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Arztromane Band 3

Arztromane 3

Sämtliche Personen, Orte und Begebenheiten sind frei erfunden, Ähnlichkeiten rein zufällig.

 

Der Inhalt dieses Buches sagt nichts über die sexuelle Orientierung des Covermodels aus.

 

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder eine andere Verwertung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin.

 

 

Ebooks sind nicht übertragbar und dürfen nicht weiterveräußert werden. Bitte respektieren Sie die Arbeit der Autorin und erwerben eine legale Kopie. Danke!

 

 

 

Text: Sissi Kaipurgay

Foto von shutterstock 143280199

Covergestaltung: Lars Rogmann

Zahnarzt Dr. Rosenberg


Kamal ist Frührentner und muss mit wenig Geld auskommen. Als Zahnersatz fällig ist, sieht er sich vor die Wahl gestellt, mit einer Lücke herumzulaufen oder aber auf das unmoralische Angebot des Dentisten einzugehen. Es steht ja wohl außer Frage, wie er sich entscheidet.

***


Vom morgendlichen Joggen kehre ich mit Hundekot unterm Schuh zurück. Das merke ich aber erst, als ich schon durch die halbe Wohnung gelaufen bin und der Gestank sich in meine Nase frisst. Ah! Wie ich das hasse! Wie ich es überhaupt hasse, in dieser schäbigen Gegend zu wohnen!


Zum bestimmt tausendsten Mal nehme ich mir vor, nach einer anderen Wohnung zu suchen. Das wird wieder daran scheitern, dass es so zentral wie hier kaum bezahlbare Unterkünfte gibt. Hamburg ist eben eine Metropole und jeder will möglichst verkehrsgünstig wohnen. Bliebe nur der Umzug in den Speckgürtel, aber das ist für mich keine Option.

Von meiner mageren Frührente kann ich mir kein Auto leisten, konnte das aber vorher auch nicht. Als Gärtner verdient man keine Reichtümer, daher habe ich auf derartigen Luxus immer verzichtet.


Nachdem ich den kontaminierten Schuh in die Badewanne geworfen habe, putze ich die Holzdielen. Was fressen diese Viecher nur, dass ihre Ausscheidungen derart ätzend riechen? Ich rücke dem Turnschuh mit Küchenkrepp zu Leibe und bürste ihn anschließend unter der Brause ganz sauber. Danach bin ich fällig für eine Dusche. Der Gestank hängt mir in der Nase und will einfach nicht weggehen.


Im Bademantel laufe ich in die Küche, koche Kaffee und packe das Brötchen aus, das ich eben gerade beim Bäcker unten an der Ecke besorgt habe. In der Auslage hat es lecker ausgesehen, doch nun – mit dem Hundekotgestank in der Nase – erscheint es weniger appetitlich. Aus reiner Gewohnheit belege ich es mit Käse, setze mich an den Tisch und trinke einen Schluck Kaffee, bevor ich in eine Hälfte beiße.

Es kracht verdächtig, dann fühle ich deutlich das Splittern eines Zahnes. Ja, verdammt! Ist dieser Tag denn nur mit Katastrophen gesegnet? Ich springe auf, laufe zum Spülbecken und spucke den gesamten Mundinhalt hinein. Sofort wird mir klar, dass ich nicht nur einen Zahn, sondern eine gesamte, kostbare Brücke eingebüßt habe. Kurz überlege ich, ob ich den Bäcker verklagen kann, doch nachdem ich die ausgespuckten Bröckchen näher analysiert habe wird klar, dass den armen Mann keine Schuld trifft.

Es war ein schlichtes und für ein Körnerbrötchen durchaus vertretbares Stück Dinkel, das diesen Unfall verursacht hat. Wenn ich nicht so gierig zugebissen, sondern die Zähne langsam in dem Backstück versenkt hätte, wäre nichts passiert. Trotzdem packt mich die blanke Wut, da eine neue Brücke überhaupt nicht in mein schmales Budget passt. Eine Zahnlücke ist dennoch nicht akzeptabel. Ich bin zwar nicht mehr der jüngste, aber ein schadhaftes Gebiss habe ich erst für sehr viel später eingeplant. Eigentlich erst für die Zeit, die ich in einem Sarg als Leiche zuzubringen gedenke.


