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Auf eigenen Beinen

1. KAPITEL

Miriam war fassungslos auf der Almwiese zurückgeblieben. Aufgewühlt stand sie neben den beiden Pferden und sah Robert hinterher, der wütend davonstapfte. Er ließ sich von ihr nicht aufhalten.

„Weißt du noch, was du mir auf deinem Lieblingsberg gesagt hast?“, rief sie ihm verzweifelt nach. „Dass ich der wichtigste Mensch für dich bin und du immer auf mich aufpasst.“ Robert drehte sich nicht um. Eine Träne lief ihr die Wange hinunter. „Und ich habe gesagt, wie sehr ich dich liebe und dass ich keine Angst habe, wenn du bei mir bist …“, flüsterte sie. Jetzt hatte sie schreckliche Angst. Dass ihre Liebe hier enden würde. Hier, in der Kälte.

Zufällig machte Charlotte einen Spaziergang im Wald und traf auf die völlig verstörte Verlobte ihres Sohnes. Auf den ersten Blick konnte sie sehen, dass etwas vorgefallen sein musste. Doch Miriam tat so, als sei alles in Ordnung.

„Früher habe ich auch immer so getan, als ginge es mir gut“, sagte Charlotte vorsichtig. „Heute weiß ich, die schlimmste Wahrheit ist besser als die schönste Lüge.“

Doch Miriam schwieg. Voller Sorge begleitete Charlotte sie und die Pferde zurück in den Stall und brachte sie schließlich in Alexanders Wohnung, die Roberts Verlobte vor Kurzem bezogen hatte.

„Sie wollen mir wirklich nicht sagen, was passiert ist?“, hakte sie nach.

„Nur ein dummes Missverständnis“, entgegnete Miriam abwehrend.

„Robert hat Sie im Wald allein gelassen!“, empörte sich seine Mutter. „Das war unverantwortlich.“

„Ich möchte nicht, dass Sie sich gegen ihn stellen“, bat Miriam. „Er ist oft so allein und verloren.“

Charlotte betrachtete sie forschend. „Sie sind eine starke junge Frau“, stellte sie fest. „Und darüber bin ich froh – meine Beziehung zu Roberts Vater ging oft über meine Kraft. Und Vater und Sohn sind sich sehr ähnlich.“ Damit ließ sie Miriam allein.

Roberts Verlobte sank in ihrem Rollstuhl zusammen. Würden Robert und sie ihre unterschiedlichen Temperamente je unter einen Hut bekommen? Sie liebten sich doch. Und trotzdem ging alles ständig daneben.

Charlotte Saalfeld hatte ein Hühnchen mit ihrem Sohn zu rupfen.

„Warum lässt du Miriam allein in der Kälte?“, fragte sie aufgebracht, nachdem sie ihn aus der Küche geholt hatte. „Sie kämpft um jeden Schritt, den sie gehen kann, und du …“ Robert schwieg. „Miriam ist so tapfer. Und du bist so ein Feigling!“, stieß Charlotte hervor und schnaubte verächtlich.

„Wir hatten einen Streit, verdammt“, rechtfertigte er sich. „Außerdem geht dich das gar nichts an.“

„Wovor hast du Angst?“, entgegnete sie ruhiger.

„Dass es aus ist. Davor habe ich Angst.“ In seinen Augen stand die blanke Verzweiflung. „Nachdem sie gestern meinen Antrag abgelehnt hat oder zumindest nicht angenommen hat, da war ich …“

„Da warst du verletzt, das ist doch klar“, ergänzte seine Mutter. „Und wütend auf sie.“

„Nein, auf mich“, widersprach er. „Weil ich es verpatzt habe. Ich dachte, alles wird gut, und dabei hatte ich es einfach wieder mal vermasselt. Ich habe immer die falschen Wünsche zur falschen Zeit. Und ich verspiele immer wieder ihr Vertrauen, bis sie mich nicht mehr liebt.“

„Als ich Miriam heimgebracht habe, war sie so verzweifelt, wie nur jemand sein kann, der aus Liebe unglücklich ist“, wandte Charlotte ein.

„Ich will sie aber glücklich machen“, beteuerte er.

„Dann geh zu ihr! Sag ihr, was für ein Starrkopf du bist und wie viel Angst du um sie hattest.“

Felix hatte Roberts schlechte Laune sofort bemerkt und musste nur eins und eins zusammenzählen: Bestimmt hatte er wieder Streit mit Miriam gehabt. Er machte sich auf die Suche nach Miriam und fand sie schließlich im Gewächshaus.

„Wieso wird es bei dir und Robert eigentlich immer komplizierter?“, fragte er vorsichtig.

