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Aufgewachsen im Berliner Wedding

Inhalt

Vorwort

Omas Kartoffelpuffer

Opas Geheimnis

Armin, der Held I

Der alte Herr Rucks

Milch holen

Armin, der Held II

„Nehmses doch nicht so tragisch“

Das Aquarium

Tante Berta

Nachmittags in Untersuchungshaft

Die Frau ohne Rock

Vorwort

Das hier ist ein Geschichtenbuch. Erinnerungen, die mir so hin und wieder in den Kopf kommen. Ich schreibe sie hier nieder, ohne ein Konzept hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs oder der Themen, die so willkürlich entstehen.

Auf die Idee kam ich, weil ich in einer Seniorenresidenz im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit Geschichten vorlese. Teilweise sind sie lustig und teilweise auch nicht so sehr. Daher habe ich beschlossen, nach einem Test bei den älteren Bewohnern dieser Seniorenresidenz, eigene Geschichten zu schreiben.

Bei einem ersten Test habe ich zwei Geschichten vorgelesen und sie fanden bei meinen Zuhörern sehr viel Interesse und Zuspruch. Außerdem konnte ich diese Stories zum Anlass nehmen, mit den Leuten über die guten alten Zeiten zu reden, an die sich sich immer erinnern können.

Also ab ins Abenteuer der 50er und 60er Jahre im Berliner Wedding. Ein Teil der 70er kommt auch noch dazu.

Omas Kartoffelpuffer

1960, Berlin, Wedding, Exerzierstraße 25, dritter Stock, links. Hier wohnen Opa und Oma, die Eltern meiner Mutter.

Opa und Oma waren schon ewig verheiratet. Oma kam aus Schlesien und konnte kochen, was man allen nachsagte, die aus Schlesien kamen.

Das Haus in der Exerzierstraße war ein richtig Gutes, im Vorderhaus - wo Opa und Oma wohnten - mit drei Zimmern, Mädchenkammer und Küche und Bad. Mit Badewanne und einem blauen Badeofen.

Die Küche, die von Oma beherrscht wurde, lag gleich links, wenn man die Wohnung durch die Eingangstür betrat. Leider fehlten die beiden großen Zimmer, die ursprünglich zur Straße zeigten. Nach dem Krieg, in dem das Haus beschädigt wurde, baute man diese Zimmer nicht mehr auf. So war es halt eine 1 1/2 Zimmer Wohnung.

Die Küche war recht schmal. Gleich links stand eine alte Kochmaschine, wie man sie in vielen alten Wohnungen in Berlin vorfand. Sie wurde mit Holz und Kohle beheizt. Rechts daneben befand sich ein Gasherd mit drei Flammen und Backofen.

Eine Spüle im heutigen Sinne gab es nicht. Nur einen Ausguss. Dafür stand ein Tisch in dieser Küche, der unter der Platte einen Auszug hatte, in dem sich zwei Schüsseln versteckten, in denen der Abwasch gemacht wurde.

Die Küche war bis auf eine Höhe von etwa einen Meter sechzig oder einen Meter achtzig mit einer hellgrünen Ölfarbe gestrichen. Schön war das nicht, aber insofern praktisch, als dass sich Flecken auf der Ölfarbe leicht abwischen ließen.

Oma, in der damals üblichen Kittelschürze, war immer gut organisiert. Ihre Utensilien verstaute sie in einem Küchenschrank und in einer kleinen Anrichte, die die Einrichtung der Küche komplettierten.

Eine richtige Einbauküche gab es damals noch nicht, aber in Omas Küchenschrank befand sich ein Fach, das wie eine Thermoskanne isoliert war. Darin konnten Lebensmittel gekühlt werden, vorausgesetzt der Eismann rief und Opa holte von ihm ein paar Stücke Eis, natürlich gegen Bezahlung.

Zurück zur Kochmaschine und zu Oma. Die Maschine, die ja im eigentlichen Sinne keine Maschine war, bestand aus Schamottsteinen im Inneren und weißen Kacheln an den Seiten und hinten an der Wand. Das ganze Gerät war gemauert und fest eingebaut. Auf der oberen Kochfläche befanden sich zwei Kochstellen, die auch von oben beheizt wurden. Jeweils eine Platte in der Mitte und mehrere Ringe außenherum verschlossen diese Stelle.

Wollte man anheizen, dann musste der Deckel und die Ringe entfernt werden. Wenn das Feuer im Gange war und schon mal ein paar Briketts, sprich Kohle, eingelegt waren, dann konnte das Kochen bald beginnen.