Der Appetit ist mir durch den Vorfall gründlich vergangen. Ich entsorge den Rest des bösen Brötchens im Mülleimer, spüle den Mund mit einem Schluck Kaffee und laufe ins Bad. Ein Blick mit gefletschten Zähnen in den Spiegel und meine Laune ist endgültig versaut. Wie schon vermutet hat es genau die Brücke getroffen, die rechts neben den Schneidezähnen seit gut zehn Jahren eine Lücke kaschiert hat. Genau dieses Teil hat mich damals meinen wohlverdienten Urlaub gekostet.

Ich überlege, wie teuer es diesmal werden wird und dabei wird mir glatt übel. Nach meinen vorsichtigen Schätzungen dürfte ich mit annähernd tausend Euro rechnen. Eine gewaltige Menge Geld für einen Frührentner, der jeden Monat mit knapp dieser Summe auskommen muss.


Nun mag manch einer denken: Selbst schuld! Wieso wird man auch mit Anfang fünfzig Frührentner. Aber – mal im Ernst – das habe ich mir weiß Gott nicht ausgesucht. Mein Rücken ist schuld und die für meine Statur einfach zu anstrengende Arbeit. Okay, die habe ich mir damals wirklich selbst ausgesucht, ich bin eben Gärtner aus Leidenschaft. Doch wer konnte ahnen, dass ich nicht kräftig genug sein würde, um den Job bis zur rechtmäßigen Rente durchzuhalten?

Trotz meiner nur eins fünfundsiebzig bin ich sehnig und habe stets auf meine Gesundheit geachtet. Gesund gegessen, mäßig getrunken und nie geraucht. Dennoch hat meine verdammte Wirbelsäule entschieden, dass ich vorzeitig ausgemustert werde. Ich habe so manch erbitterte Diskussion mit diesem verdammten Knochengerüst geführt, das diese jedoch jedes Mal zu seinen Gunsten bestreiten konnte. Hinzu kam vor einem Jahr noch hoher Blutdruck und am Ende habe ich nachgegeben.

Seit einem Jahr sitze ich also zu Hause, drehe Däumchen und denke über mein verfi… verflixtes Leben nach. Die fehlenden Zähne sind daher fast eine willkommene Abwechslung, auch wenn sie schmerzen, vor allem im Geldbeutel.


Ich lächle mir noch einmal im Spiegel zu, versuche, etwas Positives an mir zu finden. Dunkle Augen, fast schwarze Haare. Ein Erbe meiner Eltern, wenigstens zum Teil. Meine Mutter stammt aus Indien, mein Vater von hier. Die Hautfarbe, ein helles oliv-braun, habe ich auch von meiner Mutter geerbt, genauso wie die zierliche Statur. Ich kann ihr darum nicht böse sein, denn in jungen Jahren hat mir genau das eine große Menge an sexuellen Begegnungen eingebracht.

Ich bin schwul. Erwähnte ich das schon? Ach, ein unwichtiges Detail. Seit Jahren sowieso, da sich meine Kontakte mit dem – für mich – schönen Geschlecht auf eine Minimum reduziert haben. Ich gehe nicht in Clubs, wünsche mir eine feste Beziehung und die letzte hat wirklich ganze zehn Jahre gehalten. Bis zu dem Tag, an dem Heiko mir gestand, dass er einen Jüngeren hätte. Verdammte Szene! Innere Werte zählen dort überhaupt nicht, nur straffes Fleisch und stehende Schwänze. Apropos!