Traurig sah sie ihn an. „Du willst wissen, ob unsere Probleme was mit dir zu tun haben?“

„Robert weiß, dass ich dich … also, dass ich eine Menge Gefühle für dich habe“, erwiderte Felix. „Und er ist irgendwie eifersüchtig, obwohl er keinen Grund dazu hat. Aber ich … ich will nicht, dass du mit Robert unglücklich bist.“

„Sondern?“ Ihre Stimme hatte einen scharfen Klang angenommen. Er schwieg. „Robert hat sich heute unmöglich benommen“, fuhr sie fort. „Er ist stolz und ängstlich und total irrational. Und er tut mir immer wieder weh, und ich kann ihm überhaupt nicht mehr vertrauen. – Aber ich liebe ihn.“

„Gut. Das habe ich nun oft genug gehört“, murmelte Felix. Etwas lauter sagte er: „Miriam, ich will nur deine Freundschaft nicht verlieren. Doch ich bin wohl auf dem besten Wege dazu.“

„Nein“, widersprach sie. „Wenn du das kannst, dann bleibe bitte mein Freund.“

„Auf mich kannst du dich verlassen“, versprach er. „Was auch passiert. Ich bin da.“

„Auch wenn ich dich nicht liebe?“, erwiderte sie leise.

„Immer.“ Es entstand eine kurze Stille. Felix konnte es einfach nicht lassen, sie noch einmal darauf anzusprechen. „Aber wenn das zwischen dir und Robert die große Liebe ist, warum ist es dann so schwierig zwischen euch?“

„Mir ist kalt“, erklärte sie abweisend. „Lass uns zu mir gehen.“ Ohne ein weiteres Wort setzte sie sich mit der Gehhilfe in Bewegung.

„Robert und ich wollen nie gleichzeitig das Gleiche“, sagte Miriam, als sie kurz darauf die Wohnungstür aufschloss. „Und es funkt dauernd. Aber das tut es, weil wir uns lieben. Vielleicht zu sehr.“

„Er hätte dich nicht allein lassen dürfen“, beharrte Felix.

„Nein. Und er hat sich seither nicht bei mir gemeldet. Dabei habe ich solche Angst, dass es jetzt aus ist.“

„Das glaube ich nicht“, entgegnete Felix.

„Hoffst du das nicht sogar?“, gab sie müde zurück.

Er ging nicht darauf ein. „So, wie ich Robert kenne, war das einfach eine seiner impulsiven Reaktionen“, sagte er stattdessen. „Er hat Angst, dich zu verlieren. Er ist gekränkt wegen des Antrags. Aber das bedeutet nicht, dass er dich nicht mehr liebt.“

„Du verteidigst ihn?“, wunderte sie sich. „Ausgerechnet du?

„Das tue ich gar nicht!“, entgegnete er ein wenig zu heftig. „Ich wünsche mir nach wie vor nichts mehr, als mit dir zusammen zu sein.“

Betroffen senkte sie den Blick.

„Ich weiß, dass das nicht möglich ist“, setzte er ernst hinzu. „Ich will nur, dass du glücklich bist. Wenn’s sein muss auch mit Robert.“

Miriam griff nach seiner Hand. „Danke“, flüsterte sie. „Für alles.“

Einen Moment lang standen sie schweigend voreinander.

Und genau in diesem Augenblick stieß Robert die halb offene Zimmertür auf und sah seine Verlobte Hand in Hand mit seinem Rivalen.

Miriam spürte seinen fassungslosen Blick in ihrem Rücken und drehte sich um. Sie sah gerade noch, wie Robert auf dem Absatz kehrtmachte und davonstürmte.

„Oh nein!“, stöhnte sie verzweifelt.

Robert hatte sich in seine Wohnung verzogen und schlug wie besessen auf den Punchingball ein.

In der Küche wurde er dringend gebraucht, und schließlich steckte Lars den Kopf durch die Tür, um zu fragen, was los sei.

„Felix hetzt ständig gegen mich!“, rief Robert wütend. „Und Miriam zweifelt an meiner Liebe! Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen.“ Wieder drosch er auf den Punchingball ein. „Es gibt nur eine Konsequenz“, presste er schließlich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Felix muss weg.“

Der Geschäftsführer hob nun überrascht die Augenbrauen.

„Vielleicht wäre es auch eine Möglichkeit, Miriam einfach zu vertrauen?“, hielt er dagegen.

„Ihr würde ich jederzeit mein Leben anvertrauen“, knurrte Robert. „Aber Felix ist eine Zecke, ein mieser Parasit. Wenn er mir noch einmal unter die Augen kommt, dann garantiere ich für nichts.“

„So geht das wirklich nicht weiter“, räumte Lars ein. „Küche und Restaurant können nicht gegeneinander arbeiten.“

„Langsam kapierst du, worauf ich hinauswill“, bestätigte Robert. „Felix’ Probezeit läuft in ein paar Tagen ab. Und wenn du mein Freund bist, dann sorgst du dafür, dass er fliegt.“ Miriam würde ihn dafür hassen, das war dem Küchenchef klar – aber immerhin würde er dann wissen, ob sie ihn stark genug liebte.

Lars Hoffmann war indes gar nicht wohl bei dieser Angelegenheit, aber er musste vor allem die Interessen des Hotels im Auge behalten. Und ein Restaurantleiter, der ein rotes Tuch für den Küchenchef war – das ging einfach nicht.

Also zitierte er Felix Tarrasch ins Büro und unterbreitete ihm die Kündigung.

