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Astro-Date - Magisches Geflüster

Marita Sydow Hamann

Astro-Date - Magisches Geflüster

Romance Fantasy Kurzgeschichte





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Imressum

Astro-Date

 

 

Magisches Geflüster

 

 

 

 

Marita Sydow Hamann

Astro-Date - Magisches Geflüster

1. Auflage 2014

Copyright © Marita Sydow Hamann

Text, Illustrationen, Cover, Layout, Fotos: Marita Sydow Hamann

Hamneda, Schweden

Lektorat: Kornelia Schwaben-Beicht

Alle Rechte, einschließlich das der Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, auch auszugsweise, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages/der Autorin.

Dies ist eine fiktive Geschichte. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten oder sonstigen Begebenheiten sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

www.marita-sydowhamann.com

maritash73@gmail.com

Astro-Date

 

 

Ich richtete mich auf, sah über die Menschenmenge hinweg und erstarrte – zum millionsten Mal in meinem Leben wünschte ich mir, kleiner zu sein …

Darf ich mich vorstellen? Ich heiße Britta, bin siebenundzwanzig Jahre alt, von Beruf Grafikdesignerin, und ich messe satte ein Meter siebenundneunzig (1, 97 m). Ich bin Single – sozusagen ein Dauerzustand. Versucht mal, als Frau dieser Größe einen passenden Mann zu finden. Ich vermute, da ist es noch leichter, als tatterige, verrunzelte Oma einen Lebenspartner aufzutreiben.

Ich seufzte und tauchte in der Menge der Flohmarktbesucher Kopf über in eine Kiste mit gebrauchten Büchern. Mein Ziel war es, mich klein zu machen, was mir natürlich nicht gelang.

»Davon bekommst du nur einen krummen Rücken«, pflegte meine Oma immer zu sagen, sobald ich mal wieder leicht gebückt versuchte, mit der Menge zu verschmelzen, anstatt über sie hinweg zu sehen.

Ich griff aufs Geratewohl ein Buch und tat so, als würde ich den Einband betrachten, linste dabei aber durch die Menge der Flohmarktbesucher hindurch, um ihm ja nicht begegnen zu müssen. Natürlich fiel mein Versteckspiel auf, denn ich war – was sicher leicht nachzuvollziehen ist – miserabel darin, mich unauffällig zu verhalten. Einen Körper von einem Meter siebenundneunzig klein zu machen, war schier unmöglich.

»Was treibst du da?«, fragte Tanja stirnrunzelnd und begann sich neugierig umzusehen.

Ich gab einen knurrenden Laut von mir und zeigte gen Parkplatz, wo er gerade Hand in Hand mit ihr entlangschlenderte.

»Oh«, sagte Tanja und schüttelte missbilligend den Kopf. »Das ist ja wohl völlig übertrieben, Britta. Immer noch? Wirklich?«

Ich knurrte entnervt und schmiss das Buch zurück in die Kiste. Die gebückte Haltung behielt ich bei.

»Sie gehen zum Parkplatz. Du kannst also wieder hochkommen«, teilte Tanja mir zynisch mit.

Ich äugte Richtung Ausgang, wo er sie tatsächlich gerade in die Arme zog und dann aus meinem Sichtfeld verschwand. Ich seufzte erleichtert und richtete mich auf. Ein Blick in die Runde verriet mir, dass ich von neugierigen Blicken beobachtet wurde – teils erstaunt, teils amüsiert, aber zum größten Teil mit diesem ungläubigen Ausdruck in den Augen, den ich überall erntete, wo ich auch auftauchte.

»Sie sind aber lang! Wie ist die Luft da oben?«, scherzte ein älterer Herr mit Glatze.

Ich hielt einen bissigen Kommentar zurück und lächelte stattdessen freundlich.

»Sonnig, zweiundzwanzig Grad, Luftfeuchtigkeit siebzig Prozent und äußerst heiter«, teilte ich ihm mit zuckersüßer Stimme mit.

Ein strahlendes Nicken war die Antwort. Eins hatte ich in meinem langen Leben gelernt: Mürrisches Auftreten vergraulte die Blicke nicht, sondern machte sie nur feindseliger. Leider war mir nicht immer nach Scherzen auf meine Kosten zumute. Also wendete ich mich ab, immer noch lächelnd, und überhörte die Worte eines anderen Mannes absichtlich, schnappte mir Tanja, die gerade zum Gegenschlag ausholen wollte – sie kannte viele Witze über Glatzen –, und zog sie energisch weiter.

