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Auf den Wogen der Lust

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Erstes Kapitel
  5. Zweites Kapitel
  6. Drittes Kapitel
  7. Viertes Kapitel
  8. Fünftes Kapitel
  9. Sechstes Kapitel
  10. Siebtes Kapitel
  11. Achtes Kapitel
  12. Neuntes Kapitel
  13. Zehntes Kapitel
  14. Elftes Kapitel
  15. Zwölftes Kapitel
  16. Dreizehntes Kapitel
  17. Vierzehntes Kapitel

Erstes Kapitel

Der Halbmond spielte Verstecken hinter den treibenden Wolken. Erst warf er einen elfenbeinfarbenen Schimmer auf den Strand, dann verschwand er wieder und hinterließ eine Dunkelheit, in der das Rauschen der Wellen mächtig und drohend klang. Langsam und beinahe unmerklich frischte der Wind auf und kühlte den Sand ab, auf dem sie lagen.

Dita presste die Schenkel fest zusammen, zwischen denen sie die klebrige Substanz und einen ungewohnten Schmerz spürte. Sie war den Tränen nahe. Die Tatsache, dass sie soeben ihre Jungfräulichkeit in einem schrecklich enttäuschenden Akt verloren hatte, war nur ein Grund für ihren Kummer.

Sie spürte, wie Jonathan sich neben ihr regte, und ohne hinzuschauen, wusste sie, dass er sich aufsetzte.

»Du hättest es mir nicht erlauben sollen, Dita.« Seine Stimme klang verärgert, als hätte er unter ihrer körperlichen Vereinigung gelitten.

Dita antwortete nicht. Stattdessen rollte sie sich zur Seite von ihm weg, um ihre durchnässten Kleider einzusammeln. Der Mond war wieder hinter den Wolken hervorgekommen und beleuchtete den Mast der Pericles im Dunkel der stürmischen See. Ein Schluchzer drang aus Ditas Kehle. Plötzlich wurde ihr kalt, doch ihr Zittern hatte nichts mit dem Wind zu tun, sondern mit der schrecklichen Erinnerung daran, dass sie fast ertrunken wäre.

Kurz vor dem Morgengrauen hatte sich das Schicksal der Pericles erfüllt. Zunächst hatte Dita das Geräusch berstender Balken einem seltsamen Traum zugeschrieben, aber dann war sie von ihrem Schlafplatz geschleudert und in eine grausame Wirklichkeit katapultiert worden.

Der Schoner hatte ein Riff gerammt und sank. Dita hörte den ohrenbetäubenden Krach, in den sich die Rufe der hilflosen Matrosen und die unheilschwangeren Gebete von Miss Baxter mischten.

Dann war es nur noch schwarz um sie, eine nasse, kalte Schwärze, die sie ebenso zu verschlucken schien wie die Schreie der Ertrinkenden und das ohrenbetäubende Bersten des untergehenden Schiffes. Nach einer gefühlten Ewigkeit spürte sie wie durch ein Wunder plötzlich Sand unter den Füßen und sie sah die glitzernden Sterne über sich.

Völlig erschöpft musste sie sich wieder und wieder übergeben, so viel Meerwasser hatte sie geschluckt. Dita stolperte über den Strand, bis sie schließlich zusammenbrach. Sie grub ihre Hände in den groben Sand und fühlte eine unendliche Erleichterung. Sie lebte. Das Meer hatte sie nicht verschlungen, wie so viele andere, die die der Katastrophe zum Opfer gefallen waren.

Es kam ihr wie Stunden vor, aber in Wirklichkeit waren nur wenige Minuten vergangen, als sie hörte, wie jemand ihren Namen rief. »Dita! Gott sei Dank, du lebst!« Dann war Jonathan bei ihr und wiegte sie in seinen Armen. Gemeinsam blickten sie seewärts und sahen gerade noch, wie der Bug der zerschellten Pericles hoch in die Luft ragte, bevor er in den Wellen versank.

»Herr im Himmel«, flüsterte sie, während ihr langsam das Ausmaß des Unglücks bewusst wurde – und das Wunder, dass sie beide dem Tod entkommen waren. Ihr Körper wurde von einem so heftigen Schütteln erfasst, dass sie es mit der Angst zu tun bekam.

Jonathan hielt sie fest in seinen Armen und drückte sie an sich, wie um ihnen beiden Trost zu spenden. Er hatte kein Hemd mehr an, und nur ihr dünnes Nachthemd trennte ihre Körper noch voneinander.

Nun ließ eine andere Art des Zitterns Ditas Körper erbeben. Unwillkürlich presste sie sich fester an Jonathan. Zu ihrer Verwunderung ließ er sie los, statt sie weiter zu umarmen. Er schaute nach Osten, wo sich der Himmel perlgrau aufhellte.

»Bald wird es Tag. Ich wüsste gern, ob außer uns noch jemand das Ufer erreicht hat.«

Doch auch als es heller wurde, konnten sie niemanden am Strand entdecken. Sie befanden sich in einer kleinen Bucht, die auf beiden Seiten von Felsen begrenzt wurde, die bis ins Wasser hineinragten. Die näher gelegene Steinformation zu ihrer Rechten bestand aus niedrigen Felsen, während sich die andere hoch und schroff erhob. Sie wollten nicht glauben, dass sie die einzigen Überlebenden waren und kletterten über die niedrige Landspitze. Dahinter befand sich eine weitere Bucht.

Auch dieser Strand lag verlassen da, und es gab keine Fußspuren im Sand. Sie kletterten noch über weitere Felsen, sahen eine dritte Bucht, trafen aber auch dort auf niemanden.

Erst jetzt wurden sie sich bewusst, wie verzweifelt sie sich gewünscht hatten, auf weitere Überlebende zu stoßen. In betroffenem Schweigen kehrten sie zur ersten Bucht zurück.

»Was sollen wir jetzt tun?«, fragte Dita. »Was ist, wenn wir die Einzigen sind, die es geschafft haben?«

»Es muss noch andere geben. Die Matrosen haben versucht, ein Boot ins Wasser zu lassen. Da drüben am Horizont scheint eine weitere Insel zu sein. Vielleicht sind die Männer dorthin getrieben worden. Oder auf die andere Seite unserer Insel.«

»Dann sollten wir uns auf den Weg machen und die Insel erforschen.«

»Und was ist, wenn es hier Eingeborene gibt?«

»Nun, dann könnten sie uns etwas zu essen geben.«

»Es könnten aber auch Kannibalen sein, wie sie noch auf einigen pazifischen Inseln zu Hause sind. Hast du das gewusst?«

Dita warf einen ängstlichen Blick auf die üppige Vegetation, die sich bis dicht an den Strand ausbreitete. »Du glaubst doch nicht …«

»Ich hoffe nicht. Für dich nicht und auch für mich nicht. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was diese Wilden mit einer hübschen jungen Frau machen würden.«

Jonathans Worte beschworen so drastische Bilder in ihr herauf, dass Dita Schutz suchend die Arme um ihren Körper schlang und ihren Verlobten gereizt ansah. »Sag doch nicht solche Dinge. Falls du mir noch mehr Angst einjagen willst, als ich ohnehin schon habe, ist dir das jedenfalls gelungen.«

Jonathan verzog beleidigt den Mund. »Ich sehe nur der Realität ins Auge. Es wäre nicht klug, über die Insel zu ziehen. Wir bleiben hier am Strand. Wenn das Rettungsboot die andere Insel erreicht hat, werden die Seeleute früher oder später bestimmt hier nach uns suchen.«

Und so blieben sie den ganzen Tag am Strand und zogen sich vor der brennenden Sonne immer wieder in den Schatten der Palmen zurück. Zu ihrem Elend gesellte sich nun auch noch der Hunger. Zum Glück fanden sie kleine Lachen mit Regenwasser auf den Felsen, sodass sie wenigstens ihren Durst stillen konnten.

