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Auf Messers Schneide

1. KAPITEL

Emma stand noch immer wie angewurzelt da und konnte die Szene, die sich vor ihren Augen abspielte, kaum glauben: Rosalie und Simon standen eng umschlungen im Park und küssten sich leidenschaftlich. Sollte Emma dazwischengehen? Aber sie bremste sich im letzten Moment und joggte unbemerkt weiter.

„Zugig hier, oder?“ Mit einem kessen Lächeln auf den Lippen löste sich Rosalie nun von Simon. „Wir sollten unsere angeregte Unterhaltung vielleicht woanders fortsetzen.“ Wieder wollte sie ihn küssen, doch er wehrte sie diesmal ab.

„Wir sollten es lieber dabei belassen“, fand er. „Dann haben wir morgen beide nichts zu bereuen.“ Diese Abfuhr kam unerwartet, aber Rosalie fing sich schnell.

„Ich habe es ja gewusst – ein echter Kavalier …“, säuselte sie und schlenderte dann mit schwingenden Hüften davon.

Was dachte ihre Schwester sich nur dabei? Emma war am Hintereingang des Hotels angekommen und versuchte vergeblich, sich zu beruhigen. Sie hatte gedacht, Rosalie würde Felix lieben! Rosalie war so unverfroren … Einfach unmöglich. Das hatte Felix nicht verdient. Und es war alles so ungerecht – er tat alles für Rosalie. Und als Dank knutschte die mit Simon rum!

„Na, Schwesterherz?“ Emma drehte sich um. Hinter ihr war Rosalie aufgetaucht und schien bester Laune zu sein.

„Warum küsst du Simon?“, fuhr Emma sie an. Ihre Schwester zuckte zusammen, hatte sich aber sofort wieder im Griff.

„Ach, das meinst du.“ Sie winkte ab. „Wer wird denn einen kleinen Flirt unter Kollegen gleich auf die Goldwaage legen?“

„Flirt unter Kollegen!“, empörte sich Emma. „Du betrügst deinen Freund! Wie würdest du es denn finden, wenn Felix mit einer anderen Frau rumknutscht?“

„Das kannst du doch überhaupt nicht vergleichen“, erwiderte Rosalie lässig.

„Natürlich nicht.“ Böse funkelte Emma ihre Schwester an. „Du hättest ja ausnahmsweise den Schaden.“

„Schätzchen, hast du denn gar nichts begriffen?“ Die Herablassung in Rosalies Stimme war nicht zu überhören. „Felix ist ein ganz anderes Kaliber. Wenn der eine Frau küsst, wird es ernst.“

„Sie hat mich einfach angebaggert und geküsst“, erzählte Simon gerade seinem Vater. „Und wenn es nach ihr ginge, dann lägen wir jetzt wohl in der Kiste …“

„Wer im fremden Revier wildert, lebt gefährlich“, warnte André. „Besonders, wenn es die Herzensdame vom Chef ist.“

„Und Felix hat schon genug Sorgen wegen Viktoria“, seufzte Simon schuldbewusst. „Aber keine Sorge, ich will gar nichts von Rosalie Engel.“

„Das ist auch besser so“, fand André. „Die hat es nämlich in sich. Bevor Rosalie Engel untergeht, sind alle anderen dran.“

Von wegen, der Kuss war ganz harmlos. Rosalie konnte ihr viel erzählen. Für Emma hatte das jedenfalls ganz anders ausgesehen. Wobei – Felix hatte sie ja auch gerade geküsst, wenn auch nur aus Versehen. Oder aus Dankbarkeit, weil sie Viktoria im Wald gefunden und sicher nach Hause gebracht hatte. Trotzdem … Es stimmte, was Rosalie sagte: Felix war keiner, der so etwas leichtfertig tat. Und wenn er Emma doch ein klein wenig lieb hatte? Sie musste diese Frage auf der Stelle wieder vergessen. Das brachte nichts. Und sie würde auch nicht verraten, was sie da eben beobachtet hatte. Sie würde sich raushalten. Felix musste selbst darauf kommen, was Rosalie hinter seinem Rücken trieb. Wenn ihre Schwester aufflog, würde sie eben die Konsequenzen tragen müssen!

Karla war sprachlos. Was hatte Xaver da gerade gesagt? Er war gar kein Prinz?

„Ich komme aus einer ganz normalen Familie“, meinte er jetzt. „Meine Eltern heißen Steindl.“ Die Schlinge um seinen Hals hatte sich immer mehr zugezogen, und nun war ihm nichts anderes übrig geblieben, als seiner Freundin die Wahrheit zu beichten: dass sein Adelstitel nur eine Lüge war. Und das die Sonnbichlers bei der ganzen Geschichte mitgespielt hatten, um ihm zu helfen. „Damit ich dich nicht verliere“, fügte er erklärend hinzu.