»Wie Pat und Patachon, die beiden!« Ein bellendes Lachen verfolgte uns.

Tanja streckte ihre fraulichen ein Meter dreiundsechzig und giftete mich anstelle des Witzboldes an.

»Was soll das? Zerr nicht so an mir herum, der Pullover ist neu! Und was soll das ganze Theater mit Ralf? Der ist das doch gar nicht wert!«

Vermutlich hatte Tanja recht. Doch so einfach war das Ganze für mich nicht. Ich kannte Ralf aus dem Klub der langen Menschen. Er war tatsächlich größer als ich, wenn auch nur einen Zentimeter, sah noch dazu nicht schlecht aus. Und ich hatte mich wirklich in ihn verliebt.

Man sollte meinen, dass sich zu verlieben nicht so schwer war, doch ich hatte nun mal das Bedürfnis nach einem Mann, dem ich nicht auf den Kopf gucken konnte. Und eine Vogelscheuche wollte ich auch nicht.

Ralf und ich waren einige Male miteinander aus gewesen. Wir verstanden uns gut, er schien sich wohl in meiner Nähe zu fühlen. Daher entschied ich, bei einem Mittagessen einen Schritt weiter zu gehen. Ralf war schüchtern – das dachte ich zumindest –, also musste ich den Anfang machen. Doch gerade, als ich ihm sagte, dass ich ihn sehr mochte, und er verstand, worauf ich hinauswollte, da stürmte eine junge Frau das Restaurant – seine Freundin, noch kleiner als Tanja, puppensüßes Gesicht und dürr wie eine Bohnenstange. Das absolute Gegenteil von mir.

Es war eine wahrhaftig klassische Szene, wie sie jeder aus Filmen kannte. Peinlich! Ich wollte vor Scham im Boden versinken. Ralfs nett gemeinte tröstende Worte, von wegen, ich wäre seine beste Freundin, wir wären Seelenverwandte, und er hoffe, dass ich Mandy genauso mögen würde wie er, hätte ich ihm am liebsten sonst wohin geschmiert.

Ich war Hals über Kopf geflohen, und unsere Freundschaft lag seitdem auf Eis. Ich war über das Gefühl des Verliebtseins mittlerweile hinweg, die peinlichen Aspekte konnte ich allerdings nicht so einfach abschütteln. Und schon gar nicht die Wut: Da fand ich mal einen gut aussehenden großen Mann, und dann suchte gerade der sich so ein kurzes Püppchen?

Und seine Erklärung per E-Mail hätte er sich wirklich sparen können. Wo war da das Feingefühl? Von wegen Seelenverwandte! Ich sei so fantastisch, so selbstbewusst, aber er brauche eine Frau, die er beschützen könne. Dieser Ignorant! Was glaubte er denn? Dass ich nicht beschützt werden wollte, nur weil ich größer als die meisten Mitmenschen war? Dass meine Seele nicht umarmt, gehegt und getröstet werden musste, weil ich nach außen wie ein Fels in der Brandung wirkte?

Ja, ich war groß und keineswegs zierlich. Aber weshalb gingen alle automatisch davon aus, dass ich deshalb keine Romantikerin sein konnte, die sich wünschte, verführt und beschützt zu werden?

Große und hübsche Frauen hatten oft kleine, nichtssagend aussehende Männer. Ich hatte dazu zwei Theorien.

Zum einen waren es sicher Männer ohne nennenswertes Selbstvertrauen, die sich auf diesem Wege ihnen fehlende Attribute aneigneten und die Frauen als Schild vor ihrem unzulänglichen Dasein verwendeten. Was die Frauen zu diesen Männern trieb, war mir allerdings schleierhaft. Vielleicht spielten sie gern die Beschützerrolle. Zum anderen waren es reiche oder aus anderen Gründen angesehene Männer, die sich eine Trophäe hielten.

Aber was war mit uns durchschnittlich aussehenden, extrem großen Frauen? Welche Nische gehörte uns? Ich wusste es nicht. Stattdessen war ich mir schmerzhaft bewusst, dass die Auswahl an passenden Partnern für mich weitaus geringer war als für den Rest der Frauen. Wie sehr wünschte ich mir doch, klein zu sein. Klein wie Tanja, die jede Woche einen anderen Typen an der Hand hatte. Sie schöpfte aus dem Vollen, probierte jeden Kuchen, genoss die Auswahl, während ich Brotkrumen suchte.

