sofa von meiner Oma, mein 1,40er-Lattenrost mit der Aldi-Matratze und das restaurierte Küchenbuffet im Shabby Chic, das Elif und ich einst vom Sperrmüll in unsere WG geschleppt hatten – das alles wollte Jörg auf dem frisch abgeschliffenen Fischgrätparkett nicht stehen haben. Und ich hatte es eingesehen, ja, sogar auf eine Art toll gefunden. Wir hatten uns dann mit Jörgs Geld neu eingerichtet, lauter skandinavische und französische Designermöbel. Dumm nur, dass nichts davon mir gehörte – schließlich waren wir nicht verheiratet. So konnte ich bei meinem Auszug, oder besser gesagt Rauswurf, nur Fees Wickeltisch und ihre Kinderzimmermöbel sowie Tisch und Bett mitnehmen. Die wollte meine Nachfolgerin wohl nicht behalten, weil Jörg die Sachen vorher mit mir geteilt hatte.

Na ja, viel passte ohnehin nicht rein in unsere neue Bleibe, und der weiße Esstisch von Philippe Starck sowie das Boxspringbett hatten sich schon des Öfteren als die Rettung für meine Glaubwürdigkeit auf Instagram erwiesen: Geschickt ausgeleuchtet und dank Elifs Retuschekünsten, die Raufasertapete in ein geöffnetes Flügelfenster verwandeln konnten, präsentierte ich meine Armbänder immer noch in einem Umfeld, das ihnen gebührte.

Ich nahm einen Stapel Papier aus der ehemaligen Windelschublade und zog den Kreditvertrag hervor, den Jörg und ich abgeschlossen hatten. Schnell fand ich den gesuchten Passus. Er besagte, dass ich das Recht hätte, den Kredit jederzeit abzulösen, und Jörg umgekehrt, das Geld jederzeit zurückzufordern. Hätte mich auch gewundert, wenn es anders gewesen wäre. Trotzdem knallte ich die Schublade entmutigt wieder zu, dann wählte ich Elifs Nummer.

»Der Hurensohn!« Wenn es die Situation erforderte, konnte Elif herrlich mit den Klischees ihres Herkunftsmilieus spielen. »Fahr zu ihm und hau ihm aufs Maul!«

»Dann hab ich demnächst neben dem Vollstreckungsbescheid noch eine Anzeige wegen Körperverletzung am Hals.«

»Jaja, schon gut. Aber lass dich jetzt bloß nicht bremsen! Du bist so kurz vor dem großen Durchbruch. Die Fashion- und Mami-Blogs lieben deine Armbänder, und hast du gesehen, dass Oliver Pocher im Dschungelcamp das Herrenarmband in #koolkhaki getragen hat?«

»Nein, echt? Krass! Seine Neue muss einkaufen gewesen sein. Äh, aber Oliver Pocher …«

Elif war nicht aus dem Konzept zu bringen. »Das bringt Umsatz, Umsatz, Umsatz! Du musst ihn gleich verlinken. Und dann schmeiß dich an Sonya Marshmallow ran. Wenn du die weichkochst, hast du ausgesorgt.«

Sonya Marshmallow war ein sogenanntes It-Girl und die aktuelle Freundin von Ángel Zapatero, dem göttlichen Stürmer aus Uruguay, der den 1. FC Köln an die Spitze der Bundesliga geschossen hatte. Darüber hinaus war sie Youtuberin, die sich mit ihrem Beauty- und Lifestyle-Kanal an Damen von circa Ende zwanzig bis fünfundvierzig richtete und damit in eine Marktlücke gestoßen war. Ich kannte sie noch aus der Uni und wusste daher, dass sie älter und intelligenter war, als sie offiziell zugab. Sie hatte in der Schule zwei Klassen übersprungen und in Steuerlehre, Finanzierung und Controlling immer die besten Klausuren geschrieben. Das Studium allerdings hatte sie ebenso wenig abgeschlossen wie ich, wenn auch aus anderen Gründen. Wir hatten damals hin und wieder zusammen einen Automatenkaffee getrunken und waren später lose über die sozialen Netzwerke in Kontakt geblieben – so im Rahmen eines jährlichen Geburtstagsgrußes auf Facebook. Natürlich hatte ich Sonya, als einer der begehrtesten Influencerinnen Deutschlands, meine Armbänder in allen Farben, Flechtarten und Kombinationen zugeschickt. Und tatsächlich hatten sie und Ángel einmal bei einem Spiel gegen den TSG Hoffenheim eine Kombi in den Vereinsfarben getragen. In den nächsten Tagen waren die Arbeiter in Meck-Pomm aus dem Flechten des rot-weißen Traums nicht mehr rausgekommen.