„Dann war alles gelogen?“ Langsam begriff Karla das Ausmaß seines Geständnisses. „Dass sie den Namen von Crondorff nicht mehr benutzen können, dass euch der reiche Onkel verstoßen hat …“ Er nickte beschämt. „Dass deine Eltern … deine angeblichen Eltern, diese Sonnbichlers, hier schuften, weil sie bankrott sind?“ Wieder nickte er und fühlte sich scheußlich dabei. „Das habt ihr wirklich fein hingekriegt“, stellte sie tonlos fest. „Und ich dumme Kuh … Warum, Xaver?“

„Glaub nicht, dass mir das Spaß gemacht hat …“ Ein Flehen lag in seiner Stimme. „Ich wollte dir die Wahrheit sagen. Aber ich hatte solche Angst, dich zu verlieren.“

„Warum?“, wiederholte sie verletzt.

„Ich dachte, du würdest denken, ich bin nur scharf auf dein Geld“, gab er zu.

„Und jetzt?“, rief sie. „Was soll ich jetzt denken?!“

„Dass ich dich liebe …“ Er trat einen Schritt auf sie zu und wollte sie in den Arm nehmen. Doch sie holte aus und versetzte ihm eine schallende Ohrfeige.

„Raus!“ Das war alles, was sie ihm noch mitzuteilen hatte. Verzweifelt schlich er davon.

Als Erstes suchte er die Sonnbichlers, um sie zu informieren, dass es nun vorbei war mit der ganzen Lügerei. Alfons und Hildegard waren einerseits erleichtert, dass sie bei der Sache nun endlich nicht mehr mitspielen mussten. Andererseits tat Xaver ihnen leid – er war nur noch ein Häufchen Elend. Und so versuchten sie, ihm Mut zu machen. Karla würde früher oder später schon begreifen, dass er das alles nur getan hatte, weil er sie ehrlich liebte.

„Sie packt bestimmt gerade ihre Koffer“, fürchtete Xaver. „Wo soll ich denn überhaupt hin, wenn sie weg ist? Ich habe ja nicht mal genug Geld für die Dorfpension.“ Ohne zu zögern boten die Sonnbichlers ihm ihr Gästezimmer an.

Auch Marie hatte inzwischen erfahren, dass Xavers Lügengeschichte aufgeflogen war. Kurzerhand begab sie sich zu Frau Müller in die Fürstensuite. Und in der Tat war Karla bereits dabei, die Koffer zu packen. Marie gestand der fassungslosen Karla zunächst, dass die Sonnbichlers in Wahrheit ihre Eltern waren und dass sie dementsprechend auch von der Lüge gewusst hatte. Und sich nun schäbig fühlte.

„Meine Eltern und ich haben nur mitgemacht, weil Xaver Sie auf keinen Fall verlieren wollte“, versuchte sie, sich zu rechtfertigen. „Er liebt Sie über alles. Das tut er wirklich.“

„Wissen Sie, was das Schlimmste ist?“, fragte Karla unglücklich. „Ich komme mir so unglaublich dumm vor. Er hat sich bestimmt die ganze Zeit ins Fäustchen gelacht, weil ich so naiv bin.“

„Ganz bestimmt nicht!“, widersprach Marie. „Xaver ist manchmal ein Riesenidiot, das steht fest. Aber wenn er liebt, tut er das mit Haut und Haaren. Und Sie liebt er wirklich.“ Ihre Stimme wurde eindringlich. „Xaver ist kein schlechter Mensch. Er hat trotz allem eine zweite Chance verdient.“

Viktoria hatte jegliche Hoffnung aufgegeben. Sie wusste einfach nicht, warum sie sich die Quälerei mit der zweiten Chemotherapie noch antun sollte – wenn doch die erste schon nicht angeschlagen hatte. Sie fühlte sich jeden Tag schlechter, die Haare gingen ihr aus …

Heute wollte Frau Dr. Konopka ihr Blut abnehmen, damit die neue Medikation exakt auf Viktorias Werte eingestellt werden konnte.

„Jeder reagiert anders auf Zytostatika“, erläuterte die Ärztin. „Bei unserem ersten Versuch haben wir leider falschgelegen.“ Aber Viktoria weigerte sich. Sie würde sich kein Blut abzapfen lassen. Und sie würde die zweite Chemo auch nicht machen. Es war doch alles vollkommen sinnlos …

Sie telefonierte gerade mit einem Notar, als Felix die Wohnung betrat, um nach ihr zu sehen. Und ihr Bruder reagierte entsetzt, als er begriff, dass sie ein Testament aufsetzen wollte.