Ich schaue an mir runter und taste zwischen meine Beine. Das erste Highlight des Tages! Er steht! Begeistert wühle ich die Hand durch den Frotteestoff und umschließe meine Erektion. Trotz des Alters bin ich immer noch potent und einmal pro Tag reicht meist nicht. Mein Rekord liegt bei fünf Mal, doch meist genügt es, wenn ich es mir dreimal täglich besorge.

Ich pumpe konzentriert in meine Faust, fixiere dabei das Waschbecken. Nein, nicht, weil das erotisch ist, sondern weil ich plane, mein Sperma genau dort abzuladen. Ich bin Sauberkeitsfanatiker, weshalb mich auch der Hundekot … Uah! Falscher Gedanke, mein Schwanz wird weich. Ich lass ihn los und werfe dem Idioten im Spiegel noch einen genervten Blick zu, bevor ich das Badezimmer verlasse. Verschiebe ich das Wichsen eben auf heute Abend.


Nachdem ich mich angezogen habe, rufe ich bei meinem Zahnarzt an. Entsetzt lausche ich dem Band, das verkündet, dass die Praxis in den nächsten zwei Wochen geschlossen ist. Ja, geht’s noch? Der Kerl kann doch nicht Urlaub machen, wenn ich ihn brauche! Wütend notiere ich die Nummer des Dentisten, der als Vertretung genannt wird. Ich hasse es zwar, zu fremden Ärzten zu gehen, aber es handelt sich eindeutig um einen Notfall. Da kann selbst ich mal über meinen Schatten springen.


Einige Stunden später betrete ich die Gemeinschaftspraxis von Dr. Rosenberg und Dr. Flachmann. Das gediegene Ambiente gefällt mir gleich, sodass ich mich von dem Groll auf meinen eigentlichen Zahnarzt befreien kann. Eine freundliche Dame bittet mich, im Wartezimmer Platz zu nehmen. Außer mir sitzt dort nur eine ältere Frau, die ich mit einem gemurmelten Gruß bedenke, bevor ich mich auf einen der Stühle plumpsen lasse.

Schon nach wenigen Minuten wird die andere Patientin aufgerufen. Gleich darauf fordert eine Stimme aus dem Lautsprecher über der Tür mich auf, in das Behandlungszimmer 2 zu kommen. Erleichtert springe ich auf.


An der nur angelehnten Tür des entsprechenden Zimmers prangt ein Schild, das Dr. Rosenberg ankündigt. Ich trete ein und finde mich einem Schreibtisch gegenüber, wo ich eigentlich einen Behandlungsstuhl erwartet habe. Der Doktor, ein attraktiver Mann mit angegrauten Schläfen, lächelt mich an und weist auf einen Stuhl.

„Setzen Sie sich“, sagt er mit angenehm tiefer Stimme.

Verdutzt folge ich dieser Aufforderung, dabei schaue ich mich heimlich rasch um. An den Wänden hängen Landschaftsaufnahmen, darunter befinden sich niedrige Schränke in einem hellen Holzton. Wahrscheinlich Buche, oder aber Kiefer. Alles wirkt hell und freundlich, genau wie schon in der Anmeldung.

„Was kann ich für Sie tun?“, fragt Dr. Rosenberg.

„Ich habe eine Brücke verloren“, antworte ich und fletsche die Zähne, damit er den Schaden sehen kann.

„Hm, drei Zähne“, murmelt er und reibt sich das Kinn. „Wie sind Sie versichert?“, fügt er hinzu und wirft einen raschen Blick auf den Monitor, der etwas seitlich auf dem Schreibtisch steht.

„Normal. Also: Nicht privat“, murmele ich etwas beschämt, da mir dabei meine finanzielle Situation wieder deutlich bewusst wird. „Wie teuer wird es werden?“, erkundige ich mich leise.

„Kommt drauf an“, erwidert der Doktor und legt die Stirn in Falten. „Ich schätze, Sie werden mit rund sechshundert Euro rechnen müssen, je nachdem, was Ihre Krankenkasse zuzahlt.“

„Oh nein“, flüstere ich, als sich meine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten.