„Das kann doch nicht wahr sein!“, empörte sich Felix. Es war offenkundig, dass es nicht um seine Leistung als Restaurantleiter ging, sondern um Robert Saalfeld und seine Eifersucht.

Doch der Geschäftsführer ließ sich auf keine Diskussionen ein.

Tanja bedrängte Gregor so lange, bis er ihr von seinem Gespräch mit Mike erzählte. Sie ließ sich nicht damit abspeisen, dass Mike den Vorschlag, mit Gregor eine Gemeinschaftspraxis zu eröffnen, nur aus organisatorischen Gründen abgelehnt hätte.

„Er will vielleicht weg von hier“, gab Gregor schließlich zu.

„Wegen mir?“, fragte Tanja tonlos.

Er nickte stumm.

„Reicht es nicht, dass ich den Mist mit Xaver gebaut habe und dass ich mich dafür hasse?“, seufzte sie unglücklich.

„Mein Leben ist schon kaputt genug – muss Mike jetzt auch noch seines über den Haufen werfen?“

Sie musste mit ihm reden. Auch wenn er sicher keine Lust hatte, ihr zuzuhören …

„Mir ist klar, dass du mir nicht verzeihen kannst“, begann Tanja, als sie Mike das nächste Mal im Personalraum antraf. „Aber die Gemeinschaftspraxis mit Gregor ist eine wunderbare Idee. Er hat dir mit deiner Krankheit geholfen. Und jetzt braucht er dich.“

„Was soll das jetzt?“, knurrte Mike gereizt.

„Diese Praxis ist genau das Richtige für dich“, fuhr sie unbeirrt fort. „Und bevor du das aufgibst, nur weil du mich nicht mehr sehen willst, gehe ich lieber.“

„Was willst du damit sagen?“, fragte er.

„Dass ich dich zu sehr liebe, um dir im Weg zu stehen“, antwortete Tanja tapfer. „Ich werde kündigen und den ‚Fürstenhof‘ verlassen.“

Verblüfft sah er sie an.

Trotz des Nachhilfeunterrichts von Elisabeth und Hildegard wurde Johann schnell bewusst, dass er es niemals schaffen würde, ein guter Nachtportier zu werden. Er wollte seine Stelle als Gärtner zurückbekommen – doch Werner Saalfeld würde das nicht zulassen, so viel stand fest.

„Wenn Johann jetzt aufgibt, dann hat Werner gewonnen“, beklagte sich Elisabeth bei Hildegard Sonnbichler. „Soll es jetzt wieder so sein, dass einfache, ehrliche Menschen gegen die Saalfelds keine Chance haben? Meine Eltern haben ihn damals vom ‚Fürstenhof‘ weggejagt und mich gleich mit.“

„Der Chef hat das schlau eingefädelt“, entgegnete Hildegard. „Er tut so, als wolle er Johann schonen – dabei will er ihn loswerden.“

„Werner kann doch mit seinen faulen Tricks nicht jedes Mal durchkommen“, seufzte Elisabeth.

Sie nahm sich vor, sich ihren Schwager noch einmal vorzuknöpfen.

Doch Werner hatte nicht die Absicht, sich umstimmen zu lassen …

„Der Mann hatte einen Herzanfall und darf keine schwere Gärtnerarbeit mehr verrichten“, erklärte er bestimmt. „Also suche ich nach einer Alternative für ihn. Und jetzt muss ich mir auch noch Vorwürfe anhören!“

„Es geht gar nicht um den Job, es geht um Rache, habe ich recht?“, hakte sie nach. „Wegen der Scherereien mit der Zufahrtsstraße für deinen Golfplatz.“

„Du leidest an Verfolgungswahn“, spottete der Senior.

In Elisabeth stieg die Wut hoch. „Johann und ich haben so lange auf unser Glück gewartet!“, rief sie. „Und jetzt willst du uns alles kaputt machen. Aber der ‚Fürstenhof‘ gehört dir und Charlotte zu gleichen Teilen. Also sollte meine Schwester auch in Personalfragen mitreden dürfen.“

Aber ihre Schwester schlug sich nicht so selbstverständlich auf Elisabeths Seite, wie diese gedacht hatte. Als die beiden Frauen sich unterhielten, machte Charlotte ihren Standpunkt mehr als deutlich.

„Werner und ich … wir waren viel länger zusammen als getrennt“, sagte sie. „Eure Liebe muss das Defizit eines halben Lebens aushalten.“ Elisabeth runzelte die Stirn, lauschte jedoch weiterhin schweigend. „Du und Johann und Felix. Ihr seid am ‚Fürstenhof‘. Er ist euer Sohn. Und doch seid ihr keine Familie. Und du fühlst dich nicht mehr als eine Saalfeld.“

„Ich liebe Johann“, erwiderte Elisabeth aufgebracht. „Und ich will, dass er eine echte Chance hat, zu unserer Familie zu gehören.“

„Ich finde Werners Angebot, ihn als Nachtportier einzusetzen, mehr als fair“, versetzte ihre Schwester.