„Daran darfst du nicht einmal denken!“, platzte er heraus. „Das verbiete ich dir!“

„Es geht natürlich fast alles an dich“, erwiderte sie, ohne auf seinen Einwand zu reagieren. „Aber ich will Simon auch einen kleinen Teil geben. Er war so lieb zu mir in den letzten Wochen.“

„Simon und mir ist es völlig wurscht, was in deinem Testament steht!“, ereiferte sich Felix nun. „Weil es nämlich gar nicht zur Eröffnung kommt.“

„Felix … Ich kann nicht mehr …“ Ihre Stimme war nur noch ein Hauchen.

„Du darfst dich nicht aufgeben“, bat er leise.

„Aber ich darf mir auch nichts vormachen“, hielt sie dagegen.

Auch Simon war schockiert, als Felix ihm mitteilte, dass Viktoria ihr Testament machen wollte. Und vorhatte, ihn darin zu bedenken.

„Das kann ich nicht annehmen“, meinte er sofort.

„Weil es dann amtlich wäre, wie viel du ihr bedeutest?“, wollte Felix wissen.

„Nein, verdammt!“, widersprach Simon. „Ich will nicht, dass sie ihr Ende bereits einplant. Weil es einfach noch nicht vorbei sein darf.“ Das verstand Felix nur allzu gut. Ihm ging es ja genauso.

Später unterhielt sich Simon noch mit seiner Mutter über Viktoria. Evelyn war mehr als besorgt darüber, dass ihre Patientin die zweite Chemotherapie bislang verweigerte.

„Ich fürchte, sie hat sich schon aufgegeben“, sagte die Ärztin unglücklich. „Sie will nicht mehr. Ich glaube, sie weiß nicht mehr, wofür sich das Kämpfen lohnt. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre sie tief in ihrem Inneren sehr, sehr einsam.“

Sylvia war so froh gewesen, dass Paul nun endlich im Gefängnis saß. Umso geschockter reagierte sie, als er sie aus der Untersuchungshaft auf ihrem Handy anrief und bedrohte.

„Denk dran, ich werde nicht ewig eingesperrt sein“, sagte er. „Und dann …“ Panisch drückte sie das Gespräch weg.

„Wieso kann er aus dem Gefängnis anrufen?“, fragte sie Ben, der den Telefonterror zufällig mitbekommen hatte. „Ich dachte, Handys sind da verboten.“

„Keine Ahnung, wie der Dreckskerl das wieder geschafft hat.“ Ben war sichtlich aufgewühlt. Er wollte nicht, dass seine Mutter Angst haben musste.

„Hört das denn nie auf?“, klagte sie. „Ich dachte, ich habe endlich Ruhe vor ihm.“ Ben riet ihr, sich sofort eine Geheimnummer zu besorgen. Mehr wusste er im Augenblick auch nicht.

Auch Werner, den Sylvia sofort über den Anruf ihres Mannes informierte, hielt das für eine gute Idee.

„Meinst du, Paul schafft es, bald aus dem Gefängnis zu kommen?“, fragte sie ihn kläglich.

„Auf gar keinen Fall“, entgegnete der Senior beruhigend. „Ich habe da großes Vertrauen in unser Rechtssystem. Er hat dich mit einem Messer bedroht, dafür sitzt er ein paar Jahre.“ Aber damit waren bei Sylvia noch längst nicht alle Befürchtungen ausgeräumt.

Nun ließ jedes Geräusch sie panisch zusammenzucken. Immer dachte sie, gleich würde ihr Mann vor ihr stehen. Und diesmal wäre niemand zur Stelle, um sie zu retten. Das Einzige, was ihr einfiel, war, sich von Frau Dr. Konopka Beruhigungstabletten verschreiben zu lassen.

Das Gespräch mit seiner Mutter hatte bei Simon tiefe Spuren hinterlassen. Nun besuchte er Viktoria in ihrer Wohnung. Sie war gerade aus einem Albtraum erwacht – sie hatte ihre eigene Beerdigung gesehen, und das war furchtbar gewesen.

„Wie viel Zeit habe ich wohl noch?“, wollte sie vollkommen verängstigt wissen. „Einen Monat? Zwei?“

„Viktoria …“ Hilflos nahm er ihre Hand. „Du wirst nicht sterben. Und ich werde dir auch sagen, warum. Weil ich dich hier brauche. Was soll ich denn ohne dich machen?“

„Ist das wahr?“ Erstaunt blickte sie ihn an.

„Würde ich es sonst sagen?“

Bewegt hatte sie ihn angelächelt. Und auf einmal war wieder ein Hoffnungsschimmer in ihren Augen gewesen. Aber besser fühlte Simon sich deswegen auch nicht. Jetzt musste Viktoria glauben, dass er sie noch liebte. Aber das stimmte nicht. Sie bedeutete ihm viel, als Freundin, beinahe als eine Art Schwester. Aber als Paar würden sie ganz sicher keine Zukunft mehr haben, egal, wie ihre Krankheit ausging. Sagen konnte er ihr das natürlich nicht. Er musste einfach hoffen, dass sie durch seine Worte wieder neuen Lebensmut geschöpft hatte und gesund werden würde. Und dann, dann würden sie weitersehen.