Während sich der Nachmittag entsetzlich lang hinzog, redete sich Dita ein, dass sie beide früher oder später sterben würden. Wenn nicht durch die Hand eines Eingeborenen, dann vor Hunger.

Jonathan war ihr keine große Hilfe, denn er wiederholte nur immer wieder und ohne echte Überzeugung: »Irgendjemand wird kommen und uns retten.«

»Aber was ist, wenn niemand kommt?«, gab sie zurück. »Wie lange wird es dauern, bis auf dem Festland überhaupt jemand bemerkt, dass etwas geschehen ist? Und selbst wenn – wo sollten sie anfangen, nach uns zu suchen?«

»Wir leben nicht mehr im achtzehnten Jahrhundert. In weniger als zwanzig Jahren wird selbst das neunzehnte Jahrhundert hinter uns liegen. Viele Schiffe segeln heute zwischen dem australischen Festland und den Inseln hin und her, vergiss das nicht.« Doch für Dita war das noch kein Grund zur Beruhigung. »Wir könnten hier sterben, Jonathan, und dann …« Sie atmete tief durch und fuhr hastig fort: »… und dann werde ich nie herausfinden, wie es ist.«

»Wie was ist?«

Dita kaute auf ihrer Unterlippe herum. Sie fragte sich, welche Gedanken Jonathan den ganzen Tag über durch den Kopf gegangen waren. Waren es ähnliche wie ihre, oder würde er sie für schamlos halten? Aber sie wollte es wissen. Oh ja, sie musste es wissen!

»Wie es ist, mit einem Mann zusammen zu sein.«

»Dita!« Auf Jonathans Gesicht spiegelte sich Entsetzen. Am liebsten hätte sie laut aufgelacht, aber dazu war ihre Lage zu ernst.

»In ein paar Wochen würden wir sowieso heiraten. Was hindert uns daran, jetzt schon ein Liebespaar zu werden? Du musst doch gespürt haben, dass ich bereit dazu bin und es auch vorher schon war. Bitte, Jonathan, zeig mir, wie es ist.«

»Ich … nein, Dita. Nicht unter diesen Umständen. Das wäre nicht richtig.«

»Bitte.« Sie nahm seine Hand und legte sie auf ihre Brust, und dort hielt sie sie so lange fest, bis er seinen Widerstand aufgab. Zart knetete er das weiche Fleisch. Seine Berührungen waren behutsam, fast zögerlich, doch sie riefen unbekannte Emotionen in Dita hervor.

Kein Mann hatte sie je auf diese Weise gestreichelt. Genoss Jonathan es ebenso sehr wie sie? Dita blickte in sein Gesicht, das im Schatten lag. »Möchtest du, dass ich dich auch berühre?«, fragte sie, kühn geworden durch ihr Verlangen. Sie legte eine Hand auf seinen Oberschenkel, denn mehr wagte sie nicht.

Bevor er antworten konnte, drückte sie sich fest gegen seinen Körper und küsste ihn auf den Mund. Sie öffnete ihre Lippen, so wie Melanie es ihr beschrieben hatte. Sie schien alles richtig zu machen, denn Jonathan drückte sie zurück in den Sand und glitt mit einer Hand unter den Saum ihres zerrissenen Nachthemds. Als er die Hand auf ihren Venushügel legte, stöhnte sie leise auf und ermutigte ihn so, seine Finger an ihre geheime Stelle wandern zu lassen.

Aber sie hatte kaum eine Chance, den Genuss des Augenblicks auszukosten, denn schon legte er sich auf sie, und im nächsten Moment drückte seine Männlichkeit gegen die Stelle, die seine Finger eben noch gestreichelt hatten.

Es war ganz anders, als Dita es sich vorgestellt hatte. Ein ihr unbekanntes Prickeln breitete sich von ihrer Weiblichkeit in ihren ganzen Körper aus und wurde mit jedem Stoß in ihre Pussy stärker. Aber bevor sie sich richtig darauf einlassen konnte, hörte Jonathan bereits auf und rollte sich von ihr.

Dita schloss die Augen, damit er ihre Enttäuschung nicht sehen konnte. Vielleicht hatte sie zu viel erwartet. Oder ihre Cousine Melanie hatte übertrieben, als sie von ihren amourösen Abenteuern berichtete.

Sie fragte sich, was Melanie in diesem Augenblick gerade tat, und ob sie selbst es noch einmal erleben würde, wie diese aufgeregt in ihr Schlafzimmer stürmte, die flammend roten Locken zerzaust, die grünen Augen funkelnd, und von den Fähigkeiten ihres letzten Geliebten berichtete. War es wirklich erst zwei Wochen her, seit Melanie sie zuletzt besucht hatte?

Am Abend bevor sie in See stachen, hatte es zum Abschied eine Dinnerparty gegeben. Es war nur ein kleiner Kreis, der sich dazu traf. Jonathan, seine Eltern und ein Dutzend andere Gäste. Zwei der jüngeren Männer hatten den ganzen Abend um Melanies Aufmerksamkeit gebuhlt. Dita schaute vergnügt zu, wie ihre Cousine sie scherzend gegeneinander ausspielte, ohne gegen das Gebot der Schicklichkeit zu verstoßen, auf das ihre Eltern größten Wert legten.

Mrs. Grimshaw, Jonathans Mutter, ließ sich durch Melanies einnehmendes Wesen nicht täuschen. »Ich kann dir nicht sagen, meine Liebe, wie froh ich bin, dass du vom Naturell her das genaue Gegenteil deiner flatterhaften Cousine bist.«

Dita lächelte. »Aber Sie müssen zugeben, dass Melanie eine lebhafte, spritzige Persönlichkeit ist.«

»Ach? Nun, ich nehme an, man kann ihr Benehmen auch auf diese Art beschreiben. Wir waren jedenfalls sehr froh, als wir von Jonathans Entschluss hörten, dich heiraten zu wollen, meine Liebe. Du bist die gut erzogene junge Dame, die er verdient hat.«

»Sie schmeicheln mir, und ich fühle mich geehrt«, erwiderte Dita und bemühte sich, dabei nicht zynisch zu klingen. Sie fand es eine Verschwendung ihres Atems, ihre künftige Schwiegermutter darauf hinzuweisen, dass sie die letzten sechs Jahre bei Melanies Eltern verbracht hatte.