Ob die Bank mir einen Kredit gewährt? Allerdings würden auch monatliche Raten mein Budget schwer strapazieren. Am Monatsende habe ich ohnehin meist zu knapsen.

Dr. Rosenberg unterzieht mich einer eingehenden Musterung, dann steht er auf und zeigt auf eine Tür.

„Dann wollen wir uns den Schaden doch mal genauer ansehen“, sagt er.


Fünf Minuten später weiß ich, dass der Doktor wunderschöne blaue Augen hat, in deren Winkeln sich zauberhafte Lachfältchen eingenistet haben. Seine Lippen sind sündhaft elegant geschwungen und sein Duft …

„… werde ich Ihnen ein Provisorium einsetzen“, unterbricht Dr. Rosenberg meine Betrachtungen. „Die Brücke kann ich dann in ungefähr einer Woche erneuern.“

Mein weit aufgerissener Mund verbietet eine Erwiderung, daher zwinkere ich nur als Zeichen, dass ich verstanden habe.

„Außerdem sehen einige der Füllung so aus, als wenn sie seit Jahrhunderten in Ihren Zähnen stecken. Hat der Kollege Ihnen nie vorgeschlagen, das Zeug durch moderneres Material zu ersetzen?“ Der Doktor schüttelt den Kopf und fixiert mich mit hochgezogenen Augenbrauen.

Wenn er die Instrumente mal kurz aus meiner Mundhöhle entfernen würde, wäre ich zu einer Antwort in der Lage. Doch der Arzt stochert weiter an meinen Zähnen herum und kratzt am Zahnfleisch.

„Im Ganzen bin ich aber zufrieden“, murmelt er. „Dann kümmere ich mich mal um das Provisorium und beim nächsten Mal reden wir über den anderen Quatsch.“

Heidewitzka! Der Kerl ist ja ganz schön locker. Was die Praxis an Gediegenheit bietet, lässt seine Ausdrucksform zu wünschen übrig. Mir gefällt es. Genau wie sein maskuliner Duft und … Der Mann gefällt mir. Punkt!

„SVENJA“, brüllt der Doktor, legt endlich die Instrumente weg und dreht sich zur Tür. „SVENJA! Ich brauche Sie hier.“

Schritte nähern sich, dann biegt die besagte Svenja um die Ecke und bremst vor dem Doktor ab.

„Sie haben gedonnert?“, sagt sie mit gespielt tiefer Stimme.

„Ah!“, macht der Doktor erfreut. „Schön, dass Sie Zeit für mich erübrigen können.“

„Gern. Hatte eh gerade Langeweile“, erwidert die dunkelhaarige Frau, lächelt mir zu und bezieht Stellung neben dem Behandlungsstuhl.


Ich werde in horizontale Lage gebracht, dann beugen sich Arzt und Assistentin über mich. Automatisch kneife ich die Augen zu, während in meinem Mund herum gefuhrwerkt wird. Der Duft des Doktors wird zwar ein wenig von Desinfektionsmittel überlagert, dennoch rieche ich ihn intensiv. Ab und zu haucht sein Atem über mein Gesicht. Obwohl es eigentlich nicht sein kann, kribbelt meine Körpermitte und ich werde hart. Muss daran liegen, dass ich das morgendliche Ritual versemmelt habe.

Dr. Rosenberg streift mit dem Ellbogen immer wieder über meinen Schoß, wie zufällig. Dass er dabei meine Erektion bemerkt, steht außer Frage. Ich laufe rot an und versuche, gleichmäßig zu atmen. Der Doktor murmelt irgendwelchen Fachkram, den seine Assistentin in ähnlichem Fachchinesisch erwidert. Ihm ist nichts anzumerken, während mein Gesicht glüht.

„Ist Ihnen warm?“, erkundigt sich die Assistentin besorgt.

„Öffnen Sie doch einfach einen Knopf“, schlägt der Doktor vor und sein Grinsen ist eindeutig dreckig.