Elisabeth glaubte, ihren Ohren nicht zu trauen. „Langsam verstehe ich, wie du es fertiggebracht hast, fünfunddreißig Jahre Ehe mit diesem Mann zu überstehen“, giftete sie. „Du hast einfach angefangen, so zu denken wie er.“

Zur gleichen Zeit bat Johann Dr. Bergmeister, ihm ein Attest zu schreiben, das ihm erlauben würde, die Gärtnertätigkeit wieder aufzunehmen. Als verantwortungsbewusster Arzt konnte Gregor das auf keinen Fall tun. Aber als er sich Johanns Nöte anhörte, hatte er eine Idee …

Bei seinem Vermieter trieb er schließlich eine alte Maschine auf, einen Holzspalter. Und er machte sich sogleich daran, den zu reparieren.

Mitten in der Arbeit wurde er von Mike unterbrochen.

Der Masseur hatte sich Tanjas Worte durch den Kopf gehen lassen. Und Gregor war völlig überrumpelt, als Mike ihm jetzt die Hand entgegenstreckte und ihre Partnerschaft in der Gemeinschaftspraxis besiegeln wollte.

„Heißt das, du und Tanja – bei euch ist alles wieder okay?“, wollte Gregor wissen.

„Hoffnung auf Besserung“, gab sein frischgebackener Partner zurück. „Ich werde hierbleiben. Und sie wohl auch.“

„Also hast du ihr verziehen?“

Darauf konnte Mike nichts antworten. Stattdessen half er Gregor bei der Reparatur des alten Holzspalters.

Werner Saalfeld traute seinen Augen nicht, als er Johann einige Zeit später mit dem Gerät Holz hacken sah. Aber da selbst Dr. Bergmeister bestätigte, dass diese Arbeit für Johann keineswegs zu schwer sei, konnte er nichts dagegen unternehmen.

„Und wenn ich den Schneepflug erst fertig habe, dann sind Sie für den restlichen Winter bestens gerüstet“, sagte Gregor zu Johann, der dem Senior ein breites Grinsen zuwarf.

Durch den Streit mit Elisabeth waren die Eheleute Saalfeld wieder ein Stück zusammengerückt.

„In dem Dorf in Afrika …“, begann Charlotte nachdenklich, als sie abends beisammensaßen. „Ich wusste nicht, wer ich war und woher ich kam, aber ich habe dort trotzdem etwas von mir gefunden.“ Fragend sah Werner sie an. „Meine innere Stärke“, erklärte sie. „Und das Wissen, dass ganz wenige Dinge wirklich wichtig sind.“

„Ich weiß jetzt auch etwas“, entgegnete er liebevoll. „Ich kann nur ich selbst sein, wenn du bei mir bist.“

Er griff nach ihrer Hand, und die Zeit schien einen Moment lang stillzustehen. Sie sahen einander in die Augen. Ganz langsam näherten sich ihre Gesichter, und endlich gab der Senior seiner Frau einen zarten Kuss. Sie ließ es geschehen …

Doch die Probleme des Alltags holten die beiden schnell wieder ein.

Am nächsten Morgen unterrichtete Werner Charlotte darüber, dass Felix Tarrasch gekündigt worden sei. Lars hatte sich bei ihm Rückendeckung geholt – auch Werner fand, dass der reibungslose Ablauf im Hotel nicht durch private Konflikte gestört werden durfte.

„Weiß Elisabeth es schon?“, wollte Charlotte wissen.

„Sie wird mir natürlich wieder Böswilligkeit unterstellen“, seufzte er. „Deshalb wollte ich zuerst mit dir reden. Damit du auf ihre Reaktion gefasst bist.“

Nachdenklich sah sie ihn an.

Felix beklagte sich unterdessen bei seiner Schwester über die ungerechte Behandlung, die ihm widerfahren war. Jetzt würde er erst recht um Miriam kämpfen. In irgendeinem Restaurant in der Nähe würde er schon einen Job finden. Viktoria betrachtete ihn besorgt. Doch er wollte keinen Rat von ihr annehmen.

„Sag Miriam auf keinen Fall etwas von Roberts hinterhältiger Aktion gegen mich“, bat er sie nur.

„Wieso denn nicht?“, wunderte sie sich. „Sie wird sein Verhalten alles andere als gutheißen – eher wird es sie gegen ihn einnehmen. Und für dich.“

„Kein Wort zu ihr darüber!“, beharrte er. „Ich bin keine Petze. Harte Bandagen, ja. Aber ich will fair bleiben.“

In diesem Augenblick klingelte sein Handy. Die Saalfelds baten ihn, sofort in ihre Privatwohnung zu kommen.

Robert hatte – seit Lars ihm von Felix’ Kündigung erzählt hatte – seine gute Laune wiedergefunden. Umso erstaunter war er, als er Felix im Restaurant antraf.

„Willst du dir den letzten Rest deiner Probezeit wirklich noch antun?“, fragte er von oben herab. „An deiner Stelle würde ich lieber gleich gehen. Das ist doch nur demütigend.“

„So schnell wirst du mich nicht los“, konterte Felix gelassen. „Weder als Restaurantchef noch als Rivale.“

„Was soll das heißen?“, entgegnete Robert perplex.

