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Armageddon Zone: Brücke ins Nichts

Antje Ippensen, Marten Munsonius

Armageddon Zone: Brücke ins Nichts

Band 2 der Endzeit-Saga: Cassiopeiapress Science Fiction





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Die ARMAGEDDON ZONE Saga

Band 2: BRÜCKE INS NICHTS

von Antje Ippensen und Marten Munsonius

Den Feuersturm im Rücken entscheidet sich John Iceheart das Geheimnis am Grund des Hafenbeckens zu lüften.

Doch ohne die Hilfe des Abenteurers Butch Vic wird das vermutlich nicht möglich sein. Beide Männer verbinden Visionen, die sie nicht nur im Schlaf verfolgen.Und der Hafen der Steinernen Schatten will die beiden Männer nicht mehr aus seinen Klauen lassen. Doch auch wenn sie sich befreien könnten, würden sie schreckliche Dinge mit frei setzen und vor ihnen liegt eine ungewisse Zukunft, eine BRÜCKE INS NICHTS…

© 2012 AZ created by Marten Munsonius, Treatments by Antje Ippensen Marten Munsonius

© 2012 - Brücke ins Nichts - by Antje Ippensen mit Marten Munsonius

© Illustrator: Steve Mayer

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

General Thomas "Stonewall" Jackson
"Lasst uns den Fluss überqueren und im Schatten der Bäume ausruhen." 10.Mai 1863

Eine Entscheidung

Ich hasse meinen Job, dachte Butch Vic, seines Zeichens einfacher Wächter auf den Zinnen der Plastikstadt Fjuel. Und ich hasse mein Leben.

Unglücklich starrte er in den extrem dichten Nebel, der Fjuel wie eine Giftwolke umgab. Er konnte kaum atmen, die Luft glich einem zähen Brei, der nur mit äußerster Gewalt in die Lungen zu fließen schien. Ihm war schlecht. Er wusste sehr gut, welches Bild er abschütteln wollte und doch nicht konnte – es war heute, am frühen Morgen geschehen und schien doch erst einige wenige Lidschläge lang her zu sein: Jene Vision, die sich ihm schonungslos aufgedrängt, ihn wie mit Eisenklauen gepackt hatte. Fest und solide schien der Mauerpfad, aber unter seinen Füßen schwankte er, als sei er aus Klarsichtfolie, die sich über leerer Luft spannte.

Zwanzig Meter entfernt, im Wachpavillon, hörte er seine Kameraden lärmen und grölen. Sie nutzten die erlaubte Feierstunde, und eigentlich hätte Butch Vic sich zu ihnen gesellen müssen und auch wollen. Nicht mehr lange, wenn sie ihn endlich vermissten, würden sie nach im lautstark zu rufen beginnen. In Fjuel war es nicht erwünscht, dass man sich absonderte. Das man sich zurückzog. Das man lieber alleine blieb. Da war man kein Kamerad, dem man sich als Deckung im Ernstfall in seinem Rücken wünschte.

Fjuels Mauern waren aus Ruinen gemacht, die keineswegs aus Plastik bestanden; es waren vielmehr die Kunststoffminen in den südlichen Vierteln, die der Stadt ihren Beinamen gegeben hatten. Dennoch wurde nicht nur die geförderte Plastikmasse als Rohstoff verkauft an die umliegenden Siedlungen, sondern man achtete auch darauf, Statussymbole und ähnliches aus dem begehrten Stoff zu fertigen – für Fjuel, um einen positiven Ruf für die Stadt zu festigen.



„He, Butch… Butch Vic!“ Das war Zeran, Butch Vics Vorgesetzter. Er wankte aus dem Pavillon, mit Branntwein abgefüllt, wie ein Schiff in schwerer See schwankend. Der unsichtbare Wind drohte zum Sturm zu werden und Zeran über die Mauer zu stürzen, von der er urinierte , wobei er jedoch seinen grinsenden Kopf dem Wächter zuwandte. Seine Augen rutschten dabei ständig weg und er sah aus als würde er ein schielendes Kamel nachäffen. Zeran war tiefgebräunt, trug eine unglaublich wirre, verfilzte Haarmähne, und sein Gebiss glich dem eines Raubtieres ... oder dem eines Azzam-Bullen, mit stark hervorstehenden Hauern. In seinen durchlöcherten Ohren baumelten riesige Plastikohrringe.