Am nächsten Morgen ließ Viktoria sich tatsächlich widerstandslos Blut abnehmen. Evelyn fragte, woher ihre Patientin plötzlich den neuen Lebensmut nahm – sie konnte sich schon denken, dass das mit Simon zu tun hatte.

„Ich habe letzte Nacht begriffen, wie sehr ich ihn noch immer liebe“, gestand Viktoria auch prompt. „Und er … er hat gesagt, er will mich nicht verlieren.“

„Das ist doch wunderbar.“ Frau Dr. Konopka versuchte, sich ihre Überraschung nicht anmerken zu lassen.

„Mit einem Mal ist alles viel leichter …“ Ein versonnenes Lächeln spielte um Viktorias Lippen. „Ich habe danach zum ersten Mal seit Wochen ruhig geschlafen. Und sogar mein Frühstück geschafft. Wenn ich irgendwann wieder richtig gesund bin – ich glaube ganz fest daran, dass Simon und ich noch eine Chance haben.“

„Es gibt gute Neuigkeiten. Viktoria ist einverstanden, dass wir mit der zweiten Chemotherapie starten.“ Die Erleichterung stand Simon ins Gesicht geschrieben, als seine Mutter ihm das mitteilte. „Sie tut das in erster Linie deinetwegen“, fuhr Evelyn nun fort. „Sie hat mir gestanden, wie sehr sie dich immer noch liebt. Und du hast ihr offensichtlich auch neue Hoffnungen gemacht.“

„Ich mag sie, sehr sogar …“ Simon blickte betreten zu Boden. „Aber ich liebe sie nicht.“ Evelyn konnte nicht glauben, dass er am Krankenbett mit Viktorias Gefühlen gespielt hatte. „Sie war total am Ende“, verteidigte er sich. „Völlig mutlos. Sie wusste nicht mehr, warum sie gesund werden soll. Da wollte ich ihr irgendwie helfen.“

„Das ist dir hervorragend gelungen“, konstatierte seine Mutter bitter. „Und du weißt hoffentlich, worauf du dich eingelassen hast. Es kann Monate dauern, bis sie wieder gesund ist. Oder stirbt.“

„Es war überhaupt nicht geplant“, erwiderte er überfordert. „Aber ich konnte sie doch nicht im Stich lassen.“

„Trotzdem – sie so anzulügen …“ Evelyns Stimme wurde jetzt sehr eindringlich. „Simon, du wirst ihr diese Illusion jetzt nicht mehr nehmen. Das kannst du ihr nicht antun.“

Er wusste, dass seine Mutter recht hatte. Aber es war schwer für ihn zu sehen, wie verliebt Viktoria ihn anstrahlte.

„Dass du so zu mir stehst, gibt mir wirklich Kraft“, flüsterte sie. „Und Hoffnung. Ich bin so dankbar, dass es dich gibt.“

„Ich will doch auch, dass du wieder gesund wirst.“ Bedrückt streichelte er ihren Nacken.

„Das werde ich auch!“, erklärte sie energisch. „Schließlich will ich mit dir noch viele Jahre glücklich sein.“ Er nickte überfordert. „Dass du noch immer etwas für mich empfindest … Nach allem, was passiert ist … Das ist schon ein kleines Wunder!“

Nachdem Marie gestern ein gutes Wort für Xaver eingelegt hatte, war Karla wenigstens noch nicht abgereist, sondern in der Fürstensuite geblieben. Als die Sonnbichlers kamen, um sich für die ganze Scharade zu entschuldigen, wies sie die beiden allerdings brüsk zurück. Sie war noch nicht bereit dazu, ihnen zu verzeihen. Und was Xaver anging, wusste sie einfach nicht weiter.

In ihrer Not wandte sie sich an Nils. Und der riet ihr, Xaver sozusagen auf Herz und Nieren zu testen, um herauszufinden, ob es ihm wirklich um Karla oder nur um ihr Erbe ging.

„Frau Müller, Geld oder Liebe, das ist die Frage, die Sie sich stellen müssen“, erklärte Nils. Und Karla konnte dem eigentlich nur zustimmen.

Kurze Zeit später traute sich Xaver, noch einmal an die Tür der Fürstensuite zu klopfen. Erneut entschuldigte er sich bei Karla für das ganze Lügengebäude, das er aufgebaut hatte, und beteuerte, er habe das nur getan, weil er sie liebte und nicht verlieren wollte.

„Glaubst du mir?“ Flehentlich sah er sie an.