Im Stillen fragte sie sich, wie sie einen so aufgeblasenen Drachen als Schwiegermutter ertragen sollte, ganz egal, wie sehr sie sich danach sehnte, Jonathans Ehefrau zu werden. Mrs. Grimshaw, die bei anderen nur selten mit Kritik sparte, ließ nie eine Gelegenheit aus, die gesellschaftliche Stellung ihrer Familie in der Kolonie herauszustellen.

»Ich konnte nie verstehen«, fuhr die Frau fort, »warum dein Vater ein erfolgreiches Geschäft aufgab, um sich auf irgendeiner gottverlassenen Insel niederzulassen.«

»Er war immer schon an der Gummiherstellung interessiert, und jetzt ist aus diesem Traum ein sehr erfolgreiches Unternehmen entstanden. Mutter und er sind sehr glücklich auf Paradise Island.«

»Das mag ja so sein, aber ich finde es eine Schande, dass ihr deshalb nicht in Sydney heiraten werdet. Eure Hochzeit hätte das gesellschaftliche Ereignis des Jahres werden können. Und wir hätten auch nicht das Problem gehabt, eine geeignete Begleiterin für dich finden zu müssen.«

»Aber das Problem ist ja gelöst. Miss Baxter ist meine Anstandsdame für die Reise und freut sich schon darauf, später die Kinder der Eingeborenen auf der Insel zu unterrichten.«

»Nun ja. Es ist nur verständlich, dass dein Vater dich zum Altar führen will, aber unterm Strich muss man doch festhalten, dass du erst dreizehn warst, als er und deine Mutter fortgegangen sind. Wie oft hast du die beiden seither gesehen? Oh, ich glaube schon, dass es die richtige Entscheidung war, dich hierzulassen, statt dich zu diesen Wilden ohne jede Moral mitzunehmen.«

»Woher wissen Sie, dass die Menschen auf der Insel wild und unmoralisch sind? Meine Eltern äußern sich sehr lobend über die Einheimischen und kommen gut mit ihnen aus. Die Insulaner betrachten das Leben nur einfach mit anderen Augen als wir.«

»Hach«, schnaufte Mrs. Grimshaw. »Gott hat Mann und Frau geschaffen, um den Fortbestand der menschlichen Rasse zu sichern. Doch jede Intimität zwischen Mann und Frau, die nicht der Fortpflanzung dient, ist eine unverzeihliche Sünde.«

»Eine noch größere Sünde als Mord?«, fragte Dita provozierend.

»Sei nicht albern. Aber deine Jugend und Unwissenheit entschuldigen dich.«

»Ich bin neunzehn Jahre alt, und ich weiß schon eine Menge über das Leben.«

»Also gut.« Dita stellte amüsiert fest, dass die Frau sehr aufgebracht schien. »Aber nun entschuldige, meine Liebe. Ich muss kurz mit Mrs. Hackworth sprechen. Ich sehe gerade, dass sie sich mit Miss Baxter unterhält.«

Mrs. Grimshaw rauschte mit raschelnden Seidenröcken durchs Zimmer. Zweifellos konnte sie es kaum erwarten, der armen Miss Baxter ihre Meinung über die unzivilisierten Heiden mitzuteilen und im Gegenzug die neuesten Skandale zu erfahren.

Dita konnte einen Seufzer der Erleichterung nicht unterdrücken, als sie hinter sich Melanies Lachen hörte. »Wirklich, Dita, wie kannst du auch nur daran denken, einen Mann wie Jonathan zu heiraten, wenn er eine solche Mutter hat?«

Dita drehte sich zu ihrer Cousine um. »Aber ich heirate ja nicht sie.«

»Darauf würde ich nicht wetten, süße Cousine. Oh Dita, es ist so schade um dich. Du kannst dir nicht vorstellen, wie es ist, nichts als Spaß zu haben.«

Dita, die genau wusste, welche munteren Spiele ihre lebhafte Cousine unter Spaß verstand, schüttelte lächelnd den Kopf. »Ich bin nicht wie du, Melanie.«

»Du bist mir ähnlicher, als du glaubst. Ich garantiere dir, dass der Tag kommen wird, an dem du das einsiehst. Und was wirst du tun, wenn du dann bereits mit dem langweiligen Jonathan verheiratet bist?«

Dita schaute zu ihrem Verlobten hinüber, der in ein Gespräch mit Melanies Eltern vertieft war. Wieder fiel ihr auf, wie unglaublich gut er aussah.

Er war drei Jahre älter als sie. Sein Körper war schlank und seine Haltung tadellos. Das helle Haar wellte sich, und darunter blitzten Augen, deren Farbe sich an diesem Abend im Blau seines tadellos geschnittenen Cuts wiederfand.

Wenn die feine Wölbung seiner Brauen auf einen Dünkel schließen ließ und die Weichheit seines Mundes auf eine Schwäche seines Charakters, wollte Dita nichts davon wissen. »Jonathan ist nicht langweilig. Er ist ein Gentleman.«

In gespieltem Entsetzen verdrehte Melanie die Augen. »Der Himmel bewahre mich vor Gentlemen. Lieber gebe ich mich jeden Tag einem Draufgänger hin, der weiß, wie man einem Mädchen eine schöne Zeit bereitet.« Sie schaute hinüber zu ihren beiden Verehrern, die sich gerade mit frischen Getränken versorgten. »Was meinst du? Wen von beiden sollte ich mir aussuchen?«

Über Ditas Lippen zuckte ein flüchtiges Lächeln. »Ich habe keine Ahnung, Melanie. Aber wen auch immer du erwählst – ich bin sicher, dass du mir morgen alles über ihn erzählen wirst.«

Am nächsten Tag stürmte Melanie in Ditas Zimmer, noch bevor diese aufgestanden war. Melanie machte es sich am Fußende des Bettes gemütlich, während Dita sich aufsetzte. »Du bist aber früh auf den Beinen. Ich hätte gedacht, du würdest bis Mittag schlafen.«

»Das werde ich auch«, sagte Melanie lachend. »Aber dafür muss ich erst mal ins Bett gehen.«

»Willst du sagen, dass du die ganze Nacht nicht geschlafen hast?«

»Ja, so ist es.« Melanie lehnte sich an den Bettpfosten und seufzte in Erinnerung an eine Nacht der Ekstase. »Was für eine Nacht! Mein Körper prickelt noch immer, so wundervoll und aufregend war es.«

»Du hast dich also für den Richtigen entschieden?«

Melanie lachte wieder. »Ach, liebe Cousine, ich konnte mich nicht entscheiden, deshalb habe ich beide mitgenommen.«

»Beide!«

»Jetzt habe ich dich schockiert.«

»Ein wenig. Nein, sehr sogar. Ich weiß ja, dass du eine ganze Reihe von Liebhabern vorweisen kannst, Melanie, aber ich hätte nie gedacht, dass du in einer Nacht von einem zum anderen gehst.«

»Das habe ich auch nicht getan. Ich hatte sie beide gleichzeitig.«

»Melanie! Wie kannst du nur?«

»Oh, das war ganz einfach. Ach, Dita, ich verstehe nicht, warum du so starrsinnig bist und dich für Jonathan aufheben willst.«

»Du weißt, dass ich in ihn verliebt bin, seit ich vierzehn bin. Aber jetzt hast du das Thema gewechselt.«

»Ja, kann schon sein. Aber wer hat je von einer neunzehnjährigen Unschuld gehört? Sei mal ehrlich: Wenn ich dir von meinen Liebhabern erzähle, fühlst du dann gar nichts?«

Dita, die auch jetzt ein Kribbeln zwischen den Schenkeln spürte, gestand Melanie ihre Erregung ein, wenn sie von deren amourösen Abenteuern hörte.