Anders als auf dem benachbarten Gasherd kochte Oma mit Inbrunst auf der Kochmaschine. Was nicht einfach war, weil sich die Hitze nicht so einfach regulieren ließ wie auf dem Gasherd.

Die Kochmaschine hatte auch den großen Vorteil, dass sie gleich die Küche ordentlich einheizte, was im Winter von Vorteil, aber im Sommer eher nachteilig war.

Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger Jahre gab es natürlich nicht jeden Tag Fleisch zur Mahlzeit.

Man konnte seinerzeit aber immerhin noch in verschiedenen kleinen Läden einkaufen. Also Fleischer, Bäcker, Lebensmittelläden und es gab ein Geschäft nur für Obst und Gemüse. Kartoffeln, Zwiebeln, Salat und alles was zum Kochen benötigt wurde, gab es da, unverpackt und Oma war beim Einkaufen immer gut ausgestattet mit Einkaufsnetzen und Taschen. Der Fleischer legte die Wurst in Scheiben auf Papier und es wurde nicht auf Vorrat gekauft, weil es keine vernünftige Kühlmöglichkeit gab. Also wurde fast jeden Tag der Einkauf erledigt.

„Wir machen heute Kartoffelpuffer“, sagte meine Oma zu Opa.

Sie kochte immer für meine Eltern mit, die nebenan wohnten und auch gerne von Omas Kochkünsten profitierten.

„Thomas, geh mal runter zu Paulin und hol mal fünf Pfund Kartoffeln.“ Paulin war ein ganz gut ausgestatteter Lebensmittelladen in unmittelbarer Nähe.

Es gab das entsprechende Geld und meist erlaubte Oma, dass ich mir ein oder zwei Sahnebonbons, Storck Riesen, kaufen durfte. Zwiebeln, Mehl und Eier waren immer vorrätig.

Zurück mit den Kartoffeln, den Bonbon in meinem Mund, begann Oma mit den Vorbereitungen.

Kartoffeln schälen. Mit einem kleinen spitzen Messer, einen Sparschäler hatte Oma nicht. Aus dem Küchenschrank holte sie eine große Schüssel und eine grobe Reibe. Waren die Kartoffeln geschält und die Kochmaschine auf Temperatur gebracht, nahm sich Oma die Kartoffeln vor und begann mit dem Reiben.

Das war keine leichte Arbeit und vor allem musste sie aufpassen sich nicht zu verletzen, wenn sie mit den Fingern an die Reibe kam.

Trotzdem war Oma der Meinung, beim Reiben der Kartoffeln für ihre beliebten Puffer müssen immer schon ein bisschen Blut und ein paar mitgeriebene Fingernägel dabei sein. Was Quatsch war, aber an der Reibe geschnitten hat sie sich doch oft.

Nachdem die Kartoffeln gerieben waren, wurden sie in einem Geschirrtuch gepresst, damit das Wasser austreten konnte. Zwiebeln wurden ebenfalls gerieben und dann kamen noch Eier, Mehl und Salz in den Teig.

„So, geschafft“, sagte Oma und nahm die alte, oft benutzte Eisenpfanne vom Haken über der Kochmaschine, wischte sich die Hände an der Kittelschürze ab und gab etwas vom selbstgemachten Schmalz in die Pfanne, setze sie auf die Platte und gab mit einer Kelle die erste Portion geriebene Kartoffel in die Pfanne, aber so, dass ein Puffer die komplette Pfanne ausfüllte.

Der musste jetzt erst einmal auf der einen Seite so richtig gut braun werden.

Ab und zu schaute Oma nach wie der Zustand des Puffers war, indem sie ihn anhob und die Unterseite betrachtete.

Der Geruch dieser gebratenen Kartoffel-Zwiebel-Mischung steckt mir heute noch in der Nase. Das Knistern der Flammen in der Kochmaschine und Omas freundliches Gesicht machten die Idylle komplett.

Opa wurde in der Zwischenzeit von Oma in den Keller geschickt, um ein Glas vom selbstgemachten Apfelmus zu holen.

Mit Schwung wendete Oma den Puffer und so wurde einer nach dem anderen auf einem Teller zum Verspeisen ausgeliefert. Oma kam gar nicht zum Essen, weil sie die Puffer braten musste.

Alle Familienmitglieder mochten die Puffer mit Zucker oder Apfelmus. Nur mir hat das nie geschmeckt.

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Viel Spaß!



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