„Vielleicht bist du doch nicht so schlimm, wie ich gestern dachte“, kam sie ihm entgegen. „Aber jetzt gibt es ein neues Problem. Mein Vater.“

„Du hast ihm alles erzählt.“ Xaver schwante Böses. Sie nickte.

„Jetzt ist er stinksauer auf dich“, behauptete sie dann. „Wenn ich dich nicht auf der Stelle verlasse, will er mich enterben.“

„Aber du bist doch sein einziges Kind!“, entrüstete sich Xaver, nachdem er diese Nachricht verdaut hatte.

„Das für seine Liebe teuer bezahlen muss“, ergänzte sie seufzend. „Jetzt bin ich zur Abwechslung mal arm wie eine Kirchenmaus.“

„Das ist so was von ungerecht“, fand er und nahm sie tröstend in den Arm. „Aber es ändert nichts daran, dass ich dich liebe. Vergiss das blöde Geld! Hauptsache, wir sind zusammen. Gemeinsam schaffen wir das schon.“

„Aber wie soll es jetzt weitergehen?“, wollte sie wissen. „Ohne einen Cent?“

„Ich sorge für uns!“, versicherte er. „Ich suche mir einen Job. Und ich finde einen, das kannst du mir glauben.“

Auf der Stelle machte er sich auf den Weg zu Herrn Sonnbichler. Und Karla blieb erleichtert zurück. Sie schien sich wirklich nicht völlig in Xaver getäuscht zu haben: So, wie es schien, ging es ihm wirklich um sie und nicht um ihr Geld.

Und Xaver war schon dabei, Alfons zu beknien, dass er ihm einen Job gab. Aber Herr Sonnbichler hatte einfach keine freie Stelle zu besetzen. Doch Xaver war so fest entschlossen, eine Arbeit zu finden, dass er sich nun direkt an Werner Saalfeld wandte. Er wäre sich auch für keine Tätigkeit zu schade, beteuerte er.

„Jemanden, der richtig anpacken will, können wir eigentlich immer brauchen“, stellte der Senior in Gutsherrenmanier fest. „Aber Sie sollten nicht zu viel erwarten.“

2. KAPITEL

Emma sah Rosalie und Felix in trauter Harmonie gemeinsam durch den Park joggen. Die beiden hatten sich nach dem gestrigen Streit wieder versöhnt, und Rosalie hatte offensichtlich auch nichts von dem Kuss zwischen ihr und Simon gesagt. Nun tat Emmas Schwester wieder so, als könnte sie kein Wässerchen trüben. So war sie schon immer gewesen, dachte Emma. Frech, unbekümmert und immer auf den eigenen Vorteil bedacht. Und sie schaffte es immer wieder, dass sich die Welt um sie drehte. Gestern knutschte sie mal eben mit Simon – und heute gab sie wieder die strahlende Frau an Felix’ Seite. Leider waren die beiden wirklich ein schönes Paar – rein optisch. Emma konnte schon verstehen, dass Felix ihre Schwester liebte. Rosalie war einfach viel hübscher als sie.

Nur durch Zufall war heute der Poststapel in Bens Hände geraten. Und er entdeckte einen Brief, den Paul Wielander aus dem Gefängnis an Sylvia geschrieben hatte. Unbemerkt ließ der Page den Umschlag in seine Tasche gleiten. Und begab sich auf der Stelle zu André Konopka.

Der Chefkoch riss den Umschlag auf, ohne zu zögern. Und dann las er laut, was Wielander geschrieben hatte.

„Meine liebste Sylvia, ich habe nachgedacht. Verlass diesen aufgeblasenen Hotelier und komm zu mir zurück. Ich werde dich für immer auf Händen tragen.“

„Ist das alles?“, unterbrach Ben. „Nur sein übliches Geschwafel?“ André überflog die nächsten Zeilen, bis er auf etwas Interessantes stieß.

„Du weißt, ich habe nichts mehr zu verlieren“, las er wieder laut. „Wenn du mich hängen lässt, lasse ich alles auffliegen. Denn die echte Sylvia ist tot. Sie hat sich bei einem Sturz von der Treppe das Genick gebrochen. Und du … Du warst Barbara von Heidenberg, bevor ich dich zu meiner wunderbaren Ehefrau gemacht habe.“

„Was?“, rief Ben erschrocken. „Der Wahnsinnige will sich selbst ans Messer liefern?“

„Du hast es in der Hand“, fuhr André fort. „Wenn ich nicht mit dir glücklich sein darf, sollst du es auch nicht sein.“ Er ließ den Brief sinken. Besorgnis spiegelte sich in seinem Gesicht. „Nun haben wir ein Problem“, murmelte er.

