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Aufstand - Horror-Roman: Nights of New York

Hendrik M. Bekker

Aufstand - Horror-Roman: Nights of New York

Cassiopeiapress Urban Fantasy





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Nights of New York: Aufstand

 

von Hendrik M. Bekker

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2013 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

 

Prolog:

 

„Mögen eure Seelen Frieden im Jenseits finden“, waren die letzten Worte, die die vier Werwölfe hörten, bevor sie von den Silberkugeln einer P90 zerfetzt wurden.

Paladin Uriel Calvin stand da und betrachtete sein Werk. Er hatte die Werwölfe den ganzen Abend beobachtet, wie sie Kisten verluden. Er strich seinen weißen Mantel glatt und begann die Kisten zu öffnen. Sie enthielten alle Gewehre eines ihm unbekannten Modells, weshalb er eins mitnahm. Er begann in der alten Fabrikhalle nach etwas zu suchen, was ihn weiterbringen würde und nach einer Weile wurde er fündig. Es war eine Liste mit Anfahrtszeiten, wann Lieferungen ankommen würden. Zudem war ein Zettel angeheftet, was sich in den Lieferungen befinden würde. Er war überrascht. Statt der erwarteten Waffen verschiedenster Art, wie man sie sonst bei Waffenschmugglern fand, standen hier auch militärische Güter aufgelistet. Sprengstoff und Granaten zum Beispiel.

„Ich werde nicht schlau daraus“, gab Uriel zu.

„Mach dir nichts draus. Wir haben unsere Aufgabe erfüllt“, erwiderte Marina Siegmund. Sie hatte kurzes schwarzes Haar und trug ein ärmelloses T-Shirt zu ihrer Jeans. Sie saßen gemeinsam in ihrem Wagen.

„Waffenschmuggel ist ja gewissermaßen normal, aber die Menge beunruhigt mich“, redete er weiter, als ob er sie nicht gehört hätte. „Wenn man dem Frachtbrief glaubt, dann haben die Werwölfe in den letzten Monaten Waffen für eine kleine Armee nach New York geschafft.“

„Das würde eine Organisation voraussetzen, die sie nicht besitzen“, erwiderte Marina überzeugt und schlürfte an ihrem dampfenden Kaffee. Uriel nickte, war aber nicht überzeugt. Seine Vorgesetzten predigten dasselbe wie Marina. Die Kreaturen, die Werwölfe und Vampire, wären nur triebgesteuerte, von Dämonen kontrollierte Bestien. Nicht sehr intelligent und auch nicht im großen Stil organisiert. Aber Uriel war schon lange genug dabei, um die inoffizielle Version zu kennen. Um sich ihr gegenüber nicht zu verschließen.

Die Vampire waren sehr wohl organisiert, genau wie die Werwölfe. Nach allem was Uriel wusste, hatte ein hundertjähriger Krieg zwischen den beiden Rassen geherrscht. Es hatte keinen eindeutigen Sieger gegeben und seit einem Jahrhundert herrschte kein offener Krieg mehr. Bis auf einzelne Auseinandersetzungen war dieser Frieden wohl noch existent.

„Vielleicht hast du Recht“, erwiderte er, um sie zufrieden zu stellen. Marina war streng gläubige Jägerin. Eine der wenigen Jägerinnen im Dienste des Vatikan. Uriel stieg aus dem Wagen aus und verabschiedete sich von ihr. Langsam schlenderte er zu seiner Wohnung. Er war selten hier. Als er hörte, wie Marina wegfuhr, blickte er ihr einen Moment nach, bis sie um die Ecke verschwand. Dann drehte er sich um und ging in eine andere Richtung. Es gab Fragen, die eine Antwort verlangten, noch heute Nacht.