„Ach, du weißt es noch nicht?“ Felix’ Stimme war voller Genugtuung. „Leider, leider, deine Eltern haben anders entschieden. Ich bleibe!“

Robert fiel aus allen Wolken. Sobald er wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, stürmte er in die Wohnung seiner Eltern. Niemand anders als sein Vater konnte hinter dieser Geschichte stecken!

Zu seinem Entsetzen unterbrach Charlotte seine wütende Anklage und erklärte: „Es tut mir leid, aber diese Entscheidung habe ich getroffen. Dein Vater hat nichts damit zu tun.“

Du hast die Kündigung rückgängig gemacht?“ Robert war fassungslos. „Aber warum denn?“

„Zunächst einmal: Es gefällt mir nicht, wenn man in unserem Haus so mit seinen Mitarbeitern umspringt“, erklärte sie ruhig.

„Er war in der Probezeit!“, empörte sich Robert. „Das war eine völlig legitime Kündigung!“

„Ich glaube, darum geht es deiner Mutter nicht“, mischte sich Werner ein.

„Robert, mit solchen Aktionen treibst du Felix direkt in Miriams Arme“, mahnte Charlotte.

„Der Plan war eigentlich, ihn von hier zu vertreiben!“, knurrte ihr Sohn.

„Wenn Miriam erfährt, dass du Felix entlassen hast … Was glaubst du, wie sie reagiert?“, fragte sie.

„Sie wäre wütend, aber dafür wäre Felix endlich Vergangenheit!“, gab er aufgebracht zurück. „Das hätte sich alles schon wieder eingerenkt.“

„Das hast du doch gar nicht nötig“, erwiderte sie sanft. „Miriam liebt dich. Und wenn du in Ruhe darüber nachdenkst, wirst du einsehen, dass ich richtig gehandelt habe.“ Sie seufzte. „Ich hoffe es zumindest.“

„Solange der Typ in unserem Haus ist, haben Miriam und ich Stress miteinander“, wütete er. „Aber Hauptsache, meine Eltern sind zufrieden mit dem, was sie tun!“ Damit stürzte er hinaus.

„So ist er, unser Sohn“, sagte Werner mit einem Lächeln. „Wie er leibt und lebt.“

„Von wem er das wohl hat, das Poltern?“ Charlotte gab ihm einen zärtlichen Stups.

„Ich, als Experte, kann dir versichern, er beruhigt sich wieder“, meinte er.

„Sicher. Aber ich hätte mir ein bisschen mehr Frieden und Harmonie für unsere Versöhnung gewünscht“, gab sie zurück.

„So viel Glück wäre ja kaum auszuhalten“, scherzte Werner und zog sie an sich.

2. KAPITEL

Miriam spürte sofort, dass ihre Freundin ihr etwas verschwieg. Aber sosehr sie sie auch bedrängte, aus Viktoria war nichts herauszubekommen. Sie hatte schließlich ihrem Bruder versprochen, nichts von Roberts Intrige gegen ihn zu erzählen.

Miriam reagierte gereizt auf das Schweigen ihrer Freundin. Irgendwas wusste Viktoria! Irgendwas, über das sie nicht reden wollte. Es konnte nur um etwas gehen, das Robert und Felix betraf. Wie sollte Miriam das jetzt herausfinden?

Kurzentschlossen stellte sie Felix zur Rede.

„Sieh mir in die Augen und sag, ob irgendetwas zwischen dir und Robert vorgefallen ist“, verlangte sie.

Er konnte ihrem forschenden Blick nicht allzu lange standhalten. „Nur das Übliche, ein paar dumme Sprüche“, behauptete er. „Wir werden wohl in absehbarer Zeit keine Blutsbrüderschaft trinken. Aber das ist ja nichts Neues.“ Er wollte sich gerade abwenden, als Robert zu den beiden trat. Und Robert zog seine eigenen Schlüsse.

„Alles klar, er hat es dir erzählt“, stellte er wütend fest.

Felix wollte widersprechen, aber Miriam war schneller. „Ja, hat er“, log sie.

„Tja, ich bin eben nicht so edelmütig wie er“, giftete Robert. „Werde es auch nie sein. Kann ich nicht, bin ich nicht.“

„Ist das alles, was du zu sagen hast?“, erwiderte sie. „Das wusste ich nämlich schon.“

„Wie du siehst, der böse Robert hat zwar versucht, den noblen Nebenbuhler rauszuwerfen, aber umsonst!“, rief er zornig. „Er ist immer noch hier und kann seinen Keil zwischen uns treiben.“

Miriam glaubte, sich verhört zu haben. „Du wolltest ihm kündigen?“, fragte sie fassungslos. Felix stahl sich heimlich davon. „Wie konntest du das tun?“, fuhr sie getroffen fort. „Meinen besten Freund aus dem Weg räumen? Was bist du nur für ein Mensch?“

„Und du?“, hielt er dagegen. „Wie kannst du es zulassen, dass er Stück für Stück unsere Liebe kaputt macht? Nicht aktiv, nein! Ganz elegant durchs Hintertürchen!“

„Du bist ungerecht!“, herrschte sie ihn an. „Das kann nicht dein Ernst sein!“

„Und wie du ihn verteidigst!“, wetterte er. „Bezaubernd! Wir wollten heiraten. Jetzt sind wir weiter davon entfernt als der Mond. An wem liegt das, frage ich dich?“

„Ich hätte dich geheiratet“, entgegnete sie empört. „Doch du wolltest ja erst mal abwarten, wie es ‚mit unseren Eltern weitergeht‘! So viel zum Thema, was einem wichtig ist.“

Er wusste nicht, was er darauf erwidern sollte. Natürlich hatte sie recht – die Hochzeit hatte er verbockt. Er ganz allein.