»Na, bitte. Tief in dir bist du nicht anders als ich, und auch du solltest die Lust mit einem Mann erleben – oder mit vielen Männern.«

»Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, wie du so etwas tun kannst. Ich meine, mit zwei Männern …«

»Eines Tages wirst du es dir vorstellen können. Wenn du gelernt hast, wie es sich anfühlt, die Rute eines Mannes tief in dir zu spüren und die Lust zu genießen, die sie dir bereitet. Sie trägt dich hinaus aus dieser Welt und in ein Reich voller Leidenschaft und Ekstase hinein.« Sie schüttelte sich wohlig bei den Erinnerungen an die zurückliegende Nacht. »Ich dachte, ich würde schon alle Arten kennen, auf die eine Frau Lust erleben kann. Oh, Cousinchen, wie habe ich mich getäuscht!«

Dita schlug die Augen auf, um die Erinnerung an damals zu vertreiben. Das Rauschen der Wellen schien sie zu verspotten: »Or-gas-mus, Or-gas-mus.« Neben ihr lag Jonathan und schlief tief und fest. »Es ist nicht fair«, wisperte sie zu den Sternen. »Ich will nicht sterben, bevor ich erfahren habe, wie es sich anfühlt.« Sie setzte sich auf und schlang die Arme um ihre angezogenen Knie, während sie hinaus auf die schwarze See starrte. »Was wird mit uns geschehen? Ich kann nicht glauben, dass wir die Einzigen sind, die überlebt haben. Ich wüsste nur zu gern, ob sich noch jemand auf unserer Insel befindet.«

Emily Baxter saß zusammengekauert neben dem kleinen Feuer aus Treibholz und warf immer wieder Blicke zu den beiden Matrosen, die ihr gegenübersaßen. Sie begann sich zu fragen, wie sicher sie sich fühlen konnte. Je dunkler es wurde, desto stärker wurde ihre Überzeugung, dass sie sich schon bald in einer Situation befinden würde, die schlimmer war als der Tod durch Ertrinken.

Den ganzen Tag über war ihr bewusst gewesen, wie die beiden sie anstarrten, und es war nicht schwierig, sich vorzustellen, was in ihren Köpfen vorging. Immer wieder wünschte sie, sie hätte sich ordentlich anziehen können, bevor sie das Schiff verlassen mussten. Aber sie trug nur ihre Nachtwäsche und fühlte sich schutzlos und verletzlich darin.

Sie wusste, dass sie von Glück sagen konnte, dass die Matrosen sie in das kleine Boot gezogen hatten. Und dann hatte sie noch einmal Glück gehabt, als es den Männern gelang, zu dieser Insel zu rudern. Fürs Erste hatten sie überlebt. Die Männer hatten Fische gefangen und Dosen mit Keksen, gesalzenem Rindfleisch und Trockenobst gefunden, die an Land gespült worden waren. Leider hatte sich auch ein Fass Rum unter dem Treibgut befunden.

Einer der Matrosen reichte ihr am Feuer vorbei einen Becher mit Rum. »Kommen Sie, Ma’am, nehmen Sie einen Schluck. Das Zeug wärmt von innen, dann geht es Ihnen gleich viel besser.«

»Nein, danke«, wehrte sie mit ihrer sprödesten Stimme ab. »Ich glaube nicht, dass ich das mag.«

Der Mann lachte glucksend. »Man kann nicht wissen, was man mag, wenn man es noch nicht mal probiert hat«, sagte er und stieß seinen Kumpan an. »Versuchen Sie es doch einfach. Seien Sie mutig.«

Emily Baxter wurde rot bis in die mausbraunen Haarspitzen. Sie war nicht so naiv, dass sie die versteckten Anspielungen nicht verstand. Und sie wusste, dass sie es absolut nicht mochte, ganz und gar nicht. Freiwillig hatte sie es nicht ausprobiert, doch ein entfernter älterer Verwandter hatte sich an ihr vergangen, als sie noch keine zwanzig war.

Die Erfahrung war so unangenehm für sie gewesen, dass sie seitdem nichts mehr von Männern hatte wissen wollen. Statt an Heirat zu denken, hatte sie sich der Aufgabe gewidmet, Kinder aus armen Verhältnissen zu unterrichten. Auf diese Weise war sie sechsunddreißig Jahre alt geworden, ohne noch einmal von Männern belästigt worden zu sein.

Weil sie hoffte, dass der Rum ihr die Courage geben würde, das Unvermeidliche zu ertragen, nahm sie einen kräftigen Schluck. Doch als die Flüssigkeit durch ihre Kehle floss, brannte es so sehr, dass sie würgen und sich fast übergeben musste.

»Der Schluck war zu groß.« Der Mann, der ihr den Becher gereicht hatte, grinste. »Sie müssen langsam trinken, damit der Rum eine Chance hat, Ihr Innerstes zu wärmen.«

Miss Baxter nippte vorsichtig. Und stetig. Als sie den Becher geleert hatte, war ihr nicht nur warm, sie hatte auch die Furcht vor den Männern verloren. Eigentlich schienen sie ganz nett zu sein, und einige der Geschichten, die sie erzählten, mochten zwar ein wenig frivol sein, aber sie waren auch lustig.

Miss Baxter kicherte, als der eine, der Sam hieß, ihren Becher noch einmal füllte. Sie fand, dass er recht gut aussah, wenn auch zerzaust und ein wenig ungepflegt. Er war jünger als sie, hatte welliges Haar und die muskulöse Gestalt eines Seemanns. Der andere Mann hatte einen Stoppelbart und einen Ohrring sowie zahlreiche Tätowierungen, dennoch kam er ihr nicht mehr wie der Raufbold vor, auf den seine Physiognomie und der Name – Butch – schließen ließen. Sie begann, sich mit einer Hand Luft zuzufächeln.

»Der Rum hat mich ganz schön aufgewärmt. Mir ist richtig heiß geworden.«

»Sie sollten Ihren Morgenmantel ausziehen«, sagte Butch. »Stehen Sie auf, dann helfe ich Ihnen.«

Bevor sie ihm antworten konnte, hatte er sich schon hinter sie gestellt, bückte sich und schob seine Hände unter ihren Armen hindurch, um ihr auf die Füße zu helfen. Der Rum und das schnelle Aufstehen ließen sie schwindeln.