Wielander hatte außerdem geschrieben, dass Sylvia innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden antworten sollte. Ihr Schreiben sollte an Pauls Anwalt gehen, der würde es zu ihm in die Zelle schmuggeln.

„Wir müssen uns eine Antwort auf diesen Brief einfallen lassen!“ Ben war außer sich vor Sorge um seine Mutter. Er war sich sicher, dass sie es nicht verkraften würde, die Wahrheit zu erfahren. Dass sie Barbara von Heidenberg war.

„Und diese Antwort muss Wielander die Sprache verschlagen“, pflichtete André ihm bei. Nur, wie sollten sie das anstellen?

Ben bedrängte als Erstes Emma, damit sie ihm half, einen fingierten Liebesbrief an Wielander aufzusetzen. Doch Konopka hielt gar nichts von dieser Strategie – Wielander würde doch auf einen solchen Brief sofort reagieren. Und ob es Ben noch einmal gelingen würde, die Post abzufangen, war mehr als fraglich.

„Mit einem läppischen Schmusebrief machen wir Wielander jedenfalls nicht unschädlich“, stellte der Chefkoch fest. „Da müssen wir uns etwas Besseres einfallen lassen!“

Als Felix seine Schwester heute besuchte, fand er sie wie ausgewechselt.

„Mir geht es sehr gut“, stellte sie zu seiner großen Überraschung fest. „Leukämie hin oder her. Ich will jetzt kämpfen.“

„Das ist die richtige Einstellung!“, freute sich ihr Bruder.

„Bloß nicht aufgeben!“

„Deshalb habe ich mich auch entschlossen, gleich mit der zweiten Chemo anzufangen“, erklärte sie. „Ich lasse mich doch von dieser blöden Krankheit nicht unterkriegen.“ Strahlend und erleichtert schloss Felix sie in die Arme. Aber er konnte sich nicht verkneifen, zu fragen, woher dieser neue Lebensmut denn auf einmal gekommen war. „Daran ist ein gewisser Simon Konopka nicht ganz unschuldig“, lächelte sie. „Wir werden es noch einmal miteinander versuchen.“

„Du meinst, als Paar?“ Felix musste sich anstrengen, um sie seine Skepsis nicht merken zu lassen. „Mit Liebe und allem Drum und Dran?“ Sie nickte. „Na, das sind ja Neuigkeiten …“ Aber ganz überzeugt wirkte er nicht.

Später kam Rosalie zu ihm ins Büro – in der Hoffnung, mit ihm zusammen zu Mittag zu essen. Aber er hatte, wie schon so oft, keine Zeit für sie. Diesmal wollte sie es jedoch nicht gleich wieder in einen Streit ausarten lassen und riss sich zusammen. Und fragte außerdem nach seiner Schwester.

„Ihr geht es besser“, antwortete er. „Anscheinend hat sie neuen Lebensmut gefasst.“

„Und woher kommt dieser plötzliche Umschwung?“, wollte Rosalie wissen.

„Viktoria glaubt wieder an eine Zukunft mit Simon.“

„Mit Simon Konopka?“, platzte Rosalie heraus.

„Warum überrascht dich das so?“, wunderte sich ihr Freund.

„Mich?“ Sie fing sich schnell wieder. „Eigentlich nicht“, behauptete sie. „Die beiden waren doch schon mal ein Paar.“

„Und sie waren sehr glücklich“, bestätigte er. „Bis Viktoria Schluss gemacht hat. Wegen eines anderen.“

„Und jetzt kommen sie plötzlich wieder zusammen?“, hakte Rosalie nach.

„Scheint so …“, entgegnete er und wandte sich dann wieder seinen Akten zu.

Werner war in der Zwischenzeit in Sylvias Scheidungsangelegenheit aktiv geworden. Ihm war nicht entgangen, wie schreckhaft sie auf alles Mögliche reagierte, und auch nicht, dass sie ein Beruhigungsmittel einnahm. Er musste etwas unternehmen, damit ihre Angst nicht übermächtig wurde. Die Scheidung würde jetzt jedenfalls sehr schnell über die Bühne gehen können, hatte seine Rechtsanwältin gesagt.

„Durch den Entführungsversuch deines Mannes kannst du eine Härtefallentscheidung beantragen“, erklärte er Sylvia gerade. „Wenn du willst, fahren wir gleich morgen in die Kanzlei. Dann ist die Sache bald aus der Welt.“ Doch Sylvia zögerte. Natürlich würde sie diese Ehe lieber heute als morgen auflösen. Aber gleichzeitig überforderte sie alles, was mit Paul zu tun hatte. Sie bat Werner noch um ein paar Tage Zeit. Der Senior konnte das überhaupt nicht verstehen und hatte Mühe, sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.