Missmutig schlenderte ich an den Flohmarktständen vorbei und schaute grimmig über den alten Plunder hinweg. Ralf hatte mir den Tag verdorben – schon wieder. Tanja dagegen war mit Herz und Seele dabei, Schmuck, Glückssteine und anderen Krimskrams durchzuwühlen. Etwas unschlüssig stand ich neben ihr und hob wahllos ein altes Medaillon hoch. Es klebte an einem Infoblatt fest, und unter Medaillon und Papier leuchtete eine antike kreisrunde Scheibe silberglänzend auf.

»Haben Sie was Interessantes gefunden?«, fragte die ältere Frau hinter dem Stand und lächelte mich freundlich an. »Das ist ein sehr schönes Medaillon, das Sie sich da ausgesucht haben.« Sie nickte anerkennend.

Ich hielt das Medaillon zwischen Daumen und Zeigefinger, doch mein Blick galt der seltsamen Scheibe, die jetzt nicht mehr leuchtete. Sie lag da, unspektakulär, wirkte aber trotzdem alt und irgendwie wertvoll.

»Was ist das?«, fragte ich und musterte die Symbole, die am Rand der Scheibe im Kreis angeordnet waren.

»Das ist eine Astroscheibe«, sagte die Frau. »Ich weiß nicht, wo sie herkommt. Ich fand sie beim Ausmisten auf dem Dachboden.«

Jetzt war ich nicht viel schlauer als vorher. Astroscheibe? Ich musste verwirrt genug dreingeschaut haben, denn die Frau setzte zu einer Erklärung an.

»Die Symbole stellen die Tierkreiszeichen dar, als Schriftzeichen und als Figuren. Wie man so etwas anwendet, das weiß ich allerdings auch nicht.«

»Was kostet diese Kette?«, fragte Tanja dazwischen und lenkte die Aufmerksamkeit der Frau auf sich.

Ich hörte ihr Gespräch nicht. Ich starrte wie hypnotisiert auf die Symbole auf der Scheibe, die nun wieder silberglänzend aufleuchteten. Wie magisch angezogen, streckte ich meine Hand aus und berührte die fremdartigen Schriftzeichen ganz leicht mit meinen Fingern. Sie begannen, rot zu glühen. Ruckartig zog ich die Hand zurück.

»Habt ihr das gesehen?«, fragte ich verblüfft.

»Was denn?«

Die Frau und Tanja sahen zu mir herüber. Die Scheibe lag wieder völlig harmlos da.

»Sind da Batterien drin?«, fragte ich.

Die Frau blickte mich verständnislos an.

»Die Zeichen haben geleuchtet«, erklärte ich.

Die Frau kam näher, hob die Scheibe hoch und wendete sie. Die Rückseite bestand aus antikem Holz. Nichts deutete auf eine Energiequelle hin.

»Sieht nicht so aus«, stellte sie fest. »Das Sonnenlicht muss sich darin gebrochen haben«, vermutete sie, hielt die Scheibe hoch und drehte sie hin und her. »Sehen Sie?«

Ich sah, dass die Bronzeplatte, auf der die Symbole angebracht waren, durch die Sonne golden schimmerte, aber nichts leuchtete silbern auf und schon gar nicht rot glühend.

»Hm«, machte ich nur, anstatt der Frau zu widersprechen.

»Schauen Sie es sich gern genauer an«, bot die Frau freundlich an.

Ich zögerte. Es juckte mich so sehr in den Fingern, die Scheibe noch einmal zu berühren, dass ich vor meinem eigenen Verlangen zurückschreckte. Letztendlich siegte die Neugierde. Ich musste sie berühren, ich wollte sie in Händen halten.

Wie hypnotisiert streckte ich die Hand aus und nahm die Astroscheibe entgegen. Sie war schwerer als ich erwartet hatte, die Symbole schienen handgearbeitet – nicht so perfekt symmetrisch wie bei maschinengefertigten Waren, aber mit dem gewissen Hauch von antiker Wertarbeit.

Als Tanja bei der Frau ihre neu erworbene Kette bezahlte – und beide somit abgelenkt waren –, leuchteten die Symbole erneut silbern auf. Fasziniert starrte ich auf die Zeichen, die vor meinen Augen fast lebendig erschienen: Scharrte das Pferd des Schützen mit den Hufen? Wehte das Haar der Zwillinge im Wind? Zitterte der Skorpionschwanz? Ich hätte schwören können, dass die Jungfrau mir zulächelte …

Ich blinzelte, und alles war unbeweglich, als wäre nichts geschehen.

Es ist nichts geschehen!, rief ich mich selbst zur Ordnung. Wie kam ich nur auf die Idee, dass die Illusion echt gewesen war?

I

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