Sie schwankte ein wenig, bis Butch sie fest an seinen Körper zog. In dieser Position konnte sie seinen harten Ständer zwischen ihren Pobacken spüren.

»Oh«, stieß sie hervor und löste sich ein wenig von ihm. Butch zog sie sofort zurück.

»Da gibt es nichts, was Ihnen Sorgen machen sollte. Das ist nur mein Freund, der sich aufgerichtet hat, weil er auch sehen will, wie schön Sie sind.«

»Schön? Ich?«

»Natürlich sind Sie schön«, bekräftigte Sam und reichte ihr den Becher. »Hier haben Sie noch etwas Rum.«

»Danke«, sagte Miss Baxter, dann kicherte sie erneut. »Das muss daran liegen, dass mir so heiß ist.« Sie nahm einen kräftigen Schluck Rum, während sie mit der freien Hand am Gürtel ihres Morgenmantels zupfte. Butch verlor keine Zeit, ihr dabei zu helfen. Er knotete den Gürtel auf und ließ den Mantel über ihre Schultern gleiten. Das Nachthemd, das sie darunter trug, hatte lange Ärmel und war hochgeschlossen. Trotz des weiten Schnitts zeichneten sich durch den Stoff volle Brüste und ausladende Hüften ab.

Butch und Sam zwinkerten sich triumphierend zu. Sie hatten den ganzen Tag darüber beratschlagt, wie sie es schaffen konnten, die spröde, keusche Schullehrerin zu vögeln. Sie hatten beschlossen, notfalls auch Gewalt anzuwenden. Aber sie betrunken zu machen, war eine viel bessere Entscheidung gewesen.

Als Butch ihr den Mantel abgestreift hatte, zog Butch sie wieder an sich und pressete seinen Schaft noch etwas fester gegen ihre Backen. Gleichzeitig umfingen seine Hände ihre Brüste und begannen, sie zu kneten.

Irgendwo tief in ihrem Inneren wusste Miss Baxter, dass sie sich wehren sollte. Stattdessen nippte sie noch einmal am Rum und fand es eigentlich ganz schön, wie Butch durch den Stoff des Nachthemds mit den Daumen über ihre Nippel strich. »Weißt du was?«, sagte er. »Ich schätze, du weißt ganz genau, wie man eine Menge Spaß haben kann. Komm schon, Emily, zieh dein Nachthemd aus.«

Miss Baxter wand sich schüchtern unter seiner Berührung und erregte ihn damit noch stärker, auch wenn ihr das nicht bewusst war. Butch musste all seine Willenskraft zusammennehmen, um sie nicht auf den Boden zu stoßen, auf alle viere, und sie auf der Stelle zu besteigen.

Es gefiel ihr, dass er sie Emily nannte. So fühlte sie sich jung und sorgenfrei. Der Rum hatte auch dafür gesorgt, dass die Aussicht, von einem der Männer genommen zu werden, ihr gar nicht mehr so furchtbar erschien. Ja, sie fand Gefallen an dem Gedanken.

Als sie sich diesmal mit der Rückseite an Butch rieb, geschah es mit provozierender Absicht. Sie spürte seinen Schwanz und wandte sich kichernd an Sam. »Hast du auch so ein Ding?«

»Das würdest du wohl gerne wissen, was?« Grinsend rieb Sam mit der Hand über seine Beule. »Aber zuerst wollen wir sehen, was du zu bieten hast.«

Emily kicherte – sie kicherte nun fast pausenlos. Aber sie fand Sams Antwort auch zu komisch. »Nein, nein«, sagte sie und kämpfte gegen ihren Schluckauf an. »Du zuerst.«

Sam hob die Schultern. »Na, gut, wenn du darauf bestehst«, sagte er und ließ seine Hose fallen. Sein geschwollener Schwanz sprang hervor.

»Oh, Himmel«, keuchte Emily. »Ich hätte nicht gedacht, dass es so aussieht.«

»Hast du denn noch keinen gesehen?«, fragte Sam. Er legte die Finger um seinen Schaft und rieb langsam über ihn.

»Nein, noch nie.« Mit einer raschen Drehung, die beide Männer erstaunte, fuhr sie herum und sah Butch an. »Sieht deiner auch so aus?«

Butch ließ die Hose ebenso schnell fallen wie sein Kumpel Sam. Emily schaute mit weit aufgerissenen Augen von einem strammen Schwanz zum anderen. Der Anblick faszinierte sie. Die Schwänze waren sich so ähnlich und doch verschieden, und oben auf der Spitze hatte sich bei beiden eine kleine cremige Flüssigkeitsperle gebildet.

Sie spürte die Nässe zwischen ihren Schenkeln, und als die Männer ihr sagten, jetzt wäre sie an der Reihe, sich auszuziehen, konnte sie der Aufforderung gar nicht schnell genug nachkommen.

Bevor sie wusste, wie ihr geschah, lag sie auf ihren abgelegten Kleidungsstücken. Sie richtete sich in eine halb sitzende Position auf und stützte sich an Butchs Knien ab. Wieder massierte er ihre Brüste auf diese wunderbare Weise, während Sam ihre Schenkel spreizte und die Nässe dazwischen fühlte.

Die Berührung seiner Finger schickte Hitzeblitze durch ihren Körper. Sie stöhnte zustimmend und schwenkte die Hüften hin und her, um ihn zu einem noch intimeren Streicheln einzuladen.

Sam ließ sich nicht lange bitten und schob den Mittelfinger in sie hinein. Er trieb ihn mehrere Male in rascher Folge in ihre Höhle, bevor er ihn herauszog und ihre Spalte entlangstrich. Er berührte einen Punkt, der so empfindlich war, dass ihr Körper sich in köstlichem Schock aufbäumte. Emily schrie auf vor Lust. Nie hätte sie sich ein so großartiges Gefühl vorstellen können. Aber bald fand sie heraus, dass es nicht einmal ein Zehntel der Lust war, die eine Frau empfinden konnte.

Sam spreizte ihre Beine noch ein bisschen weiter, teilte ihre Lippen und tauchte mit dem Kopf hinunter, um ihre Spalte zu lecken. Die ganze Zeit über fuhr Butch fort, ihre Brüste zu kneten. Er rollte die Nippel zwischen Daumen und Zeigefinger, bis sie weiter hervorstanden. Harte, kleine Spitzen, die sich in einem dunklen Purpur gegen das weiße Fleisch abhoben.

Sams Zunge fand ihre zarte Perle, und er leckte über die Stelle, bis sie das Gefühl kaum noch ertragen konnte. Ihr Stöhnen und Keuchen ging in Schreie über, die immer lauter wurden, als sie spürte, wie die Wellen der Lust schließlich über ihr zusammenschlugen. Ihr war, als würde ihr Innerstes in tausend Teile zerplatzen.

»Oh, oooh!«, schrie sie und krümmte sich, ohne den Kontakt zu Sams Zunge zu verlieren.