 

 

Kapitel 1: Puzzlestücke

 

Jack Valentine schloss die Augen und nippte an dem Whisky. Die letzten Tage waren hart gewesen. Es gab eine Menge zu regeln, und die Stadt hatte sich verändert. Sein Werwolf-Freund Chris Sanders hätte gesagt, sie rieche anders. Jack hatte zwar verbesserte Sinne, aber seiner Meinung nach hatten schlicht die Abgase in der Luft zugenommen. Aber die Machtverhältnisse hatten sich stark geändert. Der Hohe Rat, die Anführer der Vampir-Clans, hatte die Stadt in den letzten Tagen des Hundertjährigen Krieges erbeutet. Die Stadt war zu ihrem Stammsitz geworden. Seitdem war die Bürokratie mehr geworden. Er hatte drei Nächte damit verbracht alles zu regeln, sich beim Grafen anzumelden, registrieren zu lassen und als erstes überhaupt dort empfangen zu werden. Alles nur, damit er unter den Menschen dieser Stadt jagen durfte. Verdammte Bürokratie, ging es ihm durch den Kopf. Er bevorzugte inzwischen zwar, wie seine Schwester Juliana, aus Blutbeuteln zu trinken anstatt Menschen direkt auszusaugen, aber trotz allem hatte er sich anmelden müssen. Er wollte immerhin einen guten Eindruck machen, man wollte ihm seine alte Stellung wiedergeben, freier Mitarbeiter bei der Vampire Police, einer Einheit der Vampire, die sich um Recht und Ordnung in den Nächten New Yorks kümmerte. Sie wurde oft scherzhaft Vampice genannt.

Er begann einzudösen. Ein plötzliches Geräusch ließ ihn hochfahren. Als er aufblickte, sah er eine Frau, die langsam aus dem Schatten seines Zimmers trat.

Nein, korrigierte er sich in Gedanken, der Schatten schien von ihr abzuperlen. Sie sah aus als wäre sie um die 20 Jahre alt und war japanischer Abstammung. Ihre langen schwarzen Haare fielen ihr bis auf den Rücken. Sie hatte einen Ledermantel über ihrer Jeans und ihrem schwarzen Top an.

„Wie lange stehst du schon da?“, fragte Jack, der wusste, wie gut sich die junge Vampirin vom Clan der Tiang Sha in einem Schatten verbergen konnte.

„Ein paar Minuten“, erwiderte diese und setzte sich auf das kleine Sofa im Raum. Sie legte ihren Mantel neben sich und Jack konnte Dank ihres ärmellosen Tops ihre Tätowierungen sehen. Er kannte Yoshiko Kobayashi nun schon fast 15 Jahre, und doch wusste er immer noch nicht, was das Geheimnis ihrer Tätowierungen war. Es waren Rosenranken, die, soweit er sehen konnte, den größten Teil ihres Körpers bedeckten. Das Seltsame an ihnen war, dass sie sich zu bewegen schienen, wenn man nicht genau hinsah. Jedes Mal, wenn er Yoshiko begegnete, hatte sich das Muster verändert.

„Was führt dich zu mir?“, fragte er.

„Wir müssen reden“, erwiderte sie nur und sah ihn ernst an. Jack zog eine Augenbraue fragend hoch, unterbrach sie aber nicht.

„Du bist doch mit diesem Werwolf befreundet, diesem Sanders, der bei der W.S.S. arbeitet“, begann sie und fuhr nach seinem Nicken fort. „Hat er in den letzten Nächten unruhig gewirkt?“

„Nein, ich habe ihn erst gestern getroffen, und er benahm sich wie immer“, erwiderte Jack. „Wieso fragst du?“

Die W.S.S. war ein privater Sicherheitsdienst, es war die Leibgarde des Werwolfalpha, des Anführers aller Rudel. Er residierte seit Langem in New York.

„Ich ziehe in letzter Zeit immer wieder mit Maxwell Tyler herum“, begann sie, doch Jack unterbrach sie.

„Der ist in der Stadt?“, fragte er besorgt. Maxwell Tyler war Jack nicht unbekannt. Er war dem Fenris-Wolf schon dreimal begegnet, zweimal war danach etwas Schlimmes passiert. Maxwell nannte sich einen Chronisten, er sammelte Wissen über alles, was geschah. Wenn er in der Stadt war, da war sich Jack sicher, dann würde es Ärger geben.

„Ja, ist er, schon seit letzter Woche, glaube ich“, erwiderte Yoshiko und fuhr fort. „Er behauptet, dass es Gruppierungen gäbe, die ‚Veränderungen anstreben würden‘, und er wollte dabei sein und aufzeichnen, was er erfahren könnte.“

„Und was spielt mein Kumpel Chris für eine Rolle?“, fragte Jack.