Aber das hatte sich nicht wiederholt. Was wir brauchten, war ein Deal. Nur hatte ich Sonya leider nichts anzubieten.

»Elif, ich muss weitermachen. Wir hören uns, meine Liebe.«

»Sag Bescheid, wenn du mehr Zeit brauchst und ich Fee mal abholen soll.«

Elif war Fees inoffizielle Patentante und ein wahrer Kindermagnet. Für meine Tochter war es das Größte, einen Nachmittag bei ihr zu verbringen, obwohl die beiden dann meist einfach zu Hause rumhingen oder spazieren gingen und sich dabei unterhielten. Aber Elif war wirklich interessiert daran, was andere Menschen bewegte, und machte dabei keinen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern.

»Und vergiss nicht, Jörg aufs Maul zu hauen!«, ergänzte meine Freundin und bewies damit wiederum ihre pragmatische Seite. Mit Jörg war sie nie ganz warm geworden.

Tatsächlich hätte ich nicht übel Lust gehabt, Elifs Ratschlag zu befolgen. Aber was hatte Frau Schmitz gesagt? Ich sollte noch mal mit Jörg reden. Ich würde ihn nachher, wenn er Fee abholte, zur Rede stellen.

Fee verbrachte jedes zweite Wochenende bei Jörg, und zusätzlich hatte er sich bei der Trennung vehement einen allwöchentlichen Vaternachmittag auserbeten. Großspurig hatte er damals betont, dass er dank seiner Position ja gewisse Freiheiten bei der Zeiteinteilung hätte. Fast immer sah es jetzt allerdings so aus, dass er Fee in der Mittagspause von der Kita abholte, sie zu seiner Mutter brachte und selbst wieder ins Büro fuhr.

Bis zur Konfrontation mit meinem Ex blieb mir aber noch ein bisschen Zeit. Ich beschloss, mich erst mal um Oliver Pocher zu kümmern. Auf seinem Instagram-Account hatte er heute ein Foto gepostet, auf dem er tatsächlich mein Armband trug. Ich tippte einen Kommentar darunter:

Dich kriegt man erst unter, wenn die Hölle gefriert. Nicht von ungefähr hast du immer die attraktivsten Frauen. Wenn RTL mich nähme, würde ich auch ins Dschungelcamp gehen, jetzt, nachdem du dort hoffentlich König wirst!

PS: Das Armband passt super zu deinem Teint. Für alle anderen: Man bekommt es unter www.braceletta.de/shop/koolkhaki

Hm, ich war schon mal besser gewesen. Aber vielleicht reichte es ja. Mein Ziel in solchen Fällen war es, einen positiven Kommentar abzugeben, der in kurzer Zeit so viele Likes beziehungsweise Herzen sammelte, dass er nicht gelöscht wurde, auch wenn er Werbung enthielt. Bei einer Bildagentur investierte ich in die Fotorechte an Oliver Pochers Handgelenk und postete es meinerseits auf Instagram.

Sonja Speck alias Sonya Marshmallow indessen hatte ein YouTube-Video zum Thema »Wimpern für Office und Alltag« veröffentlicht, in dem sie vorführte, wie man den günstigen Klebewimpern aus der Drogerie durch geschicktes Bearbeiten mit einer Nagelschere zu einem natürlichen Look verhelfen konnte, um dann ohne Weiteres auch bei Meetings oder bei Rewe damit klimpern zu können. Zwar ging ich inzwischen nicht mehr zu Rewe, sondern zum Discounter, und ich konnte mich gerade noch beherrschen, mir dafür Wimpern anzukleben. Dennoch fiel es mir leicht, einen wohlwollenden Kommentar zu diesem brauchbaren Ansatz zu hinterlassen.

Danach verwandte ich fünfzehn Minuten auf ein unantastbares Äußeres, packte meine Lieferungen in die Satteltaschen meines Hollandrads und radelte los.