Oh Mann! Wieso kann ich nicht mitsamt dem Stuhl vom Erdboden verschluckt werden? Ich würde ja gern durch den Mund atmen, um wenigstens den verführerischen Duft als Reizfaktor auszuschließen, doch das geht eben nicht.

Nach einer gefühlten Ewigkeit passt der Doktor das Provisorium an und schnalzt zufrieden mit der Zunge.

„Sitzt!“, ruft er entzückt, lässt von mir ab und der Stuhl wird zurück in eine aufrechte Position gefahren.

Fast hätte ich laut gestöhnt, als meine Erektion dadurch schmerzhaft in den Jeansstoff gepresst wird. Ich kneife die Lippen zusammen, hole tief Luft und … Fehler! Schon wieder dringt ein neuer Schwall des verführerischen Rosenberg-Aphrodisiakums in meine Nase.

„Spülen Sie den Mund aus“, fordert die Assistentin mich auf.

Ich gehorche, während Rosenberg aufspringt und aus dem Zimmer läuft. Nachdem Svenja mich von dem Papierlätzchen befreit hat, klettere ich umständlich vom Stuhl und folge ihr steifbeinig in den Nebenraum.

„Wir sehen uns dann nächste Woche“, murmelt Dr. Rosenberg von seinem Schreibtischstuhl aus, schaut kurz vom Monitor zu mir und lächelt.


Dieses Lächeln verfolgt mich über die ganzen nächsten Tage. Darf ein Dentist überhaupt derart attraktiv sein? Mein eigentlicher Zahnarzt ist ein Monster gegen Dr. Rosenberg. Ich beschließe, dass ich nach der Brückenaktion auf jeden Fall wieder in die andere Praxis gehen werde. Der Adonis-Dentist ist zu gefährlich für einen sexuell unterforderten Mann wie mich.


Eine Woche später liege ich wieder auf dem Stuhl. Der Bankberater hat mit dem Kopf geschüttelt, als ich nach einem Kredit gefragt habe. Verständlich. Mein Budget bietet wirklich keinerlei Rahmen für irgendwelche Raten.

Es wird mir also nichts anderes übrig bleiben, als mit dem Zahnarzt zu verhandeln oder aber einen Kredithai aufzusuchen. Der letzte Weg wäre der zu meinen Eltern, aber die haben selbst kaum genug, um über die Runden zu kommen. Den Mut, noch vor der Behandlung mit Dr. Rosenberg zu sprechen, habe ich nicht aufgebracht. Es blieb auch irgendwie keine Zeit, denn er hat mich gleich auf den Behandlungsstuhl genötigt.

Zum Glück habe ich vor meinem Besuch in der Praxis wenigstens für ein entspanntes Becken gesorgt. Dreimal habe ich mir einen runtergeholt, am Ende tat es sogar weh und dauerte ewig. Dafür liege ich nun gelassen da und lass die Prozedur über mich ergehen.

„Wunderbar!“, freut sich der Doktor, nachdem er die Brücke eingepasst hat. „Sie werden lange Freude an dem Teil haben“, prophezeit er, während er mit dem Hocker zurückrollt und den Stuhl hochfahren lässt.

Svenja nickt zustimmend.

„Schön zu wissen“, murmele ich, in Gedanken schon bei der nun folgenden Verhandlung.


„So. Wollen wir nun über die gammligen Füllungen reden?“, fragt Rosenberg.

Ich sitze vor dem Schreibtisch, während er sich gemütlich in seinem Sessel zurückgelehnt hat. Meine Handflächen sind feucht. Ich lege sie flach auf meine Schenkel, atme tief durch und suche den Blick des Doktors.

„Ich … ich habe ein finanzielles Problem“, flüstere ich mit vor Verlegenheit roten Wangen. „Es wird schon schwer genug sein, die Brücke bezahlen zu können.“

„A-ha“, sagt er und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, bei ihm eine offene Tür eingerannt zu haben.