„Komm zu uns, Kerl! Sauf und friss! Ham’s uns verdient, oder nech? Gleich kommen ´de Weiber.“

Butch Vics Übelkeit verstärkte sich. Sein Oberkörper passte sich dem schwankenden Takt seines Vorgesetzten an und das Ekelgefühl in seinem Magen breitete sich über seinen ganzen Körper aus. Er zwang sich zu einem breiten Grinsen und zu der Frage, was es denn Schönes zu fressen gäbe.

„Azzam-Bull!“, dröhnte Zeran noch einmal, während sein Wasser über die Stadtmauer plätscherte. „Nur vom Feinsten, Kerl! Soll ich dir`n besonders feddes Stück reserviern lassn? Ausm Oberschenkel?“ Ohne Butch Vics Reaktion abzuwarten, stopfte der Hohe Wächter sein Glied ins Beinkleid zurück und rief dann mit jener besonderen metallischen Stimme: „Frau.“ Nicht laut. Auch nicht besonders klar. Aber mit der Stimme eines Mannes, der es gewohnt war Befehle zu geben, denen unwidersprochen gehorcht wurde.

Eine weibliche Gestalt huschte herbei und nickte eifrig mit dem kahlgeschorenen Kopf, als Zeran ihr einige undeutlich genuschelte Anweisungen erteilte.

„Nun komm auch, Kerl! Fraß is gleich da.“

Butch Vic knurrte etwas Zustimmendes und überlegte krampfhaft, wie er sich drücken konnte. Er wollte weder essen noch trinken noch bumsen. Er dachte immer nur an seine Vision.

Nicht normal. Ein Abweichler. Hab verbotene Ideen im Kopf. Werde verbannt. Nur eine Frage der Zeit.

Die Gesetze Fjuels waren nicht aus weichem, formbarem Plastik, sie bestanden aus Eisen, oder besser noch, Beton. Kein Zufall, dass Fjuel das starre Material Beton geradezu anbetete, und es war folgerichtig ausschließlich für den Schutz der Stadt selbst bestimmt. Plastik war eine Sache, aber Beton ... Butch Vic war der einzige weit und breit, der etwas Negatives darin las, wenn er sich die Worte Betonköpfe, Betonseelen vor Augen hielt.

Der einfache Wächter sah eher schmächtig aus (bis man die kräftigen Hände bemerkte), sein Kopf war mit strubbeligem mausbraunem Haar bewachsen, er hatte einen Schnauzbart von der gleichen Farbe, und seine Augen von unbestimmtem Grau traten ein wenig hervor. Butch Vics Hals wirkte mager; der Adamsapfel tanzte, sobald er sich ein wenig aufregte. Eine beeindruckende Erscheinung wie der „Bulle“ Zeran war er jedenfalls nicht. Und ihm fehlte auch die schneidige Stimme, aufgeraut, manchmal heißer, im versoffenen Zustand oft undeutlich, aber mit einem schwingenden Unterton. Die Stimme eines Mannes, der es gewohnt war Kommandos zu erteilen.

Hart genug für den Job? Seit fünf Jahren schon versuchte er den Zweifel in den Augen seiner Wachkameraden zu besiegen. Und dabei lag ihm im Grunde gar nichts daran. Aber ein Mann musste essen, und er vertrug die Dämpfe nicht, die bei der Plastikgewinnung und -verarbeitung entstanden. Die übrigen Jobs in Fjuel (Dienstleistung und Lebensmittelproduktion) waren dünn gesät, und so war er anfangs ganz froh gewesen, dass man ihn in die Wache aufnahm.

Immerhin besaß Butch Vic gewisse Fähigkeiten, einen ausgeprägten Spürsinn für Gefahr und seine Waffenaura, die ihm bislang geholfen hatten, seine Position zu festigen. Besonders gut konnte er mit der Steinschlinge umgehen.

Er wünschte sich, das Gesicht des Mannes, der ihn in seiner Vision gerufen hatte, endlich deutlicher sehen zu können. Doch der hyperdichte Nebel Fjuels drang offenbar auch in seine Traumwelt ein – so jedenfalls hatte das Gesicht gewirkt, verwischt, unscharf wie hinter einem Vorhang. Gerade noch eben erkennbar gewesen war, dass es sich um einen Mann handelte. Zumindest machte die kantige Silhouette den Eindruck das Gesicht eines Mannes vor sich zu haben.