Sie kehrte gerade nach dieser unglaublichen Erfahrung zurück in die Wirklichkeit, als sie so aufgerichtet wurde, dass sie auf allen vieren kniete. Butchs Rute presste gegen ihre Spalte, verharrte dort einen Moment und glitt dann in ihre glitschige Öffnung. Die Hände auf ihren Hüften, bewegte er sich vor und zurück. Erst stieß er langsam und vorsichtig in sie hinein, aber dann pumpte er schneller und kräftiger, bis er schließlich rief: »Oh, ja, ja!«

Der nächste Stoß kam mit voller Wucht. Er zog sie dicht an sich heran und verharrte für einen Moment tief in ihr drin. Dann schrie er kurz und dröhnend auf, als er sich in ihr ergoss.

Als Nächstes legte Sam sie auf den Rücken, während Butch ihre Beine hoch in die Luft hob. Kraftvoll pumpte Sam in sie hinein, zog sich zurück, um mit der Eichel über ihre Klitoris zu reiben, und als Emily zu keuchen begann, stieß auch er schneller und tiefer zu. Stöhnend erreichten sie gemeinsam ihren Höhepunkt. Emily Baxter hatte das Gefühl, jeden Moment vor Lust ohnmächtig zu werden.

Während der zweite Orgasmus langsam abebbte, fragte sie sich benommen, warum sie die letzten zwanzig Jahre so vergeudet hatte.

Es gab noch andere Passagiere, die das Unglück der Pericles überlebt hatten. Matt Warrender war einer von ihnen. In dieser Nacht lag auch er am Strand und schaute den treibenden Wolken zu, die abwechselnd den Blick auf den Mond und die Sterne verhüllten und dann wieder freigaben. Wären die Umstände anders gewesen, hätte er wahrscheinlich seine Freude an einer tropischen Nacht wie dieser gehabt.

Warrender sorgte sich nicht wirklich über seine Lage. Er suchte das Abenteuer und war in seinem Leben schon oft in unangenehme Situationen geraten. Mehrfach hatte er sich seinen Weg freikämpfen müssen, und die längliche Narbe auf seiner linken Wange erinnerte ihn an eine solche Auseinandersetzung. Aber er war stets davongekommen, und er zweifelte nicht daran, auch diesmal zu überleben.

Der dumpfe Druck in seinem Bauch rührte von der bangen Frage, ob seine Mitreisenden der Schiffskatastrophe entkommen waren – abgesehen von den beiden Matrosen, die sich mit ihm an das Rundholz geklammert hatten, mit dem sie ans Ufer getrieben worden waren. Er war zwar um alle besorgt, die an Bord des Schoners gewesen waren, doch da gab es eine Frau, auf deren Rettung er inbrünstig hoffte.

Seit er sie das erste Mal gesehen hatte, noch bevor sie Sydney verlassen hatten, begehrte er sie. Dass sie mit ihrem Verlobten zur Inselplantage ihrer Eltern fuhr, um dort zu heiraten, und von einer Anstandsdame namens Miss Baxter begleitet wurde, störte ihn absolut nicht.

Weil sie die einzigen vier zahlenden Passagiere waren, konnte es nicht verwundern, dass sie sich oft begegnet waren. Jedes Mal, wenn er die junge Frau ansah oder mit ihr redete, begehrte er sie ein bisschen mehr. Nachts lag er in seiner Koje und stellte sich vor, wie es sich anfühlte, wenn sie nackt neben ihm läge und er seinen Schaft in ihre pulsierende Wärme stieße. Selbst jetzt brauchte er nicht einmal die Augen zu schließen, um ihr Bild vor sich zu sehen.

Sie war die schönste Frau, die er je gesehen hatte. Ihr Haar war wie schwarze Seide, ihre Haut so makellos wie das Blütenblatt einer Magnolie, und ihre Augen – ihre Augen waren das Schönste an ihr. Sie standen ungewöhnlich schräg und waren von einem einmaligen Blau, das beinahe zu leuchten schien. Meistens strahlten sie, aber er stellte sich vor, wie sie wirkten, wenn sie sich vor Leidenschaft verdunkelten.

Diese Lust in ihre Augen zu zaubern, ihre Lippen mit seinen Küssen zu bedecken, sie zu streicheln und die zarte Vollkommenheit ihres Körpers zu besitzen, war eine Obsession für ihn geworden. Schon der klang ihres Namens schien ihm wie ein Versprechen auf wunderbar sinnliche Freuden.

»Aphrodite«, murmelte er, »meine schöne Aphrodite.« Ein verzweifeltes Stöhnen drang über seine Lippen. Er war kein religiöser Mann, aber er hörte sich beten: »Bitte, Gott, lass Dita Jones leben.«

Das Gebet hatte den ganzen Tag über in seinem Herzen geklungen, während sie nach weiteren Überlebenden gesucht hatten. Aber ihr anstrengender Marsch die Küste entlang hatte sie zwar einiges an nützlichem Strandgut finden lassen, aber sie waren weder auf Überlebende gestoßen, noch auf Leichen.

Er wandte den Kopf und sah hinauf zu der hohen, zerklüfteten Landspitze. Die drei Männer waren sich einig, dass dort oben der geeignete Platz war, um ein Leuchtfeuer zu errichten. Sobald sie ein Segel am Horizont sahen, würden sie die alten Baumstämme und die gesammelten Zweige dann anzünden.

Sie hatten keine Ahnung, was hinter der Landspitze lag, ob die hohen Klippen sich dahinzogen oder ob sich hinter ihnen ein weiterer Strand verbarg. Egal. Matt Warrender war entschlossen, die Suche am nächsten Morgen dort oben fortzusetzen. Er würde nicht ruhen, bis er Gewissheit über das Schicksal der Frau hatte, die er so sehr begehrte.

Zweites Kapitel

Der neue Tag ließ Dita keine Zeit, über ihre enttäuschende Einführung in die Welt der körperlichen Liebe nachzudenken. So bemerkte sie auch nicht, dass Jonathan es vermied, ihr direkt in die Augen zu sehen. Sie hatte Hunger, einen unglaublichen Hunger sogar. »Es muss uns irgendwie gelingen, einen Fisch zu fangen«, erklärte sie. »Selbst wenn wir ihn roh essen müssen. Hauptsache, wir bleiben am Leben.«

»Wie sollen wir einen Fisch ohne Angel fangen?« Jonathan war schlecht gelaunt. »Du scheinst Wunder von mir zu erwarten, dabei habe ich nicht mehr Ahnung als du, wie wir auf dieser Insel überleben sollen. Du bist nicht die Einzige mit einem leeren Magen.«

»Es muss hier doch irgendetwas zu essen geben«, beharrte Dita. »Wenn wir am Strand entlanggehen, finden wir vielleicht Treibgut, das an Land gespült wurde. Du weißt schon, von unserem Schiff.«

»Ja, kann sein, dass wir Glück haben«, gab er mürrisch zu. »Und die Suche wird uns wenigstens eine Zeit lang ablenken.«

»Dann lass uns diesmal in die andere Richtung gehen, auf die Landspitze zu.« Ihr Streifzug am Strand entlang blieb erfolglos, und auch auf der Landspitze fanden sie nichts, was sich aufzuheben lohnte. Jonathan hätte sich am liebsten sofort auf den Rückweg begeben, aber Dita bestand darauf, dass sie hinauf auf die Klippen stiegen.