Hildegard und Alfons hatten inzwischen durch Xaver erfahren, dass Karlas Vater ihr mit Enterbung drohte. Nun würde sie kein Geld mehr haben, um ihren aufwendigen Lebensstil zu finanzieren. Und Hildegard konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Frau Müller nun auch zu ihnen ins Gästezimmer ziehen würde – bei der waren sie doch erst einmal unten durch.

Emma lauschte der Unterhaltung der Sonnbichlers mit Schrecken. Wenn Frau Müller kein Geld mehr hatte – was bedeutete das dann für ihre Dirndl-Kollektion?

Warum passierte so etwas eigentlich immer ihr? Emma war zutiefst niedergeschlagen. Konnte denn nicht einmal etwas klappen? Sie hatte sich das so schön ausgemalt mit ihrer eigenen Dirndl-Kollektion. Das wäre so klasse geworden. Aber wenn Frau Müller nun kein Geld mehr hatte, hatte diese Angelegenheit sich mit Sicherheit erledigt.

Simon war abends bei Viktoria. Die beiden kuschelten auf dem Sofa, sie hatte ihren Kopf in seinen Schoß gelegt.

„Noch vor ein paar Wochen hätte ich nicht zu träumen gewagt, dass wir jemals wieder zusammenkommen …“, flüsterte sie glücklich. „Ich habe mir das so sehr gewünscht.“ Überfordert streichelte er ihr Haar. „Seit wann weißt du denn, dass du mich doch noch liebst?“

„Schon länger …“, behauptete er zögerlich. „Nachdem Samia mich verlassen hat … Unser Ausrutscher, weißt du noch? Eigentlich ist mir das schon da klar geworden.“

„Das hast du aber gut vor mir verborgen!“, frotzelte sie.

„Ich habe es erst selbst nicht wahrhaben wollen“, log er. „Ich war mir über meine Gefühle nicht im Klaren.“

„Kein Wunder, nach deinen Erfahrungen mit uns Frauen und der Liebe …“, erwiderte sie voller Anteilnahme. „Ich habe damals einen großen Fehler gemacht, mit Marc. Aber ich verspreche dir, dass ich dich nie mehr verletzen werde. Nie.“

„Es ist nun mal passiert.“ Simon konnte dieses Gespräch kaum noch ertragen. „Wir können es nicht rückgängig machen. Und sollten nur noch nach vorne schauen.“

„Ich bin so froh über unsere neue Chance.“ Sie schloss die Augen und spitzte ihre Lippen zum Kuss. Er schluckte, überwand sich dann aber und küsste sie zart auf den Mund.

Felix ahnte, dass Simons angebliche neue Liebe für Viktoria vielleicht nicht ganz echt war, und vertraute sich Emma an.

„Er gibt Viktoria zumindest neuen Lebensmut“, sagte er. „Ich hoffe nur, sie täuscht sich nicht in seinen Gefühlen.“

„Warum sollte sie?“, wunderte sich Emma.

„Ich bin mir nicht sicher, ob Simon nicht Mitleid mit Liebe verwechselt“, erwiderte Felix.

„Das kann ich mir nicht vorstellen.“ Fragend sah er sie an. „Wenn das Leben eines geliebten Menschen auf dem Spiel steht, dann erkennt man oft, was man wirklich fühlt. Und die Liebe kommt zurück. Wahrscheinlich ist Simon genau das passiert!“

„Ich hoffe, du hast recht“, seufzte Felix und verabschiedete sich wieder an die Arbeit.

Sehnsüchtig blickte Emma ihm nach. Meine Güte – da hatte sie wegen ein paar dummer Kleider gejammert! Und zur gleichen Zeit ging es für Felix und Viktoria um so viel mehr … Wenn sie Felix doch nur ein paar seiner Sorgen abnehmen könnte …

Sylvia hatte nun selbst beschlossen, etwas gegen ihre Angst zu unternehmen. Und so bat sie Nils Heinemann am anderen Morgen, ihr Unterricht in Selbstverteidigung zu erteilen. Er hatte in der Zeitung gelesen, was ihr vor Kurzem geschehen war, und verstand ihren Wunsch nur zu gut. Also begannen sie gleich mit dem Training.

Zunächst war sie viel zu zaghaft, um sich mit den Griffen zu verteidigen, die Nils ihr zeigte. Und dabei auch noch laut zu schreien.

„Sie müssen viel entschlossener auf mich zukommen“, verlangte Nils.

„Das liegt mir nicht so …“, entgegnete sie leise.

„Ihrem Peiniger kann das nur recht sein. Umso besser kann er Sie einschüchtern!“ Da erinnerte sie sich plötzlich an die Situation im Wald. Wie Paul sie festgehalten hatte. Eine unbändige Wut stieg in ihr auf, und auf einmal war es ein Leichtes für sie, auf Nils loszugehen.