Tanja hätte mit ihrem Putzwagen in der Lobby beinahe eine junge Frau umgefahren und entschuldigte sich erschrocken. Doch statt sich zu beschweren, stellte sich die Dame als Nichte von Hildegard Sonnbichler vor.

„Aber dann sind Sie ja Jonas’ Mutter!“, rief Tanja überrascht.

„Nora Dammann“, bestätigte die Frau. „Ich habe Jonas gerade im Internat besucht.“

Tanja erzählte, dass sie damals die Schlange eines Gastes aus ihrem Käfig gelassen und Jonas sie glücklicherweise wieder eingefangen hatte. Nora kannte diese kleine Geschichte und lachte. Das Zimmermädchen war ihr auf Anhieb sympathisch. Jetzt musste sie allerdings erst einmal ihre Tante suchen. Denn Hildegard wusste noch gar nicht, dass sie hier war. Die beiden jungen Frauen versprachen sich zum Abschied, sich auf jeden Fall bald auf einen Kaffee zu treffen.

Beschwingt machte Tanja sich wieder an die Arbeit.

Sie putzte gerade ein Hotelzimmer, als die Tür aufging und Mike hereinkam.

„Danke, dass du mich mit Gregor zusammengebracht hast“, sagte er.

„Du warst bei ihm?“, fragte sie unsicher. „Ihr wollt gemeinsam eine Praxis aufmachen? Das bedeutet …?“

„Dass ich bleibe“, vollendete er ihren Satz. „Und ich möchte auch, dass du bleibst.“

„Okay.“ Sie nickte. „Was aber nicht heißt …“

„Dass wir wieder ein Paar sind? Nein.“

Sie schluckte, besann sich jedoch auf ihren Charme. „Aber es ist auch nicht ausgeschlossen, dass du irgendwann, wenn du alt und grau bist und ich bucklig und faltig, dass du mir dann verzeihen kannst?“

Doch er stieg nicht auf ihren scherzhaften Ton ein. „Keine Ahnung, ob ich dir verzeihen kann“, erklärte er ernst. „Ob ich die Bilder aus dem Kopf kriege.“

„Vielleicht sind ja irgendwann deine Sehnsucht und deine Liebe zu mir größer als diese Bilder?“, sagte sie hoffnungsvoll.

„Vielleicht …“

„Oder die Gefühle sind irgendwann weg …“ Plötzlich sah sie sehr traurig aus.

„Auch möglich.“

„Mike?“ Sie berührte ihn sacht am Arm. „Hauptsache, du bist da, und wir sehen uns … und ich weiß, wie es dir geht, wir können normal miteinander reden und uns in die Augen sehen … Wenn uns danach ist.“

Ohne darauf etwas zu erwidern, hob er die Hand zum Abschied und ging. Unglücklich sank Tanja aufs Bett.

Inzwischen hatte Nora ihre Tante gefunden. Hildegard freute sich überschwänglich, sie zu sehen, und schloss sie begeistert in die Arme.

„Gut siehst du aus!“, rief sie fröhlich.

„Danke“, sagte Nora. „Ich war gerade bei Jonas. Und … ich hab noch ein paar freie Tage.“

„Und da kommst du ausgerechnet zu uns“, entgegnete Hildegard lächelnd. „Das freut mich aber! Na, erkennst du hier alles wieder?“

„Hat sich viel getan“, antwortete Nora. „Das gab’s früher nicht: Fitnessraum, Golfplatz. Und Pralinen an der Rezeption. Wo steckt denn eigentlich Alfons?“

„Der ist für ein paar Tage bei einer Bekannten, die schwer krank ist“, erklärte Hildegard bedauernd. „Aber was hältst du davon, wenn wir uns heute einen gemütlichen Frauenabend machen? Es gibt bestimmt jede Menge zu erzählen.“

Einen Augenblick lang schien Nora zu zögern, sagte schließlich jedoch zu. „Klar! Ich freue mich! Und bis dahin mache ich einen kleinen Spaziergang ins Dorf. Mal sehen, ob es die Bäckerei und den Schuhladen noch gibt.“

Hildegard lächelte ihr zu.

Kurz darauf machte Nora sich auf den Weg.

Sie war fast zwanzig Jahre nicht mehr im „Fürstenhof“ gewesen, aber die Berge lagen unverändert in der Sonne.

Als sie an der Almwiese vorbeikam, bemerkte sie plötzlich Tanja, die auf einer Bank saß. Das Zimmermädchen hatte offensichtlich geweint.