Er schmunzelt sogar kurz, setzt aber gleich darauf wieder eine ernste Miene auf. Stumme Sekunden verstreichen, während er mit dem Sessel wippt, sich vorbeugt und die Unterarme auf die Schreibtischfläche legt. Er schnappt sich einen Kugelschreiber, dreht ihn in den Fingern und betrachtet ihn, als wäre er ein überraschend gefundener Schatz.

Dann seufzt er, guckt kurz zu einem Bilderrahmen, der links von mir am Rande des Tisches steht und schaut schließlich hoch.

„Wir sind doch beide nicht mehr die jüngsten“, sagt Dr. Rosenberg und spielt mit dem Kuli. „Ich will ehrlich sein: Das, was Sie in der Hose haben, interessiert mich. Da Sie offensichtlich in Zahlungsschwierigkeiten stecken, hätte ich also ein Geschäft anzubieten.“

Seine Kaltschnäuzigkeit fasziniert mich, zugleich stößt sie mich ab. Ich ahne, was nun kommt.

„Ich behandle Sie und im Gegenzug … darf ich mich oral an Ihrem Penis bedienen. Nein, warten Sie, ich will das erklären“, sagt der Doktor und hebt abwehrend beide Hände, weil er merkt, dass ich ihm ins Wort fallen will. „Ich bin verheiratet. Wohlgemerkt: Glücklich verheiratet.“ Er dreht kurz an seinem Ehering. „Dennoch habe ich latent schwule Neigungen. Das Risiko, mir in einem Darkroom etwas einzufangen, darf und will ich nicht eingehen. Ich schätze Sie als sauberen und dazu noch monogamen Mann ein. Daher überhaupt dieses Angebot. Wenn ich nämlich … dann will ich es pur. Sie verstehen?“

Oh ja! Er will es ohne Gummi. Doch … wieso meint er, dass es bei mir sicher ist? Sehe ich so einsam aus?

„Herr Hufschmied, verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will Ihre Person absolut nicht abwerten, aber Sie machen auf mich den Eindruck eines Mannes, der … ich will es mal so sagen: Allein ist. Sie … Es ist der Ausdruck Ihrer Augen. Sie gucken so traurig. Oder … täusche ich mich?“

Irgendwie habe ich nicht das Gefühl, dass ich mich in irgendeiner Weise an des Doktors Monolog zu beteiligen hätte. Er macht das auch ohne mich sehr gut, daher schweige ich.

„Also gut“, fährt Dr. Rosenberg fort. „Ich würde vorschlagen, dass Sie die Sache überdenken und mir beim nächsten Termin signalisieren, ob und in welcher Weise Sie sich eine derartige Zusammenarbeit vorstellen können. Okay?“

Ich nicke einfach mal, da der Aufforderungscharakter seiner Frage diesmal deutlich bei mir ankommt.

„Sehr schön“, murmelt der Doktor. „Ich schlage also vor, dass Sie nächste Woche zu einer Bestandsaufnahme der alten Füllungen wiederkommen und wir uns anschließend … unterhalten. Sollten Sie ablehnen, biete ich Ihnen selbstverständlich eine Ratenzahlung an. Bin ja kein Unmensch.“ Er zwinkert mir zu. „Ich darf Ihnen jedoch verraten, dass mir die andere Lösung weit besser gefallen würde. Und … Sie hätten auch etwas davon.“ Erneutes Zwinkern.


Der Kerl ist wirklich ein Schwerenöter. Als ich die Praxis verlasse, hat sich ein irres Grinsen in meine Mundwinkel gefressen. Ich mutiere also gerade zur männlichen Nutte und das in meinem Alter. Für mich steht bereits fest, dass ich das unmoralische – dabei aber äußerst verführerische – Angebot in jedem Fall annehmen werde. Mann! Ein saniertes Gebiss und diverse Blowjobs! Da behaupte mal einer, dass es mir schlecht geht!