Schon auf dem Weg zur Post ging ich mögliche Dialoge mit meinem Ex durch, in denen ich würdevoll hinterfragte, warum er mir diesen unerfreulichen Brief geschickt hatte. »Jörg, du, ich will dich nicht lang aufhalten, aber ich bin etwas erstaunt über deinen Brief. Der trägt doch so gar nicht deine Handschrift.« Ich wollte ihn stottern und sich winden sehen. Und ein ganz, ganz kleines bisschen hoffte ich wohl auch, er würde etwas antworten wie: »Du hast recht. Leocadia hat mich dazu gedrängt. Sie ist einfach eifersüchtig auf dich. Ich hab noch mal drüber geschlafen – zerreiß den Brief. Wir bleiben bei der monatlichen Tilgung.« Oder, noch besser: »Was für ein Brief? Ich hab nichts dergleichen geschrieben. Das muss Leocadia gewesen sein, aus Rache, weil ich ihr gesagt hab, dass ich dich zurückwill.«

Eigentlich war ich zwar davon überzeugt, dass ich Jörg nicht zurücknehmen würde, selbst wenn er es gewollt hätte. Aber ganz ausschließen konnte ich nicht, dass mich eine solche Wendung in Versuchung geführt hätte. Und sei es nur, weil mein derzeitiges Leben oft so unglaublich anstrengend war.

Als ich in die Straße einbog, in der die Kita lag, fiel mir als Erstes ein riesenhafter SUV ins Auge. Direkt vor dem Gebäude im absoluten Halteverbot, dort, wo man auf keinen Fall parken sollte, um die Kinder auf ihren Laufrädern nicht zu gefährden – immer wieder Thema auf den Elternabenden. Rein optisch schien das Fahrzeug eher für den Straßenkampf in Kunduz geeignet als für den Kölner Stadtverkehr. Als ich es fast erreicht hatte, öffnete sich die Fahrertür, und ich setzte schon mal einen verachtenden Blick auf.

Als ich dann aber sah, wer ausstieg, nämlich Jörg Bierstedt, nicht Dr., aber dafür lic. oec. HSG, konnte ich nicht mehr an mich halten.

»Ach, hast du neuerdings als Chauffeur des Königs von Saudi-Arabien angeheuert? Und besteht der Monarch darauf, dass direkt vor der Kita geparkt wird, damit auch alle sein neues Auto bewundern können?«

»Äh … nein, was willst du?«

»Ach, ich wüsste einfach nur gern, ob du das Geld, das ich dringend brauche, um meine Lebensgrundlage und die deiner Tochter zu sichern, in dieses eitle Stück Prollkultur investiert hast?«

»Ach, daher weht der Wind. Komm mal runter und steh auf eigenen Beinen. Dann kannst du dir bald vielleicht auch ein Auto leisten.«

Das saß. Zwar sah auch er immerhin gekränkt aus, aber noch bevor ich mir eine passende Antwort überlegen konnte, ließ er mich einfach stehen und ging ins Gebäude.

»Hoffentlich fährt dir jemand den 12.000-Euro-Außenspiegel ab, während du unsere Tochter bei deiner Mutter parkst«, rief ich ihm hinterher. Und dann trat ich der Scheißkarre, die unter Garantie tatsächlich der Grund für seinen Scheißbrief war – so einen Panzer im Wert von drei durchschnittlichen Jahresgehältern zahlte auch ein Jörg Bierstedt nicht aus der Portokasse –, mit voller Wucht gegen den Hinterreifen.

Der Tritt tat in meinen Sandalen natürlich total weh. Fluchend setzte ich mich wieder aufs Rad, sprintete zurück nach Hause und schmiss mich atemlos auf das beschissene Boxspringbett, das viel zu groß für mein Schlafzimmer war, und dann fing ich an zu weinen. Mein Fuß schmerzte, und ich war so entsetzlich wütend. Weil Jörg offenbar davon überzeugt war, dass diese fette Karre ihn zu einem VIP machte, für den ein lächerliches Parkverbot nicht galt. Weil seine Worte mich so verletzten. Weil er Geld hatte und ich nicht. Weil er mich so derart und auf ganzer Linie abserviert hatte. Ich fühlte mich erniedrigt, und zu allem Überfluss würde mein Zeh mich sicher noch eine ganze Weile an meinen kümmerlichen Auftritt erinnern.

Das Allerschlimmste aber war: Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst war, dann hatten Jörgs Anblick, seine selbstgewisse Art, aus dem Auto zu steigen, und der Hauch seines Aftershaves, der zu mir herübergeweht war, noch etwas anderes in mir ausgelöst. Wider besseres Wissen hatte ich tief in mir für einen Moment den Wunsch verspürt, hoch über der Straße neben ihm auf dem Beifahrersitz zu thronen. Und für diese Dummheit hasste ich mich am meisten.