„Entschuldigung, kann ich Ihnen helfen?“, erkundigte sich Nora vorsichtig.

„Geht schon wieder“, schniefte Tanja.

„Als ich Sie vorhin im ‚Fürstenhof‘ gesehen habe, da wirkten Sie so unbeschwert“, sagte Hildegards Nichte. „Ist was passiert?“

„Es ist passiert, dass ich die dümmste Kuh auf der ganzen Welt bin!“, brach es aus Tanja heraus. „Ich habe meinen Freund betrogen. Und er kann mir nicht verzeihen, dabei war es ein blöder Ausrutscher, den ich bereue.“ Nora reichte ihr wortlos eine von Lauras Pralinen, die sie an der Rezeption eingesteckt hatte. „Danke, Frau … Frau …?“

„Nora und Du reichen.“

„Tanja. Aber das weißt du ja schon.“ Nora nickte. „Jahrelang habe ich die große Liebe gesucht“, fuhr Tanja unglücklich fort. „Ich habe so viel Mist und Enttäuschungen erlebt – immer wieder habe ich mich verknallt und bin bloß verletzt worden. Und jetzt …“ Sie brach ab.

„Und jetzt hast du ihn endlich gefunden“, ergänzte Nora.

„Und mache selbst alles kaputt!“ Tanja schüttelte den Kopf. „Das ist doch nicht normal! Andere Paare können doch auch jahrelang glücklich sein!“

„Da kenne ich aber nur wenige“, murmelte Nora. „Wie oft trifft man schließlich einen Mann, den man aufrichtig lieben kann?“

„Einmal in hundert Jahren“, gab Tanja verzweifelt zur Antwort.

„Eben. Wer liebt, muss auch leiden. Das macht die Liebe nur umso größer und wertvoller, auch wenn das paradox ist.“ Nora sah Tanja ins Gesicht. „Gib ihn nicht auf!“

„Das hätte Laura vermutlich auch gesagt“, erwiderte Tanja nachdenklich.

Am Nachmittag saßen Nora und ihre Tante im Wohnzimmer der Sonnbichlers zusammen.

„Erzähl mal! Wie läuft es bei dir?“, wollte Hildegard wissen.

„Gut, gut“, murmelte ihre Nichte knapp.

„Und dein Chef?“, hakte Hildegard nach. „Letztes Mal, als wir geredet haben, hättest du ihn am liebsten umgebracht.“

„Habe ich dann doch nicht.“ Nora winkte ab. „Das Übliche.“

Ihre Tante war hellhörig geworden. „Magst du nicht darüber reden?“

„Nein, nein – es gibt einfach nicht viel zu erzählen“, behauptete Nora. „Ein Tag ist wie der andere. Meistens langweilig.“

„Wenn ich das nur auch sagen könnte!“, seufzte Hildegard. Ihr Blick fiel auf die Uhr. Sie musste los, heute fand noch eine Fraktionssitzung statt. Ihre Nichte bewunderte sie für ihr politisches Engagement – aber sie wusste ja auch nicht, wie anstrengend es war mit diesen Männern, die nicht aufhören konnten zu reden.

Falls Nora noch ein bisschen Abwechslung brauche, solle sie ins Dorfcafé gehen, schlug Hildegard vor, bevor sie sich verabschiedete.

Schon bald nachdem ihre Tante gegangen war, fiel Nora die Decke auf den Kopf, und sie beschloss, Hildegards Rat zu befolgen und dem Café einen Besuch abzustatten.

Kurze Zeit später betrat sie das Lokal und wäre beinahe mit einem jungen Mann zusammengestoßen, der einen Motorradhelm in der Hand hielt und offensichtlich betrunken war.

„Stopp!“, rief sie. „Sie wollen nicht mehr fahren, oder?“

„Es sind nur ein paar Meter, keine Sorge“, erklärte er mit schwerer Zunge.

„Tut mir leid.“ Sie stellte sich ihm in den Weg. „Ich weiß zufällig, was passieren kann, und ich lasse niemanden betrunken fahren. Wenn es nur ein paar Meter sind, können Sie die auch laufen.“ Energisch nahm sie ihm die Schlüssel ab, schob ihn aus dem Lokal und an seinem Motorrad vorbei.

„Sie sind aber hartnäckig“, stellte er irritiert fest, ließ sich dann jedoch von ihr nach Hause bringen.

Auf dem Weg unterhielten sich die beiden angeregt. Der junge Mann hatte sich Nora als Mike Dreschke vorgestellt und ihr das Du angeboten. Trotz seines augenblicklichen Zustandes war er Nora sehr sympathisch, und sie nahm sein Angebot gern an.

Bei ihm zu Hause angekommen, half sie ihm, seine Tür aufzusperren.

Mike, dem die Situation mittlerweile ein wenig peinlich war, schlug vor, einen Kaffee zu kochen.

Nora stimmte zu, und während Mike sich an der Kaffeemaschine zu schaffen machte, sah sie sich im Wohnzimmer um. Zu ihrer großen Überraschung entdeckte sie ein Foto von Tanja.

„Ist das deine Freundin?“, wollte sie wissen.