„Das ist es!“, rief er anerkennend. „Genau so!“

Sylvia hatte diese Trainingseinheit unglaublich gutgetan. Endlich hatte sie einen Weg aus der Ohnmacht herausgefunden. Sie war kein Opfer mehr und konnte nun wieder aktiv über ihr eigenes Leben entscheiden.

Werner staunte nicht schlecht, als sie erklärte, dass sie auf der Stelle die Scheidung einreichen wollte.

„Dann wird Paul mich endlich in Ruhe lassen!“, hoffte sie.

André war zufällig dabei, als Sylvia seinem Bruder das verkündete. Das änderte die ganze Situation. Wenn Paul Wielander Scheidungsunterlagen ins Gefängnis geschickt bekam … André brauchte dringend einen Plan.

Rosalie hatte sich vorgenommen, Simon über seine angeblich neu entflammte Liebe zu Viktoria Tarrasch auszuhorchen. Doch der hielt sich bedeckt.

„Sie sind doch wieder ein Paar, oder?“, insistierte Rosalie.

„Wenn Sie das gehört haben, wird es ja wohl so sein“, knurrte er.

„Ist das der Grund, warum Sie unseren Kuss nicht wiederholen wollten?“, bohrte sie weiter.

„Bestimmt nicht!“, entfuhr es ihm.

„Dann spielen Sie der lieben Viktoria nur etwas vor?“, säuselte Rosalie.

„Es liegt wohl eher an Ihnen, dass ich keine Lust auf mehr habe“, erwiderte er harsch. „An Ihrer Stelle würde ich mal einen Gang zurückschalten. Schließlich sind Sie mit Felix zusammen. Oder haben Sie sich von ihm getrennt, weil Sie jetzt mir verfallen sind?“

„Kein Grund, beleidigend zu werden.“ Sie gab sich gekränkt. „Wir sind doch alt genug, um aus einem kleinen Kuss kein Drama zu machen.“

„Das hatte ich auch nicht vor“, konterte er.

„Dann ist ja gut.“ Lauernd sah sie ihn an. „Wie ernst ist es denn nun zwischen Ihnen und Viktoria?“

„Das geht Sie überhaupt nichts an!“, empörte er sich. „Sie braucht mich jetzt. Und deshalb wäre es schön, wenn Sie unseren kleinen Ausrutscher für sich behalten!“

„Natürlich“, versicherte sie schnell. „Schon wegen Felix …“

Viktoria hatte entschieden, dass sie die zweite Chemotherapie in einem Krankenhaus machen würde. Frau Dr. Konopka hatte bereits ein Bett für sie reserviert, und noch heute würde Viktoria den Fürstenhof verlassen. Sie wollte nicht, dass Simon noch einmal erlebte, wie schlecht es ihr während der Infusionen ging. Es war schon schlimm genug, dass er hatte mit ansehen müssen, wie ihr die Haare ausfielen.

Kurz darauf war es auch schon Zeit für den Abschied. Felix und Simon brachten Viktoria zum Taxi. Sie erklärte, dass sie in den nächsten Tagen keinen Besuch wünsche. Über Anrufe würde sie sich allerdings freuen.

„Danke, Simon“, sagte Felix, als das Taxi losgefahren war. „Ohne dich und deine Liebe hätte sie diesen Schritt nie gewagt.“ Freundschaftlich legte er Simon die Hand auf die Schulter. „Das werde ich dir nie vergessen.“ Er ahnte ja nicht, dass er die Situation für Simon damit nur noch unerträglicher machte.

Werner Saalfeld hatte Xaver als eine Art „Mädchen für alles“ engagiert. Gerade brachte er Müllsäcke nach draußen, später sollte er in der Küche helfen.

„Und das nehmen Sie für Ihre Freundin auf sich?“, fragte Alfons, als er den ehemaligen Pagen bei der Arbeit sah.

„Sonst würde ich es wohl nicht tun“, erwiderte Xaver.

„Das ist sehr lobenswert“, fand Herr Sonnbichler. „Aber wissen Sie eigentlich, was Sie Ihrer Freundin zumuten?“ Verständnislos verzog Xaver das Gesicht. „Karla hat sich doch Ihretwegen mit ihrem Vater überworfen“, fuhr Alfons fort. „Glauben Sie nicht, dass Ihre Beziehung das auf Dauer belasten wird? Es wäre besser, Sie raten ihr, sich wieder mit ihrem Vater zu versöhnen.“

„Warum sollte ich das tun?“, schnaubte Xaver gereizt. „Ist doch nicht meine Schuld, dass der alte Geldsack keinen armen Schwiegersohn haben will.“

„Denken Sie doch mal nach!“, mahnte Herr Sonnbichler. „Nicht Sie haben hier den Schaden, sondern Ihre Freundin. Sie wird von ihrem Vater enterbt.

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