Diesmal kann ich es kaum erwarten, bis die Woche endlich vorbei ist. Am Morgen des Termins lege ich extra nicht selbst Hand an, rasiere mich gründlich und tupfe sogar ein wenig des Rasierwassers auf die Haut rund um meinen Schwanz. Obwohl … Vielleicht mag der Doktor das gar nicht. Ich wasche mich also erneut und suche meine Kleidung mit besonderer Sorgfalt aus. Viel Auswahl habe ich allerdings nicht, weshalb ich am Ende doch wieder nach Jeans und T-Shirt greife. Das steht mir eben am besten.


Ich bin für kurz vor zwölf Uhr bestellt. Als ich an der Praxis ankomme geht mir auf, dass das der letzte Termin vor der Mittagspause sein muss. Und richtig: Svenja und die andere Sprechstundenhilfe lassen mich zwar noch herein, tragen aber bereits Jacken und Taschen bei sich. Während ich zu Rosenbergs Sprechzimmer laufe, höre ich die beiden lachen und die Tür fällt hinter ihnen ins Schloss.

Der Doktor sitzt hinter dem Schreibtisch, spielt mit einer Büroklammer und schaut hoch, als ich eintrete. Er wirkt etwas angespannt, versucht das jedoch mit einem Lächeln zu übertünchen. Ich nehme unaufgefordert Platz und bin plötzlich auch nervös. Mit dem Abstand von einer Woche betrachtet ist sein Angebot irgendwie … unwirklich. Vielleicht habe ich mir alles nur eingebildet, war in einem rosa Seifenschaumtraum gefangen und mache mich hier gleich zum Narren.

„Und? Wie ist Ihre Entscheidung?“, fragt Rosenberg nach mehrmaligem Räuspern, dabei formen seine Finger aus der Klammer ein Dreieck.

„Habe ich das richtig verstanden? Sie … wollen wirklich … mein … mich … äh?“, stottere ich unsicher.

Es erscheint mir in diesem Moment mehr als absurd, dass dieser adrette und gebildete Mann mir einen Blowjob verpassen will. Die Vorstellung hingegen knabbert schon an meiner Mitte und lässt mich halbsteif werden.

„Richtig. Ich darf Ihnen einen blasen und Sie bekommen schicke Zähne“, sagt der Doktor so nüchtern, als würde er in einem Lokal eine Bestellung aufgeben.

Nur seine Finger zittern ein wenig. Das Dreieck gerät zu einem Rhombus, bevor er die Büroklammer auf die Tischfläche wirft und die Hände faltet.

„Dann … dann bin ich einverstanden“, erkläre ich leise, aber mit fester Stimme.

„Super!“, ruft Rosenberg, springt auf und joggt um den Schreibtisch herum. „Kommen Sie!“

Er rennt in den Behandlungsraum und ist schon dabei, den Stuhl in die Horizontale zu fahren, als ich dazukomme. Mann-Mann-Mann! Der hat es aber eilig! Allerdings wird es bei mir auch langsam dringend, vor allem, als ich des Doktors Duft erneut in die Nase bekomme. Ich schiebe mich an ihm vorbei und auf den Stuhl, lege mich zurück und schaue ihn erwartungsvoll an.

„Also, erst mal das Wesentliche: Ich bin Finn. Es ist doch etwas dumm sich zu siezen in unserer Lage, oder?“, sagt Rosenberg und setzt sich auf seinen Hocker.

„Klar. Ich bin … Ach, das weißt du ja“, antworte ich und lächle ihm versuchsweise zu.

„Kamal“, murmelt Finn und erwidert mein Lächeln.

Es folgt ein Augenblick verlegener Stille, den Finn schließlich mit einem Seufzer beendet.

„Ich … fange dann mal an. Oder möchtest du noch etwas wissen?“

Ja! Warum tust du das hier? Wenn du so glücklich verheiratet bist, du Spinner, wie du sagt, dann ist das hier doch überflüssig.

„Nein. Alles okay und ich glaube, ich bin sogar bereit“, antworte ich.

„Gut-gut“, murmelt Finn, rollt näher heran und macht sich an meiner Jeans zu schaffen.