»Wir wissen, dass in dieser Bucht nichts zu holen ist«, sagte Dita, »und auch in den Buchten hinter den Felsen ist uns nichts aufgefallen. Aber hinter der anderen Landspitze könnte es weitere Buchten geben. Lass uns hinaufsteigen und schauen, wie der Rest der Insel aussieht. Vielleicht ist sie ja bewohnt. Und wenn Gott uns gnädig ist, entdecken wir am Horizont sogar ein Schiff.«

Diese Möglichkeit, so gering sie auch sein mochte, genügte, um den zögerlichen Jonathan zu überreden.

Der Anstieg war viel beschwerlicher, als sie gedacht hatten, und sie mussten mehrere Male anhalten, um wieder zu Atem zu kommen. Keuchend, zerkratzt und mit zerzaustem Haar gelangten sie schließlich zur Spitze. Vorsichtig bewegten sie sich über die Felsbrocken.

Vor ihnen erstreckte sich der Ozean bis zum Horizont und glitzerte unter der tropischen Sonne. Die andere Insel war so weit oben deutlich zu sehen und schien gar nicht so weit entfernt zu sein. Schweigend standen sie nebeneinander. Ihre Enttäuschung war einfach zu groß. Ganz egal, wie intensiv sie auf das türkisfarbene Wasser starrten, nirgendwo war ein weißes Segel zu sehen, das die Eintönigkeit des Meeres unterbrochen hätte.

Dita war es, die schließlich den Blick abwandte. Sie schaute den Weg entlang, den sie gekommen waren, hinunter zu den kleinen Buchten und über den tropischen Dschungel, der die Insel bedeckte, und schließlich zu der großen Bucht links von ihnen. Der Abstieg auf der anderen Seite der Landspitze schien weniger steil zu sein als der Aufstieg. Immer wieder gab es einzelne Felsen, an denen sie sich festhalten konnten.

In der großen Bucht gab es einige Felsbrocken am Strand, an denen die fortschreitende Flut bereits leckte. Dita schaute dem Spiel der Wellen eine Weile zu, dann wurden ihre Augen größer und ihr stockte der Atem. Da unten ging ein Mann, der sich langsam den Felsen näherte.

»Ja, dort ist jemand!«, rief Jonathan erleichtert und aufgeregt, als er in die Richtung schaute, in die ihr Finger zeigte.

Im nächsten Moment sahen sie zwei weitere Menschen, die unter den Bäumen hervortraten, und ebenfalls auf die Landspitze zugingen. Jonathan stieß einen lauten Ruf aus, den aber die Männer offenbar nicht hörten, denn niemand hob den Kopf.

»Komm mit, Dita. Ich habe dir doch gesagt, dass wir gerettet werden.«

Dita schoss der Gedanke durch den Kopf, dass weitere Schiffbrüchige noch keine Garantie für eine Rettung waren. Aber dann siegte die Hoffnung: Es würde ihr schon genügen, nicht mehr allein mit Jonathan zu sein und weitere Gesellschaft zu haben.

Als sie den Felsen zur Hälfte hinabgestiegen waren, rief Jonathan noch einmal. Diesmal wurde er gehört. Alle drei Männer hoben den Kopf, dann schrien auch sie und begannen, am Strand entlang auf sie zuzulaufen. Noch bevor Dita den Strand erreichte, hatte sie die Männer erkannt.

Erst als sie sich gegenüberstanden, wurde der jungen Frau bewusst, dass ihre Beine und Arme nackt waren, und ihr Körper nur noch von Fetzen ihres Nachthemds bedeckt war. Der Mann, den sie zuerst erkannt hatte, starrte sie mit einem aufmerksamen, unergründlichen Ausdruck an. Auch wenn sie vollständig bekleidet gewesen wäre, hätte sie sich unter dem forschenden, kühlen Blick seiner graublauen Augen nackt gefühlt.

Ebenso war es ihr auch schon ergangen, als sie am ersten Abend an Bord der Pericles zum Abendessen Platz genommen hatten. Während die Tage vergingen, war Dita immer dankbarer für Miss Baxters Anwesenheit gewesen, wenn auch nur zum Schutz vor ihren eigenen Sehnsüchten und Begierden, die sie nachts quälten.

Matt Warrender war ein typischer Vertreter jener Sorte Mann, von der ihre Cousine so anschaulich erzählte. Und Dita spürte eine zunehmende Neugier herauszufinden, ob denn alles zutraf, was Melanie ihr über solche Männer berichtet hatte.

Stets war sie ausgesucht höflich zu ihm gewesen, wenn sie sich in seiner Gesellschaft befand, und hatte ihm mit nichts glauben lassen, dass ihre Gedanken sich mit einem anderen Mann außer ihrem Verlobten beschäftigten.

Als sie jetzt vor ihm stand, so spärlich bekleidet, war sie sich seiner Männlichkeit bewusst und musste unwillkürlich an den Abend zuvor denken. Hätte sie ihn mit diesem Mann verbracht und nicht mit Jonathan, hätte sie mit Sicherheit ganz andere Erfahrungen gemacht.

Alle plapperten wild durcheinander, stellten aufgeregt Fragen und schienen beinahe euphorisch. Alle redeten gleichzeitig, bis sie sich schließlich in ruhigerem Ton darüber auszutauschen begannen, wie sie sich ihren Aufenthalt auf der Insel so angenehm wie möglich gestalten könnten.

Dita sagte wenig, und man erwartete auch gar keine Vorschläge von ihr, denn es war das Vorrecht der Männer, sich um solche Dinge zu kümmern. Ohne dass es jemandem auffiel, hatte Matt Warrender die Führung übernommen. Während des Gesprächs schaute er nur selten zu Dita, aber sie war sicher, dass er sich ihrer Nähe ebenso bewusst war wie sie sich der seinen.

Als die Abenddämmerung einsetzte, hatten sie unter den Bäumen zwei notdürftige Unterstände in sicherem Abstand zur See errichtet. Es gab einen kleinen Unterstand mit halb hohen Seitenteilen, um Ditas Privatsphäre zu schützen, und dazu einen größeren Unterstand, in dem die Männer schlafen würden.

Hunger war kein Problem mehr. Weniger als eine Stunde nach dem Zusammentreffen aßen sie frischen Fisch, den sie in der von Korallenriffen umgebenen Lagune gefangen und dann über einem Feuer am Strand gegrillt hatten. Später, als Jonathan einem Mann namens Jack mit den Unterständen half, waren die beiden anderen ins Innere der Insel vorgedrungen, um dort nach Nahrung zu suchen.

Tiko, der Matt begleitete, war auf einer der Inseln geboren und hatte die Schiffbrüchigen schon am Tag zuvor mit seinen Kenntnissen beeindruckt. Diesmal war es nicht anders, und so kehrten sie beladen mit tropischem Obst und Gemüse zur Gruppe zurück.