„Nicht er direkt, aber Maxwell sprach davon, dass seine Art ein treibender Faktor wäre“, erklärte Yoshiko. „Da dein Freund nunmal ein Werwolf ist und Maxwell ebenfalls, hätte es ja sein können, dass dein haariger Freund eine Bemerkung gemacht hat. Er ist immerhin bei der W.S.S., da dürfte er recht gut informiert sein.“

„Nein, aber ich werde ihn darauf ansprechen“, sagte Jack nachdenklich. Es wunderte ihn, dass Maxwell Yoshiko einen Hinweis gegeben hatte. Das war nicht seine Art. Maxwell hatte sicher schon so manches Reich untergehen sehen und er hatte oft Wissen besessen, das vielleicht ganze Zivilisationen vor dem Untergang gerettet hätte, doch meist hatte er geschwiegen. Er pflegte auf die Vorwürfe, die man ihm immer wieder an den Kopf warf, zu antworten, er würde die Geschichte niederschreiben als ein Beobachter, Zuschauer, nicht wie ein Akteur.

„Ich muss dann mal weiter. Sag, wenn du was herausbekommst“, sagte Yoshiko, während sie aufstand und sich ihren Mantel überwarf.

„Okay, was hältst du davon, wenn wir mal wieder losziehen?“, fragte er sie, während sie zum offenen Fenster seiner Wohnung im zwölften Stock ging. „Ich war lange nicht in der Stadt, wir könnten mal wieder um die Häuser ziehen wie früher.“

„Gerne“, erwiderte sie und lächelte ihn an. „Ist schön, dich wieder in der Stadt zu wissen. Es gibt wenige hier, denen man wirklich trauen kann.“

Mit diesen Worten sprang sie aus dem Fenster. Als er nach draußen sah, war niemand zu sehen. Er würde sich nie an ihre Art gewöhnen. Sie kam und ging, wann es ihr gefiel und wie es ihr gefiel.

 

 

Einige Stunden später saß Jack mit zwei Bechern Kaffee im Central Park auf einer abgelegenen Bank und betrachtete den Sternenhimmel. Er blickte auf die Uhr. Chris war recht spät. Auf einmal nahmen seine übermenschlichen Sinne etwas wahr, was einen starken Fluchtwunsch in ihm hochkommen ließ. Es war ein Reflex, der den Vampiren im Blut lag. Aus dem Geäst kam ein riesiger Wolf. Wäre er aufrecht gegangen, wäre er sicher 2,50 m groß gewesen. Unter seinem Fell konnte man starke Muskeln erkennen. Er kam langsam auf Jack zu und zog die Lefzen hoch, so dass man sein gewaltiges Gebiss sehen konnte. Jack zweifelte nicht daran, dass ein einziger kräftiger Biss ihn das Bein kosten könnte.

„Bist spät dran, Junge“, sagte er und stand auf. Der Werwolf verzog das Gesicht und krümmte sich, während man das Knacken von Knochen hörte. In Minutenschnelle verwandelte er sich in einen jungen Mann um die 30 mit langem schwarzen Haar und einem Gesicht, das ihm etwas von einem Adeligen gab. Nach der Verwandlung stand er nackt, den Rücken Jack zugewandt, da, der ihm eine Tasche reichte. In ihr war Kleidung, da er wusste, dass Sanders nach seiner Rückverwandlung nackt war. Nach einer Weile trat Chris Sanders aus dem Schatten, nun mit einer schwarzen Jeans und einem dunklen Hemd bekleidet.

„Tut mir leid, dass du warten musstest, aber es gab einen Unfall und ich musste einen Umweg gehen, um nicht gesehen zu werden“, entschuldigte sich Chris. Er setzte sich auf die Bank und nahm einen der Kaffee-Becher.

„Du wolltest mich sprechen?“, fragte er, nachdem er einige Schlucke getrunken hatte.

„Ja“, erwiderte Jack und trank ebenfalls von seinem Kaffee. „Ich habe gehört, dass die Werwölfe etwas planen“, bluffte er. Chris blickte ihn fragend an.

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