Doch konnte er es nicht verdrängen, blitzte die Vision in Flashbacks immer wieder in ihm auf. Und das geschah nicht zum ersten Mal, ganz im Gegenteil. Seitdem er ein fünfzehnjähriger Knabe gewesen war, suchten rätselhafte Träume ihn heim, gelegentlich sogar am Tage, und er hatte schnell gelernt, dies geheim zu halten.

Mechanisch zerrte der Wächter an seinen zwei Plastikarmbändern, die ihn kennzeichneten. Wie aus weiter Ferne hörte er, dass Zeran schon wieder ungeduldig nach ihm rief.

Hingen diese Visionen mit dem Rätsel seiner Familie, seiner Herkunft zusammen? Wieso gelang es ihm nicht, irgendetwas davon zu entschlüsseln, weshalb sank er immer wieder in Schwäche und Resignation zurück?

Urplötzlich, wie ein Windstoß, durchfuhr ihn der Gedanke: Vielleicht ist erst jetzt die Zeit reif dafür.

Butch Vic merkte, wie sich sein Gesicht straffte und wie er gleichsam mit fremder Stimme zu sich selber sprach.

So kann es nicht weitergehen. Tu etwas. Geh fort. Schrei. Reiß die Nebelschleier der Welt wie Papier ein.

Butch Vic fühlte die kleine Flamme der Rebellion in seinem Innern. Sie flackerte und wartete auf mehr Brennstoff, um genährt zu werden.

Aber dann schien die Furcht das Feuer wieder zu ersticken. Tonlos ratterte die Furcht ihre erstickenden Sand-Warnungen herunter: Da draußen kannst du allein niemals überleben. Das Land ist tot und teilweise verseucht vom Unaussprechlichen. Und selbst wenn du etwas Ausrüstung mitnimmst, WOHIN willst du denn gehen? Nach Norden, Süden, Westen, Osten? Überall ist der Tod. Bleib in Fjuel. Was nützt es, wegzugehen? Vergiss das Wort VISION. Es sind nur Träume. Schaumträume. Traumschäume. Weggepustet vom ersten Windhauch der aufkommt. Und ebenso unbeständig.

Manchmal wurden Verbrecher in die Wüste getrieben, damit sie dort verreckten; humaner wäre es stets gewesen, sie schmerzlos-schnell hinzurichten. Aber der Regierende Stadtmeister bestimmte darüber; das Volk – das ohnehin verroht und blutgierig war – hatte nichts mitzureden, wollte auch nicht mitbestimmen. Ihm reichten „Brot Spiele“.

In letzter Zeit hatte Butch Vic das Gefühl, dass er selbst der Gefahr, als Abweichler, Verbrecher abgestempelt und abgeurteilt zu werden, ganz nahe war. Dass er ihr mehrmals nur knapp hatte entrinnen können.

Sonderbare Gewohnheiten, Einzelgängertum, „Gesichte“ – dergleichen Phänomene hatten nun einmal keinen Platz in Fjuel, der Plastikstadt, wo alles bis ins Kleinste straff durchorganisiert war.

Das Leben hier wird zu Tode geordnet, fuhr es Butch Vic durch den Sinn. Der Gedanke traf ihn mit betäubender Wucht.

Aber was sollte er, ein kleiner, unbedeutender Wächter, daran ändern können?

Er hasste seinen Job, und er hasste sein Leben ... und er hasste sich selbst, als er nun doch dem Gruppendruck nachgab. Er schüttelte sich, versuchte die Gesichte loszuwerden, die schlechten Gedanken und die Übelkeit, die seinen Magen attackierte. Er stand auf, aber schließlich schwankte er nur ein wenig, als er hinüberging in den Wächterpavillon.

Dort befand sich bereits eine der Prosti-Frauen in den Händen von Zeran und Harkun, Zerans bestem Kumpel. Die anderen Wächter lärmten miteinander, tranken den billigen Branntwein als wäre es nur Wasser, und blickten gierig auf die fast fertig gebratene Azzamkeule, die in der Kochmulde über dem Feuer in einem Kräutersud dampfte.

