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Aufsätze 1980 / 1981

Thomas Mann: „Wenn gerufen wird, es lebe der Fortschritt, so frage ich stets: Fortschritt wessen und wohin?

Interpretation der Ringparabel, Lessing

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Thomas Mann: „Wenn gerufen wird, es lebe der Fortschritt, so frage ich stets: Fortschritt wessen und wohin?

(September 1980)

Eugen Loderer, der Vorsitzende des DGB, hat in seinem Referat auf dem 13. Ordentlichen Gewerkschaftstag in Berlin folgendes – sinngemäß – gesagt: „Wir wollen weder eine sozialistische Gesellschaftsordnung mit der damit verbundenen Planwirtschaft, noch wollen wir einen uneingeschränkten Kapitalismus. Wir suchen einen eigenständigen Weg, der den in unserer Gesellschaft lebenden Menschen die Existenzerhaltung gewährleistet und unserer Wirtschaft den Fortschritt sichert, auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben.“

Wenn Thomas Mann also fragt, Fortschritt wessen und wohin, so sind meiner Meinung nach mit wessen die in jeder Gesellschaftsordnung zwar konträren, aber, aufgrund der wirtschaftlichen Ordnung, zur Zusammenarbeit verpflichteten Gesellschaftsglieder, Arbeitgeber und Arbeitnehmer angesprochen. Versucht man nun aus der Sicht eines jeden dieser beiden den Begriff Fortschritt zu erläutern, so scheint es fast unausweislich, dass die Beurteilungen verschieden ausfallen müssen. Die Arbeitgeber sehen sicher im Fortschritt den Ausbau ihrer Betriebe, um mit Rationalisierung höhere Produktivität zu erzielen. Ziel dieser Maßnahmen ist eine gesteigerte Rentabilität, Gewinn. Es ist das Recht eines jeden Unternehmers in seinem Betrieb mit bestmögliche Rentabilität zu erreichen, es ist das wirtschaftliche Prinzip der freien Marktwirtschaft. Allerdings haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass Unternehmensinteressen oft an den Interessen der Arbeiter vorbeigingen. Denkt man an den Druckerstreik, muss man sich fragen, ob durch den Fortschritt, Rationalisierung durch technische Erneuerungen Arbeitsplätze vernichtet wurden, ohne an anderer Stelle neue zu schaffen? Und hat man hierdurch seine Bilanzen auf dem Rücken der Arbeitnehmer verbessert? An einem Beispiel der Gegenwart glaube ich verdeutlichen zu können, wie diese Fragen zu beantworten sind. Ich denke hierbei an den Mannesmann-Konzern, der durch den Zusammenschluss zweier Betriebe die seit Jahren positiv betriebene Montanmitbestimmung abschaffen will. Hier werden doch offensichtlich die Rechte der Arbeitnehmer zugunsten des Industriekonzerns beschnitten, sicher nicht mit dem Ziel, die sozialen Bedingungen der Arbeitnehmer zu verbessern, sondern um höhere Gewinne zu erzielen. Diese gesteigerte Rentabilität ist das Ziel der Konzernleitung, nach deren eigenen Worten.

Nun möchte ich mich dem erwähnten Gegenpol des Arbeitgebers, dem Arbeitnehmer zuwenden. Hat sich nicht durch den technischen Fortschritt die Arbeitswelt des arbeitenden Menschen zu seinen Gunsten verändert? Denke ich an die technische Verbesserung im Baugewerbe, wo früher für den Bau von Häusern Steine gebrochen und behauen werden mussten und Kräne zur Materialbeförderung als Utopie galten, so kann man heute feststellen, dass hier der Fortschritt eine positive Entwicklung war. Ebenso hat die Rationalisierung und g die gesteigerte Produktivität in der Zeit des Wirtschaftswunders soziale Gerechtigkeit ermöglicht und jedem Arbeitnehmer weit über das Existenzminimum Chancen eröffnet, an die die Generationen früherer Zeiten noch nicht einmal zu träumen wagten. Heute erscheint mir der Fortschritt nicht mehr als Entwicklung wie in der Zeit des Wirtschaftswunders, sondern als eine Entwicklung mit negativen Vorzeichen. Müssen nicht viele Arbeitnehmer ihren gewohnten Lebenszuschnitt einschränken, da sie nicht mehr über die benötigten Mittel verfügen? Sicher kann man einwenden, viele hätten über ihre Verhältnisse gelebt, dennoch: Im Großen und Ganzen, glaube ich meine Einschätzung aufrecht erhalten zu können. Wie viele Arbeitnehmer sind arbeitslos geworden, weil ihre Betriebe Arbeitsplätze eingespart haben? Ist dies nicht eine düstere Seite des Fortschritts? Um diese mir selbst gestellte Frage zu antworten, versuche ich auf das von Thomas Mann Gesagte, Fortschritt wohin, einzugehen. Wird in der Zukunft weiterhin technischer und wirtschaftlicher Fortschritt unabhängig von den in ...

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