Seine schlanken Finger öffnen geschickt die Knöpfe und ich hebe das Becken leicht an, damit er den Stoff von meinen Hüften bekommt. Sehr rationell schiebt Finn die Shorts gleich mit runter, sodass mein Halbsteifer alsbald ungehindert das Licht der Welt … Haha! Nein, natürlich nur das künstliche Licht der Neonröhren erblicken kann.

„Hübsch“, kommentiert Finn, streicht federleicht mit einem Finger über meine Leiste und linst zu mir. „Entspann dich. Denk einfach an etwas Schönes“, flötet er als nächstes, senkt den Kopf und beginnt mit zarten Küssen auf mein Geschlecht.

Damit habe ich nun überhaupt nicht gerechnet! Auch nicht damit, dass er mich lange mit Zärtlichkeiten verwöhnt, an mir schnuppert, immer wieder bewundernde Worte murmelt und erst, als ich fast am Platzen bin, seine eigentliche Tätigkeit aufnimmt. Mein harter Schwanz verschwindet endlich in seinem Mund und – Wow! – der Doktor versteht seinen Job! Mit unglaublicher Raffinesse werde ich gelutscht, umzüngelt und an der Wurzel massiert. Es geht rasend schnell, dass mich die Ekstase erwischt und ich stöhnend in Finns Mund ejakuliere.

Der irre Doktor saugt und massiert, als wenn er noch ein paar Liter mehr erwartet. Ich muss ihm schließlich Einhalt gebieten, da ich nach dem Höhepunkt einfach zu empfindlich bin. Finn reagiert sofort auf mein ‚Bitte hör auf‘, hebt den Kopf und starrt noch einen Moment auf mein Glied. Dann schaut er zu mir und seufzt zufrieden.

„Du schmeckst gut“, raunt er versonnen.

Was soll ich darauf antworten? Dass ich ihn auch gern trinken würde? Ich schiele zwischen seine Beine und richtig: Finn ist erigiert.

„Soll ich mich bei dir revanchieren?“, frage ich heiser.

Er schüttelt den Kopf, erhebt sich und legt – wie zum Schutz – eine Hand über die Beule in seinem Schritt.

„Nein! Ich … mach mich kurz frisch“, sagt er. „Bin gleich wieder da.“


Aus dem ‚gleich wieder da‘ werden dann locker zehn Minuten. Ich schnappe mir eine Box mit Tüchern, feuchte sie mit dem Wasser aus dem Becher am Spuckbecken an und wische meinen Genitalbereich ab. Das hat der Doktor zwar hervorragend mündlich erledigt, aber ich habe eben diesen Tick. Nachdem ich meine Kleidung geordnet habe, schnappe ich mir noch mehr von den Tüchern und beginne, Flächen zu putzen.

Das geschieht instinktiv und lohnen tut es sich auch. Des Doktors Putzfrau hat schlampige Arbeit geleistet. Ich wische und wienere, bis die Schachtel leer ist und zugleich vom Türrahmen her ein erstauntes ‚Kamal?‘ erklingt.

Finn steht mit vor der Brust verschränkten Armen da und schüttelt amüsiert den Kopf. Auf seinem Gesicht sind deutliche Spuren eines Höhepunktes zu erkennen. Da hat der Schlingel doch selbst Hand angelegt! Das empört mich ein wenig, doch zugleich muss ich zugeben, dass es mich nichts angeht. Die Beweggründe für sein Handeln sollen mir doch egal sein. Wahrscheinlich ist das seine Art, mit seiner Latenz umzugehen. An die ich – ehrlich gesagt – nicht wirklich glaube.

„Ähm, danke. Meine Putzfrau kommt nur alle zwei Tage“, murmelt Finn, lässt die Arme fallen und schiebt die Hände in die Hosentaschen. „Hättest du Lust, mit mir Essen zu gehen? Es ist Mittag, die Praxis öffnet erst um drei wieder.“

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