Die Prosti trug mittlerweile eine ziemlich bizarre lila-blaue Plastiklockenperücke, welche ihren kahlen Schädel bedeckte, und sie kicherte schrill und doch tonlos, während die beiden Männer sich mit ihr beschäftigten. Wie bei allen Frauen ihres Standes war ihr Hals mit einem Nieten beschlagenden Lederhalsband versehen ... aber ihres saß sehr locker, fast wie eine Kette. Das bedeutete, dass sie willig war. Wenn eine Prosti sich sträubte, hatte jeder Mann in Fjuel das Recht, ihr das Halsband enger zu ziehen. Außerdem konnte er sie natürlich in jeder Weise züchtigen, ganz, wie es ihm gefiel. Niemand war rechtloser wie diese Frauen. Schlimme Zeiten. Endzeitstimmung!

Das große Fressen nahm seinen Anfang.

Lustlos begann Butch Vic an seinem Stück Fleisch zu nagen. Es schmeckte ihm nicht. Auch regte sich nicht das Geringste in seinen Lenden beim Anblick der Frau – ihm war, als sei sein Körper ein Stück Weichplastik. Und das würde auch nicht besser werden, wenn die restlichen Weiber kamen, er wusste es genau. Leichtes Grauen rieselte sein Rückgrat herab, grau und lähmend zog die nahe Zukunft an seinem geistigen Auge vorüber ... ja, er hörte förmlich schon den Spott und Hohn seiner Kameraden, wenn sie bemerkten, dass er, Butch Vic, sich nicht am Gruppensex beteiligte. Mehr und mehr empfand er den würgenden Zwang, der in sein kümmerliches Leben einschnitt, scharfen Drahtseilen gleich auf denen das Balancieren einem mörderischen Drahtseilakt glich – zwischen zwei Häuserzeilen und unter sich eine mehr als einhundert Meter währende Leere. Und gleichzeitig bohrte sich der Gedanke an seine Visionen (seine kostbaren Visionen!) tiefer und tiefer in seinen Geist und in sein gesamtes Wesen wie ein glühender Nagel. Wie ein sehr langer glühender Nagel.

Als er glaubte, diese Empfindung nicht mehr aushalten zu können, trank er einen kleinen Schluck Branntwein.

Zeran hatte der Prosti-Frau mittlerweile das Untergewand mit grober Hand weggerissen und sich die Kichernde rittlings auf seinen jetzt ebenfalls entblößten Oberschenkel gesetzt. Sein bester Kumpel Harkun knetete von hinten die Brüste der Frau und keuchte dabei schwer.

Butch Vics Vorgesetzter sah nun, auf welche Weise sein eigenbrötlerischer Wächter, sein „Sorgenkind“, Alkohol zu sich nahm, und er grölte: „Hey Kerl! Saufs auf ex, verfluch­ tes Plastik noch einmal! Nippst ja am Zeug wie’n Hausweib an sei’m Tscherrih!“

Harkun wandte Butch Vic gleichfalls die vor Begierde glasigen Augen zu und grinste: „Oder wie’n Bäjb anner Nuckelflasche!“

Zornig setzte Butch Vic die Flasche nochmals an und trank mehrere große Schlucke. Schnapsfeuer brannte in seiner Kehle und explodierte in seinem Magen. Er stellte sich vor, lauter kleine Schwarzpulverkugeln verschluckt zu haben. Auf sein schweigendes Starren reagierte Zeran, indem er die Prosti auf seinem Knie zu Butch Vic herumdrehte und ihr die Beine spreizte.

„Na, Kerl? Was is? Macht dich der Anblick nicht schweinescharf? Was sagste dazu? Kommst gleich nach mir dran!“

„DARAUF PISSE ICH!“

Butch Vic konnte kaum glauben, dass er das wirklich gesagt hatte. Geschrien hatte. Gebrüllt wie ein Stoßgebet. Abrupt stand er auf und verließ den Pavillon.

Ließ verdutzte Wächterkollegen zurück.

„Lass’n. Der war un’ is verdreht. Wie ne Kordel aus Billig­ plastik“, hörte er noch hinter sich.

Aber Butch Vic hatte sich im Gegenteil noch nie so klar und gerade und aufrecht gefühlt wie in diesem Moment.

Er fühlte, er brauchte nur noch einen winzigen Anstoß, um etwas Ungeheuerliches, Revolutionäres zu tun.

Die hämischen und beleidigenden Bemerkungen seiner Wächterkollegen über seine sexuelle Potenz hörte er nur noch mit halbem Ohr. Er entfernte sich von den Stimmen, näherte sich den Zinnen der Stadtmauer.

Verächtlich zog er die Nase hoch und spuckte in hohem Bogen aus – eine Handlung, die sich der meist still in sich gekehrte Mann selten erlaubt hatte. Jetzt tat es ihm wirklich gut, das zu tun. Er spuckte auf Fjuel, seinen Job und alles, was dranhing, ja, wahrhaftig, das tat er. Jetzt und hier.