Damit der Tag wenigstens für irgendetwas gut war, raffte ich mich nach einiger Zeit auf, Frau Schmitz’ Briefkasten zu reparieren. Er war verbogen und mit der Last des Katalogs fast überfordert gewesen.

Ich holte einen Hammer und besserte mit einer gewissen Befriedigung die Dellen aus. Herr Erbslöh, aufgescheucht durch die Geräusche im Treppenhaus, kam vorsichtig die Treppe herunter, um nach dem Rechten zu sehen.

»Ach, Sie sind es, Frau Brass. Das freut mich, Sie zu sehen! Helfen Sie Frau Schmitz mit ihrem Briefkasten? Das hätte ich auch gern getan, aber ich kann ja nicht, mir fehlt das Gleichgewicht.« Zum Beweis hob er seinen Mahagonistock an und schwankte unmittelbar ein bisschen.

»Ja, ich bin jetzt hier der Hausmeister«, versuchte ich mich an einem Scherz.

»Das ist ja wunderbar!« Herrn Erbslöhs Augen leuchteten auf. »Hat die Hausverwaltung also doch ein Einsehen gehabt, dass sich hier endlich mal jemand kümmern muss. Ich hab schon so viele Briefe deswegen geschrieben, aber es hat nie jemand geantwortet.«

Ich stellte mir vor, wie der alte Herr auf einer Adler-Schreibmaschine im Zweifingersystem sehr höfliche, mit »Hochachtungsvoll« unterschriebene Briefe getippt hatte, die niemand las … und brachte es nicht übers Herz, richtigzustellen, dass ich nur einen Witz gemacht hatte. Mit einem Anflug von Stolz rührte ich stattdessen den Blitzzement an und schmierte ihn in das Loch in der Wand, um einen neuen Dübel zu befestigen. Bald hing der Briefkasten wieder wie eine Eins, und ich sonnte mich ein wenig in Herrn Erbslöhs Anerkennung, die ich gerade so dringend gebrauchen konnte.

Als mein Nachbar sich schließlich daranmachte, die Treppe zu seiner Wohnung zu erklimmen, rief er mir fröhlich zu: »Ich komme dann demnächst noch mal auf Sie zu. Einen schönen Tag noch, Frau Brass!«

Und ich sah Arbeit auf mich zukommen. Wo ich schon mal dabei war, ölte ich gleich noch die Haustür.

Nachdem ich wieder zurück in meine Wohnung gehumpelt war, saß ich grübelnd am Esstisch und dachte mit zunehmender Verzweiflung darüber nach, wie ich innerhalb von vier Monaten an 12.000 Euro kommen sollte – zusätzlich zu dem, was wir für unseren Lebensunterhalt brauchten. Bei den Banken hatte ich es bei der Gründung schon probiert. Das konnte ich vergessen, mein Geschäftsmodell war denen zu unsicher. Meine Mutter würde ich erst fragen, wenn Fee und ich kurz vor dem Umzug in die U-Bahn-Station am Ebertplatz stünden. Freunde, die ich um 12.000 oder auch nur die ersten 3000 Euro bitten konnte, hatte ich nicht. Ich musste irgendwie meinen Umsatz erhöhen. Aber daran arbeitete ich ja sowieso schon …

Ratlos strich ich über die von unseren Fettfingern marmorierte Glasplatte des Philippe-Starck-Tischs – und wusste plötzlich, woher die erste Rate kommen würde.

Beherzt wischte ich die Krümel meiner Diätchips vom Tisch. Dann versuchte ich, das Einhornschloss, das Fee heute Morgen aus Holzbausteinen darauf errichtet hatte, nach bestem Wissen in ihrem Zimmer wieder aufzubauen. Denn für ein Donnerwetter meiner Tochter war ich heute nicht gewappnet. Schließlich stellte ich das Beleuchtungsequipment auf und knipste ein paar Fotos von meinem wertvollsten Möbelstück. Mit einer jubelnden Beschreibung versehen bot ich es in einem Internetportal für gebrauchte Designmöbel zum Verkauf an. Schade, dass das Boxspringbett wegen seiner vielen Kakaoflecken nicht den gleichen Weg gehen konnte.

Nachdem ich Fee bei ihrer Omi abgeholt und in ebenjenes Bett verfrachtet hatte – als Kompromiss, sonst wäre sie gar nicht schlafen gegangen –, sah ich, dass ich ein paar Bestellungen für das Herrenarmband in der Ausführung #koolkhaki und zwei Anfragen für den Tisch bekommen hatte. Davon etwas ermutigt postete ich zum Tagesabschluss noch ein Foto.