Dita schlief allein in dieser Nacht. Sie fühlte sich sicher in ihrer kleinen Ecke und fürchtete sich nicht vor den seltsamen Geräuschen der Nacht. Das Rauschen der Wellen schien ihr eigenartig beruhigend.

Die Männer waren nur ein paar Schritte von ihr entfernt, und ihre Gegenwart war tröstlich und beunruhigend zugleich. Dachte Matt Warrender auf seinem Lager an sie, wie sie an ihn dachte? Sie wusste es nicht – weder in dieser noch in der nächsten Nacht.

Sam lag auf dem Rücken, die Hände unter den Kopf geschoben und mit einem Grinsen auf dem Gesicht, während sein Schwanz steif nach oben ragte. Der Matrose sah aus, als wäre er gestorben und im Paradies wieder aufgewacht. Selbst dort hätte es ihm nicht besser ergehen können als hier, und deshalb war ihm völlig egal, ob sie je gerettet würden.

Emily stellte sich über ihn und ließ sich vorsichtig auf seinen harten Ständer nieder. Sie stützte sich mit beiden Händen auf seinem Brustkorb ab und zuckte zusammen, als der pochende Stab langsam in sie eindrang, Zentimeter für Zentimeter. Als sie ihn in seiner ganzen Länge in sich aufgenommen hatte, erhob sie sich wieder ein Stückchen.

Sams Stöhnen entlockte ihr ein gurgelndes Lachen. Sie liebte es, ihn auf diese Weise zu necken, und auch ihre eigene gierige Spalte zu quälen, bis sie beide den Zustand erreicht hatten, in dem ihre Erregung nur durch wildes Pumpen befriedigt werden konnte.

Sie nahm das Gewicht von ihren Händen und ließ ihr Geschlecht über seiner Schwanzspitze kreisen. Dabei sah sie ihm ins Gesicht und musste lächeln, als er wieder zu stöhnen begann und die Augen schloss.

In den letzten beiden Tagen hatte sie viel über Sex gelernt, und diese Stellung war ihr die liebste. Das Gesicht ihres Partners verzerrt vor Leidenschaft zu sehen, während sie seine Rute bearbeitete und die Kontrolle über ihn besaß, gab ihr ein wunderbares Gefühl der Macht.

Diesmal war es nicht anders. Als Sam nach ihren Hüften griff, damit er tiefer in sie eindringen konnte, lachte Emily und wich seinen Händen aus. »Gefällt es dir denn nicht, wie ich mit dir spiele?«

»Ob es mir gefällt? Zur Hölle, Frau! Du treibst mich in den Wahnsinn!« Jetzt hatte er sie gepackt und drückte sie auf sich, bis sein Schaft tief in ihr versunken war. »Ah, das fühlt sich besser an.«

»Wirklich?«, fragte Emily. »Oder ist das besser?« Sie drückte sich hart gegen sein Becken und begann, wieder mit ihren Hüften zu kreisen. Diese Bewegung erregte sie nicht weniger als Sam. Leise Schreie kamen ihr über die Lippen, als sie immer schneller über ihn hinwegglitt. Die »Ohs« und »Ahs« wurden lauter, bis sie schließlich ihren Orgasmus hatte, heiß und alles verzehrend. Sie stieß kräftiger gegen Sams Schoß und erschauerte mit einem lang gezogenen Aufschrei.

Sams Befriedigung war nicht weniger intensiv. Er legte die Hände auf ihre Brüste, und seine Lust spiegelte sich in seinem dümmlichen Grinsen. Ginge es nach ihm, könnte sein Schwanz für immer so hart und groß bleiben.

»Du bist eine verdammt heiße Frau, Emily«, sagte er bewundernd.

Emilys selbstsicheres Lächeln hatte etwas Katzenhaftes an sich. »Butch findet das auch«, sagte sie und fragte sich, wann sie sich mit seinem Schaft das nächste Mal vergnügen würde.

Dita sah, wie er unter den Bäumen mit entschlossenen Schritten auf sie zukam. Sie trafen sich an einem kleinen Bach. Das Sonnenlicht, das durch das Laub der hohen Äste fiel, malte leuchtende Flecken und zitternde Muster auf das kristallklare Wasser.

Matt sprang leichtfüßig über die Trittsteine auf die Seite, wo Dita stand. Sie betrachtete das Spiel von Licht und Schatten auf seinen Muskeln und spürte, wie sie feucht wurde. Sie zweifelte nicht daran, dass er ihr mit Vorsatz gefolgt war. Und sie brauchte auch nicht zu fragen, was er wollte. Matt begehrte sie genauso, wie sie ihn begehrte.

Er betrachtete sie mit einem leicht spöttischen Lächeln, das sie schon öfter an ihm gesehen hatte. Es gehörte zu ihm wie sein tiefschwarzes Haar, die beiden steilen Linien zwischen seinen Augenbrauen, die ebenmäßigen Zähne, der schmale, manchmal fast hart aussehende Mund und die blasse Narbe, die sich über seinen dunklen Teint zog.

»Wie ich sehe, hast du mich erwartet«, sagte er nun.

»Vielleicht.« Doch diese Antwort passte so gar nicht zu ihrem herausfordernden, fast schon provozierenden Blick. Sie versank in seinen blauen Augen, die in starkem Kontrast zu seinem dunklen Haar und der gebräunten Haut standen. Sie erinnerten sie an einen zugefrorenen See, und doch wurde ihr ganz warm, wenn sie sich in ihnen verlor.

Seine Blicke glitten bewundernd über ihren Körper und verharrten für einen Moment dort, wo ihre Schenkel zusammenliefen. Dann betrachtete er mit einer solchen Intimität ihr Gesicht, dass ihr beinahe schwindelig wurde. Ihr Herz schlug so schnell, dass Dita zu zittern begann und zwischen den Beinen beinahe zerfloss.

»Zieh dein Hemd aus.« Das war ein Befehl, und sie befolgte ihn gern. Sie schob sich die zerrissenen Reste ihres Nachtgewands über den Kopf und warf sie achtlos auf den Boden.

Matts Augen funkelten. »Oh, ja. Du bist genauso bezaubernd, wie ich es mir vorgestellt habe.« Er stand da und betrachtete sie, als würde er sich jedes köstliche Detail ihres Körpers einprägen. Sein Blick ruhte auf ihren festen Brüsten, bevor er hinunter zu den dunklen Löckchen ihres Schoßes wanderte.

Ditas Lippen fühlten sich so trocken an, dass sie mit der Zunge darüberfuhr. Sie sah, wie sich der Stoff seiner Hose wölbte, ein unübersehbarer Beweis seiner Erregung. Lächelnd öffnete er seine Hose und zog sie aus.

Als er sich wieder aufrichtete, konnte Dita den Blick nicht von ihm abwenden. Es gab kein Gramm überflüssiges Fett an seinem muskulösen Körper. Seine Schultern waren breit, und er hatte einen glatten, harten Bauch.

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