Es herrschte in dieser nebligen Nacht jenes seltsame, magische Sternenschleierlicht, das die nächtlichen Leuchtfeuer dort oben nur als diffuse halbverwischte Flecken ahnen ließ. Kein Mond. Und trotzdem dieser Schimmer, der die Dunkelheit halb verschluckte.

Butch Vic beobachtete seinen Speichelklumpen, wie er wie ein Stein die vielen Fuß dem Wüstenboden entgegenflog, weißlich leuchtend.

Im Augenblick regte sich kaum eine Brise, selbst hier oben nicht, doch der Wüstenwind war tückisch.

Niemand wusste das besser als er, Butch Vic, denn er hatte vor langer Zeit mehrere Tage ... nein, manchmal sogar Wochen, in dieser lebensfeindlichen Umgebung verbracht. Natürlich nicht in der Nähe der Strahlungsnester, wobei er sehr wohl wusste, wo diese lagen. Immer noch hatte er dieses von Generation zu Generation weitergegebene Wissen.

Damals, als er noch eine Familie hatte ...

Blicklos starrte der unscheinbare Durchschnittswächter auf einen ganz bestimmten Stein in der Mauerzinne. Von außen mit einem zähfaserigen, sehr dichten Kunststoffmaterial beschichtet, bestand die Mauer in ihrem Kern aus dem kostbaren Beton.

Butch Vics Gedanken schweiften ab.

Seine Familie. Sein Vater und sein Onkel – beides wilde und wunderliche Gesellen, die sich nicht sonderlich um Regeln und Gesetze scherten. Vagabundenblut floss durch ihre Adern. Innerhalb ihrer rauen Männerfreundschaft wuchs Butch Vic auf, bis er vierzehn war. Trotz beinahe beständiger Armut war es ein gutes Leben, und er vermisste die Liebe einer Mutter kaum. Oft wussten die drei nicht, woher die Mahlzeiten des kommenden Tages nehmen, doch es fand sich immer ein Weg: ein Gelegenheitsjob, eine milde Gabe, eine Möglichkeit, etwas zu stehlen. Nur sehr selten musste der Junge hungrig schlafen gehen.

Ja, die beiden Brüder mit ihren wilden Bärten, die ewig vom Wind zerzaust waren ... Butch Vics Onkel wie auch sein Vater pflegten außerdem eine höchst gefährliche Leidenschaft: Sie gaben sich der Musik hin. Anders ließ es sich einfach nicht beschreiben – denn wann immer sie ihre Instrumente nahmen und ihre süßen verwegenen Melodien erklingen ließen, sanken sie in verzückte Trance ... und der Junge stand meist verständnislos und leicht befremdet dabei. Obwohl er nicht zu leugnen vermochte, dass auch ihn die Musik hin und wieder ergriff und bis ins Innerste aufwühlte.

Es war deshalb wohl zu verstehen, weshalb Musik in Fjuel verboten war, fand er. Und zwar schon seit Anbeginn der Zeiten, wie die Stadtmeisterei immer wieder verlauten ließ. Musik sei satanisch, anti-göttlich, und darum ein Gräuel.

Nichts davon sei wahr, behaupteten Butch Vics Onkel und sein Vater.

Das Verbot war jedoch auch der Grund dafür, dass sie stets den Gefahren der Wüste die Stirn boten und hinauszogen vor die Tore der Plastikstadt, um dort ihrer verbotenen Leidenschaft zu frönen.

Und so waren sie, eines Tages, auch in der Gefahr umgekommen. Anscheinend jedenfalls. Vermutlich. Ja, höchstwahrscheinlich waren sie tot. Was sollte sonst mit ihnen passiert sein?

Der vierzehnjährige Butch Vic hatte allerdings keinen wirklich greifbaren Beweis für den Tod der beiden. Jahrelang hatte ihn das gequält. Und vor allem seine eigene Feigheit, denn er floh, als sich der Felssplittersturm erhob. Blutend, halb blind, war er davongetaumelt, auf die Stadttore zu, und man hatte ihn eingelassen, weil er so sehr schrie, dass er sogar das Heulen und Krachen des Sturmes, der kleine Steine und anderes gegen den Beton der Stadtmauern schleuderte, mühelos übertönte.

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