Instagram-Post von Julia Braceletta

Ich sitze mit der goldenen Handy-Attrappe, die mir der Besitzer des Telefonshops nebenan überlassen hat, meinem Luxus-Smartphone im Hof hinter unserem heruntergekommenen Mehrfamilienhaus. Im Nachbarhof stehen glücklicherweise zwei Bäume, die in den Bildrand hineinragen und die Illusion erlauben, ich säße in unserem parkähnlichen Garten und fotografiere den rosa Abendhimmel. Mein Handgelenk ziert ein Duo-Bracelet, das Bänder in den Farben #epicevening (ein sehr dunkles Blau) und #dawn (ein sattes Violett) kombiniert. Aufgenommen hat das Bild meine Linke mit dem Vorvorvorjahres-Smartphone augenscheinlich der beste Ehemann von allen mit seinem Businesshandy.

Gefällt 527 Mal

julia_braceletta Beim Nichtstun erwischt vom Göttergatten. Der Abend ist aber auch zu schön …

#husbandandme #afterwork #gartenglück
#iphonepics #epicevening #braceletta #dawn

4 Kommentare

schokojunkie Genieß es! Was für ein riesiger Garten!

julia_braceletta Ja, ist aber auch manchmal echt viel Arbeit. Man will ja auch nicht für alles gleich den Gärtner holen …

elif_rocks Küss den Göttergatten. Auf sein Honigmaul

julia_braceletta Immer wacker drauf …

#Umstaendehalberabzugeben

Am nächsten Abend warteten Fee und ich auf die ersten Interessenten an unserem Tisch. Sie wollten sich das gute Stück anschauen und dann entscheiden. Ich trug extra ein Ensemble gehobener Freizeitmarkenkleidung aus Jörgzeiten und ein Paar Perlohrringe, um nicht zu armselig zu wirken. Die Haare hatte ich zu einer Banane aufgesteckt. Mir war die ganze Aktion ziemlich unangenehm. Nicht dass die Käufer noch dachten, der teure Tisch in unserer beengten Wohnung sei Hehlerware oder eine Fälschung aus Fernost. Außerdem befürchtete ich grundsätzlich bei jeder neuen Begegnung, es könnte sich um eine meiner Instagram-Followerinnen handeln, die anschließend öffentlich verriet, dass Julia Braceletta ihre Existenz zu Marketingzwecken etwas, nun ja, geschönt hatte.

Gegen sieben verdunkelte ein Schatten Fees Zimmer, wo wir gerade Pony und Gendarm spielten. Zwar lag das Kinderzimmer nach vorne raus und genoss als einziges in unserer Wohnung direkte Sonneneinstrahlung. Aber sobald ein größeres Auto vor dem Haus parkte, war es damit auch vorbei. Wir schauten also aus dem bodentiefen Fenster (hier in der Bedeutung eines vergitterten Souterrainfensters, das von außen auf Bodenhöhe lag), um zu sehen, ob unsere Käufer eingetroffen waren. Und tatsächlich: Da stand ein Transporter, aus dem zwei nackte Frauenbeine ausstiegen. Dann klingelte es, und ich humpelte mit meinem angeschlagenen Zeh nach oben zur Haustür.

Als ich öffnete, stand eine schwangere Frau im geblümten Sommerkleid und Segelschuhen vor mir und lächelte.

»Guten Abend, Sie sind Frau Peltzer? Kommen Sie doch rein!«, sagte ich und ließ die Frau an mir vorbei ins Haus. Automatisch wandte sie sich in Richtung der Wohnungstür im Erdgeschoss, und ich musste korrigieren: »Da geht’s runter.«

»Ach so, verstehe, du hast den Tisch schon im Keller stehen.« Ich hatte sie gesiezt, sie duzte mich. Ich kam mir gleich noch verspannter vor.

»Nein, wir wohnen da«, erklärte ich möglichst selbstverständlich. Die Frau ging mir voran nach unten.

Dort entkrampfte Fee die Situation, indem sie unsere Kundin mit der Stimme meiner Mutter anwies: »Du möchtest dir bitte die Schuhe ausziehen, bevor du reinkommst.« In einem meiner Kleider, das sie sich zwischenzeitlich übergezogen haben musste, blockierte sie den Türrahmen.

Die Schwangere lachte und trat sich die Schuhe von den Füßen. »Die musst du mir aber dann gleich wieder anziehen«, meinte sie an Fee gewandt. »Ich komm wegen des Bauchs so schlecht dran.« Dann erklärte sie mir: »I

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