„Das ist die Frau, die ich liebe, aber sie ist nicht mehr meine Freundin!“, antwortete er.

„Der Mann, der nicht verzeihen kann“, murmelte sie schmunzelnd. „Ich habe Tanja heute kennengelernt. Ganz ’ne Süße. Und sehr traurig wegen der Trennung.“ Sie nahm Mike die Kaffeedose aus der Hand.

„Ich habe Angst, dass ihr Betrug für immer zwischen uns steht“, sagte er traurig.

„Weißt du überhaupt, was für immer ist?“ Nora wirkte aufgewühlt. „Für immer ist, wenn einer nicht mehr da ist, wenn der andere tot ist und du ihn nie wieder lachen und weinen sehen kannst, ihn nie wieder riechst, er nie wieder neben dir aufwacht und was zu dir sagen kann! Das ist für immer!

Er nickte beklommen.

„Und ich weiß, wie sich das anfühlt“, setzte sie hinzu und atmete tief durch, um sich zu beruhigen. „Du müsstest glücklich sein, die Frau, die du liebst, im Arm zu halten, mit ihr dein Leben verbringen zu können! Und was machst du? Du betrinkst dich und bewegst dich auf deiner eigenen beschränkten Umlaufbahn!“

Mike sah beschämt zu Boden. „Du hast recht“, gab er zu.

Ohne noch mehr Zeit zu verlieren, wollte er nach seinem Telefon greifen und Tanja anrufen. Doch Nora hinderte ihn daran.

„Mach es morgen!“, riet sie ihm. „In Ruhe … und nüchtern.“

Er bedankte sich für ihre offenen Worte und bot an, dass sie auf der Couch übernachten könne. Dankbar nahm sie an. Was war das für ein Tag gewesen …

Zur gleichen Zeit saß Miriam allein in ihrer Wohnung.

Die Tränen rannen ihr über die Wangen, und sie wusste nicht, wohin mit ihrem Schmerz. Robert machte ihre Liebe kaputt. Alexander und Laura waren auch durch die Hölle gegangen, aber hatten sie einander so verletzt? Nein. Mit seiner Eifersucht würde Robert einfach alles zerstören …

Die Bilder von ihrer ersten Begegnung im Wald tauchten vor ihrem inneren Auge auf. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen.

Sie konnte ihn nicht aufgeben, sie konnte dieses Gefühl nicht aufgeben.

Aber was, wenn er gar nicht fähig war, eine Beziehung zu führen? Sie hatte gedacht, er würde sie immer nur in seinen Armen halten und bis ans Ende der Welt tragen … War er der Mann, mit dem sie ihr Leben verbringen wollte? Sie war fast wieder gesund, sie sollte glücklich sein! Warum tat er ihr das an? Sie liebte ihn doch so …

„Warum tue ich ihr das an?“, flüsterte Robert, der allein an der Bar des „Fürstenhofs“ saß. „Warum mache ich ständig alles falsch? Ich liebe sie doch so.“

Am nächsten Tag ließ Miriam ihre Verzweiflung an Felix aus.

„Ich habe heute Nacht kaum geschlafen, und ich bekomme keinen einzigen Bissen mehr runter“, sagte sie aufgebracht. „Ihr macht mich krank.“

„Vielleicht solltest du das mal deinem Freund sagen“, verteidigte er sich.

„Was ich Robert sage und was nicht, ist meine Sache“, fauchte sie.

„Würdest du mir mal verraten, warum du so sauer auf mich bist?“, fragte er. „Robert wollte mich rausschmeißen, ich habe darauf verzichtet, dir davon zu erzählen, und jetzt bin ich der Idiot hier!“

„Tu doch nicht so unschuldig!“, fuhr sie ihn an. „Ist es nicht so, dass du mit allen Mitteln um mich kämpfen möchtest? Robert benutzt die Fäuste, du hast eben subtilere Waffen.“

„Ist das so eine Art Verschwörungstheorie?“, konterte er.

Aber sie war noch nicht fertig. „Wen interessiert eigentlich, was ich will?“, rief sie aufgewühlt. „Respektiert hier irgendjemand meine Wünsche? Meine Gefühle? Weißt du ansatzweise, wie es mir geht?“

„Ja, das tue ich“, gab er verletzt zurück. „Du hast Stress mit deinem Robert, und jetzt bin ich der Sündenbock. Nein danke.“ Er wandte sich zum Gehen. „Nur damit eines klar ist“, sagte er noch, und seine Stimme war eisig geworden. „Vergiss das mit dem Kämpfen. Ich habe gerade eingesehen, dass es sich nicht lohnt.“ Damit ging er.

Miriam schluckte. Jetzt war sie wirklich zu weit gegangen. Kein Wunder, dass Felix böse auf sie war. Es war einfach zum Verrücktwerden. So wütend hatte sie ihren besten Freund noch nie erlebt. Als hätte sie mit Robert nicht schon genug zu tun. Jetzt auch noch Felix … Sie wollte nicht, dass er um sie kämpfte. Sie liebte Robert, auch wenn der sich unmöglich benahm. Warum musste das alles nur so kompliziert sein?

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